Re-formation realisieren
Advent 2004
An eine „junge“ schöpferische Theologie:
-noch aktiv, offen, denkend, auf Altes aufbauend weiterlernen, wachsen wollend
-die durch Wissenszuwachs Glaubensgewissheit vermitteln will, statt Glaube gegen Vernunft
-nicht in Lehrsätzen erstarrt, nur das gelernte Weltbild als Besitz bewahrend
-über die Vergewisserung schöpferischer Be-stimmung für die Gesellschaft nachdenken will
-die Notwendigkeit des Glaubens für das Gelingen im Sinne der Genesis belegen möchte
-bereit ist, auf kreativ-schöpferische Weise neu nach dem Wort des Creators zu fragen
Sehr geehrter Herr Dr. Markus Sasse,
wie weitere junge Theologen,
vielen Dank für die Einsichten, die Sie mir in den beiden letzten biblischen Themenabenden des Pfälzischen Bibelvereines in Neustadt zu Lukas (m.E. Geschichtsschreiber des griechisch-jüdisch wiederverstandenen Schöpfungswortes auf dem Weg zwischen Galiläa und Jerusalem), ebenso wie zum Reformator Paulus als seinem Lehrer gegen haben. Wie Sie wissen, gehe ich im Gegensatz zur gesamten heutigen Lehre davon aus, dass es sich beim historischen Jesus nicht um einen besonders begabten Menschen, sondern um das präexistente Schöpfungswort und somit eine höhere Vernunft als lebendiges Wesen handelt, das nicht dogmatisch als biblisch gesetzt gilt, sondern in aller Genesis neu zu verstehen, letztlich naturwissenschaftlich nachzuweisen wäre. Es geht mir daher um keine persönliche Himmelskunde, mysteriöse Glaubensgeheimnisse, individuelle Spiritualität oder dogmatische Lehren. Vielmehr bin ich mir sicher, dass wir aufgrund des uns gegebene Wissens vom Schöpfer befähigt sind, auf aufgeklärte Weise nach dem eigentlichen, im geschichtlichen Jesus lebendig gewordenen Schöpferwort, einer das gesamte kosmische Geschehen bzw. alle Natur und Geschichte bestimmenden Vernunft zu fragen. Ich denke, es ist die Aufgabe einer jungen Theologe, durch eine Neuthematisierung der eigentlichen Wurzeln unseres christlich monotheistischen Glaubens den Weg frei zu machen, das Wort Gottes auch im gegenwärtigen Weltbild wieder wahrnehmen zu können. Und genau darin sehe ich in der Reform von Luther und Paulus gute Vorbilder.
Erst indem wir realisieren, welche Reformation des Monotheismus in Jesus vor 2000 Jahren stattgefunden hat, lässt sich auch heute eine für den christlichen Glauben notwendige Reform realisieren, die den Reformweg Paulus und Luthers fortsetzt, es den Menschen ermöglicht, die Gesetzestexte weiterhin nicht nur buchstäblich-mittelalterlich zu lesen oder als geheimnisvolles Mysterium zu bewahren, sondern mündig das Schöpferwort zu verstehen. Die in Reformation bzw. Protestation gegebene Glaubensfreiheit und das dadurch hervorgebrachte theologische wie naturwissenschaftliche Wissen befähigt uns heute einen Fortschritt im Wiederverständnis des Gotteswortes, der an das Wort anknüpfen muss, das an der Wurzel gehört wurde.
Um mein Anliegen verstehen zu können, bitte ich Sie erneut - wenn auch nur einen ganz kurzen Moment – die Vorstellung von einem Zweibeiner bzw. einem daneben gesetzten Miniaturgott als Christusmysterium zu verlassen, um auf den Gedanken einer heute wieder naturwissenschaftlich nachweisbaren schöpferischen Vernunft als in der Antike lebendigem Logos, dem hoheitlichen historischen Jesus einzugehen. Denn solange Sie sich nur immer wieder einem sterblichen Menschen Jesus als historisches Wesen vorstellen, wird es nicht gelingen, das Wort/den Logos Gottes bzw. hoheitlichen Christus mit dem angeblich historischen christlichen Wesen zusammenzudenken. Auch wenn Sie von einer antiken Reformation reden, werden Sie kaum realisieren können, was Grundlage damaliger Reform war. Solange Sie nicht bereit sind, sich eine Vernunft allen natürlichen Werdens auch nur als Möglichkeit vorzustellen, müssen Sie denken, dass auch ich mit meiner ständigen Rede vom lebendigen Wort einer spirituellen Besoffenheit aufgesessen bin. Obwohl meine Perspektive geradezu eine Antikdogmatik darstellt, weder von alten Kirchengesetzen, noch unhinterfragbaren Lehren ausgeht, sondern ich ständig danach verlange, die Logik der Lehren im lebendigen Logos allen Werdens bzw. als dessen vernünftige Umsetzung zu belegen, muss Ihr Doktorvater, dem ich mit meinem penetranten Insistieren auf das schöpferische Wort auf den Geist gehe denken, ich wäre einer Dogmatik verfallen.
Wie Luther es im Mittelalter ermögliche, die biblischen Texte selbst zu lesen, um von kirchlichen Irrlehren abzukommen, sollte es so den modernen Menschen möglich sein, aufgrund aufgeklärten Wissens selbst zu Hörern des in aller natürlichen Schöpfung gesprochenen Wortes zu werden. Dabei wären gleichzeitig die biblischen Glaubenslehre zu bestätigen bzw. anhand der biblischen Bedeutungsaussagen und einem allegorischen Verständnis der Geschichten und Gleichnisse die Bestätigung für ein waches gegenwärtiges Hören des lebendigen universalen Schöpferwortes herzuleiten. Dies wird so auch weiterhin nicht rein philosophisch-abstrakt, sondern bleibt in der bekannten Gestalt Jesus ansprechbar.
Auf einen hoheitlichen Christus, der neben den historischen Jesus gestellt wird und im Liedgut zu hören oder Bildern zu sehen wäre, wie er nach Ihrer Aussage beim nächsten Bibelabend thematisiert wird, will ich mich nicht vertrösten lassen. Auch wenn dort mit Sicherheit nicht nur erneut deutlich wird, um was es den Evangelisten wirklich ging, sondern warum es bei der antiken Revolution höchst vernünftig und notwendig war und weiterhin bleibt, dem abstrakten schöpferischen Wort eine abzubildende Gestalt zu geben, die Weltvernunft Gottes in der bekannten Literaturform umzusetzen und in Liedern zu besingen. (Im angesprochenen Themenabend ging es dann allerdings nicht um ein hoheitliches Himmelswesen der Lieder und Bilder, sondern machte Dr. Thomas Holtmann deutlich, dass auch der bisher als Geschichtszeuge des historischen Wesen benannte Matthäus nicht von einem Menschen, sondern laut dessen eigenen Zeugnisses vom Christus handelt. Erneut frage ich mich daher, von wem wir eigentlich reden, wenn wir weiterhin von Jesus wie von einem Wanderprediger erzählen?) Ich möchte in den folgenden Überlegungen erneut einige Beispiele dafür aufgreifen, warum ich es allen Ernstes für Ihren Job als Neutestamentler halte, durch eine vom präexistenten Schöpferwort ausgehenden allegorische Exegese auf den historischen und gleichzeitig hoheitlichen Jesus der Bilder und Lieder als den heute erst wieder in allem naturwissenschaftlich sichtbaren Werden, wie der öko-logischen Genesis lebendigen Logos hinzuweisen. Nur so ist die für einen heilen Geist der Gesellschaft notwendige Brücke vom heutigen Schöpfungswort zum historischen Jesus des Neuen Testamentes zu schlagen. Erst indem wir nicht nur über ein Gehirn des Universums, Vernunft aller Natur, Software der Evolution bzw. aller Selbstorganisation sinnieren, sondern hier das sinngebende und unseren Glauben begründende schöpferische Wesen hinterfragen, das nicht einfach mit Gott gleichgesetzt oder als ein abstraktes kosmisches Prinzip gesehen wird, können wir unserem Glauben den Grund zurückgeben, den er seit Abraham hatte und der vor 2000 Jahren wiederbegründet wurde. Entsprechend unserer Glaubenstradition ist so das Offenbarungs-Wort (irdische Ein-wohnung und ewige Präsenz des selbst unsichtbaren und unabbildbaren jedoch persönlich ansprechbaren Gottes) zu verstehen und keine abstrakte kosmischen Prinzipien oder philosophischen Lehren. Auf diese Weise können unsere Kinder den hoheitlichen und gleichzeitig historischen Jesus als lebendige Realität und echt offenbarende Geschichtsgestalt wahrnehmen, wird Jesus als Christus für moderne Augen im Sinne von Paulus für Traditionalisten wie Heiden universell glaub-würdig.
Was unser beider großes Vorbild in seinem neuen Jesusbuch beschreibt zwingt letztlich zu einer neuen Suche nach dessen wahren Wesen. Denn während die von Prof. Klaus Berger gebrandmarkte Scheuklappentheorie der rationalistischen Forscher Jesus immer weiter verkleinert, letztlich nicht nur Auferstehung, sondern all das als ungeschichtlich leugnet, was andererseits bisher als Bedeutungsinhalt gelehrt wurde, muss er bei heutiger Historien-Hypothese alles schützend zur Mystik machen. So entsteht das außerweltliche Mysterienwesen einer abgesonderten Sprache, das für die heutige Welt ebenso bedeutungslos ist, wie der von rationalistischer Forschung entkleidete rein menschliche Jesus. Beide Richtungen sind die logische Konsequenz der heutigen Hochschul-Hypothese vom historischen Jesus von Nazareth, die sich m.E. nicht nur als unhaltbar, sondern auch als unfruchtbar erweist. Beide theologische Pole sind der lebendige Beweis, dass wir eine neue Perspektive bei der Betrachtung der Jesusgeschichte einnehmen müssen. Erst so können wir – wie ständig von Klaus Berger gefordert - die hoheitlichen Bedeutungsinhalte, ebenso wie das menschliche Wesen zusammenzubringen. Nur von einer neuen Prämisse des präexistenten und gleichzeitig historische Jesus aus, der für die damaligen Denker weder nur ein Mensch, noch ein gesetzter, gefühlter oder blind geglaubter Gott gewesen sein kann, lässt sich verstehen, was geschichtlich den jüdisch-gesetzlichen, wie den heidnischen Glauben wiederbegründete. Erst indem wir vom Schöpfungswort als dem realen historischen Wesen und nicht von einem als Christus-Gott gesetzten Jungjuden ausgehen, können wir das Wissen, das uns durch Denker wie Prof. Berger oder seine historisch-kritischen Gegner gegeben wurde, zu einer Re-formation des alten Glaubens führen. Es ist daher der Ertrag und „Schluss“ der alten Jesusforschung, der zu einem neuen Anfang führt: Wo nicht nur vergeblich nach einem Wanderprediger gesucht wird, der angeblich vergöttert wurde, sondern nach dem lebendigen Schöpfungswort, das laut der Evangelisten damals in der Gestalt Jesus gewirkt hat.
„Alles über Jesus“ war in einer Vorstellung des neuen Buches zu lesen, bei der „der große alte Mann der Jesusforschung“ die Summe seiner lebenslangen Suche vorgelegt hätte und die so überraschend sei, dass dieses Buch zu einer heftigen Kontroverse in den Feuilletons führen würde. Doch auch wenn in theologischen Kreisen das Buch kritisiert wird, im kulturellen Bildungsteil der FAZ, in der Ihr Doktorvater regelmäßig bissige Buchkritiken abliefert, habe ich bisher vergeblich nach einer entsprechenden Würdigung gesucht. Ein weiterer Beweis, dass ein Jesus als Mysterium für unsere Gesellschaft völlig unbedeutend bleibt? Ein Jesus-Mysterium, auch wenn es auf die biblischen Texte gründet, hat für die westliche Welt weniger Gehalt, als jeder heute zum Mythos gemachte Religions- und Rebellenführer. Wenn dieser Tage in der FAZ lautstark über Kerners Fernsehtalkshow als Bankrott des aufgeklärten Geistes geklagt wurde, weil eine als „spirituell“ besonders begabt bezeichnete Seherin von Fernsehpfarrer Fliege angehimmelt mit Engeln sprach und so Verbindung zum Jenseits aufnahm, dann ist das genau der Weg, den eine Theologie vorzeichnet, die Glaube zum Mysterium macht oder sich auf persönliche „spirituelle“ Erfahrungen beschränkt. Auch Amerika und seine durch Sonntagspredigten wiedererweckten Christen lassen grüßen. Statt nach der Vernunft Gottes zu fragen, die schöpferisch-vernünftig umgesetzt wurde, machen wir den Glauben unglaubwürdig.
Eine Brücke zwischen dem unserem Glauben zugrunde liegenden Wesen und dem zu bilden, was in der FAZ unter „Natur und Wissenschaft“ über die schöpferische Ordnung des Kosmos, (ob vor 13 Millionen Jahren ein neues „missing link“ an der Wurzel unser Menschheit oder ob oder unter Geisteswissenschaft über den Zuwachs der menschlichen Erkenntnis, wie das geschichtliche Werden) nachgewiesen wird, ist daher heute undenkbar. Auch wenn der für seine Determinationsthese des menschlichen Geistes vielgescholtene Direktor des Max-Plank-Institutes Wolf Singer dem Herausgeber der FAZ dort das Wunderwerk im Kosmos unseres Kopfes erklärt, dabei die Architektur des menschlichen Lern- und Informationsprozess deutlich macht, ist dies bei heutiger Theologie-Hypothese mit dem Schöpfungswort bzw. dem Logos an der Wurzel unseres Glaubens unmöglich in Verbindung zu bringen. Gar in ganzheitlicher Betrachtungsweise vom vernünftig-natürlichen individuellen Lernprozess auf den Logos des kollektiven Weltgedächtnisses zu schließen, Synapsen mit dem herzustellen, wo die Denker vor 2000 Jahren das Wort Gottes verstanden und umsetzten, kann nicht vorkommen. Dies muss bei heutiger Hochschullehre, die zwar darüber nachdenkt, dass Johannes auf eine griechisch erkannte Weltvernunft gründet, jede Vernunft jedoch weit von sich weist und der es im Traum nicht einfallen würde, die Vernunft des Kosmos zum historisch-theologischen Thema zu machen, völliger Unsinn sein. Was moderne Geisteswissenschaftler als kollektives Gedächtnis und Naturwissenschaft als Information der Natur deutet und dabei einen wunder-bar herr-lichen „höchst“ vernünftigen Prozess nachzeichnen, kann in der heutigen Lehre vom Gotteswort nicht vorkommen. Auch wenn in der naturwissenschaftlichen Begrifflichkeit längst wieder über einen schöpferischen „Logos“ nachgedacht, über den „Informationsprozess“ aller natürlichen Formgebung gesprochen wird, kann das Wort Gottes oder gar Jesus Christus damit nicht in Verbindung gebracht werden. Daher schließt sich auch für Singer und seine intellektuellen Gesprächspartner, die ihn gar nach dem Schöpfergeist fragen, dessen Blue-Print das Gehirn des Universums sei, die Frage nach dem Gotteswort, das vor 2000 Jahren vernünftigerweise eine konkrete Gestalt hatte, völlig aus. Schließlich ist es auch nicht die Aufgabe der Naturwissenschaftler, mehr als den Logos des Kosmos nachzuweisen, gar den Menschen das schöpferische Wort zu vermitteln.
Es ist die festgefügte Läsion im Gehirnkasten der „alten“ Theologie die verhindert, dass neue dringend notwendige Verknüpfungen gebildet werden können, obwohl der Chef ständig Informationen/Wissenszuwachs gibt und die Attraktoren im Neuen Testament ausführlich beschrieben sind, sonntags ständig im Munde geführt werden. (Singer kann das Problem des Alterns, wo aufgehört wird neue Verbindungen herzustellen, die Synapsendichte bis zur Demenz nachlässt, im Labor sogar sichtbar machen.) Auch wenn die Theologie warnt, dass Jesus auf meine Weise zu einem Geisteskonstrukt würde, so ist es gerade die vormals notwendige, jedoch abgenutzte Sichtweise Jesus, die ihn zu einer Un-wirklichkeit werden lässt. Aufgrund der heutigen Historienhypothese kann seine Hoheitlichkeit und was über ihn als Heiland gesagt wurde, nur außerhalb der Vernunft bzw. Weltsprache zu verstehen sein. Der Gottessohn wird so zu einem frommen Geistes- bzw. Gesetzeskonstrukt. Warum das präexistente Schöpfungswort in der geschichtlichen Gestalt Jesus wirk-lich lebte und auch heute wieder als Gegenstand der Geschichte wie Wirk-geist der gesamten Genesis wach denkend wahrzunehmen wäre, nicht nur ein spirituell deutbares Gespenst oder literarisches Sonntagspredigtvergnügen ist, kann für heutige Lehre kein Thema sein. Eine junge Theologie scheint notwendig, die wie Singer sagt, das Alte nicht vergisst, neue Informationen nicht nur einfach aufnimmt, sondern in sinnvoller Synthese weiterverarbeitet, so erst das eigentlich Neue entstehen lässt. Was die heutige Theologie-Hypothese als „Jesus“ hervorbringt, ist scheinbar noch nicht mal eine Erwähnung im literarischen Unterhaltungsteil wert, geschweige denn eine geistes- oder gar naturwissenschaftliche Auseinandersetzung. Hätte ein weiterer Abriss stattgefunden bzw. Berger an den Wunder Jesus gezweifelt oder die leibliche Auferstehung abgestritten, wäre dies sicher lautstark in allen Bildungsblättern verkündet worden. Eine „junge Theologie“, die nichts mit dem Lebensalter der jeweiligen Theologen zu tun hat, scheint dringend notwendig. Dabei wäre nicht Jesus wissenschaftlich zu vernebeln. Erst durch ein exegetisches Neuverständnis des Schriftwortes vom historischen und hoheitlichen Jesus in Bezug auf eine wiedererfahrbare Weltvernunft kann Jesus wieder eine konkrete Gestalt geben werden, kann er das sein, was geschrieben steht und von was nicht nur die Kirchenväter, sondern noch unsere leiblichen Großväter ausgingen: Sinngebung und Wegweisung der gesamten Welt.
