Der Weg ins gelobte Land

 

 

geht Dank der von Gott gegebenen Fähigkeit und Freiheit des aufgeklärten Denkens weiter.

Denn das Schöpfungswort,

Grund durchdachten Glaubens in Ägypten

und im Alten Testament bzw. bei der Entstehung des biblischen Monotheismus,

 die im historischen Jesus menschlich ausgeformte Weltvernunft,  

lebt wirk-lich:

 ist aufgrund heuten Wissens in allem natürlichen Werden wahrzunehmen

 

 

 

 

Die Wahrnehmung des lebendigen Schöpfungswortes in der Kosmologie Ägyptens, seine Ausdrucksform in Mythen alter Hochkulturen, seine theologisch-kultische Umsetzung in erster Trinität und seine Weiterentwicklung durch Moses werden hier als Wegweiser zu einem modernen Monotheismus hinterfragt.

 

 War Jesus als heute wieder lebendiger Logos bereits der Grund für Eschnatons ersten durchdachten rationalen Monotheismus sowie seine Weiterentwicklung durch Moses?

 

Wie kann in Anknüpfung an das Denken der alten Hochkulturen und ein gleichzeitiges Neuverständnis des historischen und hoheitlichen Wesen Jesus der Weg zu einem aufgeklärten Monotheismus aufgrund unseres Wissens um das natürlich-evolutionäre Werden fortgesetzt werden?

 

 

 

 

Sehr geehrter Herr Prof. Assmann,

sehr geehrter Herr Prof. Manfred Görg,

an alle Alttestamentler,

 

die bereit sind, den Grund bzw. Weg des ursprünglichen Monotheismus mit offenen Augen zu betrachten, so den Neutestamentlern und letztlich den heutigen Menschen einen zeitgemäßen Grund für einen rationalen christlichen Glauben an den einen Schöpfergott liefern wollen.

 

 

Die eigenen Wurzeln zu kennen ist die Voraussatzung um zu wissen, wer wir sind und wohin wir sollen. In diesem Sinne kann der von Ihnen dargestellte Wandel im Verständnis des Alten Testamentes bzw. der diesem vorausgehenden orientalischen und hellenistischen Göttervorstellungen einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, den zur Zeitenwende führenden Logos, das lebendige Wesen Jesus Christus, mit neuen Augen zu sehen. Auch wenn die Begrifflichkeiten abweichen, man heute auf den ersten Blick daher von völlig verschiedenen Offenbarungswesen ausgeht, so soll ein neues Verständnis des Alten Testamentes zu einem neuen christliches Selbstverständnis führen, das dann ein rationales aufgeklärtes Gottesverständnis aufgrund schöpferischer Realität begründet.

 

Seit vielen Jahren versuche ich als Laie völlig vergeblich meine neutestamentlichen Lehrer dazu anzuregen, hinter dem Wesen des christlichen und letztlich gesamten monotheistischen Glaubens das nach antikem Weltbild in allem kosmischen Werden lebendige Wort (den Logos bzw. die real wirkungsvolle schöpferische Weisheit/Vernunft) wahrzunehmen. Erlauben Sie mir daher, dass ich Ihre Erkenntnisse über den Ursprung sowie Weg des Monotheismus aufgreife, um vom Alten Testament aus nachzuweisen, dass es auch im Neuen Testament nicht um einen als Christus vergötterten Wanderguru oder gar nur ein literarisches Geistwesen bzw. eine Art christlich vorgesetzten Miniaturgott ging, sondern das lebendige Schöpfungswort, der Logos in menschlicher Ausdrucksform als wahrer Messias wirkte: den wahren, wirk-lichen Schöpfer und seinen Willen offenbarte.

 

Dabei geht es nicht um eine theologische Besserwisserei. Ziel ist vielmehr ein neues Bibel- und somit christliches Selbstverständnis, das zu einem aufgeklärten Glauben aufgrund des heutigen Wissens um das natürlich-evolutionäre Werden und das wunderbare kreativ-konstruktive Zusammenspiel in Mikro- und Makrokosmos führt. Nicht als die Natur vergötternder Pankreationismus, philosophischer Monismus oder Kosmotheismus, sondern monotheistischer Glaube aufgrund des im historischen, wie heutigen Jesus Christus: Eines lebendigen Wortes, das mit Abraham seinen Anfang nahm.

 

Auch wenn es wie die absurde Anmaßung eines theologischen Außenseiters und Nobodys klingt, so möchte ich Sie als den ersten Teil der Bibel mit neuen Augen lesenden Theologen bitten dabei zu helfen, den heute wieder lebendigen Jesus Christus zu bezeugen, durch seine bewussten zeitgemäße Wahrnehmung zu einem durchdachten universellen Monotheismus beizutragen. Statt den Menschen dogmatisch vorzuschreiben was sie glauben sollen bzw. es jedem selbst zu überlassen, wie er über die Wirkungsweise des Schöpfers und die Natur denkt, kann von einem aufgeklärten Verständnis des natürlichen Schöpfungswortes ein zeitgemäßer universeller Glaube ausgehen, der in den verschiedenen monotheistischen Kultformen auf unterschiedliche Weise umgesetzt wird, sich aber der gemeinsamen Grundlage in schöpferischer Wirk-lichkeit bewusst ist.  

 

Ein Vortrag von Prof. Görg bei der katholischen Akademie Speyer über „Die Wege Israels zu dem einen Gott“ war Anlass, mich erneut auch wieder Prof. Assmann zuzuwenden. Seine Auseinandersetzung mit Alttestamentlern  über die Mosaische Unterscheidung enthält viele Argumente, den Grund des Glaubens heute nicht nur im Buch zu suchen, sondern die Bibel als Beleg für das in aller Evolution lebendige Wort zu lesen und es dort zu verstehen. Das heutige Verständnis vom Auszug aus Ägypten bzw. die in Moses personifizierte und geschichtlich zu ortende Weiterentwicklung des Monotheismus kann dabei ein wichtiger Wegweiser sein. Es kann helfen, die Bedeutungsaussagen des christlichen Glaubens bzw. des Credos nicht nur als literarische Anleihen aus ägyptischen und alttestamentlichen Traditionen, für ansonsten weitgehend undefinierbare frühkirchliche Glaubensbekenntisse zu sehen. Vielmehr ist der Grund der antiken Bilder in einer allem kosmischen Werden zugrunde liegenden schöpferischen Software, Sinngebung, Logik (in alter Sprache Logos/Wort) zu verstehen. Einer Vernunft, deren Verständnis sich ständig weiterentwickelt und die so auch die menschliche Geschichte bestimmt: Grundlage für das Gelingen von Gesellschaften, schöpferisch-vernünftigem Verhalten der Individuen ist. Was in Abraham seinen Anfang nahm und zur Zeitenwende im somit echt historischen Jesus Christus in menschlicher Gestalt lebendig war, gilt es so mit heutigen Augen wahrzunehmen.   

 

Selbstverständlich spricht das Alte Testament nicht vom Logos, sondern vom Wort oder der Weisheit Gottes. Doch indem wir erkennen, dass der ägyptische und alttestamentliche Monotheismus nicht gesetzten Buchstaben entspringt, sondern der Erkenntnis schöpferischer Gesetze im kosmischen Werden, kann die heutige Trennung zwischen Wort und Wissen aufgehoben werden. Durch eine neue Sichtweise der alttestamentlichen Glaubensaussagen, als in antiken Weltbildern durchdachte Gottesvorstellungen, die auf einer ganz natürlichen schöpferischen  Wirk-lichkeiten des damaligen Weltbildes basiert, hoffe ich Verständnis für den Logos als ewiges Wort zu finden, der zur neutestamentlichen Monotheismusreform geführt hat. Von Alttestamentlern muss der Anstoß an die Neutestamentler ausgehen, nicht nur nach den Spuren eines Religionsrebellen zu suchen und ihm heute politisch Forderungen in den Mund zu legen, denen keiner folgt, sondern dem in allem Werden lebendigen Logos als präexistenten Offenbarungs-Wesen und Wegweiser zu einem schöpfungsgerechten, vernünftigen Verhalten zu hinterfragen. Es geht dabei nicht um einen abgehobenen modernen kosmischen Christus jenseits der Evangelien oder außerhalb der alten Mythen. Vielmehr ist erst durch das allegorische Verständnis der alten Texte der Blick auf eine universell und ewig wirkende Vernunft/ein Wort zu richten, das in allem natürlichen Werden versanden wurde und vor 2000 Jahren in der menschlichen Gestalt Jesus als Gottessohn lebendig war: Ein Fortschritt gegenüber kaiserlich-menschlichen Götterrepräsentanten und jüdischer Gesetzlichkeit einerseits und reinen Philosophiekonstrukten andererseits, den wir heute noch nicht ermessen haben. Die vernünftige Software allen Werdens ist dann nicht nur in spiritueller Versenkung verständlich und vermittelbar zu machen. In logisch durchdachter Theologie kann aus dieser im modernen Weltbild wahrnehmbaren schöpferischen Weisheit gesellschaftliche Sinngebung und menschlich-moralische Wegweisung abgeleitet werden.

 

  1. Die Wege Israels zu dem einen Gott

 

Als theologischer Laie, die Freiheit hat, das Wort Gottes nicht nur in Büchern zu lesen, nicht gelernt hat, dass der Kosmos seit Kant leer ist, man von der Natur aus nicht mehr auf den Schöpfer schließen könne, hörte ich Ihre Ausführungen über die aktuellen Geschichtserkenntnisse von der Entstehung des Monotheismus mit ganz anderen Ohren. Wer monotheistische Offenbarung nicht mehr auf wundersame Eingebungen bei Einzelgestalten zurückführt, sondern auf das Wort in der natürlichen Schöpfung (kosmisches Geschehen sowie Geschichtsverlauf), dem durch Weisheitslehrer in Geschichtspersönlichkeiten vermittelbare Gestalt(en) gegeben wurde, der kommt zu ganz anderen Schlüssen hinsichtlich eines heutigen Schöpfungs- und Bibelverständnisses. Für den wird auch in jeder Bibelstunde, bei der junge Theologen aufgrund neuer Forschungsergebnisse berichten, dass dies und das geschichtlich leider so nicht mehr haltbar sei (von Moses, Jericho bis zu König David oder dem Geschehen um Jesus) ein weiter Beweis für das schöpferische Wort geliefert, das Gegenstand der Geschichten ist und eine geschichtliche Realität war.

 

Wenn ich Sie Herr Prof. Görg recht verstanden haben, dann können wir heute davon ausgehen, dass der Monotheismus Israels kein vom Himmel gefallenes Geschenk des Anfangs ist. Vielmehr haben Sie dargestellt, wie sich wahrscheinlich erst im 6. Jahrhundert die Alleinverehrung im Rahmen eines neuen Denkens durchgesetzt hat. Aufgrund dessen was wir heute wissen, entspringt der Monotheismus einem Denkweg zum Verständnis des einen Gotteswortes, den die Propheten gegangen sind. Es scheint keine wundersame träumerische Offenbarung von Einzelgängern gewesen zu sein, sondern eine gemeinsame theologische Vorstellung, die die vom Schöpfer gegeben Gaben des Kopfes gebrauchte, um im Kosmos das Wort zu verstehen. Aus dieser Perspektive hat es sich daher im Monotheismus der Nachexilszeit, von dem aus nach heutigem Geschichtswissen das Alte Testament aus zu lesen ist, nicht um den Alleinseligmachungsanspruch eines Volksgottes gehandelt, sondern das Verständnis eines universellen Schöpferwortes. Alten Göttern wurden danach aufgrund des bei Hochkulturen erfahrenen Wissens und der durch die beginnende Hellenisierung hereinbrechende philosophisch durchdachten Verständnis kosmischer Ordnung nicht nur neue Kleider übergestreift. Vielmehr scheint das gemeinsame Schöpferwort, das auch in alten Kultformen lebendig war, verstanden worden zu sein.

 

 Über das rationale Monotheismus-Modell Eschnatons bzw. das ägyptisch-hellenistische Pantheon hinausgehend, scheint bei den Hebräern das Bewusstsein eines Wortes/einer Vernunft geblüht zu haben, aus dem alles hervorgeht. Genau wie wir es in den verschiedenen Berichten der Genesis lesen, es die Psalmen besingen, die Weisheitsbücher berichten, die Propheten einforderten und die Apokalyptiker literarisch umsetzten.  

 

Was bisher wie selbstverständlich vorausgesetzt wurde und für Buchstabentreue bis heute keine Frage ist, kann jetzt gedanklich nachvollzogen werden, wenn wir von einem Logos/Wort ausgehen, das aller Genesis zugrunde liegt und im Wissen um das natürliche Werden deutlich zu machen wäre. Erst heute, wo sich die Fragen stellen, weil die biblischen  Berichte nicht einfach als Fakt gesetzt werden, kann sich ein Verständnis entwickeln, das die Bilder der Bibel in neuer Weise verstehen lässt. Gerade weil wir nicht mehr davon ausgehen, dass ein Volksbefreier mit Namen Moses auf einem Berg wundersame Stimmen hörte und dies aufgeschrieben hat, sondern sich mit seinem Namen eine Entwicklung zum Monotheismus Israels verbindet, der zu Beginn hellenistischer Zeit bzw. in Exilserfahrung zum Glaube an den einen Gott reifte, können wir neu über den Auszug aus Ägypten und die Sinai-Erfahrung nachdenken. Sie als Alttestamentler können weit besser als ich deutlich machen, wie sich die Gotteswort-Erfahrung entwickelt hat. Moses (von dem ich aus Vernunftgründen weiterhin wie von einer menschlichen Einzelperson spreche, auch wenn ich dahinter keinen Volksführer, sondern vielmehr ein aus Ägypten kommendes, davon jedoch befreites, fortentwickelte schriftlich ausformuliertes Monotheismusbewusstseins vermute)  hat ebenso wenig wie die Propheten das Wort Gottes aus einem Buch gelesen. Der Monotheismus, auf den wir uns ständig berufen, scheint daher von der Wurzel nicht als sekundäre Buchreligion, sondern lässt sich nur auf ein Hören des lebendigen Wortes zurückführen.

