Der Kirche auf den Grund gehen

 

Überlegungen, die nach dem kosmischen Grund des christlichen Glaubens fragen. Begrifflichkeiten der Frühkirche, die bisher weitgehend nur in altenübernommenen Lehren, Ritualen, jüdischen Hoheitstiteln, hellenistischen Gestalten und Geschichten... begründet wurden, werden von einer in der Antike neu wahrgenommenen und verwirklichten schöpferischen Wirk-lichkeit  ausgehend hinterfragt. Denn die den Kosmos wie die menschliche Geschichte ordnende und bestimmende Wirk-lichkeit (Wort/Logos) Gottes wurde damals auch in den vormaligen Traditionen wahrgenommen, deren Begrifflichkeiten man somit aus gutem Grund übernahm. Als Grund der Kirche bzw. der Ausbreitung des Christentums wird die zur Zeitenwende neu wahrgenommene und umgesetzte schöpferische Vernunft in christlicher Gestalt gesehen. Nur sie ermöglichte ein zeitgemäßes Verständnis des ewigen schöpferischen Wirkens für Juden, Griechen, Römer wie Barbaren gleichermaßen, konnte in wahrhaft königlicher Weise zur Integration der verschiedenen Völker führen.

 

 

 

Sehr geehrter Herr Dr. Sasse,

 

auch wenn ich es eigentlich schon aufgegeben habe, von Ihnen eine Begründung zu erwarten, warum meine von der heutigen Hochschullehre völlig abweichende Historienhypothese unhaltbar oder unbrauchbar sein soll (man darüber doch allenfalls „bei einem Bier“ reden kann und selbst das ausbleibt), so zeigten mir gerade Ihre Ausführungen zur Kirchengeschichte, dass wir heute möglicherweise am eigentlichen Grund des christlichen Glaubens vorbeigehen. Entschuldigen Sie, wenn ich Sie nochmals anspreche, Ihre Aussagen aufgreife und um eine argumentative ernsthafte Antwort bitte.

 

Der Grund, den wir heute geben kann nicht zum Glaube führen. Auf ihm kann nicht das wachsen, was die Väter unserer Kirche in der offenbarenden und die verschiedenen Völker vereinenden Gestalt des Gottessohnes mit Namen Jesus erwarteten. Vielmehr führt die heutige Begründung zum genauen Gegenteil, trennt und verhindert einen vernünftigen Glauben an den einen, gemeinsamen Schöpfergott. Doch es ist das gesamte Denken über den historischen und erst anschließend als hoheitlich verkündeten Jesus Christus, das genau zu diesen Schlüssen kommen muss, bei der Begründung der Glaubenstexte nur bei einer nicht nachvollziehbare Inspiration antiker Gestalten bleibt und gleichzeitig alle hoheitlichen Aussagen als propagandistisch-populistische Übernahme philosophischer, heidnischer oder hebräischer Aussagen nachweisen will. Der eigentliche Grund, der hinter den antiken Gestalten steht, in Jesus als Geschichtsgestalt sichtbar war, auch den alten Traditionen zugrunde liegt und nicht Gott selbst ist, kann so weder gesehen, noch in neuer, zeitgemäßer Weise wahrgenommen werden.

 

Kann der Grund der christlichen Kirche, deren Theologie die Trennungen der verschiedenen Weltbilder überwand, Juden, Barbaren und Hellenisten in gleichem Maße einen Monotheismus vermittelte nur ein menschlicher Guru oder ein ihm aufgesetztes Kirchenkonstrukte gewesen sein, das aus altjüdischen Gesetzlichkeiten und heidnischem Götterkult übernommen wurde? Auch wenn ich fest davon überzeugt bin, dass der christliche Sohn Gottes einen ganz konkreten und heute nachvollziehbaren kosmischen Grund hat, so ist mein Wissen ist viel zu wenig, um urteilen und überzeugend argumentieren zu können. Dies ist mir bei Ihren fachkundigen Ausführungen über die frühe Geschichte des christlichen Glaubens wieder bestens bewusst geworden. Fachwissen ist gefragt, weit mehr als ich Laie es zu leisten vermag. Nur aufgrund historischer Fakten und logischer Schlüsse ist darüber nachzudenken, ob das als schöpferische Wirk-lichkeit wahrgenommene Wort als Ausgangspunkt von Kult, Kirche und Kanon gesehen werden kann oder dies als eine rein persönliche Sichtweise abzulehnen ist.

 

Bei allem was wir über das Denken zur Zeitenwende wissen kann ich mich mit dem heutigen Jesusbild, das immer nur das Selbstporträt der jeweiligen Autoren wiederspiegelt und einem daneben gesetzten christologisch-mythologischen Kirchendogmatismus nicht mehr zufrieden geben. Vielmehr will ich nach dem Grund fragen, der damals eine echte Problemlösung brachte und nicht nur eine inhaltslose Predigt im heutigen Sinne bzw. populistisches Geistesprodukt war. Gerade aufgrund dessen, was mir immer wieder als theologisches Geschichtsgeschehen aufgezeigt wird bin ich sicher, dass damals wie heute nur eine neue aufgeklärte Wahrnehmung der alten Glaubensgründe und eine schöpferische Wirk-lichkeit im zeitgemäßen Weltbild gleichermaßen von entwürdigender Unmündigkeit sowie Aberglaube befreien und die Weltbilder versöhnen konnte. Ein Jesus, wie ihn dieser Tage in logischer Fortsetzung der heutigen Hochschulhypothese von einem anschließend als Gottessohn verherrlichten einfachen historischen Menschen ein „Tatort“-Drehbuchautoren in geistreicher Ausschmückung als naiv sentimentaler junger Jude mit allerlei Liebesallüren nachzeichnete, hat nicht nur der heutigen Welt nichts zu sagen. Er hätte bei allem, was ich über die Probleme des antiken Denkens, die verschiedenen Formen der Wahrnehmung Gottes u.A. bei Ihnen lerne, auch damals nichts bewirkt. Doch da ich sicher bin, dass genau der damals historisch und hoheitliche Jesus, auf den unsere Kirche gründet auch heute noch lebendig ist, die schöpferische Vernunft selbst im derzeitigen Abfall vom Glaube wirkt, habe ich Hoffnung auf neues Hören des alles Werden bewirkenden schöpferischen Wortes.

