Blinde Buchstäblichkeit:

 Gegner des wirk-lichen Gotteswortes

Verhinderer lebendiger Vernunft

 

Keine Anschuldigung christlicher Theologie, sondern weitere Begründung der Aufforderung zu einem neuen christlichen Selbst- und somit Gotteswortverständnis. Dieses geht von einer neuen Sicht des in heutiger Gegenwart natürlicher Genesis und Geschichte gesprochenen Schöpferwortes als dem urchristlichen Gottessohn und historischen Messias aus, der neu als lebendiges Wesen – damals wie heute - wahrzunehmen wäre.

 

Gleichzeitig eine neue Apologetik gegenüber atheistischem Denken, das durch die Buchstäblichkeit biblischer Texte  bzw. ein weltfremdes und glaubenverhinderndes Verständnis des Gotteswortes irregeleitet die Bedeutung des Glaubens für ein vernünftiges menschliches Verhalten verkennen muss.

 

Das große Ziel

 

Durch eine aufgeklärte Wahrnehmung der schöpferischen Vernunft in der wissenschaftlich erklärten Wirklichkeit allen Werdens als Schöpfungswort (Logos), das dem urchristlichen Verständnis des menschgewordenen Gottessohnes entspricht, soll sich genau die Heilswirkung erfüllen, die damals von ihm geschildert wurde.

 

 

Das große Problem

 

Texte, Mythen und Traditionslehren, die den Menschen über 2000 Jahren Bestimmung gaben, ihnen somit auf damals vernünftige Weise Gott vermittelten, tragen nicht mehr. Auch wenn im heutigen Glaubenskrieg die Dogmen wieder hochgehalten werden, sie können sie den Menschen von Heute und Morgen keine wirklich schöpferische Bestimmung geben. Vielmehr besteht die Gefahr, dass die in unserer politischen Gegenwart gegeneinander kämpfenden Dogmen, ob nach der bedingungslosen Befolgung des Koran gerufen oder blinde Bibelfrömmigkeit hochgehalten wird, jeweils nur noch Produkte einer selbstgesetzten konserativen Religions-Ideologie, somit persönlicher Vorstellungen bzw. Vorteile Krieg führen. Wenn diese eigenen Vorstellungen dann noch als Gotteswort dargestellt werden, muss sich der moderne Mensch entsetzt abwenden. Er hofft auf eine Art Volks-Ethik, die er aus seinen ganz persönlichen Vorstellungen ableitet und kann das Heil nur noch in einem endgültigen Abfall von alten Glaubensdogmen vermuten. So ist es heute fast selbstverständlich, dass höhere Werte in politischem und somit gesellschaftlichem Handeln nichts zu suchen hätten. (Wie nicht zuletzt die derzeitige Diskussion um die Neudeutung der sozialen Verantwortung in der „S“PD zeigt und ohne logisch begründbare Werte leider längst politischer Alltag auch bei „C“, „F“ und „G“ geworden ist.) Wenn sich die Krieger des Koran auf die Herrschaft Allahs (eigentlich des einen Schöpfergottes), die über allen menschlicher Ideologien und Volksmeinungen stehen müsse) berufen, wird dies nur noch als Beweis dafür gesehen, warum ein solcher Glaube zu verbieten sei. Keinem kann in den Sinn kommen, das eine Ausrichtung an der Norm des Schöpfers auch von Ökologen verlangt wird, wenn sie statt beliebiger Selbstgesetze einer durch sich selbst manipulierten Masse die Orientierung an einer natürlichen Ordnung verlangen.

 

Die christliche Theologie steht ziemlich hilflos daneben. Sie redet von einem jungen Juden, der angeblich aufgrund einer „Nahtodeserfahrung“ eine besondere göttliche Eingebung  gehabt haben soll. Die Offenbarung dieses von seinen menschlichen Nachfolgern vergotteten Wesens sei dann für die Menschen maßgebend. Für einen normal denkenden Menschen von heute Menschen von heute muss das alles völlig absurd sein. Selbst die Rest-Christen haben sich daher auf  einen rein persönlichen Glauben und eine eigene Ethik zurückgezogen, der weitgehend unabhängig von der Bibel stattfinden und mit einem universal gesprochenen Gotteswort, einer allen Menschen gemeinsamen Bestimmung nichts gemein hat. Wenn kirchenamtliche Konservativität dann unter Berufung auf die Bibel – wenn’s um Homo-Ehe geht, neuerdings gar das Naturgesetz- etwas verlangt, was der eigenen Humanvorstellung nicht entspricht, herrscht helle Aufruhr.

 

Ein Wertmaß im schöpferischen Wort, einer im Werden der Welt wahrzunehmenden Vernunft/Logik über die einfache Natur hinaus, scheint ebenso wenig vorhanden, wie die Bibel als Grundlage menschlicher Sinngebung noch ernst genommen wird. Auch wenn theologisch die Wahrheit unserer Traditionstexte als Mysterium bewahrt werden soll, das Rad der Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen. Selbst wenn der Intellekt erkennen würde, dass sich hinter den alten Mythen eine ewige Weisheit verbirgt, können daraus die Menschen von heute keine Offenbarung, Bestimmung und Orientierung erfahren. Die Zeit eines Buchstabenglaubens scheint vorbei. Der Schöpfer der Welt selbst muss und kann wieder zu Wort kommen. Sein Wort, das in der schöpferischen Ordnung evolutionären Werdens des gesamten zugrunde Kosmos (aller sog. Selbstorganisation oder Software) sichtbar ist, muss zum Thema christlicher Theologie werden.

 

Denn wie sollen wir menschliches Wachsen, Wohlstand und Wissen als Ausdruck der Güte Gottes oder eines Gotteswortes/-Sohnes wahrnehmen, wenn alle theologische Welt denkt, dass dadurch der Abfall vom Glaube verursacht wurde? Solange wir das Gotteswort nur in Buchstaben lesen, die Bezeichnung „Gottessohn“ nur für den einem jungen Juden verliehenen Hoheitstitel oder ein Geistesgebilde des Glaubens halten, können wir den in der Antike wahrgenommen konkreten Grund des Glaubens im kosmischen Werden nicht sehen, das lebendige Schöpferwort nicht hören? Das trotz aller theologischen Deutung weiterhin buchstäbliche Verständnis der Bibel, das dann auch im historischen Jesus nur einen Religionsrebellen vermutet verhindert, dass dem aufgeklärten Denken der präexistente Gottessohnes deutlich gemacht werden und die Bedeutung biblischer Aussagen vermittelt werden kann.

 

Wie sollen die Menschen von heute denken können, dass sie durch die Gabe des ihnen von Gott geschenkten Verstandes befähigt werden eine schöpferische Bestimmung zu erfahren, der Verstand eigentlich das Organ ist, um Gottes Wort selbst zu verstehen und umzusetzen, wenn durch eine Buchstäblichkeit der Neu-Verstand des Schöpfungswortes verhindert wird?

 

Eine rein menschgemachte Rhetorik und das blinde Beharren auf stumm gewordenen Buchstaben bzw. Bildern, die heute als alleiniges Gotteswort bezeichnet werden, scheinen die schlimmsten Feinde des lebendigen Wortes, das in der täglichen und tat-sächlichen Schöpfung aller Welt wahrzunehmen wäre. Sie führen nicht nur in einen Abfall vom Glauben, sondern in verabsolutierende menschgemachte Ideologien und stures Festhalten an misserstandenen und somit manipulierbaren Religions-Dogmen.

 

Die blind gewordene Buchstäblichkeit der Glaubensvorstellungen führt dazu, dass die modernen Menschen das Gotteswort nicht mehr verstehen und die Bibel als irrational betrachten. Sie fühlen sich von überkommenen Irrlehren und veralteten Dogmen befreit, suchen das Heil in der Verwirklichung ihrer eigenen Vorstellungen oder flüchten sich in ganz persönlichen Glauben. Veralteten Moralvorstellungen und konservativen Kirchenpredigten wollen die Menschen heute ebenso wenig folgen, wie modernen Heilsversprechungen.

 

Nicht irgendwelchen „bösen“ atheistischen Mächte, sondern das in einer Buchstäblichkeit g/befangene theologische Weltbild und die daraus folgende Form der Verkündung verhindern, dass die Menschen auf eine erst heute wieder mögliche Weise das Wort Gottes selbständig hören, verstehen, sich daran orientieren und so im höheren Sinne vernünftig verhalten.

 

Solange an heutigen Hochschulen – in einem Beharren in Buchstäblichkeit gegen das eigene Wissen - in der Bezeichnung „Gottessohn“ nur ein Hoheitstitel für einen jungen Juden gelehrt wird, den man neben die Hypothese von einem einfachen historischen Menschen setzt, können wir diesen nicht sehen.  Wenn die gesamte Wesensaussagen des Neuen Testamentes sowie die theologische Deutungen über den Christus weiterhin nur von einem kaum nachvollziehbaren Gottesmythos ohne realen kosmischen Bezug und nachvollziehbare Begründung aus erklärt und das Wort Gottes nur in Büchern gelesen wird, können die Menschen die heute wieder in der kausalen Logik des realen kosmischen wie geschichtlichen Geschehen hörbare Stimme/Wort/Vernunft des Schöpfers nicht verstehen.

 

Gleichwohl wir als Christen den Logos, die schöpferische Vernunft zum Herrn haben, dient sein theologisches Bodenpersonal der Un-logik oder dem Mythos. In einem Zeitalter der Vernunft, wo alle Abläufe in Mikro- und Makrokosmos auf sinnvolle/natürliche/logische Weise erklärt werden, verhindert ein theologisches Denken, das nur auf alten, inzwischen beliebig gedeutete Buchstaben baut, dass Menschen das lebendige universale Wort des einen Schöpfers wahrnehmen können und Sinngebung erfahren. Selbst moderne Denker, Naturwissenschaftler wie Theologen, die im Prozess allen Lebens, dem natürlichen Ablauf neu nach Gott suchen, werden so auf die falsche Fährte gesetzt. Nicht der Un-, sondern der eigene amtliche zementierte Aberglaube scheint der eigentliche Feind Gottes. Die Probleme mit der Wahrnehmung des rechten Schöpfungswortes, von denen das Alte wie das Neue Testament handelt, wiederholen sich.

 

 

Die große Hoffnung

 

Die Menschen von Morgen werden nicht mehr alten unverstandenen und längst persönlicher Beliebigkeit überlassener Religionsgesetzen oder rein politischer bzw. religiöser Rhetorik folgen und sich gegenseitig zum Glauben oder eigener Ideologien überreden. Aufgrund der autonomen Wahrnehmung der schöpferischen Vernunft als dem ursprünglichen und eigentlichen Gotteswort werden sie gemeinsame Be-stimmung erfahren und sich zukunftsgerecht, schöpferisch vernünftig verhalten.

 

Die christliche Theologie hat die Talsohle ihrer Selbstbanalisierung erreicht. Selbst dies gehört zur Logik der Schöpfung. Denn nur von hier aus kann es wieder Aufwärts gehen. Nach dem Ende der Zerklärung und Verklärung, die die historische Wahrheit der biblischen Aussagen in buchstäblicher Weise zerredet, bis auf Belanglosigkeiten verkürzt oder als unverstandenes Geheimnis im Ganzen bewahren will, wird ein allegorisches Verständnis der Glaubenstexte erwartet, das auch in der Antike die Feder führte. Erst hierdurch wird es möglich, alt- und neutestamentliche Theologie auf das damals als lebendiges Wesen wahrgenommene Schöpfungswort zu beziehen, den realen historischen Gehalt neu einzuordnen und als primäres Ziel: das lebendige Wort Gottes in der Gegenwart der heutigen Welt als christlichen Glaubensgrund zu verstehen.

 

An menschlichen Worten, ob modernen oder alten Lehren, in die ständig persönliche Meinungen und konservative Vorstellungen hineininterpretiert werden, wird und brauchen wir uns in Zukunft nicht mehr zu orientieren. Der Schöpfergott hat uns die Möglichkeit gegeben, im Sinne des Urchristentums sein Wort in aufgeklärter Weise in der Vernunft allen natürlichen Werdens zu hören. Nicht Menschen werden dann einander gegenseitig vorschreiben, was geglaubt und getan werden soll. Die Stimme des Schöpfergottes wird in mündiger Weise für die Menschen selbst bestimmend sein.

 

Und genau wie im Neuen Testament beschrieben, gilt auch heute die kausal zu begründende Hoffnung dem bewussten „Sehen“ des Gottessohnes: einer Offenbarung in der Gegenwart der Wirklichkeit allen Werdens der Welt. Wie in der Antike kann nur die neue Wahrnehmung der eigentlichen Wurzel des eigenen monotheistischen und christlichen Glaubens die kranke christliche Theologie heilen. Nicht Ortspfarrer oder Papst als äußere Glieder in der Kette eines theologischen Weltbildes, sondern Lehrer, die sich mit theologischen Inhalten des Neuen Testamentes auseinander setzen, können weiterhelfen. Denn nur von amtlicher Theologie kann der Anstoß ausgehen, in aufgeklärter Weise nach dem eigentlichen Grund universalen christlichen Glaubens zu fragen. Erst wenn das im sichtbaren Geschehen des gesamten Kosmos neu zu verstehende Wort von christlicher Theologie thematisiert und mit den Wesensaussagen des Neuen Testamentes auf einen Nenner gebracht wird, somit die vertrauten Begriffe und einfachen Bilder wieder lebendig werden und eine weiterhin persönliche Ansprache Gottes ermöglichen, kann das Schöpfungswort (die höhere Vernunft) auch den Alltag wieder bestimmen und unseren Kindern Zukunft geben.

 

Die Hoffnung besteht daher letztlich darin, dass Schriftlehrer über ihren eigenen Schatten springen und in einem neuen Nachfragen nach dem eigentlichen Wesen des christlichen Glaubens den Weg für ein aufgeklärtes Verständnis des Schöpferwortes wie der Schrift bereiten.

 

 

 

Die folgenden Überlegungen sollen erneut nachzeichnen, wie nach wir vor die buchstäbliche Predigt des Buchtextes als das alleinige und eigentliche Wort Gottes das Verständnis des in aller Natur wie Geschichte wirk-enden/lichen Schöpferwortes verhindert. Weiter wird überlegt, wie dadurch die von der Theologie herausgearbeiteten Bedeutungsinhalte der Bibel selbst verleugnet, so die Menschen vom eigentlichen christlichen Glauben abgehalten werden und welche Probleme sich daraus ergeben.

 

Gleichzeitig ein Nachweis, warum nicht durch ein Wiederkauen des weitgehend inhaltslos gewordenen Mythos als ewig gültiger Weisheit Abfall vom Glaube wie Aberglaube sowie die Manipulation der Massen verhindert werden kann, sondern ein Verständnis des Logos Gottes in der wissenschaftlich-natürlichen Beschreibung allen Werdens (vom Sternenstaub bis zu von Ihm mit Geist begabten Wesen, die Morgen sein Wort selbst verstehen werden), als neue Nahrung dringend notwenig erscheint.

 

Was ursprünglich nur ein Aufschrei gegenüber banaler Evangelisation und Auseinandersetzung mit Politrhetorik werden sollte, ist erneut zum laienhaften und in vielen Einzeldeutungen sicher fehlerhaften Versuch einer Gesamtdarstellung der christlichen Glaubensgeschichte und seiner Problemsituation aus neuer Perspektive ausgeufert. Die moderne Theologie soll durch diese laienhaften Anmaßungen nicht angeschuldigt, sondern angestoßen werden, in allegorischer Auslegung nach dem eigentlichen christlichen Glaubensgrund zu fragen und mögliche Antworten an den selbst bestätigten Inhalten des Neuen neutestamentlicher Aussagen prüfen .

 

 Wie immer wird dabei von einem Standpunkt aus argumentiert, der im historischen Jesus die heute wieder als lebendiges Wesen wahrzunehmende Vernunft/Schöpfungsmacht bzw Ordnung allen Werdens versteht und diese als das eigentliche Gotteswort am Anfang christlichen Denkens sieht. Da die Probleme bei den Versuchen einer neuen naturwissenschaftlichen Gottesbegründung, die aufgrund unseres heutigen buchstäblich-banalen Christusverständnis leider am Logos (einer vor 2000 Jahren als Jesus im realen Werden wahrgenommenen Schöpfungsmacht und wirkungsvoll in menschlicher Sprache und Geschichtsordnung verständlich gemachten Form) vorbeigehen muss, mit eingeflossen sind, hoffe ich hier konkretisieren zu können, woran m.E. die heutige Theologie krankt und wodurch Heilung für das christliche Weltbild  möglich wäre.

 

Die Überlegungen setzen sich primär mit dem Problem eines buchstäblichen Gotteswortverständnisses auseinandersetzen. Wobei mit „buchstäblich“ nicht allein die Auslegung bezeichnet wird, die selbst nach dem (m.E. ver-sehentlichen)  totalen Abbau von alt- und neutestamentlicher Geschichtsgestalten und -wahrheiten somit einer himmelschreienden Selbstbanalisierung verzweifelt an der Hypothese christologisch hochgejubelten Heilsprediger festhält. Allein schon die in dem von unserem heutigen theologischen Weltbild vorgegebene Bezugnahme auf das einst verstandene und gesetzte Wort der Schrift als das eigentliche und alleinige Gotteswort verhindert, dass es die modernen Menschen von heute hören können.

 

Die Überschriften, sind lediglich Gliederungsorientierungen. Sie erheben nicht den Anspruch, die jeweilige Begründung erschöpfend zu geben oder die Geschichte des Urchristentums darzustellen. Hier können nur einige Beispiele gegeben werden, wie Wissen und bisher blinder Glaube durch ein Neuverständnis auf einen Nenner zu bringen wäre und welche Problemlösung dies bietet.

Weiter Zeugen für die notwendige neue Lesweise der alten theologischen Texte und die messianische Wirkung des heute im gesamten kosmischen Geschehen zu verstehenden Gotteswortes sind unter www.theologie-der-vernunft.de gesammelt und gesucht. Insbesondere die Notwendigkeit einer neuen Vorstellung von der Menschlichkeit des historischen Jesus wird dort aus verschiedenen Aspekten beleuchtet. Denn nach der Reduktion durch von der Aufklärung ausgelöste historisch kritische Fragen scheint jetzt die Zeit reif, das reale schöpferische Wesen unseres Glaubens zu entdecken, so seine in der Bibel beschriebenen Bedeutungsinhalte und Geschichtlichkeit zu belegen und die Logik des christlichen Glaubens in aufgeklärter Weise zu begründen.

 

  1. Selbst-gesetzte Rhetorik und eigene Worte halten die Menschen vom eigentlich christlichen Glauben ab

 

1.1. Ohne das Schöpfungswort als Grund verkehrt sich das gut Gewollte zum Gegenteil

 

Wie im Vorwort bereits versucht darzustellen, wird hier davon ausgegangen, dass unseren heutigen Vorstellungen meist nur noch eigene Ideologien zugrunde liegen, auch wenn diese oft in alten rein konservativ manipulierter Religionsdogmen (Ob Bibel oder Koran) begründet werden. Das in der Gegenwart aller Genesis gesprochene Wort, die schöpferische Vernunft bleibt so nicht nur ungelebt, sondern deren Verständnis wird verhindert.

 

Sie reden zum Volk und wollen das Gute. Die Worte der modernen Missionare betören die Massen mit ihren Ideologien, im Osten wie im Westen. Wenn dann die jeweilige Ideologie abgelöst ist, kann keiner mehr fassen, warum sich die Menschen blenden ließen, wieso im Gefolge menschlicher Worte, Interessen und Ideologien Massenmorde verübt wurden. Wenn beispielsweise in einigen Jahren die Amerikaner erwachen, werden sie nicht mehr begreifen, wieso sich aufgeklärte Menschen von politischer Rhetorik verleiten, letztlich gar in einen impressionistischen Krieg ziehen ließen, der von den eigentlichen Problem  - u.A. der eigenen ökologischen Zukunftszerstörung oder für unsere Kinder unhaltbarer sozialer Hinterlassenschaften in einer wirtschaftlich zusammengewachsenen, aber geistig getrennten weitgehend ihrer Werte entleerten Weltgemeinschaft - nur ablenkte. Und ebenso wenig werden wir Europäer unseren Enkelkindern erklären können, wieso wir offenen Auges durch gegenseitige Manipulation der Un-wirtschaftlichkeit und sinnentstellte Gier bei vollem Bewusstsein der Folgen unseres Handelns eine kosmische Katastrophe metrologischen Ausmaßes verursachten, statt sie durch einen vom Schöpfer ausgehenden öko-logischen Geist und somit ein globales wahrhaft öko-nomisches Denken und Handeln zu verhindern.

