Qumran/Jerusalem als Quelle Jesus

 

 

(Text noch zu überarbeiten, zu korrigieren und fortzusetzen)

 

Die in Qumran gefundenen Texte (800 Rollen auf bearbeiteter Tierhaut) sind Belege für ein neues Gottesbewusstsein auf Grundlage des lebendigen Logos. Auch wenn der Begriff "Logos" nicht gebraucht wird, so zeigen die Funde, dass das neue Denken der jüdischen Diaspora - das neue Verständnis des lebendigen Gotteswortes - nicht nur in Odessa oder Alexandrien, sondern auch in Jerusalem zuhause war.

 

(Prof. Berger bringt in einem Reclamband knapp die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Textfunde von Qumran auf den Punkt. Doch die Bedeutung der uns neuerdings vorliegenden antiken Literatur für die Leben Jesus Forschung geht weit über das hinaus, was bisher gedacht wird. Wer in Qumran  Spuren eines Menschen mit Namen Jesus vermutet, sucht vergeblich. Doch in den Schriftstücken läßt sich ein neuer Verstand belegen. Es geht um ein neues Gottesverständis, dem der lebendige Logos zugrunde liegt, auch wenn dieser Begriff in den Texten nicht gebraucht wird.)

 

Lebte Jesus in Qumran?

 

Wer die Verfasser der umfangreichen Schriften waren, die vor wenigen Jahrzehnten in Qumran gefunden wurden, und die inzwischen für reichlich Schlagzeiten sowie hochspekulative Bestseller sorgten, ist zweifelhaft. Während bisherige Forschungen meist Qumran als eine Essenersiedlung, eine Art Sektenkloster betrachteten, geht wie derzeit andere ernsthafte Forscher Berger davon, dass es sich bei den Funden von Qumran um eine Vielzahl von völlig verschiedenen Texten handelt, die nicht aus der Feder einer einzelnen Gemeinde stammen. Sie spekulativen Storys von einer urchristlichen Siedlung, von Paulus und seinen Gegnern.....sind damit scheinbar Schnee von Gestern.

 

Die fast unerfaßbare Menge immer neuer Thesen und Behauptungen über den Ursprung der Christenheit oder Neutestamentlicher Gestalten, die aus den Funden abgeleitet werden, führt nicht weiter, solange wir im historischen Jesus nur einen jungen Juden sehen, der alles etwas besser wußte.

 

Doch wer in Jesus keinen kyrischen Wanderphilosophen, sondern das lebendige Wort in Person sieht, für den eröffnet sich eine neue Sicht der Suche: Welcher Verstand liegt den Texten zugrunde? Was hat die Vielzahl von Schriften ausgelöst? Worin liegt die Erneuerung, der neue Bund, als dessen Anhänger sich die Verfasser bezeichnen?  Was war die messianische Hoffnung und wurde sie bereits als erfüllt angesehen?

 

Mehr als alle Suche nach einer einzelnen Gestalt wird uns die historische Suche nach dem damals lebendigen Geist weiterhelfen. Nur so läßt sich die geschichtliche Wahrheit über den lebendigen Logos belegen.  Die Schriftrollen von Qumran können uns bei der Suche nach der wahren Christenheit ein großes Stück nach vorn bringen. Sie belegen, dass bei den Juden von Jerusalem ein neuer Geist beheimatet war.

 

Literaturexplosion durch den neuen Verstand Gottes: Logos

 

Bevor einzelne Texte beispielhaft untersucht werden, sollte der Blick auf die Gesamtheit der antiken Bibliothek gerichtet werden. Auch das was in Qumran gefunden wurde, ist nur ein Bruchteil. Müssen wir nicht davon ausgehen, dass die zufälligen Funde nur einen kleinen Teil dessen Zutage fördern, was damals verfasst wurde? Doch selbst wenn wir nur auf die Fülle der Qumranfunde schauen, welch großartige Weisheit tritt uns hier entgegen? Wenn eine kultisch orientierte Erneuerungsbewegung, der auch schon das Jubiläenbuch angehörte, wie dies Berger sieht, hinter den Texten steht, was hat diese Erneuerung ausgelöst?

