Neue Wege nach oben
Erkenntnis aufgrund der Schönheit bzw. Sinnhaftigkeit der natürlichen Schöpfung, statt vorgesetzter Buchstaben
(Gleichzeitig eine kreativ-schöpferische Kulturgemeinschaft erzeugender Christus, statt persönlicher Pankreationismus)
Sehr geehrter Herr Reinhold Messner,
(sowie alle modernen
Denker und Intellektuelle, die sich zwar für die Natur und das kreative natürliche
Werden im gesamten Kosmos begeistern, aber scheuen, das mit dem altbekannten
Schöpferbegriff oder gar Christus in Verbindung zu bringen.)
vielen Dank für die Denkanstöße, die Sie mir durch Ihre Sichtweise bzw. die Ablehnung eines übergeordneten göttlichen Sinnes in allem natürlichen Werden gegeben haben. Sie zeigen die Probleme, die nicht nur Sie, sondern viele modernen Denker mit dem Glauben haben. Genau die möchte ich durch einen völlig neuen, aber m.E. urchristlichen, wie urmonotheistischen Weg nach oben ausräumen. Erlauben Sie mir, dass ich im Nachgang zu unserem Gespräch auf der Fahrt von Mannheim nach Bad Dürkheim noch einige Klarstellungen zu meiner Argumentation hinsichtlich einem auf die schöpferische Vernunft gründenden aufgeklärten christlichen Glauben anbringe.
In unserer kurzen Diskussion ist mir wieder klar geworden, wie schwer es aufgrund eines tiefen Missverständnisses von urtheologischen Begriffen für moderne Menschen geworden ist, von einem Schöpfergott zu sprechen oder dessen Wort bzw. Weisheit im konkreten natürlichen Geschehen, der Kreativität des Kosmos sowie der schlichten Schönheit der Natur wahrnehmen zu können. Erst völlig losgelöst von festgefügten heutigen Vorstellungen aufgrund eines nach wie vor weitgehend buchstäblichen Bibelverständnisses und ausgetretenen Wegen banaler Kritik lässt sich in neuer Weise über eine universelle Vernunft/Weisheit als Schöpfungswort/Logos nachdenken, die für die Väter unseres Glaubens und Verfasser des Alten wie des Neuen Testamentes die bestimmende Größe war.
1. Von Begeisterung
für die Schönheit aller Biologie ausgehen, statt von Buchstaben
Nicht zuletzt ein erneutes Surfen auf religiösen Seiten, die sich mit naturwissenschaftlichen Sichtweisen auseinandersetzen, hat mir wieder vor Augen geführt, wie schwer es einem Denker wie Ihnen derzeit gemacht wird, sich auf den alten Gottesbegriff einzulassen. Nicht nur dass Sie denken müssen, religiöse Rede sei eine reine Moralpredigt oder überkommenes Glaubensgerede. Auch all das, was wir heute als Kreationismus bezeichnen oder sich als natürlicher Genesis-Glaube ausgibt, wird in Wirklichkeit von buchstäblich-biblischen Vorgaben bestimmt.Selbst dort, wie man die absurde Form der Ablehnung des evolutionären Werdens überwunden hat, die derzeit im amerikanischen Aberglaube modern ist, sich angesehene ganzheitlich denkende Naturwissenschaftler oder New Age Autoren mit der Gottesfrage auseinander setzten, wird meist nur versucht, außerhalb dem natürlichen Werden ein göttliches Handeln nachzuvollziehen. Die Buchstäblichkeit des biblischen Verständnisses hat den Verstand des schöpferischen Wortes völlig verbaut. Nicht im natürlichen Werden wird das Wort/der Logos/die schöpferische Vernunft wahrgenommen, sondern immer nur dort, wo die natürliche Logik in Frage gestellt wird oder sich etwas in wundersamer Weise vollzieht. (Sich beispielsweise ein Prozess der Quantenmechanik nicht mehr natürlich erklären lässt. Es wird immerzu ein göttlicher Sinn außerhalb der natürlichen Sinngebung gesucht.) Gewohnt, den Schöpfer aufgrund weitgehend buchstäblich gedeuteter Texte nur in wundersamen Naturbrechungen oder auf zauberhafte Weise wirken zu sehen, können wir scheinbar das schöpferische Wort im Wunder des natürlichen Werdens kaum wahrnehmen. Eher wird dann von Wissenschaftlern die ganze Kausalität in Frage gestellt, auf der all ihre Erkenntnisse bauen, als dass darin das schöpferische Handeln (letztlich der historische und hoheitliche Heiland christlichen Glaubens) nachgewiesen wird. Jedes Denken, das von einer schöpferischen Natur ausgeht, muss daher von Menschen wie Ihnen als Versuch gesehen werden, der Natur eine altbackene Göttlichkeit überstülpen, sie vereinnahmen zu wollen.
