Im Werden der Welt

wieder erfahrbare Weisheit

                          

als historisches und heute wieder sichtbares Wesen des christlichen Glaubens,

das als lebendiges Wort Gottes aufgeklärt zu verstehen ist

 

 

Ein noch in Arbeit befindlicher Text, der Thesen aktueller Theologielehre über die Weisheit aufgreift und den Logos bzw. lebendigen Jesus in den jüdischen Lehren nachweisen will

 

 

An die Autoren

von Bibel und Kirche 3und 4/2004

„Weisheit und Frau Sophia“

„Das Johannesevangelium“

 

-wie alle Theologen, die die Bedeutungsinhalte des Neuen Testamentes ernst nehmen

-und sonstigen Denker, die die Hoffnung auf ein aufgeklärtes Verständnis schöpferischer Weisheit als universalen Gesetztes jenseits der Metaphern noch nicht aufgegeben haben

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

erlauben Sie mir dass ich Sie als Zeugen eines geschichtlichen Wesens berufe, hinter dem ich den historischen Jesus bzw. erneuerten Inhalt des Monotheismus vermute und das heute mit wachem Verstand in allem natürlichen Werden wissenschaftlich nachzuvollziehen ist. Denn nach allem was wir wissen, was Sie in Ihren Ausätzen mehr als deutlich machen, sind Christen weder die Nachfolger eines antiken Aufschneiders, den seine Anhänger zum Gottessohn machten, noch schriftlicher Dogmen und Traditionen, die nur weitergetragen wurden. Vielmehr scheint eine kosmische Wirk-lichkeit, schöpferische Vernunft/Weisheit, die im modernen Bild der Welt wieder deutlich wird, den Metaphern der Schrift zugrunde zu liegen, der wahre christlich-monotheistische Glaubensgrund zu sein.

 

Seit vielen Jahren befasse ich mich als quereinsteigender Laie mit theologischen Fragen und komme zu Schlüssen, die die Hypothesen der Amtstheologie ausschließen. So halte ich das historische Wesen unseres christlichen Glaubensgrundes nicht für einen Wanderprediger, der nachösterlich zum Logos erklärt oder als Weisheit Gottes hingestellt wurde. Vielmehr lässt sich aufgrund unseres heutigen Wissens um die Geistesgeschichte, wie die Bedeutungsinhalte biblischer Texte nachvollziehen, welche Wirkung von der antiken Wahrnehmung der kosmisch-schöpferischen Weisheit als Offenbarungswesen und Wegweiser der menschlichen Verhaltensnorm ausgegangen ist. Auch wenn dieses im natürlichen Werden wahrgenommene präexistente Wesen erst in menschlicher Gestalt echt messianische Wirkung erzielte, so war doch das eigentliche Wesen, das zur Erneuerung und inhaltlichen Neu-Füllung des Monotheismus führte, kein mit seinen Anhängern umherziehender Wanderprediger. Nur von der im kosmischen Werden wahrgenommenen schöpferische Weisheit, dem ewige Wort als wahrer Sohn Gottes kann all das ausgegangen sein, was Sie uns als Bedeutungsinhalt des Neuen Testamentes belegen.

 

Da ich aufgrund der uns vorliegenden Texte bzw. des philosophischen Gedankengutes der Antike davon ausgehe, dass es sich im Neuen Testament nicht nur um eine Neueinfärbung alter Traditionen gehandelt hat die Weisheit nicht in aus alten Schriften abgelesen oder in spiritueller Versenkung wahrgenommen, sondern wach denkend im realen schöpferischen Geschehen gesehen wurde, will ich auch heute mit wachem Verstand in allem natürlichen Werden nach dieser offenbarenden Weisheit fragen. Doch was damals in personifizierter Gestalt einen neuen Bund bewirkt hat, ist nur von einem neuen christlichen Historien- und somit Selbstverständnis aus zum ernsthaften Thema zu machen.

 

Mitten in meine Diskussion über die Bedeutung der Vernunft/schöpferische Weisheit für das Neue Testament mit einem jungen Theologen bekam ich als Neumitglied der Bibelgesellschaft Ihre Themenhefte über die Weisheit und das Johannesevangelium in die Hand. Und wieder konnte ich die alte theologische Deutungswelt nicht mehr begreifen. Wie kann man aufgrund dieses Wissens um die Bedeutung der schöpferischen Weisheit für das gesamte Neue Testament den christlichen Glauben weiterhin in heutiger Weise verniedlichen, von einem wundersamen Wanderguru ausgehen, der auf angeblich unerklärliche Weise ein Gottessohn war oder dem nur hoheitliche Begriff angehängt wurden?

 

Gerade habe ich Prof. Berger angesichts seiner 703 Seiten schweren - m.E. rein persönlichen Jesus-Meditation jenseits aller historischen Forschung - als Beispiel für die Bankrotterklärung der bisherigen Historienhypothese benannt. (Denn nicht nur die von heutiger Hypothese ausgehende und daher alles verkürzende historisch-kritische Exegese, von der sich Berger abwendet, sondern auch seine Zuflucht im Mysterium führen m.E. in eine Sackgasse.) Gleichzeitig habe ich auch einen Aufruf an den Spiegel als „Unternehmen Aufklärung“ verschickt, bei der Theologie die konsequente Umsetzung des eigenen Wissens einzufordern. Bei der Begründung der neuen Sichtweise des historischen Jesus bzw. des daraus resultierenden ganz anderen Selbstverständnisses gegenüber Atheisten ist mir gleichzeitig wieder deutlich geworden, wieso es für die heutige Hochschultheologie beinahe unmöglich ist, den von mir verlangten Paradigmenwechsel nachzuvollziehen. Doch all das, was Sie über die Weisheit an der Wurzel unsers Glaubens schreiben, wie Sie diese im kosmischen Werden begründen, als Wesen der verschiedenen Evangelien nachweisen und darauf auch die im Neuen Testament nachzulesende menschliche Wegweisung begründen, lässt mich hoffen. Wer in dieser Weise über die Weisheit an der Wurzel des christlichen Glaubens schreibt und die Verfasser der neutestamentlichen Texte wirklich ernst nimmt, der muss auch bereit sein, über ein Wesen nachzudenken, das weder ein verherrlichter Wanderguru, noch ein christologisierter oder altabgelesener Weisheitsgott ist, sondern Weisheit/lebendiges Schöpfungswort Gottes in menschlicher Gestalt.

 

Denn um genau dieses Wesen, das Sie als schöpferische Weisheit in der Schrift deuten, heute im alltäglichen Prozess des natürlichen Werdens wieder wahrzunehmen, zumindest ernsthaft zu thematisieren, wäre es notwendig, dass theologische Wissenschaftler das historische Wesens bzw. den Grund christlichen Glaubens hinterfragen.