 

Wenn aber ein Weg der Weiterentwicklung dem Wort Gottes-Verständnis zugrunde liegt, in der Bibel der ständige Wandel eigenen Glaubens (nicht der der Außenstehenden, Andersdenkenden, Atheisten) angemahnt wird, der Aufbruch in die Fremde das Thema ist, warum fällt es heutiger Theologie so schwer, in der Fremde des aufgeklärten Weltbildes nach dem Wort Gottes zu fragen? Warum wird nur aus einem Buch vorgelesen, dessen Bedeutungsaussagen man leider selbst kaum mehr ernst nimmt, dessen Inhalte man meist nur noch literarisch erklärt, ohne den zugrunde liegenden Logos zu belegen? Wenn wir wissen, dass Moses kein schriftstellender Religionsstifter war, sondern der Stift eines weiterentwickelten Gotteswortverständnis, wird es dann nicht Zeit, neu nach dem grundlegenden Schöpferwort zu fragen, das der aus Ägypten kommende Moses verstanden hat? Wenn wir nicht mehr davon ausgehen, dass ein Volksbefreier durch wundersame Ereignisse sich Autorität verschaffte, warum fragen wir nicht nach dem Schöpfungs- und Geschichts-Autor, der zu Moses sprach? Wenn kein alter Mann auf einem Berg göttliche Eingebungen hatte, sondern ein Entwicklungsweg der Erkenntnis bzw. ein gereiftes Gotteswortbewusstsein zu durchdachter Theologie und Ethik führte, warum fragen wir dann nicht nach der damaligen Schöpfungswahrnehmung bzw. dem davon ausgehenden Bewusstsein, dem Geist, der den Gesetzen zugrunde liegt: ob sie die Theologie bzw. das Verhältnis Gott und Mensch bestimmen oder das Verhalten der Menschen untereinander?

 

Muss nicht hinter allen Gesetzen, die Moses vom Berg brachte, auch die schöpferische Weisheit mitgelesen werden, die wie wir aus der jüdischen Bibel wissen, die kosmische Weltordnung/Vernunft des Schöpfers auf die menschliche Verhaltensweise übertragen sollte? Wenn wir doch die Entwicklungsgeschichte belegen, die den biblischen Geschichten zugrunde liegt, wird es dann nicht Zeit, im Neuen Testament eine Weiterentwicklung zu lesen, die weit über die angeblichen aus „Nahtodeserfahrungen“ gespeisten Offenbarungen eines Wandergurus oder dessen Christologisierung hinausgehen? Warum verbauen wir uns mit angeblich wundersamen Erzählungen von naturbrechenden Gottesbeweisen und einer weltfremden Glaubenssprache den Wegen zu einem modernen Monotheismus, wenn wir doch längst wissen, dass es weder im Alten, noch dem Neuen Testament um historische Menschen im heutigen Sinne oder einen Hokus Pokus geht, sondern den Geschichten eine durchdachte, sich weiterentwickelnde Theologie zugrunde liegt?

 

Warum graben wir weiter nur nach Buchstaben und nach den Knochen eines Gurus mit Namen Jesus und dessen Vergötterung, wenn wir doch wissen, dass es auch bei Moses nicht um einen charismatischen Menschen geht? Müssen wir nicht vielmehr davon ausgehen, dass auch den wie selbstverständlich von Moses sprechenden, jedoch allegorisch denkend und auslegenden Lesern der Zeitenwende (nicht allein Philo von Alexandrien) bewusst war, dass es bei Moses nicht um einen Alten Mann bzw. Mythos von einem Volksbefreier ging, sondern auch seiner Geschichte der Gottessohn als an ihn ergangenes Wort zugrunde liegt, das in neuer Qualität verstanden durch die Evangelisten genannten griechisch-jüdischen Weisheitslehrer wieder Mensch wurde. Und entspricht es daher nicht einer Logik, dass diese alt-aufklärerischen Denker in Qumran oder Antiochien den Logos in menschlicher Gestalt zum Ausdruck brachten? War es nicht vielmehr eine theologische Vernunft, die Bilder der Tradition in gewohnter Weise fortzusetzen, auch wenn man sich deren kosmischer Begründung im antiken Weltbild bzw. der inhaltlichen Füllung der alten Texte bewusst war?

 

Wenn ich mit Ihnen den Fahrstuhl besteige und 1200 Jahre in die frühe Eisenzeit fahre, dann finde ich keinen außerweltlichen Zauber, der zum Gottesbewusstsein führte, sondern wird von Ihnen immerzu die Theologik erklärt, die dem alten Gottesbewusstsein zugrunde liegt und die einen konkreten kosmischen Bezug hatte. Gerade dann, wenn man nicht einfach Menschen oder die Natur selbst bzw. ihre Abläufe verherrlichte, so muss doch das, was später als schöpferische Weisheit und Wort verstanden wurde, mitgelesen werden. Wenn Sie uns alte Kultbilder zeigen, so kommen die nie ohne einen kosmischen Bezug zur schöpferischen Kraft und Ordnung aus, meist im Sonnenkreises verkörpert bzw. aus diesem abgeleitet. Wenn Sie deutlich machen, wie durchdacht diese Bilder waren, ob der Sonnenkreis auf dem Kopf, die das kreative Werden verkörpernde Käfer oder der Korb kosmischer Wirklichkeit, aus der Tutanchamun aufsteigt, muss uns dies nicht neu nachdenklich machen, im Heute nach der damals erkannten Wirk-lichkeit eines Schöpfers fragen lassen? Was nützt alle Erkenntnis über das damalige Denken, alle archäologische Arbeit, wenn wir weitermachen, wie wenn Einzelpersonen von unerklärlichen Geistesblitzen getroffen worden wären, die dann als Offenbarungen zum Monotheismus-Gesetz wurden?

 

Auch die frühe Dreifaltigkeit war ein Denkmodell, wurde nicht wie heute aus Buchstaben abgeleitet. All das, was wir heute im christlichen Credo bekennen, scheint nach Ihrer Analyse bereits bei den Ägyptern in einer Vorform bekannt gewesen zu sein. Doch was dort bekannt war, scheint mir aufgrund dessen, was Sie mir erklären, aus der ganz natürlichen Schöpfungsordnung (zu der auch eine geistige Logik gehört) abgeleitet, durchdachte Theologie gewesen zu sein. Es war nicht nur ein zufälliger Blindenkult. Die bereits von den Ägyptern durchdachte Formel zum Verstand des einen Gottes und zur Umsetzung seiner Weisheit hat sich in der Trinität fortgesetzt. Schon lange vor Platon scheint im alten Ägypten eine Theologie lebendig gewesen zu sein, die auf das gründete, was die griechische Naturphilosophie als Logos identifizierte. Es ging jeweils um die reale schöpferische Ordnung, letztlich das Wort Gottes, das die verschiedenen Hochkulturen auf unterschiedliche Weise verstanden und umsetzten. Eine Erkenntnis, die wir - gewohnt das Wort nur zwischen zwei Buchdeckeln zu lesen - noch lange nicht ausgeschöpft haben.

 

Die Auseinandersetzung Eschnatons mit dem ägyptischen Pantheon, sein erster Monotheismus und die Verwerfung der des Mythenglaubens, all das hatte seinen Grund nicht in alten Gesetzen, sondern der Betrachtung der konkreten Genesis. Aber auch die von Eschnaton angegriffene alte Mythologie, die sich gegenüber seinem allzu rationalistischen Glauben wieder durchsetzte, kommt nicht ohne einen konkreten Bezug zur kosmischen Ordnung aus, hat nur dort ihren Grund. Doch genau darüber setzten wir uns hinweg, wenn wir vom Schöpfer reden, wie wenn der sich im Buch begründen ließe. Wenn heute dort gar eine eigene Sprache verstanden wird, jenseits des Weltwissens, wer wundert sich dann, wenn daraus nur eine Scheinrealität bzw. ein Scheinmonotheismus hervorgeht, die monotheistische Religion in der modernen Welt keine Realität mehr findet? Ob wir den als rational eingestuften Monotheismus des Eschnatons betrachten oder die verschiedenen, meist pantheistischen antiken Theologie des Mittelmeerraum, waren dies Cyber-Theologien im heutigen Stil, jenseits einer realen Welt-Wirklichkeit? Oder ging es um Vorstellungen von als sinnvoll erkanntem konkretem schöpferischem Wirken in Kosmos und später auch Geschichte?

 

Mit meinen Fragen nach einem konkreten kosmischen Grund des Glaubens will ich die Bibel keineswegs verlassen, sondern suche nach einem Verständnis der realen Personen. Denn die biblischen Personen sind von einem ewigen Schöpfungswort/Logos aus beleuchtet keine literarische Fiktionen, die menschlichen Vorstellungen entspringen, allenfalls psychologische Funktionen haben, sondern sind als Prototypen menschlicher Rollen, Aufgaben und Wesenszüge in der Geschichte des Monotheismus zu orten. Genau wie Sie das auch von Abraham ausgesagt haben. Wenn das

 

Herausgehen in ein unbekanntes Land, dem schöpferischen Wort folgend“

 

der entscheidende Wesenszug des gemeinsamen Urvaters der monotheistischen Religionen ist, wie ich bei Ihnen gelernt habe, wäre es dann nicht höchste Zeit, sich neu auf den Weg zu machen? Was hindert unsere Oberhirten daran, das Land abgegraster Buchstaben zu verlassen, um den heutigen Menschen im Logos allen Lebens neue Nahrung zu geben, den Glauben zu bewahren und schöpferischen Willen und Sinngebung wach denkend sehen zu lassen. Warum fällt es uns so schwer, das schöpferische Wort, den ewigen Logos wieder im fremden Land zu suchen: Dort, wo junge Intellektuelle oder neu ganzheitlich betrachtende Naturphilosophen von einem wissenden Kosmos, einer universellen schöpferischen Intelligenz oder ewigen Logos schwärmen und eine wunderbare Software aller zusammenhängenden Selbstorganisationsprozesse belegen, wo jedoch ohne die Verbindung zu alten Monotheismusvorstellungen alles neue Denken nur in zusammenhangloses, unbedeutendes New Age mündet, allenfalls zu Pantheismus oder Monismus führt bzw. in den Kinderschuhen eines Kreationismus stecken bleibt? Wieso können wir das schöpferische Wort nicht mit modernern Technik in der unendlichen astronomischen Ordnung, ebenso wie der Intelligenz des mikrokosmischen Geschehens wahrnehmen? Was hindert uns daran, dort auf das Wort zu hören, wo uns heutige Wissenschaft über bisher aus dem Darwinismus gezogenen Kurz-schlüsse hinaus ein vernünftiges kosmisches Geschehen in aller Genesis bzw. im evolutionären Geschichtsverlauf vermittelt? Warum sperren wir den Schöpfer aus der Realität des naturwissenschaftlichen Alltages aus, wie er Stoff der Schulen rund um den Globus ist, wollen unsere Gewissheit nur im Hinterzimmer bestimmter Volksmythen oder persönlicher Glaubenserfahrungen erlangen? Warum heben wir weiterhin nur die verschiedenen Traditionstexte als Hinweis für Gott hoch, bezeichnen diese meist als einziges Wort Gottes, wenn uns doch genau diese Texte sagen, wo und wie wir das lebendige Wort im gesamten Kosmos hören können und dass nur darauf der Glaube auf Dauer gründen kann?

 

Warum nehmen wir z.B. den von Ihnen aufgezeigten Mistkäfer, der die Sonne vor sich her schiebt, wie wir ihn in alten ägyptischen Bildern am Anfang des Monotheismus analysieren nicht ernst, versuchen neues Leben aus den Ruinen des verfallenen Gesetzeswortverständnis wachsen zu lassen? Warum fällt es so schwer, in aller natürlichen Kreation: der wissenschaftlich erforschten Konstruktion unseres Kopfes, der wunderbaren Funktionsweise unseres Körpers oder dem konstruktiven Zusammenspiel des kaum zu begreifenden unendlichen Kosmos, das schöpferische Wirkungswort wahrzunehmen? Warum haben wir Gott aus der Geschichte entfernt, nehmen ihn nur noch in schönen Geschichten wahr, Worten sonntäglich vorgesetzter Prediger, die diese selbst kaum mehr glauben? Warum ist Glaube zu einem Gefühl geworden, bei dem jeder sich seine eigenen Vorstellungen vom Schöpfer und dessen Wirken macht? Wieso wird das gemeinsame logische Denken, wie es am Anfang allen Monotheismus nachweislich war, ausgesperrt, von einem heilen Geist wie von einem Gespenst gestammelt, das die Buchstaben eingegeben hätte, an die zu glauben wäre?

 

Denn dass am Anfang – ob in Ägypten oder bei den Hebräern und Hellenisten - kein Gefühl einer Menschlichkeit war, wie es beim Tod des Papstes Millionen auf den Petersplatz trieb, was dann von Außenstehenden als inhaltloses Spektakel auf der Suche nach neuen Werten analysiert wurde, ist das Ergebnis alttestamentlicher Erkenntnis. Am Anfang des Monotheismus und seiner christlichen Weiterentwicklung war nicht nur eine besondere Menschlichkeit als Spiritualität, wie man sie in Papst Paul verherrlichte, heute möglichst schnell heilig sprechen will. Die Stimme, das Wort Gottes wurde verstanden. Erst hieraus lässt sich das Maß einer Menschlichkeit ableiten, die heute von den Kritikern des Papstes gefordert wird, ohne allerdings dabei auf das präexistente Wesen, das bereits für die Vorväter lebendiger Grund allen sichtbaren Werdens war, zu gründen. Es war ein Geist, ein Nachdenken über konkretes kosmisches Geschehen, das nicht mit Gott gleichgesetzt, sondern als sein Wort oder seine Weisheit verstanden wurde. Das ist das Ergebnis all dessen, was ich heute bei Ihnen lerne. Wenn sich die Jugend heute wieder auf den Weg macht, weil sie erkennt, dass allein durch die von Aufklärung versprochene und im Humanismus erhoffte Vernunft nicht gelingt, die Menschen zur gemeinsamen schöpferischen Vernunft zu bringen, sich nach französischer Revolution und folgenden Ismen, dem spielerischen Selbstverwirklichungs-Individualismus der 68er und fernöstlicher Frömmigkeit wieder der eigenen Religion zuwendet, sind dann nicht Alttestamentler gefordert, ihnen eine Richtung zu zeigen? Ist es mit dem gemeinsamen Gefühl und Bibellesen bei Gitarrenspiel getan? Können die bibelfundamentalistischen amerikanischen Sonntagspredigten, in die voraussichtlich das Glaubensgefühl demnächst hindriftet oder ein Buchstaben-dogmatischer konservativer Katholizismus das Ziel des Weges? Was bringt es, historisch-kritisch nur Abbau zu betreiben, zu wissen, wie sich der Monotheismus entwickelte, ohne nach dem kosmischen Gesetz zu fragen, das Grundlage des Urtextes war. Wäre nicht gerade vom Anfang des Monotheismus zu lernen, wohin wir unser Ohr und unser Auge wenden sollen, um das Wort des Schöpfers zeitgemäß zu hören und im Leben zu halten?

 

Muss nicht auch das Ergebnis aller alttestamentlichen Forschung dazu führen, wieder neu im konkreten kosmischen Geschehen nach dem Wort des Schöpfers hören zu wollen, statt nur weiterhin in nicht mehr wirklich ernst genommenen Gesetzen zu lesen, in Naturbrechungen oder außerhalb erfahrbarer Wirklichkeit vergeistert nach Gott zu suchen? Kann nicht auch bei dem von seinen Wildtrieben befreiten Weinstock unseres monotheistischen Gottesverständnisses aus der beschnittenen Stammrebe des präexistenten Gotteswortes neue Kraft kommen,  die nach sich nach oben öffnend, in Synthese mit der Sonne bzw. wieder erkannter kosmische Ordnung Wein wachsen lässt: Wein, der nicht trunken macht, sondern auf den die Theologie des Neue Testament gründet und der Grund eines wahrhaft universellen, gemeinsam zu durchdenkenden Glaubens sein könnte?

