Eine Antwort und erneute Argumentation zur Aufforderung: mit theologischem Wissen nach dem wieder zu verstehenden Schöpfungswort in menschlicher Gestalt zu suchen,
um so die Aussagen des Neuen Testamentes in völlig neuer Weise zu bewahrheiten,
gleichzeitig den Weg für eine in vieler Hinsicht urchristliche, grenzüberschreitende aufgeklärte ganz natürliche Offenbarung im Licht des modernen Weltbildes frei zu machen.
Sehr geehrter Herr Dr. Markus Sasse,
herzlichen Dank für Ihre Stellungnahme zu einem in allem evolutionären Werden der Welt wahrnehmbaren Gotteswort/Sohn als eigentliche christliche Offenbarung. Ohne Ihre Zeit und Nerven allzu sehr strapazieren zu wollen, möchte ich kurz Ihre Standpunkte aufgreifen um zu begründen, warum ich durchaus der Ansicht bin, dass es einer fundierten textwissenschaftlichen Arbeit bedarf und keiner persönlich-laienhaften Himmelskunde, um das zu vergegenwärtigen, was für die Urchristen, Evangelisten wie Kirchenväter Gegenstand des christlichen Glaubens in menschlicher Person war.
Solange die christliche Offenbarung in den geheimnisvollen Eingebungen eines jungen Juden, Kirchendogmen oder Gemeindebildung vermutet wird, statt sie als ewiges Schöpfungswort anzuerkennen, das menschliche Gestalt hatte, schließt sich ein Nachdenken über eine in der Antike als reales Wesen erfahrene schöpferische Vernunft, wie deren neuzeitliche Wahrnehmung aus. Über einen Logos in aller Natur nachzudenken kann – wie sich auch in Ihrer Stellungnahme zeigt - kein theologisches Thema sein. Der christliche Glaube ist zur reinen Gesetzeslehre und Geheimniskrämerei geworden. Und genau hier liegt das Problem unseres Glaubens: Wo kein in allem Kosmos gesprochenes Gotteswort mehr vorkommt, müssen die Schriftlehrer ihrer eigenen Gedanken und Ansichten in die alten Geschichten hineininterpretieren. Doch reicht dies als Theologie aus? Nicht die schöpferische Vernunft, der Logos Gottes gibt so den Ton an, sondern die Vorstellung menschliche Morallehrer. Die antiken Denker, die philosophisches Gedankengut über das vernünftige Werden der Welt zum christlichen Glauben weiterführten, den rein abstrakten Konstrukten über einen himmlischen wie irdischen Logos der Philosophen eine konkrete begreifbare Gestalt gaben, fallen dem heutigen Verständnis vom historischen Jesus zum Opfer.
Und auch heutige Überlegungen zu einem himmlischen Logos im irdischen Werden bleiben bei heutiger Hyptohese persönliche belanglose Himmelskunde. Das Denken von Aufklärern wie Spinoza, Goethe, Schelling, Hegel und vielen Anderen, die universelle Vorstellungen über ein universelles ganz natürliches Schöpfungshandeln entwickelten, hat nach unserer heutigen Vorstellung des historischen Jesus nicht das Geringste mit dem Gottessohn der christlichen Geschichte zu tun und bleibt dann meist in pantheistischen Modellen stecken. Unsere verkürzte Vorstellung von Jesus Christus, die jedoch gegen alle biblischen Hoheitsaussagen spricht, verhindert, dass die theologische Wissenschaft ihre Aufgabe wahrnehmen und das lebendige Wort Gottes den Menschen zeitgemäß vermitteln kann. Wenn angeblich nur ein Wanderguru war, der Offenbarungslogos nur alter Lehre entspringt bzw. das Christentum kein Paradigmenwechsel zu dem in aller Schöpfung lebendigen Logos gewesen sein soll, spielt die präexistente Vernunft des Schöpfers keine Rolle. Hinter der Person des historischen Jesus Christus die menschliche Rolle des in der antike als Wesen verstandenen Logos, einer schöpferischen Vernunft zu vermuten, schließt sich laut heutiger Lehre aus. So muss jedes philosophische Denken als völlig absurd gesehen werden, das mit christlicher Offenbarung nicht das Geringste zu tun hat. Das Wort der christlichen Offenbarung wird nur als Buchlehre aufgrund eines unlösbaren Geheimnisses verstanden und in den Gegensatz zum in allem Werden immer deutlicher zutrage tretenden Logos gestellt. Solange im Gegensatz zu dem in sämtlichen Texten der Kirchenväter nachzulesenden Denken in der Theologie von Platon & Co. nur ein philosophischer Anstricht für einen alten Gesetzen und Geisteskonstrukten abgeschriebener Gottessohn gesehen wird, bleibt die Vernunft des Schöpfers der eigenen Vorstellung zuliebe ausgesperrt.
Der Kopf ist rund, damit sich das Denken wandeln kann. Die Welt bewegt sich weiter und jeder neue Gedanke setzt sich durch, sobald die Zeit reif ist. In diesem Sinne habe ich die Hoffnung noch längst nicht aufgegeben. Auch wenn Sie scheinbar mit keinem Augenblick an der heutigen Hypothese von einem nach seinem Tod verherrlichten Heilsprediger als eigentlichen historischen Grund zweifeln und somit alle meine vom Logos bzw. Schöpfungswort in menschlicher Ausprägung ausgehenden Überlegungen als persönliche Himmelskunde ablehnen müssen, so fehlt mir bisher eine handfeste Begründung, die dagegen spricht, das präexistente Schöpfungswort, von dem die Geschichten der Bibel handeln bzw. die in allem natürlichen Werden neu wahrnehmbare kosmische Vernunft in menschlicher Ausprägung als die eigentlich christliche Offenbarung zu verstehen.
Wie Sie wissen, bin ich aufgrund der uns aus der Antike übermittelten Vorstellungen völlig sicher, dass das Neuen Testament nicht auf einen einfachen Menschen gründet, sondern die im Rahmen antiker Philosophie und gleichzeitig allegorischen Verstandes der jüdischen Traditionstexte erkannte Weltvernunft. Dieses lebendige Wort Gottes in menschlicher Gestalt verständlich zu machen scheint als die wahre Vernunft verstanden worden zu sein - nicht nur von späteren Apologeten und Kirchenlehrern, wo dies deutlich herauszulesen ist. Die Wahrnehmung des Schöpfungswortes - und nicht die Verherrlichung eines Wandergurus und das blinde nachbeten alter Texte – muss nach dem heutigen Wissen um das Denken zur Zeitenwende als Grund einer Erneuerung des monotheistischen Glaubens angenommen werden. Was damals zu einem geistigen Fortschritt, einem echten Paradigmenwechsel geführte hat, wäre m.E. auch heute zur Erneuerung des Glaubens im modernen rationalen Bild der Welt dringend notwendig wäre. Solange jedoch Sie, wie die gesamte theologische Wissenschaft nur von einem durch seine Anhänger und spätere Theologen bzw. Kirchenväter als Gotteswort verherrlichten Wanderguru ausgehen, muss alle Frage nach einem in allem Werden lebendigen Wort eine nicht ernst zu nehmende pantheistisch anmutende Privatspielerei sein. Allenfalls ein ganz persönliches Gottesbild als kosmischer Christus kann dann akzepierte werden. Doch dieses hat scheinbar mit dem historischen Jesus nichts zu tun und ist von der wissenschaftlichen Welt nicht nachvollziehbar, muss völlig unbedeutend bleiben. Ihr Beurteilung meiner Überlegungen ist hierfür der beste Beweis: Entweder wir gehen von einem verherrlichten Guru oder vom schöpferischen Wort Gott aus? Solange ein Mensch an den Anfang gestellt wird, dem nur theologische Titel verliehen wurden, hat uns das Schöpfungswort nichts zu sagen, bleibt es private Spielerei. Alle Überlegungen von einer doppelten Wahrheit treffen zwar zu. Doch solange ein historischer Wanderprediger als das eigentliche Wesen durch den Kopf der Geschichtsforscher geistert, kann scheinbar ein wissenschaftlich denkender Mensch von heute nicht nach dem Schöpfungswort als Grund des eigenen Glaubens oder des heidnischen Pantheon und gleichzeitig des hebräischen Gesetzes fragen.
Nur eine theologische Wissenschaft, die ernsthaft über das Schöpfungswort als Wurzel einer antiken Erneuerung des alttestamentlichen Monotheismus nachdenkt, der über den alttestamentlichen Gesetzesglaube hinausgeht, kann Anstoß zu einer Neubetrachtung der im Rahmen des naturwissenschaftlichen Weltbildes gewonnen Erkenntnisse sein. Wenn nur Sie als Baum- bzw. Buchstabenexperte vor lauter Bäumen den Wald nicht beurteilen können, wie Sie sagen, wäre das nicht weiter tragisch. Doch viel folgeschwerer scheint mir das sich durch die Sichtweise der heutigen Theologie ergebende Problem. Denn während wir heute in einem naturwissenschaftlichen Weltbild leben, das quasi den Logos Gottes als empirische Tatsache in Händen hält, eine schöpferische Vernunft weitgehend voraussetzt, kann dessen Bedeutung nicht ermessen werden. Wir halten heute den Logos, den die Philosophie über viele Jahrhunderte vor sich her trieb seit der Aufklärung für eine Selbstverständlichkeit, ohne zu wissen, dass dies für die antiken christlichen Denker das offenbarende Wort Gottes war. Wie soll ein normal denkender Naturwissenschaftler oder –philosoph auf die Idee kommen, dass sich hinter der durch seine Lehren nachgewiesene schöpferische Vernunft der Heilsbringer der Zeitenwende und auch die heutige Präsenz Gottes verbirgt, wenn die theologische Wissenschaft nur von einem vergotteten Guru mit irgendwelchen Eingebungen oder einem christologischen Glaubensgeheimnis schwärmt, das man nicht verstehen könne? Gefangen im Bild eines angeblich nur hochgelobten Besserwissers, der nicht war und nicht Thema des Neuen Testamentes ist, sind wir scheinbar nicht nur unfähig das lebendige Schöpfungswort wahrzunehmen. Auch über den Logos der Traditionstexte, das schöpferische Wort, das sich hinter den alten monotheistischen Mythen und heidnisch-pantheistischen Götterlehren verbirgt, kann nicht nachgedacht werden. Selbst wenn längst der Logos der alten Mythen belegt, die Beziehung der alttestamentlichen und heidnischen Glaubensvorstellungen zur natürlichen schöpferischen Genesis hergestellt wird, bringt uns das nicht wirklich weiter. Wenn wir die biblischen Aussagen nur auf einen jungen Gottesguru beziehen und somit als Steinbruch für dessen Verherrlichung betrachten, wird der Verstand des als lebendiges Wesen wieder wahrnehmbaren Offenbarers verbaut. Über die reale Präexistenz des Gottessohnes, der nicht mit dem transzendenten Vater gleichzusetzen ist, kann – wie sich auch in Ihren Darlegungen zeigt – nicht nachgedacht werden, solange wir das Neue Testament aus heutiger Brille betrachten.
Es mag sein, dass derzeit noch viele Naturwissenschaftler in einem rein mechanischen Weltbild leben, bei dem nur der leblose Zufall regiert und damit auch das folgende Denken den Schöpfer weitgehend aus dem allgemeinen Weltbild verbannt. Doch um an der Schwelle zu einem neuen naturwissenschaftlichen Weltbild hinter all dem scheinbaren bzw. vordergründigen Zufall und der biologischen Auslese eine alles Werden bewirkende Vernunft als sinngebendes Schöpfungswort, gleichzeitig zeitgemäßen Mittler Gottes wahrzunehmen, bedarf es einer Wende in der biblischen Betrachtung bzw. einem lauten unvoreingenommenen wissenschaftlichen Nachdenken über die christlichen Wurzeln. Solange eine Wissenschaft, die das Wort Gottes ständig im Munde führt, dieses nur in buchstäblicher Beurteilung des Buches nachlesen will, die Offenbarungsfunktion des in aller natürlichen Schöpfung lebendigen Wortes ständig verleugnet bzw. dessen geschichtliche Bedeutung herabwürdigt, indem sie das Neue Testament nur als Story von einem als Logos/Wort verkündeten Wanderguru deutet, kann das, was zur Zeitenwende nachvollziehbare Heilswirkung brachte, begründete Hoffnung des Neuen Testamentes war, heute nicht stattfinden. Denn nichts anderes als genau der Jesus des neuen Testamentes – die aufgeklärte Wahrnehmung seiner menschlichen Gestalt - könnte heute erneuter Grund universalen monotheistischen Glaubens sein.
