Gerhard Mentzel
Schänzelstrasse 9
67377 Gommersheim Juni 2004
Prof. Dr. Klaus Berger
theologische Fakultät
der Universität
Heidelberg
Sehr geehrter Herr Professor Klaus Berger,
entschuldigen Sie, dass ich mich erneut an Sie wende und um eine Beurteilung von Überlegungen bitte, die die schöpferische Vernunft bzw. den universalen Logos des Kosmos als historischen sowie hoheitlichen Jesus an den Anfang stellen und diesen im heutigen Weltbild wieder verstehen wollen. Nach allem, was ich bei Ihnen oder Ihren Kollegen über die Ursprünge unseres christlichen Glaubens als Erneuerung des Monotheismus und das geistesgeschichtliche Umfeld erfahre bin fest davon überzeugt, dass hinter der Person des Jesus von Nazareth weder ein einfacher Mensch steht, noch eine spätere christologische Personifizierung des transzendenten Gottes. Vielmehr muss ich nach allem, was wir über das antike Denken zur Zeit Jesus wissen davon ausgehen, dass in der menschlichen Ausformung der schöpferischen Vernunft/des vom Schöpfer im realen Geschichtsgeschehen gesprochenen Wortes, der wahre Sohn Gottes gesehen wurde. Dieses in naturwissenschaftlichen Beschreibungen des Werdens neu herauszuhörende Schöpfungswort mit der Schrift auf einen Nenner zu bringen, kann nicht in persönlicher Spiritualität geschehen. Es bedarf eines biblischen Verständnisses sowie eines geistesgeschichtlichen Wissens, das meine Möglichkeiten übersteigt. Das Schriftwort hat nicht ausgedient. Sein Neuverständnis ist der einzige Weg, das Schöpfungswort im natürlichen Werden als ewige Offenbarung wahrzunehmen und so auch die Schrift wieder ernst zu nehmen.
1. Nur Neutestamentler können helfen, Schrift wie Schöpfungswort neu zu verstehen
Die noch bis zum Beginn der Aufklärung den Glauben tragenden biblischen Bilder und Begriffe können im bisherigen Verständnis unseren Kindern den Glauben nicht mehr vermitteln, sondern verhindern ihn. Wir können die Zeit weder anhalten, noch zurückdrehen, sondern scheinen die uns vom Schöpfer gegebenen Möglichkeiten nutzten zu müssen, sein Schöpfungs- und Schriftwort in mündiger Weise in allem Werden, wie als dessen vormalige Erfahrung im Rahen des Traditionstextes zu verstehen. Solange wir einerseits nur einen zum Messias gemachten Menschen sehen und gleichzeitig von Christus wie von einem jungen Gott reden, über den man sich dann mit anderen Wissensbereichen nicht unterhalten kann, fehlt unserem christlichen Glauben der Grund, den er am Anfang hatte. Ich befürchte, dass gerade die rein persönliche Rede vom Gottessohn und Christus wie von einem Gott bzw. dessen Personifikation zur Verdunkelung, statt zum Verständnis des von einem Schöpfer ausgehenden Wortes führt, das am Anfang war.
Durch ein neues Verständnis oder zumindest ein offizielles Nachdenken über das eigentliche Wesen des christlichen Glaubens sowie der dogmatischen biblischen Begriffe sehe ich die Chance für eine aufgeklärte Sicht der heute im gesamten kosmischen Geschehen präsenten Vernunft als zeitgemäß-mündige Offenbarung des gemeinsamen Schöpfers. Mittels der in einem neuen naturwissenschaftlichen Weltbild, wie im gesamten Geschichtsverlauf nachzuvollziehenden Vernunft allen schöpferischen Werdens kann die Brücke zu einem von Vernunft und Wissen getragenen grenzüberschreitenden urchristlichen Glauben geschlagen werden. Doch nur in Bezug zur fachgerechten Deutung der neutestamentlichen Bedeutungsinhalte bzw. unserer geistesgeschichtlichen Ursprünge kann die Voraussetzung geschaffen werden, im Kollektiv den Sohn des Gottes unserer Väter wieder wahrzunehmen, ihn zeitgemäß als kosmische Wirk-lichkeit begreifen zu können. Nur eine Begründung des schöpferischen Wortes in der Schrift kann das gemeinsame Wort Gottes wieder universell bedeutend machen, so dass davon menschliche Bestimmung ausgehen kann, die auf ganz natürliche Weise vom Schöpfer gesprochen ist.
Die oft allzu banale Kritik der letzten Jahrhunderte am Bild des hoheitlichen oder historischen Jesus und der biblischen Inhalten soll hier nicht laienhaft fortgesetzt werden. Vielmehr bin ich sicher, dass nach aller bisherigen Verkürzung die Bedeutungsinhalte von einem Schöpfungswort ausgehend zu belegen sind. Zeugen für den historischen und heute lebenden Gottessohn in menschlicher Gestalt sind gesucht, durch den sich auch die alttestamentliche Aussagen in neuer Weise als Geschichtswahrheiten lesen lassen.
Könnte nicht wenigstens ein ernsthaft forschender junger Neutestamentler durch Sie angeregt werden, frei von der die gesamte Forschung und Kritik der letzten Jahrhunderte beherrschende Hypothese von einem durch die Kirche als eine Art Gott verkündeten Sohn und einem danebenstehenden völlig vermenschlichten Reformprediger über den Grund christlichen Glaubens in der kosmischen Wirk-lichkeit nachzudenken? Was spricht dagegen, auch nur den Versuch zu unternehmen, von einer kosmischen Begründung des Gotteswortes in Menschengestalt als dem historischen Wesens ausgehend, die von ihm als Jesus von Nazareth beschriebenen Heilswirkungen, Aussagen und Handlungen zu hinterleuchten? Warum kann das nicht die konsequente Verwirklichung ihrer Forderungen sein, den Mythos be-deutend zu halten. Was spricht dagegen, das hoheitliche, gleichzeitig mit dem historischen Wesen Jesus neu zu identifizieren und die menschlichen Gestalt als höchst vernünftig und echt messianische Wirkung erzielend zu verstehen?
Warum lassen wir die Kritik am Wesen Christi oder der sehr verschiedenartig wirkenden Aussagen der Apostel, die bisher immer nur zu einer Verkürzung führte, geschichtliche Inhalte und Autoren leugnete, links liegen, beschränken uns auf eine Art Gottes-Mythos und einen unbedeutend gewordenen Menschen? Was spricht dagegen, sie von einer neuen Perspektive aus aufzugreifen und genau darin die Bestätigung der messianischen Bedeutung der kosmischen Vernunft Gottes in Menschengestalt zu bewahrheiten, im historischen Bild die menschlich vernünftige Ausdrucksweise zu sehen? Müsste es nicht die Aufgabe ernsthafter neutestamentlicher Suche sein, den Geist zu ergründen, der zu einem echt neuen Bund führte, statt nur alte Mythen, Texte, Gestalten aufzudecken, die zu dem führten, was wir im Neuen Testament angeblich nur als Verherrlichung eines Menschen oder neuer Mythenbildung lesen? Warum können wir nicht die in der Antike als Logos/Weisheit/Weltvernunft neu erfahrene konkrete kosmische Wirk-lichkeit Gottes in menschlicher Gestalt als den geschichtlicher Grund des Neuen Testamentes und somit wahren König der Juden wie der gesamten neue Welt prüfen und neu bewahrheiten?
2. Warum darf ein Neuverständnis nicht sein?
Mir ist klar, dass es jemand wie Ihnen, der die ganze Kritik an der Echtheit der Evangelienaussagen oder den schwindelerregenden Diskussionen um die wahren Autoren der neutestamentlichen Texte hinter sich hat, sie von einem Menschen mit Namen Jesus und gleichzeitig einem gesetzten Gottessohn ausgehend längst in seine Lehre einarbeitete, völlig absurd erscheinen muss, wenn jetzt ein blutiger Laie sich eine angeblich neue konstruktive Form von Radikal(Wurzel)kritik anmaßt. Letztlich wird so doch das gesamte heutige Weltbild der Theologie, alle davon ausgehenden Lehren und Beurteilungen in Frage gestellt. Und doch will ich nochmals versuchen zu begründen, warum ich denke, dass gerade jetzt die Zeit reif ist, den Grund des Evangeliums nicht weiter zu verniedlichen oder als ewiges Geheimnis anzuschauen, sondern aus einer neuen historischen Perspektive aufgeklärt zu verstehen, so dem christlichen Glauben völlig neue Perspektiven zu geben.
-Was spricht dagegen, auf neue Weise das heute vorhandene Wissen um die geistigen Hintergründe des historischen Geschehens konsequent umzusetzen, so zu völlig neuen Schlüssen zu kommen, die biblischen Bedeutungsinhalte vom lebendigen Schöpfungswort als Geschichtswesen ausgehend als geschichtlich zu belegen, statt sie immer weiter abzubauen?
-Hat die heutige Theologie die Sache so weit abgeschrieben und hält alle Rede vom Gottessohn nur noch für eine fromme Predigt, dass jeder Versuch, die dahinter stehende Vernunft nachzuweisen, als völlig absurde private Spielerei abgetan wird?
-Wieso muss die neue Sichtweise der Weltvernunft als Sohn und Wort Gottes eine rein persönliche Sache sein, darf dieser nur im Buch nachgelesen und gepredigt werden. Warum darf ein kollektiver, aufgeklärter Verstand dessen, über den ständig geredet wird und von dem nach allen theologischen Deutungen das Heil ausging, im vernünftigen Denkens nicht sein?
-Was ist bei der heutigen Hypothese von einem kaum mehr ernst genommen Heilsprediger an Offenbarungsfunktion noch zu verlieren? Und was könnten wir durch einen offiziell anerkannten Neuverstand einer kosmische Wirk-lichkeit des Gotteswortes/-Sohnes gewinnen?
-Warum darf jetzt nicht der Wendepunkt sein, wo alle bisherige Kritik nicht nur beendet wird, sondern die kosmische Realität des Gottessohn auch in der Vielzahl altmythisch-heidnischer Gestalten, die in das Neuverständnis einflossen sichtbar gemacht und somit die historische Bedeutung der Persönlichkeit mit Namen Jesus als Wandel vom Mythos zum Logos deutlich wird.
Ihre Ausführungen zur Apokalypse in Neustadt-Hambach sind der aktuelle Anlass, Ihnen die beigefügten Kar- bzw. Ostergedanken zu überlassen. Auch wenn dort in Briefen an Ihren Schüler Dr. Markus Sasse die heutige Hypothese der neutestamentlichen Hochschullehre als „Mörder Jesus“ nachgespiegelt und in „Wahn oder Wirk-lichkeit“ (an Sie gerichtet) die Inkonsequenz der heutigen Lehre angeprangert wird, so bitte ich dies nicht als Anschuldigung, sondern als laienhaften Versuch eines Anstoßes zu sehen. Nachdem ich aufgrund des bei Ihnen, Ihren Schülern und Kollegen erfahrenen exegetischen und historischen Wissens völlig sicher bin, dass alle Verfasser der uns bekannten neutestamentlichen Texte von einem ganz anderen historischen Wesen ausgingen als wir heute (und genau dieser wieder kollektiv zu sehen wäre), kann ich oft meine Verzweiflung nicht unterdrücken.
