Anstoß zur aufgeklärten Suche
nach dem
heiligen Gral: dem
fassbaren Grund christlichen Glaubens
An das
Unternehmen Aufklärung
stellvertretend die Redaktion des Spiegel
Brandstwiete 19
Heiligabend 2004
20457 Hamburg
Anregung für einen Spiegel-Beitrag zur theologischen
Aufklärung:
Durch autoritätskritische Fragen an die heutige
Theologielehre zur aufgeklärten Suche nach dem Geheimnis unseres Glaubens, der
schöpferischen Gegenwart im naturwissenschaftlichen Bild der Welt beizutragen.
Der Weihnachtstitel über geisterhaft moderne Gralsritter sowie weitere
Zeitberichte werden dabei als Spiegel einer unzeitgemäßen Mythenmacherei und
Menschenvergötterung der heutigen Hochschultheologie gelesen, die in völliger
Inkonsequenz allen Zuwachs an Wissen ihrer dogmatischen Hypothese von einem
anschließend vergötterten historischen Menschen mit Namen Jesus bzw. einer
gegen alles heutige Wissen sprechenden buchstäblichen Exegese des Neuen
Testamentes opfert.
Gleichzeitig auch Überlegungen, warum es der
offiziellen Lehre der Kirche kaum selbst möglich ist, anknüpfende an antikes
Aufklärungsdenken den Grund bzw. Gründer des christlichen Glaubens in der
aufgeklärt wieder verständlichen Vernunft/dem Logos allen naturwissenschaftlich
nachgewiesenen Werdens wahrzunehmen, den griechisch-jüdische Denker in
menschlicher Gestalt zum Ausdruck brachten. So den modernen Menschen die Bedeutung
des Jesus genannten Schöpfungswortes für den persönlichen Alltag, wie die
Funktion und Zukunftsfähigkeit unsere Gesellschaft klar zu machen. Aus einer
neuen Perspektive all das zu bestätigen, was über den historischen und
hoheitlichen Jesus ausgesagt wurde. Einen Wandel im christlichen Historien- und
damit auch dem individuellen Selbstverständnis herbeizuführen, der den Menschen
zur schöpferischen Vernunft bringt.
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde kritischer, autoritätsfreier rationaler Aufklärung,
alle Jahre wieder, ob in Weihnachts- oder Osterausgabe, spiegelt Ihr das christliche Weltbild bzw. die theologischer Lehre wieder. Im diesjährigen Beitrag über medienspektakuläres modernes Gralsrittertum habt Ihr sicherlich nicht das Hauptproblem einer zum Aber-glaube trotzdem abgewirtschafteten und daher von Atheisten nur noch als Ursache für Kulturkriege gesehenen Glaubenslehre thematisiert. Auch wurde nicht der übliche Abriss biblischer Aussagen betrieben. Und doch zeigt sich auch im Weihnachtsspiegel wieder, was heute leider alle aufgeklärte Welt über die christliche Religion denken muss.
1. Spiegel notwendiger Reformen
Mit Eurer Arbeit leistet Ihr einen wichtigen Beitrag. Wo nur noch geisterhaft gemutmaßt wird, zeigt sich die Notwendigkeit zur Reform einer Religion, die aus antiker Aufklärung hervorgegangen ist und aus der die neuzeitliche Aufklärung der westlichen Welt erst erwachsen konnte. Dabei geht es um eine Fortentwicklung, bei der über das eigentliche und ursprüngliche Wesen des christlichen Glaubens neu nachgedacht und die Voraussetzung eines vernünftigen Glaubens für das Gelingen einer vernünftigen Gesellschaft bewusst wird. In der Weihnachtsausgabe hebt Ihr einer theologischen Mystifizierung und Schönrederei den Spiegel vor, die heute Abend gut gemeinte menschliche Moralpredigten meist nur noch märchenhaft begründet. Wenn dies für den Großteil der aufgeklärten Menschen daher lächerlich wirkt und dem Logos/der Vernunft am Grund unseres Glaubens in keiner Weise mehr gerecht wird, dann ist es Zeit zur rationalistischen Suche nach dem wahren und ursprünglichen Grund christlichen Glaubens. Nicht durch die bisher praktizierte Ablehnung, sondern erst durch die eigenständige freie Wahrnehmung einer schöpferischen Autorität mittels wachem Verstand lässt sich die Aufklärung vollenden, der Mensch aus seiner Unmündigkeit befreien.
Der kritische Rationalismus sei bereits belegt in der Religionskritik der Antike, beim Judentum, soweit es sich gegen heidnische Kulte richtet, in der gnostischen Kritik gegenüber der Großkirche, der Aufklärung des 19. und 20. Jahrhunderts und setze sich in der spätbürgerlichen Mentalität des „Spiegel“ fort. So schreibt der bekannte Heidelberger Neutestamentler Prof. Klaus Berger in seinem Buch über die Notwendigkeit Gott als Person zu begreifen. Doch wenn der Spiegel der von Berger zugewiesenen Rolle als rationalistisches Aufklärungsunternehmen weiterhin gerecht werden will, dann ist es mit der Aneinanderreihung von Glaubens-Phantastereien und dem Abriss alter Vorstellungen und biblischer Aussagen nicht getan. Gerade bei den alten Suchern nach dem heiligen Gral lässt sich eine Sehnsucht nach dem rational fassbaren Grund des christlichen Glaubens nachvollziehen, die frei von Obrigkeitsautorität nach der neutestamentlichen Wahrheit bzw. dem Wesen der christlichen Religion fragt. Und genau diese Suche nach der sichtbaren Person (Aufgabe/Rolle) Gottes, die über persönliche Vorstellungen hinausgeht, ist heute mit den Augen aufgeklärter Vernunft fortzusetzen.
Statt nur Gralsritter auf den Arm zu nehmen, wäre daher aufgeklärt nach dem fassbaren Glaubensgrund, einer göttlichen Gegenwärtigkeit in aller natürlichen Wirk-lichkeit der Welt zu fragen. Gerade die nur von alten Mythen um einen besonders guten Menschen mit Namen Jesus schwärmende Theologie und die davon ausgehende Geheimniskrämerei, wie sie Ihr zum Weihnachtsthema macht, fordert hierzu heraus. Denn so wenig es am Ursprung der Gralslegende nur um einen Blutkübel oder einen besonderen Trinkkelch ging, wie er heute die Phantasie moderner Schnitzeljäger anstachelt, liegen nach allem was wir heute wissen, den Evangelienaussagen über Josef, Maria und ihren Sohn nur zweibeinige Wesen zugrunde. Auch wenn damals scheinbar nur ein wirklich von einem heilen, unvoreingenommenen Denken gezeugtes Wesen, das außerhalb der offiziellen Herberge das Licht der Welt erblickte, genau das bewirken konnte, was die Evangelisten (die frohe Botschaft vom Logos bzw. Sohn Gottes in Geschichts-Bildern verdichtet zur Welt bringende jüdisch-griechische Weisheitslehrer) in der menschlichen Gestalt Jesus schildern. Doch es kann weder ein von einer jungfräulichen Jüdin in einer stallähnlichen Erdhöhle in die Welt gesetzter antiker Che Guevara, noch ein altabgeschriebenes mysteriöses Christus-Gottesbild gewesen sein, das verursacht hat, was sich vor 2000 Jahren wirklich ereignete und von den heute Evangelisten genannten griechisch gebildeten Reformjuden berichtet wird. Die Hypothese heutiger Hochschullehre, die immer nur von einem Menschen ausgeht, der von der Frühkirche verherrlicht worden wäre, kann in keiner Weise der theologischen Reform gerecht werden, die gleichzeitig gelehrt und nachgewiesen wird.
Die bisherige Kritik, die dann alle wundersamen Aussagen, von jungfräulicher Geburt, Heilshandlungen bis Auferstehung als Verherrlichungsliteratur im Rahmen der Gemeindebildung abtat, ließ nur noch einen Jesus übrig, von dem unmöglich die geistige Wende ausgegangen sein kann, die sich nachweislich ereignete und der die Fülle der heute auf dem Tisch der Theologie liegenden Texte über ein neues Gottesbewusstsein folgte. Weil es jedoch scheinbar einfacher ist, altgewohnten Vorstellungen nachzuhängen, die man tausendmal gehört hat, als eine Wahrheit, die ungewohnt ist, wird heute in völliger Inkonsequenz das Wissen um den großartigen Aufklärungsgeist der Zeitenwende beiseite geschoben. Obwohl die dicken Bücher der Theologen alles enthalten, was über die Vernunft/die Schöpfungsweisheit/den Logos am Grund unseres Glaubens zu sagen wäre, wird ein Jesus vorgesetzt, der weder historisch haltbar, noch als hoheitliches Wesen der aufgeklärten Welt verständlich zu machen ist. Doch Wissen zu erwerben, ohne über das Erlernte nachzudenken und unser heutiges christliches Selbstverständnis zu hinterfragen ist sinnlos. Was allerdings nicht nur für die Theologie, Archäologie oder Geschichtslehre gilt, sondern auch das naturwissenschaftlich aufgeklärte Denken der Rationalisten.
Unser Selbstverständnis entscheidet darüber, wie wir die
Welt bzw. natürliche Schöpfung sehen und wie wir uns darin verhalten. Wer
nach einem modernen vernünftigen Menschen sucht, der sich als Teil der
Schöpfung vernünftig verhält, auf kreative Weise Zukunft gestaltet und
weiterentwickelt, statt in heutiger Weise kapitalegoistische Zerstörung von
gesellschaftlichen Errungenschaften und Zukunft, der muss nach dem wahren
christliche Selbstverständnis fragen, das den Geist der westlichen Welt
bestimmt. Allein zu wissen, dass wir alle in eine Boot sitzen oder in die
falsche Richtung segeln, ist zu wenig. Auch das Wissen um die vorhandenen
Möglichkeiten zu einer ökologisch-schöpfungsgemäßen Lebensweise oder mehr
gesellschaftlicher und globaler Gerechtigkeit führt nicht weiter, wenn den
Menschen hierzu der notwendige Geist fehlt. Dem vernünftigen Verhalten muss ein
wacher Verstand schöpferischer Vernunft vorausgehen. Genau das war Gegenstand
des urchristlichen Denkens, drückt sich in der Gestalt Jesus aus. Was von den
Denkern am Anfang der Kirche über das Wesen unsers Glaubens ausgesagt wird,
gilt es dabei nicht als Dogmengott vor sich her zu tragen, sondern neu zu
versehen und auf heutige Zeit zu übertragen.
Während es der heutigen Theologie eigentlich längst klar sein müsste, dass es zur Zeitenwende um das Schöpfungswort ging, das präexistente Wesen der Gegenstand der Evangeliengeschichte ist und erst in dessen menschlicher Ausformung der Mensch zu einer dem damaligen Denken entsprechenden Gotteswahrnehmung und somit schöpferischen Vernunft gebracht werden konnte, wird in völliger Inkonsequenz an einem einfachen Wanderguru festgehalten. Auch wenn inzwischen selbst nachgewiesen wird, dass davon die Bibel nicht handelt, wird weiterhin ein Gutmenschen als historisches Wesen hingestellt, der angeblich irgendwie theologisch-philosophisch einbalsamiert und somit zum präexistenten Wesen erhöht bzw. verewigt wurde. So wird der Blick auf antike Aufklärung verbaut. Statt in der Vernunft allen naturwissenschaftlich nachgewiesenen Werdens nach dem göttlichen Logos als Offenbarungswesen Ausschau zu halten, wird der mit dem Aufbrechen der Aufklärung aufgekommene Deismus des heutigen Weltbildes, der Gott völlig außerhalb die rationale Realität des natürlichen Lebens stellt, immer weiter fortgeschrieben.
Da können dann Theologen tausendmal von Johannes schwärmen, der in der antiken Vorstellungswelt die gnostisch-philosophische Vorstellung von einem schöpferischen Logos und dem jüdischen Wort bzw. universeller Weisheit in einer Person vereinte und die unpersönliche abstrakt philosophische Erkenntnis weiterführte. Auch wenn Lukas und Matthäus als gottesfürchtige Griechen erkannt und die ihrem historischen Jesus zugrunde liegende hoheitliche Theologie längst als Geschichtsaussagen über einen schöpferischen Geist anerkannt ist, führt dies nicht weiter. Solange der in Jesus erschienene Gottessohn nur als Mensch oder eine Art Gottesersatz gesehen wird, bleibt das alles eine Phrase. Die überzeitliche Philosophie, die nicht allein stehen kann, aber erst in die christliche Kirche führte und für die Väter unseres Glaubens weitgehend eine Selbstverständlichkeit war, wird mit Füßen getreten, selbst wenn man in der Theologielehre ihre Existenz und Bedeutung für die frühen Christen ständig betont. Der sprechende Gott wird stumm. Wer spricht, sind dann nur noch Schriftgelehrte und Prediger. Was dabei herauskommt kann unpersönlicher, unwirklicher und abstrakter nicht werden. Von der als Bedeutungsinhalt belegten Schöpfungsmittlerschaft des Sohnes ist dann nichts mehr zu sehen. Der Mensch macht sich so, meist unter zu Hilfenahme von Buchstaben, die jeder auf seine Weise interpretiert, sein eigenes menschliches Bild von Gott. Was an Weihnachten dann herumgereicht wird, kann keinen zeitgemäßen Glauben mehr vermitteln und ist damit nur noch ein Götzenbild. Ohne das präexistente Wort wiederzuerstehen, das hinter den biblischen Gestalten steht, kann im Glauben nur noch pures bestimmungsloses Opium fürs Volk gesehen werden. Nach kurzer Zeit wird dann aus dem Schöpfer aller Dinge ein Gegenstand zur seichtseligen Selbstbefriedigung, Spielball theologischer Leerer und esoterischer Verschleierung unter christlicher Begrifflichkeit. Wo einst der Logos allen Lebens eine Selbstverständlichkeit war, wird Leichtgläubigen nur ein geisterhaftes Christkind als Gottesersatz vorgesetzt.
Während sich nicht nur in Amerika Aberglaube breit macht, gleichzeitig der christliche Glaube bei aufgeklärten Denkern ins Bedeutungslose versinkt, liegt die Vernunft/der Logos des antiken Gottesverstandes zum greifen nah. Er ist wissenschaftlich ausgebreitet auf dem Tisch heutiger Theologie, die allerdings nur nach einem zum Mythos gewordenen Gutmenschen und seiner angeblichen Verherrlicher Ausschau hält. Das Angesicht des einen Schöpfers des Alles, das mit der wissenschaftlichen Klarheit antiker Augen gesehen wurde, ist allzu bekannt, in der gesamten Literaturfüller der Zeitenwende und ihrer heutigen Beurteilung bestens belegt. Wenn die vorchristliche Literatur vorgesellt wird, dann ist die schöpferische Vernunft, das Weltgesetz bzw. die Weisheit Gottes hier mehr als deutlich. Doch wo es angeblich nur um einen hochgestapelten Wanderguru ging, kann man darüber nicht nachdenken. Auch wenn von den frühkirchlichen Auseinandersetzungen auf den ersten Konzilen oder den christlichen Apologeten gesprochen wird, lässt sich dies nicht wirklich tun, ohne das lebendige Schöpfungswort zu thematisieren, das leider gleichzeitig als Philosophieprodukt beiseite geschoben wird. Die Angst der christlichen Theologen vor einer Gleichsetzung der Schöpfungs-Vernunft mit Gott und einem Abgleiten in abstrakte theoretische Vorstellungen mag berechtigt sein. Doch wer nur einem jungen Juden nachläuft, die vermittelnde Eigenschaft der präexistenten Vernunft nicht wirklich wahrhaben will bzw. zum Thema der Theologie macht, läuft Gefahr, das entleerte eigene Christusgebilde götzenhaft zum Miniaturgott zu erheben. Aus der Theologie wird ohne die Realität des lebendigen und ewigen Jesus eine pure Theorie der Schriftlehrer. Für aufgeklärt Denkende ist das, was dann als fleischgewordenes Wort in der heutigen Weihnachsandacht vom Stapel gelassen wird, nicht nur völlig abstrakt, sondern zu Recht höchst unglaubwürdig.
Es ist zwar immer wieder die Rede davon, wie das Wesen,
von dem schon die Stoa sprach und das nicht mit Gott gleichzusetzen sei, in Jesus
neu zur Sprache gebracht, Gott den damaligen Menschen wieder verständlich
gemacht wurde. Doch dieses Wesen, das auch heute wie selbstverständlich als
eine schöpferische Weisheit zu sehen wäre, ohne die eher eine Explosion den
Brockhaus hervorbrächte, als den komplexen Organismus des kreativen Kosmos – so
Prof. Berger - kann Dank der Inkonsequenz heutiger Hochschullehre kein echtes
Thema sein. Auch wenn längst klar ist, dass jenseits der vordergründigen
Zufalles und materieller Selbstorganisation eine schöpferische Software wirkt,
ist es bei heutiger Amtshypothese unmöglich, darin das Wesen wahrnehmen zu
wollen, in dem die Evangelisten den neu fassbaren Offenbarungsgrund eines
einzigen Gottes sahen. Wenn Schriftlehrer nach dem Wesen unseres Glaubens suchen,
dann legen sie trotz hochtheologischer Begründung immer nur neue Buchstaben auf
den Tisch, die belegen sollen, warum dies und das über den guten Jungen mit
Namen Jesus geschrieben wurde. Für Dogmatiker scheint es selbstverständlich,
dass es auch zur Zeitenwende nur um eine unbegründbare Gottesbehauptung ging,
nicht um schöpferische Realität. Prediger gehen automatisch davon aus,
dass auch damals nur ein Wanderguru war, der irgendwelchen inneren
Phantastereien von sich gab. Selbst heutige Philosophen sehen nur ein eigenes
Hirngespinst, nicht das himmlische, schöpferische Wesen. Die Gabe der
Aufklärung, das kritische Hinterfragen von vorgegebenen Autoritäten und das
Wissen um die Vernunft des natürlichen schöpferischen Geschehens kann uns
jedoch in neuer Weise nach dem Grund einer aufgeklärten Monotheismusreform
Ausschau halten lassen.
Doch erst wenn sich auch das atheistische
Aufklärungsdenken von der alten Vorstellung befreit, dass über Gott nur geredet
wird, weil man nichts weiß, man ihn nur als Erklärungsgrund für Geheimnisvolles
gebrauchen müsse, kann auch von dort aus nachgedacht werden. Eine angebliche
Aufklärung, die nur nachschreibt, was ihr Schriftlehrer vorsetzen, aufgrund der
heutigen Weihnachtsschwärmerei auch den christlichen Ursprung für Schwachsinn
außerhalb begründbarer Logik hält, kann weder über ein schöpferisches Wort am
Anfang nachdenken, noch die theologische Aufklärung der Antike nachvollziehen.
Um sinnvoll darüber denken zu können, welche Weiterführung antikes Wissen um
die Vernunft allen Werdens in der menschlichen Gestalt des Nazareners erfuhr
und welche geistige und gesellschaftsgestaltende Wirkung davon ausging, muss
auch das fremdgegangene aufgeklärte Denken wieder jungfräulich werden. (Möglicherweise
bewahrheitet sich hier die von gottesfürchtigen griechischen Gelehrten zum Ausdruck gebrachte Logik, über die man
bisher oft vorschnell spottete und die selbst die Glaubenslehrer als nicht mehr
ganz erst nehmen: Nur unvoreingenommen, schwanger von einem Denken, das die
Gegensätze schöpferisch-kreativ
überwinden will, lässt sich der Abfall vom Schöpfer überwinden, seine im
Namen „Jesus“ bzw. „Immanuel“ zum Ausdruck kommende Gegenwart „Gott hilft“ oder
„Gott mit uns“ im erneut aufgeklärten Bild der Welt realisieren.)
Mir ist bewusst, dass ich mit der These, dass es sich beim historischen Jesus nicht um einen Menschen, wie ihn sich alle Welt vorstellt, gehandelt hat, sondern die von jüdisch-griechischen Aufklärern in menschlicher Person verdichtete schöpferische Vernunft, das lebendige Wort/den Logos Gottes, völlig allein stehe. Der Verstand des lebendigen Gotteswortes im natürlichen Werden muss aufgrund bisheriger Hypothesen völlig abwegig klingen. Wenn ich es trotzdem wage, Euch aufzufordern, bei der Theologie die konsequente Umsetzung Ihres Wissens einzufordern, neu nach dem eigen(tlich)en Glaubensgrund zu fragen, dann ist es die Gewissheit, dass hierzu ein Anstoß von Aufklärern kommen muss, die außerhalb des fest eingefleischten kirchlichen Denkschemas stehen. Auch wenn mir die theologischen Lehrer in biblischen Bedeutungsinhalte und geschichtlichen Begebenheiten ständig vermitteln, dass es vor zweitausend Jahren nicht um einen predigenden jungen Juden oder ein mysteriös-gesetztes Gottesbild, einen verkündeten Christus gegangen sein kann, so scheint es innerhalb der theologischen Lehre derzeit unmöglich, an einem zweibeinigen Wesen mit Namen Jesus zweifeln zu wollen. Während durch ein neues Historienverständnis der hoheitliche und gleichzeitig historische Jesus auf feste Beine gestellt werden könnte, muss bei einer wie selbstverständlich nur von einem Menschen ausgehenden Betrachtung angenommen werden, der christliche Glaube würde durch die Perspektive einer Schöpfungsvernunft als Offenbarungswesen auf den Kopf gestellt bzw. verleugnet.
Was aufgrund der heutigen Professoralprämisse als Jesus Christus gelehrt und daher auch gepredigt wird, kann modern denkenden Menschen den Glaube nicht mehr vermitteln. Sobald der Begriff Jesus fällt, dabei jedoch nur ein wundersamer Mensch und eine christologische Gottesrede vermutet wird, schalten nicht nur naturwissenschaftlich aufgeklärte Atheisten ab. Auch die meisten Traditionalisten nehmen Jesus nicht wirklich ernst. Auch sie können bei derzeitiger christlicher Historienhypothese als normal und natürlich Denkende nur fromme Forderungen nach besserer Moral und blindem Glaube hören. Wo der schöpferische Logos nicht vorkommt, muss letztlich alles für reine Schönrederei und gut gemeint Forderungen gehalten werden.
Noch bis zur Aufklärung galt das hoheitliche Wesen des Jesus Christus als selbstverständlich, konnten auch die biblischen Texte dem Glauben an den einen Schöpfergott begründen. Doch scheint heute die Zeit reif, aufgeklärt nach der kosmischen Begründung von Buchstaben und biblischen Gestalten zu fragen. Es sind allerdings die Vorgefasste Denkmuster, die dies ausschließen und einen Anstoß von außen notwendig machen, der die konsequente Verwertung des theologischen Wissens einfordert.
Gleichwohl der biblisch bezeugte Jesus nicht aufgrund von
Buchstaben, sondern der Realität des natürlichen Werdens neu wahrgenommen
werden könnte und im Bezug zur antiken Reform als offenbarender Sohn Gottes zu
sehen ist, wird bei heutiger Historienlehre jeder Bezug zu Jesus Christus als
fromme Rede abgetan. Die Beliebigkeit, mit der auch innerhalb der
kirchlichen Lehre über Jesus geredet wird, wo alles und jedes als Jesus
Christus möglich ist, schließt ein vernünftiges Nachdenken über ein neues
aufgeklärtes Historien- und Selbstverständnis aus:
Wenn klein Fritzchen im katholischen Kindergarten (es könnte auch die evangelische Akademie sein) gefragt wird, ob er wüsste, wer mit einem buschigen Schwanz von Baum zu Baum springt, dann bringt der Knirps die Problematik auf den Punkt: „Normal würde ich sagen, es ist ein Eichhörnchen, aber wie ich diesen Laden hier kenne, ist es das liebe Jesuskindlein.“ Wo Jesus Christus als eine Art Gott nur vor den Karren frommer Reden gespannt wird, ohne realen schöpferischen Bezug in einer Art rhetorischem Pantheismus überall und nirgends ist, kann über die Realität des Schöpfungswortes nicht nachgedacht werden. Die Beliebigkeit, mit der dann meist nur darüber nachgedacht wird „was Jesus Christus heute wäre“ wobei sich jeder sein eigenes, ganz persönliches Bild macht, schließt ein Nachdenken über die Vernunft allen natürlichen Werdens als präexistentes Christuswesen aus. Wenn an der kirchlichen Akademie ein Astronomieprofessor die wunderbare Entstehung des Universums vom angenommenen Urknall bis zur Gegenwart ausbreitet, kann darin leider kein ernstzunehmender Zuhörer das Wort/den Logos Gottes verstehen wollen, von dessen menschlicher Gestalt das neue Testament handelt. Erst ein neues Historienverständnis ermöglicht es, selbst im instinkthaften Verhalten des vorsorgenden Eichhörnchens eine ganz natürliche schöpferische Vernunft/ein schöpferisches Wort am Werk zu sehen, das weit mehr auf den unsichtbaren Creator verweist, als alle Christusrhetorik, die heute Abend zu hören ist. Ein Erkennen des urchristlichen Selbst scheint die Voraussetzung, um heute das schöpferische Wort, den echt wirk-samen lebendigen Jesus wieder zu verstehen.
2. „Lasst Euch nicht verarschen!“
(Weder von theologischen Wissenschaftlern, die nur
noch nach einem Wanderguru fragen, der wie Ihr schreibt, keine Jahrtausend
Jahre überdauernde Kirche gründen wollte, den Kreuzestod starb, von seinem
Bruder Jakobus vertreten und anschließend verherrlicht wurde..., noch von
geheimnisvollen mysteriösen Gralslehren.)
...sonst zeigt Euer Spiegel nur das, bringt das
Unternehmen Aufklärung nur das hervor, was aus dem Hinterteil herauskommt.
Längst wissen die Schriftlehrer, dass es bei den
Evangelien weder um einen jungen Guru, noch ein gesetztes altabgeschriebenes
mysteriöses Gottesbild, sondern das in der Antike wiederverstandene
Schöpfungswort, Weisheit, den Logos oder schöpferischen Weltgeist in
menschlicher Gestalt gehandelt hat. Auf jedem biblischen Themenabend und in
jedem Seminar, das ich in den letzten Jahren besuchte, ist mir von Theologen
deutlich gemacht worden, dass es den antiken Denkern nicht um einen Menschen
mit Namen Jesus oder ein gesetztes Gotteswesen gegangen sein kann. Doch die
festgefügten Vorstellungen, an denen inzwischen als letzte Wahrheit verzweifelt
festgehalten wird, verhindern, dass auf aufgeklärte Weise nach dem gesucht
werden kann, was sich sicherlich auch in den Bildern des heiligen Grals
ausdrückt. Daher bitte ich Euch, die Inkonsequenz heutiger theologischer
Buchstäblichkeit zum Thema zu machen, nicht nur weiter als Abriss- sondern als
schöpferisch-kreatives Aufklärungsunternehmen der heutigen Lehre den Spiegel
vorzuhalten.
Beim Brötchenholen haben ich zur Weihnachtsausgabe Eurer Bild-Brüder gegriffen. Ein Novum. „So weit ist es mit Dir gekommen“ witzelt mein Sohn, weil ich mir jetzt schon für 50 Cent ein heutiges Bild von Jesus machen will. Ich befürchte schon, er wird mir darin den „Stupid White man“, den er mir heute Abend unter den Weihnachtsbaum legen wird, einpacken. Wenn ich mich mit der Frage nach Jesus auseinander setzte, dann ist es jedoch genau der dumme weiße Mann, den Michael Moor in seinem Bestseller beschreibt. Nicht allerdings der amerikanische Präsident, den der intellektuelle Amerikaner als Feindbild sarkastisch angreift, sondern das Weltbild, aus dem erst all das entstanden ist, was heute lautstark alle angeblich aufgeklärten Denker beklagen, sich bei gut?gläubigen Amerikanern nur auf besonders deutliche Weise zeigt. Was und auch bei Euch immer wieder so treffend vorgeführt wird, sind nur die Symptome. Die Ursache sitzt tiefer. Hinter dem „stupid White men“ steht ein Aberglaube, dem letztlich auch der Atheismus, die angebliche Aufklärung aufgesessen ist. Was auch Ihr zu Eurem Weihnachtsthema gemacht habt, ebenso wie die Stern-Schreiber, die letzte Woche von der Sekte eines jungen Juden berichteten, die zur erfolgreichsten Religion der Welt wurde, ist nicht das Wesen der antiken Aufklärung. Und wer sich verarschen lässt, der darf sich nicht wundern, wenn... - von schöpferisch-kreativer Vernunft der Aufklärung nichts zu sehen ist.
Mit Hilfe vatikanischer Forscher spüren Eure Kollegen im Bild buchstäblicher Vorgaben das Leben eines jungen Zimmermann nach, versuchen die wundersamen Aussagen über dessen Geburtsgeschehen durch Banaldeutungen, die alle auf einen jungen Juden bezogen sind, zur Vernunft zu bringen. Wenn ich nach jahrelanger Beschäftigung mit der antiken Geistesgeschichte und den mir von theologischen Lehrern beigebrachten Bedeutungsinhalten der biblischen Aussagen völlig sicher bin, dass ähnlich wie die Bild zur Seite stehenden Vatikanforscher bestätigen, alles wahr ist, dann liegt dem jedoch ein ganz anderes Denken von einem neuen antiken Bewusstsein zu Grunde, wie es der nach dem legendären Turiner Grabtuch blauäugig aus dem Weihnachts-Bild blickende Jesus abgibt.
Auch eine kurze Meldung der Heiligabendausgabe unserer Tageszeitung bringt den Irrsinn der heutigen Professoralprämisse auf den Punkt. Spezialisten der italienischen Kripo wollen laut RHEINPFALZ das Gesicht Jesus im Kindesalter rekonstruiert haben. Mit Hilfe moderner Möglichkeiten wurde aufgrund des Turiner Grabtuches ein Phantombild des zwölfjährigen Heilandes nachgezeichnet und im italienischen Fernsehen weihnachtlich gezeigt. Solange die Welt dieses Bild für den Jesus des Neuen Testamentes halten muss, wie es auch bei Euch als Ostertitel zu sehen war, schließt sich ein zeitgemäßes Schöpfungsverständnis aus. Statt kriminalistische Logik an den Tag zu legen und das theologische Wissen um das antike Denken und Schreiben konsequent auszuwerten, so zu dem unweigerlichen Schluss zu kommen, dass es damals nicht um einen Guru gegangen sein kann und kein Gottesgebilde, wird so überall das Bild des Schwachsinns in die Welt gesetzt. Und das alles an Weihnachten, wo wir das Licht bzw. neues Bewusstsein feiern, der Mythos als Mensch gewordener Logos das Licht der Welt erblickte.
Wo Theologen denken zu wissen, dass Weihnachten nur ein zufälliges Datum wäre, das später gewählt wurde, um einen Guru, den man für einen Gottessohn hielt, ins rechte Licht zu setzen, da wird das Licht antiker Aufklärung ausgeschaltet. Auch wenn klar ist, dass es auf den Ikonenbildern mit Heiligenschein um den Pantokrator ging, so wird den damaligen Denkern nur die Vergötterung eines Heilspredigers als Christusgott unterstellt. Die schöpferische Vernunft, durch die der unsichtbare Schöpfervater den Vätern unseres Glaubens erst seine universale Allmacht offenbarte, bleibt unverstanden. Der Tatbestand, dass es den Kirchenvätern, die den Kanon bestimmten, ebenso wie sicherlich auch dem Papst, der später das Weihnachtsdatum wählte, um weit mehr ging, als wir heute abbilden, wird der eigenen Inkonsequenz bzw. den liebgewordenen Vorstellungen geopfert. Solange ein solcher Schwachsinn unser historisches und somit christliches Selbstverständnis bestimmt, die Menschen aufgrund der Kurzmeldung im Zeitgeschehen über die kriminaltechnische Rekonstruktion einer Reliquie annehmen müssen, dass es bei Jesus nur um einen Mensch mit Sonderbegabung ging, wird der Chefredakteur unserer Tageszeitung im Weihnachtskommentar vergebens nach Erneuerung christlichen Werte zur Lösung unserer gesellschaftlichen Probleme rufen. Der historische wie heutige Wert der christlichen Lehre wird mit den Buchstaben ausgeleert.
Das blauäugige Weihnachts-BILD, dem auch Ihr in
der Osterausgabe aufgesessen seid, ist seit der Weltausstellung in Hannover für
mich ein rotes Tuch. Es machte mir dort besonders deutlich, wie die heutige
Historienhypothese den Verstand verbaut: Bei der Nabelschau der Nationen, die
jeweils zeigten, wie wunderbar die verschiedenen Kulturen gewachsen sind, wurde
mir immerzu nachgewiesen, wie die Vernunft/Weisheit eines gemeinsamen Creators
in verschiedenen Kulturformen gewirkt hat. Auch in der Geisterbahn, mit der ich
gemeinsam mit meinem Biologie studierenden Sohn durch das genetische Alphabet
fuhr, verstand ich nur das, was ich aufgrund des mir von Theologen
beigebrachten Wissens als Wort Gottes kannte und von dem ich inzwischen sicher
war, dass darauf der urhebräische wie der jüdisch-reformierte christliche
Glaube gründete. Und ebenso ließen mich die zahlreichen naturwissenschaftlichen
Demonstrationen in den Themenparks Einblick in die konstruktive Creation aller
Evolution nehmen, machten nicht nur klar, wie sinnvoll der Schöpfer in Mikro-
und Makrokosmos würfelt, sondern ließen mich das wahrnehmen, was antike Denker
recht abstrakt als schöpferische Weisheit bezeichneten und daher in
menschlicher Gestalt vermittelten. Erst als ich zum Pavillon des Heiligen
Stuhles kam, wurde ich eines Besseren belehrt. Dort stand ich in einer
Warteschlange, um das Turiner Grabtuch als historischen Beweis Jesus zu
bewundern, das heute so blauäugig aus Bild blickt. Vom Pantokrator als dem
lebendigen Logos, der nachweislich Gegenstand der urchristlichen Ikonographie
war, habe ich allerdings weder bei der päpstlichen Darstellung, noch in Eurem
Oster- oder dem Weihnachtstitel von Bild etwas gelesen. Nicht die
philosophische Realität des Pantokrators, der auch Gegenstand der gesamten
frühchristlichen Kirchendiskussionen um das wahren Wesen Jesus war, wird
nachgezeichnet, sondern nur das Phantombild eines Besserwisser hochgehalten.
