Wahn oder Wirk-lichkeit?

 

Kargedanken 2004:

Klage gegen das Weltbild bzw. historische Verständnis der Kirche, dessen Inkonsequenz dem Sohn Gottes heute den Kopf kostet!

 

 

Ist der christliche Glaube nur noch ein gestriger Wahn, unwesentliche Dogmatik?

 Oder gründet er auf ein in allem Werden präexistentes Schöpfungswort als Sohn Gottes, von dem die sichtbare Wirk-lichkeit des kosmischen Geschehens ausgeht?

 

Das Dogma vom einfachen Menschen Jesus, der als Gottessohn verkündet wurde, wie es in dieser völlig banalisierten Form erst seit wenigen Jahrhunderten das Denken der gesamten Theologie wie ihrer Gegner bestimmt, führt zur Verniedlichung und Verneinung der Glaubensinhalte, statt aufgeklärt die Logik der christlichen Dogmen zu verstehen. Gleichwohl das Wissen um das historische Geschehen sowie die geistigen Hintergründe des neuen monotheistischen Gottesbewusstseins heute vorhanden sind, verhindert die unhaltbar gewordene Hypothese von einem einfachen historischen Menschen als Offenbarer, dass das Wissen der Welt zu einer neuen Wahrnehmung des schriftlichen wie schöpferischen Gotteswortes in aller Genesis führt.

 

 

 

 

 

Überlegungen, die sich an einen theologischen Studientag anschließen, bei dem der von mir hoch verehrte Heidelberger Neutestamentler Prof. Klaus Berger die Bedeutung des Kreuzestod Jesus aufgrund biblischer Aussagen erläuterte. Gleichzeitig ein Blick auf die Inkonsequenz der gesamten heutigen Theologie, die zwar die bebilderten Bedeutungsinhalte der biblischen Aussagen anerkennt, nachweist, wie alle Apostel vom Auferstandenen bzw. dem  Sohn Gottes ausgehen, gleichzeitig aber diesen zu einer himmelschreienden Belanglosigkeit herabwürdigt. Das hoheitliche schöpferische Wesen, das heute aufgrund ganzheitlicher naturwissenschaftlicher Betrachtung deutlich werden könnte, wird dadurch ins Hinterzimmer unerklärlicher Dogmatik oder persönlich-spiritueller Glaubensvorstellungen und Meditation verbannt. Während der Sohn bzw. das Wort Gottes heute anknüpfenden an antikes Denken in der Logik allen Werdens, der sichtbaren Selbstorganisation bzw. deren Software deutlich zu machen wäre, schließt das banale Verständnis des historischen christlichen Glaubensgrundes seine heutige Wahrnehmung des Gottessohnes im wissenschaftlichen Bild der Welt aus. Das nur einen einfachen Wanderguru an den Anfang stellende theologische Weltbild von heute verhindert, dass die Theologen die Wirk-lichkeit ihrer eigenen Predigt verstehen. Bei heutiger Hypothese vom historischen Geschen müssen alle biblischen Aussagen zur  Schöpfungs-wirk-lichkeit Jesus, ebenso wie heutige Überlegungen zu einer neuen Sichtweise des präexistenten Logos Gottes im konkreten kosmischen Geschehen als Dogmatik oder persönliche Spiritualität abgetan werden.

 

Für aufgeklärte Menschen muss es im heutigen theologischen Verständnis völlig absurd klingen, den Gottessohn im evolutionären Werden der Natur und menschlicher Geschichte sehen zu wollen. Glaube außerhalb jeglicher Vernunft muss von den Menschen von heute als unglaubwürdiges gestriges Gesapper gesehen werden, fromme Jenseitshoffnungen ewig Gestriger. Solange der schöpferische Logos Gottes nicht an den Anfang des christlichen Denkens gestellt wird, müssen auch junge Menschen, die dem Glauben verhaftet sind, alle Theologie als pure Predigt im Sinne leerer Worte bzw. alter Glaubensmythen verstehen. Es wird daher heute für völlig selbstverständlich gehalten, dass man den Gottessohn nicht sehen bzw. nachvollziehen kann, sondern ihn nur in der Sonntagspredigt oder persönlichen Vorstellungen erlebt. Selbst Naturwissenschaftlern, die eine kosmische Intelligenz nachweisen oder ähnlich wie in der Antike von einer schöpferischen Weisheit schwärmen, sie gar als schöpferischen Logos benennen oder wie ein himmlisches Wesen beschreiben, wird von einem buchstäblichen Verständnis des Neuen Testamentes der Blick auf den lebendigen Sohn Gottes verbaut. Was nachweislich vor 2000 Jahren der Grund eines erneuerten universalen Monotheismus war, muss daher heute in unverständliche Dogmatik verbannt oder als persönliche Spiritualität abgetan werden. Über den Gottessohn, der nur noch eine Art persönlicher Gott des Rest- oder Aberglaube ist, den sich jeder in recht freier Interpretation alter Texte und persönlichen Glaubens nach seinem Gutdünken zurechtbastelt, ist nicht zu reden. Wo der historische Gründer unseres Glaubens von seinen Vertretern nur als ein von seinen Anhängern angehimmelter einfacher Mensch verkündet wird, ist die kosmische Realität des Sohn Gottes als sichtbarer Glaubensgrund und Sinngebung                                                                                               aus dem Verstand ausgesperrt. Der Sohn ist dann nur noch für den Bauch gut. Eine Wegweisung und Offenbarung des Schöpfergottes der Väter kann davon nicht ausgehen.

 

1. Das theologische Selbstverständnis verhindert das Verständnis des Gotteswortes

 

An einem Christus wird zwar weiterhin festgehalten. Doch in ihm die menschliche Ausformung des kosmischen und damit wahrhaft grenzüberschreitenden universalen Glaubensgrundes zu sehen, über den heute aufgeklärt nachzudenken wäre, schließt sich durch das theologische Weltbild aus. Über die fleischgewordene Schöpfungswirklichkeit, das in aller konstruktiven kosmischen Kreativität lebendige Wort, wie es bei modernen Quanten- und Astrophysikern nachzulesen wäre, kann beim heutigen Dogma vom historischen Glaubensgründer nicht nachgedacht werden. Auch die moderne Naturwissenschaft, die jenseits des alten materialistischen Weltbildes und puren Zufalles einen schöpferischen Sinn im konstruktiven Wirken des Kosmos nachweist, kann aufgrund der blinden Dogmatik nicht wirklich ernst genommen werden. Sie verliert sich dann in unbedeutend bleibende Theoriengebilde und Spiritualität außerhalb der selbst sichtbar gemachten schöpferischen Realität. Doch es sind nicht die alten Glaubensdogmen, sondern das neue Dogma der Neutestamentler, aufgrund dessen selbst gläubige Naturwissenschaftler, die die scheinbar selbstorganisierende Kreativität der komplexesten Organismen in Mikro- oder Makrokosmos nachweisen, im tiefsten Traum nicht verstehen können, dass sie im Grunde nichts anderes als den einzigen und ewig offenbarenden Sohn Gottes in Händen halten. Statt den Grund des antiken christlichen Glaubens wiederzuverstehen, der uns erst aufgrund des modernen Denkens und Wissens um die geistigen Grundlagen christlichen Gottesbewusstseins und gleichzeitig das naturwissenschaftliche Wissen um die kosmischen Kausalitäten wieder erwachsen ist, wird nur nach einem jungen Juden Ausschau gehalten und alles Andere abgetan.

 

Die heutigen Betrachtung des historischen Geschehens, die gerade im neuen Passionsfilm bzw. vielmehr der ihn begleitenden Fachdiskussion besonders deutlich Zutage tritt, muss alle Bedeutungsinhalte des christlichen Glaubens als reines Glaubenskonstrukt der Frühkirche und leeren Wahn erscheinen lassen. Das gesamte antike Denken wird ebenso wie die frühkirchlichen Auseinandersetzungen um das Wesen Jesus Christus in einer himmelschreienden Maße herabgewürdigt. Gleichwohl aus den alten Texten ein Bewusstsein schöpferischer Ordnung spricht, das bereits in Qumran den neuen Bund begründete, geht die Theologie von einem reinen Dogmenstreit aus. Wo ein einfacher Mensch an den Anfang gestellt wird, statt das schöpferische Wesen, das laut der gesamten Evangelien und sonstigen antiken Texte “menschliche Gestalt annahm“ muss alles als Verherrlichungsliteratur oder vom angeblich christlichen Glaubensgründer völlig unabhängige Literatur gelesen werden. Und genau das ist der tiefe Fall der heutigen Theologie, der immer weiter zur gegenseitigen Verneinung und Verniedlichung der Inhalte führt. Statt jeden Zuwachs an Wissen, ob um das naturwissenschaftliche Werden oder z.B. die antiken gnostischen Quellen als Zeugen des damals wie heute lebendigen Logos zu feiern, führt alles immer nur zu modernem Nihilismus.

 

2. Neutestamentler tragen die Verantwortung für den Abfall vom Denken und Glauben

 

Doch es ist nicht das Weltbild der Dogmatiker, sondern das der Neutestamentler, das dem denkenden Glauben im Wege steht. Wo es angeblich nur um einen jungen Juden und aufgewärmte alte Texte geht, kann nicht wirklich ein neues theologische Paradigma nachvollzogen werden, das einen ganz konkreten kosmischen Grund hatte. Neutestamentler, die auf ihren Seminaren längst die geistigen Hintergründe des neuen Bundes im antiken Denken beschreiben, wissen, dass es nicht um banale Geschichtserzählungen oder menschliche Gründergestalten geht, aber weiterhin nur einen um den See Genezareth ziehenden Guru an den Anfang stellen, tragen die Verantwortung für den Unverstand. Auseinandersetzung oder Neubegründung antiker Philosophie und der sie umsetzende urchristliche Gnosis muss beim heutigen Weltbild der theologischen Wissenschaft als weltfremde spirituelle Spielerei abgetan werden. Dass auch die sich durchsetzende christliche Lehre, die dieser Erkenntnis Gott sei Dank eine konkrete, verständliche und an alte Glaubens-Personen anknüpfende Gestalt gab, die gleiche Erkenntnis zugrunde liegt, wie den als Häresie verworfenen Richtungen, kann bei der Banalität des heutigen Historienverständnisses nicht gedacht werden. Ein schöpferisches und für die von Menschen in allem Werden wieder sichtbares Wesen wird von heutiger Kosmosblindheit ausgehend auch für die Antike abgestritten. Was einst als Logos/Wort  bzw. schöpferische Vernunft oder Weisheit Gottes eine Selbstverständlichkeit war, wird  allenfalls als mystische Metaphysik in die Ecke gestellt. Die weltliche Wirk-lichkeit des einen Gottes durch seinen Sohn in Mikro- oder Makrokosmos (nicht zu verwechseln mit Pantheismus) kann so im Denken nicht vorkommen.

