Wissen zum Glaubensgrund wird
(nicht fertiggestellter Text)
Die „Versöhnung von Wissenschaft und Religion“,
die Prof. Hans-Peter Dürr
beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin forderte, kann erst verwirklicht werden, wenn wir anknüpfend an das antike Weltverständnis in allem natürlichen und geistigen Werden den Sohn Gottes sehen, den wir Christen als historische Gestalt des Menschen Jesus kennen und in dem wir den Messias sehen. Das aufgeklärt-wissenschaftliche Verständnis einer Vernunft/Logos/Sinngebung in allem kosmischen Werden wird so ein völlig neues Gottes- und Weltverständnis und damit einen neuen christlichen Menschen hervorbringen, der sein Leben am Logos, der schöpferischen Vernunft ausrichtet und sich dann im Sinne des einen Schöpfergottes wahrhaft vernünftig verhält.
Ver-söhn-ung ist dabei mehr als gegenseitige Toleranz und Akzeptanz, um endlich den durch die Aufklärung gezogenen Graben zwischen Wissen und Glauben zu überwinden. Erst wenn anknüpfend an das urchristliche Denken das Wissen der Welt nicht jenseits des Glaubens bleibt, nicht weiter die menschlichen Vernunft gar für den Unglaube verantwortlich gemacht wird, sondern dadurch neu der Sohn Gottes gesehen wird, von dem der alte Mythos -der somit zum Logos wird -redet, kann m.E. wirklich von“ Ver-söhn-ung“ gesprochen werden.
Mit einem neuen Verständnis einer schöpferischen Vernunft in Jesus Christus als menschlicher Ausformung dieses Gottessohnes beginnt ein neues Paradigma des christlichen Glaubens. Doch Voraussetzung für die neue Sicht einer kosmischen Vernunft als Sohn Gottes ist auch das von Dürr dargestellte moderne holistische Weltbild der Physik. Erst der naturwissenschaftliche Nachweis der Wirk-lichkeit einer schöpferischen Vernunft in allen kosmischen Beziehungssystemen ermöglicht der Theologie ein neues Bewusstsein des christlichen Wortes/Wesens. Der Graben zwischen Glauben und Wissen, über den Dürr bereits ist zu gehen, kann zum Jordan werden, in dem wie vor 2000 Jahren Johannes in Jesus, dem menschgewordenen Logos der Gottessohn gesehen wird. Die heutige „Taufe“, die uns zu aufgeklärt-mündigen Kinder des einen Schöpfergottes macht, bedarf eines neuen wissenschaftlich fundiert und anerkannten Naturverständnisses einerseits, wie einer gleichzeitigen neuen theologischen Betrachtung der biblischen Wahrheiten.
Die folgenden Überlegungen beziehen sich auf die Ausführungen des herausragenden Physikers vom Max-Plank Institut, der als einer von wenigen Wissenschaftler bereits ist, über den Tellerrand der rein materiellen naturwissenschaftlichen Weltsicht einen Schritt auf die Theologie zu machen.
Prof. Dürr soll hier als Zeuge eines aufgeklärten Verständnisses des in aller Physik wie aller Biologie lebendigen Logos benannt werden, hinter der ich das eigentliche Schöpfungswort bzw. das in der Antike als Gottessohn in Menschengestalt gesehene Wesen vermute. Denn der durch die Naturwissenschaft zu erbringende Nachweis einer Vernunft/Logos/Wort, das allem natürlichen Werden zugrunde liegt ist die Voraussetzung, damit die Theologen über ihren Buchtext und die darin enthaltenen bildhaften Ausdrucksformen des Gotteswortes hinausschauen können. Solange nicht durch ernstzunehmende Naturwissenschaftler der Nachweis erbracht oder zumindest in Erwägung gezogen wird, dass die Gesamtheit der natürlichen Genesis, das gesamte schöpferisch-sinnvolle Zusammenspiel in der Natur nicht nur aus sinnlos-zufälligem Zusammenspiel von Materieteilchen heraus zu erklären ist, sondern dahinter ein schöpferischer Geist, eine Vernunft als begreifbares Wesen steht, bleibt den Theologen keine andere Wahl, als an der Gestalt eines historischen jungen Religionsrebellen und der ihn angeblich christologisieren und verherrlichenden Apostel als Glaubensgründer festzuhalten. Solange die anerkannte Naturwissenschaft nicht in neuer Weise über den Logos Gottes redet, ihn begrifflich macht, bleibt m.E. der ursprüngliche Grund unseres christlichen Glaubens verborgen und wird von der christlichen Religion selbst verleugnet.