 

Ihr neues Buch über die Geschichte Israels in Händen haltend, das den Geist des hellenistischen Judentums schildert, die Auseinandersetzungen und Probleme des damalige Denkens in hervorragender Weise vor Augen führt, kann ich nicht begreifen, wie wir stur heil so tun, wie wenn das von Ihnen geschilderte antike Glaubensdenken aufgrund eines konkreten Weltbilds plötzlich einem liebeschwärmden Guru oder einem rhetorisch begabten Jungphilosophen mit himmlischen Eingebungen hintergelaufen wären oder propagandistische Geistesprodukte in die Welt gesetzt hätten.

 

-Was hat das Volk, das die Verkörperung der Hörer des himmlischen Wortes war mit dem zu tun, den wir heute als historischen Jesus m.E. in himmelschreiender Weise verkürzen und von dem wir gleichzeitig behaupten, dass die gesamte jüdische Geschichte auf ihn hinauslief?

 

-Wurde damals nur ein hoheitliches Wesen verkündet? Oder war der gemeinsame Neuverstand des hoheitlichen Wesens die Voraussetzung für das Neue Testament und das Wiederverständnis des Alten?

 

-War somit auch der Weg, den die damalige Glaubensverkündung eingeschlagen hat nur eine Umsetzung des ewigen schöpferischen Logos, der im Sinne des Schöpfers vernünftige Weg?

 

Ohne die kosmische Wirklichkeit als ganz reales schöpferisches Geschehen im Sinne des antiken Denkens wahrzunehmen, bleibt alles Reden Schall und Rauch. Die heute zu hörenden Begründungen, die immer nur nachweisen wollen, wie und warum alte Vorstellungen oder Kultpraktiken zu einem christologischen Produkt verknüpft bzw. als reine Eigenkonstrukte in die Welt gesetzt wurde, reichen nicht aus, um dem neuen Bund, auf den die christlichen Kirche baut, einen realen Grund zu geben. Vielmehr vermute ich, dass wir gerade heute wieder deutlich machen können, dass auch die Kirchgeschichte einer schöpferischen Vernunft entspringt, sie die damals neu wahrgenommene Vernunft Gottes in ihrer Lehre verwirklicht. Wieso kann man nicht einmal darüber reden und nachdenken, ob die kosmische Wirk-lichkeit in menschlicher Gestalt das eigentliche Wesen wäre, das es neu zu erforschen gilt?

 

-Was wollen Sie uns mit dem Ergebnis Ihrer Israelforschung sagen? Ist es intellektueller Zeitvertreib für gebildete Christen, die so jetzt wissen sollen, wo ihr junger Guru mit Namen Jesus geboren ist, den die Kirche vom einfachen Menschen zum Gottessohn machte? Oder lässt sich nachvollziehen, wie die Weltvernunft Gottes in menschlicher Gestalt als Grund eines universellen Glaubens die verschiedenen Weltbilder versöhnte, so schöpferische Vernunft nicht nur verstanden, sondern auch gelebt wurde?

 

-Genügt es, unseren Kindern zu erklären, warum alte Kirchenlehrer die Begriffe gebrauchten, hier und da abgeschrieben oder Kultpraktiken aufgriffen haben? Oder müssen wir nicht vielmehr den Grund der Kirche in einer heute nachvollziehbaren kosmischen und geschichtlichen Wirklichkeit erklären, damit der Glaube wieder glaubwürdig wird?

 

-Was unterscheidet ihre Ausführungen im Grunde von den Radikalkritikern, die bereits zum Beginn der Aufklärung das Christentum als von altem Testament abgeschrieben oder nur an heidnische Praktiken bzw. Gestalten oder philosophische Begrifflichkeiten angelehnt entlarven wollten und im gleichen Atemzug somit alle Aussagen als aufgesetzte Fälschungen ablehnten? Was ist der theologische und geschichtlich wirksame Grund des Neuen Testamentes, der über alte Lehren hinausgeht?

 

-Wenn im apostolischen Zeitalter eine Auseinandersetzung über den wahren Sohn Gottes und Messias stattfand, haben sich diese Denker um das Wesen eines Wanderpredigers oder ein Kunstprodukt gestritten, das sie jetzt zum wahren König machen wollten? Oder müssen wir aufgrund des heutigen Wissens um das damalige Denken nach einem höheren Grund fragen, in dem nicht Gott selbst, jedoch seine irdische Wirk-lichkeit, menschliche Präsenz als wahren König gesehen wurde, von dem alle menschliche Bestimmung ausgeht?

 

-Wird nicht gerade in der Vergötterung der menschlichen Herrscher deutlich, wie im hellenistischen Judentum ein Problem gesehen wurde, das weder durch einen hochstilisierten Wanderguru, noch ein Kirchenkonstrukt gelöst werden konnte, sondern durch den im damaligen Weltbild als konkrete kosmische Größe gesehenen Logos in menschlicher Gestalt?