 

Während wir in unserer geistigen Kindheit noch damit zufrieden sein konnten, dass die Jünger eines Wanderpredigers mit Namen Jesus diesen in Texten verherrlichten, können wir heute von einer theologischen Explosion ausgehen. Allein die konkret von Jesus handelnde Texte, die Berger über den altbekannten Kanon hinaus in seine Ausgabe eines Neuen Testamentes aufnimmt, läßt auf eine geistige Explosion schließen. Nehmen wir die Weisheitsliteratur dieser Zeit, die Apologetischen Schriften und die neuerdings gefundenen Religionsrollen noch dazu, es ist unermeßlich, was damals an neuem Geist gewesen sein muß.

 

Wie blind müssen wir sein, wenn wir uns auf einen einzelnen Menschen und dessen spätere Verherrlichung berufen und das historisch nachweisbare neue Verständnis von damals völlig übersehen? Blind gemacht, von einem buchstäblichen Verständnis der Evangelien gehen wir an der historischen Geschichte Jesus vorbei, wie wenn nichts gewesen wäre. 

 

(Auch das ist in der Geschichte der Qumranforschung zu erkennen: Einfache Muster gehen rein. Auch wenn Berger über die Einteilung des Judentums in Pharisäer, Sadduzäer, Essener und Priester wettert, solche Denkmuster scheinen damals wie heute notwendig. "Was hat Josephus mit seiner Einteil in den Köpfen der Forscher angerichtet" klagt der Neutestamentler. Doch was erst hat das Evangelienbild des Wanderpredigers, das einfache Muster des Messias bewirkt? Und doch war und ist es notwendig. Gerade die Unmenge an theologischen Texten, wie sie uns in Qumran begegnen, teilweise ganz verschiedene und verworrene  Darstellungen des neuen Gottesverstandes läßt erkennen, wie wichtig dessen Verdichtung war. Erst in der Person des Wanderpredigers hat der neue Gottesverstand die Funktion des Messias, Erfüllung des jüdischen Glaubens.)

 

Qumran als Nachweis der Evangelienwahrheit

 

Verschiedene Forscher behaupten, bei den in Höhle 7 gefundenen griechischsprachigen Texten handele es sich um frühe Schriften (vor 70), die auf das Markusevangelium 6,52-53 schließen lassen. In der Vordatierung der Evangelien sieht daher z.B. Peter Thiede einen Beweis für die Historizität der Evangelien, die bisher als spätere Legenden auf das Leben eines Wanderpredigers betrachtet wurden. Wer so früh schreibt hat die konkreten Ereignisse niedergeschrieben, so wird geschlossen. Doch dieses Denken führt in die falsche Richtung. (Siehe in den Texten unter "Qumran").

 

Es wirkt nahezu krotesk, wenn Historiker versuchen, aufgrund winziger Papyrusschnipsel bzw. einzelner Pünktchen die historische Wahrheit der Evangelien beweisen wollen

 

In den gesamten jüdischen Texten brennt das Licht eines neuen Bewusstsein, das durch ein neues Verständnis des ewigen Schöpfungswortes hervorgerufen wurde. Nicht bei einer Einzelsekte, sondern im gesamten jüdischen Denken der verschiedenen Bewegungen läßt sich so der lebendige Logos herauslesen, den wir als Jesus von Nazareth kennen. (Wer versuchen will, Paulus ins Judentum heimzuholen, ihn als eigentlichen Juden zu beweisen, um somit sinnvoll- und richtigerweise das jüdische Volk vom ewigen Vorwurf zu befreien, wie dies derzeitige Theologie tut, der muß hier ansetzen.) Es wirkt nahezu krotesk, wenn Historiker versuchen, aufgrund winziger Papyrusschnipsel bzw. einzelner Pünktchen die historische Wahrheit der Evangelien beweisen wollen

 

Die Frühdatierung, wie sie aufgrund von immer neuen Funden in der gesamten Forschung unübersehbar ist - Berger behauptet, Johannes wäre der Beginn gewesen (siehe in den Texten unter "Am Anfang war das Wort") - läßt sich nicht als Beleg für die Wahrheit über einen Menschen mit Namen Jesus werten. Vielmehr zeigt sie, um was es den Verfassern wirklich ging: das Wort Gottes in Person.