 

Wieso sich Glaubensanhänger wie ihre erbitterten Gegner über den alten heidnischen Opferkult längst erhoben fühlten, aber trotz allem Verstand in blind gewordener Buchstäblichkeit g/befangen gegen alle schöpferische Vernunft einem modernen „Moloch“ die Zukunft und somit unsere Kinder geopfert haben, wird kaum klar zu machen sein.

 

An dieser Stelle soll jedoch nicht rein vordergründig gefragt werden, was falsches politisches, soziales oder ökologisches Verhalten und was richtig zu machen wäre. Auch wird nicht das Problem behandelt, warum die jeweiligen Volks(ver)führer gar an das Gute ihrer oft blutigen oder unsinnigen Taten glauben, diese teilweise für gottgewollt halten und noch heute in unheilige Kriege ziehen oder zu Terror aufrufen. Es geht um die Frage des Geistes bzw. des Verstandes, der allem Verhalten vorausgeht. Das hier konkret zu beleuchtende Thema ist die Gefahr, die von Gefolgschaft gegenüber blinder Dogmatik sowie Manipulationsmechanismen und Menschen ausgeht, die es bei ihrer selbst-gesetz-ten Rhetorik meist im Grunde gut meinen, jedoch nicht erkennen, dass sie gegen die schöpferische Vernunft und somit den eigentlichen Gotteswille agieren.

 

Wenn nachgedacht wird, warum ein aufgeklärt-humanistisches Volk in den Worten Hitlers das Heil sah, dann kommen im Grunde ähnliche Antworten, wie heute in Jugoslawien. Einfach von Volksverführung zu sprechen, geht am Problem vorbei. Auch Massenmörder wie Stalin waren von ihrer angeblich messianischen  Mission überzeugt, verstanden sich als Heilsbringer ihres Volkes, oft gar der ganzen Menschheit. Die Rhetorik dieser „Gutmenschen“ hat jeweils andere mitgerissen.

 

Wer die Reden studiert, wird viele Übereinstimmungen finden, sich gleichzeitig aber auch fragen müssen, ob die modernen TV-Evangelisten und gleichzeitig auch die Volkskirchen wirklich besser sind? Auch in ihrer Rhetorik finden sich ähnliche Begrifflichkeiten wieder, wie bei den anerkannten Volksverhetzern oder den jeweils polit-ideologischen Gegnern. Das Gute wird beschworen, vor Bösem gewarnt und nach Gemeinschaft, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit gerufen. Die religiöse Rhetorik heutiger Evangelisten unterscheidet sich kaum von den säkularisierten Reden. Nur, dass in der Kanzelpredigt oder bei Kirchenpapieren alle rein menschlichen Forderungen auf Gott bezogen werden. Sie aus einem realen Schöpfungsgeschehen, einer lebendigen kosmischen Vernunft bzw. deren menschlicher Bestimmung ableiten zu wollen, wäre nach heutigem Selbstverständnis völlig unchristlich. Bibeltexte müssen daher zur Begründung meist eigener Ansichten herhalten. Für völlig verschiedene Meinungen finden sich in den Buchstaben der Bibel verwendbare Bruchstücke. Nicht allein die Geschichtsbücher zeigen, wie ganz gegenteilige Verhaltensweise durch biblischen Bezug zu begründen sind. Gerade in der Gegenwart ist die Deutung der alten Texte zur weitgehend persönlichen Beliebigkeit geworden. Selbst bei Gläubigen, die sich ernsthaft damit auseinandersetzen, werden oft völlig gegensätzliche Aussagen gelesen. Und wo der Sinn fehlt, von dem die alte Gesetzlichkeit ausging, werden die biblischen Vorschriften nicht nur oft verdreht, sondern selbst kaum ernst genommen und verleugnet.

 

1.2. Selbstgesetzte Rede vom Gotteswort verhindert dessen Verständnis

 

Ich frage mich aus einem viel weitergehenderen Grund, ab nicht gerade dort, wo im Namen Gottes gesprochen, so das selbst für gut Gehaltene gefordert wird, die Gefahr noch viel größer ist, als bei rein politischen Parolen. Wenn es nur um konservative Verhaltensweisen ging, die kirchlicherseits gefordert werden, wäre das nicht weiter schlimm. Auch Grüne, Rote oder Gelbe fordern oft das Gute, ohne dass sie den Menschen die geistige Befähigung geben können, sich daran zu halten.

 

Die kirchlichen Predigt vom angeblich eigentlichen Gotteswort wäre nicht weiter schädlich, wenn dadurch nicht der mögliche Geist, einer schöpferischen Vernunft zu folgen und so das Gesamtrationale zu tun, verhindert würde. Denn was bringt das pure Predigen und Einfordern von Verhaltesweisen, wenn ein Beharren auf längst mystisch gewordener, oft missbrauchter Buchstäblichkeiten das Gehör des lebendigen Creators des Kosmos verhindert? Wie sollen die Menschen den Autor des Schöpfungswortes anerkennen, durch die Begeisterung für sein alles Werden, alle kosmische Kreativität und somit auch menschliches Walten bewirkende Wort zu Mitschöpfern befähigt werden, wenn sie von Kind auf lernen, dass das Wort Gottes nur in Büchern zu lesen sei, es Sonntags in der Kirche durch Textauslegung gepredigt wird und christliches Denken sich in Konservativität erschöpft?

 

Wird so nicht der christliche Glaube zu einer Angelegenheit der persönlichen Gefühle, für ewig Gestrige und geistig Zurückgebliebene? Geht von G/Befangenheit bzw. Versessenheit in eine Buchstäblichkeit die eigentliche Gefahr, nicht nur für den christlichen Glauben, sondern die gesamte Weltgemeinschaft aus?  Ist diese Buchstäblichkeit nicht auch das Problem anderer Religionen, wo die alten Texte längst zum Spielball reiner Konservativität geworden sind und die in ihrer Verzweifelung die Welt ins Chaos zu stürzen drohen?

 

1.3. Die wahre christliche Mission befähigt zum eigenständigen Verständnis

 

Wäre es nicht die eigentliche christliche Mission, einem zeitgemäßen Verständnis des universellen Schöpferwortes (christlich Gottessohnes) im Kontext der jeweiligen Kultur den Weg zu bahnen, statt nur alte Mythen, eigene – jetzt auf eine Christus genannte selbstgesetzte Gestalt bezogene - Gesetze, als lebendiges Gotteswort zu verkünden? Führt die Mystifizierung nicht in die Nähe moderner esoterischer Geheimlehren, an die sich manche Menschen auf der Suche nach Sinn oft sehn-süchtig wenden, ohne allerdings etwas be-greifbares zu sehen. Könnte durch ein neues Verständnis des eigenen Glaubensgrundes nicht auf völlig neue Weise zwischen den verschiedenen Religionen vermittelt werden? Was nützt es, gesetzte Dogmen als ewige Weisheiten zu universalen Gesetzen erklären zu wollen, wenn der universale Verstand des Gotteswortes fehlt, der diesen zugrunde liegt, man ihn letztlich so gar verhindert? Wird nicht dadurch gleichzeitig auch dem Missbrauch anderer monotheistischer Religionsdogmen das Wort geredet? Wäre es jetzt nicht höchste Zeit, durch ein Neuverständnis des Gotteswortes/sohnes in allem natürlichen Werden den eigentlichen Grund der verschiedenen Schriftzeugnisse zum Thema zu machen?

 

Ist es vielen Intellektuellen zu verdenken, wenn sie angesichts der Gotteskrieger, von Bin Laden bis Toni Blair, die Zukunft nur in einer Welt sehen, die den Glauben überwindet, zumindest ins rein Persönlich-Private verbannen wollen, wo er gesellschaftlich kaum etwas anrichten kann? Ist nicht das aufgeklärt-atheistisches Denken nachzuvollziehen, das dem christlichen Glauben keinerlei Bedeutung beimisst, ihn allenfalls für den persönlichen Seelenfrieden zuständig sieht?

 

Unabhängig davon, dass ich den gegenteiligen Weg gehen will (u.A. auch in diesen Zeilen zu begründen versuche, warum ein vernünftiger universeller Glaube die Voraussetzung für ein vernünftiges Zusammenwirken der Menschen untereinander bzw. der gesamten Mitwelt ist), zeigt sich auch in der Geschichte der Ideologien, dass die Volksverführung nicht unbedingt eine Glaubensbegründung benötigt. Gerade der mit humanistischen Idealen begründete Kommunismus ist bester Beleg, dass der Aberglaube auch atheistische Formen hat. Intellektuelle Abgehobenheit und ideologische Parolen können, wie sich zeigte, die Gesellschaft ebenso wenig zur gemeinsamen Vernunft und schöpferischer Leistung bewegen und Bestimmung geben, wie blutleere christliche Predigten.

 

1.4. Von der Kraft des Gotteswortes kann Gefahr und not-wendige Hilfe ausgehen

 

Gleichwohl gerade von einer die Glaubenskraft vereinnahmenden Rhetorik die schlimmste Gefahr ausgeht, weil hierdurch ein enormes geistig-emotionale tiefgehendes Potential freigesetzt, gleichzeitig auch fehlgeleitet werden kann, ist dies kein Argument gegen den Glauben. Wenn, wie nachzuweisen wäre, sich alle Hochkulturen nur einem hohen Kult verdanken und wenn das gemeinsame Gottesbewusstsein eine geistige Kraft entwickelt, die den Menschen Berge versetze lässt, dann spricht das nicht gegen den Glaube, sondern für ihn. Denn sind wir als denkende, geistbegabte emotionale Kreaturen nicht genau auf diese Kraft angewiesen? Hat uns die Schöpfernatur, die nach dem naturwissenschaftlichen Weltbild nichts Unnötiges hervorbringt, sondern alles seinen Sinn hat, umsonst mit Gefühl, Emotion und Geist der Erkenntnis begabt? Was könnten wir durch den vernünftigen Gebrauch unserer gesamten geistigen Kräfte, zu denen – nicht nur Nachlesen - sondern Denken, erkennendes Staunen, Begeisterung und innere Bewegtheit gehören, bewegen? War nicht bereits den alten Griechen bewusst, dass nur aufgrund höherer Sinngebung ein schöpferisches Gemeinschaftsgefüge möglich ist? Ging ihre philosophisch entwickele gesellschaftlich-menschliche Norm nicht von eine göttlichen Logos aus, der sich später im Christentum weiterentwickelte? Übersehen wir nicht auch bei aller Betrachtung der griechischen Lehren den göttlichen Logos, der damals jeder Philosophie und der daraus abgeleiteten Politik vorausging und gehen muss? Und wird nicht gerade heute erneut eine gemeinsame, den gesamten Geist (kognitiven Verstand und Gefühl) umfassende einer höheren Vernunft folgende menschlich-kreative Kraft gebraucht, um die Probleme der Gegenwart lösen?

 

Wenn ich nicht davon ausginge, dass wir nur durch die Nutzung dieser uns zu Menschen machenden gesamten geistigen Kraft die Probleme meistern und unseren Kindern Zukunft geben können, uns der Schöpfer genau aus diese Grund mit dem Geist seiner Erkenntnis begabt hat, würde mir nicht laientheologische Gedanken machen und morgens um vier im Garten sitzen und trotz gebrochener Hand diese Zeilen in den PC hacken.

 

Auch wenn gerade in der politischen Gegenwart wieder die Probleme einer vom Schöpfungswort abgefallenen, nur noch der jeweils eigenen Rhetorik dienenden Glaubenspraxis besonders deutlich werden, kann m.E. unsere Kultur nicht auf die Kraft des Glaubens bzw. der Erkenntnis Gottes und die dies bewirkende bewusste Begeisterung für die im gesamten Kosmos so wunderbar wirkende Vernunft sowie deren persönliche und personale Anbetung verzichten. Auch die kulturellen Fehlversuche des Weltkommunismus, wie des sinnentleerten Kapital-Egomanismus der westlichen Welt können dies verdeutlichen. Wenn die heutigen Intellektuellen allerdings den Geist aufgeben wollen, davor warnen, weil er scheinbar eine Gefahr darstellt, über das angebliche Gotteswort nur noch milde lächeln, dann kommt mir das vor, wie wenn ein Handwerker, der den Gebrauch des Hammer vermeiden will, weil man sich damit auf die Hand schlagen oder er zur Waffe werden kann.

 

Es scheint das Problem aller Werk-zeugen, der im einfachen Alltag, wie der geistigen Werk-zeugen Gottes. Sie sind für uns Menschen lebensnotwenig und können zur vernichtenden Waffe werden. Gerade der Gebrauch des Gotteswortes, um den es hier geht, macht dies deutlich.

 

1.5. Vom wirk-lichen Schöpfer abgefallener Aber-glaube als ewiger Gegner Gottes

 

Die größte Gefahr geht jeweils nicht von sog. „bösen anderen Mächten“ bzw. Atheisten aus, sondern von Menschen, die es meist gut meinen, doch im Grunde nur eigene Mein-ungen und Worte, statt das eigentliche bzw. die reale Welt be-wirkende Schöpfungswort in den Mittelpunkt stellen, gleichzeitig einen aber-trotzdem Glauben verlangen. Auch im Alten Testament, in der Geschichte Israels bzw. des Monotheismus scheint sich lt. heutiger theologischer Lehrmeinung alles um das Verständnis des einen Wortes des wahren, die Welt und Geschichte bewirkenden Schöpfers zu drehen. Die Auseinandersetzungen mit Glaubenvorstellungen, die oft vom eigentlichen Schöpfungswort abgefallenen waren oder das Leben im Unverstand bzw. Exil und die Suche nach dem wahren Israel (wo das Gotteswort versanden wird), dem gelobten Land, sind reich bebildert. In der gesamten Theologie des Alten Testamentes scheint es um die Suche und den wahren Verstand des Gotteswortes zu gehen. Und damit hatten die Hebräer mit Sicherheit weder allein Buchzeilen bzw. biblische Texte, noch menschliche Meinungen vor ihrem geistigen Auge. Geschichte scheint sich immer zu wiederholen. Wo das schöpferische Wort, der Logos des Autors des gesamten natürlichen Kosmos unverstanden bleibt, predigen menschliche Autoren ihre eigene Autoritäten und Götter: Meinungen, Moralvorstellungen, Ideologien, intellektuelle Forderungen und blind zu befolgende alte Gesetzlichkeiten und Mythen, an die man einfach glauben muss.

 

Nichts Anderes erklärt uns eine tiefschürfende Exegese doch auch in der Theologie des Neuen Testamentes. Dort kann es bei allem was wir Heute wissen,  nicht nur um die Ansichten eines einfachen Menschen oder allein die richtigen Auslegung alter Mythen gegangen sein. Das universale Schöpfungswort/Logos bzw. die Weisheit Gottes selbst war in menschlicher Gestalt präsent, wahrer Mensch und göttlich zugleich. Von ihr gehen die Aussagen aus, die wir im Neuen Testament als Worte Jesus lesen. Sie entfaltete die Wunder und Wirkung, die dort beschrieben ist und hat im Geschichtsprozess nachvollziehbar unter blinder Gesetzlichkeit gelitten. Die Frage, wie das Wort des im gesamten Kosmos sprechenden Gottes für die Menschen zu hören und zu sehen ist, somit zur Wirk-lichkeit wird (Wirk-ung entfaltet) war m.E. das eigentliche Thema der griechisch-jüdisch gebildeten Verfasser, die uns die Geschichte des Gottessohnes mit Namen Jesus (Gott kommt, zeigt sich in ihm um zu helfen) aufgeschrieben haben. Auch wenn es heute selbst von vielen Hochschullehrern auf schlimmste Weise rein moralisierend banalisiert wird: Nicht um die ethischen Ansichten eines zur Buchstabenauslegung besonders begabten Religionsrebellen kann es gegangen sein und der davon berichtenden Legende. Die richtige Deutung des lebendigen, im gesamten Kosmos zu hörenden wie den alten Gesetzen zugrunde liegenden Wortes, seine dauerhaft und universale Bedeutung für das menschliche Leben liegt den theologischen Verdichtungen zugrunde. Es ging um ein neues Licht, Bewusstsein, gegenüber den dunklen, unverstandenen Mythen. Auch der Wandel von einem Volks- bzw. Stammesgesetz zu einer universale Weltnorm kann wie eigentlich alles, was über den Christus gesagt wird, nur vom lebendigen Schöpferwort aus nachvollzogen werden.  Dessen Menschwerdung ist Stoff, der in den Evangelien, Briefen, Apokryphen, bei den jüdischen und christlichen Apologeten sowie den – m.E. tief denkenden – Kirchvätern nachzulesen sich lohnt. Aus neuer Perspektive gesehen, erfahren wir hier eine hochgeistige Auseinandersetzung der verschiedenen Denkrichtungen, die alle den Christus, das menschgewordene, im Kosmos gesprochene Wort zum Thema hatten. (Weder Gott selbst bzw. ein gesetzter Christus, noch einen Wanderprediger oder einfach die Worte alter Mythen können die von tiefgehender Exegese oft erst heute offengelegten theologischen Bedeutungsinhalte begründen.)

 

Im Durchdenken der gesellschaftlichen Probleme im Laufe menschlicher Geschichte zeigt sich die fortwährende Auseinandersetzung um das Verständnis des richtigen Wortes. Nur vor diesem Hintergrund kann m.E. auch die Dimension des christlichen Glauben begriffen werden: Ein neues Paradigma, bei dem das Schöpfungswort, die Vernunft Gottes selbst Gestalt annahm, statt nur von Menschen prophezeit und gepredigt oder von Schriftgelehrten gedeutet zu werden. Statt nur in eigener Volksgeschichte sowie aufgrund von Gesetzen, Mythen alter Lehrer und nicht nur durch Tempel und Bundeslade verkörpert, sondern auf wahrhaft universelle Weise, wurde das Wort des einen Schöpfergottes wahrgenommen. Seine Menschwerdung war die christliche Offenbarung des einen lebendigen jüdischen Schöpfergottes. Nicht von einem gesetzten Christusmythos als etwas vermenschlichter persönlicher Gottesvorstellung des jüdischen Volksgottes, sondern vom ein-deutigen gemeinsamen Verständnis des Schöpfungswortes konnte die universelle Autorität des christlichen Glaubens ausgehen. Durch das Verständnis des ewigen Schöpfungswortes hoffte man die Gefahren eines Glaubensabfalls bzw. ein falsches Verständnis dauerhaft überwunden zu haben. Der Feind dieses neu verstandenen Wortes ist bekannt. Es sind die gleichen Gegner wie heute. Nicht andere Völker waren Gegenstand der  Auseinandersetzung, (auch wenn heute allein Pilatus die Schuld in die Schuhe geschoben werden soll, siehe Folgebeitrag, als Brief an Prof. Berger) sondern vom falschen Verständnis des eigenen Glaubens und dessen Verkündung, dem selbstgefällig-bequemen Festhalten an sinnentleerter Gesetzlichkeit, alter Mythologie oder gottloser Philosophie  scheint lt. heutiger Exegesen die Gefahr ausgegangen zu sein: Der durch Jesus Christus auszutreibende Teufel hatte eine ganz konkrete Gestalt.

 

1.6. Das Christentum war Ver-wirk-lichung des in der Antike lebendigen Wortes/Logos

 

So wie Luther die Christen durch die Bibelübersetzung, das eigene Lesen des verfassten Gotteswortes, (was m.E. ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum heute m.E. mündigen Verstand war) davor bewahren wollte, der mittelalterlichen Kirchen- bzw. Ablassrhetorik zu verfallen, muss auch vor 2000 Jahren eine gewaltige Reform des Monotheismus stattgefunden haben. Doch in der Antike stand nicht nur eine Übersetzung der von uns als Altes Testament bezeichneten Texte ins Griechische auf der Agenda. Auch bei der nicht allein bei Philo von Alexandrien, sondern wie neue Funde zeigen, auch in Qumran (somit Jerusalem) angewandten allegorischen Auslegungspraxis, ist der griechische Geist, der den Gehalt der alten Texte neu entdeckte, nicht wegzudenken. Die zahleichen Auseinandersetzungen Jesus mit Schriftgelehrten und Pharisäern bebildern einen geistesgeschichtlichen Prozess, der am Anfang des christlichen Glaubens real stattgefunden haben muss. Auch im antiken Prozess wurde über das wahre Gotteswort entschieden.

