Abstieg vom Babelturm

durch beidseitige Grundlagenforschung

 

 

 

 

Tobias Mentzel

derzeit zum Studium im Bereich

Molekularbiologie in USA                                                                                   5. März 2003

 

 

 

 

 

 

Nachbetrachtungen zu Karl Rahners Versuch, Glaube und Naturwissen zu verbinden, gleichzeitig Versuch einer neuen Brücke, Abstieg von theoretischen Türmen:

 

„Die Geschichte vom Babelturm“

 

 

 

 

Hallo Tobi,  (und andere Biologen)

 

auch wenn Du die Verantwortung der Naturwissenschaftler für die Glaubens-Erkenntnis ablehnst, so scheint mir doch gerade die Molekularbiologie ein ganz wichtiger Schritt zu einem neuen naturwissenschaftlichen Weltbild, das über die darwinistische Sicht eines feindlich konkurrierenden und zufälligen Kosmos hinausgeht. Die Mikrobiologie könnte so den Boden für ein neues Verständnis der Natur bereiten, das zu echter „Versöhnung“ der Weltbilder führt und in dem dann das Wort Gottes deutlich zu hören ist. Gerade Mikrobiologen halten - wie kaum ein Bereich der Naturwissenschaft - den Sohn Gottes in Händen, lesen aus dem Buch des Schöpfers, ohne es wahrzunehmen. Der schöpferische Logos (Wort Gottes), das die gesetzlichen Buchstaben bzw. davon ausgehende selbstgebaute Geisteskonstrukte aus Kosmos und Kirche vertrieben, könnte von Euch in der höchst konstruktiven Wirkungsweise des genetischen Alphabets der gesamten Genesis als bio-logisch reale Größe wieder konkretisiert, präsent gemacht werden. Abstrakte philosophische Gebilde und theologische Konstrukte bringen scheinbar nicht weiter. Erst als konkrete anschauliche Größe kann das vor 2000 Jahren als Gottessohn in menschlicher Gestalt messianische Wirkung entfaltende schöpferische Wesen für die aufgeklärte Welt wieder glaubwürdig werden, Wirkung entfalten.

 

Mir ist klar, dass Du mit Naturwissenschaft derzeit voll und ganz ausgelastet bist und das laienhafte theologisieren Deinem Vater überlassen möchtest, den Du oft nicht ganz ernst nimmst, zumindest denkst, dass er mit seinem Denken nichts bewirken kann. Da sich der Glaube heute nur noch aus Predigt begründet, nehme ich es Dir auch nicht krumm, wenn Du diesen Brief als „groben Unfug“ betrachtetest und alle Rede von Gott als pure Predigt oder persönliche Sichtweise betrachtest. Im heute für selbstverständlich gehaltenen Selbstverständnis der christlichen Religion muss alle Rede von Jesus Chrsitus als pure Schönrederei gesehen werden, gibt es keine Brücke zwischen den Biologie und dem was über ihn in der Bibel steht. Genau aus diesem Grund benötigen wir ein neues Bewusstsein von der christlichen Grundlage, das auch der Mithilfe der modernen Naturwissenschaftler bedarf, die den Weg frei machen kann, die natürliche schöpferische Vernunft mit neuen Augen zu sehen.

 

Die Erkenntnis unserer biologischen Grundlage bringt neue Verantwortung vor Gott

 

Mir ist klar, dass Ihr als Mikrobiologen voll auf damit beschäftigt seid, den Menschen Heilmittel herzustellen und ihnen Nahrung zu geben. Doch genau darum geht es. Wenn auch in anderem Sinne. Und was nützt letztlich alle wissenschaftliche Forschung, wenn die Menschen nicht befähigt werden, damit verant-wort-lich um zugehen. Wenn selbst wissenschaftlich begabte Glaubenschristen im Streit um die biologische Forschung nicht mehr fragen können, was im Sinne des Schöpfers ist, sie beispielsweise bei der Frage nach der Stammzellenforschung nur nach rein persönlich-menschlichen Würde-Motiven urteilen, wundert es mich nicht, wenn dann in Folge nur noch dem egoistischen Selbstzweck unterworfene Anwender unverantwortlich mit Eurer Erkenntnis umgehen. Wir benötigen ein neues Denken, das vom Geber aller konkreten Genesis ausgeht und seinem Wort ge-hort, die Gabe des Wissen im Sinne der Genesis zukunfts- und gesamtverantwortlich umsetzt?

 

Warum unser heutiges Denken und Verhalten der Weisheit des Schöpfers letzter Schluss nicht sein kann, wird Dir nicht nur in Heidelberg, sondern gerade auch in Deiner vorübergehenden Heimat in vielfältiger Weise bewusst. Dort ist zwar der Glaube an Gott wieder modern. Doch habe ich meine Zweifel, dass man wirklich dem Wort folgt, von dem alle schöpferische Ordnung ausgeht. Was nützt all Eure Forschung zur Verbesserung, wenn, wie mir Deine Mutter gerade heute beim Frühstück wieder erklärte, wir uns in blindem Egoismus aller am Kreislauf der Nahrungsmittelkette Beteiligter wissentlich gegenseitig vergiften? Von den weiteren Verbrechen gegen die natürliche Ordnung bzw. gesamte Mitwelt, wo die gutgläubigen (?) Amerikaner wahre Weltmeister sind, ganz zu schweigen. Was nutzt uns all Eurer Wissen, wenn wir weiterhin das Weltklima negativ beeinflussen, weil der Geist fehlt, der natürlichen Genesis Gottes gerecht zu werden? Wo eine Verant-wort-ung gegenüber dem fehlt, der auch für die sinnvolle Information der Gene sorgt, die unseren Körper steuern, da scheint der menschliche Geist allein seiner unsinnig gewordenen, sich gegenseitig manipulierenden Gier ausgeliefert, richtet sich allenfalls nach selbstgesetzten Göttern. Auch an die nächste Generation, der wir in blindem Un-wirtschaften die Ressourcen wegfressen und weltweite soziale Ungerechtigkeiten hinterlassen, die für Eure Zukunft katastrophale Auswirkungen haben, wird bei einem Glaube, der nicht vom konkreten Creator aller Genesis ausgeht, nicht gedacht. Wenn ihr als Biologen nicht gleichzeitig auch zu einem neuen Gottesbewusstsein beitragt, bringt all Eurer Wissen zur Erhaltung von Leben kaum mehr als eine Spendenbüchse von Brot für die Welt. Auch dort wird schneller gegenseitig geplündert, als durch alle ach so mildtätige Gaben gegeben wird. Welcher Unsinn künftig in der Wildwestmanier einer sinnentstellten Welt, die bereits bei Ackerbau und Viehzucht Unsinn betreibt, mit Euren technischen Errungenschaften angerichtet wird, ist kaum auszumalen. Da aber selbst die Fähigkeit zur Gentechnik als eine Gnadengabe Gottes zu sehen ist, wir den Geist nicht mehr in der Flasche verschwinden lassen können, sondern die technischen Möglichkeiten im Sinne der Genesis einsetzen müssen, benötigen wir ein Mehr an Verant-wort-ung. Hier sind Grundlagenforscher gefragt.

 

Entschuldige, wenn ich Dir jetzt auch noch über den großen Teich mit meinen laientheologischen Überlegungen nachstelle, die einfach nicht einsehen wollen, warum es zwei völlig verschiedene Sprachen des einen Schöpfers geben soll. Wie ernst die Sache ist, wurde mir bei einer Veranstaltung im Heinrich Pesch Haus, Ludwigshafen über den großen katholischen Theologen Karl Rahner wieder bewusst. Er hat aus seiner damaligen Sicht versucht, die mit der Aufklärung aufgebrochene Kluft zwischen Naturwissenschaft und Glaube zu überwinden, um dem flächendeckenden Atheismus und Werteverfall entgegenzuwirken. Wie Du an der Entwicklung siehst, ist sein Denkmodell, das nach Kant von einem im Grunde entgötterten Kosmos ausging und daher den Schöpfer weitgehend in den menschlichen Kopf verbannte, nur noch in menschlicher Selbsttranszendenz suchen konnte, gescheitert. Und doch war es weder falsch, noch vergebens, sondern ist im evolutionären Ablauf Voraussetzung für ein neues Suchen.

 

 

Das Testament Rahners verlangt eine neue naturwissenschaftlich begründete Theologie

 

Der als ein Architekt heutiger Theologie bezeichnete engagierte Glaubensdenker war ein Kind seiner Zeit. Diese hat aufgrund ihrer buchstäblichen Deutung von biblischen Glaubensbildern nicht nur Hinsichtlich der Ablehnung von Galileo oder der Evolutionslehre Gott aus dem konkreten Kosmos verdrängt, konnte seinen offenbarenden Sohn dort nicht sehen. Der im konkreten kosmischen Geschehen wirksame Schöpfer wird nach Kopernikus Wende im heutigen Bild der Welt nach wie vor noch nicht wahrgenommen. Und genau hier könntet ihr Mikrobiologen helfen. Wenn es schon schwer fällt, in der Komplexität des astronomischen Kosmos die Handschrift des Creators zu entschlüsseln, so könntet gerade Ihr Biologen den Nachweis bringen, dass tief in den kleinsten Teilchen kein blinder Zufall oder darwinistische Kampfesverdrängung existieren, sonders höchst sinnvolle Kreativität, zu der gewisse Freiheiten und Geist gehören. Der in der Bibel beschriebene Geber bzw. Vater des Kosmos wäre so in einer modernen Sicht des natürlichen Werdens wieder präsent zu machen. Wir müssen nach neuen Lösungswegen suchen, das habe ich am Wochenende in Ludwigshafen bei der theologischen Tagung zum 100. Geburtstag von Karl Rahner gelernt. Rahner, der sich mit sich u.A. mit Heißenberg intensiv auseinander setzte, zwar keine eigene Naturwissenschaft betrieb, aber die naturwissenschaftliche Vorgabe mit dem theologischen Denken in Verbindung bringen wollte, ist nicht entgültig gescheitert. Ich bin sicher, er war nur im Prozess werdender Erkenntnis ein notwendig weiterer Wegweiser, der uns letztlich zu einer neuen Wahrnehmung des Gotteswortes führt. Und hierzu könntet Ihr als Biologen mit einer über die darwinistische Deutung der Evolution hinausgehenden Sicht des kreativen kosmischen Körpers einen wichtigen Beitrag leisten.