 

  1. Der Auszug aus Ägypten, altes Ostern als Neuverstand des Wortes

 

Wir waren nicht dabei. Wir wissen zwar inzwischen, dass kein Volksaufstand von massenhaft unterdrückten Sklaven und deren Befreiung aus Ägypten zu einem weiterentwickelten hebräischen Monotheismusbewusstsein geführt hat. Doch was der biblischen Geschichte vom Exodus und dem Zug des Volkes mit Moses ins gelobte Land zugrunde liegt, ist nur schwer zu sagen. Ein geografisch im alten Sinne nachzustellendes Ereignis war es jedoch mit Sicherheit nicht. Vielmehr ist bei allem, was ich aus alttestamentlicher Forschung lerne, eine geistesgeschichtliche Realität zu suchen und zu finden.

 

Nach allem, was ich über den in alter Trinität durchdachten Monotheismus der alten Ägypter oder von Eschnatons theologischen Auseinandersetzungen erfahre, kann ich auch kaum mehr davon ausgehen, dass irgendwelche Bergbauern im Gebiet Timna zufällige göttliche Eingebungen hatten, ihnen im Traum plötzlich ein Monotheismus zugefallen ist. Im Auszug aus Ägypten nur einen Deportationszug von Bergbau-Facharbeitern, die aus ägyptischer Gefangenschaft geflohen waren sehen zu wollen erscheint mir daher zu wenig. Auch die Vorstellung Moses als ägyptischer Prinz, der dann jüdisch eingefärbt wurde, lenkt m.E. vom echten Verstand des Wort Gottes ab. Vielmehr scheint nach den schöpferischen Prinz-ipien zu fragen, die aus Ägypten und anderen orientalischen Hochkulturen kommend Grundlage für hebräischen Gotteswortverstand waren. Erst die Befreiung aus Gefangenschaft bzw. Exil  und die Erkenntnis der Ent-sprechung (das Ein-verständnis des in Schöpfung wie eigener Geschichte gesprochenen Wortes in den verschiedenen Kulten) scheint das hervorgebracht haben, auf was die Verfasser der biblischen Schriften ihre Hoffnung für die gesamte Welt setzten.

 

Ist heute nicht bei den Hebräern die Herkunft eines erweiterten Monotheismus zu erkennen, der aus Ägypten kommend, seinen kosmischen Bezug keineswegs aufgegeben hatte, auch wenn er über viele alte Vorstellungen und vor allem die Verehrung eines Menschen hinausgeht? Ich bin der hebräischen Sprache nicht mächtig, höre immer nur bruchstückhaft über den kosmisch-schöpferischen Bezug der Schriftzeichen, Abrahams Betrachtung des Himmels oder einfach die Bedeutung der Vernunft, die in hebräischer Begrifflichkeit identisch mit der Bezeichnung für Sprache und Wort war. Ich höre und lesen auch in den alten Mythen immerzu nur von einem Schöpfer, der himmlischer Herrscher ist und den gesamten Kosmos hervorbringt und lenkt. Kann und muss uns daher das bei Ihnen vorhandene Wissen um das Denken unserer geistigen Urväter nicht auf einen Gott verweisen, der weit mehr ist, als ein Gesetzeswesen bzw. aus dem Gesetz abzulesen? Sagen wir heute nicht selbst, dass der Monotheismus Israels erst wieder bei den Propheten, letztlich im Zuge der Hellenisierung oder der Exilserfahrun bzw. der Auseinandersetzung mit anderen kosmisch begründeten Hochkulturen, Einzug gehalten hat? Müssen wir daher nicht auch heute den monotheistischen Weiterweg in einer Synthese mit einem Weltbild suchen, das auf den ersten Blick gegen den Schöpfergott gerichtet war?

 

Die Befreiung aus einer Gesetzlichkeit, die noch bis zur Aufklärung den Glaube getragen, dann aber den Schöpfer aus dem natürlichen Werden ausschließen ließ, hat nicht nur begonnen, sondern ist weit fortgeschritten. Doch während die biblischen Bericht von Adam und Eva oder der Erschaffung durch das Wort in sieben Tagen kaum noch das naturwissenschaftliche Schulwissen um evolutionäres Werden ausschließt, hindert uns das buchstäbliche Verständnis der Offenbarungsgestalten und der wundersam wirkenden Geschichten, nach dem Offenbarungswort zu fragen, das noch immer alles natürliche Werden bestimmt. Gefangen in einer Gesetzlichkeit laufen wir durch die Ausstellungen antiker Kulturen, wissen dass sich die alten Pharaonen als Repräsentanten Gottes gesehen haben, himmlische Ordnung umzusetzen, das Chaos zu bezwingen Ziel ihrer Herrschaft war. Wir wissen auch, dass beispielsweise das Bild von Nofretete, die mit dem Krummschwert in der linken Hand weit ausholt, um ihr Opfer zu töten, keine Henkerin darstellen soll, sondern einen sinnbildlichen Grund. Doch nach dem Logos, dem Schöpfungswort aus dem ihr Ehemann Eschnaton sein Selbstveständnis ableitete, fragen wir nicht wirklich. Nofrete kann uns nicht mehr helfen, dem heutigen Chaos in unserem täglichen Verhalten Herr zu werden, schöpferische Vernunft zur weltweiten Wirklichkeit werden zu lassen. Doch die Geschichte des Monothesismus kann uns den Weg zu einem neuen Verstand weisen, der damals bereits in den verschiedenen zusammenfließenden Kulturen grenzübergreifend war.   

 

Müssen wir nicht auch oder gerade bei den Hebräern das Kosmos und Volksgeschichte bestimmende schöpferische Wort mitbetrachten, wenn wir nach einem Monotheismus fragen? Wo nur Buchstaben ausgeleert werden, ohne das schöpferische Wort mitzulesen, das in alttestamentlicher Zeit vorausgesetzt war, bleiben nur Kleintierhüter, die irgendwelche Stimmen hörten, was dann später literarisch hochgejubelt wurde. Doch ist dies nicht zu wenig? Ging es den alten Hebräern wirklich nur um einen als Schutzpatron von Bergarbeitern von Ägypten ab-gesetzten Gott oder wurde auch von Hebräern das Schöpfungswort gehört, das vormals zu einer durchdachten Theologie führte? Selbst wenn stimmen sollte, was mir erklärt wurde, nur ägyptische Gastarbeiter nach ihrer Flucht blind einen Patronatsgott verehrt hätten, wäre das der Schöpfergott gewesen, von dem in der Bibel steht, dessen Wort die Propheten verkünden und von dessen Weisheit viele Bücher der Bibel berichten? Wenn sich philosophisch arbeitende Weisheitslehrer am Übergang zum Neuen Testament wieder der hebräischen Sprache bedienten, sie als die heilige Sprache betrachten und wieder benutzten, lässt nicht auch dies darauf schließen, dass gerade in dieser Sprache etwas lebendig war, das auf den Logos schließen lässt, der dem christlichen Glauben zugrunde liegt, dort zur gemeinsamen Offenbarung für Juden und Griechen gleichermaßen führte?

 

Mir ist bewusst, dass ich mit diesem Denken im Abseits stehe. Selbst Sie Herr Professor Assmann, der von seinen Kollegen für den kosmischen Bezug arg gescholten wird, weil er angeblich aus dem Monotheismus einen Kosmotheismus machen wolle, müssen sich beieilen zu betonen, dass unser Glaube nur auf biblische Buchstaben bauen kann. Wer heute ernst genommen werden will, muss scheinbar von menschlichen Religionsstiftern ausgehen, die göttliche Offenbarungen hatten, diese zum Gesetz des Glaubens an den einzigen Gott erhoben. Bei der heutigen Jesus-Hypothese, die den Grund unserer Religion für einen jungen Juden hält, der später aufgrund altbiblischer oder altägyptischer Vorgaben zu Gott oder einem Logos hochgestabelt wurde, bleiben nur Buchstaben als Grund des Glaubens. Doch genügt dies nach dem was wir heute wissen, wirklich zur Begründung des Monotheismus? Ging es bei Moses und später auch Jesus nur um mehr oder weniger göttliche Menschen, denen irgendeine Engelsstimme nachts Offenbarungen eingab und die dann zum Messias gemacht bzw. zu einem Miniaturgott erklärt wurden? Oder war wirklich der Verstand des Schöpferwortes, wie geschrieben steh? Hat in Jesus dieses Wort selbst menschliche Gestalt angenommen und ist somit eine neue Qualität des Gotteswortverstandes zu erklären, die auch aus der griechisch durchdachten kosmischen Realität schöpfte, wie sie nach wie vor unser wissenschaftliches Weltbild trägt? Hat nicht jeweils ein Geist die Feder geführt, der von einem echten den Kosmos bestimmenden einen Schöpfergott ausging, weil er das Wort des Schöpfers im Wachzustand des jeweils gültigen Weltbildes verstanden hat?

 

Wer davon ausgeht, dass wir im Christentum nicht auf eine Art Nahtodeserfahrung eines zum Gott gemachten Guru setzen oder eine völlig neue Sprache außerhalb des Weltwissens geboren, Vergeisterung betrieben wurde, sondern griechische Philosophie vom den Fluss des allen Lebens tragenden Logos mit jüdischem Denken von der kosmischen Weisheit kreativ zusammengeflossen ist, ein geschichtlich zu ortendes lebendiges Wort sinnvoll vermittelbare menschliche Gestalt annehmen musste, der betrachtet auch Moses mit anderen Augen. Wer am Ostersonntagmorgen um sechs am Meer Siziliens sitzt, längst nicht mehr die wundersame Wiedergeburt eines Wanderpredigers feiert, sondern bei Ihnen über die Göttervorstellungen der alten Ägypter liest, daher nach dem Wiederverstand des Schöpferwortes/Logos Gottes zur Zeitenwende fragt. Wer daher auch heute wieder in der die kosmische Ordnung am besten zum Ausdruck bringenden aufgehenden Sonne das Licht des Sohnes sehen, in Wind und Wellen (deren wunderbaren, wissenschaftlich erforschtem Zusammenspiel wir Wachsen und Wohlstand verdanken), das Wort verstehen will, der vermutet auch hinter dem Monotheismus der Hebräer mehr, als ein literarisches Gesetzeswesen. Der sitzt auf der anderen Seite und wartet darauf, dass archäologische Erkenntnisse um den Grund der alttestamentlichen Geschichte den Beweis liefern, dass auch damals keine frommen Anwandlungen aufgrund wundersamer Naturbrechungen waren, sondern sich eine Glaubensgewissheit aufgrund der sichtbaren Genesis weiterentwickelt hat.

 

  1. Monotheismus: nicht voraus-gesetzt, sondern ein Produkt wachen Verstandes

 

Gerade Sie Herr Prof. Assmann zeigen mir durch die ägyptische Herkunft Moses, worauf es im Monotheismus ankommt. Sie machen in Ihrem neuen Werk zur Unterscheidung des alttestamentlichen Glaubens von pantheistisch-ägyptischen Göttervorstellungen auch deutlich, welchen Fortschritt die Gesetzgebung für die damalige Glaubensgemeinschaft und die menschliche Gesellschaft brachte, wie die kosmischen Konstrukteurs-Gesetze (das Wort die Weisheit) so erst in konkrete Verhaltensweisen und einem auf einen menschlichen Königsgott entbehrenden Kult lebendig wurden. Doch laufen wir nicht Gefahr, „Die Mosaische Unterscheidung“ ohne Kopf zu lesen, ähnlich wie auf dem Deckel Ihres Buches, in dem Sie sich für Ihre Geschichtsanalysen in „Moses der Ägypter“ rechtfertigen und neue Erkenntnisse einbringen? Können wir den Monotheismus des Moses und somit auch den Absolutheits-Anspruch der untersuchten Unterscheidung ohne eine neue Qualität im hebräischen Gotteswortverstand lesen, die den logischen Wort Gottes-Verstand bzw. die durchdachte ägyptische Trinität beiseite lässt? Der Körper, die Hände des bärtigen Moses und das Gesetzbuch, die auf dem Buchdeckel zu sehen sind, entsprechen dem, was meist untersucht wird: Gesetzestexte und Handlungsweisen. Doch der Kopf des Moses scheint mir selbst bei Ihnen, der die Herkunft des Monotheismus bestens belegt, für seinen ägyptisch-kosmischen Bezug arg gescholten wird, zu kurz zu kommen. Wie weit haben wir den Glaube degradiert, dass heute Gläubige alles Denken sofort als gottlose-selbstherrliche Anmaßung ansehen, sich auf Buchstaben berufen müssen, statt die vom Schöpfer gegebenen Gaben des Denkens und logischen Schließens in neuer Weise zu gebrauchen?

 

Vielmehr befürchte ich, dass die von Ihnen zurecht analysierten Probleme der mosaischen Unterscheidung die Folge monotheistischen Gesetzlichkeit sind, die den Geist, das wache Bewusstsein eines gemeinsamen Schöpfergottes entbehrt bzw. nicht mehr vermitteln kann. Dass sich der hebräisch-prophetische Monotheismus aus den ägyptischen Vorstellungen heraus befreite und weiterentwickelte, es daher klare Unterscheidungen (beispielsweise zur Anbetung eines menschlichen Stellvertreters bzw. Pharao als Mittler) gab, scheint mir nicht das Problem. Doch wo aus dem Konstrukteur des sich ewig konstruktiv weiterentwickelnden konkreten Kosmos ein Gesetzgott geworden ist, sich gleichzeitig jeder selbst ein persönliches Verständnis vom Schöpfer zurechtlegt, liegen die von Ihnen genannten Probleme eines gesetzten Alleinseligmachungs-Anspruches auf der Hand. Die negativen Folgen der Unterscheidung sind die Folgen einer Religion, die das präexistente universelle schöpferische Wort nicht mehr versteht, sich dann nur noch auf ihr Buch bezieht, behauptet der Gott ihres Volksgesetzes bzw. ihrer Religion wäre der einzig richtige und gleichzeitig in persönliche Beliebigkeit verfällt.

 

Gerade Ihre Gegner beieilen sich doch zu betonen, dass der Monotheismus keine Ausgrenzung wäre, sondern ein universaler Glaube. Richtig ist sicher, dass der Monotheismus nicht gewaltsam sein muss, sondern von seinem Verständnis her gerade das Gegenteil. Wenn er wie wir wissen gewaltsam war und oft ist, dann liegt dies jedoch m.E. daran, dass der ihm zugrunde liegende universale schöpferische Logos, auf den der Monotheismus von Anfang an baute, verloren gegangen ist. Die Grausamkeiten, die bis heute im Namen Gottes geschehen, sind mit Sicherheit nicht auf den gemeinsamen Schöpfer und Sinngeber (den Vater des Logos) zurückzuführen, sondern auf dessen angebliche Vertreter, die jeweils eine andere Interpretation ihrer Gesetzlichkeit in Händen halten. Wo man den Logos als ewig und universelles Schöpfungsgesetz  bzw. Sinngebung des Alles dann nur noch aus dem Buch blättert, wie einer Art Miniaturgott der Christen setzt und das Wort Gottes nur im Buch liest, wird da nicht der Monotheismus des Anfangs völlig auf den Kopf gestellt?