 

-Warum sollte sich nicht nachvollziehen lassen, dass der griechisch-philosophische Logos als das hebräisch-prophetischen Wort Gottes erkannt und als echter Sohn Gottes in menschlicher Gestalt genau die gesellschaftsbildenden Funktionen übernahm, die vormals von Gottmenschen bzw. Kaisern wahrgenommen wurde?

 

-Wäre es nicht wahrhaft neutestamentlich, über die alten Gottessöhne, als die die Vielzahl heidnischer Gestalten gesehen und sich Herrscher oder das jüdische Volk insgesamt verstand hinausgehend, in der Vernunft allen Werdens eine neue ganz konkrete Form von Gottessohn zu sehen, der echt all die schöpferischen Funktionen in sich vereinte, die vormals altgediente Götter und Gottessöhne wahrnahmen?

 

-Wenn die alten mystischen oder gesetzlichen Vorstellungen nicht mehr trugen bzw. für die Problemlösung der Antike nicht mehr taugten, wie konnte damals eine Umkehr, Buße, bewirkt werden? Wie war der Abfall vom Schöpfergott zu überwinden? Nur in schönen Reden, Inspirationen von einem Guru und seinen Aposteln und altaufgesetzten Konstrukten? Oder ging es um eine konkrete Gestalt, in der sich das ewige Schöpfungswort ausdrückte?

 

-Warum können wir nicht nach dem Wort fragen, das die apostolischen Väter verstanden, für das sie gar in den Tod gingen? Sitzen wir hier nur frühfrommen Schwärmern im Sinne heutiger Schwätzer auf, deren Märtyrertum wir modern erklären? Oder sitzt der Grund tiefer, liegt eine ganz konkrete Theologie zugrunde, die nicht in einem menschlichen, sondern in einem schöpferischen Wesen den wahren König sah?

 

-Sind wir aufgrund dessen, was wir heute glauben so sehr davon überzeugt, dass sich die antiken Glaubenslehren in inhalts- bzw. grundlosen Predigten erschöpfen, nur alte Texte aufsagten und abschreiben, blinden Hoffnungen in die Welt setzen, dass wir es aufgegeben haben, nach dem echten Grund zu fragen, der nicht mit dem unsichtbaren Gott gleichzusetzen ist?

 

-Zwingen nicht auch die gesamten Unstimmigkeiten, die Sie in den verschiedenen Lehren aufzeigen, wo vieles scheinbar nicht zusammenpasst, von einem schöpferischen Wesen auszugehen, einen gemeinsamen Grund an den Anfang eines neuen Denkens von Gott zu stellen?

 

-Lassen nicht die gesamten Auseinandersetzungen um Häresielehren oder gnostische Fehlentwicklungen darauf schließen, dass es um ein verstandenes schöpferisches Wesen geht, und nicht um die Verherrlichung eines Guru oder menschliche Geisteskonstrukte?

 

-Wenn wir im Christentum von Bekenntnisreligion sprechen, auf was bezieht sich die Kenntnis, war es ein altaufgewärmter Religionskönig, jetzt nur neu zu einer Art Gott erhoben? Oder lag der christlichen Taufe eine neue Theologie zugrunde?

 

-Wäre es nicht die Aufgabe von „Neutestamentlern“ die neue Theologie nachzuweisen, statt nur in alten Glaubensvorstellungen zu begründen und gleichzeitig von „Be-kennen“ zu reden, einem Bewusstsein also, in das nicht mehr einfach hineingeboren wurde?

 

-Wenn auf den Namen des Schöpfervater getauft wurde, lässt das nicht vielmehr auf eine neuen Erfahrung der schöpferischen Wirk-lichkeit, des „Namens“ Gottes schließen, als auf ein antikes Auswendiglernen und Aufsagen von Bekenntnissen?

 

-Auch wenn die Logik von einfachen Formeln zur Erhaltung des Glaubens außer Frage steht, sich auch so die schöpferische Vernunft –der Logos- umsetzt und erhält, kann die Formelhaftigkeit selbst der Grund dessen sein, was wir im Neuen Testament lesen?

 

-Auf was beziehen sich die gesamten Visionen, von denen wir bei Ignatius oder im Hirt des Hermas lesen, waren es nur Vergeisterungen oder ein neues Verständnis, dem ein ganz konkreter Geist über das kosmische Geschehen zugrunde lag?

 

-Wenn wir doch erkennen, wie sehr sich die Christen als wahre Juden verstanden, bis zu Nero als Sonderform eines intellektuellen Judentums gesehen wurden, müssen wir da nicht konsequenterweise die die heutige Historienlehre bestimmenden Hypothese von einem verherrlichten bzw. als Gottessohn verkündeten Heilsprediger hinterfragen und nach einem neuen hochintelligenten Verständnis suchen, das die verschiedenen Welt- und Kultbilder vereinte und vernünftigerweise in einfacher Form verdichtet wurde?

 

-Wieso halten wir trotz unseres wachsenden Wissens um die antike Problematik der vordergründig scheinbar unvereinbaren Glaubensformen stur heil daran fest, man hätte einfach gegenseitig abgeschrieben z.B. hellenistische Aussagen über die Göttersöhne auf Jesus übertragen hätte, statt in der antiken Auseinandersetzung den vorösterlichen Prozess um den wahren König nachzuzeichnen?

 

-Warum ist es abwegig davon auszugehen, dass es der höchsten Vernunft entsprach, den auch in alten mysterisch-heidnischen Kultformen erkannten Logos des hebräischen Gottes in vertrauten Bildern darzustellen, die jüdischem wie griechischem Geist gleichermaßen gerecht wurden?

