Jüdische Apologetik als Ausgangspunkt des christlichen Paradigmas

 

Oder: Warum Jesus wirklich 12 Jünger hatte

 

 (Ein unbeantwoteter Brief an einen jungen Theologen, der mich auf Moritz Friedländer aufmerksam machte. Auch wenn dieser jüdische Religionswissenschaftler in Jesus nur einen aus einer philososophischen Bewegung hervorgegangenn jungen Juden sah, so hat er mir doch durch die Darstellung der jüdischen Apologeteten sowie der geistigen Bewegungen zur Zeit Jesus wertvolle Hinweise geliefert für den neuen Gottesverstand dieser Zeit im gesamten Judentum.)

 

Meine daraus gewonnenen Überlegungen sollen nicht nur das jüdische Volk vom Vorwurf Befreien, Jesus getötet zu haben, sondern gleichzeitig nachweisen:

 

-Warum Jesus kein Gründer einer neuen Religion, sondern der wirkliche König der Juden (des Gesetzesglaubens) ist.

 

-Warum in "P"aulus ein neues, weit über den Gesetzesglaube hinausgehende Bewußtsein des einen Schöpfers von Himmel, Erde und unserer Geschichte lebt.

 

Sehr geehrter Herr Dr. M,

lieber Stefan,

 

vielen Dank für Deinen Hinweis auf Moritz Friedländer. Der jüdische Religionswissenschaftler hat mich nicht nur Philo von Alexandrien aus einer neuen Perspektive - vom jüdischen Standpunkt aus - sehen lassen. Friedländer hat mich auf der Suche nach dem historischen Jesus, der für mich eins ist mit dem jüdischen Messias, ein großes Stück weitergebracht.

 

Durch die Beschreibung der religiösen Bewegungen innerhalb des Judentums zur Zeit Jesus bzw. der jüdischen Apologetik, die bisher fälschlicherweise als pure Propaganda gegen das griechische Denken gesehen wurden, ohne das darin aufkeimende neue Paradigma wahrzunehmen, hat er mir die historisch nachweisbaren Anfänge des christlichen Denkens vor Augen geführt.

 

Der aller Schöpfung zugrunde liegende LOGOS, den bereits Heraklith erkannte und der Platons Theologie und Verhaltenslehre zugrunde lag, hat das Judentum zur Zeitenwende weit mehr als stark bewegt. Aus der Synthese von jüdischem Glaube an den einen transzendeten und trotzdem persönlichen Gott als Schöpfer, wie er vom Gesetz her bekannt war und dem neuen griechischen Denken über das vernünftige Schöpfungsgeschehen, das sich meist in metaphysichen Modellen über das Werden ausdrückte, ist der wahre Messias der Juden hervorgegangen. Im lebendigen Prozeß der Genesis war damals das WORT Gottes begreifbar. Die Apologeten verstanden darunter das gleiche WORT, das den Gesetzes Moses zugrunde liegt.

 

Doch dieses Denken über den lebendigen LOGOS/WORT Gottes als Messias des Gesetzesglaubens bliebe weitgehend unbegründbar, wenn sich der historische Beweis nicht erbringen ließ. Erst im Bezug zur damligen Zeit läßt sich die Bedeutung des LOGOS auch für unsere heutigen Gotteslehre belegen. Wenn ich Paulus als wirklich neues Paradigma begründen will, dann kann ich den Grund nicht in der Lehre der heutigen christlichen Theologie finden oder einer von der Geschichte Jesus losgelösten Philosophie über den schöpferischen LOGOS, sondern im historisch belegten jüdischen Denken, dem damaligen Gottesbewußtsein, seinen Gegnern, Problemen und Hoffnungen.

 

Wäre der historische Jesus nur ein besonderer charismatischer Wanderprediger gewesen, wie er heute an den theologischen Hochschulen gelehrt wird oder eine für den jüdischen Glaube weitgehend unbedeutende Bewegung, die aus apologetischem Denken hervorgegangen ist, so wäre er weder als König der Juden noch als Messias und Bewältiger der damaligen Glaubensprobleme ernst zu nehmen. Auch in dem, was mir moderne Theologen als "Christologie" verkaufen wollen, könnte ich allenfalls ein Phantasiegebilde der Frühkirche zur Verherrlichung ihrers Sektengründers sehen. Mit einem Messias des Judentums hätte dieses Theologiegebilde christlicher Kirchenlehrer nichts zu tun. Erst wenn ich in Jesus die Basis des mosianischen Geistes ebenso wie der griechischen Philosophie und den jüdischen Bewegungen zur Zeitenwende sehe, kann ich begründen, daß er wirklich der christliche Messias ist und warum er der wahre König des damaligen Judentums war. Ein neuer König der Juden, weit über einen Menschen hinausgehend und trotzdem kein Phantasiegebilde einer kirchlichen Predigt.