Doch der Wegverlauf, aus dem christlicher Monotheismus kommt, folgt genau der umgekehrten Richtung. Vor-gesetzte Götter sind nicht nur gestrig und werden zu Götzenbildern. Sie trennen und verbauen einen weiterführenden Verstand. Erst von einem in der Gegenwart des heutigen Weltbildes wahrzunehmenden universalen natürlichen Gesetzmäßigkeit aus, die in der Schönheit und philosophisch erkannten Ordnung in Anknüpfung an antike Begrifflichkeit als lebendiger Logos zu erkennen ist, können wir auf einen gemeinsamen Schöpfer schließen. Dieser ist kein Erklärungsgrund für das noch nicht kausal als natürlich Nachzuweisende. Vielmehr ist es allein die Begeisterung für die natürliche Schöpfung, die uns von einem Schöpfer ausgehen lässt. Erst der Logos (Wort/Vernunft/Software) aller natürlichen Realität, lässt uns vernünftig über den Schöpfer reden. Der Schöpfer geht dabei nicht einfach pankreationistisch in aller Natur auf und unter, sondern kann in Anknüpfung an antike Glaubensaufklärung als deren Sprecher verstanden werden.
Als mir beispielsweise
ein junger Theologe – auch wenn er etwas ganz anderes beabsichtigte – beibrachte,
wie nach dem Lukasevangelium Petrus vor dem Panheiligtum in Caesarea Philippi bekehrt
wurde bzw. in Jesus den Christus erkannte, dann sah ich darin ein
geistesgeschichtliches Ereignis, das in heutiger Reform wieder zu realisieren
wäre: Nicht die Rückkehr zu einem Pankreationismus bringt uns weiter, sondern
die Erkenntnis des christlichen Wesens, das auch modernem Pankreationismus
zugrunde liegt.
2. Sinn in Ordnung
und Schönheit der Natur sehen, nicht hineinlesen
Ihrer These, dass der Sinn nicht von außen eingetrichtert wird, stimme ich zu. Soweit sich Ihre Aussage zur Sinngebung gegen die menschlich-buchstäblichen Vorgaben richtet, die meist nur einer selbstgesetzten Moral, nicht einer realen natürlich-schöpferischen Sinngebung gerecht werden, folge ich Ihnen. Doch gehe ich nicht davon aus, das der Mensch der Geber oder Maßgeber für den Sinn des Ganzen ist. Gerade im Verhältnis des Menschen zur ökologischen Ordnung wird immer wieder deutlich, dass nicht wir den Sinn setzen können, sondern uns an einer übergeordneten schöpferischen Gesetzmäßigkeit zu orientieren haben. Diese scheint weit mehr, als nur eine Naturgesetzlichkeit im bisherigen Sinne, sondern folgt im Ganzen betrachtet, einer schöpferischen Bestimmung. Und um diese schöpferisch-kreative Sinnhaftigkeit, die auch in vielen Verhaltensweisheiten deutlich wird, geht es. Selbst Ihre Weisheiten zur Kreativität setzen im Grund das um, worin ich ein schöpferisches Wort sehe, einen Logos, der in der Logik allen Werdens deutlich wird. Auch die antiken philosophischen Weisheiten waren keine frei erfundenen schlauen Sprüche, sondern gründeten auf das, was für die Griechen „Logos“ und die Juden „Wort oder Weisheit Gottes“ war. Im diesem Sinne schauen selbst die modernen Verhaltenstrainer dem lieben Gott oft nur aufs Maul.