 

-Zeigt nicht gerade die antike Auseinandersetzung der Juden mit dem Kaiserkult, dass der wahre König der Juden und die Trennung der Kulturen überwindende Grund kein betitelter, erhöhter Mensch sein kann, auch wenn dieser wie Augustus eine friedensstiftende Integrationskraft hatte, sondern nur ein echt höheres Wesen, das menschliche Gestalt annahm, jedoch nicht mit Gott gleichzusetzen ist?

 

-Wieso halten wir fest, dass es für jüdisches Denken in Alexandrien oder Jerusalem, aber ebenso auch die heidnische Philosophie eine Zumutung war, einen menschlichen Herrscher zu vergöttern und gehen gleichzeitig davon aus, das kaiserliche Kult- und Auferstehungsbilder abgekupfert wurden?

 

-Wie können wir auch nur im Entferntesten davon ausgehen, die Griechen, die längst den philosophisch-kosmischen Grund – den zugrunde liegenden Logos - ihrer vielzähligen Göttergestalten kannten und die alten Mysterien verurteilten jetzt plötzlich einen charismatischen Religionsrebellen verherrlicht?

 

-Wieso ist es so absurd anzunehmen, die antiken Sonnenanbeter hätten nicht nur für propagandistische Zwecke herhalten müssen, sondern das heidnische im Kirchenjahr hätte einen echt kosmischen Grund?

 

-Warum macht sich keiner der unzähligen Gelehrten, die an den Quellen forschen die Mühe nachvollziehen, wie der einzige Sohn Gottes auch im kosmischen Plan des pantheistischen Mysterien gesehen, so der Weg von polytheistischer Vielgötterei zu einem neuen monotheistischen Glaube und einer Erneuerung der ins Absurde führenden Gesetzlichkeit gefunden wurde?

 

-Ist nicht gerade das die große Wende des christlichen Glaubens, dass kein Mensch mehr zum Gott erhoben werden muss und nicht eine wirre Vielzahl verschiedener Götter ihr Unwesen treibt, sondern ein schöpferisches Wesen, das nicht mit dem unsichtbaren, transzendenten Gott gleichzusetzen ist, menschliche Gestalt annimmt?

 

-Doch wird dann nicht gerade dies Wende durch die heutige Hochschul-Hypothese, die bei aller Beteuerung der Hoheitlichkeit immer nur davon ausgeht, dass alte Titel (ob heidnisch oder hebräisch) auf einen jungen Juden übertragen wurden, wieder zurückgedreht?

 

-Warum beschäftigen wir uns mit der Historie, haben unzählige neue Erkenntnisse ausgegraben, die uns die antike Problematik der verschiedenen konkurrierenden Kultformen vor Augen führen, wenn wir weitermachen wie wenn wir von dem gleichzeitig großartigen philosophisch-theologischen Geist nichts wüssten, so tun, wie wenn nur gegenseitig geklaut worden wäre, um einem Guru oder alten Göttern eine Krone aufzusetzen?

 

 

- Führt dieser Kurzschluss der Vernunft, der eine damals lebendige höhere Vernunft ausschließt und alle Logik versucht immer nur in alten Kultformen zu begründen, die auf einen charismatischen Menschen übertragen oder diesem einfach dogmatisch zur Seite gestellt wurden, nicht nur zu einer unfruchtbaren Dornenkrone, die heute das genaue Gegenteil von menschlicher Führung, Integration und Vernunft bewirkt?

 

-Ist den Historikern, die das Wissen um die antiken Denkwege und auch die kosmischen Begründungen der altjüdischen Feiertage und Glaubensaussagen haben von den Bilder der Blick verbaut oder halten Sie den christlichen Glauben für völligen Schwachsinn und setzen Ähnliches auch für den Anfang voraus?

 

-Warum fällt es so schwer zu erkennen, warum das Christentum nicht nur Zeus und seine unzähligen Söhne samt menschlichen Kaisern gebrauchte, um einen Menschen damit auszuschmücken, sondern der kosmische Grund erst so in höchster Philosophie bzw. Theologie als hebräische Wurzel verwirklicht, weitergeführt wurde?

 

-Was war der Grund, warum die Väter unserer Kirche eine jungfräuliche Geburt bekannten? War es die medizinische Jungfräulichkeit einer jungen Jüdin, die einem Guru das Leben schenkte oder erkannten unser Glaubensväter in der Jungfräulichkeit eine Logik, die auch hinter anderen jungfräulichen Geburten von Glaubensgestalten steht und sich beispielsweise bereits in Isis verkörperte? Wie können wir annehmen, ein Denker wie Kyrill von Alexandrien hätte nur die Mutter eines Religionsrebellen zur Gottesgebärerin nach heidnischem Vorbild gemacht, Isis umgewidmet? Muss nicht neutestamentlich nach der wahrhaft ewigen Unvoreingenommenheit gefragt werden, die ein Wesen braucht, das neue Kulturgüter hervorbringt, Gottes Wirk-lichkeit zum Ausdruck bringen will und das in Mutter Kirche gesehen wurde?