1.3. Die Wirk-lichkeit Jesus im Wissen um das Wirken des lebendigen Wortes beweisen!
Der Sprengstoff sei, so war in der kurzen Buchvorstellung einer Bad Dürkheimer Anzeigenzeitung zu lesen, dass bis heute unklar sei, welche Jesusworte wirklich von Jesus seien und welche nachträgliche Erfindung der Jünger. Das würde Ideologen Tür und Tor öffnen. Das neue Werk Bergers würde dazu herausfordern, sich mit der Urgestalt des Christentums ganz neu zu beschäftigen. Und genau das ist es, was ich ständig von Ihnen als Bergers Musterschüler erwarte. Durch ihr Fachwissen hätten sie die Gabe, alle neutestamentlichen Aussagen als echt vom Schöpfungswort in menschlicher Gestalt ausgehend oder durch dieses bewirkt zu belegen. Statt Inhalte als unhistorisch oder angeblich nur aufgesetzt abzubauen oder zu mystifizieren, wäre eine vom Schöpfungswort ausgehende Realität zu realisieren.
Auch wenn in Bezug auf Klaus Bergers neues Buch „Alles über Jesus“ angekündigt wurde, so bin ich sicher: Über Jesus ist noch längst nicht alles gesagt. Vom damals lebendigen Schöpfungswort ausgehend wären die biblischen Bedeutungsinhalte, wie die Geistesgeschichte zu beleuchten. Hierzu ist ein Wissen notwendig, wie es nur bei Ihnen vorhanden ist. Der bisherige Schluss bezieht sich nur auf die heutige Hypothese von einem einfachen Menschen als dem historischen Wesen, der dann egal wie hoch man seine Hoheitlichkeit hängt, völlig verkürzt wird. Das schöpferische Wort, die Weisheit, der im Werden der Welt naturwissenschaftlich nachzuweisende Logos als echte und damals bewusste ewige Selbstmitteilung, weltlich wahrnehmbare Präsenz Gottes, kann kaum ein Thema sein. Der Gottes- und Menschensohn, um dessen wahres Wesen es nicht nur den die Tora ins griechische übersetzenden und sie allegorisch neu verstehenden jüdischen Apologeten in der Bildungsmetropole Alexandrien, ebenso wie den Reformjuden in Qumran, den christlichen Apologeten und allen Kirchenvätern ging, kommt bei heutiger Betrachtung kaum vor. Statt auf mysteriöse Weise über einen Christusgott zu reden, wäre auf text- und geschichtswissenschaftlicher Basis das Schöpfungswort zu hinterfragen. Statt nur eigene Meinungen in biblische Texte und Jesus hineinzuinterpretieren, ist auf wissenschaftlicher Basis das Schöpferwort theologisch zu thematisieren und so für die Welt neu hörbar zu machen. Selbst Prof. Berger, der dies ständig lautstark kritisiert, interpretiert in seinem Buch m.E. viel Ideologisch-Menschliches in Jesus hinein. Auch wenn er sich auf die hoheitliche Wahrheit der biblischen Texte bezieht, würden viele seiner Kollegen aufgrund eines biblischen Mysteriums von Jesus zu ganz anderen Schlüssen kommen – letztlich ihre Meinung lesen. Er ist daher auch hier ein lebendiges Beispiel für die von ihm selbst analysierte Kern- bzw. Herzkrankheit christlicher Theologie.
-Wenn die christliche Religion nicht mehr die gemeinsame Umsetzung verstandener höher Be-stimmung, sondern nur noch Mittel zum menschlichen Zweck ist, ob manipulierend missbraucht oder nur vor den Karren von Traditionalisten, gesellschaftlicher Gruppen und ideologischer Ziele gespannt, dann haben wir scheinbar das Gehör für die schöpferische Stimme verloren.
-Wenn Glaube zum Kriegstreiber wird, statt die Menschen zur gemeinsamen Kreativität und schöpferischen Leistung im Sinne des echt allen gemeinsamen Creators zu führen, dann wird nur noch auf Menschen und deren sich auf Gott berufenden Gesetzlichkeitsinterpretation gehört, nicht auf das Wort des Creators.
-Wenn nicht nur Atheisten, sondern fast die gesamte intellektuelle Welt in der christlichen Religion keinerlei gesellschaftsbegründende Problemlösung mehr sieht, sondern im Gegenteil diese für einen eigentlich durch die Aufklärung überholten Aberglaube hält, den man in seiner grenzenlosen Allgültigkeistoleranz inzwischen akzeptiert hat wie einen zahmen Tiger, dann stimmt etwas an unserem theologischen Verstand nicht mehr.
-Wenn statt der in der Antike im Wissen der Welt wahrnehmbaren schöpferischen Wort als selbstverständlich voraus- und umgesetzten höheren Bestimmung heute der Glaube meist nur noch als Humbug verstanden wird, tröstend blinde Hoffnung, die angeblich nur noch zum persönlichen Seelenfrieden, Placebo für geistig Zurückgebliebene oder Gestrige taugt, als Erklärungsgrund für das Unerklärliche verstanden wird - wie sich das derzeitige Denken heute in FAZ spiegelt oder im Stern steht, der so ähnlich eine Reihe über die Weltreligionen beginnt - dann ist eine junge Theologie gefragt, weiterzudenken und nach dem am Ursprung verstandenen universalen Wort zu fragen.
Es ist einfach unhaltbar geworden, nur einen historischen Menschen, ein Mysterium oder einen in Jesus als Christus gesetzten Junggott verkünden, darauf den Glauben der heutigen Welt gründen und daraus ethische Wegweisung oder Sinngebung herleiten zu wollen. Wie Sie als Neutestamentler besser wissen als ich, wäre das für den von Ihnen dargestellten Reformer des jüdischen Glaubens, wie für alle – nicht zuletzt durch immer neue Textfunde nachgewiesenen - Erneuerungsbewegungen des Judentums völlig undenkbar gewesen. Was soll all unser Zuwachs an Wissen durch ein weiterführendes Text- und Historienverständnis, auch aufgrund archäologischer Funde, wenn wir das Wissen nicht konsequent weiterverarbeiten? Wir können z.B. nicht angesichts unseres in zahllosen Büchern und biblisch-geschichtlichen Bildungsseminaren breitgetretenen Wissens um die Ablehnung von Gottesabbildungen bei Juden, ebenso wie der Verneinung heidnischer Vergötterungen von Menschen und deren Idolen weiterhin so tun, wie wenn die in Paulus realisierte Reform des Judentums genau das hervorgebracht hätte.
Wenn stimmt wovon ich ausgehe und durch eine Reform unserer christlichen Begrifflichkeit nachweisen will (dass die aller Evolution bzw. allem natürlich-geschichtlichen Werden zugrunde liegende und mit modernen Augen für Jedermann sichtbare Vernunft als schöpferisches Wort und eigentliche Gottessohn der wesen-tliche Grund des griechisch-jüdischen und damit christlichen Glaubens war), dann ist die ewige Reform im Sinne dessen, der uns dazu die schöpferisch-kreativen Gaben gibt. Eine Reform ist dann die Umsetzung des Schöpfungswortes.
Denker, die dem ursprünglichen Wort neue Form gaben
Bei Ihrem Vergleich der Reformer bzw. der Darstellung der Verbindungslinien zwischen den beiden Glaubenserneuerern ist mir wieder deutlich geworden, was Revolution von Reformation unterscheidet, auch heutige Problemlösung sein sollte und somit im Sinne von Paulus wie Luther wäre. Beide Reformer betrieben keine Revolution, die das Bisherige ausradieren und sich selbst, Mehrheitsmeinungen oder Modernismen in den Mittelpunkt stellen sollte. Nicht irgendwelche Eingebung oder Erkenntnisse persönlicher Spiritualität wurden zum Maßstab einer Erneuerung gemacht. Vielmehr ging es bei Paulus wie bei Luther darum, der ursprünglichen Geistesgrundlage zu neuem Leben zu verhelfen, sie neu verstehend zum Maßstab des Glaubens zu machen und so vorherrschende Glaubensmeinungen und –lehren von Missständen zu befreien. Allein schon die Tatsache, dass Sie als wissenschaftlich arbeitender Neutestamentler in Paulus nicht nur einen durch eine Halluzination gewandelten Anhänger eines angeblich wiedererwachten Heilspredigers, sondern einen „Reformatoren“ sehen: einen antiken Denker, der sich auf theologische Weise um die planmäßige Neugestaltung des jüdischen Gesetzesglaubens durch den Rückgriff auf dessen Ursprünge in seinem Wesen bemühte, müsste konsequenterweise dazu führen, dass Sie bereit wären, auf neue Weise über die Buchstaben hinaus nach dem schöpferischen Wort zu fragen, das hinter der Gestalt des historischen und gleichzeitig hoheitlichen Jesus steht. Wer einen Reformer des Gesetzes benennt, muss nach dem Wesen der Reform fragen, darf nicht nur von einem gesetzten Christusgott schwärmen oder seinen Schülern von einem um den See Genezareth ziehenden charismatischen Guru erzählen.
Bei aller hochtheologischen Auseinandersetzung mit den beiden Reformern, nach der sich die Fragen dann meist an Rechtfertigungs- oder der Beichtlehre Luthers festbeißen, sehe ich die Gefahr, dass eine ganz wesentliche Parallele zwischen den beiden Reformatoren unbeachtet bleibt. Paulus wie Luther erkannten, dass die Glaubenstradition ihrer Zeit nicht mehr tragfähig war. Sie suchten das Gotteswort, das der Tradition zugrunde liegt, wieder neu zur eigentlichen Grundlage zu machen, um den Glaube von Unsinn zu reinigen. Und ich denke, dass sich auch heute erst in Bezug auf dieses ursprüngliche, der eigenen Tradition zugrunde liegende Schöpferwort nicht nur die Fragen beantworten lassen, die wir an Paulus wie Luther stellen, sondern der Rückgriff auf das Schöpfungswort mehr als not-wendig ist, um die Probleme unseres christlichen Glaubens und damit unserer Gesellschaft zu lösen. Allein „Glaube“ an einen vorgesetzten Jesus zu verlangen, was dann heute wie eine Art Glaubenswerk praktiziert wird, kann nicht im Sinne dessen sein, der die jüdische Werksgerechtigkeit bzw. den Glauben aufgrund den Gesetzes reformierte. Ich bin daher sicher, dass die Wahrnehmung des lebendigen Wortes heute im Sinne derer wäre, denen wir den erneuerten jüdischen Glauben verdanken und die ihn reformatorisch weitertrugen.
Auch wenn Luther das Kirchenrechtsbuch verbrannte, hat er die Mönchskutte weitergetragen, wollte ebenso wie Paulus das jüdische Gesetz, die christlich-katholische Tradition bewahren. Doch das eigentliche Wort, der hoheitliche Wert und himmlische Wegweiser scheinen weder für Luther die Kirchentradition, noch für Paulus das Gesetz gewesen zu sein. Zwar folge ich Ihnen, wenn Sie entgegen der in der Aufklärung aufgekommenen Sichtweise in Paulus nicht mehr „Das Ende des Gesetzes“ sehen, schon gar nicht die Ablehnung der im alten Gesetz aufgestellten Verhaltensregeln. Doch die Grundlage des neuen jüdisch-griechischen Glaubens ging über das Gesetz hinaus, war keine „Gesetzlichkeit“ mehr. Nach allem, was Sie und Ihre Kollegen mir über die hellenistische Zeit und die davon ausgehende Problematik des jüdischen Glaubens beibringen, galt es damals den für Juden und Griechen gleichermaßen geltenden Logos Gottes, der jüdischem Gesetz, wie hellenistischem Pantheon und griechischer Philosophie zugrunde lag, zu neuem Leben zu erwecken, ihn als wegweisendes Wort und eigentlichen Offenbarer wahrzunehmen. Ein Reformator greift auf das ursprüngliche Wesen bzw. Wort Gottes zurück, folgt weder persönlichen Eingebungen, noch versucht er das in vorherrschender Meinung Vorhandene zurechtzubiegen. Die Re-form ist weder reine Bewahrung, noch eine Revolution, die das Alte zerstört und sich an seine Stelle setzt, sondern eine Evolution, die sinnvoll weiterentwickelt und dabei auf den Wesenskern des Alten zurückgreift.
Wenn wir uns auf den hoheitlichen Christus, den von Paulus bei seiner Judengriechenverfolgung erkannten Auferstandenen Jesus berufen, mit dem dieser dem alten jüdischen Glauben neuen Grund geben und ihn den Griechen zugänglich machen wollte, dann können wir uns nicht allein auf die vorgesetzten Traditionstexte beschränken. Denn damit würden wir ihm den gleichen Zirkelschluss unterstellen, dem nach Ihrer Sichtweise Luther aufgesessen ist, wenn er sich nicht nur auf die Bibel beschränken wollte, sondern was „Christum treibet“, diesen jedoch nur aus biblischen Berichten ableitete. Nur indem wir uns bei der Beurteilung der schöpferischen Wortes nicht allein auf die Bibel berufen, sondern nach dem alles Werden bestimmenden Wort fragen, können wir den Zirkelschluss vermeiden, der sich immer nur auf noch ältere literarische Vorlagen beruft. Wenn wir das, was Jesus Christus lehre nur aus dem Gesetz ablesen und auslegen, fallen wir m.E. hinter Paulus zurück, machen das Neue Testament, die aus der antiken Reform geborene frohe Botschaft des gestaltgewordenen lebendigen Gottesgesetzes zu einer toten Gesetzlichkeit.
2.2. Paulus: Personifikation jüdischer Reformation, neues Paradigma sehen!
Wie Sie wissen, sehe ich – auch wenn ich ihn hier mit Luther vergleiche und weiterhin wie von einer individuellen menschlichen Person rede - in Paulus weit mehr als einen einzelnen Verfasser von Bekehrungsbriefen, um einzelne heidnische Gemeinden aufzumuntern, die vorher zu einem hellenistisch zurechtgebogenen Judentum überredet wurden. Vielmehr vermute ich hinter der Bezeichnung Paulus den Autor - oder wahrscheinlich verschiedene, in Briefform auf unterschiedliche Geistesströmungen hochtheologisch antwortende Autoren - eines neuen monotheistischen Paradigmas. Gerade wer sich wie Sie mit Paulus beschäftigt, z.B. die hohe Theologie des Römerbriefes interpretiert, der kann doch nicht nur einen durch irgendwelche Halluzinationserlebnisse vom Judengriechenverfolger zum Christusanhänger gewandelten Missionsreisenden vermuten, der Belehrungsbriefchen schreibt, die dann durch die Kirche zum Dogma erhoben wurden. Vielmehr leite ich die Autorität des Paulus von einem judengriechischen Gottesverständnis ab, das den in Jesus lebendig gewordenen neu verstandenen Logos Gottes als Glaubensgrund hatte. Alles, was uns der gottesfürchtige Grieche Lukas als Schüler des neuen monotheistischen Paradigmas über Paulus sagt, lässt sich aus einer neuen Perspektive als Geschichtsgeschehen nachvollziehen. Ein Paulus, der wirklich in Tarsus, an der Schnittstelle zwischen Orient und Okzident geboren ist, pharisäischen Ursprung hatte, vorher die Christen verfolgte, jetzt wirklich vom lebendigen Wort geleitet wurde und genau darum wahrer Jude sein wollte und war. Was mir Radikalkritiker beibringen wollen, die entsprechend der heutigen Hypothese die gesamte Paulusliteratur für eine Fälschung halten, Paulus u.A. auf gnostisches Gedankengut zurückführen, werte ich als Belege dafür, dass Paulus wirklich gelebt hat, kein Geisteskonstrukt und kein jüdischer Heidenpopulist, sondern der große theologische Reformator des Judentums war. Ein Reformer, der allerdings auch die heute erst wieder neu gelesenen und ernst genommenen christlich-gnostischen Erneuerungsbewegungen oder philosophischen Strömungen davor bewahrte, in der weltabgewandten vergeisterten Versenkung zu verschwinden.