Gerade auf den Gedanken von Hans-Peter Dürr über die neue Sicht der Natur kann daher m.E. ein neues christliches Selbstverständnis gedeihen. Die neuzeitliche ganzheitliche Physik- und Naturbetrachtung ist somit keine wissenschaftliche Randerscheinung, sondern kann als Beleg für eine neue aufgeklärt, mündige Wahrnehmung des Wesens der Christlichen Religion dienen.
Während der Naturwissenschaftler bei seinen Ausführungen über die „Versöhnung von Wissenschaft und Religion“ eine „Innenschau“ als die eigentliche religiöse Wahrnehmung in den Vordergrund stellte, soll hier gerade an seiner Person dargestellt werden, warum die Zeit reif ist, im als wissenschaftlich Begreif- und empirisch Begründbaren die eigentlich christliche Offenbarung zu verstehen, der Mythos zum Logos werden kann. Was bisher nur meditativ im Innen erahnt und in alten Büchern nachgelesen wurde, kann im Außen als reale Gestalt(gebung) gesehen und begriffen werden, ist in der Wirksamkeit allen kosmischen Geschehens wie menschlicher Geschichte wirk-lich und somit „offen“-„bar“.
Der durch Dürr erbrachte Nachweis einer Vernunft in allem physikalischen Geschehen ist dabei nur ein kleines Beispiel für eine Vielzahl von Naturbetrachtungen, die nicht durch Ablehnen des evolutionären Werdens, sondern im sichtbaren natürlichen Geschehen über allen Materialismus hinweg die Handschrift Gottes vermuten. Der wesentliche Knackpunkt bei den vielfältigen neuen naturwissenschaftlichen Betrachtungsweisen erscheint mir dabei das Bewusstsein, dass es bei all den unterschiedlichen Beschreibungen nicht um eine göttliche Natur, einen modernen wissenschaftlichen Mythos oder nur eine neue Sichtweise schöpferischer Ordnungsmuster geht, sondern um den Sohn Gottes, der im Alten Testament prophetisch gesehen und angekündigt wurde und auf den das Neue Testament gründet. In der Logik, dem sinnvoll und somit vernünftigen Ablauf allen evolutionären Werdens lässt sich heute das verstehen, was bereits die Hebräer hörten und die Evangelisten als lebendiges Wort Gottes bezeichneten. Von der menschlichen Ausformung dieses Gotteswortes ging messianische Hilfe für die gesamte Welt aus. Ohne die Menschwerdung des Wortes hätte die westliche und somit die gesamte Welt nicht das heutige Wissen, die Chance zum gemeinsamen Wohlstand. In der Menschwerdung des Wortes lag eine Heilswirkung, die noch nicht zu Ende ist. Heute ist der Tag, an dem die Theologie mit Hilfe der Naturwissenschaft das Wort des einen Gottes neu den Menschen verständlich machen kann. Das Wesen des historischen Jesus und Christus des Glaubens gleichermaßen wird so nicht im negativen Sinn entzaubert. Durch den Logos der christlichen Lehre wird sie im positiven Sinne Wunder-bar. Sowenig die Naturwissenschaft zur Entzauberung führt, sondern der neuzeitlich-empirische Nachweis über eine kausale Logik des kosmischen Geschehens die reife Ehrfurcht vor der unendlich wunderbaren Funktionsweise erst entstehen lässt, scheinen sich auch durch die Offenlegung der Logik der christlichen Lehre alte Hoffnungen erst zu erfüllen. Doch all dies bedingt, dass nicht nur eine vernünftige Natur bzw. Gotteshandeln im Rahmen eines natürlichen Prozesses gesehen oder moderner Pantheismus betrieben, sondern der Sohn Gottes mit aufgeklärten Augen gesehen wird.