 

-Wie hätte ein Jude der Verherrlichung eines Menschen oder einem rein kirchengeistigen Konstrukt hinterherhinken können, wie sie unsere heutige Hochschullehre als historische Wirklichkeit verkündet. Wie Sie wissen bin ich dem Schöpfer dankbar, dass es diese Hypothese gegeben hat, sie die Vernunft Gottes in Person umsetzte und zum Glauben führte. Doch wenn Sie auf diese Weise ihren Schülern den einen Schöpfer des gesamten Kosmos nicht mehr verdeutlichen können, die Bilder und Bekenntnisse ihre Bedeutung verloren haben, wäre es dann nicht die Aufgabe für Neutestamentler in der schöpferischen Vernunft fortzufahren, diese auf Grundlage der alten Begriffe neu zu begründen?

 

-Warum kann ich nicht selbst in der Installation des Amtes, das den Abfall vom Glaube verhinderte, ähnlich wie der spätere Kanon vor Verflüchtigung und Verstrickungen bewahrte, einen Ausdruck der schöpferischen Vernunft sehen, die so Anwendung fand?

 

-Doch ist das Amt bzw. die Schrift selbst der Grund des Glaubens oder gibt es ein Wort, eine Vernunft, die dahinter steht, heute wieder als schöpferischer Sinn/kosmischeVernunft sichtbar zu machen, ihre eine konkrete Gestalt zu geben wäre?

 

-Verursachen wir nicht durch die Nichtbeachtung der kosmischen Autor-ität (Wort-geber, schöpferischer Schriftsteller) die Unglaubwürdigkeit des Glaubens für unsere Kinder und Ihre Schüler? Was bringt es, wenn wir nur die alten Amtsautoritäten oder die Texte, die dann beide nur noch lächerlich gemacht werden, als eigentlichen Ausgangspunkt und Autorität begründen?

 

-Wenn aber weder ein junger Jude, noch die von Ihnen vorgestellten drei „B“, Bibel, Bischoff und Bekenntnis, (zu denen ich noch Bilder oder Bauwerke als weitere schöpferisch vernünftige Umsetzung des Glaubens stellen möchte), der eigentliche Grund der neuen Erkenntnis sein können, was war der Grund, das eigentliche Wesen, durch das sich Gott neu sichtbar, be-kenntlich gemacht hat? Genügt es nur drei oder fünf „B“ in heutiger Weise als opportun zu begründen oder wäre die schöpferische Funktion bzw. Vernunft als eigentlicher Grund zu benennen? Wenn oft dem christlichen Glauben gerade wegen der „B“ die Vernunft abgesprochen, er lächerlich gemacht wird und letztlich die Kinder abgehalten werden zu glauben, wäre es dann nicht Aufgabe für Neutestamentler, die höhere schöpferische Vernunft als präexistentes Wort und  konkrete kosmische Größe an den „A“nfang zu stellen, der vor allen „B“ steht steht?

 

-Muss nicht auch aufgrund der verschiedenen Sprach- bzw. Übertragungsformen der alt- und neutestamentlichen Texte, die weil abgeschrieben nicht mehr koscher waren, der Grund der neuen Theologie eine Etage höher gesucht werden, als bisher? Ist es dem Neuen Testament, das Sie studiert haben und vertreten sollen angemessen, wenn immerzu nur die Aufwärmung alter Texte und Glaubensbegründungen nachvollzogen, der neu erkannte schöpferische Geist vernachlässigt wird, der erst dazu geführt hat, dass man sich für die alten Texte neu begeisterte und sie begründete?

 

-All Ihre Ausführungen über die Ausbreitung des Christentums, die Abfassung und Übersetzung der Evangelien und Verfassung des Kanon, die in den Hochkulturen von Kathargo, Rom oder Alexandrien oder den anderen Geisteszentren der griechisch-römischen Welt stattgefunden hat, muss doch konsequenterweise zu einer neue Nachfrage nach dem kosmischen Grund eines Glaubens führen, der weder auf die Innerlichkeiten bzw. Nahtodeserfahrungen eines Guru oder alte jüdische Texte und Traditionen gründete, noch nur einfach beim römischen Kaiser und griechischen Göttern das Evangelium klaute?

 

-Liegt der Grund aller Liturgie, aller Lehren nur in noch älteren Lehren, ob heidnischer oder hebräischer Herkunft? Oder ist ein historisches Wesen der Grund, ist der Logos Gottes wirklich in neuer Gestalt lebendig gewesen,  hat gelitten, ist gestorben... wie wir bekennen? Wurde das schöpferische Wort Gottes in Homers Göttermythen ebenso nachvollzogen, wie in hebräischen Lehren und dem platonischen Weltbild, auch wenn wir von allen Lehren sehr verschiedene Ausprägungen kennen?

 

-Warum fällt es schwer, die kosmische Wirk-lichkeit der hellenistischen Götter, die – auch wenn sehr verwirrend - auf einen insgesamt geordneten Kosmos hinweisen, als schöpferischen Wort zu verstehen, das das wahre Israel als Hörer auszeichnet?

 

-Was hält uns davon ab, trotz unseres Wissens um das ewige Problem des Hörens in der menschlichen Geschichte nur eine historische Hypothese zu thematisieren, an die die Theologie längst selbst nicht mehr wirklich glaubt?

 

-Wieso behaupten wir ständig nur, dass in Jesus Christus die Heilsfunktion für den menschlichen Geist erfüllt wurde, die man von den alten Göttern erwartete, wollen nachweisen, wie Asklepios & Co. für christliche Aussagen herhalten mussten, statt deutlich zu machen, wie der christliche Glaube die echte Weiterführung war, die nicht von menschlichen Bildern, sondern göttlicher Vernunft ausging? 

 

-Ist es nicht der Verdienst der Kirche, die verschiedenen Formen der Erkenntnis in einem universalen Glauben zusammengeführt, hierin die Fortsetzung des wahren Monotheismus verstanden und ermöglicht zu haben? Worauf sonst ist die Erfolgsstory zurückzuführen, die Sie im Rahmen der Kirchengeschichte nachvollzogen?

