Eierdiebe oder

Oster-Erkenntnis

 

 

 

Solange wir am Ostermorgen den Sonnenaufgang nur als Symbol für einen von den Toden auferstandenen Religionsrebellen mit altruistischen Ansichten feiern und darin nicht den täglichen Ausdruck des ewigen schöpferische Logos sehen, der in der Gestalt Jesus lebendig und der für griechisch-jüdische Weisheitslehrer Grund neutestamentlicher Theologie war, bleibt christlicher Glaube inhalts-, die Rede von Auferstehung sinnlos. Nach der heutigen Hypothese vom historischen Geschehen hat die christliche Kirche angeblich nur alte Eier geklaut, um sich damit auszuschmücken.

 

Während das Weltenei als ein altes Symbol für den ewigen Logos, die in allem Kosmos erfahrbare schöpferische Vernunft Gottes gesehen werden kann, aus der sich immer wieder neue Erkenntnis ableitet, müssen bei der heutigen Lehre vom historischen Jesus alle Ostersymbole Fremdkörper bleiben, die nur populistisch genutzt wurden, um dem eigenen Glauben einen schönen Schein zu geben. Gerade die weltweiten Osterbräuche, ebenso wie die sich auf Ostern beziehenden christlichen Bedeutungsaussagen können den kosmischen Grund unseres Glaubens in besonderer Weise verdeutlichen. Solange wir jedoch nur von Tod und Auferstehung eines jungen Religionsrebellen ausgehen, statt dahinter das Schöpfungswort in menschlicher Gestalt mitzulesen, sind alle Osteraussagen, ebenso wie die österlichen Kultpraktiken nur propagandistisch aufgesetzt. Ohne das im antiken Kosmos gesprochene und neu verstandene Wort an den Anfang zu stellen, bleiben nur alte Texte und Riten, die von der Kirche genutzt wurden, um ihren Gründer damit aufzumotzen.

 

(Ein noch zu überarbeitender Text, der in der Emotion von Ostern geschrieben wurde.)

 

Statt nach einer echt neuen Erkenntnis an der Wurzel des christlichen Glaubens zu suchen, durch die der antike jüdische Monotheismus in der menschlichen Geschichtsgestalt des Gottessohnes mit Namen Jesus erneuert wurde, wird heute jeder Zuwachs an historisches bzw. geistesgeschichtliches Wissen darauf verwendet nachzuweisen, wie alte Eier gestohlen wurden.

 

Nach dem, was heute Neutestamentler als Entstehungsgeschichte des christlichen Glaubens verstehen wollen und verkünden, waren es vor 2000 Jahren nur Anhänger eines jungen Guru, die philosophisches Gedankengut, gnostische Welterkenntnis, alttestamentliche Aussagen, hellenistische Lehren und alte Mythen auf den gutherzigen Menschen Jesus übertragen, diesen so verherrlicht oder davon völlig unabhängige Konstrukte in die Welt gesetzt hätten. Die Auferstehung wird als Dogma und eigentliches Ereignis der Christenheit verkündet, die die Menschheit von Sünden erlöst, „aus dem Todesgefängnis zu neuem Leben befreit...“ ohne dass es heute wirklich jemand verstehen oder nachvollziehen kann. Auch die Ostereier wurden im Sinne heutiger Historienhypothese nur heidnischen Kultpraktiken aus dem Nest genommen, um damit die Auferstehung des Guru auszumalen. Ob heutige Kirchenlehrer oder ihre Kritiker, wer einen Menschen an den Anfang stellt, muss zu solchen Schlüssen kommen.