Wenn ich daher vom Logos/Wort/Weisheit oder einer universalen Vernunft rede, dann geht es nicht darum, dem natürlichen Werden einen altabgelesenen religiösen Zweck einzuverleiben. Vielmehr besteht genau darin der erwartete Paradigmenwechsel, dass in der kosmischen Ordnung ein ganz natürlicher universaler Sinn gesehen und so erst auf den einen Schöpfer geschlossen wird. Ich folge Ihnen auch, wenn Sie sagen, dass die Sinnhaftigkeit der kosmischen Ordnung nur von Menschen so gesehen wird, es nur für uns Sinn ergibt. Doch als Erdenbewohner kann ich nur über das nachdenken, was ich sehe und was für mich als Mensch zweckmäßig ist. Was dazu beigetragen hat, dass aus Sternenstaub geistbegabte, heute weitgehend freie Wesen wurden, die sich in wachem Bewusstsein für die Schönheit der Natur und die kreative Ordnung des gesamten Kosmos wie das geschichtlich-evolutionäre Werdens begeistern und darüber verant-wort-ungsbewusst nachdenken können, muss Grundlage der Orientierung sein.
Letztlich ist es dann die Freude am gegebenen Leben, die herrliche Funktionsweise meines Kopfes und Körpers oder einfach die Schönheit der Landschaft, die mich auf einen Logos schließen lassen. Auch das wunderbare Zusammenspiele von Kopf und den Mikrobausteinen des Körpers eines Südtirolers, der in vielen Büchern und vor begeistertem Publikum von unvorstellbaren Belastungen berichtet, ist es, das mich für dessen Schöpfer beigeistert. Und genau diese Software aller funktionalen Selbstorganisation, die für die menschlichen Existenz, wie alles Werden verantwortlich ist - das Wunderwerk des gesamten Mikro- und Makrokosmos - lässt mich von einer schöpferischen Weisheit reden, die weit über unserem Denken steht bzw. nicht allein vom menschlichen Denken eingegeben wird.
Wie ich u.A. in den Ihnen überlassenen Schreiben an das „Unternehmen Aufklärung“ versucht habe zum Ausdruck zu bringen, halte ich gerade den Wandel vom Schriftwort zum in der Antike als lebendiges Wesen verstandenen Schöpfungswort (den in menschlicher Gestalt begreifbaren Logos) für das geschichtliche Wesen des christlichen Glaubens. Und da mir Theologen ständig beibringen, dass es sich beim Jesus der Evangelisten um die Personifikation der im damaligen Denken lebendigen Weisheit handelt, suche ich nach einer Reform, die den christlichen Glauben wieder auf seine ganz natürliche Wurzel zurückführt, im Logos der Welt begründet.
Denn nach dem was wir heute wissen, wurde von griechisch-jüdisch gebildeten Weisheitslehrern kein Wanderprediger verherrlicht, sondern der Logos in Jesus personifiziert und zum sprechen gebracht. Auch wenn die gesamte Theologielehre weiterhin nur von einem Wanderguru ausgeht, so handelt das ganze neue Testament letztlich von einer Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Denkwegen, bei der Logos der Ausgangspunkt aller Aussagen wie Bedeutungsinhalte war. Bei neutraler Betrachtung der Geistesgeschichte bzw. uns teilweise erst heute vorliegender Texte lässt sich im Neuen Testament eine Monotheismus-Reform nachvollziehen, in die neben den altjüdischen auch die philosophischen und pankreationistischen Vorstellungen des Hellenismus eingeflossen sind. In all meinen apologetischen allegorischen Betrachtungen versuche ich darauf hinzuweisen, wie vor 2000 Jahren eine kreative Synthese zwischen pantheistischen, philosophischen und jüdischen Vorstellungen ein neues Gottesbewusstsein hervorgebracht hat, bei dem die schöpferische Weisheit bzw. der Logos aller Kreation das konkrete Offenbarungs-Wesen war.
Wenn mir dann
beispielsweise Theologen Texte übersetzen, in denen damalige Denker, die in
Qumran von einem neuen Bund sprachen, im Angesicht der aufgehenden Sonne eine
schöpferische Weisheit lobten, dann hat es sich aus meiner Perspektive nicht um
jüdische Sonnenverehrer oder fromme Blindbeter gehandelt. Vielmehr wurde das
verstanden, was wir als Sohn Gottes bezeichnen und in der Software allen Seins
heute wieder mehr als deutlich sein sollte.