 

Nicht nur Gott selbst wird so das schöpferische Wort längst aus dem Mund genommen. Auch die biblischen Texte werden heute weitgehend als Pseudoliteratur abgetan. Die Briefeliteratur führt man heute zum Grossteil auf Pseudografen zurück. Die Evangelienbereichte oder die Apostelgeschichte werden meist als ungeschichtlich gelesen. Mit der Aussage, dass alles vom Auferstandenen ausgeht, wird jedes vernünftige Verständnis mehr oder weniger ausgeschlossen. (Der Auferstandene auf den Kopf gestellt.) Der Gipfel einer den Blick für das eigentliche Wesen verbauender Inkonsequenz ist allerdings, dass man je nach eigenem Belieben an bestimmten Aussagen als Geschichtswahrheiten festgehalten wird, während alles was nicht ins kurzgeschlossene Konzept passt, als Legende oder Mythos abgetan wird. Wo das Grund-legende des Neuen Testamentes ein zum Gottessohn gemachter Mensch ist, muss so gedacht werden. Das Verständnis, warum die Verfasser wirklich die waren, die geschrieben stehen und ihre Aussagen, auch wenn sie noch so widersprüchlich erscheinen, eine reale Geschichte beschreiben, schließt sich durch die Inkonsequenz der heutigen Theologie aus. Wer von einem Menschen als Geschichtswesen ausgeht, muss zu solchen Schlüssen kommen. Während man einerseits lehrt, dass die Kirchenväter, ob Marcion als Erstherausgeber oder die katholischen Väter die Apostolität als Richtschnur hatten, nur Verfasser in den Kanon aufnahmen, die echte Augen- und Ohrenzeugen waren, wird herumgedeutelt und letztlich mehr oder weniger keine der 27 Schriften des Neuen Testamentes auf einen echten Apostel zurückgeführt. Wo nur ein verherrlichter Wanderprediger war, kann nicht darüber nachgedacht werden, in welcher Weise die verschiedenen Verfasser das damals lebendige Wort gehört und verstanden haben, echte Augen-  und Ohrenzeugen des historischen Jesus als Christus waren. Besonders krass wird die Inkonsequenz, wenn heute wieder außerkanonische Texte oder gar bisher als gnostisch abgelehnte Schriften in die Überlegung einbezogen werden. Denn dort sind im Hinblick auf die Hypothese von einem umherziehenden Wanderguru der zum Gottessohn gemacht wurde, die Widersprüche in den Geschichtsschilderungen noch weit größer, eigentlich unüberwindbar. Da man jedoch scheinbar über den Aussagen steht, sie als pure Glaubensliteratur abtut oder ins Reich der Mythen verbannt, braucht man sich auch darüber kleine Gedanken zu machen. Auch wenn durch die Erweiterung des Neuen Testamentes mehr als augenfällig werden müsste, dass es den Verfassern alles andere, als um die Gottessohnsverkündung bzw. Verherrlichung eines Menschen geht, muss dies der liebgewonnenen Prämisse von einem Prediger als dem historischen Wesen geopfert werden.

 

Bei der heutigen Betrachtung des historischen Wesens wird die gesamte oft recht heftige Auseinandersetzung um das wahre Wesen des Gottessohnes völlig witzlos. Einen total vermenschlichten Wanderprediger als einziges historisch nachweisbares Wesen sehend, wird der Blick auf das eigentliche Wesen des urchristlichen Gottesverständnis verbaut und dessen Neuverstand verhindert. Gleichwohl alle Aussagen der alten Lehren den schöpferischen Logos als menschgewordenes Wort zum Gegenstand hatten, dessen Geburt, Leben, Leiden, Tod und Heilswirkung theologisch-philosophisch hinterleuchteten, wird im heutige Historienverständnis so getan, wie wenn sich die hochgeistigen Glaubenslehrer um einen Heilsprediger gestritten oder ein davon völlig unabhängiges Geistesprodukt geschmiedet hätten. Die gesamte Auseinandersetzungen der ersten Jahrhundert des christlichen Glaubens, ob mit den als gnostischer Häresie verurteilen Urchristen oder ob auf den zahlreichen Konzilen heftig gestritten wurde, muss angesichts des heute für den historischen Grund gehaltenen Geschichtswesen als absurder Dogmenstreit erscheinen. Wo der Grund der tiefen theologischen Auseinandersetzungen nur als ein wegen Gotteslästerung aufgehängter junger Jude gesehen wird, kann das kosmische Wesen, das auf den Konzilen der ersten Jahrhunderte im Namen Jesus verhandelt wurde, so wenig hinterfragt werden, wie die Heilswirkung, die vom Sohn/Wort/Logos Gottes in menschlicher Gestalt ausging.

 

Selbst junge Theologen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den historischen Grund des Neuen Testamentes zu beleuchten und für die heutige Welt zugänglich zu machen, müssen bei der Prämisse ihrer Professoren den Sohn Gottes einer Dogmatik überlassen,  die längst als altertümlich und unwirklich abgetan wird. (Ihren Logos verloren hat.) So wird der Gottessohn, der einst realer Grund christlicher Religion war, zur persönlichen Spielerei. Das Bild eines bärtigen Religionsrebellen als Glaubensgrund verhindert heute den Verstand dessen, der vor 2000 Jahren eine reale Gestalt hatte, die mit Namen Jesus angesprochen wurde. Allenfalls auf spirituellen Glaubensseminaren mit vielen Wolldecken und meditativer  Ausblendung des Verstandes kann dann noch etwas vom Rest der einstigen kosmischen Realität erahnt werden. Das Bild des einfachen Menschen mit zufälligem Namen Jesus hat den vom antiken Judentum in kosmischer Realität gesehenen Sohn Gottes aus dem Denken verbannt. Das schöpferische Wesen, das auch bei noch so viel Göttlichkeit nicht mit Gott selbst gleichgesetzt wurde und von dessen menschlicher Gestalt messianische Wirkung ausging, spielt im heutigen Historienverständnis keine Rolle. Selbst wenn ein antiker Wanderprediger inzwischen als für den damaligen Glauben und die Texte als völlig unwesentlich gesehen wird, verhindert die heutige Inkonsequenz, den menschgewordenen Logos allen natürlichen und geistigen Werdens als das eigentliche Geschichtswesen wahrzunehmen.

 

Auch Radikalkritiker der christlichen Religion, ob sie die neutestamentlichen Texte als gnostische Aussagen nachweisen wollen, nur die Auferstehung oder den von den Evangelisten beschriebene  Jesus gleich ganz  als unhistorisch abstreiten, gehen dem heutigen Dogma vom historischen Menschen mit Namen Jesus auf den Leim. Das Wesen, das Stoff der antiken Philosophie sowie Gnosis war und das die Diener der schöpferischen Logik vor 2000 Jahren notwendigerweise erneut in menschlicher Gestalt zur Welt brachten,  kann nicht gesehen werden, solange es angeblich nur um einen jungen Guru geht. Statt nach der Realität des göttlichen Logos in aller Natur zu fragen, wird der christliche Glaube oft gerade von denen, die sich auf christliche Gnosis berufen und hier den Ursprung der Christenheit beweisen wollen, auf persönliche Spiritualität beschränkt. Statt das damals erkannte schöpferische Wesen in menschlicher Gestalt als den historischen Jesus, somit wirklichen Sprecher der Aussagen und Grund paulinischer Theologie zu sehen, führt auch hier das Festhalten an einem jungen Juden als dem eigentlichen Jesus zur Verneinung dessen geschichtlicher Realität. Über die gegenseitige Abstreiterei hinausgehend die historische Realität in einem damals sichtbar gemachten Wesen zu verstehen, das schöpferisch war und menschlich zugleich, schließt sich beim heutigen Weltbild der Neutestamentler aus. Selbst wenn alle Seiten nur noch ein „Nichts“ in Händen halten, der historische Jesus, ebenso wie die Dogmatik oder die Neognosis entweder nicht ernst genommen werden oder keinen heutigen Glauben begründen können, schließt die banalisierte und völlig vermenschlichte Vorstellung dessen, was heute am Kreuz zu sehen ist, den gemeinsamen Versand aus. Vom blutigen Irrsinn, der durch die Bilder eines verherrlichten Glaubensmärtyrers heute mit erzeugt wird und als den die aufgeklärte Welt dann auch den christlichen Glauben betrachten muss, ganz zu schweigen.

 

Mit der Aussage, dass nach dem Neuen Testament Gott  Mensch geworden sei wird der, um den es den Vätern unseres Glaubens ging, im Grund verleugnet. Das kosmisch bzw. irdische göttliche Wesen, das menschliche Gestalt hatte und haben muss kommt heute nicht vor, wird einfach durch einen Gottes-sohns-begriff ersetzt, der unbegreiflich bleiben muss und den meisten modernen Menschen keinen Grund zum Glauben gibt. Der Glaube wird zum Aber-glaube trotzdem, weil’s so geschrieben steht. Dass es frühchristlichen Denkern, die das auf den frühen Kirchenkonzilen festgeschriebenen haben um ein ganz anderes Wesen ging, als heute in Passionsfilmen zu sehen und von Professoren diskutiert, wird nicht weiter hinterleuchtet. Das Dogma des völlig vermenschlichten Jesus und somit zur reinen Verkündigung gewordenen Gottessohnes verhindert, dass wir uns heute über die kosmische Realität dieses Wesen wieder Gedanken machen können. Der Kopf der Vertreter der kirchlichen Lehre ist ebenso wie der ihrer erbitterter Kritikern  gefangen von Dogma, das alles weitere Denken bestimmt und somit ein Nachdenken über den menschgewordenen Grund des Urglaubens und dessen erneute Wahrnehmung in der Gegenwart verhindert. So wird das Neue Testament in Wirklichkeit auf den Kopf stellt. Das Dogma vom einfachen Menschen kostet dem offenbaren Logos Gottes in Menschengestalt den Kopf. Was in der Vernunft der kosmischen Kreativität als den Creator offenbarendes einziges Wesen heute wieder wahrnehmbar wäre, bleibt für moderne Menschen  undenkbar, solange die Theologen selbst das christliche Wesen verleugnen bzw. herabwürdigen. Wer nur einen jungen Wanderphilosophen als das eigentliche Wesen sieht, der kann auch nicht darüber nachdenken, warum es notwendig war, das damals im gesamten Kosmos neu verstandene schöpferische Wort entsprechende der alten Vorstellungen in menschlicher Gestalt zum Ausdruck zu bringen, verständlich zu machen.

 

3. Der total vermenschlichte Jesus lässt das Neue Testament als Phrase erscheinen

 

Einen Gutmenschen an den Anfang stellend, wird aller Zuwachs an Wissen so lange zurechtgebogen, bis er nur noch als Verherrlichungsliteratur für einen antiken Religionsrebellen verstanden wird, der von seinen Anhängern angeblich nur als Gottessohn geadelt wurde und an den man einfach blind glauben muss. Von der Hypothese ausgehend, dass das Wesen Jesus nur ein als Gottessohn betitelter historischer Mensch war, wird das gesamte Denken der Evangelisten, Gnostiker, Apologeten wie der Kirchenväter auf den Kopf gestellt. Das von einer göttlichen Schöpfungsordnung ausgehende Denken der Antike, das in der sich heute vor uns ausbreitenden Literatur mehr als deutlich wird und das nicht nur in Alexandrien, Antiochien oder Athen, sondern auch im Stammland der Juden in unterschiedlicher Ausprägung zuhause war, wird einfach ausgeleert. Die Weisheit, von der sich die antiken Denker die Erleuchtung der Menschheit erhofften, einen großartigen geistigen Fortschritt, wird durch das buchstäbliche Bibelverständnis gerade von denen, die sich ständig auf sie berufen, mit Füßen getreten. Gleichwohl nachgewiesen wird, dass der frühchristliche Diskussionsgegenstand eindeutig der schöpferische Logos in Menschengestalt war, wird davon ausgegangen, man hätte einem Heilsprediger eine philosophische Theologie aufgebunden. Von einem einfachen Menschen ausgehend, muss das gesamte von einem kosmischen Wesen ausgehenden philosophische Geistesgut der frühen Kirche, das von jungen Doktoranden gedreht und gewendet wird, wie ein Konstrukt erscheinen. Dabei ist es völlig ausgeschlossen, dass die damaligen Denker um das so heftig gestritten und gekämpft hätten, was wir heute für historisch halten. Vielmehr spricht jeder Satz gerade der Denker, die das menschliche Wesen des Gottessohnes in den Vordergrund stellten, von einem hoheitlichen Wesen, das in aller Genesis verstanden wurde. Gerade die Kirchenlehrern, die die menschliche Gestalt des Gottessohnes betonten und denen wir auch den Kanon verdanken, sind die besten Zeugen für das eigentliche Geschichtswesen. Wer sich in Antiochien und Alexandrien über die zwei Naturen Christi Gedanken gemacht hat, ging von einem ganz anderen Wesen aus, als es heute im Passionsfilm zu sehen ist.