 

Wie Du siehst, macht der Schöpfer in (seiner) Wirk-lichkeit scheinbar auch in der Evolution der Erkenntnis ebenso wenig Fehler wie in der Biologie. Alles, was wir oft schnell als „falsch“ bezeichnen, scheint im freien Spiel der Genesis ein notwendiger Weg zur konstruktiven Kreativität. Der Aufklärungsatheismus, dem die Theologie nach Immanuel Kant und Karl Rahner nichts entgegensetzen konnte, kann nur durch eine neue Sicht des Kosmos überwunden werden, weil vorher andere Wege versucht und in einer Dialektik der Auseinandersetzung weitere Erkenntnisse gewonnen wurden. Wozu ich auch Dich und Deine Kollegen bitte, als Biologen einen Beitrag zu leisten. Wie du weißt, geht es mir nicht um die Ablehnung oder die Vereinnahmung der Naturwissenschaft. Vielmehr gehe ich davon aus, dass der Christ auf das konkrete Geschehen im gesamten Kosmos, das ganz natürliche Werden bauen kann und muss. Nicht in einem vorgesetzten Glaubensgeheimnis, das für die Menschen unbegreiflich bleibt, sondern im für alle Welt sichtbaren Sohn – einer Software/Intelligenz aller Genesis - liegt die Präsenz Gottes, auf die urchristlicher Glaube gründet. So zumindest lässt sich nach allem, was ich inzwischen über den geistigen Hintergrund des im Neuen Testament theologisch umgesetzten und bebilderten neuen Bundes bzw. das Schöpfungsbewusstsein der damaligen Denker gelernt habe, schließen. Von diesem christlichen Selbstverständnis ausgehend, braucht intellektuelle Redlichkeit nicht zuletzt Dank der Erkenntnisse moderner Biologie nicht weiter zu unauflösbaren Rätsel zu führen. Der in der Antike menschgewordene lebendige Logos ist heute in der schöpferischen Vernunft und konstruktiven Ordnung allen mikrobiologischen Geschehens zu erkennen. Eure Aufgabe ist dabei nicht einen neuen Jesus Christus zu züchten, sondern nur den Logos eines universellen Schöpfers zu bezeugen. Den Rest muss die Religionslehre machen, die dazu ebenso wie Ihr Grundlagenforschung an den geschichtlichen Wurzeln ihres Glaubens betreiben muss, damit die kosmische wie menschliche Gestalt des Gottessohnes neue Bedeutung gewinnt, wieder wahrgenommen wird.

 

Wie Teilhard de Chardin hat Rahner eine Möglichkeit gesucht, um die Christologie mit dem Weltbild unseres Wissens für moderne Menschen zusammenzuführen. Auch wenn die beiden christlichen Denker völlig unterschiedliche naturwissenschaftlich orientierte Wege gingen, so waren sie gezwungen, ein neben die Schulwissenschaft und das offizielle Evolutionsverständnis stehendes theologisch-christologisches Lehrgebäude zu bauen.

Noch hatte das darwinistische und mechanistische Denken den Kopf der Menschen beherrscht, in dem eine höhere Vernunft als konkretes Wesen des gesamten Kosmos nicht vorkommen konnte. Und wie heute die Prozesstheologie oder moderne New Age Lehren, bei denen ich lernen soll, dass ich nur ein Kind des Kosmos sei, durch eine wunderbare Selbstorganisation aus Sternenstaub geworden, so kamen auch Rahner und Chardin nicht vom Turm selbstgebauter Theorien herunter, die immer wieder neben das allgemeingültige Wissen um das natürliche schöpferische Werden gebaut werden. Während sich Teilhard de Chardin trotz seiner naturwissenschaftlichen Basis einer weitgehend mystischen Sprache bediente, die nur als andere Form reiner Glaubens-Metaphysik verstanden wurde, benutzte Rahner eine philosophisch-thelogische Ausdrucksform, die weit mehr Beachtung fand. Während Teilhard ein Exot blieb, dessen Denken fast nur noch ganzheitliche New Age Anhänger aufgreifen, hat Rahner die heutige Generation von Theologen entscheidend geprägt. Mit einem denkfaulen Kompromiss und toter Toleranz zwischen den verschiedenartigen Weltbildern hat sich Rahner ebenso wenig zufrieden gegeben, wie mit einem nur auf sinnentstellenden Synkretismus gründenden Unverstehensmodell oder unumstößlichen Dogmen. Als freier Denker hat er auch jenseits der engen Kirchenmauern gesucht, ohne den Boden der Kirche und des biblischen Glaubens zu verlassen. Doch dem unermüdlichen „Hörer des Wortes“ war es vergönnt, dort das schöpferische Wort zu verstehen, wo Ihr in Eurer Gentechnik forscht. 

 

Auch neutestamentliche Grundlagenforschung ist gefragt

 

Teilhard wie Rahner waren gezwungen, nicht nur ihre naturwissenschaftliche Aussagen weitgehend neben das Schulwissen zu stellen. Auch ihre Christologien konnten nur neben das Bild der allgemeinen Kirchenlehre vom historische und anschließend als Christus verherrlichten Jesus gebaut werden. Mit dem Verständnis des historischen Geschehens bzw. Jesus konnten die Gedanken der beiden Theologen nicht auf einen Nenner gebracht werden. Es blieben somit rein denkerische Glaubenskonstrukte ohne echte geschichtliche Begründung, die erst in einem neuen christlichen Historien- und somit Selbstverständnis wieder zusammengedacht werden können.

 

Gerade in den Vorträgen der verschiedenen  Wissenschaftler und der Auseinandersetzung mit Rahners Versuch einer vernünftigen Natur- und Gotteserklärung ist mir wieder klar geworden, dass wir auf zwei Seiten Grundlagenforschung betreiben müssen, um zu einem gemeinsamen Nenner zu kommen, das Wort zu verstehen, das hinter aller scheinheiligen Predigt steht. Allein ein neues Bewusstsein der kreativen natürlichen Ordnung im gesamten Kosmos genügt nicht. Ohne ein neues christliches Selbstverständlich bzw. ein Neuverständnis dessen, was in den Synagogen der Antike als Sohn Gottes verstanden wurde und einen neuen Bund mit dem Schöpfer bewirke, wie er nicht nur in den Psalmen von Qumran beschrieben ist, kommen wir nicht weiter, leben wir in getrennten Welten. Wir müssen im theologischen Denken völlig neue Wege beschreiten, versuchen unvoreingenommen Dinge zusammenzudenken, von denen jeder denkt, dass es nicht geht. Nur so entsteht Neues, folgen wir dem, der in Mikro- und Makrokosmos ständig für wunderbar Kreativität sorgt. Doch um den Selbstschutzmechanismus der Theologen zu überwinden, die verzweifelt noch ein mythologisches Nichts als Sohn Gottes festhalten, müsst Ihr als biologische Grundlagenforscher neu die konstruktive Kreativität allen Werdens bzw. deren Wesen thematisieren.

 

Wie Du also weißt, mache ich nicht die Naturwissenschaft für die Trennung verantwortlich. Jedes Mehr an Wissen ist wie alles Werden von Gott gegeben und kann somit nicht schlecht sein. Doch das buchstäbliche Missverständnis der Bibel hat dazu geführt, dass Gott aus dem Kosmos verbannt wurde. Die neutestamentliche Theologie ist gefragt, an ihren eigenen Wurzeln zu suchen, um so den Boden für ein einheitliches Weltbild zu bereiten. Ich denke, dass auch der Versuch des großen katholischen Theologe am bisherigen Christusverständnis und somit an einem Gottesbild gescheitert ist, das nur aus dem Gesetz abgeleitet wurde. Die selbstbebauten Türme der neutestamentlichen Textinterpretation, die einerseits alles reformistisch reduziert und andererseits nicht bereit ist, konsequent die Bilder der Evangelisten mit neuem Leben zu füllen um so den Gottessohn als das eigentliche Wesen ernst zu nehmen, statt ihn nur im  Munde zu führen oder als Kirchenkonstrukt wegzuwischen, verhindert das ernsthafte Verständnis des lebendigen Gotteswortes im Kosmos. Teilhards wie Rahners Christologien blieben daher für die Menschen leere Konstrukte. Erst wenn wir in der Selbstorganisation aller Materie und der Selbsttranszendenz des menschlichen Geistes wieder den altbekannten Sohn Gottes sehen können, der uns mit Bart ein vertrautes Bild ist, werden wir auch den externen Informatiker wieder wahrnehmen, von dem alles Wort ausgeht. Erst dann haben die Christologien der beiden durchaus unterschiedlichen katholischen Denker einen konkreten Grund, werden für die Welt anschaulich.

 

Nur eine gemeinsame Sprache in Biologie und Bibel kann Babylon überwinden

 

Solange die Neutestamentler nicht zu einer Neudefinition der alten Texte bereit sind, wird man jemand wie mich für total verrückt halten, als Exoten oder Esoteriker abstempeln, wenn er die Begriffe „Sohn“ „Logos“ oder „Wort Gottes“ in meiner Weise verwendet oder gar ein Mikrobiologe behaupten würde, er hätte das Wort Gottes in Händen. Wir benötigen eine Vergewisserung an den Wurzeln unseres Glaubens um zu erkennen, was uns Gott dort sagt, wo Ihr im mikrobiologischen Bauplan das genetische Alphabet entziffert und die Astrophysiker im unendlich scheinenden Kosmos eine kreative Ordnung nachweisen.  

 

Gerade bei den verschiedenen Vorträgen ist mir wieder bewusst geworden, wie wenig ich eigentlich von den naturwissenschaftlichen Grundlagen unseres Kosmos weiß und wie gering meine philosophische Kenntnis ist. Doch manchmal ist es sicher auch gut weniger zu wissen, weil jedes Wissen bisher mit einer klaren Trennung zwischen Natur und Gotteswort verbunden war, zu Voreingenommenheit führt, die ich gerade auf der theologischen Seite täglich erlebe. Von den selbstgebauten Türmen kommen derzeit scheinbar weder Naturwissenschaftler und noch weniger Theologen herunter.