 

  1. Kosmische Weisheit und Frau Sophie als Grundlage christlichen Glaubens

 

Schon im Vorwort zu Ihrem Themenheft wird deutlich, das sich die Weisheit an der Wurzel eines Glaubenswandels aus den als ganz normal gesehenen Gesetzmäßigkeiten der Welt ableitet. Wenn die damaligen Denker über eine Weisheit schrieben, dann haben sie nicht nur alte Texte und Traditionen abgepaust und angereichert, sondern scheinen echte Theologie (nicht nur Schriftlehre und persönliche Spiritualität) betrieben zu haben. Von der Summe des Wissens um die die Schöpfungs-Ordnung wurde auf eine bestimmende Weisheit geschlossen. Keine vergeisterten alten Mysterien und keine nur aus alter Schrift abgeleiteten Meinungen waren mehr das Maß. Die Gesetzmäßigkeiten des natürlichen Werdens als göttliche Sinngebung waren Maßgabe für die menschlichen Tugenden. Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit wurde nicht aus alten Glaubensgesetzen abgelesen, sondern gründete auf die im kosmischen Geschehen lebendige Weisheit. Die menschliche Weisheit des Glaubens wurde als Transformator gesehen, die Gesetzmäßigkeiten im Werden der Welt zu verstehen und aus dieser Einsicht zum rechten Handeln zu gelangen, ist bei Ihnen zu lesen. Genau das wäre heute wieder durch ein neues Historien- und somit christliches Selbstverständnis zu erreichen.

 

Die Summe an Wissen um eine kosmische Vernunft und menschliche Lebenserfahrung, nicht einfach darwinistische Kurzschließerei aufgrund für die Tierwelt sicherlich sinnvoller Verhaltensweisen, wie sie bis heute nicht nur unseren Wirtschaftsalltag bestimmt, beispielsweise einem aktuellen Spiegeltitel über die Biologie der Partnerschaft zugrunde liegt, sollten in der Antike die menschliche Bestimmung sein. Erst die Wahrnehmung einer schöpferischen Weisheit/Vernunft hinter den natürlich-biologischen Vorgängen lässt über den heute praktizierten Darwinismus und sinnentleerten Individualismus hinausblicken. Statt beispielsweise die Affen zum Vorbild für das Sexualverhalten zu nehmen oder das Diktat der Hormone bzw. menschliche Beliebigkeit zur Natur des Menschen zu erklären, wie dies Evolutionsbiologen im Spiegeltitel tun, wäre danach zu fragen, auf welche Weise der Menschen mit den Gaben seines Geistes und seiner Biologie dem schöpferischen Sinn am besten gerecht wird, was zum Bestand und zum Wohl geistbegabter Wesen bzw. deren gesellschaftlichen Gelingen am besten beiträgt. Erst das kann dann in diesem Sinne als wahre menschliche Natur die logische Norm sein. Doch um die heute in der Software allen Werdens wahrzunehmende Weisheit zu thematisieren, bedarf es eines neuen Selbstverständnisses, dem die fest eingefleischte Hypothese von einem charismatischen Besserwisser, den man zum Christus machte, im Wege steht. Solange Sie nur von einem Wanderguru ausgehen, dem weisheitliche Text angeheftet wurden, bleiben auch Ihre Ausführungen über die schöpferische Weisheit im Wandel der Zeiten völlig unbedeutend.

 

Die Schriftlehre hält beim heutigen Historienverständnis alle Rede von einer Weisheit mehr oder weniger für ein Aufwärmen alter Literatur, bei der die Weisheit selbst meist wie eine Art weiblicher Gott gesehen wurde. Eine Offenbarung bzw. inhaltliche Füllung der Glaubenstradition aufgrund des naturwissenschaftlich nachweislichen kosmischen Werdens kann davon nicht ausgehen. Wo die präexistente Weisheit als historisches christliches Offenbarungswesen kein Thema sein kann, führt auch die Wissenschaft, die von dieser Weisheit ausgeht, allenfalls in pantheistische Weltbilder. Wie wir bereits bei Albert Einstein sehen, wird dann beispielsweise nur ein göttliches Prinzip von Ursache und Wirkung als eine Art unbestimmbarer Gott angenommen. Die Weltordnung der physikalischen Gesetze, die dem Menschen das Leben nicht nur ermöglichen, sondern innerhalb der er sich als geistbegabtes Wesen (Gottes)bewusst zu bewegen hat, als uns in Jesus bereits gegebenes Wort zu verstehen, ist im heutigen Paradigma kaum möglich.

 

  1. Wandelbare Weisheit in jüdischer Wahrnehmung

 

Nicht zuletzt im Beitrag der Alttestamentlerin Gerlinde Baumann wird deutlich, in welche verschiedenartigen Vorstellungswelten des Vorderen Orient die Weisheit wahrgenommen wurde. Auch wenn nach meiner Perspektive des historischen Jesus die jüdische Gesetzlichkeit zur Ablehnung der lebendigen Weisheit führte, so scheint es gerade das Verdienst des jüdischen Denkens, die verschiedenartigen Vorstellungswelten orientalischer Weisheit zusammen- und weiterzuführen. Selbst die menschlich greifbare Gestalt Jesus scheint die sprachlichen Verständigung ermöglich und zur Zusammenführung verschiedener Vorstellungswelten geführt zu haben. Auch wenn Bernd U. Schipper die Bedeutung von Israels Weisheit im Kontext des Alten Orients verdeutlicht, so macht er dabei auf das Geschichtswesen aufmerksam, das weit mehr gewesen ist, als ein besonders schlauer Wanderguru, wie wir ihn uns als einen zum Messias gemachten und als Weisheit verherrlichten geschichtlichen Menschen vorstellen.

 

Das Geschichtswesen, das den Glauben von Juden und Heiden gleichermaßen bestimmte kann nicht ohne die kosmische Weisheit gesehen werden, die aus den verschiedenen Weltbildern der Antike abgeleitet wurde. Doch zu denken, dass nur althebräische, ägyptische, phönizische oder griechisch-philosophische Weisheitstexte zusammengeklaut wurden, wäre zu wenig. Vielmehr lässt sich zur Zeitenwende ein Denken erkennen, das den realen Grund altorientalischer Weisheitstexte hinterfragte, traditionelle Vorstellungen in allegorischer Weise deute. Auch wenn diese Weisheit philosophisch durchdrungen wurde, so war es kein Produkt menschlichen Geistes, sondern ein Wissen um kosmische Weisheit, das auf Leben und die Gesellschaft bezogen wurde. Die aus der realen Weltordnung abgeleitete schöpferische Weisheit war nicht nur der Lehrmeister für die handwerkliche Technik - wie sie es unter anderer Begrifflichkeit bis heute für alle noch so hochtrabende Wissenschaft ist - sondern der bestimmende Logos für das alltägliche Leben. Die Bestimmungs-Koordinaten für das kosmische Geschehen und nicht Buchstaben bzw. gut gemeinte hoffnungsvolle Predigten oder ein als Weisheit gesetzter Gott sollten nach den Denkern, die uns das Neue Testament hinterlassen haben, maßgebend für die menschliche Existenz sein: Weises Handeln spielt sich im Horizont der geschaffenen Welt ab und ist von dieser nicht zu trennen.

 

Auch wenn in der hebräischen Bibel eine ganze Reihe von Texten zu finden sind, die um die Weisheit Ägyptens wissen, so scheint die Weisheit in der Gegenwart der Verfasser als ein lebendiges Wesen gesehen worden zu sein. Und nur diese lebendige Weisheit war der Lehrmeister, nicht die alten Lehren. Wenn zur Zeitenwende Israels Weisheit auf einmal als einziger Baustein in einem Gefüge von internationalem Ausmaß, kulturübergreifendes Phänomen gesehen wurde, das die verschiedenen Vorstellungswelten verband, dann war hier scheinbar schon ein schöpferisches Wesen lebendig, das uns später in der Geschichtsgestalt des Jesus von Nazareth vorgestellt wurde. Und auch, warum genau diese Art der Vorstellung die notwendige Weise war, lässt sich angesichts der verschiedenartigen Personifizierungen schöpferischer Weisheit nachvollziehen. Nur anknüpfend an die alte Bilder war den Menschen die Weisheit vermittelbar.