Aus meiner Perspektive nehme ich das Umkehrerlebnis des Paulus als eine historische Tatsache ernst, sehe hier nicht nur eine literarische Anleihe in den von Ihnen erwähnten religiösen Romanen und Bekehrungserlebnissen, wo von ähnlichen Berufungen berichtet wird. Ich gehe davon aus, dass der die Judengriechen verfolgende Saulus kurz vor Damaskus wirklich das Wort Gottes wiederverstanden hat, auch wenn ich dabei nicht den wundersamen Sinneswandel eines angeblich vom Pferd gefallenen Sektenverfolgers sehe, sondern in der Person des Paulus die Rolle der vom lebendigen Gotteswort ausgehenden jüdischen Reformtheologie verstehen will. Wenn sich Paulus wie Luther am prophetischen Ideal orientieren, dann war das mit Sicherheit nicht nur ein Nacheifern religiöser Vorbilder. Vielmehr waren beide Warner, die zur Umkehr zum eigentlichen Gotteswort aufforderten, was ihre Mission war. Auch die „Naherwartung“, die Sie bei den Reformern nachwiesen, lässt m.E. nicht darauf schließen, dass beide nicht das Ende der Welt erwarteten. Zumindest bei Paulus gehe ich davon aus, dass er keine kosmische Katastrophe, sondern ein nahes neues unmittelbares Verständnis des Gotteswortes erwartete, das ein Ende des damals vorherrschenden verbrauchten Welt- und Gottesbildes bedeute.
Auch wenn Luther Paulus von der Rechtfertigung her liest und der Text nach Ihrer Definition nicht wirklich die Rechtfertigungslehre rechtfertigt, so denke ich, dass sich diese in der Glaubenslogik der beiden Reformatoren nachvollziehen lässt. So wie für Luther die Kirchentradition an sich keinen höheren Autoritätswert darstelle, der automatisch Sünden vergeben konnte, so stellte auch für Paulus das Gesetz selbst keine Gottesautorität dar, konnte ein Gesetzesgehorsam allein nicht zum Gottesgehorsam bzw. zur Gerechtigkeit führen. Die Unmittelbarkeit vor Gott wurde angestrebt, bei Paulus wie Luther. Erst durch die Wahrnehmung des eigentlichen Gotteswortes wird der Mensch gerecht, richtet sich nach dem Wille Gottes und tut gute Werke. Dies lässt sich nicht in Buchstaben begründen, sondern ist Logik eines lebendigen Glaubens, lässt sich in der Geistesgeschichte bis heute nachvollziehen. Wenn stimmt, was im Römerbrief, der als das wesentliche Theologievermächtnis Paulus gilt, geschrieben steht, dann wird es höchste Zeit, dass wir in dessen Sinne nach dem schöpferischen Wort fragen, das nun „ohne Zutun des Gesetzes“ zum Glauben führte, jedoch das Gesetz als Zeugen braucht. Auch wenn das Wort, auf das Paulus den christlichen Glauben gründete, nach dessen Sicht durch Propheten wie Gesetz bezeugt war, so war es wie Sie wissen nicht der alte Text/die Traditionsmythen/das Vorgesetzte, das zum Glauben befähigte und zur Gerechtigkeit führte, sondern das in Jesus lebendige Wort, durch das Erlösung gegeben war.
Weder ein Mensch, noch ein hoheitliches Wesen, das nur ein dem Gesetz oder persönlicher Eingebungen entsprungener Miniatur- bzw. Ersatzgott ist, wie Christus heute weitgehend gesehen wird, kann zur Reform des jüdischen Monotheismus geführt haben. Der Gegenstand des neuen Glaubens, durch den die Rechtfertigung gegeben war und ist, muss als das Schöpfungswort in Person wahrgenommen werden. Eine Vernunft, die nicht nur in der Glaubensvorstellung der Zweibeiner, sondern in allem Werden immer wieder SEINE Ordnung herstellt, auf ganz natürliche Weise zur Richtigstellung führt, hat auch zur Vergebung menschlicher Sünden geführt, den Abfall vom Schöpfergott überwunden. Nach allem was wir heute wissen, kann dies nur durch den Schöpfungslogos geschehen sein, der damals jüdisch-griechisch wiederverstanden wurde, ein für die antiken Denker lebendiges Wesen war. Nicht das Gesetz der Menschenwerke oder das von Menschen gesetzte Wort, sondern der Glaube – die bewusste Wahrnehmung des lebendigen Schöpfungswerkes/-wortes - führte danach laut Paulus zur Gerechtigkeit. Und nichts anderes als dieses Wort wäre heute durch das bezeugende Wissen um die alten Gesetze durch die moderne Theologie wieder zu vermitteln oder sollte zumindest thematisiert werden.
Heute liegt es auf der Hand, dass die Gesetze allein die Welt nicht bewegen können, dem Geist der Gesetzgeber oft entgegengestellt werden. Wir können so den Hintergrund der Rechtfertigungslehre bzw. dem Verlangen nach Wahrnehmung des lebendigen Gotteswort über das Gesetzt hinaus auf ganz neue Weise nachvollziehen. Längst haben wir gelernt, dass dort wo der Geist fehlt, sich auch weltlich-politische Gesetzte ins Gegenteil verwandeln, allenfalls zur Schöpfung verhindernden Bürokratie führt. (Die Theologie eingeschlossen.) Gleichzeitig wissen wir auch, wie leider die Glaubensgesetze heute weder zum Glauben, noch einer vernünftigen Lebensweise führen. Und wer die täglichen Diskussionen um die biblische Interpretation selbst in ganz grundlegenden Dingen wie der menschlichen Lebenspartnerschaft verfolgt, der sieht, wie schwer sich auch die mit dem Gesetz tun, die auf Traditionstexte noch ihren Glauben gründen.
Während Luther im Mittelalter nur danach streben kann, das Schriftwort zur neuen Autorität wiederzuerwecken, muss es zur Zeitenwende das Schöpferwort selbst gewesen sein, durch das nicht nur der hellenistisch-pantheistische Vielgötterglaube entrümpelt, sondern auch der jüdische Monotheismus erneuert werden sollte. Paulus darauf zu beschränken, den Griechen den jüdischen Glauben annehmbar machen bzw. propagandistisch vermitteln zu wollen und sich daher populistisch ihrer Philosophie und Begrifflichkeit zu bedienen, wie dies oft geschieht, scheint mir bei Weitem zu wenig. Wer Paulus einfach ins Judentum heimholt, wie die moderne Theologie, der dreht die Reformation zurück, wird gleichzeitig der Bedeutung des jüdischen Glaubens nicht gerecht. Wenn ich die in der Bibel nicht nur bei den Propheten geschilderten Probleme des jüdischen Monotheismus ernst nehme, muss es damals auch um eine reale Reinigung des jüdischen Gottesverständnis gegangen sein, das sich nicht nur auf die Verwerfung einzelner Riten beschränkte. Auch der schrankenlose, universale Glaube, den Paulus predigte, macht m.E. deutlich, dass nicht mehr nur ein einzelnes Volksgesetz den neuen Monotheismus begründete, sondern ein wahrhaft universales Welt- und Gottesverständnis, das den alten Glauben bzw. das Gesetzt der jüdischen Tradition nicht ablehnte, sondern darauf aufbauend auch den Griechen das ursprünglich nur an die Juden gerichtete Wort vermittelbar machen sollte. Wenn nicht einfach ein Gott, der aufgrund des alten Gesetzes bekannt war oder ein mysteriöses Glaubensgeheimnis Mensch wurde, sondern das vom altbekannten Gott ausgehende ursprüngliche Wort in der antiken Reformation wiederverstanden wurde, Gott und seinen Willen erst wieder kenntlich machte, dann können wir uns als Christen nicht auf Buchstaben beschränken.
Das Umkehrerlebnis des Juden Saulus, bei dem auf die kurze Blindheit das große Licht folgte, lässt sich nachvollziehen, wenn wir uns nicht nur einen Verfolger einer Reformsekte und nach einem Geistesblitz – gar von Halluzinationen wird heute gesprochen - von einem hoheitlichen Jesus schwärmenden Missionsprediger vor Augen führen, sondern von einem wahrhaften theologischen Wandel, einer (schöpferisch) regel-rechten Reform in der jüdisch geborenen und bleibenden Wahrnehmung des Gotteswortes ausgehen.
Paulus wie Luther blieben bei denen, denen sie helfen wollten unverstanden. Wer wie die katholische Kirche ganz selbstverständlich seine eigene Tradition für das Eigentliche und Hoheitliche hält, der kann Luthers Lehren aufgrund des Textes ebenso wenig begreifen, wie Protestanten umgekehrt die katholische Kirchendogmatik. Und wer wie die Juden allein vom eigenen Gesetzbuch als dem allein maßgebendenden Gotteswort ausgeht, Jesus nicht wahrhaben will oder nur für einen evtl. besonders begabten Reformprediger oder gesetzten Christusgott hält, der bleibt taub für das Wort. (Auch wenn er täglich „hört, hört“ ruft oder einen vorgesetzten Christus hochleben lässt, sich auf Jesus beruft.)
Luther, der den Blick der Christenheit wieder auf den Text richtete, um die kirchliche Traditionslehre zu reinigen, ist kein Rückschritt in die alte Buchstäblichkeit. Vielmehr scheint er ein im Mittelalter schöpferisch notwendiger Schritt, ohne den sich damals nicht nur selbstherrlicher Unsinn breit gemacht, sondern heute ein biblisch begründetes Verständnis des in allem Kosmos bzw. unserem Wissen um das vernünftige Werden der Welt wahrnehmbares Wort unmöglich wäre. Ich bin sicher, dass es im Sinne der Reformer ist, keine eigene Glaubens- oder Kirchensprache zu erfinden, sondern in dem, was wir als Software oder bisher als wunderbare Selbstorganisation allen Werdens erachten, das beschriebene und alterfahrene Wort des Schöpfers unmittelbar zu verstehen. Der Gebrauch des vorgegebenen Gesetzes ist dazu unerlässlich, weil wir nur auf dieser Grundlage verstehen können. Theologen sind notwendig, die die selbst ermittelten Bedeutungsinhalte ernst nehmen und mit Hilfe des uns in schöpferischer Gnade gegebenen Wissens weiterentwickelnde Schlüsse ziehen, so auf das Schöpferische Wort verweisen, das über die Kirchenautorität hinaus einen echten Autor hat. Sowenig wir wüssten, dass das bunte Gewächs in unserem Garten eine Blume ist, wenn wir das Vorwissen nicht bewahrt hätten und uns alter Begrifflichkeit bedienen könnten, würden wir das im Wissen der Welt gewachsene Bewusstsein um das vernünftige Werden ohne die Bibel und ihre inhaltliche Deutung als Wort Gottes verstehen.
Wie wir wissen, hat es vor und nach der Zeitenwende nicht nur erneuernde monotheistische Denkweisen gegeben, die es wie Paulus auf keinen Fall zum Bruch kommen lassen wollten. Wenn uns Paulus ein universelles Judentum ermöglichte, das auf Jesus gründet und jüdisch bleibt, dann müssen wir in der Tradition des Paulus erneut nach dem Wort fragen, das dem Alten wie dem Neuen Testament zugrunde liegt, aus den Propheten spricht, den Psalmen zugrunde liegt oder die Apokalyptik be-stimmt. Es genügt nicht allein nach einer Sprache der Natur wollen hören zu, wie dies im Rahmen aufklärerischer Philosophie vielfach geschah, allenfalls zu modernem Pantheis- oder Monismus und selbst in der Prozesstheologie nur zu Wissenschaftskonstrukten führt.
Allein die Ablehnung von kirchlicher Autorität, Traditionsglaube, Werksgerechtigkeit oder modernen Glaubensmechanismen, macht uns das Wort Gottes noch nicht verständlich. Auch der Ruf nach Glaube allein, statt oder um der Werke Willen bringt uns nicht weiter. Denn den Reformatoren ging es um die Anknüpfung an das unmittelbare Wort Gottes, das Wesen des alten Glauben war. Nicht irgendetwas gilt es zu glauben, das den Glauben nicht mehr tragen kann und nicht etwas völlig Neues. Die in Jesus gegebene Unmittelbarkeit bzw. Präsenz Gottes, wie sie von Paulus wahrgenommen wurde, muss mehr gewesen sein, als ein Mysterium aufgrund alter Texte, die später auf einen charismatischen Reformjuden übertragen wurden oder die eine neue private Gotteseingebung. Was den Glaube an Gott erst wieder ermöglichte, zur Gerechtigkeit führte, kann nicht einfach ein aufgrund alter Gesetze geglaubter Christusgott gewesen sein oder ein neues Geistgebilde. Heute wie bei Paulus und Luther gilt es theologisch zu begründen um sich nicht auf innere Stimmen oder Mysterien zu berufen und im Stile von Sonntagspredigten Umkehr verlangen zu müssen. Hierzu sind Theologen gefragt, die wie damals die alten Texte mit neuen Augen lesen, fragen welches Wort dem Text zugrunde liegt, ohne die Textbasis zu verlassen. Den allzu flachen und falschen Vorstellungen gilt es den schöpfungsfeindlichen Teufel austreiben, sie vom Schöfpungswort ausgehend auf den eigentlichen Sinn zurückführen, zu reformieren.
Wenn Texte Ausdruck von Erfahrung sind, dann ist nicht nur nach literarisch vergleichbaren Stellen zu forschen, die evtl. abgeschrieben wurden, sondern wäre es doch sicherlich im Sinne der Texte, nach dem Gegenstand zu fragen, der ursprünglich erfahren wurde. Was spricht dagegen, das ursprüngliche Wort wieder verständlich zu machen? Der Gegenstand, den zu erforschen gilt fehlt nicht, wenn wir von dem ausgehen, worin die Judengriechen laut der Texte die Erfüllung und Erneuerung sahen. Der Ausgangspunkt des Paulus kann weder ein Wanderguru, noch allein ein gesetzliches Gottesbild gewesen sein, sondern das hoheitliche Wesen, als das die schöpferische Weisheit in menschlicher Gestalt gesehen und beschrieben wurde. M.E. wäre es die Aufgabe von Schriftlehrern, die biblisch bebilderten Bedeutungsinhalte des himmlischen Wesen, das in menschlicher Gestalt hier auf Erden wirkte nicht einfach mit Gott gleichzusetzen, sondern als dessen Sohn gesehen und beschrieben wurde, ernst zu nehmen. Nicht persönliche Himmelswesen, sondern der historische Heiland, das präexistente, in aller natürlichen Schöpfungsordnung gesprochene unmittelbare Wort ist aufgrund der alten Texte neu zur Sprache zu bringen.
Wer aufgrund seines geschichtlich-theologischen Wissens in Paulus einen Reformatoren sieht, der theologisch auf das eigentliche Wort zurückgriff, das an die Juden ergangen war, der kann m.E. nicht weiterhin den christlichen Glauben, das neutestamentliche Wort nur in gesetzten Buchstaben des Kanons nachlesen, sondern muss auf wissenschaftliche Weise nach dem Schöpferwort im gesamten kosmischen Geschehen fragen, der in der Antike wahrgenommenen Weisheit, die in Jesus Mensch wurde. Schriftlehrer sind hierzu nicht überfordert, sondern aufgrund ihres Wissens erst dazu befähigt.
Mir liegt es fern, Ihnen einen charismatischen oder sonst begabten Juden als historischen Jesus ausreden zu wollen. Doch Solange Sie bei Ihrer Deutung der Geschichte Israels nur danach fragen, in welchem kulturellen Kontext sich ein junger Religionsrebell bewegte und eine sog. Jesusbewegung in Gang setzte, werden sie kaum nach dem Wort fragen können, das für Juden wie Griechen den monotheistischen Glauben neu gangbar machte. Wer im historischen Jesus einfach einen Menschen sieht, muss davon ausgehen, dass die kollektive Glaubenserfahrung der Zeit einfach auf diesen übertragen, er zum Mythos erhoben, von Menschen zum Messias gemacht wurde. Sie selbst, von dem ich mit jeder neuen theologischen Text- oder Geschichtsdeutung nichts anderes höre, als das hoheitliche Wesen bzw. Wort, das in den Augen der Verfasser wirkte, in der damaligen Welt präsent war, ebenso wie ihr Doktorvater, sind dafür leuchtende Beispiele. Auch wenn sie in all ihrer Wissenschaft das schöpferische Wort als das eigentliche Geschichtswesen beschreiben, verbaut das Bild des jungen Juden den Blick. Noch mehr als den Schriftlehrern wird durch das von den Neutestamentlern hinterlassene Historienbild bzw. heutige Selbstverständnis den theologisch interessierten Naturwissenschaftlern die heute mögliche Brücke verbaut.
-Ich gehe nicht davon aus, dass Sie etwas verbergen wollen, wie Sie oft annehmen. Doch ich bin sicher, dass die Hypothese der heutigen Hochschullehre vom angeblich historischen Geschehen den Blick für den damaligen Neuverstand des Schöpfungswortes verbaut, sich so ein Nachdenken verbietet.
-Wie Sie wissen, kann ich die Ausrede, dass wir heute nicht wüssten, was in der Antike gedacht und verstanden wurde, nicht gelten lassen. Nicht nur, dass wir Dank all Ihrer exegetisch-theologischen, wie archäologischen Arbeit heute viel mehr über den großartigen Reformgeist der Zeitenwende wissen. Mit jeder Ihrer heutigen Aussage oder biblischen Auslegung wird ein bestimmtes Bild vorausgesetzt. Doch das, was heutige Hochschullehre als historisches Ereignis und Wesen des christlichen Glaubens voraussetzt, ist unserem Wissen um das Geschichtsgeschehen, wie den großartigen antiken Geist nicht würdig.