 

Am Montag nach der Tagung über Rahner Versuch die Weltbilder zu vereinen besuchte ich einen bibeltheologischen Studientag, bei dem uns Professor Klaus Berger aufgrund biblischer Texte beibrachte, warum Jesus am Kreuz gestorben ist, was Tod und Auferstehung nach biblischem Zeugnis bedeuten. Dabei wurde mir schlagartig wieder klar, wie weit die Weltbilder auseinander gedriftet sind. Auch wenn Berger mir beiläufig zugesteht, dass man Jesus Christus so sehen könnte, liegen Welten zwischen unserem Denken. Für Wissenschaftler, die ein Leben lang das Wort Gottes aus dem Buch gelesen und selbst Bücher über den jungen Religonsrebellen mit Namen Jesus geschrieben haben, scheint es unvorstellbar, im evolutionären Werden Gottes Wort zu hören, dort den Sohn Gottes sehen zu wollen. Auch Tod und Auferstehung des menschgewordenen Gotteswortes, können dann nicht als ein für die evolutionäre Erkenntnis notwendiges Geschehen betrachtet werden. Das Kreuz wird dann zwar als ein Symbol mit kosmischer Bedeutung bezeichnet, ohne das der kreative Glaubensfortschritt, die Erlösung der Welt nicht wäre, bleibt aber nur ein Galgen für einen Unruhestifter. Das auch in der Genesis des menschlicher Erkenntnis wirksame schöpferische Wort kann bei der Frage „wozu“ Jesus gestorben ist, nicht herangezogen werden. Solange die Theologie nur in der Schrift das Wort Gottes sucht und nach einem leidvoll gestorbenenantiken Guru Ausschau hält, muss es völlig absurd erscheinen, die Naturwissenschaft mit der Christologie vereinen, gar in der natürlichen Genesis den Sohn Gottes ewigen Sohn Gottes sehen zu wollen.

 

Und doch scheint die Zeit reif, die Verschiedenheit der Sprachen in einer von Gott ausgehenden gemeinsamen Logik zu verstehen. Indem Ihr als Naturwissenschaftler eine sinnvolle schöpferische Ordnung und Vernunft, einen Logos in den biologischen Abläufen nachweist, der als präexistentes Wort zu verstehen ist, kann die Sprachverwirrung überwunden werden. Erst mit Eurer Hilfe sind die religiösen Mythen aus dem Hinterzimmer hervorzuholen, in die heute selbst Berger die christologischen Aussagen über den Sohn Gottes als Schutzraum verbannt. Derzeit sind völlig verschiedene Zimmer eingerichtet, in dem jeweils angeblich eine ganz andere Sprache gesprochen werden soll. Ganz so wie beim Turmbau. Hier ist ein gemeinsames Sprechen über Gott nicht mehr möglich. Die Mythologisierung des Gottessohnes sperrt alle Gotteserfahrung ins Private, über das nicht zu sprechen ist und von dem keine gesellschaftliche Wirkung ausgehen kann. Wo der Glaube nicht auf ein konkretes Weltbild des kausalen Wissens baut, das gemeinsam besprochen werden kann, bliebt nur ein persönliches Wohlfühlen. Theologie ist dann kaum mehr als Kaffeeklatsch, wo dann im HpH nur noch einige meist konservative Katholiken, auch wenn sie noch so naturwissenschaftlich gebildet sind, persönliche Gottessohnsvorstellungen austauschen. Auf der evangelischen Seite kommt der Sohn Gottes eh nur in der Sonntagspredigt vor. Ein sinnvolles Reden über die Realität des Gottessohnes in aller Schöpfung schließt sich so aus, muss als völlig absurd erscheinen.

 

Die Vernunft scheut dieser, der eigenen Vernunft zuliebe rein mythologisch konstruierte Gottessohn wie der Teufel das Weihwasser. Über den Gottessohn gibt es angeblich nicht zu sagen, außer dem, was Exegeten wie Berger aus dem Buch ablesen, allerdings die meisten längst als alte Kirchendogmatik ablehnen. Wer daher will, könnte auch andere, für die persönliche Spiritualität erbaulichere Praktiken wählen oder mit den Indianern den großen Geist des Manitu verehren, von dem alle natürliche Ordnung ausgeht. Und wenn ich nicht von Neutestamentlern wie Berger oder seinen Schülern die Bedeutungsinhalte des biblischen Geschehens, den geistesgeschichtlichen Hintergrund kennen würde und wüsste, dass vor 2000 Jahren der Sohn Gottes als kosmische Größe aufgrund des damaligen Wissens gesehen wurde, könnte ich Naturwissenschaftler verstehen, die sich vom christlichen Glauben abwenden, alles als unwirklichen Mythos abtun. Gleichwohl wir in einem einzigen Haus der Genesis Gottes wohnen, geht selbst Berger davon aus, dass das Wohnzimmer des kausalen Wissens völlig separat betrachtet werden muss. Daneben malt er im Grundriss des Hauses einen Wirtschaftsraum für die Werte an die Tafel. Und selbst Werte scheinen mit der religiösen Sprache unerklärlich, lassen sich nicht aus dem Wort Gottes ableiten. Für sie wurde von Berger ebenso ein separates Zimmer gemalt, wie für Poesie und Kunst. Wen wundert es, wenn der Ruf nach gemeinsamen Werten, der dann im Sonntagsblatt erscheint, zusammen mit dem gepredigten Gottessohn als gestrige Privatsache gesehen wird? Ob Forderungen nach gesellschaftlicher Verantwortung der verschiedene Generation, Kindersegen, ökologischer oder globalwirtschaftlicher Gerechtigkeit, wer das Wissen um das Werden des Kosmos aussperrt und nur das Buch zitiert, braucht sich nicht zu wundern, wenn gutgemeinte Forderungen im Nebel verhallten.

 

Dabei scheint es nur logisch zu sein, dass die Theologie letztlich trotz besseren Wissens an ihren altbewährten Bildern festhält. Wenn nicht über die Wirk-lichkeitkeit eines Schöpfungswortes im naturwissenschaftlichen Weltbild nachgedacht wird, hat die Theologie keine andere Wahl, wie an einem anschließend verherrlichten charismatischen Wanderprediger als dem eigentlichen christlichen Wesen festzuhalten. Solange die Naturwissenschaft den Blick auf die schöpferische Ordnung, den göttlichen Nomos und Logos aller Natur noch nicht ermöglicht, muss die Theologie bei ihrer reinen Bildsprache bleiben und alles zum Mythos erklären, auch wenn sie von den Menschen heute weitgehend missverstanden wird und kaum einen ernst zu nehmenden Glauben mehr begründen kann. Solange der Kosmos leer bleibt, Biologie oder Kosmologie nicht neu eine sinnvolle schöpferische Ordnung belegt, bleiben nur schöne Bilder von Jesus Christus mit Bart, in denen man einfach den Gottessohn sehen soll, weil’s geschrieben steht. Wer das noch tut, wenn er die Bilder im neuen Passionsfilm betrachtet, gleichzeitig die historisch kritische Theologie hört, die alles als Kirchenkonstrukt entblättert, bleibt dahingestellt. Wenn dann selbst Prof. Berger im Vorgriff auf die Anschuldigung der Pharisäer im neuen Passionsfilm bereits im letzten August in der FAZ dem Pilatus die Schuld in die Schuhe schob, ist nichts mehr vom Gottessohn zu sehen. Wo angeblich nur ein römischer Stadthalter die Verantwortung für die Kreuzigung trägt, weil ein antiker Sponti für zu viel Aufsehen sorgte, müssen die Naturwissenschaftler über einen großen Schatten springen, wenn sie über den präexistenten Sohn Gottes in aller Natur nachdenken wollen.

 

Auch wenn der Jesusforscher und Dekan der Landauer Uni, Prof. Heiligenthal in der Rheinpfalz über den die Botschaft verstellenden Gewaltfilm herzieht, wird der Blick der denkenden Welt nur auf einen jungen Rebellen gerichtet, der den neuen Bund begründende Gottessohn ausgesperrt. Nicht der Film reduziert die Botschaft des neuen Bundes, sondern die Fachdiskussion. Wenn sich jetzt Theologen empören, dass der Tod unseres historischen Religionsgründers in dieser so schlimmen Weise dargestellt wird, gleichzeitig dessen Leiden mit dem Martyrium Dietrich Bonhoeffers vergleichen, scheint es für Euch als Naturwissenschaftler nichts zu tun zu geben. Doch lasst Euch als Biologen bitte nicht irre machen bzw. von den Schriftlehrern davon abhalten, in aller Schöpfung nach dem heute lebendigen Jesus Christus zu suchen.

 

Wie du in der derzeitigen Diskussion, die hier bei uns durch den gesamten Blätterwald zieht erkennen kannst, haben die Bilder der antiken Weisheitslehrer nicht nur dem erzkonservativen amerikanischen Filmemachern den Kopf verdreht. Die Fachdiskussion, die jetzt angesichts der Blutbilder aufschreit, wenn im Film kritiklos so getan wird, als seien die Evangelien eine banale Geschichtsstory, gleichzeitig aber die Bedeutungslosigkeit der Bilder zementiert, ist das eigentliche Problem. Nicht Mel Gibson, sondern die Bibelforscher selbst sind es, die ihre eignen Erkenntnisse ignorieren. Genau diese Inkonsequenz ist es, die dem offenbarenden Sohn Gottes heute den Kopf kostet. Nur in einem Bewusstsein des präexistenten Wesen, das von Euch Naturforschern zu begründen wäre, ist dieses Problem zu lösen. 