 

Wir können doch nicht ernsthaft annehmen, Anhänger eines Predigers hätten gleich nach dessen Tod ihm alttestamentliche Texte in den Mund gelegt und mit seiner Mythologisierung bzw. Christologisierung begonnen.  Hier entpuppt sich die gesamte Unlogik der bisherigen Suche nach historischer Wahrheit.

 

In jedem Kirchenseminar wird erklärt, es gehe in den Evangelien nicht um geschichtliche Erzählungen und man müsse die Geschichte Jesus im Kontext der damaligen Zeit sehen. Meist werden dann ach so schöne Lichtbilder von der letzten Israelreise gezeigt. Doch wäre es nicht viel wesentlicher, den Geist zu beobachten, der damals in Jerusalem geweht hat? Um was ging es in den theologischen Texten, die wir in den Höhlen von Qumran gefunden haben? Wie können wir angesichts der Weisheitstexte annehmen, es handle sich bei den Evangelien um eine mysteriöse Nacherzählung auf das Leben eines Wanderpredigers oder die innere Stimme eines Pharisäers mit Namen Saulus, nach der sich dieser zur besseren Propaganda der Hellinisten Paulus nannte. Das Leben einer Einzelperson, dessen innere Stimme als Wort der Wahrheit anzunehmen, das ist angesichts der tiefen theologischen Gedanken, die uns von Qumran übermittelt sind, völlig absurd. Die Verfasser der Texte (Philosophen bzw. Theologen auf der Suche nach neuer Wahrheit), die sich mit alttestamentlichen Texten, Weisheitsliteratur und Weltschöpfung auseinander setzten, wären im Traum nicht auf die Idee gekommen, einen menschlichen  Wanderprediger als Messias zu verherrlichen.

 

 

Neue Theologie statt blindes Abpausen alter Texte

 

Was wir in Qumran an Texten finden, läßt auf eine tiefe Auseinandersetzung mit der Tora schließen. Kommentare zu Genesis, Midrasch über die Werke der Tora, Auslegungen in Hülle und Fülle. Ernsthafte Exegese wurde betrieben. Es ging nicht darum fromme Sprüche zu verfassen oder moralischer Vorschriften nach eigenem Gutdünken. Wie bei Philo von Alexandrien, dessen Texte bisher zu den wenigen Zeitzeugen des Geistes zählten, können wir dank Qurmran auch in Jerusalem eine allegorische Exegese erkennen. Handschriften in hebräischer Sprache, die uns einen großartigen Verstand der Verfasser beweisen. In der weitgehenden Verwedung der hebräischen Sprache, die keineswegs die Umganssprache der Zeit ist, sieht Berger programmatische Absicht. Doch das Reformprogramm, das sich auf die hebräische Idendität zurückbesinnt, hier den Ursprung seines Geistes sieht, ist keine konserative Fortschrittverhinderung, die an alten Dogmen festhält. Der neue Bund, von dem an vielen Stellen die Rede ist, die neue Religion, das neue Bewußtsein, drückt sich weder umganssprachlich aramäisch, noch in der Bildungssprache der Zeit, griechisch, aus. Nur wenige Text (wie Höhle7) sind griechisch verfaßt.

Nur eine nationale Neubesinnung wäre sicher zu kurz gesehen, würde den theologischen Auseinandersetzungen der Textinhalte nicht gerecht werden. Den Verfassern ging es um den altjüdischen Geist, den sie durch den neuen Bund Verstand, das neue Gottesverständnis, zur Blüte bringen wollten. Eine Reform der alten Religion stand auf dem Programm, kein Abpausen.

 

Alle Bücher des alten Testamentes, bis auf das Buch Ester, sind in den Höhlen von Qumran wiedergefunden worden. Und doch geht es nachweislich um mehr als ein blindes Nachbeten. Dafür sind auch die weiteren Schriften beste Belege. Das Hennochbuch zum Beispiel, dessen Sprecher sich, so Berger, weltoffen und modern gäbe. Und sicher lassen sich auch im Jubiläenbuch oder den Beschreibungen eines himmlischen Jerusalem Spuren für ein Bewußtsein nachvollziehen, das zum neuen christlichen Paradigma führt. Auch die apokryphen Texte und die Weisheitsliteratur lassen den Schluß zu, dass der Weg zum neuen, vom Verstand getragen Verständnis des lebendigen Wortes sich hier vollzog. (Die Verherrlichung eines Wanderpredigers wäre Dreck dagegen.....doch das hatten wir schon. Man muß es sich jedoch angesichst der großartigen Weisheit, die aus all den neu gefunden jüdischen Texten spricht, immer wieder vor Augen führen.)