 

-Auch wenn sich in unseren Augen eine Mysterienreligion herausbildete, wie können wir im Hinblick auf das was uns an jüdischer Bildungsreligion im frühen Christentum begegnet, bei unserer bisherigen Hypothese von einem verherrlichten Wanderprediger oder späterer Vergötterung bleiben?

 

-Sollten wir nicht selbst in den Mysterien nach konkreten Begründungen suchen, die auf ein neues Bewusstsein von kosmischer Ordnung schließen lassen, dies auch in den sehr verschiedenartig, uns fremdartig anmutenden alten Kultformen umsetzten? War die Mysterien nur auf ein erneuertes Judentum aufgesetzte Modelle oder liegt auch in der Beibehaltung der mysteriösen Kultformen eine schöpferische Logik, die zum Verständnis und zur Verbreitung führte?

 

-Ist es damit getan, alle Entwicklung, die Aufnahme alter Kulttraditionen, Opferriten, Tempelkonzepte nur auf die blinde Fortsetzung des Alten zu beziehen? Oder wurde auch hinter den alten Traditionen ein theologisches Konzept gesehen, das dem des Neuen Testamentes entsprach, den gleichen Grund hatte? Wo aber liegt der Grund des Glaubens, der nicht automatisch mit dem transzendenten Gott gleichzusetzen ist, sondern vielmehr auf diesen hinweist?

 

-Waren es nur blinde Auferstehungshoffnungen, die in einer zusammenbrechenden polischen Welt z.B. aus Römern Christen machte? Oder war wirklich ein Neuverstand, der von gemeinsamer schöpferischer Wirk-licheit ausging, hier die gemeinsame Bestimmung, das Wort neu verstand, das auch den alten Glaubensvorstellungen zugrunde lag?

 

-Wie können wir davon ausgehen, dass in der Zeit der Philosophenkaiser und bei rein platonischer Begründung der christlichen Theologie einfach einem jungen Religionsrebellen ein Gottessohntitel verpasst oder ein reines Konstrukt daneben gestellt wurde, das später von Kaisern wie Konstantin geschickt genutzt und dann zur Staatsreligion erklärt wurde? Gerade weil er staatsbildend war, entsprach der christliche Universalismus einer schöpferischen Logik, war im Sinne gesellschaftlicher Ordnung und Entwicklung vernünftig. Doch wird so eine Begründung im geschichtlich christlichen Wesen entbehrlich, die echt universal war?

 

-Greift nicht bei jede Überlegung, die den Gottessohnstitel nur auf das jüdische Volk, besondere Gestalten, Götterfiguren oder Kaiser bezieht zu kurz? Müssten nicht vielmehr die verschiedenenartige Ausprägung schöpferischer Vernunft in all diesen alten Formen gesucht werden, um die christliche Weiterführung zu verstehen? Oder können wir ernsthaft davon ausgehen, dass nur statt eines Volkes oder Kaisers, der nun nicht nur als Sohn, sondern gar als Gott selbst verehrte wurde, jetzt plötzlich von kirchlichen Denkern ein junger Jude zum Gottessohn gemacht wurde? Was aber war sonst der Grund der kirchlichen Diskussionen, des neuen gemeinsamen Glaubens?

 

-Wer nicht lesen kann, muss in Bildern lernen, das liegt auf der Hand. Der abstrakte philosophische Gottesbegriff der jüdischen Glaubens, wie Sie ihn auch noch bei Paulus sehen, musste den Heiden begreiflich gemacht werden in einer ihnen bekannter Gestalthaftigkeit. Doch was war Grund der alten Göttergestalten wie der neuen Gestaltgebung? Liegt die Logik allein in einer sinnvoll, zeitgemäßen Umsetzung von Glaubensbildern? Oder muss nicht auch dahinter ein schöpferisches Handeln, eine himmlische Wirk-lichkeit wahrgenommen werden, wie sie im antiken Denken Tagesordnung war?

 

-Wenn selbst die Kirchenbauen und den Werdegang eines geistigen Werden nachstellen, bildhaft umsetzen, was liegt diesem Werden zugrunde? Wurden in der frühen Kirche nur alte Kultformen blind nachgebildet? Oder wurde bewusst das schöpferische Wort abgeschritten, das im gesamten kosmischen, wie im Werden des menschlichen Geistes insgesamt wie individueller Entwicklung wahrgenommen wurde?

 

-Liegt somit auch aller Liturgie wie der kosmischen Ausrichtung unserer Kirchenbauten nicht nur die Übernahme alter Traditionen zugrunde, sondern ein ganz konkretes Bewusstsein schöpferischen Wirkens ins kosmischer Ordnung?

 

-Gründet der Bau unserer unser Kirche auf einer neu erfahren kosmischen Wirk-lichkeit, die in vernünftiger Weise vermittelt wurde? Oder genügt es, auf hoher intellektueller Ebene nachzuweisen, wie immer nur alte Kultformen abgekupfert, zeitbedingt nachgebaut wurden?

 

-Auch wenn die Superstars der frühen Kirche, die Sie erst im Spätjahr thematisieren wollen, nur einen kleinen Kreis repräsentieren, so lässt doch deren schriftlich erhaltenes Denken darauf schließen, dass nicht nur alte Glaubens- und Kultformen aufgewärmt wurden und keine Hirngespinste zur Verherrlichung eines Guru geführt haben oder gar reine Kirchenkonstrukte in die Welt gesetzt wurden. Zeigt sich nicht vielmehr gerade bei den frühen Kirchenlehrern, die nachweislich Denker waren, sich mit anderen Philosophen streiten und die menschliche Seite des Gottessohnes verteidigen mehr als deutlich, dass unsere Kirche einen Grund hat, der ohne die kosmische Wirk-lichkeit des offenbarenden Gottessohnes in menschlicher Gestalt nicht mehr gegeben ist?