Statt selbst aus der Grabtuch-Legende (die von syrischen Königen bzw. Weisen handelt,
einer Region, wo ich seit vielen Jahren eine antike geistige Synthese, Teil des
christlichen Ursprunges sehe, während die theologischen Wissenschaftler
aufgrund ihres Selbstverständnisses oft nur von einem für christlichen Glauben
eigentlich unbedeutenden syrischen Synkretismus reden) wäre mit Sicherheit
etwas vom Logos zu lernen, der unserer Religion zugrunde liegt.
Wenn Ihr für Osterausgabe wieder ein Bild von
Jesus sucht, solltet ihr als Aufklärungsunternehmen daher nicht nur Schwachsinn
nachzeichnen. Nichts spricht dagegen, sich eines nachweislichen Reliquienbildes
zu bedienen. Wenn dessen Echtheit aufgrund von Pollen- und Textanalysen
nachgewiesen wird, wie bei Euch zu lesen war, dann handelt es sich jedoch
logischerweise um das authentische menschliche Angesicht des Schöpfungswortes,
nicht um das Gesicht eines wundersamen Gurus. Wer daher das Grabtuch abbildet,
wie wenn es um einen historischen Beweis für einen jungen Märtyrer ginge, der
könnte gleich auch das angebliche Antlitz Jesus Christus zeigen, das aufgrund
des entsprechenden Aussehens einer sonderbaren Austernschale derzeit im
Internet angeboten wird. Dort ist Jesus gar mit Dornenkrone zu sehen. Als Aufklärungsunternehmen solltet Ihr
allerdings keine Vergeisterung betreiben, sondern nach der Vernunft, dem Logos
fragen, der antiker Aufklärung zugrunde lag. Aus dieser Perspektive ist dann
auch der Prozess im Mordfall Jesus auf völlig neue Weise aufzurollen. Es ist
die dogmatische Professorenprämisse, die in völliger Inkonsequenz bzw. Verleugnung
des eigenen Wissens weitergeführt wird, die die Vernunft Gottes, ans Messer
liefert.
Wenn mit Beistand päpstlicher Wissenschaft in der Bildzeitung an Heiligabend unter der Headline „So war es wirklich“ (und das ganz ohne Fragezeichen) von einer im Sternbild der Jungfrau geborenen jungen Frau berichtet wird, die in einer Erdhöhle mit Futtergrippe einen jungen Zimmermann zur Welt brachte, den drei heilige Sterndeuter anhimmelten, dann kann heute kein astronomischer Wissenschaftler annehmen, dass er in natürlich-himmlischer Ordnung das offenbarende Wort Gott sieht. Wo die Geburt in den September verlegt wird, weil laut archäologischer Forschung ein Feld von Schafbauern entdeckt worden wäre, die jedoch nicht in einer Winternacht auf der Weide waren, dann wird der Spruch „Bilder lügen nicht“ einmal mehr zur Phrase. Doch den Bildmachern, bei denen durchaus zu lehren ist (z.B. wenn man die Namen der Weisen aus dem Morgenland als u.A. als König des Lichts deutet und damit auf das hingewiesen wird, was antike Weisheitslehrer wirklich als Gottessohn erkannten) nimmt keiner krumm, wenn sie es nicht so genau nehmen. Wenn Ihr als Unternehmen Aufklärung allerdings nicht nur eine Bild-zeitung sein wollt, die sich zur weihnacht- oder österlichen Umsatzsteigerung an der Schnitzeljagd um esoterische Gralsmythen und eine heilige Hure beteiligt, sondern das Aufklärungswerk im Sinne Augsteins fortsetzen wollt, dann solltet Ihr die heutigen Hirten anstoßen aufzuwachen. Das Blut dessen, der damals gekreuzigt wurde und der wie die Theologie heute selbst nachweist, nicht nur ein Glaubensmärtyrer war oder ein abgeschriebenes Gottesbild, fließt wirklich. Wir brauchen es nur neu zu fassen. Wenn aus dem theologischen Aufklärungsgeist nur noch trüb-fauliges Wasser geworden ist – wie es sich in Eurem Weihnachtstitel spiegelt - dann reicht es nicht, dies beim Abendmahl nur symbolisch herumzureichen oder sich über kirchlichen Kult und Geheimniskrämerei intellektuell lächerlich zu machen. Es wäre die Aufgabe von Aufklärern, die Suche auf eine neue Weise anzustoßen, damit aus abgestandenem Wasser wieder echt geistvoller Wein wird. Kein kosmischer Christus steht auf dem Programm, der einer spirituellen persönlichen Sehnsucht entspringt oder nur ein philosophisches Scheinwesen ist. Vielmehr sollte die in griechisch-jüdischer Aufklärung anwesende Vernunft als das ureigene christliche Wesen zum theologischen Thema gemacht werden.
3. Vorgesetzte Prämissen verhindern neue Perspektiven
Da es heute für alle Hochschultheologie ganz selbstverständlich ist, dass ein Mensch mit Namen Jesus gelebt hat, „an dieser schlichten Tatsache kein ernstzunehmender Wissenschaftler zweifelt“, ist die wissenschaftlich-kritische Nachfrage nur noch Außenstehenden möglich. Ein Theologe, der ernst genommen werden will, kann nicht die Frage stellen, ob es sich bei Jesus um einen Menschen gehandelt hat. Er würde sich völlig ins Abseits stellen und als Abstreiter aller bisheriger Annahme angesehen werden. Ähnlich wie einstigen Aufklärer und auch Augstein mit seiner Jesus-Kritik. Nur von außen kann der Anstoß ausgehen, innerhalb der Kirchentheologie mit neuen Augen zu suchen und zu sehen. Während im derzeitigen Weltbild der Amtstheologie jeder Zweifel an einem historischen Menschen mit Namen Jesus wie selbstverständlich als Angriff auf die christliche Lehre angesehen, als Doketismus, Ruf nach einem Scheinwesen angenommen wird, soll durch den Hinweis auf eine in der Natur allen Werdens lebendige Vernunft/Software genau diese Scheinheiligkeit überwunden werden. In der menschlichen Ausgestaltung des Schöpfungswortes kann aufgrund dessen, was Theologen aus den biblischen Bedeutungsinhalten ableiten und auf was sich aufgrund des antiken Weltbildes schließen lässt, der historische Grund bzw. Gründer christlichen Glaubens gesehen werden. Was heute von den Meisten als schöner christlicher Schein gesehen wird, der angeblich einem charismatischen Religionsrebellen aufgesetzt worden sein soll, muss scheinbar durch den aufgeklärten Anstoß von außen in schöpferischer Kreation wieder entdeckt werden. Erst so wird die bekannte Gestalt des historischen Jesus wieder bedeutungsvoll, kann das ernst genommen werden, was die Verfasser des Neuen Testamentes schreiben und die ihnen folgenden Christen als hoheitliches Wesen abbildeten. Der aufgeklärte Mensch wird dann bei der Weihnachtsandacht die Lieder vom himmlischen Kind mit vollem Bewusstsein noch viel lauter singen. Er wird sich so für die von einem unsichtbaren Schöpfer ausgehend kosmische Vernunft begeistern und sich wahrhaft weltökonomisch und ökologisch verhalten.
Doch das Bild des ach so leidvoll blickenden Bärtigen hat
sich so tief eingeprägt, dass es unmöglich scheint, dahinter die
Schöpfungslogik zu vermuten. Und wer dies ein Leben lang gelernt hat, der kann
dann – auch wenn Jesus in Wirklichkeit für ihn noch so unbedeutend geworden ist
– von diesem Bild kaum loskommen. Wo man sich darin eingerichtet hat, Glaube
außerhalb des Wissens bzw. die begründbare Gewissheit zu stellen, gut fürs
Herz, hat das Schöpfungswort kaum eine Chance. Da jedoch bei Außenstehenden,
die diesen persönlichen Jesus, den Moralapostel oder ach so guten Menschen noch
nicht so tief ins Herz geschlossen haben, der Blick freier ist, hege ich
Hoffnung auf Hilfe durch das Unternehmen Aufklärung.
Die leider nur noch märchenhaft wirkende Geschichte, die heute Abend von einem gutherzigen Menschen mit zufälligem Namen Jesus erzählt wird, der am Rand einer Volkszählung unter mysteriösen Umständen geboren wurde, kann kaum einem aufgeklärten Zeitgenossen den Creator oder dessen Sinngebung und Wegweisung vermitteln. Auch das Reduzieren des christlichen Wesens auf einen einfachen Menschen, dem angeblich aus populistischen oder propagandistischen Zwecken bestimmte Aussagen angehängt wurden, wie es heute im theologischen Alltag gang und gäbe ist, hilft nicht weiter, macht damit auch die gesamten hoheitlichen Aussagen unglaubwürdig und kann so erst recht keinen aufgeklärten Glauben begründen. Hierzu scheint der aufgeklärte Verstand dessen notwendig, der hinter der historischen und gleichzeitig hoheitlichen Geschichtsgestalt steht und nicht einfach mit dem transzendenten Creator gleichzusetzen ist.
Die bisher für selbstverständliche gehaltene Voraussetzung, dass der historische Jesus nur ein guter Junge mit besonderem Draht nach oben war, hat dazu geführt, dass man in schöpferischer Vernunft oder erkanntem natürlichem Weltgesetz immer wieder nur Gott selbst identifizieren wollte. Dies führte allenfalls zum Pantheismus bzw. monistischen Pankretonismus eines unbestimmbaren abstrakten Gottesbildes. Auch die Philosophen der Aufklärung und der ihnen folgende Idealismus sind daran gescheitert. Sie mussten denken Gott selbst entschlüsseln zu können. Was herauskam, war nur ein unpersönlicher unbedeutender philosophischer Gott. Die Überlegung, dass sie in der erkannten Vernunft des natürlichen Werdens den wahren Sohn und einzigen Schlüssel zum bestimmbaren Schöpfergott des Monotheismus in Händen hielten, den die Evangelisten in der Gestalt Jesus verständlich machten, war den philosophischen Aufklärern kaum möglich. Zu überlegen, warum das im kosmischen Geschehen, wie im geschichtlichen Werden erkannte Wesen das altbekannte offenbarende jüdische Gotteswort war, das Aufklärungsdenker zur Zeitenwende in der uns bekannten Gestalt verdichteten, nicht der Schöpfer selbst, ist nur denkbar, wenn wir uns von der Vorstellung lösen, dass der historische Jesus der Evangelisten ein einfacher Mensch war.
Auch den Theologen, die weit besser als ich wissen, welche Bedeutung das Denken über den Logos oder eine schöpferische Weisheit zur Zeitenwende hatte, heute Abend in hellen Tönen beschreiben, wie in Christus diese Vernunft Fleisch wurde, bleibt heute leider nur, sich gegen die philosophischen Vorstellungen zu wehren. Sie müssen befürchten, dass der bekannte Gott gegen ein Weltgesetz, eine Schöpfungsharmonie des Alles oder einfach die Naturgesetzte ausgetauscht werden sollte. Warum nicht eine kosmische Kraft an die Stelle des persönlichen Schöpfers gesetzt wird und wurde, sondern warum durch diese kreative Kraft erst die Person (Aufgabe/Rolle) des einen Schöpfers bewusst wird und so an die Stelle eines abstrakten Predigtbildes ein ganz konkretes Gottesverständnis tritt, das dem der antiken Monotheismusreform entspricht, kann bei heutiger Theologiehypothese kein Thema sein. Wo man wie selbstverständlich den historischen Grund des christlichen Glaubens für einen Wanderprediger hält, auch wenn man ständig betont, dass zwischen dem hoheitlichen Christus und dem historischen Jesus nicht unterschieden werden dürfte, kann die in antiker Aufklärung gegebene Erkenntnis eines universalen Creators nicht anerkannt werden. Solange man immer nur betont, dass frühkirchliche Denker dem Christus – wer immer das dann gewesen sein soll – ein kosmisches Kleid verpassten, die erkannte Allmacht des Pantokrators in Menschengestalt nicht als das eigentliche Wesen wahrnehmen, von dem messianische Wirkung ausging, führen selbst heutige Prozesstheologien nur zu irgendwelchen Sondertheorien oder in Pantheismus. Warum es nicht um eine sich selbst organisierende Vernunft geht, die an Stelle Gottes tritt, sondern hier der ewige Sohn zu sehen ist, der einzig, unmittelbar und universal auf den Vater verweist, kann nicht nachvollzogen werden, wenn angeblich Jesus nur ein angehimmelter Mensch oder ein vorgesetztes Gottesbild war.
Christlichen Denkern, wie der derzeit wohl bekannteste Neutestamentler Prof. Klaus Berger, die in all ihren Büchern nachweisen, dass es vor 2000 Jahren um die schöpferische Wirk-lichkeit Gottes in menschlicher Gestalt ging oder die päpstlichen Theologieautorität des Kardinal J. Ratzinger, der in Dominus Jesus mehr als deutlich macht, dass es damals um ein hoheitliches präexistentes Wesen ging, das nicht mit Gott gleichzusetzen aber weit mehr als Mensch und einzige Autorität des Schöpfers ist, halten weiterhin an einem Gutmenschen fest. Sie müssen daher jeden Versuch, die aufgeklärt wahrnehmbare schöpferisch Vernunft zum Thema zu machen, als Gefahr sehen, eine Denkweise die Gott ersetzen oder vereinnahmen will. Dass es die Vernunft allen Werdens ist, die als ewiges Wort erst auf den einen Vater des Alles in unmittelbarer Weise verweist und die Bezugnahme zur biblischen Gestalt Jesus auch heutiges Gebot kreativer Kommunikation ist, lässt das fest eingefleischte Historienverständnis nicht zu.
Und wie soll man jungen Religions- und Geschichtswissenschaftlern, die zusammen mit ihren Lehrern im Heiligen Land nach den Spuren eines rebellischen Märtyrers suchten, dabei ständig das bekannte Bild des leidvoll blickenden jungen Mannes vor Augen hatten, auf die Spur eines schöpferischen Logos bringen? Zwar macht deren archäologische und bibelwissenschaftliche Arbeit immer wieder deutlich, dass es damals nur ein nicht einfach mit Gott gleichzusetzendes Wesen mit kosmischer Größe gewesen sein kann, das die geistige Wende bewirkte, in den antiken Synagogen Zuhause war bzw. dort erwachsen ist und gegenüber den römischen Gottkaisern als wahrer König der Menschheit gesehen wurde. Doch verbaut die von heutiger Lehre vorgegebene Hypothese den Blick auf den Logos der christlichen Lehre, das echt schöpferische Wesen. Auch wenn es sich bei ernsthafter Betrachtung als eigentlich unmöglich erweist, muss bei der heutigen Annahme alles in den Dienst einer Verherrlichungstheorien gestellt werden, die die Vernunft ausschließt.
Es wird gelehrt, wie bereits in jüdischer Weisheit oder Stoa diese von früher Aufklärung als Gotteserklärung thematisierte Vernunft nachgewiesen wurde und wie griechisch-philosophisches Gedankengut in die Evangelien eingeflossen ist. Wo es aber angeblich nur um einen hochgelobten Heilsprediger oder gesetzten Christusgott ging, bleibt das alles völlig unbedeutend. Wenn dargelegt wird, wie die Brieftheologie Paulus philosophisches Gedankengut aufgriff, braucht das dann kaum weiter zu interessieren. Von heutiger Prämisse aus, kann es ja angeblich nur eine populistische philosophische Einfärbung gewesen sein. Aufgrund der heutigen Hypothese vom historischen Räuberhauptmann können Denker wie der Kirchvater Origenes, von denen wir Zeugnis darüber haben, wie am Anfang des christlichen Glaubens die aufgeklärte Weiterführung des damaligen Wissens im Einvernehmen mit einem geistigen Verständnis der alten Schriften zu einem neuen Gottesbewusstsein führten, nur am Rande vor. Eine unergründliche, allenfalls propagandistisch verherrlichende Dogmensetzung wird angenommen. Doch liegt heute ausreichend Material vor, das mehr als deutlich macht, dass es damals nicht um blinde christologische Dogmenbildung ging, sondern ein erneuerter Monotheismus aus einem logischen Denkprozess hervorging: christlicher Glaube. Auch wie sich der später Augustinus und andere Denker am Anfang der Kirche für die Philosophie ihrer Zeit begeisterten, diese aber allein als Erkenntnis ohne Erwärmung für unzulänglich hielten. Was durchaus nachvollziehbar ist, weil die wahre Vernunft erst eine Gestalt benötigte, um verstanden zu werden. Doch da man wie selbstverständlich nur einen mit seinen Fischerfreuden um den See Genezareth ziehenden Guru, allenfalls einen gesetzten Christusgott für das Geschichtswesen hält, wird das kosmische Kind, der Logos unseres Glaubens heute mit dem Bad ausgeleert. Solange Jesus als das verstanden wird, was wir heute an Weihnachten vor Augen haben, auch wenn wir ihn lautstark als lebendig gewordenen Logos und einzigen Sohn besingen, müssen wir von einer Konkurrenz zwischen dem Schöpfungslogos und dem uns bekannten Gott ausgehen. Dass dieser Logos die einzige Weise ist, in der sich Gott der Welt zuwendet, die treibende Kraft der alles entspringt nur sein ewig auf seine Existenz verweisendes Wort ist, mag dann zwar in den Büchern der Theologen nachzulesen sein, bringt jedoch die verschiedenen Denkweisen nicht zusammen. Was bleibt ist ein kritischer Rationalismus, der sich völlig außerhalb der christlichen Religion denkt, allenfalls zu einer rein intellektuellen Form von Glaube führt. Wieso vor 2000 Jahren nicht die Weltvernunft an die Stelle Gottes gesetzt wurde, sondern den in jüdischer Volkstradition vorgesetzten monotheistischen Gott erst wiederbegründete und dies auch heute wegweisend wäre, kann nicht gedacht werden. Solange wir denken, dass an Weihnachten nur ein charismatischer Zimmermann das Licht der Welt erblickte, dem aus Verherrlichungszwecken eine jungfräuliche Geburt angehängt wurde, schließt sich die in antiker Aufklärung neu zum Ausdruck gebrachte Schöpfungsvernunft aus. Dass die Weltvernunft bereits der Grund des Bundes vom Sinai war und in Jesus ein neues Angesicht erhielt, wird zwar gesagt. Dies kann aber kein wirkliches Thema sein, solange ihn die Welt für einen besonders menschlichen Wanderprediger halten muss. Warum der Logos, die Weltharmonie oder natürliches Werden nicht an Stelle Gottes treten, sondern urchristliche Offenbarung sind, die sich in der Trinität als einer Art geistiger Weltformel der Erkenntnis ausdrückt, kann eigentlich erst nachgedacht werden, wenn wir die Weihnachtsgeschichte des Lukas mit aufgeklärten Augen lesen.
Euer ehemaliger Herausgeber wollte in seiner kritischen Forschung die Kunstfiguren des Moses und insbesondere Christus als Menschenwerk entlarven, was heute weitgehender gelehrt wird. Er gehörte gleichzeitig zu den Wenigen, die auch an einem menschlichen Wesen mit Namen Jesus zweifelten, mir Mut zu meinen Fragen machte. Gerade durch diese Befreiung von festgefügten vorgesetzten Vorstellungen ist es uns heute möglich, in neuer Weise über den eigentlichen Grund der Glaubensgestalten nachzudenken. Letztlich ist die in Augstein gipfelnde autoritätskritische Aufklärung die Voraussetzung, um mit neuen Augen nach einem Wesen zu fragen, das die kirchliche Autorität derzeit zwar von sich weist, das jedoch hinter allen kirchlichen Predigten und Kulthandlungen steht. Während Augstein den Glaubens-Christus als Kirchenwerk abstritt, so ist heute zu verstehen, dass vielmehr die menschliche Geschichtsgestalt des schöpferischen Wortes das damals für die Vermittlung notwendige Werk der Kirche war. Eine Verortung der biblisch berichteten Geschichten in antiker theologischer Aufklärung, als einem nachvollziehbaren historischen Prozess schließt sich allerdings aus, wenn wir nicht bereit sind, die Evangelien als großartige allegorische Schilderung der vom damals lebendigen Schöpfungswort ausgehenden Wirkung bzw. eines erneuerten monotheistischen Gottesverständnisses zu betrachten. Was aufgrund der heutigen Hypothese geschichtlich verortet wird, erscheint leider nur noch wie das fromme Gefasel eines Gurus oder dessen anschließende Vergottung. Doch dies war für damalige Reformjuden völlig ausgeschlossen.
Ein einfacher Mensch mit zufälligem Namen Jesus wird, wenn wir ernst nehmen, was wir wissen, an keiner Stelle des Neuen Testamentes erwähnt. Dieser war auch nicht Gegenstand des gesamten christlichen Glaubens. Er kommt nur im Kopf unseres kurzgeschlossenen Verstandes vor. Er entspringt einer Unmündigkeit, die das Schöpfungswort nicht wahrnehmen will, weil sie sich in einer Art Ödipuskomplex nur auf die mütterliche Seite der Welt zurückführt. Wie in der Glaubenslehre dann alles nur als Produkt von Mutter Kirche verstanden und gedeutet wird, so mussten sich die naturwissenschaftlichen Aufklärer als Produkte einer toten Materie, des blinden Zufall verstehen. Allenfalls nach einem pankreationistischen Gott selbst war Ausschau zu halten. Denn Jesus war nur ein wundersamer junger Jude. Der Logos war als Mittler noch nicht denkbar. Doch heute scheint die Zeit reif, in neuer Weise die schöpferische Vernunft zu verstehen, die vor 2000 Jahren noch zu metaphysisch-abstrakt war und deren allgemeinverständliche Wahrnehmung antike Aufklärung erst durch die menschliche Gestalt ermöglichte bzw. vor der Verflüchtigung bewahrtet. Heute erst kann wieder aufgeklärt nach dem fassbaren Grund des Glaubens gefragt werden, der hinter der Person Jesus steht und nicht gleich Gott ist, sondern die von ihm ausgehende Vernunft. Das vom Schöpfer selbst gesprochenen Wort. Hierin liegt möglicherweise das Gefäß, das in der Gralslegende bildhaft beschrieben wird. Die Aufklärung und die Zweifel an der gewohnten Lehre sind es erst, die uns die Chance gegeben, in neuer Weise nach der Wahrheit des historischen Jesus als Christus zu fragen, so zu einem zeitgemäßen und aufgeklärt vermittelbaren Verständnis des geschichtlichen und gleichzeitig hoheitlichen Jesus zu finden, das sicher auch im Sinne Eures ehemaligen Herausgeber wäre.
4. Durch Aufklärung von außen Klarheit und Wahrheit
schaffen
Ein Wesen, das in antiker Aufklärung ganz selbstverständlicher Gegenstand des Denkens war, auch wenn es in unterschiedlichen Begriffen gehandelt bzw. verschiedenen Aspekten beleuchtet wurde – ob Weltvernunft, Logos, schöpferische Weisheit, Sophia, Gottessohn – kann scheinbar nur zum ernsthaften Thema werden, wenn von der heutigen Aufklärung außerhalb der alltäglichen Schultheologie der Anstoß ausgeht. Wer gefangen in einem buchstäblichen Verständnis seit dem Aufkommen der Aufklärung die Vernunft und alles Wissen um das logische Werden verteufeln musste, von dem kann man kaum verlangen, das eigen(tlich)e christliche Wesen in der Vernunft allen natürlichen Werdens, einer Art Software aller evolutionären Entwicklung wahrnehmen zu wollen. Die Philosophen der Aufklärung, hielten wie Schelling oder Hegel, genau das in Händen, was als schöpferische Vernunft neu thematisiert werden kann. Am Anfang der Aufklärung war es jedoch noch nicht möglich, darin die Grundlage des historischen und hoheitlichen Jesus zu sehen. Um in der Dialektik Hegels, der philosophisch die Grundprinzip des natürliche Werdens beschrieb, das Schöpfungswort verstehen zu wollen, war damals die Zeit noch nicht reif. Ein in bildhaften buchstäblichen Vorstellungen gefangenes Schöpfungs- wie Jesusverständnis verhinderte jede Zusammenschau. Und da das Denken am Anfang der Aufklärung für den Abfall vom Glaube verantwortlich gemacht wird, nachweislich Ursprung des Atheismus war, scheint es auch der heutigen Theologie unmöglich, in der Aufklärung nach dem Ausschau zu halten, was vor 2000 Jahren ein neues Bewusstsein vom Gesetz- bzw. Traditionsgott erst ermöglichte. Doch der Kosmos ist seit Kant nur ent“göttert“. Weder willkürliche Gottheiten noch Naturkräfte oder gar pantheistische Mächte sind mehr auszumachen. Alles hat „SEINE“ Ordnung. Erst in der Aufklärung wurde die Grundlage gelegt, die Vernunft, das schöpferische Wort des alten Gottes wiederzuverstehen.
Wenn mit der Aufklärung der Abfall vom alten Glaube gekommen ist, die Franzosen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit außerhalb der Kirchenmauern verwirklichen wollten und Marx und Engels meinten, dass sich ein weltweiter Humanismus nur atheistisch umsetzen lässt, dann ist das nur zu verständlich. Doch dass Ismen nicht funktionieren, wenn sie nur auf rein materialistischen Weltbilder und menschlichen Vorstellungen gründen, haben wir im Laufe der Geschichte leidvoll erfahren. Leiden darunter auch in einem gegenwärtigen Kapitalegoismus, der sich alles andere als schöpferisch verhält und in dem die Hoffnungen der Humanisten auf weltweiten Wohlstand und Vernunft auf den Kopf gestellt wird. Dabei geht es nicht darum, den Glauben nur vor den Karren menschlicher Vorstellungen zu spannen, Religionen als Mittel des selbstgesetzten Zweckes zu sehen. Vielmehr hat uns die aufgeklärte Bildung und die Freiheit des Denkens ermöglicht, außerhalb der vorgesetzten Buchstaben in der Biologie allen kosmischen Lebens einen Sinn, eine Vernunft zu sehen, die uns im wahrsten Sinne des Wortes eine „Herr-lichkeit“ vermittelt kann, von der die Bibel handelt bzw. die dort von antiken Denkern bezeugt wird.
Wer heute Abend allerdings ganz selbstverständlich nur märchenhaft von der Geburt eines Gutmenschen bzw. einem als Christusgott blind zu glaubenden Mysterium schwärmt, wie soll der ernsthaft darüber nachdenken können, dass durch die Wahrnehmung einer kreativen, den gesamten Kosmos bestimmenden Vernunft in menschlicher Gestalt erst der gute, schöpferisch-vernünftige Mensch werden kann, hierin vor 2000 Jahren der wirk-liche Messias der gesamten Menschheit gesehen wurde?
Bei allegorischer Leseweise des Neuen Testamentes ist
davon auszugehen, dass damals keine blinden Mythenmacher am Werk waren, sondern
griechisch-jüdische Denker, die für die Geistesgeschichte relevanten
Auswirkungen (bzw. auch das Leiden) des damals im antiken Weltbild lebendigen
Schöpfungswortes/einer universellen Weisheit in begreifliche Gestalten und
Geschichten verdichtet haben. Hierdurch ging erst ein sprachliches
Verständnis des Schöpfungswortes und eine unmittelbare Wahrnehmung des einen
Schöpfers und seines Willens aus, die in der alten Tradition nicht mehr gegeben
war. Um dies allerdings akzeptieren zu können, müsste sich die heute nur noch
Mythen und Dogmen in die Welt setzende Amtstheologie letztlich selbst als
Verhinderer lebendiger Vernunft sehen. Wie vor 2000 Jahren scheint auch heute
die Weltvernunft/der Logos Gottes der eigenen Lehre zuliebe abgelehnt zu werden,
findet die schöpferische Weisheit auf Erden keinen Platz. Ganz genau wie auch
Johannes im Hinblick auf die damals personifizierte jüdisch-hellenistische
Weisheit gedeutet wird. Antike Aufklärung und ihre Bebilderung in den
Evangelien auf heute übertragen, wäre somit die derzeitige Buchstäblichkeit
genau das Wesen, dem damals durch Jesus der Teufel ausgetrieben wurde, das
seinem irdischen Ausdruck die Herberge verweigerte und ihn später ans Messer
lieferte. Doch ist dies nicht zu viel verlangt? (Denn wenn zutrifft, was
Theologen heute schreiben, das es das schöpferische Wort, die Weisheit, Sophia
war, die nicht nur dem Johannesevangelium oder anschließenden Christologien
zugrunde liegt, sondern allen Evangelien, dann haben wir es heute mit dem
ähnlichen Problem zu tun wie damals. Nicht das jüdische Volk, sondern die
Gesetzlichkeit in christlicher Gestalt verweigert dem lebendigen Wort den
Verstand.)
Es scheint ein Teufelskreis der Theologie, der nur von
außen zu durchbrechen ist. Eine theologische Wissenschaft, die bisher zwar vom
lebendigen Wort des Schöpfers schwärmte, jedoch immer nur bemüht war, alle
neuen Erkenntnisse in Bezug zu einem als selbstverständlich vorausgesetzten
charismatischen Rebellen zu setzen, daher immer nur nachweisen wollte, wie
dieser verherrlicht oder warum er aufgrund alter Texte oder heidnischer
Traditionen als Messias verkündet bzw. christologisiert wurde, der scheint es
unmöglich, jetzt ein natürlich nachweisbares schöpferisches Wort als
eigentliches Wesen an den Anfang stellen zu können. Und solange das aufgeklärte
naturwissenschaftliche Denken noch nicht die Voraussetzungen dafür geschaffen
hatte, über eine ganz natürlich-kreativ Vernunft nachzudenken, die die Welt im
schöpferischen Gleichgewicht hält und die Evolution weiterbewegt, war es
unmöglich, über die alten Bilder und Buchstaben hinaus nach einem präexistenten
Wesen als Wort des hebräisch-monotheistischen und heute wirkenden bzw.
sprechenden, aber selbst unsichtbaren Schöpfers zu fragen. Solange die
schöpferische Vernunft in allem kosmischen wie geschichtlichen Geschehen nicht
fassbar war, blieb nur das Pochen auf Buchstaben.
Wer allerdings frommes Gefasel für christlichen Glauben hält, muss annehmen, dass auch alle Alt- und Neutestamentlichen Aussagen nur Mittel zur menschlichen Moralisation waren. Genau so klingt es dann aufgrund des heutigen Historienbildes selbst im Weihnachtsgottesdienst von der Kanzel. Gutgemeinte menschliche Forderungen, denen alle zustimmen und keiner folgt. Vom lebendigen Verstand des Gotteswortes in der Gegenwart des damaligen Weltbildes, das statt selbstgesetzter Götzenbilder den einen wirk-lichen Schöpfer und seinen Willen offenbart und dessen Wahrnehmung immer wieder angemahnt wird, ist bei der sonntäglichen Moralpredigt nicht wirklich etwas zu hören. Während in Altem und Neuem Testament vordergründig ein neuer Glaube bzw. Gottesverstand gefordert wurde, muss bei heutiger Jesushypothese alles zur Moralpredigt werden. Doch wer von den Menschen Verhaltensänderung bzw. Vernunft verlangt, muss ihnen den Verstand ermöglichen, wie ihn die heutige Predigt von einem ach so vorbildhaften guten Jungen mit Namen Jesus ausschließt. Der „Christus in mir“, von dem in der Weihnachtsandacht dann geredet wird, der gute Taten, Spenden oder Friede fordert, ist nur ein Abbild der ganz persönlichen Moralvorstellungen. Aber ohne eine zeitgemäße universale Begeisterung für den Schöpfer, d.h. im Grunde auch ein gemeinsames Gottesverständnis, ist dieser Friede nicht zu machen. Weder der mit der natürlichen Schöpfung, noch der zwischen den Menschen und Völkern.
Auch die philosophisch-theoretische Erkenntnis einer allem
gemeinsamen Vernunft ist - wie die Geschichte zeigte - zu wenig, um den
Menschen zum wirklich vernünftigen Gemeinwesen bzw. Weltbürger werden zu lassen.
Sie bringt allenfalls neu abgrenzende Ideologien hervor. Und ideologische
Parolen reichen nicht. Das wurde im Kommunismus mehr als deutlich. Die
eigentliche Aufgabe der Aufklärung liegt scheinbar noch vor uns. Dabei geht
es nicht um die Vereinnahmung der christlichen Religion für
politisch-ideologische Zwecke. Auch nicht eine apologetische Rechtfertigung
religiöser Vorstellungen und Dogmatik durch philosophische Konzepte steht auf
dem Programm. Vielmehr währe heute bei unvoreingenommener Auseinandersetzung
mit dem Grund des christlichen Glaubens das vom alten Schöpfergott ausgehende
Wort neu zu erfassen.
In der heutigen Theologie hat sich ein Wissen um das Geschehen und den Geist der Zeitenwende, wie die Bedeutung der biblischen Bilder herangebildet, das eigentlich dazu zwingen müssten, den Verstand des im jeweiligen Weltbild gesprochenen Schöpfungswortes an den Anfang zu stellen. Genau das, was die Evangelisten schreiben, den menschgewordenen Gottessohn und nicht nach kurzgeschlossener Vernunft ein angehimmelter Guru, wäre als Geschichtswesen deutlich zu machen. Allein das von einem Sektengründer und einem Buch als einzigen Gotteswort ausgehende Selbstverständnis verhindert, das reichlich vorhandenes Wissen, vor dem ich in jedem Seminar immer wieder den Hut ziehe, zusammen zu denken, um einen zeitgemäßen Verstand des Schöpfungswortes zu thematisieren. Wenn in Ägypten oder Qumran alte Texte wieder ans Tageslicht kommen, die ganz klar auf ein kosmisches Wesen als Begründung eines neuen Gottesbewusstseins schließen lassen, somit dem Christus der Evangelisten einen konkreten Grund geben, dann braucht das bei heutiger Hochschulhypothese kaum zu interessieren. Allenfalls ein neuer Verherrlichungsgrund für einen friedfertigen antiken Bin Laden wird vermutet. Auch die zwischentestamentliche Literatur, die auf eine geistige Blüte in der Bildungsmetropole Alexandrien schließen lässt, ebenso wie die Fülle von jüdischer und christlicher Apologetik, frühe theologische Diskussionen um das Wesen Jesus oder nachweisliche philosophische Aussagen in den frühchristlichen Texten werden mit den Scheuklappen einer scheinbar unumstößlichen Historienhypothese gelesen. Wo nur ein Wanderguru war, liefert auch die jüdische Weisheitsliteratur keinen Grund für den eigenen Logos. Die umfangreich vorliegenden Texte christlicher Gnosis, in der wie bei allen Apokryphen und Logien der Logos als kosmische Größe lebendig ist, werden der eigenen Hypothese zuliebe abgetan. Auch bei theologischen Wissenschaftlern, die bisher ausgesonderte Texte wieder zum Thema des Neuen Testamentes machen, die ganz klar von einem kosmischen Wesen handeln und ganz und gar nicht ins Schema des bisherigen Banalverständnisses der Geschichte Jesus passen, schließt die Hypothese von einem Heilsprediger jedes Nach- und Neudenken aus. Selbst die frühkirchlichen Gegner der allzu abstrakten und weltverneinenden Gnosis und die Verfechter einer menschlichen Ausformung des Gotteswortes in Jesus, die eindeutig von einem hoheitlichen Logos, einer schöpferischen Vernunft schreiben und ausgehen, beste Zeugen eines Wesen Jesus sind, das nicht Gott, jedoch mehr als Mensch ist und doch dessen Aussehen annehmen musste, müssen den liebgewonnenen Vorstellung zuliebe abgetan werden. Die gnostische Literatur, deren Verfasser sich als Christen verstanden, wie sie teilweise erst vor wenigen Jahrzehnten an Tageslicht befördert wurde, lässt sich nicht lesen, ohne den schöpferischen Logos als das eigentliche Geschichtswesen mitzubetrachten. Der Gipfel erscheint mir dann, wenn ein Gnosiskenner, wie der auch bei Euch schon wegen seiner Auferstehungskritik zu Wort gekommene Prof. Gerd Lüdemann, dann aufgrund des buchstäblichen Bibelverständnis die Auferstehung Jesus abstreitet. In einem alten Leserbrief an Euch habe ich Lüdemann daher schon als Leichenträger eines unbrauchbar gewordenen Jesusverständnisses bezeichnet. Auch wenn er mit seiner Auferstehungskritik in ganz anderem Sinne gar nicht so verkehrt liegen mag. Denn wenn es, wie ich annehme, an Ostern nicht um die geheimnisvolle Wiedergeburt eines brutal hingerichteten Gurus oder dessen Vergeisterung im Rahmen der Gemeindebildung ging, sondern Tod und Wiederverstand der himmlischen Vernunft, des schöpferischen Wortes Gottes als irdische Anwesenheit von Weisheitslehrern bildhaft beschrieben wurde, dann hat nach derzeitiger Theologiehypothese dieser Wiederverstand nicht wirklich stattgefunden. Denn nach heutiger Lehre sind einem Guru nur Dogmen aufgesetzt worden, vom Wiederverstand des Schöpfungswortes, seiner Anwesenheit in menschlicher Gestalt ist nicht wirklich etwas zu sehen.
Dabei ist es einfach unmöglich, weithin anzunehmen, dass Denker, die aus damaligen Bildungsmetropolen hervorgingen, wie der Kirchenvater Origenes, die nachweislich hochintelligente gläubige Aufklärer waren, nur einem guten Jungen, den sie angeblich anhimmelten, einen philosophisch-theologischen Mantel umgehängt oder ein Gottesersatzkonstrukt in die Welt gesetzt hätten. Die Art und Weise, wie der scheinbar unumstößlichen eigenen Hypothese zuliebe die antike Weisheit abqualifiziert wird, ist aufgrund dessen, was wir über das damalige Denken wissen, eigentlich unhaltbar. Doch wer seine eigene Wurzeln auf diese Weise abtut, der darf sich nicht wundern, wenn seine Weihnachtspredigt nicht nur von den „Seltengehern“ nicht wirklich ernst genommen wird.
Auch die alttestamentlichen Texte, von denen man sagt, sie würden auf Jesus verweisen, können bei heutiger Professoralprämisse nicht wirklich als Hinweis auf den christlichen Heiland gelesen werden. Gleichwohl heute die Verfassung des alten Testamentes immer näher an das Neue herangerückt, man spätestens seit Qumran in völlig neuer Weise über das Alte Testament denkt, auch nicht mehr eine legendenhaft nacherzählte Volksgeschichte liest, sondern die Rückprojektion eines neuen Geistes, der bereits in der alten Geschichte als wirksam gesehen wurde, kann der neue Geist nicht wirklich zum grundlegenden theologischen Thema werden. Auch wenn bei Moses Homer mitgelesen wird, die Ergebnisse der Geschichtsforschung dazu zwingen, nach dem allegorischen Grund der alttestamentlichen Aussagen und Geschehnisse zu fragen, der identisch ist mit dem der hellenistischen Mythen, muss dort, wo Jesus nur als ein besonders frommer junger Jude oder Gottesbild gesehen wird, auch bei Jesaja & Co. nur eine fromme Gottesrede vermutet werden. Wo ein neuer Geist nicht vorkommt, wurden dann - so letztlich die heutige Lehre - die alten Literaturstücke nur geklaut. Es sei dann nur darum gegangen, einem jungen Guru Federn anzuheften, um ihn als den große Häuptling erscheinen zu lassen. Genau das versuchen mir Lehrer auf hochtheologische Weise immer wieder beizubringen. Obwohl sie das Denken der damaligen Zeit, die Bedeutungsinhalte der Texte und die geschichtlichen Vorgänge viel besser als ich kennen, es eigentlich besser wissen müssten, forschen Heerscharen von Hochschullehrern und Wissenschaftler stur heil nur nach der Verherrlichung eines menschlichen Jungcharismatikers.
Die in antiker Weisheit neu erkannte kosmisch-geschichtliche Realität des Gotteswortes, zu der die Propheten aufrufen, das in den Psalmen auf volkstümliche Weise zu uns spricht und das die Apokalyptiker als Ende des Alten Weltbildes und neuen Anfang thematisieren, wird zwar heute gelehrt, kann jedoch nicht wirklich in Bezug zu dem gesetzt werden, was Grund der christlichen Monotheismusreform war. Solange dort nur ein Mensch mit einer Art „Nahtodeserfahrung“ als göttlicher Eingebung vermutet, ein besonders begabter guter Junge an den Anfang gestellt wird, schließt sich die Verwertung der antiken Weisheit aus. Wenn dann darüber gesprochen wird, wie die Epilepsie oder Halluzinationen eines auf Verfolgungsjagd befindlichen pharisäischen Sektenbeauftragten mit Namen Paulus zu dessen Wandel geführt hätte, ist der Ofen ganz aus, verbietet sich jedes aufgeklärte Denken. Von einem neuen theologischen Paradigma, das sich in den unter der Bezeichnung Paulus verfassten Texte ausgeht, ist dann nichts zu sehen.
Aufgrund des uns geschenkten Wissens sollte jedoch heute klar sein, dass die antike Reform jüdischen Monotheismus und hellenistischer Mythologie genau von dem begründete wurde, von dem die Evangelisten schreiben und nicht von dem, was leider auch Ihr in Folge veralteter Theologiehypothese denken müsst. Auch Ihr seid einer Lehre auf den Leim gegangen, die bei ernsthafter Betrachtung der geschichtlichen Grundlage und der bekannte Bedeutungsinhalte der Texte jede Logik entbehrt. Auch wenn sie alle Welt für die einzige Wahrheit hält und an theologischen Hochschulen verzweifelt daran festgehalten wird. Doch bei unvoreingenommener Beleuchtung aller dort gehandelter Fakten kann es damals weder ein charismatischer Mensch, noch ein Christusgott, sondern nur das gewesen sein, was heute Abend auch die „Seltengeher“ lautstark besingen: das Wort aus dem Mund des Schöpfer, eine universelle ewige Weisheit, die alles natürliche Werden bewirkt, der Logos (keine Altkirchenlehre, sondern eine schöpferische Vernunft), die damals in vermittelbarer menschlicher Gestalt zum Licht der Welt wurde. Ein Retter entsprechend der Evangelien, der wirk-lich „da ist“, m.E. im Wirkprozess allen natürlichen Werdens heute mit aufgeklärten Augen wahrnehmbar wäre. Denn nicht von menschlich gesetzten Wesen oder allein vorgesetzten Gottesvorstellungen gingen die Verfasser der biblischen Berichte und außerkanonischen Evangelien bzw. urchristliche Gnosis, wie die nachweisliche geistige Zeitenwende aus. Sie setzten keinen neuen Gott oder eine christologische Miniaturausgabe davon, sondern sahen in Jesus das in allem Werden lebendige Wort, durch das Gott auch heute hilft. Er kommt nicht selbst, sondern schickt seinen Sohn, nimmt in diesem für uns konkrete Gestalt als der eine unsichtbare Creator des Alles an, genau wie heute Abend gesagt wird.
-Wenn heutige Hirten im theologischen Tiefschlaf nur noch von einer charismatischen Mutter Teresa mit Bart schwärmen, den von einem Federvieh wachgerüttelte Schafhüter als kleines Kind angehimmelt hätten, dann halte ich es für die Aufgabe eines Aufklärungsunternehmens, diese wieder zu wecken.
-Wenn an Weihnachten nur noch Konsum, sentimentale Kitschrhetorik und alte Kirchendogen in dunkler Konkurrenz liegen, dann kann die Aufklärung für Licht sorgen, den Blick auf den Logos bzw. eine schöpferische Vernunft richten helfen, aus der erst Freiheit des Denkens gewachsen ist und die die auf die Fahne politischer Revolution geschriebene Gleichheit und Brüderlichkeit der Menschen erst möglich macht.
-Wenn Weihnachtsmärchen nur noch wehmütige Erinnerungen
wecken und den Wunsch nach Verklärung, dann ist die Aufklärung aufgefordert,
Anstoß zu geben, die inhaltlose Rhetorik der weihnachtlichen Rede vom
menschgewordenen Gotteswort als eine historisch-geschichtliche Realität zu
erklären, das Geschehen am Grund unsers Glaubens fassbar zu machen.
5. Grund antiker Bilder aufgeklärt begreifen
Was Ihr in Eurer Weihnachtsausgabe als Rätseldroge spiegelt, ist nicht auf dem Mist der modernen Gralsphantasten gewachsen. Es ist das Ergebnis einer Religionslehre, die den enormen Wissenszuwachs der letzten Jahre beiseite schiebt, sich somit einerseits nur noch als jüdische Sekte eines besonders begnadeten Religionsrebellen mit Namen Jesus versteht und gleichzeitig zur mysteriösen Gottesrede verkommen ist. Doch wenn die christliche Religion von der Welt als das verstanden wird, was in Eurer Weihnachtsausgabe nachzulesen ist, dann ist dies nicht deren wahres, ursprüngliches Wesen. Weihnachten war und ist, wenn der Mythos zum Logos wird, die Wahrheit das Licht der Welt erblickt. Ihr spiegelt daher auch im Beitrag über die geheimnisvollen Gralstheorien das Produkt der Inkonsequenz heutiger Hochschultheologie bei der Umsetzung des selbst zutage geförderten historischen und biblischen Wissen wieder. Es ist die durchaus nachvollziehbare Unfähigkeit, sich von ewigen Vorstellungen und Bildern lösen zu können, die unser Denken gefangen hält und somit auch zu dem führt, was Ihr so „fabelhaft“ schildert. Statt nach einer aufgeklärt im naturwissenschaftlichen Weltbild wahrnehmbaren schöpferischen Vernunft zu fragen, dem präexistenten Wort, durch das sich der eine Schöpfer im antiken Denken präsent machte bzw. was vor 2000 Jahren wirklich von einem echt unvoreingenommenen jüdisch-griechischen Wesen zur Welt gebracht wurde, wird so der liebgewordenen Vorstellungsbilder wegen alles immer nur weiter vergeistert.
Die Marke der schöpferischen Vernunft benötigt Bilder,
die nicht nur den Verstand ansprechen. Sie muss in klarer knapper Form
verständlich zu machen sein und Emotionen wachrufen. Das ist die einfache
Logik jeder Kommunikationslehre. Philosophiegebilde sind zu wenig, um positive
Wirkung zu erzielen, langweilen nur, statt dass sie Lust bereiten und den Logos
zur Lebensweise werden lassen. Menschen brauchen Bilder. Sie sind begierig nach
Abenteuergeschichten und stürzen sich auf Mythen und schöne absonderliche
Geschichten. Auch das ist mir bei Eurer Weihnachtsausgabe wieder bewusst
geworden. Doch wenn diese Bilder ihres Inhaltes völlig entleert sind, sie nur
noch persönliche Erbauung bewirken und den Glauben an den einen Schöpfer nicht
mehr vermittelbar machen können, dann wird es höchste Zeit, wieder nach deren
wahren Grund zu fragen, neu verstehen zu wollen. Die Kirche als Management der
höheren Vernunft muss angestoßen werden, sich anknüpfend an die eigenen Wurzel
innovativ weiterzuentwickeln. Es gilt einen Glauben hervorzubringen, der dem
Weltverständnis naturwissenschaftlicher Aufklärung gerecht wird, daraus
Gewissheit generiert. Nur so kann sie das Bestehende bewahren. Und genau darin
sehe sich so etwas wie die Suche nach dem Heiligen Gral, zu der ich Euch allen
Ernstes einladen möchte. Denn wenn es im historischen Geschehen vor 2000 Jahren
nicht um die Hinrichtung eines Rebellen ging, sondern griechisch-jüdische
Weisheitslehrer in zeitgemäßen Bildern Leiden und Leben des damals
„menschgewordenen Schöpfungswortes“ schildern, von dem heute Abend in schönen
Reden so viel von der Kanzel geschwärmt wird, dann hat auch der Blutkelch, von
dem der spätantike Nikodemus als heiligen Gral schreibt, eine ganz andere Form,
als bisher vermutet. Die Präsenz einer schöpferischen Vernunft in allen
lebendigen Prozessen des kreativen kosmischen Geschehens könnte mit
naturwissenschaftlich aufgeklärten Augen gesehen und gefasst werden, wenn die
liebgewordenen und sich verselbständigenden Bilder nicht wären. Doch die
heutige Theologie scheut ihrer Historienhypothese zuliebe nicht nur die
Erkenntnisse über die natürliche Wahrheit und Sinnhaftigkeit, sondern die
Vernunft und alles logische Denken, wie der Teufel das Weihwasser. Ein Anstoß
an die christliche Theologie, in aufgeklärter Weise nach dem schöpferischen
Wort als wahren Grund des alten Glaubens zu fragen, kann scheinbar nur von
außen ausgehen. (Evtl. bewahrheitet sich hier sogar das, was antike Denker
mit Maria Magdalena beschrieben haben. Es muss eine aus dem Heidenland sein,
die zur Salbe greift, die schöpferische Vernunft wieder wach küsst.)