Weder die Naturwissenschaft, noch eine neue Metaphysik bzw. Ideenlehre als Rede von einer schöpferischen Software aus der alles hervorgegangen ist bringt uns weiter, solange wir das schöpferische Wesen nicht als reale Gestalt begreifen, wie sie vor rund 2000 Jahren gesehen wurde und uns im Neuen Testament so deutlich dargestellt wird. Dieses schöpferische Wort war weder in der Antike ein menschliches Hirngespinst, noch kann ich dem oft erhobenen Vorwurf folgen, dass die Philosophen nur intellektuelle abstrakte Konstrukte hervorbringen würden. Wer setzt eigene Konstrukte in die Welt, wer nach dem schöpferischen Wort Gottes im kosmischen Werden fragt oder wer in heutiger Hilflosigkeit die heilige Schrift ohne konkreten schöpferischen Bezug nach den Buchstaben interpretiert? Wenn ich feststelle, dass der historische Jesus heute lebt, dann liegt dem keine eigene Sichtweise aufgrund irgendwelcher persönlicher Eingebungen zugrunde. Auch bin ich nicht beim Bibellesen oder aufgrund frommer Gedanken besoffen geworden um jetzt zu schwärmen „Jesus lebt“. Vielmehr versuche ich in Anknüpfung an das antike Denken nach dem in allem naturwissenschaftlich nachweisbaren Werden wieder heute wieder verständlichen Gotteswort/-logos als ewige Selbstmitteilung Gottes zu fragen, dem beschriebenen Gottessohn eine konkrete Gestalt zu geben. Was bei aufgeklärt allegorischer Betrachtung aufgrund nüchterner Analyse der uns vorliegenden Texte das antike Thema war, sollte durch Wissenschaftler wie Sie neu thematisiert werden, damit die Rolle/Person des Gottessohn wieder verstandne werden kann, er zu einer wahren Persönlichkeit wird. Genau das Wesen, von dem das Neue Testament handelt, das weder nur ein einfacher historischer Mensch, noch ein zum Gottesbild erhöhter Guru war oder ein aus alten Texten und Traditionen übernommenes Geisteskonstrukt, sondern Schöpfungswort in menschlicher Gestalt, muss m.E. versucht werden durch die theologische Wissenschaft wieder deutlich zu machen, damit es von der gesamten Wissenschaft wie der heutigen Welt ernst genommen werden kann. In einem neuen Verständnis unseres geschichtlichen Glaubensgrundes sehe ich die großartige Chance, den Glaube wieder zur Vernunft bringen, die Verkündung glaubwürdig zu machen, damit sie den Menschen zur dringend notwendige schöpferischen Vernunft im alltäglichen Handeln führen kann.
Auch bitte ich meine allzu scharfe und anmaßende Kritik am heutigen Denken über den historischen Jesus in den Ihnen überlassenen Texten zu entschuldigen. Doch wer aufgrund einer Weiterführung des u.A. von Ihnen erhaltene Wissens völlig sicher ist, dass es damals nicht um einen populistisch aufgemotzten Religionsrebellen ging, der gestorben und auferstanden ist, sondern hier das Wort bzw. der ewige Sohn Gottes beschrieben wurde, der heute in aller Schöpfung bzw. deren naturwissenschaftlicher Beschreibung wach zu hören wäre, der kann seine Verzweiflung kaum verstecken. Die Verhinderung der Wahrnehmung des Schöpfungswortes in den antiken Aussagen, wie in der neuzeitlichen Evolutionslehre, geschieht durch die heutigen Hypothesen von einem einfachen historischen Menschen, den man angeblich nur zum Gottessohn machte oder der ein Geheimnis bleiben muss.
Auch das neue Buch von Prof. Klaus Berger zum Verstehen des christlichen Gottesbildes lässt mir keine Ruhe. In „Ist Gott Person?“ wehrt sich Ihr Doktorvater gegen die abstrakte Denkweise der modernen Mitteleuropäer, die sich Gott als Person kaum noch vorstellen können. Zu sehr fallen die Konkretheit der biblischen Bestimmung und die Unfassbarkeit der behaupteten Personalität Gottes für das nüchterne naturwissenschaftlich geprägte Denken auseinander: An Gespenster glaubt man nicht klagt Berger und spricht damit das Problem des heutigen Glaubens aus.
Doch hilft uns die Erklärung Ihres Doktorvaters, was mit der Rede von Gott als Person gemeint ist und warum wir von Gott in dreieiniger Personalität reden müssen weiter, wenn wir im historischen Jesus nach wie vor nur das verstehen, was heute Thema der theologischen Lehre ist und leider auch Ihr gesamtes Denken einnimmt? Was hilft es uns, allein alte Texte, die die eigene Kirche oft kaum noch ernst nimmt als Zeugen für die Personalität Gottes hochzuhalten, wenn doch der, der nach dem Neuen Testament die Person bzw. Rolle Gottes offenbarte mitten unter uns weilt und vor lauter Buchstaben nicht wahrgenommen wird? Können wir die Zeit bzw. das vom Schöpfer gegebene aufgeklärte Denken wieder zurückdrehen, damit ohne jede weiter Nachfrage die Buchstaben wieder geheimnisvollen Offenbarung werden oder wäre nicht vielmehr die Zeit reif, hinter den menschlichen Personen (Rollen) die schöpferischen Funktionen aufgeklärt zu verstehen? Wäre nicht vielmehr auch die Notwendigkeit der persönlichen Vorstellungen und Bilder zu begreifen, die Vernunft deutlich zu machen, die sich so bewahrte und nach wie vor eine bildhafte Ausdrucksweise der allzu abstrakten Begrifflichkeiten verlangt?
Warum soll es unwissenschaftlich und unneutestamentlich sein, uns in ein Denken zu begeben, bei dem das Buch der natürlichen Schöpfung gleichzeitig das der christlichen Offenbarung ist, wenn wir nachweisen, dass dies die Denkwelt der Urchristen war, diese nicht nur alte Texte nachblätterten und –beteten oder den Ansichten eines Charismatikers und seiner Anhänger aufgesessen sind?
Wenn allerdings die Hypothese der heutigen Theologie zuträfe, dass es sich beim historischen Jesus nicht um das hoheitliche Wesen handelte, von dem das Neue Testament spricht, sondern um einen einfachen Menschen, dem nur hellenistische oder altjüdische Hoheitstitel verliehen wurden, dann hätten Sie völlig recht, wären all meine Überlegungen Unsinn oder persönliche unwissenschaftliche Himmelskunde. Wenn Gott nicht wirklich in der Schöpfung spricht, sein Logos nicht lebendig ist, sondern dies nur eine Lehre der Kirche, eine populistisch aufgegriffene Philosophie, die die jüdische Gesetzlichkeit mit pantheistischen Vorstellungen von Göttersöhnen anreicherte, dann könnte ich mir meine Mühe sparen, wären meine Überlegungen allenfalls ins Reich der bildenden Kunst zu verbannen, wie Sie denken.
Doch könnten dann nicht auch Sie das Buch zumachen und auch all ihre Archäologie sparen?
1. Ohne verständliche Logik bzw. lebendige schöpferische Vernunft ist der alte Text tot
Wenn Sie als Neutestamentler das erklären wollen, was institutionell verdichtet wurde, müssen Sie dann nicht nach dem damals lebendigen Grund fragen, der dem Urglaube zugrunde liegt? Gehört nicht vielmehr die Gestalt, die sie gemeinsam mit der gesamten Theologie heute für historisch halten, der echt bildenden Kunst an? (Die hier in keiner Weise verächtlich betrachtet, sondern als notwendig und vernünftig nachgewiesen werden kann.)Von was handelt die institutionell verdichteten Glaubenserfahrungen, der Sie sich als neutestamentlicher Exeget verschrieben haben wirklich? War es nach allem was wir wissen nur ein Wanderguru und dessen Verherrlichung? Oder geht in den biblischen Geschichtsaussagen um das, was geschrieben steht: das Gotteswort aus dem alles geworden ist in menschlicher Gestalt? Ist nicht gerade heute zu verstehen, wie sehr wir Menschen auf bildhafte Vorstellungen angewiesen sind, die an alte Begrifflichkeiten und Bilder anknüpfen? M.E. wäre es eine Aufgabe für Religionswissenschaftler deutlich zu machen, warum es die hohe Kunst der Bildung war und bleibt, vom ewigen Wort als Mittler wie von einem Menschen zu reden, statt nur nachweisen zu wollen, warum ein einfacher Mensch hochgemogelt werden musste.
Mir geht es nur um das, was Gegenstand des Glaubens am Anfang der institutionellen Dichtung bzw. notwendigen Verdichtung der vielfältigen neuen Vorstellungen vom Gotteswort war, nicht um neuzeitlich persönliche Kunstgebilde, wie sie mir unterstellen. Doch wenn uns die Verfasser der Glaubenstexte, ebenso wie die als Häresie abgelehnten Richtungen oder die den christlichen Kanon festlegenden Glaubensväter nicht nur eine mit alten Texten ausgeschmückte Story von einem jungen Guru mit auf den Weg geben wollten, sondern die Lehre vom menschgewordenen Gottessohn, was spricht dagegen, nach dem damals scheinbar verstandenen Schöpfungswort zu fragen? Ist es wirklich laienhaft und unwissenschaftlich, den Logos Gottes in menschlicher Person als Ausgangspunkt der Heilsbotschaft ernst zu nehmen und ihn so wie die antike Geisteswissenschaft theologisch zu thematisieren, hierin menschliche Sinngebung, ethische Wegweisung und Offenbarung des Vaters sehen zu wollen?
Berger schreibt, dass der Logos dem „Naturgesetz“ bzw. dem vernünftigen Weltgesetz entspricht, das „Wort“ sei, wie es im Deutschen übersetzt würde. Dies wäre nicht nur die Summe der Schöpfungsworte, die Gott ausgesprochen hat, so dass ein jedes Ding wurde. Das Schöpfungswort sei mehr. Es stehe für die Schöpfungs-Vernunft. Denn so laute die Erkenntnis der modernen Naturwissenschaft: Die Grundstruktur aller Dinge und Vorgänge der Natur ist Geist. Schon die Philosophen der Stoa hätten in diesem Sinne von der Vernunft der Dinge gesprochen. Was also spricht dagegen, dieses Wort, das im antiken Denken eine konkrete Gestalt hatte und nach Berger dem Evangelium zugrunde liegt, im heutigen Weltbild wiederverstehen zu wollen? Wäre das nicht wahrhafte neutestamentliche Exegese, den Logos allen Werdens, wie ihn u.A. Hegen und Schelling in Händen hielten, er in modernen ganzheitlichen Weltbilder wieder nachgezeichnet wird, als offenbarendes und lebendiges Wesen zu verstehen?
Doch solange Neutestamentler damit ausgelastet sind, die Angehörigen und Anhänger eines historischen Guru als historische Zeugen aufzuaddieren, zu beschreiben, warum der gute Junge mit Namen Jesus von Johannes & Co. Logos genannt wurde, ist alle Rede vom diesem in der Natur zu hörenden Wort nicht weiter wichtig. Wenn dann beispielsweise Prof. Walter Saft in einer Serie im Pfälzischen Kirchenboten den Schöpfergeist aus der Gesetzesstruktur des realen natürlichen Werdens ableiten will und das durchaus mit dem Sinn der Welt und dem Gesetz der alten Juden verbindet, hat das mit dem heute für historisch und hoheitlich gehaltene Wesen, von dem die darüber abgedruckten Predigten und daneben stehenden Gebete handeln, leider nicht zu tun. Warum durch das lebendige Wort den Menschen der eigene Sinn des Lebens klar werden, wie sie daraus Wegweisung ableiten sollen, bleibt unausgesprochen, wenn nicht das Gesetz des sichtbaren Kosmos, wie es in der Schule gelernt wird, als schöpferisches Wort verstanden wird. Doch geht es hier keineswegs um eine neue Naturgesetzlichkeit. Vielmehr ist genau dann der Weg zur puren Naturgesetzlichkeit einerseits und rein menschlichen Moralvorstellungen andererseits vorgezeichnet, solange die Menschen den Sohn Gottes in allem sichtbaren Werden nicht aufgrund eines zeitgemäßen Verständnisses des historische Jesus und Christus neu begreifen können.
Die Rede vom sichtbar Werden Gottes in seinem Sohn bleibt dann eine buchmäßige Behauptung, die von modern denkenden Menschen für frommes Bla, Bal gehalten wird. Sie selbst wissen doch allzu gut, dass alle Christologie längst selbst von vielen Theologen als aufgesetzt betracht und abgelehnt, zumindest als ungeschichtlich und somit für den christlichen Glauben unbedeutend betrachtet wird. Die gesetzmäßigen Abläufe, die seit Anbeginn der Zeit den sichtbaren Zufall bestimmen als Wort Gottes zu verstehen, das hinter der Gestalt unseres Glaubensgrundes steht, muss absurd sein, solange Sie wie alle ernstzunehmenden Religionswissenschaftler nur nach einem historischen Menschen suchen. Wir wissen dann, dass ohne die gesetzlichen Abläufe der Kosmos im Chaos versinken würde und ohne ebensolche gesetzliche Regelungen kein menschliches Zusammenleben möglich wäre. Doch diese ganz natürliche und gleichzeitig menschlich-gesellschaftliche Norm mit dem Namen dessen zu verbinden, den die Väter unseres Glaubens als ewiges Wort und Gottessohn verstanden, hier den Grund bzw. Gründer des christlichen Glaubens zu erkennen, kann nach Ihrer historischen Sichtweise nicht sein. Auch wenn über die Analogie nachgedacht wird, die zwischen den gesetzmäßigen Abläufen der Natur liegt und unserem Erkennen dieser Abläufe, kommt das Wort Gottes nicht vor. Dies steht ja nur im Buch, ist angeblich allenfalls in spiritueller Versenkung außerhalb des Verstandes zu verstehen.