 

Kein antiker Exeget, der nur aufgrund alter Vorstellung und Vor-schriften eine Theologie wie die Bergpredigt komponierte, kein junger Besserwisser mit Bart und keine späterer Frühkirchenlehre, sondern der Gottessohn war, wie wir aus dem Neuen Testament wissen, der Richter des wahren Wortes. Er hat damals aus einer stumpf gewordenen Gesetzlichkeit befreit und die Trennung vom Schöpfergott überwunden. Das Schöpfungswort selbst war lebendig, wurde verstanden. Es kann nicht um ein nachts geträumtes oder in „Nahtodeserfahrungen“ eines Jungen Juden oder seiner Anhänger erfahrenes christologisches Gotteskonstrukt gegangen sein, das als Gottessohn bezeichnet bzw. später auf einen jungen Charismatiker übertragen wurde. Gerade weil wir heute den hohen theologischen Gehalt der gesamten Aussagen kennen, kann nicht weiter davon ausgegangen werden, dass griechisch-jüdische Gebildete, die uns das Geschehen verfasst haben, nur dem nachgelaufen sind, der heute an theologischen Hochschulen als historischer Jesus oder Glaubenschristus gelehrt wird. Was sich in der zwischentestamentlichen Literatur, z.B. bei Philo als Schöpfungslogos und Gottessohn nachvollziehen lässt, von was auch die jüdische Weisheit, wie die griechische Philosophie handelt, im realen kosmischen Geschehen als lebendiges Wesen wahrgenommen und in personaler Form angesprochen wurde, war Richter über die Wahrheit. Und genau der Verstand dieses Wort wir m.E. durch die heutige Hochschullehre vom historischen Jesus und einem daneben gesetzten Christus verhindert.

 

Haben die heutigen  Lehrer Angst vor einem neuen Richter? Geht der schöpferische Schutzmechanismus der sinnvollen Bewahrung des Bewährten so weit, dass er notwendig gewordenes Neues ausschließt, den durch eigene Worte ständig geforderten Wandel verbietet? Oder ist es einfach eine starre Bequemlichkeit, am bisher Gelehrten, dem Buch-Vermögen, festzuhalten?

 

1.7. Das Schöpfungswort in Menschengestalt war und ist Wirk-lichkeit des historischen Jesus Christus

 

Wenn zutrifft, was die theologischen Lehrbücher heutiger Gelehrter an Bedeutungsinhalten über Jesus Christus aussagen bzw. aus den Textzeugnissen der Augenzeugen des antiken Geschehens ableiten, dann war der Gottessohnes/das lebendige Wort gegenwärtig. Gerade wenn uns heute die theologische Bedeutung der biblischen Inhalte aufgeblättert wird, muss doch klar werden, dass es sich nicht nur um einen Gottesmythos oder die Legende von einem Religionsrebellen gehandelt haben kann, sondern das reale Schöpfungshandel, die Vernunft Gottes im ewigen Kosmos das Thema ist.

 

Wer die über Taufbefehl, Aussendungsrede, Missionsauftrag und alle anderen theologischen Aussagen ernsthaft nachdenkt, die das Christentum über den alten jüdischen Glauben hinausgehen ließen, diesen gleichzeitig neu begründen sollen, der kann nur zu dem Schluss kommen, dass es weder nur ein einfacher historischer Menschen, noch ein christologisches Glaubensgebilde (Aufgrund alten Glaubens oder als vermenschlichter Stellvertreter für den Gesetzesgott) war, von dem dies alles ausging. Die gesamte Neube-stimmung des jüdischen Monotheismus im Christentum lässt sich nur erklären, wenn wir die schöpferische Stimme, den in der Antike lebendigen Logos als Gotteswort mitlesen. Es kann beim Grund unseres Glaubens nicht nur um einen jungen Juden gegangen sein, der z.B. besser um die Bedeutung des Sabbat Bescheid wusste, als damalige Religionslehrer. Der Grund des Sabbat, die Logik der alten Gesetzeslehren selbst, muss lebendig gewesen sein. Das Wort Gottes war wiederverstanden worden und weilte unter den Menschen. Die jüdischen Gesetze und das alte Gottesbewusstsein wurden dadurch nicht abgelöst oder gar nur abgeschrieben, (wie in modernen Lehrbüchern zu lesen) sondern mit neuem Leben erfüllt. Paulus war in diesem Sinne verstanden nicht das Ende des Gesetzes. Das neue monotheistische Paradigma beendete eine überkommene Gesetzlichkeit. Denn im historischen Jesus Christus wurde mit Sicherheit nicht einfach der vor-gesetzte Gott abgebildet, wie vielfach in der heutiger Christologielehre (die kaum mehr als einen aufgewärmten alten Gottesmythos sieht) angenommen wird. Auch persönliche innere Erfahrungen oder gar himmlische Halluznationen und Mysterien sind nicht das neuen Glaubensgrund legende Thema neutestamentlicher Theologie.

 

Im historischen Jesus war der reale und präexistente Grund des alten Glaubens lebendig, hatte eine konkrete Gestalt. Aus dieser Perspektive heraus lässt sich die Bedeutung des uns auch in unzähligen außerkanonischen Texten überliefern neue Paradigmas verstehen. Auch die christliche Auseinandersetzung mit altjüdischen Gesetzlichkeiten und abgehobenen Erkenntnislehren, die mit dem fortzusetzenden bzw. zu erneuernden jüdisch-monotheistischen Glauben unvereinbar und für das Volk unverständlich waren, sind nur aus dieser Perspektive logisch zu begründen. Jede andere Form, als die uns im Kanon vermittelte menschliche Gestalt des Gottessohnes, hätte nicht der schöpferischen Vernunft und somit „Wirk“-lichkeit entsprochen, sondern sich schnell verflüchtigt. Um seine messianische Wirkung zu entfalten, musste das Schöpfungswort/die Weltvernunft Gestalt annehmen, die den alten Mythen, jüdischer Messias-Erwartung, wie altgriechischer Sicht von Göttersöhnen entsprach, diese „weiter“-führte. Der alte Glaube, der zur neuen Wahrnehmung des Schöpfungswortes geführt hatte, war nicht abzulösen, sondern zu erneuern. Nur in der bekannten Form hatte das lebendige Wort Wirkung für die Menschen.

 

1.8. Durch das lebendige Wort als Mensch wurde Mythos und Philosophie weitergeführt

 

Nicht allein die Reform einer Synagogenlehre scheint das Programm des christlichen Glaubens gewesen zu sein. Der die gesamte Götterlehre des Altertum begründende Mythos wurde durch den Neuverstand des Logos/Wortes nicht verneint, sondern neu begründet. Denn mehr noch als beim jüdischen Monotheismus war seit Sokrates und Platon die Reform der griechischen Götterlehre das theologische Programm der Antike. Auch hier war weder Abschaffung noch blinde Abschreiberei der alten Mythen das Thema. Eine reale kosmische Ordnung, die bereits bei allen Frühkulturen auf der Agenda stand, Homer mit seinen Mythen von Göttersöhnen (ebenso konkreten schöpferischen Wesenheiten) auf den Götterhimmel übertrug, war neu zu definieren. Das sich aus der griechischen Philosophie zwangsläufig ergebende Verständnis eines gemeinsamen Logos der gesamten Welt, suchte seine religiöse Umsetzung. Was Sokrates als Sprachrohr des griechischen Logos ebenso wenig gelang wie der Theologie des Platon, scheint für das philosophische Denken von Alexandrien oder Antiochien im modernen Monotheismus erfüllt. Die Universalität des Gotteswortes war, auch wenn diese noch nichts davon wussten, (Paulus spricht vom unbekannten Gott der Philosophen) im universalen philosophischen Weltbild des gesamten griechischen Denkens vorgezeichnet.

 

Während wir aufgrund heutiger Sichtweise wie selbstverständlich davon ausgehen, dass menschliches Denken (Philosophieren) und Handeln (Politik) vom Menschen und seinen Meinungen bestimmt werden, lag der Philosophie der Griechen ein aus den Grundprinzipien der Gesamtnatur abgeleiteter Logos (Wort) zugrunde.  Statt auf alte Mythen zu setzen, wollte man diesen Logos menschlich verwirklichen. Dies konnte erst im Rahmen christlicher Theologie (eines Wiederverständnis des monotheistischen Gotteswortes/sohnes im Logos) gelingen.

 

Die christliche Lehre kann so als vernünftige Weiterführung des jüdischen Glaubens, wie der griechischen Philosophie gesehen werden. Denn die philosophisch-pantheistischen Gottesvorstellungen (die die Natur oder den Logos selbst zum Gott erhoben) scheinen als der  falsche Weg zu dessen Verwirklichung gesehen worden zu sein. Wie sonst ist zu erklären, dass das mit Alexander dem Großen im gesamten Mittelmeerraum verbreitete Griechentum den jüdischen Monotheismus mit dem gestaltlosen Gott nicht einfach ablehnte, sondern sich mit ihm apologetisch (nicht als Verteidigungsrede, sondern im Rahmen eines  Neuverständnisses) auseinandersetze?

 

Doch ohne das Wesen neu verstehen zu wollen, das auch Stoa und Epikur bestimmte, ohne gleichzeitig auch den kosmischen Bezug der alten griechischen Lehre von Göttersöhnen zu sehen und ohne den Schöpfungslogos der gesamten philosophischen Lehren im realen Weltgeschehen von heute neu zu entdecken, werden wir auch den Grund unseres Glaubens übersehen. Wir bleiben an Buchstaben bzw. alten Gesetzen und Mythen kleben und halten Jesus für einen guten Mann, den man Gottessohn nannte oder einen Christus- bzw. Gottesmythos zur Seite setzte. Mit einer Betrachtung der realen Natur und der ihr innewohnenden Vernunft als Gotteswort hat das dann alles nichts zu tun. Genau hier krankt die heutige Lehre vom historischen Jesus, hält uns m.E. vom Neuverstand zurück. Denn das eigentlich christliche und historisch höchst bedeutende Wesen, kann nach all dem was wir wissen, nur das im Kosmos gesprochene Wort gewesen sein, das menschliche Wirklichkeit wurde.

 

Heutige Buchstabenbanalität, bei der wir ständig nur eigene Moralinterpretationen hören, verhindert auch, dass den Menschen im Alltag die Bedeutungsinhalte des christlichen Monotheismus bewusst werden. Sie legen sich ein einfaches Bild zurecht, bei dem sie so etwas ähnliches sehen, sie den Pfarrer auf der Kanzel, der fromme Reden schwingt und fordert Gutes zu tun. Die Dimension des christlichen Glaubensparadigmas, das damals über alte blinde Gesetzlichkeit hinausging, kann in der heutigen Kirche kein wirkliches Thema sein. Allenfalls einzelne Theologen und die katholischen Lehre heben ständig das Christus-Dogma weiter hoch, betreiben damit jedoch im Grunde genau das, was durch Jesus Christus überwunden war: Berufung auf das alte zum blinden Dogma verkommene und so oft ins Gegenteil verkehrte Gesetz. Grundsätzlich wird der theologische Inhalt der Aussagen rein literarisch begründet, aus vorausgegangenen Texten abgeleitet oder als pure Glaubensaussaussage gesehen, auch wenn die Bedeutung der Aussagen betont werden. Und all die vielen theologisch Zutage geförderten Bedeutungsinhalte würden sich selbst aufheben, wenn wir weiterhin bei bisheriger Betrachtung des historischen Geschehens bleiben. Ohne des Neuverständnis des Wortes wären es nur weitergetragene alte Glaubensbuchstaben oder unerklärliche persönliche Lehren. Erst vom Logos als lebendigem Schöpferwort in Menschengestalt lässt sich die eigentliche Logik der gesamten christlichen Lehre belegen.

 

Ist es nicht völlig absurd, dass griechische Bildung den Worten eines Wanderpredigers nachgelaufen sein sollen und aufgrund dieses Guru eine Explosion an hochgeistige Literatur hervorgebracht hat? Soll das alles nur legendenhafte Verherrlichungsliteratur für einen Antiken Che Guevara gewesen sein? Und ist es nicht ebenso unvorstellbar, dass die Philosophie der antiken Bildungsmetropole Alexandrien einfach den griechischen gegen den jüdischen Mythos eingetauscht hätte? Übersehen wir durch das buchstäbliche Verständnis der Geschichten nicht das grund-legende Wesen, von dem die antike Geschichtswirklichkeit ausging? Kann nicht der gesamte tiefgreifende theologische Inhalt, der heute an den Hochschulen vom Christus gelehrt wird, nur vom lebendigen Wort als dem eigentlichen Wesen aus verstanden werden?

 

1.9. Das Wort Gottes ist kein Geistesgebilde, das persönlicher Beliebigkeit obliegt

 

Wenn sich griechisches Denken für den hebräische begründeten Monotheismus begeisterte, der weder Steinfiguren bzw. pure Natur, noch eine menschliche Gestalt zum Gott hatte oder einen Menschen zum Mon-archen erhob, muss es dann nicht weit mehr gewesen sein, als die fortführende Bewahrung alter Mythen? Wenn aber der von Pythagoras mathematisch berechnete und von Platon wie der ihm folgenden philosophischen Lehren zur Zeit Jesus im Weltverlauf wahrgenommene Logos/Wort durch Philo und christliche Lehre als Gottessohn  gesehen wurde, dann war das keine geistige Fatahmorgana, sondern eine ganz konkrete Gestalt. Und genau die wäre m.E. auch heute im kosmischen Geschehen von modernen Denkern nachzuzeichnen. Wenn ich die alten Lehren und ihre theologischen Inhalte ernst nehme, ist Christus weder eine Gottesabbildung, noch ein Mythos, sondern als Logos/Vernunft (heute würden wir evtl. Software allen kosmischen Lebens sagen) ein ganz reales Wesen.

 

Als ein wesentliches Problem erscheint gleichzeitig, dass die Menschen von heute, geprägt von weitgehend inhaltsloser Predigtrhetorik, wie von fehlgeschlagenen humanistischen Ideologien und moderner Politpropaganda ihr Heil in persönlichen Weltanschauungen oder Glaubensvorstellungen suchen. Das christlich theologische Gebilde, das scheinbar bei den Theologen selbst nicht zur Gotteswahrnehmung führt und für ein überkommenes Theoriengebilde des blinden Aber/Trotzdem-Glaubens gesehen werden muss, wird schon gleich gar nicht ernst genommen. Endlich frei von autoritären Vorschriften wird es als ganz selbstverständlich für einen geistigen Fortschritt gehalten, dass sich jeder – wenn überhaupt – sein persönliches Gottesverständnis zurechtlegt. Doch brauchen wir uns darüber zu wundern, wenn nicht nur politische und sektenartige Heilsbringer, sondern kirchlicherseits nicht gefolgt wird? Kann in dieser Befreiung von alten Werten und menschlichen Dogmen nicht die große Chance gerade darin liegen, dass die freien Menschen in mündiger Weise das die reale Welt bewirkende Schöpfergottes wahrnehmen können?

 

Wäre daher nicht jetzt die Zeit, den alten Mythos zum Logos werden zu lassen, indem wir das schöpferische Wort/die im Prozess des evolutionären Werdens wahrnehmbare Vernunft neu als Gottessohn anerkennen? Wie können wir angesichts all unseres Wissens weiterhin unser Heil in menschlichen Worten und Predigen suchen, nur einen Mythos bewahren wollen?

 

In dem was die Hebräer Wort nannten, damals in jüdischer Literatur bzw. Alexandrien oder Antiochien als Weisheit oder Sophia Gottes besungen wurde, in Athen als Weltvernunft in allem natürlichen Werden wahrgenommen und dort die gesamte Philosophie sowie das Staatswesen und die menschliche Norm begründen sollte, wurde nachweislich der Sohn Gottes gesehen. Dadurch wurde ein dauerhafter, universeller und unverwechselbarer Verstand des offenbarendes Schöpfungswortes erwartet. Was weder allein durch überkommene Mythen möglich war und wofür eine griechische Philosophielehre zu kurz griff, wurde im menschgewordenen Heil-land erhofft. Nur so kann ich mir erklären, was uns die antiken Denker im Neuen Testament und den Tausenden von Begleittexten hinterlassen haben.

 

Ich vergesse immer wieder, was an heutigen Hochschulen, wo man gleichzeitig über die Präsenz Gottes im lebendigen Wort spricht und völlig daneben, fast unbeachtet, eine naturwissenschaftlich begründete Prozesstheologie betreibt, gelehrt wird: Es war nur ein durch seine Anhänger vergötterter Wanderguru... Auch Paulus ist dann nur ein Prediger im Sinne heutiger Sonntagsmission, der auf die Rhetorik eines Religionsrebellen ein theologisches Konstrukt baute, das wir Kirche nennen. Dahinter steht dann kein die damalige Glaubensproblematik lösendes neues theologisches Paradigma, sondern ein Prediger, der aufgrund einer Art Halluzination Andere überredete.

 

Unsere Buchstabenliebe geht so weit, dass sie den banalen Bildern zu Liebe ihre gesamte Dogmatik und Christologie über Bord wirft und als reine Propagandapredigt bzw. mythologische Verherrlichungsrede nachweisen will. Über den oben laienhaft nachgezeichneten Geschichtsverlauf kann und braucht die christliche Theologie eigentlich nicht nachzudenken. Denn Christus oder die Bezeichnung Gottessohn – so lernen es die Theologiestudenten vom ersten Tag an - ist kaum mehr als ein Titel oder ein Mythos für den im Laufe der Theologiegeschichte vermenschlichten Gott, von dem man nur durch Auslegung alter Buchstaben wissen kann. Allenfalls persönliche Glaubensgefühle, die man als Grund der Texte sieht, sind erlaubt. Philosophisches Denken über die kosmische Gottesordnung oder die Notwendigkeit, diese in allen Lebensbeziehungen auf menschliche Weise zu verwirklichen, kann dann keine wirkliche Rolle in der christlichen Religion spielen. Gotteswirklichkeit bleibt so jenseits die Welt gesetzt. Die sich in Jesus vollzogene Gottespräsenz in der Welt ist heute ein leerer Begriff, wird nur auf Buchstaben oder einen verherrlichten Reformjuden bezogen. Denn dass es sich beim historischen Jesus um einen gutherzigen jungen Juden gehandelt hat, haben wir von Kind auf mit der Milch von Mutter Kirche aufgesaugt. Jedes Denken, das sich nicht an die Hypothese vom verherrlichten einfachen historischen Menschen hält, muss daher als absurd abgetan werden. Nicht eine theologische Autorität, die daran den leisesten Zweifel erkennen lassen würde. Selbst die absurdesten Jesus-Spekulationen heutiger Autoren oder die Heerscharen von Atheisten, alle gehen davon aus, dass nur ein einfacher Mensch war, der zum Wort Gottes theologisiert wurde. Es ist somit nicht Wert, über dieses Wort weiter nachzudenken.

 

Solange nur ein Mensch oder ein Gottesmythos am Anfang steht, können die hier im Kontext der Geistesgeschichte versuchten kausalen Schlüsse nicht gezogen werden. Wo das Wort nur von Menschen ausgeht, muss alles, was hier gedacht wird, völlig verrückt sein. Von der Umsetzung einer heute im kausalen Geschehen der Geschichte und allen kosmischen Werdens zu verstehenden Vernunft und somit einer wahrhaft ökonomischen und ökologischen Lebensweise scheinen wir weit entfernt.

 

2. Die Probleme der Welt verlangen nach einem neuen Verständnis

 

2.1. Der alte Text erhält durch das lebendige Wort neue Nahrung

 

Gerade aufgrund unserer heutigen Weltproblematik lässt sich nachvollziehen, dass es eine uneinlösbare Illusion wäre, ohne ein vernünftiges gemeinsames Verständnis, zu dem vor 2000 Jahren das Wesen gelegt wurde, weiterzukommen, die anstehenden Probleme lösen zu wollen. Wir sind auf das angewiesen, was vor 2000 Jahren Mensch wurde. Das neue Verständnis des Schöpfungswortes im natürlich nachweisbaren Werden, der Logik des Evolutionsverlaufes als Präsent sein Gottes im Sohn, gegenüber allen selbstgefälligen Predigten und meinungsmanipulierten Vergewaltigungen oftmals missverstandener Mythen, muss endlich zum theologischen Thema gemacht werden.