 

Die Auseinandersetzungen der jüdischen Apologetik mit ihren geistigen Gegnern machen deutlich, was sich auch bei bei den ersten christlichen Kirchenlehrern, Klemens von Alexandrien, Irenäus, Tertullian oder Justin nachlesen läßt: Der schöpferische LOGOS, das lebendige WORT, bedarf einer für das Volk verständlichen Verfassung. Auch wenn die jüdischen Apologeten noch nicht von Jesus und seiner Auferstehung sprechen, machen sie deutlich, warum wir den Wanderprediger Jesus als schöpferischen LOGOS wahrnehmen und weiterhin als menschliche Gestalt anbeten und ansprechen müssen. Die Anfänge christlichen Denkens und ihre spätere Auseinandersetzung mit den vom traditionellen Gottesverständnis losgelösten Kosmologien werden in der jüdischen Apologetik vor Augen geführt. Der Geschichte des neutestamentlichen Jesus liegt das zugrunde, was sich im historisch belegbaren geistigen Prozeß in damliger Zeit wirklich zugetragen hat.

 

Jesus ist wirklich aus der Jungfrau Maria geboren, hat gelebt und gelitten, wurde gekreuzigt, begraben und ist wiederverstanden. Das alles läßt sich im lebendigen LOGOS neu verstehen. Was verspottes und vom Gesetzesglaube angefeindet wurde, war allerdings kein antiker Che Guevarra, sondern das lebendige WORT Gottes, des einzigen Schöpfers. Es ging um eine neue Gotteserfahrung, die sich vom Verstand herleitet bzw. begründen läßt und auf den realten schöpferischen Verstand als dem sich in aller Genesis und Menschheitsgeschichte ausdrückenden WORT Gottes gründet. Dies wird in der jüdischen Apologetik deutlich. Durch die Bezugnahme auf die Probleme der jüdischen Apologetik will ich begründen, warum der Christus kein frühkirchliches oder philosophisches Phantasiegebilde ist, sondern wirklich lebt und warum seine Wahrnehmung gerade in unserer Glaubenssitutation, die Gott als Schöpfer nur noch vom Gesetz her, nicht mehr vom lebendigen WORT her wahrnimmt, eine messianische Wirkung hätte. Wahrlich kein leichtes Unterfangen, das ich mir vorgenommen haben.

 

Von Deinem Standpunkt aus ist es konsequent, wenn Du in der Person des hellenistischen Paulus im Grund nur den jüdischen Saulus siehst und wie in Deiner Disssertation ausführlich geschehen,

den jüdischen Ketzer ins jüdische Denken heimholst. Damit verkörperst Du das derzeitige amtskirchliche Denken, an das sich dieser Brief ebenso richtet wie an Dich.

 

Seit ich Deine Doktorarbeit über die Heimholung des Ketzers Paulus ins jüdische Gottesverständnis gelesen habe, ist mir bewußt, wie wichtig der Standort des Paulus für uns ist. "Heimholen" wollte ich Paulus auch. Allerdings ging ich bisher davon aus, Paulus ins Christentum zurückholen zu müssen. Nach jedem theologischen Vortrag, ob von Prof. Lapide oder christlichen Exegeten, die in meinen Augen ebenso lapidar über Paulus dachten, wollte ich das neue theologische Paradigma, das sich durch Paulus ergeben hat, begründen. (Bitte entschuldige die Polemik. Doch wer aus meiner Perspektive das Geschichtsgeschehen sieht, der kann eine Verbitterung über die Banalität des heutigen theologischen Unbewußtseins -lapidare Predigt statt LOGOS- nicht verhindern.) Während meine bisherige Suche nach der christlichen Wahrheit weitgehend außerhalb des jüdischen Denkens erfolgte, habe ich durch die Beschreibung der Apologetik und die jüdischen Bewegungen zur Zeit Jesus gelernt, wie wichtig es ist, die Probleme des jüdischen Gesetzesglaubens und das damals in allen Geistesströmungen aufkeimeinde Gottesbewußtseins zu suchen. Paulus ins Christentum heimzuholen bedeutet den historischen Jesus als Messias der Juden zu beweisen. Die jüdische Apologetik hat mir gezeigt, daß es nicht darum geht, ein christliches Paradigma zu begründen, sondern das wahrhaft jüdische wiederzubeleben..

 

Die Auseinandersetzung mit der jüdischen Apologetik hat mir erneut vor Augen geführt: Im menschlichen Verstand/LOGOS bzw. Weltverständis von einem vernünftigen Werden (damals der Hellenen, heute der Wissenschaft) ist nichts anderes zu hören als das WORT des jüdischen Schöpfergottes der Genesis. (Genesis ist somit nicht nur Titel für den alten Schöpfungsbericht, sondern der lebendige Scgöpfungsgeist Gottes, der in uns wie in allem Werden der Welt als WORT Gottes zu verstehen ist. Das Christentum ist in Wirklichkeit keine Buchreligion, sondern baut auf das Verständnis dieses lebendigen WORTES.