Reichte ein Glaubensmysterium oder ein charismatischer Mensch aus, um die heute nachgewiesenen Glaubensprobleme der Geschichtsepoche Jesus lösen zu können? Oder müssen wir aufgrund der immer deutlicher zutage tretenden damaligen weisheitlichen Welt- und Gottessicht konsequenterweise von weit mehr ausgehen, als wir bisher bedachten? Wissenschaftliche Rekonstruktionen aufgrund unseres Geschichts- bzw. Textwissens um die Probleme der damaligen Zeit sind gefragt, um auch heute zu einer Re-form zu kommen, keine Himmelskundler. Was wir brauchen ist keine Konkurserklärung des theologischen Wissens, wie sie m.E. Prof. Berger in seinem neuen „Jesus“ abgibt, wenn er alle kritische Exegese verteufelt und die Zuflucht vor der alles verkürzend und verneinenden Vernunft im Mysterium sucht. Theologische Wissenschaft ist gefragt, wenn es darum geht, das dem Alten Testamentes zugrunde liegende Wort, das zur Zeitenwende wiederverstandenen wurde, zum neuen Gehör zu verhelfen.
3.1. Aufgrund unseres Wissens neu nach dem Wort Gottes fragen!
Wir können doch nicht einfach unser Wissen beiseite schieben und weiter so tun, wie wenn uns Gott in seiner Gnade nicht die Gabe gegeben hätte, neu nach dem Wort zu fragen, das den Buchstaben zugrunde liegt? Wie können wir wissen, dass es damals judengriechische Gottesfürchtige waren, die sich für ein universalisiertes Judentum interessierten, Lukas in der Weihnachtsgeschichte nicht die Story von der Geburt eines Wanderguru erzählt, sondern uns in der Geschichtsgestalt die Geburt eines neuen, vom Schöpfer selbst ausgehenden Geistes als frohe Botschaft brachte und dann so tun, wie wenn es bei Jesus um eine Legende von einem als Christusgott gesetzten Heilsprediger ging, der von diesen oder der späteren Kirche hochgejubelt wurde? Wie können wir einen Glaubenschristus der Griechen völlig neben das jüdische Geschichtswesen Jesus stellen, wenn wir diesen auch nur halbwegs für den echten Heilsbringer halten?
Wenn wir nachweisen, dass selbst Matthäus nicht von einem jungen Juden, sondern dem Christus handelt, Lukas wirklich für das halten, was Sie uns aufgrund des heutigen theologischen Wissens schildern, gleichzeitig die Probleme des jüdischen Glaubens in hellenistischer Zeit betrachten, dann können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, weitermachen wie bisher und Jesus von Nazareth eine guten Mann sein lassen. Wer in Lukas den Weg des lebendigen Wortes zwischen zwei Polen – von Galiläa nach Jerusalem – durch einen griechischen gottesfürchtigen Gelehrten beschrieben sieht, der kann doch nicht in Jesus weiterhin nur einen jungen Juden sehen wollen, der seine Anhänger mit wundersamen Heilswirkungen imponierte bzw. auf den Heilswunder aufgrund alttestamentlicher Texte oder heidnischer Mythen übertragen wurden, um ihn als Gotteswesen zu schildern. Auch der Weg, alles als Glaubens- bzw. Christusgeheimnis hinzustellen und schützend als unzuverstehendes Mysterium bewahren zu wollen schließt sich aus, führt nicht wirklich zum Glauben. Vielmehr führen auch Sie wie Ihr Doktorvater, der nach all seinen exegetischen Erklärungen jetzt nach Bewahrung des Mysteriums ruft, durch Ihren ständiger Versuch, die Inhalte Verständlich zu machen und die Bedeutung zu beschreiben, das eigene Verlangen nach Unverstand vor.
Wer Lukas mit Paulus in Verbindung bringt, die Apostelgeschichte und unser Wissen um die theologischen Aussagen mitbetrachtet, der muss doch auch die Geschichte Jesus beim Evangelisten mit neuen Augen lesen. Das Wesen, um das es Lukas, wie alle anderen Verfassern ging und dessen Geschichte erzählt wird, kann doch nicht weiter isoliert vom Wissen um das jüdisch-griechische Ringen nach Einordnung der schöpferisch wirksamen Weisheit gelesen werden. Sicher hat Lukas eine ganz spezifische Sicht Jesus, verbirgt sich hinter seiner Historienerzählung vom geschichtlichen Heiland eine eigene Theologie, die bisher weitgehend unbeachtet blieb. Gleichwohl wir die Weihnachts- oder Täufergeschichte des Lukas ständig im Munde führen, sind uns nach Ihrer Meinung die Besonderheiten der Theologie des Lukas weitgehend verborgen. Doch wenn sich hinter der Geschichte eine Theologie verbirgt, dann ist es an der Zeit, diese textwissenschaftlich zum Thema zu machen und die Menschen nicht weiter im Glauben zu lassen, dass der Logos nur eine aufgesetzte griechische Lehre sei, alle Aussagen über Herkunft oder Himmelfahrt Jesus nur dazu da, die Hoheitlichkeit eines Heilspredigers zu betonen oder eines gesetzten mysteriösen Gotteswesens.
3.2. Wirklichkeit von Weihnachten verstehen und verwirklichen!
Wer beim Weihnachtsfest beklagt, dass es nur den Konsum erhöht und selbst für die fromme Welt kaum mehr als eine frohe Familien- oder seichtselige Kirchenfeier ist, der muss es auf den Kern zurückführen. Dieser wird möglicherweise in den hellenistischen Weihnachtsvorstellungen, die von einer Einweihung ins Mysterium ausgehen, ebenso wie der Wintersonnenwende als sichtbarsten Ausdruck schöpferischer Wirk-lichkeit im Jahresverlauf deutlicher, als in der heutigen Hypothese von der durch die Frühkirche nur propagandistisch symbolhaft so datierten Geburt eines historischen Wanderpredigers. (Wobei mir wohl bewusst ist, wie das Datum festgelegt wurde, ich jedoch davon ausgehe, dass auch die Kirchenväter noch eine kosmische Wirklichkeit, das Wort in Person vor Augen hatten.) Wenn sich bei Lukas ein Drittel Sondergut finden lässt, das sonst nicht bekannt wird, dann kann doch ein gottesfürchtiger Judengrieche mit Sicherheit nichts hinzugedichtet haben, um einen jungen jüdischen Guru mit griechischer Weihnachtsmythologie oder in der Tora gestohlenen Texten zu vergöttern. Weder ein Wandercharismatiker, noch ein selbst ausgedachtes, aus jüdischen Traditionstexten altabgelesenes oder dem hellenistischem Pantheon entsprungenes Gotteswesen kann der Geschichte zugrunde liegen, um die es Lukas und den anderen Evangelisten geht. Doch nur aufgrund einer nüchternen text- und geschichtswissenschaftlichen Aufarbeitung kann die Reform nachgewiesen werden, die hinter der Realität des damals wirklich an Weihnachten geborenen Geschichtswesens steht.
Wenn ich davon ausgehe, dass Lukas nicht nur im „Wir-stil“ schreibt, sondern wirklich Paulus begleitete, dann sehe ich in Beiden mehr als die Verherrlicher eines Guru oder eigener gegenseitig hochgelobter Geisteskonstrukte, die alter Gesetzlichkeit bzw. vormaliger Literatur entsprungen sind. Wenn wir doch wissen, dass hinter Lukas eine ganz besondere Christologie, ein eigener Verstand steckt, bei dem die geisttreibende Kraft das Thema ist, als deren Träger Jesus gesehen wird, der Geist das handelnde Moment ist, können wir doch nicht tun, wie wenn uns ein antiker Theologe nur einen wundertätigen Wanderprediger oder ein abgeschriebenes Wort als lebendigen Gott verkaufen will. Statt allen Ernstes nach einer Art Exorzisten zu suchen, wäre textwissenschaftlich nach dem Wesen zu fragen, das damals dem jüdischen, wie den hellenistisch-mystischen oder menschenvergötternden Gottesvorstellungen den Teufel austrieb, von veralteten, vom Schöpfer abgefallenen Vermittlern befreite. Nur die lebendige Vernunft Gottes kann das geschichtlich bewirkt haben, was wir heute bei Lukas lesen bzw. Sie als Theologie der Schrift ständig belegen.
Nicht aufgrund irgendwelcher Eingebungen oder dogmatisch-buchstäblicher Behauptungen, sondern nur vom lebendigen Logos und Ihrem Wissen um die Bedeutung des Textwortes ausgehend lässt sich nachweisen, warum Lukas wirklicher Augenzeuge, auch unbeschnitten ein Jude war, der sich für deren Gott begeisterte, mit dem abstrakten Gottesbegriff der Griechen auf einen Nennen brachte, so zum Diener des lebendigen Wortes wurde und dies in eine zeitgemäß für Juden wie Griechen verständliche Geschichte fasste.
Wer Paulus als Reformtoren beschreibt, der sich auf das ursprünglich ergangene Wort beruft, durch dessen Wiederverständnis den jüdischen Glauben erneuern, wie der griechisch-mystischen Götterwelt oder Philosophie das jüdische Schöpferwort verständlich machen will und Lukas damit in historische Verbindung bringt, der kann nicht weiter davon ausgehen, dass es bei dem im Evanglium beschriebenen und somit einzig geschichtlichen Jesus nur um ein Geistwesen des Gesetzesglaubens als Gotteskonstrukt oder einen jungen jüdischen Reformprediger ging. Es kann konsequenterweise nur das in der antiken jüdischen Reformation wiederverstandene Schöpferwort sein, auf das Lukas & Co. gründen und das auch heute den Glauben an den einen Gott erneuern und begründen kann.
Auch wenn wir uns nüchtern aufgrund heutigen Wissens die Glaubensproblematik des jüdischen wir griechischen Welt- und Gottesbildes bewusst machen, muss es bei Jesus um mehr als einen charismatischen Menschen oder ein menschliches Abbild des Gesetzgottes bzw. Glaubensmysterium gegangen sein. Wer wie die heutige Exegese in Daniel, den Makkabäerbüchern oder Weisheitsschriften und weiteren Texten der hellenistischen Epoche ein neues jüdisches Offenbarungszeugnis thematisiert, der kann doch nicht allen Ernstes weiterhin annehmen, dass es sich beim geschichtlichen Wesen des reformierten jüdischen Glaubens um einen jungen Guru ging, der christologisiert wurde oder eine Art Gott war.
Die Lösung der sich im antiken Judentum durch den Hellenismus und römischen Kaiserkult aufgeworfenen Probleme kann sich nur durch den lebendigen Logos in menschlicher Gestalt ergeben haben, nicht durch einen verherrlichten Guru oder gesetzten Christus als Art Gottesersatz, von dem wir heute ausgehen. Mir ist es einfach unbegreiflich, wie wir einerseits wissenschaftlich die gesamte Situation des Gesetzesglaubens mit all seinen Problemen beschreiben, die der hereinbrechende hellenistische Kult und die griechische Philosophie für die Torafrömmigkeit brachte und trotzdem so tun, wie wenn von der Gottwerdung eines jungen Wanderguru, der von einer jungen Hebräerin mit Namen Maria zufälligerweise Jesus gerufen wurde, eine Heilswirkung ausgegangne wäre. Nach allem, was ich von Ihnen und Ihren Kollegen über die damalige geistige Situation und das großartige Denken der gottesfürchtigen Griechen weiß, muss ich davon ausgehen, dass sich für einen Wanderrebellen, wie wir ihn heute als historischen Jesus hinstellen, keiner der Reformjuden wirklich interessiert oder gar auf ihn ein Evangelium aufgebaut hätte. Nicht Halluzinationen, und Himmelskunde, sondern unser theologisch-geschichtliches Wissen ist es, das uns zwingt, die alten Hypothesen von einem zum Gott gewordenen Heilsprediger zu überdenken und das Wort an den Anfang zu stellen.
3.3. Die Geschichte der Hörer des Gotteswortes heute fortsetzen!
Als Verfasser der „Geschichte Israels“ wissen Sie weit besser wie ich, welchen Herausforderungen die jüdische Gesetzesfrömmigkeit durch den seit Alexander hereinbrechende Hellenismus und die griechische Philosophie ausgesetzt und warum eine Reformation jüdischer Vorstellungen notwendig war.
-Sie kennen die geschichtstheologisch konzipierten Makkabäerbücher, können daher die geistige Situation Israels deuten und wissen, wieso auch die anderen biblischen Bücher nicht als Banalstory oder erfundene Legenden, sondern als geschichtstheologische Begebenheiten zu lesen sind, denen eine ganz konkrete Problemlösung zugrund liegt. Das durch seine Gesetzlichkeit in hellenistischer Zeit in arge Bedrängnis gekommene monotheistische Gottesverständnis muss eine echte Erneuerung erfahren haben.
-Sie können nachvollziehen, wie groß die Abscheu war, mit der die Hellenisten den in ihren Augen Torabedingten Aberglaube betrachteten und wie sich ein neuer Eingottglaube innerhalb der Toraobservanz entwickeln musste, der einen echt universalen Grund hatte.
-Sie kennen die Hoffnung auf eine messianische Rettergestalt und müssten eigentlich darauf schließen, dass diese nicht durch die mysteriöse Gottwerdung eines Wandergurus und dessen geistig-obskure Wiedererweckung in Erfüllung gegangen sein kann, sondern der historische Heiland, der echt das wirkte, was die biblischen Bilder lt. heutiger theologischer Deutung z.B. in den Wundern berichten, im Wiederverständnis des Schrift- wie des präexistenten Schöpferwortes gleichermaßen zu suchen wäre.
-Sie kennen die tiefgreifende theologische Auseinandersetzung zwischen Hellenismus und Toratreue und können unmöglich davon ausgehen, dass dies durch das Mysterium eines Gottmenschen gelöst werden konnte, sondern nur das mit dem griechischen Logos/bzw. der Weltvernunft identische wiederverstandene Wort Gottes in Menschengestalt die reformatorische Lösung gewesen sein kann.
-Sie deuten Daniel wie die gesamten deuterokanonischen Schriften und reden wie selbstverständlich über Reformbewegungen im Griechen- wie im Judentum und deren Bedeutung für das Neue Testament und dessen Begrifflichkeit. (Schon allein daher erscheint es mir absurd, wie Sie weiterhin nur nach einem mit seinen Fischerfreunden um den See Genezareth ziehenden Charismatiker, der als Christusgott gesetzt wurde, als eigentliche Wahrheit Ausschau halten wollen – so das lebendige Wort nicht sehen.)
-Sie müssten aufgrund Ihrer geschichtlichen Studien sowie der theologischen Deutung der Literatur der hellenistischen Epoche wissen, dass hier keine Schwätzer, Schwärmer, Traditionalisten, Moralisten oder Mystiker am Werk waren, sondern hochtheologische Denker, die sich aufgrund ihres theologischen Verständnisses der jüdischen Traditionsgestalten für die alten Texte begeisterten, mit dem schöpferischen Logos als ewiges Wort Gottes vor Augen an der universalen Vollendung arbeiteten. Nur aufgrund ihres wachen metahistorischen Verstandes können die damaligen Theologen die alten Texte weitergeschrieben, uns die frohe Botschaft vom göttlichen Logos gebracht haben. Was uns im historischen und hoheitlichen Jesus echt wirksamen Wort Gott begegnet hat gelebt. Es ist nach allem was Sie und Ihre Kollegen ständig beibringen kein mysteriös gesetzter Gott gewesen, wie er heute theologisch hin und her bewegt wird und dem man nur eine menschliche Gestalt gab, sondern kann nur das wiederverstandene Wort gewesen sein, von dem die Geschichte handelt.
-Sie kennen Texte wie die Weisheit Salomos und welche Bedeutung dabei der als ganz selbstverständlich vorausgesetzte Weltenlogos bzw. die Weisheit als Inbegriff der Schöpfungs- und Geschichtsplanung Gottes für die Reform des jüdischen Glaubens und als Gegenspieler zur teuflischen Torheit des Götzendienst hatte. Sie wissen von welcher ewigen Wirkkraft die jüdischen Weisheitslehrer ausgingen, durch die nicht nur das gesamte kosmischen Geschehens und Offenbarung des göttlichen Willens geschah, sondern Gott die menschliche Einbeziehung in die göttliche Lebensgemeinschaft gab. Wie können Sie daher die Frage nach dem Logos allen kosmischen und irdischen Lebens als Himmelskunde abtun und sich statt dessen auf die Kunde von einem ewigen Geheimnis beschränken wollen?
-Sie wissen weit mehr wie ich um die Bedeutung der in der gesamten natürlichen Schöpfung, bzw. kosmischen Vernunft/Weisheit als Ordnungsprinzip, jedoch von Gott selbstständiges Offenbarungswesen wahrgenommenen Wesen, wie sie z.B. in Jesus Sirach zum Ausdruck kommt bzw. die zwischentestamentliche Literatur oder den Glaube der Diasporajuden bestimmt und zu einer in einer Synthese mit alten Glaubensvorstellungen zur dringend notwendigen Reform von Jahweglaube wie griechischem Weltbild führte. Wie können Sie daher in Christus weiterhin so etwas wie einen neben einen Wanderguru gesetzten Gottesersatz sehen, den es allenfalls als Geheimnis zu bewahren und blind zu glauben gilt?