Es wird zwar erkannt, dass die durchgehende ganz natürliche Bestimmung der Weltgesetzlichkeit die alttestamentlichen Menschen tief beeindruckt und auch das Denken zur Zeitenwende bestimmt hat. Doch werden die alten Texte nur als Mythen von einem Mann mit Namen Moses verstanden, die angeblich historisch nicht ganz einwandfrei sein sollen, wahrscheinlich nur fromme Propaganda waren. Wieso das in Jesus neu lebendig gewordene Wort auch für die mit Moses überschriebenen Texte, ebenso wie für die heidnisch-phantheistischen und philosophischen Gotteslehren das eigentliche Thema war, muss entsprechend Ihrer Betrachtung des historischen Jesus bzw. des christlichen Glaubensgrundes pure Spekulation –persönliche Spinnerei- bleiben. Ein Schöpfungswort, das hinter den alten Mythen steht kann es nicht geben, solange es nur um einen historischen Guru geht.
Auch wenn es gerade in unserer heutigen Situation wieder mehr als deutlich wird, welch einen Quantensprung es bedeuten würde, hinter dem was uns die Naturwissenschaftler als natürliches Werden erklären, was Johannes Kepler als Weltharmonie verstand oder Werner Heisenberg zentrale Ordnung nannte, das Wort Gottes zu verstehen, so bleibt der Kosmos für uns stumm, solange Geisteswissenschaftler wie Sie nur nach einem Wanderprediger und dessen Verherrlichung Ausschau halten. Wenn nur Phantasten von einem schöpferischen Wort oder gar kosmischen Christus schwärmen, der angeblich mit dem geschichtlichen Jesus nichts zu tun hat, wäre das unwissenschaftlich. Dass Gott für den Physiker am Ende des Denkens steht mag dann zwar ein weiser Spruch von Max Plank sein. Doch wieso dieses ganz natürliche und bereits den Grundschülern als selbstverständlich gesehene Naturgesetzlichkeit nichts anderes ist, als das ewige Gesetz Gottes, das von zweibeinig selbst- und gottesbewussten Wesen auf menschliche Weise umzusetzen ist, hat nach Ihrer Sichtweise eigentlich kaum etwas mit christlicher Theologie zu tun.
Wo der biblisch beschriebene historische Jesus nur als ein zum Logos hochgelobter historischer Mensch verstanden wird, muss jede menschliche Umsetzung des Schöpfungswortes eine unwissenschaftliche und völlig unchristliche Spielweise sein. Der Logos Gottes bzw. die vom Schöpfer ausgehende Vernunft wird bei dieser biblischen Betrachtung allenfalls wie eine Art Miniaturgott gelesen. Er bleibt so nur ein gesetztes Wesen, das jedoch Unperson geworden ist, keine schöpferisch-reale Rolle im sichtbaren und nachweisbaren Werden mehr spielt. Die Aufgabe dieses Gottes, der ohne die schöpferische Vernunft einzubeziehen seine Aufgabe im ständigen kosmischen Werden verloren hat, der scheinbar nur im Buch spricht, besteht nur noch in der Beeinflussung des menschlichen Geistes. Gott wird ohne das lebendige Wort wahrzunehmen von der aufgeklärten Welt wie ein Placebo betrachtet, von dem nur eine Wirkung auf den menschlichen Geist ausgeht, der keine den Kosmos bewirkende reale Persönlichkeit mehr ist. Was menschliche persönlich geblieben ist und krampfhaft gegen alles philosophische Denken und Erkennen verteidigt wird, ist nur ein persönliches Placebo, keine schöpferische Persönlichkeit mehr, die einen christlichen Monotheismus begründen könnte.
Wahr ist wohl, dass uns abstrakte philosophische Begrifflichkeiten nicht helfen. Doch wenn wir den historischen Jesus nicht mit neuem Leben füllen können, das sich aus einer denkend zu erfahrenden Realität im Werden der Welt als ewiges Wort/Logos erkennen lässt, bleiben alle liebgewonnen Bilder leer. Die den Schöpfer offenbarende Vernunft Gottes dort zu verstehen, wo sie wirkt, das Schöpferwort im gesamten kosmischen Geschehen zu hören, wo es gesprochen wird, kann nicht stattfinden, solange wir den Jesus des Neuen Testamentes als zu einer Art Gott hochstilisierten Menschen betrachten. Auch gesellschaftliche und persönliche Sinngebung und tagtägliche Wegweisung aus dem natürlichen Werden als schöpferisches Wort abzuleiten kann nicht vorkommen, solange wir im heutigen christlichen Historien- und somit Selbstverständnis leben. Christliche Theologie, die angeblich den lebendigen Logos zum Thema hat, darf dann nur fromme alte Sprüche vorlesen, die kaum noch einer ernst nimmt, leider völlig leblos geworden sind. Was Krönung all unseres Wissens wäre, kommt daher bei einer ernsthaften Aufzählung der Wissenschaften meist nicht mehr vor. Wo die Menschwerdung Gottes aus einer Frau wörtlich genommen wird, statt wissenschaftlich zu beschreiben, warum die schöpferische Vernunft, der Logos Gottes Mensch werden, von Mutter Kirche als Mensch ausgedrückt werden musste, kann der moderne Mensch in heutiger Zeit den Schöpfer nicht mehr persönlich ansprechen, noch von diesem Sinngebung und Wegweisung erfahren.
Dabei hätte die christliche Theologie alle Hände voll damit zu tun, den Menschen im Sinne des antiken Denkens das ganz natürliche Gotteshandeln deutlich zu machen. Doch wo nur nach einem jungen Juden und seiner Anhänger geforscht wird, längst eigene Ansichten zum Wort Gottes erklärt werden, statt nachzufragen, was uns das ewige Weltgesetz des einen Schöpfers sagen will, braucht man sich auch nicht mit Zufall oder Zielorientierung des natürlichen Werden auseinander zu setzen. Was der ganz reale Schöpfergeist, aus dem über allen angeblichen Zufall hinaus sinnvoll-schöpferische Strukturen hervorbringt mit dem angeblich einzig historischen jungen Juden zu hat, muss bei Ihrer Betrachtung von christlicher Theologie bzw. dem historischen Wesen leider völlig belanglos bleiben, auch wenn noch so viel vom Buch der Schöpfung und präexistenten Wort zu lesen ist.
„Hinter allen Dingen steht in der Tat eine große Vernunft und das ist der Logos Gottes, eine Art Weltgesetz und Weltregiment, schreibt Klaus Berger in seinem neuen Buch. So gibt es Ordnung und Harmonie in der Welt. Auch die Tora des Moses wird nach Ihrem Doktorvater auf dieses m.E. heute ganz logische Natur- und Weltgesetz zurückgeführt. Ordnung und schöpferische Harmonie in der Welt sind nicht nur, weil dies in der Schrift steht, sondern sind in der Realität des naturwissenschaftlichen Denkens empirisch bestätigt.
„Aber erst indem der Logos, die Weltvernunft in Jesus erschienen ist, kann der Mensch wirklich zu Frieden und Ordnung gelangen. Denn in ihm gibt der Schöpfer dem Menschen direkt Anteil an seinem eigensten Leben, das lebendige Ordnung ist“ Die Umsetzung der Ordnung des Lebens würde der Evangelist Liebe nennen, so Berger. Durch Jesus habe der Mensch Anteil am Schöpfer, habe er authentisch Anteil an der Kraft, die alles zusammenhält und regelt.
Doch was soll das alles, wenn wir den historischen Jesus mit den Augen heutiger Hochschulhypothese sehen, er auch von Berger wie ein geheimnisvoller Gott betrachtet wird, der von einer jungen Jüdin zur Welt gebracht wurde? Bleibt die biblische Lehre dann nicht gerade in den Augen derer, die wie selbstverständlich den von Berger ganz natürlich vorausgesetzten Logos Gottes, das Naturgesetz tagtäglich in Händen halten, nur ein frommes Gerede? Und wird so nicht gar der Blick für das natürliche Gesetz Gottes verstellt, das damals in Jesus eine menschliche Rolle/Person annahm, nicht eine Abbildung Gottes selbst war? Ohne Ihren von mir als großen Lehrer des Logos sehr geschätzten Doktorvater Klaus Berger in irgendeiner Weise angreifen zu wollen befürchte ich: Wer behauptet, eine historische Frau mit Namen Maria hätte einen jungen rebellischen Juden hervorgebracht, dem sein Stiefvater Josef den Namen Jesus gab und gleichzeitig darüber schreibt, dass Gott nicht davor zurückschreckte, im Schoß einer Frau Mensch geworden zu sein, ohne Jesus Christus wissenschaftlich allegorisch als menschgewordenes Wort zu erklären, der macht nicht nur den Text des Neuen Testamentes lächerlich. Der Gottessohn und mit ihm der Heilige Geist und der Vater werden so als Produkt der Führkirche verstanden, reines Papier. Dass dieses Papier allein nicht mehr taugt die Trinität zu begründen, die Dreieinigkeit als reines Druckwerk bzw. Kirchendogma betrachtet wird, wissen Sie besser wie ich. Wissenschaftler wie Sie wären gefragt, die Dreieineinigkeit als ewige Grundlage all unseres Wissens von Gott zu erklären – einer ganz logischen geistigen Formel - statt nur behauptend Texte zu zitieren, die die eigene Theologie kaum mehr ernst nimmt.
„Erschaffen heißt ordnen, zuordnen, in ein komplexes System hineinstellen.“ Nach Ihrem großen Vorbild könne man bereits den Kindern der 1. Klasse könne deutlich machen: Das, was in der Natur die Abfolge der Gezeiten und Jahreszeiten ist, besteht für den Menschen darin, dass jeder seinen Platz findet. Doch müssen wir als von Gott in die Welt gestellte vernünftig denkende Schöpfungswesen diesen ganz natürlichen Platz nicht neu definieren, neu ordnen? Warum kann es nicht wissenschaftlich schöpferisch sein, letztlich der Liebe Gottes als immer wieder vereinender Schöpfungsmacht zu entsprechen, das neu zusammenzuordnen, was bisher scheinbar, nicht zusammenpasste, so unserem alten Glauben einen neu zu erfahrenden Grund geben.
2. Wir sind auf eine allegorisch wissenschaftliche Auslegung der Texte angewiesen
Warum soll es nicht Aufgabe einer aufgeklärten neutestamentlichen Wissenschaft sein, die Texte als allegorische Aussagen zu begründen, die sich auf das als lebendige erfahrene Schöpfungswort des alten Gottes und nicht auf einen kirchlich verherrlichten Guru beziehen? Wenn wir doch wissen, dass in der Antike die alten Glaubenstexte allegorisch gelesen wurden, dann können wir doch nicht weiterhin buchstäblich bleiben und so tun, wie wenn die Theologie nur auf einen jungen Juden aufgesetzt worden sei. Gerade die von Ihnen nicht zuletzt aufgrund der Ausgrabungen oft dargestellte Einsicht, dass die Berichte des Alten und Neuen Testamentes nicht weiterhin buchstäblich zu lesen sind, zwingen doch, die Bibel als Geschichtsausdruck eines realen Schöpfungswortes zu definieren. Warum soll es unwissenschaftlich sei, die Wunder und Geschichten Jesus als reales Geschehen deutlich zu machen, bei dem es nicht um einen jungen Guru, sondern Gotteswort in menschlichen Bildern geht, die von Alters her geläufig waren, statt nur einen Bilderklau zur Verherrlichung eines Religionsrebellen nachweisen zu wollen? Doch wo es angeblich nur um einen zum Miniaturgott aufgemotzten Menschen geht, muss jeder Versuch, die Bilder der alten Glaubenslehren im neutestamentlichen Geschichtsgeschehen zu erklären – was m.E. Aufgabe gebildeter Neutestamentler wäre und nicht von Laien – völlig absurd sein.
Die Glaubenserfahrung die zum Text geführt hat und diesem zugrund liegt will ich hinterfragen, keine persönliche Ansichten interpretieren, wie Sie mir unterstellen. Tun dies nicht vielmehr gerade diejenigen, die zwar die theologischen Bedeutungsinhalte der biblischen Aussagen belegen, dann aber so tun, wie wenn nur die Story von einem Wanderprediger mit Namen Jesus theologisch angereichert wurde und die sich so aufgrund ihrer eigenen Vorstellung vom geschichtlichen Geschehen über die biblischen Aussagen hinwegsetzen. Wenn Sie Anwalt des Textes sein wollen, müssen Sie dann nicht nach der Theologie fragen, die zu den völlig verschiedenen Textausprägungen und Geschichtsdarstellungen geführt hat? Wie sonst sind heute diese Texte ernst zu nehmen, wenn nicht der Grund des Neuen Testamentes über das hinaus gesehen wird, was heute in der Christologie dogmatisch behauptet wird? Wenn ich nach der Glaubenserfahrung vor der Textbasis frage, dann nur um schlüssig machen zu können, was Gegenstande der Texte ist, die nach meiner Perspektive eines echt präexistenten Wesens heute völlig verkürzt werden. Müssten Sie sich als Anwalt der Texte nicht gegen diese inhaltliche und historische Verkürung wehren, die sich immer dann einstellt, wenn wir die das gesamte heutige Denken bestimmende Hypothese von einem verherrlichten jungen Juden zugrunde legen?