 

Traditionelle Autoritäten haben ebenso ausgedient, wie politische Parolen, Ideologien oder alte Mythen. Die Zeit, wo menschliche Autoritäten als Verkünder des Gotteswortes bzw. Wiederkäuer unessenziell gewordener Mythen und Traditionslehren akzeptiert werden, scheint „Gott dem Schöpfer sei Dank“ zu Ende zu gehen. Jetzt ist die Zeit, wo die Menschen das Gotteswort in allem kosmischen Werden mündig verstehen, aufgeklärt gegenüber dem Schöpfervater ge-hör-sam werden können. Der Glaube braucht neue Nahrung, die uns nur die Wahrnehmung des Gottessohnes bzw. Schöpfungswortes in Geschichte und Gegenwart geben kann. Erst Heute, aufgrund der wissenschaftlichen Sichtweise einer Vernunft allen Werdens, in aller natürlichen Entwicklung, ebenso wie der Geschichte menschlichen Geistes als „Werk“ eines einzigen ewig unsichtbaren Schöpfers (Unternehmen, in dem wir Werk-zeugen und Mitarbeiter sind, Laboranten, die versuchen und prüfen, kreativ verschiedene Stoffe zur Interaktion bringen), kann das lebendige Wort Gottes neu wiederverstanden werden. Dies alles spricht nicht gegen die alten Lehren und Mythen, sondern ist eine Aufforderung, deren Wesens-Aussagen wirklich ernst zu nehmen.

 

Und nur indem wir die theologischen Bedeutungsinhalte der traditionellen Texte nicht weiterhin einfach als fromme Rede beiseite schieben, sondern ihren realen schöpferischen Bezug wahrnehmen, gleichzeitig ihren konkreten kosmischen Bezug verstehen, können wir vermeiden, uns bei heutiger Naturphilosophie in Pantheismus oder persönlich-beliebige Vorstellungen zu verlieren. Nur wenn wir die neue Sicht der Natur und die Aussagen des Neuen Testamentes auf einen Nenner bringen, können wir den heutigen Verstand bestätigen. Wir brauchen die Verbindung zum Buchwort, um zu vermeiden in einen Naturalismus und Pantheismus zu verfallen, in die Natur nur unseren selbstgesetzten Sinn und zeitbeliebige Mehrheitsmeinungen hineinzuinterpretieren oder tierische Verhaltennormen übernehmen zu wollen. (Wie beim Kurz-Schluss der Evolutionserkenntnisse Darwins geschehen, wo einfach das Recht des Stärkeren auf den Wirtschaftsalltag übertragen wurde.) 

 

2.2. Das neue Logos-Verständnis muss sich am ehemals erfahrenen Gotteswort messen lassen

 

Ohne eine Bestätigung, dass es sich beim neuen logischen Sehen einer Vernunft und schöpferischen Logik, die sich letztlich heute in allen Naturwissenschaften zeigt, um den ewigen Gottessohn mit Namen Jesus handelt, der im Neuen Testament beschrieben ist, bleibt jeder Versuch der natürlichen Gottesbegründung nur ein unbedeutendes Theoriegebilde.

 

Die Prozesstheologie, auf die später nochmals Bezug genommen wird kann Beispiel geben, wie der Gottessohn dann zwar gesehen, aber als solcher in einer Art Sondertheologie der Natur nicht erkannt wird. Die Prozesstheologie muss somit eine theologisch-theoretische Spielwiese, eine Art moderner Wissenschafts- Mythos und unverstanden bleiben. Auch so wird nur über Gott als Schöpfer spekuliert, kann sein Wort nicht neu in aller Natur, allem kausal nachgewiesenen Wissen verstanden werden. Solange nur wissenschaftlich abgehoben – meist mit eigenen zusätzlichen Kosmologien über Gotteshandeln spekuliert wird, kann kein universelles Wort verstanden werden. Was dies mit christlicher Sinngebung und Wegweisung zu tun hat, kann nicht gesehen werden, solange der Gottessohn nicht wahrgenommen, das Wort Gottes nicht in aller Natur gelesen wird. Offenbarung bleibt dann weiter nur eine menschliche Rede aufgrund religiöser Halluzinationen: „Nahtodeserfahrungen“ eines jungen Juden, statt vernünftiges Gotteshandeln im Weltprozess, müssen dann von heutigen Hochschullehrern als christliche Offenbarung herangezogen werden.

 

2.3. Alte Buchstäblichkeit nimmt jedem neuen Sehen das Wort aus dem Munde

 

Die eigentliche Gefahr geht daher m.E. nicht von denen aus, die anerkannter Weise eigene Ideologien verkünden oder gar das Volk manipulieren, sondern von Vertretern Gottes, die das Wort des Schöpfers scheinbar gepachtet haben und predigen, wie wenn sie es ganz genau wüssten. Denn auf diese Weise wird ein selbständiges aufgeklärtes Verständnis verhindert. Wenn das Volk auf Ideologien und Manipulationen hereinfällt, deren Urheber letztlich selbst verblendet sind, dann fehlt es am Verständnis einer universalen Vernunft. Das neue Verständnis Jesus Christus wird daher als Voraussetzung gesehen, selbstgesetzte Ideologien und Predigten zu vermeiden, die auch wenn sie gut gemeint sind und oft das schöpferisch Richtige fordern,  die geistige Gabe zum Verwirklichungsgehorsam bzw. einem schöpferisch vernünftigen Leben nicht geben können.

 

Ist nicht sogar in diesem gesellschaftsgeistigen Mechanismus, der uns davor schützt den Worten und Forderungen der Pharisäer zu folgen, statt dem lebendigen Wort des Schöpfergottes, eine unglaubliche Genialität zu erkennen? Werden wir so nicht durch das präexistente Schöpfungswirken heute weitgehend davor behütet, auf falsche Propheten zu hören und auf selbstgesetzte Rhetorik hereinzufallen? Lässt sich aus der Perspektive des neu hörbaren Schöpfungswortes nicht sogar verstehen, warum der christliche Glaube genau den Weg gehen musste, der heutige Glaubensabfall not-wendiger Weise einem Neubeginn vorausgeht. Ist daher die Krankheit der Theologie nicht nur eine Art Aufforderung  zum Neuverständnis und gehört so zum Logos des ewigen Lebens, durch den sich alles weiterbewegt? Muss die Krankheit noch schlimmer, der Inhalt christlicher Lehre noch leerer werden, oder ist nicht heute hoffentlich der Wendepunkt erreicht. Zeigt nicht die Problemsituation theologische Lehre, dass heute eine Talsohle erreicht ist, bei er es kaum tiefer geht. Ernsthaft: Was hat das heutige theologische Weltbild, das nur noch wenige Worte als vom angeblich historischen Jesus autorisiert sieht, alles Andere für eine Art literarisches Konstrukt oder persönliche Glaubensaussagen hält, noch zu verlieren? Es kann doch nur noch Aufwärts gehen. Genau das gibt mir Hoffnung.

 

 

  1. Selbsternannte Evangelisten und Missionare verhindern das lebendige Wort

 

3.1. Kirchenrhetorik macht taub für ein neues Verständnis

 

Vorausgesetzt es stimmt, was die vielfältigen Texte des Neue Testament berichten und über Jesus dort gesagt wird. Es also nicht nur Verherrlichungsrede, sondern geistesgeschichtliches Geschehen ist, das vom präexistenten Gottessohn ausgeht. Vorausgesetzt, dieses den gesamten Kosmos bestimmende Schöpferwort ist heute lebendig, könnte im Prozess des natürlichen Werdens als übergeordnete Vernunft neu verstanden werden. Vorausgesetzt, beim in der Bibel, der Ur-kunde dieses als lebendig bezeichneten Wortes, handelt es sich nicht um einen alten Buchtext aufgrund menschlicher Lehren und beliebiger Mythen oder rein individueller, persönlicher Erfahrungen, sondern die umgesetzte schöpfungswirksame Vernunft des Autors des Alles: somit von menschlichen Zeugen aufgeschriebenes Schöpferwort.

 

Sind es dann nicht die Prediger mit einem Buch in der Hand, die verlangen der Autorität des Gotteswortes zu folgen, längst aber ihre eigenen gutgemeinten Moralvorstellungen zum Besten geben, die damit dem Verständnis des Schöpfers im Wege stehen? Sind dann nicht genau diese die eigentlichen Gegner des Gotteswortes? Werden so nicht nur eigene Autoritäten gegen die des Schöpfungsautors ausgetauscht, sondern wird das Verständnis des Wortes verhindert das, uns der Autor allen Werdens ständig zuruft?

 

Wie soll ein normaler Mensch über das Gotteswort in allem natürlichen Werden nachdenken können, wenn ein Hamburger Evangelist wie Pastor Wegert wie selbstverständlich vom Wort Gottes spricht, dabei jedoch nur Bibelzitate herausbricht und zur Begründung seiner persönlichen Verhaltensnorm zusammenwürfelt. Der Kopf des Missionswerkes „Arche e.V.“, das per Privat-TV und zahlreicher Druckwerke den Menschen die frohe Botschaft vermitteln will, ist sicher nur ein kleines Beispiel. Hier, wie bei den amerikanischen Massen- bzw. TV-Evangelisationen wird besonders deutlich, wie der banale Umgang mit der Bibel die Menschen zwar im Moment bewegen kann, in Wirklichkeit jedoch der Verstand des lebendigen Wortes verhindert wird.

 

Die Sicherheit, mit der hier hellauf begeisternd die Buchstaben der Bibel als das eigentliche Gotteswort bezeichnet werden, lässt mir keine Ruhe. Und die angebliche Gewissheit, mit der die Missionsprediger vom Willen des Schöpfers künden, kocht in mir. Ich bin oft kurz davor auf den Fernsehkasten zu zerstören, wenn ich das seichtselige Grinsen und die sprechende Gewissheit sehe, mit der hier die Buchstäblichkeit als Gotteswort bezeichnet und der Glaube zur blinden Banalität gemacht wird.

 

Doch trifft dieses Problem, das hier nur besonders deutlich Zutage tritt, im Kern nicht die gesamte Kirche und deren Theologie? Die Selbstverständlichkeit und Ausschließlichkeit, mit der bei der TV-Evangelisation nach amerikanischem Vorbild das angebliche Gotteswort gepredigt wird, scheint himmelschreiend. Doch ist die offizielle Kirchenpredigt viel besser? Werden nicht auch hier ausschließlich die Bibelbuchstaben als das einzige und lebendige Gotteswort vermittelt und getan, wie wenn wir genau wüssten, was uns Gott in seinem Wort sagen will? Wenn alte unverstandene Mythen als lebendiges Gotteswort dargestellt werden und in der sonntäglichen Predigt damit die zeitbedingte, in Wirklichkeit nur von menschlichen Meinungen ausgehende Moral begründet wird, was hilft es da, wenn anschließend im Gebet nach dem Geist gerufen wird, der uns das Wort Gottes verstehen und bewahren lässt? Wird nicht in der gesamten christlichen Kirche getan, wie wenn man das Gotteswort in der Hand hätte? Wie sollen da die Menschen eine Stimme, Bestimmung, Schöpferwort in allem realen kosmischen Geschehen hören können?

 

3.2. Auch der Mythosglaube steht dem neuen Verständnis im Wege

 

Im Gegensatz zu den frohlockenden Evangelisten betrachtet die heutige Theologie in weit differenzierterer Weise die traditionellen Texten, zieht die moderne Exegese die biblische Wahrheit gar so sehr in Zweifel, dass dies m.E. zurecht von Glaubensdenkern wie Prof. Klaus Berger kritisiert wird. Doch wird in der gesamten Theologie wie selbstverständlich weiterhin das Gesetz des alten Glaubens als einziges Gotteswort verstanden. Nur dass wir jetzt Evangelium dazu sagen, macht es doch, wie wir nach leidvoller Erfahrung der alle Aussagen verkürzenden historisch-kritischen Exegese wissen, nicht lebendiger.

 

Die bisherige Weise der Bultmannschen Entmythologisierung mag selbst zum Mythos geworden sein. Doch indem der Text des Neuen Testamentes zum Mythos erklärt wird, wie von vielen Theologen längst praktiziert und von Prof. Berger zur Erhaltung der vollen biblischen Wahrheit als Gotteswort gefordert, bringt uns bei der Suche nach der im Neuen Testament beschriebenen Erfahrung der Gottes-wirk-lichkeit nicht wirklich weiter. Bei der Betrachtung eines Mythos bleibt das alte Gesetz das einzige Gotteswort, jetzt nur noch weit verschwommener. Für das nichttheologische Volk völlig unverständlich und unbedeutend. Von „Offen““bar“ung ist so nichts zu sehen. Der Grund, auf eine schöpferische Stimme in allem Geschehen zu hören oder die alten Texte neu verstehen zu wollen, ist gleich ganz weg. Es geht dann nur um einen Mythos, den es allenfalls in Fremdheit zu bewahren gilt.

 

Bergers Verlagen, den historischen Jesus und den aus der griechisch-hebräisch wahrgenommenen Weltvernunft als Einheit zu verstehen, wird muss so misslingen. Wenn alles nur ein auf einen jungen Juden aufgesetzter, unbegreiflicher Mythos wäre, wie soll dann ein normaler Mensch auf die Idee kommen, in der sichtbaren Natur unseres gegenwärtigen kosmischen Weltbeschreibungsmodells das Gotteswort hören zu wollen?

 

Gerade die mystisch Lesweise des angeblich nur im Buch abgedruckten Gotteswortes, die alles zum Geheimnis persönlichen Glaubens und nicht nachvollziehbarer alter Gotteserfahrungen werden lässt, allenfalls eine meist nur für Theologen relevante textformale Logik nachvollziehen lässt, verhindert das Verständnis des im Mythos vielfach beschriebenen Logos Gottes mehr, als sie es befördert. Der Logos Gottes bleibt im Gesetz gefangen, das jetzt einfach zum Mythos und oftmals ewigen Gottesgeheimnis erklärt wird. Mir ist wohl bewusst, dass heute nur durch die Bewahrung des Mythos die volle Wahrheit zu erhalten ist. Doch das antike Offenbarungsgeschehen bleibt uns verschlossen, ein neues Sehen wird verhindert, wenn wir nur auf einen Mythos schauen.

 

Von einem universellen Schöpfungswort (Logos), das wie damals die menschliche Gestalt des Gottessohnes heute das Volk auf neue, aufgeklärte Weise im Rahmen des wissenschaftlichen Weltbildes verstehen könnte, fehlt jede Spur, wenn wir nur in alten Büchern blättern. Gerade wo alles zum geheimen Mythos wird, werden einer selbstgesetzten Rhetorik Tür und Tor geöffnet. Die Beliebigkeit und der Abbau biblischer Wahrheiten, vor der die Bibel mit Verweis auf den Mythos bewahrt werden soll, wird so herbeibeschworen. Das neue Hören wollen des Logos in aller natürlichen Schöpfung, als das den angeblichen Legenden zugrunde liegende Wort, das den Mythos begründen könnte, muss so für die Menschen völlig unverständlich bleiben.

 

Gegenüber einer gutgemeinten Evangelisationsrhetorik, die ihre eigene Moralvorstellung mit biblischen Brocken begründet, hat das Verständnis der Bibel als Mythos so wenig zu bieten, wie im Hinblick auf humanistisch-ideologische Heilsbotschaften oder der Hiobisierung der Theologie und dem Abfall vom Glaube. Gerade auch die oftmals glaubensversperrende Theodizeefrage bleibt unbeantwortet, wenn wir den Ablauf des evolutionären Geschehens nicht von einem schöpferischen Logos, einer universellen Vernunft aus betrachten, die unsere Kurzsicht übersteigt. Die Handschrift/Wort eines liebevollen, guten Gottes statt eines willkürlichen Herrschers, kann ohne eine neue Betrachtungsweise der Natur, wie des Neuen Testamentes auf einem gemeinsamen Nenner, nicht verstanden werden. Alle Rede vom guten Gott bleibt dann bloße Behauptung.

 

Vielmehr fördert eine Mythologisierung der Traditionstexte, dass eigene Moral hineininterpretiert und deren Befolgung verlangt oder eine den Glauben als überkommend ablehnend rein menschliche Verhaltesweise gefordert wird. Zwar geht es in beiden Fällen nur noch um gutgemeinte Rhetorik, die die menschliche Gesellschaft nicht wirklich zur Vernunft führen kann. Doch während die rein philosophischen Ideologien und politischen Parolen dem lebendigen Schöpfungswort noch eine Chance lassen, dies teilweise unbewusst in ihrer Argumentationskette verwenden, verhindert die selbstsichere Rede vom Gotteswort und der banale Gebrauch dessen Ur-kunde ebenso wie seine Mythologisierung, dass wir es im Prozess des realen Lebens suchen wollen.

 

3.3. Banaldeutung der Buchstaben nimmt selbst Kirchenkritikern den Verstand

 

Schon allein der Gesichtsausdruck des seriösen grauhaarigen Evangelisten, sein positiv Denken strahlendes permanentes Lächeln vermittelt dem Fernsehvolk, dass dieser Mann gerade eben mit Gott gesprochen hat. Wir brauchen nur positiv zu denken, blind an das zu glauben was der Fernsehpfarrer sagt und das persönliche Glück sei perfekt. Doch was soll ich mich darüber aufregen, dass auf diese Weise das in aller natürlichen Schöpfung lebendige Wort des einen unsichtbaren Gottes auf primitivste Weise zur völligen Banalität herabgewürdigt wird. Gehen heutige Theologie und Amtskirche nicht im Prinzip den gleichen Weg?

 

Wenn durch diese Banaldeutungen die Kirchen-Kritiker, die schon immer dachten, dass alles Schwachsinn für Stumpfsinnige ist, Gehirn-Balsam für Gestrige, die nur ihren linken Schläfenlappen noch nicht im Griff haben, Bestätigung finden, dann tragen nicht nur die Fernsehprediger die Verantwortung. Auch eine Theologie, die sich nur auf einen Mythos beruft, diesen bewahren will, führt nicht weiter. Auch der Mythos verhindert das Verständnis des Logos Gottes und hat der rein menschlichen Rhetorik – die oft gar das Gute will, dazu aber die geistigen Gaben nicht geben kann - nichts entgegenzusetzen. Das Verständnis des im Neuen Testament als Gottessohn erkannte und als Mensch verständlich gemachte bzw. vermittelbare Schöpfungswort/Weltvernunft wird so weiter verhindert.

 

  1. Verantwortung der heutigen Theologie für einen neuen Verstand des Gotteswortes

 

4.1. Selbst heutige Theologie verbietet dem Wissen das Wort

 

Ich kann an dieser Stelle nicht alles wiederholen, was ich bereits in zahlreichen Texten unter www.theologie-der-vernunft.de  versucht habe zum Ausdruck zu bringen. Doch wo der historische Jesus weiterhin nur als ein junger rebellischer Jude gesehen wird, der eine besondere Beziehung zu Gott hatte und der daher alles ein wenig besser wusste, der bereitet nicht nur den selbsternannten Evangelisten, Sektengurus und politischen Heilsbringern Vorschub. Für den Unverstand des Gotteswortes bzw. -sohnes, der in damals ganz selbst-verständlicher Weise als Wanderprediger in höchsten theologischen Tönen beschrieben wurde, trägt nicht die aufgeklärte Naturwissenschaft, sondern die Theologie die Verantwortung. Wenn die moderne Naturlehre in einem reinen Materialismus abgerutscht ist, aus dem man sich – Gott sei es gedankt - derzeit wieder mühsam befreit, dann muss immer die Buchstabengefangenheit des bisherigen wie heutigen christlichen Denkens mitgelesen werden.