 

Wenn wir die von den Verfassern des Neuen Testamentes beschriebene Bedeutung Jesus als bereits dem bisherigen Glauben bzw. Alten Testament zugrunde liegend ernst nehmen, dann genügt es nicht, nur einfach von einen gesetzten Christusgott auszugehen, sondern muss die lebendige Weisheit aller Schöpfung mitgesehen werden. Die verblüffende Ähnlichkeit der Weisheitstexte der verschiedenen Jahrhunderte ist kein Wunder, auch wenn nicht einfach abgeschrieben wurde. Die Weisheit bzw. das in Jesus von Nazareth als Geschichtswesen zum Ausdruck gebrachte Schöpfungswort ist aus der Realität des kosmischen Werdens und seiner Maßgabe für das menschlich-gesellschaftliche Miteinander abgeleitet. Die Lebenslogik geht von einem ewigen Gotteswort, schöpferischen Weisheit aus und ist nicht das zufällige Produkt zeitbeliebiger Moralpredigten oder eine lediglich aufgewärmte Traditionsliteratur.

 

Auch der in der alten Weisheitsliteratur gesehene ganz natürliche Tun-Ergehen-Zusammenhang, das Tat-Folge-Prinzip, lässt sich nur aus dem lebendigen Logos erklären, der damals schon lebendig war. Nicht in absonderlichen Gotteseinwirkungen, wie selbst heute noch versucht wird, die Gottes-wirk-lichkeit zu erklären, sondern im kausalen Geschen des Kosmos und der gesellschaftlich-geschichtlichen Wirk-lichkeit wurde das schöpferische Wirken wahrgenommen. Wenn das internationale Wissen der Weisheit kulturspezifisch ausgeformt wurde, wie Prof. Schipper schreibt, dann wurden nicht nur einfach alte Texte zurechtgebogen, sondern das schöpferische Wort kulturspezifisch verstanden und umgesetzt. Sprachliche Bilder wurden in sinnvoller Weise übertragen, sprachliche Begriffe weiterverwendet, um die in alter Tradition wahrgenommene Weisheit in einem schöpferischen Prozess weiterzuvermitteln. Auch der Übergang vom Pantheon der vielen Götten zu dem einen Gott war kein unerklärlich willkürlicher Prozess, sondern lässt sich in der erfahren Logik allen Werdens nachvollziehen, was letztlich auf eine alles Sein bestimmende Wirkkraft zurückgeführt wurde.

 

Was die natürliche Welt im innersten zusammenhält, nicht alte Texte, Traditionen oder Mysterien und menschliche Moralpredigten waren die Maßgabe für das menschliche Leben sowie die Lehre von Gott. Ganz im Gegensatz zu Heute, wo Glaube im Exil der Naturwissenschaft ein Schattendasein führt und vom realen Schöpfer nicht zu sprechen ist. Wo Theologen denken, die Sprache des Glaubens, das Schrift-Wort Gottes, im Hinterzimmer vor der Sprache des Wissens schützen zu müssen, so letztlich zwei völlig getrennte Schöpfungsbegriffe existieren. Doch wie im Babylonischen Exil die Weisheit Gottes neu entdeckt wurde, wie die Propheten den beklagten Zustand im eigenen Abfall vom Gotteswort anprangerten, so scheint auch heute eine Exils- bzw. Leiderfahrung notwendig, um zum Logos der eigenen Lehre zurückzuführen. In den dingewordenen Strukturen allen Lebens gilt es durch ein neues christliches Historien- und somit Selbstverständnis mit aufgeklärten Augen nach Logos zu suchen, der den Bauplan der Schöpfung seit Anbeginn bestimmt.

 

Die Gottesfürchtigkeit der Griechen, denen wir das Neue Testament verdanken, wäre ohne den Verstand, den Logos der Weisheit im Werden der Welt undenkbar. Die Weisheit, die vom Schöpfer wie ein Kind zur Welt gebracht wurde, war ein reales Wesen, das in menschlicher Gestalt seinen Ausdruck suchte. Die Weisheit, die den Menschen die göttliche Weltordnung vermittelte, weil sie von Anfang an dabei war, ist war Jesus kein abstraktes Wesen mehr, sondern höchst lebendig. Die gesamte Vollmacht, in der Jesus von Nazareth spricht weist auf die Weisheit hin, die hinter seiner Gestalt steht und nicht gleichzusetzen mit einem gesetzten christologischen Gottesbegriff ist, sondern dessen lebendiges Gegenstück. Die Autorität des geschichtlichen und hoheitlichen Jesus geht vom Autor aus, der hinter aller natürlichen Ordnung steht, wie sie bereits bei Salomo oder Jesus Sirach identifiziert wurde und letztlich der gesamten Tora zugrunde liegt.

 

Doch wenn wir die damaligen Denker auch nur halbwegs ernst nehmen, dann können wir nicht weiter davon ausgehen, dass im Neuen Testament nur ein besonders begnadeter Guru aus Verherrlichungszwecken mit der alterfahrenen Weisheit gleichgesetzt wurde. Vielmehr müssen wir annehmen, dass Ijob erhört, die Weisheit der Schöpfung neu erfahren wurde und genau dies Grundlage der Geschichte und der Auseinandersetzung mit dem Gesetztesglauben war. Die zeitgenössische hellenistische Philosophie wurde dem guten Jungen mit Namen Jesus nicht übergestülpt, um diese propagandistisch für das alte Gesetz zu vereinnahmen. In neuer Weise scheint hier im fremden hellenistichen Weltbild, wie im babylonischen Exil, die Weisheit als ewiges Schöpfungsprinzip wieder erfahren worden zu sein. Die Personifizierung dieses Schöfpungswortes war die zur Zeitenwende notwendige Formulierung, ein Fortschritt im Verständnis, durch die anknüpfend an alte Vorstellungen den Menschen die Weisheit Gottes vermittelbar war, Orientierung gab und Bestand hatte.

 

  1. Die Personifizierte Weisheit als bibeltheologische Schlüsselfigur

 

Den Titel des Beitrages von Prof. Silvia Schroer aufgreifend, gehe ich davon aus, dass Altes und Neues Testament nur aufgeschlossen werden können, wenn wir von einer konkreten Weisheit des Kosmos ausgehen, die damals weitgehend weiblich personifiziert wurde. Gerade um das Neue Testament zu erschließen, muss von der personifizierten Weisheit ausgegangen werden, die Voraussetzung für die Erneuerung des lebendig-realen Monotheismus bzw. inhaltliche Füllung der alten Schriften war. Die Metaphern von personifizierter Weisheit haben Tradition. Ob die Konzeption der Maat als ägyptischen Göttin der rechten Ordnung, über jüdische Weisheitstexte bis zu Athene. Doch statt feministischer Vereinnahmung zu betreiben, um Frauen von leidvoller geistiger Unterdrückung zu befreien, wäre nach der Realität der Weisheit zu fragen. Die poetische Verdichtung der Weisheit in weiblichen Gestalten darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein ganz konkretes Denken dahinter stand. Die Weisheit wurde philosophisch begründet im konkreten Werden des Kosmos. Es war eine Weisheit, die als hervorbringendes Wesen des konkreten Kosmos wahrgenommen wurde. Die Tochter des Sonnengottes, aber auch die erotische altsyrische oder kanaanäische Göttin, die als Partnerin des Wettergottes auftritt und zusammen mit ihm die Fruchtbarkeit des Landes garantiert, war kein schöngeistiges Produkt. Sie hatte einen konkreten schöpferischen Grund, der heute in aller Meteorologie mehr als deutlich wird. Wenn wir heute den Wettergott nicht mehr abtrennen, sondern von einer ganz natürlichen Ordnung allen Werdens ausgehen, die hinter dem Wetter, wie allem evolutionären Werden steht, dann ist der für uns präsent, der als präexistentes Wesen und Sohn Gottes gesehen wurde.