Mir ist bewusst, dass es eigentlich ein Unding ist, einer Wissenschaft, die bisher immer nur von einem charismatischen Wanderprediger als Geschichtswesen und einem daneben gestellten Gottesbild aufgrund alter Texte alles gelesen und gelehrt hat, beweisen zu wollen, dass es im Neuen Testament um die Weltvernunft bzw. das Schöpfungswort als historisches Wesen geht. Doch hoffe ich, gerade bei Ihnen etwas Gehör dafür zu finden, das im hellenistisch beeinflussten Judentum neu wahrgenommenen Schöpfungswort und ein gleichzeitig allegorisches Neuverständnis der alten Glaubenstexte als ewigen Sohn Gottes sowie dessen gleichzeitig allegorisches Neuverständnis in den alten Glaubenstexten, an den Anfang neutestamentlich fundierter Ahnenforschung zu stellen. Denn von nichts anderem als genau dem Gottessohn, den wir m.E. im heutigen wissenschaftlichen Weltbild kollektiv glaubwürdig machen können, lese und höre ich bei Ihnen. In all Ihren Büchern beschreiben Sie immer ganz genau die Bedeutung dessen, von dem ich denke, dass er nicht nur hier auf der Erde lebt und wirkt, sondern wir ihn mit wachem Verstand wahrnehmen können. Und letztlich lassen auch viele von Ihnen veröffentlichen Aussagen, ob über den Geist, der in im hellenisierten Judentum von Qumran zu einem neuen Bund führte oder in Hinblick auf das Johannesevangelium m.E. keinen anderen Schluss zu, als dass die gesamten Apostel und apolostolischen Väter keinen Wanderguru verherrlicht haben. Der Grund eines erneuerten Glaubens kann nach allem was wir wissen auch kein philosophisch-gnostisches Konstrukt menschlichen Geistes gewesen sein, wie von der Kritik oft angenommen. Vielmehr müssen wir bei objektiver Betrachtung davon ausgehen, dass das schöpferische Wort bzw. die Weltvernunft, die bereits Thema der vielfältig vorhergegangen Mythen und altmetaphysischer Texte war, neu verstanden und in eindeutiger menschlicher Gestalt begreifbar und verstehbar gemacht wurde.
3. Das Ende des alten Gottesverständnises ruft nach dem Neuverstand
Bei Ihrer Darstellung der apokalyptischen Texten ist mir klar geworden, dass der Wesenskern dessen, was die Apokalyptik ausmacht (m.E. gleichzeitig die Logik allen sich kreativ weiterentwickelnden freien menschlichen Geistes), möglicherweise in der Leidens- und Ostergeschichte, Tod und Auferstehung Jesus, als reales Geschichtsereignis bildhaft beschrieben ist, begreifbar gemacht wurde. Erst das bittere Ende, die Apokalypse, macht einen Anfang möglich, führt zur neuen Offenbarung. Das scheint auch für die Offenbarung des Schöpfers, den Weg der ewigen Evolution der kollektiven Gotteserkenntnis zu gelten. Nach meiner Historiensicht handelt somit weder nur um eine alttestamentlich oder heidnisch angereicherte Story von der Hinrichtung eines unbequemen Heilspredigers, der so zum Offenbarer wurde, noch ein Geisteskonstrukt, sondern einen allegorischen Tatsachenbericht. Doch kein der Obrigkeit unbequemer Guru, sondern der Gottessohn – die irdisch-menschlich Präsenz des Schöpfervaters - hat dabei die historische Hauptrolle. Auch heute befürchte ich, dass der Tod Gottes bzw. seiner irdischen Präsenz von einer gutgemeinten Gesetzlichkeit verursacht wurde. Doch so wie der damalige Tod einem neuen Leben vorausgeht, so denke ich allen Ernstes, dass heute für seine Wiederkehr die Voraussetzungen vorhanden sind.
Auch Ihre „Kargedanken“ beim ökumenischen Bildungszentrum in Mannheim und Ihre Beurteilung „Warum musste Jesus sterben“, im Heinrich Pech Haus Ludwigshafen, die u.A. Anregung für die beigefügten Überlegungen und Klagen waren, machen mich sicher: Im historischen Ostergeschehen ging es um mehr als nur die Hinrichtung eines rebellischen Heilspredigers, wie heute im Passionsfilm bebildert und auch von Ihnen anschließend diskutiert wurde. Und genau das Schöpfungswort bzw. der Gottessohn, der damals als menschliches Wesen bekannt gemacht wurde, kann heute mit wachem Verstand in der Wirklichkeit des kosmischen Geschehens wieder kollektiv wahrgenommen werden.
Aufgrund dessen was wir heute wissen bin ich gewiss: Wenn wir begreifen wollen was wirklich geschah, nicht nur ein literarisches Produkt frommer Phantasie ist oder aus alten Kulturen übernommen bzw. im Sinne populistischer Propaganda verwendete Apologetik, müssen wir über den vermenschlichten und somit total verkürzenden Jesus hinaus ein historisches Wesen hinterfragen, das auch in allen vormaligen Traditionen eine konkrete kosmische Funktion hatte. Den beschriebenen neuen Bund kann weder die Erleuchtung eines Guru bewirkt haben, noch lässt er sich allein in jüdischen Überlieferungen, griechischer Philosophie bzw. hellenistischen Vorstellungen begründen. Was in alten Vorstellungen die Funktion vielzähliger Göttergestalten hatte, kann unmöglich nur auf einen Menschen übertragen worden sein. Vielmehr können wir erkennen, wie das, was auch bereits für die Hebräer eine bestimmende kosmische Vernunft war, im Weltbild der Zeitenwende neu als Wort Gottes verstanden wurde. Gerade weil wir die Hintergründe zur Entstehung der frohen Botschaft und des Kanon kennen, können wir doch nicht weiter davon ausgehen, dass nur ein jüdischer Sonderprophet als Gottessohn gesehen wurde. Allein schon die Analyse der theologischen Diskussionen über die verschiedenen Erkenntniswege der urchristlichen Bewegungen, die heute in der Briefliteratur bzw. deren Entstehung nachgelesen wird und bei der es um genau das Wesen geht, das m.E. nicht nur Johannes, sondern auch die anderen Evangelisten in der einfachen Gestalt beschreiben, macht es unmöglich, an der bisherigen Hypothese festzuhalten. Was hat die antike Diskussion der verschiedenen, im kosmischen Geschehen begründeter Welt- und Gottesbilder, die als wahrhaftes, erneuertes Judentum im Urchristentum miteinander gerungen haben, mit den Ansichten eines jüdischen Sonderpropheten zu tun? Was bleibt noch, wenn weiterhin alles Hoheitliche als aufgesetzt aussortiert oder als Mythos ins Hinterzimmer des Unverstandes gesperrt wird?
Wenn bei der heutigen Historienlehre und der dadurch herausgeforderten Diskussion um die biblischen Wahrheit nur noch „Jesus lebt“ auf Spruchbänder geschrieben wird, sich Christen auf weitgehend persönliche Glaubensbilder und Gottessohnsvorstellungen, davon im Grunde unabhängige, rein menschliche Lehren zurückziehen und andere sich aus der Kirchenlehre ausklinken, alles für absurd halten bzw. als Aberglaube abtun, ist das allzu verständlich. Doch damit kann ich mich nicht mehr nur still beobachtend zufrieden geben. Denn die Predigt von Jesus Christus ist kein leerer Mythos, sondern hat einen konkreten neu wahrnehmbaren Logos. Aufgrund meines wenigen Wissens um die christliche Geistesgeschichte bin ich gewiss, dass wir den Sohn Gottes anknüpfend an die neu zu entdeckende historische Gestalt aufgeklärt in der Wirk-lichkeit der konstruktiven Kreativität des gesamten kosmischen Geschehens verstehen können. Doch hierzu wäre fundiertes neutestamentliches Wissen und unvoreingenommenes, autorisiertes Nachdenken gefragt.
Gegen die Geschichts-Hypothese des Schöpfungswortes in Menschengestalt, den uns ans Herz gewachsenen und uns bewegenden menschlichen Heiland will ich nichts einwenden. Im Gegenteil. Doch wenn die heutige Verflachung unsers Glaubensgrundes zu einem einfachen Gutmenschen und einem daneben stehenden persönlichen Gottes- bzw. Christusbild nicht nur das Forschen und Denken nach einem im damaligen Weltbild wiederverstandenen schöpferischen Wort verhindert, sondern den Glauben unglaubwürdig macht und unsere Kinder von einem mündigen Glauben abhält, dann müssen die Glaubensbegründungen mit konkreten Inhalten einer kosmischen Wirk-lichkeit gefüllt werden. Je mehr ich mich mit dem antiken Judentum, der Urchristenheit und der Kirchengeschichte bzw. deren Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Kaiser- und sonstigen Kulten sowie christlicher Irrweg beschäftige, desto besser wird mir verständlich, dass nur genau diese Form von Bildern, Bekenntnissen, biblischem Kanon oder bischöflicher Monarchie der notwendige, damals vernünftige Weg war. Nur er führte anknüpfend an vormalige Vorstellungen zu einem gemeinsamen vernünftigen Glauben, bewahrte ihn vor Verfall. Wenn aber heute diese Bilder die uns von Gott verliehene, wie seine im gesamten Weltall ständig wirksame schöpferische Vernunft aussperren und zu Aberglaube und Abfall führen, dann muss es im Sinne des alle geistige Evolution bewirkenden Schöpfers sein, die Bilder auf neue Weise einem wachen Verstand zuzuführen.
Nichts anderes möchte ich erreichen, als dass wenigstens ein exegetisch und geschichtlich befähigter Neutestamentler bereit wäre, neben der Hypothese eines verherrlichten historischen Heilspredigers und eines persönlich bleibenden Gottessohnes, der meist nur als Glaubensgeheimnis gesetzt und in altübernommenen Vorstellungen begründet wird, nach einem konkreten Wesen fragt und forscht, das damals in der kosmischen Wirk-lichkeit des antiken Weltbildes wahrgenommen wurde. Nur so sind glaubwürdige Zeugen für den m.E. auch heute lebendigen Sohn Gottes als geschichtliche Gestalt zu finden. Von einem neuen geistesgeschichtlich fundierten christlichen Selbstverständnis – zumindest einer autorisierten neuen Nachfrage nach den Wurzeln - hoffe ich, dass der Weg frei wird, heute aufgeklärt das schöpferische Wort als lebendige Offenbarung in allem Werden wahrzunehmen. Nur die biblischen Texte können hierzu Anleitung sein und gleichzeitig auch wieder glaubens-würdig werden.
Wenn bereits in Proseminaren die künftigen Pfarrer die neutestamentlichen Geschichten nur als fromme Phantasien und literarische Produkte persönlicher Vorstellungen und alter heidnisch oder hebräischer Predigten verstehen lernen, die einem charismatischen Lehrer aufgebunden wurden, wie sollen sie da heute modernen Menschen die Bedeutungsinhalte der Geschichtsgestalt Jesus und des neutestamentlichen Heilsgeschehens vermitteln können? Kann bei dem, was heute herauskommt, die alles heutige theologische Denken und Forschen bestimmende Prämisse über des historischen Heiland ein Tabuthema bleiben?