 

-Was wäre heute die zeitgemäße Umsetzung, um Ihren Schülern den Glauben verständlich zu machen? Genügt es gemeinsam mit Ihrem Doktorvater neben die Vielzahl von Römerbriefkommentaren noch ein weiteres schriftgelehrtes Werk zu setzen?

 

-Was bringt uns das, wenn doch keiner mehr die Theologie des Paulus mit dem angeblichen Geschichtswesen unsers Glaubens zusammenbringt? Was bringt uns die Exegese der Briefliteratur, wenn diese zwar nicht mehr im Stile mancher Kritiker als außerchristlich oder marciontisch abgetan, aber nur noch als vom historischen Jesus weitgehend unabhängiges Kirchenkonstrukt gelesen und somit selbst von Kirchenlehrern nicht mehr ernst genommen wird?

 

-Wäre nicht gerade im Römerbrief als Hauptwerk der theologischen Briefliteratur, die bereits ein Gnostiker wie Marcion in seien Kanon aufnahm, nach der kosmischen Begründung zu fragen, der schöpferisch vernünftigen Umsetzung bzw. Ausformung eines auf die Vernunft Gottes gründenden und auf altjüdische Vorstellungen aufbauenden Glaubens?

 

-Wie sonst wollen Sie ihren Schüler die Vernunft vermitteln, die hinter alle dem Geschehen steht, das Sie in Ihren Studien darstellen und sich im biblischen Wort wiederfindet, weit über Erbauungsliteratur oder banale Geschichten hinausgeht? Kann sich die zeitgemäße neutestamentliche Didaktik darin erschöpfen literarischen Zusammenhänge herzustellen und Aussagen, die heute keiner mehr ernst nimmt, nur in noch älteren, gleich ganz absurden Traditionen und Texten zu begründen, ohne das kosmische Wort Gottes zu thematisieren, das hinter dem allem steht?

 

-Wenn es damals einer schöpferischenVernunft entsprach, auf die die Kirche gegründet wurde, wenn eine kosmische Wirklichkeit Gottes in zeitgemäßer Sprache vermittelt wurde, was spricht gegen eine zeitgemäße neutestamentliche Exegese, die unseren Kindern die kosmische Realität des schöpferischen Handeln verdeutlicht, sie zu neuen mündig aufgeklärten Hörern macht?

 

-Wäre es nicht ein Verbrechen an den Vätern unserer Kirche, wie der menschgewordenen Vernunft selbst und somit auch an der gesamten Menschheit, wenn wir auch nur die geringste Möglichkeit eines neuen Verstandes nicht nutzen würden, der nur auf dem alten Grund wachsen kann?

 

Eigentlich will ich mit meinen Überlegungen nicht mehr erreichen, als dass in zeitgemäßer Form über die schöpferische Wirk-lichkeit, das Handeln Gottes im ganz alltäglichen natürlichen Handeln, wie im wissenschaftlichen Weltbild nachgedacht werden kann. Doch dies ist nur von einem neuen christlichen Selbstverständnis, zumindest einem Nachfragen nach den Wurzeln des christlichen Glaubens aus möglich. Und dies kann nur in einer konsequenten Weiterführung dessen bewegt werden, was Sie und Ihre Kollegen an Wissen über unsere geistigen Wurzeln zutage fördern.

 

Ich denke, dass ich nicht schon wieder begründen muss, welche Wirkung m.E. von der Wahrnehmung einer Vernunft in allem Werden als schöpferischem Wort und Grund der Kirche ausgehen könnte. Denn die Probleme unserer heutigen Zeit sind nicht politischer Art. Hinter den handelnden Menschen, ob an der jeweiligen Spitze oder im täglichen Geschehen steht immer ein Geist, der zur Vernunft oder zur schöpferischen, z.B. ökologischen Unvernunft, Trennung, Krieg, Vernichtung oder gar Arbeitslosigkeit bzw. Schöpfungsunfähigkeit führt. Wenn es – von was ich aufgrund des Wissens um das evolutionäre Werden felsenfest überzeugt bin – eine Vernunft des gesamten Kosmos gibt – dann zwingen heute wie zur Zeitenwende die Probleme der Welt zu deren neuer Wahrnehmung und somit der zeitgemäßen Offenbarung der Wirklichkeit eines gemeinsamen Vaters.

 

Doch nur von einem neuen wachen Nachdenken über den echten und einzigen Sohn, auf dem alten Grund der bekannten Gestalten kann der Glaube wieder weiterwachsen.

 

Welche historischen Fakten und geistesgeschichtlichen Hintergründ bzw. Bedeutungsinhalte der Texte sprechen gegen mein Verlangen, die in allem physikalischen wie psychischen Werdens als ewiges Worte und sichtbaren Sohn Gottes neu zum Thema zu machen? Spirituelle Vorstellungen oder persönliche Glaubensansichten sind nicht gefragt. Ganz im Gegenteil würde ich gerade von Ihnen gerne konkrete Begründung hören, die gegen meine historische Hypothese und ein zeitgemäßes Hören sprechen. Wenn es sein muss, Sie kein Papier bzw. PC-Zeilen verschwenden wollen oder Sie zu sehr mit der Begründung des Römerbriefes im bisherigen Sinne beschäftigt sind, gebe ich mich auch mit einem kurzen Bier zufrieden.