 

Wegen der richtigen Darstellung dessen, um den sich heutige Theologieprofessoren angesichts des Passionsfilmes Gedanken machen, hätten sich die Väter unseres Glaubens nicht gegenseitig verbannen müssen. Es ist einfach unvorstellbar, wie alles alte Denken als reiner Dogmenstreit abgetan wird. Während in den Texten der Kirchenväter mehr als deutlich wird, dass die kosmische Wirk-lichkeit, eine übergeordnete Natur auch für das menschliche Leben maßgebend sein sollte, werden auch die Lebensweisheiten der Kirchenväter wie Katechismuslehren gelesen. Die Weisheit, die die Menschen dazu befähigen sollte, nach dem himmlischen Wort zu leben, ihre Triebe und Verirrungen nach einer universalen schöpferischen Vernunft auszurichten – was gerade heute mehr als not-wendig wäre -  wird durch die Prämisse des heutigen Historienverständnisses zur reine Phrase. Nicht die Dogmatiker sind daher gefragt, sondern die neutestamentlichen Lehrer. Der Logos, von dem damals ständig geredet wurde, kann nur durch neutestamentliche Theologen wieder thematisiert werden. Als Kirchendogma  wird er weiterhin wie eine menschlich-religiöse Lehre oder aufgesetzte Philosophie abqualifiziert. Und wenn gerade die, die die Dogmen weiterhin hochhalten wollen, durch das heute für historisch gehaltene Wesen die alten Lehren ins Abseits stellen, dann zeigt dies die völlige Inkonsequenz heutiger Theologie. Während sich die antiken Theologen über den hoheitlichen Gottessohn, den Logos in Menschengestalt Gedanken machten, dessen Geburt aus der Jungfrau Maria bestätigten und sein menschliches und gleichzeitig göttliches Wesen, wird sich heute nur noch um einen aufmüpfigen Religionsrebellen gestritten. Dabei könnten gerade die antiken Theologen, die die Jungfrauengeburt oder die menschlichen Ausdrucksform des Gottessohnes gegenüber allzu philosophisch abgehobene Lehren oder reinen Gotteswesen betonten beste Zeugen dafür sein, dass es nicht um das ging, was heute Gegenstand der angeblich historischen Diskussion ist.

 

Wer sich von einem präexistenten Wesen ausgehend in die Tiefe der Diskussion der ersten Jahrhunderte einlässt, gleichzeitig mit moderner Naturwissenschaft ringt, der der aufgeklärte Blick auf dieses Wesen verbaut wird und dabei die tägliche Fachdiskussion um den angeblichen Dokumentarstreifen über die Passion Jesus in allem Medien liest, der denkt in einer falschen Film zu sitzen. Von einem präexistenten und gleichzeitig menschlichen Wesen, dessen Passion in den Bildern der Evangelisten treffend beschrieben wird, ist von den heutigen Experten beim historischen Streit nichts zu hören. Und gerade die Theologen, die sich gegen den Film wenden, davor warnen, weil er der Blick für die großartige Botschaft des neuen Bundes verbauen würde, gleichzeitig aber selbst nur Tod eines jungen Juden als historische Tatsache zum Thema machen, sind das eigentliche Problem. Denn bei der heutigen Betrachtung des historischen Geschehens werden nicht nur die alten Dogmen, sondern das gesamte christliche Denken zum leeren Wahn eines rein persönlichen Aberglaube. (Glaube trotzdem bzw. an die Worte eines Sonntagsrhetorikers, nicht die des Schöpfers die nachweislich damals Gegenstand der Auseinandersetzung waren.)

 

Während sich damals hochgeistige Denker nachweislich um ein himmlisches Wesen mit kosmischer Realität stritten, überlegten, ob auch dessen menschliche Offenbarungsgestalt als göttlich zu bezeichnen wäre, wird heute alles von einem rebellischen Glaubensmärtyrer aus betrachtet. So wird der christliche Glaube um seinen kosmischen Grund beraubt, bleibt nur noch ein dogmatisches Konstrukt. Bei der heute offiziellen und für ganz selbstverständlich gehaltenen Lehrmeinung ist für den Logos kein Platz. Wer ein solches Wesen in der Realität des Werdens nachweisen will, muss dann scheinbar ein Rad ab haben oder einem absonderlichen pseudoreligiösen Wahn verfallen sein. Für den neuen Bund der aus dem antiken Judentum hervorgegangen ist, und dessen Spuren z.B. in Qumran wieder nachzulesen wären, gibt es so keine Begründung mehr. Doch das eigentliche Problem der heutigen Theologie ist nicht die Verleugnung des großen Geistes der Vergangenheit. Viel schwerer wiegt, dass dadurch das den transzendenten Vater des Alles offenbarende schöpferische Wesen in der Gegenwart des Wissens um kosmisch-naturwissenschaftliche Wirklichkeit nicht wahrgenommen werden kann. Die total vermenschlichten und rein beliebig gewordenen Vorstellungen der jeweiligen Glaubensbegründungen führen dazu, dass Glaube vom aufgeklärten Denken als gestrig allenfalls persönlich abgetan wird, sonder weltweit auch wirklich zum Aberglaube mit all seinen Folgen führt. In einer Zeit, in der durch das zusammengewachsene Wissen grenzüberschreitend eine schöpferische Sinngebung wahrzunehmen wäre, wird durch das sture Beharren auf völlig banalisierten Glaubensgründern der Blick auf den Grund der konkreten gemeinsamen Genesis versperrt.

 

4. Die Hypothese der Neutestamentler verhindert ein neues Verstehen

 

Bei der heutigen Lehre vom historischen Grund unseres Glaubens scheint es selbst für gestandene Christen völlig unsinnig, sich mit Jesus auseinander zu setzen, wo es doch wahrhaft größere Probleme auf der Welt gäbe. Wer dann gar über einen Logos in aller als natürlich nachgewiesenen Genesis nachdenken will, von Astronomen, Physikern, Mathematikern, Biologen oder sonstigen Evolutionslehrern dessen Nachweis, somit eine bisherige Buchgrenzen übersteigende Gotteswahrnehmung erwartet, der muss völlig wahnsinnig sein. Schlimmer noch als vor wenigen Jahrunderten das buchstäbliche Verständnis der Genesis scheinbar gegen alle naturwissenschaftliche Erkenntnis sprach, verhindert das heutige Historienverständnis des Neuen Testamentes den Neuverstand des Gottessohnes in der Gegenwart. Nicht Dogmatiker, sondern die Geschichtsforscher des Neue Testamentes sind daher gefragt, ihre erweiterten Erkenntnisse ernst zu nehmen..

 

Die Verbindung  philosophischen Denkens mit jüdischer Religion wird nachgezeichnet und die daraus entstandene Weisheitsliteratur gelobt. Doch da man im historischen Grund nur so etwas wie einen kynisch-stoischen Wanderprediger annimmt, bleibt der Gegenstand der Offenbarung ein Mythos. Der Logos allen Lebens, den die antiken Denker vor Augen hatten, kann so nicht neu thematisiert werden. Er wird allenfalls in eine mythologische Lehre verwandelt, die zwar dogmatisch gelehrt, aber nicht verstanden werden kann. Auch wenn dann aufgrund der Weisheit der Kirchenväter wiedergegeben wird, dass sich der Schöpfergott der menschlichen Vernunft in der Vernunft der Natur offenbart, kann niemand ernsthaft auf die Idee kommen, die Logik des kosmischen Geschehens als Offenbarendes Gotteswort zu verstehen. Hierin aufgrund unseres Wissens um das kausale kosmische Geschen den präexistenten Sohn erkennen zu wollen, muss beim heutigen historischen Verständnis unseres Glaubensgrundes völlig irrsinnig erscheinen. Durch ihre beharrliche und gleichzeitig inkonsequente Weigerung, auf neue Weise im Wissen um die kausale schöpferische Ordnung des gesamten Mikro- und Markokosmos Wort und  Sohn zu hinterfragen, stellt sich die gesamte Theologie heute Abseits allen Wissens und vernünftigen Nachdenkens. Alle dicken Bücher über die griechisch-philosophischen Einflüsse bzw. das mit Alexander im gesamten Mittelmeerraum eingezogene hellenistische Denken auf das Judentum bleiben bei der heutigen Vorstellung des historischen Wesens eines neuen universalen Glaubens völlig nutzlose Papierverschwendung. Wenn es wirklich nur um einen Wanderguru gegangen wäre, der seine persönliche Offenbarung zum Besten gab und daher als Gottessohn verkündet wurde, wäre nicht nur alle Archäologie, sondern letztlich auch alle Theologie pure Zeitverschwendung. Was heute als historischer Jesus verhandelt wird, macht alle theologische Nachforschung zum Witz.

 

Wer im geschichtlichen Offenbarer nicht den Gegenstand des alten hebräischen Glaubens, königlich jüdischer Weisheit, prophetischer Lehren oder hellenistisch-jüdischer Welterkenntnis in der natürlichen Genesis sieht, sondern nur nach einer Art Nahtodeserfahrung eines gutherzigen Gurus fragt, für den bleibt auch heute der Kosmos stumm. Auch wenn dann die Kirchväter zitiert werden, die dem Creator auf die Finger schauten, von einer höheren Vernunft und Natur des Menschen redeten, der dieser durch Weisheit gerecht werden soll, so muss das als aufgesetzte Lehre erscheinen. Die Weisheit, von der ständig im Zusammenhang mit Christus geredet wurde, hat bei der heutigen Banalhypothese nicht wirklich etwas mit dem Grund unseres Glaubens zu tun. Während damals aufgrund der vernünftigen Erkenntnis und Dankbarkeit für die natürliche Schöpfung eine schöpferische Verantwortung erwartet wurde, setzt man heute auf menschliche Worte in der Sonntagspredigt, die man einem selbstkonstruierten angeblichen Sohn Gottes unterschiebt. Während die Denker, die uns den biblischen Kanon übermittelten, eindeutig ein hoheitliches Wesen als göttliche Be-stimmung und  Wegweiser sahen, sind es heute nur noch warme Worte, die durch einen Mythos begründet werden sollen. Die das gesamte Denken der heutigen Theologie bestimmende Prämisse verhindert jedoch nicht nur, dass wir den philosophischen Grund des urchristlichen Glaubens abtun, sondern heute nach dem damals gesehenen realen präexistenten Wesen fragen. Auf unvorstellbare Weise wird all das, worauf die gesamten antiken Denker, ob Apostel, jüdische und christliche Apologeten, Kirchlehrer bis zu den verschiedenen Philosophenkaisern ihre Hoffnung setzten, so erneut ausgeliefert.  

 

     

 

5. Das Dogma vom vergötterten jungen Juden verhindert schöpferische Offenbarung

 

Von einem universalen Logos/Wort/Sohn Gottes in aller schöpferischen Wirklichkeit, somit einem das Wirken des selbst transzendenten Schöpfers in aller Evolution offenbarenden Wesen, fehlt in offizieller christlicher Theologie und daher dem christlichen Selbstverständnis von heute jede Spur. Die Erkenntnis einer kosmischen Wirk-lichkeit des Schöpfers, die sich im antiken Judentum als monotheistische Erneuerung nachvollziehen lässt und die Gegenstand heftiger frühchristlicher Auseinandersetzungen war, kann dann nicht weiter in die Betrachtung einbezogen zu werden. Was bleibt ist allenfalls noch ein altgedienter Glaubensmythos für ewig Gestrige, der nur noch zur persönlichen Spiritualität taugt. Wo sich alle Blicke auf einen jungen Märtyrer mit Bart wenden, ist von einem neuen Bund mit dem Schöpfer, der wach denkend über alte Buchstaben und Mythen hinweg auf die im realen natürlichen Geschehen wahrgenommene ewige schöpferische Ordnung und Vernunft als Sohn Gottes baute, nicht zu sehen. Das den einzig lebendigen und alle Schöpfung bewirkenden, selbst aber den unsichtbaren bleibenden Gott offenbarende Wort, ist nicht mehr zu hören.