 

Warum allerdings auch abstrakte philosophische Begrifflichkeiten nicht weiterführen, wurde mir bei der Tagung anschaulich. Selbst machen der philosophisch und wissenschaftlich weit mehr als ich vorgebildeten Teilnehmer, denen das Hirnjogging Spaß machte, fielen bei allzu viel philosophischer Abstraktion klammheimlich die Augen zu. Der schöpferische Logos muss scheinbar anschaulich sein, um die Menschen zu bewegen. Wir brauchen Bilder, die mehr bewegen als abstrakte Begriffe, das zeigt selbst neue Passionsfilm, der den Betrachtern unter die Haut geht. Doch die Bilder benötigen Inhalte, die in einer gemeinsamen Begrifflichkeit wieder verstanden werden. Und hierzu könntet auch Ihr Biologen beitragen.

 

Wie Du siehst, findet Babylon möglicherweise nicht im Bahnhofs- oder Bankenviertel von Frankfurt statt (gleichwohl hier viel getrieben wird, was nicht im Sinne der Bio-logik Gottes ist), sondern mitten im Kreis der Jesuiten, an der Tafel theologischer Tagungen im HpH und somit im Kopf der Teilnehmer. Indem ihr in der kausalen Beschreibung des kosmischen Werdens den schöpferische Sinn/Logos und somit das Wort Gottes deutlich macht, könnte die Mythensprache in neuer Weise verstanden werden. Auch im Zimmer, in dem über die Werte gesprochen wird, könnte dann die kosmisch-schöpferischer Ordnung verstanden werden, die in menschlicher Verantwortung konstruktiv umgesetzt wird. Kunst und Poesie mag dann zwar ein anderer Literaturstil sein, sprechen jedoch die gleiche Sprache, setzen das Wort Gottes auf ihre Weise um.

 

Mikrobiologie könnte den logischen Aufbau von menschlicher Natur, wie des gesamten Kosmos konkretisieren

 

Viel klarer als abstrakte Konstrukte, sind die Modellbilder des lebendigen Kosmos. Russ Hodge, der für die Öffentlichkeitsarbeit am EMBL in Heidelberg zuständig ist und für eine Theologin eingesprungen war, die über Schöpfung und Evolution sprechen wollte, hat mir in seine einfachen Darstellung der Erkenntnis Eurer Forschung wieder deutlich gemacht, dass die Biologie und somit die Evolutionslehre die Sprache des Schöpfers anschaulich vermitteln kann. Viel klarer als in der Physik haltet Ihr das kreative Leben in den Händen, das auf den Creator schließen lässt. Sicher kann man auch bei den Physikern viel lernen, insbesondere wenn es um die himmlische Ordnung des unendlich astronomischen Universums geht. Doch während die Philosophen der Physik nach langem Nachdenken oft daran zweifeln, ob sie in Wirklichkeit selbst real sind oder doch nur relativ bleiben, lässt sich bei Euch in der Biologie das pralle Leben begreifen. Das schöpferisch-konstruktive Zusammenspiel, bei dem in all seinen  Verästelungen wie selbstverständlich jeweils eine Bio-logik, ein Sinn vorausgesetzt wird, kann auch ganzheitlich gesehen eine schöpferische Kreativität bestätigen. Was vom darwinistischen Zufall geprägten Wissenschaftler als Bahnhofsbuchhandlungswissen beiseite schieben, kann so zu einem schöpferischen Band geknüpft werden und zu einem Weltbild führen, das weit über den materialistischen Zufall und den Kampf, bei dem das bös und starke gewinnt, hinausgeht. Und genau das ist die Voraussetzung, um in allem evolutionären Geschehen, bei dem sich immer das schöpferisch sinnvolle durchsetzt, eine göttliche Vernunft zu sehen, eine Software, die von einem externen Informator ausgeht.

 

Auch wenn die meisten der bei der Tagung anwenden Wissenschaftler mich für dieses Denken als völlig verrückt erklären würden, so war aus der Darstellung vom molekularen Aufbau der Zellen ganz deutlich das schöpferische Wort herauszuhören. Was Hodge wie selbstverständlich als „Information“ im biologischen Bauplan bezeichnet, deutet direkt auf einen externen Informatiker hin. Auch Hans-Dieter Mutschler, den wir beide im HpH vor Jahren gehört haben und mit dem ich mich schon lange auseinandersetze, wies im folgenden Vortrag darauf hin, dass die „Information“ der Gene, von der Hode sprach und nach der letztlich die gesamte Genesis aufgebaut ist, erst dann als „Information“ zu bezeichnen ist, wenn sie von Jemand ausgeht und für Jemand bestimmt ist. Doch während er eher geneigt scheint, den Begriff der „Information“ im biologischen Bauplan als untreffend zu bezeichnen, weil er eine ganzheitliche Sicht der schöpferischen Natur als pure Esoterik abtut und somit nicht von einer sinnvollen Genesis Gottes ausgehen kann, denke ich, dass gerade der von den Biologen gewählte Begriff belegt, dass es einen externen Informator (Formgeber) geben muss. Wie du weißt, halte ich jede der 50 – 100 Milliarden Zellen unseres Körpers und jedes der ebenso vielen Molekülen einer Zelle, die mir Hodge zeigte, für Zeugen des historische und heute lebendigen Jesus. Doch hätte ich dies bei der Tagung gesagt, die Teilnehmer hätten vermutet, dass ich zuviel von dem flüssigen Geist getrunken hätte, den man zum 100. Geburtstag des Theologen abgefüllt und in den Tagungsunterlagen angeboten hat.

 

Doch nichts anderes haben die antiken Denker damals gesehen und gehört, als das, was wir heute wissenschaftlich als „Information“ oder „Software“ des materiellen und geistigen Weltcomputers bezeichnen würden. Nur haben sie darin das Wort oder die Weisheit Gottes verstanden, den Sohn gesehen und so auf den externen Informatiker geschlossen. Was wir in schönster Lyrik in den Psalmen von Qumran lesen oder es in christlich-gnostischen Welterklärungsmodellen beschrieben ist, war eine antike Umsetzung der Erkenntnis vom vernünftigen Werden, der schöpferischen Ordnung der Welt in allgemeinverständliche religiöse Gedankenwelt. Warum sollte das heute nicht gelingen, wenn wir an diese Wurzel anknüpfen? Nur eine Art Privatchristologie – ob als kosmischer Christus oder philosophische Selbsttranszendenztheorie - neben die historische Lehre zu setzen, bringt uns nicht weiter, was bei Rahner deutlich wurde. Dies führte nur dazu, dass heute selbst engagierte Christen die Christologie als Kirchenkonstrukt vom Tisch wischen und auch die katholische Lehre die Gottessohnstheologie des Paulus wie ein persönliches Glaubensgebilde aufgrund der inneren Stimme eines Wendepharisäers betrachtet. Wir benötigen eine neue kosmische Realität unserer religiösen Glaubensaussagen. Allein mit einem Glauben aufgrund der antiken Sicht des Gottessohnes in allem kosmischen Geschehen, durch den sich der selbst transzendent und abstrakt bleibende Schöpfer offenbart, ist für die Welt von heute keine Präsenz mehr gegeben. Von Naturwissenschaft wie von Neutestamentlicher Theologie ist eine Grundlagenforschung gefragt, die in der bei allem Werden des Kosmos sichtbaren Software den Sohn Gottes neu sehen, das Wort verstehen lässt.

 

Neutestamentler und Naturwissenschaftler wieder zusammendenken

 

Allein bei Thomas von Aquin zu beginnen oder gar erst auf der daraus abgeleiten Welterklärung Karl Rahners aufzubauen, wäre sicher zu wenig. Wir scheinen uns der antiken Wurzel wieder bewusst werden zu müssen. Gleichwohl zeigt sich, dass wir heute ähnlich wie die Molekularbiologen in der Materie auch die unterschiedlichen Geistesgebilde in der Geschichte nachvollziehen können und müssen, um zu verstehen. Hodge hat in wunderbarem amerikanisch Deutsch vom materiellen „Babelturm“ berichtete, den die Molekularbiologen entschlüsseln und daher die unterschiedlichen Erscheinungen, die Verschiedenheit verstehen und auf ein gemeinsames Gen-Alphabet zurückführen, um Krankheiten heilen zu können. Und ähnlich scheint es mir auch wichtig, die völlig verschiedenen Gebilde der Geistes- und Naturwissenschaft in einer gemeinsamen Genetik begründen zu können, um dann die ursprüngliche Einheit der Weltbilder wieder herstellen zu können. Wäre das nicht das Anliegen Rahners?

 

Unser Freund Mutschler, der Rahner in seinen Jugendjahren nicht nur kutschieren durfte und von seinem großartigen Lehrer tief beeindruckt wurde, hat die Trennung von Theologie und Naturwissenschaft noch nicht überwunden. Er lehnt alle Sicht eines sinnstrukturierten Kosmos als pure Bahnhofsbuchhandlungs-Esoterik ab. Der Darwin- und Materialismus hat bei ihm tiefe Spuren hinterlassen, über die er sich scheinbar nicht hinwegsetzen kann. Während die Theologen mir immer wieder entgegenhalten, dass das angeblich Böse oder die Verschwendung der Natur nicht Wille eines allwissendes, gütigen Gottes sein könne, wie sie ihn im Buch lesen, scheint mir bei Mutschler nach wie vor das kantsche Weltbild eines entgötterten Kosmos den Ton anzugeben. Wo alles kausal definiert wird, kann er im Kosmos nach wie vor keinen schöpferischen Sinn sehen. Getreu den Darwinisten und Materialisten, mit denen er sich auseinandersetzt, kann auch er die Selbst-organistation nicht als Information/Sohn/Wort/Logos Gottes verstehen, der in menschlicher Gestalt Offenbarung war. Und wo im natürlichen Wirk-prozess das Gotteswort, die Information nicht wahrgenommen wird, bleibt Gott weitgehend auf die Selbst-transzendenz menschlicher Wesen beschränkt. Wird so leider zu Un-wirklichkeit. (Was letztlich auch die Weiterentwicklung des gesellschaftlich-menschlichen Geistes betrifft.) Doch gründet nicht letztlich auch die Selbsttranszendenz auf ganz genau diesen Sohn, der als Information in allem kosmischen Werden zu sehen wäre?