 

Vielen Dank!

 

Mit freundlichem Gruß

 

 

Gerhard Mentzel

 

 

 

 

 

Aus der Geschichte Israels lernen

 

Auch wenn ich Ihr neues Buch über die Geschichte Israels nach der babylonischen Zeit auf die Herausbildung eines neuen Schöpferbewusstseins im Hellenismus noch nicht untersucht habe, so lässt sich m.E. doch bereits aus der Vorgeschichte vieles lernen.

 

So frage ich mich, ob wir nicht auch heute im Exil leben und dies nicht der notwendige Weg war und ist, der von einem nationalen bzw. eingegrenzten Gottesbegriff, der seine schöpferische Bedeutung verloren hat, zu einem echt grenzüberschreitenden Verständnis des einen Schöpfers führt: Ein realer Herrscher der heutigen Welt, konkreter Schöpfer, dessen Wort im Rahmen des wissenschaftlichen Weltbildes wahrgenommen wird und nicht nur in alten vorgesetzten Worten.

 

So wenig ich an der Geschichtlichkeit des Neuen Testamentes zweifle, will ich die Exilsgeschichten in Frage stellen. Doch geht es wirklich nur um eine Volksgeschichte oder steht bei den Chronisten das Gottesverständnis, die Suche nach dem Wort im Vordergrund, als dessen Hörer sich die Israeliten verstanden? Hat sich dieses Hören auf das beschränkt, was wir in heutiger Schriftgelehrtheit vom Wort Gottes verstehen? Worauf bezog sich das Hören, was war verloren und wurde wieder hergestellt? Müssen die Auseinandersetzungen mit dem Kult der Ägypter und der Babylonier, ebenso wie auch dem hellenistisch-römischen Exil nicht viel mehr als bisher unter dem geistesgeschichtlichen Aspekt beleuchtet werden? Was spricht dagegen, die Geschichten Israels auch oder gerade als Auseinandersetzung mit dem wahren Wortgeber, dem Schöpfer der kosmischen Wirk-lichkeit jenseits der eingrenzenden Bilder, Bauwerke, vorgesetzten Obrigkeiten und Bekenntnissen zu hinterfragen?

 

Auch in der heutigen Glaubenssituation sehe ich daher durchaus Parallelen zur Zeit der Propheten. Ein biblischer Themenabend zur babylonischen Gefangenschaft von Herrn Börner hat mich vor Jahren bereits fragen lassen, ob nicht auch heute die geistige Oberschicht deportiert ist. Auch wenn ich nicht daran zweifle, dass möglicherweise aufgrund einer Art erzwungener Völkerwanderung damals die Oberschicht in Babylon weilte, so sehe ich in doch das Thema der die Schrift verfassenden Theologen im geistigen Bereich. Der wesentliche Gegenstand der biblischen Beschreibung ist mit Sicherheit keine Volkshistorie, sondern die Geschichte vom Verständnis des Schöpfergottes, seines Wortes. (Was immer wieder auch durch neue archäologische Funde bzw. angebliche sondern bei allen Bibelabenden belegt wird.) Und das Bewusstsein des wahren Schöpfers Unstimmigkeiten zwischen Bibel und Geschichte deutlich wird und von Ihnen nicht nur im neuen Buch, als Gegenstand der Geschichtsschreibung lässt sich durchaus mit der heutigen Zeit, in der der Verstand, die Vernunft ausgesperrt ist, Glauben außerhalb des Wissens der Welt stattfinden soll, vergleichen. Dieses Israel, Hören des schöpferischen Wortes, das weder ein geografische Territorium, noch ein Textbekenntnis ist, gilt es wieder herzustellen. Was soll schlecht daran sein, auf das schöpferische Wort direkt zu hören, ohne die Einschaltung von wortverdrehenden Obrigkeiten und bewusstlos gewordenen Bildern und Benkenntnissen? Und was können wir hierbei von den alten Hebräern, der Geschichte Israels lernen?

 

Ich halte mich zwar nicht für einen Propheten, gehe jedoch wie Sie wissen davon aus, dass auch der heutige Abfall von Gott durch das falsche bzw. den Fortschritt verhindernde Verständnis des schöpferischen Wortes verhindert wird. Denn auch heute zeigt sich im Geschichtsverlauf bzw. dem Abfall vom Glaube m.E. nicht die Ohnmacht Gottes. Vielmehr setzt sich der wahre Schöpfer des kosmischen Geschehens, sein über menschliche Worte bzw. Vorstellungen und die zahlreichen schriftgelehrten Missdeutungen im Laufe der Geschichte hinausgehendes Wort durch. Auch heute scheint der Missverstand und Abfall, das Erlebnisses des Exils keine schöpferische Verfehlung oder gar ein Verbrechen seine Dolmetscher, sondern die Voraussetzung, um zu einem neun Verstand, eigenständigen Hören zu kommen. Was ist falsch daran, aus Ihrer Darstellung der Vorgeschichte Israels in dieser Weise zu lernen, zum neuen Hören aufzufordern? 

 

Wenn Jesus, wie wir sagen, bereits im alten Testament Zuhause war, warum unterscheiden wir, statt in ihm das ewige Wort hören zu wollen und bereits die alten Texte darauf zu untersuchen und so aus der Erfahrung auf dem Weg ewiger Suche nach der wahrer Erkenntnis und Kult für unsere heutige Situation zu lernen? Was klagten die Propheten...........