Anlage zum Schreiben an Prof. Klaus Berger
Begründung eines
postmodernen Verständnisses schöpferischer Vernunft
als Wesen des
historischen Jesus
1. Ein von Vernunft ausgehendes postmodernes Verständnis bringt Vollendung der Moderne, statt gegenseitiges Abstreiten und Verkürzen
Wer die durch eine oberflächliche Moderne verdrängte Seite des Neuen Testamentes wieder aufschlägt, um ein „postmodernes“ Jesusbild zu betrachten, dabei die historische Kritik nicht einfach zurückweist, sondern sie zur Vollendung bringt. Wer auch für das Apokryphe eintritt, die Synoptiker in ihrer Gesamtheit bewahren will und Johannes als gleichwertige Theologie bzw. gleichgeschichtlichen Text an den Anfang stellt. Und wer dabei als Wissenschaftler ernst genommen werden will, der muss bereit sein, in neuer Weise nach dem Wesen zu fragen, um das es in all den Texten geht.
Während Ihnen Ihre Kollegen aufgrund Ihrer konservativen Schelte und der angeblichen Ausblendung der historischen Forschungsergebnisse einen Rückfall in die persönliche Mystik vorwerfen, gar die Zusammenfassung Ihres Lebenswerkes in „Jesus“ in die Ecke persönlicher Rede stellen, hätten Sie vom heute lebendigen Logos aus die Chance, jedes Wort des Neuen Testamentes als echt von Jesus ausgehend nachzuweisen. Der bereits seit Albert Schweizer hinterlassenen Leiche des historischen Jesus, die zusammen mit dem am heutigen Kurzschluss gestorbenen Christus im Kirchenkeller liegt, könnten Sie durch die Gnade Ihres Wissens neues Leben einhauchen. Eine Wiederbelebung der christlichen Bedeutungsinhalte, die nicht nur ein blindes Bewahren von Buchstaben und Glaubensdogmen ist, benötigt Ihre Hilfe als ernsthafter theologischer Wissenschaftler.
Wer mit der bisherigen Art der Jesusforschung bricht, der braucht nicht in persönliche Glaubensvorstellungen oder Vergeisterung zu fliehen. Er kann heute wieder von einer schöpferischen Vernunft ausgehen, die für die Verfasser der neutestamentlichen Schriften ein reales Wesen war. Es wäre ein unverantwortliches Verschließen der Augen, wenn wir nur die apokryphen Erzählungen, johanneische und synoptische Aussagen blind nebeneinander stellen, ohne dabei den Logos deutlich zu machen, um den es damals ging. Vielmehr hätten Sie die Gabe, die verschiedenen Aspekte der antiken Glaubensaufklärer von einer heute in allem kosmischen Werden wirksamen Vernunft ausgehend zu beleuchten. Sie könnten so deutlich machen, dass im Zimmer der Schrift, wie der modernen Wissenschaft und Naturlehre nur ein Licht leuchtet. Im historischen Jesus ein Licht gebrannt hat, das jeden Morgen neu aufgeht, damit nicht dem menschlichen Denken oder alten Mysterien entspringt. Wie letztlich vom Schöpfer eine Sprache gesprochen wird, die in den verschiedenen Zimmern der Welt nur in unterschiedlicher Weise zum Ausdruck gebracht wird.
2. Die biblisch
beschriebene Schöpferkraft Jesus und die biblischen Geschichten lassen sich vom
Logos aus belegen
Der wahre historische Mensch Jesus und seine Existenz als ansteckende Schöpfungskraft des gesamten Kosmos, die an seinem menschlichen Leib bezeugt ist, kann wissenschaftlich beleuchtet werden, wenn wir das ernst nehmen, was antikes Denken voraussetzte. Solange wir – gleichwohl wir wissen, wie zur Zeitenwende bildhaft gelesen und geschrieben wurde - immerzu nur das voraussetzen, was bisher buchstäblich banal gedacht wird, kommen wir im Verständnis des einen Schöpfers nicht weiter. Sie wissen besser als ich, dass die in feinem Griechisch schreibenden Glaubensaufklärer der Antike weder wegen einem Guru die Feder gezückt hätten, noch für einen dogmatisch gesetzten Gottesersatz als Märtyrer gestorben wären. Die uns gegebene wissenschaftliche Wahrheit nur wegen des süßen und lediglich den Konsum steigernden Weihnachtsfriedens aufzugeben, wäre unverantwortlich. Was bringt es, nur einen herzerwärmenden Mythos zu bewahren, der dann der angeblich aufgeklärten Welt, die die gesamten Glaubensaussagen für fromme Märchen zur Moralisation der Menschheit in den Klauen der Kirche hält, nur neue Munition liefert?