 

Wie sollte es gelingen, Rahners Modell, das nach Ansicht aller Referenten ohne das Verständnis Thomas von Aquin nicht zu verstehen ist, zur geistigen Realität werden zu lassen, wenn wir von anderen Realitäten ausgehen, wie Thomas. Bei ihm stand eine konkrete kosmische Ordnung an der Spitze, die eindeutig von Gott ausging. Eine hierarchische Sinnstiftung, schöpferische Ordnung ist auch genau das, was bei allen antiken christlichen Theologien als vorausgehendes Verständnis die Voraussetzung für die Wahrnehmung des Gotteswortes war. Wo die natürlichen Prozesse nicht mehr als erfüllenden Akt einer insgesamt sinnvollen Schöpfung wahrgenommen werden, bleibt der Sohn Gottes ein hellenistischer Titel ohne Mittel, der neben einen gutherzigen historischen Heilsprediger gestellt wird. Zur Vermittlung der Weltbilder und als Selbstmitteilung Gottes im gesamten Kosmos können beide dann nicht taugen. Den Theologen bleibt dann nur an ihren Bildern festzuhalten und sich über das viele Blut zu beschweren, das der amerikanische Filmemacher drüber schüttete. Ohne Eure biologischen Hinweise, findet der Sohn Gottes nur im Kopf statt. Solange der natürliche Nachweis eines sinnvollen Bauplanes unseres Körpers wie des gesamten Kosmos nicht gegeben wird, bleibt alle alte Theologie und Christologie eine pures Kirchenkonstrukt. Sie wird als eine Metaphysik verstanden, die neben der Natur stehen bleibt und dann für den aufgeklärt denkenden Menschen keine Offenbarung sein kann, sondern ein als Geheimnis (Esoterik, unsichtbar: okkult).

 

Doch wurzelte der Glaube der Antike auf dem unsichtbaren Geheimnis? Oder gingen die damaligen Denker nicht vielmehr davon aus, dass das, was sie in ihrer Metaphysik als den Aufbau der Welt ablieferten, die hohe Wissenschaft einer sichtbaren kosmischen Realität sei? Und ist es für die hier geforderte Konsequenz nicht völlig egal, ob sich das Atommodell des Demokrit wissenschaftlich bestätigt oder noch vielfach verfeinert wird, wenn im Prinzip die sinnvolle Ordnung bleibt? Wäre es nicht viel mehr gerade heute notwendig, einen Weg zu suchen, wie sich die schöpferische Ordnung der Atome, das konstruktive Zusammenspiel unseres Körpers auch in unseren gesellschaftlichen Körperschaften umsetzen lässt, der Logos zum Lebensideal werden kann? Spielt es für die Erkenntnis dann überhaupt eine Rolle, ob sich die Erde um die Sonne dreht oder umgekehrt? Wer gibt uns das Recht, nur weil wir jetzt mit hoher Technologie in astronomischen Dimensionen die mathematische Ordnung des gesamten Kosmos nachweisen und vom Urknall bis zu geistbegabten Wesen nachvollziehen, wie sich alles sinnvoll evolutionär durch Mutation und Selektion entwickelte, nicht mehr von schöpferischer Sinngebung zu sprechen? Und wenn dann Mikrobiologen nachweisen, dass sich in den kleinsten Teilchen unseres Körpers ein ebenso konstruktives Zusammenspiel abspielt, dann ist es für mich einfach unvorstellbar, wie wir von blindem Zufall oder Fehlentwicklungen ausgehen können. Die Freiheit gehört zum Werkzeug Gottes, ist wie wir wissen, Voraussetzung aller Kreativität, die so erst zum Ziel führt. Wer will den Creator verantwortlich machen, dass er seiner Schöpfung eine Freiheit zur Entwicklung in Verschiedenheit gegeben hat?

 

Doch das Wissen um das sinnvolle Werden in Mikro- und Makrokosmos scheint allein noch nicht auf den Schöpfer schließen zu lassen, wie sich im heutigen Weltbild der Wissenschaft zeigt. Hier ist ein Zusammenspiel der Grundlagenforschung in Theologie und Biologie gefragt. Einfach zu behaupten, ein kosmischer Christus lebt in aller Natur bringt uns nicht weiter. Dies bliebe ebenso unwirklich, wie ein philosophisches Konstrukt oder ganzheitliche Privatmodelle und -theorien. Wir müssen scheinbar Treppe für Treppe vom Turm der Theoriengebäude absteigen, können nicht einfach abspringen. Nur in der Entschlüsselung der geistigen Bauwerke können wir wieder festen Grund unter die Füße der theologischen Konstrukte bekommen. Die Biologie kann dazu beitragen, diesen Boden durch den Nachweis einer sinnvollen Ordnung im genetischen Kosmos zu bereiten.

 

Hodge hat uns deutlich gemacht, wie die jeweilige Information, das Strickmuster der Genetik über die Verschiedenheit der Wesen entscheidet. 26.000 Gene soll der Mensch besitzen. Doch selbst eine Mücke bringt es auf 15.000. Und ein Reiskorn kann mit 50.000 Genen aufweisen. Was uns als Menschen abhebt von der Mitwelt, ist scheinbar die wunderbare Verknüpfung, die dann das Selbst- und Gottesbewusstsein hervorbrachte. Und hier wird auch die besondere Gabe des menschlichen Geistes deutlich. Hinter aller strukturierter Materie, aller Selbstorganisation der Systeme scheint eine Software sichtbar, ohne die kein sinnvolles Zusammenspiel möglich ist und die das eigentlich Erstaunliche ist.

 

Während bisher tote Bauteile immer weiter zerlegt und alles als Zufall gesehen wurde, besteht heute weitgehende Übereinstimmung darüber, dass kein sinnloses Würfeln ist. Das schöpferische Spiel, das Ihr in den Miniaturbauteilen des menschlichen Körpers wie der gesamten Natur nachweist, scheint kein Sieg des Geistes über eine geistlose Materie, sondern weist auf einen externen Softwaregeber hin, dem der gesamte Weltcomputer folgt. Die Kunst des Creators betrifft den sichtbaren bzw. wissenschaftlich kausal nachvollziebaren Kosmos, wie das Wunder der gesellschaftlichen und geistigen Entwicklungsgeschichte des Menschen, in der Gott nicht auf und untergeht, sondern als unsichtbarer Informatiker außerhalb steht.

 

Die Fähigkeit denkerisch kreativ konstruktive Verbindungen herzustellen, dabei auch bewusst Gefühle einzusetzen, macht scheinbar unsere besondere Menschlichkeit aus. Im Gegensatz zur Tierwelt, können und müssen wir der schöpferischen Stimme als freies Wesen folgen. Unsere Aufgabe scheint es, sie durch immer neue Verknüpfungen auf der Stufe unserer Zeit bzw. unseres Wissens wahrzunehmen. Doch das bewusste kreative Denken und Konstruieren bleibt uns nicht erspart.

 

Vom puren Zufall zum biologischen Ziel Gottes

 

Wer den gesamten evolutionären Ablauf als ewigen Schöpfungsprozess versteht, der sieht auch den Glaube in genau diesem Prozess befindlich. Die Offenbarung ist dabei nicht der Naturwissenschaft ausgeliefert, sondern diese liefert den Boden, aus dem das Verständnis des Wort Gottes immer wieder wächst. Die festgeschriebene Gottesworterfahrung hilft über die Zeit des nicht Hörens, bewahrt und ermöglicht erst das neue Verstehen. Das Gehör dieses Wortes ist nie endgültig, sondern wird sich immer weiterentwickeln, wachsen. Alle Evolution kann so als ewige Gnade verstanden werden. In seinen Betrachtung der Menschwerdung ging mit Klaus Fischer ein weiter Rahnerschüler auf die Menschwerdung bzw. evolutionäre Weltsicht Rahners ein und wies dabei darauf hin, dass auch im Sinne von Paulus die Hoffnung intellektuell, redlich zu verantworten sei. Keine menschliche Weisheit die Überredet ist gefragt, sondern Erkenntnis der kreativen Kraft Gottes im Wirkprozess der Welt, auf die auch Rahner gründete. Wir haben scheinbar nicht nur die Freiheit zu forschen, sondern müssen sie nutzen, um das Wort im kosmischen Werden wieder hörbar zu machen, der Glaubenshoffnung Grund zu geben.

 

Warum soll Mutation und Selektion ein völlig ungerichteter Prozess sein? Das ist eine Frage, die gerade den Gentechnikern zu stellen ist. Warum ist es nicht gerade angesichts unserer Erkenntnisse in der modernen Naturwissenschaft möglich, die Kantsche Wende zum Subjekt nur als einen Stolperstein zu erkennen, der uns wieder auf den Weg einer universalen, grenzüberschreitenden Gottesworterfahrung im gesamten Kosmos führt, kann ich aus meiner heutigen Perspektive kaum verstehen. Könnte nicht das sinnvolle Band der gesamten Genesis, wie es uns die Bibel beschreibt, gerade mit Hilfe der Gentechnik nachgewiesen werden?

 

Dass nichts auf der Welt purer Zufall ist, sondern sich alles im kosmischen Werden einer übergeordneten Kraft verdankt, könnten wir an vielen Beispielen feststellen. Du bist eines davon. Denn ohne meine Liebe zu Deiner Mutter bzw. einem Geist, der nicht allein auf Körpersäfte und Hormone begrenzt werden kann, die im kurzen Moment Deiner Zeugung gewirkt haben, lässt sich Deine Existenz nicht verstehen. Auch das Gefühl der Liebe und Sorge, das Deine Mutter wie ich bis ins hohe Alter für Dich empfinden, ist nicht allein auf unserem Mist gewachsen, weder Zufall noch ein Produkt der puren Materie. Auch Sozibiologie allein, die versucht, deine Zeugung auf Lustgewinn zurückzuführen, die elterliche Verantwortung allein aus gesellschaftlichen Entwicklungen und Eigennutz ableitet, greift mit Sicherheit zu kurz. Denn vom menschlichen Lustempfinden und erfüllender Befriedigung bis zu Kindchenempfindungen, die den Ruf nach Nachwuchs wecken, hat alles SEINEN Sinn. In diesem Sinne trägt alles, was in gesellschaftlichen Einstellungen wie in menschlichen Gefühlen gewachsen ist, zur Genesis einer menschlichen Gesellschaft bei, geht also vom Vater des Alles aus, folgt seinem Logos.