 

Würde nicht jedes Geschichtsbuch über den Grund monotheistischen-christlichen Glaubens das ich zur Hand nehme eindeutig vom schöpferischen Wort in der natürlichen Logik allen Lebens handeln und jede neue Erkenntnis über die historische Wahrheit genau darauf hinweisen. Und würde nicht eine neue Sichtweise der kreativen Vernunft des Creators in allem kausal nachvollziehbaren  natürlichen Werden durch ernstzunehmende Naturwissenschaftler begründet, diese sich meist auf genau die antiken Philosophien berufen, aus denen sich urchristlicher Glaube ableitet, ich würde meine Hoffnung auf die neue Präsenz des christlichen Wesens für einen Wahn halten. Doch während in der moderne Naturwissenschaft Stimmen laut werden, die von einem höheren Wesen sprechen lassen, in neuen Evolutionslehren eine Weltvernunft als schöpferische Intelligenz oder kosmische Weisheit thematisieren, hält die Schriftgelehrtheit das christliche Wesen weiterhin unter Verschluss. Die Dogmatiker, die das hoheitliche Wesen noch hochhalten wollen, werden von den meisten Neutestamentlern als Papier-Tiger einer antiken Predigt abgetan. Das „Dominus Christi“, das die katholische Kirche herausgab, wurde als solches selbst von der theologischen Welt gar nicht wahrgenommen, nur noch als altbackener Alleinseligmachungsanspruch des Papstes kritisiert. Wer das christliche Wesen für eine Wanderguru hält, der anschließend als Sohn Gottes verkündet wurde, der kann nicht anders, als alle hoheitliche Aussagen als Glaubenskonstrukte abzutun.

 

Die Neutestamentler, die eine dogmatische Interpretation  weit von sich weisen und angeblich nur die historische Realität nachweisen und deuten wollen, legen jedoch durch die Hypothese von einem historischen Heilsprediger mit Namen Jesus als dem eigentlichen Wesen die entscheidende Grundlage für alle weitere Interpretation vor. Selbst die Naturwissenschaftler, die nach dem Wirken bzw. der Wirklichkeit Gottes im Weltall suchen, werden so auf die falsche Spur gesetzt, laufen ins Leere. Statt im Logos allen Lebens, den sie auf moderne Weise kausal nachweisen, den ewig und einzig offenbarenden Sohn Gottes zu sehen, suchen sie nach dem Konstrukteur des Alles selbst und wundern sich, wenn nichts zu sehen ist. Für den Rest der Welt ist die christliche Religion daher schon lange ein kaum noch ernst zu nehmender Aberglaube. Wer heute den in allem kosmischen Geschehen lebendigen Gottessohn sichtbar machen  will, wird wie die Traditionalisten mit dem Transparent „Jesus lebt“ angesehen. Scheinbar ein Schnaps zuviel vom linken Schläfenlappen, wird alles selbst von jungen Neutestamentlern, die in ihrer Berichterstattung ein waches aufgeklärtes Bewusstsein hiervon nachweisen, als rein  persönliche Spiritualität abgetan.

 

Und wer gar logisch nachweisen will, wie nur die Wahrnehmung einer schöpferischen Ordnung  den Menschen zu wahrhafter und zukunftstauglicher Ökonomie und Ökologie führt, der wird neben den armen Irren gestellt, der in München mit dem Schild „ohne Jesus ist alles verloren“ durch die Theresienstrasse zieht. Solange es beim Grund christlichen Glaubens um das geht, was heute als historisch verkündet wird, ist nicht nachvollziehen, warum selbst der arme Irre eine einfache Wahrheit durch München trägt. Welche Heilswirkung gerade heute, wo der Aberglaube des christlich-jüdischen Westens wie der Moslems die Welt an den Abgrund führt, gleichzeitig ein weltweites aufgeklärtes Wissen die Grundlage für eine gemeinsame Gotteswahrnehmung bilden könnte, kann nicht nachgedacht werden, solange nur ein angeblich mythologisierter Mensch an den Anfang gestellt wird . Was Sozialabbau bzw. eine geistige Rückentwicklung der Welt, die sich gegenseitig in die Weltarbeitslosigkeit  schickt, statt schöpferisch nachhaltig zu wirken mit dem Wort oder dem Sohn Gottes zu tun hat, kann im heutigen Historienverständnis nicht ernsthaft überlegt werden. Es war ja angeblich nur.... Und die Väter unseres Glaubens, die so erst die griechischen Lehre einen lebendigen Grund gaben und bei denen das alles meist philosophisch begründet nachzulesen wäre, nimmt man eh nicht ernst oder betrachtet sie einfach besonders menschliche Lebenslehrer. Der schöpferische Logos, von dem ihre Lehren, wie alle Aussagen Jesus oder die der Apostel ausgingen, gibt es angeblich nicht wirk-lich. Er ist zu einer Lehre oder Art  Gottesbegriff geworden, an den man einfach blind glauben muss.

 

Was in der Welt des Wissen sichtbar gemacht und grenzüberschreitend als Grund des Glaubens aufgeklärt verstanden werden könnte, wird von der Schriftlehre, die alle alten Aussagen als alte Glaubens-Dogmen ohne kosmische Realität abtut, als persönlicher Glaubensmythos ins Hinterzimmer der Welt gesperrt. Auch wenn dies als Schutzraum verstanden wird, weil man denkt, dass sich seit der Aufklärung eine vernünftige Begründung verbietet, so schließt man hierdurch den Sohn Gottes vom kausalen Denken aus, nimmt ihm den Kopf. Die astronomische Dimension des schöpferischen Wortes, das heute in moderner Kosmologie wie in Mikrobiologie wieder deutlich herauszuhören ist und so zur neuen Präsenz des präexistentes christlichen Wesen führen könnte, kann bei heutigen Historienverständnis nicht vorkommen. Solange es angeblich nur um einen anschließen aufgrund persönlicher Glaubensvorstellungen hochgejubelten historischen Jesus ging, bleibt der Sohn Gottes ein Kunstkonstrukt des persönlichen Glaubens. Er wird für den die noch Gläubigen zu einer Art Gottesersatz, bei dem der reale Creator des Alles  keine Rolle mehr spielt, ihn immer weiter an den Rand der Wahrnehmung drängt.

 

6. Das Festhalten am Banalverständnis der Schrift verhindert das lebendige Gotteswort

 

Wenn in den kirchlichen Bildungseinrichtungen das lebendige Wort Gottes gelehrt wird, bleibt es beim heutigen Banalverständnis des eigenen Glaubens unverstanden. Auch wenn weitgehend oft nur moralisiert wird, hat Naturwissenschaft und Kosmologie wieder Einzug in die kirchliche Erwachsenenbildung gehalten. Doch dass der Astrologe, der in schönster Klarheit Bilder an die Wand der katholischen Akademie wirft, die die Entstehung der Welt seit dem angenommenen Urknall beschreiben, vom dem künden, was ursprünglich als Gotteswort verstanden und als Sohn Gottes gesehen wurde, kann beim heutigen Weltbild der Neutestamentler nicht die Rede sein. Selbst angesehene Naturwissenschaftler wie der Quantenphysiker Prof. John Polkinghorne, der schon mehrmals in Heidelberg mit Theologen über eine neue naturwissenschaftliche Begründung Gottes nachdachte, wird der Blick auf den präexistenten Sohn verwehrt. Naturwissenschaftler, die das Wissen mit der traditionellen Theologie vereinen wollen suchen nach einem gutmütigen Planer, statt im sichtbaren Plan den Sohn zu sehen. Sie machen sich dann über die vielen angeblichen Fehler der natürlichen Genesis Gedanken, die Ungerechtigkeit der Welt und das Böse der Natur, das doch nicht von dem ach so gütigen Gott ausgehen könne, wie er in den Buchstaben beschrieben sein soll. Ein Gottesbewusstsein, das nicht auf Buchstaben baut, sondern das schöpferische Wort/sichtbares vernünftiges Wirken, wie es im genetische Alphabet oder dem kreativen astronomischen Bauplan deutlich wird, schließt sich durch das Verständnis des angeblich als Gottessohn „verkündeten“ Märtyrers aus. Für die kosmische Realität des Glaubensgrundes der christlichen Religion ist keine Herberge. Solange der christliche Sohn Gottes nur als ein kirchlicher Hoheitstitel für einen Heilsprediger gelehrt und nicht als die ewige schöpferische Vernunft thematisiert wird, bleibt alle naturwissenschaftliche Suche nur ein spielerischer Nebenschauplatz, scheinbar völlig unbedeutend. Doch noch schlimmer scheint mir, das sich selbst der Blick auch der naturwissenschaftlichen Forscher nur auf die Buchstaben des Gesetzes richtet. Der neue Bund, von dem nicht nur in Qumran geschwärmt wurde und der in den Synagogen zur Zeit Jesus, insbesondre in der Diaspora deutlich herauszuhören ist, bleibt außen vor. Und wo es kein neues christliches Paradigma gibt, auf das Paulus gründete, da können auch Polkinghorne & Co. nicht nach der Weltvernunft Ausschau halten, die bei Johannes menschliche Gestalt annahm, sondern suchen nur nach dem Chef selbst, wie sie ihn aus dem Buch kennen. Sie schwärmen von in neuer naturwissenschaftlicher Begrifflichkeit von einer universalen Weisheit oder Intelligenz, aus der alles hervorgegangen sei, halten das schöpferische Wort in Händen und wollen doch nur einen alten Mann beglaubigen, der sich das angeblich alles planerisch ausgedacht hat, dabei scheinbar doch nicht über seinen Schatten springen kann.

 

Nicht die wirkungsvolle Software eines externen Informatikers, die vor 2000 Jahren als einzig offenbarender Sohn aus einer schöpferischen Physik abgeleitet wurde, sondern alte Mythen oder persönliche Gefühle bleiben dann der Grund des Glaubens. Statt in Anknüpfung an antikes Denken in der heute aller Welt kausal erklärten kosmischen Realität die konstruktive Kreativität des Creators wahrzunehmen, zu der auch eine gewisse Freiheit und somit auch scheinbare Fehler gehören, zweifeln die Wissenschaftler im Stile eines modernen Hiob am Wort Gottes. Wem Jahrhunderte eingetrichtert wurde, Gotteshandeln nur in Naturbrechungen, wundersamen Mythen außerhalb dem natürlichen Werden nachzuvollziehen, der kommt davon nur schwer los. Von der leiblichen Auferstehung eines nach der Banalhypothese des historischen Bibelverständnisses hingerichteten jungen Juden, der zu allem Übel auch noch jungfräulich geboren sein und angeblich durch wundersame Werke Gotteswirken bewiesen haben soll, ganz zu schweigen. Wie soll man, wenn man die angeblich wundersame Wiedererweckung jungen Juden als absoluten Grund allen Glaubens darstellt, statt über das Wiederverständnis des präexistenten Gotteswortes/Sohnes im Weltenverlauf nachzudenken, von einem Naturwissenschaftler ernsthaft erwarten können, vom kausalen Geschehen des Kosmos auf das schöpferische Wort zu schließen, gar den Sohn zu sehen? Nur jenseits einem angenommenen Urknall, seit dem alles kosmische Geschehen kausal zu erklären ist, wird dann Gotteshandeln vermutet. Wem antrainiert wurde, dass Gotteshandeln ein Geheimnis sei, alles ein Mythos bleiben müsse, für den erscheint es unvorstellbar im Logos allen Lebens den wahren Grund des urchristlichen Glaubens zu sehen, das Wort Gottes zu verstehen.  Erst wenn die moderne Quantenphysik in der Bewegung der kleinsten Teilchen die Kausalität vermisst, wird dann wieder über schöpferisches Handeln nachgedacht.

