Hoffnung auf
eine Wahrnehmung Jesus mit heutigen Augen
Die
Ausführungen eines theologischen Oberrates von der Uni Tübingen – dessen Denken
das gegenwärtige Jesusverständnis wiederspiegeln - werden hier als Beispiel
aufgegriffen, um dazulegen, wie die moderne christliche Theologie in
persönlichen Aberglaube oder Atheismus führt. Gleichzeitig ein weiterer Aufruf
zur vernünftigen Wahrnehmung des in allem natürlichen Werden erkennbaren
schöpferischen Wortes in Menschengestalt als biblischen bzw. historischen und
gleichzeitig heute lebendigen Jesus: Wesen des antiken und heute in neuem
Verstand zu erneuernden christlichen Glaubens.
1.
Die Veranstaltung
Ein
Vortrag von Dr. Meinrad Limbeck über „Das Leben Jesus mit gegenwärtigen Augen“, bei der nach dem
Markusevangelium der historische Jesus als ein junger Jude erklärt wurde, der
persönliche Erscheinungen in der Art von „Nahtodeserfahrungen“ hatte, einige
Anhänger um sich scharte, selbst kein Heilsbringer sein wollte, sich nicht als
Gottessohn sah....sondern nur ein Mensch war, der gemeinsam mit seinen Freunden
und Freundinnen durch eine liebevolle Lebensgemeinschaft, eine vorbildliche
Lebensweise das Reich Gottes verwirklichen wollte.
Die
sich daraus, wie aus aller heutigen
Kirchenlehre – die trotz aller neuer Erkenntnisse eisern an er
bisherigen Hypothese vom einfachen historischen jungen Juden festhält -
ergebende notwendige Konsequenz: Erst nach seinem Tod wurde dieser Wanderprediger
zum Idol des theologischen Gebilde eines Glaubenschristus gemacht, den heute
jeder ganz persönlich auf seine beliebige Weise wahrnimmt.
Wenn
zutrifft, wie der Religionswissenschaftler versucht die Wandlungen des jungen
Juden zu erklären, dass im Zustand einer Bewusstlosigkeit vor dem endgültigen
Tod neue Dimensionen wahrgenommen werden, die über das Bisherige hinausgehen,
dann müsste eigentlich Hoffnung für die christliche Theologie bestehen. Denn
bedeutungsloser, bewusstloser wie heute der historische Grund unseres
christlichen Glaubens theologisch gesehen wird, kann er nicht mehr werden. Der
nächste Schritt wäre der endgültige Tod. Und aus dieser „Nahtodeserfahrung“
besteht Hoffnung auf ein neues Bewusstsein des christlichen Glaubensgrundes.
2.
Der Ort
Das
ökumenische Bildungszentrum Mannheim, das begeleitend zur I.N.R.I.-Ausstellung
der „renommiertesten Fotografin Frankreichs“ Bettina Rheims zu verschiedenen
Veranstaltungen über die heutige Sichtweise des historischen Jesus eingeladen
hatte. Gemeinsam mit dem Philosophen Serge Bramly hat die Künstlerin einen
Fotozyklus herausgegeben, von dem einige großformatige Werke, als das Herzstück
der Sammlung zu sehen sind.
3.
Die Bilder (ihre Bedeutung, ihre
Probleme)
Großformatige
Fotos zeigen den historischen Jesus, wie er im Grund von der heutigen Theologie
gesehen wird, auch wenn ihn viele Hochschullehrer in völlig anderer Form
abbilden würden. Zu sehen sind eindruckvolle und mit viel Gefühl gestaltete
Fotografien meist junger moderner Menschen. Der auch im Vortrag des Tübinger Theologen
vorgestellte junge Jude wird in der Ausstellung auf sehr kunstvolle Weise in
die heutige Zeit übertragen. Szenen des Neuen Testamentes werden auf moderne
und oftmals provozierende – bei vielen Betrachtern Entsetzen hervorrufende -
Weise ins Heute transportiert. Auf anspruchsvolle und ästhetische Weise werden
dabei meist junge Menschen gezeigt, die gegen Lebensumstände ihrer Zeit
rebellieren.
Doch
nicht das im ausliegenden Bildband aus der Brust einer bildschönen Darstellerin
einer biblischen Frauengestalt tropfende Blut ist es, was mich beeindruckt.
(Die für die Ausstellung ausgewählten Bilder sind eh etwas zahmer.
Verständlicherweise sind weit weniger Busen und provokanten Darstellungen
ausgestellt, als im Bildband gezeigt.) Vielmehr zeigen die Bilder was bleibt,
wenn wir den historischen Jesus mit den Scheuklappen heutiger Lehre betrachten,
die sich wie blind für alle neuen Erkenntnisse über die geistigen Gegebenheiten
der damaligen Geschichtsepoche auf die das gesamte Denken bestimmende und so
jedes weiterführende Überlegen verhindernde Hypothese vom einfachen Menschen
eingeschworen hat.
So
ist auch in der I.N.R.I.-Ausstellung nichts vom Sohn/Wort des monotheistischen
und personalen Gottes, dem einsichtigen Grund eines neuen Glaubens und somit
vom wahren König der Juden zu sehen, sondern werden nur junge Menschen gezeigt,
denen man durchaus abnimmt, dass sie sich mit den Problemen der Welt
auseinander setzen. Doch eine Lösung für diese Probleme sehe ich nicht, kann
durch die hier gezeigte menschlichen Gestalten nicht gegeben werden.
Durch
die künstlerische Gestaltung werden persönliche Gefühle angesprochen. Doch von
einem neuen lebendigen Offenbarer, einem über das Gesetz hinaus
fortgeschrittenen Glauben ist nichts zu sehen. Gar von einer Gestalt zu
sprechen, durch die laut christlicher Lehre Sündenvergebung sein soll, die als
Wort, Weg, Wahrheit zu umschreiben wäre...fehlt jede Spur. (Aber das wird,
wie sich in der Diskussion später herausstellt, eh nur als unwirkliche
johannäische Einfärbung betrachtet, die uns bei der Frage nach der
geschichtlichen Realität nicht weiter zu interessieren hätte und allenfalls von
einem Außenseiter wie dem Heidelberger Prof. Berger an den Beginn gestellt
würde. Ob ich nicht wüsste, dass Berger mit seiner Johannesthese völlig allein
stünde, wird in der kurzen Aussprache jedes neue Nachdenken abgewürgt. Was soll
auch das laienhafte Gefasel von einem Logos der Mensch werden musste. Ein
gutherziger junger Wilder – ähnlich wie auf den Bildern - wird weiterhin an den
Anfang gestellt.) Doch soll das, was hier zu sehen ist, aus heutigem
Verständnis junge Rebellen abbildet, der historische gesehen einzige geistige
Grund unseres Glaubens sein? Gab es wirklich sonst keinen neuen Geist?