 

Doch scheinbar erst jetzt, wo in der Evolutionslehre über den sinnlos-natürlichen Zufall und das Recht des Stärkeren bzw. einer bösartigen Natur hinausgesehen und eine Sinnhaftgkeit wahrgenommen wird, ist die Zeit für eine neue Wahrnehmung des lebendigen Schöpfungswortes gekommen. Das Aufklärungswissen um die ökologische Ordnung der Natur wie des gesamten astronomischen Ablaufes hat dazu erst neuerdings den Weg gebahnt. Jetzt, wo die Logik des jeweils art-gerechten/igen Verhaltens offen liegt und selbst in modernen mathematische Modellen oder neuer Physik über eine schöpferische Vernunft nachgedacht wird, ist es höchste Zeit, das historische Wesen des Menschen Jesus in neuer Weise zum Thema zu machen. Die Hochschultheologie wäre m.E. gefordert sich mit dem antiken Geschehen neu auseinander zusetzen, zur neuen Suche nach dem Gottessohn als dem in allem Werden lebendigen Wort aufzurufen oder dieses zu ermöglichen. Denn ohne einen theologischen Anstoß setzt die neue Naturlehre nur alte Philosophien und Pantheismus fort, führt am Wort Gottes vorbei.

 

4.2. Selbst prozesstheologische Suche wird durch Buchstäblichkeit fehlgeleitet

 

Mit einer Prozesstheologie, die nur neue hochkomplexe kosmische Modelle, nicht nur völlig neben das Neue Testament, sondern auch neben die allgemein gängige Naturlehre stellt, auf spekulative Weise im kosmische Geschehen nach Gott selbst sucht, ist es nicht getan. Solange Gott selbst und nicht der Sohn/das offenbare Schöpfungswort gesucht wird, brauchen wir uns nicht zu Wundern, wenn die neue philosophisch begründete Gotteslehre nur zu einem unbestimmten Privat-Pantheismus, Naturalismus oder Monismus mit theologischen Vorzeichen führt, der mit der universalen christlichen Offenbarung angeblich nicht das Geringste zu tun haben soll. Wenn die Prozesstheologie, die Gotteshandeln im kosmischen Prozess der Weltgegenwart begründen will ein völlig belangloses, blutleeres Theoriengebilde bleibt, völlig unverständlich fürs Volk, dann hat auch das etwas mit dem ins Buch verbannte Gotteswort zu tun. Was nutzt es, wenn heute an fast allen theologischen Hochschulen auch eine sog. Prozesstheologie gelehrt wird? Muss die Prozesstheologie nicht eine völlig abgehobene Lehre bleiben, eine reine Spielwiese für philosophisch-theologische Theoretiker, solange der Sohn Gottes zum Mythos erklärt und das Wort Gottes nur in Büchern zu lesen ist?

 

Wie sollen wir im natürlichen Prozess der Welt das sinngebende christliche Gotteswort verstehen können, wenn das doch nur in einem Wanderprediger oder einer ihn verherrlichenden Logoslehre begründet liegt. Der Draht nach oben, der in der Antike vorhanden war, sich im historischen Jesus menschlich vermittelte, scheint jedoch m.E. nicht wirklich verloren. Er ist im Rahmen unseres christlichen Weltbildes nur er-wachsen geworden. Der Kurz-schluss, der die prozesstheologische philosophische Erkenntnis völlig neben die christliche Lehre stellt, (so auch die biblische Lehre nicht zur Begründung hilft) hängt eng zusammen mit unserem aktuell-amtlichen Verständnis vom Gotteswort, das nur im Buch gelesen wird. Der Kurzschluss kann nur vermieden werden bzw. das Licht angehen, wenn wir die richtigen Drähte zusammenbringen.

 

Ein angeblich unverstehbarer Mythos frühchristlicher Metaphysik, der ohne realen schöpferisch-logischen Bezug nur vom Logos Gottes schwärmt oder die Nahtodeserfahrungen eines jungen Juden, lassen sich nicht mit naturwissenschaftlicher Erfahrung verbinden. Die Tatsache des heute nach wie vor in allem kosmischen Geschehen lebendigen Wortes, durch das auch die Aussagen der Traditionstextes bestätigt werden könnten, muss verkannt und ungehört bleiben, solange die heutige Theologie nur nach Buchstaben Ausschau hält. Exegetische und naturwissenschaftliche Kurzschließerei können m.E. nicht durch die Vergewaltigung des Wissens durch Buchstaben, sondern nur deren neues allegorisches Verständnis überwunden werden, das von einem lebendigen Wort ausgeht.

 

4.3. Nur ein Denken auf gemeinsamem Nenner kann gegenseitige Kurz-schlüsse verhindern

 

Warum wir wirklich ein einheitliches Denken und Verstehen brauchen, einen heilen Geist, der nicht die Theologie des christlichen Glaubens von wissenschaftlich-natürlichen Tat-sachen trennt, wie das nach wie vor geschieht, wird gerade in der Prozesstheologie deutlich. Jeder Versuch, naturwissenschaftliches Denken und christliche Lehre zu vereinen bleibt im Keim sticken, solange der Kern der christlichen Lehre nicht im schöpferischen Wort des gesamten Kosmos gesehen wird. (Und gleichzeitig diese Sicht durch eine über die Buchstäblichkeit hinausgehende  tiefgehende Theologie des Neuen Testamentes bestätigt wird.) Wenn nur menschliche Worte an den Anfang gestellt werden, kann der Sohn Gottes nicht neu gesucht und gesehen werden. Es kommt nur zu Kurz-schlüssen, ob bei naturphilosophischen Betrachtungen, wie bei biblischer Exegese. Im Prozess der tat-sächlichen Welt den Heilsbringer wahrzunehmen, der uns im Neuen Testament vermittelt wurde, im offenbaren Geschehen der natürlichen Genesis neue Sinngebung zu sehen, davon scheinen wir weit entfernt. Auch der kosmische Grund, das Wort, das die Hebräer verstanden, lt. Moses alle Schöpfung formte und ihm auf dem Berg die Gesetze gab, kann so nicht verstanden werden.

 

4.4. Auch die Logik des Alten Testamentes wäre im lebendigen Wort neu zu verstehen

 

Und da ja nach dem derzeitigen theologischen Weltbild alles nur als ein alter Mythos quasi vom Himmel gefallen ist, frommen Hebräern nachts in unruhigen Träumen eingegeben (für mache gar nach wie vor einem altjüdischen Volksbefreier auf dem Berg in die Hand gedrückt) wurde, brauchen wir auch nicht über die heute nachzuvollziehende Logik der Schöpfung nachzudenken, die den Moses-Geboten über das Verhältnis von Gott und Mensch zugrunde liegt. Eine reale kosmische Ordnung/Vernunft, die hinter dem Staunen über die astronomische Himmelsordnung hinaus von den Hebräern verstanden wurde, braucht leider für heutige Religionslehre keine Rolle zu spielen. Wo alles ein Mythos sein soll, ist auch für den für den Logos der alten Lehre keine Platz in der Herberge. Auch wenn heute aufgrund unseres Wissen um die geistesgeschichtliche Entwicklung der Weltgesellschaft, psycho-logische Lernerfahrung oder die Sehn-sucht nach begreifbaren Bildern längst die Problematik klar werden könnte, die durch die Lehre Moses in einfachen Geboten gelöst wurde, muss scheinbar alles ein Mythos bleiben, papiernes Glaubensdogma. Auch die Autor-itäten des alten Testamentes, werden nicht wie bei Philo im Logos als Sohn Gottes gesucht und gesehen, einer lebendigen Schöpfungslogik, die heute wieder in der theologischen Deutung von Psalmen und Propheten oder der Apokalyptik deutlich werden könnte, sondern in ganz bestimmen menschlichen Gestalten.

 

Doch gerade heute, wo klar wird, das es bei Moses nicht um einen vielschreibenden Volksbefreier ging, sich auch hinter König David eine geistige Geschichtsgröße des monotheistischen Gotteswortverstandes verbirgt oder die Befreiung aus Ägypten nicht in der bisherigen buchstäblichen Weise zu verstehen ist, könnte auch die Auslegung des Alten Testamentes die Bedeutung des von Gott im Kosmos gesprochenen Wortes verdeutlichen. 

 

4.5. Kein Mysterium, sondern der Logos begründet neutestamentliche Logik 

 

Welche Lösungen der christliche Glaube für den Monotheismus hebräischer Prägung gegenüber den griechisch-philosophischen Logos-Lehren hatte, warum gerade so in erneuerter Form der eine transzendente Schöpfer persönlich als Vater verstanden und angesprochen werden konnte, das alles wird heute in theologischen Lehrbüchern deutlich gemacht. Da die Bedeutungsinhalte des christlichen Glaubens jedoch meist nur aus der Entzifferung alter Texte und Lehren abgeleitet werden, scheint auch hier die Buchstäblichkeit dem Verständnis der realen Wirkung des lebendigen Wortes bzw. der Verdeutlichung der Logik im Wege zu stehen. Ein Bewussteins für die Tatsache der inhaltsschweren theologischen Aussagen des Neuen Testamentes, die immer deutlicher werden, wird durch die Buchstäblichkeit verhindert. Denn wie sollen wir die Realität des Herrn über Himmel und Erde erkennen, wenn wir nur einen jungen Juden oder einen alten Mythos wahrnehmen? Der universale Anspruch, der Missionsbefehl, letztlich alles, was die neue Theologie vom altjüdischen Gottesverständnis unterscheidet, muss als Anmaßung klingen. Auch wenn sich die Theologen noch so bemühen, kann ein Mythos nicht die ernsthafte Begründung bringen. Es bleibt bei einem meinst rein literarischen Nachvollzug, für den dann nur ein im dunkel liegender alter Glaube den Grund abgibt. Soll das das Licht der Welt sein? Erst das Verständnis des Fortschrittes, den die Wahrnehmung des Gotteswortes in der kosmischen Realität des metaphysischen Weltbildes der Antike für den Monotheismus brachte, lässt m.E. die gesamte neutestamentliche Theologie zur Logik werden. 

 

4.6. Die messianische Wirkung geht vom menschgewordenen Wortes aus

 

Noch verdrehter wird’s, wenn über die Messianität des Menschen Jesus nachgedacht wird. Während die Notwendigkeit der menschlichen Erscheinungsform oder des klaren Kanon nachvollzogen werden könnte (in zahlreichen Beiträgen habe ich das bereits laienhaft versucht) verhindert die Buchstäblichkeit auch hier den Verstand der Schöpfungslogik, die sich in der uns bekannten neutestamentlichen Lehre ausdrückt. Wer versuchen will nachzuweisen, warum das Schöpfungswort, der Logos oder die Weisheit Gottes, nur als Mensch messianische Wirkung entfalten konnte, der muss verrückt sein. Denn nach heutiger Lehre ging es doch nur um einen als Logos betitelten Besserwisser, dem ein Logos- bzw. Christus-Mythos übergestülpt wurde.

 

Frühchristliche Denker, die nachweislich vom Logos bzw. dem präexistenten Schöpfungswort ausgegangen sind und wie z.B. Orgines gegenüber der puren Philosophie eine hochgeistig Logik entwickelt haben, warum das Wort nur als Mensch vermittelbar –somit wahres Wort - war, die menschliche Ausdrucksweise also dem Schöpfungslogos entsprach, werden auf den Kopf gestellt. Gleichwohl theologisch anerkannt wird, dass der Logos, das lebendige Gotteswort frühchristliches Thema war, werden die antiken Denker zu blinden Nachfolgern eines anmaßenden jungen Schönsprechers und seiner Anhänger abqualifiziert. Letztlich werden dann all die Denker, die den die messianische Bedeutung des Logos/Schöpfungswortes/Weisheit in Menschengestalt mehr als deutlich darstellen, als Zeugen dafür berufen, dass es nur um einen jungen Juden mit besondere Eingebungen ging.

 

4.7. Heutige Lehre lässt das Geistesgut der Antike links liegen

 

Bei heutiger christlicher Lehre braucht auch das gesamte Geistesgut des Altertums, das in Tausenden von Büchern und Texten einen theologischen Fortschritt vor uns ausbreitet, nicht beachtet zu werden. Griechische Philosophie, Platon oder Pythagoras, auf die zwar in den theologischen Abhandlungen Bezug genommen wird, deren Bedeutung unmöglich außer Acht gelassen werden kann, müssen pures literarisches Beiwerk bleiben. Es sei dann nur als eine Art apologetische Propaganda gebraucht worden, hätte christliche Lehre philosophisch verfremdet. Denn das historische Wesen war ja nur ein Wanderguru mit Namen Jesus. Dessen Reden sollen dann als Logien gesammelt und im Rahen einer Legendenbildung, vermengt mit seinen wundersamen Erlebnissen, eigenen Glaubensvorstellungen und alten Texten zu den Evangeliengeschichten umgeschmiedet worden sein. Was nicht in die Banalstory einzureihen ist, und das sind nicht nur die Apokryphen, sondern auch die Texte des Kanons (den die Kirchenväter nicht in der Unharmonie gelassen hätten, wenn sie vom heutigen als historisch gesehenen ausgegangen wären) werden dann nur als Glaubenswahrheiten gesehen müssen mysteriös bleiben. Wo der Logos nicht verstanden wird, von dem die Logien ausgehen und der die verdichtete Geschichte wirklich erlebt, geheilt und gelitten hat, wird alles zur aufgesetzten Unwirklichkeit. Die Evangelien werden so zu menschlichen Kompositionen, Verherrlichungslegenden, geistigen Konstrukten frühkirchlicher Verteidigungsrede und Propaganda.

 

Philosophische Erkenntnis in der Weltwirklichkeit, Thema der gesamten frühchristlichen Erkenntnis (nicht nur der als Gnosis abgelehnten Lehren) kann keine Wesensbestandteile liefern, solange nur Buchstäblichkeit den Logos verbietet.

 

Was soll also die gesamte Altertumsforschung, die den hohen Geist der Antike, des Denkens in Athen, Antiochien oder Alexandrien offen legt und nach den neuen Textfunden auch im jüdischen Denken Zuhause war? Wenn hierdurch nur eine propagandistische Philosophisierung der Verherrlichungsrede auf einen jungen jüdischen Prediger oder Sonderpropheten bzw. dessen Mythologisierung nachgewiesen wird, sind alle Bücher, die heute auf dem Markt sind, pure Papierverschwendung. Vom vergeblichen Denken, das die damals denkerisch erkannte schöpferische Vernunft wieder offen legt, ganz zu schweigen. Dann hätte man besser die Bäume sehen lassen, um sich wieder von Ast zu Ast schwingen zu können. Denn wenn stimmt, was heute die Buchstäblichkeit behauptet, dann hätte eine Rückentwicklung stattgefunden. Eine hochgeistig begabte antike Weltgesellschaft, die nachweislich die Stimme, Wort, Weisheit, Logos und  somit Weisung Gottes im kosmischen Geschehen vernahm, hätte den damals hochentwickelten Geist ausgeschaltet und wäre affenartig nachahmend wieder den Worten einzelner Gurus oder alten Mythen nachgelaufen.

 

Man verzeihe die polemische Überzeichnung. Doch die Darstellung des historischen Geschehens an heutigen Hochschulen lässt eigentlich keinen anderen Schluss zu. So wird deutlich, wie wir die Geistesgeschichte, eine stattgefundene kreative Weiterentwicklung durch die leere Buchstäblichkeit auf den Kopf stellen. Auch ein Ruf nach Bewahrung des Mythos bringt uns nicht weiter. Das Wort Gottes, das griechisch-jüdisch genau in dieser Weiterentwicklung, wie im gesamten kosmischen Geschehen als Sohn Gottes gesehen und somit Gott neu als Vater verstehen ließ, wird verleugnet. „Dornenkrone“scheint mir daher ein recht schmeichelhafter Begriff für das, was wir der wahren Krönung des hebräischen Denkens antun.

 

Da auch heute, aufgrund real fehlender übergeordneter Vernunft nur nach menschlichem Vorbildverhalten gefragt wird, scheint die Story vom Gutmenschen, den man zum Gottessohn machte, recht schlüssig. Doch Gott hat uns den Geist seiner Erkenntnis gegeben. Und auch um zu begreifen, warum wir weiterhin die einfachen Bilder vom guten Menschen des Gottessohnes zur begeisternden Vermittlung brauchen, um uns nicht nur in vergeistigte Theoriengebäuden zu verlieren.  

 

Auch die Archäologen haben scheinbar unnötig im Sand von Ägypten gegraben, wo einst das hebräisch-monotheistische Denken seinen Auszug hielt. (Nicht mehr einen pharaonischen Gottmenschen, sondern das kosmische Schöpfungswort – in Hebräisch gleichbedeutend mit Vernunft als Autorität und Gottesmittler erkannte.) Was nützt es, wenn heute durch neue Ausgrabungen angeblich sensationelle Erkenntnis über das großartige Bewusstsein der ägyptischen Lehrmeister um kosmische Ordnung zutage gefördert wird, wenn dann später nur ein historischer Großsprecher den Hebräern auf die Sprünge geholfen haben soll? Wenn auch der alte Monotheismus nicht auf theologischer Ein-sicht in kosmische Zusammenhänge gründet, sondern unruhigen Träumen einzelner historischer Gestalten, können sich die Archäologen das mühsame Graben sparen. Wenn es nicht darum geht, sinnvolles Schöpfungshandeln in kosmischer Realität zu erkennen und zeitgemäß in das Weltbild einzubinden, das Wort des Schöpfers im Kontext des jeweiligen Wissens zu verstehen, dann können die Archäologen die Schaufel an die Wand hängen. Purer Wissenserwerb, der uns z.B. sagt, wie die Ägypter nicht nur – für uns nach wie vor unvorstellbar - die astronomische Ordnung des Weltalls erfasst hätten, sondern auch die Tierwelt – somit selbst das, was wir als biologisch böse betrachten - in einen geordneten Kosmos eingefügt und als göttlich erkannt haben, bringt uns nicht weiter. Es waren ja nur irgendwelche alte Knaben mit besonderen Erfahrungen. Eine Erkenntnis kosmischer Gottesordnung oder Vernunft spielt bei der heute nur auf das Textwort bezogenen christlichen Lehre, die so die Leistung des Logos Gottes verleugnet und gegen eigene Lehren austauscht, keine Rolle.

 

4.8. Auch Mythos-Buchstäblichkeit führt zum Glaubensabfall und Aber-glaube trotzdem

 

Da hilft es auch nichts, in theologische Büchern das Schöpfungswort, den frühchristlichen Logos als die eigentliche Gottespräsenz in höchsten Tönen zu loben, seine theologische Bedeutung im Christusgeschehen zu beschreiben und als Mythos erhalten zu wollen, wie dies oftmals geschieht. Mit einem Buch-Mythos in der Hand verhindern wir, dass die Menschen neu auf das dort beschriebene lebendige Wort hören und die Dimension des historischen Geschehens begreifbar wird.

 

Wenn es ein lebendiges Wort in aller realen Schöpfung gibt, von dem das Alte wie das Neue Testament kündet, dann geht der Abfall vom Glaube und damit die Entstehung von Aberglaube und Unglaube auf das Konto einer buchstäblichen Kanonfrömmigkeit, die so das von Gott im lebendigen Kosmos gesprochene Wort ausschließt.

 

Allein indem wir uns auf den Mythos der Bibel berufen, kommen wir so wenig weiter, wie durch die angeblich historisch-kritischen Exegese, die alle alten Wahrheiten dem Abriss überlässt. Ein alter Glaubensmythos hat den heutigen Menschen weniger zu sagen, als Grimms Märchen. Bei denen wird in Volkshochschulkursen wenigstens noch versucht, eine ethische Belehrung aufgrund alter Erfahrungen herauszulesen. Weder durch moderne Abrisstheologie, noch Mythologisierung werden die Probleme des Glaubensabfalls und Aberglaube sowie der selbsternannten Heilspredigten diesseits und jenseits des Glaubens gelöst. Es gibt scheinbar nur einen Weg: Das schöpferische Wort, der in der menschlichen Gestalt Jesus zur Menschen-Geschichte gewordene Gottessohn ist neu zu verstehen. Die Gegenwart des die Welt weiterbewegenden und zum Guten führenden Gottes kann im neuen Verständnis des Gottessohnes begriffen, die kausale Logik der alten Lehre und religiöser Riten klar gemacht werden. Genau darin liegt m.E. die Verant-wort-ung heutiger Theologie. 

 

 

  1. Die Unlogik heutiger Theologie verhindert die neue Sicht des Logos Gottes in der Natur

 

5.1. Weltfremde Zeichen und Wunder verhindern die Wahrnehmung des Gotteswortes

 

Wenn, wie ich versucht habe zu begründen, der Gründer christlichen Glaubens nicht ein halluzinierend-anmaßender Jude war, der Andere überredete, sondern die Schöpfungsvernunft/Wort in Person, dann wird Jesus heute genau durch die verhindert, die ihn im Munde führen. Jedes neue Nachfragen, das im Zeitalter der Naturwissenschaft (des empirisch kausal nachgewiesenen Logos) an Gott glauben will, wird weiterhin durch das von der heutigen Theologie vorgegebene Jesus und Gottesverständnis in die Irre geführt.