4. Fachwissen ist gefragt, nach der Wahrheit des Wortes zu fragen?
Die Frage nach einer schöpferischen Vernunft in Menschengestalt als historischem Wesen, wie als im heutigen naturwissenschaftlichen Weltbild hörbaren Wort, ist zu wichtig, sie nur Dilettanten und Phantasten zu überlassen. Neutestamentliche Theologen sind gefragt, die Geschichte Jesus von Nazareth, seine jungfräuliche Geburt, seine Herkunft, sein Heilswirken, seine Worte und Leidensgeschichte, Prozess, Tod, Auferstehung, Himmelfahrt und Wiederkunft von einem damals echt lebendigen hoheitlichen Wesen aus fachgerecht zu übersetzen. Die Echtheit aller in den biblischen Texten genannten Autoren wäre durch ein allegorisches Verständnis zu belegen, statt sie nur anzuzweifeln oder abzustreiten. Statt nur nach der Hoheitlichkeit eines menschlichen Offenbarer zu fragen, die dann in alten Vorstellungen gesucht wird, wäre der Grund der menschlichen Gestaltwerdung des echt lebendigen hoheitlichen Wesen deutlich zu machen. Auch Bedeutungsinhalte der Briefliteratur oder die gesamten Weisheitsliteratur und gnostischen Texte können so nur durch Experten neu erschlossen werden. Deren Fachwissen wäre einzusetzen, um auch die Propheten, Psalmen, Apokalyptik nach dem schöpferischen Wort zu untersuchen. Erst wenn wir von einer konkreten kosmischen Person ausgehen, können wir auch die verschiedenen Begrifflichkeiten auf einen Nenner bringen, begreifen warum bei Philos angeblich nur platonisch geprägten Gottessohn im Grunde der gleiche lebendig ist, wie bei den Evangelien, auch wenn er bei Philo noch keine menschliche Gestalt hat und somit m.E. noch keine messianische Wirkung. Auch warum bereits die Psalmen von Jesus ausgehen oder die Propheten nach ihm verlangen und ihn voraussagen, kann nur von der kosmischen Realität des Gottessohnes als präexistentes Schöpfungswort aus gesehen werden, nicht von einem vergötterten geschichtlichen Guru.
Auch wenn die Radikalkritik der Aufklärungszeit, die bis zur Leugnung einer historischen Person mit Namen Jesus ging, weitgehend links liegen gelassen wird, so bestimmt das dort begonnene Denken im Grunde das heutige theologische Weltbild. Längst wird die gesamte kanonische Briefliteratur als vom historischen Jesus weitgehend unabhängiges Konstrukt gesehen und die Hoheitlichkeit Jesus zurückgenommen oder als unerklärlicher Mythos gesetzt. Dabei wird weiterhin alle Hoheitlichkeit, die man als Geisteskonstrukt der Frühkirche denkt, als eigentlicher Bedeutungsinhalt gelehrt, jedoch als kirchliches Dogma hochgehalten. Auch wenn dann dargestellt wird, dass alle Evangelien nicht als einfaches Geschichtsgeschehen, sondern vom Auferstanden aus gelesen werden müssen, wird sonderbarer Weise getan, wie wenn es bei dem, was gleichzeitig täglich als theologischer Inhalt meist in alten Texten begründet wird, um die simple Story von einem besonders begabten Gutmenschen ginge. Die Dogmen bleiben so reines Papier, dessen Predigten nur noch Gutgläubige und eiserne Traditionalisten wirklich ernst nehmen.
Wer einen einfachen Menschen an den Anfang stellt, der muss zwangsläufig denken, dass diesem einige alten Legenden aufgebunden wurden. Wo nur ein verherrlichter Religionsrebell mit Sondererfahrungen war, wird über das Grundlegende der hebräischen oder heidnischen Texte, die schon am Beginn der Aufklärung als Vorlage für die gesamten evangelisch-apostolischen Botschaft sahen, nicht weiter nachgedacht. Auch wenn das nicht mehr im Stile der Radikalkritiker geschieht, die meist nur die hellenistischen Göttergestalten in der Geschichtsgestalt Jesus abgebildet sahen, so hält man doch auch in der offiziellen Theologie die Gottessohnssehren meist für Frühkirchenkonstrukte. Egal ob man heidnische oder altjüdische Gestalten neben das eigentliche Wesen eines historischen Heilspredigers stellt und so dessen Messianität als literarisches Werke darstellt, wird die Realität des Gottessohnes geleugnet. Dabei könnte heute gerade im Rückgriff auf die alten Göttergestalten die damals wahrgenommene kosmische Realität des Gottessohnes im gegenwärtigen Weltbild nachgewiesen werden.
Während zur Zeit der radikalkritisierenden Freidenker der frühen Aufklärung der Kosmos leer war, an einen Logos nicht zu denken, währe heute die Zeit reif, die Kritik ins Gegenteil zu verwandeln. Gerade dort, wo bisher Aussagen über Adonis, Osiris, Poseidon, Herakles, Pan oder Dionysos als Grund für neutestamentliche Darstellungen herangezogen und damit der geschichtliche, ebenso wie die hoheitliche Jesus geleugnet wurde, wäre vom neu erkannten und in eindeutiger Menschenform ausgedrückten Logos allen natürlichen Werdens aus das historisch-hoheitliche Wesen nachzuzeichnen. Doch das Christentum hat nach dieser Denkweise weder einfach fremde Gottheiten nachgestellt, noch verdrängend ausgehebelt, wie heute oft gelehrt wird. Was an Stelle der vielzähligen Göttersöhne gesetzt wurde war kein verherrlichter Mensch und kein neuer Mythos, sondern der einheitlich verstandene echte Sohn des einen Schöpfergottes, der ganz selbstverständlich eine kosmische Realität hatte und eine menschliche Gestalt benötigte, um erkannt bzw. anerkannt zu werden.
Auch die alttestamentlichen Texte, die heute in Bezug zum zweiten Teil der Bibel meist nur wie geistiger Diebstahl bzw. Schmücken mit alten Federn gedeutet werden, können von einem neuen Standpunkt als Belege für die Bedeutung des historischen und hoheitlichen Jesus als Christus verstanden werden. Weder der Gottesknecht der Jesaja, noch alte Vegetationsgottheiten müssen dann für die Verherrlichung eines jungen Juden herhalten, dem jede Menge Psalmtexte in den Mund gelegt wurden. Vielmehr lässt sich vom Logos aus verstehen, warum in Jesus der Sohn des unsichtbaren Gottes lebendig war und nicht nur Vegetationsgottheiten nachgestellt wurden. Wie bei Jesaja, den Psalmen oder pantheistischen Göttergestalten, so war es mit Sicherheit die Anerkennung der bereits in der mystisch-metaphysischen oder weisheitlichen Tradition wahrgenommen Schöpfungs-wirklickeit und die sinnvolle Anknüpfung, die dazu geführt hat, dass die alten Texte aufgegriffen und das schöpferische Gesetz erfüllt – der schöpferische Logos gelebt - wurde.
Gerade wo Kritiker nachweisen wollen, dass Jesus nur eine Mischung aus dem stoisch-philosophischen Gottessohnsbegriff des alexandrinischen Denkens mit römischen Kult- oder Kaiservorstellungen war, wäre die kosmische Realität der hoheitlichen Gestalten der alten Denkschulen neu hervorzuheben. Nur so lässt sich begreifen, warum Jesus keine frühe Abbildung antiker Menschlichkeit oder eines frommen Selbstverständnisses war, inneren Vorstellungen über ein Ideal entsprungen ist, für die alte Texte aufgewärmt wurden, wie bisher oft angenommen, sondern sich in ihm und seinen Aussagen die schöpferische Sinngebung und menschliche Bestimmung, der Logos allen Lebens verdeutlicht. Doch all das wäre Aufgabe einer fundierten neutestamentlichen Forschung, die sich vom neuen Standpunkt aus nicht nur auf das literarische Drehen und Wenden eigener Texte oder das Graben nach Knochen eines hingerichteten Besserwissers im Sand von Palästina beschränken braucht, sondern vielmehr die Bedeutung des Logos im gesamten Denken der Antike und den altjüdischen Gottesvorstellungen und Lehren, somit den damals gesehenen Grund des auch heute lebendigen Gottessohnes nachweisen kann.
Auch die Bedeutung der verschiedenen geistigen Bewegungen, ob hebräischen Vorstellungen, griechischer Philosophie, Götterkult oder jüdischer Weisheit sind von der Perspektive einer präexistenten schöpferischen Präsenz aus völlig neu zu beurteilen und die jüdische wie christliche Apologetik vom Vorwurf der propagandistischen Fälschung zu befreien. Erst so kann m.E. klar werden, warum der Logos/Gottessohn in menschlicher Gestalt der wahre Messias der Juden und Heilsbringer für die gesamte damalige Welt war und weder nur ein paulinisches, philosophisches, gnostisches oder aufgesetztes Kirchenkonstrukt. Nur das lebendige höhere Wesen in der uns bekannten Gestalt konnte die verschiedenen Weltbilder versöhnen und so auch das damalige Denken mit dem Schöpfer-Vater. Ein Glaube aufgrund des schöpferischen Wortes, in den bisher nur die Juden hineingeboren wurden, brauchte genau diese Gestalt, um von Juden, Hellenisten und Barbaren verstanden zu werden. Dies kann aus einer neuen Sicht des historischen Wesens belegt, das hoheitliche und menschliche Wesen Jesus so neu zur konkreten Gestalt werden. (So wie das globalisierte abstakte antike Weltbild ein gemeinsames Bild von der offenbarenden Präsenz eines unsichtbar bleibenden Schöpfers brauchte, so scheint auch heute die Zeit für ein grenzüberschreitendes Bewusstsein der schöpferischen Wirk-lichkeit im Rahmen des natürlichen und rund um den Globus geltenden Weltbildes reif. Doch diese kann nur durch fundierte neutestamentliche Forschung, ein Nachdenken über die Wurzeln und somit eine neues christliches Selbstbewusstsein angestoßen werden.)
5. Anerkennung von biblischen Aussagen statt Abbau
Die heutige historisch-kritische Forschung läuft, wenn auch auf höhere Ebene, die Fußspuren der radikalen Abrisskritik nach. Bedeutungsinhalte wie in Geschichten beschriebene Begebenheiten werden nach und nach aufgegeben, statt sie auf das lebendige Schöpfungswort in Menschengestalt zu beziehen. Wenn beim derzeitig Verständnis des historischen Wesen die Geschichtserkenntnisse konsequent und kritisch umgesetzt werden, bleibt nur noch ein überlieferter Glaube und ein undefinierbarer wirrer Geist am Anfang übrig. Alle geschichtliche Wahrheit ist getilgt und nichts mehr hat Bestand. Dabei scheint mir dieser Abbau gleichzeitig der Weg zu sein, der zu einem Neuverständnis führt und zwingt. Das heutige Wissen um die geistesgeschichtlichen Hintergründe kann uns doch der Schöpfer nicht gegeben haben, dass wir nur versuchen einzelne Teile als wirklich geschichtlich herauszubrechen. Was wir dann als Mythos bewahren wollen, wird von der modernen Welt längst nur als Beweis für die Bedeutungslosigkeit gebraucht. Jede Berufung auf die biblische Wahrheit oder Wirkungsgeschichte hat sich so selbst erledigt. Was nutzt es, in Hochschulen und Seminaren nur das Wissen anzuhäufen? Was bringt all das Wissen um biblische Aussagen, wenn diese eh kaum einer noch ernst nimmt? Und was soll alle Erkenntnis um den großen Geist der Antike, der eine wahre Explosion an Literatur hervorbrachte, deren Bedeutungsinhalte wir heute hochwissenschaftlich beurteilen und sagen, dass er noch längst noch nicht völlig erschlossen sei, wenn wir weiterhin nur von einem Guru reden, der um den See Genezareth gezogen sei und zum Gottessohn gemacht wurde? Wäre es nicht konsequent und im Sinne des Creators aller Genesis, das gesamte Wissen kreativ zu nutzen, zumindest einen Versuch für ein Neuverständnis des Schöpfungswortes zu machen, um den Menschen einen zeitgemäßen Glauben zu ermöglichen?
Auch wenn ich nur ein einfacher Laie bin, dem sein weniges Wissen um die Bedeutung biblischer Texte und das geschichtliche Geschehen in jedem Vortrag von Ihnen oder Ihren Kollegen immer wieder bewusst wird, so masse ich mir an, nicht nur einer persönlichen Spiritualitätsvorstellung aufzusitzen, sondern aus all dem was ich höre und lese auf das in der Antike verstande Wort als heute wieder aufgeklärt verständliche Vernunft des natürlichen Werdens schließen zu können. Ob dieses präexistente Wesen dabei schöpferische Weisheit, Weltvernunft, Wort bzw. Logos genannt wird, ist eigentlich sekundär. Im ersten Schritt wäre es m.E. wichtig, den konkreten kosmischen Bezug des himmlischen Gottessohnes und historischen Geschichtswesens wiederzufinden. Denn hier sehe ich die Voraussetzung für einen Wiederverstand des Schöpfungswortes/sohnes, der heute durch das neue naturwissenschaftliche Weltbild nicht mehr verbaut ist.
Mir ist durchaus bewusst, dass ich dabei im krassen Gegensatz zur gesamten heutigen Hypothese vom historischen Jesus stehe, wie sie von allen Hochschullehrern vertreten, inzwischen auch schon von deren erbitternsten Kritikern als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Doch auch meine jüngste Auseinandersetzung mit dem antiken jüdischen Denken, wie es z.B. in den von Ihnen übersetzten Psalmen von Qumran zum Ausdruck kommt, oder mit den apostolischen Vätern und christlichen Apologeten, die gerade das menschliche Wesen Jesus oder seine jungfräuliche Geburt verteidigen, lassen m.E. keinen anderen Schluss zu, als dass diese in einem grenzüberschreitenden, unvoreingenommenen Denken ein von Gott selbst gegebenes Wort gehört bzw. einen vom Schöpfer gezeugten Sohn in der kosmischen Wirklichkeit gesehen haben und nicht das, was heute als eigentliches Geschichtswesen vor unseren Augen steht.
Wer erkennen muss, wie schwer es heute ist, von festgefahrenen Vorstellungen wegzukommen und das ursprüngliche und ewige Wort des Schöpfers im natürlichen Geschehen wie in Geschichte selbst wieder wahrzunehmen, der kann nachvollziehen, warum Mutter Kirche unvoreingenommen sein musste bzw. von ihr ewige Jungfräulichkeit erwartet wurde. Wenn ich die Denker am Beginn unseres Glaubens ernst nehme, in ihnen nicht nur Propagandisten sehe, die einem Guru eine Jungfräulichkeit angehängt haben, dann muss ich davon ausgehen, dass das schöpferische Wort der Grund ihrer historisch-theologischen Diskussionen war und nicht ein charismatischer Wanderguru, den sie mit alten Phrasen verherrlichen wollten.
Doch bedeutet die heutige Hervorhebung des kosmischen Wesens bzw. schöpferischen Wortes keineswegs, dass sich die Menschheit 2000 Jahren geirrt hätte. Vielmehr bestätigt sich die Weisheit unserer Kirchenväter, die durch die uns bekannte Gestalt und den biblischen Kanon den Glauben vermittelbar gemacht und vor Verflüchtigung bewahrt haben. Wenn heute die Chance besteht, die alten Bilder in neuer Beziehung zum antiken Bewusstsein zu setzen, statt seit Beginn der Aufklärung immer nur Abbau zu betreiben, dann scheint das im Sinne des Schöpfers bzw. seines den ewigen Wandel in aller Natur bewirkenden Wortes zu sein.
Was seit David Friedrich Straus vom Leben Jesus gedacht wurde, bestimmt im Grunde das heutige theologische Weltbild, das so die historische Wirklichkeit immer weiter reduziert. Doch immer wird nur von einem jungen Juden ausgegangen, auf den man alle Überlegungen bezieht. Die holländische Radikalkritik der frühen Aufklärung konnte so auf der Suche nach menschlichen Heilswesen nur zu einer totalen Verneinung der historischen Wahrheit und der angegebenen Verfasser führen. Selbst wo bisher vereinzelt von Freidenkern der Vorkriegszeit der historische Jesus in Frage gestellte oder bei der Suche nach den wahren Verfassern der Texte die Inhalte in den Vordergrund gestellt wurden, konnte nur inhaltlicher Abbau betrieben werden. Ohne ein neues theologisches Paradigma begründen zu können, das auf eine konkrete kosmische Realität des hoheitlichen Wesens baut, bleibt alles nur leere Propaganda. Auch die bultmannsche Entmythologisierung ist so selbst zum Mythos geworden, ohne die Bedeutung der Mythen begreifbar, den Glauben begründbar zu machen. Die Folgen können wir heute beobachten, wo auch Sie zwar einerseits die Einheit des historischen mit dem hoheitlichen Jesus betonen, jedoch von einem einfachen historischen Menschen ausgehend, den Gottessohn in einen mythologischen Schutzraum vor der Vernunft verbannen müssen. Über diesen ist dann mit anderen Wissenschaften nicht zu sprechen. Er ist nur noch zu predigen, bleibt – auch wenn seine Verschiedenheit vom Vater ständig betont wird - eine Art Miniaturausgabe Gottes, rein persönlichen Anschauungen biblischer Texte vorbehalten. Eine echte „Offen“-„barung“ für die heutige Welt kann davon dann nicht ausgehen, auch wenn ständig vom Licht der Welt durch das Evangelium gesprochen wird.
Mein ständige Rede vom Gottessohn oder Logos allen Lebens muss so auch von Ihren Schülern als eine rein persönliche Inspiration abgetan werden, über die man sich allenfalls „bei einem Bier“ unterhalten kann. Wo das Schöpfungswort kein theologisches Thema ist, muss jeder Zweifel an einem einfachen Menschen, den man zum Messias machte, als Angriff auf den geschichtlichen Gründer und letzten noch verbleibenden historischen Grund gesehen werden. Selbst für Teilnehmer biblischer Themenabende, die sich mit der Kirchengeschichte beschäftigen, in der m.E. mehr als deutlich wird, dass es unseren Vordenkern weder um die Ansichten eines jungen Juden und seiner Anhänger, noch eigene Kunstprodukte gegangen sein kann, bleibt jeder Zweifel an dem bisher als unumstößlich gelehrten Bild völlig absurd und muss von der heutigen Historienlehre ausgehend, als endgültiger Abriss des Neuen Testamentes befürchtet werden. Gleichwohl das genaue Gegenteil erreicht werden könnte, die Geschichtswahrheit der Evangelien, das historische und hoheitliche Wesen, wie die Bedeutungsinhalte m.E. nur so zu bewahrheiten sind. Denn alles, was ich bisher bei Ihren Schülern erlebe, bleibt ohne des präexistente Wesen des Neuen Testamentes ein exegetischer Nihilismus. Wenn auch auf hoher theologischer Ebene werden bisherige Wahrheiten verneint oder allein auf alter Texte, Titel, Kultpraktiken zurückgeführt. Auch wenn man weder Bultmann, noch offiziell Ihrem „besonderen“ Freund Prof. Gerd Lüdemann folgt, der die Auferstehung Jesus abstreitet, werden bei reiner Schriftlehre immer nur Glaubenswahrheiten zurückgenommen. So verhindert die Sicht des historischen Geschehens der heutigen Theologie nicht nur den notwendigen Fortschritt, sondern verneint sich selbst, führt immer weiter zum Abbau der geschichtlichen Wahrheit des Neuen wie des Alten Testamentes.
Bei der Suche nach rein menschlichen Autor-itäten, statt durch das jeweils im kosmischen Geschehen verstandene Schöpfungswort und der so autorisierend Inhalte der Traditonstexte, müssen wir zu Schüssen kommen, die zum endgültigen Schluss führen. Die Geschichte des schöpferischen Wortes, die Autor-ität des Schöpfers, der ständig durch sein alle Natur wie Geschichte bestimmendes schöpferisches Wort spricht und vor 2000 Jahren von einer Vielzahl neujüdischer Weisheitslehrer verstanden sowie in menschlicher Gestalt messianische Wirkung erzielte, bleibt weitgehend unberücksichtigt, kann so auch im modernen Weltbild nicht vorkommen.
Wer sich dann gar über eine kausale Vernunft allen kreativen Werdens, die von einem physikalisch angenommenen Urknall bis zu den psychologischen Vorgängen in unserem Kopf in aller Evolution gerade in modernen ganzheitlichen naturwissenschaftlichen Weltbilder wieder sichtbar wird, als Gotteswort/Sohn nachdenken will, kann beim heutigen Bild der Hochschultheologie nicht für voll genommen werden. Ohne den m.E. wissenschaftlich nachweisbaren Bezug zur historischen Heilsgestalt des Neuen Testamentes schließt sich eine kollektiv-mündige Sicht der kosmischen Realität des Gotteswirkens, seine weltliche Präsenz im sichtbaren Werden aus. Erst die Neuerkenntnis des biblisch belegten Geschichtswesen kann zu einer mündigen Wahrnehmung des schöpferischen Wortes in allem natürlich-kausalen Wirken des kosmischen Werdens führen, das dort keinesfalls eine Selbstverständlichkeit ist. Noch weniger kann bei heutiger Betrachtung im natürlichen Geschehen eine Sinngebung erkannt werden. Denn welche Probleme es bereitet, den Logos zu bestimmen, wusste bereits Heraklit zu berichten. Nicht nur in den Dialogen Sokrates, sondern in der gesamten griechischen Philosophie lässt sich das Problem mit der Wahrnehmung eines Logos und dessen Umsetzung in menschliche Bestimmung nachvollziehen. Was den Hebräern in ähnlicher Weise als Wort des einen Schöpfers scheinbar eine Selbstverständlichkeit war und von dem die konkrete Gesetzgebung ausging, scheint im antiken Denken in neue Weise als schöpferisch bestimmend erfahren worden zu sein.