 

Aus der geheimnisvollen Weisheit ist wieder der altbekannte Sohn geworden, ohne dass wir es, vertieft in die alten Texte, einsehen wollen. Das Prinzip der Grundordnung der Genesis ist nicht mehr nur mysteriös in eine Mathematik eingegossen, sondern kann im heutigen Weltbild nüchtern als weise ganz planvolle kreative Ordnung nachvollzogen werden, die allem natürlichen Werden zugrunde liegt. Die Selbstoffenbarung Gottes in seinem Sohn, Präsenz des Schöpfers in einer präexistenten Weisheit, von der im neuen Testament und bei dessen theologischen Auslegern soviel die Rede ist, ist Realität, ohne dass wir es sehen wollen. Denn lt. heutiger Hochschultheologie war der historische Jesus ja nur ein Wanderprediger bzw. ein hoheitlich-mystischer Christusgott, der durch Weisheitstexte umschrieben wurde. Die kosmische Weisheit als reales Wesen, die hinter seiner Person steht, kommt in der heutigen Exegese nicht vor.

 

Wer wie Sie nachweist, wie im Denken der Zeitenwende, ob in ägyptischer, hellenistischer oder jüdischer Literatur, ob bei Philo oder bei Jesus Sirach, eine Weisheit personifiziert wurde, die maßgebend für einen exklusiven Monotheismus war, der kann jedoch nicht einfach Jesus einen guten Mann sein lassen, dem die Weisheit angedichtet wurde. Wenn Sie deutlich machen, wie damals die alten Texte der Tora auf allegorische Weise neu gedeutet wurden, dann war das sicherlich keine Vereinnahmung der Tradition, sondern scheint ein Verständnis der ihr zugrunde liegenden Weisheit die Feder geführt zu haben. Die interkulturelle durch griechisch-hellenistische, wie ägyptische Tradition geprägte Weisheitstheologie, die auf den Bauplan der Welt gründete, benötige nicht nur eine Personifizierung als Zugeständnis an polytheistische Traditionen, sondern auch prophetische Gestalten. Wenn wir heute wissen, dass es bei Moses nicht um einen Volksbefreier ging, sondern dahinter das befreiende Verständnis des Schöpferwortes steht, dann müssen wir auch bereit sein, hinter der historischen Gestalt des Auferstandenen ein befreiendes Wesen nachzufragen, das weit mehr war als ein im Geist seiner Anhänger zum Gottessohn gewordener oder gar leiblich wiedererwachter Mensch. Wer wie selbstverständlich davon ausgeht, dass immer wieder die Weisheit personifiziert werden musste, der kann doch nicht einfach in Jesus einen gute Jungen annehmen, der nachösterlich irgendwie hochgejubelt wurde und somit die gesamten Evangelien, die Fülle an Literatur in der die Weisheit lebendig ist, als Jubelgeschrei auf einen historischen Heilsprediger darstellen.

 

Der rationale, auf kosmische Realität gründende Monotheismus des Eschnaton, der bei den Propheten wieder auflebte, scheint nicht einfach ein jüdischer Exklusivanspruch gewesen zu sein. Auch hier muss das Schöpfungswort, die ewige Weisheit mitgelesen werden, durch die nicht nur die jüdische Geschichte bestimmt wurde, sondern die gesamte Genesis. Wenn zur Zeitenwende Jesus mit dieser Weisheit identifiziert wurde, dann muss nach dem Logos, der schöpferischen Weisheit gefragt werden, die in ihm lebendig war. Wer die Verfasser des Neuen Testamentes als Erneuerer des alten Monotheismus ernst nimmt, muss nach der lebendigen Weisheit fragen, die nicht nur bei Johannes, sondern ebenso bei Lukas und Matthäus von Ihnen belegt wird. Eine Weisheit, die Sinngebung der Welt, aber ebenso menschliche Erfahrungsweisheit und Hintergrund handwerklich-technischer Fertigkeiten war, scheint neu erfahren worden und Grund für die erhoffte Verschmelzung von Himmel und Erde, göttlicher und menschlicher Wirk-lichkeit gewesen zu sein. Was die Verfasser des Neuen Testamentes beschreiben war weder ein Weinsäufer oder Fresser, nach kann er als Wanderguru und Freund von Zöllnern verstanden werden, der nur reformistische Reden schwang und den man für den Gottessohn hielt. Von einem unergründbaren Weisheitsgeheimnis zu reden oder einem Glaubensmysterium, würde die damals in aller kosmischen Ordnung erkannte Weisheit auf den Kopf stellen. Der Menschensohn, der die Menschen zur schöpferischen Weisheit führte, kann nur verstanden werden aus einer kosmischen Realität heraus, die nicht nur für das handwerkliche Wirken bzw. wissenschaftliche Anwendungen heute ganz selbstverständliches Vorbild ist, sondern auch die menschliche Sinngebung und sozial Ordnung die Maßgabe wäre. Wer nachweist, dass diese Weisheit, die in Qumran Zuhause war, in Alexandrien, Antiochien und Athen, auch den Logien zugrunde liegt, auf die die Evangelien zurückgeführt werden, der muss nach den Grundlagen dieser Weisheit in der realen Weltordnung fragen. Gerade angesichts unser Weltprobleme wäre nach einer göttlichen Offenbarung zu fragen, die nicht Volks- oder Glaubensexklusiv ist, sondern die gemeinsame Grundlage der Schöpfung als natürlich-göttlicher Ordnung.

 

  1. Weisheit als neutestamentliches Wesen

 

Wenn heute die Weisheit vor den Karren feministischer Theologie gespannt wird, die endlich einen mysteriösen weiblichen Gott in die Welt setzten will, dann kann das mit Sicherheit nicht der Weisheit des Schöpfers letzter Schluss sein. Vielmehr zeigt sich auch hier ein Entwicklungsweg, der von der schöpferischen Weisheit auf den Gott der Väter, wie Vater des Alles schließen lässt, der weder Frau noch Mann ist. Nur um jetzt einen weiblichen Gott zu haben mysteriös von der Weisheit zu schwärmen, ohne rational in allem kosmischen Werden eine Weisheit nachzuweisen, kann nicht das sein, was im Neuen Testament als Offenbarung bezeichnet wird. Die in der Schrift beschriebene Weisheit mit dem unsichtbaren Gott selbst zu identifizieren führt zum theologischen Trugschluss: Von Nichts wird auf Nichts geschlossen. Was dann als in der Antike lebendiges Wesen nachgewiesen wird, bleibt eine buchstäbliche Behauptung. Aus dem der der Mittler war, der als sichtbare Präsenz die Stelle der menschlichen Könige einnahm, wird so ein weibliche Gottesgestalt.