Solange die Naturwissenschaftler nur über die verschiedenen Modelle des kosmischen Werdens nachdenken, auf neue Weise schöpferisches Handeln nachweisen wollen, kommen wir nicht wirklich weiter. Es bleibt bei beliebigen Spekulationen, wie sie haufenweise in der heutigen Literatur nachzulesen sind. Wie sollen wir daraus verbindliche Modelle für das Verhältnis von Gott und seinen Geschöpfen sowie das menschliche Sein ableiten? Ist uns dies nicht erst möglich, wenn wir den Sohn Gottes sehen, der den Menschen der Antike als Mensch vermittelt wurde, somit wahrer Messias war, den gemeinsamen Glauben begründet? Naturwissenschaftliche Beschreibungen können erst bei einem neuen Bewusstsein des historischen Jesus Christus zum universalen Glaubensgrund werden, die Präsenz Gottes in der Wirk-lichkeit der Welt deutlich machen. Auch verbindliche Handlungsnormen für menschliches Verhalten lassen sich nicht in einer Art Neodarwinismus aus der Natur direkt ableiten. Erst die neue Sichtweise des Gottessohnes in aller Natur, allem Werden und Wissen lässt uns in der Logik alle natürlichen Seins eine göttliche Norm wahrnehmen und verwirklichen. Ohne den Sohn Gottes zu sehen bleibt alle Naturphilosophie eine beliebige Betrachtung, biologisch oder physikalische Spielerei, die den Menschen nichts zu sagen hat, nicht zwischen Schöpfer und Geschöpfen vermitteln kann und nicht zum vernünftigen natürlichen Verhalten führt.
Gerade die dringend notwendige Umsetzung einer öko-logischen Lebensweise macht deutlich, dass wir nicht allein aufgrund vernünftiger wissenschaftlicher Erkenntnis zum vernünftigen Verhalten finden. Zur Verwirklichung der natürlichen Norm reicht selbst das Wissen um die Überlebensnotwendigkeit nicht. Wir laufen heute mit offenen Augen in eine ökologische Katastrophe, hinterlassen unseren Kindern wissentlich einen völlig aus dem Gleichgewicht gebrachten Kosmos, wenn wir hinter der meteorologisch-ökologischen Ordnung nicht das Gotteswort verstehen, das vor 2000 Jahren als Gottessohn und Mensch wahrgenommen wurde.
Doch auch gesellschaftliche Fragen, wie die derzeit von der katholischen Kirche angeklagte Homo-Ehe lassen sich nur von einem natürlichen Logos aus beantworten, in dem das christliche Wort verstanden, der sinngebende Sohn gesehen wird. Nur eine Bezugnahme auf altbiblische Lehre hilft so wenig, wie die rein bio- oder gesellschaftslogische Betrachtung, auf die sich Kardial Ratzinger in einer kirchlichen Verlautbarung beruft. Nicht was pure Natur oder für die menschliche Gesellschaft sinnvoll, sondern was im Sinne der natürlichen schöpferischen Ordnung bzw. deren menschliche Ausformung für die Zukunft sinnvoll d.h. schöpferisch wäre, ist die Frage, die zu beantworten und logisch zu begründen ist. Der Sohn Gottes, die natürlich-menschliche Logik wird so zum realen Richter des Weltprozesses allen Werdens.
Die moderne Naturbetrachtung kann m.E. nur in Ein-sicht mit einem aufgeklärten allegorischen Verständnis des Neuen Testamentes zur dringend NOT-wendigen geistigen Weiterentwicklung führen. Die Aufgabe der Naturwissenschaft scheint dabei nicht die Leben Jesus Forschung bzw. das Neuverständnis des Schriftwortes. Hierzu besitzen die heutigen Schriftgelehrten das Wissen. Doch solange die Naturwissenschaft nicht den Weg zu einem Neuverständnis des in allem kosmischen Werden wahrzunehmenden Schöpfungswort ebnet, werden sich die Theologen nicht trauen, über den Tellerrand der antiken Texte bzw. Gestalten und deren angeblich frühkirchliche Christologisierung hinauszuschauen. Doch bleibt so der in der Antike als Gottessohn gesehene Logos, das der Schrift zugrunde liegende lebendige Schöpfungswort nicht genau denen verborgen, die beides ständig im Munde führen? Wie sollen dann erst die Menschen erkennen, dass es sich bei Jesus Christus und allen Aussagen über seine menschliche Gestalt, sein Wirken und sein göttliches Wesen bzw. Bedeutung nicht um ein antikes Märchen oder einen ewig geheimen Mythos handelt. Die moderne Naturlehre kann mitwirken, aus dem vermeintlichen Mythos den Logos wiederverständlich zu machen, die Wirk-lichkeit des nach wie vor lebendigen Gottessohnes zu belegen.