Ich erwarte nicht, dass nach einer christlichen Neubestimmung der Wurzeln jeder Naturwissenschaftler sein Wissen ab sofort als Wort Gottes versteht, Ökologen nur noch von schöpferischer Bestimmung im biologischen Bauplan reden. Doch könnte nicht selbst dort, wo die neuzeitliche Wahrnehmung des Gottessohnes/Wortes verweigert wird, man weiterhin von völlig unbeseelter Materie und blindem Zufall der Selbstorganisation oder nur bösartiger Biologie ausgeht, der christliche Glaube durch die neue Sicht an Bedeutung gewinnen? Was ist glaubwürdiger und bedeutungsvoller: ein antiker Guru mit geisterhaft-himmlischen Eingebungen (gar von „Nahtodeserwartungen“ wird offiziell gesprochen), ihm aufgesetzte mythologische Glaubenskonstrukte oder die damals in kosmischer Realität der natürlichen Ordnung wahrgenommene menschliche Bestimmung in menschlicher Gestalt?
Kann das, was im Ostertitel des Spiegel als Ergebnis der neutestamentlichen Forschung gespiegelt wurde, die Menschen zum Glauben führen? Müssen nicht vielmehr gerade aufgrund der anschließenden Leserbriefe guter Christen, die sich dann empören und auf den Glauben außerhalb jeglicher Vernunft, aufgrund nicht nachvollziehbarer geisterhaft-wundersamen Geschehnisse berufen, jene in ihrem (Anti)Glauben bestätigt sehen, für die die christliche Gotteswahrnehmung eine völlig irrationale Angelegenheit ist? (Kaum mehr als der Kult um das runde Leder, nur noch weit irrationaler: fortschrittsverhindernd und kriegstreibend.) Und wie kann es bei diesem die Vernunft verleugnenden Selbstverständnis des Glaubens möglich sein, im wissenschaftlich nachgewiesenen natürlichen Werden, echt himmlischer Ordnung, das schöpferische Wort wahrzunehmen? Muss nicht so unseren Kindern die christliche Lehre als inhaltslose Predigt erscheinen, allenfalls Placebo zur persönlichen Befriedigung, das in keiner Weise wissenschaftlich zu begründen ist?
6. Ein Neuverstand setzt die Aufgabe heutiger Hypothesen voraus (Erfahrungsbericht)
Und genau hier liegt der Vorteil eines Laien: Mir hatte kein theologischer Lehrer gesagt, dass die Tür zur Vernunft zu sei, ich im natürlichen Werden nicht suchen und sehen darf, das Wort des Schöpfers nur im Buch zu lesen ist und alle frühchristliche Rede vom Logos nur eine Lehre aus propagandistischen Zwecken. Für jeden Theologen scheint es längst klar, dass der Kosmos spätestens seit Kant leer ist bzw. schöpferische Wirk-lichkeit im konkreten natürlichen Geschehen nicht mehr wahrgenommen werden kann. Auch was vereinzelt als Schöpfungs-Spiritualität oder Prozesstheologie betrieben wird, hat nach heutiger Lehre mit dem präexistenten Offenbarungswesen des christlichen Glaubens nichts zu tun, führt zu Sondertheorien, die kaum mehr Beachtung finden können, wie Teilhard de Chardins leider rein mythologisch-metaphysisch bleibender kosmischer Christus. Als ich vor Jahren entdeckte, dass es mehr nur als Zweifel über das gab, was ich als Kind für die Geschichte des historischen Jesus hielt, fand ich die Freiheit zur Suche. Während mir die Kirchenlehrer beibrachten, dass der Gottessohn nur ein aus alten Kulten übernommener Titel ist, fand ich bei neuzeitlichen Kosmologen naturwissenschaftliche Begründungen für ein hoheitliches Wesen, das mir Philo und die biblischen und insbesondere außerkanonischen Texte als Sohn Gottes vorstellten und das ich längst auch als Grund der Evangelien vermutete. In der Gestalt des Jesus von Nazareth, dessen Bedeutung mir die Neutestamentler beibrachten, war dann genau das zu erkennen, was dem griechischen Denken als Weltverstand bzw. Logos und dem hebräischen Monotheismus als alles hervorbringendes Wort Gottes erklärte. Wenn dann Neutestamentler argumentierten, dass man die ganze Geschichten Jesus vom Wieder- bzw. Auferstandenen aus lesen muss, konnte ich dieser Logik nur zustimmen.
Was Johannes als Licht der Welt, Wahrheit, Wort, Weg oder Liebe aufzeigte, war für mich, der ich noch nicht wusste, dass man den Lieblingsjünger Jesus angeblich nicht ernst nehmen darf, weil er möglicherweise nur ein später Gnostiker, kein Geschichtsschreiber sei, als eine kosmische Realität selbstverständlich. Und je mehr ich die Hintergründe des Geschichtsgeschehen kennen lernte, desto mehr gewann die Gestalt des Johannes einen geschichtlichen Grund. Warum von Gottes Liebe wirklich alle Genesis ausgeht, versuchte ich von einem Weltbild aus zu bewahrheiten, das alles geistige und kosmische Werden auf ewige schöpferische Synthesen zurückführte. Auch was mir in östlichen Kosmologien als Grund aller Genesis erklärt und ich in neuzeitlich-ganzheitlichen naturwissenschaftlichen Theorie nachlas, war so Werk der Liebe Gottes, seines ewigen Logos zu verstehen. Während mir verschiedene Interpreten immerzu beibringen wollten, dass es bei der biblischen Liebe nicht um den schöpferischen Eros der Griechen, sondern nur eine Art moderne Gefühlhaltung geht, war mir klar, dass der gesamte Kosmos und all unser Geist aus der Liebe Gottes hervorgeht. So war mir denkend deutlich, dass genau aus dem alles erwächst, ob in menschlichen Beziehungen, dem gesellschaftlichen Gelingen, wie aller Genesis, was Johannes Gottes Wort und Liebe nannte. In der „geistigen Liebe“, dem Vereinen von Vorstellungen, die auf den ersten Blick völlig verschieden sind, zu einer neuen Erkenntnis - heute würden wir von Kreativität sprechen - sah ich ab sofort eine schöpferische Aufgabe, die ich an den Anfang all meiner Überlegungen stellte. Warum dann die uns präsente, offenbarte Liebe als ewiger Sohn Gottes in der Kreativität des menschlichen Kopfes, wie des gesamten Kosmos sichtbar ist, war so logisch zu verstehen. Auch warum nicht nur das Schöpfungswort Gottes an den Anfang gehört, sondern Johannes keine später Dichtung ist, die philosophisch-gnostisch aufgesetzt wurde, war so selbstverständlich.
In den naturphilosophischen und sokratisch-platonischen anschließenden Lehren, auf die sich moderne Wissenschaftler gerne berufen, fand ich genau das begründet, was ich als ewiges und vor 2000 Jahren wiederverstandenes Wort Gottes sah. Auch die Probleme, die zur Zeitenwende eine allzu philosophisch und abstrakte Darstellung des Gotteswortes oder vom alten jüdischen Gesetz unabhängige Lehren mit sich brachten, ließ sich im bis ins neuzeitliche Gottesverständnis nachvollziehen. Gerade in moderner unwirksam bleibender Gnosis, weitgehend geheim und unverstandenen sowie sich schnell wieder verflüchtigenden Lehren wurde mir deutlich, wie notwendig die Anknüpfung und Beibehaltung der alten Bilder ist. Seit ich entdeckte, dass für alle frühchristlichen Lehrer, ob sie der Gnosis oder deren Gegnern zugerechnet werden, das Schöpfungswort als konkretes Wesen das Bestimmende war, konnte ich nicht mehr begreifen, wieso hinter dem menschlichen Jesus dieser Sohn Gottes nicht zu verstehen sein sollte. Während mir die schöpferische Vernunft als Logos oder Sohn Gottes aufgrund der antiken Deutung inzwischen in allen modernen wissenschaftlichen Weltbeschreibungen bzw. Evolutionslehren, ebenso wie beispielsweise der Anthropologie begegnete, wo ich immer nur die schöpferische Logik am Werk sah, sollte der Logos nach meinen kirchlichen Lehrern – gleichwohl sie alle neutestamentlichen Bedeutungsinhalte auf ihn bezogen - nur eine Lehre sein.
Selbst bei dafür mit Nobelpreisen belohnten Biologen, die das Böse oder den Genegoismus als Antrieb allen evolutionären Werdens begründen wollten, sah ich letztlich nur den Nachweis, wie alles im Sinne/Logos des Schöpfers der Genesis war, jedes Wesen auf artgerechte Weise im schöpferischen Sinne waltete, oder dies mit den ihm gegebenen Gaben tun sollte. Während meine noch im alten materialistisch und darwinistischen Weltbild gefangenen theologischen Lehrer jede natürliche Sinngebung und somit den Logos als Kunstprodukt, altphilosophische Einfärbung des christlichen Glaubens ablehnen mussten, wuchs bei mir die Klarheit – gerade auch aufgrund exegetischer Einsicht und der Beschäftigung mit frühen christlichen Denkern - dass nur davon auszugehen war.
Unbeirrt von all meinen Lehrern das schöpferischen Wort als Sohn und somit auch ihm nachgesagte exegetische Bedeutungsinhalte wahrnehmend, fand ich bei Ihnen und Ihren Kollegen immer nur Zeugnisse von genau diesem hoheitlichen Wesen. Was man mir gleichzeitig immer wieder als Glaubenslehre, altabgeschrieben, ungeschichtliches Konstrukt beibringen wollte, war so als geschichtliche Wahrheit eines konkreten Wesens zu verstehen. Selbst im fernöstlichen Tao oder archaischen Anschauungen sah ich dann die kosmische Realität des Gottessohnes wesentlich deutlicher begründet, als meiner Heimatreligion. Auch aufgrund der Grundregeln der Esoterik und wieder modern werdender ganzheitlicher Lehrern, die sicher zurecht auf alterfahrene Gesetzlichkeiten aller Genesis bauen - wo ich das Wort Gottes am Werks sah - wuchs bei mir die Gewissheit vom Gottessohn. Und wenn neue naturwissenschaftliche Lehren aufgrund ihrer Erkenntnisse in Quantenmechanik oder Mikrobiologie und mathematischer Astronomie vom Logos und einer kosmischen Weisheit des Weltall schwärmten, sie in modernen Chaostheorien verdeutlichen, war mir aufgrund des antiken Weltbildes der christlichen Lehre klar, dass hier der Vater durch seinen Sohn am Werk war: Ich war somit nicht nur ein Kind des Kosmos oder von Mutter Erde, wie man mir im Rückgriff auf antikes Denken in neuer naturwissenschaftlicher Begründung nachwies, sondern hatte aus genau diesem Grund auch einen Vater.