Die wahre Aufgabe kann es nicht sein, den Grund der Wahrheit in einen Mythenmantel zu hüllen oder gleich ganz aufzugeben. Heute haben wir die Chance, Ziel und Sinn des empirisch erforschten evolutionären Werdens neu mit dem Grund unseres Glaubens bzw. den Gründergestalten zu verbinden. Ein Anti-bultmann oder Anti-Augstein benötigt mehr als ein „aber glaube trotzdem“ an die historischen Geschichten und Gestalten sowie deren Hoheitlichkeit und Bedeutung. Vom Logos in menschlicher Person ausgehend brauchen wir Geschichtlichkeit und Hoheitlichkeit der biblischen Schilderungen nicht weiter zu verleugnen oder zu verkürzen, sondern können sie belegen. Die Vernunft allen Werdens kann so die verborgene Schöpferkraft in neuer Weise sichtbar machen und den aufklärerischen Intellekt, der bisher dem buchstäblichen Bildverständnis auf den Leim ging, befreien.
Statt im Sinne Einsteins oder Hegels nur von
einer abstrakten kosmischen Vernunft oder Kraft zu sprechen, bedeutungslos
bleibende prozesstheologische Konstrukte in die Welt zu setzen, könnten wir so
den Gott der Väter wieder persönlich ansprechen.
3. Menschliche und schöpferische Person Jesus wird vom Logos aus rational
Die Wiederkehr der Religion als Grund höherer Wahrheit, nach der nach dem Untergang der Ideologien (ob Kommunismus oder dem sich als untauglich erweisenden Kapital- und Konsumegoismus) selbst der Intellekt europäischer Aufklärung sucht, lässt sich nicht durch Mystik machen. Sie könnten wissenschaftliche Fakten liefern, die die Transzendenz legitimieren. Vom heute lebendigen Logos ausgehend, brauchen wir nicht weiter gegen den Rationalismus zu argumentieren, sondern könnten diesen zum Ziel führen. Durch eine neue wissenschaftliche Betrachtung der alten Botschaft lässt sich die Weihnachtsgeschichte nicht nur in ihrer Gänze bewahren, sondern kann Jesus als Offenbarer des einen Schöpfergottes wieder neu der Welt präsent werden.
Es geht nicht darum,
den Mensch gewordenen Schöpfer in Frage zu stellen oder am historischen Jesus
und einzelnen oder gar allen Aussagen der Bibel zu zweifeln. Genau das Gegenteil
ist der Fall. Sie hätten die Gabe, vom schöpferischen Logos ausgehend die
menschliche Seite Jesus nachzuweisen. Aufgrund des Wissens um die antike
Kommunikation, die an bekannte Vorstellungsbilder anzuknüpfen hatte, könnten
Sie deutlich machen, warum seine menschliche Person (Rolle, Aufgabe) die
wahrhaft vernünftige war. Auch warum ein christologisches
Denken ohne konkreten kosmischen Grund ein vergeisterter Doketismus, ohne
greifbares Wesen ist, wäre vom Schöpferwort ausgehend deutlich zu machen. Sie könnten
zeigen, wie durch die schöpferische Vernunft in menschlicher Gestalt all das
geschehen ist, was wir im Neuen Testament nachlesen können. Was die meisten
Ihrer Kollegen abstreiten oder als kirchlich glaubensaufgesetzte Christologie
bzw. Hellenisierung (letztlich Betrug oder reine Propaganda) betrachten, wäre
vom Logos ausgehend logisch zu erklären. Doch
noch wichtiger wäre es nachzuweisen, welche Heilswirkung Jesus auch für unser
zerbrochenes Weltbild und Schöpferverständnis heute hat, was der wahre Wille
des in aller Natur gesprochenen Schöpferwortes für die heutige Welt bedeutet.