Religiöse
Menschen, junge Rebellen, die sehr stilvoll in Szene gesetzt wurden, daneben
reine Kunstbilder von hoher Ästhetik, ist das alles? Soll davon heute eine
Offenbarung ausgehen? Wie können wir allen Ernstes annehmen, dass damals
griechisch-jüdisch denkende Bildungsbürger angenommen haben, dieser junge Jude
wäre der Heilsbringer gewesen und hätten ihn daher verherrlicht und zum Messias
erhoben oder in ihm gar den per Gesetz bekannten jüdisch-transzendenten Gott
abbilden wollen?
Im ausliegenden Bildband über den Fotozyklus ist zu
lesen, dass man vor 2000 Jahren trotz des Bilderverbotes das göttliche Wesen
abgebildet habe. Auch wenn Jesusbilder erst viel später entstanden, so wird von
mir bereits die biblische Beschreibung – die Buchstabengeschichte - als eine
Art Abbildung verstanden. Und genau hier scheint das Problem zu liegen, das bis
zur völligen Bewusst- und Belanglosigkeit unser heutiges Verständnis vom
historischen Jesus heranreicht. Denn während in der geschichtlichen Realität
unserer Religion auf sehr sinnvolle Weise, weder nur ein Mensch, noch Gott
selbst, sondern das schöpferische Wort, der Sohn Gottes als Mensch zum Ausdruck
gebracht wurde, wird heute von einem historischen Menschen ausgegangen, den
seine Anhänger erhöht hätten. Daneben soll dann später ein Glaubenschristus
gesetzt worden sein, der heute mehr denn je nur noch mit Gott identisch gesehen
wird, an den man dann einfach glauben muss, weil’s Menschen – zu denen innere
Stimmen oder alte Texte gesprochen haben - so sagen. Auch hier fehlt vom
offenbarenden, zu verstehenden universalen Wort als dem lebendigen,
eigentlichen Glaubensgrund jede Spur. Die Abbildungen haben uns scheinbar blind
gemacht für das schöpferische Wort als eigentliches Wesen.
Während die antiken Künstler nicht Gott selbst, sondern den für sie sichtbaren und realen, alles kosmisch-natürliche Werden bewirkende Offenbarungsgrund, die göttliche Weisheit, das Wort, griechisch den Logos (heute würden wir eher von einer aller sichtbaren Natur zugrund liegenden schöpferischen Vernunft sprechen) in der uns bekannten Menschengestalt abbildeten, sehen wir heute nur noch einen jungen Juden, der durch besondere persönliche Erlebnisse zu einer vorbildlichen Lebensweise bewegt wurde und bewegen wollte. Soll das wirklich alles sein?
Während heute nicht nur die den biblischen Bildern zugrunde liegende Logik (bzw. die Sinnhaftigkeit der bildhaften personifizierten Vermittlung des Logos/Gottessohnes) zu erklären wäre, sondern auch die aller natürlichen Schöpfung zugrunde liegende Vernunft, der nach wie vor lebendige göttliche Logos selbst/die in aller Natur und allem geistigen Werden zum Ausdruck kommende Weisheit/das Wort Gottes verstanden werden könnte, wird m.E. das historische und heute neu erkennbare Wesen des christlichen Glaubens bis zur völligen Belanglosigkeit verstümmelt.
Der, von dem Bilder handeln, dessen Lebensgeschichte im Neuen Testament nachzulesen ist, kann so nicht mehr vorkommen. Ein banaler Mensch ist an die Stelle der schöpferischen Vernunft getreten, die nicht mehr verstanden wird. Gleichwohl der Logos in allen theologischen Abhandlungen als der Antike Ausgangspunkt des neuen Bundes nachgewiesen wird, alle christlichen Bedeutungsinhalte auf ihn bauen – nachweisbar wäre, wie von seiner historischen Menschwerdung Offenbarung, Erlösung, Vergebung... ausgingen und neue Erfüllung wäre - und alle frühchristliche Diskussionen sich mit seinem Wesen auseinandersetzen, wird ein halluzinierender Wanderprediger mit Nahtodeserfahrungen als Wesen des christlichen Glaubens verstanden.
Es
geht bei der von mir verlangten neuen Perspektive des historischen Jesus bzw.
dem daraus erwachsenen völlig neuen christlichen Selbstverständnis keineswegs
darum, die im Bilderzyklus zu sehenden modernen Darstellungen zu verneinen oder
gar die altbekannten gefühlvollen Krippen- und Kreuzigungsbilder gegen
philosophische Gebilde oder gar persönlich-beliebige Betrachtungen
auszutauschen, sondern im Gegenteil: Die Bedeutung der bisherigen Bilder wird
erst richtig bewusst, wenn wir bei der gegenwärtiger Betrachtung des Leben
Jesus das in allem natürlichen evolutionären Werden lebendige Wort mitlesen.
Was spricht dagegen, die blühenden Landschaft als Ausdruck des Logos zu
beachten, in der Gottes Schöpfungswort sich in besonderer Weise
ver“wirk“-licht, die „Tat“-sache Gottes zu sehen ist.
Wenn
wir den Sonnenaufgang als natürliches tägliches Wunderwerk und ebenso die in
modernen biologischen Beschreibungen
deutlich werdende, oft unseren Verstand überschreitende höhere Vernunft als
ewiges Wirken, Tat des schöpferischen Wortes wahrnehmen, dem wir auch alle
evolutionäre, sich ewig weiterntwickelnde Erkenntnis verdanken, können wir
verstehen, um was es den Verfassern der biblischen Berichte geht, warum durch
Jesus all dies verwirklicht wurde, was in den christlichen Dogmen behauptet und
in den Bildern beschrieben ist.
Doch
solange die „gegenwärtigen Augen“ unserer Amtstheologen nur nach einem jungen
Juden Ausschau halten, dessen Anhänger irgendwelche Halluzinationen hatten, muss die Dimension des im gesamten Denkens
der Antike als lebendiges Wesen verstandenen schöpferische Gotteswortes und
dessen Bedeutung als vernünftig offenbarende Größe das ganz persönliche
Hirngespinst eines Einzelgängers bleiben. Die Banalisierung der Bilder stehet
dem Begreifen der eigentlichen Begründung im Wege.
Doch
den historischen Jesus heute mit offenen „gegenwärtigen Augen“ zu betrachten,
hieße m.E., die Gaben zu benutzen, die uns Gott durch all unser Wissen, unseren
Verstand und unserer Gefühl mit auf den Weg gegeben hat, um die Gegenwart
seines Sohnes – somit seine Wirk-lichkeit/Tat-sache - in allem wissenschaftlich
nachweisbaren natürlichen Werden, aller biologischen wie geistigen
Weiterentwicklung zu erkennen.