 

Hier liegt der historisch nachvollzeihbare Schlüssel zu einem völlig neuen Paradigma: eine aufgeklärte, vernünftige Gotteswahrnehmung, die den Gott des Gesetzes aufgrund seiner vernüftigen Genesis - in der bekannten Gestalt des Gottessohnes - wahrnimmt. Von den jüdischen Apologeten können wir lernen, was uns auch die frühchristlichen Denker in ihrer Abwehr gegen die nach ihrer Sicht falsche Gnosis beibringen: Das neue Verständnis des schöpferischen WORTES muß dem altbekannten entsprechen. Es wäre falsch, neues und altes WORT-verständnis gegeneinander auszuspielen, sondern beide müssen sich ent-sprechen. Das neue Verständnis muß eine Erfüllung des bisherigen sein. So wie Jesus auch nicht als Messias einer neuen Bewegung, sondern nur als Christus des jüdischen Glaubens zu verstehen ist. Die Frage, die wir heute bei Bibelseminaren stellen "Wer ist Christus für mich?" führt leicht in die falsche Richtung. Es geht nicht darum, was Jesus für mich bedeutet, sondern was er wirklich historisch war und ist. Nur in seiner Funktion als Messias der Juden läßt sich die Jesusfrage beurteilen.

 

Auch die Frage "Als was würde Jesus heute zur Welt kommen" an die ich mich als Teilnehmer Deines Informationsabends über den historischen Jesus erinnern kann, führt leicht dazu, daß wir ein humanistisches Idealbild malen. Wir bilden in Jesus nur ein unserem derzeitigen Denken entsprechendes Idol ab, das im Grunde eine unumsetzbare Ideologie bleibt, wie uns das Scheitern aller angeblich aufgeklärter Ideologien in jüngster Weltgeschichte zeigt. Denn was fehlt ist das, was das wahre Wesen Jesus ausmacht. Hier hilft keine blinder Glaube aufgrund alter Traditon, sondern die Erkenntnis Gottes im lebendigen WORT, einer heute mehr denn je sichtbaren Vernunft, die aller Schöpfung zugrunde liegt.

 

Wenn wir Jesus als Christus begründen wollen, dann müssen wir belegen, welche messianische Wirkung, welche Erneuerung des alten Gottesglaubens und in Folge welche Verhaltensänderung und weltliche Heilswirkung uns durch ihn bzw. die Wahrnehmung des lebendigen WORTES in der Person des Wanderpredigers gegeben wird.

 

Wenn ich heute Paulus ins Judentum heimholen will, dann weil ich hinter dem mit Paulus bezeichneten neuen christlichen Paradigma wirklich den Messias des jüdischen Glaubens sehe, nach dem die Apologeten gerufen und dessen Wahrnehmung sie mit hervorgebracht haben. Es geht dabei nicht um die plumpe Vereinnahmung gegnerischer Parolen, wie sie die heutigen Historiker bei Paulus als Heidenapostel vermuten. Paulus ist keine Propagandapredigt, um den Heiden den jüdischen Glauben verständlich zu machen. In Paulus drückt sich ein neues Paradigma aus, das nicht mehr auf den das traditionelle Gesetz, sondern auf den LOGOS baut, das lebendige Gottes WORT versteht.-

 

Wer nicht die Bedeutung des lebendigen WORTES sieht, der kann auch bei Philo nur eine Propaganda erkennen, die den jüdischen Glauben gegenüber dem philosophisch-griechischen Geist verteidigt haben soll. Was jedoch bei allen Apologeten wahrzunehmen gilt, ist ein neues, lebendiges Verständnis der taub und lahm gewordenen traditonellen jüdischen Gottesvorstellung. Die apologetischen Bewegungen (in denen ich daher die Urapostel Jesus erkenne) haben den Verstand gesehen, der hinter den Gesetzeslehren des jüdischen Volkes steht und in ihm den LOGOS erkannt, der später zum Lehrer der Griechen wurde, ihr vernunftgeprägtes Weltverständnis begründete und heute unserer Wissenschaft zugrunde liegt.

 

Im Gegensatz zu Friedländer, der in Paulus bzw. dem christlichen Glauben eine Fortsetzung apologetischer Bewegungen der Juden sieht, gehe ich davon aus, daß der Kern des neuen Paradigmas schon lange vor der Verfassung der Paulusbriefe bzw. der Evangelientexte gelegt wurde. Der LOGOS hat im Judentum gelebt, Jesus war und bleibt ein Jude. Der schöpferische LOGOS als das dem Volk verständliches WORT des einen Schöpfergottes liegt bereits der in Abraham beginnenden Gotteswahrnehmung am Anfang allen Monothesimus zugrunde, ist aus der in Moses zum Ausdruck kommenen Weisheit der Gesetze herauszuhören, ebenso wie in den Predigten der Propheten. die die Apologeten geisteswissenschaftlich begründet haben.

