Vernunft
Gottes aus Verstand voraussetzen
Denn ein dogmatisch
vorgesetzter Glaubensgott in Christusform oder ein Guru aus den Bergen Galiläas
können seit der Aufklärung kein Gegenstand ernsthaft-wissenschaftlich
historischer, wie theologischer Untersuchungen mehr sein.
Buchstaben trennen. Diese
Logik kennen wir bereits aus der Bibel. Solange wir nur von Buchstaben
ausgehen, bleibt theologische Trennung, die keinen gemeinsamen Nenner zulässt,
der sich geschichtswissenschaftlich untersuchen lässt. Wenn wir nur von
blindgläubigen Hoheitsbezeichnungen ausgehen, ohne deren Bedeutungsinhalt
vorauszusetzend mitzubetrachten, wird nicht nur weiterhin zwischen Wissen und
Glauben streng unterschieden. Auch die verschiedenen biblischen
Begrifflichkeiten für Jesus Christus, in denen die unterschiedlichen Aspekte
oder Herkunftsweisen der Vernunft/des Logos/schöpferischer Weisheit oder des
Messias in Menschengestalt beschrieben wird, bleiben ohne die ihnen zugrunde
liegende ganz natürliche Schöpfungswirklichkeit unbedeutend. Sie können dann
kein Gegenstand einer ernsthaften Geschichtswissenschaft mehr sein.
Auch wenn wir nicht mit
Sicherheit sagen können, was antike Theologen vorausgesetzt haben, so müssen
wir doch fragen, was aufgrund der uns vorliegenden Textzeugnisse sowie des
damaligen Welt- und Gottesbildes wahrscheinlich ist, um wirklich
wissenschaftlich arbeiten zu können. Und wenn es nach allem was wir wissen
nicht nur ein Wanderguru oder ein gesetzter Gott gewesen sein kann, dann
müssten doch Geschichtswissenschaftler nach dem wahren Wesen der Geschichte
fragen. Wieso es daher unwissenschaftlich oder ungeschichtlich sein soll, die
im Werden der Welt wahrzunehmende Vernunft/Weisheit vorauszusetzen, die Sie und
Ihre Kollegen mir ständig als Wesen der Glaubensgeschichten verdeutlichen,
wieso ich etwas hineinlesen würde, was dort nicht steht, kann ich nicht mehr
nachvollziehen und bitte mir das nochmals zu verdeutlichen.
Sehr geehrter Herr Dr. Markus Sasse,
(ebenso wie an weitere historisch-wissenschaftlich forschende Theologen)
unsere Diskussion beim biblischen Themenabend über die Entwicklung des christologischen Dogmas wie das anschließende Gespräch veranlassen mich, nochmals ernsthaft nachzufragen, wieso es so völlig unwissenschaftlich oder unhistorisch sein soll, hinter dem Christusdogma, wie dem historischen Wesen Jesus nach der Vernunft allen Werdens (einer schöpferischen Weisheit/Logos/Wort) zu forschen und die biblischen Texte daher von völlig neuer Perspektive aus zu hinterfragen? Warum kann die Sprache/Vernunft der Schöpfung, die nachweislich nicht nur für die aufgeklärt denkenden Väter der Kirchendogmen (besonders deutlich beispielsweise bei Origenes), sondern auch für die Verfasser der Evangelien, wie ihrer geistigen Vorgänger eine lebendige Größe war, nicht Gegenstand einer zeitgemäßen wissenschaftlichen Exegese sein? Wenn wir doch wissen, wie damals das Wissen um das vernünftige Werden vorausgesetzt wurde, warum ist es unwissenschaftlich, in gleicher Weise nach-zudenken? Selbst unser anschließendes kurzes Telefonat machte mir klar, wie Sie selbst ein Beipiel dafür sind, wie Buchstaben trennen.Ohne eine schöpferische Vernunft/kosmische Weisheit in natürlicher Wirk-lichkeit vorauszusetzen, hält die Theologie vor völlig verschiedenen Christologiebegrifflichkeiten in der Hand, die sich in keiner Weise wissenschaftlich zusammendenken lassen und die dann völlig unbedeutend werden.