Wenn
ich in den Bilderzyklus über das Leben Jesus zahlreiche Bilder von Denkern
einreihen würde, die die Entwicklung unserer Geistesgeschichte oder der
Naturwissenschaft verkörpern, ebenso aber auch die konservativen Bewahrer der
alten Bilder, dann wäre das nur zeitgemäße Ausformungen seiner Jünger. Denn zur
Lebenslogik bzw. dem schöpferischen Wort Gottes gehören alle Seiten, nur in der
Dialektik liegt die Entwicklung. Selbst die Banalität, mit der m.E. heute in
himmelschreiender Weise der historische Jesus betrachtet wird, scheint dem
schöpferischen Wort zu entsprechen, muss sein.
Es
entspricht schöpferischer Vernunft, ist als sinnvoller Weg kreativer Erkenntnis
zu erklären, die alten Bilder zu bewahren, auf ihnen weiterzubauen. Auch wenn
das, was den Gottessohn m.E. ausmacht, heute beispielsweise im Tao besser
beschrieben wird, als in westlicher Theologie, will ich keineswegs Jesusbilder
gegen das Tao austauschen. Über den Abbildungen der Natur, in denen kosmische
Kreativität oder planetare Ordnung nach universaler göttlicher Gesetzlichkeit
zum Ausdruck kommt, steht weiterhin eine menschliche Gestalt als Grundlage des
Glaubens. Denn von ihr gingen vor 2000 Jahren die Wunder aus, ihr Lebensweg und
Leiden wurde beschrieben. Gott bewahre mich, die alten, die Menschen bewegenden
und verstandenen Bilder gegen physikalische Gleichungen, Modelle des Gen
Alphabetes, beeindruckende Darstellungen der Chaostheoretiker oder sonstige
Modellbilder natürlich wirkender kreativer Schöpfungskraft auszutauschen, wie
sie in den Büchern der modernen Naturwissenschaftler zu finden sind, die nach
übergeordneten Gesetzmäßigkeiten suchen. Auch wenn ich hierin weit zeitgemäße
Darstellungen des Gotteswortes/Logos, letztlich Jesusbilder sehe, als in der
INRI-Ausstellung, so bleibt diese nicht nur bedeutend, sondern gewinnt an
Bedeutung. Denn erst die alten Bilder mit neuem Inhalt werden die Menschen
wirklich bewegen.
Doch
wenn ein neues Bewusstsein des INRI notwendig ist, können gegenwärtige
Betrachtungen des historischen Jesus nicht weiterhin blind für das sein, was
das Antike Denken nachweislich bewegte.
..................................................
Solange
die Bilder nicht beachtet werden, in denen heute das zu sehen ist, was in der
Antike als Gotteswort, göttlicher Logos oder Weisheit verstanden wurde, bleibt
christlicher Glaube bewusstlos. Die Folgen des aus einem völlig beliebig und
persönlichen, allenfalls auf längst manipulierten alten Dogmen bauenden
Aberglaube sind täglich in den Fernsehbildern zu sehen, wenn im Namen Gottes
gebombt und gemordet, Glaube für politische Zwecke missbraucht wird. Denn noch
schlimmer als Atheismus, der Glaube nur ablehnt oder ihn manipulierend benutzt,
erscheint mir ein Aberglaube, der das hervorbringt, was heute im Namen des
Glaubens geschieht und gleichzeitig ein geistiges Wachsen verhindert.
Wer
wie ich davon ausgeht, dass ein vernünftiger Glaube (die vernünftige
Wahrnehmung einer schöpferischen Vernunft) die Voraussetzung für ein
vernünftiges/schöpferisches (wahrhaft ökonomisch wie ökologisches) Miteinander
der Menschen in einer Weltgesellschaft von morgen ist, der muss
konsequenterweise die heutige Kirchenleere für vieles verantwortlich machen,
was an Unsinn auf der Welt passiert.
Brüderlichkeit
und Weltethos, im höheren Sinne vernünftige Lebensweisen, sind m.E. weder nur
durch menschliches Vorleben zu erhalten noch allein durch Predigten bzw.
Vor-schriften (weder alte noch neue Gesetzlichkeiten), sondern durch ein
lebendiges Verständnis des einen Schöpfervaters, wie er im ewigen Sohn, der
allem Werden zugrunde liegenden Vernunft heute neu zu verstehen wäre.
Ein
neues Verständnis vom eigentlichen Grund christlichen Glaubens halte ich daher
für einen Meilenstein, von dem ein Big Bang unseres Bewusstseins ausgehen
könnte. Nicht unsere Erkenntnis ist es, die dies vollbringt. Wir fahren nur die
Ernte ein von dem, was am Beginn unserer Zeitrechnung aus altem Samen neu gesät
wurde und 2000 Jahre gewachsen ist
An
den Leiter des ökumenischen Bildungszentrums Mannheim
wie
an alle, die bereit sind, sich der dort in Ausstellung und Veranstaltungen
gestellte Frage „wie sich Jesus heute darstellen und erkennen lässt“ offen zu
stellen.
Sehr
geehrter Herr Leineweber,
entschuldigen
Sie bitte meine wieder viel zu langen Ausführungen und meine Anmaßungen, der
heutigen Theologie Aberglaube vorzuwerfen, wie dies auch bei meinen
Anschuldigungen in der kurzen Diskussion im Anschluss an die Ausführungen von
Dr. Limbeck herauszuhören war.
Doch
wie soll ich meine Aufregung verständlich machen, meine Anschuldigungen
begründen, die mir beim Vortrag durch den Kopf und ich sie in zum Teil geäußert
habe?
Was
spricht gegen meine Sicht des historischen Jesus?
Wenn,
wie Sie in Ihrem Ankündigungstext schreiben, jede Epoche ihr eigenes Jesusbild
haben muss, warum müssen wir dann den historischen Grund unseres Glaubens heute
bis zur völligen Banalität herabwürdigen, um ihn glaubhaft zu machen? Was
spricht gegen meinen Weg, das lebendige Wort Gottes und somit auch die
biblischen Texte auf neue Weise zu verstehen, ihre Logik wahrzunehmen?
Mir
wird bei meiner Argumentation immer wieder schnell der Vorwurf gemacht, ich
würde von der Bibel abweichen, gar das dort geschriebene verneine. Doch ist
nicht genau das Gegenteil der Fall? In all meiner Argumentation versuche ich
mich genau an das zu halten, was in der Bibel beschrieben ist, auch wenn ich
diese als grandioses Bild, historische Beschreibung einer heute
nachzuvollziehenden höheren geistigen Wirklichkeit lese, ein allegorisches
Verständnis verlange, wie es in der Antike theologische Tagesordnung war.
Warum
müssen die Übermalungen, von denen – wie Sie schreiben - das Bild Jesus zu befreien ist, die in den
alten Glaubensdogmen zum Ausdruck gebrachten Bedeutungsinhalte sein? Kann nicht
auch in der Herabwürdigung der Historizität unsers Heilandes auf einen
einfachen Menschen mit Nahtodeshalluzination die eigentliche Übermalung liegen?