 

In der kreativen Synthese (nicht in propagandistischer Abwehr oder blinder gegenseitiger Toleranz) von jüdischem Gottesverständnis, für das sich die gebildeten Griechen nicht ohne Grund begeisterten, und dem antiken wissenschaftlichen Weltbild der hellinistischen Philosophen, wurde das WORT Gottes auf neue Weise für jedermann verständlich gehört. Vor 2000 Jahren nahm dieses WORT neue Gestalt an und wurde der Welt not-wendigerweise als Wanderprediger verständlich gemacht.. Bei den Apologeten bzw allen jüdischen Bewegungen zur Zeitenwende läßt sich das historisch belegen. Jesus hat wirklich gelebt, er ist kein Produkt einer sog. christlichen Relionspropaganda, die ihren Gründer verherrlicht (so stark verknappt das derzeitige amtskirchliche Denken). Jesus ist und bleibt Jude, auch bzw. gerade als Christus. Nur als neue und ewige Begründung des jüdischen Bewußtseins vom einen Gott, der alles vernünftig und gut bestellt, dem wir die gesamte Genesis, ebenso wie unseren Verstand verdanken, kann er der Messias sein. Paulus ist somit keine Abspaltung vom Judentum. Er ist - und das habe ich bei Friedländer gelernt - als Theologie des lebendigen LOGOS eine Fortsetzung des jüdischen Glaubens, dessen Erneuerung.

 

Bisher habe ich versucht, das Bewußtsein vom schöpferischen LOGOS als dem wahren Wesen Jesus durch die neutestamentlichen Schriften zu belegen. Auch die gnostischen Texte der frühen Christen, in denen ich kosmologische Modelle und die daraus abgeleitete LOGOS-lehre las, begeisterten mich. Hier vermutete ich die Geburt des christlichen Glaubens. Aber auch bei den Kritikern der Gnosis, den frühen Kirchenvätern, die die falsche Gnosis als Häresie bekämpften, sammelte ich Belege für ein Bewußtsein, das weit über einen Wanderprediger und dessen Verherrlichung hinausging. Die Schriftzeugnisse eines Justin, Irenäus, Tertullian oder Klemens von Alexandrien waren für mich beste Beweise, daß es sich bei Jesus um den lebendigen LOGOS gehandelt hat, der sich zur damaligen Zeit nur in der menschlichen Person verständlich machen ließ. Heute kann ich erkennen, daß Jesus bereits im Verständnis der Apologeten und den Lehren der verschiednen jüdischen Bewegungen lebendig war.

 

Vom blinden Glauben an einen Wanderprediger, dessen Verherrlichung oder der Suche nach Wahrheit in dessen authentischen Worten, wie sie bei heutigen Theologieprofessoren herauszuhören ist, waren diese Denker weit entfernt. Auch die Flucht in den Mythos, der Verherrlichung des Unverständlichen, wäre für die Weisheitslehrer der damaligen Zeit unvorstellbar gewesen.

 

Auf den bereits bei Philo als Gottessohn gesehenen LOGOS bauten auch die frühen Kirchenlehrer. Sie stritten sich mit anderen christlichen Lehren um dessen richtige Darstellung. In ihren Theologien interpredierten sie den in der Schöpfung das im gesamten Kosmos lebendige WORT/LOGOS. Auch wenn sie hinsichtlich ihrer philosphischen Vorstellungen zu verschiedenen Schlüssen kamen, z.B. Dualisten wie Marcion, die den alten Gesetzesgott ablehnten und Monothesisten, die weiterhin, bzw. jetzt erst wirklich vom einen Gott der Juden ausgingen, sich heftige Wortschlachten lieferten, das lebendige WORT und nicht die Botschaft eines bestimmten Wanderpredigers war Auslöser des neuen Glaubens. Weder bei den Kritikern der Gnosis, auf die sich unsere Kirche beruft, noch bei ihreren geistigen Gegner, ging es um eine Mixtur aus antikem Che Guevara und männlicher Mutter Tersa bzw. deren Mystifizierung wie sie heute an unseren theologischen Hochschulen gelehrt wird.

 

Auch ein Geistesgebilde in Form einer sog messianischen Moralgestalt, in der das eigene Denken Idolisiert wird, so wie wir heute Jesus zum humanistischen Idol, neuem Sein oder Weltethos erheben wollen, wäre für Urchristen undenkbar gewesen. Der philosophisch erkannte LOGOS, in der personifizierten Gestalt des Gottessohnes war für die frühen Christen das wahre Wesen. Er als Sohn des einen transzendeten jüdischen Gottes und nicht das eigene Denken war das bestimmende Wesen.

 

Es war und ist für mich aus meiner heutigen Perspektive daher einfach unvorstellbar, mit welcher Überheblichkeit wir die hochgeistigen Theologien der frühkirchlichen Denker oder der ihnen vorangehenden Apologeten beiseite schieben, unser Verständnis vom Schöpfergott aus einem Gesetzbuch ableiten, das wir als eigentliche Genesis bezeichnen und völlig unabhängig davon Jesus einen guten Mann sein lassen oder ihn mystifizieren. Statt ihn als aller Schöpfung zugrunde liegender LOGOS/VERSTAND/WORT Gottes im Rahmen des modernen wissenschaftlichen Weltbildes wahrzunehmen, scheinen wir in den Bildern der Bibel gefangen.

