Gerhard Mentzel

Schänzelstrasse 9

 

67377 Gommersheim

 

Tel. 06322 5449                                                                                               19. Februar 2004

 

 

 

 

Prof. Dr. Klaus Berger

Landhausstrasse 9

 

69115 Heidelberg

 

 

 

 

Sehr  geehrter Herr Professor Klaus Berger,

 

Medici – so der beigefügte Essig eines kreativen Winzerfreundes – soll die Kraft der Natur unterstreichen. „Ein hilfreiches Elixier zur Rekonvaleszenz des Willens, des Daseins und der Tatkraft“ – ist im Essighandbuch des Venninger Doktorenhofes nachzulesen.

 

Hinsichtlich des heutigen Durstes nach einer historischen und geistigen Begründung unsers Glaubens halte ich weniger vom Essig, wie er in den von Ihnen übersetzten Psalmen aus Qumran als gefährlich und Unsinn hervorbringend angesehen und auch heute Jesus gereicht wird. Vielmehr möchte ich die Theologie – und insbesondere Sie - zum neuen Suchen nach dem Trank dessen ermuntern, der in der Antike als erneuertes jüdisch-monotheistisches Schöpfungsverständnis (einer erkannten Weisheit allen natürlichen Werdens und präexistentes Wort Gottes) lebendig war. Welche Heilswirkung ich für die heutige Theologie von einem erneuten gemeinsamen, im Verständnis des Schöpfungs- und Schriftwortes geheilten Geist erwarte, für den im Neuen Testament der Wein steht, habe ich versucht, in verschiedenen Texten zu verdeutlichen. Über Dr. Sasse hatte ich Sie bereits um Stellungnahme zu einer neuen Sichtweise des Gottessohnes und gleichzeitig historischen Jesus als das in allem sichtbaren Werden der Welt wahrnehmbare Schöpfungswort – die Weltvernunft in menschlicher Gestalt - gebeten.

 

Wenn jemand die Theologie zum Nachdenken über das Wesen des urchristlichen Glaubens bewegen und dadurch weiterbewegen kann, dann sind Sie es.

 

Ich hoffe, dass Sie sich durch die Texte nicht bedrängt fühlen oder sie übergeschnappt und anmaßend finden. Über eine kurze Beurteilung würde ich mich sehr freuen.

 

Mit großer Hochachtung und herzlichen Grüssen

aus der protestantischen (weil aus neuer Perspektive Wort-gläubigen) Pfalz

 

 

 

 

Gerhard Mentzel     

 

Auch wenn Sie mich für total verrückt halten: Sie hätten die Gabe, aus Heidelberg das theologische „Silicon –Valley“ des dritten Jahrtausend zu machen. Durch unvoreingenommene, aber fachgerechte Fragen jenseits der bisherigen Hypothesen vom historischen Jesus könnte Sie weit mehr in Bewegung setzen, als nur eine digitale Revolution.

 

Ein Hinterfragen des christlichen Wesens durch eine Autorität wie Sie könnte eine interdisziplinäre Suche nach dem heute lebendigen Sohn Gottes anstoßen, die zu völlig neuen Erkenntnissen führen und ein grenzüberschreitendes Verständnis des präexistenten Gotteswortes hervorbringen würde. Eine echte Innovation (und das ganz ohne staatliche Subventionsprogramme) als Erneuerung des christlichen Glaubens jenseits aller oberflächlichen Bemühungen um Ökumene oder Einheit zwischen Juden, Christen oder gar anderen Glaubensrichtungen, könnte durch eine Neubesinnung auf unsere eigentlichen Wurzeln ausgehen. Nicht die Aufgabe theologischer Bedeutungsinhalten ist dabei gefragt, sondern deren Verständnis und logische Bestätigung. Wenn Einheit, die keine Mogelpackung ist, nur von Jesus Christus selbst ausgehen kann, dann gilt es ihn zu suchen und zu sehen: Das Wort Gottes ist dann aufgrund der alten Dogmen in der Gegenwart ohne Dolmetscher zu verstehen.

 

Das Schriftwort allein kann uns keine Wahrheit mehr vermitteln, das zeigt sich selbst im Streit über das Abendmahl und die Einheit der Kirche, bei dem Ihre Kollegen zu ganz anderen Ergebnissen kommen und Sie für Ihre Thesen zur Bewahrung theologischer Inhalte arg gescholten werden. Doch indem Sie den eingeschlagenen Weg konsequent weiterdenken, ohne sich allein auf Mythen zu berufen und Fremdheit bewahren zu wollen, sondern mit der gerade ihnen gegebenen Freiheit und ihrem Fachwissen weiterführende Fragen anstoßen, können Sie auf protestantisch freie Weise „Dominus Jesus“ beweisen, ihn als historischer Messias der Juden deutlich machen, von dem auch heute erlösende Wirkung ausgeht. Was ich von neuen fachgerechten Fragen über das historische und gleichzeitig auch inhaltliche Wesen unseres Glaubens erwarte mag eine Art Apokalypse sein. Doch dahinter steht kein weiterer Untergang der christlichen Theologie, sondern ein neues christliches Weltbild durch eine gegenwärtige Offenbarung des uns bisher rein schriftlich erhalten Gotteswortes in aller Schöpfung wie Geschichte.

