Warum die Menschwerdung von
Tao/Logos/Vernunft/Wort/Weltgesetz
der historische Jesus/Messias war
-und der heutige wäre-
Gedanken, die sich nicht nur an die Vertreter der heutigen Theologie richten wollen, von diesen eine neue Wahrnehmung des historischen Jesus und somit des heute in allem nachweisbaren natürlichen Werden lebendigen Gotteswortes verlangen, sondern ebenso an ein aufgeklärt-atheistisches Denken, das allein aufgrund seines Wissens die gesellschaftlichen Probleme bewältigen will, allenfalls bereit ist, jenseits vom christlichen Glauben in der kosmischen Wirklichkeit auf meist mystische Weise eine beseelte Natur oder rein monistische eine schöpferische Grundgesetzlichkeit allen Seins anzuerkennen.
Die folgenden Überlegungen fragen, warum das Evangelium und seine Darstellung des Gottessohnes in menschlicher Gestalt weit mehr ist, als nur eine Weiterführung des antiken Ausformulierens einer im realen Geschehen der Genesis erkannten schöpferischen Vernunft/Natur-Weltgesetzes bzw. einer beseelten Materie. Sie wollen aus den antiken Denkweisen bzw. bisher fremden Theologien etwas für das Verständnis des eigentlichen christlichen Glaubensgrundes lernen.
Während bei üblichen Betrachtungen des philosophischen
Denkens meist die Texte der Bibel als Beurteilungskriterium dienen, z.B.
Aussagen von Paulus zur Ablehnung der Philosophie als denkender
Gotteswahrnehmung interpretiert werden,
soll hier im Sinne der Logik geurteilt werden. Nicht ein Buchtext, sondern das
lebendige Wort Gottes soll primäres Beurteilungskriterium sein. Was sich für
einer geistigen Entwicklung zu einer weiterführenden Erkenntnis und somit einer
schöpferisch-vernünftigen Gesellschaft als sinnvoll erweist, wird als der
richtige – gottgewollte - Weg gesehen. Da jedoch nach der hier vertretenen
Perspektive die biblischen Texte keine Legenden vom Leben frommer Menschen
sind, keine unerklärliche Mythen, sondern bildhafter Ausdruck vom Wirken des
Gotteswortes/schöpferischer Vernunft in der Geschichte der Menschen, braucht
kein Buchstabe der Bibel angezweifelt oder gar abgebaut zu werden. Vielmehr
werden die alten biblischen Aussagen bewahrheitet und dienen gleichzeitig zur
Bestätigung einer bewussten heutigen Wahrnehmung des im Prozess allen
natürlichen Werdens lebendigen Gotteswortes. (Ein Wort, auf das genau das
zutrifft, was fromme Schwärmer in ihren Fernsehpredigten vom Buchtext
behaupten. Denn nach der hier vertretenen These hatten dessen Verfasser bei
ihren Aussagen über die Bedeutung, Kraft und Heilswirkung des Gotteswortes
nicht ihren eigenen Text im Sinn, wie er heute als Gotteswort hochgehoben und
beliebig hin und her gezerrt wird.)
Die hier vertretenen Thesen stellen den christlichen Glauben nicht außerhalb des Denkens/Philosophierens, sondern sehen in den Lebensregeln, Aussagen und insbesondere der Glaubensbegründung des Neuen Testamentes die weitergeführte, wahre Vernunft. Mit Blick auf östliche Theologien wie den Taoismus und vor allem westliche Weisheitslehren bzw. griechischer Philosophie zur Zeit Jesus soll nicht nur aufgezeigt werden, warum nur von der menschlichen Ausformung des Logos/Wortes/Tao die erwartete Heilswirkung für die geistige Weiterentwicklung der Welt ausging, sondern wie auch heute ein zeitgemäßes Wahrnehmen, Ausformulieren und Umsetzen des Gotteswortes (einer schöpferischen Vernunft in aller nachgewiesenen natürlichen Ordnung) eine reale messianische Wirkung hätte.
Es soll also nicht nur das historische Wesen des christlichen Glaubens (der zu einem halluzinierenden Jungprediger entleerte Jesus und ein zu blinder Beliebigkeit gewordenes Buch) mit neuem Leben erfüllt werden. Vielmehr wird erneut nachgedacht, warum nur in der uns bekannten Form des geschichtlich lebendigen und greifbaren Gottessohnes die Zielsetzung der antiken theologischen Philosophien für die Gesellschaft verwirklicht werden konnte, wieso die Ausprägung der Weltvernunft/-seele in menschlicher Gestalt bzw. deren Fleischwerdung im biblischen Kanon die wahrhafte Vernunft war. Durch die Übertragung in unsere Gegenwart wird überlegt, wieso eine neue Sichtweise des historischen und heute in allem kosmischen Geschehen lebendigen Jesus - der durch das neue Bewusstsein seine menschliche Gestalt behält - auch für uns die Voraussetzung wäre, um im Einklang mit der schöpferischen Ordnung zu leben und zu einer wahrhaft vernünftigen und zukunftsgerechten Lebensweise führen könnte.
Während bei der Vortragsreihe über Laotse
am Heinrich Pech Haus, Ludwigshafen nur taoistische
Weisheitsschriften mit christlichen Texten
verglichen und zur Erbauung sowie als ewige Lebenslehren gelesen wurde, ging es mir erneut durch den
Kopf: Ohne das zu verstehen, was sich damals im Tao als schöpferische Tat-sache ausdrückte, hat christliche Theologie ihren
ureigenen Verstand verloren. Schon seit Jahren sah ich in der Beschreibung des
Tao eine bessere Darstellung des christlichen Wesens, als in allen
theologischen Abhandlungen, die meist nur nach einem historischen jungen Juden
und dessen Messianisierung Ausschau halten. In Einführungstexten zu östlichen Praktiken
bzw. ganzheitlicher Medizin sah ich den unserem Glauben zugrunde liegenden
Logos oft lebendiger beschrieben, als in vielen christlichen Seminaren und der
ganzen theologischen Literatur, die nur eine meist propagandistischen
Verherrlich eines geschichtlichen Religionsgründers sieht, ohne nach dem
eigentlichen Grund zu suchen. (Denn so bleibt der Logos nur eine Lehre, ein
leeres, Lippenbekenntnis.)
Der kurz darauf folgende Vortrag der katholischen
Akademie Speyer über die Weisheit der Stoa, in deren Wiege ich schon lange
einen Bruder des uns als Gottessohn bekannten Wanderpredigers liegen sah,
machte mir erneut klar, dass die christliche Theologie keine Mythologisierung
der philosophisch erkannten schöpferischen Weisheit/Vernunft/Logos war. Nur in
der uns bekannten Umsetzung konnte sich Verwirklichen, was Ziel der antiken
Denker war. Nur das Tao oder den Logos
als das begreifbar zu machen, was die Hebräer Weisheit oder Wort Gottes nannten
und worauf letztlich der gesamte –inzwischen zum Buch- bzw. Dogmenglaube
gewordene- Monotheismus gründet, wäre zu
wenig. Vielmehr zeigt sich in der Auseinandersetzung mit den antiken
Denkweisen, warum in der westlichen Kultur nur in der christlichen Form die
Zielsetzungen philosophischer Weisheit
in Erfüllung gegen konnten, es also der wahren schöpferischen Vernunft
entsprach, dem Tao/Logos/Wort Gottes eine menschliche Gestalt zu geben und sein
Geschichte so zum Ausdruck zu bringen, wie es im Neuen Testament nachzulesen
ist. Nur so lässt sich das
geschichtliche Wesen des
historischen Jesus als fleischgewordene Vernunft Gottes begreifen.
Zeitgleich beschäftigte ich mich mit einer Sammlung von
Aufsätzen hochangesehener Theologen, die angeblich auf der „dritten Suche“ nach
dem geschichtlichen Jesus sind. Jesus soll hier “nicht isoliert betrachtet,
sondern innerhalb der Lebenswelt des damaligen Israels: im Kontext von Politik,
Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur des Judentums und der mediterranen Welt“
nachgeforscht werden. Doch da die jungen Theologen gemeinsam mit Ihren Lehrer
wie Gerd Theißen, Wolfgang Stegemann oder Bruce J.
Malina (die Herausgeber) von der Hypothese eines Religionsrebellen als dem
historischen Jesus ausgehen, wird nur nach einem jungen Juden geforscht. Indem
meist sozialwissenschaftlichen Überlegungen auf den in der Bibel abgebildeten
Gottessohn in Menschengestalt und seine Umgebung angewendet werden, wird jedoch
nicht die reale Geistesgeschichte der Antike hinterfragt bzw. ein
Paradigmenwechsel in den Welt- bzw. Gottesbildern wahrgenommen. Was das Denken
der Antike bewegte, warum sie ihre vom schöpferischen Wesen der Welt
ausgehenden Gedanken nicht nur in Logien, sondern in
eine menschliche Geschichte und begreifbaren Gestalten fassten kann heute nicht
Thema der theologischen Suche nach dem historischen Jesus sein. Auch welche Grundlagen all die verschiedenen
Kultformen hatten, welche Problemlösung sie anstrebten und weshalb im
christlichen Gottesverständnis ein wahrer Paradigmenwechsel zu sehen ist, kann
nicht untersucht werden. Es war ja nur ein nach seinem Tod verherrlichter
Wanderprediger mit besonderen Wahrnehmungen.
Auch von den Kritikern der sog. sozialwissenschaftlichen Methode wird
kaum mehr als ein Mensch gesehen, der aufgrund von Halluzinationen, Nahtodeserfahrungen,
schamanischer Vergeisterung, parapsychologischer Erkenntnis... zusammen mit seinen Anhängern besondere
Einsichten hatte. Statt das Neue Testament (eine neues monotheistisches
Paradigma) zu hinterfragen, werden m.E.
bei der neuen Suche nach einer
rational-pragmatischen Deutung des Geschehens am Anfang unseres Glaubens nur
die Textbilder gesehen. Die hier vertretene Perspektive entspricht durchaus dem
Verlangen nach vernünftiger Deutung. Doch geht sie über die bisher als scheinbar unumstößliches Dogma gesetzte und alle Hochschulforschung
bestimmende Hypothese vom einfachen historischen Menschen Jesus hinaus und
entspricht der biblischen Aussagen, das Wort Gottes an den Anfang bzw. über
alles zu stellen.
Denn soll wirklich nur die Führungsgestalt des „jungen
Wilden“ mit nicht nachvollziehbaren Erscheinungen von ihm oder seinen sog. Christologen der historisch nachvollziehbare bzw.
eigentliche Grund christlichen Glaubens sein? Wieso gehen wir davon aus, dass
griechisch-jüdisch gebildeten Theologen der Antike, deren Schriften uns von
Jesus Christus berichten und die sich Tag und Nacht mit einer schöpferischen
Weisheit/Weltgesetz/Wort Gottes/Logos beschäftigten, all ihre Hoffnungen auf einen
halluzinierenden Handwerksgesellen übertragen und diesen christianisiert haben?
Können wir weiterhin noch blind auf biblische Texte bauen, die einst fromme
Menschen aufgrund innerer Stimmen, nicht mehr nachvollziehbarer Eingebungen
aufgeschrieben haben und die heute nicht nur großteils sinnentleert, sondern
auch beliebig missbraucht werden?
Wenn wir „Jesus in neuen Kontexten“ sehen wollen, müssen
wir dann nicht den gesamten antiken Kult ernst nehmen, der aufgrund einer im
realen Kosmos gesehenen Ordnung von einer schöpferischen
Vernunft/Logos/Gotteswort ausging, auf vernünftige Weise auf einen gemeinsamen
Schöpfer und dessen Sinngebung schloss,
davon menschliche Verhaltensnormen ableitete? Und müssen wir nicht zur Kenntnis
nehmen, dass diese Vernunft in Form einer Person angesprochen wurde? Können wir
einfach eine zur Zeit Jesus in der Bildungsmetropole Alexandrien aufgrund
allegorischen Traditionsverständnis neu im kosmischen Geschehen wahrgenommenen
Gottessohn als „Christologie“ abtun, die mit dem historischen Jesus nichts
gemein hätte, nur zu dessen Verherrlichung hergeholt worden sein soll? Hat die
gesamte antike Philosophie, die über
einen allen Menschen gemeinsamen Sinn/Logos/Wort Gottes/Weisheit nachdachte,
wirklich nichts mit dem zu tun, der laut Neuem Testament all dies sein soll?
Liegt nicht jüdischer Weisheit das gleiche Wesen zugrunde wie griechischer
Philosophie bzw. Theologie? Hat nicht auch in Damaskus und Jerusalem ein neues Denken stattgefunden, das seine
Erkenntnisse auf kosmische Realitäten stützte, ohne die traditionellen
monotheistischen Mythen zu verneinen?
Müssen wir nicht
endlich den historischen Jesus im geistesgeschichtlichen Kontext
betrachten und dabei versuchen, nicht
nur von einem jungen Juden, sondern der Vernunft Gottes in menschlicher Person
auszugehen, die Mensch wurde und so messianische Wirkung entfaltete? Dürfen wir
bei unserer Hermeneutik des Neuen Testamentes den antiken Paradigmenwechsel,
der den Gottessohn/das Wort/den Logos als universales und reales Weltgesetz ans
Licht der Welt brachte, völlig unbeachtet lassen? Sagen uns heute nicht sozialwissenschaftliche
und psychologische Erkenntnisse, wie notwendig die Personifizierung des
Gotteswortes war und nur von der christlichen Glaubensform Problemlösung bzw.
Heilswirkung für die Welt ausgehen
konnte. Könnte der christliche Glaube durch diese Perspektive nicht neue
Perspektiven erhalten, die weit über die angebliche Christianisierung eines
jungen Märtyrers mit Nahtodeserfahrungen hinausgeht?
Können wir heute nicht nachweisen, wie vernünftig es
damals gewesen sein muss, die Vernunft Gottes anknüpfend an die
Vorstellungswelt der Antike und ihre Traditionen und Hoffnungen in menschlicher
Gestalt zum Ausdruck zu bringen?