Ohne den neuen Nachweis eines schöpferischen Logos in aller Natur, muss die Theologie in alten Buchstaben, deren weitgehend beliebiger Auslegung und somit ihrer eigenen Lehre gefangen bleiben. Nicht nur, dass es unmöglich wäre, von der Theologie ein Neuverständnis und somit ein in Frage stellen der gesamten derzeitigen Denkweise zu verlangen. (Gleichwohl nicht die Bedeutungsinhalte des christlichen Glaubens bzw. neutestamentlicher Aussagen aufgegeben werden sollen, sondern nur bisherige Kurzschlüsse, die christliche Wesensaussagen ins Absurde führen und abbauen.) Ohne den neuen Beleg eines Logos, einer Vernunft/WORT in aller Natur, muss selbst die moderne Theologie, die es längst besser wissen müsste, an einem einfachen Menschen als historischen Grund des christlichen Glaubens fest- und somit das alte Gesetz für das Gotteswort halten. Es ist somit kein konservatives Festhalten an gestrigen Vorstellungen oder gar ein Fehlverhalten, wenn sich die christliche Theologie nicht wirklich weiterbewegt, sondern allenfalls selbst bzw. ihre Wesensaussagen verleugnet oder bagatellisiert. Ohne eine neue Wahrnehmung des Schöpfungswortes in der natürlichen Weltwirklichkeit hat sie keine andere Wahl.
Ohne die neue Naturlehre als Türöffner muss sich die Theologie an Banalitäten oder geheime Mythen halten, weil sie sonst völlig haltlos wäre. Erst wenn Autoritäten der Naturlehre den Logos bzw. Sohn Gottes neu zum Thema machen, ist es den Amtstheologen möglich, über ihre Lehre neu nachzudenken. In diesem Sinne kommt der modernen Naturlehre eine Aufgabe zu, die alle bisherigen Verantwortungsbereiche für materiellen Wohlstand und Erkenntnis wissenschaftlicher Wahrheit über das natürliche Werden weit übersteigt. Wenn angeblich aufgeklärte Naturwissenschaftler der Theologie vorwerfen, sie sei keine Wissenschaft, halte sich nur an alte Dogmen als gestrige Glaubensaussagen, dann tragen sie selbst dafür die Verantwortung. Erst wenn die schöpferische Vernunft in allen biologischen und physikalischen Beziehungsfeldern, somit die sinn-volle Selbstorganisation des kosmischen Geschehens nachgewiesen wird, kann die Theologie den Sohn Gottes mit aufgeklärten Augen sehen und den Menschen vermitteln.
Bitte um Beurteilung eines Denkens, das im modernen Bild der Physik den antiken Logos erkennen will, wie er von den Urchristen als Gottessohn wahrgenommen wurde
Sehr geehrter Herr Professor Dürr,
seit vielen Jahren verfolge ich Ihre Ausführungen und Gespräche mit Theologen und Philosophen über das Verhältnis von Glaube und Wissenschaft. In Ihnen sehen ich mehr als nur ein Sprachrohr des sich anbahnenden neuen Naturverständnisses. Wenn Sie in anschaulicher Weise Laien wie mir die Rationalität deutlich machen, die heute nicht mehr aus der Materie selbst, sondern den natürlichen/logischen Beziehungen der stofflichen Teilchen zu erkennen ist, dann ist das die Voraussetzung, warum ich vom Logos Gottes rede und allen ernstes das Wesen des christlichen Glaubens neu begründen will.
Auch wenn meine Überlegungen über ein im natürlichen Werden verstehbares Gotteswort als eigentlich christlichem Glaubensgrund nicht allein auf Ihre Ausführungen gründen, so würde ich mich in meinen Gedanken nie so weit vorwagen, wenn nicht anerkannte Wissenschaftler wie Sie über ein neues Paradigma in der Naturbetrachtung sprechen würden.
Allein ein abgehobenes New Age, das in verschiedenen Spielarten massenhaft neue „Theorien des Alles“ hervorbringt, zu ähnlichen neuen Schlüssen auf einen vernünftigen Schöpfer Anlass gibt, kann die notwendige Wende im naturwissenschaftlichen Weltbild nicht bewegen. Ich vergleiche das New Age oft mit den Denkweisen der Antike, die als Gnosis später von der Großkirche abgelehnt wurden. Solange eine neue Sicht der Natur sich nur auf individuelle, abgehobene persönliche Modellbeschreibungen beschränkt, besteht eher die Gefahr der Vergeisterung, als dass dadurch der Gesellschaft ein neuer Geist gegeben werden könnte. Nur wenn es gelingt, die neue Sicht der Natur allgemein zur Sprache zu bringen, sie den Menschen verständlich zu machen, kann daraus m.E. eine neue auf die Vernunft Gottes gründende Erkenntnis gelingen. Was heute zwar zu Bestsellern führt, die von „Wendezeiten“ handeln und von vielzähligen ganzheitlichen Weltbeschreibungen als „Modelle des Alles“ und einem „neuen Bild des Kosmos“ reden, mag zwar weiterführen und Denkanstösse geben, bleibt jedoch weitgehend persönliche Spielerei, die sich verflüchtigt und auf die keine vernünftige Theologie gründen kann.
Ich denke daher, dass Sie als anerkannte naturwissenschaftliche Autorität einen Schlüssel dazu in der Hand halten, das christliche Weltbild weiterzubewegen. Wenn es Ihnen gelingt, die Theologen auf ihre neue Beschreibung der Natur neugierig zu machen und durch neue Fragen eine Diskussion über die in der Antike als Logos anerkannte Vernunft des Schöpfergottes anzugregen, können daraus m.E. Wunder entstehen, wie sie uns im Neuen Testament vom Heilshandeln Jesus beschrieben wurden. Denn wie bereits gesagt, genügt m.E. weder nur eine neue Sicht der Natur, noch ein neues Verständnis der biblischen Texte, wie es sich derzeit ebenso eröffnet. Erst in dem die Begriffe von christlichem Glauben und Wissen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden, wird die theologische Tiefe und Bedeutung der neuen Naturbetrachtung bewusst, kann hier das lebendige Wort Gottes wieder als Wesen des gesamten monotheistischen Glaubens verstanden werden.
Für die heutige Theologie und somit auch das naturwissenschaftliche Denken selbst hat all das, was Sie z.B. auf dem Kirchentag über das neue Bild der Natur gesagt haben, nichts mit dem Wesen zu tun, aus dem der christliche Glaube erwachsen ist. Nach unserem heutigen Weltbild muss es völlig verrückt klingen, gar den historischen und heute lebendigen Jesus Christus in aller Natur nachweisen zu wollen. Allenfalls könnte so etwas wie Teilhard de Chardins „kosmischer Christus“ nachgezeichnet werden, wenn die Natur betrachtet wird. Ihr neues physikalisches Weltbild ermöglicht ein neues Nachdenken über den Schöpfer. Doch was dies mit dem historischen Jesus, der somit zum wirk-lichen Messias wird zu hat, kann bei der heute an den theologischen Hochschulen vertretenen Lehre von einem nach seinem Tod christianisierten jungen Juden nicht begriffen werden. Und daher erwarte ich auch nicht, dass Sie in dieser Hinsicht meine Überlegungen teilen. Über das historische Wesen unseres Glaubens neue Fragen zu stellen, so das historische Wesen des christlichen Glaubens neu zu begründen ist Aufgabenteil der Theologie.
Die eine Seite meines Bücherschrankes ist gefüllt mit naturwissenschaftlichen Betrachtungen, von Chaostheorie, über Symmetriebetrachtungen bis zu Biologiebeschreibungen, die den puren Genegoismus oder das Böse für den Wandel verantwortlich machen wollen und zahlreichen modernen naturwissenschaftlichen Weltbeschreibungen, die mir den logischen Wandel vom Sternenstaub bis zum geistbegabten Wesen beschreiben. Gäbe es diesen Bereich des Bücherschrankes nicht, so wäre auch der andere Teil, der sich mit theologischen Themen auseinandersetzt leer.
Und gleichzeitig war erst ein Nachdenken über den eigentlichen Grund des Neuen Testamentes, das auf die Kritik am bisherigen Jesusbild folgte, für mich Aufforderung zur Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Betrachtungen. Das Bibellesen begann erst wieder, nachdem ich in der sichtbaren Natur das Wort/den Logos Gottes verstand und hierin auch den historischen Jesus sah. Erst durch die neue Sichtweise biologischer Beschreibungen lese ich heute die gesamte Bibel als Ur-kunde vom schöpferischen Wort und versuche mit Hilfe der modernen Exegese die Bilder zu verstehen. Die Bitte an Sie gilt nicht der theologischen Beurteilung meiner Überlegungen. In Ihnen sehe ich vielmehr einen Zeugen dessen, was ich den als lebendigen natürlichen Logos beschreiben will. Nur wenn es gelingt, das Wesen des schöpferischen Logos/Wortes auf vernünftige Weise zur Sprache zu bringen, kann somit die gesamte Logik der christlichen Lehre belegt werden.
Bitte verzeihen Sie, wenn ich die Gliederungspunkte ihres Vortrages aufnehme, sie jedoch in eine andere Reihenfolge stellte. Denn am Anfang steht das neue Naturverständnis: eine neue Vorstellung von der Vernunft Gottes als dem schöpferischen Wort. Erst dann kann m.E. darüber nachgedacht werden, welches Verhältnis Glaube und Wissen haben, die von Ihnen geforderte Innenschau bzw. das Festhalten am gesetzten überlieferten Textwort der heutige Weg ist oder im einsehbaren Außen die christliche Offenbarung, das eigentliche Fundament liegt. Auch eine Antwort auf die Frage, wie der Mensch in seinem gesellschaftlichen Verhalten mit der Natur versöhnt und zur Vernunft gebracht werden kann, ist nach meiner Perspektive erst als Folge eines neuen christlichen Selbstverständnisses möglich. Denn ich denke, dass nicht durch die bereits heute weitgehend gegebene Einsicht in die Notwendigkeit und die drohende Not der Mensch sein verhalten ändern wird, sondern ein neues christliches Selbstverständnis als beigeisterte Anhänger der Vernunft Gottes dafür die Voraussetzung ist.
Wenn ich heute darüber sinniere, warum die Astronomie der Lautsprecher eines Logos bzw. des Gotteswortes sei, der präexistente und vor 2000 Jahren als historisches Wesen wirksame Jesus auch in den kleinsten Teilchen der Atome zu hören ist, dann ist dazu ein Naturverständnis die Voraussetzung, wie Sie es beschreiben. Allein zu behaupten, die Biologie sei das Buch Gottes, weil alles in der Evolution seit dem angenommenen Urknall Einsehbare einem schöpferischen Wort, einer umfassenden Logik folgt, ist zu wenig, wenn wir im Grundsatz am bisherigen, rein materiellen physikalischen Weltbild festhalten. Die von mir vertretene Sichtweise, die in allem natürlichen Werden den Logos Gottes wahrnehmen will, bedarf eines übergeordneten, physikalisch begründeten neuen naturwissenschaftlichen Weltbildes, wie es auch auf dem Kirchentag zur Sprache gebracht haben.
Die moderne Physik kommt nach Ihrer Darstellung zur überraschenden Erkenntnis, dass Materie nicht allein aus Materie aufgebaut ist. Wenn wir die Materie immer weiter auseinandernehmen, in der Hoffnung die kleinste, gestaltlose, reine Materie zu finden, bliebe am Ende nichts mehr übrig, was uns an Materie erinnert. Am Schluss ist kein Stoff mehr, nur noch Form, Gestalt, Symmetrie, Beziehung. Wir hätten nach Ihren Worten eine Umkehrung: „Das Primäre ist Beziehung, der Stoff das Sekundäre“, das Ganze ist weit mehr als die Summe seiner Materien-Teile.
Sie beschreiben die natürliche Welt in einer Weise, die mich an die griechische Naturphilosophie erinnert. Wo Heraklith einen ewigen Fluss und andere Hellenisten das Lodern eines Logos ausmachten und Sokrates bzw. Platon daraus Gesellschaftsmodelle und Verhaltenslehren ableiteten, sehen Sie ein „feuriges Brodeln“, ein ständiges Entstehen und Vergehen: „In jedem Augenblick wird die Welt neu geschaffen. In diesem andauernden und offenen Schöpfungsprozess wird ständig ganz Neues, Noch-nie-Dagewesenes geschaffen.“ Alles sei daran beteiligt. Das Zusammenspiel folge bestimmten sinnvollen, somit für die Gesamtheit vernünftigen Regeln. Es sei ein Plus-Summe-Spiel, wo Kooperation zur Verstärkung führe. Der zeitliche Prozess sei nicht einfach Entwicklung und Entfaltung durch ein „Auswickeln“ von schon Bestehendem, von immerwährender Materie, die sich nur selbst eine neue Form gäbe, wie dies bisher angenommen wurde. Das Alles sei echte Kreation.
Vieles Interessante über das neue Bild der Natur gäbe es noch zu sagen. Doch das möchte ich Ihnen überlassen. Hier geht es um die Schlüsse über unser „urchristliches“ Verständnis vom Schöpfergott, das sich u.A. aus der von Ihnen aufgezeigten Weltsicht ergibt. Die neue Sicht der Natur ist nicht nur eine „schlechte Nachricht“ für „diejenigen, die die Natur manipulieren und letztlich in den Griff bekommen wollen“. Wie Sie sagen, sei es eine „gute Nachricht“ für alle die sich als Teil derselben großen Wirklichkeit betrachten und erleben., ohne dabei Mensch wie Natur zu leblosen Maschinenteilchen zu reduzieren, wie dies das materielle Weltbild heute weitgehend tut.
Gerade bei der von Ihnen gewählten Bezeichnung „Gute Nachricht“ fällt mir die entsprechende Ausgabe unser christlichen Bibel ein. Denn um das zu vernünftig zu begründen, was im Neuen Testament steht, scheint mir ein Schöpfungsverständnis notwendig, wie es sich aus Ihrer „Guten Nachricht“ über die neue Naturbetrachtung ableiten lässt. Alles was Sie über das Werden und Vergehen in der physikalischen Wirk-lichkeit aussagen ist für mich nichts anderes als das verständlich zum Ausdruck gebrachte „Wort Gottes“, die lebendige Kreation eines vernünftigen Schöpfers. Wenn ich von „Formgebung“ und „In-form-ation“ spreche, durch das Wort das sich alle Materie wie unser menschlicher Geist – somit die gesamte Genesis – erst entwickeln, dann kann ich das nur aus der von Ihnen naturwissenschaftlich begründeten echten Kreation als Wirk-lichkeit des einen Schöpfergottes ableiten, dessen Tat-sache bereits die Hebräer sahen und die in der Antike auf metahysisch-wissenschaftliche Weise neu wahrgenommen wurde. Ich hoffe verständlich machen zu können, warum in dem, was sie als „Gute Nachricht“ bezeichnen daher den eigentlichen Grund des Neuen Testamentes sehe. Die „Gute Nachricht“ ist somit weit mehr als ein Buch, von dem die modernen Theologen denken, es wäre nur aus alten Texten übernommen, um einen historischen jungen Juden zu verherrlichen. Es sind auch nicht nur innere Stimmen, die von Jesus oder seinen Jüngern im Rahmen einer religiösen Vergeisterung wahrgenommen wurden, sondern geht um das in Jesus lebendig gewordene Gottesswort, wie es in der Vernunft allen Werdens heute wieder verständlich ist.
Wenn ich in meinen vielfältigen Ausführungen, durch die ich die heutige Theologie zu einem Neuverständnis ihres Wesens auffordern und ermuntern möchte, ständig von einer „Vernunft“ spreche, die allem Werden zugrunde liegt und die das ursprüngliche und am Anfang stehende und von uns zu stellenden Gotteswort sei, dann geht es um genau das, was ich in Ihrem naturwissenschaftlichen Weltbild begründet sehe. Was hält uns davon ab, in heutiger Begrifflichkeit das zur Sprache zu bringen, was in der Antike als Logos bezeichnet und von den Christen als Gottessohn verstanden wurde?
Wenn wir eine ganzheitliche Sicht der Welt akzeptieren, ist dann nicht auch die geistige Entwicklung im Grunde einheitlichen Weltgesetzen, dem gleichen Logos unterworfen, wie alle Natur? Gehören Auseinandertriften und wieder Zusammenfügen von Wissen und Glaube dann mit zu diesem Gesetz des Werdens? Wäre dann aber nicht genau heute der not-wendige Zeitpunkt, die beiden Bereiche in neuer Begrifflichkeit auf kreative Weise in Beziehung zu setzen? Lässt sich in diesem Sinne nicht die Logik der Trennung von Wissen und Glauben zum Zwecke eines Wachsens wahrnehmen? Und müsste damit nicht auch die uns so erwachsene naturwissenschaftliche Aufklärung als eigentliches Ziel haben, nicht nur materiellen Wohlstand zu bewirken, sondern in einer neuen Zusammenführung auch das geistige Wachstum zu bewirken?
Welche neue Erkenntnis erwächst uns aus dem modernen-holistischen Weltbild wirklich? Wie kann es genutzt werden, um die Zeit gegenseitiger Verneinung endlich zu beenden und daraus ein neues gemeinsames Verständnis des einen und ewigen Gotteswortes als christlicher Offenbarungsweg entstehen?
2. Statt unbestimmten Pantheismus die Stimme, das Wort/Logos Gottes verstehen
Was hat das neue Bild des Kosmos als eines sinnvolles Beziehungsfeldes mit dem Gott der Liege gemein, werden viele fragen. Doch kann nicht gerade im Kosmos, in den neues Leben hervorbringenden Beziehungen der Teilchen das nachvollzogen werden, was wir in menschlichen Beziehungen „Liebe“ nennen? Ist nicht auch im Rahmen unserer kulturellen Lernens die gleiche Kraft am Werke wie in aller Genesis? Und lässt diese kosmische Liebe nicht in unserem Gehirnkasten sinnvolle Synopsen entstehen und so neue Einsichten hervorbringen? Geschieht nicht auch im Kopf jede neue Erkenntnis nur durch ein immer neuartiges Zusammenfügen bisher scheinbar nicht zusammenpassender Teile? Ist nicht gerade die neue Sicht des materiellen Werdens Beleg für den Lieben Gott? Muss dann nicht das gesamte kosmische Geschehen auf neue Weise als reiner Prozess immer neuer Formgebung, In-formationsprozess, Wort Gottes gesehen werden? Und besteht die Aufgabe für uns nicht genau darin, in neuer Weise bisher unvereinbares in einem übergeordneten Verständnis zu vereinen?
Wer den Prozess kosmischer Kreativität wie kognitiver Weiterentwicklung als umfassende Weltvernunft/Gotteswort verstehen will, der muss auch in seinem Denkverhalten dem Weg der schöpferischen Vernunft folgen. Die Forderung, nicht heutige naturwissenschaftliche Begrifflichkeiten, völlig jenseits des alten Denkens zu gebrauchen, sondern bisher religiöse Bilder mit der ganzheitlichen Sicht der natürlichen Welt zu verbinden, versteht sich als Folge einer umfassenden Logik. Altes nicht abzulehnen, sondern daraus evolutionär zu lernen und auf dem als sinnvoll erkannten aufzubauen, folgt in diesem Sinne dem göttlichen Gesetz aller Kreation. Um in einem andauernden Schöpfungsprozess Neues, noch nie da gewesenes zu schaffen, kann das alte Schöpfungs-, Gotteswort- und Christusverständnis nicht völlig über Bord geworfen, sondern muss in erweiterter, bisher fremder Form wiederbelebt werden.
Ein ganzheitliches Verständnis allen Werdens muss in diesem Sinne auch eine Brücke zwischen dem urchristlichen Denken und dem modernen Weltbild herstellen, die Logik der christlichen Theologie wahrnehmen und darauf weiterbauen. Nur die Lehre in noch ältern Lehren zu begründen und die alte Ethik aufzufrischen – wie dies derzeit weitgehend geschieht - kann keine neue Kreation sein. Vielmehr versuche ich zu verstehen, warum genau die damals gebrauchten Bilder und Begrifflichkeiten notwendig und heute in einem erweiterten Bewusstsein weiterhin sinnvoll wären. Es kann hier nicht der Raum sein, um die Menschwerdung des Logos und die Bilder des neutestamentlichen Kanons als sinnvoller Kosmos nachzuzeichnen. Doch kann uns m.E. eine Auseinandersetzung mit der urchristlichen Theologie ebenso wie mit der dem hebräischen Gottesverständnis die Logik aufzeigen, die nicht den Schöpfer selbst sehen und beweisen will, sondern sich auf sein Wort beschränkt, von dessen Realität ausgeht.
Bei allen bisherigen Versuchen, direkt von einer beseelten Natur auf den Schöpfer schließen zu wollen, sehe ich die Gefahr einer Naturverehrung, die m.E. ein Schritt hinter die eigentliche christliche Religion zurück wäre. Eine überhebliche Ablehnung der Naturreligionen wäre dabei mit Sicherheit der falsche Weg. Denn das Schöpfungswirken bzw. Gotteswort lässt sich in den Naturreligionen oft deutlicher heraushören, als in der heutigen christlichen Theologie, die nur von einem verherrlichten jungen Menschen schwärmt, dies mit dem schöpferischen Wort in keiner Weise in Verbindung bringt. Ausgehend von einer urchristlichen Theologie, die durch die Menschengestalt des in aller natürlichen Schöpfung wirksamen Gottessohnes ein messianische Wirkung entfaltete, gilt es vielmehr gilt es den Vorsprung zu erkennen, den eine ....................................
In der antiken Auseinandersetzung mit den rein philosophischen Denkweisen kann gleichzeitig auch nachvollzogen werden, warum erst durch die Wahrnehmung des Logos als Gottessohn und von dessen menschliche Gestalt die messianische Wirkung ausging. (In zahlreichen Aufsätzen habe ich versucht, die Logik darzustellen, die erst zur Darstellung der uns bekannten Ausformung des Schöpfungswortes bzw. Bilder führte.)
Auch die Fehlversuche, durch eine naturwissenschaftliche Aufklärung direkt auf Gott zu schließen, die bisher kaum über einen unbestimmten, mit dem christlichen Denken unvereinbaren Weltbild hinausgekommen sind zeigen uns die Logik, im Logos den Gottesoffenbarer anzuerkennen, ohne Gott selbst dingfest machen zu wollen und können.
3. Der Gottessohn als „Missing Link“ vom Monismus und Monotheismus
4. Vom Mythos zum Logos - Diesseits des Wissens Gott wahrnehmen
Wie Wissen zum Glauben wird
5. Durch Wahrnehmung der Vernunft Gottes zum vernünftigen Leben