4. Die Aufklärung ist
vom Schöpfungswort/Vernunft ausgehend zum Verstand der biblischen Bedeutung zu
führen
Der Wandel, der sich im Verständnis der Theologie seit Anfang der Aufklärung vollzogen hat, zwingt nicht zur weiteren Verleugnung biblischer Geschichten und christlicher Bedeutungsaussagen, sondern deren Neuverstand. All unser Wissen ist die Voraussetzung zu einer neuen Sicht des damals auferstandenen und heute lebendigen Jesus. Es geht mir dabei nicht um einen persönlich-mystischen kosmischen Christus, wie man ihn Teilhard de Cardin unterstellt, sondern um den damals die Wunder und Wende bewirkenden historischen Jesus. Der Nachweis seiner echt messianischen Wirkung kann vom Logos aus geführt werden.
Wenn wir vom damals lebendigen Schöpferwort ausgehend das Neue Testamentes lesen, wird das von den Judengriechen in bildhafte Geschichtsform gefasste Geschen logisch. Nicht eine persönlich-willkürliche oder psychologische Deutung steht auf dem Programm. Der historische Nachweis von unvoreingenommener „Jungfräulichkeit“ durch die hervorbringende Mutter unseres Glaubens und der Zeugung durch den heilen schöpferischen Geist selbst wird möglich. Wir brauchen uns nur von der total banalisierten Vorstellung des als Christusgott angesprochenen jungen Guru zu befreien. Wenn wir uns mit neuen Augen dem zuwenden, über den die anfängliche Kirche diskutierte und der in den Apokryphen oft deutlicher Zutage tritt, als in den Texten des Kanon, wo sich unsere banalen Vorstellungen allzu sehr eingeschliffen haben, wird er auch heute die Weltbilder versöhnen.
Dabei ist heute nachvollziehbar, wie vernünftig die Verschriftung und Kanonbildung für die einheitliche Vermittlung und Bewahrung unseres Glaubensgrundes war. Und wie wichtig auch derzeit die eindeutige Darstellung gegenüber verflüchtigender Gnosis und abstrakten Theoriegebilden ist. Doch wer nicht nur die wohl größte Sammlung apokrypher Texte besitzt, sondern die aufgrund alter Voraussetzungen oft recht absurd wirkenden gnostischen Texte in seine Überlegungen einbezieht, ihre theologische Bedeutung darlegt, der sollte auch bereit sein, über die allzu banalen bisherigen Vorstellungsbilder hinaus nach dem historischen Grund der gesamten neutestamentlichen Literatur zu fragen.
5. Ein Gespräch mit gegenseitiger
Akzeptanz muss schöpferischer Vernunft einbeziehen
Theologie soll ein Gespräch zwischen Glaube und Vernunft sein. Doch kann der Gesprächspartner im Dialog zwischen traditionellem Glaube und Vernunft allein die menschlich-subjektive Vernunft sein? Wäre nicht vielmehr eine universale und objektive Vernunft allen evolutionären Werdens in das Gespräch einzubeziehen? Es geht dabei um ein Gespräch, bei dem sich beide Seiten anerkennen, in echten Dialog gehen. Ist so evtl. auch die frühkirchliche Diskussion um das Wesen Jesus neu zu verstehen? Stellten sich die Väter unseres Glaubens die Frage, welchen Wesens die Vernunft sei, die in Jesus lebendig war? Denn nach dem was wir heute wissen, können wir weder den Verfassern des Neuen Testamentes, noch den Kirchenvätern weiterhin unterstellen, sie hätten um das Wesen eines jungen Juden gestritten, einen Guru zu Gott gemacht. Als guter Kenner des u.A. in Qumran ausgegrabenen Geistesgutes, der frühjüdischen und hellenistischen Vergleichstexte zum Neuen Testament, könnten Sie nicht nur neue Impulse bei der Interpretation setzen, sondern einen echt interdisziplinären Dialog anstoßen.
Wenn ich von universaler Weisheit oder Schöpferwort rede, geht es um eine Vernunft, die uns selbst teure Managementtrainer darstellen, wenn sie Wirtschaftsbosse zum steten Wandel und dem Zusammendenken bislang völlig getrennter Sachverhalte auffordern, dies an den Strickmustern einer universellen Kreativität (=Schöpfung) festmachen. Und die dabei ähnlich wie die Biologen bzw. Kosmologen Versuch und Zufall als vernünftige Werkzeuge auf dem Weg vom Sternenstaub zu geistbegabten Wesen nachweisen. Diese kosmische Vernunft, die beispielsweise Mikrobiologen bei ihren Versuchen ebenso voraussetzen, wie Meteorologen bei Ihren täglichen Wetterprognosen, spricht im Gegensatz zur menschlich subjektiven nicht gegen den Glauben an den einen Schöpfer. Im Gegenteil: Sie wäre aus neuem christlichen Selbstverständnis Grund des aufgeklärten Glaubens.