1.1. Geistesgeschichte in menschlichen Gestalten
Schlaumeier werden schnell nachweisen wollen, dass es sich bei Laotse, dem Lehrer des Tao, nicht um eine historische Persönlichkeit gehandelt habe, er wahrscheinlich keine geschichtliche Realität sei. Wie fast immer wird die geschichtliche Realität mit banalen menschlichen Gestalten gleichgesetzt. Doch wie so oft liegt mit Sicherheit auch hier das historische Wesen in einer menschlichen Gestalt, bei der es um weit mehr geht, als das Leben und die Meinungen eines einzelnen Menschen. Auch im Osten, der weit abstrakter als im Westen eine schöpferische Weisheit zum Ausdruck bringt, sind scheinbar menschliche Gestalten die Voraussetzung, um den Geist der Welt (die Vernunft des Schöpfers) begreifbar zu machen. Menschliche Gestalten und Geschichten sind notwendige Transportmittel, die theo-logische Tat-sachen vermitteln. Doch wer das Wesen des Tao nicht als eine schöpferische „Tat“sache begreift, für den bleibt auch die christliche Theologie nur eine inhaltslose Lee(h)re, werden nur propagandistische Predigten und persönliche Beliebigkeiten transportiert. Entsprechend der Denkweise heutiger Hochschultheologie wird dann nur von einem jungen Juden ausgegangen, dem durch frühchristliche Theologie, menschliches Denken, ein christologisches Geistesgebäude angedichtet worden sein soll.
Solange wir die geistige Realität unseres Religionsgrundes nicht wahrnehmen, nur von jungen Predigern (ob Moses, Sokrates, Laotse, Jesus, Paulus oder Mohamed) als Religionsgründer ausgehen, bleibt die Logik der zugrunde liegenden wie davon ausgehenden Lehren verborgen. Die Religionen werden verbogen und zum Spielball menschlicher Meinungen und Machtinteressen, wie heute bittere Praxis: ob z.B. in Amerika oder im Nahen Osten. Und doch kommen wir ohne die Umsetzung, die Ausdrucks- und Bewahrungsform in Bildern und menschlichen Gestalten nicht aus. Zweck der Überlegungen ist es daher nicht, die historischen Gestalten zu entfernen, wie das im modernen Denken derzeit oft geschieht, z.B. Moses nicht mehr der Verfasser des Pentateuch sein soll, weil inzwischen historisch erkannt ist dass... Genau das Gegenteil ist Zweck der Übung. Statt nach vergänglichen, heute nichtssagenden menschlichen Gestalten zu fragen oder mit deren Fall von Falschaussagen oder frommen Religionsmythen zu reden, kann in der hier geforderten neuen Betrachtungsweise deren geschichtliche „Tat“sache belegt werden.
Laotse ist und bleibt daher der Verfasser des Taoismus, auch wenn von ihm nur Legenden überliefert sind, die an einer historischen Persönlichkeit zweifeln lassen. Lehren uns nicht gerade auch die östlichen Legenden, die davon berichten, wie Laotse und Konfuzius zusammengetroffen sind, dass Laotse ein Gelehrter am Hofe chinesischer Dynastien gewesen sei, er durch einen Lichtstrahl gezeugt wurde und bereits als alter Weiser auf die Welt gekommen sei, 200 Jahre geworden und nach seinem Tod als Buddha wiedergeboren wäre... wie sinnvoll es ist, der geistigen Realität eine begreifbare menschliche Gestalt zu geben? Liegt nicht auch den östlichen Legenden um die Geschichtsgestalten eine Geistesgeschichte zugrunde, die z.B. weit über das zufällige Zusammentreffen zweier Weisheitslehrer hinausgeht. Wenn vom Treffen von Laotse und Konfuzius berichtet wird, machen uns die Verfasser möglicherweise auf einfache Weise verständlich, wie die verschiedenartigen Weisheitslehren im Grunde eine Wirklichkeit umsetzen, sich an einem bestimmten Punkt der Zeitgeschichte getroffen haben. Das Buch eines modernen Philosophen über den Gleichklang von physikalischem Licht und Erkenntnis/Bewusstsein im Blick, gleichzeitig den täglichen Aufgang der Sonne als sichtbarste Ausdrucksform präexistenter schöpferischer Vernunft bewundernd (damit z.B. den sog. Essenern nacheifernd), wird mir klar, warum Laotse wirklich durch einen Lichtstrahl gezeugt wurde, warum er durchaus auch ein Gelehrter (evtl. Gelehrtheit) am Hof chinesischer Herrscher gewesen sein kann.
Sowenig ich an der historischen Persönlichkeit des Paulus zweifle, will ich dies beim Lehrer des Tao tun, auch wenn ich in beiden längst nicht mehr nur durch die Lande ziehende missionierende Menschen, sondern Geschichtspersonen als Verkörperungen geistiger Realitäten sehe. Die geschichtliche „Wirk“likchkeit dieser bewusstseingebenden Gestalten gilt es daher nachzuweisen.
Wenn ich Laotse nicht in einem Atemzug mit Jesus nenne, wie das oft getan wird, wenn von „den Religionsgründern“ die Rede ist, sondern ihn mit einem der Jünger gleichstellen will, dann verbirgt sich dahinter alles andere als christliche Anmaßung in alter Form. Nach der hier angewendeten Sichtweise war Laotse eine Art Jünger Jesus: Laotse hat die Weltvernunft – für ihn das Tao - auf östlich-zeitgemäße Weise gesellschaftsgestaltend zum Ausdruck gebracht. Jesus dagegen ist nicht nur ein Prophet oder Prediger des Gotteswortes bzw. die menschliche Gestalt der Ausformulierung des Logos/Tao/Wortes an einer bestimmten Stelle der Zeitgeschichte. Er ist das Wort, die Vernunft selbst, die geistesgeschichtlich nachweisbar vor 2000 Jahren auf vernünftige Weise zum Ausdruck gebracht wurde. Nur der Tatsache, dass dieses Wort Gottes selbst Mensch wurde, verdankt sich das Denken der westlichen Welt, alle Weiterentwicklung, letztlich unser gesamtes heutiges Wissen. Nur philosophisches Wissen und gnostische Modelle wären ebenso wie ihre Lehrer für die westliche Welt weitgehend bedeutungslos geblieben. Für uns war es wesentlich, dass das schöpferische Wort/der Logos nicht nur eine Lehre begründete, sondern in der Geschichte eine menschliche Gestalt annahm.
Ob Laotse, Konfuzius oder Buddha, ihr Thema ist im Grund gleich der griechischen Philosophie und der jüdisch-christlichen Weisheit, auch wenn es jeweils in anderer Weise theologisch ausgeformt wird. Erst wenn wir hinter den jeweiligen Lehren und den menschlichen Gestalten das Wort des einen Schöpfergottes wahrnehmen, erkennen wir den eigentlichen Grund des eigenen christlichen Glaubens. Die hier – wie bei den gesamten unter www.theologie-der-vernunft.de. zum Ausdruck gebrachten Überlegungen – gehen davon aus, dass das historische Wesen Jesus mit den aufgeklärten Augen heutigen Wissens neu wahrgenommen und so für das westliche Weltbild messianische Wirkung entfalten könnte.
Wenn als Wesens unseres Glaubens die gleiche Weltvernunft erkannt wird, die auch in östlichen Denkmodellen zum Ausdruck kommt, dann können wir daraus weit mehr lernen, als im Abgleich der Verhaltenslehren, die so leider nur Verlangen ohne Befähigung zur Umsetzung bleiben. Denn was wir längst abgeschrieben haben (In zweifacher Bedeutung: nicht verstehend, nur abgeschrieben und rein buchhalterischer Erinnerungsposten ohne theoretischen Wert, bedeutungslos geworden, vom aufgeklärten Denken „abgeschrieben“. Der Nutzen liegt nur noch im täglichen Gebrauch des eigentlich wertlos gewordenen, abgeschriebenen Gegenstandes), scheint dort noch lebendig als bei uns. Zwar wird auch der Taoismus nicht mehr bewusst gelebt, ist vergleichbar mit den monotheistischen Religionen zu einem Mythos geworden. Doch während bei uns allen Ernstes die Religionswissenschaftler nur noch nach einer Art Nahtodeserwartungen eines Wanderpredigers fragen, durch die dieser zu wundersame Worten und Taten bewegt worden sein soll, die Naturwissenschaftler in der Theologie schon lange keine sich mit Realitäten befassende Wissenschaft mehr sehen, baut die Theologie des Tao weiterhin auf dessen Realität in allem kosmischen Geschehen, der gesamten Genesis incl. des gesellschaftlichen Zusammenlebens bzw. der menschlichen Beziehungen.
Nachdem unser ganzheitliches Denken, ob in ökologischer Lehre, Naturheilkunde bzw. Medizin oder moderner Physik heute wieder ähnlich wie im Weltbild des Ostens eine Grundgesetzlichkeit allen kosmischen Werdens wie selbstverständlich anerkennt und voraussetzt, ist der eigentliche Grund des christlichen Glaubens wieder zur Selbstverständlichkeit geworden – ohne allerdings als solcher wahrgenommen zu werden. (Es war ja angeblich nur ein Wanderprediger, den man anschließend als Wort... verherrlicht, christologisiert habe.)
Wenn ich mich trotzdem weder zum Taoismus bekehren will, noch in modernen Weisheitslehren bzw. Philosophien das Heil für das heutige Denken sehe, dann hat das einen vernünftigen Grund. Auch wenn m.E. das Wesen des schöpferischen Wortes im Tao oft eine weit realere Gestalt hat, als in christlicher Lehre, so wäre es der falsche Weg, in fremden Religionen und un-persönlichen Theorien auf Heil zu hoffen. Die christliche Ausformung des Gotteswortes/Logos/Tao/schöpferischer Vernunft in der bekannten Person – auch wenn sie zur Dekadenz des heutigen Bildes vom historischen Grund unseres Glaubens geführt hat – ist weiterhin der für uns im Westen sinnvolle Weg.
1.2. Weltvernunft
im realen Werden unseres Wissens neu wahrnehmen
Während in der jüdisch-christlichen Lehre der Begriff Logos oft mit menschlicher Lehre gleichgesetzt wird, die in alten Weisheitsreden und Philosophien ihren Ausdruck fanden, wir das Gotteswort nur noch als die zwischen zwei Buchdeckeln gesetzten Buchstaben betrachten und Jesus nicht mehr als ein guter Mensch gewesen sein soll, der dann als Logos hochstilisiert wurde, scheint in den östlichen Lehren der Logos noch weit lebendiger. Was m.E. unserer christliche Lehre zugrunde liegt, ist keine rein menschliche Lehre, sondern wird in der Realität der Natur bzw. des kosmischen Geschehens noch realer gesehen, als im rein materialistischen Weltbild des Westens.
Um zu begreifen, was Thema des alten und insbesondere des Neuen Testamentes ist, auf was die griechische Philosophie gründet und was in Jesus Mensch werden musste, scheint daher ein Blick auf das Denken des Ostens hilfreich. Gleichzeitig kann deutlich werden, dass es dabei nicht um menschliche Geistesgebilde geht, sondern eine Realität der gesamten schöpferischen Genesis: eine Software, die über die Hardware der Materie hinausgeht. Diese Software/schöpferische Seele/Vernunft allen natürlichen Werdens/der präexistente Logos, der aus meiner Perspektive letztlich Grundlage aller biblischer Bildgeschichten ist, besitzt im östlichen Denken noch eine Begrifflichkeit, die uns dabei helfen kann, im heutigen Wissen der Welt den Grund des eigenen Glaubens bewusst wahrzunehmen.
Während wir die Bezeichnung Logos weitgehend mit Lehre
gleichsetzen, dann z.B. in biblischen Berichten nur noch gegenseitige Abschreiberei und Mysterien lesen, die meist
undefinierbaren persönlichen Gottesoffenbarungen entsprungen sein sollen,
besaßen Tao wie Logos im antiken Denken eine kosmische Realität, die
vermittelbar war und die es im heutigen naturwissenschaftlichen Weltbild neu zu
vergegenwärtigen gilt. Denn das christliche
Bewusstsein von Morgen kann weder auf Mysterien bauen, noch alte Weltbilder
bzw. daraus abgeleitete aufgewärmten philosophische Theologien der Antike. Ziel
dieser Überlegungen bzw. eines Lernens aus alten Logos-, Gotteswort- oder
Tao-Theologien kann es daher nicht sein, nur den alten Begrifflichkeiten
nachzutrauern, über längst vergangene Zeiten nachzudenken. Vielmehr dient die
alte Begrifflichkeit als Beweis für die heute wieder verständliche
schöpferische Vernunft in allem nachweisbaren natürlichen Werden. Es gilt die
heutige Realität dessen bewusst zu machen, was damals Grundlage des Glaubens
war: Eine Weltvernunft im Rahmen unsers heutigen wissenschaftlich beschriebenen
Weltbildes wahrzunehmen, darauf den vorhandenen universalen Glauben zu gründen
und Handlungsnormen als schöpferischer Wille/Wort abzuleiten. Wer morgen
Sonntags bewusst „Jesus geh voran, auf der Lebensbahn...“ singt, wird die Woche
über im Sinne dieser schöpferischen Vernunft/universaler Ordnung/Öko-logie leben bzw. begeistert dem lebendigen Wort Gottes ent“sprechen“ wollen.
Gleichwohl uns Biologie bzw. Ökologie ebenso wie moderne ganzheitliche Physik und insbesondere Astronomie permanent eine Weltvernunft vor Augen führen, scheinen wir weiterhin blind zu sein für die Realität dessen, was unseren Religionen zugrunde liegt, letztlich in Jesus auf menschliche Weise zum Ausdruck kommt. Wenn wir Begriffe wie Logos, Tao, Weltvernunft oder Maat (die ägyptische Ausdrucksform) lesen, suchen wir nach Erklärungen, indem wir nachweisen, wie sich die verschiedenen antiken Sichtweisen gegenseitig beeinflusst hätten, andere Lehren übernommen worden wären. Die Realität im eigentlich erst nach der Aufklärung neu ganzheitlich zu betrachtenden natürlichen Werden, wird nicht wahrgenommen. Wen wundert es dann, wenn heute auch im Nachdenken über christologische Umschreibungen unseres Heilandes nur übernommene Hocheitsitel gesehen werden, mit denen ein junger Jude hochgelobt, vergöttert worden sein soll? Die kosmische Realität der Begriffe, mit denen die schöpferische Vernunft/das Wort Gottes umschrieben wird, ist für uns nicht mehr begreifbar, hat ihre „Wirk“lichkeit verloren. Selbst dort, wo jenseits eines gestrigen Materialismus von einer beseelten Natur gesprochen wird, kann heute keiner auf die Idee kommen, was das mit dem Wort Gottes oder gar dem jungen Juden mit Namen Jesus zu tun hätte. Nachdem uns die kosmische Realität fehlt, allenfalls einige wissenschaftlichen Außenseiter von einer universellen Gesetzmäßigkeit oder gar einer Weltseele schwärmen, wird andererseits auch das Gotteswort und seine menschliche Ausformung nur als eine Kopfgeburt der alten Kirche gesehen, bleibt reiner „Menschensohn“. Die heutige christliche Theologie braucht all dies kaum weiter zu interessieren. Sie hat ja ihren angeblich historischen Jesus und ihr Buch, aus dem sie vorliest, egal ob noch jemand versteht oder interessiert. Doch wird so nicht der Logos Gottes, das lebendige Wort durch seine eigenen Vertreter verleugnet?