-Sie kennen die Bedeutung des unmittelbaren Verständnisses der Sprache Gottes im Schöpfungs- bzw. Geschichtswerk als unmittelbare Selbstmitteilung und sichtbaren Sohn für die Theologen, denen wir den christlichen Glauben verdanken, wissen wie diese die vormals nur beispielsweise in Stoa philosophisch erfasste Begriffe weiterverarbeiteten, mit dieser Gnadengabe Gottes in philosophischer Denkkompetenz der Texttradition neues Leben einhauchten, ihr den Teufel austrieben, die Augen öffneten und sie wieder zu Gang brachten.
(Was alles im Neuen Testament nachzulesen ist: kein wundersames Geistgeschehen, nur symbolisch oder tiefenpsychologisch zu deuten oder als Mysterium blind dogmatisch zu bewahren, sondern geschichtliche Wirklichkeit war.)
3.4. Wieder auf das eine Wort Gottes hören, statt Vielzahl abgefallener Vermittler!
Und dieses Wissen gilt es m.E. konsequent weiterzuverarbeiten, damit das gesprochene Wort Gottes von modernen Menschen, denen allein Gott der Schöpfer beibrachte, dass die Welt naturwissenschaftlich als sein logisch-vernünftiges Wunder-Werk zu verstehen ist, bei dem es kein Hokus Pokus gibt, wieder wahrgenommen werden kann. Und sie nicht weiter auf Schriftlehrer hören müssen, die meinen das Wissen vom Wort Gottes gepachtet zu haben, Hokus Pokus für Gottesbeweise halten und dabei oftmals nur ihre Meinung vermitteln.
Was nützt alle Ihr Studieren, aller Zuwachs an theologischem Wissen, wenn wir einfach nicht bereit sind, mehr als einen Wanderguru und einen gesetzten Junggott sehen zu wollen, die theologische Reform nicht realisieren, die zur Zeitenwende in Jesus wirklich geschehen ist? Was bringt die 1000ste Interpretation der biblischer Geschichten, die Deutung der theologischen Bedeutungsinhalte, wenn wir die theologische Wende in der Wahrnehmung des Gotteswortes nicht realisieren? Was soll ich alle Jahre wieder einen Studientag über Johannes und seine Apokalypse besuchen, wenn ich nur von einem Wandercharismatiker oder gesetzten Gott ausgehe, die echte Offenbarung nicht wahrnehmen will, durch die das Ende des alten Weltbildes und der Anfang bzw. Wiederverstand möglich war?
Reformation ist keine Wiederherstellung der „guten alten Zeit“. Auch wenn auf das Wesen der alten Werte zurückgegriffen wird beinhaltet die Reformation ein Wachsen bzw. eine grundlegende Weiterentwicklung des Glaubens. Allein die Erneuerung der Torafrömmigkeit, Traditionsglaube oder eine Rehmythologisierung kann daher nicht das Programm Paulus gewesen sein, wenn wir ihn als Reformatoren ernst nehmen. Wo aber hat ein wahrer Paradigmenwechsel stattgefunden, wenn wir in Paulus nur das sehen, was heutige Theologie wahrnehmen will? Weder im Nacheifern eines Reformjuden, der aufgrund persönlicher Erlebnisse oder Erkenntnisse jetzt zum Christusgott erhoben wird, noch im Zurechtrücken von Gesetzesvorschriften oder dem Verzicht auf Beschneidung für die Griechen kann eine Reform begründet werden. Nur in dem wir uns jetzt auf Jesus als Christus berufen, vom menschgewordenen Wort reden, aber nur alle bisherigen Gottesvorstellungen aufgrund des alten Gesetzes oder persönlicher Pauluseingebungen in ihn hineininterpretiert sehen wollen, lässt sich keine Reformation machen. Was sich damals ereignet hat, lässt sich nur auf ein waches Wiederverständnis des Schöpfungswortes zurückführen, das zu einer echten Reformation geführt hat.
Die vor 2000 Jahren stattgefundene Reform war Wegweisend für die Reise nach Jerusalem. Doch die Landverheißung, die die Zionssehnsucht der Juden prägte (und mit Sicherheit nicht als geografisches Versprechen Gottes zu sehen ist – wie es leider weithin missverstanden wird und von theologischer Seite weitgehend unwidersprochen zu bis zum heutigen Tage täglich zu zahllosen Toten führt - sondern m.E. berechtigte frühe jüdische Hoffnung auf eine universelle schöpferische Vernunft/Logos, das Verständnis des universell gültigen Wortes), scheint noch nicht erfüllt. Statt nur in unzähligen Seminaren und Studien Petrus, Paulus und mit ihnen alle Texte von einem aufgrund persönlicher Bekehrungserlebnisse, durch Gebraucht alter Begriffe vergotteten Jungjuden aus zu beleuchten, der einfach als gottgewordenes Wort Gesetz(t) wird, wäre nach dem Wesen zur fragen, von dem die uns heute bewussten Probleme zur Zeit Paulus gelöst wurden. Nur so sind m.E. auch heutige Glaubensprobleme zu lösen.
3.5. Notwendigkeit von heutigen Reformen realisieren
Doch wer von Reform redet bzw. sie verlangt, setzt ein Problembewusstsein voraus, das oftmals nicht gegeben ist. Eine Geistlichkeit, die die Verantwortung für den Geist der Gesellschaft an die Politik abgegeben hat, wird weder die Probleme der gesellschaftlichen Entwicklung auf sich beziehen, noch bereit sein, im Hinblick auf die Problematik der christlichen Lehre über den Wesenskern ihrer Verkündigung nachzudenken. Selbst für die Probleme des Glaubens – wo Ihr Doktorvater längst eine Krankheit im Kern der Theologie analysiert – wird die Entwicklung, wachsende Freiheit oder der Zuwachs an Wissen bzw. Vernunft und somit der dies gebende Schöpfer verantwortlich gemacht.
Wenn eine nur noch dem Selbstzweck oder selbstgesetzter Frömmigkeit/menschlichen Ideologien dienende Gesellschaft völlig aus den Fugen geraten ist, ihre Schöpfungsfähigkeit verloren hat, dann ist das nicht per Gesetz oder Wiedererweckung von Bibelglaube zu reparieren bzw. der Zuflucht in Mysteriendogmatik, sondern ist ein voll und ganz bewusster schöpferisch-menschlicher Geist notwendig, der auf das Wort der Wurzel gründet. Nicht der Schöpfer hat einen Fehler gemacht, wenn sich eine angeblich aufgeklärte ideologisiert-egoistische christlich-westliche Welt gegenseitig in Arbeitslosigkeit führt, statt gemeinsam die Aufgaben der Zukunft anzupacken und auf schöpferisch-menschliche Weise am Wohlstand bzw. der Weiterentwicklung der Welt weiterzuarbeiten. Wenn Intellektuelle heute wissen, dass wir die Zukunftsfähigkeit verloren haben, die westliche Selbstzweckgesellschaft nur noch ihr eigenes Alter aufbläht, die Welt in den ökologischen Abgrund führt, unseren im Westen kaum noch vorhandenen Kindern die Ressourcen frisst und somit zu einem Kampf der Generationen und Kulturen führt, der alle bisherigen Weltkriegsschrecken übertrifft, dann ist selbst dieses Wissen als Wort Gottes – ein unüberhörbarer Wink mit Zaunpfahl - zu werten, der sich an die Geisteswissenschaft richtet. (Es reicht nicht, angesichts der totalen Überalterung der westlichen Welt, nur nach einer Verherrlichung des Alterns zu rufen, ihm gar religiös einen schöpferischen Anstricht verleihen zu wollen, wie der FAZ Herausgeber als „Methusalemkomplott“ verlangt. Dies allein bringt die Welt auf der von Frank Schirrmacher angesprochenen Ebene so wenig weiter, wie in der Geistesgeschichte. Auch hier hilft uns nicht allein die Verherrlichung alter Religionsvorstellungen, die nur noch dem Selbstzweck dienend zur Zeugung und Verjüngung scheinbar unfähig geworden sind.) Eine junge Theologie ist gefragt, aufbauend auf das Vorhandene, altes und neues Wissen zusammen zu denken. Das Zusammenwirken von Alt und Jung kann so von Mysterien befreien, ermöglicht eine Allegorese, die Schrift- und Schöpfungswort neu verstehen lässt und den Menschen durch ein eigen-ständiges Neuverständnis des himmlischen Wortes zu seiner natürlich schöpferischen Bestimmung, höherer Vernunft finden lässt. Eine unabhängig vom jeweiligen Lebensalter der Theologen junge Theologie könnte dem schöpferischen Geist zu neuem Leben verhelfen, seine wissentliche Wahrnehmung ermöglichen, um die Menschen im Sinne einer höheren Vernunft zu Mitschöpfern, wahrhaft vernünftigen Wesen zu machen.
3.6. Wissen nicht als Fehler, sondern Fortschritt im Verständnis begreifen!
Naturwissenschaftlicher Fortschritt und geistige Aufklärung waren keine Fehler im Schöpfungswerk, die nur zu einer eigenen Sprache und Vernunft führten, die zu verteufeln oder als völlig neben das eigentliche Wort des Glaubens zu stellen sind. Vielmehr wäre es eine Aufgabe von Religionswissenschaftlern, diese Gaben im Rückgriff auf die Vorgänge zur Zeitenwende und die damalige Reformationswende weiterzuverarbeiten. Nur so lässt sich im Wissen der Welt um das natürlich und geschichtliche Werden das Wort Gottes verstehen. Wie in der Antike ist nicht nur die Einsicht in philosophisch erkundete menschliche Vernunft und Psyche, sondern die Wahrnehmung einer schöpferische Vernunft notwendig, die als Sohn verstanden auf den selbst unergründbaren und unsichtbare Vater verweist. Nicht „Himmelkundler“, sondern historisch begabte Geisteswissenschaftler sind hier gefragt, dem Schöpfungswort/den Logos Gottes, der an der Wurzel unseres Glaubens die be-stimmende Größe war, zu neuem Leben zu verhelfen.
Ich bin sicher, dass es den gottesfürchtigen Griechen, die den jüdischen Monotheismus für die gesamte Welt zu Gange brachten um weit mehr ging als eine Wellnesreligiösität, mit der wir uns heute weitgehend zufrieden geben, wo Christus als mysteriöser Ersatzgott nur zum persönlichen Wohlfühlen oder einer Menschlichkeits-Moralisation herhalten soll. Menschliche Umsetzung von Schöpfung stand auf dem Plan, (heute würden wir von Nachhaltigkeit, Ökologie oder Weltökonomie reden) die allein mit Platonismus und philosophischen Konstrukten und Begriffen oder pantheistischer Götterwelt nicht zu realisieren war. Mit was wirklich Staat zu machen ist, dem Wille einer ganz natürlich-göttlichen Grundgesetzlichkeit entspricht, wie Gesellschaften als Gemeinschaftsgefüge zu gestalten sind war nicht nur die Frage der alten Griechen, sondern zur Zeitenwende der gesamten griechisch-römischen Welt. Der jüdische Gott war dabei kein Mittel zum Zweck, für den man sich daher begeisterte und in den Naturverständnis oder menschliche Philosophie hineininterpretiert wurden. Vielmehr muss die Weisheit und Wahrheit des monotheistischen Glaubens in Übereinstimmung mit griechisch-philosophischen Welterkenntnis gesehen worden sein und zur Reform geführt haben, bei der das Schöpfungswort/der Logos als eigentlicher Sohn Gottes, Offenbarer, menschlicher Wegweiser und wahrer König erkannt wurde.
Mit Sonntagspredigten und warmen Worten von biblischen Berichten, die allenfalls zum Wohlfühlen beitragen oder eine blinde Hoffnung für ein besseres Jenseits geben, ist es auch heute nicht getan. Wo nicht nur geistige Stagnation herrscht, sich Wachstum nur noch in Arbeitslosenzahlen, der Überalterung der westlichen Welt, ökologischer Zerstörungen, Abbau von Zukunftsvoraussetzungen und steigender gesellschaftlicher Unvernunft verwirklicht, haben nicht die politischen Gesetzgeber versagt. Vielmehr wäre der Geist wiederzuerwecken, von dem die antiken Denker dachten, dass aus ihm erst Gesellschaften werden.
Wenn uns derzeit ständig von wiedererweckten Christen jenseits des großen Teiches berichtet wird, dann denke ich, dass diese Form von Wiedergeburt des Glaubens nicht der Weisheit des Schöpfergottes letzter Schluss sein kann. Mir geht es nicht darum, eine Talibanisierung Amerikas zu kritisieren, wie dies von Europa aus oft geschieht. Doch wird uns hier vom Schöpfer doch mehr als deutlich gemacht, dass an unserem eigenen Christus- wie Schriftwortverständnis etwas faul sein muss. Ich hoffe verständlich machen zu können, dass es mir bei der Wiedererweckung nicht um den Glaube an in charismatischen Sonntagspredigten Vorgesetztes oder die persönlich-spirituelle Gotteswortwahrnehmung geht, sondern eine Reform, bei der im Rückgriff auf das neu zu verstehende christlichen Geschichtswesens das Wort Gottes in allem natürlichen und geschichtliche Werden wieder aufgeklärt verstanden werden kann.
Auch wenn Ihre Doktorvater durch seinen neuen Jesus dessen Hoheitlichkeit vor dem historisch-kritisch rationalen Abriss schützend zum Mysterium macht, so lässt sich viel Rationales daraus lernen, was für eine Reform, die bewusste Wahrnehmung des eigentlichen Wesens notwendig ist. Letztlich zeigt doch Prof. Berger, auch wenn er sich auf eine völlig andere Sprache außerhalb des logischen Denkens beruft, immer wieder in kaum übertreffbarer Weise die theologischen Inhalte des Neuen Testamentes und damit des Reformprozesses nach, der zum christlichen Glauben führte. So lässt sich nachvollziehen, wie der Menschensohn, bei dem es lt. Berger um die Spannung zwischen Niedrigkeit und Hoheit geht, immer dann verkannt wird, wenn nur ein gewöhnlicher Mensch gesehen wird, statt vom schöpferischen Wort auszugehen.
Wer jedoch Jesus als Galiläer untersucht und dabei nicht das griechisch-jüdisch wiederverstandene Gotteswort, sondern immer weiter nur einen jungen Religionsrebellen vor Augen hat, der kann bei seiner theologischen Aufarbeitung der Geschichte und dem im heidnisch-griechischen Galiläa wehenden Geist weder dem realen Geschichtsprozess gerecht werden, noch kann er zum heutigen Wiederverstand des Gotteswortes beitragen. Dabei wäre durch Wissenschaftler wie Sie und Ihren Doktorvater die Geschichtswirklichkeit des gesamten Neuen Testamentes vom Schöpfungswort ausgehend zu belegen. Es genügt nicht, z.B. die Wunder ins Reich des ewig geheimen Gottesmysterium zu verbannen. Wer sie davor bewahren will, weiterhin nur als religiöse Symbole, moralische Ermahnung, literarische Erbauung, populistische Ausschmückungen zur Erhöhung Jesus oder Allegorien persönlicher Erlebnisse, die tiefenpsychologisch zu deuten sind, degradiert zu werden, der muss nach dem Wort fragen, das gewirkt hat. Wissenschaftler wie Sie sind gefragt, Blindenheilungen und Totenerweckungen als wahrhaft geschichtlichen Reformprozess, einen wirklichen Paradigmenwandel zu verstehen, der das erlahmte Denken wieder auf die Beine bringen, zum Fortschritt bewegte. Nur so kann nicht nur die Geschichte wahr werden, sondern sich ihr Bedeutungsinhalt heute wieder bewahrheiten. Statt sie nur auf ein Gottesgeheimnis hin zu deuten bzw. als literarische Symbole, wäre der in der Jesusgeschichte antike Wiederverstand des Schöpfungs- wie Schriftwortes zu thematisieren, der zu einer wahrhaften Zeitenwende führte, all dies bewirkte, was heute theologisch in Brotspeisung und allen anderen Wundererzählungen gelesen wird. Mir ist es einfach unbegreiflich, wie ein so großer Wissenschaftler und theologischer Denker, wie Ihr Doktorvater, bei den Lesern seines neuen Jesus den Eindruck hinterlassen kann, bei der von Johannes (lt. Berger der Verfasser der fleischgewordenen Weltvernunft des griechisch-jüdische Denkens, ältestes Evangelium) geschilderten Hochzeit habe nur ein lebenslustiger Wanderprediger auf wundersame Weise Wasser in Wein verwandelt oder hier gehe es darum, dass dieser auch mit Andersdenkenden zusammen gefeiert habe. Dass wir uns für eine Reform auch mit anderem Denken einlassen müssen, steht außer frage. Doch der Reformprozess, der wirklich zu dem führte, was das neue Testament als Wein bezeichnet, wird so ausgeschüttet, allenfalls als Essig anerkannt.
4.2. Teufelsautreibung als theologische Leistung sehen und betreiben!
Selbst die Teufelsaustreibungen halte ich in diesem Sinne nicht für Zeichenhandlungen, sondern geschichtstheologische Tatsachenberichte, bei denen es um weit mehr geht als den Exorzismus eines jungen Besserwissers, wie es mir Ihr Doktorvater allen Ernstes als mysteriöse Möglichkeit glaubhaft machen will. Dabei ist gerade er es, der mir in all seinen biblischen Betrachtungen und historischen Beurteilungen nicht nur immer wieder deutlich macht, dass es damals in Qumran, Alexandrien oder Antiochien nicht um einen exorzistisch begabten jungen Juden, sondern das Wort in menschlicher Gestalt ging, falschen Gottesvorstellungen bzw. vom Schöpfer abgefallenen Gottesboten der Teufel auszutreiben war.
Wenn sich Prof. Berger auf die biblischen Berichte beruft und dabei deutet, dass die hochmütige Saturiertheit der Gegner Jesus dazu führte, dass die Juden ihn nicht erkannten, dann lässt sich hier ein historisches Geschehen verstehen, bei dem es nicht um die Hoheit eines von gottesfürchtigen Griechen zum Miniaturgott gemachten charismatischen Guru gegangen sein kann. Das Gott erst offenbarend und von diesem zu unterscheidende göttliche Wesen kann nur im Schöpfungswort begründet werden, von dem die Evangelisten schreiben. Bitte verstehen Sie es nicht als Anschuldigung, sondern als erneute Aufforderung zur Wiedererweckung des Gotteswortes aufgrund unseres Wissens, wenn ich Ihnen wieder ins Ge-wissen reden will und Sie um ein Hinterfragen der heutigen Geschichtshypothese bitte. Die mangelnder Aufnahmefähigkeit derer die meinen schon alles zu wissen und die es daher ablehnen, Jesus wahrnehmen zu wollen, lässt sich m.E. auf Heute übertragen. Wer auf diese Weise blind ist, dem kann der Herr nicht helfen, folgert Ihr großes Vorbild aus dem Johannesevangelium, das nach seiner Meinung davor waren soll, so in immer tiefere Blindheit hineinzugeraten. Doch gehört hierzu möglicherweise nicht auch das gedachte Wissen, dass man nichts wissen kann und darf, alles nur ein Glaubensmysterium bleiben muss, rein gesetzlich zu glauben?
Das Wort Gottes, das wir Christen halten und leben sollen, kann nach alle was wir über die Reform des Paulus wissen, kein gesetzter Text sein, sondern das schöpferische Gesetz selbst, das in Christus erstrahlte. Es ging um eine in der Tradition erkannte und in aller Welt wirkende Vernunft, die menschliche Person des Logos, die in antiker Zeit von gottesfürchtigen Griechen-Juden gesehen wurde. Dieses Wort muss nach der Denkweise der antiken Geisteswissenschaftler auch Moses bzw. den frühen jüdisch-hebräischen Monotheismus bestimmt haben, der in jedem Ding Gottes Wort am Werk sah, auch wenn dem laut Paulus inzwischen eine Decke über das Ge-sicht gehängt wurde. (Wie heute der Verstand der Schrift und des lebendigen Wortes verblasste.) Nur das Wort selbst, das wie Dr. Peter Busch in einer Bibellese im evangelischen Kirchenboten deutet, vor lauter Bäumen nicht gesehen wird, kann diese Decke lüften. Doch es ist mit Sicherheit nicht das Wort eines Freundes, eine Buchlektüre oder einer Predigt, wie Ihr Studienfreund denkt, sondern das Wort des Schöpfers, auf das die Reform des Paulus gründet, das den neuen Leib erweckte, als der alte vergangen war. Was Hiob nicht hörte, weswegen er an der Allmacht Gottes zweifelte und ihn für das Leid verantwortlich machte, muss zur Zeitenwende echt wiederverstanden worden sein. Wer wie die heutige Theologie in Hiob mehr als einen hilfeschreienden Zeitgenossen sieht, theologisch die Glaubensproblematik belegt, die sich in den Gesprächen des Hiob mit Gott und seinen Freunden zeigt, der muss im Neuen Testament die Lösung der Probleme nachweisen. Und dies geht nicht mit der Vergottung eines Guru oder eines gesetzten Junggottes, sondern nur wenn wir vom Wiederverständnis des den gesamten Kosmos ordnenden Schöpferwortes, des Logos ausgehen, der menschliche Gestalt annahm.
Zwar erbitte ich ständig von Ihnen ein Weiterdenken in der geschichtswissenschaftlichen Weise als Voraussetzung für eine Wahrnehmung des Schöpfungswortes. Doch sind es weder Sie noch ich, die den Prozess in Bewegung bringen, sondern nur das schöpferische Wort selbst, von dem im Neuen Testament steht, dass es allein die Auferstehung und das Leben ist. Und dieses Wort kann, wie wir wissen, nicht einfach mit dem unsichtbar bleibenden Schöpfergott gleich-gesetzt-werden, weil dieser dadurch Mundtot, sprachlos wäre. Was ich erwarte ist keine außerkanonische Spiritualität und Himmeldeutung oder persönliche Spekulation, sondern die konsequente Umsetzung des vorhandenen Buch- und Geschichtswissens. Nur so ist der Weg frei zu machen, das Schrift- und Schöpfungswort in aufgeklärter Weise für heutige Hörer zu verstehen. Zirkelschlüsse und Himmelskunde im negativen Sinne wären es, wenn ich von Ihnen verlangen würde, biblische Geschichten nur in noch älteren – ob heidnischen oder jüdischen - Schriftzeugnissen und persönlichen Geistesblitzen irgendwelcher Geschichtsgestalten nachvollziehen oder gar nachweisen zu wollen. Doch meine Bitte ist es, die von Ihnen selbst wie vielen Ihrer Kollegen erkundeten theologischen Bedeutungsinhalten des Neuen Testamentes ernst zu nehmen und nach einer echten Reform Ausschau zu halten, die gründend auf das lebendige Wort wirklich das bewirkte, was geschrieben steht. Nochmals: Hierzu sind keine „Himmelskundler“, sondern theologische Historiker gefragt.
Auch um die Reform des Hellenismus aufzuarbeiten, nachzuweisen, wie im lebendigen Wort in Menschengestalt die kosmische Wirklichkeit und Geistesgrundlage der pantheistischen Götterwesen aufging, von gottesfürchtigen Griechen bzw. frühchristlichen Verfassern nicht nur ein populistischer Begrifflichkeitsklau betrieben wurde, ist nur aufgrund historisch und theologischer Kenntnis möglich. Der Reformprozess in Paulus, der aus polytheistischer Vielfalt und mysteriöser Geheimniskrämerei von kosmischen Gotteswesen (vergleichbar mit heutiger Christologie) ein Wort verstehen ließ, wäre nachzuvollziehen, ohne dabei den Blick für die kosmische Wirk-lichkeit der einen geordneten Kosmos hervorbringenden Götterwesen, zu verlieren. Isis, Dionysos, Mithras, Zeus & Co. sind nicht die literarischen Vorbilder für ein Geisteskonstrukt mit Namen Christus, wie Kritiker annehmen. Vielmehr wäre von Geisteswissenschaftlern hellenistisches Vorwissen aufzuarbeiten, um die kosmisch-schöpferische Ordnung als wiederzuverstehendes Wort nachzuweisen, die in Jesus Christus aufging. Nur eine theologische Bildung, die sich auch der Bedeutung der heidnischen Mythen bewusst ist, ihre schöpferische Funktion ernst nimmt – nicht nur Begrifflichkeitsklau vermutet- kann belegen, um welches Wesen es ging, das nicht aus der Gottesmutter und Himmelsgöttin Isis hervorging, sondern vom heilen Geist hebräischen Ursprunges gezeugt wurde, wirklich an Weihnachten geboren ist. Aus einem Mysterienkult wurde ein konkretes Wesen, aus Glaubensgeheimnissen wurde Offenbarung, das Dunkel wechselte ins Licht. Was wir in wenigen Wochen feiern kann nicht nur nach heidnischer Lesweise Weihenacht (Einweihung ins Mysterium) gewesen sein, sondern auch nach denen, die den Kanon schnürten. Die Reformer des hellenistischen, wie des jüdischen Glauben griffen nicht nur symbolhaft auf altjüdische und heidnische Begriffe und Termine zurück, um einen Jungjuden als Gottessohn erstrahlen zu lassen, wie man mir ständig erzählt. Wenn wir eine Reform realisieren, muss die Gegenwart des selbst transzendenten, unabbildbaren Gottes in Jesus von Nazareth geschehen sein. Das lebendige Wort des extern bleibenden Sprechers wurde in der Welt verstanden. Hier muss die Wirklichkeit liegen, die Mensch wurde und zu einer Wende führte. Nicht ein Mensch wie vormals Pharaonen und römische Kaiser wurde vergöttert, nicht der menschliche Geist griechischer Philosophie und jüdischer Gesetzeslehre führte zu einem menschlichen Gottesgebilde, sondern Gottes Wort/der Logos selbst muss nach allem was wir wissen und lehren Mensch geworden, der Wendepunkt gewesen sein.
Die biblischen Berichte von der Auseinandersetzung Paulus mit dem Pantheon lassen sich aus einem Reformprozess heraus verstehen, in dem auch der heidnische Kult nicht einfach abgeschafft wurde oder der nur als Lieferant für Kultpraktiken und literarische Anleihen diente, sondern dessen Wesenskern von einem schöpferisch geordneten Kosmos auf den einen wirk-lichen Sohn und somit Gott schließen ließ. Wer aus den biblischen Texten die Überlegenheit des Christentums gegenüber heidnischen Kult und römischer Kaiservergötterung deutet, der muss auch theologisch die von der neu erfahrenen Vernunft Gottes in Menschengestalt ausgehende Logik nachweisen, die hier zugrunde liegt. Auch hier sind theologische Historiker gefragt, im hebräischen Weltbild und gleichermaßen im Hellenismus nach der Kindheit Jesus zu suchen. Wie auch die Probleme der polytheistischen Verfallserscheinungen des griechischen Göttermysterium im Gottessohn mit Namen Jesus überwunden wurden, ist nicht nur im Verweis auf biblische Texte bzw. dogmatische Behauptungen nachzuweisen, was nur ein Zirkelschluss wäre. Vom lebendigen Wort in menschlicher Gestalt ausgehend lässt sich eine echte Reform nachvollziehen.
Selbst die oft obskur anmutenden Kindheitsgeschichten Jesus können aus einer neuen Perspektive betrachtet, als historische Begebenheiten gelesen werden, sind nicht weiter als spirituelle Spielereien oder freie Erfindungen frommer Literaten abzutun. Auch die Kindheitsmeditationen des Jesuitenbegründers Ignatius von Loyola gehen, wie die gesamte mittelalterliche Mystik, vom lebendigen Wort als Wesenkern aus. Die Mystiker bezogen sich nicht auf die Jugendjahre eines Religionsrebellen bzw. dessen Beschneidung und Tempelbesuch, sondern gingen von er schöpferischen Realität des Gotteswortes aus.
Doch auch dort, wo man mit Blick auf Karl Rahner davor warnt, die geschichtliche Wahrheit von der Menschwerdung zu trennen, weil sonst die Gefahr besteht, die wesentliche Mitteilung gering zu schätzen, in rein metaphysisch abstrakte Spekulationen zu geraten, wird Gott das Wort abgeschnitten. Solange wir den oft als Vater der Christologie genannten Kirchenschriftsteller Ignatius wie andere frühe Kirchenväter und die Reformjuden zur Zeit Jesus entgegen unserem Wissen auf den Kopf stellen und im Gegensatz zu den damaligen Denkern von einem Wanderprediger als dogmatisch gesetzten Gott, statt echt vom Wort auszugehen, bleibt Gott für uns sprachlos. So kommt es nur zu mystischen Spekulationen, die für moderne Menschen völlig abstrakt und unwirklich bleiben. In spirituelle Weltabgewandtheit, statt im Geist aller sichtbaren Genesis, einer von der modernen Naturwissenschaft längst wieder thematisierten Vernunft allen Werdens, muss dann das Wort Gottes vermutet werden. Die einzige Autorität bleiben dann menschliche Vorschriften, die man sich gegenseitig auftischt.
-Wer weiß, wie Hebräer (die beispielsweise für Vernunft und Sprachwort nur einen Begriff kannten) und Hellenisten (die ihr ganzes menschlich-gesellschaftliches Sein auf den Logos der Schöpfung selbst und nicht nur eine menschliche Lehre setzen wollten) das Schöpfungswort verstanden haben, der darf nicht nur in der Bibel blätternd (d.h. nur auf noch ältere Literatur schließend) nach dem Gottes Wort fragen, sondern muss dahinter die Frucht suchen, die wirklich gelebt hat.
-Wer die Ergebnisse der neutestamentlichen Forschung, die theologischen Bedeutungsinhalte wirklich ernst nimmt, der kann sich nicht mit den heutigen Ergebnissen zufrieden geben und letztlich nur von einem als eine Art Gott gesetzten Menschen ausgehen, der irgendwelche Offenbarungen hatte, sondern muss das lebendige Wort Gottes an den Anfang stellen.
-Wer seine Doktorwürde in unzähligen Dissertationen über die frühe Kirche und ihre heftige Diskussion um das wahre Wesen des Gottessohnes Jesus unter Beweis stellt, der muss auch nach dem Wort fragen, das für die Frühchristen bestimmend, weder nur Gesetz, noch spirituelle Einzeleingebung war und um dessen menschliche Gestalt und göttliche Herkunft es damals auf den Konzilen ging, wo unser Glaubensbekenntnis gewachsen ist.
Wenn leb- und sprachlosen Götzenbildern – die leider im Grunde der heutigen Gottessohnslehre bzw. Christologie gleichen - der lebendige, sprechende Gott gegenübergestellt wurde, dann müssen wir davon ausgehen, dass das schöpferische Wort zur Zeitenwende verstanden wurde und für die Frühkirche noch bestimmend war. Es kann kein Wanderprediger gewesen sein, der gegen griechischen Götter und keine gesetzestreue Christologie(Ideologie), die gegen griechische Idole und Götter ausgetauscht wurden. Vielmehr wäre eine Reformtheologie zu verstehen, die vom lebendigen Wort ausging, ohne die alten Riten und Vorstellungen aufzugeben, so dem Wesenskern der alten kosmischen Wirk-lichkeiten – einem gegliederten System schöpferischer Ordnung/Vernunft - zur neuen universalen jüdisch-monotheistischen Wirklichkeit werden ließ. Nur hiervon ging eine Wirkung aus, die die Welt bis zur naturwissenschaftlichen Aufklärung sowie geistiger Freiheit führte, die genau diese alte Vernunft – den Logos der hellenistischen Götterwelt bzw. das Wort des hebräischen Glaubens - mit neuen Augen verstehen lässt.
Wenn seit Jesus statt der Vielzahl von Göttern die eine Vernunft angenommen wird, die hinter allen Prozessen des kosmischen Werdens und des geordneten Himmels steht, dann lässt sich Paulus Reformprozess heute nicht durch „Himmelskunde“ im negativen Sinne bzw. dogmatisch-mysteriöse Buchstabenbehauptungen bestätigen, sondern durch eine naturwissenschaftlich aufgeklärte Theologie. Wer weiß, wie in der hellenistischen Welt versucht wurde, den Pluralismus der Götter zu bewältigen, welches Unbehagen den griechischen und römischen Intellektuellen das bunte Überangebot von allzu menschlichen Göttermysterien bereitete, der muss bereit sein, über das „Mehr“ einer wahren Reform nachzudenken, bei der es weder um einen verherrlichten Menschen, noch ein gesetztes mysteriöses Gotteswesen gegangen sein kann.
Dem griechisch-philosophischen Denken, wie hellenistischen Kulten, von denen wir wissen, welch ernste Konkurrenz sie gegenüber dem Christentum darstellten, werden wir sowenig wie dem jüdischen Reformprozess gerecht, wenn wir nur von Götterklau ausgehen, ohne den Geist zu erkunden, der den Göttermythen zugrunde liegt und der echt im Gottessohn aufgegangen ist. Doch genau hierzu wären geschichtswissenschaftlich arbeitende Theologen gefragt und keine Himmelsdeuter, die von einem mysteriösen Heiland ohne schöpferische Realität bzw. Wirk-lichkeit schwärmen.