-Warum schließen Sie die schöpferische Weisheit, von der wir wissen, dass sie Gegenstand des Denkens von Johannes wie seiner Zeitgenossen war und deren irdischer Einwohnung oder Gestalt man nach Ansicht des Lieblingsjüngers den Tempel versperrte, erneut aus?
-Warum lehnen Sie es so kategorisch ab, das in antiker Aufklärung erkannte logisch-vernünftige Schöpfungshandeln als lebendiges Wort/Logos, somit geschichtlichen Gegenstand eines reformierten jüdischen Gotteswortverständnisses zu untersuchen, wenn Sie doch wissen, dass die gesamte Literatur zur Zeitenwende, wie die alttestamentliche Weisheitsliteratur, zwischentestamentliche und sonstigen Texte, die mit zum Neuen Testament und dessen Christologie führten, genau davon handeln?
-Warum darf die damals wie ein Wesen verstandene philosophisch erkannte Vernunft/Weisheit des in natürlich-kosmischer Ordnung handelnden Schöpfers nicht als Menschensohn und Messias der Juden, somit als eine damals geschichtlich handelnde und sprechende, wie überzeitliche Realität hinterfragt werden?
-Warum ist es unwissenschaftlich, aufgrund unseres Wissens um das antike Weltbild, das damals metaphysische Denken und Glauben, nach einem lebendigen Geist zu fragen, der jüdisches und griechisches Gottesverständnis vereinend erneuerte und die alten Glaubensinhalte oder Gestalten in neuer Weise verstand?
-Warum darf es nur historisch sein, Texte nur nach einem Gutmenschen abzuklopfen, gleichwohl wir wissen, dass sie vom Auferstandenen, vom hoheitlichen Christus, einem schöpferischen Geist der gottesfürchtigen Griechen... ausgehen und die hier auf Erden handelnde Weisheit des Schöpfers in Person verkörpert wurde?
-Warum ist es so absurd, das aus dem Wissen um das vernünftige Werden der Welt abgeleitete Wesen zum Gegenstand der Exegese zu machen, das auch vor 2000 Jahren zur allegorischen Auslegung der Mysterien führte und auf das die Väter der Christenheit einen vernünftigen Glauben begründen wollten?
-Warum soll es so fern jeder Theologie sein, das Wesen Jesus, von dem wir inzwischen wissen, dass jeder der Buchstaben auf die wir uns berufen, von einem hoheitlichen Wesen handeln, dort zu suchen, wo es logischerweise zur Zeitenwende gesehen wurde?
Mir will es einfach nicht einleuchten, wieso wir
wissen, wie damals die Traditionstexte und Mythen allegorisch gedeutet wurden
und es so völlig unwissenschaftlich sein soll, die alttestamentlichen
Erzählungen und Auseinandersetzungen um den rechten Glauben, wie die von
gottesfürchtigen Griechischen neu verdichtete Glaubensgeschichte als großartige
Allegorie vom schöpferischen Wort aus zu lesen.
Mir ist wohl bewusst, dass ich von einer Vernunft ausgehe,
die ich wach denkend aufgrund des Wissens um das kreative evolutionäre Werden
in Mikro- und Makrokosmos, wie menschlicher Geschichte und Erkenntnis
wahrnehme. Aufgrund dessen, was mir Naturwissenschaftler über den konstruktiven
Kosmos beibringen, will ich im Sinne unserer Glaubensväter eine ganz konkrete
Vernunft verstehen. Nicht ein persönlicher oder vorgesetzter Glaube lässt mich
dabei von Jesus Christus reden. Vielmehr ist es das Wissen um die biblischen
Bedeutungsinhalte und die Geistesgeschichte, die Sie und Ihre Kollegen mir
beibringen, mich mit jedem Satz aus Ihrem wissenschaftlichen Munde sicherer
machen, dass hier der in der Antike anwesende lebendige Sohn Gottes aufgeklärt
zu sehen ist. Doch wieso soll es wissenschaftlicher sein, von einem jungen
Juden auszugehen, wenn wir wissen, dass die Evangelisten vom Christus aus
berichteten, der nicht gleich Gott war, ein kosmisches Wesen, das damals im
Wissen um das Werden begriffen wurde?