Doch diese Gewissheit wäre nicht, wenn nicht das Neue Testament bzw. die altkirchliche Lehre dafür die Grundlage und Bestätigung geliefert hätte. Auch in modernen Erkenntnissen zur Naturheilkunde oder Ökologie – die sich immer wieder auf antike Aussagen beriefen - sah ich nur neuzeitliche Belege für das, was in der Urchristenheit bereits als Logos und Gottessohn erkannt wurde und letztlich auch den Lehren der Juden zugrunde liegt. Hildegard von Bingen, bei der die Referenten der katholischen Erwachsenbildung immer nur schwärmten „Hildegard schaaaute“ ließt sich so beispielsweise als eine mystische Hörerin oder Seherin in der Natur von genau dem verstehen, was ich für den Sohn Gottes als universell sichtbar hielt. Gleichwohl Theologen mir immer wieder sagten, dass der Gottessohn nur ein antiker Titel für einen besonders begnadeten Menschen sei, ein unerklärlicher Gottesmythos und das Wort nur im Buch zu lesen, wuchs bei mir eine wache Gewissheit um dessen schöpferische Wirk-lichkeit. Während mir die meisten Lehren beibringen wollten, dass ich nur im Tiefschlaf, in totaler Ausschaltung meines Verstandes, persönlicher Spiritualität, meditativer Versenkung meine Einordnung in den Kosmos und den Sinn meines Seins finden könnte (New Age empfahl gar einen LSD-Trip als Trick, um das Denken zu überwinden), suchte ich in und entsprechend christlicher Theologie wach denkend meine Bestimmung im natürlichen Geschehen des gesamten Kosmos zu verstehen. Und langsam dämmerte mir auch, dass das, was im fernen Osten in tiefer Meditation erfahren und im jüdischen Gesetz gelehrt wurde, von unseren christlichen Vätern im wachen Verstand gedacht, in der Gestalt Jesus vermittelbar gemacht wurde. Und nur im Rückgriff auf den menschlichen Gründer als ewigem Schöpfungswort des gesetzten Gottes können wir scheinbar auch heute wieder im natürlichen Geschehen eine Sinngebung erkennen, in die wir eingebunden sind.
7. Vernünftiges Verhalten setzt vernünftiges Hören voraus
Die Heilsbedeutung und Einzigartigkeit Jesus war und ist aus dieser Sichtweise kein christlicher Alleinseligmachungsanspruch, den ein Anhänger eines jungen Juden seinem Guru aufgebunden hat. Was Johannes über Jesus sagt ist ebenso wie dessen Lehre zur Selbst- und Nächstenliebe oder der notwendig Anbetung eine Logik, die sich vom Logos des Schöpfervaters aus nachvollziehen lässt. So bin ich gewiss, dass uns weder fromme Lehren weiterbringen, noch allein menschliches Hoffnungsdenken oder das Wissen um die Probleme der Welt, wenn die Wahrnehmung des Schöpfungswortes fehlt. Nur mit wachem Blick auf die im gesamten Kosmos wirksame Vernunft/Wort Gottes kann sich der Mensch von morgen seiner schöpferischen Verant-wortung bewusst werden, wird er sich schöpferisch vernünftig verhalten. Alle Forderungen nach einer aufgeklärten gemeinsamen schöpferischen Lebensweise – von humanistischen Hoffnungen, bis zu ökologischen Forderungen – sind als aufgesetzte Ideologien wirkungslos, führten nur zu Unfreiheit und Belastung, modern-pharisäerhafter Gesetzlichkeit. Was die französische Revolution erreichen wollte und in den Parolen forderte, die Philosophen der Aufklärung versuchten politisch zu verwirklichen, scheint ohne eine schöpferische Bestimmung ebenso eine pharisäerhafte Forderung, wie der Ruf nach einem nur religiös aufgesetzten Weltethos, der sich nicht im lebendigen Wort begründen lässt.
In einem neuen christlichen Sohns- bzw. Selbstverständnis sehe ich die Voraussetzung, sich für die bereits in der Antike erkannte schöpferischen Vernunft als präexistentes Wort im Kollektiv zu begeistern. Kein Glaube aus Zwang, weil’s geschrieben steht, immer so war, zum persönlichen Seelenfrieden, um für nach dem Tod vorzusorgen oder als modernes Mittel zum Zweck. Vielmehr scheint die jeweils kulturgerechte Wahrnehmung der schöpferischen Vernunft für menschliche Wesen die Voraussetzung zur begeisterten Befolgung der schöpferischen Bestimmung: Das Bild des menschlichen Nazareners vor Augen „Jesus geh voran...“ singen, damit unsere aufgeklärte Vernunft folgen kann.
Darüber nachdenkend, wie wir als menschliche Wesen auf die Erkenntnis und Wahrnehmung des Schöpfungswortes im jeweiligen kulturellen Kontext angewiesen sind, um uns schöpferisch-vernünftig zu verhalten, Zukunft in Gesellschaft zu gestalten, lässt sich auch verstehen, welcher Fortschritt der christliche Glaube damals für die Griechen gewesen sein muss. Durch das lebendige Wort, nicht durch einen wundersamen Menschen, wurden griechische Denker zum jüdischen Monotheismus bekehrt. Hier fanden sie das verwirklicht, was Glaubensformen aufgrund alter Mythen und abstrakter Metaphysik nicht leisten konnten. Weder frommen Eingebungen und die schlauen Sprüche eines jungen Juden, noch seiner Anhänger können Grund für die Mission sein, die vom historischen Jesus ausging. Wer aufgefordert hat, alle Welt zu seinen Jüngern zu machen kann nach allem was wir wissen kein anmaßender Heilsprediger gewesen sein, sondern das lebendige Schöpfungswort Gottes in menschlicher Gestalt.
Auch die Logik der gesamten Glaubenriten und religiösen Praktiken sind von einer neuen Perspektive aus zu verstehen. Und je besser uns die Theologen die geistigen Hintergründe erklären, gleichzeitig die Psychologen oder Anthropologen den Sinn von Riten Feiern und Singen nachweisen oder Rhetoriker sagen, warum wir besonders Texte mündlich rezitieren und einüben müssen, desto mehr erkennen wir den Sinn des gesamten Kultes oder warum wir laut sprechend zu Gott beten müssen. Es war die schöpferische Vernunft in menschlicher Person, die im Neuen Testament sprach. Was Radikalkritiker am Beginn der Aufklärung als Grund der Ablehnung eines historischen Jesus nachweisen wollten, heute als Grund dafür gesehen wird, die Gottessohnslehre als Kirchenkonstrukt beiseite zu schieben, ist als Beweis für ein geschichtliches Geschehens zu sehen, bei dem es um weit mehr ging, als nur um die Verherrlichung eines umherziehenden Gurus und aufgewärmter alttestamentlicher Lehren. Während die Aufklärungskritiker bereits Philo oder Seneca & Co. als die eigentlichen Väter des Gottessohnes verdeutlichen wollten und uns auch die heutige Theologie beibringen will, dass die philosophische oder weisheitliche Einfärbung nur als populistisch-propagandistischer Zweck zu verstehen sei, ist in der Vielzahl von jüdischen Bewegungen der Diaspora, ebenso wie in den philosophischen Schulen ein neues Verständnis des schöpferischen Wortes nachzuvollziehen, das in der Person des geschichtlichen Jesus mündete.
Je mehr uns Ihre Kollegen und Schüler beibringen oder wir auch in Ihren vielen Büchern lernen, um was es im Christentum wirklich geht, desto deutlicher fügt sich ein Gesamtbild, in dem sich die biblischen Geschichtserfahrungen und Bedeutungsinhalte belegen und moderne Welterfahrung einbringen lassen. So kann klar werden, dass es weniger darauf ankommt, die schöpferische Weisheit als Gestalt (wie neuerdings z.B. nach der griechischen Erdgöttin Gaia) zu beschreiben oder neue naturwissenschaftliche Theorie des Alles zu konstruieren. Wir brauchen nicht noch mehr Theorientürme, sondern müssen neue kreative Konsequenzen im christlichen Selbstverständnis ziehen. Nur so ist hinter allem konkreten kausalen Geschehen - im materiellen wie geistesgeschichtlichen Kosmos - eine schöpferische Vernunft wahrzunehmen, die auf den Schöpfervater der Väter verweist. Diese Vernunft ist zwar im Wechsel der Jahreszeit oder dem Neuaufblühen der Natur zu erfahren und hat im täglichen Aufgang der Sonne ihren sinnlichsten Ausdruck, drückt sich letztlich jedoch in allen empirischen wissenschaftlichen Betrachtungen aus. Ohne allerdings dort weiter beachtet zu werden ist das, was einst als Weisheit oder Wort bezeichnet wurde, inzwischen zur Selbstverständlichkeit eines aufgeklärten Weltbildes geworden, das alle vernünftige „Selbst“organisation voraussetzt. Es bedarf keiner persönlichen Spiritualität in Form einer besonderen Frömmigkeit, sondern eines neuen christlichen Selbstbewusstseins, damit wir vor lauter Bäumen den Wald wieder sehen, im Wissen der Welt das Wort wieder verstehen. In Biologie, insbes. Ökologie, Astronomie oder Geologie wie aller Evolution wird heute genau das für selbstverständlich gehalten, was im antiken Denken als Wort verstanden, als Sohn Gottes gesehen wurde. Während heute dem Glauben verhaftete Denker nach wie vor davon ausgehen, Gott außerhalb der Vernunft suchen zu müssen, lieber das wissenschaftliche Weltbild selbst anzweifeln, als hier nach Zeugen des Schöpfungswortes zu fragen, so ist durch ein neues christliches Verständnis in der unser gesamtes Denken bestimmenden Logik allen Lebens das Schöpferische Wort wahrnehmbar.
Während die Neutestamentler nach den sozipsychologischen Knochen eines Wanderprediger graben und alte Texte drehen und wenden (uns dabei als scheinbares Nebenprodukt immer nur das kosmische Wesen verdeutlichen, z.B. in Bezug zu Petrus, der damals in Cäsarea angesichts pankreationistischer Göttergestalten, bekehrt wurde), ist uns ganz unbemerkt ein wissenschaftliches Weltbild gewachsen, das über die Dinge hinaus auf eine übergeordnete Bestimmung in allen natürlichen Prozessen des biologischen Ausgleiches und der Auslese schließen lässt. Nur durch den fundierten Rückgriff auf den Grund christlicher Religion kann aus modernen monistisch oder pankreationistischen Vorstellungen das Verständnis des Vater entstehen. Bei ganzheitlichen Betrachtungen wird im gesamten Kosmos eine kreative Konstruktivität nachgewiesen, die nichts anderes als eine über undenkbare zeitliche wie räumliche Ausdehnungen erstreckte Vernunft verdeutlicht. Doch solange die neutestamentliche Lehre ihre Wurzeln in der kosmischen Wirk-lichkeit verleugnet, noch nicht einmal bereit ist, Ihre Hypothese von einem zum Logos Gottes erhobenen Heilsprediger in Zweifel zu ziehen, kann kein ernstzunehmender Naturwissenschaftler über diesen Logos als Gottessohn nachdenken. Selbst jemand wie der alternative Nobelpreisträger Hans-Peter Dürr, der durch seine auch für Laien verständliche Darstellung eines weit über einen zufälligen Materialismus hinausgehendes naturwissenschaftlichen Weltbildes von einem konstruktiven, kreativen Kosmos das lebendige Wort Gottes ganz konkret vor Augen führt, kann beim Kirchentag dann seinen Glauben nur aus einer inneren Spiritualität begründen. In dem, was er in populärwissenschaftlichen Fernsehsendungen demonstriert, die Weltvernunft bzw. den Sohn Gottes als wahrhaften Offenbarer nachzuweisen, schließt sich im heutigen theologischen Weltbild aus. Das lebendige Wort Gottes wird ausgesperrt oder verleugnet. Menschliche Rhetorik mag zum Glaube bewegen, wie wir es derzeit gerade in Amerika erleben, wo der Glaube wieder hoch im Kurs steht. Doch ist das, was wir heute nicht nur amerikanischen Sonntagspredigten, sondern auch bei uns erleben wirklich der Glaube, von dem gesprochen wird, der auf das lebendige Wort gründete, auf das die griechisch sprechend und denkenden Juden vor 2000 Jahren hofften? Sind wir nicht gerade im Hinblick darauf, was heute oft gutgemeint als christlicher Glaube über die Menschheit ausgeschüttet wird, auf ein neues Verständnis unserer Wurzeln angewiesen?