 

Die Zeiten, in denen neue naturwissenschaftliche Erklärungen verdammt oder verneint wurden, sind vorbei, auch wenn vereinzelt die Evolutionslehre weiterhin abgelehnt wird. Doch das Problem der die natürliche Kreation Gottes ablehnenden (m.E. fälschlicherweise so genannten) Kreationisten ist identisch mit dem der Naturlehrer: Beide ziehen aufgrund eines nicht dem Urchristentum entsprechenden Gottes- bzw. Weltverständnisses falsche Schlüsse aus dem Wissen. Während die einen die Buchstäblichkeit der biblischen Bilder über das Schöpfungsgeschehen oder die Sintflut bewahren wollen, wird – wie bereits erläutert – bei den Naturforschern durch die Buchstäblichkeit des Glaubensverständnisses die Chance verbaut, im natürlich-evolutionären Werden das Gotteswort zu verstehen. Dort dann den Gottessohn und somit den eigentlichen christlichen Glaubensgrund sehen zu können, ist bei heutigem Verständnis des historischen Geschehens gleich ganz ausgeschlossen.

 

Doch das christliche (?) Gottesbild hat nicht nur dazu geführt, dass Wissen und Glaube spätestens seit der Aufklärung getrennte Wege gehen, gleichzeitige biblische Inhalte in unsinniger Weise abgerissen werden und sich die Naturwissenschaft in einen reinen Materialismus des gottlosen Zufalls hineinbewegt hat. Auch heute, wo man es sich getrennt bequem gemacht hat, Wissen nicht notwendigerweise mehr zum Abfall vom Glaube führen muss, verhindert unser theologisches Selbstverständnis ein neues Sehen.

 

Auch moderne Denker, die jenseits eines reinen Materialismus im Zeitalter der Naturwissenschaft nach Gott suchen, werden durch die weitgehend von der heutigen Theologie vorgegebenen Vorstellungen auf die falsche Fährte gesetzt. Nicht nur, dass wie erläutert, es völlig absurde wäre, von diesen die Suche nach dem lebendigen Gotteswort oder dem Sohn Gottes und somit dem christlichen Glaubengründer zu verlangen. Bereits im Nachdenken über Gotteshandeln in der Natur zeigen sich die Probleme, warum Naturwissen nicht mit dem von der christlichen (?) Theologie vertretenen Christus und Gottesbild auf einen Nenner gebracht werden kann.

 

5.2. Heutige Lesweise steht dem Wiederverständnis des Schöpfungswortes im logischen Werden im Wege

 

Wie soll sich ein naturwissenschaftlich denkender Mensch angesichts der nach wie vor weitgehend buchstäblich verstandenen Wunder des Alten wie des Neuen Testamentes, im logisch/natürlichen Ablauf des Weltgeschehens Gotteswort oder wenigstes –handeln erklären können? Wenn die Wirk-lichkeit Gottes bzw. Gotteshandeln kirchlicherseits in einem Hokus-Pokus zu Heilung von Einzelgestalten erklärt wird, wie soll da Jemand auf die Idee kommen, im kausalen Weltgeschehen nach dem Wirken des Gottesworten zu suchen, seine  Heilswirkung zu sehen? Selbst dort, wo psychologische Erklärungen herhalten müssen, die Wunder als literarische Produkte oder glaubensgeistige Ereignisse erklärt werden, ahnt der Naturwissenschaftler nicht, dass er durch ein neues sichtbar Machen des Gottessohnes zu diesem in der Antike realen Heils- und Geschichtsgeschehen beitragen kann.

 

Vom völligen Missverständnis um die inzwischen törichterweise von Theologen gar verleugnete Auferstehung ganz zu schweigen.

 

Denn wenn es im Neuen Testament nicht um eine jungen Glaubensmärtyrer geht, sondern um das lebendige Wort Gottes, dann hat dessen real nachzuweisenden Wieder-verständ-nis weit mehr mit dem Grundgeschehen christlichen Glaubens zu tun, wie die Auferweckung eines Religionsrebellen, die oft nur als ein geistiges Ereignis bei seinen Anhängern im Rahmen der Gemeindebildung gedeutet oder gleich ganz abgesritten wird. Interessant auch, dass lt. heutiger Lehrmeinung die Evangelisten erst aus der Erfahrung des Auferstandenen (m.E. leiblich wiederverstandenen Gotteswortes in Menschengestalt), „nachösterlich“ die Texte verfasst haben sollen. Wenn ich daher die leibliche Auferstehung für wahr halte, dann bin ich fest davon überzeugt, dass auch von uns der Leib des Logos im kosmischen Gesehen, wie aller geistigen Kreativität wieder klar verstanden werden kann.

 

In den theologischen Auferstehungsleugnern sehe ich Wegmarken, die auf die Dringlichkeit des neuen von Gott gegebenen Verstandes Hinweisen. Die Aufgabe der Theologie bestünde nur darin, den neu lebenden Jesus wahrzunehmen und den Menschen zu vermitteln, statt ihn weiterhin zu verhindern, gleichzeitig die stattgefundene Auferstehung durch die Buchstäblichkeit zu verleugnen oder als eine Art Halluzination von Anhängern des historischen Jesus zu verkürzen.

 

Selbst wenn die – m.E. auf dem Mist der Buchstäblichkeit gewachsenen -  gesamten angeblichen Naturbrechungen außer Acht gelassen werden, mit denen bis heute meist das Gotteshandeln erklärt wird, verhindert die vorgegebene buchstäbliche Gottesvorstellung das Verständnis der Vernunft Gottes in aller Natur.

 

5.3. Buchstäblichkeit verbaut den „natürlichen“ Blick auf den Gottessohn

 

Auch die Naturforscher suchen in Folge heutiger Religionslehre meist nach einem weitgehend willkürlichen Strippenzieher. Weiterhin wird nicht der Sohn , sondern der Schöpfergott selbst in der Art eines Marionettenspielers vermutet. Und wer von Kind auf gelernt hat, dass man Gott für dies oder das bitten muss, er als Lückenbüßer für das noch nicht Gewusste herhalten muss und außerhalb der irdischen Wirklichkeit gestellt wird, wie soll der auf die Idee kommen, im gesamten natürlichen kosmischen Prozess die gute Gabe Gottes zu sehen, die durch den Sohn offenbart ist. Wo das Wort nicht verstanden wird, bleibt nur die Buchstäblichkeit und ein persönlich naives Gottesbild, in dem dieser ganz nach Belieben ins Weltgeschehen eingreift.

 

Auch die modernen Naturtheologen bleiben in einem christlichen Selbstverständnis gefangen, das nach wie vor dem Mythos und den Unnatürlichkeiten das Wort redet. Solange der Grund unseres Glaubens nicht neu gesehen wird, muss Gotteshandeln weiterhin grundsätzlich außerhalb das alltägliche Weltgeschehen, neben den natürlichen Ablauf gestellt werden. Zwar belegt die Exegese, dass lt. der Theologie des neuen Testamentes Gott nun nicht mehr jenseitig wäre, sondern durch den Sohn im Diesseits aller Welt für alle präsent. Doch wer nimmt diesen leider zum alten Mythos abqualifizierten Text noch ernst?

 

Oft werden daher durch moderne Denker, ähnlich wie in der Prozesstheologie, zusätzliche komplexe Modelle geschmiedet, mit denen dann Gottes-wirklichkeit  außerhalb dem anerkannten naturwissenschaftlichen Weltbild nachgewiesen werden soll. Einzelne z.B. quantenmechanische Vorgänge, mathematische Modellrechnungen oder sonstige Theorien werden aufgegriffen, um auf  Gott aufmerksam zu machen. Statt in der rationalen Schönheit der gesamten natürlichen Schöpfung, in jedem neuen Tag und Sonnenaufgang den Sohn Gottes zu sehen, wird nach der Absicht oder einem besonderen Plan gefragt. Meist außerhalb der universalen Logik (die auf dem Weg vom Sternenstaub bis zu geistbegabten Wesen sichtbar wäre) wird nach Sinn, Plan und Absicht Gottes gesucht.

 

Selbst dort, wo über den sichtbaren ganz natürlichen Evolutionsverlauf als Gotteswerk nachgedacht wird, sind wir scheinbar noch weit davon entfernt, hierin das Gotteswort bzw. menschlich-schöpferische Bestimmung zu hören. Doch gerade die Tatsache, dass heute der unsinnige Gegensatz Natur- und Schöpfungslehre weitgehend überwunden scheint, gibt mir die Hoffnung, dass wir zu Hörern des lebendigen Wortes werden können. Auch die Theodizeefrage, die vielen den Weg zu Gott verbaut, kann dann als Produkt eines vermenschlichten Gottesverständnisses gesehen werden.

 

5.4. Nur eine neue Sicht des Gottessohn kann Hiob wirklich helfen

 

Nicht was im Sinne seiner ewigen Schöpfungsordnung ist, zu dem beigetragen hat, was wir heute haben und morgen hoffentlich sein werden, sondern was jeweils in unseren menschlichen Augen richtig oder falsch sein soll, wird zum Maßstab. Gleichwohl wir z.B. wissen, dass jede meteorologische Regung ein Segen für die Welt insgesamt ist, einer gesamtökologischen Ordnung entspringt, aus der alles hervorgegangen ist, wird an Gottes Güte gezweifelt, wenn ein Fluss über die Ufer tritt oder sich ein Sturm einstellt. Unabhängig davon, dass es heute oft durch menschlichen Un-sinn mitverursachte Einflüsse sind, die zu Klimakatastrophen führen, kann es im Sinn des Schöpfers kein „Un“wetter geben. Menschliches Unvermögen, sich auf das schöpferische Klima einzustellen, dessen Ordnung zu bewahren, in dessen Sinne zu leben und gegenseitig zu helfen, kann nicht dem Schöpfer in die Schuhe geschoben werden. Wem gar das Wissen gegeben ist und der trotzdem wie blind im weiter so kosmische Klimakatastrophen verursacht und gleichzeitig seinen Kindern die lebensnotwendigen Ressourcen wegfrisst, wie will der dann Gott verantwortlich machen wollen, wenn er sich nicht an dessen Regeln hält? Und auch hier wird deutlich: Allein ein Aufheben der unsäglichen Trennung zwischen dem Buchgott und der Natur genügt nicht. Wer die Regeln Gottes nur in Büchern sucht, wird nicht wirklich im schöpferischen Sinne leben wollen und weiterhin Gott für dies und das verantwortlich machen, was nicht ins menschliche Bild passt.

 

Wo Gott hier, aber nicht dort gehandelt haben soll, nicht in einem gesamtheitlich-hollistischen Bild der Sohn gesehen wird, taucht immer wieder die Theodizeeproblematik auf. Wie kann Gott dies zulassen, warum hilft er mir oder denen dort nicht? Was soll das für ein Gott sein, der...... Solange Jesus als ein zum Logos hochstilisierter Wanderprediger verkauft wird, den man aufgrund alter Mythen Gottessohn nannte, braucht niemand die Gesamtlogik der Genesis zu suchen, um von dort auf den Vater aller Schöpfung zu schließen. Nach wie vor wird auf jüdische Weise der Vater gesucht, der sich Einzelpersonen, die ihn dann im Buch beschrieben, offenbart haben soll. So kann der Vater einer Vernunft, die über alle Grenzen hinweg bestimmt, Himmel und Erde regiert, nicht gesehen werden.

 

5.5. Auch der kosmische Klang kann als Ton Gottes verstanden werden

 

Wo Gott aufgrund der aus alten Büchern zu entnehmenden einzelnen Zeichen und Wundern nachgewiesen werden soll, kann auch kein Naturphilosoph auf die Idee kommen, das christliche Offenbarungsgeschehen - zumindest die später als Wort verstandene Stimme Gottes - in der Schönheit der gesamten Natur hören zu wollen. Nicht nur jedes Nachdenken über die Mathematik als abstrakte Umsetzung der in kosmischer Wirklichkeit zu hörenden Gottesstimme verbietet sich so. Auch das ästhetischen Empfinden beim Betrachten der natürlichen Schönheit oder das Künden des kosmischen Klanges musikalischer Umsetzung muss ungehört bleiben.

 

Wenn dann im Titelbericht des Spiegel die Musik als Klang des Kosmos, einer vertonten Mathematik nachgewiesen wird, mit christlichem Denken, das laut Neuem Testament die kosmische Stimme des einen universalen Schöpfergottes verstand, hat dies dann nichts zu tun. Der Ton Gottes, der mit Sicherheit in aller musikalischen Harmonie hörbar wäre und dessen kognitives wie emotionales Verständnis  kann bei heutiger Christenlehre nicht verstanden werden. Auch den über die mathematische Grundordnung der Musik spekulierenden Atheisten kann bei heutigem Glaubensverständnis nicht vermittelt werden:

 

-         wieso die Musik so etwas wie die (im philosophischen Sinne) „weibliche“, nicht den rein kognitiv-abstrakten Verstand, sondern das die Emotion bewegende Sprachrohr des christlichen Logos ist, dessen Menschwerdung wir in den Kirchenliedern besingen;

-         warum diese Seite des Verständnis eines kosmischen Klanges bzw. einer Harmonie uns erst zu sozialen Wesen macht, ebenso wie der gesamte Kult sinnvoller Weise zum Menschen;

-         wieso sich der christliche Schöpfergott auch in den physikalisch berechenbaren Schwingungen und einer Um- oder Freisetzung menschlicher Emotionen durch die Musik mitteilt und durch Musik für seine Schöpfung begeistert;

-         wie jede Kultur diese wunderbare Stimme in anderer Weise vernimmt, jedoch der Ursprung letztlich immer der Gott des gesamten Kosmos ist;

-         diese Kultur gewordene Natur gerade im jüdisch-christlichen Ritus ein sinnvoller wesentlicher Teil der Anbetung Gottes war und logischerweise weiterhin sein wird;

-         warum das christliche Paradigma, das von Pythagoras aus dem Weltmechanismus abgeschriebene Wort bzw. die musikalische Seite dessen philosophischen Logos erst zur Perfektion brachte;

-         wir in der Musik einen Teil der Trennung zwischen Menschsein und Jenseits auflösen, in dem kein anderer waltet und wirkt, als der durch urchristliche Theologie verstandene transzendente und trotzdem persönliche Schöpfergott;

-         warum uns der liebe Gott den linken Schläfelappen in die Bio-logie gegeben hat, um nicht nur mit der reinen Ratio nach ihm zu suchen, sondern es auch rational ist, nicht nur den Radio plappern zu lassen, sondern seine Stimme auch ganz bewusst in der Musik zu hören und im vollen Verstand hingebungsvoll verzaubern zu lassen;

 

Gerade die aktuelle Diskussion um den sog. Schläfenlappen als Körperteil, der nach Erkenntnis Gottes ruft macht deutlich, wie heutige Denkweisen aneinander vorbeiführen. Die Atheisten wollen durch den Nachweis eines solchen Körperteiles den Kopf der Menschen als Wohnort Gottes nachweisen. (Als Antwort darauf ließ mich ein Spiegeltitel über den „Bio-logischen Gottesbeweis“ nachdenken, weil scheinbar der Schöpfer uns ein Organ eingebaut hat, um seine Stimme zu hören: www.theologie-der-vernunft)  Gerade im heutigen Hinweis auf die Funktion des linken Schläfenlappen für das Hören der Musik wird deutlich, dass dieses Organ nicht der Erzeuger Gottes, sondern uns dazu gewachsen ist, sein Wort zu hören. Sowenig wie die Musik im Schläfenlappen selbst erzeugt ist, sondern dieser nur ein Gehörorgan darstellt, scheint es auch mit dem schöpferischen Wort im weiteren Sinne zu sein.

 

-         der Nachweis über die Wirkungswiese der Musik in unserem Körper und Kopf, ebenso wie der psycho-logischen Darlegung ihrer emotionale Kraft im Grunde eine Darstellung des menschlichen Schöpfungslogos ist;

-         der rechte, vernünftige Gebrauch der Musik und die geistig-kulturelle Vorverständnis über die davon ausgehende Emotion ebenso entscheidet, wie deren sinnvollen Einsatz;

-         es also wie bei gesprochenen Wort ganz und gar nicht egal ist, wen wir als den eigentlichen Komponisten diesen kosmischen Klanges sehen, zu was wir die Musik gebrauchen oder warum es nicht genügt, uns einfach nur intuitiv von der Musik begeistern zu lassen;

-         Musik wie das gesprochene Wort die Menschen auch in Krieg, Aggression und politischer Gefolgschaft führen kann oder oft nur zum sinnlosen Bedudeln gebraucht wird;

-         wieso Musik heute als universelle Sprache weltweit verbinden, aber auch ungenutzt verrauschen kann;

-         die Musik, ebenso wie das gesprochene Wort zwar eine kulturelle Prägung hat, aber einen kosmischen Ursprung, der gerade im Spiegelbeitrag klar gemacht wird;

-         es wichtig erscheint, diese universale Kraft für die Menschheit verständlich zu machen, damit nicht nur die für den Verstand hörbare kosmische Vernunft, sondern auch die Musik als Tor zur Emotion ungenutzt bleibt, sinnlos verhallt;

-         ein kognitives Verständnis der Musik als Ton des Schöpfergottes im kosmischen Gesamtgeschehen notwendig ist, damit die Mathematik der Gefühle im menschlichen Geist ihre logische Wirkung im Gesamtbauplan der Genesis erfüllen kann.

-         wieso also letztlich gar der atheistische Spiegelbeitrag ein Stück Offenbarung ist

 

Im Verständnis der Musik lassen sich aus der von mir verlangten Perspektive viele Parallelen zum be-stimm-enden Wort, einer christlich-theologischen Umsetzung kosmischer Stimme ziehen und die Bedeutung beider Seiten für das Mensch sein sichtbar zu machen. Wenn ich bei aller Mathematik und Musik  nur von „Stimme“ oder „Ton Gottes“, noch nicht von „Wort“ sprechen würde, dann weil hier der zusammenhängende Verstand noch nicht sichtbar wird. Hierzu bedarf es einer theologischen Lehre, wie sie m.E. in der Antike zum Christentum führte. Und erst aus der Umsetzung zum lebendigen Wort, der bewussten Wahrnehmung einer Vernunft des Kosmos, lässt sich in dieser schöpferischen Be-stimmung auch eine für das Bewusstsein maßgebende Theologie und  Lebens-Wegweisung ableiten.

 

Doch ich kann nachvollziehen, dass für das heute gängige Verständnis ( bei dem der historische Jesus nur ein junger Jude ist, das Wort Gottes als alter Mythos gelesen wird) und das auch die Atheisten übernommen haben, dies alles völlig verrückt klingt. Genau darin liegt das Problem eines in Buch-stäblichkeit befangenen Weltbildes. Es wird dann zwar in intellektueller Weise über Mathematik oder Musik als Abbild kosmischer Ordnung und Brücke zum Göttlichen gesprochen. Doch es wird kein Wort Gottes daraus. Weder kann der  Zusammenhang zum christlichen Glaubensgrund hergestellt werden, noch ist daraus eine höhere menschliche Bestimmung zu erkennen.

 

5.6. Im rationalen Weltenverlauf  ist das Gotteswort zu hören

 

Bewusstes Nachdenken, um im rationalen Weltenverlauf das Gotteswort zu verstehen, wird durch die Buchstäblichkeit verhindert. Im Wunder des Tages oder der mit unendlicher Präzision eintretender Sonnenfinsternis, den Beschreibungen Stefan Hawkins über die unvorstellbare Formgebungskraft des gesamten kosmischen Geschehens oder das mikrobiologische Wunderwerk unserer Körperteile, die in schöpferischer Gemeinschaft einen wunderbaren Organismus bilden, den Gottessohn sehen zu wollen, bleibt absurd. Aufgrund aller funktional über Zeit und Raum hinweg zusammenwirkenden Teile und Organismen bewusst das Wort Gottes zu hören, kann in unserem heutigen christliches Selbstverständnis nicht vorkommen.