 

Doch alles was geschrieben steht stimmt. Die Betrachtung der jüdischen Bewegungen zur Zeitenwende zeigt, daß Jesus wirklich 12 jüdische Jünger hatte: Bei alle Stämme Israels, bzw. im gesamten jüdischen Denken, ob in den Philosophien der Diasporajuden oder bei bisher von mir als Christengegner vermuteten Pharisäern und Sadduzäern, ob bei Essenern oder im Volksglaube, überall ging das Bewußtsein vom lebendigen LOGOS und dessen theologische Umsetzung in Verhaltenslehren und dem realten Leben (Menschensohn) damals ein und aus. In den verschiedenen Schattierungen ist ein lebendiges Bewußtsein vom Schöpfergott, das über die Gesetzestexte hinausgeht, zu erkennen. Das WORT des Schöpfers wurde von den Juden wahrgenommen, weit über die traditionellen Gesetzestexte hinaus. Nicht erst die nachchristlichen Theologen oder heidnisch-hellinistische Phiosophen haben auf die Lehre vom LOGOS ihr Gottesbewußtsein gegründet. Die Apostel Jesus sind im gesamten jüdischen Denken zu finden.

 

Die Abgrenzung des christlichen vom jüdischen Glauben hat nach diesem Verständnis weder etwas mit einem Volk, noch einer bestimmten Religionszugehörigkeit zu tun. Es geht um einen Fortschritt im jüdischen Gottesbewußtsein: Ein neues, vernünftiges Wahrnehmen des einen Schöpfergottes im als vernünftig erkannten realen Schöpfungsgeschehen. Dieses Bewußtsein des lebendigen WORTES, aus dem bereits Moses seine Botschaft empfing, war zur Zeit Jesus wieder lebendig. Hier liegt die historische Realität unseres Heilandes. Das wahre Israel ist weder ein blindes Glauben aufgrund traditioneller Gesetze, noch ein von Gott als dem Schöpfer losgelöstes Philosophieren und Theologisieren. Israel liegt dort, wo der LOGOS wahrgenommen, das WORT des einen Schöpfergottes gehört wird. Und dies war, wie mir Friedländer und die Apologeten beweisen, in den Bewegungen der vorchristlichen Zeit der Fall.

 

Welch gewaltige messianische Wirkung wäre es gewesen, wenn das jüdische Volk damals in seiner Abwehrhaltung gegenüber der griechisch-hellenistischen Überheblichkeit die schöpferische Vernunft, den LOGOS als gemeinsame Basis der verschiedenartig ausgeprägten Weltbilder begriffen hätte, so wie es die Apologeten taten. Welche gewaltige Wirkung könnte heute von einer neuen Wahrnehmung des lebendigen WORTES ausgehen? Warum fällt es uns so schwer, Biologie und Pysik als Baupläne des lebendige WORTES zu begreifen, wie er damals als Menschensohn lebendiges Bewußtsein war? Aufgabe einer modernen Philosophie wäre es, die in der Philosophiegeschichte nachvollziehbare ewige Suche nach dem Sinn allen Seins, der aller Schöpfung zugrunde liegenden Vernunft neu aufzunehmen. Doch die Suche darf sich nicht auf einen kosmischen Christus beschränken, sonder muß belegen, daß es sich bei diesem heute besser denn jeh sichtbaren LOGOS um den historischen Jesus handelt. Hierin liegt die Heilswirkung, die im Evangelium veründet wird.

 

Von den Juden zu erwarten, einen  Wanderprediger oder dessen spätere Christologie als Messias anzuerkennen, muß wahrlich eine unglaubliche Zumutung sein. Auch das macht uns die Apologetik bewußt, die Anbetung oder Vergötterung eines Menschen, das wäre völlig absurd gewesen. Selbst die Römischen Gottkaiser akzeptierten den Kult der Juden, der Vergötterung von Menschen verbot. Was wir von den Juden verlangen, wenn wir ihnen eine männliche Mutter Teresa mit Bart als anzubetenden Messias vorsetzen wollen, spottet jeder Beschreibung. Auch eine Abbildung Gottes in einem Menschen, Verherrlichung eines nur dem menschlichen Verstand entspringenden, puren philosophisch-theologisches Geistgebilde, wäre eine Zumutung. Genau deswegen wurden doch die Juden damals als gottlos gesehen. Sie eigerten sich, Götzenbilder und menschliche Abbildungen anzubeten. Ihr Glaube gründete auf das WORT Gottes. Dieses wurde durch die Apologeten im im lebendigen Prozeß der Genesis als Sohn Gottes gesehen, als wahres Wesen.

 

Bereits in Moses drückte sich die Weisheit aus, daß Gott nicht in Menschengestalt angebetet werden darf. Die Wiederbelebung des Glaubens an einen charismatischen Wanderprediger kann heute ebensowenig zu einer messianischen Wirkung führen, wie damals allein von einem charismatischen Wanderprediger eine weltbewegende Wirkung ausgegangen wäre. Es war die Wahrnehmung des schöpferischen WORTES in allem Werden: Glaube an das lebendige WORT. Ein Wanderprediger oder ein theologisches Hineininterpredieren in seine Person ist heute so Wirkungslos wie damals, als dem jüdischen Glauben durch das griechische Weltbild die Grundlage geraubt wurde. Wenn unserem Glauben an den einen Schöpfer durch die Aufklärung der Boden entzogen und weiterhin Glaube ( bzw. Aber-glaube trotzdem) und Wissen getrennt leben, dann liegt es daran, daß wir in wirklichkeit keine Christen sind, die das lebendige WORT wahrnehmen, ihr Bewußtsein auf den LOGOS Gottes bauen und ihren Lebensweg nach ihm ausrichten. Was uns fehlt ist ein neues Verständnis des lebendigen LOGOS, wie es an der Wurzel des christlichen Glaubens in den jüdischen Bewegungen zu finden ist.