 

Über die Neugeburt des monotheistische Glaubens, Wiederverstand des schöpferischen Wortes in den alten Kultpraktiken bzw. Glaubensvorstellungen, wie im realen kosmischen Geschehen, wird nicht weiter nachgedacht. Wo es nur um die angebliche Wiedergeburt eines hingerichteten Religionsrebellen ging, der als Gottessohn verkündet wurde, wie er angesichts des Passionsfilmes vom theologischen Fachpersonal diskutierte wird, dürfen die Fruchtbarkeitssymbole, die Bedeutung der weltweiten im kosmischen Werden begründeten Kulte, keine Rolle spielen. Sie können heute nur als für die Glaubensverkündung vom auferstanden Glaubensgründer gebrauchte Gleichnisse gesehen werden. Auch die Natur und ihr ewiges Neuerblühen als Ausdruck der schöpferischen Logik, des präexistenten Gottessohnes/-wortes selbst zu betrachtet, schließen sich beim heutigen Jesusbild aus. Die Hypothese der heutigen Lehre vom einfachen historische Menschen macht aus den Evangelisten bzw. den ihnen folgenden Kirchenlehrern reine Eierdiebe. Denn auch die alten hellenistischen oder andere heidnischen Kultpraktiken können nach der Prämisse heutiger Theologieprofessoren kaum eine inhaltliche Bedeutung haben. Sie, wie das gesamte Geistesgut der Antike, werden dann angeblich nur gebraucht, um damit symbolhaft einen jungen Juden zum Gottessohns-Guru zu machen. Auch das damals die ewige Neuentstehung oder Fruchtbarkeit verkörpernde Weltenei und mit ihm der gesamte kosmische Grund des alten Glaubens kann nach heutiger Prämisse nur gebraucht worden sein, um einen Gutmenschen mit besonderen Erleuchtungen auszuschmücken.

 

Um seine Auferstehung angemessen zu feiern, wurden nach heutigem Historienverständnis aber nicht nur die heidnische Eier geklaut. Das jüdische Passahfest, der größte Feiertag der Juden zum Gedenken an die Befreiung aus ägyptischer Gefangenschaft, wurde nach heutigem christlichen Selbstverständnis ebenso als metaphorisches Verherrlichungs-Datum für einen jungen Juden gewählt, wie das Frühjahr. Im banalen Historienverständnis von heute wird dann eher Moses als wahrer Verfasser der nach ihm benannten Bücher abgelehnt und selbst der Auszug des Moses als ungeschichtlich abgestritten, als im ägyptisch-hebräischen Monotheismus bereits die im Kosmos wirksame schöpferische Vernunft/das gesetzgebende Wort am Werk zu sehen. In dem in allem Kosmos wie menschlicher Geschichte gehörten Wort in der Mosesgestalt beispielsweise den Befreier aus ägyptischer Pharaonenverherrlichung wahrzunehmen, kann im heutigen Historien- und Bibelverständnis kaum vorkommen. Über das frühe Wirken des christlich neu verstanden Glaubensgrundes im Judentum nachzudenken, schließt sich daher ebenso aus, wie bei heidnischen Vegetationsverherrlichungen nachzuhören. Auch wenn das im Nachlesen urchristlicher Texte oft lautstark behauptet wird, kann kein kosmischer Grund thematisiert werden, wie er für das Alte Testament noch ganz selbstverständlich war.

 

Über das, was von den Vätern unseres Glaubens (wie ihren verschiedenen Vorfahren) verstanden und daher verkündet wurde, kann nicht mehr nachgedacht werden, wenn im historischen Jesus nur ein hochgejubelter junger Rebell gesehen wird. Wie die alten heidnischen, philosophischen, gnostischen, hebräischen, jüdisch gesetzlichen Glaubensvorstellung inhaltlich auf einen Nenner gebracht wurden, wie fremde Gotteserfahrung um das schöpferische Werden und jüdische Weisheit in einem Neuverstand gipfelten und was das Wiedererwachen der Natur und das ewiges Leben verkörpernde Ei damit zu hat, kann beim Banalbild der heutigen Lehre nicht wirklich beurteilt werden. Auch alttestamentliche Glaubensaussagen wurden nach heutiger Historiensicht im Grunde angeblich nur gestohlen, um einen besonders charismatischen Halbstarken als Gottessohn zu inthronisieren.

 

Sehr geehrter Herr Dr. Markus Sasse,

 

erlauben Sie, dass ich Ihnen nochmals zur Last falle und meine Ostergrüße mit der Aufforderung zum Neuverstand verbinde. Jetzt wo Ihr Buch über die Geschichte der Juden im Handel ist, wäre hoffentlich Zeit zum Handeln: Denn durch die Neubetrachtung der christlichen Geschichte von einem in aller natürlichen Logik des ewigen Werdens und Vergehens lebendigen Schöpfungswort/Gottessohn aus, gewinnen nicht nur die heidischen Kulte eine völlig neue Bedeutung. Ich denke, dass erst so auch die großartige Weisheit des jüdischen Monotheismus wieder bewusst gemacht, konkret Begründet werden könnte.