Ich
hoffe in meinen Vorbemerkungen verständlich gemacht zu haben, dass es mir
keineswegs um die Verneinung der des menschlichen Wesen Jesus geht, wie Sie mir
mit Hinweis auf das Glaubensbekenntnis unterstellten und weswegen jedes
Nachdenken über meine Sichtweise des geschichtlich lebendigen Gottessohnes im
Keim erstickt wird. Doch heißt es im Glaubensbekenntnis nicht auch, dass dieser
Mensch vom Himmel gekommen ist, der Sohn Gottes durch die unvoreingenommene
Maria als Mensch zur Welt gebracht wurde?
Mit
all meiner Argumentation will ich beweisen, warum Jesus ein menschliches Wesen
war, warum nur dadurch die messianische Wirkung gegeben war, welchen Sinn bis
heute die menschliche Gestalt des Gottessohnes gegenüber philosophischen
Gebilden und kosmischen Gesetzlichkeiten hat. Doch wenn ich die
frühchristlichen Aussagen wirklich ernst nehme, dann muss ich mehr sehen, als
nur einen einfachen Menschen.
Sind
die Verfasser unseres Glaubensbekenntnisses von einem jungen Juden mit
Nahtodeserfahrungen ausgegangen oder war die Auseinandersetzung um das Wesen
Jesus als göttlich und menschlich zugleich die theologische Tagesordnung? Wäre
es nicht höchst anmaßend, davon auszugehen, die Väter unsers Glaubens hätten
nur einen einfachen Menschen vor Augen gehabt, wenn sie damals heftig über das
Wesen unseres Glaubens stritten? Welchen Sinn hätte die ganze, das Geistesleben
der ersten Jahrhunderte bestimmende Diskussion um den Gottessohn, dessen Wesen
und Bedeutung gehabt, wenn die unterschiedlichen Parteien und Verfasser der
verschiedenen Glaubensbekenntnisse – in denen versucht wurde die
Verschiedenheit zu vereinen - nur das gedacht hätten, was in der Ausstellung
bei Ihnen zu sehen ist und im Vortrag über die heutige Sicht zu hören war?
Ja,
ist es nicht völlig paradox, in Jesus nur einen jungen Juden sehen zu wollen,
der – wie die heutige Theologie denkt – später als Wort Gottes verherrlicht
wurde? Verhindern wir so nicht, dass das alles hervorbringende Wort verstanden
wird?
Könnte
es nicht sein, dass im einige Wochen später bei Ihnen stattfindenen
Vortag
des Astrophysikers Prof. Boerner „Kosmologie für Erdenbewohner“ mehr vom Wort
oder Sohn Gottes zu hören war, wie in den Ausführungen über einen
halluzinierenden jungen Juden? Wenn wir Dank moderner Instrumente jetzt 15
Milliarden Jahre eine expansive schöpferische Ordnung im All nachvollziehen
können, wissen wir dann nicht das wirkliche Alter Jesus? Wieso soll seit
Newton, Kopernikus, Galilei oder Hubble Gotteshandeln im Kosmos nicht mehr zu
sehen sein. Gerade die moderne Wissenschaft hat doch den Blick auf das Wort,
eine universelle Logik wieder geöffnet. Sie setzt doch selbst den Logos,
vernünftiges Gotteshandeln ständig in all ihren physikalisch-kosmologischen
Hypothesen voraus. Vieles, was in der Antike metaphysische Spekulation war, im
Mittelalter verloren ging, kann jetzt empirisch nachgewiesen werden. Wieso
können wir nicht gerade erst so in der unser Denken fast übersteigenden Ordnung
in unfassbaren Ausdehnungen über Zeit und Raum nicht den realen Logos Gottes
erfassen, der vor zweitausend Jahren Menschengestalt angenommen hatte? Wieso
kann nicht gerade heute die wissenschaftliche Astronomie - die selbst in all
ihren Hypothesen über schwarze Löcher oder schwarze Materie, ein
logisch-kausales Wirkungsgefüge im kosmischen Geschehen wie selbstverständlich
voraussetzt – nicht als Lautsprecher des Gotteswortes verstanden werden? Wird
nicht weit mehr als in aller Biologie hier das Wunderwerk einer ewigen Vernunft
offenbar, die so selbstverständlich ist, dass wir sie schon gar nicht mehr
sehen? Wenn die Biologie weiter von evolutionärem Zufall spricht, können dann
nicht gerade die Dimensionen der kosmischen Vernunft nachweisen, dass aller nachweislichen
Evolution der Logos Gottes zugrunde liegen muss? Müssen wir nicht mehr noch als
von allen astronomischen Hypothesen, ob z.B. schwarzer Materie oder unfassbaren
Löchern, von der Realität einer Software, einer übergeordneten Vernunft
ausgehen? Verbaut uns der Blick auf einen menschlichen Besserwisser aufgrund
von Nahtodeserfahrungen nicht ein Verständnis, wie es in der Antike
theologische Tagesordnung war?
Liegt
die Logik nicht vielmehr darin, den Logos Gottes (oder weil sonst nur
Schubladen von Begrifflichkeiten gezogen werden: besser allgemein das
schöpferische wirksame Wort/sichtbare Vernunft/Weisheit bezeichnet) an den
Anfang zu stellen, die Einsicht, dass es sich dabei um den Sohn Gottes handelt,
der in personaler Gestalt verstanden werden muss?
Ich
habe Verständnis für die Einwände, die davon ausgehen, dass den Menschen von
heute Jesus nur als ein einfacher Rebell zu vermitteln ist, wie er in Ihrer
Ausstellung gezeigt wird. Mit allen alten Dogmen können die Menschen heute
nichts mehr anfangen. Ihr Kollege hat in der Diskussion klar bekannt, dass alle
weiteren Aussagen für ihn nur irgendwie aufgesetzt sind. Genau das ist das
Bild, das wir uns heute vom historischen Jesus machen, auch wenn die
christliche Rhetorik noch weiterhin vom Christus, vom Gottessohn....spricht.
Doch kann es nicht sein, dass dieses Bild nur von heutiger Lehre geprägt ist,
die ich anmaßend als theologische Kirchleere bezeichne?
„Jedes
Bild ist geprägt von den Fragen, die gestellt werden, sowie von den
Perspektiven der Betrachter“ so Ihr Programmtext. Wer gibt uns aber das Recht,
nur nach einem rebellischen jungen Juden zu fragen, der durch sein
Vorbildverhalten Verbesserungen der Lebensweisen erreichen wollte, wie wir das
im Grunde heute tun? Wieso ist uns der geistige Kontext, aus dem heraus damals
die theologischen Fragen gestellt wurden, eine Fortentwicklung des
Gottesverständnisses entstanden ist so fremd? Warum fällt es so schwer, das
Wissen um das damalige Verständnis vom Wort Gottes auf heute zu übertragen?
Sind
wir in der Banalität unseres Bildverständnisses so tief gefangen, dass es keine
Befreiung gibt?