 

Bisher machte ich den Buchstabenglauben, die Gesetzlichkeit dafür verantwortlich, daß den Menschen trotz ihres stetig zunehmenden Wissens um die schöpferische Ordnung und Vernunft, das Verständnis des schöpferischen WORTES abhanden kam. Und fälschlicherweise setzte ich die Verhinderung des geistigen Fortschrittes im Rahmen einer fortwährenden Offenbarung der schöpferischen Vernunft mit dem jüdischen Glauben gleich. Heute ist mir bewußt, daß nicht das Judentum als Volk, sondern wir es sind, die Jesus nicht wahrnehmen wollen.

 

Doch auch das "Kreuziget ihn", das ich aus jeder Banalstory über das Leben Jesus, einem Festhalten an unverstandenen Bildern und einer Verurteilung des Verstandes bzw. eines neuen Verständnisses von der Kanzel heraushörte, gehört scheinbar zur Schöpfungslogik. Unsere derzeitige Religion ist nicht rückfällig geworden, sondern im Wachstumsprozeß, in dem alles was ist und war sinnvollerweise dazugehört. Das Bewußtsein um die Güte der realen Genesis bzw.ihres Schöpfers ist erst aufgrund unseres Wissens gewachsen. Das Wissen um den einen Gott der Juden als Schöpfer des gesamten Universum, wird im Grunde erst durch ein umfassendes Verständnis der Evolution, das auch die gesamte menschliche Kultur und Erkenntnis umfaßt, belegt. Erst in der schöpferischen Kreation des unendlich scheinenden Kosmos, wie auch im Zusammenspiel der abermillionen von Einzelteilchen meines Körpers wird mir durch diesen alles bestimmende LOGOS die Liebe Gottes bewußt. Im wachsenden Wissen um die Vernunft allen Werdens (Biologie, Physik, Mathematik und Chemie) können wir erst heute eine fortwährende Offenbarung erkennen, die scheinbar nie ihr Ende nimmt., aber in der derzeitigen Kosmologie eine Wendepunkt erreicht hat. Im mondernen wissenschaftlichen Weltbild wird im Grunde nur das griechische Denken von Damals bestätigt, auch wenn dafür keine metaphysischen Modelle mehr nötig sind, die abgehoben vom allgemeinen Volk gelehrt werden. Die Vernunft der Schöpfung ist uns inzwischen selbstverständlich geworden. Es scheint nur noch ein kleiner Schritt, darin neu das WORT Gottes wahrzunehmen.

 

Doch weder das hochmütige, in halber Aufklärung steckengebliebene wissenschaftliche Weltbild, noch den im traditionellen vor-gesetzten Gottesverständnis gefangenen Geist, den ich fälschlicherweise mit dem jüdischen Denken als einem reinen Buch- bzw. Gesetzglauben idendifizierte, mache ich heute für die Vernichtung der Gotteswahrnehmung verant-wortlich. Das Vermögen, den LOGOS/VERSTAND aller Schöpfung als lebendiges WORT Gottes wahrzunehmen, ist durch unser neues naturwissenschaftliches Weltbild in den letzten Jahren erst gewachsen.letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten, die alle Verästelungen unseres Wissens umfassen, können wir das WORT, den VERSTAND des einen universalen Schöpfergottes neu wahrnehmen Erst eine Gesamtschau der verschiedenen Wissenschaften läßt uns erkennen, daß unser Verstand Gott als Schöpfer nicht verneinen muß, sondern er sich in seinem SOHN als Vater offenbart. Erst jetzt ist Jesus, das lebendige WORT wiederzuverstehen und als Wegweiser zu begreifen.

 

Doch nicht allein die neuen naturwissenschaftlichen Weltbilder lassen uns den alles Leben hervorbringenden LOGOS, den allem Werden zugrunde liegende Verstand neu wahrnehmen. Auch die Freudschen Entdeckungen über das individuelle Bewußtsein und die anschließende Erkenntnis von den Einflüssen eines kollektiven Geistes haben unserem Gottesbewußtsein in Wirklichkeit nicht den Boden abgegraben, sondern lassen heute vernünftig begründen, warum wir es so dringend brauchen. Seit uns die Psychologen aufgezeigt haben, daß wir selbst nicht Herr im eigenen Hause sind, sondern unser Verstand und unser Verhalten von einer Vielzahl bewußter und unbewußter Einflüsse bestimmt werden, können wir nicht nur durch die Logik des Verstandes belegen, daß es Gott gibt, sondern warum wir sein WORT als kollektives Verständnis hören müssen. Bisher vertrauten wir aus Tradition auf die Religion, die kirchliche Gemeinschaft, heute verstehen wir warum. Auch viele religiösen Rituale und Kultpraktiken lassen sich erst heute auf vernünftige Weise begründen. Es ist die gleiche Vernuft, mit der auch damals die jüdischen Apologeten gegenüber den Griechen ihre Glaubensvorschriften und Kulthandlungen verteidigten.