 

Auch warum das uns so geläufige Bild des jungen Juden mit Bart notwendig war, um dem Schöpfungs-Wort als Grund des monotheistischen Glaubens einen gemeinsamen Bezugspunkt zu geben, es vermittelbar zu machen, lässt sich mit Sicherheit erst nachvollziehen, wenn wir das geschichtliche Heilsgeschehen aus einer neuen Historienperspektive betrachten. Es liegt auf der Hand, dass alte – ob heidnische oder jüdische – Glaubensgestalten, die vormals das Schöpfungswort vermittelten, nur in einer konkreten menschlichen Person weiterführend wiederbelebt werden konnten. Auch die alten Kultpraktiken und Glaubenstexte sind nach einer neuen Sicht des Neuen Testamentes nicht nur einfach übertragen – zur gleichnishaften Verherrlichung gestohlen – worden, sondern wurden in sinnvoller Weise wiederverstanden und fortgesetzt.

 

                       Wiedererwachen der Natur und des Neuen Testamentes

 

Wenn am Ostermorgen schöne Bildchen und allerlei angeblich nur heidnischer Kult durch die Gegend flattern, selbst in unserer protestantisch-evangelischen Kirche der Sonnenaufgang abgewartet wird, um der Auferstehung Jesus zu gedenken, dann geht es mit Sicherheit nicht nur um Symbolik oder abgekupferten Kult. Doch von der heutigen Historienhypothese aus können wir noch so viel von Auferstehung singen und zum Sonnenaufgang sehen. Es wird sich kaum etwas bewegen.

 

Die tief sitzende Sehnsucht, die Natur und Mensch untereinander und mit Gott versöhnen will, muss bei der heutigen Lehre eine fromme Hoffnung bleiben. Die Ostersonne, die im antiken Judentum erkannt wurde (wie m.E. auch bei den in Qumran gefundenen und von Ihrem Doktorvater übersetzten Psalmen nachzulesen) kann dann nicht scheinen. In unseren Osterlieder, die das göttliche Wort besingen, ohne dessen schöpferische Wirklichkeit als christliche Geschichtsgestalt und gegenwärtigen Logos allen natürlichen Werdens wahrzunehmen, bleibt es beim inhaltsleeren La, La, La, das allenfalls für die persönlichen Gefühle eines Aber-glaube trotzdem taugt. Wenn dann allen Ernstes von den mit finsteren protestantischen Minen neben mir sitzenden aufgeklärten Männern in der Osterpredigt verlangt wird, die leibliche Reinkarnation eines hingerichteten Wanderguru nicht nur als geschichtliches Ereignis, sondern als Glaubensgrund anzuerkennen, ist das Licht endgültig aus. Auch wenn in theologischen Papieren deutlich gemacht wird, dass es bei der Auferstehung nicht um die leibliche Hokus-Pokus-Wiedererweckung eines Wandergurus geht, evtl. die Gemeindebildung herangezogen wird oder ein Geistwesen des geheimen Gottessohnes, dann bringt uns das nicht weiter, wird nur abbauende Vernebelung oder Verniedlichung betrieben. Denn was zur Zeitenwende leiblich wiedererwachte und den jüdisch-griechischen Wahrheitssuchern begegnete, scheint weder ein einfacher Mensch, noch ein Geistwesen gewesen zu sein, sondern das wiedererwachte Wort in Menschengestalt. Was vor 2000 Jahren in der menschlichen Gestalt dieses Gotteswortes mit Namen Jesus wirklich Licht war, wird von heute allerdings zum unerklärlichen Geheimnis gemacht, über das nicht zu sprechen ist, das jeder allenfalls persönlich fühlen kann und für wahr halten muss.