Oder
liegt es einfach daran, dass uns die Perspektive dessen fehlt, was damals als
Gottes Schöpfungswirklichkeit, Wort, Logos, gedacht wurde? Müssen wir dann nicht
diesen Fehlen eingestehen, statt weiter nur in falschen Dingen nach
historischen Fakten zu fragen?
Müssen
wir nicht versuchen das Bewusstsein von damals zu rekonstruieren, wenn wir über
die Rollen der Frauen und Männer, die Friedfertigkeit und die Forderungen Jesus
zur richtigen Lebensweise hinterfragen?
Wäre
es nicht völlig absurd, von den Menschen ein Befolgen solcher Verhaltensweisen
zu verlangen, wenn dies nur die Forderungen eines Religionsrebellen mit
Nahtodeserlebnissen waren?
„Nach
inzwischen bald 2000 Jahren Jesusverkündigung ist Jesus nämlich bereits in so
vielen Gestalten vermittelt worden, dass sich leicht das Gefühl einer gewissen
Beliebigkeit einstellen kann. Um so wichtiger erscheint es, immer wieder nach
dem zurück zu fragen, was am Anfang gestanden hat, als kritisches Korrektiv für
jeden Zeitgeist“, so endet Ihre Einladung zur Veranstaltung über den
historischen Jesus mit heutigen Augen.
Dürfen
wir es uns weiterhin, trotz allen Wissen, aller neuer Ausgrabungen, die
weisheitlich wirkende Texte aus den Bildungsmetropolen der Antike und
gnostisch-philosophische Lehren immer mehr ins Zentrum des Urchristentums
stellen, das allegorische Verständnis des Alten Testamentes längst zur
Tagesordnung geworden ist, dessen großartige geistige Weisheit wie Nähe zum
Neuen Testament erkannt wird, wo immer mehr völlig vom bisherigen
Banalverständnis abweichende Apokryphen
als gleichwertige Geschichtserfahrung zu betrachten sind, so einfach machen und die Nahtodeserfahrungen
eines jungen Juden an den Anfang stellen?
Mir
ist bewusst, dass ich mit meinem Denken völlig allein stehe, die gesamte
Theologie davon ausgeht, die Christologie wäre eine nachträgliche Erscheinung,
nur nachösterlich zu verstehen. Doch liegt nicht in diesem Nachostern, dem Neu-
bzw. Wiederverstand der Grund des christlichen Glaubens?
Wo
es natürlich nur um den Märtyrertod eines jungen Juden geht, der durch seine
Nahtodeserfahrungen den Mund gegenüber der Obrigkeit zu voll nahm, bleibt auch
die Ostererfahrung eine fromme Halluzination, ist dann nur eine Art
Nahtodeserfahrung der Jünger und Gedankenspielereien späterer Verfasser. Sollen
aber die gesamten christologischen Aussagen am Anfang der Christenheit, alles
was großartige theologische Geister wie Origenes und andere christlichen
Apologeten sowie Kirchväter verfasst haben, nur Halluzinationen oder
propagandistische Verherrlichungsreden auf einen jungen Juden und daneben
persönliche Glaubensvorstellungen gewesen sein, die mit dem historischen Jesus
nichts zu tun haben?
Wer
gibt uns das Recht, alles philosophische Gedankengut, das längst aus diesen
Texten herausgelesen wird, nur als eine spätere Einfärbung zu bezeichnen?
Ich
hoffe verständlich gemacht zu haben, dass ich nicht bei den alten Dogmen stehen
bleiben, sondern diese entsprechend dem Thema der Veranstaltung mit
gegenwärtigen Augen sehen und verstehen will. Denn wenn der christliche Glaube
das ist, was ich aufgrund meiner neuen Sichtweise der Wurzeln davon halte, dann
geht es weder um ein Aufwärmen oder Verteidigen von vorgesetzten Texten, noch
das Orientieren an menschlichen Vorgesetzten oder Vorbildern.
Der Logos/Sohn/das Wort Gottes allein ist nach christlicher Lehre der Offenbarungsgrund und das Maß menschlichen Lebens. Liege ich damit falsch? Gibt es eine andere logische Erklärung für das Denken, das am Anfang unseres Glaubens stand? Wie sonst können die Bedeutungsinhalte des christlichen Glaubens vermittelt werden?
Mit
neuer Brille betrachten:
Ohne
Scheuklappen das reale Leben Jesus vernünftig verstehen
Gleich
zu Beginn des Vortrages wurde aufgezeigt, dass ein Betrachten mit gegenwärtigen
Augen eine Vergessen des bisher Gelernten voraussetzt. Die alten Brille sei
abzusetzen, um Jesus mit neuen vernünftigen Augen zu sehen.
Sie
werden verstehen, dass mir diese Aufforderung aus dem Herzen gesprochen war,
auch wenn meine Forderung dabei viel weiter bzw. in eine völlig andere Richtung
geht, als die unseres Referenten.
Beide
suchen wir nach vernünftigen Erklärungen für das in der Bibel beschriebene
Geschehen. Auch wenn auf ganz unterschiedliche Weise. Und um die Logik zu
Begreifen, die sich hinter der Geschichte und den geschichtlichen Begebenheiten
verbirgt, müssen wir m.E. wirklich die Brille der bisherigen Betrachtung
absetzen. Doch während Dr. Limbeck und in ähnlicher Weise fast alle heutigen
Neutestamentler bei der Betrachtung des historischen Jesus auf alle
hoheitlichen Aussagen verzichten, suche und sehe ich gerade darin ganz logische
Aussagen.
Mir
ist klar, wie schwer es für heutige Theologen ist, die biblischen Aussagen
nicht als Begebenheiten oder Legenden aus dem Leben eines jungen Juden zu
betrachten. Wer sein ganzes Leben die Brille der Vorstellung von einem
rebellischen Reformjuden getragen hat, Bücher darüber schrieb und Belege
sammelte, um das vorbildliche Leben dieses Religionsgründers zu beweisen, für
den ist die Forderung im historischen Jesus statt eines einfachen Menschen, den
lebendigen Logos/schöpferisches Wort zu sehen, nur ein Ruf nach Unwirklichkeit.
Wer das Wort Gottes seit seiner Jugend zwischen Buchdeckeln in Händen und Jesus
für einen jungen Juden hält, der denkt längst zu wissen, dass der Logos nur ein
späterer Hoheitstitel für einen den Menschen helfenden Helden war. Die
Theologie ist sich darüber weitgehend einig, weil ja sonst das gesamte Denken
über den gutherzigen jungen Mann nicht aufgehen könnte. Doch könnte nicht genau
das die genannte Brille sein, die wir absetzen müssen?
Stellt
die im Vortrag dargestellten Vorstellungen, es habe sich nur um einen frommen
jungen Mann gehandelt, der nach seiner Begegnung mit dem Täufer Johannes,
seiner Taufe im Jordan eine Art Geistesblitz hatte, nicht so etwas wie
Scheuklappen dar? Wie sollen wir das Wesen es schöpferischen Logos wahrnehmen,
dessen Bedeutung begreifen, wenn es doch nur ein einfacher Mensch war?
Dass
es sich bei Markus, den Dr. Limbeck zitiert, um einen Augenzeugen gehandelt
hat, will ich keineswegs bestreiten, ganz im Gegenteil. Nur was hat dieser
Evangelist gesehen, an was hat er geglaubt, auf was hat er gehofft? War es
wirklich nur ein menschlicher Heilsbringer mit Sonderbegabung?
Wer
sagt uns, das es sich hier nicht um hohe Theologie handelt, sondern nur banale
Lebensgeschichte berichtet wird, wie Dr. Limbeck vermutet und daher hier nach
der geschichtlichen Wahrheit sucht?
Es
würde zu weit führen, das gesamte Markusevangelium auf den als Mensche
lebendigen Logos/das neu verstandene Wort zu beziehen. Aber mir ist in den
gesamten Evangelien noch keine Geschichte begegnet, in der ich nicht eine
konkrete Aussage über die Geschichte des im lebendigen Wort neuverstandenen
Gottesverstand erkennen kann. Zeigt uns nicht die Taufe, der völlige Wandel, um
was es historisch ging? Müssen wir daher auch heute etwas von bisherigen
Vorstellungen aufgeben: nicht „über den Jordan gehen“ im Sinne eines Verneinens,
sondern durch das Abwaschen des alten Verstandes den Gottessohn in der
menschlichen Gestalt sehen.
Die
Taufe wird in diesem Denken nicht nur als einfaches Ritual im Rahmen religiöser
Handlungen verstanden. Und Johannes nicht nur als ein Rufer in der Wüste, in
der Art amerikanischer Prediger. Könnte es nicht sein, dass uns hier eine
erwachsene Erkenntnis beschrieben wird, die mit Sicherheit mit dem Namen
Johannes eng verknüpft ist? An den Aussagen unseres Referenten, Jesus wäre
völlig allein gewesen, die Familie wäre ihm nicht gefolgt, hätte sich
distanziert will ich nicht zweifeln. Auch dass Jesus Gott jetzt als
Weltenrichter gesehen hat, dass ihn Johannes als Gottessohn erkannte und eine
Wende das bewirkte, bei der das alte abgewaschen wurde, will ich keineswegs
zweifeln.
Auch
der anschließende Weg in die Wüste erscheint mir als nachvollziehbare
Beschreibung eines Geschichtsgeschehens, die sich jedoch keineswegs
notwendigerweise nur auf einen jungen Juden beziehen muss, dem Gott dort in
„Nahtodeserfahrungen“ den Sinn seines Lebens offenbarte und der dann zum
Prediger mutierte. So die zu versuchen, die Logik des Neue Testament zu
erklären führt m.E. nur in den Unsinn.
3,3
Millionen Bundesbürger hätten Nahtodeserfahrungen gehabt. Wenn man die im Osten
dazu nähme, wären es noch weit mehr, begründete der Theologe allen Ernstes
seine Aussage. Denn also sei es doch ganz normal, was damals geschehen ist. Ich
überlegte mir dabei, ob ich im falschen Film sitze: Unsere Theologie bzw. deren
Jesusverständnis sei nicht nur nah- sondern ganz Tod, schriebe ich auf mein
Blatt. Gott sei es gedankt, dass die 3,3 Million mit heutigen überdimensionalen
Erfahrungen sich nicht genau so hochspielen, wie der sog. historisch Jesus. Wer
wüsste noch, wem er glauben soll, wenn 3,3 Millionen behaupten würden, sie
hätten jetzt die Weisheit?
Mir
ist klar, dass nur wenige heutige Theologen den Thesen der Nahtodeserlebnisse
folgen würden. Doch wenn nur von einem jungen Juden ausgegangen wird, der
anschließend als Wort Gottes..... verherrlicht wurde, laufen alle Auslegungen
auf ähnliche Argumentationen hinaus, auch wenn keine neurologischen Studien
herangezogen werden, um zu beweisen, wie von dem jungen Wanderprediger eine
höhere Wirklichkeit, jenseits unserer drei Dimensionen, erkannt worden wäre.
Ich
denke, wir müssen wirklich eine Dimension außerhalb der bekannten Größen
wahrnehmen. Doch habe ich dabei alles andere als einen von unzählige Predigern
vor Augen, die von sich behaupten, sie hätten Transzendenzerlebnisse gehabt, wie
sie dem historischen Jesus heute untergeschoben werden. Nicht
tiefenpsychologische Mechanismen, die den geistigen Wandel eines jungen Juden
bewirkten oder gar die Wundertaten als logisch erklären lassen gehen mir durch
den Kopf. Kann es nicht sein, dass die Logik nicht vielmehr in einer Theologie
zu suchen ist, bei der die menschliche Psyche, die zum Verstehen auf
menschliche Vorstellungen angewiesen ist eine bedeutende Rolle spielt?
Auch
die Auseinandersetzung Jesus mit dem Satan, der lt. Dr. Limbeck damals als eine
Art Staatsanwalt, ein Ankläger zu sehen ist – m.E. aber durchaus auch ein vom
Schöpfer abgefallener ehemaliger Gottesbote sein kann – kann ich als
geschichtliche Wahrheit nachvollziehen. Nicht jedoch, indem ich die Aussage als
Beschreibung einer zweiten „Nahtodeserfahrung“ werte, als nachösterlichen
Eintrag oder irgendwelchen alten Aussagen abgeschrieben, – wie heute meist die
Aussagen erklärt werden - sondern Bild einer reale Begebenheit.
Mit
gegenwärtigen Augen neu den historischen Jesus sehen, will ich gern. Und ich
hoffe, es ist verständlich geworden, dass dieses Denken alles Andere ist, als ein Nachbeten oder nur Bewahren
wollen, alter Dogmen. Doch brauchen wir dazu nicht deren Inhalte auszukippen,
dem historischen Jesus jede hoheitliche Bedeutung abzusprechen, sondern können
sie mit offenen Augen verstehen, ihre Logik erkennen.
Wo
Gottes schöpferische Wirk-lichkeit nur eine persönliche Einbildung bleibt,
nicht auf die in der realen Natur erkennbare Vernunft baut, wird man die bisher
gemachten Überlegungen kaum verstehen können und weiterhin von einem jungen
Wanderprediger ausgehen, der sich weder als Heilsbringer verstand, noch ein
Messias/Christus oder realer Offenbarungsgrund war – und was alles über ihn
geschrieben steht – sondern nur von Menschen dazu gemacht wurde.
Im
blinde bewahren wollen der biblischen Buchstäblichkeiten werden diese zur puren
Banalität und somit in Wahrheit verleugnet.