 

Sind wir wirklich nur eine Sekundärreligion, als die wir uns heute verstehen? Oder verweist nicht gerade der biblisch beschriebene Grund des christlichen Glaubens im einzigen Sohn, dem menschgewordenen Schöpferwort/logos auf ein Verständnis, wie man es Ihnen heute als Kreationismus vorwirft? Wie groß war die Weisheit der gottesfürchtigen Aufklärer zur Zeitenwende, wie weit haben diese griechisch-jüdischen Denker, denen wir das Evangelium verdanken die kollektiven Geistesprozesse durchblickt, dass sie die permanente Verleugnung von Petrus vorausahnten, die bis heute reicht? Wie weit sind wir gekommen, dass selbst jemand wie Sie, der den kosmischen Grund des alten Glaubens vielfach belegt, sich ständig beeilen muss, allein die Bibel als den Glauben begründendes Gotteswort hochzuhalten?

 

Wenn sich bereits mit Moses eine Wende von der Kult- zur Buchreligion ergab, dann muss dies für den Monotheismus doch nicht gleichzeitig der Verlust des echt universalen Grundes bedeuten. Vielmehr kann doch der unbestimmte Kult eine gemeinsame Bestimmung in einer schöpferischen Stimme finden, die sich in den verschiedenen Kulturen auf unterschiedliche Weise ausdrückte, deren Verstand in einem fortschreitenden Bewusstsein immer weiterzuführen ist. Der Fortschritt der damals notwendigen Festschreibung des schöpferischen Wortes bzw. seines Verstandes muss doch nicht gleichzeitig ein Verlust des Hörens sein. Vielmehr soll die Festschreibung in den Geschichten doch genau das Hören erhalten. Wenn bei den Hebräern bzw. Propheten der Monotheismus erneut durchdacht, das alles bestimmende Schöpferwort wieder neu verstanden wurde, dann musste dies nicht zwangsweise zu den Negativfolgen der Unterscheidung führen. Solange das den alten Kult bestimmende Wort als kosmische Realität lebendig bleibt, ist Ein-vernehmen. Der Bruch entsteht dort, wo nur noch Buchbehauptungen von einem ganz anderen neuen Gott gesehen werden, der persönlichen Offenbarungen eigener Gründergestalten entspringt, wo nicht mehr das neu verstandene Schöpferwort des Vorausgegangen mitgelesen, sondern nur noch Buchstaben entziffert werden. Auch wenn die damalige Weltentzauberung, der Rationalismus, der zwischen dem Einen echten Schöpfer und den vielen menschlichen Göttergebilden unterschied zu einer Unterscheidung zwischen wahr und falsch führte, dann ging es doch möglicherweise nicht um religiöse Überheblichkeit oder einen Absolutheitsanspruch. Vielmehr gehe ich davon aus, dass sich in dem von Ihnen immer wieder betonten kollektiven Lernprozess eine Weiterentwicklung ergibt, die das alte nicht ausradieren kann, sondern anknüpfen muss.

 

Wer wie Moses das Wort in der Geschichtsgegenwart hörte, der brauchte keinen König mehr auf den Thron zu setzen, sondern erhielt die Bestimmung von ganz oben. Wer das Wort, die schöpferische Weisheit im Prozess konkreter Genesis hörte, der brauchte sich nicht auf die Weisheit der ägyptischen Maat zu berufen. Gerade indem Sie nachweisen, dass mit Moses ein Monotheismus kam, der sich nicht nur auf den Kult berief oder ägyptische Mythen, müssen wir auf ein Gehör schließen. Nicht dem Pharao galt nach dem Verstand des Schöpfungswortes der Gehorsam, sondern vom Schöpfer selbst ging die Gesetzgebung aus. Gerade dieser Verstand unterscheidet die Juden demnach von ihren monotheistischen Vorfahren. Dass die Juden in der Wahrnehmung des Schöpferwortes den wahren Monotheismus sahen, vor Natur- wie Menschenvergötterungen warnten, ebenso wie vor Anbetung selbstgemachter Götter und der abbildenden Vereinnahmung bzw. Verniedlichung des Schöpfergottes, ist vom Verstand eines Schöpferwortes ausgehend mehr als verständlich.

 

Verständlich ist, dass eine Buchreligion, die sich auf Offenbarungswunder bzw. Eingebungen bestimmter charismatischer Stifter bezieht, Ihre Überlegungen zu einem kosmischen Bezug ebenso ablehnen muss, wie die Herkunft des biblischen Monotheismus aus alten Kulturen. Wo in der Bibel der Logos nicht mitgelesen wird, kann nur ein Literaturklau, eine Transformation alter Mysterien angenommen werden. Ähnlich wie bei Karl-Josef Kuschel in Bezug auf Ihre Überlegungen zu einem kosmischen Grund, muss dann alles, was nach konkreter, bewusst-durchdachter Glaubensbegründung riecht, abgelehnt werden. Von Alchemie, Kabbala, Hermetismus, Neuplatonismus bis zu Spinozismus oder neuen naturphilosophischen Betrachtungen muss dann alles als theoretische Anmaßung oder Kreationismus abgelehnt werden. Der Weg der naturwissenschaftlichen Aufklärung in Pantheismus, allenfalls einen Monismus oder sich nur auf menschliche Ismen beziehenden Humanismus und die nach wie vor herrschende Trennung zwischen Wissen und Glauben, das Un-heil im Gotteswortverständnis, ist so vorgezeichnet.

 

Doch was nützt es, die mosaische Unterscheidung, wie von einigen Ihrer Kritiker verlangt aufzuheben, indem wir sie einfach unter den Tisch kehren, ähnlich wie heute manche Theologen gerne die Christologie rückgängig machen würden, Paulus allein im Judentum begründen wollen? Letztlich wird ohne den im kosmischen Werden zu begründenden Logos der gesamte Glaube zu einem menschlichen – allenfalls psychologisch notwendigen – Geisteskonstrukt. So werden dann auch die ethischen Weisungen nicht vom Wort Gottes abgeleitet, sondern sind dann nur als Umsetzungen gutgemeinter Menschlichkeit oder eigener Vorstellungen, die Moses, Jesus & Co. zur Moralisation der Menschen in den Mund gelegt werden, zu sehen. Doch gerade Sie als Alttestamentler lehren doch immer wieder, wie es im alten Glaube darum geht, den Menschen dazu zu bringen, eine göttlich-kosmische Ordnung zu halten, wahrhaft vernünftig zu leben. Auch wenn sich mit Moses ein schriftliche Abfassung und Verdichtung des Schöpfungswortes in Geschichte ergab, so kann ich darin keine Abwendung von kosmischer Realität erkennen, die oft gesehen wird. Richtig ist sicher, dass in Zeiten, wo das Schöpfungswort nicht verstanden wird, das Studium der Schrift allein Wille und Wahrheit Gottes vermittelt. Doch an der Annahme, das Moses bzw. die Propheten Schriftgelehrte waren, der hebräische Monotheismus auf Texte gründet, daran habe ich aufgrund des bei Ihnen und Ihren Kollegen gelernte, meine Zweifel. Wenn gegen das allgemein angenommene Denken der Welt nach dem schöpferischen Wort gefragt wird, dann bedeutet dies nicht eine Abkehr von der diesseitigen kosmischen Welt, vielmehr sehe ich darin das Verständnis einer schöpferischen Realität, die aufgrund gesetzter Götter im gängigen Weltbild nicht wahrgenommen wird.  

 

Wenn, wie Sie schreiben, nach heutiger Lesweise in der hebräischen Bibel zwei Wege miteinander ringen, dann kann im Logos, dem daher griechisch-jüdische Weisheitslehrer vor 2000 Jahren eine menschliche Gestalt gaben, der gemeinsame Nenner gesehen werden. Die Unterscheidung zwischen Mythos und Logos wurde so nicht einfach unter den Tisch gekehrt, sondern theologisch gelöst. Der Wissensbegriff, den die Griechen eingeführt haben und der bis zu Moses reicht, schließt den alten Glauben nicht aus, sondern bindet ihn durch die menschliche Gestalt des Gotteswortes ein, macht dies vermittelbar, verhindert seine gnostische Verflüchtigung . Eine Unterscheidung im negativen Sinne findet immer nur dort statt, wo inhaltslose Begriffe und Buchstaben gebraucht werden, der Primärbezug verloren geht. Wenn heute das präexistente Wesen des christlichen Glaubens nur noch als eine dogmatische Gesetzlichkeit, Christus als eine Art vorgesetzter Gott gelesen wird, dann haben wir genau dieses Problem, das Moses, die Propheten und später Paulus anprangerten.

 

Der heutigen Annahme, die Glaube mit Nichtwissen gleichsetzt, ihn völlig außerhalb das vernünftige Wissen setzt, kann ich nach allem, was ich bei Ihnen über die Entstehung des Monotheismus lerne, nicht mehr folgen. Vielmehr gehe ich davon aus, dass auch in der Tora Wissen in schöpferische Weisheit umgewandelt wurde, für das Verhältnis Gott und Mensch sowie die menschliche Verhaltensweise bestimmend war. Eine Vernunft, nicht dogmatische Weltabgewandtheit, haben Weisheitslehrer in den zehn Geboten auf den Punkt gebracht.  Wenn wir über absolute metaphysische Glaubenswahrheiten reden, die mit Moses in den Glaube – das begründete Denken über Gott – eingeführt wurden, dann zeigt doch gerade ihre Analyse dessen Herkunft, dass konkretes schöpferisches Handeln im gesamten Kosmos, wie der menschlichen Geschichte, auch hier die Feder führte. Eine Metaphysik dieser Art kann die konkrete Physik nicht ausschließen, sondern muss hinter dem natürlichen Geschehen die Handschrift des Schöpfers verstehen. Ein konsequenter Monotheismus setzt nicht einen Gott voraus, sondern den ein-sichtigen Verstand dessen Wortes. Was dann folgerichtig ausgeschlossen wird, sind selbtgebastelte Göttervorstellungen sowie entleerte Kultbilder, die immer wieder nur zum Missverstand führen bzw. unübersetzbarer Glaubenssprachen führen. Auch wenn wir wissen, wie wichtig Bilder für das individuelle und von Ihnen oftmals beschriebene kulturelle Gedächtnis sind, neues Verständnis auf alte Bilder bauen und auch literarisch anknüpfen muss, so laufen wir immer wieder Gefahr, dass sich Bilder verselbständigen. Der total vermenschlichte und gleichzeitig als eine Art Christusgott gesetzte Jesus, der dann gleichzeitig den Verstand versperrt, ist m.E. dafür das beste Beispiel.

 

Von einem in alle Sprachen bzw. Kulturen zu übersetzenden universellen kosmischen Schöpferwort auszugehen bedeutet nicht, Jupiter zu Jahwe zu machen oder in ägyptische Vorstellungen zurück verfallen. Auch will ich mich nicht Celsos anschließen, der gegenüber den Christen argumentiert, dass es keinen Unterschied mache, ob man Gott den Höchsten nennt, Zeus, Adonai, Sabaoth oder Amun wie die Ägypter. Auch wenn sich die Gefahren, vor denen Celsos warnte zu bestätigen scheinen, christliche Hochschullehre in Begrifflichkeiten und Mythen erstickt und den Grund ihres Glaubens für die Vergötterung eines jungen Juden hält, dann scheint der Weg der Frühkirche und der menschlichen Darstellung des Schöpferwortes der einzig mögliche und wahrhaft weise gewesen zu sein. Und auch heute genügen keine kosmische Frömmigkeit oder philosophischen Theorien, die sich nicht mit dem Ursprung unseres monotheistischen Glaubens, alten Begriffen verbinden lässt. Kreativität besteht darin, Brücken zu schlagen, erweiternde Verbindungen einzugehen, ohne das Bewährte aufzugeben. Dies gilt erst recht für das kollektive Bewusstsein. 

 

Der Hass, der nach Ihrer Deutung mit dem hebräischen Glaube in die Welt gekommen ist, bezieht sich m.E. nicht auf den Monotheismus, sondern auf dessen Missverstand als Gesetzesglaube. Wer das Wort versteht, lehnt die Heiden bzw. Andersdenkenden nicht ab, sondern versucht in deren Vorstellungswelt das Wort verständlich zu machen. Wo nur blinde Behauptungen aufgestellt werden, ohne den gemeinsamen Verstand des Schöpferwortes, liegen die Probleme auf der Hand. Hass kann nur kommen, wenn das denkbare Hören verweigert wird. Wo Götzen in die Welt gesetzt werden, die zu nichts nütze sind, an denen man sich nur in gemeinsamen Bibelabenden, singend, spielend oder theologisch theoretisierend erwärmen kann. Wo Gott im Gesetz gehalten wird, weil man sich an dem alten Schein so schön wärmen kann, wo nur fiktive Gottesbilder gemalt werden, ein Gefühl des Glaubens das Feuer spüren lässt, gleichzeitig aber von einer Einsicht des Logos abhält, da kann Hass aufkommen.

 

Sicher zu recht wird heute die von Moses verurteilte Anbetung des goldenen Kalbes nicht nur auf den Pantheismus bzw. allein die kanaanäische Naturvergötterung zurückgeführt. Es scheint die eigene Auseinandersetzung in einem sich weiterentwickelnden Schöpfungswortverstand gewesen zu sein, die zu den Problemen führte, die Moses schildert. Die Propheten sprechen zum eigenen Volk. Die eigene Religion, die von der Realität abgefallen ist, sich nur noch auf Bilder bezieht, ist vom eigentlichen bzw. eigenen Schöpfer abgefallen. Auf heute bezogen: Wo blind gesetzte Bilder, alte Mythen anbetet werden, die keinen konkreten Grund mehr haben, wo man jeden Bezug zu kosmischer Realität als Kosmostheismus abtut und einen Hochschullehrer der über einen kosmischen Bezug nachdenkt im theologischen Tanz um das goldene Kultbild schnell zur Verleugnung zwingt, da verhindert der Aberglaube das Verständnis des Wortes, das man ständig im Munde führt.

 

  1. Monotheismus setzt den Aufbruch in ein neues Paradigma, den Wechsel in neue fruchtbare Felder voraus

 

Die Negation des alten Glaubens durch Moses hat seinen Grund. Der Monotheismus musste sich von Ägypten trennen, den Standort wechseln, um weiterzuleben bzw. zu wachsen. Alles, was sie mir Ihrer Betrachtung zur Unterscheidung an Glaubensfortschritt belegen, macht deutlich, wie sich der aus Ägypten kommende Glaube weiterentwickelt hat, setzt gleichzeitig aber das Verständnis des Schöpfungswortes voraus, wie es bereits bei Eschnaton besonders deutlich war.