 

Allenfalls Meditation ist erlaubt, um im Un- oder Unterbewussten die gleiche kosmische Stimme zu hören, die im Bewusstsein von einer Buchstäblichkeit verbaut wird. So schwärmen selbst Naturwissenschaftler, wie der Preisträger des alternativen Nobelpreises Hans-Peter Dürr auf dem Kirchentag von inneren Stimmen, obwohl sie selbst in allen wissenschaftlichen Ausführungen jenseits der reinen Materie m.E. den Gottessohn zeichnen, eine schöpferische Vernunft nachweisen. Unser heutiges Christusbewusstsein spricht gegen die Vernunft, verbietet selbst Naturforschern, die die Software alles Werdens in Händen halten, sie nicht nur in der Biologie bestätigt sehen, sondern in physikalischen Modellen mathematisch berechnen, den Sohn Gottes zu sehen, der nicht nur für Philo von Alexandrien, sondern für alle Evangelisten die Voraussetzung war.

 

5.7. Der Gottessohn führt über Pantheismus hinaus, bringt Ver-söhnung mit dem Schöpfer

 

Wen wundert es, wenn beim heutigen Gotteswortverständnis Naturwissenschaft allenfalls in Pantheismus führt, von wunderbarem Selbstorganismus geschwärmt, auf altmystische Weise von Erdgöttin Gaja oder beseelter Natur gesprochen, andererseits immer wieder ein bestimmter außerweltlicher, unnatürlicher Plan gesucht wird? Den Sohn Gottes, der hinter aller nachweislichen Vernunft des Gesamtgeschehenes der natürlichen Genesis steht, völlig unabhängig davon wahrnehmbar wäre, ob sich die Sonne um die Erde dreht oder die Erde um die Sonne, ob die Erde als Scheibe oder Kugel gezeichnet wird, sucht Niemand.

 

Die Vernunft, der Logos des Schöpfergottes lässt sich dort wahrnehmen, wo Nichts der Willkür obliegt, keine Götter mit Kugeln und Blitzen werfen und gar Naturbrechungen als Gottesbeweise stattfinden. Doch auch eine nur segmenthafte Betrachtung der Natur, die nicht die Ordnung und Logik des Gesamtgeschehens erkennen lässt, führt noch nicht zum schöpferischen Logos bzw. Sohn Gottes. Erst heute können wir nachvollziehen, dass seit de angenommenen Urknall alles mit rechten Dingen zugeht. Auch wenn noch längst nicht alles erklärt ist, ist die Logik des Gesamtgeschehens zur Selbstverständlichkeit geworden. Erst heute hat eine über den reinen Materialismus hinausgehende Naturlehre die Grundlage dafür geschaffen, dass wir diese Software/Logos als eine schöpferische Vernunft/Gottessohn hinter dem gesamten Prozess einer herrlich funktionierenden Selbstorganisation sehen können. Unabhängig von der zeitbedingten Beschreibung des kausalen Wunderwerkes über das funktionale Zusammenwirken kann so das präexistente, uns als Mensch vermittelte Wort neu verstanden werden. Das Stauen und die Begeisterung für das Geschehen wird dabei nicht genommen, sondern vom Sohn Gottes ausgehend nur noch viel größer. Das natürlich/kausale Geschehen im gesamten Kosmos könnte gerade durch ein neuen christlichen Selbstbewusstsein eine völlig neue Dimension erfahren. Von der Wahrnehmung des Gotteswortes als des kon-kreten schöpferischen Geist/einer Vernunft Gottes im gesamten kosmischen Geschehen könnte eine menschlichen Begeisterung ausgehen, die alles bisherige stumme Staunen über Selbstorganisation und die Schönheit der Natur bei weitem übersteigt.

 

 

5.8. Begeisterung für das gegebene Leben und begründete Hoffnung auf Gotteshilfe

 

Denn gerade die Begeisterung für das, was uns im Laufe der Jahrmillionen – jetzt in Jesus bzw. mit Gottes Hilfe – gegeben ist, scheint mir die Voraussetzung, um im evolutionären Ablauf eine schöpferische Sinngebung/Vernunft zu erfahren und schöpferisch mitzuwirken. Wer im Mensch nur eine Missgeburt der Natur sieht, sich selbst, seinen Geist oder den Verlauf der Geschichte verdammt und keine Hoffnung auf Zukunft (bzw. die weitere Hilfe des Schöpfervaters hat) der kann schlecht von einer „Vernunft“ im Gesamtgeschehen reden. Denn wenn das, was wurde und noch wird, nicht als gut und sinnvoll gesehen wird, verbietet es sich, von einer „Vernunft“ allen Werdens zu reden. Der Vernunftbegriff bzw. die Logik der natürlichen Genesis lässt sich dann nicht nachvollziehen. Auch buchbegründetes Schöpfungshandel könnte somit im Grunde nicht akzeptiert werden.

 

Neben der Begeisterung für das Heute, setzt das Reden von „Vernunft“ des Werdens auch eine Vorstellung für ein vernünftiges Morgen voraus. Auch die Vorstellung, wie es mit Hilfe Gottes trotz allem menschlichen Unsinn weitergeht, wie er auf ganz natürliche Weise den Menschen zur Vernunft bringen wird, gehört mit dazu, um im Gesamtwerk der Genesis die Vernunft Gottes zu sehen. Hierzu gehört nicht die Hoffnung auf einen willkürlich oder nur ordnend eingreifenden, sondern einen helfenden, alles weiterbewegenden und wachsen lassenden liebevollen Vater, dem alles entspringt, was Mutter Materie wie Mutter Kirche bzw. menschlicher Geist im Laufe der Geschichte hervorgebracht hat und weitergebären wird.  Doch auch hier kann die Hoffnung nicht in alten Buchstaben begründet werden, an die man einfach glauben muss. In einem kausal nachvollziehbaren Neuverstand sowie einer vernünftigen Verhaltensweise durch das lebendige Schöpferwort, dem aus der Evolutions- bzw. Geschichtserfahrung abgeleiteten Vertrauen darauf, dass dieses Wort die Welt weiterbewegen wird, liegt die Hoffnung auf lebendige Gotteshilfe.

 

5.9. Eine ganzheitliche Sicht des sinnhaften Kosmos lässt den liebevollen Vater verstehen

 

Zu eine Weltbild, das eine Vernunft in allem natürlichen Geschehen betrachten und nicht partikular trennt, wie durch die auf den Menschen bezogene Moraltheologie Jahrhunderte eingeübt, gehört selbstverständlich auch die Einbindung des gesamten biologischen Geschehens. Ein Un-kraut kann es ebenso wenig geben, wie nur selbst-bezogene Gene, die gegen einander Kämpfen und sich nicht sinnvoll ins Gesamtgeschehen einordnen lassen. Auch kosmischen Kannibalismus, sich bekriegende oder gar gegenseitig fressenede Sterne, die sich nicht in die kausale Ordnung des Himmels einfügen ließen, würden eine allumfassende schöpferische Vernunft ausschließen. Doch gibt es das, oder kommt das nur in den Köpfen der Betrachter vor, die gelernt haben, mit dem Buch und menschlichem Maß Richtig und Falsch, Gut und Böse zu unterscheiden? Nur was ein schöpferisches Werden verhindert, spricht gegen die Vernunft Gottes. Dass der affen-art-ige/gerechte Bananenklau für die schöpferischen Lebensbeziehungen geistbegabter menschlicher Wesen ebenso wenig taugt, wie sich das Sexualverhalten der Hasen überträgen lässt, schließt nicht aus, dass sich Affen und Hasen auf ihre Weise artig/schöpferisch sinnvoll verhalten.

 

Auch bei der Betrachtung der Biologie hat sich in den letzten Jahren ein Fortschritt ergeben, der neue Schlüsse zulässt, über angeblich „böse“ Verhaltensweisen hinausschauen und eine schöpferische Ordnung bzw. Sinnhaftigkeit des Gesamtgeschehens erkennen lässt. Naturprinzipien oder gar Verhaltensweisen einzelner Arten lassen sich nicht einfach auf menschliche Verhaltensweisen übertragen. Erst aus der Erkenntnis einer natürlich-schöpferischen Sinngebung kann der Logos allen Lebens abgeleitet und auf menschliche Wesensart übertragen werden.

 

Die „Lüge“ mag für mache Arten zur Lebenslogik gehören, wie die Biologen nachzeichnen. Doch beim Menschen führt sie im Gegensatz zu manchen Tieren nicht zur Genmaximierung, sondern zum Gegenteil. (Das wissen wir nicht erst, seit dem wir uns beispielsweise gegenseitig die Lebensmittel vergiften.) Die Übertragung von menschlichen Begrifflichkeiten, mit denen wir zwischen Gut und  Böse unterscheiden auf die Biologie, führte oft zu Irreführungen. Erst der Blick auf die Ordnung der gesamten Genesis, die durch das jeweils vernünftig-artige Verhalten maximiert wurde, lässt uns auf eine gesamtschöpferische Vernunft schließen. Daher sehe ich die Zeit gerade erst jetzt erst für Reif, neu in der Sinnhaftigkeit der Natur nachzuhören und das in der gesamten Genesis hörbare Wort Gottes zur menschlichen Wirklichkeit werden zu lassen.  Doch wo es nur um Buchstaben geht, Christus ein Mythos bleibt, braucht sich eine Theologie weder mit Kurz-schlüssen aus bio-logischen Erkenntnissen zu beschäftigen, noch nach einer Gesamtsinngebung der Genesis zu suchen.

 

An dieser Stelle kann nicht erschöpfend nachgewiesen werden, wieso die bisherige biologische Betrachtung oft ein antroprozentrischer Kurz-schluss ist. Doch vom Sohn Gottes, einem Gesamtsinn des Geschehens in aller Genesis ausgehend, gewinnt in der Natur nicht der Böse, sondern der schöpferisch Tauglichere, der seiner Art besser gerecht wird. Dass Gott den Menschen über den Bananenklau hinauswachsen ließ und ihn geistig begabte, auch ohne Spinnen-artig die Männchen umzubringen um den Nachwuchs zu sichern, macht die besondere Verantwortung des Menschen bewusst. Uns hat er geistig begabt, um für unsere Kinder zu sorgen. Gerade durch die Wahrnehmung des Schöpfungswortes im biologischen Bauplan könnte m.E. das vermieden werden, was leider teilweise geschehen ist, wo nur einzelne Vorgänge oder Arten betrachtet werden. Erst eine Theologie, die die Natur und das Neue Testament zusammenbringt, die schöpferische Gesamtvernunft auf menschliche Bestimmung überträgt, vermeidet es, der Politik biologisch-theologische Begründungen für eine Unmenschlichkeit zu liefern, wie das leider bis noch vor wenigen Jahrzehnten geschah.

 

Die freie Entscheidung, ebenso wie die mögliche Erkenntnis ist nur dem Mensch gegeben, hat seine besondere Rolle bzw. sein evolutionäres über den Instinkt Hinauswachsen und seine Gabe Gott wahrzunehmen bewirkt. Auch das scheint zum Bauplan, zur Gesamtlogik Gottes zu gehören. Gott nimmt sich nicht zurück und lässt Menschen stückweise gewähren. Er ermöglicht uns gerade durch die Ebenbildlichkeit, die Freiheit und Erkenntnis des Vernünftigen ein Wachsen und Gedeihen in seinem schöpferischen Sinne. In all unserem Werden und Wachsen, wozu auch die menschliche Freiheit und der Geist gehört, kann Gottes Wort als umfassende Vernunft verständlich werden. Letztlich lässt sich gerade aus der im Geschichtsgeschehen nachzuzeichnenden Angewiesenheit des Menschen auf die Wahrnehmung dieser Vernunft auf den Vater aller Schöpfung schließen.

 

Wenn unser heutiges christliches (?) Bewusstsein dazu führt, dass wir nur konservativ bewahren wollen, in kreativem Wachstum und Wohlstand kein schöpferisch vernünftiges Wirken wahrnehmen, die Bio-logie als Böse betrachtet und statt Freude am Sein Selbstverneinung verlangt wird, dann hat auch hier ein buchstäbliches Verständnis die Hand geführt, das sich im Grunde gegen die Vernunft/das Schöpfungswort Gottes wendet und deren Verständnis verhindert.

 

Wer z.B. gar über Jahrhunderte mit dem Buch in der Hand die ganz natürliche Sexualität verteufelte, der kann nicht erwarten, dass jemand die Stimme Gottes wahrnimmt, wenn zwei Menschen, ob für einen schöpferischen Moment oder ihr Leben lang Eins werden.

 

Auch wenn die folgenden Ausführung aufgrund unseres buchstäblichen Verständnisses esoterisch klingen, will ich versuchen einen m.E. wichtigen Aspekt zu hinterfrage:

 

Zwar wird der Begriff „Liebe“ vielfach missbraucht oder zu einem rein menschlichen Gefühlsstand herabgewürdigt. Doch könnte gerade das Modell des menschlichen Zusammenlebens, wozu selbstverständlich auch die körperliche Liebe gehört, verdeutlichen, dass es die Liebe Gottes ist, die den gesamten Kosmos zusammenhält und schöpferisch agieren lässt. Denn allein in Körpersäften des biologischen Bauplanes lässt sich weder die Sexualität, noch die Liebe zu meine Familie oder die lebenslange Sorge um die Zukunft meiner Kinder begründen. Liebe ist in diesem Sinne ein schöpferisches Element.

 

Die kosmische Liebe oder Lebenskraft lässt Einheit entsteht. Nicht nur zwischen zwei Menschen. Ob die Ergänzung von linker und rechter Gehirnhälften zur Erkenntnis führen, sich Synopsen in meinem Kopf ergeben, Plus und Minus bei vernünftiger Zusammenführung gemeinsam Energie erzeugen, Stoffe in der Photo- oder sonstigen Synthesen schöpferisch zusammenwirken, hier wie  über-all ist „Liebe“  am Werk. Wenn die Chemie stimmt und es funkt-inoniert, ob im menschlichen Bereich, der einfachen Materieteichen oder im Spiel der Sterne: Es ist immer die Liebe, die Lebenskraft Gottes, die aus zwei auf schöpferische Weise EINS werden lässt. Hinter allem Geschehen sind so nicht nur Körpersäfte und sinnloser Zufall zu sehen, sondern eine Software, die auch als die durch den Sohn Gottes verkörperte Liebe des „Vaters“ verstanden  werden kann. Ganz so wie es uns die Theologie des Neuen Testamentes sagt.

 

Ein einfacheres Modell, das über den schöpferischen Logos nachdenken lässt, das Wort des „lieben“ Gottes verdeutlicht, gibt es m.E. nicht. Und wenn sich ein solch simples Denkmodell durch die einfachen esoterischen und alten philosophisch-gnostischen Grundregeln allen Seins bestätigt, Philosophen der Aufklärung wie Leibnitz neu über die simple Mathematik allen Lebens nachdenken, dann machen sie den die Logik der Liebe Gottes deutlich. Auch im fernöstlichen Tao wird in ähnlicher Weise die gesamte Welt erklärt. Wenn das Tao der Liebe dort weit mehr als ein Stellungsspiel beschreibt, sondern nur eine kosmische Sinngebung selbst auf das körperliche Eins-werden anwendet, dann wird deutlich, dass auch dort  überall das Wort des lieben Gottes lebt. Nur, dass es andere Namen hat.

 

Die gesamte Kreativität des Kosmos verdankt sich in diesem Sinne der Liebe Gottes. Auch die  geistige Kraft, die Kreativität in unseren Köpfen entstehen lässt, auf schöpferische Weise bisher getrennte Weltanschauungen versöhnt und so zu neuer Erkenntnis führt, sinnvolle Zusammenhänge nachvollziehen lässt bzw. den Logos allen Lebens als Gottessohn bewusst machen kann, beweißt die Liebe Gottes zu den Menschen.

 

Nur in abstrakten Modellen oder an Beispielen lässt sich erklären, wie das Schöpfungswort wirkt. Auch  in den Beschreibungen einer Symmetrie der natürlichen Schöpfung oder den Modellen der Chaos-Theoretiker kann das sichtbar werden, was das Neue Testament als menschgewordene Liebe bzw. Sohn Gottes sichtbar macht. Was auch in den segmenthaften Naturbeschreibungen zu sehen ist, wird in ganzheitlichen Modellen über die kosmische Ordnung noch deutlicher. Es geht um den Sinn des Ganzen, einen Logos bzw. einer Vernunft, die allem Werden zugrunde liegt. Und auch im Urchristentum (auch wenn das durch den Buchstabeglaube als Gnosis abgetan wird) wurde das schöpferische Wort/der Logos in ganzheitlichen Modellen zur Beschreibung kosmischer Ordnung wahrgenommen.

 

Wer allerdings den lieben Gott nur aus Büchern erklärt, aus deren Missdeutung z.B. gar die natürliche Sexualität zwischen Mann und Frau verneint, der wird den Menschen weder die schöpferische Liebe Gottes im kausalen kosmischen Geschehen erklären können, noch wird es gelingen, den eigenen Logos und Glaubensgrund in fremden Religionen zu begründen. Die Rede vom „lieben Gott“ muss eine Behauptung bleiben, die aus alten Büchern abgeleitet wird. Die Logik der Liebe Gottes bleibt so verborgen.

 

Und auch das wird bei der Betrachtung von Liebe und Sexualität deutlich:

Es genügt nicht allein, sich den Gefühle hinzugeben, auf innere Stimmen zu hören bzw. der Intuition zu folgen. Die vielen menschlichen Verirrungen machen das mehr als deutlich.

Und wenn trotz aller natürliche Triebe die westlichen Kulturen keine Kinder mehr in die Welt setzen, dann hilft es nicht nach Intuition oder meditativer Versenkung zu rufen, auf Naturrecht zu pochen oder Tradition. Eine höhere schöpferische Be-stimmung des Menschen und seiner Gemeinschaften scheint auch hier zu fehlen. Buchstaben helfen nicht weiter.

 

5.10. Wie durch den Gottessohn die Güte Gottes in der gesamten Genesis zu sehen ist

 

Statt zu fragen, was Gott gut oder falsch gemacht hat, wie es in vielen naturphilosophischen- bzw. theologischen Betrachtungen nachzulesen ist, kann vom Gottessohn, statt menschlich missdeutenden Buchweisheiten ausgehend, das gesamte Weltall zum Handlungsraum schöpferischer Liebe und Vernunft werden. Der Kosmos als Leib Gottes, die Kirche als Organisation bzw. Lebensgemeinschaft, die den dort ständig zu Welt kommenden Sohn den Menschen gemeinsam bewusst macht. Das alles wäre in einem neuen christlichen Selbstverständnis sichtbar.

 

Doch wie sollen wir die Formgebung in Materie und menschlicher Geistesgeschichte als In-form-ation durch das Wort, somit im Sohn die Liebe Gottes verstehen? Wenn das nur in Büchern steht und menschengesetzliche Buchstäblichkeit über das Gut und Böse in Gottes gesamtlogischem Bauplan urteilt, bleibt die Sicht versperrt?

 

6. Buchstabengehorsam verhindern Sinngebung und Bestimmung des Menschen  

 

6.1. Wie durch den Gottessohn Sinn und natürlich/logische Wegeisung gegeben werden

 

Auch der Sinn des Lebens soll uns nach heutiger Lehre nur durch das Schriftwort vermittelt werden. Doch in Wirklichkeit nimmt uns heute leider die Buchstabenbezogenheit die Werte, statt uns Sinn geben zu können. Eine höhere Vernunft, ein schöpferisches Wort, das uns Be-stimmung verleiht und so auch unser Verhalten bestimmt, bleibt in der christlichen Lehre aufs Buch bezogen. Doch die Bibel, auch wenn man die Inhalte meist selbst nicht mehr ernst nimmt, über ihre Wahrheit oder z.B. die alte Urteilskraft im Hinblick auf die Homo-Ehe in Kirchenblättern per Leserbriefen streitet, soll nach dem heutigen theologischen Weltbild weiterhin einzige Be-stimmung sein.

 

Zwar wird die Natürlichkeit nicht abgelehnt, beruft sich die katholische Kirche gar auf die Natur, gerade wenn es um die Verneinung der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare geht. Doch aus der Natur bzw. kosmischer Ordnung eine Sinngebende Bestimmung und somit eine menschliche Verhaltensnorm herzuleiten, ist im derzeitigen Christus- und Gotteswortverständnis schlichtweg absurd. Und auch die wird nur möglich sein, wenn wir die Buchstabengehorsamkeit überwinden und, wie bereits beschrieben, im kosmischen Ablauf mehr sehen, als reine Bio-logie.