Doch wie gesagt, dass wir unsere Wurzeln verleugnen, halte ich nicht für
das eigentliche Problem. Dass aber ohne diese Wurzeln des lebendigen Logos –
der wahrgenommene schöpferischen Vernunft/Weltgesetztes/Weisheit – auch ein
Wachsen verhindert und nicht nur der christliche Glaube zum Aberglaube – Gott
sei es gedankt oftmals nur Atheismus – wird, ist ein Problem, unter dem wir
bitter leiden.
Wenn
es stimmt, was ich aufgrund der neuen Betrachtung des urchristlichen
Glaubensgrundes unter www.theologie-der-vernunft.de
„Hilfe“ schreiend und mit vielen
laienhaften Fehler zu begründen versuche: Dass eine vernünftige
Gotteswahrnehmung bzw. das Verständnis der Vernunft/des lebendigen
schöpferischen Wortes/Jesus die Voraussetzung für ein vernünftiges, dieser
höheren Vernunft – somit wahrhafter Ökologie/Ökonomie/Brüderlichkeit – ist,
dann müssen die Verantwortlichkeiten neu überdacht werden:
Theologen, die den sich globalisierenden Irrsinn der Welt anprangern, für Frieden marschieren, Bush, Bin Laden, Hussein oder reaktionäre Moslems anklagen, sich über den Missverstand sowie machtpolitischen Missbrauch der Religionen beschweren und gegen den wirtschaftspolitischen und ökologischen Unsinn der westlichen Welt wettern, sind zu vergleichen mit Systemprogrammierern, die eigentlich für das grundlegende Funktionsprogramm verant-wort-lich wären, ihrer Aufgabe aber nicht nachgekommen sind. Jetzt, wo Programme in den PC geschoben werden, denen das Betriebssystem nicht gewachsen ist, nur Un-sinn herauskommt, machen sie die Anwender für die Fehlfunktionen verantwortlich, verlangen sie die Programme abzuschalten, den PC in den Schrank zu stellen.
In
der Hoffnung, dass Sie diese Zeilen nicht als anmaßende Anschuldigung
verstehen, sonder als ein Weiterer Schrei nach „Hilfe“ und „Antwort“.
Mit
freundlichen Grüssen
Gerhard
Mentzel
habe
ich auf einem Plakat einer christlichen Antikriegsdemonstration gelesen. Und
ich denken, dass Gott uns den Geist der Erkenntnis schon lange wachsen ließ.
Doch solange wir unseren Heiland nur als einen historischen jungen Juden
begreifen, der durch irgendwelche Halluzinationen besondere Erkenntnisse hatte,
später durch seine Anhänger verherrlicht wurde.... hilft auch das gesamte uns
von Gott geschenkte Hirn nichts.
Der
Witz vom helfende Herrn und dem Hochwasser:
„Hein
komm mit, es ist Hochwasser gemeldet“, ruft der Nachbar.
„Ich
bleib hier, der Herr wird mich schon retten.“
Nachdem
das Wasser steigt kommen Helfer mit einem Boot:
„Hein
komm mit, das Wasser steigt weiter.“
„Ich
bleib hier, der Herr wird mich schon retten.“
Weil
das Wasser steigt klettert er aufs Dach, wo ein Hubschrauber kommt.
„Hein
komm mit, es ist die letzte Chance.“
„Ich
bleib hier, der Herr wird mich schon retten.“
Im
Himmel sucht der ertrunkene Hein den Herrn auf und macht ihm schreckliche
Vorwürfe.
„Ich
hab gewartet und gebetet, warum hast Du mir nicht geholfen?“
„Drei
mal habe ich Dir Retter geschickt, was soll ich noch tun?“
Warten
nicht auch wir auf himmlische Hilfe im obskuren, außerirdischen, statt im ganz
natürlichen Geschehen auf allen kosmischen Ebenen den Gottessohn, Grund des
Glaubens, unseren Messias und Retter zu erkennen?
Die an Karfreitag zu sehenden Spielfilme von Leben und Kreuzigung Jesus zeigen als Umsetzung der biblischen Texte beieindruckende Bilder, die mich über die tiefe Bedeutung der damals in Menschengestalt lebendigen Vernunft Gottes und ihre Auseinandersetzung mit dem versteinerten Glauben nachdenken, das geschichtliche Geschehen neu verstehen lassen. Und gerade im Gottesdienst zum Ostermorgen, der das Osterereignis in den Zusammenhang mit der schöpferischen Wirklichkeit, der wieder sichtbaren Präsenz Gottes, dem neu aufgehenden Licht stellt, wird viel von dem deutlich, um das es den antiken Denkern nachweislich ging, was in all den unzähligen theologischen Betrachtungen, die das geschichtliche Wesen des Christ Seins beschreiben heute nachzulesen ist.
Doch die Bilder sind es, die uns scheinbar den Blick verbauen. Denn während in allen theologischen Geschichtsbetrachtungen viel vom Logos Gottes, dem präexistenten Sohn und Schöpfungsmittler gesprochen, er als das eigentlich geschichtliche Christuswesen nachgewiesen wird, gibt es heute nicht einen theologischen Lehrer, der darin auch wirklich das historische und gleichzeitig heilsbringende Wesen unseres Glaubens nachzeichnen würde, das gekreuzigt wurde und dessen Auferstehung wir an Ostern feiern. Wie sollten wir auch, es war ja angeblich nur ein rebellierender junger Jude. Ein ebenfalls an Ostern zu sehender Dokumentarfilmes um das Turiner Grabtuch bringt bildhaft zum Ausdruck, wie uns die Bilder heute hinters Licht führen: bildhaft gesprochen, zur erneuten Kreuzigung des Gottesverstandes beitragen.
Ganze Heerscharen von hochrangigen Wissenschaftlern treten auf, sind allen Ernstes damit beschäftigt, Spuren des historischen Jesus nachzuweisen, indem die für ihre Zeit mit Sicherheit sinnvolle Reliquie des gekreuzigten „Christus“ durch spektakuläre archäologische Untersuchungen vordatiert werden soll, um so als historischer Beweis für die Kreuzigung eines jungen dienen zu können.
Und dieser war, wie wir jetzt angeblich wissen, eine junger Jude, der aufgrund seiner „Nahtodeserfahrung“ den Mund zu voll nahm und daher - wie heute im Nahen Osten täglich erneut zu sehen ist - für seinen Glauben als Märtyrer starb. Kann es noch schlimmer kommen? Weniger geht nicht! Wenn angesichts dieser tiefen Bewusstlosigkeit unsere Theologie keine Nahtodeserfahrung hat, gibt es keine.
Von der Not-wendigkeit der Auferstehung
Ohne Auferstehung im Sinne eines aufgeklärtes neues Verständnisses, das nicht nur mit neuen Augen die biblischen Bilder betrachtet, sondern gleichzeitig auch die Vernunft nachweist, die sich hinter diesen Bildern verbirgt und so die schöpferische Vernunft in allem durch die Aufklärung wissenschaftlich nachgewiesenen evolutionären Werden neu versteht, entscheidet sich nicht nur Glaube und Unglaube. Denn noch schlimmer als der Atheismus ist der Aberglaube. Was wir heute bitter beklagen, sei es die Gott- und Sinnlosigkeit unserer zukunftsvernichtenden Lebensweise oder missbrauchte und missverstandene mittelalterliche Religionen – ob amerikanisch-christlicher oder moslemischer Ausprägung: sie sind das Produkt eines Glaubens, der an alten Bildern festhält, nicht bereit ist, sich ernsthaft mit ihrer Bedeutung auseinander zusetzen und sie beliebig mit menschlichen Meinungen füllt und machtpolitisch manipuliert.