Erst eine fachautorisierte neue Begründung, zumindest ein Fragen nach der kosmischen Realität, die der urchristlichen Gnosis zugrunde lag und nach Johannes Fleisch wurde, auch bei den anderen Evangelisten Gestalt erhielt, könnte zu einer neuen Sicht unserer Wurzeln und in Folge der Natur führen. Nur so ist hier eine offenbarende Sinngebung nachzuweisen, die der mit Geist und Gefühl begabte Mensch art-ig/gerecht, menschlich umsetzen muss. Über das nachzuweisende Gedächtnis der Natur als Sohn Gottes nachzudenken oder im „wissenden Kosmos“ das schöpferische Wort versteht zu wollen, kann nach offizieller Lehre heute nicht vorkommen. Es bleibt eine Spielerei persönlichen Glaubens, privater Spiritualität, völlig bedeutungslose. Ohne die Logik der alten Lehren und den Fortschritt zu verstehen, der sich durch die monotheistische Weiterführung (z.B. der griechisch-philosophischen Welterkenntnis in der Gestalt des menschlichen Gottessohnes) ergab, hier anknüpfend auch die heute wahrgenommene Weltvernunft als schöpferisches Wesen zu verstehen, werden bei aller Rede vom Gottessohn und Logos nur fromme Phrasen persönlicher Sichtweisen verstanden.
Im Vordergrund meiner Betrachtung stehen daher keine Theorien über kosmische Wesenheiten, sondern eine nachweisbare Vernunft allen Werdens in der Geschichtsgestalt Jesus, die auf den Schöpfer verweist, so zu einem vernunft-/logosbegründeten Glauben und einer dem lebendigen Wort entsprechenden Lebensweise führt. Dabei erscheint es notwendig, die alten Bilder in neuem Bewusstsein als begründend beizubehalten. Wenn ich weiterhin von dieser inzwischen weitgehend als selbstverständlich anerkannten Software aller Natur wie von einem Wesen, meist als Wort/Logos rede, dann geht es um die Anknüpfung an das antik-philosophische wie urchristliche Denken, in dem diese Weisheit als Jesus lebendig war. Auch die Weitsicht, mit der z.B. Origenes oder Justin argumentieren, warum die Lehre vom Logos Gottes anknüpfend an alte Vorstellungen nicht nur philosophisch abstrakt bleiben kann oder gesetzlich vorgegeben, lässt mich von der Vernunft allen Werdens als einer konkreten kosmischen wie menschlichen Person reden, die nach wie vor nicht durch theoretische Metaphysik-Modelle zu ersetzen ist. Letztlich liegt es für jemand, der sich beruflich seit 30 Jahren mit Kommunikation beschäftigt, Inhalte und Botschaften täglich in Bilder umsetzt auf der Hand, warum nur so reden und zu verstehen ist, warum wir Metaphern in menschlicher Form brauchen. Doch entsprechend der hebräischen Weisheit lässt sich nicht der Creator/Erzeuger selbst in der Welt als Mensch sehen, sondern nur sein weltlich schöpferisches Wesen bzw. das von ihm ausgehende Wort verstehen. Alles was wir als Offenbarung wahrnehmen können scheint nur das Wort/die Information oder Software zu sein, die im Wirk-prozess des Werdens sichtbar ist. Wie vor 2000 Jahren diese schöpferische Wirk-lichkeit in Menschengestalt die Weltbilder versöhnte, so scheint heute nur eine Neubesinnung auf die neutestamentlichen Wurzeln die Weltbilder versöhnen zu können. Solange jedoch nach neutestamentlicher Lehre nur ein menschlicher Lehrer das historische Offenbarungswesen sein darf, bleiben die alten Bilder im Grunde bedeutungslos, können sie nicht zum neuen Sehen eines schöpferischen Logos in der natürlichen Evolution anleiten.
Vom zur Zeitenwende neu erfahrenen lebendigen Wort ausgehend, das in Weiterführung der alten Mythen, abstrakten Philosophien oder pantheistischen Vorstellung aufbauend auf die jüdische Tradition in menschlicher Gestalt Präsent von Gottes-Wirklichkeit für die Welt war, kann nachgewiesen werden, was über den historischen Jesus als Christus gesagt wurde. Und warum heute die Zeit reif ist, diesen in einer neuen Wende wieder wahrzunehmen, wurde mir bei Ihren Ausführungen über die Apokalypsen erneut bewusst.
8. Aufklärung als Auftrag zum neuen Verständnis des Gotteswortes verstehen
Durch die Aufklärung hat uns der Schöpfer mit Sicherheit nicht beauftragt ihn abzuschaffen oder nur fromme Sonntagsreden zu halten, sondern befähigt seinen Sohn neu an den Anfang zu stellen. Doch solange wir nicht bereit sind, die heutige Lehre in Frage zu stellen, scheint kein Forschritt. Selbst junge Theologen, die die frühkirchliche Entwicklung und vielfältigen Auseinandersetzungen um die wahre Natur/Logik Jesus in ihren Dissertationen tiefschürfend beleuchten, somit in ihren Betrachtungen das hoheitlich-historische Wesen beweisen, bleiben im Bild des einfachen jungen Juden gefangen, suchen so nur nach Gründen für dessen Verherrlichung, statt Wegweiser zu einer neuen Diskussion um das Wahre Wesen des historischen Wortes und seine heutige Vermittlung zu sein. Was soll alles Wissen um die Weisheit der christlichen Gnosis, die Bedeutung von Gestalten wie Marcion für unseren Kanon und die ganze Diskussion der Frühkirche, wenn wir das alles als aufgesetzt oder ewiges Geheimnis betrachten? Wenn das konkrete kosmische Wesen nicht vorkommt, wird alles zum Kirchkonstrukt, immer weiter verkürzt und bei kritischer Betrachtung als fromme Rede ganz abgelehnt: pure Rhetorik frommer Predigt. (Bei uns kaum besser wie in amerikanischen Evangelistationsgottesdiensten.) Während Biochemiker, die in ihren Bestsellern ein schöpferisches Universum beschreiben nach Südindien pilgern müssen, um bei einem Jesuitenpater über wissenschaftliche Spiritualität nachzudenken, somit jedoch ebenso wenig über einen modernen Monismus oder Pankreationismus hinauskommen wie Prozesstheologen, lese ich in Ihren Büchern nur von genau diesem Wort als christlichen Glaubensgrund: Erneuerung des alten vorgesetzten Monotheismus.
Es geht nicht darum, nur einzelne antike Autoren, Aussagen oder davon abgeleitete Bedeutungsinhalte aufzugreifen. Letztlich weisen alle Erkenntnisse, die wir über das Denken am Anfang des christlichen Glaubens gewinnen m.E. den Weg zu einem Verständnis des lebendigen schöpferischen Wortes und könnten nur so auch heute einen neuen Weg zeigen. Doch eine ernstzunehmende Analyse des antiken Denkens, die von einem lebendigen Schöpfungswort als Grund eines neuen Glaubens ausgeht, kann nur von Neutestamentlern angestoßen werden, die dazu das Wissen haben. In all den vielen Büchern und Vorträgen, die ich in den letzten Jahren besuchte, habe ich noch nicht ein Argument gehört, das gegen eine neue Sichtweise unserer geistigen Wurzeln sprechen würde. Vielmehr wir immer nur die Geschichtlichkeit der alten Aussagen abgestritten oder der Verfall von Werten beklagt.
Doch muss das heute vielbeklagte Ende nicht sein, um zu einem Neuanfang zu kommen? Zeigt nicht gerade die Apokalyptik den Weg nach oben? Zwingt nicht das gerade von Ihnen ständig bemängelte christliche Weltbild, der Verfall der Geschichts- sowie Glaubenswahrheiten und in Folge der Werte, zu einem Wandel? Lässt nicht gerade Ihr Bild vom Nusshörnchen deutlich werden, dass wir entsprechend der apkalyptischen Offenbarer nach einem hoheitlichen Christus Ausschau halten müssen, der weder nur Mensch war, noch mit dem Vater bzw. Schöpfer gleichzusetzen ist? Liegt das am Anfang und Ende der bei Nusshörnchen so wesentlichen Ecke z.B. nur in einer alten Zahlenmetaphysik, wie sie die wissenschaftlich gebildeten Teilnehmer von Apokalypitkseminaren verzweifelt versuchen nachzustellen? Oder ist in der wissenschaftlich nachweisbaren mathematischen Ordnung des unendlichen Universums, wie sie beispielsweise in Chaostheorien oder anderen ganzheitlichen Beschreibungen des Werdens zum Ausdruck kommt, letztlich in jedem Neuerblühen der Natur sichtbar wird, das ursprünglich erkannte Christuswesen auf aufgeklärte Weise wiederzuerkennen? Warum beschäftigen wir uns mit der Apokalyptik, ohne mit mündigen Augen nach dem Sohn der Sonne als dem ewig offenbarenden Sohn Gottes zu sehen?
-Können wir einfach in der neutestamentlichen Betrachtung weitermachen wie wenn nichts wäre, wenn das herauskommt was Sie ständig bemängeln und nur zur frommen Predigtforderung und dem zu beobachtenden weltweitem Aberglaube führt?
-Musste der gesamte Verlauf des menschlichen Geistes, wie der beklagte Abbau von Glaubenswahrheiten nicht sein, um zu zeitgemäßer Offenbarung zu kommen?
-Führt uns nicht auch der Kampf der Kulturen, blutige Wirtschafts- und Dogmenkriege einer angeblich aufgeklärten Welt das Ende eines Weltbildes vor Augen, das notwendigerweise einem Neubeginn vorausgehen muss?
-War das Thema der biblischen Apokalyptiker nur ein politischer oder ein geistiger Neubeginn? Und wäre dann nicht auch heute ein neuer Geist des Glauben gefragt, um den Glaubensterror und ökonomisch-ökologische Misswirtschaft zu überwinden?
-Zeigt nicht auch die heutige Globalisierung den Weg zu einem globalen Gottesverständnis, das alte Grenzen überwinden muss und sich nicht nur in der Forderung nach einem aufgesetzten Weltethos erschöpfen kann?
-Hilft nur eine fromme Predigt oder wäre auf mündige Weise das Wesen wahrzunehmen, das wie Sie sagten, bereits von den Ägyptern noch als Sohn der Sonne gesehen wurde und eine Erneuerung des antiken Judentum bewirkte?