Nur indem ich die Texte ernst nehme, kann ich nach der Erfahrung fragen, die zu den Inhalten geführt hat. Wenn es sich beim biblischen, historischen und gleichzeitig hoheitliche Jesus nicht um einen Guru mit geheimnisvollen Eingebungen handelte, sondern um das was Ihr Doktorvater als Schöpfungswort/vernunft/logos belegt, wieso soll es unwissenschaftlich sein, den Denkflüssen nachzuforschen, die in das Christentum mündeten? Was soll die ganze Aufarbeitung der Geschichte, wenn wir nicht nach dem Wesen suchen, das laut dem Neuen Testament damals lebendig war, in allen antiken Texten nachzulesende Tagesordnung des damaligen Denkens, sondern nur nach dem, was wir uns verkürzt vorstellen und dann zu alle Übel auch noch als allein wissenschaftlich bezeichnen? Was soll alle Archäologie und alle Einsicht in die damalige Denkweise, wenn wir nur nach der Umwelt eines Wesens suchen, das nur der verkürzten und als modern gemeinten Denkweise entspringt, nichts mit dem fleischgewordenen Schöpfungswort zu tun hat? Wie können wir die Suche nach dem Umfeld eines Wandergurus, seiner Anhänger und seiner Hinterlassenschaft als wissenschaftlich bezeichnen, wenn wir wissen, dass es den Verfassern der Bibel wie den Urchristen um ein ganz anderes Wesen ging?
Wo jüdische Texte von der Weisheit gesprochen hätten, durch die die Welt geworden sei, wäre im Neuen Testament von Wort und zugleich von der Weltvernunft/Logos die Rede. Dies sei auch die zwischen Gott und Mensch ewig vermittelnde Instanz zwischen Gott und der Welt, erklärt Klaus Berger die Bibel. Beziehen sich danach die Bedeutungsinhalte des christlichen Wesen auf das, was die Welt in realer Schöpfung bewirkt oder auf Worte aus alten Schriften, die nur neu auszulegen sind, einem Jungcharismatiker klammheimlich eingegeben oder kirchlich nur in den Mund gelegt wurden? Was soll die Rede von einer wegweisenden und den einen Schöpfer offenbarenden Weltvernunft, wenn wir die Bezeichnung Logos nur als einen Titel für einen jungen Guru betrachten, der dadurch irgendwie vergöttert wurde? Führt die Annahme von sonderbaren Eingebungen eines jungen Juden und seine Anhänger den Glaube nicht ins Abseits, satt wie damals im gesamten Weltgeschehen die Wortgebung des einen Gottes zu verstehen?
Auch wenn ich mit Ihrem Doktorvater einig darüber bin, dass die Weltvernunft in Jesus die Gestalt einer menschlichen Person annahm, so setze ich doch weder die Weltvernunft mit Gott – das Wort mit dem Sprecher bzw. den Vater mit dem Sohn - gleich, noch gehe ich bei allem was wir heute wissen davon aus, dass damals nur ein besonders begabter Wanderprediger zum Religionskönig erhoben wurde. Vielmehr will ich nach der neutestamentlich erneuerten Rolle/Person Gottes als Schöpfer des Alles fragen, die durch die zur Zeitenwende weit über den alten Mythos hinaus philosophisch neuverstandenen Schöpfungsvernunft offenbar wurde. Warum soll nicht heute die Zeit reif sein, diesem offenbarenden Wesen auf wissenschaftliche Weise eine ganz konkrete schöpferische Rolle/Person zuerkennen, die dann in menschlicher Geschichtsgestalt sichtbar gemacht wurde. Ein junger Religionsrebell, wie er heute als historischer Jesus gesehen wird, kann bei noch so vielen schriftgelehrten Verdrehungen diese Rolle nicht ausfüllen.
Wenn stimmt, was Berger aufgrund seiner Exegese belegt, dass es die Welt- bzw. Schöpfungsvernunft war, durch die sich Gott der Welt zuwendete, was (außer der fest eingefleischten Vorstellung von einem jungen zum Gottessohn gemachte Charismatikers aus den Bergen Galiläs) sollte dagegen sprechen, dieses Wort aus den Händen von absonderlichen Phantasten und das evolutionäre Werden aller Welt erklärenden New Age Philosophen zu nehmen und wieder wissenschaftlich eindeutig als Schöpfungswort zur Sprache zu bringen? Besteht die Aufgabe eines Neutestamentlers nur darin, aus der Schrift vorzulesen und hierzu historische Beweise wie das Schweißtuch eines angeblichen jungen Märtyrers den man zum Messias erhob oder ähnlich gewichtige Dinge vorzulegen? Oder wäre selbst die Liebe Gottes, von der fromm buchstabierend geschwärmt wird als schöpfungswirkendes Wort (einer schöpfungswirksamen Wesenheit) neu deutlich zu machen, das auch die Weltbilder wieder vereint, so ein neues grenzüberschreitendes Gottesbewusstsein hervorbringt und kein theologisches Einerlei das allem Recht gibt?
Und ist die von Gott ausgehende Schöpfungsvernunft nicht auch in deren Rolle als menschliche Gestalt zu verdeutlichen, durch die sie den Menschen der Antike erst verständlich wurde und ihre Bedeutung über 2000 Jahre bewahrte? Doch wäre es heute nicht schöpferisch vernünftig und somit Aufgabe der theologischen Wissenschaft, den Menschen deutlich zu machen, dass es bei der Person Jesus nicht um einen jungen Gott oder einen vergötterten Menschen, sondern in allem natürlichen Werden wahrzunehmende Weltvernunft in menschlichter Gestalt ging, sie der wahre König des gemeinsamen monotheistischen Glaubens war und ist, göttlich und menschlich zugleich?
3. Wissenschaft wäre, das Wort des Schöpfers wieder verständlich zu machen
Texte sind, wie Sie sagen, Ausdruck von Erfahrungen, die sich nur schwer rekonstruieren lassen. Doch was spricht dagegen nach dem zu fragen, was aufgrund dessen, was wir über das damalige Denken wissen gesehen wurde? Fehlt der Gegenstand, den es zu erforschen gilt wirklich oder wäre das schöpferische Wort auch heute universell als Wegweisung und Gottesoffenbarung wahrnehmbar? Nicht meine Ansicht von Gott will ich zum Gegenstand der Betrachtung machen, sondern das, was an alter Erfahrung in der Schrift über den einen Schöpfer ausgesagt und im lebendigen Wort bewahrheitet wird. Wer vergeht sich gegen den wissenschaftstheoretischen Ansatz: Eine Theologie, die sich einfach nicht von einem jungen Wanderguru, der angeblich im Rahmen der Gemeindebildung nach seinem Tod nur vergottet wurde distanzieren kann oder wer nach dem in allen biblischen Aussagen nachzulesenden und alles reale Werden bewirkenden Schöpfungswort Gottes als Geschichtsgrund, gleichzeitig Grund der biblischen Geschichten fragt?
Wenn sich Prof. Berger in seinem neuen Buch Gedanken über die Personalität Gottes macht, dann legt er als Exegese im heutigen Sinne nur alte Texte aus. Im derzeitigen Selbstverständnis kann die Beurteilung der Schöpfungsvernunft nicht vorkommen. Bei allen Fragen nach Gott selbst oder seinem Wille kann nur die Schrift als verfasstes Wort Gottes gedreht und gewendet werden. Doch wie absurd oft die Auslegung von Texten werden kann, haben Sie im Vorspann unseres letzten biblischen Themenabends einmal mehr deutlich gemacht. Nicht Levitikus, der in Ihrem abschreckenden Beispiel für die Ablehnung der Gleichgeschlechtlichkeit herhalten musste, sondern fast alle alt- und neutestamentlichen Aussagen lassen sich auf diese Weise vorführen. Die biblischen Vor-schriften sind oftmals ohne das lebendige Wort in die Betrachtung einzubeziehen zu völlig unsinnigen und gegen den eigentlichen Sinn gerichteten Verhaltensregeln zu gebrauchen. Wer die Berichte der Bibel ernst nimmt, müsste der nicht mit allen Mitteln der modernen Religionswissenschaft nach dem Grund suchen, durch den in der Antike die alte und oft verdrehte Gesetzlichkeit überwunden wurde? Allein ein menschlicher Besserwisser kann dies nicht gewesen sein.
Gerade die Frage der Gleichgeschlechtlichkeit bzw. die heutige Unfähigkeit zu einer Beurteilung, selbst in fast gleichdenkende Kirchenkreisen, ist ein bestes Beispiel, wie wichtig es auch heute wäre, über die alten Vorschriften nach dem lebendigen Wort, einer höheren, sinngebenden Vernunft zu fragen. Dabei ist nicht persönliche Himmelskunde zu betreiben oder der Natur (bzw. einem neuen Sozialdarwinismus) nachzulaufen, sondern wäre mit wachem Verstand nach der für die Zukunft einer menschlichen Gesellschaft gültigen Schöpfungsvernunft als Wort und Wille des großen Gesetz- und Sinngebers im ganz natürlichen Geschehen zu fragen. Warum kann das nicht Aufgabe der Anwälte des Gotteswortes sein?
Auch die Person (Rolle/Aufgabe) Gottes als der einzige Schöpfer der Welt kann weder durch Nachblättern in alten biblischen Belegen, noch neutestamentliche Aussagen bestätigt werden. Wer sich als Christ entsprechend der antiken Vorstellungen als Jünger der Schöpfungsvernunft versteht und nicht als Anhänger eines hochgestapelten Religionsrebellen oder Anwalt alter Texte, für den ergibt sich die Personalität Gottes aus der Schöpfung selbst. Nicht durch persönliche Himmelskunde bzw. Spiritualität, sondern aus dem Wissen um die bereits in der antike erfahrene Schöpfungsvernunft, die im naturwissenschaftlichen Weltbild wieder deutlich zu machen wäre, ergibt sich die Wirk-lichkeit (Aufgabe, Rolle) des einen Schöpfers des Himmels und der Erde. Niemand anders als der Jesus unseres Glaubens, das menschgewordene lebendige Wesen offenbart die Rolle Gottes in der realen Welt und lässt uns dessen Willen erkunden. Doch wo Jesus als das betrachtet wird, was heute amtliche Lehre ist, kann wird man dies nicht verstehen, sondern muss es als unwissenschaftliche persönliche Spielerei abtun.
Alle bisherigen Versuche, mit philosophischen Mitteln das präexistente Wesen und ewige Wirken Gottes zeitgemäß zu beschreiben, scheiterten an einem christlichen Selbstverständnis, das den historischen Heiland nur als einen jungen Juden sah, dem theologische Titel verliehen wurden. Wie wir wissen münden die philosophischen Überlegungen oftmals in einem Pantheismus, wird versucht Gott selbst, statt seinem offenbarenden Sohn bzw. schöpferischen Wort nachzuforschen. Meist werden nur komplexe Konstrukte neben die allgemein anerkannte Naturwissenschaft gestellt, die das Wirken Gottes bewahrheiten sollen. Auch die vielfältigen Versuche der Prozesstheologien Schöpfung zu bewahrheiten scheitern, wenn nicht neutestamentliche Wissenschaftler ermöglichen, den Zusammenhang zum präexistenten Wort und historischen Wesen Jesus herzustellen. Jede Theologie der Natur führt nicht weiter, wenn darin nicht das lebendige Wort Gottes wahrgenommen werden kann, das im Neuen Testament als offenbarendes Wesen konkrete menschliche Gestalt hatte. In einem meiner zahlreichen Aufsätze habe ich versucht Jesus Christus, bzw. das Verständnis des historischen Heilandes als missing Link zu verstehen, durch den der antike und aktuelle Monismus zum Monotheismus wird. Doch mit persönlichen Mutmaßungen und Spiritualität ist das nicht nachzuweisen. Nur eine theologische Wissenschaft, die das in der Antike als konkretes Wesen wahrgenommene schöpferische Wort nachvollzieht und gleichzeitig in ganzheitlichen Naturbetrachtungen nicht nur eine unbestimmte Ordnungsmacht, sondern das schöpferische Wort bewahrheitet, kann dafür den Weg bereiten. Solange jedoch die Bezeichnung Gottessohn nur als ein theologischer bzw. altübernommener Titel für einen jüdischen Besserwisser gesehen wird, bleiben alle Betrachtungen der Natur rein persönliche Beliebigkeit. Auch ein kosmischer Christus, wie ihn der Naturkundler und Jesuit Teilhard de Jardin nachzeichnete, können dann nur als fromme Mystik verstanden werden, die jedoch mit dem historischen Jesus nichts zu tun hätten. Jegliche theologische oder philosophische Erkenntnis, die aus dem natürlichen Werden abgeleitet wurde, scheiterte bisher am buchstäblichen Verständnis der Bibel. Nicht die Rücknahme biblischer Wahrheiten ist jedoch gefragt, sondern eine theologische Wissenschaft, die die Aussagen der Bibel auf das ewig präsente Wort Gottes zurückführt, das in allem natürlichen Werden neu wahrzunehmen ist und in Jesus von Nazareth eine geschichtliche Gestalt hatte.