Der Blick für das natürliche, vernünftige Schöpfungswirken,
den Logos Gottes, ist durch die Gesetzeslehre getrübt. Nachdem wir nicht
zuletzt durch den jüdisch-christlichen Missverstand der biblischen
7tage-Beschreibung des Schöpfungsgeschehens sowie den Missbrach Gottes als
Erklärungsgrund für das naturwissenschaftlich „noch nicht“ sinnvoll, logisch
Erklärbare den Verstand für das lebendige Wort verloren haben, bleibt alle
Natur dem Zufall einer rein materiellen Selbstorganisation überlassen, sind
religiöse Lehren dann nur noch menschengemachte Mythen, die mit
naturwissenschaftlichen Beschreibungen der Realität nichts zu tun haben. Dass
sich gerade in der Selbst-organisation des Kosmos
oder unseres Körpers genau das abbildet, was die Antike als Gottessohn
bezeichnete, davon ist nichts zu sehen. Doch das aufgeklärte Wissenschaft kann
dafür kaum verantwortlich gemacht werden. Das rein materialistische Weltbild
der heutigen Naturwissenschaft ist nicht zuletzt dem Missverstand der eigenen
Traditionstexte zu verdanken. Auch wenn die Gegensätzlichkeit von biblischem
Schöpfungsbericht und natürlicher Genesis nur noch von den die Evolution
abstreitenden sog. Kreationisten hochgehalten wird, scheinen wir von einer für
die Antike nachzuweisenden Gotteswahrnehmung aufgrund schöpferischer Vernunft
weit entfernt. Es war ja nur ein Wanderprediger... Und von wem verlangt wird
an Gott zu glauben, weil da ein wundersamer junger Jude wundersame Dinge tat,
wie kann der auf den Gedanken kommen, in einer kosmischen Vernunft
Gotteshandeln wahrnehmen zu wollen. Wenn banale Naturbrechungen - die einem
nach wie vor missverständlichen Bibelverständnis entspringen – als
Gottesbeweise herhalten müssen, muss die lebendige Vernunft Gottes weiterhin
verleugnet werden, bleibt allenfalls eine Dornenkrone für den historischen
Jesus.
1.3. Die Zusammenschau zeigt die Realität des Grundes
christlicher Offenbarung
Kann nicht gerade der Blick auf die völlig verschiedenen alten philosophisch begründete Theologien, die sich an den unterschiedlichsten Enden der alten Welt entwickelt haben zeigen, dass es bei dieser als Gotteswort wahrgenommenen Vernunft um kosmische Realitäten geht, keine menschlichen Gehirngespinste die Grundlage des religiösen Denkens sind? Wenn in den unterschiedlichsten Denkmodellen auf verschiedene Weise eine im kosmischen Geschehen gesehene Vernunft zum Ausdruck gebracht wurde, dann zeigt sich doch gerade darin eine schöpferische, außerhalb den Dingen selbst stehende Realität, in der wir in unserer Kurzsichtigkeit heute nur noch eine Selbstorganisation sehen. Genau das, was uns heute so selbst-verständlich geworden ist, wovon wir wie selbst-verständlich ausgehen, wurde am Anfang des christlichen Glaubens als Sohn des einen selbst unsichtbar bleibenden Gottes gesehen. (Ausfluss, Erzeugnis... und somit offenbarend und wegweisend, nicht Gott selbst)
1.4.
Vom Mythos zum Logos: zu verstehenden Wort
Alte Mythen seien zusammengeflossen sagen wir und denken dabei an Märchen, meinen allenfalls Realitäten, die sich sonst nicht in Worte fassen lassen. Auch wenn von den östlichen Lehren berichtet wird, bleibt es bei solchen Mythen. Wenn vom konfuzianischen Weltengesetz die Rede ist, dann wird nicht die reale Ordnung der Natur gesehen, die damals betrachtet wurde, Voraussetzung für das menschliche Denken war, sondern treten menschliche Lehren, Mythen an deren Stelle. Während damals in der kosmischer Realität allen Werdens und natürlichen Zusammenwirkens eine Vernunft gesehen wurde, sprechen wir nur noch von menschlichen Mythen, denen unaussprechlichen ewige Wahrheiten zugrunde liegen würden.
Doch zeigt sich nicht gerade in der christlichen Theologie eine Weiterentwicklung dieser in östlichen Lehren unaussprechlichen Grundwahrheit? Ist die Weltvernunft nicht gerade durch die Person Jesus auf eine für das damalige Volk zeitgemäße Weise begreifbar geworden? Gerade die östlichen Lehren verlagen, jenseits der die Wirklichkeit begrenzenden Begrifflichkeiten nach der Wahrheit zu suchen. Doch was bleibt von der Wahrheit des Unaussprechlichen? War es nicht gerade der Verdienst alter Weisheitslehrer wie Laotse, dieses Unaussprechliche zu Sprache zu bringen, den Urgrund allen Seins für die Menschen erfahrbar zu machen? Göttliche Gesetzmäßigkeiten, die die Harmonie des Himmels wie die der Erde bestimmen, wurden versucht zur Sprache zu bringen. Universale Gesetzmäßigkeiten des Alles waren das Maß für das menschliche Leben. Tugendlehren und Weisheitssprüche wurden im Osten vom Tao und im Westen vom Gotteswort/Logos abgeleitet. Der göttlich vorgegebene Lebenssinn, den es zu menschlich nachzuleben galt, nahm bei Laotse gar so etwas wie eine persönliche Gestalt an, wird gesagt. Doch das Tao wurde hier im Gegensatz zur christlichen Theologie selbst als präexistente Gottheit verehrt, wenn auch im philosophischen und nicht im persönlichen Sinne.
Die Gefahr, die darin liegt, das Unaussprechliche in Begriffe zu fassen, zeigt sich m.E. in besonderer Weise im christlichen Glauben, wo die gesamte theologische Wissenschaft nicht mehr nach dem präexistenten Wort sucht, dieses als die eigentliche Realität wahrnimmt, sondern nur noch nach der Denkweise eines antiken Religionsrebellen Ausschau hält. Doch auch wenn die Suche nach menschlichen Knochen bzw. die Konzentration auf die menschliche Person Jesus den Blick für die Realität des Gottessohnes verbaut, scheint es zum sinnvollen Plan zu gehören, liegt die wahre Vernunft in der menschlichen Ausformung. Nur so war der westlichen Welt über 2000 Jahre das Wort Gottes zu vermitteln, ohne dass alles in einem unbestimmten Pantheismus auf- und unterging. Nur so ist all unser Wissen um das natürliche Werden der Welt gewachsen, das entstanden, was wir Freiheit und geistigen Fortschritt nennen.
Auch wenn ich bitter beklage, dass derzeitiges christliches Denken sein eigentliches Wesen nicht ernst nimmt, in der Beschreibung des Tao oft den Urgrund unseres Glaubens besser zum Ausdruck gebracht sehe, als in christlicher Theologie, die versucht das Neue Testament auf einen Religionsrebellen mit Inspirationen aus „Nahtodeserfahrungen“ zu reduzieren, so scheint doch in der Geschichtsgestalt des als Wanderprediger lebendigen Gottessohnes/Wortes/Logos bzw. der von ihm ausgehenden Erneuerung des Monotheismus der letztlich logische Weg zu liegen.
Wie sinnvoll es war, dass die Väter unsers Glaubens sich gegen verflüchtigende gnostische Logos-lehren, blutleere Philosophien und intellektuelle Selbsterlösungsweisheiten, die nur für einige Wenige hilfreich gewesen wären, zur Wehr setzten und das schöpferische Wort in genau der Form vermittelt haben, die wir kennen, lässt sich scheinbar erst aus einer gewissen Entfernung verstehen. Nur in der Form, die wir im christlichen Kanon lesen, konnte das schöpferische Wort/der Logos Gottes den Menschen der westlichen Welt verständlich gemacht werden. Welchen Verlauf hätte sonst die westliche Welt genommen? War es nicht gerade dieses Gottesverständnis durch die Geschichte des menschlichen Gottessohnes, durch das das heutige Wissen hervorgebracht wurde und das zu einer Weiterentwicklung der Welt geführt, Freiheit und Wissen hat wachsen lassen?
Liegt nicht auch in Luthers Betonung der Buchstäblichkeit gegenüber den kirchlichen Ablasspredigten uns sonstigen abstrusen Lehren nicht ein Stück Logos im Verlauf der geistigen Entwicklung? Denn wo wären wir gelandet, ohne die Buchstäblichkeit der Bibel als absolut zu setzen? Doch ist nicht jetzt die Zeit, das Wort Gottes auf mündige Weise weltweit neu zu verstehen?
Wenn stimmt, was ich heute sehe und hoffe, kann genau durch dieses in der westlichen Aufklärung gewachsene Wissen letztlich genau die ewige kosmische Ordnung, das Tao neu bewahrheitet werden, das bereits den alten östlichen Lehren wie westlicher Theologie zugrunde liegt.
1.5. Statt das Tao zu mystifizieren ist das tat-sächliche Wort Gottes neu zu verstehen
Doch wie bereits gesagt, wäre es m.E. der falsche Weg, aufgrund unsers Wissens um die Sinnhaftigkeit allen natürlichen Seins, die ewig sich immer wieder auswiegende Ordnung des kosmischen Geschehens bzw. der Dialektik allen Werden nur die Lehren Laotses oder Logosphilosophien wieder aufleben zu lassen. Was nützt es, nur das Tao neu in der Physik nachzuweisen, in Selbstverständlichkeiten des natürlichen Seins bis zur menschlichen Zweisamkeit bzw. Sexualität allgemein nur die Tat-sache östlicher Weisheitslehren zu demonstrieren? Um die Menschen zur wahren schöpferischen Lebensweise zu bewegen, den Geist der modernen Gesellschaft zu bestimmen und zur universalen Vernunft zu führen, dazu taugen weder alte östliche Weisheiten noch das Bewahrheiten des Tao oder die Einsicht in die Sinnhaftigkeit sonstiger fernöstlicher Lehren.
Auch die alten Mythen des Westen, ob hellenistisch von Göttin Gaia, die die Erde als ganzheitliches, alles Leben hervorbringendes Wesen verkörpert oder der hebräischen 7tage Genesis des Alten Testamentes gesprochen wird, bringen uns ebenso wenig weiter, wie die antike griechisch-philosophische Metaphysik, die sich auf einen für uns heute nicht mehr nachvollziehbares Logos-wesen beruft. Die alten Begrifflichkeiten lassen uns weder das schöpferische Wort verstehen, noch tragen sie zu einem vernünftigen Verhalten bei.
Ist es uns nicht erst durch eine neue Wahrnehmung des schöpferischen Wortes im heute nachvollziehbaren natürlichen Prozess allen Lebens möglich, die alten Lehren mit neuem Leben zu erfüllen? Warum fällt es uns so schwer, in der naturwissenschaftlich nachgewiesenen Logik allen Werdens die schöpferische Vernunft als Wort Gottes neu zu verstehen?
Nur weil wir den Sinn für den Gottessohn in menschlicher Form verloren haben, den personalen, allzu vermenschlichten Gott missverstehen, können wir nicht zu östlichen Lehren konvertieren, wie dies bei vielen sich auf der Suche befindlichen modernen Zeitgenossen zu erkennen ist. Die Logik lehrt uns, die eigene Begrifflichkeit mit neuem Leben zu erfüllen und die Bedeutung der persönlichen Beziehung zu einem personalen Glaubensgrund zu begreifen.
1.6.
Den eigenen Logos bei Laotse lernen
Wenn ich trotzdem bei der Weisheit des Ostens lernen will, dann geht es nicht um sittliche Lehren, die selbstverständlich ebenso sinnvoll sind, wie christliche Ethik und Lebenslehren. Auch religiöse Übungen und Praktiken des Ostens anzuwenden wäre mit Sicherheit zu wenig. Die Yogaübung mag gut für mich sein. Eine gesellschaftsgestaltende Kraft, die die Menschen des Westens zur vernünftigen Lebensweise bewegt kann davon ebenso wenig ausgehen, wie von eine Meditation, die nur mir selbst die Grundwahrheiten des Glaubens näher bringt.
Weder bei Laotse noch den christlichen Lehrern, die uns den Logos in menschlicher Gestalt vermittelten, stand nur eine Selbsterlösung auf dem Programm. Das unaussprechliche sichtbar zu machen, den Menschen in zeitgemäßer, der jeweiligen Kultur gerecht werdender Sprache zu vermitteln, das will ich von Laotse lernen.
Wenn in der theologischen Philosophie des Taoismus das schöpferische Wort in einer Begrifflichkeit zum Ausdruck gebracht wird, die eine unserem heutigen Denken um das Werden der Welt, die kosmischen Realitäten treffender beschreibt, als die derzeitige jüdisch-christlichen Lehre, will ich mich von dieser keineswegs abwenden. Den eignen Logos, das christlich Wesen will ich bei Laotse & Co. lernen. Mt einem Sinnieren über östliche Weisheitssprüchen und deren Vergleich mit der Bergpredigt ist es nicht getan, das bringt uns nicht weiter, lässt die Lebensweisheit noch keine Verhaltensweise werden. Vielmehr gilt es m.E. zu erkennen, dass sich hinter der östlichen Weisheit nichts anderes verbirgt als das, was wir Wort Gottes nennen, für uns der Offenbarer des einen Gottes war und neu in allem natürlichen Werden wahrzunehmen ist. Erst dann kann die schöpferische Vernunft/Logos/Tao zur Leitlinie des täglichen Lebens werden und gesellschaftsgestaltende Kraft entfalten.
Die Geschichte Jesus wird dabei keineswegs als mythologisierende Vernebelung dessen verstanden, was im Osten als Weltvernunft/Tao bezeichnet wurde, kosmische Realität hatte. Vielmehr war es wahrhaft vernünftig, für die Ver-mittlung zwischen den verschiedenen Kulturformen und die Weiterführung des als wahrhaft erkannten Monotheismus sinnvoll, wenn im Westen das Weltenwort Gottes, der Grund vernünftiger Offenbarung die Gestalt eines menschlichen Gründers annahm, so an den alten Glauben anknüpfte und gesellschaftsgestaltende Kraft entfaltete.
1.7.