-Zeigen sich nicht gerade im heutigen Welt- und Gottesbild, sowie der von Ihnen analysierten Herzkrankheit der Theologie die genannten Wehen, die der Geburt eines Neuen Gottesverständnisses, dem neuen Ausdruck des für die Welt verständlichen Gottessohnes vorausgehen?
-Wenn nach der Apokalyptik „das Böse klein gemacht und das Gut schön gemacht wird“, ist darunter nur ein Anstrich und die predigende Aufforderung zur Besserung an die Welt zu verstehen oder ging es den damaligen Denkern um den Wandel des Welt- und Gottesbildes, der erst eine Besserung der Lebensweise bewirken sollte?
-Hilft uns die gutgemeinte fromme Predigt oder Forderungen der Ökologen eine unseren Globus aus dem schöpferischen Gleichgewicht bringende menschliche Gier zu überwinden, die nachweislich gar zu einer konkrete kosmischen Katastrophe führt? Oder wäre hierzu ein neuer Geist not-wendig, der auch im globalen Gleichgewicht des Kosmos wie des eigenen Körpers das schöpferische Wort versteht, dem er verant-wort-lich ist?
-Können die heute durch abergläubische Glaubensbilder hervorgerufenen Kriege, das gar gottbegründete Blutvergießen und die Brutalität durch den Verweis auf biblische Wahrheiten bzw. den Koran überwunden werden? Oder zeigt sich im Geschichtsverlauf die neuen Notwendigkeit einer universalen Wahrnehmung des gemeinsamen Gotteswortes?
-Werden die Menschen durch die Bewahrung alter Mythen zu einer gemeinsamen wahrhaft globalen Ökonomie befähigt? Oder hilft uns der Schöpfer, indem er uns seine grenzüberschreitende Vernunft neu zu erkennen gibt, der wir in Begeisterung für seine vernünftige Wirk-lichkeit – neu bewusst denkend und fühlend folgen?
Das alles sind Fragen, die sich mir anlässlich Ihrer Ausführungen zur Apokalypse durch den Kopf gingen und die ich an Sie zurückgeben möchte. Ich denke, dass durch eine neue Sicht des historischen Geschehens auch über manche der Fragen der Teilnehmer nach dem Wer, Wann, Wo und Warum der Apokalypse bzw. neuer Offenbarung oder gar die notwendige Realität des Teufel als gefallenem Gottes- bzw. Himmelbote nachgedacht werden könnte.
Ich bin daher sicher, dass Sie der von Ihnen dargestellten schwangeren Frau, die wie sterbend stöhnend danieder liegt, helfen können, den Sohn für die Welt verständlich auszudrücken. Die christliche Kirche steht vor einer Apokalypse, die nicht das Ende ist, sondern der Neubeginn. Nur Sie könnten dazu beitragen, dass Christen die Gotteswirklichkeit nicht nur im Jenseits suchen, sondern mit neuen Augen in weltlicher Wirk-lichkeit den einst von der Mutterkirche zur Welt gebrachten Gottessohn wieder sehen. Wenn wir über die apokalyptische Offenbarung nicht nur intellektuell schönreden, sondern schöpferische Welterfahrung auf dem Weg einer wachsenden Erkenntnis sehen, müssen wir dann nicht dringend notwendige Konsequenzen aus dem gegenwärtigen Verfall des Glaubens ziehen, zu einem Wandel bereit sein? Eine Neomythologisierung bringt uns scheinbar so wenig weiter, wie fromme Forderungen. Ernsthaft forschende Neutestamentler, die die Bedeutungsinhalte des christlichen Glaubens nicht durch Verniedlichung, sondern deren Bedeutung und gleichzeitig das ewige Schöpfungswort in neuer Weise verständlich machen, sind gefragt.
9. Wiederkehr Jesus: ein neues Verstehen des Gotteswortes in der Gegenwart
Warum kann nicht heute, so wie in Zeiten der Apokalyptiker, durch eine neue Sichtweise des historischen Wesens der Zweifel an der Wahrheit ins Gegenteil gewendet, zur Offenbarung werden? Warum können wir nicht, statt nur davon auszugehen, dass alte Mythen aufgewärmt wurden um einen Glaubensgründern anzureichern, den kosmischen Grund der Gottes-wirklichkeit der alten Aussagen zum Gegenstand der Betrachtung machen, um so über ein in allem logischen Werden wieder zu verstehendes Gotteswort nachdenken zu können?
Die Wiederkunft Jesus wird - um Ihre Aussagen aufzugreifen – weder auf dem Eifelturm, noch dem Reichstag geschehen, sondern nur in der Kirche, die auf ihn gegründet wurde. Nicht Schröders, Bushs, Steubers oder neue naturwissenschaftliche Theoretiker und Philosophen können ihn ans Tageslicht bringen, sondern eine konsequent ihr, wie das Wissen der Welt umsetzende neutestamentliche Theologie. Während heute wie bei den 10 kleinen Negerlein die biblischen Wahrheiten immer weiter abgebaut werden, bin ich gewiss, dass durch ein fachgerechtes Nachdenken über die Wurzeln des Neuen Testamentes die Wahrheit wieder ans Tageslicht kommen kann, wieder 10 daraus werden.
Warum kann nicht eine Fachautoritäten wie Sie wenigstens einen jungen Neutestamentler ermuntern, aus neuer Perspektive nach der antiken Präsenz Gottes in seinem Schöpfungswort zu suchen, statt nur nach einem Prediger, den angeblich nicht Schriftgelehrte und Pharisäer, sondern Pontius Pilatus auf dem Gewissen haben soll?
Glaube braucht Zeit um erwachsen zu werden, das bereitet Schmerzen und Leid, habe ich mir bei Ihren Ausführungen mitgeschrieben. Doch wenn auch nur die geringste Chance bestünde, den christlichen Glauben mündig zu machen, warum kann nicht wenigstens einer von vielen tausend Theologen, die immer nur von einem antiken Guru und einem Gottessohnsgeheimnis ausgehen, von Ihnen angeregt werden, das schöpferische Wort an den Anfang zu stellen?
Sollten meine Denkweisen in die falsche Richtung führen, so würde es mich freuen, von ihnen wenigstens eine ganz kurze Begründung dafür zu hören, damit ich meine Zeit wieder sinnvoll verwenden kann, statt über das Schöpfungswort als Sohn Gottes in menschlicher Gestalt nachzudenken. Vielen Dank.
Mit freundlichen und hochachtungsvollen Grüßen
Gerhard Mentzel
Nachtrag: Durch Jesus bzw. das lebendige Wort wird Gott als Person verstanden
Auch Ihr neues Buch „Ist Gott Person“ belegt Seite für Seite, dass das christliche Wesen weit mehr ist, als die Hypothese der heutigen Hochschullehre in der geschichtlichen Gestalt des Jesus sehen lässt. Bei dem, den die Evangelisten als mehr als Elias bzw. die Wiedergeburt eines Propheten sahen, kann es sich weder um den angeblich historischen, noch den geheimnisvollen Christusgott heutiger Vorstellung gegangen sein. Sie selbst sind es, der immer wieder darauf hinweist, dass das hoheitliche Wesen, der Logos, die Weltvernunft, Weisheit... das Thema der gesamten frühchristlichen Theologie und auch des Evangeliums ist. Ihnen sagen zu wollen, dass im Neuen Testament Gottes schöpferische Kraft, Wort, ewige Weisheit spricht und nicht nur ein Wandercharismatiker mit besonderen Eingebungen oder dessen Anhänger, scheint Wasser in den Rhein zu tragen. Als erfahrener Exeget wissen Sie, dass es den Denkern am Beginn unseres christlichen Glaubens, die sich für das menschliche Wesen dieses Schöpfungswortes stark machten, nicht um einen einfachen Menschen, sondern das Wort in menschlicher Gestalt ging. Gerade Sie machen immer wieder deutlich, dass es in der neutestamentlichen Theologie wie Geschichte um den ging der bereits war, bevor Abraham geboren war und trotzdem nicht mit Gott gleichzusetzen oder zu verwechseln ist.
Auch bringen Sie immer wieder die antiken Probleme mit unbestimmten polytheistischen oder abstrakten philosophischen Vorstellungen zur Sprache, die in Jesus Christus überwunden wurden. Auf fast jeder Seite Ihres Buches finde ich daher eine Bestätigung für eine neue Sichtweise des historischen Jesus Christus als lebendige Vernunft bzw. ganz konkrete kreative Kraft Gottes in Menschengestalt, die auch heute im kosmischen Geschehen wahrzunehmen ist. Erst im biblischen Bild wird aus einer abstrakten Theorie zu ein bedeutungsvolles und wegweisendes Wesen, das als menschlicher Ausdruck des Schöpfervaters anzubeten ist.
Bei der Frage, wie Gott heute aus seiner Anonymität befreit, seine Aufgabe (Rolle) als der eine nachvollziehbare Schöpfer aller Natur, des Welt-alles, wie menschlicher Geschichte bewusst und er somit zur Person wird, komme ich am neu erfahrbaren Schöpfungswort bzw. der Vernunft allen Werdens nicht vorbei. Auch unsere davon abzuleitende menschliche Aufgabe, unser schöpferisches Person sein, scheint mehr als Buchstaben und abstrakte alte Lehren zu benötigen, kann nur auf ganz konkrete natürlich kosmische Erfahrung in der Gegenwart gründen, die über persönliche Frömmigkeit hinausgehen. Erst durch einen von Ihnen anzustoßenden Fortschritt in unserem Jesus Christus Verständnis, kann dies im Kollektiv der christlichen Kirche bewirkt werden. Zumindest ein Hinterfragen der historischen Gestalt als menschgewordenes Gotteswort bzw. Weltvernunft wäre notwendig, um den Weg zu einem neuen christlichen Selbstverständnis frei zu machen, das nicht auf abstrakte Prinzipien gründet oder einen vermenschlichten Gott, sondern durch die menschliche Person des Wortes ein persönliches Verständnis des transzendenten Schöpfers ermöglicht.
Abstrakt und unpersönlich bleibt Gott dort, wo er nicht als konkreter Schöpfer aller Natur wie Geschichte nachvollzogen, sondern nur gesetzt wird. Die besondere Dimension des neutestamentlichen Monotheismus muss daher m.E. in einem Bewusstsein gesucht und sehen werden, das jenseits von gnostischen Konstrukten, abstrakten Philosophien, geheimen Mythen oder autoritären alten Gesetzen im konkreten Geschehen den Logos gesehen und in anknüpfender Erfüllung der alten Gesetzte diesen in einer menschlichen Gestalt zur Welt gebracht hat.
Sie hätten die Gabe und Chance das christliche Wesen, seine Dimension für unser heutiges Denken in neuer Weise zur Sprache zu bringen. Der Logos Gottes im Wissen der Welt wird durch eine neue Sicht des historischen Jesus nicht zur Selbstverständlichkeit. Doch kann hiervon eine neue Diskussion mit der Naturwissenschaft sowie zwischen den Geisteswissenschaften angestoßen werden, die im präexistenten Wort den Sprecher und seinen Willen offenbart.
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