 

Nach dem heutigen Verständnis der Neutestamentler kann es beim Osterfest nur um einen alten Volksglauben gehen, um die Auferstehung eines Guru als Gottessohn glaubhaft zu machen. Meine Überlegungen zum im antiken Diaspora-Judentum wieder erfahren Wort bzw. in menschlicher Gestalt ausgedrückten Gottessohn, können nach heutigem Verständnis nur absonderliche persönliche Inspirationen sein. Als ich Sie aufforderte, aufgrund Ihres Wissens um unsere christlichen Wurzeln und ihre Symbolik, und ebenso den Logos des naturwissenschaftlichen Weltbildes, auf ihrem Weg zur Schule (beim Sonnenaufgang auf der die kosmische Götterordnung abbildenden Jupitersäule der Wachenheimer Römervilla sitzend, die Feldkreuze mit dem Bild des leidenden Jesus im Blick haltend und Qumran-Psalmen Ihres Doktorvaters lesend) mit wachen Augen den Gottessohn anzuschauen, müssen Sie das für eine absonderliche Spinnerei gehalten haben. Mit dem historischen Grund unseres Glaubens hat das nach heutiger Hochschultheorie nichts zu tun. Gleichwohl ich versuchte in diesem Beispiel zu verdeutlichen, wie nur ein geschichtsfundiertes Nachforschen an den geistigen Wurzeln zu einer neuen ganz einfachen Sicht des Gottessohnes führt, müssen Sie beim heutigen Historienverständnis meine Aufforderung für eine irrige Spielerei, allenfalls persönliche Spiritualität halten.

 

Gewohnt, den Sohn Gottes immer nur in frommen Predigten persönlichen Glaubens zu hören, kann nur eine spirituelle Entgleisung angenommen werden: Wahrscheinlich habe ich zu viel vom Rebensaft getrunken, der um die Römervilla wächst. (Scheinbar hat nur wieder mein linker Schläfenlappen verrückt gespielt, der angeblich für den Glauben zuständig sein soll und von dem Atheisten annehmen, dass hier Gott entsteht. Denn wo das lebendige Wort nicht in aller der Vernunft alle Natur wahrgenommen wird, muss Gott als Produkt des menschlichen Gemüts vermutet werden. Doch selbst in der Funktionsweise des linken Schläfenlappens und der von diesem Bauteil ausgehenden Sehen-sucht verdeutlicht sich die schöpferische Vernunft in menschlicher Biologie, liefert diese einen Beweis für das, was vor 2000 Jahren vorausgesetzt und neu wahrgenommen wurde.) Wenn Ihr Doktorvater denkt, den Sohn Gottes in einen unerklärlichen Hinterzimmer des zu bewahrenden Glaubensmythos vor allem Verstand schützen zu müssen, scheint es ein Unding zu sein, mit seinem Schüler vernünftig über diesen im antiken Weltbild wahrgenommenen Sohn bzw. das heute in allem Kosmos neu zu hörende Wort nachdenken zu wollen. Wahrscheinlich nur ein neu erwachter religiöser Wahn, der innere Stimmen hören lässt. Nach heutiger Hypothese lässt sich das, was ich u.A. aufgrund des bei Ihnen erfahren Wissens um die biblischen Bedeutungsinhalte und geistesgeschichtliche Situation zur Zeitenwende hinter neutestamentlicher Theologie und der Lebensgeschichte Jesus vermute, nicht auf einen Nenner bringen. (Darüber kann man sich, wie Sie denken, dann allenfalls „beim einem Bier“ unterhalten.)

 

Wer mich nicht so gut kennt wie Sie, gleichzeitig davon ausgeht, dass Christen grundsätzlich nur unter Ausschaltung aufgeklärten Denkens höhere Be-stimmung hören und das Wort Gottes nur aus einem Buch ablesen, für den muss meine Rede von schöpferischer Vernunft als einem in aller Natur bzw. dem kreativen-evolutionären Werden des Kosmos zu hörenden präexistenten Logos/Wort eh wie pure Schizophrenie klingen. (Es wird Ähnliches vermutet wie die Jesus-Stimmen, die jüngst zu dem Irren gesprochen haben, der daraufhin die schwedische Außenministerin ermordete.) Wer das Wort Gottes im natürlichen Werden hören will, muss bei heutiger Betrachtung des historischen Geschehens den Blick für die Realitäten verloren haben, bleibt missverstanden. Doch es ist nicht die Wahrnehmung der schöpferischen Vernunft, sondern die heutige Hochschullehre vom Glaubensgeheimnis bzw. einem jungen Charismatiker mit unerklärlichen Eingebungen, die gerade all denen das Wort redet, die sich aufgrund innerer Stimmen und persönlicher Vorstellungen berufen fühlen und dann gegenseitig umbringen oder zu Glaubensmärtyrern werden. Da kann der Kirchenpräsident noch so laut seine Osterbotschaft gegen den Terrorismus richten. Wenn Glaube bereits von den Theologen wie selbstverständlich mit Irrationalität gleichgesetzt wird, muss die Welt davon ausgehen, dass Gottesworterfahrung nur in inneren Stimmen und außerhalb natürlicher Realität stattfindet. So macht sich jeder seinen eigenen Reim, über den nicht zu reden ist. Im modernen Babylon ist Glaubensterror ist vorprogrammiert. Den Grund des Glaubens in einem grenzüberschreitenden natürlichen schöpferischen Wort zu verstehen wird jedoch nicht durch das naturwissenschaftliche Weltbild ausgeschlossen, sondern durch das der Neutestamentler. Wo angeblich nur ein anschließend verherrlichter Charismatiker war und nicht das schöpferische Wort in Menschengestalt, schließt sich heutige Gottesworterfahrung im natürlichen schöpferischen Handeln aus. Statt an die vielfältige Weisheit der urchristlichen Welt- und Gottesworterfahrung anzuknüpfen, können nur Halluzinationen und persönliche Inspiration vermutet werden. Die tiefgehende theologische Betrachtung eines schöpferischen Wortes im Licht des antiken Weltbildes und damit einhergehend heutiger Welterfahrung, wird durch das buchstäbliche Verständnis des Neuen Testamentes ausgeschlossen. Eine Beurteilung meiner recht laienhaften Überlegungen hierzu sind leider bisher auch bei Ihnen unterblieben.

 

Wie sollte auch etwas Anderes zu erwarten sein? Letztlich müssten Sie alle bisherigen Annahmen über das historische Geschehen, von denen sie wissen, dass sie die gesamte Gelehrtenwelt vertritt, verlassen. Nachdem gerade erst die letzten Aufklärungsketzer den meist recht vorbildhaften Gutmenschen akzeptieren, die Radikalkritik an der menschlichen Gestalt Jesus nur noch Insidern bekannt ist, scheint es ein Unding, den ach so guten jungen Juden hinterfragen zu wollen, der – ohne die Realität des schöpferischen Wortes anzuerkennen - als scheinbar letzter Rest historischer Wahrheit vermutet wird. Jeder Zuwachs an Wissen, in dem ich einen unumstößlichen Hinweis auf das im damals philosophisch-wissenschaftlichen Weltbild wiederverstandene Schöpfungswort sehe, wird nicht nur von Ihnen in den Dienst einer Verherrlichungshypothese gestellt. Wo bei ernsthafter geschichtlicher Auseinandersetzung die Notwendigkeit des uns wohlvertrautes Bildes zur Vermittlung zwischen den pantheistischen Vorstellungen und alten jüdischen Weltbildern, gleichzeitig der Bewahrung vor verflüchtigenden, unbewegenden Theoriengebäuden deutlich werden könnte, werden so nur Eierdiebe vermutet.

 