 

Solange wir allerdings von einem Mann Namens Moses ausgehend, dem irgendwelche später in seinem Namen verfasste Offenbarungen zuflogen, stehen mit ihm und Eschnaton zwei unversöhnliche Monotheismusvorstellungen gegenüber. Bei Moses, wie im Christentum von einer Offenbarung auszugehen, die wie im Urmonotheismus Ägyptens oder der Pantheistischen Götterordnung ein Weg der Erkenntnis war, ist dann kaum möglich. Das alte Weltbild, das alles Sein, die gesamte Wirklichkeit auf das Wirken der Sonne zurückführt, die durch ihre Strahlung Licht und Wärme und durch ihre Bewegung die Zeit hervorbringt, stehen völlig neben dem Buchglaube. Doch bereits Eschnaton zog, wie Sie schreiben den Schluss, dass alle Götter, die am realen Schöpfungsgeschehen nicht beteiligt sind, nur Lug und Trug seien, allenfalls theologische Gebilde. Wie wir wissen, war dieser allzu rationale Glaube, der sich auf das Werden des konkreten Kosmos bezog, nur von kurzer Dauer und stellte eine Revolution im Religionsgeschehen dar, die mit kaum einer weiteren zu vergleichen ist. Doch auch wenn es Eschnaton nicht gelang, seine erste rationale Monotheismusvorstellung mit den Göttermythen dauerhaft zu verbinden, so war die konkrete Genesis auch Grund aller antiken Hochkulturen, die wir kennen. Auch bei späteren Glaubensvorstellungen, die von Eschnatons nichts wussten, scheint das gleiche Wort lebendig gewesen zu sein, auch die weitere Entwicklung getragen zu haben.

 

Wenn bei Moses nicht mehr der Pharao Tonangeber war, dann lässt das auf einen unmittelbaren Verstand des Schöpfungswortes schließen, der zur Befreiung führte. Auch wenn nicht mehr dem menschlichen Gottkönig zu dienen war, sondern der Monotheismus einen politischen Sinn zur Gestaltung einer freien Gesellschaft erhielt, dann weist uns dies darauf hin, dass das den Kosmos bestimmende Wort verstanden wurde. Das neue Bündnis baute nicht mehr auf eine menschliche Mittlergestalt. Doch damit gleichzeitig auf einen Anti-Kosmotheismus zu schließen, der ein Moralgesetz unabhängig von schöpferischer Ordnung in die Welt setzte, wäre mit Sicherheit zu kurz geschlossen. Gerade weil die Sinngebung nicht mehr von einer menschlichen Mittlergestalt ausging, nicht mehr durch einen König vorgegeben wurde, müssen wir von einem Verstand des Schöpfers ausgehen, der die Geschicke der realen natürlichen Welt, aller Geschichte lenkt.

 

Dass die Vergötterung von Menschen oder gesetzten Kultbildern und unbestimmten Götterwesen verurteilt wurde, weil die Gefahr gesehen wurde, die wie wir heute nachweisen davon ausgeht, ist nur allzu verständlich. Doch wenn es zu einer Unterscheidung von alter Götterdämmerung kam, weil diese dem Verstand des wahren Wortes im Wege stand, davon ablenkten, dann muss ein Verstand dessen geherrscht haben, den wir auch als Christen mit Herrn ansprechen und der nicht einfach mit dem Vatergott gleichgesetzt werden kann. War von dieser Perspektive aus der Gottessohn/das schöpferische Wort nicht bereits im Alten Testament die Voraussetzung, um den einen Gott anzuerkennen? Liegt dann aber nicht im Hören, dem Verstand des Schöpfungswortes, nicht im Lesen und gegenseitigen vorpredigen, die eigentlich monotheistische Offenbarung?

 

Müssen wir nicht davon ausgehen, dass es auch der Verstand des Schöpfungswortes war, der dazu geführt hat, dass mit Moses nicht mehr der Priesterkult im Mittelpunkt stand, sondern den Mensch zur moralischen Verantwortung bzw. der vernünftigen Umsetzung des Schöpfungswortes befreit wurde. Das Opfer war kein kultischer Selbstzweck mehr, wie bei den alten Ägyptern. Das gesamte Leben wurde unter das Wort Gottes gestellt. Was wir in den Geboten lesen, kann nach dem was wir wissen, keinem alten Mann auf einem Berg ins Ohr geflüstert worden sein oder hat sich ein frommer Schriftsteller ausgedacht, sondern ist die Ausformung schöpferischer Vernunft, die von einem Schöpfergott ausgeht. Das Wort/der Logos Gottes scheint die Grundlage für die Gebote gewesen zu sein, den Werten, nach denen heute wieder gerade im Zusammenhang mit dem Papstwechsel gerufen wird.

 

Wenn mit Moses der Kult eine gesellschaftliche Bedeutung bekam, irdische Gerechtigkeit sich ableitete aus schöpferischer Ordnung, dann war dies eine Weiterentwicklung des Glaubens, die ein lebendiges Wort voraussetzte. Der Auszug aus Ägypten war keine Befreiung aus schöpferischer Ordnung, keine Ablösung des kosmischen Bezuges, der jetzt nur noch als Weisheit ohne Erkenntnisgrund weiterlebte. Vielmehr scheint ein Kult abgelöst worden zu sein, der seine schöpferische Aufgabe nicht mehr erfüllen, die Menschen nicht mehr zum vernünftigen Verhalten in Gemeinschaft bringen konnte. In diesem Sinne hat die Unterscheidung ihre Berechtigung. Doch zur Befreiung aus einem Staatswesen, dessen König zwar die Stelle Gottes einnahm und sich kultisch verherrlichen ließ, ohne den Logos noch wirklich zu verkörpern und verwirklichen zu können, scheint ein Hören die historische Voraussetzung gewesen zu sein. Wie später bei Paulus, der den Glaube aus seiner Gesetzlichkeit befreite, allein an Jesus Christus als dem lebendigen Wort festmacht, setzte auch die Befreiung aus Ägypten ein Bewusstsein des lebendigen Schöpferwortes voraus, das uns heute fehlt. Die Weisheit der Juden ging von oben aus. Nicht Menschlichkeit war maßgebend, sondern ein schöpferisches Maß, das durch sein Wort den gesamten Kosmos bestimmt.

 

Gerade in der Auseinandersetzung mit Ihren Kritikern wird deutlich, wie der Kampf zwischen einem auf kosmischer Begründung beruhenden Gottesbewusstsein und einem kirchlich gesetzten Götterwesen tobt. Auch wenn sie angeben den Glaube allein auf die Bibel begründen zu wollen und Offenbarung im alten Sinne als Eingebung an einen anschließend dies aufschreibenden Einzelmenschen erachten, so tritt in Ihrer Analyse des ägyptischen und alttestamentlichen Monotheismus ein kosmischer Bezug zu Tage, der derzeit mit dem Gefühl von Gott, jenseits aller konkreten Genesis, nicht auf einen Nenner gedacht werden kann. Doch je mehr wir die theologische Begründung des alten Monotheismus deutlich machen, desto mehr zeigt sich die kosmische Ordnung bzw. ein Bewusstsein durchdachter Schöpfertätigkeit als unabdingbarer Grund des Monotheismus.

 

In der ägyptischen Kultur außerhalb der kurzzeitigen Amarnareligion Eschnatons von einem Verstand des Gotteswortes zu sprechen, mag zu weit gehen. Doch so wie Jesus bereits in Moses lebendig ist, so scheint auch das Schöpferwort/die Vernunft des Kosmos, dessen Maße nicht nur den Bau der Pyramiden bestimmten, in der Vorstellungswelt der alten Ägypter in einer Vorstufe lebendiger Glaubensgrund gewesen zu sein. Der Vorwurf des Kosmotheismus mag dort berechtigt sein, wo nicht der Wortgeber, sondern nur der Mittler vergöttert wurde. Denn genau das führt nicht nur zum Abfall vom Schöpfergott, sondern verhindert den notwendigen Fortschritt, Neuverstand. Wenn wir heute hinter dem Gesetzwort das lebendige Wort des Schöpfers nicht mehr wahrnehmen, wir nur biblische Texte als Gotteswort hochhalten, selbst wenn wir leider kaum mehr an ihre Bedeutungsinhalte glauben, dann zeigt sich bei uns genau dieses Problem. Wo die Bibel selbst Gegenstand des Kultes, die Religionen zur reinen Buchkulturen geworden sind, ohne den Bezug zum kosmischen Grund noch herstellen zu können, da findet das statt, was ihre Gegen hinsichtlich eines Kosmostheismus anprangern. Wo die Bibel als einziges Wort Gottes und Gegenstand des Glaubens gilt, da kann dann noch so viel über den Kosmos als Mundus Gottes geschrieben werden. Was spricht sind nur noch Wortverdreher und selbstgefällige Menschlichkeit. Doch in genau diesem Greisenalter des Gottesverstandes hat sich wie die Geschichte zeigt, jeweils ein neues Verständnis eingestellt.

 

Die pure Buchstabenbezogenheit ist so weit fortgeschritten, dass die Herkunft Moses scheinbar keinen Hinweis auf sein Gehör gibt. Selbst Sie forschen nur nach einem ägyptischen Prinzen, der in alte Mythen eingeweiht wurde. Der schöpferische Grund bzw. Logos der Mythen kann dann ebenso wenig ein Thema sein, wie er im Neuen Testament als lebendiges Wesen gesehen zu sehen ist. Es wird dann alles nur noch als literarische Anleihe analysiert, ohne auf den ursprünglichen Grund zu schließen. Dass nicht einfach alte Texte abgeschrieben wurden, sondern ein Verstand des Wortes im lebendigen kosmischen Geschehen, einhergehend mit dem Verstand einer der alten Tradition zugrunde liegenden Vernunft/Weisheit war, wird zwar weitgehend beschrieben, jedoch nicht konsequent umgesetzt. So stehen sich Kosmotheismus und Biblizismus scheinbar unversöhnlich gegenüber. Wie dieser Gegensatz durch die menschliche Gestalt des Logos als Sohn Gottes mit Namen Jesus überwunden wurde, kann dann nicht weiter gedacht werden. Schließlich ging es nach heutiger Lehre ja nur um einen Wanderguru, den man zum Wort Gottes machte und alte Gottessohnstitel gab. Die gemeinsame Sprache, der Verstand des Schöpfungswortes, die heute nicht nur die verschiedenen Kulturen, sondern vor allem Wissen und Glaube auf einen gemeinsamen Verstand zurückführen könnte, geht im Turmbau der Theorien unter. Glaube wird dann nur noch als Mysterium gesehen, das allenfalls dazu tauglich ist, den Menschen im Zaum zu halten. Wo dieses Wort nicht verstanden wird, ist dann nicht nur Moses, sondern die gesamte monotheistische Religion reines Mittel zum menschlichen Zweck.

 

Zwar wird immer wieder der Versuch unternommen, ein weltumspannendes Konzept herauszuarbeiten, das einen kosmischen Grund hat und in Vergessenheit geraten war. Doch die bisherige Vorstellung über Offenbarergestalten, die durch irgendwelche undefinierbaren Eingebungen eine absolute Erkenntnis in die Welt setzten, macht dies zur Randerscheinung. Der Mutter hörig (ob als Aufklärer nur die hervorbringende Materie hörend oder als Gläubige nur auf Kirchenworte), wird in einem kollektiven Ödipuskomplex die Stimme des Vaters verleugnet. Was die platonische Philosophie an Sinngebung zu sagen hat, wie im hellenistischen Denken der Zeitenwende sich ein neuer Wort Gottes Verstand hervortat, der über die Stoa hinausging, kann so wenig ein Thema sein, wie die Denkmodelle der alten Hochkulturen den hebräischen Gotteswortverstand geprägt haben. Wie Moses von seinen eigenen Anhängern, wird so auch Jesus Christus von denen ermordet, die ihn ständig im Munde führen.

 

Die Religionen, die nur noch Bilder oder Buchstaben anbeten, werden so von der aufgeklärten Welt als Illusionen gesehen. Aus dem Gottesverstand ist ein Götzendienst geworden, wo inhaltslose Gottesgestalten hochgehalten werden, die allenfalls noch das Gemüt erwärmen. Eine gesellschaftsgestaltende Kraft, wie sie bei Moses vom Wort Gottes ausging und die gottesfürchtigen Griechen in Jesus wieder wahrnahmen, kann davon nicht ausgehen. Doch es scheint ein schöpferisch notwendiger Weg zu sein: Bilder werden zu bewusstlosen Götzen, Buchstaben zur Gesetzlichkeit, die dem Geist der Gesetze entgegen steht. Und aus durchdachtem Gottesbewusstsein scheint erst Gefühlsduselei werden zu müssen, bevor wir wieder neu nachdenken können. Es scheint ein Prozess ewiger Läuterung zu sein, der den Logos immer wieder neu sprachlich zur Welt bringt, die zeitlose Wahrheit in zeitgemäßer Sprache verständlich macht. Nur in diesem ewigen Berg und Tal scheint sich ein Bewusstsein zu entwickeln, das durch die geschichtlichen Erinnerungsfiguren das Wort Gottes in der jeweiligen Sprache verständlich macht.

 

Durch das Neuverständnis des Alten Testamentes ist es uns heute möglich nachzuvollziehen, dass Gott den geschichtlichen Sohn Gottes wirklich aus Ägypten gerufen hat, dies nicht nur ein geografischer Raum ist. Der monotheistische Grund des Glaubens, scheint sich immer wieder abgrenzen, auswandern zu müssen. Ohne sich allerdings von seiner Vorstufe abzuheben, wie dies im Aufklärungsdenken – über Spinozas Monismus, der Frühromantik, bis zu den zahlreichen politischen Ismen oder naturwissenschaftlichem New Age – aufgrund des rein buchstäblichen Bibelverständnisses bisher geschehen musste.

 

Indem wir Moses nicht nur als fiktive Gestalt, sondern als echten, geistig historisch zu ortenden Grund eines aus alten Hochkulturen weiterentwickelten Monotheismus erkennen, können wir neu über den Grund des Glaubens nachdenken, der das Aufklärungsdenken nicht mehr ausgrenzt. Solange wir nur nach einem alten Mann mit Namen Moses suchen, werden wir auch den Gottessohn nicht sehen, der schon vor ihm lebendig war und niemals einfach mit Gott identifiziert oder als literarischer Titel gelesen wurde. Und genau dieser Schöpfer, der Moses das Volk Gottes aus ägyptischer Gefangenschaft befreite, wird uns das Wort neu lesen lassen, das bisher von einer Buchstäblichkeit gefangen gehalten wird. Denn wer jenseits der theologischen Trennung das erlösende Wort in der scheinbar unerschöpflichen Produktivität des kosmischen Prozesses wahrnimmt, darin nicht einfach pantheistisch einen unbe-stimmten Gott, sondern das alles hervorbringende Wort dessen wahrnimmt, der bereits Abraham auf Wanderschaft schickte und Moses befreite, der zieht daraus eine nachvollziehbare Gewissheit, dass der Weg weitergeht.

 

Die Voraussetzung dafür scheint ein neues Paradigma: Ein Verständnis der bisher nur literarisch begründeten biblischen Kompositionen als menschliche Vertonung der ewig in allem kosmischen Werden jeweils zeitgemäß zu hörenden schöpferischen Stimme. Und genau dazu könnten kritisch denkenden Alttestamentlern, die sich von alten Vorstellungen lösen, beitragen. Denn die historischen Prämissen, die unser Denken über viele Jahrhunderte beherrschten, kannten keinen Raum für den Logos. Doch dieses einst sinnvolle Paradigma ist überholt, kann die Probleme, die mit der Auslegung der biblischen Texte aufgrund neuzeitlicher Geschichgts-Erkenntnisse, wie dem naturwissenschaftlichen Weltbild verbunden, nicht lösen.

 

Dem alten Paradigma ist es nicht gelungen, seine eigene Legitimation gedanklich logisch nachzuweisen, sondern sucht Zuflucht vor der Vernunft in einer angeblich völlig eigenen Glaubenssprache, die man selbst kaum wirklich ernst nimmt. Es ist nicht zuletzt das Wissen um die geistigen Grundlage des ägyptischen, sowie in Moses prophetisch erneuerten und erweiterten Monotheismus, das uns zwingt auf Wanderschaft zu gehen, wie die Nomaden das abgegraste Land unhaltbarer Historienhypothesen und Buchstäblichkeit zu verlassen. Aufgrund des von Alttestamentlern vorgegebenen Wissens wäre aus einem Land wegzuziehen, in dem nur mit einem Gesetz getanzt wird, das unbrauchbar geworden ist, der Weltgemeinschaft die heute notwendige gemeinsame gesellschaftliche Bestimmung zu geben. Das Bewusstsein um die Herkunft des Monotheismus lässt uns zu dem zurückzukehren, was die Vorväter unseres Glaubens in einer universellen schöpferischen Weisheit begründeten. Was in Jesus Christus zur Zeitenwende für Jedermann sichtbares Wort/Sohn Gottes war, auf was Paulus ein neues theologisches Paradigma gründete und gottesfürchtige Judengriechen in menschlicher Gestalt für 2000 Jahre verständlich machten, was von den Vätern unseres Glaubens auf frühen Konzilen ausdiskutiert wurde und unserem Credo zugrunde liegt war die Weisheit, das Wort in Gestalt. Und genau dies kann von der ägyptischen Denkweise aus neu als lebendiges Wesen bezeugt und verstanden werden.

 

Alttestamentler wie Sie Herr Professor Assmann, die ihre Zweiteilung noch nicht verlassen können, einerseits eine kosmische Begründung nachweisen, andererseits auf persönliche Offenbarungen und reinen Biblizismus bauen, weil man sie sonst als Wissenschaftler völlig in die Ecke stellen würde, können mit dazu beitragen, die Frage nach dem Wesen des monotheistischen Glaubens neu aufzuwerfen. Das Wissen um die Geistesgeschichte des Alten, wie des Neuen Testamentes zwingt dazu weiterzudenken, wo bisher Spinoza oder andere aufgeklärte Naturbetrachter nur in Monismus und Pantheismus führten, um zu dem Gott der Väter zurückzukehren, wie wir ihn im Glaubensbekenntnis be-kennen.

 

  1. Die Wurzel des Gotteswortes: Der Logos des christlichen Credo im alten Ägypten

 

Wenn im heutigen Paradigma die Wurzeln des christlichen Credo im alten Ägypten nachgewiesen werden, wie Sie Herr Professor Görg dies so hervorragend tun, dann bleibt dies leider bei einer rein literarischen Nachlese. Solange wir nicht von einer neuen Logos-Verstand als Wesen des christlichen Glaube ausgehen, wird dann nur aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen eine besondere Bedeutung der christlichen Begrifflichkeit gegenüber der altägyptischen Theologie erhoben. Egal was über die theologische Bedeutung der Hoheitsaussagen gesagt wird, bei heutiger Historienhypothese werden immer nur Glaubensausschmückungen gelesen, die einem jungen Guru aufgesetzt wurden. Warum es im Neuen Testament, wie in der alten Textvorlage wirklich um den lebendigen Gottessohn, seine Mutter und seinen Vater geht, dieser nicht nur ein literarisches Produkt ist, wird nicht wirklich zum Thema. Die schöpferische Vernunft, das in Kosmos wie Geschichte gesprochene Schöpfungswort, seine Herkunft oder Beziehung zu Gott, können nicht wirklich vorkommen, auch wenn sie literarisch erläutert werden. Selbst wenn Sie beständig auf die Logik bzw. Umsetzung des alten Weltwissens verweisen, die den ägyptischen Mythen und Bildern zugrunde liegt, so muss der ewige Logos ein unscheinbares Wesen sein, bleiben alle Hoheitsaussagen im Hinblick auf Jesus Christus bzw. die Besonderheit christlicher Lehre pure Behauptungen eines für die modernen Menschen nicht nachvollziehbaren Glaubens. Statt einer lebendigen Logik, wird nur auf die alte Literaturquellen, gestrige Vorstellungen verwiesen.

 

Zwar traut man sich heute, selbst in konservativen Kreisen auf die Bezugnahme christlicher Bedeutungsinhalte in altorientalischen oder ägyptischen Texten hinzuweisen. Doch führt der Hinweis auf die alte Literaturvorlage von unbefleckter Empfängnis der  Gottesmutter oder dem ewigen Sohn wird nicht wirklich weiter, solange die Vernunft der alten Aussage nicht mit der im Credo ausgerückten Theo-logik zusammengedacht wird. Denn in den alten Zeugnissen ein Zeugnis für den heute lebendigen Logos zu sehen, davon scheint man weit entfernt. Wo es im Credo nur um die Mutter eines jungen Märtyrers geht, die mit alten Mythen ausgeschmückt wurde, kommen wir nicht weiter. Die nachgewiesen Wurzeln bleiben so ohne Grund, wie er zum heutigen Wachsen des Glaubens beitragen könnte. Statt durch das Wissen um das alttestamentliche und nun gar altägyptische Vordenken die Wurzeln christlicher Theologie bzw. Christologie in die Tiefe wachsen zu lassen, neue notwendige Nährstoffe für den erkrankten Glauben zutage fördern, werden ohne Bezugnahme auf eine kosmische Grundlage nur literarische Bezüge hergestellt. Es bleibt bei Fiktionen.

 

Der Logos, der sich hinter den orientalischen, hellenistischen oder ägyptischen Mythen verbirgt wird bei heutiger Deutung so wenig zum Thema, wie die Vernunft, die den neutestamentlichen Geschichten zugrund liegt und deren zeitgemäßer Verstand zu einer gelebten Vernunft führen könnte. Die zeitgemäße, selbstkritische Begründung eines auf dem Prüfstand befindlichen Glaubens, nach der ständig gerufen wird, kann nicht vorkommen, solange wir die Aussagen des Credo nicht auf ein echt präexistentes Wesen beziehen, das Gegenstand der alten, wie neuen Glaubensaussagen war. Wen wundert es daher, wenn das Credo ohne konkreten schöpferischen Bezug scheinbar out ist, nur als Glaubensleier für ewig Gestrige blind nachgebetet wird? Die alten Mythen nur noch götzenhaft hochhebend, wird daher heute auch bei den Glaubensaussagen des Credo nur vom Zeugnis einer verborgenen Präsenz Gottes gesprochen, Aussagen, die sich angeblich dem Zugriff modernen Denkens, Hinterfragens und Analysierens entziehen würden. Ihrer Aussagen, dass das Bemühen der Theologen, dem nachdenklichen Zeitgenossen eine spekulative Vertiefung zu vermitteln, ebenso rührend wie ineffektiv sei, kann man daher nur zustimmen. Jetzt allerdings nur auf alte Literaturvorlagen zu verweisen, ohne den Logos zu belegen, führt nicht wirklich zu einer zeitgemäßen gedanklichen Vertiefung, verhindert nicht die Entleerung der Christologie, die heute theologische Tagesordnung ist. Vielmehr würde ein stehen Bleiben in rein literarischen und mythischen Begründung all denen Beleg liefert, die die gesamte Christologie als reine Fiktion eines gestrigen Glaubens sehen wollen. Von einer gedanklichen Vertiefung wären wir weit entfernt.

 

Erst wenn wir Ihre Aussagen aufgreifend darüber nachdenken, welch tiefe Logik bereits bei den alten Ägyptern Himmelsfahrtsgeschehen, Sitzen zur Rechen, Gottesssohnstitel und Aussagen über die Gottesmutter hatten, können wir ermessen, welche Rolle diese im Prozess der ewigen Offenbarung auch heute einnehmen, uns den Weg zu dem einen Gott weisen.

 

  1. Schöpfungswort in alter Sprache: Der Logos des Mythos

 

Ägyptologie, ebenso wie die aktuelle alttestamentlicher Auslegung machen immerzu deutlich, dass es in den Erzählungen nicht um schöne Geschichten oder literarische Legitimierungen und Vergötterungen einzelner menschlicher Geschichtsgestalten geht, sondern theologische Konzepte hinter den Aussagen stehen. Selbst dort, wo der König auf den Thron gesetzt wird, steht dahinter ein theologisches Konzept, das von einer konkreten Gegenwart Gottes im kosmischen Geschehen ausgeht, die der König repräsentieren soll. Zwingen uns daher nicht die alttestamentlichen Erkenntnisse, bei unserem Nachdenken über Jesus Christus und das Credo dem konkreten kosmischen Bezug wieder Bedeutung zu schenken, den schöpferischen Bezug herzustellen, ohne Christus einfach als Gott zu setzen?

 

Mythos heißt eigentlich „Rede, Wort“ lerne ich bei Ihnen. Doch war dies dann nur eine menschliche Rede im Sinne heutiger Sonntagspredigten? Oder drückt sich im Mythos sinnvolles Gotteswirken aus, das in der Geschichte, wie im kosmischen Geschehen wahrgenommen und umgesetzt wurde? Wenn aber der Mythos eine in damaliger Sprache sinnvolle Vermittlung des schöpferischen Logos war, warum muss dieser dann völlig verborgen bleiben. Ist es nicht vielmehr die Aufgabe des Mythos, den schöpferischen Logos lebendig zu halten? Wenn aber der Logos, die schöpferische Realität im Mythos nicht mehr mitgelesen wird, bleibt dann nicht nur ein Leergebäude, dessen schöner Schein die eigentliche Aufgabe ins Gegenteil verkehrt?

 

Laufen wir nicht Gefahr, mit der heutigen Vorstellung von Glaube, bei dem nur schöne Geschichten gelesen werden und persönliche Vorstellungen greifen, völlig das auf den Kopf zu stellen, was ursprünglich monotheistisch durchdachter Glaube war? Ist davon auszugehen, dass die Autoren, die am Anfang standen nur innere Stimmen hörten und alte Mythen? Oder haben diese Denker das ganz natürliche Schöpfungsgeschehen durch intensive wache Auseinandersetzung als Wort, Sprache Gottes verstanden und in Mythen den Menschen verständlich gemacht? Warum setzen wir aber heute diesen Weg nicht fort und suchen Zuflucht in einer Märchenwelt, die zum Spielball beliebiger Deutungen missbraucht wird, als Erbauungsliteratur herhalten muss? Wenn wir doch wissen, dass die biblischen Autoren, ebenso wie ihre Vordenker in den verschiedenen Hochkulturen, die geschaffene Naturwelt mit der gottgewollten Wirklichkeit gleichsetzten, hier das Wort Gottes hörten, warum wollen wir unseren Glauben in wundersamen Geschichten speisen, statt wie das Volk Moses himmlische Nahrung aufzunehmen?

 

(Letztlich sind alle Fragen im Grunde rhetorisch. Denn im heutigen christlichen Historien- und somit Selbstverständnis der Hochschullehre kommt der Logos nur als Hoheitstitel vor, werden die Aussagen nur gebraucht, um die Geschichte eines zum Gott erhobenen Gurus auszuschmücken. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass die alten Begrifflichkeit über Himmelfahrt oder Auferstehung durchdachte Aussagen im Hinblick auf das Verhältnis Gott und Mensch sind, es sich um konkrete kosmisch-geschichtliche Größen handelt, so können wir im heutigen Paradigma nur davon ausgehen, dass dies einem jungen Juden aufgesetzt wurde. Da heute kein ernstzunehmender Wissenschaftler daran zweifelt, dass es sich beim historischen Jesus um einen jungen Religionsrebellen mit besonderem Charisma handelt, kann  jemand der dies trotzdem tut, nicht ernst genommen werden.)

 

Wenn wir von einer Glaubensformel sprechen, als die wir das Credo betrachten, dann denken wir, dass es damit getan ist, an diese gesetzten Begriffe bzw. Glaubensaussagen glauben. Glaube wird wie selbstverständlich als das für wahr halten von vorgegebenen geheimnisvollen Gottesvorstellungen und Glaubensdogmen gesehen. Doch bewirkt sich heute nicht so genau das Gegenteil von dem, was damals war? Drückt sich im Credo nicht vielmehr eine logische Formel aus, wie sich die Wirk-lichkeit Gottes in der Welt nachvollziehen lässt? Wer in Jesus nicht nur einen guten Jungen oder gesetzten Gott, sondern die von oben kommende schöpferische Weltvernunft versteht und in seiner Mutter nicht nur eine fremdgegangene Hebräerin, sondern das ausdrückende, hervorbringende Wesen, der findet auch im Heiligen Geist eine reale Funktion, die notwendig ist, um den einen Schöpfer des Himmels und der Erde, den Vater allen Seins und Gott unserer Väter denken zu können.

 

Die Deutung der alttestamentlichen Aussagen, wie sie im christlichen Credo zu finden sind, lassen darauf schließen, dass erst im Zusammenspiel der Trinität Glaube möglich war. Es waren Formeln, die vergleichbar mit physikalischen Gleichungen keine Glaubenssätze im heutigen Sinne waren, sondern eine geistige Logik zum Ausdruck brachten, die für das Verhältnis des Menschen zu seinem Schöpfer maßgebend sind. Bei den Vätern unseres christlichen Glauben, die heftig über die Definition des Credo stritten, scheint das Bewusstsein dieser Logik bzw. des zugrunde liegenden Logos noch lebendig gewesen zu sein. Auch wenn Sie die Rede vom dreieinigen Gott als Erbstück aus einer jahrtausende alten Vergangenheit bezeichnen, so ist es daher keine alte Legende, die hervorgeholt wurde, um einem jungen Guru eine Krone aufzusetzen oder an seine Stelle einen Christusgott zu setzen, an den man dann einfach glauben muss. Das Credo scheint vielmehr als eine monotheistische Offenbarungsformel, um zur Vorstellung vom einen Schöpfergott zu gelangen, die auch zur Zeitenwende wieder gegriffen hat, den gesetzten Gottesbildern neues Leben verlieh.