3. Aus neu erkannter Logik
an alte Lehren anknüpfen
Nicht die blinde Treue zur Tradition ist es, die mich dazu bewegt, die in unserem gesamten Wissen ausgebreitete Kausalität, die Weisheit, von der moderne Kosmologen oder ganzheitliche denkende Naturwissenschaftler schreiben und die sich letztlich in allen bio-logischen und psycho-logischen Prozessen nachvollziehen lässt, mit dem schöpferischen Wort zu identifizieren, das für philosophisch-theologische Denker vor 2000 Jahren ein lebendiges Wesen war, das Jesus genannt und in menschlicher Gestalt personifiziert wurde. Vielmehr sagt uns die kollektive Lernlogik (letztlich auch hier der schöpferische Logos), dass die westliche Welt sich auf die Vorstellungen an der Wurzel ihres Geistes beziehen muss.
Das präexistente Wesen, das über allem evolutionären Werden steht, kann jedoch nicht aus altbiblischer Begrifflichkeit abgeleitet werden. Vielmehr ist es in allem natürlichen Geschehen, einer für das menschliche Werden kreativen sowie konstruktiven und somit für uns Menschen sinnvollen Ordnung zu sehen. Schon von einem „großen Plan“ zu sprechen, führt möglicherweise in die falsche Richtung, lässt zumindest Denker wie Sie vermuten, dass die Natur oder Philosophie vor den Karren überkommener Religionsbegriffe gespannt werden soll. Sie sagen sicher zurecht: Über Gott selbst können wir nichts sagen und wissen, sollten sehr sorgsam mit Aussagen über ihn umgehen bzw. seinen Namen gebrauchen. Wer allerdings von einem Logos allen Werdens ausgeht, der ist von einem gesetzten Gott, der sich das alles irgendwie willkürlich ausgedacht hat, was wir Evolution nennen, weit entfernt. Alles was wir vom Schöpfer wahrnehmen können, ist die nur die für uns und alles Gedeihen sinnvolle kreative Ordnung/Vernunft. Genau das ist es, was uns nach meiner Perspektive die Evangelisten genannten Denker mit auf den Weg geben haben: Nicht den Sprecher können wir sehen, sondern nur seinen Sohn, das Wort verstehen. Wenn diese antiken Glaubensaufklärer von der alleinigen Offenbarungsfunktion Jesus schrieben, der schon am Anfang des Monotheismus Denkens die Feder führte, hatten sie keinen Sozialreformer vor Augen und keinen Christusgott, von dem heute oft geschwärmt wird. Sie waren echte Augenzeugen eines Wesen, das damals auch von Pankreationisten gesehen wurde und für die Philosophen eine feste Größe war. Vielmehr ist nachzuvollziehen, wie philosophisches und pankreationistische Denken den rein traditionsorientierten Gesetzeslehrern das schöpferische Wort erst wieder verständlich machte.
Mit Ihrem Denken, dass sich im Christentum eine für das menschliche Zusammenwirken sinnvolle Sozialethik spiegelt, haben Sie sicherlich Recht. Doch allein eine menschlich begründete Ethik wäre zu wenig, um die Menschen zur Vernunft zu bringen. Dies führ uns die Geschichte, in der kommunistische, wie demokratisch-soziale und liberale Ideologien ebenso versagen, deutlich vor Augen. Menschliche Sinngebung und moralisches Maß benötigen einen Grund, der eine Etage höher zu suchen ist und doch im Logos/Wort der natürlichen Genesis zu uns spricht. Wenn die Gebote der christlichen Nächstenliebe nur von einem seichtseligen Sozialreformer ausgegangen wären, der später verherrlicht, zu einem präexistenten Wesen erhoben wurde, wären sie ohne Wert. Auch wenn man einem altabgelesenen Christusgott nur menschliche Werte in den Mund gelegt hätte, wären sie im Grund bedeutungslos. Doch heute wissen wir, dass der Logos allen Lebensflusses nicht nur für die gesellschaftlichen Modelle und Glaubenskonstrukte der griechischen Philosophen das bestimmende Wesen war. Auch die christliche Lebenslogik wird von den theologischen Wissenschaftlern zurecht auf stoisch-philosophisches Gedankengut zurückgeführt. Sie geht von einem präexistenten Wesen aus, das nicht nur im Kopf der Philosophen geordet, sondern damals im kosmischen Geschehen als Wort Gottes verstanden und gegenüber alten Gesetzlichkeiten, menschlichen Gottkaisern und rein philosophischen Geisteskonstrukten als wahrer menschlicher König gesehen wurde. Erst das hinter der Person unseres Glaubens stehende präexistente schöpferische Wesen, der für das Werden der menschlichen Gesellschaft gegebene gemeinsame Sinn in konkreter Gestalt, lässt uns zu Gemeinschaftswesen werden, die sich im Sinne schöpferischer Vernunft verhalten: Sich begeistert für das natürlich Gegebene am gemeinsamen Sinngeber orientieren. (Wahrhaft kreativ, schöpferisch konstruktiv, weltökonomisch und ökologisch verhalten.)