Selbst Philosophien wie beispielsweise die von Schelling, der sich eindeutig auf das schöpferisches Wesen des Neuen Testamentes bezieht, müssen dann als moderne metaphysische Phantasterei abgetan werden. Gleichwohl dieser Denker die biblischen Begrifflichkeiten gebraucht und dem schöpferischen Logos im Werden des Weltganzen einen festen Platz zuweist, versperrt ihm eine theologische Wissenschaft von einem völlig verkannten historischen Wesen den Weg. Alles was nicht nur Schelling aufgrund einer seiner Zeit gemäßen Vorstellung über eine schöpferische Vernunft als himmlisches und gleichzeitig irdisches Wesen versteht, muss beim heutigen Historienverständnis auf taube Ohren stoßen oder als völlig außerhalb des Neuen Testamentes stehendes Philosophiekonstrukt gesehen werden. Schelling wird, wie viele andere Philosophien, die eine in allem Werden der Welt eine ganz natürlich nachweisliche Vernunft des Schöpfers entschlüsseln, als völlig unchristlich abgetan. Unabhängig davon, dass nach dem heutigen Historienverständnis kein Theologe auf die Idee kommen kann, in dem philosophisch entschlüsselten schöpferisch Logos den christlichen Glaubensgrund zu sehen, werden schnell einzelne Aussagen aufgegriffen, die angeblich für den christlichen Glauben unabdingbar sein sollen und in den Gegensatz der vom Logos Gottes ausgehenden Philosophie gestellt. Und wo man nur im Buch blättert und menschlich gesetzte Buchstaben bzw. Begriffe beurteilt, wird dann auch nur hiernach der in allem Werden lebendige Logos und die von ihm ausgehende Verhaltenslehre beurteilt. Während daher die Philosophen dem Schöpfer auf die Hand schauen, beurteilen die Schriftgelehrten die philosophische Erkenntnis, wie wenn diese die Bibel nicht richtig verstanden hätten. Dass nichts anderes als der historische Jesus bzw. das präexistente Wort, das bereits das Denken der Hebräer bestimmte und im alten Testament menschlich verdichtet ist, philosophisch zur Sprache gebracht wird, kann nach dem heutigen Historienverständnis kein Thema sein. Wo Jesus nicht wie in der Bibel und bei den Kirchenlehrern beschrieben, das lebendige Schöpfungswort, Licht der Welt ist, sondern ein junger Jude und Glaubensgeheimnis, reden Schrift und Schöpfungslehrer aneinander vorbei.
Eine fundierte theologische Wissenschaft, die sich ernsthaft mit der Entstehung des Christentums auseinandersetzt, die Grundlage der antiken Erneuerung des Gesetzesglaubens und Weiterführung der heidnischen Mythen und philosophischen Konstrukte zum Monotheismus untersucht, ist gefragt. Nur sie kann dazu beitragen, dass die Gegensätze überwunden werden, das Wort Gottes nicht nur im Buch, sondern in allem naturwissenschaftlich nachgewiesenen vernünftigen Werden wahrgenommen wird. Die Welt sehen ist eines; sie als Schöpfung Gottes zu verstehen (nicht nur blind trotzdem zu akzeptieren, ohne weiter nachzudenken) ein anderes. Und genau hier scheint mir die wahre Bedeutung des alten und aktuellen christlichen Glaubens zu liegen: Die Welt nicht als zufälliges Werk, sondern in ihr das lebendige und wegweisende Wort des einen Schöpfers wahrzunehmen, das biblisch in menschlichen Bildern ausgedrückt wurde. Die Voraussetzung dazu ist ein wissenschaftliche Wende im Historienverständnis, zumindest eine ernstzunehmende vorurteilsfreie Hinterfragung des historischen Wesens Jesus, die nicht von Laien, sondern nur von Wissenschaftlern ausgehen kann, die biblisch und geschichtlich kompetent sind, fundiert argumentieren können.
4. Der wahre König der Juden kann weder Gott selbst, noch ein vergotteter Mensch sein
Auch Ihre Aufarbeitung der Geschichte Israels hilft darüber nachzudenken, was wahrer Grund des dem Text zugrunde liegenden Glaubens war. Was, außer der heutigen – m.E. kurzgeschlossenen Hypothese vom historischen Heiland – spricht dagegen, in der geistigen Auseinandersetzung der Antike die Hervorbringung eines erneuerten Monotheismus nachvollziehen zu wollen, der auf das lebendige Wort gründete und nicht nur auf alte Gottes oder Göttervorstellungen, die per Gesetz tradiert wurden, daneben einen nur gesetzten jungen Gott stellen? (Der bei Ihrem Denken doch nur ein ganz normaler Mensch aus den Bergen Galiläs war.) Wieso ist es unwissenschaftlich, in dem, was wir über diese Zeit wissen, was über das antike Denken und die Probleme der gegensätzlichen Weltbilder ausgesagt wird, ein gemeinsames Gotteswortverständnis in menschlicher Gestalt als das Heilsmittel zu sehen? Gerade in Ihrem Buch beschreiben Sie die Probleme des damaligen Glaubens, der gegensätzlichen Kulturen, die all den vielen beschriebenen Kriegsereignissen zugrunde liegen. Wenn Sie nur nach einer Zeit fragen, in der irgendwelche Jünger einer Jesusbewegung einen jungen Guru vergötterten, versäumen Sie es jedoch das historische Wesen des historische Geschehens deutlich zu machen, von dem logisch nachvollziehbar in dieser Zeit wahrhafte Heilswirkung ausging.
Gerade weil Sie sich auf dem geschichtlichen Boden der historischen Tatsachen bewegen wollen, haben Sie m.E. keine andere Wahl, als das damalige Denken, die verschiedenen in konstruktiver Konkurrenz stehenden Weltbilder bzw. Gottesvorstellungen der Antike einzubeziehen und nach einem in damaligen Wirk-lichkeit neu erfahrenen Gotteswortes zu fragen. Die gesamte Geschichtsaussagen, ob wir im Glaube der Griechen und Römer nachblättern, das Wesen der hellenistischen Philosophien erkunden oder dem Grund christliche Gnosis sowie den Glaube der den Kanon und das Bekenntnis festlegenden Kirchenväter fragen, lässt keinen anderen Schluss zu, als dass es damals um das menschgewordene Schöpferwort ging. Wenn sie eine geistes- und religionsgeschichtliche Verbindung zwischen AT und NT herstellen wollen, so kann dies doch nur geschehen, indem das dem NT zugrunde liegende lebendige Schöpfungswort als Grund des alttestementlichen Glaubens nachgewiesen und gleichzeitig dessen menschliche Ausprägung als Erfüllende Fortsetzung deutlich gemacht wird.
Eine aus der Anhängerschaft eines religiösen Aufrührers hervorgegangene Sekte, wie heute die historische Wurzel der Christenheit gesehen wird, ist für mich u.A. aufgrund des von Ihnen erhaltenen Wissens, einfach unvorstellbar geworden. Angesichts dessen, was sich damals ereignet hat wäre das, was wir als Wurzel sehen, völlig unbedeutend. Es wäre dann in Wirklichkeit nicht mehr als eine graue bedeutungslose Maus, die durch ein riesiges Feld rennt, in dem die Kulturen blühen und gedeihen, Ähren entfalten. Wo nachweislich neues Denken und Glauben hervorgebracht wurde, wäre dann nur ein Gespenst, das literarisch zu einer Art goldenen Elefanten mit Flügeln (einem hoheitlichen Wesen) hochstilisiert wurde. Wenn wir die Heils- bzw. Wesensaussagen der Denker am Anfang unseres Glaubens auch nur halbwegs ernst nehmen und nicht nur als Religionspropaganda und fromme Besoffenheit oder Halluzinationen lesen, dann können wir uns mit der Historiendeutung heutiger Lehre nicht zufrieden geben. Sie als Anwalt der Texte bitte ich daher nach dem antiken Verständnis des Wort Gottes zu fragen, von dem die in der Bibel beschriebene Wirkung ausging und nicht nur nach der Vergötterung eines Wanderguru.
Auch wenn ich inzwischen sehr vorsichtig bin, die Aussagen von Josephus & Co. als einfache Geschichtsschreibung im heutigen Sinne zu lesen, so zeigt doch der von Ihnen in der Geschichte Israels geschilderte Kampf der Kulte, dass es zum wahren König und Messias des monotheistischen Glaubens bzw. der gesamten Menschheit mehr bedarf, als wir heute historisch bewahrheiten wollen. Sich einfach auf einen Christusgott zu berufen, kann damals die Lösung der Probleme nicht gewesen sein. Auch wenn vermute, dass wir in wenigen Jahren die von Ihnen weitgehend übernommene Geschichtsschreibung von Josephus mit ganz anderen Augen lesen werden, so wird m.E. gerade in seiner Person und der von ihm geschilderten Kriegsberichte die Problematik der damaligen Zeit besonders deutlich. Die tiefgehende Auseinandersetzung der griechisch-römischen mit der jüdischen Kultur, die sich in seiner Person und Geschichtsschreibung wiederspiegelt, bedurfte einer theologischen Lösung. Der wahre König der Juden war und ist weder nur ein römischer Kaiser, noch ein Traditionskult oder eine menschliche Philosophie, sondern kommt von oben, kann nur im Wesen des schöpferischen Wortes/Logos gesehen worden sein. Wie absurd es ist, von den damaligen Denkern, zu denen ich auch die römischen Philosophen- und späteren christlichen Theologenkaiser zähle, anzunehmen, sie hätten das verherrlicht, was wir als historischen Heiland sehen wollen, ist mir gerade in den letzten Wochen – u.A. auch aufgrund eines Besuches von Rom und der Beschäftigung mit römischer und christlicher Kultgeschichte - wieder besonders deutlich bewusst geworden. Nichts anderes als das Schöpfungswort kann nach allem was wir über diese Zeit, Ihr Denken und Ihre Probleme wissen, als wahrer König anerkannt worden sein.
Auch wenn Sie mich warnen, antike Zeiten auf Heute übertragen zu wollen, ist mir bei der von Ihnen geschilderten Geschichte Israels, die einer Aneinanderreihung von Kriegswirren gleicht, ein Vergleich mit unserer heutiger Situation in den Sinn gekommen. Sind es nicht auch heute die Kulte, die in Wirklichkeit Kriege führen? Was uns in den täglichen Nachrichten über Kriegsereignisse begegnet hat einen Grund, der viel tiefer sitzt, als nur machthungrige oder bösartige Menschen, die hier vordergründig agieren. Selbst die noch so brutalsten Führer der Menschen, ob sie aus der kommunistischen oder nationalsozialistischen Ideologien kamen, wollten - ebenso wie heute die Amerikaner oder ihren Glaubensgegnern - auf absurde Weise das Heil der Welt verwirklichen. Und da ich bei den antiken Herrschern im Gegensatz zu heute noch ein echteres Sendungsbewusstsein voraussetzte, gleichzeitig sehe, wie menschliche Herrscher ewig unfähig sind, die schöpferische Vernunft zu verwirklichen, suche ich nach dem wahren König von oben. Wer damals ganz echt die Menschen nach Meinung der Frühchristen zu einer Weltfamilie machte, eine universelle Gotteswahrnehmung ermöglicht, die über die durch die traditionellen Kulte gesetzten Grenzen führte, muss mehr gewesen sein, als wir bei unserer heutigen historischen Betrachtung beachten. Weder ein römischer König konnte als wahrer Messias taugen, noch ein philosophisch-abstraktes Konstrukt oder ein als Gottessohn vergötterter charismatischer Mensch. Über die Halluzinationen eines vom Sektenverfolger zum –anhänger gewandelten Paulus hätten nach dem, was wir über die geistigen Bewegungen der Zeitenwende wissen, die damaligen Denker nur gelacht. Auch hinter der Person des Paulus scheint m.E. viel mehr zu stehen, als wir mit Blick auf einen historischen Wanderguru und seiner Anhänger wahr haben wollen. Nur ein schriftgelehrtes Aufwärmen alter hebräischer Texte, die bisher nur für Juden galten (abgrenzten) hätte ebenso wenig die notwendigen und erwartete Funktion erfüllen können, wie eine christliche Neuinterpretation hellenistisch-heidnischer Tradition. Was die verschiedenen Weltanschauungsgrenzen überwand kann nur im Sinne dessen verstanden werden, was damals in gebildeten Kreisen als Weltvernunft ein ganz konkretes Wesen war. Nur die gemeinsame Sicht dieses Wortes bzw. schöpferischer Weisheit als wahren Gottessohnes, nicht die Vergötterung eines Guru, kann zur Versöhnung der verschiedenen Weltbilder geführt haben.
