Angesicht statt Abbild Gottes:
vom dogmatisch gesetzten Kirchengott zum in Kosmos und Geschichte für jedermann verständlichen Wort des einen Gottes
An Prof. Klaus Berger
theologische Fakultät der Universität Heidelberg
ebenso
Referenten der Tagung über die Bildlosigkeit als Bedingung des Monotheismus
und jeder weitere „junge“ Theologie
Die Sichtbarkeit des Unsichtbaren: Gott im Wort – Gott im Bild:
Und das ewige Problem mit den menschlich gesetzten Bildern, die zu Götzen werden!
-Ist der Christus des Paulus das menschliche Abbild eines unsichtbaren gesetzten Gottes oder des lebendigen Wortes/Sohnes, somit die einzige menschliche Sichtweise?
-Bildet sich in Jesus bzw. der Christusikone Gott selbst ab oder geht es um das menschliche, einzige irdische Angesicht, das von Gott als unsichtbarem Sprecher/Vater ausgehende Wort/die Vernunft aller Schöpfung bzw. Geschichte?
-Und haben wir als Nichthörer des im Kosmos gesprochenen Schöpferwortes Christus inzwischen weitgehend mit Gott selbst gleichgesetzt, somit heidnisch zum Miniaturgott bzw. einem christlichem Götzenbild gemacht, mit all den Problemen, die bereits Paulus anspricht, überwinden will?
-Verhindert heute der dogmatisch aus der Schrift gelesene, mysteriös-geglaubte Christusgott, von dem keine für die Welt sichtbare schöpferische Wirkung nachgewiesen wird oder heute erwartet werden kann – vergleichbar der von Jeremia genannten Vogelscheuche – dass wir das alles natürlich hervorbringende Wort Gottes im Weltall wieder verstehen?
Sehr geehrter Herr Professor Klaus Berger, wie eine weitere junge Theologie,
vielen herzlichen Dank für Ihre kurze Antwort auf die unzähligen an Sie gerichteten Briefe und Texte, mit denen ich Antwort auf die Frage nach meiner sich von heutiger Lehre völlig unterscheidenden Sichtweise vom historischen Wesen Jesus Christus suche und mir als außenstehender Laie gleichzeitig anmaße, den Experten Anstoß zu geben, wissenschaftlich nach dem präexistenten schöpferischen Logos zu forschen.
Wie Sie wissen, will ich beim historischen Wesen Jesus nicht nach einem besonders begabten Menschen fragen, sondern dem im antiken Bewusstsein bzw. in aller Genesis lebendigen präexistenten Schöpfungslogos in menschlicher Gestalt, identisch mit dem Christus des Glaubens. Hier sehe ich gerade aufgrund des mir von Theologen wie Ihnen beigebrachten Wissens das Geschichtswesen, von dem nach meiner allegorischen Exegese all das bewirkt wurde, was wir im Neuen Testament lesen. Es geht mir dabei um ein schöpferisches Wort, das nicht mit Gott als seinem Sprecher identisch ist: Vergleichbar mit Sohn und Vater oder einer kreativen Software, die nur auf einen unsichtbaren externen Informatiker/Creator verweist. Eine Weltvernunft als Wort Gottes, die m.E. nicht dogmatisch aus dem Text der Tradition abzuleiten ist, sondern heute wieder aus allem kosmischen Geschehen zu uns spricht, durch den Gesetzestext aber zu bezeugen und nur in Bezug zur traditionellen Begrifflichkeit und bekannten Gestalten bedeutungsvoll zum Ausdruck zu bringen ist.