 

7. Der von den Neutestamentlern geerbte Abfall schließt das Denken aus

 

Ein Art „Erbsünde“ – wie sie eigentlich durch Tod und Wiederverstand Jesus aufgehoben sein sollte -  scheint den Naturwissenschaftlern den Verstand zu rauben. Doch es ist der von den Neutestamentlern geerbte Abfall, der den Blick verbaut. Nur deren konstruktiv-kritische Beleuchtung des Neuen Testamentes kann dazu führen, dass versucht wird, im heutigen Weltbild den Sohn Gottes sichtbar, das präexistente Wort in zeitgemäßer Sprache verständlich zu machen. Transparente von einem lebendigen Jesus,  flotte Sprüchen und persönlichen Ansichten von einem kosmischen Christus bringen sicher noch weniger weiter, wie fromme Sonntagspredigten. Um den ewigen Sohn Gottes in allem kosmischen und geschichtlichen Werden sichtbar, das präexistente Wort verständlich zu machen, muss noch vieles im Denken bewegt werden. Doch nur die neutestamentliche Forschung kann hierzu den Weg frei machen. Um  zu neuem aufgeklärten Denken über den Grund des Glaubens im kausalen Weltbild unseres Wissens zu kommen, sind daher nicht Dogmatiker gefragt, sondern Neutestamentler. Wie bei Keppler oder Kopernikus sind es nach wie vor die Missdeutungen der Buchstaben und nicht der Zuwachs an Wissen, der uns davor abhält, im Wunderwerk der konstruktiven Kreativität des gesamten Kosmos das Wort des Creators zu verstehen. Statt in der täglichen Natur, deren Kausalität und Vernunft wir heute hochwissenschaftlich beschreiben, den einzigen offenbarenden Sohn zu erkennen, suchen wir nur  einem jungen Juden mit Bart. Die Passion Jesus, die im neuen Film so brutal zu sehen ist, hält an.

 

Die Begründung des Glaubens benötigt Buchstaben. Nur die Anknüpfung an die althebräische und  urchristliche Gotteserfahrung verhindert, dass eine neue naturwissenschaftliche Erkenntnis in Pantheismus bzw. persönlichen Kosmosglaube und unbedeutende spirituelle Spielereien mündet, sich als Randerscheinung verflüchtigt, sondern das alte Wort wieder hörbar, den am Kreuz gestorbenen Sohn in menschlicher Gestalt wieder neu sichtbar machen kann. Doch wo Buchstaben als alleiniger Grund gelten, wird der Creator des Alles ausgesperrt bzw. zum Produkt eines persönlichen Privat- und Aberglaubens.

 

Wenn meine in tiefgehender Auseinandersetzung mit der Geschichte gewonnene Vorstellung, dass es beim historischen Wesen unseres christlichen  Glaubens nicht um einen einfachen Menschen, sondern das zur Zeitenwende in menschlicher Gestalt sichtbar gemachte präexistente Schöpfungswort ging, nur ein persönlicher Wahn ist, dann gilt dies auch für den gesamten heutigen Glaube. Denn wenn der historische Jesus nur ein anschließend verherrlichter historischer Mensche gewesen wäre, wie es im heutigen Jesusfilm von den neutestamentlichen Hochschullehrern diskutiert und somit von aller Welt für selbstverständlich gehalten wird, dann wären alle christlichen Wesensaussagen völlig wahnsinnig. Nicht die Dogmatiker sind heute am Zug. Die nimmt man so wenig ernst, wie die gesamte frühchristliche Lehre und alle hoheitlichen Aussagen. Die Neutestamentler sind es, die durch ihre banale Hypothese vom historischen Geschehen nicht nur die Weseninhalte des christlichen Glaubens als unwirklich abtun, die Wesensaussagen der Evangelisten der einer selbst zurechtgebastelten Vernunft opfern und allen Glauben ins rein persönlich-meditative verbannen, den christlichen Glauben so allerdings unglaubwürdig machen indem sie die kosmische Realität aussperren. Nur indem die neuen Erkenntnisse über das reale Geschichtsgeschehen, den geistigen Kontext in der gesamten antiken Weisheit, Philosophie wie hellenistischen Gottesvorstellungen und das Denken in den immer zahlreicher zutage tretenden Texten nüchtern ausgewertet wird, lässt sich der Weg zu einem neuen christlichen Selbstverständnis frei machen, das den alten Dogmen wieder Inhalt gibt und so das Schöpfungswort in der Gegenwart des Wissens wahrnimmt.

 

Ein Neutestamentler wie Prof. Berger, der früher alle alten Dogmen kritisch hinterfragte, inzwischen aufgrund seiner Forschung und Einsicht zum Leidwesen vieler Kollegen die katholischen Dogmen wieder hochhält und die Krankheit der sich selbst ständig verneinenden und verniedlichenden Theologie analysiert, gleichzeitig die historischen Gegebenheiten am Grund christlichen Glaubens kennt wie kaum ein Anderer, müsste eigentlich  die besten Voraussetzungen zur realen Begründung eines neuen christlichen Selbstverständnisses bieten. 

 

 

 

 

Sehr geehrter Herr Professor Klaus Berger,

 

wie Sie wissen bzw. den verschiedenen an Sie gerichteten Briefen entnehmen können, hatte ich große Hoffnungen darauf gesetzt, dass es einer theologischen Persönlichkeit wie Ihnen gelingen könnte, ein neues christliches Selbst-Verständnis in Bewegung zu setzten. Nach wie vor gehe ich davon aus, dass nur durch fachgerechte Fragen einer theologischen Autorität in neuer Weise über die antike Weisheit nachgedacht werden kann. Nur fachgerechte Nachfragen können dazu führen, dass der in menschlicher Gestalt zur messianischen Wirk-lichkeit gewordene Gottessohn mit Namen Jesus neu zur Sprache gebracht werden kann, um dem christlichen Glauben zu neuem Leben zu verhelfen.

 

Der kurze Dialog am Rande des Studientages im Heinrich Pech Haus Ludwigshafen hat mich jedoch schlagartig wieder auf den Boden der Realität geholt: Wie kann ich annehmen, jemand, der den historischen Jesus seit vielen Jahren als ein rein menschliches Wesen vor Augen hat und diesen jungen Juden mit Sonderbegabung zum Gegenstand seiner Untersuchungen macht, könnte auch nur einen Gedanken an einem in aller kosmischen Wirk-lichkeit wahrnehmbaren Gottessohn als dem eigentlichen Geschichtswesen verschwenden? Scheinbar ist es auch ein Unding, von einen Schriftgelehrten zu verlangen, in der natürlichen Schöpfung selbst nach dem Wort Gottes zu fragen.

 

Bitte verstehen Sie die Überlegungen nicht als Anschuldigung, sondern als Versuch einer nüchternen Analyse und gleichzeitig erneute Bitte, über das tief eingefleischte Bild eines historischen Menschen nach dem schöpferischen Wort Gottes zu fragen, das in Jesus eine menschliche Gestalt annahm. Denn nur so kann all das, was Sie verkünden und erhalten wollen, als Wirklichkeit verstanden werden. Wenn wir uns etwas vom liebegewonnen Bild des Wanderpredigers entfernen, können wir an der historischen Wurzel die Einheit der historischen Gestalt mit dem christlichen Gottessohn erkennen. Die menschliche Gestalt des Gekreuzigten Gottessohnes kann so neu zur geschichtsnotwendigen Realität werden. Erst durch die Auferstehung, das Wiederverständnis des Schöpfungswortes in der Wirk-lichkeit allen kosmischen Werdens und gleichzeitig der Wahrnehmung der menschlichen Gestalt Jesus als fleischgewordene Vernunft des Schöpfers kann auch der Text des Neuen Testamentes als Wort Gottes verstanden werden. Ein grenzüberschreitender Glaube, der nicht nur die verschiedenen Weltbilder, sondern vielmehr die menschliche Vernunft mit der des Schöpfers versöhnt bedarf einer neuen Nachfrage nach dem schöpferisch wirk-samen Sohn Gottes an der Wurzel, um so den Weg frei zu machen, in der Gegenwart des heutigen Weltbildes auf aufgeklärt wache Weise wahrzunehmen. Diese kann nur von Menschen wie Ihnen ausgehen.

 

  1. Ewige Jungfräulichkeit als neue Gebärerin des Gottessohnes

 

Noch am Abend nach dem Studientag in Ludwigshafen hatte ich in tiefer Enttäuschung und voller Frust Ihrem Schüler Dr. Markus Sasse geschrieben, dass meine Hand verdorrt wäre, als ich heute die Jungfraulichkeit von Maria geprüft hätte. Ich hatte dabei den Hinweis am Rande des Studientages aufgrund einer orthodoxen Aussage über die ewige Jungfräulichkeit der Gottesgebärerin aufgegriffen. Wer wie ich in den Aussagen der Evangelien eine hochgeistige Geschichtswahrheit lesen will, der muss auch in Maria eine konkrete Gestalt nachweisen können. Und während gerade die Jungfräulichkeit von der aufgeklärten Welt längst ins Absurditätenkabinett abserviert wird, scheint sich die ewige Weisheit, die in anderer Sprache längst Stoff in jeder Kreativitätslehre ist, gerade heute zu beweisen. Bitte entschuldigen Sie, wenn ich Sie als Beleg dafür benutze.

 

Wenn ich an die ewige Jungfräulichkeit von Maria glaube, weiterhin auf „Sie“ setzte, dann hat das nichts mit einer biologischen Absonderlichkeit, fundamentalistischer Marienverehrung oder einem orthodoxen Dogma zu tun. Auch wenn ich mir in Ludwigshafen die Hand verbrannt habe, so gebe ich die Hoffnung auf eine Unvoreingenommenheit nicht auf, die der Präsenz des ewigen Gottessohnes zu neuem Ausdruck verhelfen könnte. Nur ein neutestamentlicher Exeget wie Sie, der bereit ist, über seinen bisherigen Schatten zu springen, könnte die kosmische Realität des Gottessohnes in allem natürlichen Werden thematisieren. Nur einem anerkannten Theologen wie Ihnen ist es möglich, über die menschliche Gestalt hinausgehend ernstzunehmend nach dem Sohn und Wort Gottes zu fragen, dabei gleichzeitig die messianische Wirkung der geschichtlichen Menschwerdung zu verdeutlichen. Jeder Versuch, den Sohn Gottes in der Gegenwart des heutigen Weltbildes zur Sprache zu bringen, muss ohne eine Anknüpfung an das amtlich anerkannte antike Denken, die Wahrnehmung des Gotteswortes im Judentum zur Zeit Jesus, ein persönlicher Wahn bleiben.

 

Die Inkonsequenz der Neutestamentler, die inzwischen ihr Wissen um die geistigen Grundlagen des Neuen Testamentes bzw. des neuen jüdischen Bundes ausgeweitet haben, aber weiterhin an der Banalhypothese eines verherrlichten Bartträgers festhalten ist es, die dem in aller kosmischen Wirklichkeit zu sehenden Sohn Gottes in Menschengestalt den Kopf kostet. Bereits in einem bisher nur an Dr. Sasse gegebenen Brief vom August letzten Jahres hatte ich Sie verzweifelt gebeten, einem neuen Verständnis des Gottessohnes den Weg zu bereiten, statt einfach Pilatus die Schuld für den Tod Jesus in die Schuhe zu schieben. Im Vorgriff auf den derzeit heiß diskutierten Passionsfilm hatten Sie sich in der FAZ geäußert. Unter der Überschrift „Pilatus heißt die Kanaille“ war dort von Ihnen zu lesen, dass der Römer und nicht die Pharisäer für den Tod Jesus verantwortlich waren. Und für mich war es unvorstellbar, wie jemand

 

-der Jesus in seiner Ganzheit als Gottessohn und Geschichtsgestalt gleichzeitig bewahren will, -Johannes an den Anfang stellt,

-dessen menschgewordene Weltvernunft,

-wie das griechische Weltbild der Stoa in sein Denken einbezieht,

-in der ZNT die Bedeutung von Philo bzw. der zwischentestamentlichen Literatur betont,

-auch bisher als apokryph oder gnostisch abgelehnte Evangelien in seine Übersetzung aufnimmt,

-durch eine Neudatierung zu einem neuen Verständnis der Geschichtswahrheit aufruft,

-sich strikt gegen alle Verkürzungen der historisch kritischen Exegese wendet und Bultmanns Entmytologisierung als Mythos nachweist,

-die Explosion an Texten verdeutlicht, die von einem neuen Bund mit Gott ausgehen, der in der kosmischen Realität als neuer jüdischer Grund des Glaubens wahrgenommen wurde,

-vor jedem Kuschelchristentum und der totalen Vermenschlichung der Bedeutungsinhalte lautstark warnt,

-im gesamten Geist der Antike beheimatet ist und das Denken der verschiedenen Strömungen zur Zeit Jesus kennt, wie kaum einer,

-auch die neuen Funde in Qumran nüchtern als Beginn eines neuen Bundes analysiert, dem der heilige Geist des Neuen Testamentes zugrunde liegt,

-in seiner Übersetzung der dort gefundenen Psalmen mehr als deutlich macht, welcher Geist der Erkenntnis geweht haben muss, wie im konkreten kosmischen Wirken die Wirklichkeit schöpferischer Weisheit wahrgenommen wurde,

-sich oft recht polemisch über verkürzende Deutungen des Geschichtsgeschehens oder biblischer Aussagen auslässt,

-die Bedeutungsinhalte der christlichen Glaubensaussagen in den Vordergrund stellt,

-sich für eine uneingeschränkte Bewahrung der gesamten biblischen Aussagen stark macht...