 

Der in Jesus bezeugt Glaube kann demnach das Wissen um die kosmische Ordnung und Natur nicht ausschließen, sondern muss darauf eine Gewissheit um den einen Gott gründen. Auch wenn nicht von rein sachlicher Sprache ausgegangen werden kann, so scheinen die Verfasser, wie die Väter des Kanon und Credo die Sache gekannt zu haben, um die es geht. Wenn der Bezugsgott in der Exilszeit zu einem universalen Schöpfergott wurde, warum kann uns dies heute kein Wegweiser sein? Wie kann aus dem meist inneren oder traditionellen Bindungen entspringenden Bezugsgott wieder der eine Schöpfer bzw. dessen universelles Wort verstanden werden? Warum heben wir nur alte Texte hoch, träumen von persönlichen Gottesvorstellungen, wenn wir doch den theologischen Hintergrund kennen, der damals die Erfahrung kosmischer Größen zum Glauben an den einen Gott führte?

 

Wieso reden wir vom Allmächtigen, ohne den Kosmokrator mitzudenken, der bereits in alten Göttermythen von Osiris oder Apis eine selbstverständliche Größe war und daher eine echt universale Kompetenz hatte? Wie können wir als unmittelbare Kinder den einen Vater ansprechen, solange wir in ihm nicht wirklich den einen Schöpfer aller Natur sehen, sondern uns nur auf Texte von Mutter Kirche berufen? Wenn wir doch wissen, wie nach Alexander in den ägyptischen Bildungsmetreopolen ebenso wie in Syrien alte Göttervorstellungen zusammengedacht wurde, die zu eine übergreifenden Gottheit für Griechen und Nichtgriechen führte, müssen wir dann nicht hier das Wesen suchen, das unserem christlichen Glauben zugrunde liegt?

 

  1. Das Kreuz Christi auf dem Fundament kosmischer Ordnung

 

Dank dem Wechsel an der katholischen Kirchenspitze ist derzeit täglich der Obelisk des Petersplatz im Fernsehen zu sehen, der auf seiner Spitze das Kreuz trägt. Doch kommt die Kirche, insbesondere der neue Papst, der nicht nur eine Menschlichkeit an den Tag legen oder den Glauben dem Zeitgeist unterwerfen, sondern intellektuell inhaltlich füllen will, ohne das Bewusstsein aus, das sich im Obelisk symbolisiert? Ist es wirklich nur die zufällige Kriegsbeute von Kaiser Caligula, die als Fundament des christlichen Kreuzes herhalten musste? Oder geht es bei dem, was der römische Kaiser einst von Alexandrien aus verschifft hat um mehr? Zeigt sich nicht gerade in diesem Bild des Obelisk auf dem Petersplatz, das Sie in Ihrer Betrachtung ausführlich beschreiben und das auch auf der Rückseite Ihres Buches zu sehen ist, die gesamte Problematik unseres Glaubens?

 

Wo christlicher Monotheismus das Produkt der wundersamen Eingebung eines Religionsrebellen war, kann der vorgegangene, auf kosmische Ordnung gründende Kult nicht mitbedacht werden. Auch die Suche nach dem wahren Gottessohn und universellen Friedenfürsten, bei dem die römischen Kaiser eine gewichtige Rolle spielten, kann dann zwar erörtert werden, spielt jedoch keine wirkliche Rolle. Wer im Kreuz den Marterpfahl für einen jüdischen Märtyrer sieht, der wegen seiner anmaßenden Reden aufgehängt wurde, der kann darin nicht gleichzeitig das Logo für den kosmischen Grund des erneuerten Monotheismus sehen. Das Kreuz hat dann nichts mit dem Kultsymbol des alten Ägypten zu tun, auf dem es steht. Die theologische Anknüpfung der römischen Kaiser an das alte Ägypten bleibt dann allenfalls eine Vereinnahmung. So wie dann davon ausgegangen werden muss, dass Papst Sixtus V nur rein zufällig das alte ägyptische Kultobjekt, von denen in Rom so viele zu finden sind, mit einem Kreuz krönte und auf dem Petersplatz aufstellen ließ. Es mag auch sein, dass der mittelalterliche Papst darin wirklich nur ein Siegeszeichen für den Monotheismus gegenüber pantheistischen Vorstellungen sah. Doch können wir heute, bei unserem Wissen um die Bedeutungsinhalte das Bauwerk betrachten, ohne das im Kosmos gesprochene schöpferische Wort mithören zu wollen, das zu Zeiten der Ägypter selbstverständlich war?

 

Nein, ich will nun nicht den Obelisk statt den Papst zum Stellvertreter Jesus machen und das Christentum nicht in pantheistische Göttervorstellungen zurückführen. Doch wer das alte Garantsymbol des Lebens betrachtet, wem bewusst ist, welches astronomische Wissen um kosmische Ordnungsmuster sich in der Baukunst der Pyramiden verbirgt, die an der Spitze des Obelisken steht und im historischen Jesus keinen Wanderguru, sondern das lebendige Wort wahrnimmt, der kann nicht davon ausgehen, dass hier nur einfach ein altes Symbol göttlicher Gegenwart geklaut wurde.

 

Solange jedoch die irdischen Stellvertreter Jesus den Gottessohn nur als Hoheitstitel für einen zum Gott gemachten Menschen sehen, scheint mir der göttliche Logos, die Vernunft nach der auch der neue Papst sucht, in der Säule besser abgebildet, als in seinen Vertretern. Wer den Petersplatz von oben betrachtet, wie dies im Zusammenhang mit dem Papstwechsel oft gezeigt wurde, der sieht dort auf dem Pflaster das Symbol der Sonne mit der das Kreuz tragenden Säule in der Mitte, kann so an die kosmische Ordnung anknüpfen, die einst in Heliopolis, der alten Sonnenstadt, woher viele der römischen Opelisken stammen, anknüpfen. Dort wurde Re-Atum, der Gott der Abendsonne als Hochgott und Vatergott ebenso verehrt, wie Cheper, die mittägliche Strahlkraft im Zenit (Re) und der Vollendung am Abend (Atum). In Cheper-Re-Atum sei bereits die Dreiheit innerhalb des göttlichen Wesens angezeigt, schreiben Sie und verweisen somit bereits auf den kosmischen Bezug Trinität. Die göttliche Gegenwart wurde nicht in Büchern gelesen oder persönlichen Gefühlsvorstellungen, sondern in der realen Genesis wach denkend gesehen. Auch wenn wir immer wieder über das Wissen um kosmische Ordnung staunen, das in alten Hochkulturen vorhanden war, so wissen wir heute weit mehr über das natürliche Werden. Doch warum das Wissen um das natürliche Werden gegen den Verstand des Gotteswortes stehen soll, lässt sich von jemand, der vom Logos ausgeht und sich für die von Ihnen vorstellen alten Verkörperung göttlicher Macht und Präsenz in der alltäglichen Gegenwart begeistert, nicht mehr nachvollziehen.

 

Die potenzierte Dreiheit bringe die Neuheit zum Ausdruck, die aus der polaren Zweiheit hervorgehe, so wird mir das altägyptische Denken übersetzt und damit der alte Monotheismus auf eine philosophisch durchdachte Schöpfungskonzeption zurückgeführt, die bis heute ihre natürliche Gültigkeit behalten hat und sich in aller Kreativität ausdrückt. Nicht Traditionstexte, Glaubensdogmen oder angeblich Einzelwesen eingegebene Offenbarungen sind Glaubensgrund unserer Väter, sondern die konkrete Genesis.

 

Was wir das schöpferische Wort nennen und in Jesus lebendig war, lebte ganz natürlich, wurde logisch nachvollzogen in verschiedener Gestalt. Genau dies ist aus dem heute vorhandenen Wissen um die biblische Bedeutung bzw. Geistesgeschichtliche abzuleiten. Was heute auf theologischen Tagungen anlässlich des 50. Todestages von Teilhard de Chardin über die Evolution des menschlichen Gehirns, die Höherentwicklung des Bewusstseins, die Steuerung des menschlichen Lebens im Netzwerk der Gene und Proteine nachgewiesen wird, war für die Denker am Anfang des Monotheismus ein lebendiges Wesen, das durch irdische Gestalten und Geschichten verdeutlicht und vermittelbar gemacht wurde. Wie die Kosmologen und Teilchenphysiker die Entstehungsbedingungen des Universums erklären, Stoff ist, der das Weltall zusammenhält oder woher der Mensch kommt, wie sich die Etappen der Menschwerdung paläoanthropologisch belegen lassen, mag zwar interessant sein. Doch solange wir Teilhard als einen pantheistisch spirituellen Mystiker abtun, der von einem kosmischen Christus jenseits unseres geschichtlichen Glaubensgrundes faselt, findet nicht der Fortschritt statt, den die alten Ägypter bereits im Kreations-Käfer Cheper verkörpert sahen.. Alttestamentler sind daher gefragt, die Neutestamentlicher neu nach dem schöpferischen Wort Ausschau halten zu lassen, das den Anfang des Monotheismus bestimmte. Denn heute wird nicht aufgrund einer bewussten Tat-sache bzw. realen Wirk-lichkeit auf den Schöpfer geschlossen, wie dies in altägyptischer Trinität Tagesordnung gewesen zu sein scheint. Nicht die Vitalität allen Lebens lässt nach heutiger Hypothese auf den Vatergott schließen, sondern Kirchenväter. Eine zeitlose Wahrheit, wie sie sich im Neuen Testament in der Gestalt Jesus neu zeigte und wie wir wissen auch der Theologie der Kirchenväter zugrunde lag, lässt sich jedoch nur wahrnehmen, wenn Alttestamentler den Weg weisen.   

 

Auch wenn beispielsweise Re in späterer Zeit mit dem Hochgott von Theben zu einem Universalgott zusammengeführt wurde, so Amun-Re zu einem geistdurchwirkten Gott wurde, der eine weitere Dimension des natürlichen Schöpfergottes hinzugewann, so wir hier von Ihnen immer wieder auf einen Denkprozess hingewiesen, der sich an sichtbarer Realität orientierte und keine moderne Erkenntnis über evolutionäres Werden zu scheuen bräuchte. Auch die Diskussion um das wahre Wesen Jesus, ob der Geist vom Sohn oder vom Vater kommt, ob der Gottessohn mit dem Schöpfer gleichzusetzen oder nur seine Potenz bzw. irdische Präsenz sei, wie sie in den ersten Jahrhunderte geführt wurde, wäre eine völlig leere Debatte gewesen, wenn nicht auch die Väter unseres Glaubens von den gleichen Vorstellungen bzw. konkreten kosmischen Gegebenheiten ausgegangen werden, die sie als Gottessohn sahen, in altägyptischer Theologie nachzublättern.

 

Das auf Cheper & Co. gründende Credo der alten Ägypter war keine dogmatische Leerformel, an die man einfach glauben muss, sondern hatte realen himmlischen Grund, der in aller natürlichen Genesis logisch nachzuvollziehen war. Wenn von inzwischen über das natürlicher Werden nur etwas weitgehender aufgeklärten Europäern jetzt ein Glaubensbekenntnis aufgrund wundersamer Naturberechungen verlangt wird, kann dies nicht der Vernunft/dem Wort  entsprechen, das bereits vor Moses den Weg wies.

 

Die sich in den jüdischen Königen verkörpernde Weisheit wird heute als die Kunde von einer in allem Kosmos verkörperten Schöpfungsordnung verstanden. In den Psalmen ist die volkstümliche Verherrlichung des schöpferischen Wortes lebendig, die bereits in der Amarnazeit des Eschnaton ein allzu abstraktes Dasein führte. Doch wer nur lehrt, wie sich die neutestamentliche Literatur der Psalmen bedient, die alten Hymnen auf den Schöpfer als Hauptlieferant für das herhalten mussten, was wir im Neuen Testament lesen, ohne den alten Logos mitzuliefern, wenigstens nach dem schöpferischen Wort zu fragen, der betreibt Entleerung. Und ich befürchte, das dieser Fundamentalismus ohne das Fundament eines universalen augeklärten Gotteswortverstanden, wie wir es am Anfang war und wir es auf dem Petersplatz vor Augen haben, weder zu dem Friede zwischen den Kulturen führen wird, den der neue Papst herbeibeschwören will, noch aus der Welt eine schöpferisch-vernünftige Gemeinschaft zu machen ist.

 

  1. Aus neuem Verstand von Vater, Sohn und Heiligem Geist sprechen

 

Das altägyptische Glaubensbekenntnis kann kein Grund sein, warum wir heute Gott in der Trinität bekennen. Warum sollten wir uns durch den Sohn zum Vater bekennen, wenn das nur altägyptische Begriffe wären, die in das christliche Credo übernommen wurden? Wie bereits dargelegt, halte ich die Trinität nicht für eine fromme Forderung an die man glauben muss, sondern für eine logische Formel, die allein zu einem vernünftigen Monotheismus führt. Auch wenn wir heute eine tiefgreifende, aus schöpferischer Realität abgeleitet Theologie nachvollziehen können, wenn wir Bilder deuten,

 

-wo Re, der Vater allen Geschaffenen bzw. Seins neben

-Amun, der geistigen Wirklichkeit sitzt, daneben

-Ptah mit Menschenkopf der Menschheit zugewandt und dazwischen die

-irdische Götterrepräsentanz des Pharao,

 

so sind wir heute nicht davon befreit, sondern vielmehr dazu aufgefordert, Trinität in gleicher Gültigkeit neu zu denken. Die Bedeutungsinhalte der verschiedenen göttlichen Personen, ihre Aufgabe sind zeitgemäß zu verstehen und auf heutige Erkenntnis und ihre Umsetzung in die Weltwirklichkeit zu übertragen.

 

Was soll alles Graben nach weiteren Scherben, die auf einen realen durchdachten Schöpfergott verweisen, alles Wissen um die tiefsinnige Theologie, die sich in mythischer Sprache ausdrückte, in die biblischen Texte eingeflossen ist, wenn wir den Verstand ausschalten und Offenbarung in persönlicher Erkenntnis erwarten? Denn das Wort, das die Menschen von Memphis als Ursprung aller Schöpfung von einem Gotteswesen ausgehen sahen, entsprang nicht dem, was wir heute als Herz bezeichnen (ein Gefühl aus dem hohlen Bauch), sondern war hellwacher Geist, der von einem Organ ausging, das alles belebt, den Kreislauf des gesamten Kosmos, wie unseres Körpers in Bewegung hält. Wenn die Jerusalemer Theologen, die später den biblischen Gott sprechen ließen, schrieben, dass alles von seinem Wort ausging, und die wie Sie schreiben bei den Theologen von Memphis und Heliopolis in die Schule gegangen sind, so haben sie nicht nur Begriffe auswendig, sondern das Wort verstehen gelernt. Fest steht, dass beide, Bibel wie vormalige Göttervorstellungen, von einem Wort ausgingen, das wir heute als Unwirklichkeit ablehnen, gleichwohl wir es ständig im Munde führen und das uns nicht weiter interessiert.

 

Dabei scheint all das, was Sie uns über den etwas streng dreinblickenden Ptah beibringen, der Sinn und Ordnungszusammenhang, ebenso wie das schöpferische Ruhen und den erkennenden sonntäglichen Rückblick verkörpert, besser auf das präexistentes Wesen des nicht mit Gott selbst gleichzusetzenden, sondern diesen offenbar machenden Jesus zu verweisen, als alles buchstäbliche Geschwätz, das nur zur persönlichen Beliebigkeit führt. Wenn sich in Ptah eine universale Sinngebung verkörpert, die den Tag als versöhnlichen und versöhnungsstiftenden Ablauf begreift, der die Schöpfung im Gleichgewicht hält, dann scheint mir dies genau das, was heute neu zu begreifen ist und so aus der Gefangenschaft des toten Gesetzesglaubens herausführt.

 

Nicht die aufgeklärte Naturwissenschaft ist es, die verhindert, dass sich der Mensch als von Gott in den Kosmos gesprochenes Teil des Ganzen, der natürlichen Weltordnung versteht, sondern das rein buchstab-ierende Stammeln von sonderbaren Wundern und einer angeblich völlig eigenen Glaubenssprache, was heute als monotheistischer Glaube dargestellt wird. Solange wir von christlich-monotheistischer Offenbarung sprechen, wie wenn es um wundersame Eingebungen an Einzelgestalten, völlig unabhängig vom Wissen um das natürliche Werden der Welt geht, setzen wir das Wissen um die Entstehung des Monotheismus nicht um, nehmen wir das, was uns die Bibel vom Wort Gottes sagt, nicht wirklich ernst. Dem allmächtig-schöpferischen Gott, der durch sein Wort schafft, in der gesamten Bibel als sprechend dargestellt wurde, wird so durch seine angeblichen Vertreter das Wort verboten. Um hier herauszuführen, sind Alttestamentler gefragt.

 

Die Evangelisten haben die alten Texte nicht abgepaust. Heute ist nachweisbar, wie zur Zeitenwende eine tiefe theologische Auseinandersetzung mit dem stattgefunden hat, was wir altes Testament nennen und aus alten Hochkulturen weitergeführt wurde. Weder im Alten Testament, noch dem Neuen, ging es um rein philosophisch-monistische Ideen oder einen reinen Kosmoskult, der mit modernem Pantheismus vergleichbar wäre. Die präexistente Wesenheiten, die sich in alten Kulturen in einer Vielzahl von Offenbarungsgestalten verkörperten, scheint im Neuen Testament in neuer Weise universal und unmittelbar auf den einen Schöpfervater verwiesen zu haben. Dieses Wesen mit einem unsichtbaren Gott gleichzusetzen, wie dies in christlicher Lehre heute geschieht, wo vom Christus wie von einem Gott geschwärmt wird, stellt nicht nur das alte Denken auf den Kopf, sondern dreht dem Schöpfer des Kosmos den Kopf ab. (Zumindest unserem Glauben.)

 

Wer in Ptah eine präexistente Realität, keinen altgesetzten Gott sieht, der in alter Mythologie sich mit vielen anderen Göttern verschwisterte, der könnte den Weg zu einem echt grenzüberschreitenden weisen. Nicht nur zwischen den verschiedenen Glaubenslehren vermitteln, sondern auch unter den auseinander gewachsenen Vorstellungen zwischen Wissen und Wort einen friedenstiftenden Monotheismus begründen. Platon bei Paulus mitzulesen, die Gnosis wieder als frühe Lehre von einem im Kosmos gesprochenen Wort zu verstehen, das allen Logien zugrunde liegt und sich in der konkreten Gestalt des Kanon eindeutig bis heute als Offenbarungswesen erhalten hat, ist nur ein notwendiger Schritt, um das Schöpfungswort wiederzuverstehen, das bereits das Alte Testament bestimmt. Bei einem Perspektivenwechsel in der neutestamentlichen Prämisse erkennen wir, dass keine alttestamentliche Ideen geklaut wurden, sondern ein konkretes Wesen mit kosmischer Realität die Feder führte. Ein Wesen gesprochen hat, das wir vom Alten Testament als die Gebote gebendes Wort kennen.

 

Die trinitarischen Wesenheiten der Mythologie der Ägypter bewegen sich in einem konkreten kosmischen Geschen, das die menschliche Erkenntnis mit einbindet. Es ging um ein Vergegenwärtigung der schöpferischen Durchdringung der gesamten Wirklichkeit, ist nicht der Kompetenz der Seele anheim gestellt, lese ich bei Ihnen. Der Mythos gehe den Menschen persönlich an, ziehe ihn aber in die Solidarität mit allem Geschaffenen, binde ihn ein in einen Lebensprozess. Diese natürliche Theologie solle komplementär zu einer tiefenpsychologischen Vereinnahmung der alten Mythen treten, schreiben Sie. Der Pharao stelle sich uns so als Partner und Priester des Geistgottes in der gemeinsamen Verantwortung für die Schöpfung dar. Doch um dies zu verstehen, bedarf es eines veränderten Jesusverständnisses bzw. ein vom Schöpfungswort ausgehendes christlichen Selbstverständnis.

 

Und je mehr wir uns deutlich machen, wie der Pharao als echte Krone der Schöpfung, irdischer Herr-scher: Sachwalter einer kosmischen Ordnung verstanden wurde, desto mehr verstehen wir auch die Evangelisten, die uns Jesus in ähnlicher Weise als den schildern, der zur Rechten Gottes sitzt. Doch dürfen wir dann noch davon ausgehen, dass einem Wanderguru ein alter Mythos angehängt wurde? Oder lässt sich nicht vielmehr vom Logos ausgehend begreifen, welche Rolle der irdische Jesus wirklich hatte, wie die Vernunft in menschlicher Person jetzt statt der Könige und Kaiser für die Umsetzung der kosmischen Ordnung zuständig sein sollte? Wenn uns daher heute weder der Pharao noch die Politiker helfen können, eine die ökologische Ordnung zu halten und die Menschen zur schöpferischen Leistung zu bewegen, ist dann nicht neu die Vernunft gefragt, die bereits in Jesus lebendig war und von der die alten Hochkulturen wie das Alte Testament ausgingen?

 

Warum soll es heute nicht möglich sein, in der schöpferischen Ordnung die gleiche Stimme wach denkend zu vergegenwärtigen, die die alten Ägypter in Wind und allem Wetter und die Griechen im Fluss allen Werdens wahrgenommen haben? Warum können wir nicht zu den Prinzipien der göttlichen Wirklichkeit zurückkehren, die selbst das Chaos, die Zerstörung mit einbeziehen, die jedem neuen Anfang vorausgehen? Warum hadern wir weiterhin wie Hiob mit dem Schöpfer, betrachten die Biologie als Böse, statt im Blick auf das große Ganze die Sinnhaftigkeit zu sehen? Wenn uns selbst das vorschnell als Böse, z.B. sein Männchen tötenden Spinnenweibchen, auf der nächsten Seite von Geo als im schöpferischen Sinne vernünftig dargestellt wird, dann kann dies sicher kein Vorbild für menschliches Verhalten sein, uns aber auf eine Vernunft hinweisen, die es als bewusstes, menschlichen Wesen auszuleben gilt? Können wir nicht gerade heute hinter vielen vormals noch rätselhaften Ereignissen ein gesamtheitliches Ordnungsmuster aller Evolution der Erkenntnis sehen, ohne das wir als freie, zu aufgeklärtem Denken fähige Menschen, die sich an aller Natur freuen, für das hier zu hörende Wort begeistern können, nicht wären?

 

Wenn wir doch sehen, dass dem alten Monotheismus kein Gott zugrunde liegt, der hier und da mal schnell etwas schraubt, weil ihn fromme Zeitgenossen im Abendgebet darum bitten, warum wollen wir Gottes Wirken dann in wundersame Dinge wahrnehmen, sich außerhalb der Weltwirklichkeit bewegen? Warum kehren wir nicht zurück, um in naturwissenschaftlich erkannter kosmischen Ordnung, wie sie sich selbst in der modernen Chaostheorie zeigt oder in den modellhaft nachvollziehbaren Ausdehnungen des Alles mit Hilfe von Hochtechnik deutlich wir, nach dem Herrn zu fragen, den wir im Credo bekennen? Es geht nicht um einen imaginären Gott selbst, sondern das schöpferische Wort als seinen eingeborenen Sohn, der ein historische Person/Aufgabe war und sein wird. Kein von Kirchenvätern vorgesetzter Christusgott, an den man glauben muss, sondern das in der welt-wirk-lichkeit offenbarende Wort, das heute in der Software allen Seins neu verstanden werden kann.

 

Die Vielzahl alter Göttersöhne oder Ptah und der Pharao sollen nicht gegen das in Jesus menschgewordene Wort Gottes eingetauscht werden. Doch wenn uns die Ergebnisse altägyptischer und alttestamentlicher Forschung vor Augen führen, nachvollziehen, wo vormals dieses Wort verstanden wurde, können wir dann Jesus weiterhin einen guten jungen Juden sein lassen, so sein präexistentes Wesen verleugnen oder als literarische Hoheits-Fiktion abtun, aus alten Mythen übernommen? Griffen die Patriarchen von Alexandrien bzw. die dort beheimateten Väter des christlichen Glaubens nur auf alte Modelle zurück, um einen jungen Juden zum Gott zu machen? Oder waren die wiederverstandenen alten Modelle die Vorlage, um in der menschlichen Ausformung des griechisch-philosophisch verstandenen Logos die Wirk-lichkeit des jüdisch erwarteten Messias zu sehen?

 

Wie sonst können wir ernsthaft die Bedeutungsaussagen der Bibel noch im Munde führen, über die Diskussion nachdenken, die zum christlichen Credo führte, wenn wir nicht von einem Wort in Menschengestalt als Gegenstand des neuen Glaubens ausgehen? Wenn heftig nachgedacht und gestritten wurde um das Wesen des Sohnes. Wenn man in Konstantinopel 381 n. Chr. mehrheitlich zum Schluss kam, „den eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch ihn ist alles geschaffen“, zu bekennen, dann muss mehr bekannt gewesen sein, als wir heute im historischen Jesus sehen wollen.

 

Ist nicht vielmehr die Frage, ob es im kosmischen Geschehen um Gott selbst geht oder das Wort erst von Gott ausgehen muss, aber trotzdem eins ist mit dem Vater, eine Frage, die sich neu stellt, wenn wir über das natürliche Werden nachdenken? Scheinbar wurde damals kein rein kosmisch, nur natürliches Ereignis gesehen, das pantheistisch-mysteriös mit Gott gleichzusetzen war, ebenso wenig wie ein gesetzter Gott. Vielmehr wäre eine Diskussion, die wir heute in ähnlicher Weise führen, vom Wissen um das Entstehen des Monotheismus neu zu führen?

 

  1. Die göttliche Familie wieder als Realität zusammen denken, um den Weg ins gelobte Land zu weisen

 

Mit kaum einem Thema wird heute die christliche Lehre lächerlicher gemacht, als mit der jungfräulichen Empfängnis. Eine junge Hebräerin mit Namen Maria, die ihrem Josef einen Bankert unterschob, für den dann später der heiligen Geist herhalten musste, wird kurzgeschlossen. Wenn dann Neutestamentler im weihnachtlichen Dokumentationsbeitrag dafür noch die Begründung liefern, nachweisen wollen, wie der gute Josef seine fremdgegangene Frau vor der Steinigung bewahren wollte, kann die Brücke zur Maria der alten Ägypter, die auf Ihrem Buchdeckel zu sehen ist, nicht geschlagen werden. Die ägyptischen Vorstellungen, die eine Symbiose mit griechisch-römischen Ideen eingingen, sich zu Beginn des Christentums in den Bildern der alten Kirche spiegeln, können dann nicht mehr mit der Geburt des Messias zusammengebracht werden.

 

-Fortzusetzen mit der Deutung von Mutter als einer Wesenheit, die in kosmischer Ordnung,  wie in geistiger Entwicklung für das Hervorbringen, Ausdrücken, ans Tageslicht bringen verantwortlich ist. Die Mammisis der alten Mythen als ein Wesen deuten, das nicht nur alle Natur hervorbringt, sondern wirklich den Sohn Gottes immer wieder neu zur Welt bringt, den Menschen so die schöpferische Wirk-lichkeit präsent macht. Ein Wesens, das in den alten Mythen leibhaftig war und dessen neue Rolle als Maria des christlichen Glaubens, die unvoreingenommen gezeugt hat, zu verstehen ist.

 

-Von der Gottessohnsvorstellung der alten Glaubensvorstellungen aus, die Bedeutung und Stellung des christlichen Gottessohnes als konkretes Wesen bewusst machen.

 

-Unmittelbares Verständnis der Vatergottheit nachvollziehen, für das der Sohn wie die Mutter die Voraussetzung sind.

 

Die Antwort auf die Globalisierung unserer Wirtschafts-, Lebensweise und Kultur, kann nicht nur eine Globalisierung der Gefühls-Herzens sein, wie sie auf dem evangelischen Kirchentag in Hannover dieser Tage gefordert wurde.

 

Erst ein universelles Neuverständnis des Schöpferwortes, wie es das heutige Wissen um die Entstehung des Monotheismus vorzeichnet, kann zu einem kosmotheologischen Geist führen, der vom Verstand ausgehend auch das Gefühl umfasst, so den ganzen Menschen ausmacht und damit zur wahren Globalisierung der Herzen und einem alltäglichen schöpferisch-vernünftigen Verhalten führt. Alttestamentler sind gefragt, damit die Neutestamentler nach dem Schöpfungswort Ausschau halten und so auf aufgeklärte Weise den Weg ins gelobte Land weisen.

 

Ich hoffe, dass ich mein Anliegen an die Alttestamentler verständlich machen konnte und meine Ansichten nicht als Angriff missverstanden werden, sondern meine laienhaften Fähigkeiten Anstoß zum fachgerechten weiterdenken geben.

 

Über eine kurze Antwort, die meine möglicherweise falsche Perspektive des Monotheismus gerade rückt oder mich auf den Boden der geistesgeschichtlichen Tatsachen zurückholt, würde ich mich sehr freuen.

 

Mit freundlichen Grüssen

 

Gerhard Mentzel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nicht negativen Sinne exklusiv statt evolutionär sehen wir den ….

 

‚Wie können wir nachweisen

 

 

 

 

 

 

Auch die Tatsache, dass nicht mehr der Kult im Mittelpunkt stand, sondern