 

Die erkannte Notwendigkeit der Gotteswahrnehmung und -anbetung für den individellen Geist sowie für das Funktionieren der Gesellschaf macht Gott nicht zu einer menschlichen Projektion. Das Bewußtsein, daß wir einen vernünftigen Kult und eine vernünftige Gotteswahrnehmung als Sinngebung bzw. Lebensgrundlage brauchen, bedeutet keineswegs, daß unsere Vorstellung vom Schöpfer nur eine notwendige Illusion wäre. Vielmehr liefert uns das Wissen um die Notwendigkeit eines Gottesbewußtseins für unser gesellschaftliches Gelingen bzw. als Voraussetzung für wahrhaft vernünftig schöpferisch-nachhaltiges Verhalten hier nur einen erneuten Beweis für den schöpferischen LOGOS.

 

Während in aller Genesis der LOGOS Gottes wie eine unsichtbare Hand alle Evolution zum Fortschritt führt, fehlt unserer, auf den puren irdischen Selbstzweck und eigene Vernunft bezogenen Verhaltensweise die schöpferisch-kreative Kraft. Die Belege für den fehlenden schöpferischen Verstand/LOGOS in unserem alltäglichen Verhalten sind in ökonomischen Fehlentwicklungen, z.B. in den Arbeitslosenzahlen ebenso abzulesen wie im ökologischen und sozialen Fehlverhalten oder einer gegenseitigen geistigen Verdummung. Der sichtbare Unverstand des vom vernünftigen Gottesverständnis losgelöste Menschen geht weit über das hinaus, was bisher in den Zuständigkeitsbereich der Religion gehörte. Der Unverstand. das Leben Abseits des LOGOS, umfaßt alle Bereiche.

 

Die christliche Nächstenliebe ist dabei weit mehr als eine alte altruistische Ethik, die aus tradtionellen jüdischen Lebensrelgeln übernommen wurde. Es geht um die Grundregel des menschlichen LOGOS, für ein wahrhaft vernünftiges Leben. Doch dieses wirklich vernünftige Leben, ob im sozialen, ökonomischen oder ökologischen Sinne setzt die Wahrnehmung meines schöpferischen Sinnes voraus. Das Verständnis des schöpferischen WORTES ist Voraussetzung, damit der Mensch seiner Verant-wortung gerecht wird. Selbst der Wille zum Guten und der Glaube an den Gott des Gestzes genügen nicht zum Gelingen.

 

Bereits den griechischen Philosophen, ebenso wie den jüdischen Weisheitslehrern war bewußt, daß der Mensch zum Gelingen seines gesellschaftlichen Wirkens eine neue Gotteswahrnehmung bedarf. Bei Apologeten wie Josephus Flavius ist die vernünftige Begründung des jüdischen Gottesglaubens erneut belegt. Nicht der Verweis auf alte Traditonen und ewige religöse Vorschriften, sondern eine vernünftige philosophische Begründung stand am Beginn des christlichen Glaubens. Die Vernunft war lebendig.

 

Gerade jetzt, wo der Glaube an einen Schöpfergott sich scheinbar verloren hat, als völlig unbedeutende, allenfalls individuelle Neigung gesehen wird, wo Jesus nur als lapidare Banalität oder Abbildung eines längs überholten Glaubens betrachtet wird, hilft kein weiter so. Eine billige Propaganda oder einer Begründung der Kirche durch caritative Leistungen ist keine Wende. Was wir brauchen ist eine neue Wahrnehmung und Begründung Gottes, wie sie in den Bewegungen der jüdischen Apologetik nachzulesen ist.

 

Wir stehen an einer Schwelle der Schöpfung, wo sich die Hoffnungen der jüdischen Apologeten auf eine univerellen Gottesglaube erfüllen können. Diese universelle Erkenntnis setzt voraus, daß wir uns von liebgewordenen Denkgewohnheiten und Bildern verabschieden. Indem wir das Banalbild von Jesus als Wandercharismatiker freigeben, werden wir ihn und alles was über ihn geschrieben wurde bzw. wirklich von ihm ausgeht verstehen. Es bedarf keiner allzugroßen Analyse unseres derzeitigen Jesusbildes um zu sehn: wir können nichts mehr verlieren, wir können nur gewinnen. Das neue Verständnis setzt voraus, daß wir hinter der Person des Wanderpredigers das lebendige WORT wahrnehmen. Der Wanderprediger wird dadurch in keiner Weise entwertet. Im Gegenteil: seine Bedeutung wird erst bewußt.

 

Jede Kritik, ich würde nicht wirklich an Jesus glauben, nicht den historischen Jesus von Nazareth wahrnehmen, sondern ein von mir zurechtgebasteltes Geistesgebilde, weise ich weit von mir. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Geistesgebilde ist eine kirchliche Christologie zur Vergötterung des Religionsgründers ebenso wie eine Lehre, der längs bewußt ist, daß es keine historischen Fakten gibt, eigentlich so gar nicht sein kann. Historisch belegt läßt sich das damalige Denken, das den LOGOS als den Sohn Gottes sah.