 

Keine Angst, ich möchte jetzt nicht meine Vaterschaft abstreiten und dem Lieben Gott alles in die Schuhe schieben, damit ich meine Monatszahlungen einstellen kann. Als Werk-zeuge einer höhern Instanz sehe ich nicht nur in Deiner Zeugung, sonder auch der monatlichen Zahlung meine Verant-wort-ung. Der menschliche Eros gehört ebenso zum Logos Gottes, wie die Liebe Deiner Eltern, die dich ein Leben lang begleitet und weder allein biologisch noch als sozialer Selbstzweck zu begründen ist. (Auch wenn ich mich freue, wenn ich weiterhin mit Dir über die Bergpässe fahren kann.)

 

Schon lange kann ich bei Euren biologischen Beschreibungen nicht mehr erkennen, dass sich nur blinder Genegoismus durchsetzt, sondern sehe immer nur den Sieg des schöpferisch Sinnvollen, das auf menschlich verantwortliche Weise umzusetzen wäre. Auch warum genau Du bei der Vielzahl von Samenzellen das Rennen gemacht hast und Deine Minibrüder auf der Strecke geblieben sind, kann nicht an einer Deiner darwinistischen  Kampfeskraft gelegen haben, wie man mir oftmals beibringen will. Sonst hätten wir Dir als Kind keinen Boxsack kaufen und Dich zum Kämpfen anfeuern müssen. Im Ernst, solche Beispiele und philosophische Spielereien allein bringen uns nicht weiter. Die biologische Grundlagenforschung ist hier gefragt. Auch wenn letztlich an vielen Beispielen nachweisbar ist, was auch Einstein erkannte und eventuell wichtiger war, als seine Relativitätstheorie: „Gott würfelt nicht“,so verbleiben wir heute nach wie vor in einem Weltbild, das zwischen schöpferischer Ordnung und natürlichem Werden unterscheidet. Erst die Erfüllung der Ahnung Einsteins auf den Grundlagen einer wissenschaftlichen Erkenntnis, die durch ihn und viele andere Forscher möglich wurde, kann wieder zu einem ein-vernehmlichen „Hören“ führen. 

 

Über weitere Vorträge der Tagung will ich mir später noch Gedanken machen, wenn ich mich eingehender mit Rahners Theologie und Christologie beschäftigt habe. Viele Zusammenhänge im Turmbau der Theorien sind mir jetzt verständlicher. So ist mir auch wieder klar geworden, dass ein Pantheist den Sinn in der Materie selbst sieht und ein Christ genau diesen Sinn/die gesamte Information von Geist und Materie als von Gott ausgehend – den Sohn sehen – das Wort wiederverstehen - muss. Im beigefügten Text über „Die Software der Welt als Sohn und Wort Gottes“ habe ich darauf Bezug genommen. Die Verantwortung eines externen Informators für Hard- und Software, Geist und Materie, die Thema unserer Tagung war, wurde dort in der Metapher der modernen Computertechnik versucht zu modellieren. Auch zur der aktuellen Diskussion um die Determiniertheit unseres Denkens bin ich im Text über die Software der Welt eingegangen. Die Erkenntnisse der Neurobiologie wurden versucht als Nachweis einzusetzen, warum die ach so freien und angeblich intellektuell selbstständigen Wesen letztlich auf einen freien gemeinsamen Glauben angewiesen sind. Wie Du siehst, lässt sich eventuell selbst die Notwendigkeit einer gemeinsame Kirche in der Biologie des Kopfes begründen. Dass ich den Schläfenlappen, der vor einiger Zeit als Erfinder Gottes durch die Medien geisterte, als eine Art biologischen Hinweis auf Gottes schöpferische Vernunft nachweisen will, weil hier die Schöpfungs-logik selbst darauf hindeutet, dass wir nach dem Schöpfer fragen müssen, hast Du mir unter www.theologie-der-vernuft.de ins Netz gestellt.

 

Doch nicht die menschliche Vernunft ist es, auf die unser Denken und unsere Werte gründen können, sondern die des Schöpfers. Das wurde mir gerade bei der Abschlussdiskussion der Tagung zur aktuellen Frage der Stammellenforschung wieder deutlich. Wenn wir nicht jenseits der völlig unterschiedlichen kulturell gewachsenen Gesinnungen, rein menschlichen Ansichten und krampfhaften Versuchen, aus alten Wertetheorien aktuelle Beurteilungen abzuleiten nach dem heute sichtbaren schöpferischen Wille/Wort fragen, kommen wir nicht zu vernünftigen Antworten. Den Sinn unsers Seins zu sehen, entscheidet über den Erfolg der Zukunft. Doch der kann nicht aus menschlichem Imperativ, sondern dem des Schöpfers abgeleitet werden. Die Begeisterung für das konstruktive und kreative Zusammenspiel, das sich in der Mikrobiologie wie im gesamten kosmischen Bauplan zeigt, gilt es in der Gewissheit des einen selbst transzendent bleibenden Creators auf menschliche Weise zu folgen. Die Erkenntnisse der Biologie Gottes ersetzen nicht die Bibel, sondern gehen ihr voraus. Einzig der im antiken Judentum bzw. am Anfang christlichen Denken gesehene Gottessohn ist es, der Offenbarung und Wegweisung gibt. Auf Ihn baut die Bibel.

 

In der Kürze der mir verbleiben Zeit will ich Dich nur schnell noch einmal darauf hinweisen, dass Du immer darauf achtest, dass Du bei Deiner Arbeit nicht nur täglich das Wort Gottes in Händen hast, sondern dich auch daran hältst.

 

Über die Molekularbiologie, die uns Hodge bei der Tagung vorgestellt hat, brauche ich Dir nichts zu sagen. Gerade hier wurde deutlich, wie wir jenseits des alten Darwinismus zu einem sinnstrukturierten Aufbau der gesamte Genesis kommen können. Gott scheint nicht nur in den astronomischen Bewegungen mit uns zu sprechen, wo seit Abraham nicht nur die Hebräer hörten, sondern auch in den kleinsten Bauteilen, die Ihr als Biologen untersuchen. Wie wunderbarer und konkreter lässt sich das schöpferische Wort verstehen, als im konstruktiven und höchst kreativen Zusammenspiel der kleinste Bauteile, die in unserem Körper alles bewirken, was uns gesund erhält und uns Lebenskraft gibt?

 

Der liebe Gott hat bisher noch keinen Fehler gemacht. Alles ist in einer gewissen – bei Menschen manchmal beinahe zu großen Freiheit – aufgebaut, ohne die das nicht wäre, für was wir uns heute begeistern können. Gerade indem wir uns z.B. klar machen, dass im Grunde die Gene der einzelnen Wesen kaum unterschiedlich sind, wir nach Hodge nur etwas anders gebaute Gänseblümchen sind (30 % identische Gene, bei Mäusen kaum Unterschiede) zeigt sich das Wunder des Gotteswortes in aller Genesis, die von einem gemeinsamen Vater ausgeht. Gesellschaftliches Gelingen und Nächstenliebe lässt sich nicht durch alte Gesetze und nicht durch der menschlichen Vernunft entsprungene Werte und Weltethik begründen, sondern einen gemeinsamen Geist, der auch das zusammenwirken der Gene bestimmt. Brüderlichkeit braucht mehr als politische und fromme Forderungen. Die Biologie, die uns einen gemeinsamen Bauplan der verschiedenen Wesen beibringt, kann wesentlich zum Verständnis einer universalen Familie beitragen. Im Geist des Neuen Testament gilt es den Vater des gesamten Kosmos neu zu verstehen. Ihr als Biologen könnt dafür mit die Grundlage liefern.

 

Gerade Nachwuchsbiologen, deren Weltbild nicht von gestrigen Vorstellungen einer bösartigen Evolution mit blindem Zufall geprägt ist, sind gefragt. Für junge Naturwissenschaftler, die noch unvoreingenommen sind und teilweise überhaupt nicht einsehen, wieso keine schöpferische Ordnung zu sehen sein soll, dürfte es wesentlich einfacher sein, zu einer gemeinsamen Sprache zu finden. Doch diese scheint notwendig. Denn nur so ist das sinnvolle gemeinsame Sprechen über Gott den Schöpfer möglichen, kann ungehindert von mythologischen Dogmen, jenseits höchst relativer Menschlichkeit und Gesetzlichkeit der selbstgebauten Theorie-Türme mündig nach Gottes Wort und Wille gefragt werden.

 

Gerade am Wochenende in Ludwigshafen ist mir bewusst geworden: Die Diskussion über ein kreatives Bild des Kosmos muss von Euch ausgehen. Nur wenn Ihr als Naturwissenschaftler zu neun Werk-zeugen werdet, lässt sich das, was für Euch schon fast selbstverständlich ist, wieder als Wort/Sohn Gottes hinterfragen. Und nur mit Eurer Hilfe kann das, was an der theologischen  Fakultät auch in Heidelberg als mythologisch-frommes Gespenst umhergeistert, von den meisten längst in die Ecke gestellt und als kulturesoterisch abgeschrieben wird, wieder als den unsichtbaren Vater offenbarenden Sohn gesehen werden. Erst ein neues „Hören“ von Euch kann Eure Freunde von der Schriftgelehrten-Fakultät heilen. Ihr als Mikrobiologen seid befähigt das zu sehen, was vor 2000 Jahren antike Denker als Logos sahen und Sohn Gottes nannten. Davon müsst Ihr den Theologen sagen, um sie wieder zur Vernunft des Schöpfers zu bringen.

 

Was spricht aus Eurer Sicht dagegen, den Mikro- wie den Makrokosmos als ein höchst kreatives und konstruktives Gesamtwerke zu sehen? Oder bin ich mit meiner laienhaften Sichtweise auf dem Holzweg, herrscht in der Biologie doch nur das Böse und Zufall???

Wenn es stimmt, dass das Wort des Creators in allem kreativen evolutionären Werden spricht, dann besteht eine von Euch begründbare Hoffnung auf einen Geist Gottes, der zum Wachsen und zum Wohlstand der Menschen führt.

 

Halt Dich munter und in Amerika die Augen und Ohren offen.