 

hier so einfach den Prozess Jesus wie ein antikes Amtsgerichtsverfahren abhandelt, bei dem ein rebellischer Räuberhauptmann hin und hergereicht wird. Wenn heute bei der täglichen Diskussion um den Passionsfilm nicht der Prozess um das schöpferische Wort in Menschengestalt gesehen werden kann, sondern nur noch Schwachsinn aus den blutspitzenden Bildern spricht, die zu allem Unsinn das jüdische Volk anschuldigen, dann mache ich die Neutestamentler dafür verantwortlich. Nicht den Filmemacher, sondern die Fachdiskussion, die so tut, als würde es im historischen Geschehen nur um einen rebellischen Wanderprediger gehen, verleugnet das lebendige Wort als den Sohn Gottes, der so unmöglich auf antiker Grundlage in der heute nachzuweisenden Logik der kosmischen und gesellschaftlichen Selbstorganisation gesehen werden kann.

 

Wenn Ihr Kollege Roman Heiligenthal sich lautstark in der Rheinpfalz beschwert, dass durch den Film die Botschaft des Neuen Testamentes verstellt würde, dann ist er selbst daran beteiligt. Dass der Film nicht die Inhalte bzw. theologischen Hintergründe des geistiges Geschehens zeigt, dürfte jedem halbwegs denkenden Zeitgenossen klar sein. Auch wenn der Anspruch erhoben wird, dass der Passionsfilm kein üblicher Sandalenfilm, sondern ein historisches Dokument über die letzten 12 Stunden Jesus sei, so stellen die Darstellungen für viele Christen sicher weniger ein Problem dar. Mit  Sicherheit geht selbst Mel Gibson, auch wenn er in seinem Film die Banalität des Geschichtsgeschehens brutal auf die Spitze treibt, weiterhin von einem hoheitlichen Sohn Gottes aus. Doch wenn ein Theologieprofessor, der sich beschwert, dass das blutige, beinahe perverse Machwerk die Botschaft verbaut, in seiner Argumentation Jesus Christus auf eine Stufe mit dem im Dritten Reich schändlich gequälten Dietrich Bonnhöfer stellt, dessen Leiden man doch auch nicht öffentlich vorführen dürfe, dann ist der Ofen aus.

 

Die großartige Botschaft, die angeblich durch den Film verbaut würde, wird so eigentlich erst vom Fachpersonal in himmelschreiender Weise beschränkt. Ein aufgeklärter Mensch der dies liest, dem können Sie noch so viel vom Sohn Gottes erzählen, dessen mytholgische Bedeutung es in Fremdheit zu bewahren gelte, er sieht darin kaum mehr als eine fromme Predigt von einem persönlichen Gottesbild. Der Auferstandene, der das Thema des Neuen Testamentes sei, wird dann in Wirklichkeit für Tod gehalten. Alle Christologie wird so als hellenistische Einfärbung oder Konstrukt der Frühkirche vom Tisch gewischt. Sie mag dann zwar Thema für intellektuelle Auseinandersetzungen von Theoogiestudenten sein, die ihren dogmatischen Lehrern gefallen wollen oder Stoff für spirituelle Erbauung, eine im heutigen Weltbild ernstzunehmende Bestätigung des christlichen Glaubensgrundes ist bei der Hypothese von einem verherrlichten Heilsprediger ausgeschlossen.

 

Die Inkonsequenz der Neutestamentler führt ihre eigene Einsicht in das großartige Geschichtsgeschehen, die sie täglich an den Tag legen, völlig ins Abseits. Mit Wollendecken, warmen Socken und meditativer Verblendung versucht man dann jenseits aller geschichtlichen Erkenntnis sich bei spirituellen Glaubenszirkeln einen eigenen Gottessohn in form persönlicher Gottesbilder zu basteln. Von einer universellen Erkenntnis, die dem Glauben einen offenbaren Grund gibt, ist nichts mehr zu sehen. Ich habe alle Achtung vor Dietrich Bonhoeffer und will sein Märtyrium in keiner Weise herabwürdigen. Doch wenn gerade die, die von der großen Botschaft Jesus tönen, im Gottesdienst predigen, dass er die Versöhnung der Welt mit dem Schöpfer aller Dinge „symbolisiere“, durch ihn der Abfall vom Schöpfergott d.h. Vergebung alter Sünden erreicht wurde und die über die theologischen Bedeutungsinhalte bestens Bescheid wissen, nur die Qualen eines Religionsrebellen thematisieren, an dem ein römischer Stadthalter seine Autorität beweisen wollte, ist für die Menschen von heute vom Wort Gottes in Menschengestalt nichts mehr zu hören.

 

Während die biblische Botschaft wie die gemalten Bilder davon, bis noch vor wenigen Jahrzehnten die Hoheitlichkeit bewahrten, wird das Geschichtsgeschehen auch von denen, die es eigentlich besser wissen müssten, auf banalste Weise herabgewürdigt. Noch für meinen Großvater war der Gottessohn als Schöpfer aller Dinge ein Fakt und alle Aussagen über ihn unzweifelhaft. Während sich die Gelehrten bereits stritten und das christliche Weltbild in Wanken kam, erfüllte das einfache Bild seinen Zweck und hat den Glauben über Jahrtausende getragen. Auch wenn die Inhalte nicht verstanden wurden, so war für die Menschen bisher ein himmlisches Wesen der Gegenstand der Betrachtung. Gerade im Nachvollzug alter Abbildungen neutestamentlichen Geschehens wird nicht nur am Heiligenschein mehr als deutlich, dass bisher weit mehr gesehen wurde, als die Besucher des von zahlreichen Theologen beurteilten Passionsfilmes sehen werden. Der theologische Bedeutungsinhalt, ob die Beziehung Jesus zu alttestamentlichen Personen oder heilsgeschichtliche Aussagen standen bisher dort, wo heute nur noch ein blutüberströmender junger Jude gezeigt wird. Doch damit trifft der Film genau den Zeitgeist. Er bildet ein Bewusstsein des christlichen Religionsgrundes ab, das inhaltsloser nicht werden kann. Und gleichzeitig beweist der Film, welche Schande dem menschgewordenen Gotteswort auch heute angetan wird, wer heute die Peiniger sind und vor 2000 Jahren waren.

 

Der neue Gottesverstand, der nicht nur in der jüdischen Diaspora, sondern auch in Qumran nachzulesen ist, bleibt bei der Banalität heutiger Hypothesen vom historischen Geschehen völlig außen vor, braucht nicht weiter beachtet zu werden. Ein echt neuer Bund bleibt eine Schwärmerei. An eine im lebendigen Wort bzw. der Weltvernunft des Johannes begründeten Wahrnehmung des alten Schöpfers ist so nicht zu denken. Das gesamte jüdische Denken, das die schöpferische Weisheit in der konkreten kosmischen Ordnung erkannte, weit über griechische Philosophien und hellenistische Metaphysik hinausgehend in neuer Weise das Wort Gottes verstand, kann bei diesem Historienverständnis nur noch zur propagandistischen Verherrlichung eines jungen Juden herangezogen werden. Alle hoheitliche Aussagen werden somit von denen, die sie permanent im Munde führen und deren Bedeutung betonen, als reine Religionspropaganda dargestellt. Nicht die Aufklärungsatheisten, sondern die Neutestamentler selbst sind es, die die Evangelien so ihres Inhaltes berauben, sich weit über die Verfasser der alten Texte stellen. Denn alles, was die Neutestamentler selbst dort als hoheitliche Aussagen darlegen, die vom Sohn Gottes, vom Auferstandenen oder dem wieder menschgewordenen Wort ausgehen, werden nach der heutigen Hypothese vom historischen Geschehen nur als fromme Geistesgebilde abgetan.

 

  1. Entsorgung der Vergangenheit und Versorgung der Zukunft“

 

In dieser evtl. etwas zu einfachen Darstellung hat Pater Löffler zum Abschluss des Studientages Ihre Aussagen über das Kreuzesgeschehen zusammengefasst. Und doch drückt sich hier genau das aus, was heute mehr denn je notwendig erscheint. Doch ist mit Ihren Aussage über den Kreuzestod Jesus die Versorgung de Zukunft gegeben?

 

Wenn wirklich nur ein römischer Stadthalter einen jungen Juden hingerichtet hätte, weil er wie sie sagten, die Ehre des Kaisers angegriffen sah, dann könnten wir das Buch zu machen. Es mag sich zwar gut anhören, von einem Opportunisten zu sprechen, der keinen Karriereknick riskieren wollte und daher auf die Pharisäer hörte, doch werden wir damit der im Buch beschriebenen Theologie des Kreuzes gerecht, die Sie beim Studientag in Ludwigshafen in exzellenter Weise verdeutlichten?

 

Jetzt Pilatus alles in die Schuhe zu schieben, der allein das Recht zur Hinrichtung hatte und laut Josephus ein Antisemit war, greift mit Sicherheit zu kurz. So lässt sich das Kreuzesgeschehen weder der Vernunft zuführen, noch seine großartige Bedeutung für die Welt begründen. Müssten wir nicht vielmehr in Pilatus (als Vertreter des römischen Weltbildes), der von bestimmten frühchristlichen Denkrichtungen als Heiliger verehrt wurde, einen derer sehen, die im Gekreuzigten wirklich den wahren König der Juden erkannten, auch wenn er dem Verlangen der Pharisäer gefolgt ist? Selbstverständlich ist Pilatus in meinem Geschichtsbild weit mehr, als ein Judenhasser, der seine Fahne nach dem Wind gedreht hat oder die Juden mit seiner Kreuzesinschrift verhöhnen wollte. Den aufrührerischen Heilsprediger, der nach Ihrer Kritik allein durch Pilatus hingerichtet wurde, als König der Juden sehen zu wollen, wäre wirklich eine Zumutung. Nicht nur für Juden, sondern ebenso für Christen. Wenn ich heute in Jesus den wahren König des Gesetzesglaubens nachweisen will, dann geht es weder um einen Menschen, noch einen jungen Gott. Auch kein Geistesgebilde oder ein Kirchenkonstrukt kann als König der Juden taugen. Nur die bereits von den alten Hebräern wahrgenommene Vernunft, das schöpferische Wort kann ernsthaft als der eigentliche König erkannt worden sein, der weit über einen menschlichen Monarchen hinausgeht. In der Auseinandersetzung des Denkens über den einen unsichtbaren Gott mit der Vielzahl von altorientalischen wie griechischen Göttergestalten musst die schöpferische Vernunft genau die Gestalt annehmen, die wir so gut kennen. Wer die Geschichte und Begründung des Monotheismus verfolgt, der kommt an einem in allem Kosmos und somit auch in der menschlichen Geschichte gesprochenen Schöpfungswort nicht vorbei. Gleichzeitig wird deutlich, warum dieses Wort den Weg ans Kreuz nehmen musste, um von der Welt verstanden zu werden.