Ich folgen Ihnen, dass wir von Buchstaben ausgehend
völlig verschiedene Glaubenszeugnissen über Jesus Christus vor uns haben. Doch
genau das ist der Grund. Wenn wir sonst nichts mehr in Händen halten, als
allein völlig verschiedenartig gelesene Christologiezeugnisse, an die selbst
Theologen nicht wirklich glauben, die als Kirchenkonstrukte vom Tisch gewischt
oder Verherrlichungs- und mysteriöse Blindglaubensliteratur gelesen werden,
dann wird es Zeit, auf neue Weise historisch-wissenschaftlich zu forschen.
Statt nur allein auf verschiedenartige Buchstaben zu pochen, die alle Welt nur
noch für fromme Rede hält, ist die im natürlichen Geschehen der gesamten
Genesis neu zu erkennende Vernunft in das Denken mit einzubeziehen. Erst so
können wir auf einen Nenner kommen, der vor 2000 Jahr, auch wenn davon
verschiedene Bilder gemalt und über sein Wesen gestritten wurde.
Dass allein eine Philosophie bei weitem zu wenig wäre, steht außer Zweifel. Dies war auch Thema der urchristlichen Theologie, die sich nachweislich auf das Wissen der Welt gründete, aber wie wir u.A. von Paulus, Origenes oder Augustin wissen, gegen die rein abstrakte Ausdrucksweise des göttlichen Logos wandte. Immer wieder weise ich darauf hin, dass nur eine inhaltlich füllende Anknüpfung an die bekannten Glaubensgestalten, einhergehend mit einem Wiederverstand der alten Glaubensvorstellungen die Voraussetzung ist, um das lebendige Gotteswort in der Gegenwart verstehen, Wirkung erziehen zu können. Wie Sie wissen, gehe ich davon aus, dass die Väter unseres Glaubens keine Verschleierung betrieben haben, sondern die Vernunft Gottes nur in der uns bekannten Gestalt vermittelbar war und auch der kirchliche Kanon vor Verflüchtigung sowie Vergeisterung bewahrte. Doch was spricht wirklich dagegen, von dieser neu zu verstehenden, wie eine Software allen natürlichen Werdens auszugehen schöpferischen Weisheit, die Entstehung des Monotheismus, wie seine christliche Reform wissenschaftlich nach-denken, so das alte Wort neu verstehen zu wollen?
Ich bleibe dabei: Es ist die „Voraus-setzung“ des
dogmatisch behaupteten (ohne zeitgemäße Vermittlungswirkung zum Götzen
gewordenen) Christusgottes, der blind geglaubt wird, die dazu führt, dass alle
vernünftige Nachfrage als Angriff gesehen und als völlig absurd angesehen
werden muss. Diesen unverstandenen Christusgötzen dann auch noch den Vätern
unseres Glaubens unterstellen zu wollen, ist der Gipfel an
Unwissenschaftlichkeit. Allein blind geglaubte tote Buchstäblichkeit spricht
gegen die wissenschaftliche Wahrnehmung lebendiger Vernunft, die unseren
Vordenker die Voraussetzung war. In Ihrer beharrlichen Weigerung, auch nur
einen einzigen Gedanken an die Vernunft Gottes als ewiges und einziges
Angesicht zu verwenden, bewahrheitet sich die Problematik, mit der sich schon
das in Paulus personifizierte neue jüdische Paradigma vor 2000 Jahren
auseinandersetzte. Es ist die Gesetzlichkeit, sind die tauben Dogmen und
persönliche Glaubensvorstellungen, denen scheinbar in völliger Inkonsequenz
aller Zuwachs an Wissen geopfert wird.
Während ich eine aus dem natürlichen Geschehen der Genesis und Geschichte mit aufgeklärten Augen abgelesene Vernunft voraussetzte, was Sie als persönliche, völlig unwissenschaftliche Glaubensvorstellungen abtun, sind es Ihre als christlicher Glaube geglaubten Voraussetzungen, die die heute für jedermann zu verstehende Vernunft Gottes als christliches Offenbarungswesen kategorisch ausschließen. Dass Sie dabei im Gegensatz zu mir etwas glauben, was derzeit die große Mehrheit glaubt, allen voran auch der vom christlichen Glauben längst abgefallen Atheismus, macht diesen Glauben nicht wissenschaftlicher.
Ja, auch ich glaube, aber allein vom Autor des Alles ausgehend: Ich habe durch die seit Kopernikus, Darwin, Freud oder Einstein im Wissen der Welt wieder wach wahrzunehmende Vernunft, die ich in Anknüpfung an antikes Reformjuden- bzw. Christentum als Schöpfungswort verstehe Gewissheit über den Vater. Es sind nicht die Buchstaben, sondern das lebendige Wort, von dem ich ständig bei den Vätern unseres Glaubens lese, die gleichzeitig auch die menschliche Gestalt Jesus betonen. Und da mir das von Ihnen und Ihre Kollegen beigebrachte Wissen um die biblischen Bedeutungsinhalte, wie das Geistesgeschehen in jedem dicken Buch und bei jedem Bibelabend sagen, dass es vor 2000 Jahren um genau dieses Wort als Wesen des historischen und hoheitlichen Jesus gegangen sein kann, bin ich mir sicher, hier das schöpferische Wesen der christlichen Offenbarung zu sehen, das die Evangelisten sinnvoller Weise als eine menschliche Person schildern.
Ich glaube daher aufgrund meines Verstandes, einer
völlig autonomen Gewissheit um den Autor der Schöpfung, die sich aus Wissen
ableitet, was sie als völlig unwissenschaftlich ablehnen.
Doch was glauben Sie? Was setzen Sie voraus und macht
sie so gewiss, dass meine Sichtweise völlig unwissenschaftlich ist? Was führt
dazu, dass sie befürchten, nicht mehr ernst genommen zu werden, heute
berechtigt annehmen müssen: „kein Verlag würde dann noch etwas von mir
veröffentlichen"?
Wieso ist nur noch ein christlicher Minimalismus
wissenschaftlich salonfähig, der selbst die Geschichtlichkeit antiker
Monotheismusreform, das völlig neue Gottesverständnis nicht historisch
wahrhaben und wissenschaftlich untersuchen will, das in Jesus der gesamten Welt
gegeben wurde? Kann es wirklich wissenschaftlich-theologische
Historienforschung sein, wenn wir nur noch meist undefinierbare, völlig verschiedenartige
christologische Glaubenszeugnisse gelesen und daneben dann einen Wanderprediger
setzten, der altjüdischer Traditionen angreift und andere Moralvorstellungen in
die Welt setzt? Oder haben Sie Ihrem Zweibeiner zuliebe jetzt auch schon die durch
Jesus realisierte Monotheismusreform abgeschrieben, wie wir sie nicht nur bei
Paulus lesen? Denn durch den Rebellen aus den Bergen war und ist ein
Bewusstseinswandel, eine Reform des alten Gesetzes-Glaubens nicht zu
realisieren. Ich vergesse immer wieder, dass es bei Paulus ja angeblich
gar nicht um den historischen Jesus ging, wie er in Ihrem Kopf umherspuckt bzw.
Sie ihn gnadenlos voraussetzten.
Stimmt es, dass heutige Theologie voraussetzungslos und daher wissenschaftlich forscht? Oder ist nicht das genau Gegenteil die Gefahr? Verhindert nicht vielmehr auch heute wieder wie bei Johannes und Paulus die Gesetzlichkeit, dass wir den lebendigen und in der Welt wirk-lichen Jesus, das wiederzuverstehende lebendige Wort wahrnehmen, von dem in der Kirche so viel die Rede ist? Während ich will, dass der aufgeklärte Mensch aufgrund seines Wissens um die Vernunft natürlichen Werdens im Kontext mit einem allegorischen Verständnis der Glaubenstradition wahrhaft christlich glauben kann, halten Sie es wie selbstverständlich für die alleinige Wissenschaft, nach einem Schriftwort und dem darin vorgesetzten Gottesbild zu fragen. Auch wenn selbst die Theologen nicht mehr an die Texte glauben, sich meist nur noch ein rein persönliches Gottesbild machen, halten Sie dies gleichzeitig für das maßgebende Gottesbewusstsein der Antike. Doch ist dies historisch? Sie setzten einen dogmatischen Christus-Glauben oder zumindest einen für Theologen schon allein berufsmäßig gesetzten geheimnisvollen Gott als einzig wissenschaftlich voraus, während sie gleichzeitig aus mir kaum mehr nachvollziehbaren Grund davon ausgehen, die Evangelisten würden geschichtlich nur von einem besonders gottesnahen Menschen schreiben. Somit halten Sie dessen Untersuchung dann für allein historische Wissenschaft. Wir drehen uns daher ständig im Kreis.
Ist aber der berufsmäßig oder traditionell-persönlich
vorgesetzte Buchstabengott und der daneben sitzende, zu einem banalen
Wanderprediger heruntergekommene angeblich historische Jesus wirklich
wissenschaftlicher, als der lebendig wirkende Schöpfer, der aufgrund der
wissenschaftlich nachweislichen Vernunft als präexistenter Weisheit allen
Werdens in Anknüpfung an antikes christliches Denken zu verstehen wäre?
Wenn heute die Theologie schon gar nicht mehr als wirkliche Wissenschaft anerkannt wird und die alten Dogmen keinen aufgeklärten Glauben mehr begründen können, nur noch als Opiat angesehen werden, wird es dann nicht höchste Zeit, in neuer Weise wissenschaftlich aufgeklärt nach dem Gotteswort zu fragen? Wieso ist es theologische Wissenschaft, wenn ein Glaubensdogma untersucht wird, an das selbst Blind- und Restgläubigen kaum mehr glauben, das nur noch wie ein Aushängeschild der Kirche vorangestellt wird?
Warum soll es wissenschaftlicher sein, ein nur noch götzenhaft - wie in der Antike die Tonfiguren - herumgereichtes Buchstabendogma auseinander zu nehmen, um darin nach dem Wesen Gottes zu suchen. Von den angeblich hochwissenschaftlichen Untersuchungen, die Heerscharen Ihrer Kollegen über das Leben eines antiken Räuberhauptmann aus den Bergen Galiläas anstellen, gleichwohl wir wissen, dass jeder Buchstabe der Bibel (und erst recht der außerbiblischen Zeugnisse) von einem neu erkannten schöpferischen Wesen in Menschengestalt handelt, ganz zu schweigen. Ist es Wissenschaft, wenn Ihre Kollegen haufenweise nach den sozipsychologischen Hintergründen eines wundertätigen Rudolf Mooshammer fragen, der selbst angeblich aus ärmlichen Verhältnissen kommend sich den Mittellosen zuwandte, als skurriler Halbgott hinstellte und dann nach seinem Tod endgültig zum Mythos wurde? Wenn wir doch wissen, dass weder ein menschliches Wesen, noch dessen Mythos Gegenstand der gottesfürchtigen Griechen gewesen sein kann, denen wir die Evangelien verdanken, wieso soll es unwissenschaftlich sein, nach dem Wort/dem Logos in Menschengestalt zu fragen? Wenn wir wissen, dass bei christlichen Denkern, deren Texte aus (hinsichtlich einer kollektiven Lernlogik) nachvollziehbaren Gründen nicht in den kirchlichen Kanon aufgenommen wurden, das schöpferische Wesen noch deutlicher beschrieben wird, wieso sollte es da völlig unwissenschaftlich sein, die dort thematisierte Weisheit des Schöpfers wieder wissentlich vorauszusetzen? Warum schließen Sie es aus, dies wenigestens zum Gegenstand der wissenschaftlichen Suche zu machen? Wieso kann es nicht Wissenschaft sein, heute den Schöpfer aller natürlichen Werdens sprachlich verständlich zu machen und das Verständnis des lebendigen Wortes auch im historischen Geschehen einer jüdisch-griechischen Reform zu orten?
Wenn wir doch einen neuen Bund bzw. einen reformatorischen Bewusstseinswandel in allen heute wissenschaftlich auf dem Tisch der Theologie ausgebreiteten Texte nachweisen – neben jüdischer Weisheit, Zeugnissen aus Qumran, Ägypten, Syrien, Griechenland, Byzanz bis zur umfangreichen Gnosis, von der wir wissen, dass sie sich als eigentlich christlich verstand – wie können wir es als Wissenschaft bezeichnen, uns einfach über diese Texte hinwegzusetzen, sie allenfalls als Verherrlichungsliteratur zu lesen und einen jungen Besserwisser zu einer Art Blind-Glaubensgott zu machen?
-Was spricht daher wirklich dagegen, wenigsten einmal den Versuch zu unternehmen, aufgrund des bei Ihnen so reichhaltig vorhandenen Wissens um die Bedeutungsinhalte biblischer Begriffe und Aussagen, wie deren geistiges und historisches Umfeld, das geschichtliche Geschehen aus völlig neuer Perspektive zu betrachten?
-Warum soll es unwissenschaftlich sein, Christusdogma oder Trinität nicht einfach buchstabengläubig der Kirche vorauszusetzen, sondern vom in der Antike lebendigen Logos als neu wach erfahrbare schöpferische Weisheit/Vernunft ausgehend die Domen zu belegen? Bestätigt sich nicht gerade heute gar die christlich-theologische Logik, dass nur ein heiles, vom wissentlichen Sohn/der Vernunft Gottes ausgehendes Denken zum Vater führt? Wieso soll es unwissenschaftlich sein, sich wissend, dass die Trinität heute nur noch als Leerformel gehandelt wird, im Glauben der modernen Menschen keine Rolle mehr spielt, meist nur noch abgeleiert wird und allenfalls dem theoretischen Dogmenstreit dient, die Logik, dieser für die christliche Theologie maßgebenden Formel von der Vernunft aus zu begründen? Wieso ist es unhistorisch, wenn wir nach dem Wesen fragen, das den Geist der antike Denker getragen hat?
-Würden die Dogmen wie zur Zeit Luthers noch tragen, so würde es reichen auf sie zurückzugreifen, sie liturgisch - wie eine Formel von der man nicht weiß warum sie funktioniert – weiter herunterzubeten. Doch wieso ist es unwissenschaftlich, die Gnadengaben Gottes zu nutzen, das uns gegebene Wissen um das natürliche evolutionäre Werden, wie unserer Erkenntnis anzuwenden, um mit aufgeklärten Augen nach dem Wort/der Vernunft Gottes Ausschau zu halten, das weit über alles vordergründige Wissen hinausgeht?
-Lässt sich nicht auch die Frage frühkirchlicher Auseinandersetzung, ob Jesus Mensch oder Gott war, wissenschaftlich nur vom damals lebendigen Wort aus beantworten? Wieso können Wissenschaftler, die wissen, wie aberwitzig die Vergottung eines Zweibeiners für Juden gewesen wäre und die immer wieder betonen, dass Paulus & Co. Reformjuden waren, wahrhaft jüdisch sein wollten, annehmen, dass diese einen Menschen vergöttert hätten und jedes Nachdenken über die göttliche wie menschliche Natur des Logos als unwissenschaftlich ablehnen?
-Wäre nicht selbst die Frage nach der Rolle der heute vielfach belächelten Maria als Gottesgebärerin vom Logos ausgehend wissenschaftlich nachzuweisen? Anzunehmen, dass damals die Aufklärungsdenker eine junge Jüdin als Mutter Gottes hinstellen wollen, halte ich für völlig absurd. Vielmehr tun dies im allegorischen Sinne genau die, die sich heute oft darüber lustig machen. Wird nicht gerade heute oft Mutter Kirche für die Erfinderin eines Gotteskonstruktes gehalten, so im übertragenen Sinne Maria als Gottesgebärerin betrachtet, die sie so mit Sicherheit in den Augen antiker Aufklärer nie war. Vielmehr wäre nur vom Logos/dem lebendigen Wort ausgehend nachzuweisen, wie Maria in Wirklichkeit Gott nur bezeugte, ihn durch den Sohn als Schöpfer der Welt zum Ausdruck gebracht hat bzw. in Schriftform verständlich in die Welt setzte. Wieso kann diese Deutung der Dogmengeschichte keine theo-logische Aufgabe sein?
-Warum soll es unwissenschaftlich sein, die jüdische Auseinandersetzung mit dem römischen Glauben, dem hellenistischen Götterpantheon und griechisch-phiosophischen Denken vom Logos Gottes, einem griechisch-jüdisch wiederverstanden Wort aus zu beleuchten? Wären nicht so selbst die von Ihnen vorgestellten Münzfunde Zeugnisse für die Glaubensprobleme der Zeit, die nie und nimmer durch einen Bergguru gelöst werden konnten, der mit seinen Fischerfreunden um den See Genezareth zog? Was ist bei der Beleuchtung der von Ihnen vorgetragenen Münzfunde aus der Zeit Jesus wissenschaftlicher: Einen Guru oder ein Glaubensdogma anzunehmen, das gegen den römischen Kaiser bzw. dessen menschliche Gottheit ausgetauscht worden wäre oder das im Rahmen antiker Wissenschaft wahrgenommene Gotteswort als wahren König verstehen zu wollen.
Mir ist bewusst, dass jüdisches Denken über die Weisheit und griechische Philosophie verschiedene Wege gingen. Wie immer wissen Sie das alles weit besser zu deuten als ich. Und genau aus diesem Grunde wende ich mich an Sie. Denn was ist wissenschaftlicher: Einen bärtigen Rebellen aus den Bergen bzw. einen gesetzten, aber unbegreifbar gewordenen Gottesbegriff an den Anfang zu stellen oder das Wesen, das für die Denker der antiken Aufklärung am Anfang aller Schöpfung stand und wie Sie selbst in den Aussagen der Evangelien nachwiesen, nicht mit Gott gleichgesetzt wurde, gleichwohl es göttlich war?
Nichts ist gegen rein ein dogmatisches Drehen und Wenden einzuwenden. So wenig, wie gegen die Suche nach den Sandalen. Letztlich sehen wir so erst immer wieder Spuren des vor 2000 Jahren im kosmischen Geschehen, wie im Kopf der Denker lebendigen Logos. Selbst wenn Bibelforscher nach den Lebensumständen eines jungen Juden in Galiläa forschen, finden sie beispielsweise Deutungen bzw. verschiedene Bezeichnungen des Sees, die uns zeigen, dass es kein charismatischer Volksrebell war, den die Verfasser um den See Genezareth ziehen sahen, sondern der damals in heidnischem Umfeld erkannten Logos/das im Kosmos gesprochene Wort bezeugt wurde. Auch das Wissen um das Denken der Antike, das die Vätern unsere Dogmen und ihrer Vorgänger bewegte, ist ausreichend vorhanden, um wissenschaftlich zu fragen und zu forschen. Das alles wissen Sie weit besser wie ich, könnten aufgrund dieses Wissens eine allegorische Exegese betreiben, von der ich weit entfernt bin.
Ich kann durchaus nachvollziehen, dass es Ihnen unmöglich ist, von einem historischen Menschen mit Namen Jesus abstand zu nehmen. Dies würde nicht nur Ihr christliches Selbstverständnis auf den Kopf stellen, sondern das der gesamten heutigen Lehre. Wieso aber eine Betrachtung biblischer Aussagen, die angesichts des heute vorhandenen Wissens um die geistige Grundlage unseres Glaubens von einer nachweisbaren Vernunft allen Werdens als im Kosmos gesprochenen Schöpfungswort ausgeht unwissenschaftlich sein soll, man sich damit nur lächerlich macht, bitte ich mir ernsthaft nochmals konkret zu erklären. Ich habe es wirklich nicht begriffen. Zu einem kurzen Gespräch bin ich gern bereit.
(Auch „bei einem Bier“, weil es ja angeblich nur um persönliches Glaubensgeplänkel geht.)
Bereits jetzt vielen Dank für Ihre Mühe.