 

Wer die Großartigkeit und die theologische Tiefe der damaligen Erkenntnis nachvollzieht und sich das philosophische Gedankengut vergegenwärtigt, das bei den jüdischen Bewegungen zur Zeitenwende wie in den  Schriften der Kirchenväter und  ihren gnostischen Gegnern herauszuhören ist, der muß doch voll des Wahnsinns sein, wenn er weiterhin sein Heil in authentischen Worten eines rein historisch unerwähnten Wanderpredigers sucht. Und wahnsinnig könnte man werden, wenn man betrachtet, wie heutige Theologie den schöpferischen LOGOS weiterhin verleugnet, statt zu einem neuen Verständnis beizutragen.

 

Heilloser Zorn ist kaum zu unterdrücken, wenn man wahrnimmt, daß sich weit mehr gut ausgebildete und in der Geistesgeschichte bewanderte Theologen über eine Beweisführung Jesus durch das Turiner Grabtuch Gedanken machen, als durch eine wirkliche Theologie,(eine vernünftige Gottes- bzw. Schöpfungslehre) deren Aufgabe es wäre, das WORT Gottes den Menschen wieder verständlich zu machen. Doch selbst diese scheinbar sinnlose Suche nach Fragmenten eines jungen Juden mit Bart hat einen Sinn, ist keine Vergeudung von Kirchensteuer, sondern muß dem neuen Verständnis scheinbar vorangehen, gehört somit zu einer schöpferischen Logik. Erst wenn das Bewußtsein von Jesus völlig banal und leer ist, läßt es sich neu füllen.

 

Solange mein Denken gefangen war im Bild eines Wanderpredigers, war der Blick für dessen Verständnis verbaut. Erst die Freiheit, die mir die kritische Leben Jesus Forschung verschaffte, gab mir die Gewißheit, daß Jesus "Christus" wirklich lebt. Heute läßt sich belegen, daß es sich hierbei nicht um einen kosmischen Christus, sondern den historischen Jesus von Nazareth handelt. Er war der Messias der Juden und wird zu einer mehr den jeh Not-wendigen Wiederbelebung des vernünftigen monotheistischen Glaubens an den allmächtigen Schöpfer führen.

 

Das neue, auf den Verstand/LOGOS Gottes in aller Schöpfung gründende Gottesverständnis ist in allen jüdischen Bewegungen gewachsen und in all diesen Bewegungen auch wieder bekämpft worden. Es wäre m.E. falsch, wenn wir die Verfolgung Jesus, die ich in der Unterdrückung des neuen Gottesverständnis sehe, einer einzelnen Partei ankreiden würden. Weder Sadduzäer noch Pharisäer darf angelastet werden, daß das in den Menschen lebendig gewordene  WORT bekämpft wurde. Erst heute scheint die Zeit für ein universelles Gottesverständnis, das zwar das Gesetz erfüllt aber auf das lebendige WORT Gottes gründet, wirklich reif zu sein. Erst heute läßt sich der Messias der Juden allgemeingültig und allgemeinverständlich begründen.

 

Die Angst vor antijüdischen Tendenzen durch theologische Aussagen, die ich bei Dir sowie bei vielen zeitgenössischen Theologen heraushöre, ist verständlich. Nich zuletzt daher gilt es die Juden vom Vorwurf der Verfolgung des Messias zu befreien. Wir sind es, die mit unserem Gesetzesverständnis vom angeblich historischen Wanderprediger, der alles ein wenig besser wußte, dem jüdischen Messias den Weg versperren. Doch ich bin gewiß: Der wahre Verstand wird sich durchsetzen. Das WORT Gottes, wie es damals in den jüdischen Bewegungen lebendig war, vom Verstand dieser Denker ausgedrückt und später als Wanderprediger verfaßt wurde, wird wieder verständlich sein.

 

Ich bin gewiß, daß eine Zeit bevorsteht, in der die Wissenschaftler erkennen, daß all ihre Theo-rien nur Beschreibungen des schöpferischen WORTES (eines allumfassenden Verstandes) sind. Eine Zeit, in der alle modernen Kosmologen davon ausgehen, daß sie als Kinder des sie hervorbringenden Universums gleichzeitig Kinder Gottes sind.

 

Der präexistente Jesus ist keine Erfindung einer Frühkirche, die damit einen religionsstiftenden Wanderprediger verherrlicht oder alte Weisheiten wiedereinsetzt. Erneut sind Jungfrauen bzw Jungtheologen gesucht, die helfen ihn auszudrücken, verständlich zu machen, dem Verstand der Allgemeinheit zugänglich, begreifbar.

 

Wäre diese Wiedergeburt keine Aufgabe für den Jahrtausendwechsel, den 2000. Geburtstag Jesus?

 

 

(Der Junge Theologe hat sich bisher zu meien Überlegungen nicht geäußert. Wahrscheinlich hält er mich für anmaßend und verrückt. Wer den Menschen Jesus mit der Muttermilch aufgesaugt hat und ihn von seinen Professoren als selbstveständlich lernt, der muss jemand, der im Logos selbst das historische Wesen vermutet, als verrückt betrachten.)