 

In den Entdeckung dieser Zeugnisse zeigt sich das Denken des antiken Judentums. Doch darin liegt nicht nur ein Gewinn für die Forschung nach der christlichen Grundlage. Gleichzeitig steht die Rehabilitation des jüdischen Glaubens auf dem Programm. Das neue Paradigma ist nicht in allein in  Alexandrien und Syrien geboren, sondern in Jerusalem.  Die Christologie ist keine griechisch-philosohische Kopfgeburt, die von der Kirche auf ihren Sektengründer übertragen wurde und die synoptischen Erzählungen sind keine arabesk-mythologische Legende von einem Wanderprediger, wie sie von Odessa oder Damaskus aus verfaßt wurden. Jesus ist wirklich ein junger Jude, der jüdische Geist hat das schöpferische Wort neu verstanden. (siehe auch einen älteren Text: von Jerusalem nach Damaskus, der sich mit dem Ursprung der Evangelien von Syrien aus, auseinandersetzt.)

 

(Bei weiterer Betrachtung lassen die Textfunde erkennen, dass im jüdischen Denken selbst vieles in Bewegung gekommen war. Im Vordergund stehen dann nicht mehr Bewegungen, die sich vom Judentum abgsondert hatten, keine Sondersekten. Selbstverständlich gab es viele verschiedene Geistesrichtungen, die teilweise heftig um den richtigen Weg stritten. Doch bei all diesen Bewegungen, die alle jüdisch blieben, ob konserativ-pharisäisch oder griechisch-gnostisch orientiert, bei allen Denkrichtungen läßt sich ein neues Bewußsein des lebendiges Wortes nachweisen, einen neues Gottesverständnis auf jüdischer Grundlage.)

 

Vom Mythos zum Logos

 

Für die meisten Forscher standen bisher die sog. Sektenregeln im Vordergund.  Als fromme Verhaltenweisen gelesen, in deren Horizont eine Sektengemeinschaft religiöse Texte sammelte. Die Vielzahl der weiteren Texte wurde großteils aus dieser Perspektive betrachtet.

 

Auch die Aussagen über die Herrlichkeit des einen Gottes werden einfach als mystische Überlieferungen angesehen. Doch werden wir damit der Weisheit und Weltsicht gerecht, die die Grundlage des damaligen Denkens bildete? Wenn von der unsagbaren Herrlichkeit Gottes gesprochen wurde, war dies nur aus alten Texten abgeleitet oder war da die Gegenwart Gottes in der Geschichte des jüdischen Volkes wie in der gesamten Genesis bewußt. Wenn das tägliche Gericht im Himmel geschildert wird, das zeigt, wie sich Gott immer wieder der Welt zuwendet, dann übersteigt dies einen  religiösen Glauben, der nur auf alte Mysterien gründet. Gott war einbezogen ins damals wissenschaftlich-griechische Weltbild. Hier hat eine Synthese zwischen den gnostisch-philosophischen Modellen griechischer Prägung und der jüdischen Gotteslehre stattgefunden. Nicht purer Gehorsam gegenüber Tora-Mythen stand auf dem Programm, sondern ein lebendiges Verständnis des schöpferischen Wortes. Die wisschenschaftlichen Beschreibung der himmlischen Hierachien und die religösen Betrachtung entsprangen einem Bewußtsein. Hier liegt unser heutiges Problem.

 

Während wir heute von genetischen Buchstaben reden, die wir wissenschaftlich empirisch begründen und die Bibel als sog. Wort Gottes daneben legen, war damals ein Logos. Die Erschaffung der Welt nach Buchstaben, die Erfahrung der Ordnung. Es waren keine Engel (auch wenn diese als Bilder der Botschafter dargestellt waren) im Sinne von weißen Federvögeln, die die Weisheit einflüsterten, sondern das Verständnis einer vernünftigen Ordnung. Es war der ewige Verstand des Schöpfers, der neu verstanden wurde, das lebendige Wort.