 

Auch die personifizierten Weisheiten in der Männer-Mystik weisen auf die kosmische Realität hin, deren Wirk-lichkeit wieder zu erfahren und die nicht mit Gott gleichzusetzen ist. Ob mittelalterliche Mystiker die Weisheit mit Christus gleichsetzen oder moderne Denker von einer Weisheit schwärmen, so ist nach der schöpferischen Tat-sache zu fragen, die diesen Träumen zugrunde liegt. Sonst bleibt der mit der als Gesandter der Weisheit gesehene Jesus Christus ein Produkt der Traumwelt, von dem nicht die Wirkung ausgehen kann, die die Denker vor 2000 Jahren von ihm erwarteten.

 

In besonders deutlicher Weise weist Prof. Martin Ebner auf das Wesen hin, das nicht nur dem Alten Testament zugrunde liegt oder Johannes, sondern auch alle anderen Evangelisten mit eigenen Augen sahen. Auch wenn er, wie alle Welt annimmt, dass in den Messias-Erzählungen ein Mensch mit Namen Jesus nach seinem Tod erhöht wurde, so macht er in seinen Ausführungen mehr als deutlich, dass die schöpferische Weisheit das historische Wesen war und ist. Nur auf ein präexistentes Wesen mit kosmischer Realität begründet sich das Glaubensbekenntnis des Paulus, wie das der Kirchenväter. Die Weisheit bzw. das schöpferische Wort auf den Johannesprolog zu begrenzen, würde eine Ausgrenzung dessen bedeuten, der im Prolog als Inhalt bzw. Ausgangspunkt aller Aussagen vorgestellt wurde. Ein Wesen, das seit Anbeginn der Schöpfung kosmische Realität war, kein Wanderguru oder ein neuer mystischer Christusgott, wurde abgelehnt von den Schriftgelehrten. Dies ist das Drama, das wir aus der Geschichte Jesus kennen. Wer zu den Seinen kam, die ihn nicht aufnahmen, war die kosmisch-geschichtliche Weisheit in menschlicher Gestalt, die einen angemessen Wohnort suchte. Es war das gleiche präexistente, interkulturelle Wesen, das Urprinzip des Universums, das auch heute weder Platz in der christlichen Predigt, noch naturwissenschaftlicher Philosophie findet.

 

Auch wenn der Tempel von Jerusalem als Sitz der Weisheit angesehen und die jüdische Tora als Ausdruck dieser Weisheit verstanden wurden, so liegt es vom schöpferischen Logos ausgehend auf der Hand, dass diese Weisheit auch bei anderen Völkern und Verständnisformen wahrgenommen wurde. Warum Jesus seit Anbeginn der Zeiten lebendig und Grund des Alten Testamentes war, ist von der Weisheit ausgehend eine Logik. Und genau dieses lebendige Wort, das sich im Rhythmus der Gezeiten und dem täglichen Sonnenaufgang wie der Schönheit aller Schöpfung zeigt, heute all unserem Wissen um das natürliche Werden der zugrunde liegt, wurde vom Tempel abgelehnt und aus der Synagoge ausgeschlossen.  

 

Sie alle wissen weit besser als ich, wie diese Weisheit bei Hiob zur neuen Wahrnehmung schöpferischer Gerechtigkeit führte, welche Bedeutung sie für die Henochgruppe, wie viele andere Geistesbewegungen der Zeitenwende hatte, die in das neue Testament einflossen. Möglicherweise ist hier ein über Prozess verdichtet, der eine echte Zeitenwende ausmacht und sich in vielfältiger Form vollzog. Wer allerdings in der Übernahme der Weisheit in das Neue Testament nur eine Taktik vermutet, um einen Guru aufzumotzen, der leert den gesamten Inhalt unseres Glaubens aus, wiederholt das Drama, von dem geschrieben steht. Davon auszugehen, dass die Weisheit auf einen Wandercharismatiker aus Nazareth übertragen wurde, um dessen Anspruch zu bekräftigen, stellt das kosmisch-präexistenten Wesen, das in menschlicher Gestalt messianische Wirkung entfaltete, völlig auf den Kopf. Wo die Kinder der Weisheit zu reinen Schriftauslegern geworden sind, alle Hoheitsaussagen über die Weisheit des Neuen Testamentes nur aus alter Literatur ableiten, da scheint sich das Drama zu wiederholen, wird das lebendige Wort nicht wahrgenommen.

 

Solange wir in einem buchstäblichen Verständnis nur einen historischen Menschen an den Anfang stellen und nicht die in aller Schöpfung wirksame Weisheit, deren Personifizierung laut all ihren Aussagen in der Antike Tagesordnung war, bleibt das Neue Testament ohne Wirk-lichkeit. Auch wenn dann nachgewiesen wird, dass aus dem Munde des als historisch bezeichneten Jesus die Weisheit gesprochen hat, muss alle Welt davon ausgehen, dass die Merkmale der Weisheit auf einen Wanderrebellen übertragen wurden. Die universale Versöhnungsaussage, die sich nur auf die Weisheit mit kosmischer Wirk-lichkeit beziehen kann, bleibt dann eine christliche Anmaßung, die propagandistisch gegen Augustus oder philosophisches Gedankengut verwendet wurde. Warum die schöpferische Weisheit als wahrer König der Juden wie Heiden die menschlichen Herrscher bei weitem überragte und als wahrhaft friedensstiftend erkannt wurde, bleibt unausgesprochen, solange wir denken, dass die Weisheit nur dazu gebraucht wurde, einen besonders begabten Menschen zu profilieren. Was die Macht des einen universalen Schöpfers auf Erden präsent werden ließ und nicht nur ein philosophisches Geistesprodukt oder literarischer Mythos war, fällt der Verliebtheit in Vorstellungen von einem völlig herabgewürdigten historischen Jesus zum Opfer, der aufgrund all Ihrer Aussagen eigentlich unhaltbar ist.

 

  1. Menschliche Wegweisung, Ausbruch aus dem Teufelsreis heutiger Theologie

 

Die in der natürlich-schöpferischen Ordnung der Welt wahrgenommene Weisheit war laut Ihren Ausführungen in der Antike der Wegweiser für menschliches Verhalten. Um der Umwelt, den ganz natürlichen Vorgaben zu entsprechen, bedarf es eigentlich gar keiner besonderen Transformation der Weisheit. Heute ist weitgehend bekannt, was im Sinne der schöpferischen Ordnung wäre, auch wenn wir uns nicht daran halten. Doch genau dies zeigt, dass auch hier erst die Wahrnehmung einer schöpferischen Weisheit die Voraussetzungen dafür schafft, der ökologischen Ordnung auf menschliche Weise gerecht zu werden. Ohne in der natürlichen Welt bzw. der kosmischen Ordnung eine übergeordnete Weisheit, das schöpferische Wort zu verstehen, das Sie in Ihren Texten alt Wesensgrund des Neuen Testamentes belegen, bleibt der Mensch auf sich gestellt, verhält er sich nicht wirklich vernünftig. Wenn Wissen allein nicht reicht, damit sich der moderne Mensch weise gegenüber der Mitwelt verhält, dann hilft nicht die Rückkehr zur Naturreligion. Vielmehr scheint ein zeitgemäßes Verständnis der schöpferischen Weisheit in aller Wissenschaft notwendig, um wirklich objektive Beurteilen zu können, ob unser Verhalten das Weltklima wesentlich beeinflusst bzw. der der Schöpfungs-Weisheit (ökologisch-nachhaltigen) gerecht zu werden.