Sich fortentwickelnde Schöpfungslogik statt harmonischer Stillstand
An dieser Stelle kann nicht erschöpfend darüber nachgedacht werden, was das jüdisch-christlichen Gottesverständnis vom fernöstlichen Denken unterscheidet, welchen Vorteil das monotheistische Begreifen eines Schöpfergottes gegenüber dem Tao hat. Doch ein wesentlicher Unterschied in den verschiedenen Welt- bzw. Gottesvorstellungen scheint in der gesellschaftsgestaltenden Kraft und dem Auftrag zur Weiterentwicklung zu liegen, die das Bewusstsein eines Kreators mit sich bringt, von dem alles Werde ausgeht.
Während in der Lehre des Tao der Schwerpunkt auf dem inneren Gleichgewicht liegt, offenbart der christliche Logos den gemeinsamen Schöpfer: den Vater von Mensch, Natur und Geschichte auf vernünftige Weise. Auch hiervon geht dann der Auftrag zum Leben in Einklang mit der Mitwelt aus. Doch die jüdisch-chrstliche Religion in diesem Sinne ist kein Rezept zur Selbsterlösung, sondern zum vernünftigen Leben in der Gemeinschaft des einen Gottes. Wer nur das Tao zum Thema hat, der darf sich ausklinken, kann aussteigen, um – evtl. in meditativer Versenkung - selbst mit dieser Weltharmonie eins zu werden. Wer von dem einen gemeinsame Schöpfergott ausgeht, der muss sich selbst einbringen in die Gesamtheit, zur Genesis beitragen. Nicht die Selbsterlösung steht dann auf dem Programm des Lebens, sondern eine Verhaltensweise, die sich im Sinne eine höheren Vernunft weiterentwickelt.
Nicht allein Stillstand bzw. stoische Ruhe zur Selbsterlösung kann in einer von einem gemeinsamen Kreator ausgehenden jüdisch-christlichen Gottesverständnis Sinngebung sein, sondern ein möglichst großer Beitrag zur Genesis Gottes, zur Weiterentwicklung einer gemeinsamen Welt in schöpferischer Gemeinschaft.
Wenn hier Gedanken zur grundsätzlichen Unterscheidung zwischen den verschiedenen Gottesvorstellungen angerissen werden, dann will ich damit keineswegs über andere Denkweisen urteilen. Zu weit ist derzeit das christliche Denken davon entfernt, eine gemeinschaftsbildende, zukunftsgestaltende schöpferische Lebensweise hervorzubringen.
Doch um die verschiedenen Ausdrucksformen des einen Logos bzw. der davon ausgehenden Ergebnisse beurteilen zu können, muss auch die sich aus den Lehren ergebenen Sinngebungen und der daraus abzuleitenden Lebensweisen betrachtet werden. Denn wer nicht einen verherrlichten Wanderprediger und unerklärliche innere Stimmen am Anfang des unseres Glauben sieht, sondern Weisheitslehrer, die darüber nachdachten und diskutierten, welcher Weg der Erkenntnis im Sinne des eines gemeinsamen Schöpfergottes und somit auch heilsbringend für die menschliche Genesis ist, muss neu über die Differenzen denken.
Dabei ist sicher nicht der Weg des Ostens das Thema der christlichen Theologen gewesen. Nicht mit dem Tao haben sich die Lehrer des Neuen Testamentes beschäftigt, sondern mit dem Logos der philosophischen Lehren, die zu ihrer Zeit ganz selbstverständliche Tagesordnung des Denkens waren. Doch gerade in den philosophischen Lehren werden mit Blick auf einen gemeinsamen Schöpfergott ganz unterschiedlichen Sinngebung deutlich, die mich bereifen lassen, warum die christliche Form des Logos die fortschrittlichere Denkweise war.
Ziel der Vergleiche zwischen der sich aus Tao- oder Monotheismus ergebenden Sinngebung ist es daher nicht, über östliche Lehren zu urteilen, sondern zu begreifen, warum der Logos/Gottessohn in geschichtlicher Menschengestalt gegenüber den vom Logos ausgehenden philosophischen Modellen dessen wahrhaft vernünftige Ausdrucksform war. Denn vieles, was in der Unterscheidung zwischen östlichen Lehren und einer vom Logos erfüllten Lebensweise ausgehen sollte, lässt sich auch auf philosophische Lehren, wie die Stoa übertragen.
2. Weisheit
der Stoa: philosophischer Verstand des Wort Gottes
(Wer sich mit dem frühchristlichen Gedankengut auseinandersetzt, für den ist alles nicht neu. Tausendfach wir in der Antike deutlich, dass alles theologische Denken vom Logos Gottes ausgeht. Aus fast allen Texten, die z.B. Prof. Klaus Berger in seine Neuzusammenstellung des Neuen Testamentes aufnahm, wird deutlich, dass das Schöpfungswort, die Weltvernunft an der Wiege eines neuen Glaubens stand. Ist es daher Eulen nach Athen tragen, was ich hier betreibe? Oder steht bei uns trotz all des immer ausgereifteren Wissens der Theologen nicht weiterhin nur ein als Wort Gottes titulierter Wanderprediger am Anfang? Wird so nicht die Bedeutung der Weltvernunft, des eigentlichen Schöpfungswortes verkannt? Warum ist nicht einer der Theologen bereit, die gesamten alten Texte als von der schöpferischen Vernunft gesprochen aus zu lesen? Warum kann nicht immer wenn in unzähligen Texten von Jesus Christus gesprochen wird, dieses in der Antike lebendige Gotteswort gelesen werden, statt immer nur von der Vergötterungen eines jungen Juden auszugehen oder Christus mit beliebigen Gottesbilder, die im Streit liegen, gleichzusetzen?)
2.1. Weisheit Gottes als Wiege des christlichen Glaubens
Bevor wir darüber nachdenken, dass der christliche Glaube bzw. die menschliche Wahrnehmung des Logos weit über die Philosophie der Stoa hinausgeht, damals als wahrhafte Vernunft gesehen wurde, will ich mich auf die „Weisheit der Stoa“ beziehen. Schon angesichts dieser großartigen Denkens, das sich uns heute allein in diesem Zweig des damaligen Philosophierens aufzeigt wird deutlich, welcher Schwachsinn heute im Namen Jesus betrieben wird, wenn an theologischen Hochschulen nur die Hypothese eines Handwerksgesellen hochgehalten wird, der eine persönliche Gotteserfahrung in der Art von „Nahtodeserfahrungen“ oder ähnlich absonderlichen Eingebungen hatte und von seinen Anhängern anschließend als Gottessohn verherrlicht wurde. Wie können wir davon ausgehen, dass mit einem solchen Geist begabte antike Menschen nur einen menschlichen Guru verherrlicht, diesem Weisheitstexte in den Mund gelegt hätten. Blind für eine heute neu wahrnehmbare schöpferische Weisheit, wird der Grund der antiken Lehren kaum ernst genommen, auch wenn diese oft im Munde sind. Wir sehen allenfalls eine menschliche intellektuelle Weisheit aufgrund metaphysischer Spekulationen, die in auf einen Menschen mit zufälligem Namen Jesus übertragen wurden. Der Grund all dieser Lehren, die Weisheit Gottes als schöpferisch-natürliches Weltgesetz, scheint uns verlorengegangen. Wie soll da die Bedeutung von deren Menschwerdung nachvollzogen werden?
Aufgrund all unsers Wissens um die Weisheit der Antike, die vom alten Ägypten über die Babylonier bis zu den Griechen reicht, in den philosophischen Auseinandersetzungen zur Zeit Jesus nachvollzogen werden kann und laut anerkannter theologischer Lehre auch in den christlichen Texten ihren Niederschlag gefunden hat, ist es einfach unvorstellbar, wie der Grund all dieser Weisheit einfach abgetan wird. Die Hypothese vom historischen Wanderprediger, der nur nach heutiger Theologie nur ein verherrlichter Mensch gewesen sein soll, hat uns taub gemacht für das Schöpfungswort Gottes, das in den verschiedenartigsten Begrifflichkeiten Grund allen antiken Denkens war. So wie wir Epikur nur als eine „Lustlehre“ lesen, bei den Verfassern der Schriften von Qumran nur einen frommen Menschen als „Lehrer der Gerechtigkeit“ suchen und die verschienenartigen Göttersöhne der antiken Mythen einfach als überholten alten Glauben abtun, wird auch die Stoa nur wie eine Sammlung schlauer Sprüche und interessanter Lehren zitiert. Der Logos, der all diesen Lehren zugrund liegt, ist uns verloren.
Wir wissen, dass nicht nur die alten Ägypter ihre Erkenntnis aus kosmischen Realitäten ableiteten, der erste Monotheismus Eschnatons keine Sonnenanbetung war, sondern durch die kosmischen Kraft der alles Werden bestimmende Sonne der Glaube an den einen universalen, unsichtbaren Gott hervorgegangen ist. Und auch, dass das hebräische Welt- bzw. Gottesbild und der gesamte griechische Geist ebenso wie die christliche Gnosis sich auf reales kosmisches Geschehen als Gotteswort beruft, ist bekannt. Soll nun die große geistige Revolution, die Eschnaton, Moses oder Sokrates noch bei weitem übersteigt, nur von einem wundersamen Religionsrebellen ausgegangen sein, den seine Anhänger nach einer ebenso wundersamen – oder angeblich nur im Geist bzw. bei der Gemeindebildung stattgefundenen - Auferstehung zum Logos erhoben? Wer sich die Weisheitslehren und ihren theologischen Tiefgang im Hinblick auf die schöpferische „Tat“-sache vor Augen führt, die in den unterschiedlichen und durchaus widersprüchlichen antiken religiösen Lehren bzw. Philosophien zur Zeit Jesus lebendig waren, für den ist es einfach unvorstellbar, wie heute von „geschichtlichem Kontext“ gesprochen werden kann, in dem das neutestamentliche Geschehen zu betrachten sei und dann bei der Banalstory stehen bleibt, wie sie heute an Hochschulen als historisches Geschehen gelehrt wird.
Und doch: Nur durch diese bildhaft begreifbare Form – und nicht durch die philosophischen Schulen – hat sich er Logos verwirklicht, ist das, was sich die damaligen Intellektuellen erhofften, Geschichte geworden.
Wir wissen, dass Johannes ohne die griechisch-philosophische Weisheit undenkbar wäre, Platon in Paulus eingeflossen ist, die jüdischen Weisheitstexte und die urchristlichen Lehren den Logos zum theologischen Thema haben. Doch was hilft das alles, wenn wir blindwütig weiterhin nur einen jungen Juden an den Anfang stellen, ohne dahinter das schöpferische Wort als das tat-sächliche Wesen zu sehen?
Die Weisheitstexte der Antike sind dann zwar Thema theologischer Seminare, doch wird dabei – ähnlich wie bei Laotse - nur die philosophische Lebensweisheit mit den Lehren des Neuen Testamentes verglichen und von großartigen Denkern geschwärmt, ohne das schöpferische Wort mitzulesen. Diese Lebensweisheiten als Ausfluss des damals verstandenen Gotteswortes zu begreifen, davon scheinen wir weit entfernt, auch wenn wir wissen und nachweisen, dass das, was die Griechen Logos nannten, die Grundlage der gesamten jüdischen wie griechischen Weisheit war.
Die Weisheitstexte sind heute modern, werden nicht nur in kirchlichen Veranstaltungen hochgehalten oder wenn nach neuen Werten für unser gemeinsames Wirtschaften gerufen wird. Kaum einer der hochbezahlten Managementtrainer, der nicht Seneca & Co. an den Anfang seiner Ausführungen stellt. Doch während wir Weisheit mit menschlichen Meinungen der heutigen Philosophie gleichsetzen, lag der antiken Weisheit nachweislich der schöpferische Logos zugrunde.
Wir wissen, dass antike Weisheit das Wissen um die Gesetzmäßigkeit der Welt/Natur (Logos/Vernunft/Sprache/Sinn im Kosmos) war, dieses göttliche Wort das Schicksal der Welt gestaltete und in der göttlichen Ordnung waltete. Wenn wir allerdings Jesus als das präexistente Wort betrachten, dann bleibt nur eine philosophische Lee(h)re, die aus propagandistischen Zwecken oder frommem Eifer auf einen jungen Juden übertragen wurde. Doch wenn die Stoa von Tugend spricht, dann geht es weder um fromme Sprüche, die alten Religionsgesetzen abgeschrieben wurde, noch wurde eine Tugendlehre aus menschlichen Moralvorstellungen und Ideologien abgeleitet. Der Logos Gottes war die Leitlinie. Leben gemäss der von Gott ausgehenden Natur war tugendhaft und versprach Glückseligkeit. Alles andere war unvernünftig und von Übel. Das einzige Grund, der gegen das wahre Glück des Menschen stand, war ein unvernünftiges Verhalten. Die schöpferische Vernunft, der Logos Gottes, nicht menschliche Meinungen, philosophische Ideologien oder fromm-religiöse Traditionen sollten das Tun, die Tugend der Menschen bestimmen. Die wahrhafte Aufklärung bestand scheinbar in der Antike darin, von Schöpfungswort des Vaters die menschliche Vernunft abzuleiten. Wenn wir dagegen von Vernunft sprechen, das Zeitalter der Aufklärung als „Aufbruch zur Vernunft“ bezeichnen, so gehen wir nicht von einem entsäkularisierten Vernunftsbegriff aus. Die bisherige Buchstäblichkeit unseres Bibelverständnisses hat Denken und Glauben gegeneinander gestellt. Die Vernunft Gottes wurde verdrängt und so führt die menschliche Vernunft nur ins Abseits, muss nicht nur als Gegner des Glaubens gelten, sondern führt auch nicht zum wirklich vernünftigen, zukunftsfähigen Wirtschaften bzw. schöpfungsgemäßen Verhalten. Alles Wissen um das logisch-natürliche Werden steht in diesem Weltbild dem Glauben im Wege, statt dass es – wie in der Antike - als Grundlage eines neuen Gottesverstandes und so vernünftigen menschlichen Lebens gesehen wird.
Der Mensch wurde als Abkömmling dieser vernünftigen Natur gesehen: Die Menschen als Brüder des ewigen Logos, über den Erdkreis hinaus. Wie universeller kann ein Verständnis sein? Und wie kann heute ein katholischer Anspruch erhoben werden, der sich dieses schöpferischen Wortes, eines universalen Weltgesetzes nicht bewusst ist, den Logos nur als die eigene Gotteslehre betrachtet, die letztlich nur einem jungen Juden mit Halluzinationen und seinen Anhängern entsprungen sein soll?