Die Frage des Karfreitagsprozesses stellt sich heute neu. Sie ist weit mehr als ein theologischer Streit. Ist der als Mensch lebendig gewordene Logos/die im Werden sichtbare schöpferischeVernunft wirklich der Sohn des einen, alle Genesis und alle menschliche Geschichte zeugenden Schöpfergottes, der wahre König auch des Glaubens, der auf das traditionelle Gesetz gründet? Oder geht es nur um einen jungen Menschen mit Nahtodeserfahrungen, der von seinen Anhängern als Logos verherrlicht, blind bzw. allenfalls aufgrund innerer Stimmen zum Ersatzgott erhoben wird?
Wenn heute an Ostern Papst und evangelische Pfarrer den Unsinn anprangern, der vom amerikanischen Aberglaube ausgeht, dann ist das m.E. modernes Pharisäertum. Es genügt nicht, nach Friede zu rufen, Fehler aufzuzeigen, die von amerikanischem Imperialismus und islamistischen Terrorismus bzw. missverstandenem Sendungsbewusstsein auf christlicher oder moslemischer Seite ausgehen.
Wenn man heute laut darüber nachdenkt, nur durch eine Entsäkularisierung des Nahen Osten einen Frieden herbeiführen zu können, den Glaube in die Privatsphäre reiner Innerlichkeit verbannen will, gleichzeitig der amerikanisch-christliche Glaube als Kriegstreiber entlarvt wird, dann stimmt etwas nicht mit den Grundlagen dieses Glaubens. Statt Forderungen zu stellen, Frieden zu verlangen, wäre nur durch einen Fortschritt im Christusbewusstsein die Versteinerung zu überwinden.
Nicht das jüdische Volk übte Verrat an Christus, sondern die eigenen Jünger. Auch heute scheint die Gefahr von innen auszugehen. Ist es evtl. die aufgeklärte Theologie, die weiterhin verzweifelt an den amtsvorgegebenen Denkweisen festhält, die Vernunft dem Gesetz ausliefert, die heute die Rolle des Judas spielt?
Der gutherzige Mensch, der nach Meinung der heutigen Theologie als Märtyrer starb, ist wirklich auferstanden. Ein Mensch mit Namen Jesus ist nicht zu finden. Der Stein, der am Grabe lag ist weggerollt. „Christus“ ist auferstanden von den Toden. Kein Jungeprediger, der nach seiner Hinrichtung zu Leben erweckt oder im Geist seiner Anhänger erschien, in der Wirkungsgeschichte der Gemeindebildung nur lebendig wäre... hat heute noch Bedeutung.
All unsere Lieder und Ostertexte handeln vom Gottessohn, aus dem die Welt hervorging. Er – und kein Mensch oder ein Frühkirchengebilde - ist das geschichtliche Wesen des christlichen Glaubens. Die Präsenz der schöpferischen Vernunft in allem natürlich-logisch nachvollziebaren Werden wie in den traditionellen Texten und früh- oder vorchristlicher Theologie kann neu wahrgenommenen, die Vernunft ihrer menschlichen Erscheinungsform neu verstanden werden.
Erst so lassen sich die alten Lieder in neuem Bewusstsein singen, können sie in aufgeklärtem Glauben für Gottes Werke begeistern und zu einer vernünftigen Lebensweise im schöpferischen Sinne beitragen.
Es geht weder um einen neuen Doketismus, als ein sich blindes Klammern an kirchliche Dogmen, der das menschliche Wesen Jesus verneint, sondern ein neues Verständnis des menschlichen Wesens, das wahrhaft König der Juden – des Gesetzes – war und ist. Durch ein neues Bewusstsein des biblischen wie des in allem natürlichen Werden sichtbaren Wortes das menschliche Wesen Jesus neu verstehen und aufleben lassen, könnte das nicht so etwas wie Auferstehung sein?
Ich bin gewiss: Nicht innere Stimmen, die jeder nur auf seine Weise hört oder unverstandene Mythen führen zum Heilsprozess eines gemeinsamen Geistes, der Voraussetzung zum gesellschaftlichen Gelingen, zum vernünftigen, schöpferischen Verhalten ist. Nicht Gott selbst, nur seine Stimme, sein Wort ist neu in aller Natur zu verstehen. Nach aller naturwissenschaftlichen Entwicklung kann eigentlich erst heute das eine universelle Wort/eine in Mikro- und Makrokosmos sichtbare Vernunft neu als der eigentlich christliche Glaubensgrund nachgewiesen/verstanden werden.
Weder ein unbestimmter pantheistischer oder ein vor-gesetzter Gott, noch ein philosophisches Gebilde, das nur zur eigenen Erbauung und geistigen Ertüchtigung dient oder ein menschliches Wesen wird Morgen Gegenstand der vernünftigen Verherrlichung sein, sondern der ewige Sohn, die auch heute neu in aller Natur sichtbare schöpferische Vernunft in Person. Er war ist und bleibt die einzige vernünftige Offenbarung des einen Gottes.
Warum fällt es so schwer, aus dem tiefen lethargischen Schlaf der buchstäblichen Bibelbetrachtung zu erwachen und die Realität des monotheistischen Schöpfergottes mit den Augen aufgeklärten Wissens zu erkennen? Warum bleibt christliche Theologie in einer selbstgeschaffenen Realität gefangen, die sich immer weiter von all unserem Wissen um das natürliche Werden entfernt? Warum suchen wir den historischen Jesus weiter bei den Toden, statt den Auferstandenen aufgeklärt als das Wort Gottes in Menschengestalt wahrzunehmen, dem alles Werden entspringt.
Die Vernunft Gottes scheint sich ihren schöpferischen Weg zu bahnen. Wenn heute das christliche Wesen nur noch als eine Art „Nahtodeserfahrung“ eines jüdischen Terroristen gesehen wird (die Ausführungen des Theologen, auf den hier Bezug genommen wird, sind nur ein kleines, wenn auch besonders prägnantes Beispiel für das gesamten heutige Denken vom historischen Jesus), gleichzeitig Aberglaube die Welt an den Abgrund führt und unseren Kindern die Zukunft verbaut, dann kann der Weg zu einem Neuverständnis nicht mehr weit sein. Die Vernunft Gottes hat sich selbst befreit, den Stein weggerollt. Der Weg zu einem neuen aufgeklärten Verständnis unseres historischen und heutigen Glaubensgrundes ist frei.