Auch hinsichtlich der Wahrnehmung des Schöpfungswortes in aller Natur bzw. allen natürlichen Prozessen des geschichtlich-evolutionären Werdens ist keine Himmelskunde gefragt. Nicht Astrologiespiele oder hochwissenschaftliche Spekulationen und aufgesetzte Theorien des Alles, sondern wissenschaftliche Astronomie oder Naturlehre kann uns die Vernunft vermitteln, die auch hinter allen biologischen Abläufen steht, unseren Körper wie den gesamten Kosmos bestimmt, aus Sternenstaub geistbegabte Wesen entstehen ließ. Idealismus und Monismus, zwei Töchter der Aufklärung, die gegenüber dem reinen Materialismus von einem alles hervorbringenden schöpferischen Geist ausgehen, aber aufgrund einer theologischen Gesetzesmauer über einen Naturalismus oder philosophisch-pantheistische Spekulationen kaum hinauskamen, wäre m.E. heute durch das theologische Wissen um das eigentliche Wesen des Neuen Testamentes wieder die Tür zu öffnen. Auch wenn uns nach wie vor eine menschzentrierte Betrachtung der biologischen Abläufe von „Bösartigkeit“ sprechen lässt, statt darin die jeweils artgerechte Verwirklichung schöpferischer von Vernunft zu sehen, mich junge Theologen ganz entgeistert anschauen, wieso ich bei so viel Naturkatastrophen, Unkraut und biologischer Bösartigkeit von einer allmächtigen Vernunft rede, so sollte doch im seit wenigen Jahrzehnten erst wieder möglichen Blick auf das große Ganze der Logos Gottes heute zum theologischen Thema zu machen sein. Selbst wenn es noch nicht möglich wäre, die „schöpferische“ Vernunft sämtlicher natürlichen Vorgänge nachzuweisen – was ich bezweifle - so ist das Wort/die Vernunft Gottes hier wesentlich eindeutiger, als in vielen bisher nur biblischen Deutungen. Während die aus der Bibel abgeleiteten Aussagen oft schneller wechseln, als die Jahreszeiten, hat die im Wechsel der Gezeiten und allem natürlichen Werden ablesbare schöpferische Vernunft über alle naturwissenschaftlichen Modelle hinaus Bestand. Erst wenn es gelingt, dem Geist der antiken Reform gerecht zu werden, können wir gleichzeitig das hinter aller schöpferischen Software stehende Wort, das heute in ganzheitlichen Evolutionsdeutungen bzw. Weltentstehungs- und Weltformeltheorien als formgebende Information herumgeistert, wach wiederverstehen.
Auch wenn die schöpferische Vernunft, die ich als Schöpfungswort/Logos bzw. christliches Wesen verstehen will, sich letztlich erst seit der naturwissenschaftlichen Aufklärung empirisch nachvollziehen, neu verstehen lässt, so ist sie doch unabhängig vom Erklärungsmodell der Wissenschaft. Doch mit jedem Zuwachs an Wissen um die Kreativität eines hochkomplexen konstruktiven Kosmos, die ebenso für unseren Körper oder die Psyche und Physik unsers Kopf nachgewiesen wird, lässt sich das lebendige Wort Gottes deutlicher verstehen. Und gerade der kosmologische Nachweis, wie über eigentlich unvorstellbare räumliche und zeitliche Dimensionen hinweg eine natürliche Software als schöpferischer Geist ein denkend und fühlendes Wesen wie uns hervorgebracht hat, das Hoffnung auf eine vernünftige Zukunft hegt, lässt uns einen Lautsprecher des Logos hören. Erst der astronomische Blick in eine unendliche schöpferische Ordnung in Makro- wie Mikrokosmos macht die Be(stimm-e)ung Gottes in aller natürlichen Formgebung wieder verständlich.
Gott wurde zur Zeitenwende nicht an die Stelle der platonischen Ideen oder Schöpfungstheorien gesetzt, sondern sein Wort wiederverstanden. Auf diese Weise war die Reformation des Paulus keine vergeistigende Weltabgewandtheit, wie sie sich in vielen gnostischen Strömungen zeigte, sondern hat im lebendigen Wort, der im Werden der Welt als Offenbarer und ethische Wegweiser verstandenen Vernunft den einzig wahren Sohn Gottes gesehen. Nicht ein Neoplantonismus oder Gnostizismus bringt uns daher auch heute weiter, sondern ein Neuverständnis der Reformation des Paulus, bei dem es nicht um einen neuen nur wissenschaftlichen Weltenlogos, philosophische Ideale, sondern das ewige Wort Gottes ging. Wie Jesus anknüpfend an alte Glaubensgestalten und die damals ganz selbstverständliche Sprachform wieder zur Welt gebracht und so als Sinngebung und Wegweisung von den Zeitgenossen verstanden wurde, so wäre auch heute die Brücke von der Geschichtsgestalt zu einem neuen Verständnis einer schöpferischen Vernunft allen Werdens zu schlagen und das Wort in zeitgemäßer Sprache verständlich zu machen. Wieso sollte dies nicht die Mission christlicher Theologen sein?
4.8. Gottes Wort macht den vernünftigen Menschen, nicht Menschlichkeit und Natur!
Wenn ich die junge Theologie bitte, das Schöpfer-Wort an der Wurzel zum neuen Thema zu machen, dann geht es nicht um theologische Rechthaberei oder persönliche Religiösität. Nur eine Reform unseres Jesus- und somit Gotteswortverständnis kann zu einem Glaubensverständnis führen, das nicht mehr jenseits des Verstandes nach dem Wort Gottes fragt, Gott weiterhin nur als Grund für das Unerklärliche sieht, dem so ein Sinn gegeben werden soll, der blind hoffnungsfroh macht, wie dies im Denken der Aufklärer zur Ablehnung bzw. heutigem Atheismus und Aber-glaube trotzdem führt. Vielmehr wären durch ein aufgeklärtes Verständnis des historischen Jesus, der zu den antiken Denkern gesprochen hat, im Wissen um das natürliche Werden der Welt Sinn und Orientierung für eine menschliche Umsetzung dieser Ordnung herzuleiten. Nicht die Bedrohung der Natur führt in diesem Sinne zum Glauben, wie Ludwig Feuerbach dachte und nicht die Stimme der Natur kann uns Bestimmung geben, wie moderne Ökologen und ganzheitliche Denker hoffen. In der natürlichen Schöpfung kann jedoch in Bezug auf ein neues Christusverständnis der menschlich zu verwirklichende Sinn höheren Seins gesehen werden. Hierzu kann eine junge Theologie beitragen, die das Wesen des historischen Jesus hinterfragt.
Die christliche Religion ist in diesem Sinne weder Verzweifelung am nicht vorhandenen Weltzweck, noch kann sie ihn als Menschlichkeit setzen oder vorschreiben, wie derzeit die Welt denken muss. Vielmehr geht es um die Umsetzung der uns in Jesus als dem wiederverstanden Schöpferwort geschenkten Befähigung, den ganz natürlichen Logos/Sinn aller Genesis heute wieder selbst-ständig zu verstehen. Solange jedoch Dr. Heiner Geisler bei der Verleihung der Universitätspreise an der EWH seinen Jesus nur den Staatslenkern die Leviten lesen lässt, die Ursache für die inzwischen auch in die eigentlich human-aufgeklärte westlichen Länder wiedereinkehrende Armut nur im „politischen“ Versagen sucht. Am gleichen Tag bei den evangelischen Akademiegesprächen in Landau, über die Fundamente der Demokratie nur „menschliche“ Werte als Fixpunkt gesehen oder menschliches Recht gesetzt werden sollen, hat die junge Theologie ihre Hausaugaben noch nicht gemacht. Die höhere Bestimmung, auf die nicht nur die alten Griechen ihre Demokratie beziehen wollten, sondern den Juden als Wort des Schöpfers und lebendiges Gesetz gängig war, kommt im heutigen Weltbild nicht vor. Doch wir überschätzen uns maßlos, wenn wir denken, wir könnten die Welt vernünftig menschlich lenken, ohne den Geist, der vor 2000 Jahren eine reale Gestalt hatte und in Jesus Christus realisiert wurde. Dies führt nur zu immer neuen Ideologien. Gerade Geißler, der gleichzeitig die Christologie zu einem Kirchenkonstrukt degradiert, weil er denkt, nur so im heutigen Historienverständnis den modernen Menschen Jesus verständlich machen zu können, gleichzeitig in der Reihe „Ignatianische Impulse“ über Glaube und Gerechtigkeit schreibt, ist ein Beispiel für ein dringend notwendiges Hinterfragen christlicher Wurzel.
Auch der ökologische Jesus, den der Überzeugungstäter Franz Alt bei unserer gestrigen Veranstaltung in Grünstadt aus dem Neuen Testament ableitend eine andere Lebensweise verlangen ließ, gleichzeitig den Abgrund vor Augen führte, in den wir derzeit vollen Bewusstseins um die Probleme und trotzdem zur schöpferischen Vernunft scheinbar unfähig steuern, wird uns nicht helfen. Ein junger Jude, wie er heute trotz allen theologischen Wissen gelehrt wird und den daher Franz Alt am See Genezareth besuchte, der der Welt noch nicht mal in ihrem Verhältnis zu Gott bzw. Glaubensfragen etwas zu sagen hat, kann sich noch weniger in grüne oder sonstige moderne gesellschaftliche Themen einmischen.
Die Natur hätte uns genug gegeben, damit wir bei richtiger Verteilung alle satt werden und die Masse der Menschen Zukunft hätte, so machte Alt deutlich, dass es kein Fehler im schöpferischen Bauplan ist, wenn wir derzeit angeblich aufgeklärt mit offenen Augen auf den ökologischen Abgrund zurennen. Wir bräuchten uns nur „nach oben öffnen“, sagt er im Blick auf Sonne und Wind, die keine Rechnung schicken. Nur durch Mehrarbeit satt arbeitsloser Untätigkeit und weiter so sei die nachwachsende Lebensenergie umzuwandeln und zu nutzen. Und genau darum geht es auch bei einer Reform der christlichen Religion. Genügend Wissen scheint vorhanden. Wir brauchen uns nur „nach oben“ zu öffnen, in neuer Weise auf den Schöpfer zu hören bzw. nach seinem Wort zu fragen.
Dabei geht es nicht um Schöpfungsspiritualität oder ein unbestimmtes kosmisches Prinzip, das die wie das Tao die Welt im Gleichgewicht hält und zu halten sei, sondern die Fortführung monotheistischer Grundlagen. (Auch wenn in Naturreligionen und alten östlichen Lehren m.E. das Wesen des Schöpfungswortes noch weit lebendiger ist, als in christlicher Rhetorik.) Nicht die Öko-logik der Natur oder Sonne selbst ist anzubeten, auch wenn diese sichtbarerster Ausdruck einer umfassenden Ordnung und lebensspendenden Energie ist. Vielmehr wäre im täglich sichtbaren Verlauf der Sonne das darin zu hörende Wort/die einen unfassbaren Kosmos be-stimmende Vernunft wiederzuverstehen, die im Rückgriff auf christliche Wurzeln den einen Vater des Alles als unsichtbaren Sprecher offenbart. Vom unendlichen Konzept kosmischer Ordnung, von dem wir heute erst wieder wissen und das wir erstmals empirisch belegen, wäre durch eine junge Theologie die alte Tradition fortzusetzen. In einer Reform ist an das Wesen anzuknüpfen, das damals zu den gottesfürchtigen Griechen in menschlicher Gestalt gesprochen hat.
Doch ähnlich wie bei der von Alt angeprangerten Energieproblematik, scheint es auch bei der Erkenntnis. Gleichwohl genügend vorhanden ist und der Schöpfer täglich ganz ohne Rechnung neue schickt, fressen wir nur die alten Ressourcen auf. Wir machen weiter wie bisher obwohl wir wissen, dass es nicht reicht und verweigern uns einer Reform. Doch auch beim christlichen Glaube wird nicht der aufkommende Leidensdruck zur Verhaltensänderung führen, sondern besteht berechtigte Hoffnung auf Begeisterung durch den Logos Gottes.
4.9. In ewige Arche einsteigen: in Grundprinzipien der Genesis Gotteswort lesen!
Nicht Neoevangelisten, wie der hier in Deutschland im amerikanischen Stile missionierende Fernsehpastor Wolfgang Wegert, von dessen persönlicher „Arche“ ich ständig Post und Spendenaufforderungen erhalte und die so den christlichen Glauben ins Absurdum führen, zum totalen Aberglaube macht, sondern begabte Wissenschaftler wie Sie wären m.E. notwendig, um das Wort Gottes wieder zur Sprache zu bringen. Keine Himmelskunde im negativen Sinne ist gefragt, sondern eine weiterentwickelnde Umsetzung des Wissens um den Geist der gottesfürchtigen Judengriechen, der damals zu einer grundlegenden Reform des gesetzlichen Jahweverständnisses führte. Ich bin sicher, eine junge Theologie könnte auch heute eine Reformation hervorbringen, die sich nicht auf Menschenworte- und Gesetze verlässt, sondern nach dem Schöpferwort als einzige Autorität sucht. Die Auf-gabe der neutestamentlichen Theologie kann doch nicht sein nur zu Blättern, allein verwelktes Laub zusammenzulesen, für das sich kaum noch jemand interessiert, immer nur in noch älteren Literaturzeugnissen einen Logos begründen zu wollen. Vielmehr hätten Sie die Gabe, als Frucht des Blättern die Frage nach einem im Prozess des Lebens lebendigen Wort Gottes zu ermöglichen. Den in Paulus geschehenen Paradigmenwechsel gilt es nachzuvollziehen, um dem christlichen Glauben neue Perspektiven zu geben.
Was nützt es, wenn in der Kirche massenweise – meist aufgrund persönlicher Erfahrungen -über die unglaubliche Menschwerdung Gottes meditiert, dabei jedoch immer nur von einem gesetzten Gott, nicht dem der antiken Reformation zugrunde liegende Schöpferwort ausgegangen wird? Wenn ich Sie wie Paulus am Briefende erneut um eine Kollekte für Jerusalem bitte, dann geht es mir so wenig um Geld, wie es den antiken Reformjuden um finanzielle Zuwendungen für eine Gemeinde gegangen sein kann. Ein Beitrag für das Wiederverständnis des menschgewordenen Schöpferwortes bei der Amtskirche wird erbeten. Was im Sinne einer Re-form wäre, bei der auf den Wesenkern des eigenen Glaubens zurückgegriffen wird, kann nur von theologischem Wissen aus der Kirche heraus gegeben werden. Und ich bin sicher, dass von einer solchen Spende echter Ablass ausgehen wird.
Während wir Weihnachten heute als Lichtsymbol erklären, bei dem nur die Geburt eines zum Gottes-Mythos gemachten Menschen gefeiert wird, lässt sich eine echte Reform nachvollziehen, bei der das Wort Gottes als eigentliche Autorität in der Welt wiederverstanden, das Mysterium zum Logos wurde. Um das Wort, die universelle und ewig schöpferische Vernunft Gottes wieder zur Welt zu bringen (innerhalb der Welt zu verstehen und über einen vernünftigen Glauben zu einer schöpferisch vernünftigen Lebensweise zu finden) gilt es aus der Kirche heraus das theologische Wissen konsequent weiterzuführen. Statt einem unglaubwürdig gewordenen Mysterium, wäre so den Menschen die Menschwerdung dessen zu vermitteln, was sich im Wechsel von Hell und Dunkel – ob im menschlichen Geist oder den Gezeiten – deutlich macht. Den uns die frohe Botschaft vermittelnden Reformjuden ging es so wenig, wie den einen Kanon festlegenden Kirchenväter um die Geburt eines Wanderguru, sondern die Weltvernunft, die heute in allem natürlich-schöpferischen Werden seit dem angenommenen Urknall sichtbar ist. Weihnachten war daher für die Verfasser der Bibel, ebenso die später das Datum festlegenden frommen Denker mit Sicherheit nicht nur ein propagandistisches Symbol für die Geburt eines als Gott gesetzten Gurus. Nicht die Vergeisterung ins Mysterium feiern wir in wenigen Tagen, sondern ein neues Verständnis des in Jesus zur Welt gebrachten Gotteswortes. Um Weihnachten heute wieder wahr werden zu lasen sind Sie gefragt.
Frohe Weihnachten wünscht Ihnen, wie Ihrem Doktorvater
und aller anderen jungen Theologie
in echt großer Hochachtung vor Ihrem Glauben und Wissen
Gerhard Mentzel
Schänzelstrasse 9
67377 Gommersheim
Tel. 06327 5449
gerhard.mentzel@gmx.de
Ich hoffe, Ihnen halbwegs verständlich machen zu können, dass ich von einer jungen Theologie keine willkürliche allegorischen Deutungen des Neuen Testamentes erwarte, sondern eine wissenschaftliche Auseinandersetzung, bei der nach dem lebendigen Schöpferwort als dem eigentlichen Wesenskern der Texte gefragt wird. Hierzu ist eine allegorische Exegese die Voraussetzung.
Auch wenn man gerade von protestantischer Seite die allegorische Auslegung wegen der Gefahr eigenmächtiger kirchlicher Auslegung ablehnte, sie mit der Reformation in den Hintergrund trat, so ist doch heute die allegorische Deutung zur Praxis der täglichen Predigt geworden, bei der dann allerdings meist menschliche Moralinterpretationen im Mittelpunkt stehen. Doch während heute wieder weitgehend willkürlich die biblische Wahrheit interpretiert wird, könnte durch den Bezug auf das Schöpferwort, das am Beginn unseres Glaubens eine Selbstverständlichkeit war, eine Eindeutigkeit in der Exegese erfolgen.
Warum kann es nicht die Aufgabe wenigstens eines von Tausenden jungen Theologen sein, eine allegorische Exegese zu versuchen, die von einer schöpferischen Vernunft als dem eigentlichen bzw. vorausgesetzten Wesen ausgeht, statt beispielsweise die Sozialpsyche eines Sektenführers wissenschaftlich auseinandernehmen zu wollen, Dogmen zu drehen und zu wenden, nur immer in noch älterer Literatur zu begründen oder sich auf persönlich-spirituelle Suche zu begeben?