Wenn wir heute von der stoischen Philosophenschule des Zenon sprechen, die ganzen Weisheitslehrer und Ihre Lehren aufaddieren, an deren Spitze Sokrates stand, dann können wir dabei den schöpferischen Logos nicht außer Acht lassen. Jeder Vergleich mit heutiger Philosophie, einem Notvorrat an Werten gegen die Dekadenz erfallener Zeit in Phasen des Umbruches hinkt, wenn nicht von einer schöpferischen Weisheit, einem Gotteswort ausgegangen wird, das damals verstanden wurde.
Nicht die Verhaltenslehren, die Bedürfnislosigkeit asketisch-gelassener Lebensweise kann für uns tugendhaftes Vorbild sein, sondern das, was einer Beurteilung von Tugend vorausging und was Gegenstand des Neuen Testamentes war. Denn erst in der Ausformung des Neuen Testamentes konnte die philosophisch erkannte kosmische Vernunft/das Weltgesetz zur Geltung für den menschlichen Geist kommen, die antike Erkenntnis wirksam werden.
2.2. Warum die Menschwerdung des Gotteswortes ein geistiger Quantensprung war
Wer versucht die Vernunft Gottes als historischen Grund des christlichen Glaubens wieder begreifbar zu machen, der ist geneigt, bei den Ausführungen über die Weisheit der Stoa „hier“ zu schreien, den antiken Belegt für den lebendigen Logos/das Wort Gottes zu sehen. Wenn ich trotzdem die christliche Lehre nicht als eine weiterführende Spielart der philosophischen Erkenntnis oder gar einen Rückschritt in Mythenbildung sehen, sondern die wahrhaft vernünftige Ausformung, dann hat das viele logische Gründe, die hier nicht vollständig zu nennen sind.
Mit Sicherheit wird es mir nicht möglich sein, die nachweislich stattgefundene Diskussion der Antike um die Sinnhaftigkeit der christlichen Lehre in all ihren Ausführungen nachzuvollziehen, alle Aspekte aufzuzählen, warum die christliche Theologie bzw. die Menschwerdung des Logos sein musste, nur von ihr messianische Wirkung ausgehen konnte bzw. nur sie Wirksamkeit für die Weiterentwicklung des Geistes der Welt war. Doch die Beispiele können evtl. einen Weg aufzeigen, der zu beschreiten ist, um den Grund des christlichen Glaubens neu begreifen zu können.
Denn das Wesen des christlichen Glaubens ist eben mehr, als nur eine philosophisch erkannte Weltvernunft und ein Sinnieren um ein ihr gerechtes Leben. Der historische Quantensprung scheint in der Menschwerdung des Schöpfungswortes/des kosmischen Weltgesetzes/Logos zu liegen, was die Weisheitslehren bei weitem übersteigt.
Wir wissen heute um die alten hellenistischen Mythen mit ihrer Vielzahl von Halbgöttern sowie Gottessöhnen und kennen ihren konkreten kosmischen Bezug. Wir lesen über die jeweilige Funktion im Schöpfungsgeschehen bzw. Heilswirkung, für die Dionysos & Co. im Gesamtgeschehen der Genesis zuständig waren und berichten, wie so Homer erstmals Ordnung in den Götterhimmel brachte. Auch wenn alles recht märchenhaft klingt und man ein weitgehend willkürliches Walten menschlicher Götterwesen zeichnete, so können wir doch davon ausgehen, dass ein von einem Gott ausgehendes Gesamtwirken gesehen wurde.
Was lag näher, als in einem fortgeschrittenen monotheistischen Denken der Vielzahl der im Volk kursierenden Göttersöhne und gleichzeitig auch der neuen allzu abstakten Begrifflichkeit, in der sich jetzt in Bildungskreisen das vernünftige Gotteswalten ausdrücke, eine Gestalt zu geben? Die Zeit Jesus war bestimmt von den verschiedenartigen hellenistischen Göttergestalten, ebenso wie von philosophischer Einsicht in eine universelle Ordnung, aus der sich Erkenntnis und die Verhaltenslehren ableitete. Was in den Mythengestalten willkürliches Spiel war, wurde als vernünftiges Walten/Wort erkannt, das im Monotheismus von einem Gott ausging. Was bisher nur mystisch gesetzt war, wurde jetzt denkend gesehen. Wenn jetzt dieses, die alten Mythen übersteigenden griechischen Denken von einem Logos bestimmt wurde, wofür bisher verschiedene menschliche Mythengestalten gezeichnet wurden, muss es doch die logische Konsequenz gewesen sein, der Vernunft des gesamten Kosmos eine noch konkretere Gestalt zu geben. Die übersteigende Weiterführung der Mythen bestand für das antike Denken nicht in einem Abschaffen der begreifbaren Gestalten. Vielmehr muss es auch Tagesordnung der neuen Theologie gewesen sein, eine übergeordnete Sinngebung in menschlicher Form verständlich zu machen.
Wie sonst ist z.B. die Gestalt des Sokrates zu verstehen, der dem Logos eine menschliche Stimme gab. Wer natürlich auch in Sokrates nur einen alten Lehrer vermutet, der sich schlaue Sprüche aus den Fingern saugte, wird auch dieser Argumentation nicht folgen. Wenn, wovon ich ausgehe, Sokrates jedoch nicht als ein seine persönliche Meinungen vertretender philosophischer Lehre zu sehen ist, sondern die sinnvolle Ausformung und Umsetzung des Logos, dann wird auch verständlich, warum weiterhin der Geist Gottes menschliche Gestalt annehmen muss. Die für Platon und Sokrates anerkannte Überwindung der Mythen spricht keineswegs gegen die menschliche Ausformung einer höheren Wahrheit, sondern ihren sinnvollen Einsatz.
(Selbst in der Bezeichnung Platon vermute ich keine Einzelpersönlichkeit,
sondern eine Art Sammelbegriff für eine neu vernünftige, über die alten Mythen
hinausgehende griechische Theologie, die die geistige Grundlage zum
Gemeinschaftsgefüge menschlicher Gesellschaft sein sollte. In diesem Sinne
drückt dann evtl. die sicher laienhafte Eselsbrücke „Plan vom schöpferischen
Ton/Logos/Gestalten/Werden“ mehr aus, als der zufällige Familienname eines
griechischen Gelehrten.)
Die menschliche Psyche braucht Personen bzw. Bilder, die das Abstrakte begreifbar machen, auch wenn diese die Gefahr bergen, selbst als eigentliche Wahrheit gesehen zu werden, wie dies hier von mir beklagt wird. Denn während die in einem historischen Menschen gefangene Hochschultheologie versucht nachzuweisen, wie z.B. parapsychologische Erfahrungen bei einem „jungen Wilden“ zu schamanenhafter Vergeisterung bzw. persönlichen Offenbarungen geführt hätten, wäre es m.E. deren Aufgabe, die Psycho-Logik nachzuweisen, die sich hinter der menschlichen Gestaltwerdung des schöpferischen Wortes in der Person des Jesus von Nazareth verbirgt, um so dessen Offenbarungsfunktion logisch zu begründen.
Der antike Quantensprung in ein neues theologisches Paradigma kann aus dieser Perspektive nicht allein das Neuverständnis der alten Mythen, der Übergang vom Mythos zum Logos bzw. die Wahrnehmung eines im konkreten kosmischen Geschehen sichtbaren Wesens gewesen sein, sondern die menschliche Gestalt dieses Gotteswortes.
Die Ausformung und Vermittlung des Gotteswortes in menschlichen Gestalten entsprach auch dem jüdisch-hebräischen Denken, auch wenn gerade das Judentum die menschliche Person als eigentliches Kultobjekt ablehnte, keinen Pharao oder Kaiser an die Spitzte der Gottesverehrung stellte. Ist es nicht völlig unmöglich, dass wahre Juden, als die sich die frühen Christen verstanden, dann einen einfachen Menschen, wie er heute an den Hochschulen gelehrt wird „christianisiert“ im sinn von vergöttert hätten?
Kann nicht gerade in der Gestalt des Jesus eine Auseinandersetzung mit dem strikten Verbot der Abbildung Gottes verstanden werden? Nicht eine Miniaturausgabe Gottes wurde als Christus gesetzt, sondern ähnlich bzw. anknüpfend an das Alte Testament wurde jetzt dem Wort Gottes Gestalt gegeben. Auch wenn es nicht mehr nur um ein altes monotheistisches Verständnis ging - wie das z.B. in der Gestalt des Moses zu sehen wäre - sondern das eigentliche Wort, so war es weder Gott selbst, der abgebildet wurde, noch nur ein verherrlichter Mensch.
Wer im Alten Testament allerdings weiterhin nur den Reisbericht eines alten Hebräers mit Namen Moses, Legenden aus dem Leben angeblich großer Könige wie David und Salomo liest, der wird auch diese Argumentation nicht folgen können. Für den geht es wie auch im Neuen Testament nur um Menschen, die besondere Eingebungen (vorchristliche Halluzinationen) hatten, die heute kaum mehr nachvollziehbar sind. Doch wer davon ausgehen muss, dass kein Mensch mit Namen Moses die fünf Bücher schrieb und diese auch nicht nur mythologisierte Reisanekdoten nach einer Volksbefreiung sind, wie dies die moderne Theologie nachweist, der muss auch hier von Menschengestalten ausgehen, hinter denen sich weit mehr verbirgt, als bisher angenommen. Auch scheint es beim Exodus als dem jüdischen Zentralereignis nicht nur um eine Volksbefreiung im bisherigen Sinne zu gehen. Möglicherweise kommt die Befreiung vom ägyptischen Gottkönigskult durch das heute nachvollziehbare hebräische Verständnis einer Weltvernunft/Gottewortes dem geschichtlichen Geschehen näher, als die in den Monomentalfilmen zu sehenden Ereignisse. Könnte dann nicht in der Befreiung von unserer banalen Buchstäblichkeit bei gleichzeitiger Bewahrung der alten Bilder so etwas wie ein neuer Exodus liegen, Ostern Realität werden?
Es würde hier zu weit führen bzw. ist in vielen anderen
Aufsätzen begründet, wenn ich ausführen wollte, warum ich denke, dass Moses
bzw. der hebräische Monotheismus wirklich der Befreier Israels ist. Ich gehe
davon aus, dass David und Salomo wirklich die großen Judenkönige waren,
gleichwohl Archäologen heute nachweisen, dass es sich allenfalls um
kleinstaatliche Fürsten gehandelt habe und ich denke, dass es gar nicht um
menschliche Herrschergestalten im üblichen Sinne geht. Doch gerade diese
Sichtweise lässt mich auch hier erkennen, wie auch die königlich-jüdische
Weisheit Gestalten braucht, um verstanden zu werden, sich vermitteln zu können.
Der Spross Davids ist logischerweise diesen Weg weitergegangen. Eine
schöpferische Weisheit, die David nur den Juden verkündet hat, scheint in Jesus
Christus für die gesamte Welt Gestalt geworden zu sein. (Eine
Abstammungslehre, die weiterhin nur aufgrund Ahnenforschung die Verbindung von
einem rebellierenden Handwerksgesellen zu einen jüdischen Herrscher herstellen
will – bei vielen heutigen Theologen nachzulesen - erscheint aus dieser
Perspektive himmelschreiender Unsinn.)
Sowenig es in griechischen Mythen um die hochgejubelte Wundertaten einzelner Menschen geht, die Odyssee nur der Reisbericht eines königlichen Seefahrers ist und Sokrates nur ein schlauer Lehrer, sind auch die jüdischen Gestalten als die Verkörperungen eines schöpferische Geistes zu sehen, den die Griechen meist „Logos“ nannten und der von den Hebräern vorher im vernünftigen kosmischen Gotteshandeln als dessen „Wort“ oder „Weisheit“ erkannt wurde.
Wenn in Jesus dieser allem Werden und allen alten Mythen zugrunde liegende philosophisch neu erkannte schöpferische Geist einen neuen Namen erhielt, er als der einzige Sohn des einen selbst unsichtbar bleibenden Schöpfers selbst leibhaftig gesehen in menschlicher Form ausgedrückt wurde, dann muss dies der Quantensprung gewesen sein, der zur Explosion an Erkenntnis führte und den wir als christliche Religion bezeichnen.
2.3. Was wirkt ist wahrhaft vernünftig – Wille des Schöpfergottes
Nachweisen, was die Welt weiterbewegt hat, was aus philosophischen Weisheitslehren wurde, wie das Gotteswort in christlicher Gestalt gewirkt hat...
Wer vom schöpferischen Wort als dem eigentlichen christlichen Wesen und geschichtlichen Grund überzeugt ist, gleichzeitig bei heutiger Theologie immer nur etwas von einem charismatischen Handwerksgesellen und dessen armseligen Anhängern hört, der könnte bei einer Darstellung der philosophischen Weisheit, wie sie u.A. in der Stoa gesehen wurde, glatt die Seiten wechseln, will zum Philosophen werden. Doch wäre dies ein zu schneller Schritt in die falsche Richtung. Der Ausstieg aus der Ausdrucksweise des Gotteswortes in Menschengestalt nach christlicher Religion wäre ein Rückschritt. Denn die christliche Lehre scheint die wahrhaft vernünftige Umsetzung des schöpferischen Wortes. Sie war nicht nur in der Antike die zeitgemäße Ausdrucksform, sondern bleibt bis heute der rein intellektuellen monistischen Erkenntnis einer Grundgesetzlichkeit/Gesamtsinngebung/schöpferischer Vernunft weit überlegen.
Von wem ist die geistige Bewegung der westlichen Welt ausgegangen? Welche Vorstellung hat die Welt dorthin bewegt, wo wir heute mit alle unserem Wissen, unserem Wohlstand und unserer persönlichen Freiheit stehen? War es eine der antiken philosophischer Lehren, die bis heute von den Intellektuellen ständig im Munde geführt werden oder der Logos in der uns bekannten Gestalt?
Wie kann die intellektuelle Einsicht zur wahren Lebensnorm werden, der die Menschen begeistert folgen? Was ist die eigentlich gottgewollte Ausdrucksform seines Wortes/einer schöpferischen Vernunft, die zur Lebensnorm wird, zum Wohl der Gesamtheit beiträgt und den Willen des Schöpfergottes entspricht? Diese Fragen haben m.E. nicht nur die Frühchristen bewegt, wie bei den Apologeten und Kirchenvätern nachzulesen, sondern stand vor der Menschwerdung des im kosmischen Geschehen erkannten Gottessohnes? Die Ausformung des göttlichen Logos/Wortes ist in diesem Sinne gesehen höchst vernünftig. Der Logos ist somit sich bzw. dem Willen des schöpferischen Wortes treu geblieben.