Dort, wo man uns bisher nur beibringt, dass wir Kinder des Universums bzw. der kosmischen Kreativität sind, können wir aufgrund des Neuen Testamentes nun auf den einen persönlich anzubetenden Schöpfer der Väter schließen. Dabei geht es nicht um einen kosmologischen Gottesbeweis. Der Sprecher bleibt unsichtbar, macht sich durch seine wirksame Vernunft/sein schöpferisches Wort bewusst. Und diese Vernunft ist uns durch die Gnade des uns durch die Aufklärung gegebenen Wissens wieder neu bekannt. Doch kann die naturwissenschaftlich nachzuweisende Vernunft nur in „Ein“sicht mit der Glaubenstradition auf den einen Schöpfer verweisen. Da wir die Welt weder anhalten, noch zurückdrehen können, ist gerade vom säkularen Westeuropa - Weltinsel der aus Aufklärung Ungläubigen – aus ein neues allegorisches Verständnis der biblischen Berichte angesagt. Nur durch ein neues Verständnis des historischen Wesens Jesus, das seiner ständig nachgesagten theologischen Bedeutung gerecht wird, lässt sich die Brücke zum Logos aller Biologie bzw. allen naturwissenschaftlich nachvollziehbaren Lebensflusses bauen.
6. Menschliche
Weisheit ist nur durch die schöpferische zur Vernunft zu bringen
Die Aufgabe unserer menschlichen Vernunft scheint das Prüfen und logische Schlüsse ziehen. Richtig von falsch zu unterscheiden und Verbindungen herzustellen, um in heutiger Weltsprache gemeinsam über den einen Schöpfergott reden zu können. Gleichzeitig zu fragen, welche Forderungen die schöpferische Vernunft an unser Verhalten im Alltag stellt, was über den darwinistischen Kurzschluss hinaus für Geist begabte Schöpfungs-Werk-Zeuge(n) nicht nur Naturrecht, sondern im Sinne des Schöpfers wäre. Von einer neuen Perspektive aus, wird sich Philosophie sowie Naturwissenschaft und Schriftlehre nicht mehr ausschließen, sondern ergänzen. Doch dazu bedarf es eines neuen wissenschaftlichen Nachdenkens über das historische Wesen Jesus. Wer beispielsweise das gemeinsame Mahl von Juden und Griechen begründete, das Sie aufgrund fehlender Geistesgemeinschaft Katholiken und Protestanten verwehren, das traditionelle Gesetz füllte und zum echt neuen Bund führte, kann nicht der gewesen sein, den alle Welt für den historischen Jesus hält oder als ein Art Christusgott hinstellt.
7. Wahrhafte Ökumene
der Weltbilder muss vom Schöpfungswort als Wurzel ausgehen
Auch vor 2000 Jahren kann nur eine gemeinsame Einsicht der
jüdischen Wurzel mit dem lebendigen Logos (griechisch als Weltvernunft
verstandenen) die geistige Erneuerung und Wende bewirkt haben. Was macht es für
einen Sinn, die historischen Wurzeln des (Ur-) Christentums in der Frucht des
antiken Kulturkampfes deutlich zu machen, über die in damaliger Philosophie
erkannte Vernunft als Erneuerung des jüdischen Gesetzes nachzudenken, wenn dann
nur ein zum Logos gemachter Guru gewesen sein soll? Was Sie und Ihre Schüler
nachweisen und als ernsthafte Theologie auswerten, muss uns über einen
dogmatisch zum Gottesersatz hochgestabelten
Gutmenschen hinausblicken lassen. Da Sie nicht von einem oberflächlichen „Liebesmahl“
ausgehen, sondern in Berufung auf Paulus auf einer geistigen Gemeinschaft vom
Grund her bestehen (weil gemeinsames Feiern ohne wirkliche Einheit nach dem
Neuen Testament die „schlimmste Katastrophe“ wäre), kann es sich bei Jesus
nicht um den gehandelt haben, den alle Welt voraussetzt. Die antike Ökumene, die nach Ihrer Analyse weder nur Heuchelei im Sinne
heutiger Gleichmacherei war, sondern Versöhnung völlig verschiedenen
Weltbildern, kann nur von einem gemeinsamen Verstand schöpferischer Vernunft getragen
worden sein.