Und wie damals sind auch heute nur durch einen geistigen Fortschritt, zu dem Sie als Religionswissenschaftler einen wesentlichen Beitrag leisten könnten, die geistigen Grenzen zu überwinden, Kriege zu verhindern. Selbst der sinnentleerte Ölmachthunger und der sich daraus entwickelnde zukunfts- und ressourcenvernichtende Weltimperialismus hat einen kulturellen Grund bzw. ist m.E. in fehlender schöpferischen Vernunft zu suchen, wie sie dem Christentum abhanden gekommen ist. Wenn sich die Welt demnächst in einem wirtschaftlichen und blutigen Kampf um Energievorräte befinden, gleichzeitig Zukunftsvernichtung statt Schöpfungsbewahrung- und Weiterentwicklung betrieben wird, sind nicht die Politiker dafür verantwortlich, sondern unser sinnentleertes westliches Weltbilder, das weltweit tonangebend nur zum Konsumwachstum führt. Auch dass selbst von geistigen Führe und Religionswissenschaftlern diese Verantwortung für den Geist der Gesellschaft schon gar nicht mehr wahrgenommen wird, die meisten modernen Menschen eh denken, dass Religion nur für Gestrige ist, verantwortlich für die gesamten Kriege der Welt, hat viel mit unserem heutigen Verständnis des historischen Jesus zu tun. Darauf zu warten, dass erneut ein junger Jude vom Himmel fällt, dessen Eingebungen für endgültige Offenbarung sorgen, bringt uns heute so wenig weiter, wie es zur Zeitenwende eine geistige Wende und Weiterentwicklung bewirkt hätte.
Einfach die Toten bzw. Ereignisse zu addieren oder vordergründige Kriegsgründe, verkürzt die Problematik. Nur eine Innovation verschiedenartigen Kulte kann heute wie damals eine Lösung bewirken. Die Suche nach dem richtigen bzw. wahren König, so könnte m.E. der Untertitel zur Ihrer Darstellung der Geschichte Israels lauten. Denn Seite für Seite ist von menschliche Herrschern aus den hebräischen, hellenistischen, römischen oder sonstigen Kulturen zu lesen, die in Konkurrenz standen. Die Überwindung der geistigen Grenzen und Kriegsgründe durch den wahren König des Judentums kann nur durch entsprechendes Wissen um die geistigen Grundlagen, nicht durch persönliche Behauptungen nachvollzogen werden. Wissenschaftler sind daher gefragt, nicht spirituelle Spielereien und persönliche Meditation.
Der griechisch erkannte Logos als schöpferisches Wort Gottes und Grundlage hebräischen Gesetzes in menschlicher Gestalt muss der wirk-liche Messias gewesen sein, von dem uns die Evangelisten berichten. Von einem angeblich zum Christusgott erhobenen Wanderguru oder einem nur gesetzten dogmatischen Glaubensgeheimnis wäre keine Wirkung ausgegangen, die die Aufgabe bzw. Rolle/Person des Königs hätte ausfüllen können. Solange wir allerdings nicht bereit sind, über den historischen Jesus nachzudenken, diesen weiterhin nur als einen hochgespielten Heilsprediger sehen, der dann zu einem Gottesgeheimnis geworden ist, muss jedes Nachdenken über das reale Wesen des Gottessohnes im kosmischen wie im geschichtlichen Geschehen als völlig unwissenschaftlich betrachtet werden. Doch würde zutreffen, was heute über den historischen Jesus gedacht wird, gäbe es letztlich keinen Grund für die unzähligen Glaubensaussagen, die in seinem Namen von antiken Geisteswissenschaftlern getroffen wurden. Nur von Wissenschaftlern, die über einen Wanderguru hinausgehend nach dem im Werden der Welt zu hörenden Wort Gottes fragen, kann heute wahr gemacht werden, was damals eine in der Geschichte der westlichen Welt nachzuweisende historische Heilswirkung hatte.
Was, außer der Vorstellung, dass es angeblich nur um einen christologisierten Charismatiker mit geheimnisvollen Gottesoffenbarungen und seine Anhänger ging, hindert uns daran, die Geschichte neu zu lesen? Warum kann es keine Geschichtswissenschaft sein, konsequent das heute vorhandene Wissen um die Gleichzeitigkeit der verschiedenen Kulte in hellenistischer Zeit umzusetzen, aus der wissenschaftlich nachvollziehbaren Synthese der verschiedenen Weltbilder im gemeinsamen Gottessohn eine Heilswirkung herzuleiten? Wie können wir, die Synthese der verschiedenen alten Glaubensvorstellungen und antiken Philosophien vor Augen, die damals denkerisch hergesellt wurde (auch in Ihrer Geschichte Israels deutlich gemacht werden), einfach zur Tagesordnung übergehen und Theologie nur auf Nachblättern in alten Glaubenstexten beschränken? Muss nicht vielmehr gerade die Explosion an Texten als Ergebnis einer ganz konkreten Erkenntnis gesehen werden, die weder ein Glaubensgeheimnis, noch eine altes Gesetz oder ein vergötterter Guru war? Wieso soll es unwissenschaftlich sein, das Wort Gottes als Grund, statt eines charismatischen Gründers sichtbar machen zu wollen?
Unwissenschaftlich wäre es m.E., von einem Jesus des persönlichen Glaubens zu schwärmen oder einen Guru in den Bergen von Galilä suchen zu wollen, um den es bei ernsthafter Betrachtung keinem der biblischen Verfasser gegangen sein kann. Vielmehr wäre schriftgelehrte Wissenschaft gefordert, den aus Maria geborenen und von Josef erzogenen Jesus, den vom Vater vom Himmel herabgeschickten echten Gottessohn, der damals den Glauben erneuerte und Grenzen überwand, als lebendiges Wort in zeitgemäßer Weise verständlich zu machen. Denn nach dem was wir heute wissen können, war es kein von der Kirche dogmatisierter Guru, sondern das in antiker Philosophie bzw. Theologie denkend wahrgenommene Wort als Sohn Gottes, das historische gelebt hat und auch heute lebendig ist. Auf ihn gründeten sich die als gnostische Häresie abgelehnten sich verflüchtigenden Lehren, wie auch die das AT anerkennende christliche Kirche. Sie haben ihn in Ihrer Geschichte Israels an vielen Stellen beschrieben. Doch wo Jesus nur als zufälliger Name für einen von der Kirche später als Gottessohn verkündeten Reformjude verstanden wird, statt als damals in Menschengestalt lebendige Schöpfungswort, kann dieser nur im Exkurs als völlige Randfigur – geschichtlich unrelevant - vorkommen. Welche Wirkung von der Schöpfungsvernunft/Wort in Menschengestalt ausging, wie er sich aus den verschiedenen vormaligen Glaubensvorstellungen herausentwickelt hat, wird bei heutigem christlichen Selbst- und somit Historienverständnis nicht weiter hinterfragt bzw. muss als persönliche Himmelskunde abgetan werden.
5. Historiker, keine Himmelskundler sind gefragt, um dem Heiland Gestalt zu geben.
Die kollektive Glaubenserfahrung, die auf den historischen und gleichzeitig hoheitlichen Jesus hinauslief kann doch nicht allen Ernstes in dem gegipfelt haben, was wir heute für historisch halten. Nicht der Mensch Jesus, sondern das Schöpfungswort in menschlicher Gestalt und die davon ausgehende messianische Wirkung ist aus der kollektiven Erfahrung der verschiedenen in geistiger Konkurrenz stehenden Völker zu verstehen und wissenschaftlich zu erklären. All das, was den christlichen Glauben gegenüber dem heidnischen Pantheismus, antikem Monismus, griechischer Göttervielfalt und römischem Kaiserkult auszeichnet und ihn über den jüdisch-gesetzlich abgrenzenden Monotheismus hinaushebt kann nicht in einem Menschen mit Sonderbegabung, sondern nur im Gotteswort in Menschengestalt nachvollzogen werden.
Das Christentum ist doch nicht nur eine rein zufällig neue monotheistische Bewegung, die über die pure Gesetzlichkeit, alte Göttermythen und persönliche Frömmigkeit hinausgehend sich zu einer universalistischen Gottes- bzw. Schöpfungsvorstellung entwickelte. Vielmehr hat doch all das einen Grund, der heute durch begabte Wissenschaftler wie Sie belegt werden könnte. Die Jesus – dem geschichtlich menschgewordenen Gotteswort - vorausgegangene kollektive Glaubensentwicklung bei Pantheisten wie Monotheisten lässt sich auch in Ihrem Geschichtswerk nachvollziehen. Und genau in diese Geschichtswirklichkeit (die in Büchern, die die Geisteshaltungen in den Vordergrund der Betrachtungen stellen teilweise noch deutlich wird als bei Ihnen) lässt sich bei neuer Betrachtung des historischen Glaubensgrundes die christliche Heilsgeschichte nachvollziehen. Aus den vielfältigen Bewegungen des antiken Denkens über Gott und die Welt ist ein neues Paradigma hervorgegangen, das in Paulus seinen Ausdruck fand und dessen Bedeutung wir scheinbar noch längst nicht ausgeschöpft haben.
Es liegt an unserem Verständnis vom historischen Jesus, ob wir das antike Denken über die Metaphysik als Wissenschaft von Gott betrachten können. Solange wir den Logos des christlichen Glaubens für ein Phänomen halten, das außerhalb jeglichen Denkens liegt, indem nur alte Mythen neu verdichtet, zu einem menschlichen Wesen aufgemotzt oder diesem angedient wurden, müssen wir die wissenschaftliche Denkweise der Antike völlig außerhalb christliche Erkenntnis stellen. Eine Metatheorie über das vernünftige Werden der Welt, von der wir sagen, dass hieraus die heutige Wissenschaft entstanden sei, hat dann der Welt nichts zu sagen. Nicht die Welt in ihrem Geschichtswerden ist dann Sprachraum Gottes, sondern nur das ins Gesetz gemeißelte Geheimnis. So verhindert sich eine notwendige historisch-wissenschaftliche Aufarbeitung des antiken Denkens, ebenso wie ein neues Hören.
Wo in Paulus nur ein vom aufgrund unerklärlicher Halluzinationen vom Verfolger eines Reformjuden zum Anhänger gewandelter pharisäischer Prediger vermutet wird, statt das neue theologische Paradigma zu durchleuchten, das den mit Paulus unterschriebenen Texten zugrunde liegt, spielt die antike Philosophie keine Rolle. Die Wiege Jesus u.A. in einer Erneuerung des jüdischen Monotheismus durch das griechische Denken zu sehen, wird jedoch nicht durch die alten Textzeugnisse und unser Wissen um die Ursprünge ausgeschlossen, sondern das heutige Verständnis historischen Geschehen, das m.E. das antike Geschehen völlig verkürzt. Vielmehr muss eine echte Aufarbeitung der antiken Zeugen des lebendigen Schöpfungslogos unterbleiben, solange wir im christlichen Gottesssohn nur den Titel für einen Guru sehen, der aufgrund geheimnisvoller Eingebungen alles etwas besser wusste. Auch wenn noch so viel über Philo von Alexandrien oder andere theologische Denker zur Zeitenwende geschrieben wird, so scheint man dieses Denken nicht wirklich ernst zu nehmen, solange man Jesus für einen hochgelobten jungen Juden hält. Origines und sonstige Kirchenväter werden zwar hochgelobt, aber im Hinblick auf ihr philosophisches Weltbild ins Abseits gestellt. Selbst wenn dann Texte des Neuen Testamentes mitzitiert werden, so hält man das alles für Aufgesetzt, hat das dann im heutigen Historien- bzw. Offenbarungsverständnis mit dem christlichen Wesen allenfalls am Rande etwas zu tun. Die Scheuklappen der heutigen Vorstellungen verhindern, dass wir das schöpferische Wesen, das nicht mit dem unsichtbaren und transzendenten Gott gleichgesetzt werden kann, ernst nehmen und uns mit dem Denken an der Wurzel des christlichen Glaubens ernsthaft auseinandersetzen. Warum das christliche Denken keine Verneinung der Erkenntnis über das vernünftige Werden der Welt war, sondern dessen vernünftige philosophisch-monotheistische Umsetzung, kann nicht wirklich untersucht werden, solange wir den historischen Jesus für einen zum Christus hochgelobten Wanderprediger halten.
Alle Aufarbeitungen der alten Kulturen und ihrer hochstehenden Geisteswelt erübrigen sich, wenn wir in christlicher Offenbarung nur ein Geheimnis sehen, das mit einem historischen Menschen in Verbindung gebracht wird. Dabei wäre es heute wissenschaftliche nachzuvollziehen, warum der christliche Weg der Menschwerdung des Schöpfungslogos gegenüber dem philosophisch abstrakt bleibenden und in zahlreichen pantheistischen, polytheistischen Vorstellungen verstickte Denken der vernünftige bzw. schöpfungsgerechte war. Doch wo die christliche Offenbarung im Dunkel bleibt, der Gottessohn nur als ein Geheimnis gehandelt wird, schließt sich ein Nachdenken über die antiken metaphysischen Weltbilder, deren Verständnis des Gotteswortes und Weiterführung in christlicher Verdichtung aus.