 

Nur von diesem Verständnis aus sind die Gott den Schöpfer verherrlichenden bzw. lobpreisenden Lieder, Psalmen und die Verhaltensanweisungen zu verstehen. Nicht nur Berger bestätigt den Texten von Qumran eine neue Intensität bei der Wahrnehmung himmlischer Herrlichkeit. Doch diese Wahrnehmung war nicht neben das Wissen gesetzt oder gegen die wisschenschaftliche Lehre. Der Verstand brauchte auch nicht ausgeschaltet zu werden, um trotzdem an Gottes Gerechtigkeit und Genesis glauben zu können. Er war vielmehr das menschliche Werkzeug, um im lebendigen Prozeß der Genesis Gottes gerechte Präsenz zu erkennen.

 

Der Logos war der Lehrer

 

Wenn die Lobeshymnen im Ich-Stil formuliert sind, dann spricht da kein Mensch, wie dies lange zeit gelehrt wurde, sondern ein neues, vernünftiges Gottesverständnis der Juden. Der Lehrer, der die frohe Botschaft in Qumran brachte, ist identisch mit dem, auf den unser Evangelium baut. In beiden Fällen ist es der lebendige Logos. Er ist es, auf dem der neue Bund gründet. Weder dem Glauben der Qumranjuden, noch dem Gottesverständnis der Frühkirche liegt nur eine menschliche Persönlichkeit zugrunde. Die historische Wahrheit liegt in der neuen Wahrnehmung des ewigen Logos durch die Menschen.

 

Es ist kein Besserwisser, sondern der vom griechischen Weltverständnis herkommende Logos, der die Denker in der Ordnung des Bundes unterweist. Kein aus einer Frau geborenes Wesen, wie es in einem Text heißt, sondern Logos Gottes, der zur Sprache kommt. Jerusalem ist in den Augen der Denker die von ihrem Mann verlassene Frau. Wie soll das altkonserative Denken, das abgestorbene Gottes-verständnis, das an Buchstaben und toten Ritualen festhält, einen geistigen Fortschritt: das NOT-wedig Neue hervorbringen.

 

Wenn Jerusalem so eindringlich in einem Klagelied als eine von ihrem Mann verlassene Frau beschrieben wird, dann geht es nicht um eine moralische Verwerfung. Jerusalem hat den Verstand Gottes verloren. „Weine, weine Jerusalem. Tränen fließen über ihre Wangen wegen ihrer Kinder.“ Das alles sind keine frommen la-la-Lieder, wie wir sie stumpfsinnig, allenfalls zur inneren Erbauung singen. Die Inhalte entspringen einem philosophisch-theologischen Denken, dem ein neues Gottesbewusstsein zugrunde lag. Doch der von ihrem Mann verlassenen Frau ist ein Sohn geboren. Es ist der, den wir Jesus nennen. Es ist kein fremdes Kind, sondern der Sohn einer Jüdin.(siehe Text über Essener als Jungfrau Maria.)

 

Elemente der paulinisch-christlichen Auffassung der Gnadenlehre (Wer den Weg weiterdenkt, kann in der Person des Paulus ein neues theologischen Paradigm sehen, das in den Qumrantexten vorgeprägt ist.) sind nach Berger bereits in den Textfunden enthalten. Ein Beipeil: „Was ist der von einer Frau geborene Mensch unter all den wunderwerbaren Werken Gottes? Er ist wie ein Mauerwerk aus Staub...“

 

Kein Wanderprediger, der nur das uneheliche Kind einer jungen Jüdin war, keine Christologie die nur eine Kopfgeburt von Mutter Kirche wäre, kann die neue Grundlage sein.

 

Der Stoff aus dem der gesamte Kosmos zusammengesetzt ist, wurde damals als Sohn Gottes gesehen. Es ging um den Logos, der bereits der griechischen Philosophie zugrunde liegt. Doch solange wir das Wort Gottes nur aus Büchern vorlesen und nicht im Evolutionsprozeß seit dem Sternenstaub im Sinne eines vernünftigen Werdens wahrnehmen, können wir kaum verstehen, um was es damals den Juden ging.