Eine rein theoretische Erkenntnis ist mit Sicherheit zu wenig, kann nicht die für die Umsetzung der schöpferischen Vernunft notwendige emotionale Kraft erzeugen und bleibendes Bewusstsein vermitteln. Es ist die Logik der Psyche die uns sagt, wie hierzu Bilder, Geschichten und ein Kult gebraucht werden, wie wir ihn kennen und an den wir daher ihn inhaltlich füllend wieder anknüpfen müssen. Nur aus der Kirche heraus ist die Kraft zu schöpfen, die der moderne Mensch zur Umsetzung schöpferischer Vernunft braucht. Wer sich wie die heutige Theologie allerdings ein Tuch über den Kopf wirft, nur noch auf selbst entleerte Buchstaben pochend ein Mysterium bewahren will oder alles zur Lehre eines Gutmenschen verkürzt, mysteriöse Irrlichter als Weihnachtslicht predigt und so die notwendige Reform versäumt, der darf sich nicht wundern, wenn das herauskommt, was bei Euch nachzulesen ist. Hiervon kann keine gemeinschaftsgestaltende, den Menschen zur Vernunft und kreativer Leistung bringende Kraft ausgehen. Da uns der Schöpfervater des Weltgeistes allerdings nicht mit aufgeklärtem Wissen begabt hat, damit wir uns darüber intellektuell lächerlich machen, alles weiter abstreiten, sondern mit Hilfe der uns gegebenen Intelligenz und unseres Wissens nach seinem wahren irdischen Wesen, einer hinter allem natürlichen Werden sichtbaren Vernunft fragen, möchte ich Euch bitten, im Sinne Eures ehemaligen Herausgebers zur Suche nach der fassbaren Wahrheit christlichen Glaubens beizutragen.
Wenn es stimmt, von dem ich als Laie aufgrund meines jahrelangen Lernens bei theologischen Wissenschaftlern völlig überzeugt bin, jedoch anscheinend nur ein Außenstehender, nicht ein in alter Vorstellung ausgebildeter Theologe denken kann, dann müsste vom Unternehmen Aufklärung der Anstoß an die christliche Lehre ausgehen, das Geheimnis zu lüften. Nur Ihr könnt Mutter Kirche bzw. Maria den Anstoß geben, den naturwissenschaftlich-schöpferischen Logos wieder als den eigentlichen Gottessohn ans Licht der Welt zu bringen. Denn wenn es vor 2000 Jahre nicht um einen Zweibeiner oder ein mysteriös gesetztes Christus-Gottbild ging, sondern das jüdisch wiederverstandene Schöpfungswort, gleichzeitig die logisch-menschliche Abbild des griechisch-philosophisch erkannten Logos der Welt, der vorher in abstrakten Theorien und Mythen herumgeisterte, dann muss in ganz anderer Weise nach dem gesucht werden, was die modernen Gralsritter und letztlich auch Ihr derzeit reitet. Allein ein Parcoursritt durch Gralsphantasien ist weder einem Aufklärungsorgan angemessen, das immer die Wahrheit ans Tageslicht bringen will, noch der aufgeklärt wahrgenommenen Weisheit, mit der vor 2000 Jahren gottesfürchtige griechische Theologiephilosophen der Tradition den Spiegel vorhielt. Gleichwohl könnte auch bei Freimaurern oder Templern, die sich gegen kirchliche Denkzwänge wandten, ebenso wie den alten Katarern in Südfrankreich zwar kein Blutkelch, aber eine erfasste kosmische Größe gefunden werden, die das Blut des antik wahrgenommenen Offenbarungswesens in ernsthafter Weltsicht zu erfassen suchte.
6. Durch kritischen Journalismus zu aufgeklärtem
Jesusverstand beitragen
Mir geht es nicht um eine neue Verschwörungstheorie. Und auch die heutige Theologie betreibt keine bewusste Verschleierung. Doch sie scheint unfähig, über den eigenen Schatten zu springen, sich von eingefleischten Vorstellungsbildern zu lösen, um schöpferisch-kreativ der Frage nach dem damals wiederverstanden Schöpfungswort nachgehen, so heute dem Logos allen Lebens Luft geben zu können. Wäre das kein Stoff für Eure Osterausgabe, wenn Auferstehung bzw. der Wiederverstand des Schöpfungswortes offiziell gefeiert und dies auch in aller Natur deutlich sichtbar ist?
Das Titelbild könnte zu Ostern dann die schöpferische Ordnung des wunderbar zusammenwirkenden Weltraumes oder den Globus zeigen, das Weltenei als Symbol des ewigen Logos, moderne Modelle des Werdens, wie sie die Wissenschaft verwendet oder bei der Weltformelsuche bzw. in Chaostheorien zu sehen sind. Auch die ewige Symmetrie, das Atommodell des Demokrit, Pythagoras Mathematik, altgriechisches Pantheon oder das Tao sollten in den Hintergrund ebenso mit einfließen, wie keltisch- und germanisches Bewusstsein kosmischer Schöpfungsordnung. Im Mittelpunkt müssen allerdings biblische Bilder stehen, die auf die eigentliche Wurzel des vernünftigen Monotheismus hinweisen. Das Kreuz könnte wie eine überdimensionale Blume aus der aufblühenden Natur und der menschlichen Geschichte hervorgehen. Gegen einen neben Maria sitzenden Hasen als Symbol ewiger Potenz wäre aus der neuen Perspektive des präexistenten Wesens nichts einzuwenden. In der Mitte sollte dann die bekannte menschliche Gestalt zu sehen sein, wie wir sie aus den alten Ikonen vom Pantokrator als menschliche Ausformung präexistenter Schöpfungswirklichkeit/Weisheit kennen. Wenn Ihr Euch allerdings für das Blutbild von Mel Gibson entscheidet, dann solltet ihr als Aufklärungsunternehmen klar und deutlich machen, dass es die Vernunft/der Logos in menschlicher Gestalt war, die laut der Evangelisten hier am Kreuz hängt und der all dies angetan wurde.
Letztlich hat bereits Euer Weihnachtstitel gezeigt, um wen es eigentlich geht? Wie beim Stern, war auch bei Euch nicht wirklich ein Wanderguru abgebildet, wie er in weihnachtlichen Hollywoodfilmen zu sehen ist. Die Bilder, selbst die des Leonardo da Vinci, deuten auf ein hoheitliches Wesen hin, von dem man damals wie selbstverständlich ausging, das heute jedoch nicht mehr mitbetrachtet wird. Gerade die in Eurem Beitrag über die Gralsritterschaft benannten Dichter und Denker wie Goethe oder da Vinci begannen die Kausalität des Kosmos begreifbar zu machen. Sie hielten damit den Sohn Gottes in ihren wissenschaftlichen Händen, begründeten den von einer schöpferischen Vernunft ausgehenden Idealismus, ohne hier bereits das sehen zu können, was vor 2000 Jahren so wunder- und sinnvoll verdichtet wurde. Dies wäre erst von Euch wieder fassbar zu machen. Zumindest ein Anstoß dazu könnte von Euch ausgehen.
Nur im Wandel liegt Bewahrung, wird die Voraussetzung für den Fortbestand geschaffen. Doch allein indem jetzt moderne Kirchenlieder gesungen werden oder ihr alles nur lächerlich macht, liegt keine Weiterentwicklung, die dem uns gegebenen schöpferischen Gaben gerecht wird. Wenn unser Bundespräsident morgen in seiner Weihnachtsansprache Reformen fordert, dann seid auch ihr als kritische Denker aus dem Land der einstigen Aufklärung gefordert. Denn wie sich heute zeigt, setzten selbst politische Reformen etwas voraus, das nur durch tiefgreifendere geistige Reformen erst möglich wird.
Allein mit weihnachtlichem Friede, Freude, Eierkuchen kommen wir nicht weiter, kommt keine echte Weihenacht auf, kann keine Einweihung ins Geheimnis, kein Wandel vom Mythos zum Logos stattfinden, der das menschliche Bewusstsein weiterbewegt. Sicher berechtigte fromme Forderungen nach mehr Gerechtigkeit auf der Welt oder Familienfreundlichkeit, wie sie Heiligabend aus der Kirche klingen, fruchten so wenig, wie der Welt nur ständig den Spiegel der Unvernunft vorzuhalten, wenn der zeitgemäße Geist nicht vorhanden ist, auf den menschliche Gesellschaften von Anfang an gründen. Hier seid auch Ihr als Aufklärungsunternehmen aufgerufen, eine unvoreingenommene Suche nach den Wurzeln und damit eine zeitgemäße theologische Aufklärung anzustoßen. Schreibt die Hochschullehrer an und fragt, was sie von dem präexistenten Wesen, dem schöpferischen Logos halten, der Thema frühchristlicher Lehre und weder gleich Gott, noch nur nachgebetet war. Ruft ein Symposium zusammen, bei dem darüber diskutiert wird, warum weiterhin in inkonsequenter Weise ein Wanderguru an den Anfang gestellt wird, statt neu nach dem hoheitlichen Wesen zu fragen, das Voraussetzung für alle Evangelienverfasser war. Nur so werdet Ihr Eurem Ruf als Unternehmen Aufklärung gerecht. Lasst Euch nicht mit unglaubwürdigen Geschichten, Dogmen und Mysterien abspeisen, sondern fragt beharrlich nach der Vernunft, die hinter den historischen Gestalten und Glaubensvorstellungen steht.
Nicht banaler bisheriger Abriss ist angesagt oder das oberflächliche Einsammeln von geheimnisvollen Lächerlichkeiten, sondern nüchterne tief greifende theologische Recherche. Allein das abzuschreiben, was die Theologieprofessoren als Lehre vorsetzen, ist dazu sicher zu wendig, kann auch nicht im Sinne von Aufklärern sein, die den Menschen die Wahrheit vermitteln wollen. Vielmehr wäre das, was ständig als alleinige Wahrheit vorgesetzt wird, journalistisch-kritisch zu hinterfragen. Man muss sich frei von Vorurteilen schon etwas tiefer in die Ergebnisse der geschichtlichen Forschung und der theologischen Bedeutungsinhalte biblischer Aussagen hineinbegeben. Nur so kann der heutigen Hochschullehre der Spiegel ihrer eigenen Inkonsequenz vorgehalten und sie zu sie einem Wandel bewegt werden, der zu einer tief greifenden theologischen Reform führt. In der Hoffnung, dass es Aufklärern in der Tradition Augsteins gelingen kann, unvoreingenommen über vorgesetzte Bilder hinaus, kreativ querdenkend nach der Wahrheit zu suchen und Anstoß zum neuen Nachdenken des antiken Gottesverstandes zu geben.
Mit freundlichem Gruß
Gerhard Mentzel
Schänzelstrasse 9
67377 Gommersheim
Tel. 06327 5449
gerhard.mentzel@gmx.de
7. Nachtrag: Von Engel
Augstein und dem ewigen Leben
Eure Freunde von der FAZ haben heute als Weihnachtsthema u.A. die Stimmen von Oben aufgegriffen. Auch bei ihnen kann eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Geschehen vor 2000 Jahren nicht vorkommen. Die hat der aufgeklärte Mensch längst abgeschrieben. Auch wenn er dabei nur den theologischen Abschreibern auf den Leim gegangen ist. Während in üblich intellektueller Manier nur weihnachtlicher Kultur-Kaffeeklatsch abgeliefert wird, vom weihnachtlichen Niemandsland des Peter Pan zu lesen und moderne Engelskunst zu sehen ist, weist mich ein kurzer Beitrag Eurer Kollegen auch dort auf die Notwendigkeit hin, gerade an Heiligabend die schöpferische Stimme, das Wort Gottes zu hören. Ein Professor für Germanistik macht sich in der Stimmen-Serie unter der Headline „Gott flüstert nicht“ darüber Gedanken, wie in der biblischen Tradition die Engel sprechen oder auch Don Camillo die Stimme vom Chef hörte. Für mich ein Anlass, Euch nicht nur auf das Wort des gemeinsamen Chefs, sondern auf die sicher auch weiterhin sprechende Stimme Eures ehemaligen Herausgebers hinzuweisen, die nach meiner Perspektive durchaus etwas mit dem ewigen Wort Gottes zu tun hat. Denn ich bin sicher, wenn Ihr den Geist der Aufklärung in der Euch altvertrauten Stimme Augsteins zu Euch sprechen lasst, dann könnt Ihr etwas von dem Bewahrheiten, was die Bibel Boten Gottes nennt und meist mit Flügeln zu sehen ist. Gleichzeitig gebt ihr so eine Antwort auf die Frage nach dem ewigen Leben, über die bei Eurer Konkurrenz derzeit die Kirchendogmatiker streiten.
Wer wie ich davon ausgeht, dass auch in aller geistigen Evolution eine ewige Stimme spricht, das Wort/die schöpferische Vernunft eine Weiterentwicklung bewegt und so auch ein neues aufgeklärtes Verständnis genau dieses Wortes hervorbringen wird, das sich weder auf Don Camillo, noch schrift- bzw. buchstabengelehrte Engelsboten beruft, der muss auch den Aufklärungs-Geist Eures alten Chef wieder zu Wort kommen lassen. Evtl. kann der dann sogar etwas Licht in die derzeitige Leserbriefdiskussion Eurer Kollegen bei der FAZ bringen. Ein Beitrag von Bischof Kamphaus, dass mit dem Tod alles aus sei, hat dort zu heftigen Diskussionen geführt. Aufgebrachte Kollegen des katholischen Bischofs und zahlreiche Hochschullehrer berufen sich empört über das bischöfliche Abstreiten von ewigem Leben auf biblische Texte und auch die Auferstehung Jesus. Wer in Jesus nicht nur einen vergötterten jungen Juden vermutet, sondern die in allem Werden lebendige Vernunft, eine ewige Software, die sich weiterentwickelt, der fragt jenseits aller alten Dogmen nach einem ewigen Leben. Und hier kann auch Engel Augstein einen wichtigen Beitrag leisten: Seine ewige Stimme kann nachweisen, dass mit dem Tod des Leibes noch längst nicht alles aus ist, sondern der Geist in neuer Form ewig existiert. Es liegt an Euch, ob Augstein bzw. der Geist kritischer Aufklärung weiterlebt. Wie jetzt Augstein als himmlischer Bote dazu beiträgt, denen den Teufel auszutreiben, die ihn während seines irdischen Lebens als Ketzer bezeichneten, wäre das kein Thema? Mit einem entsprechenden Titelbild könntet Ihr nicht nur zur theologischen Aufklärung beitragen, sondern Kasse machen. Wie jetzt Engel Augstein, dem einst der Fuldaer Bischof Dyba zum 50. Geburtstag Eures Blattes eine Bekehrung wünschte, dazu beiträgt, dass die kirchliche Autorität wieder zum eigentlichen Schöpfungsautor bekehrt wird, wenn das kein Auferstehungs- bzw. Osterthema ist?
Doch der Logos des ewigen Lebens scheint nicht einfach die stupide Wiederholung des Alten, sondern die kreative Weiterführung. Auch wenn ich im Gegensatz zu Eurem alten Chef, der alle Christologie als Menschenwerk entlarven wollte, hierin die menschliche Gestalt einer schöpferischen Vernunft als eigentliches und in antiker Aufklärung für selbstverständlich gehaltenes Wesen verstehe, so hat mich seine Kritik immer wieder angeregt weiterzudenken. Warum Euer alter Herausgeber im Himmel als „Chefaufklärer“ ausgezeichnet wurde und nun als Engel nachwirkt, ist in einem nach dem Tod Augsteins entstandenen Schreiben „An das Unternehmen Aufklärung“ unter www.theologie-der-vernunft.de zu lesen. Auch Eure ständigen Spiegelbilder heutigen theologischen Denkens waren immer wieder Anlass für zahlreiche, meist vor Jahren bereits verfassten, unvollständig bzw. unkorrigierte Aufrufe an Aufklärung wie Theologie, wie sie in der genannten Homepage hinterlegt sind. Beispielsweise machte ich aufgrund Eures Osterspiegel bzw. der durch den Blutfilm Mel Gibsons ausgelösten Fachdiskussion, wer Schuld für den Tod eines jungen Märtyrers war, die heutige von Euch zitierte Fachjury für den Mord verantwortlich. Während heutige Theologieprofessoren Pontius Pilatus die Schuld in die Schuhe schieben wollen, wäre allen Ernstes ein Prozess aufzurollen, bei dem nachgewiesen wird, wie die heutige Professoralprämisse für den Tod der himmlischen Vernunft Gottes als historisches und heutiges Wesen verantwortlich ist. Auch wenn diese Texte noch mit vielen Fehlern behaftet sind, so hoffe ich, Euch im Sinne des himmlischen, aber sicherlich weiterhin lebendigen Augstein etwas beflügeln zu können.
Nicht was ich denke, ist die neue Wahrheit. Vielmehr solltet ihr selbst journalistisch weiterrecherchieren, um nicht nur abzuschreiben oder anzuprangern, sondern von der Kirchenlehre die Konsequenz des selbst zutage geförderten Wissens einzufordern. Wenn ich allerdings auf das schöpferische Wort in allem Werden insistiere, mich wie ein Don Quijote gegen die banale Deutung der Dogmenlehre und atheistischen Abriss wende, so geht es mir nicht darum, Euch oder irgend jemand erneut vorzuschreiben, was gedacht oder unbegründet geglaubt werden soll, sondern das genaue Gegenteil. Vielmehr ist aus der uns im Rahmen der Aufklärung gegebenen Kraft der Freiheit des Denkens und Wissens erst Klarheit zu schaffen, selbstständig im modernen Bild der Welt zeitgemäß über einen unsichtbaren Schöpfer bzw. eine ihn offenbarende kreative Vernunft nachzudenken. Wenn die alten Denker, ob als Gralsritter, mittelalterliche Mystiker oder Freimaurer, schon immer auf der Suche nach der Wahrheit waren, dann ist dies nicht in vergeisterter Schnitzeljagd, sondern im Geist moderner Möglichkeiten und das theologische wie das naturwissenschaftliche Wissen um die konstruktive Kreativität der Schöpfung fortzusetzen. Die Aufklärung hat uns befähigt, in heutiger Sprache das im normalen kosmischen Geschehen gesprochene Schöpfungswort, wie dessen allegorischen biblischen Bilder zu fassen, statt in alten Vorstellungen gefangen den Geist in geheimnisvollen Traditionsmythen, alten Dogmen und persönlicher Spiritualität zu ertränken oder alles abzustreiten. Hierfür hat Euer ehemaliger Herausgeber als Personifizierung moderner Aufklärung himmlische Ehre erhalten. In der Hoffnung, dass das Denken und die Aufbruchstimmung der Aufklärung bzw. Hoffnung auf eine durch höhere Vernunft humane Welt bei Euch noch nachwirkt, auch der kirchen-kritische Geist Augsteins sowie die Skepsis vor allen vorgesetzten Autoritäten und angeblichen Selbstverständlichkeiten vorhanden ist.
Um in seinem Sinne die heutigen Hirten auf dem Felde der Hochschultheologie zu wecken, braucht Ihr Euch weder Federn umzubinden, noch geistige Höhenflüge zu starten oder spirituelle Sentimentalitäten aufzutischen, sondern wäre das Aufklärungswerk Augsteins auf nüchterne journalistische Weise fortzusetzen. Ich hoffe dass der Engel Augsteins nicht einfach über allem schwebt und fröhlich weihnachtlich frohlockt oder Phantastereien aufreiht und abstreitet, sondern nach der eigentlichen Wahrheit fragt, die vor 2000 Jahren als schöpferische Weisheit wegweisend war und einen geistigen Wandel bewegt hat. Auf moderne Weise wäre zur Feder zu greifen, um der Theologielehre Anstoß zu geben, ihr Wissen konsequent zu verwerten, ein zeitgemäßes, wahrhaft grenzüberschreitendes Schöpfungsverständnis zu ermöglichen, das der aufgeklärten Welt gerecht wird. Ich bin sicher, das würde auch die Auflage Eure Osterausgabe beflügeln.
8. Die nachweihnachtliche
Sicht der Welt
Vom alten Welt- und Gottesbild aus gesehen, müsste man aufgrund dessen, was an den Weihnachtsfeiertagen im Fernen Osten geschehen ist, an Gott zweifeln oder zumindest seine Allmacht und Güte ablehnen. Hiob, dessen Verzweifelung an Gott vor 2000 Jahren durch die Auferstehung Jesus bzw. das wiederverstandene Schöpferwort gelöst wurde, lebt auch heute: Wie kann Gott den Tod von vielen Tausend unschuldiger Menschen und den Hunger von Millionen wollen oder zulassen, wurde gleich nach der schrecklichen Naturkatastrophe gefragt. Ihr selbst habt im Beitrag über die kosmische Katastrophe deutlich gemacht, wie an dieser Frage der Glaube vieler Aufklärer des 18. Jahrhunderts angesichts des todbringenden Erdbebens in Lissabon gescheitert ist. Auch wenn sie den schöpferischen Logos in Händen hielten, die Vernunft des natürlichen Werdens wieder an die Stelle willkürlichen Eingreifens getreten war, so war dies damals noch längst nicht als Wort des Schöpfers zu verstehen. Die Väter der neuzeitlichen Aufklärung hatten zwar Gott noch nicht aus dem Geschehen der selbst nachgewiesen natürlichen Genesis ausgesperrt, mussten aber noch am buchstäblichen Bild des ihnen vorgesetzten gutmütigen alten Mannes bzw. wundersamen und willkürlichen Lenkers festhalten.
Das mit der Aufklärung aufkommende Denken, wie beispielsweise bei Schelling oder Hegel, kann erst heute als erstes Zeugnis für die wieder erkannte Schöpfungsvernunft herangezogen werden. Um in der Dialektik Hegels, den natürlichen Gesetzmäßigkeiten bzw. Grundprinzipien allen Werdens das offenbarende Wort verstehen zu können und nicht nur in einen Pantheismus zu münden, dafür waren diese Denkweisen noch zu theoretisch, die Zeit noch nicht reif. Für eine Perspektive, aus der erkennbar ist, warum jede These eine Antithese hervorbringt, sich die Welt nur durch immer neue Synthesen weitentwickelt und daher auch heute weder der atheistische Abfall noch der Aberglaube unschöpferisch sind, sondern nur so eine gemeinsame aufgeklärte Weiterentwicklung herausgefordert wird, war es noch zu früh. Was der Prozess, bei dem der Geist sich durch die ihm fremde Form der Natur entlässt und durch die Geschichte hindurch im Menschen zu sich kommt, mit dem präexistenten Wesen an der Wurzel der christlicher Theologie zu tun hat, konnte noch kein Thema sein. Warum die Theologie nur eine Weiterentwicklung der antiken philosophischen Ideen war, bei der die alles beherrschende schöpferische Vernunft Gestalt annahm und als Wort Gottes verstanden wurde, war am Beginn der Aufklärung noch nicht klar. Für eine Synthese zwischen Glauben und Wissen um das natürlich-geschichtliche Werden war es noch zu früh.
Auch wenn Hegel die christliche Religion als die höchste
Entwicklungsstufe sah, die ganz und gar mit dem Inhalt der wahren Philosophie
zusammenfällt, so musste scheinbar auch erst die Philosophie zerfallen, um neu
mit der Lehre vom Logos Gottes zusammenzukommen. Wissen wir doch, dass die Philosophie der neuen Aufklärung noch nicht
zur Wahrheit über die Liebe und das Wirken Gottes führte, sondern ins genaue
Gegenteil, nur unzulängliche Ideologien und Gottesverneinung hervorbrachte. Wenn
inzwischen auch die Philosophen denken am Ende zu sein, meist nur noch in alten
Lehren forschen, dann wird es Zeit für einen Neuanfang, der über die modernen
naturwissenschaftlich begründeten New Age Spekulationen eines wissenden Kosmos
hinaus nach dem ewigen Wort Gottes fragt.
Den Menschen, die von der grausamen Flutkatastrophe selbst
betroffen sind oder ihre Angehörigen verloren haben jetzt einfach zu sagen,
dass auch das Erdbeben zur Geologik der Genesis unseres Heimatplaneten gehöre,
die Ordnung unseres Kosmos Erde auf solche Erdbewegungen angewiesenen ist, mag
unbefriedigend klingen. Und doch schließt sich ein Zweifel an Gott aufgrund
der furchtbaren Katastrophe im neuen naturwissenschaftlich aufgeklärten Bild
der Welt aus. Selbst dieses furchtbare Naturgeschehen weist gleichzeitig
auf das unabhängig von allem menschlichen Leid sprechende schöpferische Wort,
ein vernünftiges geologisches Wirken aller Genesis hin.
Erst heute, wo wir beginnen in der Natur nicht nur
purer Zufall oder das Recht des Stärkeren zu sehen, wie bisher aus Darwins
Lehren allzu kurz geschlossen wurde, sondern eine übergeordnete natürliche
Vernunft, ist der Weg frei, neu nach dem schöpferischen Logos zu fragen.
Nicht dass ich Euch kritisieren will, wenn Ihr in der Ausgabe nach der
Katastrophe von einem „Killerbeben“ oder einer „Monsterwelle“ schreibt. Doch
war es wirklich ein willkürlicher oder bösartiger Ablauf der Natur oder gehört
auch dies, was für viele Menschen unermessliches Leid brachte, zum kreativen Ablauf
des konstruktiven kreativen Kosmos Erde, ist Teil dessen, was bereits in der
Antike als Logos gesehen wurde, wie ihr doch selbst sagt? Vom Menschen aus
gesehen, ist es sicher eine zerstörerische Dynamik. Doch vom Schöpfer ausgehend
zeigt sich selbst in dem was für uns eine Mordwelle bedeutet, ein höchst
natürliches, vernünftiges Geschehen. Je weiter wir in den Kosmos schauen, desto
besser können wir die schöpferische Vernunft verstehen, die hinter allem Werden
steht. Die Zeiten, in denen die Natur mit rein menschlichen Augen nach Gut und
Böse beurteilt oder ein Darwinismus begründet wurde, der nur blind auf das
Recht des Stärkeren sah, liegen hinter uns. Der liebe Gott hat Menschen mit
mehr begabt, als alle andere Wesen. Die schöpferisch-menschliche Tauglichkeit
kann heute bei geistbegabten Gemeinschaftswesen auf völlig neue Weise definiert
werden. Genau das erst scheint unsere wahre, der schöpferischen Be-stimmung
gerecht werdende Natur zu sein. Wir allein sind begabt, aber scheinen
gleichzeitig auch darauf angewiesen, unsere Verant-WORT-ung bewusst
wahrzunehmen. Erst wenn die Aufklärung den bereits in ihren Anfängen
philosophisch gedeutete Vernunft allen natürlichen Werdens neu thematisiert,
wird es den Schriftgelehrten möglich sein, über den eigenen Schatten zu
springen, statt nur alte Mythen und Moralpredigten in die Welt zu setzen, neu
nach diesem Wort zu fragen. Ohne dass allerdings die schöpferische Vernunft
zum aufgeklärten Gegenstand des Denkens gemacht wird, bleibt der christlichen
Lehre nur, stur Heil an einem gutherzigen Heilsprediger als historischen Wesen
festzuhalten und gut gemeinte Forderungen zu stellen, denen niemand folgt. Dies
ist der theologische Teufelskreis, aus dem auszubrechen ist.
Die Zeiten, in denen ein hinkender hellenistischer Höllenschmied oder ein bösartig gewordener Gesetzgott als Verursacher angesehen werden, sind ebenso vorbei, wie der kurzgeschlossene Darwinismus des puren Zufalles oder bösartiger Biologie. Vielmehr wird ein ganz natürliches Geschehen von Euch dargestellt, das somit auch auf eine schöpferische Vernunft als einzig vernünftige Quelle der Offenbarung schließen lässt. Auch damit habt ihr einen Beitrag geleistet, der christliche Klarheit über den einen Creator verschafft. Je mehr Details über die Wechselwirkung zwischen der Unterwelt und der Oberfläche unseres Planeten entschlüsselt werden, desto mehr Fragen tauchen auf, warum das Ganze so großartig zusammenhält. Doch nicht jenseits des Wissens gilt es zu suchen oder die Wunder zu sehen. Die Herr-lichkeit der Genesis wird selbst in der Katastrophe deutlich. Ein vorgesetzter Gott, der nur an der falschen Strippe gezogen hat, unfähig ist oder doch nur zornig, hat ausgedient. Im Zeitraffer macht ihr in Eurem Beitrag in Bezug auf Evolutionsbiologen deutlich, was die Philosophen der antiken und heutigen Aufklärung eine ewige Vernunft nannten, die einzig auf den all-mächtigen und gütigen Vater aller Geschöpfe verweist. Doch während unzählige Theologen damit beschäftigt sind, nach den Knochen eines Guru zu graben, nachweisen wollen, warum ein Wanderprediger verherrlicht wurde oder welche sozialpsychologischen Eigenschaften ihn zu seinen Reden bewegten, fragt keiner nach der echt heute wieder verstehbaren kosmischen Vernunft, die damals erst in menschlicher Form Gestalt gewann.
Auch wenn die Vorstellung auf einer stabilen Erdkugel zu leben scheinbar nur eine Illusion ist, so zeigt Ihr uns in der ersten Ausgabe des neuen Jahres ein durchaus sinnvolles geologisches Geschehen, dem sich der Mensch mit Hilfe aller im gegebenen geistigen Möglichkeiten unterzuordnen hat. Die Einsicht, auf welch fragilem Himmelskörper wir grundsätzlich ganz gut leben, lässt uns nicht an Gott zweifeln, sondern zeigt das, was antike Denker den einzig wahren König der Menschen und Sohn Gottes nannten. Wenn den Menschen im Fernen Osten der Boden unter den Füßen weggerissen wurde, dann bedeutet das nicht den Verlust des Bodens unter den Füßen des christlichen Glaubens, sondern das genaue Gegenteil. Nur einem willkürlichen Eingreifer, der aus dem Buch abgelesen für wundersame Dinge zuständig ist und den wir um dies oder jenes bitten, ganz wie beliebt, ist der Boden entzogen.
In Eurem Bericht macht Ihr wieder mehr als deutlich,
dass wie auch im inneren der Erde das unendliche Außen von einer kaum
vorstellbaren Vernunft gelenkt wird und so erst das möglich wird, was wir Leben
nennen und dem wir Wohlstand und Wachstum verdanken. Was Weltraumfahrer von
oben bestaunen beweist das, was bereits in antiker Aufklärung zu einer
Monotheismusreform geführt hat. Auch wenn heute in der Rheinpfalz gemeldet
wird, wie ein schwarzes Loch 300 Millionen Sonnen verschlingt, dann ist damit
letztlich nur das beschrieben, was vor 2000 Jahren als Logos eine menschliche
Gestalt annahm. Es war jedoch keine kosmische Katastrophe, sondern scheint zum
schöpferische Geschehen eines konstruktiven Universums zu gehören, was sich in
uns unvorstellbaren Entfernungen abspielt. (In der Galaxiegruppe MS 0735 in
einer Entfernung von 2,6 Millionen Lichtjahren, wobei ein Lichtjahr einer
Entfernung von knapp zehn Billionen Kilometern entspringt.) Auch was als
Geschehen um ein gigantisches schwarzes Loch beobachtet wird, scheint mit zu
dem zu gehören, was zur Zeitenwende aufgrund metaphysischer Überlegungen
modellhaft als Logos bezeichnet und später als Gottessohn in menschlicher Rolle
gesehen wurde. Astronomen, die angesichts des Wissens darüber, wie winzige
Veränderungen bereits ein Leben auf der Erde ausschließen würden, auf einen
persönlichen Gott schließen, irren. Es ist der Gott des Alten wie Neuen
Testamentes, der zu ihnen spricht und den auch Ihr in Euren Beiträgen – ob im
letztjährigen Titel über das Prinzip Zufall oder der Erstausgabe 2005 – ohne es
zu bemerken zur Sprache brachtet. Doch erst der Wandel im
Historienverständnis macht den Weg freu, im natürlichen Geschehen nach dem Wort
Gottes zu fragen, im täglichen Sonnenaufgang wie der wunderbaren Funktionsweise
unseres Körpers, Kopfes oder des gesamten Kosmos nach dem schöpferischen Wort
zu fragen. Bis heute versuchen selbst hochbegabte und die Funktionsweise des
Kosmos bewundernde Naturwissenschaftler ihren Glauben am Wissen vorbeizumogeln,
ziehen eher die Kausalität ihrer eigenen Lehre in Zweifel, als im natürlichen
Ablauf das Werk/Wort des selbst unsichtbaren Schöpfers wahrzunehmen. Wie
sollten sie auch, solange das Wort Gottes nur im Buche zu lesen ist. Der
gesetzte Gott bisher nur für Lücken im Wissen und Naturbrechungen zuständig
war, sich angeblich so der Welt offenbarte.
Der Kosmos ist seit Kant nicht leer, wie die meist materialistische, durch Buchstaben in den Atheismus abgedrängt Aufklärung annehmen musste. Vielmehr ist das neu auszumachen, was Ihr in Bezug auf Heraklith als den ewigen Wandel allen Lebens beschreibt, von dem griechischen Philosophen erstmals Logos genannt und später als göttliches Wort gesehen wurde. Was Heraklith schwer fiel im natürlichen Geschen der Genesis als eine Reale Größe nachzuweisen, damals noch eine rein abstrakte metaphysische Größe war, wird im geologischen Geschehen sowie dem astronomischen Bauplan unseres Universums mehr als deutlich. Es ist keine zerstörerische Dynamik, wie wir sie im menschlichen Leben leider so oft praktizieren, sondern eine kreative Vernunft, der wir alles verdanken.