Wenn Sie das offenbarende präexistente Wesen der Briefliteratur ernst nehmen, müsste es dann nicht eine Herausforderung sein, gerade in der von Ihnen in Angriff genommenen Exegese des Römerbriefes, weit mehr als bisher den römischen Kult zu berücksichtigen? Denn wenn der Römerbrief nicht nur ein Überredungsschreiben ist, in dem ein reformierter jüdischer Missionsprediger einer römischen Sektion einer jüdischen Sekte Anweisungen geben will, sondern – wie ich denke – es hier vielmehr um eine theologische Auseinadersetzung mit einem aus der römischen Kultur erwachsenen Wahrnehmung des jüdischen Gotteswortes geht, dann muss die Bedeutung der römischen Gottesvorstellungen weit mehr als bisher beleuchtet werden. Welchen Fortschritt der christliche Glaube gegenüber dem römischen Kult brachte, warum das lebendige Wort in menschlicher Gestalt der wahre König war, kann jedoch kein Thema sein, solange Sie nur von einem hochstilisierten Heilsprediger ausgehen, den Kirchväter zum Gottessohn machten.
6. Die Geschichte Israels geht weiter, das Wort Gottes lebt wirk-lich
Wieso nicht wissenschaftlich untersucht werden kann, dass sich auch hinter nichtjüdischen Glaubensäußerungen der Griechen oder andere Glaubensvorstellungen der im Judentum verehrte Schöpfer versteckt, bleibt mir unverständlich. Richtig ist sicher, dass ein Buchbegriff von einem geheimen Gott oder geheimnisvolle Eingebungen eines gespensterhaften Guru nicht mit anderen Glaubensvorstellungen verglichen werden können. Wo nicht vom lebendigen Schöpfungswort als biblische Grundlage ausgegangen wird, ist es völlig untheologisch, andere Glaubensvorstellungen, wie z.B. die eines real schöpferisch wirkungsvollen Pantheon mit den christlichen Vorstellungen von einem präexistenten Wesen, vergleichen zu wollen. Auch antike philosophische Lehren haben nichts zu sagen, wenn das Wort Gottes nur im Buch steht, es im Neuen Testament nur um einen Guru mit irgendwelchen Eingebung gegangen sein soll. Sie sind allenfalls als Steinbrüche für propagandistische Dogmen gut, die dann hierauf bezogen werden, mit dem historischen Jesus jedoch nichts zu tun hätten. Wenn Gott allerdings wirklich der durch alle Geschichte und alles natürliche Werden sprechende ist, kann und muss das im Judentum verstandene Wort mit anderen, damals noch von einer Vielzahl von Göttergestalten ausgehenden Glaubensvorstellungen auf einen Nenner gebracht werden. Die Unterschiede der verschiedenen Glaubensvorstellungen sind dabei nicht zu verwischen, sondern wären wissenschaftlich aufzuarbeiten. Nur so ist deutlich zu machen, was die wahrhaft messianische Wirkung des Schöpfungswortes in eindeutiger Menschengestalt gegenüber philosophisch-gnostischen Abstraktionen und polytheistischen Göttermythen war und ist. Doch ohne eine wissenschaftlich nachzuweisende antike Ein-sicht in gemeinsame Erkenntnisgrundlagen, wären alle neutestamentliche Aussagen über einen gemeinsamen Schöpfer bzw. universal gültigen Glauben pure Propaganda bzw. populistische Vereinnahmungen antiker Philosophie.
Was soll ich von all den Äußerungen der paulinischen Theologie halten, die sich an Juden und Griechen gleichermaßen wenden, wenn ich nicht die Synthese sehen will, die sich zur Zeitenwende in den verschiedenen Glaubensvorstellungen ergeben hat? Soll ich mich etwa über die Texte stellen und auch Paulus als eine hellenistische Synkretismusspielerei oder Propaganda abtun? Wie Sie wissen, will ich nicht die hellenistischen Götter einführen, sondern vielmehr in diesen Glaubensvorstellungen das Wort des einen Gottes verstehen, das in Jesus Gestalt annahm. Die Weiterführung im gemeinsamen Neuverständnis des Gotteswortes, nicht die Beibehaltung heidnischer oder gesetzlicher Gottesvorstellungen ist m.E. das Thema des Neuen Testamentes, das religionswissenschaftlich durch Historiker und Schriftgelehrte, die das alles viel besser wissen als ich, aufzuarbeiten wäre.
Das Neue Testament, auf das Sie sich bei der Ablehnung fremder Götter berufen, wurde mit Marcion erstmals von einem Christen herausgegeben, der den Gott des Alten Testamentes gar ablehnte. Wie ist sein Christ sein zu erklären, wenn wir Jesus nur als einen Wanderprediger erklären, durch den alte rein innerjüdische Glaubenvorstellungen tradiert wurden? Auch wenn ich keine kosmischen griechischen Götter im Frühchristentum einführen will, so komme ich doch nicht daran vorbei, nach einer neuen Qualität des monotheistischen Glaubens zu fragen, die einen ganz konkreten Grund in der Kreativität des Kosmos hatte und trotzdem kein fremder Aberglaube war. Auf was sonst soll Marcion, der auch wenn ihn die römisch-katholische Kirche wegen seiner Ablehnung des alten Gesetzesgottes angriff, als Christ anerkannt wurde, sein Christ sein gegründet haben, als auf den im gesamten Kosmos lebendigen Logos. Dieser wurde weder von ihn, noch der späteren Kirche mit dem Gesetzgott gleichgesetzt, wie dies heute leider in Ermangelung einer Wahrnehmung des lebendigen Wortes/Logos bei der Rede von Christus oft getan wird.
Wahr ist auch, dass ein Wanderprediger, wie er heute als historischer Jesus gesehen wird, in der Antike keine Glaubensbedeutung hatte, sich die Griechen dafür in keiner Weise interessiert hätten. Doch ich bin sicher, dass die Gottesfurcht der Griechen, die zum jüdischen Glauben übergetreten sind und für die das Christentum ein universalisiertes Judentum war, wie sie schreiben, ein Wesen wahrgenommen haben, das weit über die an heutigen Hochschulen gelehrte Vorstellung vom historischen Jesus hinausging. Was auch Sie in Ihrem Buch über die Geschichte Israel an vielen Stellen beschrieben ist der Beweis für das historische Wesen, von dem das Neue Testament handelt und von dem heute erneute Offenbarung ausgehen könnte. Kein philosophisches Prinzip und kein kosmisch-pantheistischer Gott ist zu suchen, sondern das schöpferische Wort, das damals griechisch ausformuliert war, als Grund des mosianischen Gesetzes gesehen wurde und erneut menschliche Gestalt annehmen musste. Dies wäre m.E. die Aufgabe einer aufgeklärten, vorurteilsfreien christlichen Wissenschaft.
Wenn ich Sie nochmals inständig darum bitte, in Ihrem theologischen Denken dem in der heutigen Realität neu zu hörenden Schöpfungswort als christliche historisches Wesen eine Chance zu geben, dann geht es mir nicht darum, nur eine bestimmte neue allegorische Leseweise einzuführen. Denn wenn stimmt, was ich vom historischen Geschehen denke, dann sind wir auf das Hören und Verstehen des lebendigen Wortes angewiesen. Christ sein ist dann keine persönliche Ansichtsache oder Lebensweise, die nur einer persönlichen Frömmigkeit entspringt. Vielmehr sind die Menschen darauf angewiesen, dass ihnen Lehrer wie Sie den Weg zum lebendigen Schöpfungswort und historischen Wesen weisen, den schöpferischen Logos, von dem auch die Schrift handelt und somit auch die Logik der biblischen Lehre deutlich machen. Als Baum- bzw. Buchstabenexperte haben Sie die Fähigkeit, den Menschen die Bedeutung des Waldes bzw. des lebendigen Gotteswortes verständlich zu machen. Wer den Baum in Händen hält kann sich nicht darauf berufen, dass er den Wald nicht sieht. Denn ohne Bäume wäre nur ein leeres Feld. Nur wer den Baum sieht und als auch seine Wirkungsweise versteht, kann den Wald, seine Bedeutung begreifen, die über ein grün-natürliches Wohlfühlerleben hinausgeht. Genau darum bitte ich Sie als Baum- bzw. Buchexperte.
Mit dem Verweis auf bildende Kunst kann ich mich nicht zufrieden geben. Denn wenn stimmt, was im Neuen Testament geschrieben steht – und davon gehe ich aufgrund meiner Perspektive vom damals wie heute lebendigen Schöpfungswort aus – dann müssen wir den schöpferischen Logos/das Wort Gottes als die sinngebende höhere bzw. himmlische Intelligenz/Software wahrnehmen, wenn wir den Vater wieder verstehen wollen. Wenn wir Jesus als das lebendige Wort betrachten, von dem die Bibel in ihren Geschichten berichtet, dann ist es die Aufgabe neutestamentlicher Exegese, zu dessen Neu- bzw. dem Wiederverständnis des Schriftwortes beizutragen. Nur so macht alle christliche Rede vom Auferstandenen – ohne den aller Glaube nur Schall und Rauch ist - einen Sinn.
Wenn unser Wissen um die geistigen Grundlagen des antiken Denkens aufgehen soll, letztlich zum Schöpfungswort/logos gehört, von dem alles Werden ausgeht, dann müssen wir heutiges Wissen in die Exegese einbringen, um mit neuen Augen nach dem historischen und wieder lebendigen Wesen zu suchen. Erst ein neues christlichen Selbst- bzw. Sohnsverständnis wird den Weg frei machen, im wissenschaftlichen Weltbild von heute nach dem damals lebendigen Schöpfungswort zu fragen. Wo nur von einem göttlichen Guru gefaselt wird, der nur dem neuzeitlich kurzgeschlossenen Denken entspringt, kann das in aller Welt erkennbare Wesen des Neuen Testamentes nicht erkundet werden. Nicht Himmelskundler sind daher gefragt, sondern unvoreingenommene Historiker und Exegesen, die hierzu nicht ihre persönliche Ansichten und bisherige Vorstellungen, sondern ihr gesamtes Wissen einbringen.
Wenn es im Neuen Testament nicht um einen hochgelobten Guru oder Gott selbst, sondern um das lebendige Schöpferwort geht, dann wird hier an vielen Stellen auch ganz genau beschrieben, was sich ändert, wenn wir dieses Wort wahrnehmen. Doch nicht weil es in der Schrift steht, sondern weil logisch nachvollziehbar ist, was die neue Wahrnehmung des schöpferischen Wortes im gegenwärtigen Weltbild bewirkt, bitte ich Sie, diesem neuen Verständnis des Gotteswortes eine Chance zu geben. Ich bin gewiss, dass das allem Werden zugrunde liegende Wort Gottes weder auf Sie, noch mich angewiesen ist, sondern sich durchsetzen und einen neuen, mit all seiner Lebenskraft die schöpferische Vernunft umsetzenden Menschen hervorbringen wird. Doch da ich mir anmaße logisch erkennen zu können, wie ein neues historisches und somit christliches Selbstverständnis zu einer dringend notwendigen völlig neuen Denk- und Lebensweise führt, will ich nicht länger warten.
Wer nachvollziehen kann, wie durch einen auf das lebendige Wort Gottes gründender Glaube, der sich im neuen Bewusstsein der alten Bilder, Riten und Kultübungen bedient (weil er auch deren Logik versteht), zu einem völlig neuen Denken führt, der kann sich mit dem, was heute als christlicher Glaube gelehrt wird, nicht zufrieden geben. Denn christlicher Glaube ist nach diesem Denken keine Privatangelegenheit, die etwas hoffnungsvoller oder zufriedener macht, sondern die Voraussetzung für ein wahrhaft vernünftiges schöpferisch zukunftsgerechtes Verhalten. In vielen Ihnen überlassenen Texten habe ich scheinbar vergeblich versucht deutlich zu machen, welche Wirkung von einer Wahrnehmung des in allem Werden Schöpfungswortes als göttliche Offenbarung und menschliche Sinngebung sowie Wegweisung ausgehen könnte. Auch warum keine rein humanen, weder grüne, rote oder sonstige Ideologien zum Ziel führen, sondern die von Gott ausgehende Vernunft, lässt sich in der Geschichte nachvollziehen, wäre wissenschaftlich aufzuarbeiten.