Aufklärung über den Vater des Alles ist erst, wenn wir hinter dem natürlichen Werden, dem kreativen Zusammenspiel im sog. Selbst-organisationsprozeß wie er wissenschaftlich beschrieben wird, den Sohn/Wort des Schöpfers wahrnehmen, von dem wir in den Kirchendogmen behaupten, dass durch ihn alles entstanden sei.(siehe Text Dominus Jesus, vatikanische Dogmen). Nicht allein zufälligen Prozessen einer toten Mutter Materie, sondern einem kreativen Verstand verdankt sich das, was wir als Evolution bezeichnen. Dieses Bewusstsein geht weit über einen Buchglaube hinaus. Doch nur aus dieser Perspetive ist die über den bisherigen Glaube hinausgehende Bedeutung der Texte aus Qumran zu verstehen.

 

Der Lobpreis auf den Schöpfer wurde damals nicht nur aus Texten abgelesen. Im Licht des Verstandes wurde das rechte Handeln Gottes erkannt. Wahrheit, Wandel, Erneuerung.....das alles war keine ethische Angelegenheit, sondern verdankte sich einer Erkenntnis durch Verstand. Das Mysterium des Gewordenen des gesamten Kosmos, das für die Denker von damals im Bild der Elternehrung gesehen bzw. verdeutlicht werden konnte, wurde nachts studiert. Die heutigen Theologen, die gnostische und philosophische Aussagen, wo weit konkreteres zur göttlichen Weltschöpfung, zum sinnvollen Werden des Kosmos und einer schöpferischen Ordnung ausgesagt wird, als in vielen Bibeltexten, abtrennen wollen, machen es sich zu einfach. Das Bewusstsein eines sinnvollen Werdens war die Voraussetzung des neuen Bundes.Gewohnt, von einem Schöpfer zu sprechen, ohne wirklich an dessen reales kosmisches Handeln zu glauben, wird heute alles einfach als religiöser Text abgetan. Doch die Präsenz Gottes zeigt sich nicht durch die Verherrlichung eines Wandercharismatikers mit Bart, sondern im Bewusstsein eines den gesamten Kosmos regierenden Verstandes. Durch den uns von Gott gegebenen Verstand verstehen und bewahren wir das Wort. Wenn die Verfasser der Texte vom Wort Gottes reden, dann tun sie es in einem völlig anderen Bewußtsein als wir, die wir nur Buchseiten vor Augen haben. Die Wahrnehmung des lebendiges Wortes im Licht des Werdens war die Voraussetzung, um die Traditionstexte neu verstehen zu können. Die Weisheitstexte sind keine frommen Sprüche, sondern Gaben dieses Verstandes.

 

Beim ewigen Kampf zwischen den Söhnen des Lichts und denen der Finsternis geht es um ein Bewusstsein vom vernünftigen Gotteshandeln im Licht des Verstandes und dessen Verhinderung bzw. Verdunkelung. Wenn in Quran versucht wird, den religiösen Ritualen der Juden einen neuen Sinn zu geben oder die Traditionstexte neu zu begründen, dann muß dies vor dem Hintergrund dieses Bewusstseins gesehen werden.

 

Wenn Israels Irrungen und Wirrungen die überwunden werden sollen, dann durch ein neues Verständnis des schöpferischen Wortes im Licht der Weisheit, wie dies in der Damaskusschrift zum Ausdruck kommt. Ein neuer Anfang, neue Lebensrelgeln.....das alles ist nicht mit einer aufgewärmten Traditionsreliösität zu begründen, sondern nur in einem neuen Gottesbewusstsein. Es geht um logische Lebensregeln, die von den Menschen verlangt werden. Sie lassen sich weder aus Traditonstexten herauslesen, noch sind es nur menschliche Moralvorstellungen, die etwas modernisiert sind. Die neuen Verhaltensregeln entspringen nicht der eigenen, sondern einer schöpferischen Vernunft(Wort), die verünftig übertragen wird.

Auch die Gemeinschaftsregeln, die aufgestellt werden, scheinen ein Gesellschaftsmodell auf der Basis dieses neuen Gottesbewusstseins zu sein. Die Bibel allein ist zu wenig. Das lebendige Wort, der Messias ist anwesend, von ihm gehen die Anweisungen aus.