Viele Grüße auch an Deinen Superweiser Gary und Deine Kollegen.

 

Gerhard Mentzel

 

 

 

 

 

 

 

 

Denk daran: Nicht auf das hören, was Dir Dein Vater sagt, auch wenn Lebenserfahrung mit zum Logos gehört, sondern immer selbst nach dem Wort Gottes fragen. Und schon gleich gar nicht auf die vielen selbsternannten Evangelisten hören, die Drüben im Namen Gottes unterwegs sind, das Buch unterm Arm halten, um ihre eigene Autorität zu bestätigen und es völlig losgelöst vom Creator interpretieren.

 

 

Vom Hören der himmlischen Stimme im Land des freien Geistes

 

 

Gerade im Amerika scheint mir das Hören der himmlischen Stimme oft sehr skurrile Formen angenommen zu haben. Doch gleichzeitig ist man dem Neuen Bild der Natur als Wirk-raum des Gotteswortes näher, als wir. Neben sonntagspredigtenden Evangelisten und fundamentalistischer Buchstabenfrömmigkeit (fälschlicherweise „kreationistisch“ genannt, die die Natur versuchen wissenschaftlich nach den Buchstaben zurechtzubiegen) lässt sich dort bei vielen Naturwissenschaftlern ein Bewusstsein von kosmischer Kreativität nachvollziehen, das genau dorthin führt, wo ich den offenbarenden Sohn Gottes sehen und das Wort hören will.

 

Doch wie sollen Astrophysiker wie Paul Davies, der über den Plan Gottes schreibt oder der bekannte Teilchenphysiker und Preisträger 2002 John Polkinghorne, der im ganz natürlichen Geschehen die Genesis Gottes nachweist auf die Idee kommen, dass sie im Grunde vom präexistenten Gottessohn, somit moderne Jesusbücher schreiben? Das heutige christliche Selbstverständnis bzw. das Verständnis des historischen Gottessohnes versperrt den Weg. In vielen Jahrhunderten gebaute rein schriftgelehrte Denktürme über die christlichen Dogmen und Wesensaussagen, die jedoch in Wirklichkeit alle darauf hinweisen, dass hinter der historischen Menschengestalt des Jesus von Nazareth das himmlische Wesen, schöpferisches Wort steht, verhindern die heutige Sichtweise des Gottessohnes im Wirk-lichen Geschehen der Welt. Auch das Denken vielbeachteter und in Amerika ausgezeichneter Naturwissenschaftler, deren Bestseller Mutschler wahrscheinlich in die Bahnhofsbuchhandlung verbannen würde und die wie Du weißt, die eine Hälfte meines Bücherkreuzes füllen, führt nicht weiter, wenn wir nur neue astronomische Schöpfungstheorien oder physikalische Weltgesetzlichkeiten hinterherrennen. Ohne das neue Denken über die schöpferische Ordnung des himmlischen Kosmos mit dem historischen Offenbarungsgrund christlichen Glaubens in Verbindung zu bringen, bleiben nur neue Theorientürme, die keine gemeinsame Sprache sprechen und allenfalls zu einer rein persönlichen Spiritualität führen können. Auch wenn noch so ehrfürchtig in die Weiten des Weltalls gesehen, dabei Relativität und Abhängigkeit unseres Lebens von dem großen Ganzen gesehen wird, so erwächst daraus noch keine wirkliche Lebensverantwortung. Hierzu wäre es notwendig, an den altbekannten und gemeinsamen Schöpfergott anzuknüpfen, wie er im Neuen Testament erfahren wurde und von dem alle Sinnsetzung ausgeht.

 

In der modernen Astronomie lässt sich der Weg vom Mythos zum Logos, einer sichtbaren schöpferischen Vernunft besonders deutlich nachvollziehen. Selbst wenn der Kosmos den meisten Menschen weiterhin ein überwältigendes Rätsel bleibt, so ist dort die himmlische Schöpfungsordnung zu einer präzisen Beobachtungs-Wissenschaft geworden, die ohne es wahrzunehmen, das Wort Gottes auf wissenschaftliche Weise beschreibt. Wenn einige der modernen amerikanischen Sternengucker und Teilchenphysiker zu neuer Religiösität aufrufen, so ist es meist ihre rein persönliche Profession, die sie über Gott nachdenken oder besser ihn ahnen lässt. Wie aber soll der offenbarende Logos in Menschengestalt zum Thema werden, wenn der Sohn Gottes, wie in Mel Gibsons Passionsfilm zu sehen und mehr noch der begleitenden lautstarken Fachkritik zu lesen, angeblich nur ein leidensgeplagter junger Religionsrebell war, der damals von den Pharisäern und Römern gepeinigt und getötet wurde?

 

Wie bereits dargestellt, seid Ihr als Biologen gefordert, Euch nicht davon abhalten zu lassen, den universalen Logos und ewigen Sohn Gottes in aller natürlichen Schöpfung nachzuweisen. Gleichwohl die Schriftgelehrten den Gottessohn ins Buch sperren oder ihm das Tuch des theologischen Mythos und persönlicher Glaubensbekundungen überhängen, solltet Ihr Euch nicht davon ablassen, in der sinnvollen Ordnung allen Werdens das offenbarende Wort Gottes zu hinterfragen. Nur so kann, über die vereinzelte persönliche Spiritualität vom Schöpfer schwärmender Naturwissenschaftler hinausgehend, ein grenzüberschreitendes aufgeklärtes Verständnis entstehen.

 

Auch der alternative Nobelpreisträger Hans-Peter Dürr, für den wir uns beide begeistern und dessen Denken längst jenseits des alten materialistischen Weltbildes liegt, konnte beim Kirchentag in Berlin nur über den persönlichen Glauben eines modernen Naturwissenschaftlers reden. Dabei hat gerade Dürr die Gabe, selbst einem Laien wir mir das schöpferisch-sinnvolle Zusammenspiel der Materieteilchen präsent zu machen. Doch das Recht über den Schöpfer bzw. dessen Wort zu reden haben die Schriftlehrer scheinbar für sich gepachtet. Auch wenn ihrer Rede nicht über längst abgeschriebene Schöpfungsmythen hinaus und allenfalls noch zum Aberglaube oder rein persönlichen Glaubensgefühlen führt, in der Physik und sinnlichen Betrachtung des sinnvollen Kosmos kann beim heutigen Missverständnis des historischen Geschehens der Vater Jesus nicht vorkommen. Da scheint allenfalls für Esoteriker, parapsychologische Physiker und absonderliche Theorien Platz. Doch lasst Euch als ernsthafte Naturforscher nicht weiter aussperren. Auch wenn Schrifttheologen den Sohn Gottes im Buch verkümmern lassen und ihm den Verstand absprechen, so ist er in allem natürlichen Werden, vom Big Bang bis zum biologischen Bauplan logisch nachzuvollziehen.

 

Ich will Dir jetzt nicht die ganze Botschaft des Urknalls vorkauen, wo sich Dank modernen Teleskope und Großrechner seit unzähligen Lichtjahren die Entstehung von Leben in fruchtbarer Symbiose der kosmischen Bauteile nachvollziehen lässt. Auch wenn man sich das immer wieder vor Augen führen muss, damit man beim Sprechen vom Wort Gottes weiß, dass es kein persönlicher Mythos ist, sondern es höchst sinnlich im kosmischen Geschehen nachvollziehen kann. Doch das alles weißt Du viel besser wie ich. Wovor ich Dich immer wieder warnen will ist, das Wort bzw. schöpferische Formgebung nur dort zu suchen, wo unser Verstand aussetzt. Denn genau das wäre der Weg zurück in den Mythos, hieße die Gabe des von Gott mit Sicherheit nicht nur zur Erforschung und Bearbeitung der Materie gegebenen Wissens in den Wind zu schlagen. Wenn heute Astrophysiker ähnlich wie Ihr als Mikrobiologen in der Flut von neuen Informationen, die oft immer rätselhafter werden, fast ersticken, dann sollte uns das nicht davon abhalten, diesseits des Wissens das Wort Gottes zu erstehen. Jenseits ist nur der Aberglaube. Die Evolution hat unsere Großhirnrinde nicht in einer besonderen Weise wachsen lassen und unser Wissen hervorgebracht, dass wir uns ins Irrationale flüchten oder an Geheimnisse glauben, sondern damit wir sehen, verstehen, hören und fühlen. Nur wir Menschen tragen diese besondere Verant-wortung,  können und müssen uns ganz bescheiden in den großartigen kosmischen Plan einordnen und einbringen. Auch wenn die amerikanische Weltraumwissenschaft heute rein naturwissenschaftliche Zwecke hat, so sollte sie doch auch im Sinne der alten Naturwissenschaftler, denen wir all dieses Wissen erst verdanken bzw. auf deren Gedanken wir weiterbauen, das Wort Gottes im kosmischen Plan verstehen helfen. Der Quantensprung, der vor 2000 Jahren zu einem neuen Bund mit Gott führte war nach allem, was ich über den Ursprung der antiken Weisheit lerne nicht das Nichtwissen bzw. Blättern in alten Texten, sondern das Neuverständnis des Gotteswortes in der Ordnung des natürlichen Werdens.

 

Gerade heute, wo alle Wissenschaftsbereiche in Mikro- und Makrowelten ein wie selbstverständlich Szenarien der Stimmigkeiten und Ursachen malen, wie sie erst nach Galileo langsam wieder möglich wurden, ist die gleiche Stimme Gottes im gesamten kosmischen Geschehen zu hören, die auch in der Antike für das theologische Denken bestimmend war. Erst wenn wir uns vor Augen führen, was es bedeutet, Gotteswirken nicht mehr nur als ein ewiges Geheimnis einfach anzunehmen, sondern es genau in den wissenschaftlichen Beschreibungen des wunderbaren Werdens im gesamten Weltall wahrzunehmen, können wir ermessen, welcher Wandel des Welt- und Gottesbildes sich vor 2000 Jahren vollzog. Wenn damals das göttliche Wesen im Weltall nicht nur „gespürt“ wurde, wie heute vereinzelt Naturwissenschaftler bekennen, sondern wach „gesehen“, dann dürfte das allegorische Verständnis der alten Traditionstexte dabei eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben.