Eine Allegorie im griechischen Sinne drückt wie wir wissen, das „Eigentliche“ in anderer Aussage aus, macht abstrakte Begriffe meist in Form der Personifizierung verständlich. Im Unterschied zur Metapher muss ihr Sinn durch eine Deutung der oft versteckten eigentlichen Aussage erschlossen werden. Und genau das ist es, was ich von wissenschaftlich arbeitenden Exegeten erwarten will. Dabei geht es mir nicht darum, das Neue Testament als eine Art Geheimschrift oder Verhüllung verstehen zu wollen, sondern ein damals selbstverständliche und vernünftige Ausdrucksweise bzw. zeitgemäße Umsetzung des Schöpfungswortes.
Wer weiß, wie gerade die griechischen Denker und damit auch die Verfasser des Neuen Testamentes die alten religiösen Traditionstexte als Darstellung eines geistigen Sinnes auffassten, der darf sich doch der allegorischen Deutung nicht verschließen. Vielmehr müssen wir davon ausgehen, dass die gottesfürchtigen Griechen, die nicht nur eine Christologie philosophisch begründeten, sondern uns die frohe Botschaft vom Leben Jesus brachten, nicht nur allegorisch gelesen, sondern ganz selbstverständlich so auch weitergeschrieben haben. Wir können doch die allegorische Deutung nicht allein auf zeitgleiche Stoiker beschränken, sondern wissen, dass diese Form des Textverständnis die Tagesordnung des gesamten reformtheologischen Denkens von Juden war, auch die Tora so gelesen wurde. Nicht allein nur die heidnischen Mythen, in denen man so die verkleidete Darstellungen von kosmischen Kräften und dem göttlichen Zusammenspiel in aller Natur wie der menschlichen Wesenszüge und Geschichte verstand, wurden allegorisch gedeutet. Auch was wir als Altes Testament bezeichnen, wurde gerade von Juden-Griechen allegorisch gelesen und so nach dem eigentlichen Sinn/Logos bzw. dem schöpferischen Wort gesucht, das allein von dem einen Gott ausging.
Was hindert uns also daran Texte, die uns allegorisch lesenden Verfasser des Altes Testamentes hinterlassen haben, um in der Sprache ihrer Zeit etwas verständlich zu machen, auf ähnliche Weise zu lesen, das Schöpfungswort als eigentliches Wesen, sein Leben und Leiden sowie seine Mitstreiter, hinter den Personifizierungen suchen zu wollen? „Weiterentwicklung findet nur dort statt, wo die Komfortzone verlassen wird“ bringen mir ständig gutbezahlte Verhaltenstrainer bei. Kreativität entsteht dort, wo man bereit ist Neues zu wagen, querzudenken bzw. Dinge zusammenzudenken, die bisher als unvereinbar galten. Und genau das gilt auch für die notwendige Reform der christlichen Religion.
Ich bin fest davon überzeugt, dass durch eine neues Historienverständnis auch ein scheinbar verdorrte Feigenbaum noch Früchte herbringen kann und nicht nur immer weiter historisch-kritisch abfallende oder als Mysterium verdorrende Blätter. Von jungen Neutestamentlern erwarte ich nur, dass sie nicht nur Blättern, sondern die Frucht lesen, die sie immer wieder selbst als eigentlichen Bedeutungsinhalt hochhalten. (Wie zu jedem wachsenden Baum das Blühen und Verwelken gehört, so scheint es auch beim Blättern der Schriftlehre, die derzeit historisch kritisch die Blätter von sich wirft oder sie mysteriös verwelken lässt. Es geht nur um eine ganz natürliche Erneuerung, die eine Schuldzuweisung erübrigt. Scheinbar ist das Verwelken der Blätter die Voraussetzung für ein neue Frucht hervorbringendes Blühen. )
Für den Kirchenvater Origenes symbolisierte der von Jesus verfluchte Feigenbaum die „Synagoge der Juden“, deren Unfruchtbarkeit allerdings nicht ewig währt, sondern nur bis die Fülle der Völker eingetreten ist. Wie in einem Brief-Aufsatz aufgrund Ihrer Ausführungen über die Synagoge zum Ausdruck gebracht, sehe ich dort die Schule Jesus bzw. des im Reformprozess wiederverstandenen Wortes, das dann später aus der Synagoge verstoßen wurde. Und ich bin daher sicher, dass uns Origenes keine spirituelle Deutung hinterlassen hat, sondern eine sinnvolle Beschreibung der realen Geschichte. Gerade die Kirchenväter, die gegen philosophischen und gnostischen Strömungen, (die wie z.B. Marcion, der das alte Gottesverständnis völlig verneinte oder in weltabgewandte Vergeisterung verfielen), die menschliche Ausformung von Jesus Christus betonen und die uns bekannten Geschichten zum Kanon erhoben, gleichzeitig immer nur vom präexistenten hoheitlichen Offenbarungswesen redeten, sind m.E. beste Zeugen dafür, dass es den Reform-Denkern damals nur um das in Menschengestalt im gesamten Kosmos lebendige Wort gegangen sein kann.
Selbst wenn ich ständig die völlige Vermenschlichung des historischen Wesens, wie der Interpretation des hoheitlichen Christus beklage, so bin ich sicher, dass die menschliche Ausformung des Schöpferwortes, statt philosophisch abstrakter Begrifflichkeit, der einzig vernünftige Weg war. In diesem Sinne wäre die Diskussion des Origenes mit Celsos bzw. antiker Philosophie fortzusetzen. Nicht jedoch Himmelkundler, sondern Geisteswissenschaftler und Historiker sind gefragt nachzuweisen, warum es damals schöpferisch bzw. höchst vernünftig war, dem im Reformprozess wiederverstandenen Wort Gottes die im Kanon fleischgewordene konkrete Gestalt zu geben, an alte Vorstellungen anzuknüpfen und das Wort Gottes in der Sprache der Zeit verständlich zu machen. Selbst wenn heute Hochschullehre aufgrund des festgefahrenen Bildes von einem total vermenschlichten Jesus und einem gesetzten Christusgott dessen eigentliches Wesen verleugnen, das vermenschlichte Bild den Blick für das lebendige Wort völlig versperrt, so bin ich sicher, dass der von Origenes & Co. gewählte Weg der einzig sinnvolle war. Doch nur aufgrund unseres heutigen Wissens um die menschliche Psyche, den Prozess kollektiver Erkenntnis und die Bedeutung von notwendigen Bilder können wir argumentieren, satt zu dogmatisieren.
Auch warum Wachstum und Wohlstand einer schöpferischen Weltgesellschaft bzw. vernünftiges menschliches Verhalten heute mehr denn je eine vernünftige Gotteswahrnehmung voraussetzt, wie kollektives Lernen und Kommunizieren nach wie vor auf eingängige Emotionen auslösende Bilder angewiesen ist oder welche Logik hinter allen den Kulthandlungen und Riten steckt, wäre von einer jungen Theologie zu begründen, die vom Schöpfungswort ausgeht. Doch Voraussetzung, um die Glaubenslogik in einer zeitgemäßen Sprache verstehen zu können, ist die Bereitschaft zu einem neuen Historien- und somit christlichen Selbstverständnis. Nur so ist möglicht in einer allegorischen Exegese an das anzuknüpfen, was der Text damals seinen Verfassern sagt und vermittelt werden sollte. Hierzu sind echte Neu-testamentler notwendig.
Eine junge Theologie ist gefragt, die wie der Gehirnforscher Singer im Hinblick auf die Fähigkeit der Jugend sagt, nicht vergisst, sondern die Fähig besitzt, das neu Aufgenommene sinnvoll mit dem Alten zu verknüpfen, neue Synapsen herzustellen. Eine Theologie, die noch nicht in Hypothesen und Dogmatik erstarrt ist, sondern getrieben vom schöpferischen Wort und der erfahrenen Weisheit bereit ist, sich weiterzuentwickeln, um den Menschen das grenzüberschreitende Schöpfungswort zeitgemäß zu vermitteln.
-Wenn Gott nicht wie in wortlosen Zeiten von Neurotheologen in „Geist & Gehirn“ vermutet, nur das Produkt des linken Schläfenlappens ist, im menschlichen Gehirnkasten wohnt bzw. von diesem hervorgebracht, ein durch Jasminstäbchen oder fromme Sprüche hervorgezauberter Schnappschuss vom Nirwana, in das er dann gleich wieder verschwindet, sondern der echte externe Schöpfer...
(Der übrigens auch in der neuerdings nachgewiesenen Funktion des durch die Hirnforscher deutlich gemachten limbischen Systems zu uns spricht. Selbst im Wissen um den höchst phänomenalen genetischen Bauplan, unseres Geistes und Gefühllebens seinen Logos deutlich macht. So auch zeigt, warum er nicht im Kopf wohnt, sondern der Einsatz dieses biologischen Bauteiles nicht nur einen evolutionären Vorteil bringt, sondern wir not-wendigerweise auf eine Geist und Gefühl umfassende Wahrnehmung seines Wortes angewiesen sind. Auch verständlich macht, warum dazu eine junge Theologie den linken Schläfenlappen wackeln lassen muss, so Emotionen freisetzt, um für ein Reform die notwendige Energie zu besitzen.)
-Wenn Glaube nicht nur als Epilepsie gesehen werden soll, die angeblich allein schrankenlose Erkenntnis möglicht, nicht nur ein einzelner Anfall die Anschauung Gottes oder des Einseins mit dem Schöpfer ermöglicht, sondern die Erkenntnis der schöpferischen Einheit des Kosmos im wachen Verstand...
(Gleichwohl durchaus nachvollziehbar ist, dass im Zustand einer Epilepsie die Sperren überwunden werden, die uns üblicherweise davor abhalten, ein einheitliches Schöpfungswort zu verstehen, kann die epileptisch-krankhafte Erkenntnis nicht das sein, was kollektiven Glauben begründet. Daher ist Theologie not-wenig und kein krankhafter Wahn oder eine Einzelmeditation.)
-Wenn wir Theologie und die Lehre von Gott nicht weiterhin nur als schwachen Trost für das menschliche Leid und die Unerklärlichkeit der Welt sehen wollen, der durch die Aufklärung eigentlich überwunden sein sollte - wie nach wie vor die aufgeklärte Welt über den Glaube denkt – sondern wir im Glauben die bewusste Gotteswahrnehmung auf Grundlage des aufgeklärten Weltwissen verwirklichen wollen, die die aufgeklärte Weltgesellschaft zur schöpferischen Vernunft führt...
-Wenn die Anwesenheit Gottes nicht weiterhin nur eine persönliche Erscheinung Einzelner sein soll, die ihren Verstand verdrängen, sich in einen mystischen Zustand versetzen, Geistesblitze geben, um auf den Gipfel einer spirituellen Meditation zu gelangen...
-Wenn wir heute wieder voll Hochachtung auf die hellenistische Weisheit schauen, die die kosmische Lebenskunst in ihren Lehren umsetzte, eine höhere Weisheit auf Erden verwirklichen wollte, in allem Werden und Fließen einen schöpferischen Logos verstand, von dem wir sagen, dass er als Christus bzw. Wort Gottes zur Welt gekommen sei und unter uns wohnt..
-Wenn wir als Christen die konkrete Anwesenheit/Wohnung, das Angesicht Gottes im lebendigen Schöpfungs-Wort wahrnehmen und nicht in willkürlichen Suchwegen auf interreligiösen Studientagen über Gott in uns, echt hilfsbedürftigen Drittweltkindern und sonstigen Menschlichkeiten oder Vergeisterungen spekulieren wollen, bei der jeder seinen Gott in einer anderen Sache oder Seele sieht...
(gleichwohl auch dort immer nur deutlich gemacht wird, dass es den drei monotheistischen Religionen einzig um das Schöpferwort ging, das in verschiedenen Formen gefasst und verstanden wurde:
-von einer jungen jüdischen Theologin deutlich gemacht wird, wie z.B. die Einwohnung Gottes im Tempel auch den biologischen Lebensplan einschloss und welche Probleme sich durch Tempelbezogenheit im Judentum ergaben, wie im Exil das Gesetz den Tempel ersetzte... gleichzeitig so deutlich macht, was durch die Reformation des jüdischen Glauben auch gegenüber dem fremden Geist des Griechentums weiterzuentwickeln war...
-ein evangelischer Dogmatikprofessor über die Schöpfung des Himmels und der Erde, des Unsichtbaren und Sichtbaren als Wirkungsfeld und somit Wohnort Gottes spricht, dabei vermittelt, wie diese Schöpfungswirklichkeit Gottes, die vormals durch Engel –individuelle, einmalige Erscheinungen oft schöpferischer Einzelaspekte als himmlischer Hofstaat bzw. Boten - vermittelt wurde, bei Jesus jetzt in unvorstellbarer Fülle 100.000x100.000 aufging...
-die moslemische Theologin anschließend dann gar von Jesus in Bezug auf den Koran als dem lebendigen Wort Gottes spricht, das bereits an Moses ergangen war und verdeutlicht, wie allein der Mensch auf den Verstand dieses Wortes angewiesen ist, seiner Verant-wort-ung gerecht wird... „Muslim“ als den Hingebenden weil Hinhörenden vorstellt, der seit der Menschwerdung war)
-Wenn Weihnachten nicht nur die Aufwärmung alttestamentlicher Geschichten und Göttermythen vom Kind Gottes war, an der wir heute unsere Seelen aufwärmen (meist wird mit sinnigem Blick von Trost und Geborgenheit in Gott gesprochen, schöne Geschichten gar in pfälzische Mundart übersetzt, in die wir uns blind hineinziehen lassen sollen) sondern eine echte Reform und somit eine Einweihung ins Mysterium des Creators stattgefunden hat...
...dann wir es Zeit, Weihnachten auf kreative-schöpferische Weise zu feiern, im Weihnachtsmarkt der 1001 Möglichkeiten das verlorene Kind wiederzufinden, das Wort im Sinn des Creators wiederzuverstehen:
Kreativität (von creatio Schöpfung) ist die Fähigkeit, produktiv gegen Regeln zu denken und Neues zu schaffen, indem man bereits vorhandenes Wissen auf ungewöhnliche Art und Weise kombiniert, sagt das Lexikon.
Durch gezielte Veränderung der eigenen Einstellungen neue Grundvoraussetzungen schaffen, um aus seinem schöpferische Potential das Maximum herauszuholen, wird in schlauen Lehrbüchern empfohlen. Mut, geistige Mauern einzureißen und unbewohnte Wege zu gehen, sei die Voraussetzung. Dabei seien die angestammten Denkschemata zu überwinden, um weitläufig assoziierte neue Antworten zu finden, sinnvolle neue Verbindungen herstellen zu können. Routine und eingefahrene Denkweisen seinen von jeher die ärgsten Feinde der Kreativität, hielten davon ab, abwegige Ideen einmal näher zu beleuchten, belegen die Hirnforscher.
Weil es, wie die Kreativitätstechniker sagen, dabei nicht auf irgendwelche Geistesblitze ankommt, sondern ein kontinuierliches, fundiertes und konstruktives Denken, das über den eigen Tellerrand blickt, viele Informationen sammelt und sortiert, die vorhanden Wissens-Bauklötze neu zusammensetzt, nicht nur spielt, sondern mit vollem Verstand probiert, ist die Fachwelt gefragt.
Und weil – wie die Hirnforscher und Psychologen nachweisen – in jungen Jahren das Gehirn zu solch einer schöpferischen Leistung noch weit fähiger ist, als das in eingefahrenen Gleisen denkende Gewohnheitstier, das immer wieder nur versucht auf Bewährtes zurückzugreifen, so selbst Denkblockaden produziert, ist eine unvoreingenommene offene „jung(e)freuliche“ Theologie gefordert, im Sinne des Creators zu denken, Weihnachten wahr werden zu lassen.
7. Junge Theologie als Werkzeug schöpferischer Tat-sache: Jesus lebt Wirk-lich
Statt nur alte Dogmen zu lehren, zu drehen und zu wenden, sind junge Theologen aufgerufen, auf kreative Weise in der Creation allen Werdens das Wort des Creators zu thematisieren, es als ewiges christliches Offenbarungswesen zu bezeugen und für die Welt wieder das verständlich zu machen, was Grundlage antiken Denkens und Glaubens war. Statt nur mysteriös oder menschlich vom kindgewordenen Gott zu schwärmen, wie das gerade in der Vorweihnachtszeit aus vielen Kanälen tönt, kann der wirk-lich lebendige Jesus als das in aller Natur und Geschichte gesprochene Offenbarungswort des Schöpfers und somit als gemeinsame Sinngebung und menschlich umzusetzendes Verhaltensmaß verstanden werden.
Noch ist Advent:
Nicht die Wiederkunft eines Wandergurus oder eines seichtseligen Gottesmysteriums, sondern Wiederverstand/Ankunft des Schöpferwortes, das vor 2000 menschliche Gestalt annahm und so eine Reform jüdischer und heidnischer Religion bewirkte, wird erwartet.
Doch es scheint kein Raum in der offiziellen Herberge, wo die unvoreingenommen hervorbringende junge Theologie von Mutter Kirche den Sohn Gottes/das ewige Wort in menschlicher Gestalt zur Welt zu bringen kann.
Doch Weihnachten ist Wirk-lichkeit des Wortes als Gottes Präsent sein:
Dann wird der Mythos wieder zum offenbarenden Logos.
Das Wesen des Gottessohnes kommt wieder als Wirk-lichkeit zur Welt.
Das ewige Wort des Schöpfers wird wieder in der menschlichen Gestalt Jesus gesehen.
Hierzu ist eine echt junge Theologie gefordert!
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