 

Die beigefügte Diskette enthält laienhafte Überlegungen zu einer Wahrnehmung der Software allen Werdens als Sohn und Wort Gottes. Weihnachten wird dort als Präsent werden der Gottes-wirk-lichkeit bzw. des Gotteswortes in der denkenden Gegenwart der Welt und damit Versöhnung der Weltbilder als ewige Gnade Gottes aufgezeigt. Wenn es stimmt, dass sich das, was wir im Abendmahl feiern, im Krippengeschehen ausdrückt, dann wurde von Lukas nicht nur der Text des Jesaja abgeschrieben um einem jungen Juden Ansehen zu verleihen, sondern macht die Geschichte ein nachvollziehbares historisches Geschehen sichtbar. Und auch heute hätten Ochsen und Esel eine ganz konkrete Aufgabe: In ihrer Mitte den Christus, das neu verständlich gewordene Schöpferwort als ewiges Präsent Gottes zu erkennen. Ich bin sicher, wenn sich in Heidelberg jenseits bisheriger Hypothesen die gesetzlichen Ochsen und den heidnischen Esel an einem Tisch setzen, um über die verschiedenen Fakultäten hinweg nach dem Wort Gottes zu suchen, kann die Mensa zur Krippe bzw. dem Altartisch eines christlichen Abendmahles werden. Denn dann wird nicht nur rhetorisch verkündet, den Menschen etwas eingeredet, sondern geht von der über die bisherigen Prämissen hinausgehenden Gegenwart des geschichtlichen Jesus von Nazareth ein neuer Verstand des lebendigen Gotteswortes aus.

 

 

 

 

Wäre es nicht inkonsequent, einerseits die Bedeutungsinhalte in den Vordergrund zu stellen und andererseits dann an einer Deutung des historischen Geschehens festzuhalten, die haargenau zu der heute höchst banalen historisch kritischen Verniedlichung und letztlich Verneinung der gesamten christlichen Inhalte führt.

 

In diesem Sinne bin ich gespannt, wie Sie beim bibeltheologischen Studientag in Mannheim Anfang März den Kreuzestod eines jungen Religionsrebellen als Erlösungstat, Vergebung der Sünde... erklären werden. Allein christologische Aussagen sind dabei sicher zu wenig. Denn die nehmen Ihre Kollegen eh nicht mehr ernst, auch wenn sie ihre exegetischen Deutungen damit begründen.

 

Wäre es daher nicht höchste Zeit, die gesamten Bedeutungsinhalte vom lebendigen Schöpfungswort/der in Johannes & Co. menschgewordenen Weltvernunft aus zu lesen?

 

Können wir den stellvertretenden Kreuzestod weiterhin nur in einem Justizskandal begründen und jetzt dem Römer Pilatus in die Schuhe schieben, wie es unlängst ein von mir hochangesehener Neutestamentler bei einer Rezession über ein Passionsbuch in der FAZ tat und damit all die bestätigte, die den  täglichen Unsinn im Namen Gottes als Folge des Glaubens verstehen und ihn daher abschaffen oder ins rein Persönliche verbannen wollen?

 

Liegt nicht dem Kreuzestod eine Theologie zugrunde, die nur von dem in der Antike als lebendiges Wesen wahrgenommene Gotteswort aus begründet werden kann?

 

Gehört der Kreuzweg  zu einem Plan, der die Prädestination des Schöpfers nicht einschränkt, sondern dessen letztlich logische Weltentwicklung erst möglich machte, somit Tod und Auf-  bzw. Wiederverständnis des lebendigen Wortes als Gnadengabe verstehen lässt?

 

War der antike Tod des lebendigen Wortes zwischen Gesetz und kaiserlicher Majestät nicht die Voraussetzung für all das, was sich seit dieser Zeit entwickelt hat und heute zu einem neuen aufgeklärten grenzüberschreitenden Verstand heranreifen kann?

 

Lässt sich die schöpferische Logik des Geschehens nicht bereits in der antiken Menschwerdung nachvollziehen, ohne die das Wort Gottes weder für Juden noch Heiden vermittelbar gewesen wäre?

 

Folgte der Schöpfer im Tod – bzw. der Bewusstlosigkeit - seines Sohnes dem selbstgeschaffenen Logos/seiner schöpferischen Vernunft, damit eine universale, grenzüberschreitende Vermittlung seines Wortes möglich wird?

 

Hat also Jesus wirklich die Sünden der Welt getragen, damit der Wiederverstand des Gottes der Väter und Vaters allen Werden durch einen gemeinsamen Geist, somit eine Umkehr der Maßstäbe möglich ist?

 

Egal welche Fragen wir aufgrund der neutestamentlichen Aussagen auch stellen, eine schlüssige Antwort kann erst gegeben werden, wenn wir nicht nur einen versehentlich oder bösartig verurteilten Guru, sondern nach dem eigentlichen Wesen des historischen und geschichtlich nachweisbaren lebendigen Gottessohn, dem jüdischen Wort Gottes und der griechischen Weltvernunft in Person des Jesus als wirk-lichen Messias der Welt fragen!