Auf meine Frage, ob ich mit meiner die heutige Hochschul-Hypothese vom historischen Jesus auf den Kopf stellenden Sichtweise völlig falsch liege oder ob es sich lohnt, hier weiterzuforschen, habe ich leider Ihrer höflichen Absage an eine inhaltliche Auseinandersetzung mit meinen Überlegungen kaum eine Antwort entnehmen können. Dass ich mich mit den biblischen Texten nicht fachgerecht genug befassen kann, aufgrund meiner abweichenden – jedoch völlig undogmatischen, nicht ungeprüft auf gesetztes Papier, sondern ein Schöpfungswort im realen Geschehen naturwissenschaftlich nachgewiesener Genesis gründenden - Perspektive des neutestamentlichen Geschichtswesens inzwischen auch eine völlig andere Lesweise der Texte anstrebe, ist mir bewusst. Neben meiner mangelhaften exegetischen Kompetenz mag bei meiner Zurückhaltung im Zitieren von Bibelstellen auch das Wissen ein Rolle spielen, dass die Theologie die meisten Texte selbst nicht mehr erst, nicht mehr für historische Wahrheiten hält, sondern nur noch religiöse oder altabgeschriebene Hirngespinste liest. Wie kann ich mich auf Paulustexte berufen – auch wenn ich sie für einen Ausdruck einer echten Reform des Judentums halte – wenn die theologische Tagesordnung über die Halluzinationen eines Sektenverfolgers nachdenkt, mache Ihrer Kollegen eh am liebsten die gesamte Christologie tilgen würden, Radikalkritiker gar nachweisen, wie der gesamte Paulus eine Fälschung sei, u.A. alte Gnosis abgeschrieben wurde? Von Johannes, der eh als aufgesetzt und unhistorisch oder gnostisch eingefärbt beiseite geschoben wird, ganz zu schweigen. Ihn als Urzeugen für ein reales Wesen berufen zu wollen, für den ich ihn halte, schließt sich nach heutiger Deutung aus. Und wo wie in aller Hochschullehre davon ausgegangen wird, dass die gesamten Evangelisten auf den Auferstandenen Christus gründen, dieser jedoch gleichzeitig nur für eine Art vergotteter Mensch bzw. Christusmysterium gehalten wird, der dem Gesetz traditioneller und unhinterfragbarer gesetzlicher Altoffenbarungen entsprungen ist, da erübrigt sich im Grunde eine argumentative Auseinandersetzung. Allenfalls die Wirkungsgeschichte eines gesetzten Dogmas kann dann nachvollzogen werden, nicht die des damals verstandenen Wortes. Und wer wie ich davon ausgeht, dass der historische Jesus heute lebt, in der Grundgesetzlichkeit aller Genesis, wie der gesamten kosmischen Vernunft das Wort Gottes zu verstehen ist, der muss konsequenterweise auch hier hören wollen. Der muss in aller Geschichte, ebenso wie in Erkenntnissen über die Funktion unseres individuellen und kollektiven Gehirnkastens bzw. Lernens nach dem Logos Gottes fragen und was der Schöpfer von menschlichen Wesen will.
Eine Schriftlehre, die in Wirklichkeit gar nicht von echter Auferstehung einer menschlichen Gestalt ausgeht, die Christologie als aufgesetzt betrachtet, jedoch gleichzeitig nachweist, wie das gesamte Neue Testament vom Auferstanden ausgeht und von Christus getragen wird, die löst sich doch quasi selbst auf. Auch die alle Jahre wieder gänzlich neue und auch gegenwärtig völlig gegensätzliche exegetische Interpretation der biblischen Texte hält mich davon ab, diese zur maßgebenden Beweisführung für das Schöpferwort heranzuführen. Und doch denke ich, dass wir das Ergebnis aller Exegese und historischen Forschung konsequent weiterführen müssen, die theologischen Bedeutungsinhalte weder dogmatisieren, noch verleugnen dürfen, sondern sich nur in anknüpfender Bestätigung das damals lebendige, wie das heute zu uns sprechende Gotteswort als Logos allen Lebens kollektiv und wach verstehen lässt. Genau aus diesem Grund wende ich mich immer wieder an Sie und Ihrer Schüler, die in den Texten und ihrer Deutung weit besser bewandert sind. Denn das Ergebnis all Ihrer Exegese und Geschichtsforschung will ich aufgreifen, um Sie selbst dazu zu bewegen, nicht nur den Versuch zu unternehmen, die Texte auf allegorische Weise von einem Schöpfungswort als eigentliches Wesen ausgehend zu lesen, sondern nach dem in aller Schöpfungs-wirklichkeit wirk-samen Wort zu fragen und zu forschen.
Wenn, wie sie selbst unlängst in einem Beitrag der FAZ über den aus der Bibel abgeleiteten Ökumenismus schreiben, auf die Bibel begründet nur welke Blüten wachsen, dann wird es höchste Zeit nach dem Wort zu fragen, das hinter den biblischen Aussagen steht. Der angeblich aus der Bibel abgeleitete Ökumenismus, den Sie dort als „Hobby“ aufgeklärter Reformer insbesondere im katholischen Lager bezeichneten, die wie ein Ameisenhaufen selbsternannter Kirchenverbessern verhalten würden, erscheint mir nur ein Symptom, das die Notwendigkeit der Suche nach dem schöpferischen Wort bestätigt. Wenn die Kirche zum Markt der Möglichkeiten geworden ist, dann ist neue Grundlagenforschung zu betreiben. Einen Jesus Christus als Mysterium auf den Markt der Möglichkeiten zu schicken und dann noch zu allen möglichen Lebenslagen Aussagen machen zu lassen, kann die von Ihnen selbst analysierte Herzkrankheit unseres Glaubens nicht überwinden. Die Schrift allein kann heute scheinbar weder etwas zur Einheit des Glaubens aussagen, noch zur Schwulensegnung, wie sie selbst schreiben. Unter der Überschrift „Bis der Notarzt kommt“ haben sie selbst deutlich gemacht, dass es nicht hilft, die Schrift nur exegetisch zu kitzeln, bis das Gewünschte herausfällt. „Entweder haben die Redner keine Ahnung von Erkenntnistheorie oder sie verkaufen ihre Zuhörer für dumm“ war bei Ihnen zu lesen. Die Schrift würde ideologisiert nur vor den Karren der jeweiligen Meinung von Professoren gespannt. Doch noch weniger kann daher auf dem, was leider auch Sie heute aus der Schrift herauskitzeln wollen, der Geist der aufgeklärten Gesellschaft gründen. Wenn die Schrift weder Gott, noch seinen Willen vermitteln kann, dann hilft es nur nach einem Schöpfungswort zu fragen, das in der Bibel beschrieben wird, das sich jedoch nur in Bezug zur Schrift als Wort Gottes verstehen lässt.