 

Auch das Zusammenleben der Menschen wurde durch die Weisheit geleitet. Nicht nur im alttestamentlichen Sinne oder in den ägyptischen Weisheitsvorstellungen, sondern auch im philosophisch-griechischen Gedankengut wurde, wie Sie schreiben, eine höhere Bestimmung als Maßgabe für die menschliche Norm und das gesellschaftliche Miteinander gesucht und gesehen. Und genau diese Weisheit des natürlichen Werdens, die weit über die reine Natur- bzw. Biologie hinausgeht, sich jedoch nur aus dem natürlich-evolutionären Gesamtsinn des kosmischen Geschehens ableiten lässt, könnte heute neue Wegweisung sein. Solange jedoch die Weisheit ein reines Schriftgelehrten-Schattendasein führt, nur mit angeblich überkommenen Religionsvorstellungen in Verbindung gebracht wird, versucht sich der Mensch vergeblich an natürlichen Vorgaben oder biologisch-evolutionären Vorbildern zu orientieren. In einem aktuellen Titelbericht des Spiegel über die Biologie der Partnersuche bzw. der Lebenspartnerschaft wird dies besonders gut deutlich.

 

Denn können das Sexualverhalten der Affen oder die wechselhaften Lebenspartnerschaften unseres Außenministers bzw. das ungelenkte Verlangen wirklich als letzter Schluss der Weisheit gesehen werden? Entspricht das Denken von Evolutionsbiologen und Soziologen, das gleichzeitig auch gesellschaftliche Ansichten spiegelt dem, was zur Zeitenwende als für die Lebensbeziehungen des Menschen maßgebende Weisheit gesehen wurde? Kann allein die menschliche Begierde und das Diktat der Hormone menschliche Bestimmung abgeben? Oder sind unsere Begierden und unsere Biologie mit samt allen Hormonen nicht vielmehr dazu da, dass ich wir als geistbegabte Wesen einer schöpferischen Weisheit gerecht werden?

 

Religiöse Rede, Vorschriften bzw. aus alten Schriften abgeleitete Moralvorstellungen sind keine Weisheit bzw. können die Verhaltensweise des modernen Menschen nicht bestimmen. Sie können ebenso wenig ein Modell für das menschliche Miteinander sein, wie zufällige Mehrheitsvorstellungen einer Welt ohne schöpferischen Sinn. Doch wenn selbst im zweiten Halbsatz über das „kulturelle Kunstprodukt der Einehe“ gesagt wird, dass die religiöse Regel entstand mit dem Zweck die Gesellschaft zu stabilisieren, dann zeigt sich doch die schöpferische Logik, die hinter religiösen Lebensregeln steht. Die Religion als Mittel für den gesellschaftlichen Zweck zu sehen wäre dabei sicher falsch. Was Sie als Weisheit nachweisen, die vor 2000 Jahren bestimmend für das menschliche Verhalten war, wurde nicht aus Religionsbüchern und alten Moralvorstellungen abgeleitet. Vielmehr war eine schöpferische Bestimmung der eigentliche Grund, der durch die Religion nur umgesetzt wurde. Die Religion war weder bei Juden, Griechen noch Ägyptern ein Mittel für den gesellschaftlichen Zweck. Vielmehr hatte die Religion dafür zu sorgen, dass der aus kosmischer Weisheit abgeleitete Zweck umgesetzt wurde.

 

Fragen nach der sinnvollen Form der familiären Beziehungen, der Lebenslogik der Liebe, zu Partnerwahl und Seitensprung, lassen sich nicht beantworten, ohne von einer schöpferischen Weisheit und Sinngebung auszugehen, die nach Ihrer Darstellung in der Antike lebendig war. Ob Lebenslange- oder kurzlebigen, beliebigen Lebensabschnitts-Partnerschaften in der Moderne das menschliche Maß sind, lässt sich nicht allein aus Biologie und menschlicher Beliebigkeit heraus beantworten. Heute mehr denn je wäre eine schöpferische Weisheit gefragt, die nicht nur alle Natur auf jeweils artgemäße Weise bestimmt, sondern auch für das menschliche Sein maßgebend sein sollte. Da die Antwort nicht altabgelesen werden kann, sind hierzu Evolutionsbiologen bzw. -psychologen, Soziologen und Anthropologen oder Neurologen gefragt. Nicht was meine Körpersäfte wollen oder was andere Vorleben kann das Maß einer Lebenspartnerschaft sein, sondern was der gesellschaftlichen Genesis entspricht, was die Gesamtheit nachhaltig weiterbringt und damit auch für die einzelnen Individuen die tauglichste Lösung ist. Von einer schöpferischen Weisheit ausgehend kann weder das Samenstreuen bzw. biologische Genmaximierung und verirrte Triebhaftigkeit das Maß für die Dauer der Partnerschaft sein, sondern die Genesis meiner Familie. Gottgewollt ist in diesem Weltbild keine religiöse Absonderlichkeit oder Abstinenz, sondern genau das, was der Genesis meiner Familie, wie der Gesamtheit der Gesellschaft dient. Was zum Wohl der Familienbildung, nachhaltiger Lebensweise wie Nachwuchsförderung und gleichzeitig auch meinem persönlichen Wohlbefinden, wie dem meiner Frau und Kinder beiträgt, scheint vom Schöpfer gewollt, weise zu sein. Was einer Weisheit entspricht, ohne die der gesamte Kosmos nicht funktionieren würde und wie Sie immer wieder nachweisen am Anfang unseres Glaubens als Wort/Logos Gottes verstanden sowie in menschlicher Gestalt zur Sprache gebracht wurde, ist gefragt.

 

Doch es scheint ein Teufelskreis, der kaum zu durchbrechen ist. Wie sollen Sie als Schriftlehrer auf eine lebendige Weisheit in allem Werden schließen, die über die buchstäblichen Behauptungen hinausgeht, wenn man von Seiten der Naturwissenschaftler nicht daran denkt, hinter allem natürlichen Werden einen höheren Sinn zu sehen, sondern nur Arten nachgeahmt werden sollen, denen kein Geist gegeben ist. Wenn Nobelpreisträger von dem für Affen-Art natürlich-sinnvollen Bananenklau auf die evolutionäre Notwendigkeit der Lüge schließen, somit Lug und Betrug als biologische Bestimmung des Menschen ausmachen wollen, dann ist es ausgeschlossen, in der Biologie eine schöpferische Bestimmung bzw. Weisheit ausmachen zu wollen. Eine universale Weisheit, die für die Denker der Antike eine Selbstverständlichkeit war, ist so in aller natürlichen Ordnung nicht zu sehen. Solange bei der Naturbetrachtung nach wie vor nur in der Weise gefragt wird, wie dies auch im aktuellen Beitrag über die Biologie der Liebe geschieht, ist es kaum möglich, in der Natur mehr zu sehen, als blinde Materie, die nur ihren eigenen Säften und Hormonen folgt. Das evolutionäre Werden und Wachsen mit dem Wort Gottes zu identifizieren oder auf eine schöpferische Weisheit in aller Natur bzw. dem kosmischen Werden zu schließen, das in der Antike wie selbstverständlich vorausgesetzt wurde, scheint sich so auszuschließen. Bei dieser Betrachtung der Biologie kann nicht von einer schöpferischen Bestimmung und kosmischen Weisheit ausgegangen werden. Diese bleibt dann ein reines Buchprodukt.