Genau die Gestalt, die wir bei den Synoptikern gelernt haben, die an alte Traditionen anknüpfte, in der sich das Evangelium vermitteln ließ und die das schöpferische Wort vor einer spekulativer Verflüchtigung bewahrte, kann aus heutiger Sicht als höchst tauglich gesehen werden, auch wenn hier ein darüber hinausgehendes Verständnis verlangt wird. Auch die Festlegung des Kanon, bei dem die bildhaften Berichte vom Leben und Leiden des Logos in Menschengestalt im Mittelpunkt stehen, hat sich im nachhinein als vernünftig erwiesen. Denn nur so hatte die christliche Lehre Bestand. Doch keiner der Verfasser der neutestamentlichen Texte kann bei genauer Betrachtung nur von dem ausgegangen sein, den wir heute als historischen Jesus betrachten. Mehr noch als bei den altbekannten Evangelisten, deren Bilder uns so vertraut sind, dass wir nicht anderes als einen wundertätigen Asketen mit Bart mehr sehen, liefern die unzähligen weiteren christlichen Frühschriften 1000fachen Beweis, dass die theologische Diskussion die menschliche Gestalt des Gottessohnes/Logos/Wortes und ihr Verhältnis zum vorhergehenden jüdischen Glauben zum Thema hatte. Es ist ebenso unmöglich, dass diese Denker nur um die Verherrlichung eines jungen Juden gestritten hätten, den wir als historischen Jesus bezeichne, wie die menschliche Abbildung Gottes in der Gestalt eines Jesus Christus. Das Thema der Theologen kann nur der Logos/das schöpferische Wort gewesen sein, dessen Göttlichkeit und seine menschliche Ausformung.
In den außerbiblischen und insbesondere apologetischen Texten verteidigen die Theologen die menschliche Gestalt gegenüber ihren Kritikern, die darin so etwas wie eine Mythologisierung sehen. Die Betrachtung des heutigen christlichen Glaubens, der den Bildern und Buchstaben verfallen ohne Verjüngung allenfalls noch als einer längst in die Jahre gekommenen mystischen Lehre scheint, für Außenstehende längst überholt ist, mag auf den ersten Blick den Kritikern Recht zu geben. Auch die Betrachtung der zahlreichen geschichtlichen Verirrungen des Glaubens, der bis heute als der eigentliche Kriegstreiber und die Ursache menschlicher Gräueltaten und Verhinderer des Verstandes und Fortschrittes angesehen wird, macht die Begründung schwer, dass damals nur durch die bekannte Formgebung der Erkenntnis im Rahmen christlichen Glaubens eine dauerhaftes Gottesverständnis und so eine vernünftige Weiterentwicklung der westlichen Welt möglich war und heute sein wird.
Auch wenn unser heutiges Glaubensverständnis die geistige Freiheit beschränkt, es den Anschein haben muss, dass Glaube dem Fortschritt im Wege steht, so war nicht das philosophisch-metaphysische Wissen die eigentliche Mutter unserer heutigen Naturerkenntnis. Was heute wieder an antiker Erkenntnis über griechische Weisheit und die Vernunft des kosmischen Geschehens bzw. daraus abgeleiteter Verhaltenslehren zutage gefördert wird, hat nicht nur als gesellschaftsgestaltender Geist versagt und konnte das Volk nicht zur Vernunft führen. Das antike Wissen um die Zusammenhänge bzw. Vernunft des natürlichen Werdens selbst ist verlorengegangen, scheint sich im Laufe der ersten Jahrhunderte verflüchtigt zu haben. Nur auf die Weise, wie das christliche Denken die Welt weiterbewegt hat, war es möglich, dass sich heute wieder neu das bewahrheiten lässt, was in der antiken Philosophie gelehrt wurde und was diesen Lehren als schöpferische Weisheit zugrunde liegt. Wenn die Grundzüge antiker Metaphysik heute als natürlich, logisch empirisch nachgewiesen werden, dann hat der Logos in Menschengestalt letztlich diesen Weg gebahnt. Der Weg der modernen Naturwissenschaft, wie sie die westliche Welt hervorbrachte, wäre mit Sicherheit ohne den christlich-monotheistischen Glauben in ganz andere Richtung verlaufen.
Auch wenn die christliche Lehre versuchte die Aufklärung zu verhindern, sie für den Abfall vom Glaube verantwortlich macht und die Vernunft nach wie vor verteufelt, so scheinen wir doch auch die Aufklärung letztlich nur der Tatsache zu verdanken, dass die schöpferische Weisheit nicht nur eine philosophische Erkenntnis weniger Intellektueller blieb, sondern in Jesus zur Lebensmaxime der Masse wurde. Nur in der Gestaltwerdung des Logos/Wortes/Weisheit war das zu verwirklichen, wovon die antiken Philosophen träumten, was Platon in seinen Lehren ausmalte. Nicht von menschlicher Vernunft/Wissen geht letztlich ein wahrhaft vernünftiges Verhalten aus, sondern von der Einsicht in eine übergeordnete, von Gott gezeugte Vernunft/Weisheit des Welt-Alles, aus der sich erst menschliche Vernunft wie all unser Naturwissen abgeleitet.
Was nützt alles Wissen, wenn es ohne Folgen, ohne vernünftiges Handeln bleibt? Auch heute hilft es nicht, allein zu wissen, wie die Ökologische Ordnung der Welt sein müsste. Wir wissen längst, dass wir durch unsere Lebensweise auch die gesellschaftlichen Gleichgewichte in Wanken bringen und wir in einer globalen Lebens- und Wirtschaftsweise zum geistigen Wachstum und Wohlstand der Weltgesamtheit beitragen müssten, weil sonst unsere Kinder eine fast uneinlösbare Schuld zurückzahlen müssen. Vom Raub der über in Millionen Jahre gewachsenen Ressourcen zur Stillung einer sinn-los gewordenen Gier, die in gegenseitiger Manipulation weiter angeheizt wird, ganz zu schweigen. Wir wissen letztlich sogar, dass künftiger Wirtschaftserfolg bzw. weltwirtschaftliches Zusammenwirken, wahrer Wohlstand und Wachstum nicht mit den geistigen Mitteln der Gegenwart zu erzeugen sind. Doch was hilft all dieses Wissen weiter? Was nützt es, wenn Monat für Monat die Intellektuellen längst wissen, was falsch läuft, wo die gesellschaftlichen Fehlentwicklungen liegen, gar den Pessimismus beklagen, der einen anpackenden Fortschritt, Problemlösung verhindert, wenn dem Volk der Logos nicht gegeben, die Vernunft nicht in angemessener Weise als Wille Gottes vermittelt wird? Und genau das scheint am Anfang unserer Zeitrechung geschehen zu sein. Davon geht wirklich all das Heil aus, das erwartet wurde. Während heute die Geistlichen wie die Intellektuellen den Geist aufgegeben haben, zur Gesundung der Gesellschaft nur nach staatlichen Verordnungen und Gesetzen gerufen wird, ein vernünftiges Verhalten aufgrund eines vernünftigen Gottesbewusstseins als völlig absurd gesehen wird, hat man m.E. vor 2000 Jahren auf eine geistige Heilung des Volkes gesetzt.
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Wer nur die Dekadenz des christlichen Denkens vor Augen hat, wird auch diesen Argumenten kaum folgen können. Ein christlicher Glaube, der sich auf aberglaubende Selbsterlösung beschränkt, verlangt Absurditäten wahrzunehmen, statt die Vernunft in Person zu erkennen, lässt kaum nachvollziehen, warum von der Vernunft in menschlicher Gestalt eine wahrhafte Heilswirkung für die Welt ausging. Ein Glaube, der sich aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeklinkt hat, völlig jenseits allen Wissens steht und als Gegner der Vernunft gesehen wird, wartet auf die himmlische Eingebung, die längst gegeben ist. Während ich hier nachweisen will, warum die menschliche Erfahrung der in der antike Erkannte Weltvernunft wirklich eine Heilswirkung für die Welt hatte, von ihr unsere gesamte geistige Entwicklung ausging, wird in der Kirche weiter auf Christkind gewartet. Von „Parusieverzögerung“ wird in christlichen Kreisen oft gesprochen, wenn beklagt wird, dass nicht eingetreten ist, was sich die Jünger Jesus erhofften, nur lautstark angekündigt wurde. Und wer von einem historische Wanderprediger ausgeht, der seinen Anhängern das noch immer ausstehende Heil versprochen habe, muss so Denken. Wie soll ich dann klar machen, dass vom schöpferischen Wort in Menschengestalt eine wahrhaft messianische Wirkung ausging, der wir alles verdanken, auf was wir in der westlichen Welt heute so stolz sind, dass genau diese Ausdrucksform die philosophische Erkenntnis bzw. das rein kognitive Wissen um die Probleme und Lösungen bei weitem übersteigt?
Und doch lässt sich selbst in Beispielen heutiger geistiger und gesellschaftlicher Entwicklung nachvollziehen, warum es damals wirklich heilsbringend war und heute ebenso vernünftig wäre, wenn wir in der Vernunft der schöpferischen Gesamtheit eine ansprechbare Gestalt anerkennen würden, die nicht mit dem unsichtbar-transzendenten Schöpfer identisch ist, sondern als sein Sohn anerkannt wird, im Werden der Welt sichtbares „Präsent“ (sein) Gottes ist. Selbst wenn wir dem ökologischen Gefüge einen Glanz von pantheistischer Gottheit verleihen – wie das in manchen modernen ganzheitlich angelegten Philosophien oder ökologischen Aufrufen anklingt - oder uns andererseits nur auf den gesetzten Gott der Bibel berufen, der den Erhalt seines Werkes will. Beides bringt uns das nicht zur wirklich vernünftigen Lebensweise. Die urchristliche Lehre hat die intellektuelle Erkenntnis der antiken Schöpfungstheorie ebenso überschritten, wie die pantheistische Vergottung des Alles oder eine nur vor-gesetzte mystische Gottheit, die dem Belieben überlassen bleibt, allenfalls zur persönlichen Erbauung beiträgt und von der keine wirkliche Wirkung ausgeht.
Aus der hier vorgestellten Perspektive hat das Problem des Pharisäers hat viele Gesichter: Ob alte Philosophenschulen oder fromme Predigten das richtige Verhalten wollen und verlangen oder ab moderne Weisheit die Probleme erkennt und Verhaltensänderungen der Gesellschaft fordert: Erst in einem Denken, das den Willen des alten Schöpfergottes und das als vernünftig erkannte (zukunfts/gesamtheitsgerechte) Verhalten auf einen Nenner bringt, in der bekannten Menschengestalt neu die ausgeformte Vernunft Gottes wahrnimmt, kann das neu wahr werden was auch vor 2000 Jahren messianische Wirkung erzielte. Wer allerdings nur von einem vor 2000 Jahren um den See Genezareth ziehenden Wanderprediger ausgeht, der aufgrund seiner Rebellion von der zufälligen Religionspartei der Pharisäer ans Kreuz geliefert wurde (aus Wiedergutmachung gegenüber dem jüdischen Volk soll ja inzwischen nach amtlicher Leseweise allein Pilatus Schuld sein) der wird diesen Argumenten kaum folgen können. Wie heißt es so schön „Parusieverzögerung“: wir warten auf den, dessen historisches Wirken in der Bibel beschrieben ist, von dem Heilswirkung ausging und er auch heute messianische Wirkung entfalten könnte. Aber Christen wie Atheisten wissen ja: es war nur ein später als Gott verherrlichter wundersamer Wanderprediger, nichts weiter. Statt vernünftig im gesamten kosmischen Geschehen die bekannte menschliche Gestalt zu erkennen, von der wahrhaft Heilwirkung ausging, wird die Vernunft Gottes eine kleinkarierten Vernunft geopfert. Solange wir weder einen schöpferisch-göttlichen Sinn im als natürlich/logisch/vernünftig erkannten Ganzen stehen, noch weniger darin nach der menschlichen Gestalt dessen suchen, die Grund unseres Glaubens an Gott und Wegweisung war und ist, werden weithin von allen Seiten: ob in wöchentlichen Kirchplättern, von der Kanzel oder in intellektuellen Konzepten nur warme Worte zu hören sein, menschliche Forderungen, die unerfüllbar bleiben.
In der menschlichen Gestalt des Gotteswortes bzw. einer bereits von der Stoa erkannten Weltvernunft nur eine Art inhaltsloses Placebo sehen zu wollen: „Hauptsache es wirkt“ einfach daran glauben, dann ist es der richtige Weg, wäre mit Sicherheit zu wenig. Das genaue Gegenteil ist Ziel dieser Argumentation. Die menschlich verständlich ansprechbare Ausformung, die der Antike die verschiedenen Geistesströmungen zusammengeführte und erfüllte, war der nachweislich vernünftige Weg. Sie war die inhaltsvolle Medizin für die Menschheit, weil sie in der wahrgenommenen Weltvernunft einen realen Inhalt hatte. Um heute die menschliche Vernunft anzusprechen, zur Verhaltensänderung zu führen und die verschiedenen Denkweisen zu vereinen, muss das christliche Denken neu mit diesem Inhalt gefüllt werden. Die alles Werden bewirkende schöpferische Vernunft ist hinter den als Mythos gesehenen Menschengestalten zu sehen. Wenn wir die Gestalten des Alten wie des Neuen Testamentes mit Augen des damaligen Denkens sehen, braucht christliche Offenbarung nicht als einer Art „Nahtodeserfahrung“ oder schamanische Erfahrungen eines jungen Juden mit zufälligem Namen Jesus und seiner Anhänger (wie allen Ernstes bei offizieller Hochschultheologie nachzulesen ist) begründet zu werden, sondern ist in aller Natur sichtbar, wird in allen Wissenschaften vom vernünftigen Werden gelehrt.
Die alten Dogmen brauchen in der hier von heutiger Theologie geforderten Perspektive nicht abgebaut oder nur blind bewahrt zu werden. Sie werden dringend gebraucht. Erst die Erkenntnis der ihnen zugrunde liegenden Wahrheit lässt sich eine moderne Wahrnehmung des schöpferischen Wortes bewahrheiten, können sich die alten Verheißungen wirklich erfüllen.
2.4. Wie aus der Vielzahl verschiedener Schulen der
Verstand eines gemeinsamen Schöpfungswortes wurde
Wer Stoa, Epikur oder sonstige antike Gotteslehren mit dem christlichen Glauben des Paulus vergleicht, stellt zwar Gemeinsamkeit fest, kann aber bei heutiger Sichtweise des historischen Jesus nicht davon ausgehen, dass sich hier die verschiedenen geistigen Strömungen in genialer Weise vereinigten. Der Glaube braucht keinen Grund, es gibt ja einen Gründer, der schamanische Visionen hatte. Jede vernünftige Begründung muss dann verneint, der Logos verleugnet werden, damit man weiter an einem ach so gutherzigen Religionsrebellen festhalten kann, der auf unerklärliche und nie und nimmer in das großartige Denken der Antike passende Weise als Wort Gottes verherrlicht worden wäre.