Wer sich angesichts der winzigen Erdbewegung die schlimmen Folgen ansieht, der kann andererseits auch ermessen, welch unendliche Ordnung/bzw. kosmische Vernunft dahinter stehen muss, die Geologie der Weltkugel ganz natürlich in einem Gleichgewicht zu halten, das alles Leben auf der Erde erst ermöglicht und die Ozeane in keiner Weise verrückt spielen. Nur ein Tausendstel der 12.700 km vom Durchmesser unserer Erde sind erforscht, schrieb unsere Tageszeitung. Und doch scheint auch im tiefsten Inneren, so ähnlich wie im Universum des Außen, dessen räumliche und zeitliche Ausdehnungen, die wir uns trotz moderner Wissenschaft nicht wirklich vorstellen können, eine natürliche Vernunft/ein schöpferisches Wort alles zu Be-stimmen. Selbst dort, wo unsere Wissenschaft bisher die natürliche Vernunft noch nicht nachweisen kann, spielt sich eine schöpferisch-konstruktive Ordnung ab, der wir uns und unsere Entwicklung verdanken.
Auch wenn der Erdrutsch unzählige Menschenleben forderte und tragisches Leid auslöste, so gehört die Bewegung der Erde scheinbar zu einem schöpferischen Logos, an dem wir unser Leben ausrichten müssen und heute auch weit besser könnten als unsere Vorväter. Was wir in der kosmischen Katastrophe sehen, ist weder die Strafe eines wildgewordenen Gottes, wie manche Kreise noch heute vermuten, noch das Unvermögen eines willkürlichen Eingreifers, als den ihn Christen wie ihrer Gegner sehen müssen, wenn in der Kirche ein dogmatisch-mysteriös vorgesetztes Götzenbild angerufen wird, für dies, das oder andere persönliche Bedürfnisse zu sorgen. Selbst in der für viele Menschen den grausamen Tod bringenden Tragödie zeigt sich die echte natürliche Allmacht des einen Creators, der wir heute mehr denn je gerecht werden könnten, gleichwohl wir meist das genaue Gegenteil tun.
Wenn die Welt heute damit beschäftigt ist, sich den Rest der in Jahrmillionen gewachsenen Ressourcen wegzufressen, in Weltkriegen die letzten Rohölvorkommen klaut und gleichzeitig in den ökologischen Ruin führt, statt die geistigen Gaben und das gegebene Wissen dazu zu gebrauchen, sich wirtschaftlich und wissenschaftlich zu helfen, da liegt der Fehler nicht beim Chef. Wo statt sich weltweit weiterzuentwickeln und heute mögliche Warnsysteme zu installieren, so der ganz natürlichen Schöpfungsordnung gerecht zu werden, nur gegenseitig Rohstoffe gestohlen werden und man sich wirtschaftlich missbraucht, da ist ein neuer Geist notwendig, der sich an dem des gemeinsamen Schöpfers der Genesis ausrichtet. Allein ein Aufklärungsatheismus bringt so wenig weiter, wie monistische oder pantheistische Vorstellungen. Die aufgeklärte Vernunft ist uns gegeben, um nach der schöpferischen Vernunft zu fragen und diesem wieder verständlichen Wille des gemeinsamen Vaters gerecht zu werden.
Auch wenn keine menschlichen Eingriffe zu der furchtbaren
Todesflut geführt haben, so führt uns doch die Tragödie vor Augen, was in
wenigen Jahren passiert, wenn wir weitermachen wie bisher, die Gleichgewichte
schöpferischer Ökologie durch menschliche Unvernunft ins wanken bringen. Längst
hat uns doch die schöpferische Vernunft gelehrt, wohin es führt wenn wir
weithin den Treibhauseffekt anheizen. Dann braucht es keine Erdbeben mehr,
keinen Tsunamis. Schon bei normalen Stürmen können die Inseln im Pazifik und
indischen Ozean zusammenschlagen, die jetzt einen Meter aus dem Meeresspiegel
liegen, errechnen die Meteorologen. Wenn 2004 die Natur so verrückt spielte,
wie noch nie, dann liegt das nachweislich nicht daran, dass der Schöpfer
verrückt geworden ist. Wesen, die sich seit Anbeginn des Denkens in ihrem
aktuellen Weltbild bzw. auf der Stufe ihrer Zeit für die Wirk-lichkeit eines
Schöpfers begeisterten und dieser mit den Mitteln ihres jeweiligen Wissens
gerecht wurden, sind verrückt geworden. Sie werden nicht dem Schöpfer
gerecht, sondern lesen sich an Weihnachten stupide herzerwärmende Geschichten
vor oder machen sich über Phantastereien lustig. Die menschliche
Unvernunft und egoistische Kurzsicht eines nur sich selbst gerechten
menschlichen Unwesens ist dann die logische Folge.
Die Gabe der Aufklärung besteht nicht darin, sich
abzuheben oder wissenschaftlich-philosophische Ideologien in die Welt zu
setzten, sondern anknüpfend an alte Glaubensvorstellungen neu nach dem Grund
eines vernünftigen und vermittelbaren Glaubens zu fragen. Da es völlig absurd
ist anzunehmen, antike Aufklärung, die ihre Traditionserzählungen allegorisch
verstand und auf den Logos Gottes/schöpferische Weisheit bezog, hätte einen
seichtselige Legende von einem Guru in die Welt gesetzt, sollen auch wir die
alten Texte mit aufgeklärten Augen als großartige Bilder einer ewig wirksamen
Vernunft Gottes lesen. Allein der abstrakte Gott der Philosophen oder
unbestimmte pantheistische Vorstellungen führen so wenig weiter, wie
Phantastereien oder deren weihnachtliche Vorführung. Er bewirkt weder die
notwendige emotionalen Erwärmung, noch begeisterte Befolgung schöpferischer
Vernunft. Der völlig bildlose Gott, der wie Buddha nur im Nirwana zu suchen
ist, in der Ausblendung allen Wissens, kann nicht die jüdisch-christliche
Lösung sein, auf die der Geist der westlichen Welt gründet und weiterzubauen
ist. Was wir brauchen ist ein neues Bewusstsein um die alten Bilder und eine
klare Vorstellung vom kosmischen Logos und seiner Einordnung in unsere
Geistesgeschichte.
Nicht ein aufgesetzter Glaube als Mittel zum menschlichen Zweck, sondern den einen Creator der natürlichen Genesis gilt des anknüpfend an antik-christliche Aufklärung im heiligen Gral aufgrund seiner irdischen bzw. in allem Kosmos wirk-samen Vernunft aufgeklärt zu erfassen. Wer sich ernsthaft mit der Geschichte des Glaubens beschäftigt, der ist gewiss: Der Schöpfer hat uns den Verstand nicht gegeben, damit wir ihn verleugnen (ob als Traditions-Kirchchristen nur noch Auf- und Abgeschriebenes mysteriös schönreden oder als Aufklärungs-Atheisten abgeschrieben haben) sondern sein lebendiges Wort verständlich zum Ausdruck bringen. Als Aufklärungsorgan habt Ihr die Auf-Gabe zu vermitteln um so die aufgeklärte Welt schöpferischer Vernunft gerecht werden zu lassen.
Wenn „der zerbrechliche Planet“, den Ihr in der zweiten Woche auf dem Titel so schön zeigt trotz aller Unwägbarkeiten so wunderbar schöpferisch zusammenhält und Leben hervorbringt, dann offenbart sich hier das ganz natürliche und herrliche Wunder einer Vernunft, die im Gezeitenwechsel oder dem täglichen Sonnenaufgang ihren augenfälligen Ausdruck hat. Was übrigens in den Psalmen von Qumran, wo jüdische Reformer, die keine Sonnenanbeter waren, sondern das schöpferische Wort sahen und gleichzeitig die alten Texte allegorisch auslegten, so nach einem neuen Bund bzw. Schöpferbewusstsein suchten, nachzulesen ist. Erst eine kritische Auseinandersetzung mit dem christlichen Denken, die nicht einfach alles verneint, kann im Rückgriff auf antike Aufklärung dazu beitragen, den Aberglaube wieder zu überwinden, um die Menschen aufgeklärt und frei denkend einer schöpferischen Vernunft als Wort Gottes im positiven Sinne „hörig“ zu machen.
Das geologische Geschehen hat uns deutlich vor Augen geführt, dass wir nicht unabhängig von den Gegebenheiten der natürlichen Genesis leben können, sondern auf das Wort des Schöpfers hören und uns an dieser höheren Gesetzmäßigkeit orientieren müssen. Die Ausrichtung allein an menschlichen Forderungen oder Vorstellungen führt in immer größeren Irrsinn und Unvernunft. Auch das Wissen um die Folgen unseres ökologischen und weltökonomischen Fehlverhaltens bringen uns nicht wirklich weiter. Wenn Fernsehpfarrer Fliege in der Talkshow angesichts der Katastrophe nach einer spirituellen Kommunikation mit dem Kosmos verlangt, den Naturvölkern nacheifern will, die sich intuitiv richtig verhalten, dann fragt er in die falschen Richtung. Nicht mit dem lebendigen Planeten gilt es voll Demut zu kommunizieren, wie Intellektuelle denken, sondern dessen Schöpfer. Und auch die von vielen modernen Denkern geteilte Glaubensbekundung Reinhold Messners, der in diese gleichen Fernsehrunde seinen Glauben an eine göttliche Energie bekennt, führt allenfalls zu einem Monismus oder Pantheismus. Erst ein neues christlichen Historienverständnis lässt in den bisher unbestimmten und unpersönlichen modernen Gottesvorstellungen das schöpferisch wirksame Wort des alten und ganz persönlichen Gottes verstehen, das für eine Verhaltensänderung die Voraussetzung ist. Die furchtbare Katastrophe mag Mitleid und jede Menge mildtätige Spenden der wohlhabenden Welt bewirken. Doch zu einem planetaren Bewusstsein, für das Ihr aufgrund Eures Titels gelobt wurdet, bedarf es mehr. Ein nachhaltiges Zusammenspiel der Welt über Notopfer hinaus benötigt ein neues vom Grund her gemeinsames aufgeklärtes Schöpfungsbewusstsein. Es geht um genau das, was antike Aufklärer in einem universalen Gottesbewusstsein sahen, das für Juden und Heiden in gleichem Maße galt und das für sie im historischen Jesus gegeben war.
Wenn wir die Aufgaben des 21. Jahrhunderts lösen wollen und die Hoffnung auf den Humanismus der Aufklärer noch nicht aufgeben haben, gilt es aufgeklärt nach dem ewigen Logos Gottes zu fragen. Hinter dem Prinzip, das die Menschen hervorgebracht hat, das wunderbar alles ganz natürlich zusammenhält und gleichzeitig unsere Verwundbarkeit zeigt, gilt es aufgeklärt die Stimme Gottes zu verstehen, den ewigen Sohn sehen, dem Denker vor 2000 Jahren eine konkrete Gestalt gaben. Das gesamte Wissen um die Geburt des europäischen christlichen Geistes, das in Jerusalem und Rom, aber ebenso in Kreta und Athen oder Byzanz, Alexandrien und Antiochien seinen Ursprung hat, gilt es dabei in neuer Weise zu beleuchten. Die europäische Theologie des vernünftig aufgeklärten Abendlandes ist anzustoßen, ihr Wissen konsequent für eine neue Wurzelsuche zu nutzen, das neben dem Grund der hebräischen, griechischen, römischen auch viele andere antiken Glaubensvorstellungen mit einbindet.
Nicht nur die Welt bewegt sich weiter, ist im ewigen Fluss, wie wir bei die große Welle auslösenden Verschiebung der Kontinentalplatten bemerkt haben. Auch die Bilder, die wir uns von der Welt und der schöpferischen Wirk-lichkeit machen, scheinen sich seit einigen Jahrzehnten verkeilt zu haben und werden sich daher ruckartig weiterbewegen. Wenn Bilder und Vorstellungen, die die westliche Welt bis zur Aufklärung gebracht haben nicht mehr tragen, dann ist die Aufklärung gefordert, zu einem neuen aufgeklärten christlichen Selbst- und somit Schöpfungsverständnis beizutragen. Hervorbringen muss es die Mutter Kirche. Doch der Anstoß hierzu kann und muss von kritischen Fragen des aufgeklärten Denkens ausgehen.
Das gewaltige Beben, bei dem sich die Platten der Weltbilder verschoben haben, hat bereits stattgefunden. Die große Welle, die alles wegspült hat, hat gewütet. Doch der Abriss der Aufklärung kann beendet werden. Für den Wiederaufbau eines vernünftigen christlichen Weltbildes werden Spenden gesucht. Statt leeres Stroh zu dreschen, das Mythenabschreiber hinlegen, sollte aufgeklärt nach der Frucht gesucht werden, die uns in der Aufklärung gegeben wurde. Wie bei der derzeitigen Diskussion um Warnsysteme scheint auch heute das Wissen vorhanden zu sein. Es geht nur darum es auszuwerten und zu den Menschen zu bringen.
Wenn es stimmt, dass Spiegel Leser mehr wissen, dann
wäre der christlichen Wissenschaft der Spiegel vorzuhalten und sie anzustoßen,
in neuer Weise auf Grundlage ihres Wissens nach der eigenen Wurzel zu fragen.
Mit Hilfe der alten Bilder gilt es durch aufgeklärte Augen den lebendigen Jesus
zu sehen, das schöpferische Wort in der Sprache des heutigen Weltbildes
verständlich zu machen, so Weihnachten und Ostern im historischen und heutigen
Sinne wahr werden zu lassen.
9. Jesus geh voran: Visionen vom aufgeklärt
vernünftigen Menschen eines neuen Morgen
-Angestoßen durch die autoritätskritische Aufklärung entwickelt sich ein Nachdenken über das historische Geschehen um den christlichen Heilsbringer. Dies bringt ein völlig neues Sohns und somit christliches Selbstverständnis hervor, das von einer natürlichen schöpferischen Sinngebung ausgehend auch zu einem neuen individuellen Selbstverständnis und Bewusstsein führt.
-Der aufgeklärte Mensch erkennt eigen-ständig den Vater. Er hält nicht nur mater-ialistisch alle Natur für das eigentliche Schöpfungswesen, noch führt er die Glaubenslehre nur auf die verfassende Mutter Kirche zurück. Im Sinne einer höheren Vernunft, die man als das präexistente Wesen des christlichen Glauben versteht, wird schöpferische Leistung zum Lebensprinzip der praktischen Vernunft. Es entsteht ein Geist der aufgeklärten gemeinschaftsbildenden Vernunft, der die Gesellschaften trägt und im Sinne der Genesis kreativ weiterbewegt.
-Die neue christlich Selbstbestimmung führt weder zur Auflösung alter Kultpraktiken und der verschiedenartigen Kultformen. Vielmehr wird die für viel Blutvergießen verantwortliche Überhebung einer einzelnen Glaubensformen – meist augrund blind vorgegebener Texttraditionen - aufgehoben. Gleichzeitig werden die Traditionen in ihrer Verschiedenheit bestätigt und inhaltlich neu gefüllt. Im bewussten Einsatz der jeweils traditionsgemäßen Kultformen wird sich der Mensch an der Vernunft des schöpferischen Kosmos orientieren, verant-wort-lich dem Wille des einen gemeinsamen Creators ent-sprechen.
-Der Mensch von Morgen ist völlig autonom. Er hört weder auf vorgesetzte Autoritäten, noch lässt er sich von alten Texte leiten oder sagen, was er zu glauben, wie er zu leben hat. Er baut auf die Erfahrung der Alten und lässt sich allein vom Autor des Alles leiten, dessen Vernunft er versucht auf menschliche Weise umzusetzen.
-Auf die seiner Kulttradition gemäße Weise wird sich der aufgeklärte Mensch aus vernünftigem Grund bewusst betend für die Vernunft des Schöpfervaters begeistern und diese zum Lebensideal werden lassen. Nicht leidend wir er sich daher wahrhaft weltökonomisch und ökologisch verhalten, sondern in höchster Lust.
-Kreative schöpferische Leistung, die zur Leitlinie des Lebens wird, bringt einen Schub an wissenschaftlicher Erkenntnis hervor, der zu weltweitem Wohlstand und nachhaltigem Wachstum führt. Im Rahmen einer ganzheitlichen Denk- und Verhaltensweise, die alle Lebensbereiche umfasst, werden auch geistigen Kräfte in einer Weise genutzt, die bisher nur am Rande und recht vergeistert vorkamen. So entwickeln sich auf ganz natürliche Weise bisher ungeahnte Möglichkeiten.
Auch wenn es sich hier um überzeichnete Visionen
handelt, so ist das Unternehmen Aufklärung dazu aufgefordert, die Hoffnungen der
Aufklärer auf eine vernünftige und humane Weltgesellschaft fortzuführen, Fragen
an die Geisteswissenschaften zu stellen, die die Aufklärung fortführen und zur
Klarheit über den einen Creator werden lassen.
Dem Menschen von Morgen wird kaum mehr begreifbar sein,
wieso sich Aufklärungsunternehmen noch
am Anfang des 3. Jahrtausend von überkommen Mythen hinters Licht führen ließen
und so gemeinsam mit altem Aberglaube die Vernunft vernebelten.
Doch um klar bzw. aufgeklärt zu sehen, bedarf es
einer Änderung der Perspektive
.