Es liegt mir fern, Sie mit diesen Ausführungen zu einem kosmisch-christlichen Glauben oder neuen Weltbild überreden zu wollen. Genau das ist es, was durch die Aufklärung überwunden wurde. Glaubensbildern, die bis heute zu religiös motivierter Unterdrückung von Wissenschaft und fundamentalistischem geistigem Rückschritt geführt haben, mit denen Krieg, Selbstmord wie Volksverdummung gerechtfertigt wird, können jedoch nur überwunden werden, wenn wir wieder bereit sind, neue Wege nach oben zu gehen.
4. Notwendigkeit neuer
Wege, um den natürlich-schöpferischen Sinn unseres Seins aufgeklärt und frei zu
erkennen
„Kreativ sein heißt wagen, spielen, würfeln." "Um zu neuen Kombinationen zu kommen, darf ich nichts als gegeben annehmen." "Innovativ ist nur, wer dorthin geht, wo andere nicht sind.“ Habe ich bei Ihnen gelesen. „Wer keine Erfahrung mehr macht stagniert. Wer Erfahrung aus zweiter Hand übernimmt konsumiert.“ Um einen notwendigen geistigen Fortschritt zu bewegen, bedarf es also völlig neuer Denkweisen, die nicht nur aus alten Erfahrungen konsumieren, Aufgeschriebenes wiederkauen oder es leichfertig beiseite zu schieben, sondern in freier Weise neu nach unseren Wurzeln bzw. dem schöpferischen Sinn fragen. Auch Einstein wusste, dass sich Probleme nicht mit den Methoden lösen lassen, die sie verursacht haben.
Ich stimme Ihnen zu, dass „nicht das Woher, sondern das Wohin auf den nächsten Berg oder sich selbst hinaus trägt“. Doch scheint mir das Woher ein wichtiger Wegweiser für das Wohin zu sein. Denn das Woher bestimmt unser Bewusstsein. Und „Unser Leben wird mehr durch unser Bewusstsein geformt und weniger durch die Umstände“ war bei Ihren philosophischen Bemerkungen zu lesen. Und da wir, wie Sie schreiben, "mit einem Team (oder einer Gesellschaft) die nur gewollt ist, nicht weiterkommen, sondern erst etwas erreichen, wenn die Menschen mit der gleichen Vehemenz das gleiche wollen", bin ich fest davon überzeugt, dass nur ein vernünftiges Bewusstsein der gemeinsamen Wurzel und schöpferischen Werte (ein aufgeklärter, freier, vernünftiger Glaube) zur gemeinsamen Vernunft führt.
Ein von Ihnen in Erwägung gezogenes kosmisches Ereignis, macht mir weniger Sorgen, als der angeblich moderne, wert(e)los gewordene Mensch. Wer nicht an heutigem Wissen, wie den gestiegenen Anforderungen an ein kosmopolitisches Denken wachsen will, sein Bewusstsein und Weltbild daher keiner grundlegenden Reform unterzieht, darf sich nicht über die Unvernunft wundern, die wir heute vielfach beklagen. Allein das Wissen um den täglichen Unsinn oder ein Leidensdruck wird die westliche Welt kaum bewegen, sich im Sinne schöpferischer Ordnung als wahrhafte Weltbürger zu verhalten und auf kreative Weise Zukunft zu gestalten. Dies wird nicht zuletzt im derzeitigen Wirtschaftsalltag mehr als deutlich. (Auch gut gemeinte Vorträge, bei denen den Menschen ins Gewissen geredet wird bringen uns nicht weiter, wenn der Gemeinschaft schaffende Geist fehlt, der sich seit Menschengedenken der menschlich-egoistischen Gier entgegen setzte.) Wenn ohne gemeinsame Sinnorientierung jeder nur das macht, was ihm selbst kurzfristigen Nutzen bringt, brauchen wir uns weder über Arbeitslosigkeit, Zukunftsvernichtung noch Misswirtschaft zu wundern.