Wo die Vernunft gar noch im Namen des Paulus verteufelt wird, ist es schwer, die paulinische Ausformung des Logos bzw. das neue geistige Paradigma des somit christlichen (weil messianische Wirkung entfaltenden) Monotheismus als die wahrhafte Vernunft zu belegen. Seit der Aufklärung haben sich scheinbar die Wege zwischen Wissen und Glaube getrennt. Hier ist nicht der Raum, um geschichtlich nachzuvollziehen, wie sich durch die Versessenheit in Buchstaben das Bewusstsein eines Gottes ergab, der nur für das zuständig war, was sich nicht natürlich/logisch erklären ließ, der also außerhalb des Logos zur reinen Le(h)ere verkam. Doch von diesem – m.E. im Gegensatz zum antiken – Gottesbild tief geprägt, muss alles abgelehnt werden, was nach Vernunft riecht. Vernünftige Einsichten, natürliche Erklärungen haben mit der christlichen Religion dann nichts zu tun, werden verteufelt. Doch hat Paulus, bei dem nach theologischer Lehrmeinung Platon eingeflossen ist, wirklich die Vernunft abgelehnt, wie es heute von den Kanzeln schallt. Oder war für ihn nicht die schöpferische Vernunft, der präexistente Logos das Maß aller Dinge?
Wenn sich Paulus, wie auch viele frühe Kirchenlehrer, allen voran Origenes, mit der Philosophie auseinandersetzen, dann machen wir m.E. oftmals den gleiche Fehler wie gegenüber der Gnosis. Wir stempeln ab und stellen diese Denkweisen außerhalb die christliche Erkenntnis (Wie sollten wir auch anders, es war ja nur eine junger Jude mit parapsychologischen Eingebungen). Jede konkrete Erkenntnis aufgrund kosmischer Realitäten wird daher abgelehnt. Gleichwohl wir wissen, dass auch der die menschliche Gestalt verteidigende Origenes oder unsere Kirchenväter, die als Gegner der frühchristlichen Gnosis gelten, von einer schöpferischen Vernunft/Logos ausgingen wird dessen Wesen bei der Such nach dem Grund unseres Glaubens einfach abserviert. Gleichwohl die heutige Theologie selbst nachweist, dass der Logos/Vernunft in Person deren theologisches Hauptthema war, wird so getan, wie wären sie nur die Anhänger eines historischen Rebellen, die ihr philosophisches Gedankengut auf ihren jungen Guru oder ein rein persönliches Gottesbild übertragen hätten.
Doch nicht nur die als reine Philosophie abgeurteilten Theologien der Antike werden bei der Suche nach dem Wesen unseres Glaubens außer Acht gelassen. Wenn überlegt wird, warum der Logos/das Gotteswort genau die uns bekannte Gestalt annehmen musste, um Heilswirkung zu entfalten, dann müssen selbstverständlich auch die geistigen Bewegungen gesehen werden, die in rein jüdischer Tradition standen.
Dabei wäre es sicher zu kurz gedacht, wollte man nur der von Josephus Flavius getroffenen Unterscheidung in die Religionsparteien - Pharisäer, Sadduzäer und Pharisäer – folgen. Wer, wie der Jude Moriz Friedländer, die „Bewegungen zur Zeit Jesus“ und die jüdische Apologetik durchleuchtet, wird an vielen Stellen ein neues Denken, ein Ruf nach Vernunft vernehmen. (Es würde hier den Rahmen sprengen, nachweisen zu wollen, warum all diese Bewegungen bildlich gesprochen als „Jünger Jesus“ zu werten sind. In verschiedenen Texten habe ich bereits versucht zu belegen, wie die Bewegungen zur Zeit Jesus auf einen gemeinsamen Logos/Wort, vernünftige schöpferische Tat-sachen gründen, auch wenn dafür verschiedene Begrifflichkeiten gebraucht wurden.) An dieser Stelle soll dazu aufgefordert werden darüber nachzudenken, warum die schöpferische Vernunft genau in der Gestalt erscheinen musste, wie uns die Lebensgeschichte Jesus beschrieben wird.
Während heutige Theologie darüber sinniert, warum einem jungen Juden Psalmtexte, Jesajaworte und jüdische Weisheiten in den Mund gelegt wurden, könnte deutlich werden, warum es sinnvolle Fortsetzung des jüdischen Glaubens war, dem neu erkannten Wort eine menschlich-messianische Gestalt zu geben und die neue Wahrnehmung des Gotteswortes und alte Tradition auf einen Nenner zu bringen. Aus der hier vertretenen Perspektive sind die Übertragungen von alttestamentlichen Texten keine Religionspropaganda zu Bestätigung der Hoheitlichkeit eines halluzinierenden Handwerksgesellen, – wie dies radikal verkürzt die heutige Theologie behauptet – sondern die Bewahrheitung der Glaubenstradition durch das neu verstandene Wort, das so an das alte Denken anknüpfte. Gerade das Einbinden und Fortführen der traditionellen Kultformen zeichnet die christliche Theologie gegenüber den philosophischen Theologien aus. Nicht nur die hellenistischen Gottesvorstellungen oder pantheistische Naturvergötterungen, sondern auch der Same der traditionellen hebräischen Gotteswortwahrnehmung als die eigentliche Wurzel des vernünftigen Monotheismus konnte in der Vorstellung vom Logos in Menschengestalt als Nachfolger Moses und Davids aufgehen.
Der Lehrer aller Schulen, die von der Antike überliefert sind, war der Logos, die Vernunft des schöpferisch tätigen Gottes. In der Gestalt des menschgewordenen Gotteswortes vereinten sich damals die verschiedenen Denkweisen in genialer Weise, ohne einander zu verleugnen.
Die den heute als griechische Philosophie betrachteten Theologen wurde erst durch die menschliche, an den jüdischen Monotheismus anknüpfende Gestalt Leben verliehen. Die staatstragende, gesellschaftsgestaltende Kraft des kosmischen Grundgesetzes war erst durch die Evangelien gegeben. Rein philosophische Gebilde bzw. menschliche Sichtweisen, über die sich lange streiten lässt, wären kaum weniger wirkungslos geblieben, wie die Ideologien der Neuzeit, deren Unfähigkeit zur Staatsgestaltung wir nicht nur im Kommunismus vor Augen haben.
2.5. Nur was für das Volk verständlich ist, ist vernünftig
Was nützen Philosophien für einige Wenige.... Was nützt ein neuer Glaube, der nicht auf den alten gründet? Probleme der antiken Philosophie-/Theologiegebäude, die nicht nur völlig gegensätzliche Lehrmeinungen hervorbrachten, sondern auch nur für wenige Intellektuelle wirklich tonangebend waren, sollen hier betrachtet werden.
Die Grundüberzeugungen und Weisheitswege von Stoa oder Epikur zu Tugend und Lust lassen sich nachlesen und begeistern noch heute. Die Versbüchern sind voll von schlauen Sprüchen bzw. Lebensweisheiten, die meist den alten Lehren abgeschrieben oder nachempfunden werden.
Dass es die Leidenschaft ist, die uns vom Logos bzw. einem vernünftigen Leben abbringt, niemand der Leidenschaft/menschlicher Gier und dem Logos zugleich dienen kann, ist gerade von den Stoikern herausgearbeitet worden. Das Streben nach Glückseligkeit eines Jeden und das Unvermögen, die Grundlagen des Glückes zu erkennen, war für Seneca und andere Stoiker ständiges Thema. Die eigene Begierde mit der schöpferischen Natur in Einklang zu bringen, war das Ziel, zu dem jeder seinen Beitrag bringen, sich seiner und der übergeordnete Natur gerecht – vernünftig – zu verhalten. Nicht reden, sondern Tun wurde von den Stoikern verlangt. Aber genau hier stellt sich die Frage, wie kann die Gesamtheit zum vernünftigen Tun veranlasst werden, wenn nur einige Wenige von diesem Logos wissen, der den Gedanken der Stoiker zugrunde liegt? Wenn, wie die Stoiker sahen, die Wahrnehmung einer übergeordneten Weisheit der Weg zur Glückseligkeit ist, wie kann diese dem Volk vermittelt werden?
Dass eine Ureinsicht in das Wesen der Dinge notwendig ist, um sich mit der Schöpfung in Einklang zu bringen, die menschliche Freiheit darin besteht, innerhalb einer übergeordneten Harmonie zu leben, das allen klingt nach wie vor modern. Doch bedarf es nicht einfacher Muster, um das zu verstehen? Sind einfache Wahrheiten nicht weit vernünftiger, als vom Einzelnen die Einsicht in den Logos zu verlangen? Die Stoa blieb eine Denkweise für wenige Intellektuelle, der christliche Glaube, der nach der hier vertretenen Sichtweise dem Logos eine menschliche Gestalt gab, begeisterte die Masse, gab die Möglichkeit darauf vernünftige Staatsformen und Gemeinschaften zu gründen.
Und zeigt sich nicht auch, dass ohne die Kraft der religiösen Einübung, der ganz und gar für einen Gott begeisterten Riten das nicht umzusetzen ist, was die Weisheit verlangt? Seneca wusste, wie schwer es ist, sein eigenes Wesen zu verändern. Doch taugt dazu die Wahrnehmung des einen Schöpfergottes weit mehr, als Weisheitslehren? Wie kann die wahre Vernunft als Gewohnheit eingeübt werden, war die Frage der Stoiker. Doch zeigt sich nicht auch hier der Vorsprung einer religiösen Praxis?
Gott wird in dieser Denkweise kein Mittel zum Zweck persönlicher Glückseligkeit. Die Vernunft, die die antiken Philosophen umzusetzen versuchten, war keine Kopfgeburt, sondern göttliche Vorgabe. Auch die Stoiker gingen davon aus, dass der richtige Lebenswandel die wahre Gottesverehrung ist, die eigentliche Freiheit des Menschen darin besteht, Gott zu gehorchen. Der Logos, der ihrem Denken zugrunde lag, war für sie eine Gottheit. Mittel zum Zweck mag Gott dort sein, wo er ohne Wissen angebetet wird, zur persönlichen Erbauung oder damit später der Platz gesichert ist. Die bewusste Wahrnehmung eines Schöpfers zielt darauf, dessen Wille zu verwirklichen und daraus wahrhaft glücklich/vernünftig zu leben. Die Frage, die sich m.E. in der Antike zwischen den verschiedenen Denkweisen stellte, galt dem „wie“ kann dieser göttliche Logos zur Lebensmaxime werden?
Wer von einem allem Leben zugrunde liegenden schöpferischen Logos ausgeht, für den ist fast alles, was in der antiken Philosophie gelehrt wurde, als logisch nachvollziehbar. Auch wenn die Folgerungen, die sich z.B. aus Stoa (verkürzt: Lehre der Enthaltsamkeit) oder Epikur (Lehre der Lust) ergeben oft zu gegensätzlichen Verhaltenslehren kommen, so lässt sich doch alles auf den einen gemeinsamen Logos zurückführen. Betrachten wir neben den verschiedenen Modellen, die wir als philosophisch bezeichnen noch die zahlreichen gnostischen Lebenslehren, die – wenn auch nur ein Teil der Polemik zutrifft – zu absonderlichen und gegensätzlichen Lebensweisen führten, so können wir auch hier erkennen, wie wichtig eine einfache, einheitliche monotheistische Gotteswahrnehmung zur Verwirklichung der wahren Glückseligkeit bzw. Einübung vernünftiger Lebensgewohnheiten war.
Zu erkennen, dass der Logos nicht mit Gott identisch ist, sondern der Sohn/das schöpferische Wort, des bereits von den Hebräern verstandenen einen Schöpfergottes, scheint ein wichtiger Schritt in der Entwicklungsgeschichte des monotheistischen Geistes gewesen zu sein, der uns scheinbar noch immer zu schaffen macht. Denn wenn wir heute vom „Christus“ sprechen, der nicht mit dem historischen Jesus identisch sei, dann haben wir m.E. einen Gott gesetzt, nicht sein Wort verstanden. Heute werden die Bezeichnungen Logos/Christus wieder weitgehend mit Gott gleichgesetzt, ähnlich wie bei antiker Philosophie. Nur dass man damals eine kosmische Realität verstand, wenn man von Wort/Logos sprach. In dieser bewusst wahrgenommenen Vernunft den Sohn bzw. Offenbarer des Schöpfervaters zu sehen und darin den verheißenen Messias zu erkennen, hier vermute ich eine Ein-sicht, deren Dimension uns noch immer nicht klar ist. Erst so scheint der vom jüdischen Glauben vertretene Schöpfergott für den griechischen Geist den Anschein von heidnischem Aberglaube verloren zu haben, als das er vorher gesehen wurde. Wer vom griechischen Logos als dem schöpferischen Wort ausgeht, der kann nachvollziehen, wie der hebräische Monotheismus durch die griechisch-philosophische Erkenntnis befruchtet und bewahrheitet wurde. Die gesamte jüdische Literatur dieser Zeitepoche, auch - oder gerade weil - sie sich gegen den hellenistischen Kult wehrt, scheint von einem Neuverständnis des griechischen Logosbegriffes als Gotteswort geprägt sein. Eine neue Wahrnehmung des Gotteswortes, die z.B. in Jesus Sirach oder anderen Weisheitstexten besonders deutlich herauszuhören ist, hat m.E. das gesamte Denken der Zeitenwende bestimmt. Nicht nur bei den biblischen Texte, noch deutlicher bestimmt in der gesamten gnostischen und sonstigen apokryphen Literatur das wache Verständnis des im konkreten kosmischen Geschehen wirksamen schöpferischen Wortes das Gottesverständnis.
In der gesamten Welt des Mittelmeerraumes, ob in Odessa, Damaskus oder Alexandrien, wo die sich in Philo ausdrückende Theologie ein leuchtendes Zeugnis für die monotheistische Gotteswahrnehmung aufgrund des Logos ist, scheint ein neuer – vom vernünftig handelnden Schöpfer - ausgehender Geist lebendig.
All dies scheint bei der heutigen Suche nach dem historischen Jesus keine Rolle spielen. Wenn von einem einfachen Menschen ausgegangen wird, muss dies außen vor bleiben. Allenfalls, wenn danach gefragt wird, wie diese Mutter Teresa mit Bart nach ihrem Märtyrertod verherrlicht bzw. Christianisiert worden sein soll, wird davon ausgegangen, dass philosophisches Material bzw. Weisheitstexte propagandistisch herangezogen wurden. Im Sinne dieses Theologiegebäude ist es völlig absurd darüber nachzudenken, welcher große geistiger Fortschritt sich erst durch die menschliche Gestalt des Gotteswortes für den Monotheismus ergab. Da heutiger Glaube auf Buchstaben baut, allenfalls innere Stimmen, persönliche Anschauungen, die mit dem natürlichen Werden nichts zu tun haben, scheint es völlig unvorstellbar, dass damals in der schöpferischen Vernunft aller Natur das Wort Gottes als reales Wesen und als Offenbarer Gottes gesehen wurde.
Doch der entscheidende Schritt scheint nicht die Wahrnehmung des schöpferischen Wortes gewesen zu sein, die dadurch mögliche Erneuerung des Monotheismus, sondern dessen Menschwerdung als Voraussetzung zur Vermittlung. Auch wenn noch später heftig zwischen den verschiedenen Denkweisen gestritten wurden, dann ging es nicht um einen junge Guru, der heute an den Hochschulen als der historische Jesus gelehrt wird. Das Thema der Theologen war die Art und Weise, wie das Wort/Vernunft Gottes zu sehen war, welcher Bezug zu den verschiedenen Traditionen jeweils bestand, wie das Wort zum Ausdruck gebracht wird bzw. in welcher Gestalt es den Menschen zu vermitteln ist. Aus allen Dokumenten über die geistigen Bewegungen der Antike wird das Wesen, um das es dem damaligen Denken geht deutlich. Doch eine rein intellektuelle Philosophie bzw. kosmische Erkenntnis konnte die Ziele ebenso wenig erfüllen, wie eine christliche Lehre, die - wie Marcion – die Adern zu ihren Wurzeln abschnitt, das traditionelle monotheistische Gottesbild nicht aufzunehmen vermochte. Doch auch wenn ich bei all den verschieden geistigen Strömungen zur Zeit Jesus den gleichen Logos zugrunde liegen sehe oder er gar – wie bei Philo von Alexandrien - in allegorischer Anknüpfung an die jüdische Tradition als Gottessohn und Heilsbringer gesehen wird, so will ich eigentlich nur bei der uns von den christlichen Texte bekannten Form des Gottessohnes in Menschengestalt von einer Christologie reden. Nur durch die Menschengestalt konnte sich das verwirklichen, was sich die Lehrer der Weisheit erhofften. Was nützt alle Erkenntnis, wenn sie dem Volk nicht zu vermitteln ist, sie nicht zur Vermittlung zwischen den verschiedenen Weltbildern taugt?
Die theologische Auseinandersetzung um das Wesen des Gotteswortes/Logos fand später auch innerhalb des christlichen Denkens statt. Sie bestimmte den Streit der Führkirche, ihre Auseinandersetzung mit dem heute als Gnosis abgeurteilten Denken und die Abstimmungen bei den frühen Kirchenkonzilen. Letztlich kann auch die Trennung zwischen Ost- und Weltkirche, wie der Aufspaltung nach der Reformation als ein Streit um das Wesen des Gotteswortes und der davon ausgehenden Gnade gesehen werden. Ein Glück – oder besser, welch große Vernunft – dass uns die Väter des Glaubens einen festen Kanon und ein darin enthaltenes konkretes Bild des Gottessohnes mit auf den Weg gegeben haben.
2.6. Statt Selbsterlösung schöpferische Verant-wort-ung wahrnehmen
Wenn ich im erneuerten Monotheismus ein „Mehr“ gegenüber den als philosophischen Modellen angesehenen Theologien der Antike sehe, dann auch, weil es dort nicht um Selbsterlösung geht, sondern die gemeinsame Verwirklichung der schöpferischen Vernunft, leben nach dem Wort Gottes. Auch hier verhindert unser heutiges Gottesverständnis eine entsprechende Argumentation. Wo im Namen Gottes die Welt nicht nur öko-logisch in Ungleichgewichte gesetzt wird, wo Glaube jegliche schöpferische Vernunft verloren hat und für allen Un-sinn herhalten muss, hat man es schwer, den Monotheismus als Mittel zur zukunftstauglichen Gesellschaft zu begründen. Gerade in einer Zeit, in der die Allgemeinheit denkt, dass nur durch die Beschränkung des Glaube – nicht nur den er Moslems - auf die reine Privatsphäre ein vernünftiges gesellschaftliches Miteinander möglich ist, muss es wie ein Hohn klingen, im Monotheismus die Voraussetzung für ein zukunftsfähiges Gesellschaftsgefüge zu sehen. Und doch denke ich, dass nicht nur damals für ein gesellschaftliches Gelingen der erneuerte Monotheismus gegenüber rein denkerischen Theologien einen Mehrwert bot.
Während bei der Stoa der Erlösung des Selbst im Vordergrund stand, ging es im hebräisch-jüdischen Glaube um das Volk Gottes, das das Wort versteht und danach lebt, so ins „gelobte Land“ kommt. Ein wirklich gottgerechtes Leben in diesem Sinn setzt den Logos Gottes gemeinsam um, verhält sich ökologisch und ökonomisch. Brüderlichkeit aus Bewusstsein des gemeinsamen Vaters, um mit den Gaben der gesamten Vernunft dessen schöpferisches Ziel zu verwirklichen hätte auch heute eine weit größeren Sinn für die Gesamtheit – und somit auch das Selbst – als reine Selbsterlösungspraktiken. Wer nicht nur von einer schöpferischen Vernunft ausgeht, der er folgen will, wie das die Stoiker taten, sondern aufgrund der Vernunft auf einem unsichtbar bleibenden Schöpfer schließt, der entwickelt daraus ein völlig anderes Selbstverständnis, das alle Ideologien weit übersteigt. Schöpferische Verantwortung im Sinn der Gesamtheit wäre eine logische Folge und ist bis heute Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit von menschlichen Gesellschaften geblieben. Auch hier zeigt sich, dass das christliche Verständnis des Logos als Gottessohn die Urzielsetzung philosophischen Denkens besser verwirklichen kann, weil philosophische Forderungen für ein vernünftiges Verhalten pharisäerhaft bleiben, wenn nicht das gesamte Volk befähigt wird, danach zu leben.
Weltverneinung, Ausstieg und Abkehr zur Ruhe, wie sie der Stoa unterstellt wird, kann nicht im Sinne eines Gottes sein, der mehr ist als die Harmonie der Vernunft. Wer im hebräischen Sinne von einem Schöpfer ausgeht, dessen Wort alles hervorgebracht hat, der kann sich nicht untätig in stoischen Schlaf verfallen. Ausstieg, stoische Ruhe oder intellektuelle Selbstversonnenheit können nicht im dem Wort eines Gottes entsprechen, der ewig tätig aus Sternenstaub geistbegabte Wesen werden ließ.
2.7.Vom Monismus und Pantheismus zum Monotheismus
Wie bereits ausgeführt, wird in der christlichen Religion eine Weiterführung des antiken Denkens zur Verjüngung bzw. Erfüllung des jüdischen Monotheismus gesehen. Statt pure Naturvergötterung oder die Wahrnehmung universaler Weltgesetzte bzw. kosmischer Vernunft, wurden diese als das sichtbare und zu vermittelnde Wort eines somit präsent gewordenen Schöpfergottes verstanden. Die Präsenz der Vernunft in menschlicher Gestalt scheint, wie geschildert, eine Voraussetzung für das gesamtheitliche Verständnis der verschiedenen Kultformen und die Fortsetzung eines fortgeschrittenen hebräischen Gottesbildes gewesen zu sein. (Hierzu auch ein älterer Aufsatz über das Missing Link zwischen Monismus und Monotheismus.)
Auch welche Heilswirkung von einem auf die Vernunft Gottes gründenden Monotheismus gegenüber Pantheismus oder Monismus ausgeht, kann eigentlich im Blick auf eine Gotteswahrnehmung beurteilt werden, ist uns möglich wäre, jedoch noch nicht verwirklicht ist. Denn wodurch zeichnet sich unser heutiger Glaube eigentlich aus? Richtig ist, dass unser Gott nicht einfach in der Natur und untergeht. Nicht die Sonne ist es die wir sehen und anbeten und auch nicht nur ihren Verlauf, indem sich die schöpferische Vernunft seit Anbeginn zeigt. Wenn ich jedoch den Fortschritt eines Monotheismus gegenüber der Naturvergötterung der Antike wie neuzeitlichem Pantheismus nachweisen will, dann dahingehend, dass hier Gott nicht irgendwie unbestimmt überall und nirgendwo ist, sondern konkret in der Geschichte bzw. der gesamten Genesis handelt. Doch genau diese Kenntnis scheint uns verloren zu sein. Die Kenntnis eines konkreten Kreators, die den Monotheismus der Hebräer auszeichnete ist nicht mehr. Gotteshandeln im kosmischen und geschichtlichen Geschehen wird nicht mehr wahrgenommen. Ohne das Wort bzw. die Stimme des Schöpfers zu hören ist unser Gottesbild ebenso unbestimmt wie das Pantheistische. Gott ist überall und nirgends. Diese Gottesvorstellung scheint noch leerer, als alte Naturvergötterung.
Davon ausgehend, dass die Christen keine Anhänger eines zum Logos hochstilisierten Wandergurus waren, sondern das schöpferische Wort in Menschengestalt wahrgenommen haben, kann ich also im christlichen Glauben eine Überbietung der Naturreligionen oder philosophischem Pantheismus erkennen, die den Inhalt der alten Kultformen aufnimmt und zu einer fortgeschrittenen konkreten Kenntnis des in aller Natur vernünftig handelnden einen wirklich universalen Gottes kommt. Während auch der Gott des Gesetzes unbestimmt bleibt, wenn die Buchstaben nicht blind geglaubt werden und sich per Gesetz jedes Volk seinen eigene Gott bildet, baut der universelle christliche Glaub auf das universell verstandene Wort.
Der konkret Plan und Wille des per Gesetz bekannten Gottes kann aus dem schöpferischen Wort logisch abgeleitet werden. Nicht diese kosmische Vernunft ist dabei selbst Gegenstand der Anbetung, sondern der Schöpfer, von dem diese Vernunft ausgeht und der sich durch diese dem menschlichen Geist offenbart. Auch wenn in der christlichen Theologie die menschliche Gestalt des Logos als Kultobjekt gebraucht wird, so ist diese zwar göttlicher Natur, jedoch ebenso wenig mit Gott identisch wie der Gottkaiser der Ägypter oder Römer.
Gerade die Tatsache, dass kein menschlicher Kaiser oder eine sonstige Führungspersönlichkeit mit menschlichen Schwächen mehr als Vergötterung dienen muss, mag gerade in einer Zeit, in der auf den römischen Kaiser messianische Hoffnungen geknüpft wurden, ein geistiger Fortschritt gewesen sein. Denn welche Probleme die auf menschliche Schwächen gründenden Monarchien haben, wurde gerade im römischen Reich immer wieder erfahren, wird selbst in den Monomentalfilmen über römische Herrscher bewusst. Die Staatsgewalt sollte über den Senat vom Volk ausgehen, das die Vernunft der Gesamtheit repräsentierte. Dass die von Gott ausgehende Vernunft in Menschengestalt als Stellvertreter Gottes und Kultobjekt steht, auf das der Geist der Gemeinschaft und somit auch die Staatsgemeinschaft gründet, scheint mir ein wesentlicher Vorsprung des christlichen Glaubens gegenüber den Kultformen der Antike. Denn während auch die philosophischen Theologien den Kaiser weiterhin zum Kultgegenstand des Volkes hatten, war der Kult der Christen auf die Gestalt des Gotteswortes konzentriert. Auch der bis heute anhaltende und sich in Führungspersönlichkeiten und sonstigen Gestalten entladene Personenkult scheint zu bestätigen, wie notwendig menschliche Kultobjekte für das Volk sind. Dem Logos Gottes eine menschliche Gestalt zu geben war somit keine rückschreitende Mythologisierung, sondern eine höchst intellektuelle Angelegenheit.
Wer allerdings nur einen Wanderprediger an den Anfang stellt und erklärt, dieser Wäre als Christus verherrlicht worden, wird sich auch dieser Argumentation entziehen. Denn wie sie soll die Bedeutung des christlichen Glaubens gegenüber den sonstigen antiken Kultformen im Hinblick darauf bewusst werden, dass hier kein Mensch der Kultgegenstand war, wenn es doch nur um ein mit Hoheitstiteln versehener junger Jude war und nicht das himmlische Wort in Person?
Wie notwendig es war, die Grundgesetzlichkeit allen Sein/schöpferische Vernunft/Weisheit Gottes/Tao ... eine menschliche Gestalt zu geben, sie verständlich bzw. vermittelbar zu machen und vor einer Verflüchtigung zu bewahren – so eigentlich erst zum Wort werden zu lassen - zeigt sich allein an einem die ganze menschliche Geschichte und bis heute andauernde Unvermögen, sie in allem natürlichen Werden wahrzunehmen.
Welch messianisch Wirkung es hätte, wenn wir im historischen Jesus wieder die Menschwerdung der schöpferischen Vernunft erkennen und uns neu in aller Naturwissenschaft auf die Suche machen würden, können wir nicht nur im Neuen Testament nachlesen. Welcher Geist für die Gesellschaften, das Verhältnis der verschiedenen Kulturen untereinander wie gegenüber Gott als Schöpfer von einem wachen gemeinsamen Neuverständnis des Gotteswortes in aller Natur ausgehen könnte, kann ausgemalt werden. Nicht individuelle Vergeisterung oder dogmatische Gesetzlichkeit, sondern ein gemeinsames vernünftiges Gottesverständnis durch eine neue Sichtweise der eigenen Wurzeln und ein Neuverständnis des Gotteswortes in allem Werden steht auf dem Plan. Und so sicher, wie im Frühling alle Natur wieder grünt und aufblüht wird sich auch das Neuverständnis des Wortes seinen Weg bahnen, ohne dass Menschen es aufhalten können. Lange kann es nicht mehr dauern. Denn weniger als heute, wo nur noch ein Wanderprediger mit Halluzinationen als historischer Grund unsers Glaubens betrachtet wird, geht nicht.
3. Fragen zu einem neuen Schluss
3.1. Welches Wesen ist als Grund des Glaubens bedeutender?
3.2. Welches Wesen ist angesichts all unseres Wissens um antikes Denken schlüssiger?
3.3. Welches Wesen wäre für die Zukunft des menschlichen Geistes nutzbringender?
Nur dieses Wesen scheint Gott dem Schöpfer zu gefallen, kann sein offenbarender Sohn sein!