Mit freundlichem Gruß
Gerhard Mentzel
Im Hinblick auf unsere Diskussion habe ich am Wochenende nochmals bei Origenes nachgeschaut, der wie Sie wissen die menschliche Person des philosophisch wahrgenommenen schöpferischen Logos gegenüber der damaligen Philosophielehre verteidigte. Auch über die Diskussionen im Rahmen der Dogmenbildung habe ich nachgelesen, die aufgrund meiner Einreden leider bei Ihnen zu kurz kam. Sie können sich denken, dass ich danach die Welt der heutigen Hypothesen von einem hochgejubelten Heilsprediger und einen hingesetzten Christusgott nicht mehr wirklich als wissenschaftlich ernst nehmen kann. Denn zu denken, dass Origenes & Co. mit Christus nur einen geheimnisvollen Gott selbst hin und her diskutierten, halte ich für ein totales Missverständnis. Alles was über diese Denker ausgesagt wird setzt ein Wissen um die Vernunft des Werdens, den Logos voraus, das die Väter unsers Glaubens als Christus verstanden.
Der Stufenaufbau des philosophisch ermittelten Wissens um das Werden, das auf die Theologie bzw. das Wissen von Gott hingeordnet ist, war nach Origenes im Hohenlied beschrieben. Der Glaube sei bei ihm vernunftgemäß im Vergleich mit anderen philosophischen Schulen zu verstehen gewesen, war bei einer jungen Benediktinerpriorin nachzulesen, die sicher keine Dienerin der weltlichen Vernunft ist. Doch ohne weltliche Wissenschaft könne man nicht wirklich christliche Theologie betreiben, besteht keine Kirche, belegt sie bei Origenes. Wie schwer sich die Kirche mit unbegründeten Dogmen gegenüber dem Zuwachs an Wissen um das natürliche Werden in der Vergangenheit tat, wissen wir. Doch noch schlimmer als der Maulkorb, der auf Karikaturen von Denkern des 19. Jahrhundert zu sehen ist, scheint mir die gleich-gültigkeit der kirchlichen Theologie gegenüber allem Wissen, das Ausgehen von völlig verschiedenen Sprachen, das heute das theologische Denken bestimmt. Ich bin gespannt, was Sie uns zum Hohenlied zu sagen haben, das für den christlichen Vordenker der Meisterkurs über die heute m.E. gebrochene Beziehung des Creators mit seiner Kirche war.
Doch da es nach Ihrer Voraussetzung nur um
unterschiedliche Christologie-Begrifflichkeiten ging, die mit dem
Geschichtswesen eines jungen Guru nichts zu tun hätten, allenfalls für dessen
Verherrlichung herhalten mussten, ist es eigentlich egal, was Origenes dachte
oder über die jüdische Weisheit Salomos gesagt und geschrieben wurde. Nicht nur
Geschichtswissenschaft, die nach dem gemeinsamen Wesen fragt, das nicht gleich
ein gesetzter bzw. blind geglaubter Gott ist schließt sich aus. Wo ursprünglich
Gewissheit aufgrund des Wissens um das Werden war, sind dann nur noch pure
Glaubenspredigten nachzuvollziehen, die schriftgelehrt auseinander genommen
werden und nebeneinander liegen bleiben. Was aber soll daran
geschichtswissenschaftlich sein?
Auch die Weisheit, die nicht nur im alten Ägypten nachweislich aus der schöpferischen Ordnung abgeleitet wurde und von der in jüdischer Literatur so viel in personifizierter Form zu lesen ist, braucht uns dann nicht wirklich zu interessieren. Wenn Ihre Kollegen, die mir in der Schriftenreihe des katholischen Bibelwerkes "Bibel und Kirche" diese Weisheit als personifiziertes Wesen und ihren Bezug zum Christuswesen des Neuen Testamentes deutlich machen, dann spielt das für Geschichtswissenschaftler, der nur von Begriffen und Buchstaben ausgeht, eigentlich kaum eine Rolle. Ein geschichtlicher Grund des christlichen Glaubens kann nicht nachgewiesen werden, solange Sie nur von einem Guru ausgehen, dem Begrifflichkeit angeheftet wurden, die nur als Blindglaubenszeungnisse gelesen, nicht als reale Vernunft allen Werdens vorausgesetzt werden, die damals Gegenstand der Theologie war.