 

6.2. Erst das Verständnis kosmischer Vernunft als Gottessohn führt zu einer rationalen Ökonomie und Ökologie

 

Wohin es führt, wenn reine Biologie auf das menschliche Zusammenleben übertragen wird, zeigt der kurzgeschlossene Darwinismus, wo einfach das Recht des Stärkeren, im realen Wirtschaftsalltag wie selbstverständlich ausgelebt wird und so in „hohem Maße“ un-wirtschaftlich gehandelt wird. Gerade in der freien Marktwirtschaft ist inzwischen einzusehen, dass übersteigerter Egoismus, den man bisher als einzigen Motor sah und schürte, nicht der einzige menschliche Motiv-ator, Antrieb zur schöpferischen Leistung und Arbeit sein kann. Wenn Unternehmernehmer wie Angestellte, Anbieter wie Konsumenten sich nur an sich selbst orientieren, kommt genau das heraus, was heute allenthalben beklagt wird. Doch die Lust an lebenswerter Leistung, kann weder allein durch Steuervorteile und staatlichen Vorschriften bewirkt werden, noch durch ideologische Parolen.

 

Wer nur nach neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen ruft, um die Unternehmer und Angestellten zur Arbeit zu bringen, eine öko-logische und gesamt-ökonomische Misswirtschaft zu verwirklichen, ist m.E. ein hoffnungsloser Utopist. Man könnte ihn auch einen modernen Pharisäer nennen. Wie sie will er das gute, predigt das richtige Verhalten und pocht auf das Gesetz. Doch nicht das freie Marktsystem oder Money sind das Problem. Es ist die Software im Kopf der Menschen, das eigene Ordnungs-prinzip, das fehlt oder fehlerhaft ist. Gerade ein sinnvolles freies Wirtschaften – das sich auch nicht in einer Gesetzesbürokratie selbst erstickt, diese oft in Sinnlosigkeit verkehrt – verlangt im wahrsten Sinne des Wortes Verant-wort-ung des Einzelnen. Mit Buchstaben allein kann das nicht bewegt werden. Doch sich am Selbst, wie am Nächten und so im Sinne der schöpferischen Ordnung zu orientieren, war bereits in der Antike nicht nur stoische Weisheit, sondern als vom Logos Gottes gegebene schöpferische übergeordnete Ordnungs-Pinzip menschlichen Gelingens gesehen worden..

 

Und ich erinnere mich an einen schwergewichtigen Politiker der großen christlichen Partei, der aussprach was alle Welt denkt: dass Nächstenliebe kein Rezept für die wirtschaftlichen Regeln sei. Dabei wäre gerade hier diese m.E. logische Grundregel für das Gesamtgelingen mehr als „wirtschaftlich“. Doch um eine schöpferische Gesamt-Vernunft kann es leider heute nicht gehen. Es würde zu weit führen, hier nachweisen zu wollen, dass die freie Wirtschaft sich mit dem langsamen Verfall der übergeordneter Wert (Der Moralphilosoph und begründer freier Marktwirtschaft sprach von einer unsichtbaren Hand.) sich auf lange Frist selbst zerstört. Pure Egomanie dient weder Verbraucher, der Umwelt, den Unernehmen noch der künftigen Konjunktur und der Zukunft unserer Kinder, sich somit auch nicht selbst.

 

Ich bin gewiss: Weder aus neuen staatlichen noch aus alten Gesetzen und Traditionen, sondern aus Erfahrungen und logischer Erkenntnis für ein weltwirtschaftliches ökonomisch und ökologisches Gelingen – in dem dann die Umsetzung des Schöpfungswerkes gesehen wird – ergibt sich die wirtschaftliche Handlungsnorm der Zukunft. Wer allerdings die Norm weiterhin nur aus Büchern ableiten will, für den muss es völlig verrückt sein im welt-ökonomisch und –ökologischen Gelingen eine Erfüllung des Gotteswortes vermuten zu wollen.

 

Die Natur allein kann weder im wirtschaftlichen, noch im  gesellschaftlichen, politischen oder persönlich-privaten Bereich das Maß der Dinge sein. Und dass das Buch des Glaubens als alle Lebensbereiche bestimmende Sinn- und Normgebung nicht mehr wahrgenommen wird, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Auch die pure Tradition, das Bewahren bisheriger Verhaltensweisen, unabhängig von ihrem biblischen Bezug, trägt längst nicht mehr. Nicht nur die Un-wirtschaft heutiger Lebensweise ist Beweis.

 

6.3. Aufgabe der Theologie wäre es, die schöpferische Logik neu zur Welt zu bringen

 

Noch weniger hilft es daher, die Bibel zum Mythos zu erklären, auf  eine Stufe mit mystischen Lehren und geheimer Esoterik zu stellen, denn dann nimmt sie und ihre Verhaltensnorm gleich gar keiner mehr ernst. Vielmehr verhindert auch hier die Buchstäblichkeit bzw. Gesetzlichkeit, dass der hinter allen biblischen Gesetzen stehende Sinn erkannt und so in sinnhafter Anwendung zur umfassenden Lebensnorm wird. In heutiger Lehre erscheint es unmöglich, begreiflich zu machen, dass hinter christlicher Nächstenliebe mehr steht als eine alt-überkommene Lehre, die ein Reformjude nur etwas aufgefrischt und zur universellen Vorschrift erklärt wurde.  Eine kosmische Norm und menschliche Bestimmung, die durch das antike-universelle Wiederverständnis des hebräischen Schöpfungswortes als allgemeingültig erkannt wurde, kann bei heutiger Lehre vom Wort Gottes weder nachvollzogen, noch vermittelt werden.

 

Auch, dass hinter den Geboten, die Moses den Menschen vom Berg brachte, die gleiche schöpferische Vernunft steht, wie hinter den neutestamentlichen Normen und  warum die griechisch-philosophische Normeninstanz des Logos erst im Rahmen der christlichen Religion menschlich zu verwirklichen war, lässt sich erst begreifen, wenn wir diesen neu verstehen. Solange Buchstaben regieren, uns Bestimmung geben sollen, aber nicht mehr ernst genommen werden, bleibt nur die Trauer um verlorene Werte.

 

Statt das schöpferische Wort zu verstehen, sich als mit-wirkender Teil des Weltganzen und Werkzeug eines schöpferischen Universums zu sehen, können Intellektuelle dann nur darüber spekulieren, ob nicht schon die Sehnsucht nach Sinn subtil, kindlich und überkommen ist.

 

Warum könnte es nicht zur Aufgabe der Theologie werden, den Menschen im bewussten Zustand das zu vermittelt, was sie in einer Meditation erfahren sollen, ihnen klar zu machen, welche Aufgabe ihnen im kosmischen Gesamtwerk zukommt? Sind es daher nicht auch hier die leer gewordenen Buchstaben, die die Menschen Wert(e)los machen und gleichzeitig verhindern, dass die Menschen neu Be-stimmung erfahren?

 

 

Zum Schluss:

 

Neu nach den Wurzeln des christlichen Glaubens zu fragen wäre die Aufgabe der christlichen Theologie. Und genau dazu wird die auch die Bibel benötigt, wäre in neuem Sinne nach der „wörtlichen“ Bedeutung der biblischen Texte zu fragen. Die neue Sicht des Gottessohnes, die nur durch den Bezug zur biblischen Überlieferung möglich ist, löst auch die alten Gesetze nicht auf, sondern lässt ihren Sinn wie die geschichtliche Wahrheit der Heilsgeschichten erkennen. Eine tiefgehende theologische Deutung des Neuen Testamentes sollte den Auftrag liefern, neu das Wort Gottes in allem Werden verstehen zu wollen, statt dessen Sichtweise weiter zu verhindern.

 

Auch die persönliche Beziehung zu Gott, die personale Anbetung und die gesamten Riten und Kulthandlungen, die aus neuer Perspetive als geistesnotwendig/logisch nachzuweisen wären und uns bereits durch das Neue Testament vermittelt wurden, können durch den Neuverstand der alten Texte wie des lebendigen Wortes für die Menschen von heute zur Realität werden.

 

Das Rad der Geschichte kann nicht zurückgedreht werden. Der Gottessohn/die kreative Vernunft, die allen geistigen Fortschritt, alles Wissen bewirkt hat, lässt sich auch von der Buchstäblichkeit nicht abtreiben. So wie es vor 2000 Jahren geistes-logisch war und somit im Sinne Gottes war, den Logos allen Lebens Mensch werden zu lassen, würde es m.E. heutiger Geistes-Logik – somit dem Wort Gottes ent-sprechen, hinter der menschlichen Gestalt Jesus wieder die alles Werden bestimmende Weltvernunft als Software aller sichtbaren Natur und menschlichen Geschichte neu zu verstehen.

 

Mir ist bewusst, dass es ein scheinbar unmögliches Unterfangen ist, eine Theologie, die sich bisher allein auf das begründete, was ich als Feind des lebendigen Wortes versucht habe zu belegen, zum Weiterdenken zu bewegen. Es erscheint völlig aussichtslos, an festgefahrenen Hypothesen und allgemein akzeptierten Vorstellungen wackeln zu wollen.

 

Doch können wir mit dem, was wir besitzen und behalten wollen, derzeit wirklich noch etwas bewirken? Können alte Geschichten und Mythen den Menschen noch Gott vermitteln, Sinn und Werte geben?

 

Hier ging es nicht darum, jemand zum neuen Glauben zu überreden. Denn genau diese Zeit ist „Gott sei Dank“ vorbei. Doch ein ernstzunehmender Anstoß zu neuem Nachdenken, Fragen und eigenständig aufgeklärtem Hören kann nur von theologischer Autorität ausgehen.

 

 

7. Schlussgebet:

 

Auch wenn in dem oben beschrieben Sinne Gott nicht angerufen werden kann, um jetzt gegen seine Natur Regen zu schicken, somit seinem eigenen Wort zu widersprechen, so kann die Logik des Gebetes begriffen werden. Um mit der Ordnung Gottes Eins zu werden, seine Vernunft auf menschliche Weise umzusetzen ist unser Geist auf das Gebet und die personale Ansprache Gottes angewiesen. Nicht erst wenn der Rhetorik-Professor erklärt, warum wir vor dem Schlafengehen ein gutes Gedicht aufsagen sollen oder wenn die Logik eines Mantras im Geschehen unserer Psyche klar gemacht wird, kann dies deutlich werden. Denn weit mehr als das Denken großer menschlicher Geister nachzusprechen oder sich  weltliche Slogans einzuverleiben, scheint es zur Natur des Menschen zu gehören, sich nicht einen persönlichen Gott einzureden, sondern auf den Geist, die Vernunft  bzw. das Wort des Schöpfers einzuschwören. Nur so wird es uns gelingen nach seine Vernunft zu leben und zu wachsen.

 

Lieber Gott,

 

der Du in Deiner unendlichen Güte durch Dein ewiges Wort die gesamte natürliche Ordnung unseres Kosmos hervorgebracht hast, der eine Evolution folgt, die wir seit dem angenommenen Urknall beobachten können und die allen Wandel bewirkt uns weiter wachsen und werden lässt...

 

Hilf, dass Deine irdischen Diener an den theologischen Hochschulen nicht weiterhin nur auf Buchstaben deuten, sondern dazu beitragen, damit von Dir mündig gemachte Menschen von Morgen Dein Wort in neuer Weise in aller Natur und Logik hören und Verstehen.

 

Hilf, dass die Menschen Deinen Sohn in heute möglicher Weise sehen, Deine schöpferische Vernunft zu ihrer Bestimmung machen und dein Wort in menschliche Vernunft zum Maßstab unsers Alltages wird.

 

Hilf, dass durch ein fachgerechtes Fragen nach dem wahren Grund christlichen Glaubens den Weg frei gemachacht werden kann, damit...

 

... die Menschen auf mündige Weise Dein Wort verstehen können

... in neuer Weise über dessen Bedeutung für unser Dasein nachgedacht wird

... die theologischen Bedeutungsinhalte der Bibel nicht weiter be-deutungslos bleiben

... das Wesen des christlichen Glaubens nicht nur als ein Mythos gesehen werden muss

... hinter dem Menschen Jesus das alle Werden bestimmende Gotteswort verstanden wird

... das im Kosmos lebendige Wort zum Thema christlicher Theologie wird

... modernen Atheisten wie Altgläubigen des gemeinsame Wort vermittelbar ist

... in der Software aller natürlicher Selbstorganisation Dein offenbarender Sohn gesehen wird

... der Grund der verschiedenen Glaubensformen wieder zu entdecken ist

... ein neues christliches Selbstverständnis auch andere Religionen nachdenken lässt

... sich die Menschen nicht weiter in flüchtige Erfüllung von Mystik oder Mythos flüchten

... Religiösität von Esoterik befreit und die ihr zugrunde liegende Vernunft offenbar wird

... menschlicher Verstand nicht weiter gegen Dich spricht, sondern Dich versteht

... ein gemeinsames Verständnis Deines den Kosmos bestimmenden Wortes entstehen kann

... Deine „Güte“ bzw. sinnvolle Schöpfungskraft in verschiedenen Kultformen verehrt wird

... in aufgeklärter Weise, aber einfache und persönliche Dein Name angerufen wird

... Geist und Gefühl gebraucht werden, um sich ganzheitlich für Deine Vernunft zu begeistern

... die alten Glaubensformen und Riten in bewusster Form weitergeführt werden

... weder nur menschliche Ideologien noch rein philosophische Systeme gesehen werden

... in Deinem Sohn der allem politischen Handeln voranzustellende Sinn zu sehen ist

... die Menschen eine neue schöpferische Bestimmung erfahren

... Glaube nicht weiter gegen ein vernünftiges Zusammenleben und Wachsen spricht

... ein geistiger Wandel des theologischen Weltbildes auch eine neue Lebensweise bewirkt

... einer höhere Vernunft auf menschliche Weise auf den Alltag übertragen wird

... die Menschen von Morgen so zu einem von Deiner Vernunft geleiteten Miteinander finden

... beim Leben nach Deiner schöpferischen Logik die Menschen wahre Lust empfinden

... die Zukunft unserer Gesellschaft wahrhaft ökonomisch und ökologisch gestaltet wird...

 

 

Juli 2003

 

„Bösartige“  Nach-denk-lichlichkeit:

 

Die heutigen Theologen haben Glück. Ein Denken über Gott im Rahmen des Wissens, wie es in der Antike theologische Tagesordnung war, erübrigt sich. Nachdem heute das Wort Gottes nur in Buchstaben existiert, brauchen  sich Theologen nicht mit naturphilosophischen Fragen oder der logischen Begründung der Glaubenslehren in Geisteswissenschaften und der Belegung einer Notwendigkeit des Glaubens für unsere Gesellschaft abzuquälen. Wo das zum christlichen Glauben führende Geschichtsgeschehen nur eine Frage persönlicher Glaubensvorstellungen bleibt, muss nicht darüber nach-gedacht werden, wie im Wissen der heutigen Welt das Wort Gottes wieder deutlich werden kann.

 

Wo der Logos Gottes als reine Lehre gesehen wird, das Schöpferwort nicht vorkommt, scheint es zu genügen, im Erzählen alter Mythen den individuellen Empfindungen freien Lauf lassen. Es reicht aus dem Buch vorzulesen, von den Menschen Nächstenliebe bzw. gegenseitiges Vorleben zu verlangen. Der Oma wird sonntags der Seelenfriede gegeben. Es werden karitative Einrichtungen gepflegt und Kindergärten gebaut, damit die Kirche noch eine Begründung hat und die Presbyter beschäftigt sind. Zwar hat die sinnentleerte Gesellschaft das Kinderkriegen langsam aufgegeben, sehen die Menschen auch keinen Sinn mehr, Nachwuchs in eine Welt zu setzten, die sich selbst die Zukunft nimmt. Doch dafür ist man nicht verantwortlich. Das sei ein Problem der Politik, sagen die Geistlichen, die die Verantwortung für den Geist der Gesellschaft abgegeben haben. Ihre Aufgabe ist nicht das Denken. Denn von der Vernunft soll ja angeblich der Abfall vom Glaube ausgegangen sein. Daher behauptet das durch die Buchstäblichkeit kurz geschlossene Denken heutiger Lehre, dass Glaube nur jenseits von Vernunft stattfindet.

 

Eine übergeordnete kosmische Vernunft kommt in der Realität christlicher Religion nicht vor. Der himmlische Logos, der nicht nur in aller Astronomie laut zu uns spricht, sondern in allem Wissen wahrzunehmen wäre, ist angeblich nur eine mythologische Lehre, mit der ein junger Jude mit besondere „Nahtodeserfahrungen“ betitelt bzw. ein Religionsgründer theologisiert wurde. Eine Theologie, wie man sie in den Bedeutungsinhalten des Neuen Testamentes herausarbeitet, hätte dann nicht wirklich stattgefunden. So kann man auch heute auf die Lehre der Buchstaben beschränken.

 

 Nachdem dies bereits beim ersten Semester klar wurde, braucht man sich im weiteren Studium um einen realen Grund unserer Religion keine weiten Gedanken zu machen. Würde man doch damit den gesamten Lehrern widersprechen wollen.  Daher genügt das sonntägliche Predigen und das Anprangern von gesellschaftlichen Missständen als christliche Lehre. Man braucht sich allenfalls als eine Art „Partei der Nächstenliebe“ zu verstehen. Für die geistige Befähigung der Menschen, die alten Gesetze – wie auch die neu als sinnvoll erkannten Normen - einzuhalten, durch ein vom lebendigen Sohn ausgehendes neues Bewusstsein des gemeinen Vaters vernünftig zu leben, schöpferische (wirtschaftliche bzw. gesamtökonomische) Gemeinwesen zu bilden und sich im Sinne einer ökologischen Ordnung zu verhalten, fehlt den Vertretern des Gesetzwortes das Verantwortungsbewusstsein.

 

Aufgabe heutiger Theologie ist scheinbar nicht das Schöpfungswort in der menschlichen Lebensweise zu verwirklichen, sondern nur von alten Buchstaben zu berichten, diese zu bewahren. 

 

Fasst man das heutige Hochschulverständnis vom historischen Jesus und Christus verkürzt und kritisch zusammen, dann  braucht man doch nur abzuwarten, bis irgendein Mensch wieder eine persönliche “Nahtodeserfahrung“ hat. Dieser braucht dann anschließend nur  mythologisiert und durch alte Texte aufgemotzt zu werden, um ihn so als das den wahren Gott offenbarende Gotteswort erklären zu können.

 

Man entschuldige meine Bösartigkeit, durch die ich versuche die Probleme zusammenzufassen. Doch die Wahrheit der alten Mythen gibt mir Hoffnung, dass wir heute die m.E. bösartige Buchstäblichkeit die das logische Denken ausschließt überwinden können und so den Logos neu als Sohn Gottes sehen.

 

Nur durch ein neues „Nachdenken“ bzw. ein denkenden Nachvollziehen des antiken Denkens, das zum Neuen Testament geführt hat, lassen sich die Widersprüche unseres heutigen Denkens auflösen. Nur so kann das Wort Gottes wiederverstanden werden.  Auch warum über den alten Mythos nachgedacht werden muss, warum Theologie für unsere Gesellschaft not-wendig wäre und welche weltliche Realität und schöpferische Logik sich dahinter verbirgt, kann so den Menschen klar werden.

 

Wen zeichnet z.B. der Mythos als Gegner des Schöpfergottes? Wer verbirgt sich hinter den mystisch-dunklen Wesen mit dem langen Schwanz und den Hörnern? Sind es nicht die einstigen Gottesboten, die vom Glaube abgefallen jetzt im Finsteren ihr Unwesen treiben?

Sollte sich auch hier der Mythos  in einer geistesgeschichtlichen Realität begründen lassen?

 

Doch das Neue Testament verspricht Hoffnung. Dass ich den historischen Jesus nicht für einen Exorzisten halte, der wie ein hinterbayrischer Geistlicher an meist weiblichen Gemeindegliedern Teufelsaustreibung betrieben hat, ist hoffentlich verständlich geworden. Doch genau deswegen bin ich fest davon überzeugt, dass die vor 2000 Jahren von ihm bzw. seiner Wahrnehmung ausgehende Dämonenaustreibung wieder kurz bevorsteht.