 

Und wo die schöpferische Weisheit nur im Buch vorkommt, bleibt der Mensch auf sich allein gestellt, schreitet die Individualisierung der Gesellschaft wie eine unausweichliche Entwicklung weiter. Was die FAZ unter „Demographie und Krieg der Kulturen“ den weltweiten Bevölkerungsrückgang als Bedrohung für die Weltgesellschaft, deren wirtschaftlichen Wohlstand und sozialen Frieden benennt, der weit schlimmere Ausmaße als bisherige Weltkriege haben wird, ist ein Beispiel für die Notwendigkeit, die schöpferische Weisheit, die laut Ihrer Deutung hinter unserer Religion steht, in neuer Form wahrzunehmen.

 

Wenn heute der für das Wohl der Welt notwendige Nachwuchs nicht mehr als gesellschaftlicher Automatismus funktioniert, weder Versorgungsangst, fehlende Verhütungsmittel oder Unterdrückung der Frauen für Kindersegen sorgen, da hilft kein Rückfall in religiösen Fundamentalismus, vor dem zurecht gewarnt wird. Die „Renaissance des Konservativismus“ oder das „Zurückdrehen der Uhren der Moderne“ führen nicht weiter. Vielmehr wäre dem Schöpfer für die Möglichkeit der freien Selbstbestimmung zu danken. Doch je mehr der Mensch auf sich selbst gestellt ist, bei der Familienplanung bewusst entscheiden kann und muss, desto mehr ist er darauf angewiesen, seine Selbstverwirklichung in einem Weltsinnzusammenhang zu sehen. Nicht der Druck des Bevölkerungsschwundes in Verbindung mit konservativen Werten, sondern die bewusste Begeisterung für eine Weisheit, die im Kosmos alles Wachsen und Gedeihen lässt, wird zum Kindersegen bzw. zum gesellschaftlichen Gleichgewicht führen. Der Rückgriff auf religiöse Traditionen muss tiefer gehen, als ein Ruf nach alten Werten, die jeder dann in seiner Weise auslegt und die nur zu noch mehr Unfrieden innerhalb der Gesellschaft führen. Die Weisheit, die Sie als unser Wurzelwerk nachweisen, ist gefragt.

 

Die Individualisierung und Sinnentleerung der Gesellschaft, die zu ausbleibendem Nachwuchs führt, bedarf einen Fortschritt in der gemeinsamen Sinnsuche. Allein stattliche Hilfen oder religiöse Vorschriften zum Kinderkriegen sind untauglich. Das schöpferische Wesen ist gefragt, um sich beigeistert für das kreative Wachsen und Werden auch selbst in diesen Prozess einzubringen. Eine übergeordnete Weisheit wäre zu fragen, ob allein die bezahlte Arbeit der Frau die Befreiung aus männlicher Unterdrückung sein kann oder ob wirklich moderner Feminismus nicht vielmehr das Recht der Frau auf  Fortpflanzung in einer intakten Familie wäre. Wenn die künstliche Gebärmutter dann die letzte Konsequenz für den Weltfrieden und Fortbestand der Menschheit sein sollen, scheint nicht nur den Frauen der Geist ausgegangen zu sein. Wo ernsthaft über das Ende der Geschichte nachgedacht wird, das Szenario einer Weltgesellschaft, die sich dann durch genetisch-künstlich erzeugte Gebärmütter fortpflanzt, zeigt sich die Angewiesenheit des Menschen auf einen Geist, der in der Antike bereits als schöpferische Weisheit belegt und damals in menschlicher Gestalt vermittelt wurde.

 

Doch das Vorbildverhalten eines ehe- und kinderlos durch die Lande ziehenden altruistischen Aussteigers mit zufälligem Namen Jesus, dem in der sonntäglichen Predigt Familie- und Kinderfreundlichkeit nachgesagt wird, wird ebenso wenig  dazu führen, dass die Menschen wieder Kinder in die Welt setzten, wie ein imaginärer Christusgott, an den man einfach glauben muss und dem menschliche Werte als Gotteswort in den Mund gelegt werden. Wo eine schöpferische Weisheit nur aus alten Büchern abgelesen wird, werden auch päpstliches Pillenverbot, politische Gesetze oder Potenzmittel nicht helfen. Vielmehr ist die zeitgemäße Wahrnehmung eines in allem kosmischen Werden lebendigen Wesens gefragt, dessen Augenzeugen nach Ihren Worten die Verfasser des Neuen Testamentes waren.

 

Da es jedoch nicht die Aufgabe der Biologen und Soziologen sein kann, über eine kosmische Weisheit nachzudenken, sind Sie als Wissenschaftler, die über eine antike Wahrnehmung schöpferischer Weisheit schreiben und denken dazu aufgefordert, im heutigen Weltbild nach dieser Weisheit als präexistentes Wort zu fragen und an alte Vorstellungen anzuknüpfen.

 

  1. Statt Abschreiber, nachösterliche Augenzeugen des Auferstandenen anerkennen

 

Wer die den gesamten Kosmos bestimmende Weisheit in der von Ihnen beschriebenen Weise als Bedeutungsinhalt des gesamten Neuen Testamentes ernst nimmt, der kann nicht weiter in Johannes nur ein auf einen guten Jungen mit Namen Jesus aufgesetztes Literaturstück sehen wollen oder wie bisher die hoheitlichen Aussagen des vierten Evangeliums und alle Christologie beiseite schieben. Das in der Schöpfung präsente Wesen war Thema des Alten wie des Neuen Testamentes, hat bei Johannes nur besonders deutlich gesprochen. Erst von dieser Sichtweise aus macht es Sinn, sich weiter so mit Johannes zu beschäftigen, wie Sie es tun.

 

Wären bei Johannes nur aus Königstheologie oder Weisheitslehren Stücke geklaut worden, um den eigene Lehrer ins rechte Licht zu rücken, dann wäre alle Rede vom „Licht der Welt“ „Weistock“ bzw. Geber des lebendigen Wasser Schall und Rauch. Im Auferstanden wird dann allenfalls ein zweiter Gott angenommen, der gegen den Jahwe des jüdischen Gesetztes ausgetauscht wurde. Die gesamte Auseinandersetzung des Johannes mit dem Judentum wird dann aus einer Perspektive gelesen, die weder dem auf das Wort Gottes gründenden jüdischen Monotheismus noch dessen Erneuerung durch das in Jesus wieder lebendig gewordene Wort gerecht wird.

 

Die hoch-theologische Sprache und die vielen symbolischen Texte, wie sie u.A. Prof. Michael Theobald im Johannesevangelium deutlich macht, müssen uns hellhörig machen für eine Weisheit, die griechisch gebildete, hochtheologische jüdische Denker wie Johannes & Co. unmöglich nur einem jungen Wanderguru angehängt hätten. Allein alles auf griechische Mythologie zurückzuführen, ist zu wenig, auch wenn diese verstehen hilft, was hinter der neutestamentlichen Begrifflichkeit und den Erzählungen steht. Eine historische Verortung Jesus, die aus dem hermeneutischen Zirkel herausführt, muss von der Weisheit ausgehen, die in Jesus ein echt lebendiges Wesen war und dessen Augenzeugen die Verfasser der uns vorliegenden Texte waren.

 

Ein wanderpredigender Zweibeiner, der als der wahrer Exeget Gottes vom Himmel gefallen ist und dorthin zurückkehrte, kann nicht das historische Wesen sein, von dem wir im Neuen Testament lesen und das den vormaligen Monotheismus reformierte. Von Johannes, den Sie als hochtheologischen Denker deuten anzunehmen, er einen hätte einen Jesus hochleben lassen, wie wir uns heute den historischen Jesus vorstellen, ist völlig inkonsequent. Wer damals das Wort Gottes wirklich authentisch ausgelegt hat, war kein besonders schlauer Schriftgelehrter, der sich über die Pharisäer erhöhte, sondern die Weisheit in Person. Sein Leben und Sterben ist das des lebendigen Wortes. Es kann nach allem, was wir nicht nur bei Johannes lesen in Jesus Tod nicht um einen jungen Märtyrer gegangen sein, dessen Tod heutige Theologieprofessoren versuchen Pontius Pilatus in die Schuhe zu schieben, um den Streit mit dem Judentum zu umgehen.

 

Wenn das Johannesevangelium als Gemeindebuch gelesen wird, dann ist darin nicht die Story eines gegen jüdische Obrigkeit oder sein Volk opponierenden absonderlichen Einzelgängers, sondern die geistige Auseinandersetzung mit einem Verständnis beschrieben, das auch heute die Bibel in rein buchstäblicher Weise liest. Der Geist der Wahrheit, der Johannes die Feder geführt hat, war wie Sie alle nachweisen, die schöpferische Weisheit, die bei den anderen Evangelisten nur teilweise in einfacherer Weise, vor jedoch dem gleichen theologischen Hintergrund, beschrieben wurde. Wer sich zwischen Galiläa und Jerusalem bewegt war kein besonders schlauer Besserwisser, sonder die in allem kosmischen Werden wieder als Wort Gottes wahrgenommene Weisheit, die auch in den griechischen Philosophien gewälzt wurde.

 

Wenn daher sich daher bei Johannes Jesus über die Juden erhebt, so tut, als ob seine Jünger keine Juden wären, dann opponiert nicht ein junger Schlaumeier gegen seine Lehrer, sondern zeigt sich eine echte Reform des eigentlichen Judentums. Es kann nur die Weisheit in Person gewesen sein, die dem Geist der Gesetzlichkeit den Teufel ausgetrieben hat. Der von Johannes beschriebene Weg des Logos führt nicht weg von den Juden, sondern ist von der Weisheit als Geschichtswesen ausgehend als deren echte Erfüllung, neue inhaltliche Füllung zu verstehen.

 

Gerade Denker wie Johannes oder später Justin, von denen wir wissen, wie sie vor allem Doketismus bzw. reinen Philosophielehren warnten, Jesus nicht als Scheinwesen bzw. Geistesprodukt sondern wahrhaft menschliche Persönlichkeit mit göttlicher Kompetenz der Welt vermitteln wollten, sind die besten Zeugen für ein Wesen, das weit mehr war, als ein einfacher Mensch. Und doch kann Christus nicht einfach als Gott hingesetzt werden, wie dies in der heutigen Exegese geschieht, wenn vom Christus des Glaubens oder hoheitlichen Wesen gesprochen wird, das keine kosmische Begründung mehr hat und dessen Auferstehung dann nur noch ein gutgemeinter Schein der Gemeindeeinbildung bzw. Anhänger ist.

 

Es erübrigt sich und würde zu weit führen, hier alle hoheitlichen Bedeutungsinhalte aufzuzählen, die in jedem Johanneskommentar beschrieben sind und die letztlich nur auf den das kosmische Wesen hinweisen, wie es aller Evolution (und damit der Schöpfung der Genesis, wie der menschlichen Geschichte) zugrunde liegt. Doch je deutlicher die Weisheit, der schöpferische Logos als der hervortritt, der auch in der Synagoge lehrte und später eigene Wege gehen musste, desto mehr wird klar, welches Wesen Johannes sah. Was nach seiner Sicht auch in alttestamentlichen Lehren bezeugt wurde, kann kein Kind der Buchstaben, sondern kann nur als kosmische Realität gewesen sein. Das schöpferische Wort, das bereit beim Erstentwurf Eschnatons Monotheismus maßgebend war und auch in Moses die Feder und zur wahren Befreiung aus ägyptischen Vorgaben führte, scheint zur Zeitenwende in menschlicher Gestalt wieder lebendig gewesen zu sein. Solange wir jedoch den historischen Jesus für einen an Ostern hingerichteten Religionsrebellen halten, der später nachösterlich verherrlicht wurde, ist alle Rede von Johannes, alle Christologie nur aufgesetzt. Bei noch so viel Zurücknahme kann dann weder die unheilvolle Trennung zwischen Juden und Christen überwunden werden, noch kann davon eine Bestätigung der universalen Theologie des Monotheismus ausgehen und dessen Weisheit für die modernen Menschen von heute eine Maßgabe sein.  

 

Sowenig wie dann darüber nachgedacht werden kann, welche kosmische Realität hinter der Weisheit steht, die Moses die Gebote formulieren ließ, kann dann deutlich werden, welche Weisheit es war, die hinter der menschlichen Gestalt steht, die uns durch den Kanon bekannt ist. Während sich antike Weisheitstexte, Gnosis-Spekulationen oder platonische Ideen längst verflüchtigt haben, nur noch in Lehrbüchern vorkommen, hat sich die Personifizierung der Weisheit in der bekannten Gestalt bis heute gehalten. In Christus wurde der alte Kult nicht aufgehoben, auch wenn wie nachgewiesen, statt Tempel und Rituale jetzt eine neue Realität maßgebend war. Doch um das Christus-Wesen wahrzunehmen, das hinter dem Kult steht, der vormals nur in heiligen Orten und Zeiten vermittelt werden konnte und das letztlich dem gesamten Monotheismus wie auch anderen Kultformen zugrunde liegt, bedarf es einer neuen Thematisierung der konkreten kosmischen Weisheit, die nur durch Theologen wie Sie angestoßen werden kann. Erst von der Weisheit ausgehend kann für die Menschen von heute nachvollzogen werden, wer sagt, dass er in seinem Vater ist, wie er in uns sein wird. Wer nicht nur das wahre Kind Abrahams ist, sondern von diesem bereits bejubelt wurde, kann nur von einem Wesen aus nachgewiesen werden, das eine kosmische Realität hat und nicht mit Gott gleichgesetzt wird. Der Götzendienst in christlicher Form, wo statt Tonfiguren ein Buchstabenchristus als Miniaturausgabe Gottes vorangestellt wird und vor dem bereits Moses die Kinder Israels warnte, kann nur durch das lebendige Wort überwunden werden, das Sie in all Ihren Texten in bester Weise bezeugen.

 

Es ist Ostern 2004

 

Die Weisheit des Schöpfers, die für die Evangelisten das bestimmende Wesen war, ist im modernen Wissen um die natürliche Ordnung auf neue Weise wahrzunehmen: Jesus lebt wirk-lich. Doch so lange Sie die Weisheit nur literarisch begründen, statt im natürlichen Leben des kosmischen Werdens, bleibt die christliche Lehre für unsere Kinder eine unbedeutende Predigt.

 

Der Weg des Monotheismus bzw. Glauben an den einen Gott geht weiter…….