Die Bildlosigkeit als Bedingung des Monotheismus und die gleichzeitige Notwendigkeit des Menschen, letztlich nur in Bildern denken und begreifen, etwas fühlen, geben und annehmen zu können, war Thema eines Studientages der Ev. Akademie der Pfalz. Auch das dort bewusst gemachte Problem der Götzenbilder lässt mich erneut darüber nachdenken, was durch die paulinische Reform des jüdischen Monotheismus in der Person Jesus Christus abgebildet ist? Gleichzeitig ist mir von Ihren Kollegen wieder deutlich gemacht geworden, was die Probleme der Gottesbilder sind, die der jüdische Monotheismus kategorisch ablehnt, weil sie vom Verständnis des in der Geschichte sprechenden Gottes abhalten. Und ich frage mich, ob nicht auch wir durch die Christusikone, in der wir nur auf mysteriöse Weise so etwas wie Gott selbst abgebildet sehen, was irgendwie auf den Menschen Jesus aufgesetzt wurde (für manche dieser gar wirklich eine Art Gott war und ist) nicht genau dem Problem aufsitzen, das die Propheten anprangern und Paulus in seiner Reformation überwinden wollte?
Wenn ich über die Bedeutung des hoheitlichen Christus oder den Logos nachdenke, stimmt man mir ähnlich wie Sie, grundsätzlich zu. Dabei bleibt meist die völlig andere Grundvoraussetzungen von der ich ausgehen, weitgehend außer Acht. In der grenzenlosen Beliebigkeit, mit der wir über Jesus Christus wie einer Art sichtbar gewordenen Gott reden, den einer in spiritueller Versenkung, andere in persönlicher Not erfahren haben oder Nachts im Traum, ist heute eh fast alles erlaubt. Im Weihnachtsmarkt der mysteriösen Möglichkeiten kommt es auf eine weitere Spielweise über den gesetzten Schöpfer zu denken oder Jesus Christus sehen zu wollen, scheinbar auch nicht mehr an. Und genau hierin sehe ich das Problem unseres zur Beliebigkeit gewordenen Glaubens, der seit der Aufklärung angeblich nicht mehr von einem in aller Genesis gesprochenen Schöpferwort, sondern von selbstgebastelten Göttern ausgehen kann.
Wer in Christus eine Art Gott sieht, daher nicht über einen in aller Natur nachweisbaren Logos nachdenken will, muss ähnlich wie Sie, meine Rede vom Gotteswort und Christuslogos für eine Dogmatik aufgrund laienhaft-unsachgemäßer Auslegung der biblischen Lehre betrachten. Dabei ist der m.E. neutestamentliche Christus/das lebendige Gotteswort, auf das ich die Fachwelt hinweisen will, alles andere, als einem biblisch offenbarenden Glaubenssatz entsprungen, das ungeprüft für wahr gehalten wird. Wenn ich davon ausgehe, dass ein heute erst wieder wahrnehmbarer höchst kreativer Logos, die in naturwissenschaftlichen Abhandlungen herauszulesende Vernunft aller lebendigen Organismen auf den einen Schöpfer verweist, dann gründet dies nicht auf einen Lehrsatz in Schrift, Tradition oder gar dem in spiritueller Versenkung durchforsteten persönlichen Gefühlsleben. Gleichwohl ich nur aufgrund der mir durch Sie und Ihre Kollegen beigebrachten biblischen Bedeutungsinhalte, wie die Betrachtung des antiken Denkens und der damaligen Glaubenssituation völlig sicher sein kann, dass ich keiner persönlichen Vorstellung einer kosmischen Vernunft aufsitze, sondern hier das Wesen des Neuen Testamentes zu suchen wäre.