Der aufgrund einer allegorischen Traditionsdeutung in Alexandrien im Prozess des Werdens als Sohn Gottes wahrgenommene schöpferische Logos kann nur in geistiger Gemeinschaft mit dem an die Propheten ergangenen Schöpfungswort bzw. jüdischer Weisheit verstanden worden sein. War doch auch diese Weisheit ursprünglich aus kosmischer Ordnung sowie einem schöpferisch-vernünftigen Geschichtsverlauf abgeleitet und nicht einfach eine menschliche Morallehre. Die im Neuen Testament sprechende geistige Einheit kann kein Allerlei gewesen sein. Sie lässt sich nur aus einer „Ein“sicht der kosmischen Wurzel des jüdischen Glaubens an den einen Gott, mit den Wurzeln der pantheistischen Göttersöhne des griechischen Polytheismus sowie philosophisch-abstrakten Logoslehren herleiten. Erst die menschliche Gestalt dieses Gotteswortes/Logos hat dann die messianische Wirkung erzielt, kann inhaltliche Erneuerung des Tempels und gemeinsamer Grund der Kirche für Juden und Griechen gewesen sein.
In einem als menschliche Person lebendigen Wort, das Gegenspieler des politischen Messianismus bzw. menschlicher Vergötterungen war, lässt sich der Mehrwert deutlich machen, der dann echte Versöhnung ermöglichte. So ist die inhaltliche Füllung des rituserstarrten Traditionsglaubens im Schatten des Jerusalemer Tempels zu erklären. Wer auch im Gegensatz zur traditionsorientierten Reformbewegung der Pharisäer stand, kann nur das präexistente, jedoch auf Erden lebendige Wesen gewesen sein, das Ihre historisch-kritische Kollegen als glaubensbedinge Verherrlichungs-Legende (im Klartext: theologisch bedingte Lüge) betrachten. Die Geistesgemeinschaft der verschienen Kulturkreise, die heute als Wesensbestandteil des Neuen Testamentes ausgewertet wird, ist weder durch einen Guru, noch ein Beharren auf traditionellen Dogmen zu begründen, sondern lässt auf die Rückbesinnung auf das reale schöpferische Wort schließen.
8. Der gemeinsame
Nenner der Neuzeit ist mit neuer historischer Sicht Jesus möglich
Und auch heute kann die notwendige Erneuerung aus der Tiefe nicht durch Berufung auf blind zu befolgende Dogmen geschehen. Das bleibt ein Minimalismus, der nicht trägt. Die Ökumene der seit Anfang der Aufklärung zerbrochenen Weltbilder auf Basis des Maximums benötigt mehr. Neben der Überwindung des puren Materialismus einerseits, wie sie sich anbahnt, wird gleichzeitig auch eine Wende im historischen Verständnis der Bibel und der darin geschilderten menschlichen Gründergestalten benötigt. Nur so lässt sich eine gemeinsame Sprache finden. Und nur so lassen sich auch auf Seiten der Naturbetrachtung neue Kurzschlüsse vermeiden, die schöpferisches Wirken weiterhin außerhalb die natürliche Logik stellen, weil der Buchstaben bzw. wundersamer Vorstellungen zuliebe Gottes Werk nicht im natürlichen-kreativen Walten des evolutionären Verlaufes verstanden wird. Man so letztlich den Logos – den nicht nur Philo von Alexandrien als Sohn Gottes sah – abstreitet.
Indem Ihre Kollegen Kreuzigung oder Jungfrauengeburt verneinen, Auferstehung als Erscheinungen frommer Anhängern auslegen und die Wunder als literarische oder psychologische Werke abtun, machen diese deutlich, dass die bisherige Betrachtungsweise Jesus zu kurz gedacht ist. Diese von Ihnen abgelehnte Humanisierung des christlichen Glaubens steht der Suche nach dem christlichen Glaubensgrundes ebenso im Weg, wie eine reine Mythologisierung und persönliche Spiritualisierung.