 

Auch scheint es wichtig, sich auch der alten kosmischen Kulte bewusst zu werden, um im nächtlichen Firmament nicht nur ein zufälliges Sternenglitzern zu sehen. Doch ein modernes Stonehenge aus der neuen astronomischen Einsicht abzuleiten oder zu babylonischer und ägyptischer Himmelskunde zurückkehren zu wollen, wäre mit Sicherheit zu wenig. Die Weiterführung des alten Gottesverständnis auf kosmischer Grundlage im christlichen Weltbild gilt es nachzuvollziehen bzw. neu zu begründen. Naturwissenschaftler, die über den alten Materialismus hinausdenken können dazu beitragen, die alten Gottesvorstellungen von Missverständnissen, die letztlich den gemeinsamen Verstand verhindern, zu befreien. Dass sich Gott um alles kümmert, da Draußen eine schöpferische Ordnung herrscht, die wir selbst mit zusammengeschlossenen Großrechnern nur erahnen, können gerade die wissenschaftlichen Kosmologen nachweisen. Wie klein erscheint da ein Denken, bei dem sich jeder seinen persönlichen Kümmerer bastelt und bei dem dann der Schöpfer des realen Kosmos keinen Platz hat.

 

Nur zu bekunden, dass man im Gefolge von Kopernikus, Kepler, Galilei, Newton, Einstein und Heisenberg jetzt auch weiterhin an Gott glaube, ist zu wenig, um dem christlichen Glauben Grund zu geben. Gott ist mit dem Wissen um ein sinnvolles Werden seit dem Urknall nicht verschwunden. Jetzt erst ist sein präexistenter Sohn wieder zu sehen, sein allumfassendes, hervorbringendes und bestimmendes Wort zu verstehen. In den Schwankungen der Mikrowellen-Hintergrundstrahlung, die angeblich nur 380.000 Jahre nach dem angenommenen Big Bang zu frühesten Strukturen führten, ist nicht ein neue Pan zu sehen. Dort, wie im sichtbare Geschehen des täglichen Himmel, dessen unfassbare Ordnung uns heute Naturwissenschaftler versuchen zu beschreiben, können Christen den Sohn des selbst unsichtbar und transzendenten Gottes neu erfahren, das Wort wieder hören.

 

Gott versteckt sich nicht in irgendwelchen Geheimnissen. So wie Dir als Jungwissenschaftler immer deutlicher wird, dass alles Werden, was die Generationen vor uns noch als Geheimnis betrachteten, einer höheren Stimmigkeit folgt, so lässt sich auch der theologische Mythos durch den Logos lüften. Erst wenn man erfahren hat, wie gesellschaftlich-schöpferisch sinnvoll die alten Gottesvorstellungen in ihrer Zeit waren und gleichzeitig wie leer die Hände sind, mit denen wir als angebliche Hörer des Gotteswortes dastehen und den Gottessohn ins Hinterzimmer der Mythen verstecken, fasst man den Mut zu einer Sich aus einer völlig anderen Perspektive.

 

Die Theologen, die den Blick für die natürliche Schöpfung nur noch beim Erntedankfest oder ökologischen Debatten aus der Schublade kramen, deuten leider nur noch alte Schriften. Auch die Philosophen wärmen heute meist nur alte Theorien auf und müssen, nach dem der Himmel leer scheint, die reine Menschlichkeit zum Maßstab machen. Nachdem Ihr als Naturwissenschaftler die Deutungshoheit für die reale Welt übernommen habt, bleibt Euch die Arbeit nicht erspart, im Sinne antiker Naturphilosophie der Theologie wieder einen realen Grund zu geben. Nicht Parawissenschaften und Kulturesoterik sind gefragt. Ihr als Wissenschaftler des realen Lebens könnt zu einer neuen Aufklärung über den Vater des Alles und Gott der Väter beitragen.  

 

Nur ein modernes Staunen, das seit Anfang des Denkens vor jeder Philosophie/Theologie stand und auch den archaischen Natur-Kulten vorausging, wäre zu wenig. Wenn heute in wissenschaftlichen Journalen Deiner derzeitigen Heimat anerkannte Physiker neu das „Creatio ex Nihilo“ nachweisen, dann müssen wir hier an das neutestamentliche Offenbarungsgeschehen anknüpfen. Einzelne Professoren, die gegenüber den Studenten ihren persönlichen Glauben an einen externen Designer bekennen, statt eine zufällige Kreation des Qantenseifenschaumes anzunehmen, reichen nicht, um einen gemeinsamen Glauben begründen zu können. Auch wenn in USA die Forscher mit ihrem Bekenntnis zum Creator weit offener sind als bei uns, so scheinen sie weit davon entfernt, in all ihrem Wissen um den Logos des Himmels das Wort Gottes zu hören. Wirk-lichkeiten, wie sie sich heute in Biowissenschaften, Kosmologie oder Neurowissenschaften und letztlich auch der Evolutionsgeschichte menschlichen Lebens und gesellschaftlicher Entwicklung zeigen, können helfen, auch die historische Gestalt des Gottessohnes wieder zu verstehen. Sie können heutige Zeugen des lebendigen Wesens sein, das vor 2000 Jahren als Gottessohn wahrgenommen wurde und das großartige Weisheitslehrer in menschlicher Gestalt zum Ausdruck brachten. Erst dann lassen die verschiedenen Weltbilder wieder auf eine gemeinsame schöpferische Sprache schließen.

 

Gott lässt sich nicht physikalisch oder biologisch beweisen, schon gleich gar nicht als Lückenbüßer für Unerklärliches. Doch der Logos Gottes, der vor 2000 Jahren Mensch wurde, kann durch Eure Hilfe neu gesehen werden und zur universalen Offenbarung führen, die weit über einzelne spirituelle Erfahrungen hinausgeht. Wenn Gott in Amerika im Gegensatz zu uns bei Naturwissenschaftlern kein Tabuthema ist, dann liegt hier die Chance. Allein ein anthropisches Prinzip, das alle Natur auf die menschliche Existenz hinauslaufen sieht, oder eine Prozesstheologie, die neben die Naturwissenschaft weitere Theoriengebäude baut, ist zu wenig. In der Sprache der Naturwissenschaftler muss das thematisiert werden, was vor 2000 Jahren als Logos und Sohn Gottes gesehen, als präexistentes Wort verstanden wurde.

 

Mit Sicherheit ist Gott viel größer, als wir je begreifen können. Doch was wir im Mikro- und Makrokosmos an Kreativität sehen, scheinen menschliche Wesen mit dem Organ, das 1500 Gramm Masse aufweist, in Erkenntnis verwandeln zu müssen. Seit jeher war es die Beobachtung der schöpferischen Grundprinzipien, die zu Schlüssen über Gott führte. Wenn aus Astronomie inzwischen eine sinnstrukturierte Astrologie geworden ist, deren Regeln im Grunde auch für Euch Biologen gelten, warum soll darin nicht auf moderne Weise das Wort Gottes verstanden werden? Wenn sich schon Zeus der regellosen Gewalt der Titanen entgegenstellte und die christliche Theologie eine Weiterführung altgriechischer und hebräischen Monotheismus war, ein neu begründeter Bund, warum dürfen wir im heutigen Wissen nicht die universale Sprache des ewigen Schöpfergottes verstehen, der nicht nur den Big Bang bewirkte, sondern dessen ewiges Einwirken sich gerade im evolutionären Verlauf offenbart? Es geht dabei nicht darum, eine neue Metaphysik in die Naturwissenschaft zu füllen. In den logischen Gesetzen des Weltall von Ursache und Wirkung, die Wirk-lichkeit einer schöpferischen Software als Wort Gottes zu verstehen, das wäre Fortschritt, zu dem uns dem der Schöpfer gerade Euch Biologen befähigt hat. Im Sinne von Pythagoras und Co. wäre über die alten Deutungsmuster hinaus eine höhere Bestimmung auch aus der Bio-logie abzuleiten. Erst dann kann auch der, auf den die neue Theologie des Paulus gründete und dessen Lebens- und Leidensgeschichte bei den Evangelisten nachzulesen ist, wieder eine klare Gestalt annehmen, die menschliche Gestalt des Gottessohnes verstanden werden.

 

Eure Kollegen von der Physik träumen von der Weltformel. Doch hört bei ihnen die „Welt“ bei der Physik auf. Daher denken sie, dass durch die Vereinheitlichung von Quantenmechanik und Relativitätstheorie, z.B. durch eine sog. Stringtheorie, eine „Welt“formel gefunden wäre. Doch liegt darin nicht ein Denkfehler? Müsste eine echte Welt-formel nicht auch die verschiedenen Weltbilder auf eine Nenner bringen, statt nur weitere wissenschaftliche Theorien aufzutürmen? Wenn bereits Werner Heisenberg erkannte, dass es die gleiche ordnende Kräfte sind, die die Natur wie den gesamten Kosmos in allen Formen gebildet hat, warum können wir dann nicht auf einen gemeinsamen Informatiker schließen, sein Wort in allem Werden wie in der biblischen Sprache bzw. den alten Bildern verstehen und so den christlichen Monotheismus neu begründen?

 

Gerade im Land der Freiheit des Geistes, wo der Glaube wieder groß geschrieben wird,  wäre da die ernsthafte Suche nach einer vernünftigen Sprache Gottes in aller Genesis keine Aufgabe für Jungbiologen und andere Naturforscher? Warum ein grenzüberschreitender Verstand des Schöpfungswortes nicht nur zwischen Naturwissenschaft und Glaube vermitteln, sondern auch zwischen den verschiedenen monotheistischen Glaubensbrüdern zu einer Versöhnung an den Wurzeln führen könnte, will ich hier nicht weiter ausführen. Doch ein Weltfriede muss vom Kopf ausgehen. Diese Erfahrung wird uns heute täglich mit viel Blutvergießen vor Augen geführt. Doch hierzu ist auch ein naturwissenschaftliches Denken die Voraussetzung, das jenseits der eigenen Theorientürme und Glaubenstextinterpretationen nach dem in allem Werden wirk-samen Wort Gottes fragt.