Selbst die steigende Zahl von arbeitslosen, die eigentlichen Zukunftsaufgaben nicht anpackenden Unternehmen/Menschen, bei denen jeder nur das macht, was ihm selbst kurzfristigen Nutzen verspricht, eine gemeinsame Sinngebung weder zu sehen, noch umzusetzen ist, zeigt mir täglich die Notwendigkeit, den schöpferischen Logos neu zur Leitlinie zu machen, um mit dem von Gott gegebenen Vermögen zum schöpferischen Wohlstand und Wachstum der Welt beizutragen, schöpferisch zu wirtschaften. Doch dazu wären neutestamentliche Wissenschaftler notwendig. Die Probleme unserer Zeit, einer universal handelnden Welt, die gleichzeitig eines gemeinsamen Sinnes völlig entleert scheint, wo nur noch mit menschlichen Meinungen und gegensätzlichen Buchstaben geworfen wird, machen m.E. die neue Wahrnehmung des lebendigen Schöpfungswortes mehr als not-wendig. Allein mit alten Buchstaben, die ihre Anwälte selbst nicht mehr ernst nehmen, sich bei ihrer Beurteilung ständig über sie hinwegsetzen, werden Sie weder bewirken, dass sich die Menschen ökologisch, noch wahrhaft wirtschaftlich-weltökonomisch verhalten. Was wir brauchen ist die Wahrnehmung einer alles sichtbare Werden bestimmenden Vernunft als gemeinsam sinngebendes Wort, wie es in der Bibel steht, vormals erfahren und verbrieft wurde. Nur indem dieses Wort keine Naturbetrachtung bleibt, sondern bei uns Christen mit den alten Glaubensgrundlagen in Verbindung gebracht und auch auf fremde Glaubensvorstellungen bezogen wird, kann eine grenzüberschreitende Offenbarung, wie sie im Neuen Testament erwartet wurde, real werden. Doch hierzu sind Wissenschaftler gefordert, kein Glaubensspekulanten und persönliche Stimmen. Buchstaben führen den schöpferischen Geist ins Gegenteil und trennen die Kulturen. Auch diese Erfahrung können wir bereits im Neuen Testament nachlesen. Buchstaben allein sind kriegstreibend und auch heute Hauptursache für den Abfall vom Glaube bzw. Aberglaube. Sie führen das schöpferische Gesetz ins Absurde und zur menschlichen Unvernunft. Wenn heute moderne Menschen den Glaube für gestrig und Ursache für die Kriege der Welt halten, dann ist es ihnen nicht zu verdenken. Der Schöpfer hat uns Gabe zur Weiterentwicklung seiner Erkenntnis gegeben, die wir in Buchstabenverliebtheit noch nicht nutzen. Nicht in dem wir alte Gesetze hochhalten und uns auf innere Stimmen berufen, sondern in dem wir die schöpferische Vernunft Gottes theologisch thematisieren und so den Glaube auch der menschliche Vernunft zugänglich machen, können wir heute die Menschen zum Glaube führen.
Wie Sie wissen, halte ich nicht die Gesellschaft für den Un- und Aberglaube der modernen Welt mit all seinen Folgen verantwortlich. Vielmehr befürchte ich, dass die für die Vermittlung des schöpferischen Geistes Verantwortlichen ihrer Aufgabe nicht gerecht werden. Ein weiter so im bisherigen Denken lässt uns die Aufgaben der Zukunft nicht lösen. In der christlichen Theologie scheint mir ein Paradigmenwechsel notwendig, der in unserer multikulturellen Denkweise nicht zu einem kulturellen Einerlei führt oder einer Reduzierung der eigenen Glaubensaussagen, sondern eine einheitliche Wahrnehmung des universellen Schöpfungswortes im Rahmen bzw. mit der Brille der verschiedenen Kulturen ermöglicht. Nur indem wir in der naturwissenschaftlichen Betrachtung der Welt, wie beim Lesen der Bibel die durch die Buchstäblichkeit bzw. das heutige Verständnis des historischen Jesus vorgegebenen bisherigen Scheuklappen abnehmen, können wir das gemeinsame schöpferische Wort wissenschaftlich zum Thema machen. Mit den ständigen Rufen nach religiöser Toleranz ist nichts getan. Was notwendig scheint, um den Kampf der Kulturen zu überwinden und im Rahmen der verschiedenen Kulte eine gemeinsamen Sinngebung zu begründen, ist eine gemeinsamer Neuverstand des Schöpfungswortes, der von einer wissenschaftlich begründeten Neusicht des neutestamentlichen Glaubensgrundes ausgehen könnte.
Die Existenz einer alles bestimmenden Weltvernunft, die ich in Anknüpfung an biblische Erfahrung als Wort Gottes erkennten will, kann ich sowenig beweisen, wie fast alles, was wir an logisch-regelmäßigen Naturerscheinungen beobachten. Nur aufgrund der Ergebnisse im Rahmen des evolutionären Werdens kann ich auf die schöpferische Vernunft schließen. Doch was in der gesamten Kreativität der Natur wie in Funktionsweise unseres Körpers scheinbar automatisch funktioniert, scheint bei sich selbst bewussten Wesen ohne die Wahrnehmung des Schöpfers zu Fehlentwicklungen zu führen. Und genau dies weist m.E. auf einen Creator hin, ist auch Beweis für das in Jesus Christus fleischgewordene Wort. Aufgabe einer theologischen Geschichtswissenschaft wäre es daher m.E. auch, auf die gesellschaftlichen Fehlentwicklungen hinzuweisen um eine Denkweise gegenüberzustellen, die vom schöpferischen Wort als gemeinsamer Sinngebung ausgeht und Lösungsmöglichkeiten aufzeigt. Dies ist weder ein Rückfall in antike Metaphysik, noch nur eine absonderliche Form persönlicher Philosophie. Vielmehr sehe ich darin nur eine Weiterführung genau des Denkens, das zum Neuen Testament geführt hat, m.E. eine Synthese von antiker Welt- und Gotteserkenntnis war. Denn dass wir auch heute allein mit monistischen Welterklärungsmodellen bzw. moderner Metaphysik oder Philosophie nicht weiterkommen, dies nur zu Ideologien führt, hat uns Gott in der Geschichte der letzten Jahrhunderte deutlich gezeigt.
Die Existenz eines im Werden der Welt präsenten präexistenten Wesens ins Reich der persönlichen Vorstellungen zu verbannen kann nur, wer in Wirklichkeit das Neue Testament und die damit einhergehenden Texte für ein Kunstprodukte menschlichen Geistes und Kirchenlehren hält, weiterhin auf einen gutherzigen Wanderprediger als irgendwie göttliches Wesen setzt. Mit Sicherheit kann die Bibel mehrschichtig gelesen und verstanden werden. Doch sobald wir biblische Wissenschaft betreiben, und wie seit der Aufklärung geschehen, nicht einfach das Geschriebene als ewige Wahrheit akzeptieren, sondern darüber nachdenken, bleibt uns keine andere Wahl, als nach dem zugrunde liegenden Schöpfungswort als dem eigentlichen Wesen zu fragen. Denn von dem, was von Jesus übrig geblieben ist, kann heute weder universelle Offenbarung noch Wegweisung ausgehen. Solange wir in Jesus den sehen, der heute an Hochschulen für historisch gehalten wird, stehen selbst bei noch so viel Reduzierung der im Grunde geschichtlichen Wahrheiten, die Aussagen über Wunder, Auferstehung und christliche Offenbarung der Erkenntnis des lebendigen Schöpfungswortes im Wege. Es ist für mich immer wieder unfassbar, wie christliche Naturwissenschaftler, die lägst jenseits der materialistischen Sichtweise und des puren Zufalls ein schöpferisches Wesen in Händen halten, es verdeutlichen könnten, am heutigen Denken über die neutestamentlichen Begebenheiten scheitern. Hier können nur neu-testamentliche Wissenschaftler helfen. Wer längst nicht mehr nach der Kleidergröße von Adam und Eva sucht, das Schöpfungswerk nicht mehr von einem alten mit Bart in sieben Tagen durch Zaubersprüche hervorgerufen, sondern durch ein göttliches-ewiges Wort, der muss bereit sein, den Logos Gottes neu zur Sprache zu bringen. Wer Moses bzw. den Verfasser des Alten Testamentes nicht mehr als alten Mann und die Geschichte Israels nicht mehr nur als einfache Story von einem Volk versteht, sondern die geschichtlichen Begebenheiten als theologisch Wahrheiten deutet, der kann nicht weiterhin so tun, wie wenn es bei Jesus nur um die Lebensgeschichte eines jungen Reformjuden ginge. Doch Wissen ist dazu gefragt, nicht persönliche Wahrnehmungen.
Wenn sich nur die theologische Wissenschaft bzw. Dogmatik durch ihre buchstäbliche Deutung des Neuen Testamentes lächerlich machen würde, als Wissenschaft längst nicht mehr ernst genommen wird, so scheint mir das nicht das eigentliche Problem. Doch wenn die moderne Wissenschaft den Logos/das Wort Gottes in Händen hält, von dem die Theologien nur redet, wenn somit die gesamte moderne Deutung der Natur dieses Wort beweist, aber nicht wahrnehmen kann, weil alle Welt nur nach einem gutherzigen Guru und Buchstaben zur Verherrlichung eines rein menschlichen Geschichtswesen Ausschau hält, dann muss sich etwas ändern, sonst wird genau das verhindert, was im Neuen Testament erhofft und verheißen ist. Auf das alle Evolution bewirkende Wort Gottes bauend, das in aller Natur immer genau das hervorbringt, was und wann es notwendig ist, habe ich daher Hoffnung. Was vor 2000 Jahren als Heiland in Menschengestalt das Licht der Welt erblickt hat kann jedoch nicht durch spirituelle Spielerei, sondern durch eine logisch begründende Wissenschaft heute wieder mündig und grenzüberschreitend glaubwürdig gemacht werden. Was wir brauchen ist kein moderner monistischer Kosmosglaube und keine buchstabenbegründete Privatfrömmigkeit, sondern ein Verständnis des Wortes, das Wesen des Neuen Testamentes war und bleibt. Nicht Himmelskundler, sondern Historiker sind hierzu gefragt, die durch eine möglichst unvoreingenommene freie Denkweise aufgrund ihres Wissens dem hoheitlichen Wesen des Neuen Testamentes den Weg ebenen, es für die Menschen von heute verständlich machen.
Ich hoffe, dass ich verständlich machen konnte, dass es mir nicht um ein Jesusbild persönlicher Spiritualität geht, sondern genau der heute lebt, der damals als historisches Wesen und Heilsbringer von den Verfassern des Neuen Testamentes gesehen wurde. Es liegt an der theologischen Wissenschaft, ob dieser im heutigen Weltbild wahrgenommen werden kann. Nur so kann sich bewahrheiten, was damals erhofft wurde.
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Mentzel
Warum ich sicher bin, dass sich das Wort Gottes wieder durchsetzen wird:
Sie werden bzw. müssen es nach Ihrer Sicht für Himmelskunde halten, die mit dem Wort Gottes nichts zu tun hat. Denn nach Ihrer Definition des Gotteswortes darf man Hoffnung auf Gott nur aufgrund alter Texte haben. Alles andere wäre unwissenschaftlich. In der Natur bzw. im kosmischen und geschichtlichen Werden kommt bei diesem Denken das Wort Gottes nicht vor. Doch als ich eben im Garten meiner Mutter stand, wurde mir die Wirkung des Schöpfungswortes, seine gegen alle geistige Verdunklung gerichtete Kraft, wieder deutlich vor Augen geführt. Dass im Wachsen den Gedeihen des Gartens das Schöpfungswort wesen-tlich deutlicher wird, der Schöpfer so weit persönlicher in Erscheinung tritt, als in vielen Buchstabenlehren, mag für Sie eine persönliche spirituelle Spinnerei sei. Und doch bin ich sicher, dass hier das zu sehen war, was vor 2000 Jahren in menschlicher Gestalt das Licht der Welt erblickte, weder nur ein Mensch, noch ein gesetzter Gott oder ein himmlisches doketistisches Scheinwesen, sondern göttlich und menschliche war. Und genau auf diese Kraft, die den Kosmos des Gartens wie des gesamten menschlichen Geistes wachsen und gedeihen lässt, das sich gegen alle geisterhafte Verdunklung durchsetzende Wort, will ich heute wieder hoffe:
Ein ehemaliges Blumbeet, in dem das Unkraut überhand nahm, sollte im Garten meiner Mutter mit schwarzer Folie bekämpft werden. Über das ganze Feld hatte ich eine schwarze Folie ausgebreitet, die ein Wachsen verhindern sollte. Doch wie ein Wunder hatten sich die vergessenen Blumen, die vorher vom Unkraut erstickt waren, aus winzigen Löchern den Weg zum Licht gebahnt und strahlten in voller Blüte.
Es legt an unserer Leseweise des Neuen Testamentes bzw. dem christlichen Offenbarungs- und Selbstverständnis, ob die Menschen von heute den Glaube für absurd und gestrig halten, allenfalls buchstäblichem Aberglaube trotzdem gedient wird oder nach dem lebendigen Wort Gottes fragen und forschen. Sie und Ihr Doktorvater hätten es in der Hand, ein Nachdenken über das Schöpfungswort als neutestamentlichen Glaubensgrund bzw. Neuverständnis des historischen Heilandes anzustoßen.