 

Wenn wir konsequent die Aussagen der Evangelisten als eine hohe Theologie lesen, z.B. die Zerstörung des Tempels als Strafe Gottes, so wie es Matthäus beschrieben hat, dann kann es im Prozess dieser Zeit nicht nur um das Hin und Her um einen anmaßenden Heilsprediger gegangen sein, der sich zum König erklärte. Das buchstäbliche Verständnis, das den Sinn verbaut, liefert auch heute den Sohn Gottes ans Messer, ohne es zu wollen. Ganz wie Judas. Der Einsturz der Kirche ist auch heute in einem Verständnis nachzuvollziehen, das keine Zukunft hat.

 

Ihre Aussage über Judas, der nicht die Tötung Jesus, sondern diesen aus gutem Glauben an die jüdische Obrigkeit ausliefern wollte, weil er dachte, damit Gott gerecht zu werden, will ich aufgreifen. Besteht nicht auch heute die Gefahr, dass wir den traditionelle Vorstellungen und einer Buchstäblichkeit zuliebe den lebendigen Sohn Gottes ausliefern, der messianische Wirkung hätte. Wenn damals der Missverstand von Judas dem Sohn des Schöpfers den Kopf kostete, dann fürchte ich, dass sich das auch heute bewahrheitet. Ja, auch die Juden glauben an Jesus und an seine Auferstehung. Nur sehen sie darin nicht den erwarteten Messias. Genau das scheint mir das Problem des christlichen Glaubens. Der Messias wird zwar ständig im Mund geführt, bei seiner Betrachtung wird jedoch nur der blutüberströmte junge Jude gesehen, der später als Gottessohn „verkündet“ wurde. Wer den Grund christlichen Glaubens in dieser Reihenfolge denkt, kann weder die messianische Wirkung der Menschwerdung des präexisteneten Schöpfungswortes als wahres Licht der Welt darstellen, noch kann er die Wirkung, die von dessen Wahrnehmung im heutigen Weltbild ausgehen könnte nachvollziehen. Wenn, wie Sie sagten, ein superperfektes Judentum erwartet wurde und die gottloseste Religion herausgekommen ist, die es je gegeben hat, dann mache ich von meiner Perspektive des historischen Heilandes nicht Jesus dafür verantwortlich. Wie das Gottesbewusstsein an seiner Gesetzlichkeit gestorben ist, nicht am präexistenten Sohn, lässt sich gerade in der Auseinandersetzung der Naturwissenschaft mit den Glaubensbildern nachvollziehen. Auch wenn heute nur noch fälschlicherweise so genannte „Kreationisten“ die buchstäblichen Aussagen zu Genesis bewahren wollen, so zeigt sich doch, dass es die Buchstäblichkeit ist, die dem Wiederverständnis des Gottesssohnes in allem Werden im Wege steht.

 

Wenn es damals wirklich nur um einen angenagelten jungen Juden gegangen wäre, der den Hass der herrschenden Mehrheit auf sich zog, dann könnten wir lange warten. Der Tod eines antiken Wanderpredigers wäre folgenlos geblieben, hätte bei noch so viel Phantasie nicht die geistige Bewegung ausgelöst, die Sie und Ihre Kollegen ständig ausbreiten. Doch weil sich im Kreuzesgeschehen der Weg der ewigen Kreativität abbildet besteht berechtigte Hoffnung. Der Weg der Erkenntnis geht weiter, wird uns Gottes Wirken im kausalen Weltbild der Gegenwart neu offenbaren, auch wenn sich die Gesetzlichkeit dagegen sperrt. Weder der Schöpfergott selbst ist gestorben, noch ein junger Guru, sondern das offenbarende Wort in Menschengestalt. Genau darin vermute ich den Grund des Kreuzes, der – wie von Ihnen dargestellt - bereits von antiken Weisheitslehrern lange vor dem angeblichen Prozess um einen Heilsprediger thematisiert wurde. Wie weit sind wir gekommen, wenn wir das, was antike Weisheit in einem ewigen Weltgesetz sah, so sehen, wie in der Fachdiskussion zum Jesusfilm.

 

Wenn Sie Jesus als einen Außenseiter darstellen, der Kritik am Gottesverständnis übte und ein lebendige Vorwurf war am Verständnis des Schöpfers, das er für einen Antigott hielt, dann lässt sich das nachvollziehen. Nicht jedoch, wenn wir nur von einem aufmüpfigen Wandercharismatiker ausgehen, sondern vom in der Antike wahrgenommenen Schöpfungswort. Auch was „wozu“ des Kreuzestodes, das Sie in den Vordergrund stellten lässt sich nur nachvollziehen, wenn wir das Schöpfungsschema sehen, das sich im Kreuzestod  erfüllt. Jesus hat nichts ausgefressen, keine Schuld auf sich geladen, aufgrund der er sterben musste. Der Tod des lebendigen Logos scheint keine Strafe, sondern notwendige Voraussetzung, damit er von aller Welt wieder verstanden werden kann.

 

Mit Sicherheit hat Lukas, der uns die Geschichte von Judas übermittelt, in Jesus nicht einen bunten Hund gesehen, der aufgrund seiner terroristischen Gesinnung für 30 Silberlinge an die Obrigkeit überstellt und dem dann ein Prozess gemacht wurde, wie er heute zu sehen ist. Und doch bin ich dem Schöpfer dankbar, dass er uns durch diese einfachen Bilder den Glaube bewahrt hat, aus insgesamt 72 Evangelien genau die vier, die wir so gut kennen, durch die Kirchenväter zu einem Kanon gebunden wurden. Gerade die Tatsache, dass genau die antiken Theologen uns so klar und einfach verständlichen Evangelien als Kanon mit auf den Weg gaben, die gleichzeitig auf die schöpferische Weisheit gründeten, das kosmische Wesen zum Thema hatten, muss uns doch Neutestamentler auf ein historisches Wesen hinweisen, das weit über einen jungen Juden mit Bart hinausgeht. Ihr Aussage, dass der Judas, den uns die Evangelisten zeichnen, kein Charakterschwein war, der seinen Anführer des Geldes wegen auslieferte will ich folgen. Auch die heutige Schriftlehre denkt Gutes zu tun, Gott gefällig zu sein, wenn sie den Verstand an die Buchstaben ausliefert. In Judas scheint sich ein Verständnis auszudrücken, das uns heute nicht fremd ist. Wer angesichts all unseres Wissens über Judas nur als einen antiken Terroristen nachdenken lässt, dessen Anführer politisch gefährlich und daher von Pilatus verurteilt wurde, der liefert erneut den Logos ans Messer, auch wenn er wie Judas damals vor weiterem Verfall bewahren will. Der im gesamten kosmischen Geschehen lebendige Logos, wie ihn die modernen Naturwissenschaftler auch in Heidelberg beschreiben, kann so hinter dem am Kreuz hängenden Messias nicht verstanden werden. Sie werden verstehen, wie aberwitzig es aus dieser Perspektive erscheint, ein Volk für den Mord an Jesus verantwortlich machen zu wollen.

 

  1. „Wozu“ ist Jesus am Kreuz gestorben

 

Der Tod des lebendigen Logos scheint ein im Heilsprozess bzw. der evolutionären Erkenntnis notwendiger Weg. Das „Wozu“, das Sie in den Vordergrund Ihrer Ausführungen stellten hat jedoch nur einen Sinn, wenn wir im historischen Wesen keinen aufmüpfigen Rebellen sehen, sondern den kosmischen Grund des damaligen Glaubens.

 

Wer vom schöpferischen Wesen ausgeht, der kann nachvollziehen, wie dessen Tod notwendig war, um den Abfall vom Glaube, die Zergliederung und weiteren Zerfall zu vermeiden. Keine der Aussagen von Sündenvergebung durch den Tod Jesus kann sich auf das beziehen, was heute im Kinofilm gezeigt und beurteilt wird. Der Tod des Menschensohnes wurde als notwendig erkannt, um zu einer Umkehr zu kommen. Der gemeinsame Neuverstand des Schöpfers durch die antike Welt war nur durch ein Geschehen möglich, wie es uns beschrieben ist.

 

Doch Sie Herr Berger wissen selbst am besten, dass es Johannes nicht um einen hingerichteten jungen Juden gegangen sein kann, der durch irgendeine Absonderlichkeit wiedererweckt wurde. Und auch der Johannes, der nach Matthäus die Taufe zur Vergebung der Sünde durch Umkehr und Buße bewegen wollte, ging ebenso schon vor dem Tod Jesus von einem Neuverstand aus, wie z.B. Markus, der durch den Glauben an Jesus den Gelähmten heilen lässt. Auch Maria Magadalena war, wie Sie sagten, mit Sicherheit nicht nur eine Prostituierte, die mit Leckerbissen gelockt hat und deren Tränen den antiken Che Guevarra kitzelten, als sie ihm die Füße wusch. Wenn sie vorher gewendet war, dann hat das mit Sicherheit einen Grund, der in Geschichtswesen zu suchen ist, die weit über die heutige Banaldeutung hinausgeht. Hierzu sind Neutestamentler gefragt.

 

Die Dogmatik setzt sicher zurecht den Tod Jesus als Voraussetzung für die Vergebung der Sünden, die Überwindung des Abfalls voraus. Doch war es der Tod eines jungen Juden oder musste der göttliche Logos ein menschliche Gestalt annehmen und sterben, damit der Glaube leben, der Abfall vom Schöpfergott überwunden werden konnte. Wenn wir uns die geschichtliche Situation aus der Perspektive des damals lebendigen Logos nüchtern betrachten, können wir möglicherweise die Logik des Kreuzes verstehen. Wer sich vor Augen führt, wie bis heute die Hochbildung der Germanen den Bildern anhängt, der kann nachvollziehen, wie nutzlos es gewesen wäre, damals den Barbaren die Lehre von einem göttlichen Logos und dessen Offenbarungsfunktion beizubringen, das für die antike griechisch-jüdische Welt eine Selbstverständlichkeit war. Auch gegenüber den traditionellen jüdischen Glaubensgestalten, selbst wenn diese damals nicht nur in Alexandrien als Allegorien für bestimmte Inhalte verstanden wurden, war es unumgehbar, dass der göttliche Logos eine konkrete menschliche Gestalt annahm. Nur als konkrete menschliche Gestalt konnte die im realen Kosmos des antiken Weltbildes erkannte Präsenz Gottes als Messias der Juden wahrgenommen werden. Auch zur Versöhnung mit den heidnischen Gottergestalten, für die sich schöpferische Wesenheiten seit jeher in mythologischen Menschengestalten ausdrückten, muss das menschliche Geschichtswesen eine unabdingbare Voraussetzung gewesen sein. Alle christliche Erkenntnis hätte sich schneller verflüchtigt, wie sie gekommen war, wäre ohne die Anknüpfung an alte Vorstellungen zur Absonderlichkeit geworden, wie wir sie oft bei der damals verworfenen Gnosis beobachten können.

 

Es scheint zum Rad der Weltgeschichte mit Gott zu gehören, dass Jesus am Kreuz sterben musste. Nur durch menschliche Bilder scheint sich in westlichen Vorstellungen das Bewusstsein eines präexistenten schöpferischen Wesens, das nicht selbst Gott war, sondern dessen Offenbarung/weltliche Präsenz, erhalten zu haben. Der ewige Abfall vom Schöpfergott, die geerbten Vorstellungen – die Erbsünde- scheinen nur in der Geschichtsgestalt überwunden worden zu sein, die wir beim Kreuzesgeschehen vor Augen haben. Doch wenn damals nur der gestorben wäre, über den heute in der Fachdiskussion über das historische Wesen gestritten und am Karfreitag in der Kirche geredet wurde, ich hätte diese verlassen müssen. Wer angesichts der täglichen Fernsehbilder von jungen Glaubensmärtyrern, die Tausende in den Tod reißen den Totenkult auf einen etwas besseren ach so gutmütigen Menschen feiert, der für seinen für seine Glaubensüberzeugung in den Tod ging, der darf nicht weiter darüber nachdenken. Er muss entweder blind einer Tradition folgen oder wie die meisten der Kirchgänger das alles nicht so ernst nehmen. Denn wenn wir an Karfreitag wirklich nur einen großen Kult um den machen würden, der uns von der heutigen Lehre als historisches Wesen dargestellt wird, man müsste bei ernsthafter Überlegung den Gottesdienst verbieten. Angesichts dessen, was sich gerade heute durch menschliche Märtyrer geschieht zumindest ein Verbot wegen Volksverhetzung in Erwägung ziehen.