Gerade die uns heute gegebene Möglichkeit des selbstständigen Denkens, die es einem freien Geist ermöglicht, im Gegensatz zur Dogmatik die vorgesetzten Lehrsätze von Gott oder dem Christusdogma zu hinterfragen, lassen uns die Frage nach dem eigentlichen Schöpferwort neu stellen. Mir ist allerdings bewusst, dass ohne die Glaubenstradition der Verstand des Schöpferwortes nicht wäre und sich nur durch biblische Bestätigung die Bedeutung und Identität des in der Vernunft allen evolutionären Werdens neu zu verstehenden Schöpfungswortes bestätigen lässt. Es ist jedoch scheinbar die dogmatische Gleichsetzung des Christus-Logos mit Gott einerseits und die Hypothese eines einfache historischen Menschen Jesus andererseits, die die Frage nach einem in der Schöpfung gesprochenen Wort gar nicht erst aufkommen lässt und die in jeder biblischen Bezugnahme sofort eine Dogmatik oder eine Verleugnung historischer Realität vermutet.
Von der altgedienten Prämisse eines vorgesetzten berufsmäßig oder eines blind geglaubten Gottes ausgehend, der sich nur auf Papier nachweisen lässt, müssen Ihre Schüler meine Annahme eines schöpferischen Logos, von dem aus ich sie auffordere das Neue Testament, die dort über das Wirken des historischen Jesus, wie die Bedeutungssaussagen des hoheitlichen Jesus gemachten Aussagen zu lesen, für die Privatangelegenheit persönlichen Glaubens halten. Wer gewohnt ist, von einem Textwort und einem persönlich geglaubten Gott auszugehen, der muss es scheinbar für höchst unwissenschaftlich halten, wenn ihn ein Laie auffordert, das schöpferische Wort an den Anfang zu stellen, die Wahrnehmung einer Vernunft allen Werden vorauszusetzen. Doch wenn stimmt, was ich über die antike Monotheismusreform denke, wenn Jesus weder Mensch, noch nur ein vorgesetzter Buchstaben- oder Traditonsgott, sondern das gestaltgewordene Wort des in lebendiger Geschichte wie aller Genesis sprechenden Gottes ist, dann ist es genau die Voraussetzung des Logos, auf die immer wieder verwiesen wird. „Wer an mich glaubt, wer mich wahrnimmt, der wird....“ das sagt weder ein Wanderguru, noch ein als Dogma hingesetzter Christusgott. Setzten nicht die gesamte Heilungs-Wunder, die ich als verschiedene Aspekte einer antiken Reform nachvollziehen will, den Glaube an Jesus Christus, die neutestamentliche Wahrnehmung des lebendigen Wortes in der bekannten Geschichtsgestalt voraus? Dass eine rein philosophische Wahrnehmung zu wenig wäre, sondern antike Theologie in allegorischer Weise dieses Schöpfungswort nicht nur in den alten Glaubensgestalten deuten, sondern auch in der uns allzu bekannten menschlichen Gestalt verdichten musste, liegt auf der Hand. Doch die im Neuen Testament beschriebene Reformwirkung lässt sich weder in einem Guru, noch einem gesetzten Gottesbegriff und alter Glaubensgestalten nachvollziehen. Sie setzte damals wie heute wieder die Wahrnehmung des lebendigen Wortes voraus.
Wenn ich wie Sie sagen auf etwas insistieren (auf etwas bestehen, zu etwas drängen) will, dann ist es kein Dogma und keine spirituelle Eingebung, sondern allein das lebendige Wort des einen Schöpfergottes, dessen Autorität in aller natürlichen Genesis bzw. Geschichte neu zu uns spricht. Und dabei wähne ich voll und ganz in monotheistischer Tradition. Denn genau dieses Schöpfungswort ist es, das ich aufgrund des bei Ihnen und Ihren Schülern wie Kollegen gelernten Wissens immer wieder als Gegenstand bzw. Bedeutungsinhalt der Geschichtenschreibung oder prophetischer Nervensägerei erfahre. Aufgrund heutigen Wissens halte ich daher eine Engführung, die allenfalls den Logos des Johannes mit einem Schöpfungswort/einer Weltvernunft in Verbindung bringt, für längst überholt. Ich sehe nicht nur überall dort, wo vom hoheitlichen Christus, sondern auch dem historischen Jesus gesprochen wird, das Schöpfungswort am geschichtlichen Werk.