Auch ein Rückfall in freiheitsberaubenden, zum geistigen Rückschritt führenden Aberglaube wird sich kaum verhindern lassen, solange wir den geistigen Reformstau der westlichen Welt nicht überwinden. Nicht die Konservativen und Gestriggläubigen oder die Masse der Menschen, die sich inzwischen weitgehend gedankenlos durch die Welt bewegt, sondern gerade intellektuelle Kosmopoliten wie Sie könnten hierzu beitragen. Für wen kein Berg der Welt zu hoch, kein Weg zu steil oder weit ist und der die Schönheit unserer Erde nicht nur geografisch oft von oben betrachtete, dem sollte es möglich sein, Zusammenhänge zu erkennen, die sich im Staßengewirr heutiger Geisteswissenschaften bzw. gestrigen Glaubensvorstellungen verloren haben.
In diesem Sinne hoffe ich, Sie als freiheitsliebenden Denker, dessen Erkenntnis sich an der Schönheit der Landschaft orientiert, die nach eigenen Angaben seiner Seele entspricht, etwas anregen zu können, über die ausgetretenen Denkwege hinauszugehen. Mut zu wagen neue Wege zu gehen, damit haben sie unsere Besucher in Bad Dürkheim begeistert. Was bringt es jedoch, wenn wir ständig über neue Wege reden und uns nur in einem desillusionierten Weltbild weiterbewegen, das keine gemeinsamen Werte mehr vermitteln kann? Was macht es für einen Sinn, nur die Berge zu besteigen, ohne die von oben zu sehenden Zusammenhänge bewusst zu machen? Ist es zuviel verlangt, in Ihrem neuen Projekt, das die Berge und Täler der Welt vom Satellit aus beleuchtet, auch die Perspektive einer präexistenten Vernunft einzunehmen? (Ohne abzuheben, sondern die Realität, das schöpferische Ganze vor Augen, nach einer von oben zu erkennenden ganz natürlichen Sinngebung zu fragen, die weit über die Geologie hinausgeht.) Wäre es nicht wenigstens einige Gedanken wert, die Vernunft, die alle natürliche Genesis bestimmt zumindest in Erwägung zu ziehen? Dem Wort/Logos, der die sichtbare Landschaft bestimmt, den Menschen aus Sternenstaub ins 3. Jahrtausend geführt hat und zur Verantwortung ruft, von höherer Sichtweise aus Gehör zu verschaffen?
Keine Angst, ich will sie nicht zum christlichen Religionslehrer machen. Doch damit die theologischen Lehrer über den Grund des Glaubens neu nachdenken können, müssen Denker, die keiner Glaubensrichtung verpflichtet sind, unvoreingenommen von alten Glaubensvorstellungen eine kosmische Vernunft in Erwägung ziehen. Was für die Denker vor 2000 Jahren das bestimmende Wesen war und als Schöpfungswort/Logos in der planetaren Ordnung wie aller Natur gesehen wurde, kann nur jenseits der Buchstabenlehre und überkommener Glaubenslehren in zeitgemäßer Weise verständlich gemacht werden. Gerade eine Betrachtung der irdischen Genesis, wie des gesamten natürlichen Geschehens vom Satelliten aus, die Sie in ihrem neuen Werk geben wollen, bietet beste Gelegenheit, die Perspektive einer präexistenten Vernunft einzunehmen oder diese zumindest in Betracht zu ziehen.
Ich hoffe, dass ich Ihnen mit meinen Überlegungen Anregungen für ganz "neue Wege nach Oben" geben konnte und freue mich auf Ihr neues Buch.
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Mentzel
Schänzelstrasse 9
67377 Gommersheim
06327 5449
Wenn es das gemeinsame Bewusstsein ist, das uns gemeinsam die Berge der Zukunft bezwingen lässt, dann sind Zeitgenossen mit Bergerfahrung gefragt, um neue Wege nach oben zu suchen.