Der Rückruf in eine Mythensprache außerhalb verstehbarer Realität bringt letztlich nur dorthin, wo Ihre von Ihnen heftig kritisierten Kollegen bereits sind. Diese stehen im Gegensatz zu Ihnen, weil sie keinen Wert auf die historischen Aussagen mehr legen oder der Versöhnung mit dem Judentum zuliebe die Christologie ablehnen. Auch wenn darin kein
besonderer Wert mehr gesehen wird, betrachten diese Theologen inzwischen die Geschichten der Bibel wie Märchen. Sie machen so alles zu einem Mythos, den sie dann nur bewahren wollen. Der aber unseren Kindern kaum noch was zu sagen hat, weder Monotheismus begründen kann, noch höherer Grund für eine moderne Verhaltenslehre ist. Die theologische Verödungen, die Sie als Zerbröselung der Glaubenssubstanz angreifen, sind daher nicht durch ein dogmatisches Glaubensbekenntnis zu überwinden, das nur Werk der Lippen aufgrund alter Lehren oder persönlicher Glaubensgefühle bleibt. Nur die religionsgeschichtliche Entleerung und Zerstörung der geistigen Grundlagen polemisch anzugreifen, ist somit nicht die Lösung. Der persönliche Spiritualismus macht die Sprachverwirrung nur noch schlimmer. Er führt nicht zur neuen Gesprächs-Gemeinschaft. Was wir brauchen kann keine apologetische Vereinnahmung heutiger Weltvernunft einerseits und eine mystische Spiritualität andererseits sein. Dies wäre nur die von Ihnen verurteilte Blindekuh-Ökumene. Wenn die Rationalisierung kirchlicher Werte und biblischer Bedeutungsinhalte in bisheriger Weise nicht weiter bringt, müssen wir neue Fragen stellen.
9. Die Krankheit der
Kirche ist durch Neubesinnung auf das Schöpfungswort heilbar
Die von Ihnen analysierte geistige Selbstentleerung ruft nach einem Nachdenken über die Wurzel unseres Glaubens. Die von Ihnen diagnostizierte Krankheit der Kirche ist nicht durch „Augen zu und weiter so“ zu kurieren, sondern verlangt Veränderung. Christliche Theologie wird sonst zu Treibsand. Sie ist dann weit davon entfernt, auf den einen universalen Schöpfer des realen Kosmos als Gott der Väter und heutigen Sinngebung zu verweisen. Das theologische Fingerhakeln mit Ihren alle christlichen Inhalte verflachenden Kollegen bringt so wenig weiter, wie allein der vergebliche Ruf nach konservativer Bewahrung. Das lässt sich letztlich auch beim Blick über den großen Teich beobachten, wo bald wieder mehr Menschen an die jungfräuliche Empfängnis einer Hebräerin glauben, als an die evolutionäre Entwicklung. Und wo in der Sonntagspredigt jeder Zweifel an all die Dinge, die beim ersten Semester des Theologiestudiums in Frage gestellt werden, vom Tisch gewischt wird. Wo jedoch gleichzeitig der Glaube als Grund dient, gegen andere Gotteskrieger um Erdöl zu kämpfen, statt die Menschen zu einem schöpferisch-vernünfigen Verhalten zu führen, das unseren und allen Kinder des einen Schöpfergottes gerecht wird.
Wenn sich jeder
seinen eigenen Reim auf das Wirken Gottes in der Welt macht, ist die Frage nach
dem Schöpfer – die für uns Christen in Jesus beantwortet sein sollte - neu und
unvoreingenommen zu stellen. Diese Frage kann nicht in Verneinung des
Wissens beantwortet werden. Nur im Rahmen eines sich weiterentwickelnden
naturwissenschaftlichen Weltbildes einerseits und des gewachsenen Wissens um
die biblischen Geschichtsgestalten andererseits, kommen wir zu neuer „Ein“sicht. Das buchstäbliche Verständnis der Bibel hat in
seinem Kurzschluss nicht nur die alttestamentliche Genesis missverstanden und
so Gott arbeitslos gemacht. Auch unsere buchstäblichen Voraussetzungen beim
Neuen Testament trennen die Weltbilder. Statt aufgrund des vernünftigen Werdens
und empirisch nachgewiesener universeller Ordnung (schöpferischen Logos) auf
den einen Gott der Väter zu schließen, wird nach wie vor ein Zauberer bzw.
intelligenter Designer gesucht. Jesus kommt dabei als offenbarender Grund
ebenso wenig vor, wie im Gespräch zwischen dem Papst und der Philosophie über
eine universale Vernunft.