3. Die heutige Hypothese dividiert den Logos und die Person Jesus auseinander
Wo der historische Jesus dogmatisch als einfacher Mensch gesetzt wird – gleichwohl wir Wissens, dass die Evangelisten wie alle Zeugnisse vom lebendigen Wort handeln – daneben ebenso dogmatisch eine Christusikone als ein Gottesmysterium gesetzt wird, von dem wir als unergründbare Offenbarung reden, jedoch nur ein Geheimnis hochhalten – können wir den Logos und die Person Jesus, deren Einheit nachzuweisen wäre, nicht auf einen Nenner bringen.
Ob wir von Person (Schöpfungswirklichkeit, Aufgabe, Rolle als Schöpfer und Erhalter) Einwohnung Gottes in der Welt oder ewiger Präsenz reden, so sollte all das durch Jesus Christus geschehen und den Menschen bewusst, offenbar sein. Doch solange wir dies nur versuchen in Texten zu begründen, begeben wir uns nicht nur auf einen Zirkelschluss, der von der aufgeklärten Welt kaum noch ernst genommen wird, sondern versäumen das Hinhören. Was nützt es, den Menschen aufgrund der Johannestexte die Person Gottes nachzuweisen, sie auf einen persönlichen Gott hinweisen zu wollen, wenn diese Texte selbst die Theologie kaum mehr ernst nimmt. Doch ich bin sicher, dass der, auf den nicht nur Johannes, sondern auch alle anderen Evangelisten ihre frohe Botschaft bauten heute lebt. Das Schöpfungswort, das uns die Person, Aufgabe, Rolle Gottes verdeutlichen kann, uns so die Persönlichkeit Gottes vorstellt und uns Gott als persönlich anzusprechen verständlich macht, gleichwohl er selbst unsichtbar, außerhalb unseres Verstandes bleibt, lebt wirklich. Doch wer das Wort zum Gottesdogma erhoben hat oder mysteriös-menschlich anhimmelt, kann es nicht hören.
Wenn sich Bilder und Gesetze verselbständigen, den Glaube an den einen Schöpfer des Alles nicht mehr vermitteln können, sondern selbst zum götzenhaften Gegenstand der Gottesanbetung werden, dann verhindern sie die Wahrnehmung des einen schöpferischen Wortes, habe ich beim Studientag in Enkenbach über den bildlosen Monotheismus von Ihren Kollegen Dr. Andreas Wagner, Dr. Michael Tilly oder Prof. Dr. Friedrich W. Horn, gelernt. In einem Paradigma des sprachlosen oder nur in Dogmen und Mythensprache zu verstehenden Gottes bzw. der Glaubens-gleich-gültigkeit macht sich dann jeder sein eigenes Bild von Gott. Wo Bilder und Texte die Schöpfungswirklichkeit des einen Gottes nicht mehr repräsentieren, sondern sie ersetzen, wird die Herrlichkeit des eigentlichen Schöpfers vertauscht und somit verwischt.
Dabei ist mir beim Studientag wieder mehr als deutlich geworden, was ich als beruflicher Kommunikator täglich praktiziere und mir ständig von gutbezahlten Experten im Modell des menschlichen Gehirnkastens nachgewiesen wird. Menschliche Kommunikation ist auf begriffliche Bilder angewiesen, nur sie lassen uns verstehen und erzeugen die notwendigen Emotionen. Nur der Vertausch der Bilder mit Gott, vor dem Moses aus heute nachvollziehbarem guten Grund warnt, scheint sich wie ein roter Faden durch die Theologiegeschichte zu ziehen, war Thema der Propheten und wurde auch von Paulus angeprangert. Nicht die Konkurrenz der Bilder zum einen im menschlichen Sinne „eifersüchtigen“ Gott scheint mir dabei das eigentliche Problem, sondern dass die zu Gott gewordenen Bilder immer wieder davor abhalten, zeitgemäß nach dem eigentlichen Gotteswort zu fragen, weil sie selbst vergöttert werden. Wo Bilder Gott nicht mehr vermitteln, sondern sie gegen Gott vertauscht, wie in heutiger Christologie an seine Stelle gesetzt werden, scheinen sie götzenhaft das Verständnis des Schöpfers zu versperren.
Wir lernen über die Probleme des alten Monotheismus, der nicht nur gegenüber Gottesabbilden des hellenistischen Kultes argumentieren musste, für den die römische Menschen- bzw. Kaiservergötterung völlig unannehmbar war und sich auch mit eigenen Kultgegenständen herumzuschlagen hatte. Wir können daher unmöglich an der heutigen Geschichtshypothese festhalten, von einem vergotteten Jungjuden ausgehen?
Wir wissen, wie im jüdischen Monotheismus statt Gegenständen oder Tiersymbolen das sprachliche Verständnis im Mittelpunkt des Kultes stand und können daher schon allein deswegen keinen gesetzten Mythos einer eigenen außerweltlichen Sprache zum Gotteswort machen, müssen nach einem heute welt-sprachlichen Verständnis suchen.
Wir weisen nach, wie die alten Hebräer die Vernunft des geschauten Himmels als Wort Gottes verstanden, lesen die der Schrift vorangestellten Schöpfungsberichte und wie später die Traditionstexte und der Tempel wechselseitig für die Wohnstatt des sprechenden Schöpfergottes mit durchaus kosmischen Attributen gesehen wurde. Und wir wissen auch, dass in der antiken Synagoge Bilder einer kosmischen Wirk-lichkeit vorzufinden sind, dort scheinbar ein neues reformiertes Verständnis des Gotteswortes gewachsen ist, auch im gnostischen Frühchristentum und der Kirche die kosmische Wirk-lichkeit Gottes/vernünftiges Wirken im Vordergrund stand. Wie wollen wir daher völlig außerhalb der heutigen Weltsprache, die naturwissenschaftlich eine vernünftige kosmische Wirklichkeit ausdrückt, einen Glaubens-Christus setzen?
Wir machen uns Gedanken darüber, wie der Schöpfergott im realen Geschichtsgeschehen des jüdischen Volkes gesprochen hat, dort von Israel sein lebendiges Wort und nicht nur ein Traditionstext gehört wurde. Wir wissen wie die Tora als Weisheit des allen Kosmos bestimmenden Schöpfers in Schriftform verstanden wurde, die Texte zur Vermittlung des schöpferischen Wortes dienten, so Gotteswort in Schrift- bzw. Gesetzesform waren. Und wie durch Paulus dann dieses Wort als universale, jüdische Volks- und Gesetzesgrenzen übersteigende Wirk-lichkeit Gottes in Jesus wiederverstanden wurde. Wie können wir uns daher mit seit der Aufklärung auseinandergebrochenen Schrift- und Naturverständnis zufriedenen geben, von verschiedenen Sprachen sprechen, die unvereinbar seien?
Wir reden über den ständigen Reformprozess allzu anthropomorpher Gottesvorstellungen und wie hier Götzendienst angeprangert wurde. Können wir dann einfach so tun, wie wenn die Frühkirche Gott selbst zum menschlichen Christus gemacht hätte und auch heute nur eine Christus-Gottesikone vergöttern?
-Ist Jesus als Christus einfach die Inkarnation eines gesetzten Gottes, wie wir meist annehmen? Oder geht es um das wieder hörbare Wort?
-Ist es der menschgewordene, anschaulich gewordene Schöpfer selbst, der uns im Neuen Testament begegnet? Oder geht es im christlichen Glauben nur dessen wahrzunehmendes Wort, den Logos als vermittelnde Instanz, die zur Zeitenwende gesehen, der menschliche Gestalt gegeben wurde?
-Ist gerade das der Witz des christlichen Glaubens, dass nicht Gott selbst in menschlicher Gestalt vergöttert wurde, sondern der echt göttliche Sohn/das schöpferische Wort die für die Vermittlung des Glaubens notwendigen Vorlage für die Bildgestalt lieferte?
-Ist ein Gesetztgott Mensch geworden oder hat die Menschwerdung des damals verstandenen Gotteswortes das allzu abstrakte Gedankengut vor der Verflüchtigung bewahrt?
Wie können wir bei allem Wissen um die Ablehnung von menschlichen Gottesbildern im Monotheismus und erst recht der Vergötterung von Menschen, in der Christologie eine Inkarnation Gottes oder die Vergötterung eines Wandergurus annehmen?
Wie können wir davon ausgehen, dass ein Paulus, von dem wir wissen, wie arg er gegen menschliche Vergötterungen und Gesetzlichkeiten gewettert hat, einen Guru zum Gott machte oder einen Christus als menschliches Gottesbild in die Welt setzte?
Wie können wir über einen Logos als Mittlergestalt reden, der zur Zeitenwende die Wirk-lichkeit des Schöpfers in Ein-klang mit der Welt gebracht hätte und so tun, wie wenn die jüdischen Denker der Diaspora bzw. nach ihnen die Kirchenväter das nur auf ein christologisch-mysteriöses Gottesgebilde oder gar einen Guru hin gedeutet hätten?
Wie können wir von Justin, Ignatius, Origenes & Co., die die menschliche Person Christus betonten annehmen, dass sie die alttestamentlichen Texte nur in den Dienst einer Idee mit Namen Jesus als Christus stellten, bei der es um einen historisch Menschen ging oder einen daneben gesetzten Christus-Gott?
Wie können wir wissen, dass das hellenistische Judentum das Alte Testament mit neuen Augen allegorisch gelesen hat, die Bedeutung der Gestalten theologisch deutete, die Verbindungen zwischen jüdischer Weisheit und den schöpferischen Wesenheiten herstellte, die hinter Homer und dem pantheistischen Götterkosmos stand und dann nur nach einem historischen Menschen als Geschichtswesen bzw. einer Gottesinkarnation fragen?
5. Die monotheistische Spur zurückverfolgen, dem Wort Gottes treu bleiben
-Was hält uns davon ab, die Spur des Gotteswortverständnisses im schöpferischen Wort, statt gesetzter Gottesbegriffe zurückzuverfolgen, so das Wort neu verständlich zu machen, das bereits zu den Propheten gesprochen und dessen Einhaltung diese angeforderten?
-Warum können wir das schöpfungsmächtige Wort, das von königlicher Weisheit auf volkstümliche Weise in den Psalmen zum Ausdruck gebracht wurde und dessen Zitate sicher nicht zufällig bzw. ausschmückend das Neuen Testament bestimmen, nicht hinter der Gestalt des Gottessohnes zum Thema machen, statt nur einen als Gottesinkarnation gesetzten Guru anzunehmen?
-Was bringt uns das Wissen um die Einflüsse griechischer Philosophie für Philo von Alexandriens Christologie und dessen Rückgriff auf Eschnatons gescheiterten intellektuelle Vorstellung eines einzigen universalen Schöpfergottes, die wir als ersten Monotheismus anerkennen, wenn wir dann ohne auch aus den alten Fehlern allzu abstrakter Theologieformen zu lernen, deren Logosbegriff einfach zum Gott selbst setzten oder den Logos nur als Lehre betrachten, die kosmische Schöpfungs-Wirklichkeit, um die es Eschnaton wie Philo ging, dabei völlig außer Acht lassen?
-Warum darf nicht Eschnaton, der Anfang des gehörten und verstandenen Monotheismus, der uns nachwies, wie alle Götter in Aton aufgehen, ein Wegweiser für den Beginn auf neuer Spurensuche nach dem Gotteswortverstand sein? Wenn bereits ohne die naturwissenschaftlich Grundlage für die Entstehung des Sonnensystems und die irdische Energie zu kennen und ohne griechische Meta-physik-modelle und Philosophie alle schöpferische Wirk-lichkeit auf die Sonne zurückgeführt, dort das göttlich sprechende Wesen gesehen wurde, das nicht mehr mythologischen, sondern ganz naturalistisch und rationalistischen Charakter hatte, warum können wir das nicht mit dem Christus unseres Glaubens in Verbindung bringen? Ist es nicht das fest eingefleischte Bild eines charismatischen Menschen und eines daneben gesetzten Gottesmysteriums, das uns daran hindert die irdische Präsenz Gottes, mit dem in Qumran, Alexandrien oder Antiochien im Schöpfungsgeschehen wiederverstandenen Wort und Lehrer der Gerechtigkeit Gottes in Verbindung zu bringen, das wieder auf den rechten Weg der Wahrnehmung Gottes zurückführen und den Lebensweg bestimmen sollte?
Wenn wir doch wissen, dass im Christentum ein neuer das jüdische Gesetz übersteigender universaler, für Juden wie Griechen gültiger Monotheismus begründet wurde, dessen Gründer sich als Licht und Leben bezeichnet, warum kann dessen menschliche Gestalt nicht dort begründet werden, wo bereits ganz am Anfang des Monotheismus auf allzu abstrakte weitgehend bildlose Weise die Aton-Gestalt als Licht, aufklärende Sonne genannt wird, ohne die nur der Tod ist. (Was sich natürlich, wie geistesgeschichtlich zu verstehen ist.)
Wieso kann nicht selbst der Nachweis über die Körperteile Gottes, die beim biblischen Anthropomorphismus im Vordergrund stehen – Auge, Ohre, Mund, Nase, Hand, Gesicht - deutlich machen, dass es um die Kommunikation mit dem sprechenden Gott ging, nicht um dessen Abbildung? Wenn wir doch bei zeitgemäßer Exegese diese in der Bibel meistgenannten Körperteile mit Jesus und seinem Wirken in Verbindung bringen, dann muss uns doch langsam das Licht aufgehen, das es nicht um einen Junggott geht, der einfach Gott repräsentieren soll, sondern das in menschlicher Gestalt wirkende Wort in einer Reform wiederverstanden wurde, hier der einzige irdische präexistente Präsenz Gottes gesehen wurde. Die jüdische Auseinandersetzung mit allzu abstrakten Gottesvorstellungen zeigt sich in der jüdischen Geschichte scheinbar immer wieder. Doch nicht die Vermenschlichung Gottes kann die Lösung gewesen sein, sondern die wahrgenommene Präsenz des griechisch wiederverstandenen Logos als ewiges Wort und Repräsentant Gottes in der Welt scheint mir die antike Reform bewirkt zu haben. Wenn statt bildhaft gesetzter und modellhaft gestalteter Götzenbildern wieder der lebendige Schöpfervater verstanden wurde, dann muss mehr gewesen sein als das, was heute theologisches Thema ist.
6. Von der Vogelscheuche zum Wiederverstand des lebendigen Schöpferwortes
Einer seiner liebsten Texte der Bibel sei das 10. Kapitel des Buches Jeremia, schreibt der Geschäftsführer von „Wort und Wissen“, einer kreationistischen Vereinigung von meist Naturwissenschaftlern, die mit Hilfe von gegen die natürliche Evolution gerichteten naturwissenschaftlichen Theorien die buchstäbliche Schöpfungsfunktion bewahren wollen, in der jüngsten Ausgabe des Informationsblattes. Dort würde Gott als tatkräftiger Schöpfer den harmlosen und nutzlosen Götzen gegenübergestellt. Diese werden als „Vogelscheuchen“ im Gurkenfeld verspottet, sie können nicht reden, man muss sie tragen, ja sogar mit Hammer und Nagel befestigen, damit sie nicht umkippen. Solche „Götter“ können weder helfen noch schaden. Man braucht sich nicht vor ihnen zu fürchten, könne aber auch nichts von ihnen erhoffen. Genau eine solche Vogelscheuche sei der Glaube an einen Gott ohne schöpferische Wirklichkeit, begründen die Kreationisten ihre Bemühungen, die Naturlehre nach den Buchstaben der Bibel zurechtzubiegen.
Der Glaube an den wahren handelnden Schöpfer sei daher nicht nur für Jeremia die Überlebensvoraussetzung, sondern es komme nach wie vor darauf an, den wahrzunehmen, der Himmel und Erde ganz real geschaffen hat. Und darin kann ich nur zustimmen. Auch wenn mein Weg ein ganz Anderer ist, als die Bewahrung von Buchstaben, ich nicht in Dogmatik, sondern im lebendigen Prozess allen evolutionären Werdens nach dem Wort suchen will, das zu Jeremia & Co. gesprochen hat. Ein Gott, der nur noch ein außerweltsprachliches Mysterium ist, das nicht in der Schulsprache der natürlichen Schöpfung zu vermitteln ist, scheint wirklich kaum mehr als eine Vogelscheuche, ein herzerwärmendes Götzenbild. Doch wenn auch die Kreationisten bei ihrem Versuch das naturwissenschaftliche Weltbild nach den Buchstaben zurechtzurücken kaum ernst genommen werden und nur eine neue Vogelscheuche in die Welt setzen, statt mit falschen Schlüssen aus der Erkenntnis um das natürliche Werden aufzuräumen, dann liegt auch das an den Vorgaben des neutestamentlichen Selbst-Verständnisses.
Wenn die m.E. daher fälschlicherweise sog. Kreationisten sich allen Ernstes zu biblisch-archäologischen Forschungsprojekten aufrufen, um nach dem fünften Stein Davids zu suchen, der noch im Kopf des Riesen Goliath steckt, dann liegt dem ein buchstäblich-biblisches Verständnis zugrunde, das nach wie vor auch von Exegeten vorgegeben wird, die es längst besser wissen müssen. Denn das Wort, das die königlich-jüdische Weisheit bereits in der Gestalt Davids verstand, der Goliath besiegt, ist mit Sicherheit nicht im Sand von Palästina zu finden.
7. Auf den Wiederverstand des Schöpferwortes will ich insistieren
Im beigefügten Text über die antike Reformation des jüdischen Gesetzesglaubens und griechischer Vielgötterei habe ich versucht zum Ausdruck zu bringen, wie m.E. eine junge Theologie nach dem Wort am Ursprung des biblischen Monotheismus fragen sollte, um durch eine heutige Reform die Glaubens-Vorstellungen von Unrat zu befreien.
Auch wenn ich weiterhin auf das lebendige Schöpferwort in der Einheit Jesus Christus insistiere und Sie zurecht bemängeln, dass ich mich nicht genügend mit den biblischen Texten befasse, so erlaube ich mir die abschließende Bemerkung Ihrer Antwort aufzugreifen, um Sie erneut zu bitten, die junge Theologie, die die Bedeutung der Texte kennt, nach dem Schöpfungswort fragen zu lassen oder mir wenigstens kurz zu sagen, warum das keinen Sinn macht: „Wenn Sie meine Äußerungen mehr als Anregungen, denn als Kritik auffassen könnten, wäre der Sache sicher gedient.“
Voller echter Hochachtung und freundlichen Grüßen
Ihr
Gerhard Mentzel