Bei der heutigen Hypothese muss jeder Versuch an einem einfachen historischen Menschen zu rütteln, wie ein Totalabriss abgewehrt werden. Dass so im Grunde erst der historische wie hoheitliche Gottessohn geschichtlich bewiesen werden kann, schließt sich im heutigen theologischen Denken aus. Auch wenn ich immer wieder versuche deutlich zu machen, dass durch eine neue Perspektive keine Inhalte der bisherigen Lehre verflacht, sondern die Bedeutung erst verständlich wird, kann sich niemand von seinen Vorstellungen lösen. Mir ist bewusst, dass es für einen Geschichts- und Glaubenswissenschaftler, der bisher alle Erkenntnisse auf die Vergötterung eins Gutmenschen mit besonderen Eingebungen übertragen hat, kaum möglich ist, im Gegensatz zur gesamten Gelehrtenwelt jetzt das Schöpfungswort als das eigentliche Wesen an den Anfang seine Untersuchungen zu stellen. Ein Lehrer, der bisher seinen Schülern, Studenten und Teilnehmern von zahlreichen geschichtlichen Seminaren und biblischen Themenabenden immer nur beigebracht hat, warum ein um den See Genezareth ziehender Reformprediger von seinen Anhängern als Gottessohn gesehen wurde bzw. aufgrund der biblischen Texte war, wird sich nur schwer dem schöpferischen Wort in allem Werden zuwenden können. Wo alle Predigt bisher immer nur von einem Gottessohn ausging, den man nicht sehen und begreifen kann, scheint es wie ausgeschlossen, in der kosmischen Wirk-lichkeit dessen schöpferische Präsenz sehen zu wollen. Und doch sehe ich sonst keinen Weg, um zu einem fortgeschrittenen Verständnis zu kommen, wie wir es an Ostern feiern.

 

Die bultmannsche Entmythologisierung des neuen Testamentes ist bei bisheriger Sichtweise des Neuen Testamentes ebenso konsequent, wie die Leugnung der Auferstehung, die sich Prof. Gerd Lüdemann als christlicher Theologie getraute lautstark auszusprechen. Ohne das neu gesehene kosmische Wirken als Grund des Geschichtsgeschehens mitzubetrachten, bleibt nur wundersame Unwirklichkeit. (Übrigens zeigt gerade Lüdemann, der nicht nur die Auferstehung Jesus abstreitet, sondern sich gleichzeitig mit der christlichen Gnosis auseinandersetzt, wie schwer die alten Bilder wiegen. Beim heutigen Historienverständnis ist es auch für den oft gescholtenen Auferstehungsabstreiter, der mir in meiner Auseinandersetzung mit frühchristlichem Denken immer wieder begegnet, nicht möglich, Zusammenhänge des gnostische wiederverstandenen Gotteswort, mit dem christlichen Geschichtswesen bzw. Auferstandenen herzustellen.

 

Gefangen in den Buchstaben und der völligen Selbstverständlichkeit, dass nur ein junger Jude das eigentliche Wesen Jesus sei, kann er die geschichtlich geschehene Auferstehung in seiner Übersetzung der gnostischen Texte ebenso wenig sehen, wie Ihr Doktorvater in jüdischer Weisheit.) Was wirklich leiblich auferstanden ist, bleibt bei der das gesamte Denken und Forschen bestimmenden historischen Hochschulhypothese eine inhaltslose Lehre. Bei diesem Selbstverständnis, von dem alle theologischen Lehrer wie ihre Gegner wie selbstverständlich – inzwischen ohne weitere Hinterfragung -  als historisch gegeben ausgehen, muss auch Ostern eine aufgesetzte Sache bleiben. Eine Neu-Begründung des christlichen Glaubens in der konstruktiven Kreation des gesamten Kosmos, der Stoffe der Naturwissenschaftler ist, schließt sich dann ebenso aus, wie der Bezug zu altheidnischen sowie vorchristlichen Vorstellungen und Bräuchen.

 

In Kirchenzeitungen ist dann zu lesen, wie altheidnische Neujahrs- und Frühlingsfeiern, bei denen die wiedererstarkende Sonne verehrt wurde, allmählich durch das Christentum überformt (vereinnahmt) wurde. Die Licht-, Lebens- und Frühlingssymbolik wurde danach nur genutzt, um einen Wanderphilosophen zu feiern, wird gemutmaßt.  Auch die Radikalkritiker der Vorkriegszeit gingen nur davon aus, dass alte Eier gestohlen wurden. Sie stellten sich das Christentum z.B. als einfaches Abbild der alten Sonnenkulte vor, ohne die vernünftige Erneuerung des alten Monotheismus in Bezug auf die hellenistischen Göttergestalten wahrnehmen zu können. Und wieder wird deutlich: Erst indem wir die kosmische Begründung der alten Kulturen wiedererkennen, können wir auch neu grenzüberschreitend eine schöpferische Vernunft wahrnehmen.