 

Dabei sind es gerade die alten Kirchenlieder, wie wir sie u.A. an Karfreitag singen, die weit mehr als die Diskussion der Kirchenlehrer das Wesen Jesus beschreiben. Denn während hier noch von Christe, dem Schöpfer aller Welt, wahrem König gesungen wird, der die Gläubigen hält, geht es bereits in moderneren Liedern wie in der heutigen Lehre nur noch um einen umgebrachten jüdischen Rebellen. Die Schöpfungswirklichkeit hat ihre Präsenz verloren, auch wenn wir noch so viel von Wende Predigen, die durch den Tod Jesus eingeleitet wurde und die Notwendigkeit von Umkehr angemahnt wird. Dass damals vor einer anderen Verhaltensweise im täglichen Leben ein neues Gottesverständnis stand, das heute mehr denn je not-wendig wäre, bleibt unausgesprochen.

 

Wenn es in Jesus um das lebendig gewordenen Wort, die schöpferische Vernunft des Vaters ging und nicht nur um einen Guru, wird dann – ohne dass man es will - dem Haupt voll Blut und Wunden heute nicht weiterer Hohn zugemutet und nur eine Dornenkrone aufgesetzt? Wird der Vernunft Gottes nicht ins Ge-sicht geschlagen, wenn nur um die Verurteilung eines Wanderpredigers gestritten und daneben ein Gottessohn gestellt wird, den man nicht sehen kann und über den man nicht sprechen kann? Wo ist das große Weltgewicht, wenn es nur um einen anschließend verherrlichten Wanderphilosophen ging, wie an heutigen Hochschulen gelehrt wird? Bewahrheitet sich so erneut, was bereits die königlich-jüdische Weisheit in den Psalmen zum in Bezug auf Israel Ausdruck brachte? Nach heutiger Lesweise geht man davon aus, dass einfach Passagen aus dem alttestamentlichen Psalm 22 auf die Hinrichtung des angeblichen Heilspredigers übertragen wurden. Das Würfeln um das Gewand oder das Durchgraben von Händen wurde nach derzeitiger Hypothese mit dem historischen Bericht über die Exekution des zum Erlöser hochstilisierten Heilspredigers gemischt. Ganz dogmatische Exegeten gehen einfach davon aus, dass in den Psalmen eine Vorahnung auf den Gottessohn wiedergegeben wird. Und ganz so unrecht scheint diese Auslegung nicht zu sein, auch wenn es mit Sicherheit weder um die Vorahnung auf den Tode eines antiken Heilsprediger, wie er heute als historisch dargestellt wird, noch ein Gottessohnskonstrukt ging. Denn wer das lebendige Wort in Menschengestalt am Kreuz hängen sieht, der hört auch im alttestamentlichen Psalm eine sich bis heute wiederholende historische Wahrheit. Das in Geschichte wie Genesis zu hörende schöpferische Wort Gottes, das Israel ausmacht, scheint verlassen. Wer vom Standpunkt des am Kreuz hängenden schöpfungs-wirk-samen Gottesson den alten Psalm an Karfreitag betet, der begreift, warum hier bereits der historische Jesus bzw. das Ewige Problem mit der präexistenten Präsenz des Schöpfers beschrieben ist und nicht nur alte Sprüche auf die Gaffer eines Hinrichtungsgeschehens zur Zeitenwende übertragen wurden.

 

Auch wenn, wie Sie darstellten, viele Stellen im Neuen Testament ein Heilsgeschehen unabhängig von vom Tod und Auferstehung Jesus beschreiben, so scheint der Tod des in menschlicher Gestalt lebendig ge-wesen-en Schöpfungswortes die Voraussetzung, damit der verlorene Sohn wieder zu seinem Vater zurückehren kann. Nur so ist die Buße, Umkehr, die von Johannes verlangt wird zu verwirklichen oder kann der Gelähmte wieder gehen, weil ihm die Sünden vergeben sind. Dass in diesem Geschehen ebenso wenig die wundersame oder tiefenpsychologisch bzw. rein symbolisch zu erklärende Heilung eines blindgläubigen Anhängers eines religiösen Anführers zu erklären ist, wie in der Heil erfahrenen Maria Magdalena eine Prostituierte, die wie mit Lecherbissen gelockt hat, muss sicher nicht weiter ausgeführt werden. Doch mit Sicherheit hat uns auch die Aussage von Maria Magdalena weit mehr zu sagen, wenn wir das Wort an den Anfang stellen, das von einer Fremden Frau/Weisheit als erstes wahrgenommen wurde, statt uns Gedanken über ein antikes Groupie zu machen, das – wie Sie polemisch bemerkten - bei einer Fußwachung den Gottessohn mit seinen Tränen geil machte. Wenn es aber nur um einen zum Tod verurteilten Heilsprediger ging, an dem Sie festhalten und gemeinsam mit anderen Fachtheologien hinsichtlich des Passionsfilmes diskutieren, dann hilft all Ihre Polemik nicht. Dann muss Maria Magdalene doch nur ein fußgeiles Frauenzimmer bleiben. Wen wir weiterhin nur einen Wanderprediger an den Anfang stellen, statt das menschgewordene präexistente Wort, der schöpferische Logos in Person, nimmt der Schwachsinn seinen Lauf, versperrt dem Logos Gottes das Leben. Ist also das schöpferische Wort, das damals sein Leben lassen musste, umsonst gestorben? Dies scheint nur so. Nur so wird heute dem neuen Verstand Gottes der Weg gebahnt. Der Abfall geht dem neuen Verstand des Schöpfungswortes voraus.

 

Heute an Karfreitag scheint der Prozess weiterzugehen. Auch heute verurteilen die Hochschullehrer der Kirche den lebendigen Logos, feiern nur den Tod eines Wanderpredigers und einer aufgesetzten Predigt vom Gottessohn. Vom erneuerten Bund, der bereits mit Moses geschlossen wurde ist nicht wirk-lich etwas zu sehen. Auch wenn dies noch so oft im Munde geführt und eine Neuanfang verlangt wird. Wo man im historischen Wesen nur einen blutüberströmten Märtyrer sieht, ob er bei Passionsspielen oder besonders brutal im Kino gezeigt wird, hat der neue monotheistische Bund keine wirkliche Bedeutung, kann nicht bewusst gemacht werden. Und mit Jesus wird auch Moses geköpft. Statt den alttestamentlichen Verstand des monotheistischen Geschichtswortes in Menschengestalt zu beurteilen, wird nur über einen frommer alter Mann nachgedacht, der aufgrund heutiger historischer Beurteilung weder der Bibelschreiber gewesen sein soll, noch ein Volksbefreier und Führer war. Die geschichtliche Befreiung des hebräischen Verständnisses des transzendenten, unabbildbaren externen Schöpfers kann im heutigen Weltbild ebenso wenig nachvollzogen werden, wieso Moses wirklich der Verfasser des Pentateuch war.

 

Die total vermenschlichen Vorstellungen von einem jungen Juden halten auch davon ab, alte Glaubensgestalten wie Moses aufgrund heutigen Wissens mit den aufgeklärten Augen antiker allegorischer Exegese zu sehen. Selbst wenn längst gelehrt wird, dass die alttestamentlichen Aussagen keine historischen Berichte im bisherigen Banalverständnis sind, kein Volksführer die Bücher Moses verfasst hat und selbst der Auszug aus Ägypten als Beschreibung einer Befreiung in der Geistesgeschichte zu verstehen sind, so hält das neutestamentliche Selbstverständnis davon ab, die Geschichtswahrheit des Alten Testamentes zu verstehen. Das Wort Gottes wird, wie im Mosesfilm der in der Karfreitagnacht zu sehen war, der angeblich aufgeklärten Welt nur als Inschrift auf Tontafeln verkündet. Der gesamte Verstand der Hebräer, der eine konkrete kosmische Grundlage hatte, muss beim heutigen theologischen Weltbild ohne Bedeutung bleiben, auch wenn er noch so gut erforscht wird. Auch im alten Testament wird nur von Mythologie ausgegangen, die einem alten Mann mit weißem Bart anhängt wird, der glatt der Opa des christlichen Glaubensgründers sein könnte, für dessen Hinrichtung nach Ihrer Darstellung Pilatus die Verantwortung trägt.

 

Wer auf diese Weise die beiden Bärtigen nebeneinander stellt, braucht nicht weiter über die großartige Weisheit der alten Hebräer nachzudenken und noch weniger, warum das Neue Testament einen neuen Bund bewirkte, die Gestalt des als Gottessohn lebendigen Logos weit über alte Lehren hinausgeht. Alles, was selbst der banale Filmstreifen an großartiger Weisheit der Väter offenbart bleibt ein reiner Mythos. Doch als ich längst nach Mitternacht den Hollywoodmoses Josua den Weg ins gelobte Land zeigen sah, fielen mir Ihre Kargedanken über den Tod und seine neutestamentliche Bedeutung wieder ein. Wie wahr: Das Alte muss über den Jordan gehen, damit das stattfinden kann, was in der Karfreitagspredigt an neuer Ausrichtung verlangt wird. Der Tod ist kein Fehler des Creators, sondern die Voraussetzung für neues Leben, ewige Schöpfung in aller Natur wie die Auferstehung des schöpferischen Geistes.

 

  1. Auferstehung realisieren

 

Wenn neue Erkenntnisse und Funde die Frühdatierung der Evangelientexte verlangen, die Apostel zu Augenzeugen des Auferstandenen machen, dann können wir nicht weiter an der Hypothese festhalten, dass alles nur später aufgesetzte Verherrlichungslehren sind. Auch die Auferstehungsleugner einfach bei Seite zu schieben und gegen die verschwommenen Auferstehungsformulierung heutiger Theologie zu polemisieren, die gar konjunkturelle Schwankungen bemühen würde bringt uns nicht weiter. Das von auch von Ihnen vertretene Bild des hingerichteten Religionsrebellen ist es, das nicht nur zur Leugnung der Auferstehung führt und dessen vernünftige Deutung ausschließt. Doch noch schlimmer ist es, dass wir nur einen Totenkult auf einen jungen Juden betreiben und den Auferstandenen aus dem Verstand ausschließen.

 

Das „schlappe Christentum“, das nach ihren Ausführen am Anfang Ihrer Kargedanken ökumenischen Bildungszentrum Mannheim abgewirtschaftet hat, ist auf dem Weltbild der Neutestamentler gewachsen. Es ist die Inkonsequenz, die weiter an leblos gewordenen Vorstellungen festhält. Nicht nur in den Karfreitagsprozessionen rund um die Welt wird daher ein reiner Totenkult betreiben, sondern auch im theologischen Hochschulalltag. Da kann an Ostern noch so viel von Auferstehung geschwärmt werden. Sie wird durch die heutige Hypothese der Neutestamentler verhindert. Wenn das Leben heute zur Sinnlosigkeit geworden ist, der Tod als endgültiges Aus, vor dem man Angst haben muss, dann hat das alles viel mit dem Selbstverständnis zu tun, das uns heute als christlicher Glaube vermittelt wird. Der Tod wie eine Schrankwand des Krankenhauses, eine Grenze, hinter die wir nicht schauen können, wie sie ihn bei Ihren Kargedanken darstellen, wird nie sein Geheimnis und seinen Schrecken verlieren. Doch wer sich im lebendigen Wort, das vor 2000 Jahren mit Namen Jesus angesprochen wurde in die natürliche Schöpfung des gesamten Kosmos eingebunden weiß, der sieht auch den Tod mit neuen Augen.

 

Während die Evolutionsbiologen längst belegen, wie nur durch den Tod jeweils neues Leben entsteht, die ganze Geschichte der Genesis ihren Lauf nimmt,  .......................