 

Die gemeinsame Grundlage der Christologie

 

Wenn heute die Texte beurteilt werden, dann suchen wir meist nach vergleichbaren Stellen in anderen Religionswerken. Wir lesen die Texte, wie wenn einfach alles gegenseitig abgeschrieben wäre. Letztlich betrachten wir so auch das Neue Testament. Der neue Logos/Verstand, der zugrunde liegt, wird übersehen oder gar verleugnet.

 

In der Christologie sehen wir eine Verherrlichung, wir reden von Hoheitstiteln, die durch spätere Schriftsteller verliehen wurden. Wir begründen die „Hoheitstitel“ unseres Religionsgründers, in dem wir nur einen wanderpredigenden Menschen, nicht das lebendige Wort  sehen, in traditonellen Texten und Ansichten, die auf den Menschen Jesus übertragen wurden. Viele moderne Theologen würde die Christologie am liebsten wieder zurücknehmen, sehen in ihr eine Verwischung der historischen Wirklichkeit.

 

Und ebenso wie wir von einer Erhöhung unseres Religionsgründers reden, ohne in der Christologie das eigentliche Wesen, im lebendigen Wort den Grund christlicher Religion zu erkennen, sehen wir auch die Christologie der in Qumran gefundenen Texte nicht das Wesen, auf dem auch diese Christolgoie gründet.

 

Solange wir die Christlogie für die spätere Verherrlichung unseres Religionsgründers halten und nicht für den historischen Grund unserer Religion, können wir auch nicht von einer gemeinsamen Grundlage der antiken Christologie ausgehen. Gleichwohl wir in den Texten von Qumran viele Übereinstimmungen mit dem Neuen Testament erkennen oder auch bei Philo von Alexandrien eine frühe Christologie nachweisen, bleiben diese für unseren Glauben unbedeutend. Sie müssen es, solange wir von einer menschlichen Gestalt als Glaubensgrund ausgehen.

 

Die außerchristlichen Christologien (schon aus dieser Bezeichnung zeigt sich das Paradox) werden dann allenfalls herangezogen, wenn wir begründen wollen, warum die Frühkirche dem Menschen Jesus diese Titel verliehen hat. Die theologische Bedeutung, die die gesamte Christolgie ausmacht bleibt im Dunkel

 

Jesus als wirklicher Messias der Juden

 

Warum in einer neuen Wahrnehmung des schöpferischen Wortes messiansiche Wirkung liegt und wie der vom grieschichen kommende Logos diese bewirken kann, bleibt bisher unbewusst. Wir wissen zwar um die hellinistischen Einflüsse auf das Geistesleben der Juden und lehren das historische Geschehen, das seit Alexander dem Großen  maßgeblich das Judentum bestimmt, doch sehen wir darin fast nur eine Gegnerschaft.

 

Und im weltlichen Kulturbetrieb, wo der der pagane Hellinismus den jüdischen Kult verdrängt, zeigt sich auch ein Problem, das in einer neuen Philosophie gelöst wurde. Während in den Tempeln zu Zeus gebetet wird, König Herodes hellinistische Städte begründet und alle Hoffnung auf den neuen Kult setzt, das tradigtonelle Judentum immer mehr verdrängt wird, zeigt sich auf philosophischer Ebene ein neues Verständnis. Es ist mehr als eine Apologetik, die sich einfach die Argumente der Anderen zu eigen macht, um eigene traditionelle Lehren zu begründen. Es geht nicht darum, dass stoische oder platonische Lehren übernommen oder jüdisch zurechtgebogen werden. Die Denker damals erkannten, daß beiden Geistesrichtungen derselbse Logos zugrunde liegt. Im Logos der Griechen sehen sie den Sohn Gottes, das lebendige Wort.

 

 

Die gemeinsame Grundlage der Christologie

 

Fortzusetzen

 

Die in Qumran gefundenen Texte untersuchen auf ihre geistige Grundlage.

 

Den Logos belegen, der zugrunde liegt.

 

Oder nachweisen, dass alles nur blinde Träume waren, dumpfes interpretieren alter Tradititonstexte nach persönlicher Beliebigkeit.

 

Dann bitte mir mitteilen, damit ich meine theologischen Spinnereien beenden und das Tennisspielen wieder beginnen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn