Das „Unternehmen Aufklärung“

 

 

An die Redakteure

des SPIEGEL

Postfach 105840

20039 Hamburg

 

 

Ein himmlischer Nachruf auf Rudolf Augstein in Form einer art Weihnachtsgeschichte,

ein Aufruf an die Nachlassverwalter bzw. Mitarbeiter autonomer Aufklärung.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

das „Unternehmen Aufklärung“, Lebenswerk Ihres ehemaligen Herausgebers muss und wird weitergehen. Doch geht es bei diesem Unternehmen nur um einen Verlag bzw. ein zurecht zeitkritisches Magazin, das politische Machenschaften aufdeckt, gesellschaftliche Fehlentwicklungen aufzeigt und neue wissenschaftliche Erkenntnisse publiziert? Oder umfasst die notwendige Aufklärung weit mehr?

 

„Aufklärung“ gibt dem einzelnen Menschen Klarheit, wer ihn gezeugt und geboren hat, wohin er gehört und wie er zu weiterem Leben beitragen kann. Gilt dies nicht auch für die gesamte Gesellschaft? Ist diese Aufklärung wirklich schon abgeschlossen?

 

Könnte es sein, dass Augstein einst als ein Meilenstein der Aufklärung in die Geschichtsanalen eingehen wird, weil er sich nicht nur mit den Fragen des Alltages auseinandergesetzt hat?  Kommen seine Überlegungen zum Grund christlichen Glaubens, die er in „Jesus Menschensohn“ hinterlassen hat und in Ihrem Nachruf kaum mehr als ein literarischer Misserfolg gesehen wurden, bei der Würdigung seines Lebenswerkes nicht viel zu kurz? Es mag sein, dass er in seiner Christuskritik noch keine Aufklärung im eigentlichen Sinne geben konnte. Noch stand der Abbau bisheriger Annahmen im Vordergrund. Doch wer Klarheit über seinen wahren Erzeuger haben möchte, muss erst begreifen, dass es nicht der Klapperstorch war. In diesem Sinne hat Augstein mit Sicherheit einen wichtigen Beitrag geleistet. In dem er die Leere der heutigen christlichen Theologie artikulierte und aussprach was das Volk denkt, SPIEGELTE er das Weltbild bisheriger Aufklärung wieder. Mit etwas, wovon viele ausgehen und das Denken darüber daher leider schon aufgegeben haben, hat er sich in seinem Jesusbuch auseinander und so eine zeitgeschichtliche Wegmarke gesetzt. Erst aus dem Abbau von nicht mehr zeitgemäßen Vorstellungen und Hypothesen erwächst ein Neuverständnis, das dem Denken über Gott den Weg ebnet und so ein vernünftiges Gottesverständnis ermöglicht.

 

Wie ein solches, aus dem Denken der Aufklärung entstehende Neuverständnis aussehen könnte, will ich versuchen, in einem Dialog von Augstein und Johannes zum Ausdruck zu bringen. Im Himmel, wo Augstein durch den von ihm abgestrittenen Jesus Christus als „Chefaufklärer“ christlichen Glaubens ausgezeichnet wurde, habe ich diesen Dialog aufgeschnappt.

                                       Himmlische Grüße von einem Irdischen

                                                         Gerhard Mentzel

 

Schänzelstrasse 9, 67377 Gommersheim, Tel. 06327 5449, gerhard.mentzel@gmx.de                                                           

In verschiedenen unverschickten Leserbriefen an den Spiegel, der mich bei meiner Suche nach dem Wesen des christlichen Glaubens bzw. der Wahrheit theologischer wie biblischer Aussagen stets zum Weiterdenken anregte – einige davon zu finden unter http://www.theologie-der-vernunft.de/, unter „Apologetik“ und „neue Texte“ - habe ich behauptet, dass Augstein einen Ehrenplatz im Himmel einnehmen würde. Mit den folgenden Überlegungen will ich begründen, warum er ihn hat.

 

 

Die neue Perspektive,

aus der heraus die folgenden Schlüsse gezogen,  SPIEGELbilder betrachtet werden:

 

Es geht – im ursprünglichen christlichen Glauben - gerade nicht um gesetzte Überzeugungen, persönliche Glaubensvorstellungen oder innere Stimmen. Und schon gar nicht um einen jungen Juden, der anschließend als Christus verherrlicht wurde.  Vielmehr kann heute aufgrund unseres Wissens um die geistigen Hintergründe eines antiken Paradigmenwechsels  die Logik des  christlichen Glaubens bzw. der christlichen Glaubensdogmen  neu verständlich werden. Der urchristliche Glaube wird verstanden als die Wahrnehmung eines realen Wesens, das griechisch als Logos, hebräisch als Gotteswort/schöpferische Weisheit bezeichnet wurde. Dieses Wort haben die Christen im antik-wissenschaftlichen Weltbild, ebenso wie in einem allegorischen Verständnis der alten Traditionstexte neu wahrgenommenen, es als Sohn des lebendigen Gottes gesehen und in menschlicher Gestalt zum Ausdruck gebracht. Nur so hatte es in der Zeitgeschichte eine messianische Wirkung. Angesichts unseres Wissens um das natürliche Werden der Welt,  einer schöpferischen Intelligenz (Logos),  die mit jeder neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnis offensichtlicher wird und ohne die eine Evolution unvorstellbar  wäre, kann das schöpferische Wort Gottes als letztlich einzige und universelle Offenbarung des unsichtbar bleibenden einen Schöpfers neu verstanden werden.

 

Um  was sich Augstein, stellvertretend für die gesamte kritische Aufklärung,  verdient gemacht hat, ist die Voraussetzung für ein neues Verständnis des lebendigen Wortes  zu schaffen. Denn nachdem Albert Schweizer nachgewiesen hat, dass über den historischen Jesus nichts zu sagen ist bzw. die moderne Theologie offen legt, das  über diesen in den biblischen Texten nichts ausgesagt wird, hat Augstein den sog. Christus des heutigen Glaubens als Phantasieprodukt offengelegt. Erst nach dieser zeitkritischen Analyse kann weitergedacht werden. Erst so ist neu  zu erkennen, wieso der Christus des Glaubens keine aufgewärmte Mythologie in Menschengestalt und kein Phantasieprodukt frühkirchlicher Gottesverherrlichung oder gar nur die Messianisierung eines Menschen war, sondern ein wirklich präexistentes Wesen, das erst  in Menschengestalt lebendig,  vermittelbar wurde,  so historisch nachweisliche Wirkung entfaltete.

 

Die folgenden Überlegungen in Dialogform sollen ermuntern, eine für unseren Glauben und somit auch die gesamte Gesellschaft existenzielle Frage neu zu stellen. Sie gehen von einem völlig neuen, vernunftbegründeten christlichen Selbstverständnis aus, das ohne die Aufklärung un-denkbar wäre. Eine fundierte Begründung der Thesen, von denen ausgegangen wird,  muss an anderer Stelle erfolgen.  Erste laienhafte Ansätze einer Apologie, die keine Verteidigungsrede des christlichen Glaubens gegenüber dem Denken ist, dieses gar abstreitet oder sich ihm  anbiedert, sondern dazu aufruft, über das bisher gedachte hinauszudenken und so neu zu verstehen,  sind unter http://www.theologie-der-vernunft/ zu finden.

 

(Die zahlreichen Fehler bitte ich zu entschuldigen.  Als voll im Berufsleben stehender Familienvater fehlt die Zeit, alles nochmals zu überarbeiten.)

Weihnachtsgeschichte 2002                   

 

 

 

Die Situation:

 

Rudolf Augstein, der ehemalige Herausgeber des Spiegel befindet sich im Himmel. Nicht nur das hat ihn sehr überrascht. War er doch zeitlebens ein kritischer Begleiter der Kirche und des christlichen Glaubens, wurde gar als Ketzer verschrien. Und jetzt soll er eine Auszeichnung als „Chefaufklärer“ des christlichen Glaubens erhalten. Kein geringerer als der Gottessohn selbst, den Augstein als Menschenwerk nachweisen wollte, ist angetreten, um ihm die Ehre zu erweisen. Vorweg unterhalten sich Johannes und Augstein über den Grund der Auszeichnung. Auch Paulus erscheint auf der Bildfläche, gibt sich als ein durch antike Aufklärung hervorgerufenes neues theologisches Paradigma zu verstehen. Als dann Jesus selbst den Saal betritt, wo Augstein und mit Ihm auch viele Weggefährten und ehemalige Gesprächspartner aus Politik und Naturwissenschaft warten machen alle große Augen.

 

Nach einem ausführlichen Dialog zwischen dem Apostel Johannes und dem himmlischen Augstein verfasst dieser einen Aufruf an seine Mitarbeiter im „Unternehmen Aufklärung“.

 

Das himmlische Gespräch:

 

1.    Warum Augsteins Aufklärungsdenken im Himmel einen Ehrenplatz hat und wie erst kritisches, unvoreingenommene antiautoritäres Analysieren über den eigentlichen Autor des Alles nachdenken lässt

 

Augstein:

Kannst Du mir sagen, was dies hier soll? Nicht nur, dass man mich in den Himmel befördert hat, jetzt will man mir auch noch einen Orden als „Chefaufklärer“ des Christenglaubens anhängen. Was wird da euer Bodenpersonal dazu sagen?

 

Johannes:

Das Maß, mit dem wir hier oben messen, ist kein irdisch-menschliches, das müsstest Du doch auch wissen. Und dass unser Bodenpersonal oft im Dunkeln tappt, hast gerade Du oft genug beklagt. Aber vieles kommt ganz anders, als Mensch denkt. Kreation ist nicht nur das Nachbuchstabieren bzw. pures Fortschreiben des bisherigen Geschehens. Genau das macht doch den vernünftigen Prozess der gesamten Genesis Gottes aus. Lass Dich überraschen.

 

Augstein:

Aber jetzt im Ernst, hat der liebe Gott die ganze Zeit den Spiegel abboniert und will mich jetzt für die zeitkritische Berichterstattung belobigen, dafür auszeichnen, dass wir der Gesellschaft den Spiegel ihrer Unvernunft vor Augen gehalten haben? Oder soll  ich nur nachträglich für die vielen Schmährufe seiner irdischen Vertreter – die in mich zeitlebens als  einen der größten Ketzer verschrieen haben -  entschädigt werden?

 

 

 

Johannes:

Mit Deiner journalistischen Aufklärung hast Du sicher einen großen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung geleistet. Das Deutschland ohne Augstein „hätte ein anderes Aussehen“ hörte ich einen irdischen Historiker sicher zurecht sagen. Und kaum ein Blatt hat den Menschen so den Spiegel vor Augen gehalten, ihnen ihre Unvernunft aufgezeigt, die immer mehr ins Abseits führt. Wie besser als in Eurer Zeitung wird aufgezeigt, dass mit dem Denken der Gesellschaft etwas nicht stimmt, es so nicht weitergehen kann? Wo wird Woche für Woche deutlicher, dass der Geist der Menschen den weltgesellschaftlichen Entwicklungen nicht gewachsen ist? Euer Blatt ist der Spiegel der Unvernunft einer Gesellschaft, die sich zum genauen Gegenteil dessen entwickelt, was noch vor wenigen Jahrzehnen die humanistischen Aufklärer erhofften. Doch deswegen allein wird man Dir keinen himmlischen Orden verleihen. Aber hast Du Dich nicht auch mit den „Geistlichen“ und der Grundfrage des christlichen Glaubens ernsthaft auseinandergesetzt?

 

Augstein:

Sei nur still, wenn das rauskommt, wird man die ganze Ordensverleihung abblasen und mich in die Hölle jagen. Kaum einer hat den Klerus  so ins Kreuzfeuer genommen wie ich. Und wen Euer Fußvolk als Gottessohn und Glaubensgrund bezeichnete, habe ich doch als reines Menschenwerk, puren Mythos bzw. frühkirchliche Erfindung nachgewiesen. Von „schwadronierendem Unsinn“ habe ich angesichts kirchlicher Verherrlichung ihres Glaubensgründers und beliebiger Verwendung biblischer Aussagen bei der Neuauflage meines Jesusbuches gesprochen. Auch wenn ich das nicht an die große Glocke gehängt habe, so konnte doch jeder in Augstein ein Abbild aufgeklärten Atheismus sehen.

 

Johannes:

Wie wahr, Du warst ein Spiegelbild des angeblich aufgeklärten Denkens. Und in kaum einem Werk der Weltliteratur wird die Problematik des heutigen Denkens über den christlichen Glaubensgrund besser deutlich als bei Dir. Du hast nicht aus inneren Gefühlen über einen Christus geschwärmt oder gar Glaubensdogmen nachgeplappert, sondern nachgedacht und ausgesprochen was viele Denken. Doch ist Dein Aufdecken einer versteinerten Dogmatik und das Abstreiten christliche Glaubensgrundlagen nicht nur die halbe Wahrheit? Denn der Weg der Aufklärung ist noch lange nicht zu Ende. Was Du im zeitkritischen Journalismus und noch mehr in Deiner Auseinandersetzung mit dem Menschensohn Jesus geleistet hast, ist das Aufzeigen eines Missverstandes. Doch nur die Dekadenz eines versteinerten Denkens war Dein Thema, nicht der lebendige Glaube aufgrund der Vernunft/des Logos, auf den wir damals hofften. Und damit hast Du uns Urchristen aus dem Herzen gesprochen. Denn christlicher Glaube gründet eben nicht auf Gesetze/Buchstaben, auch wenn sie einer Gestalt mit Namen Jesus Christus in die Schuhe geschoben werden. Wie Du erwähnt hast, hat bereits Friedrich der Große in einem Schriftwechsel mit einem französischen Aufklärer behauptet, dass „die heutige Religion der Religion Christi so wenig gleiche, wie der der Irokesen.“  Während die heutige christliche Religion geprägt ist von Buchstaben und der Hypothese eines historischen Menschen, sind wir sind von einem in aller Schöpfung wie Geschichte wirksamen Wort Gottes ausgegangen. Die sich auf die natürliche Ordnung Religion der Indianer beziehende Religion kommt unserem antiken Christentum daher weit näher, als der amerikanisch-christliche Kult heutiger Prägung. Auch wenn sie die von uns gebrauchten Begriffe im Munde führt, so kommt das Verständnis eines in aller natürlichen Schöpfung gesprochenen Wortes nicht vor. Doch solange Du als aufgeklärter Denker in uns antiken Evangelisten nur Wandercharismatiker sehen willst, darfst Du Dich nicht wundern, wenn unzählige gutgläubigen Amerikaner jedem dahergelaufenen begabten Rhetoriker, der die Bibel schwingt und vom Schöpfer spricht, aus der Hand fressen.  

 

Mit Deiner kritischen Analyse des heutigen Glaubens hast Du „voll ins Schwarze“ getroffen. Was Du zeitlebens angeprangert hast ist die heute unhaltbare Vorstellung von der Verherrlichung oder gar Manifestation Gottes in einem charismatischen historischen Menschen. Auch ein Christus, an den man einfach blind glauben muss, weil’s geschrieben steht, immer so war, ein Geheimnis bleiben wird...  ist aber das genaue Gegenteil von dem, den wir damals gesehen, verkündet und auf den wir gehofft haben. Wer wundert sich, wenn heute weder die moderne Gesellschaft, noch die Hochschultheologie den himmlischen Christus und ebenso den angeblich historischen Jesus wirklich ernst nehmen?

 

In seinem Nachruf hat Dich mein präsidialer Namensbruder in der Hamburger St. Michaeliskirche als unabhängigen und unbestechlichen Analysten gelobt. Nie hast Du ein Blatt vor den Mund genommen, sondern Dich vor keiner Autorität gebeugt und unabhängig gedacht. Nicht was jemand vorschrieb hast du geglaubt, sondern nur was Du selbst verstanden hast. Doch ist die nüchterne Analyse der Fehlentwicklungen nicht nur der Anfang? Ist sie nicht vielmehr erst die Voraussetzung zur Gesundung, die dann durch einer Verhaltensänderung bzw. ein Neuverständnis bewirkt wird? Wo aber ist eine neue Erkenntnis, die über das Abstreiten, über das Aufdecken von Fehlentwicklungen hinausgeht? Ob die viele Beiträge in Euerem Wochenblatt oder Dein Jesusbuch, beide sind doch erst der Anfang auf dem Weg zu dem, was wir in der Bibel Buße nennen: geistiger Umkehr, völliger Neuorientierung.

 

Wer nur Missstände anprangert und vernünftige Lebensweisen verlangt,  ist kaum anders als die Pharisäer unserer Zeit. Auch hier gleicht bisherige Aufklärung leider oft nur den innerhalb der Kirchenmauern verbliebenen, die sie kritisiert: SPIEGELT so das heutige Problem wieder.

 

Augstein:

Was aber soll ein neues vernünftiges Denken über Gott sein? In einem Gespräch mit dem weit über den Tellerrand hinausschauenden Philosophen Martin Heidegger hat dieser angesichts der bereits damals erkennbaren Abwärtsentwicklung unseres gesellschaftlichen Geistes, dem Verfall der Werte und allgemeiner Unvernunft die Ansicht vertreten: „Nur ein Gott kann uns noch helfen.“ Doch meine Frage, ob Gott herbeigedacht werden kann, verneinte das große Vorbild heutiger wissenschaftlicher Denker: „Nur der Boden für ein Denken könne bereitet werden.“ Willst Du mit Deinem permanenten Gequatsche von einer Vernunft jetzt Gott wieder denken?

 

Johannes:

Ganz im Gegenteil. Uns ging es gerade nicht um einen gedachten Gott. Auch die menschliche Vernunft war nicht Gegenstand unseres Glaubens. Doch dass wir damals vernünftige über Gott nachgedacht haben, ist eine theologische Tatsache, die Du durch die unvoreingenommene Auseinandersetzung mit antikem Denken nachvollziehen kannst. Und diesem vernünftigen Denken kann heute neu der Boden bereitet werden. Die Realität des durch das Wort/den Logos wirk-samen Schöpfers war Thema christlicher Religion. Doch das antike Denken hatte dafür die Voraussetzungen geschaffen. Keinem  menschliches Phantasieprodukt oder hoffnungswirksamen Placebo wurde Schöpfungshandeln in den Mund gelegt, sondern denkend das schöpfungs-wirk-liche Wort verstanden.

 

Wie wichtig eine solche Erkenntnis der Schöpfungs-wirk-lichkeit Gottes ist, habt Ihr erst vor wenigen Wochen in Eurem Titel „Der gedachte Gott“ wiedergeSPIEGELT. Denn wo Gott seine schöpferische Wirk-lichkeit verloren, hat er nur noch im menschlichen Denken Platz. Der Schläfenlappen, der im biologischen Bauplan dazu beitragen soll, den einen Schöpfer zu erkennen, muss daher als Konstrukteur eines durch den menschlichen Geist gesetzten Gott gesehen werden. Gerade im biologischen Bauplan, zu dem auch die Funktion des Schläfenlappens gehört, zeigt sich aber auf wunderbare Weise das schöpferische Wort/eine in alles Werden der Welt bewirkende Vernunft. In Ihr haben wir damals den Sohn Gottes gesehen. Dieser präexistente Logos/Gottessohn hat bei uns – vernünftigerweise - eine menschliche Gestalt angenommen. Allein die Tatsache, dass die Evolution ein solches Körperteil als bio-logischen Antrieb zur Erkenntnis in unseren Funktionsapparat eingebaut hat, ist Teil des schöpferischen Logos, belegt die Notwendigkeit einer vernünftigen Gotteswahrnehmung. Ohne den durch philosophische Einsicht erkennbaren Logos/         verstandenes  Schöpfungswort, von dem unsere Christenlehre ganz selbstverständlich ausging, wird ein Gott zu einem Phantasieprodukt menschlichen Denkens. Wo dieses Wort/die Realität des Gottessohnes nicht verstanden wird, muss Gott als Opium fürs einfache Volk gesehen werden.

 

Augstein:

Sie mir ruhig vom Gottessohn, genau den habe ich doch als Menschenwerk entlarvt. Wieso soll mir jetzt der Aufklärungsorden gerade durch den verliehen werden, dessen Existenz ich abgestritten habe? Nicht nur Euer Chef-Theologe Karl Barth hat mich bei der Herausgabe meines Jesusbuches arg gescholten. Die gesamte Grundlage christlichen Glaubens würde ich durch meine Thesen zum Einsturz bringen. Mal ehrlich, ist bei der heutigen Auszeichnung ein himmlischer Trick dabei?

 

Johannes:

Du bist ein SPIEGELbild aufgeklärten Denkens, das zum Abriss eines versteinerten theologischen Weltbildes beitrug, im dem der eigentliche Gottessohn seine schöpferische Realität verloren hat, der Logos nicht vorkommt und das Wort Gottes nur im Buch gelesen wird. In einem solchen Weltbild wird Christus zum reinen Menschenwort. Dies hast Du in Deinem Buch nachgewiesen. Doch so hast Du erst den Bauplatz für ein Bewusstsein des lebendigen Gottes geschaffen. Dein Jesusbuch ist somit Aufruf zu einer neuen, reifen Erkenntnis der Realität dessen, was christliche Religion in Wirklichkeit ausmacht. Der Hauptpastor der Hamburger Michaeliskirche Helge Adolphsen hat bei seiner Nachrufrede bereits vermutet „dass Gott sich mit Dir beschäftigen wird...Amen“. Nachdem wir hier im Himmel aber in unserem Herrgott nicht nur einen gesetzten Begriff sehen, sondern den Schöpfer allen geistigen und weltlichen Werdens, wissen wir, warum er Dir danken wird. Erst nach dem Einsturz des Gewesenen, unhaltbar gewordenen kommt das Verständnis des Neuen. Genau das ist sein Schöpfungswerk. Du warst ein Werk-zeuge. Nur das Abstreiten des Alten schafft Raum für eine neue, seinem schöpfungs-wort/wirken gerecht werdende christliche Religion: Ein Neuverständnis, das dem unserem antiken Christusverständnis entspricht, das Denken aufnimmt und weiterentwickelt.

 

Dass mit der heutigen Glaubensvermittlung etwas nicht stimmt, dass es so nicht weitergehen kann, dafür warst Du doch bester Beweis. Nicht nur weil Du Dich lautstark mit dem kirchlichen Amtsträgern auseinandergesetzt und zeitlebens ständig Missstände des Klerus angeprangert hast. Vielmehr zeigte sich doch in Dir und Deinesgleichen, dass sich bei Euch Erdenbewohnern heute Denken und Glauben nicht mehr auf einen Nenner bringen lassen. Wird nicht gerade bei Dir - der Du Dich im Gegensatz zu großen Rest der Denker noch mit christlichen Grundfragen auseinander gesetzt hast - deutlich, warum die Welt immer weiter von einem vernünftigen Glauben abfällt? Dein Argwohn gegen alte vorgesetzte Dogmen, der die gesamte Skepsis der Nachkriegsgeneration wiederSPIEGELT, ist Voraussetzung für einen geistigen Neubeginn. Und damit kommen wir dem Grund der heutigen Feier schon etwas näher.

 

Augstein:

Du spannst mich aber ganz schön auf die Folter. Wann beginnt jetzt eigentlich der große  Akt? Ist mein Freund Paulus, über den ich vor einigen Jahren in unserem Blatt berichtete und der selbstverständlich auch in meinem Buch als Missionsprediger eines reinen Menschensohnes vorkommt, auch eingeladen?

 

Johannes:

Aber selbstverständlich ist Paulus mit dabei. Ohne ihn hätte man Dich in die Hölle geschickt. Man würde Dich weiter für einen unverbesserlichen Ketzer halten. Du wirst sehen, dass ohne ihn, der den Wechsel des theologischen Paradigmas der Antike wie in unserer Zeit personifiziert, das alles so nicht wäre. Würden wir weiter nur von einem Gesetzeswort ausgehend, im alten Sinne verstehen, dann müsste man Dich und Dein Gedankengut meiden wie der Teufel das Weihwasser. Nur weil Paulus heute wieder mit dabei sein kann – wozu auch die durch Dich selbst symbolisierte Aufklärung ihren Beitrag geleistet hat -, wird man Dir die Auszeichnung als „Chefaufklärer“ des christlichen Glaubens verleihen.

 

Bitte erschrecke nicht, wenn Du meinen Freund Paulus siehst. Er sieht ganz anders aus, als er Dir bisher durch den Kirchenlehrer vermittelt wurde. Und doch ist er genau der, den die Theologen beschreiben. Deine Respektlosigkeit oder besser völlige Freiheit von jeglicher vorgesetzter Autorität, die Dir mein Namensbruder Rau bei der offiziellen Feier in Hamburg bestätigte, wird Dir sicher auch hier im Himmel helfen, Dich von alten Vorstellungen zu lösen. Übrigens war auch Paulus autonom von jeglicher menschlicher Autorität. Allein der himmlische Autor, der im lebendigen Wort (für uns Jesus Christus) spricht, war für ihn maßgebend. Und nur durch die Befreiung von menschlichen bzw. Vor-gesetzten Autoritäten und Vorstellungen wird es auch Dir möglich sein, neu zu sehen und zu verstehe. Genau das ist Paulus.

 

 

 

2. Weshalb ein neues Verständnis der neutestamentlichen Personen not-wendig ist

 

(Paulus betritt die Bühne:

Ein neues antikes Paradigma, das von vorgesetzten Autoritäten frei war bzw. durch diese Freiheit erst hervorgerufen wurde,  auch heute die Feder führt, nimmt Gestalt an.)

 

 

Augstein:

Jetzt schlägt es aber 13! Wieso ist das keiner wie ich? Wo sind die Knochen von diesem Kerl? Ihr könnt mir doch nicht verkaufen, dass ich mich so geirrt habe. Wieso stellt Ihr hier im Himmel plötzlich alles auf den Kopf, was wir uns auf Erden so schön ausgemalt haben? Kein halbwegs vernünftiger Mensch hat doch bezweifelt, dass es sich bei Paulus um einen einfachen Menschen, eine Art Missionsreisenden handelte. Und waren es nicht Eure Theologen die behaupteten, dass dieser Missionsprediger den Heiden den jüdischen Glauben in etwas abgewandelter Form verkaufte, ihn hellenistisch zurechtbog? Soll das jetzt alles falsch sein?

 

Johannes:

Wie gesagt, Du musst Dich schon etwas von bisherigen Vorstellungen der Erdenbewohner befreien. Doch Dir als autonomem Denker und nüchternen Analytiker sollte das nicht schwer fallen. Deine theologischen Freunde haben doch längst erkannt, dass sich hinter den biblischen Gestalten weit mehr verbirgt als einfache Menschen. Es geht doch keiner mehr davon aus, dass der Verfasser des Pentateuch nur ein alter Jude oder ein angeblich ägyptischer Prinz mit Namen Moses war. Längst wird neu über Abraham, David und Salomo nachgedacht. Sowenig die griechische Mythologie von den Schicksalen einzelner Menschen handelt, sondern Homer wie Moses als frühe Hörer-Gestalten eines in der Geschichte der Menschen gesprochenen Gotteswortes nachgewiesen werden können, darf auch das Neue Testament nicht auf einzelne Menschen reduziert werden, die ihre Meinungen in Mythen hüllten. Nicht was sich Menschen ausgedacht haben, ist in den alten Texten zu lesen, sondern wach erkanntes fleischgewordenes Gotteshandeln in der Geschichte. Lass Dir von Paulus und seinen Freunden erklären, wie die griechischen Göttergestalten und die Personen des Alten Testamentes Ausdrucksformen des gleichen Logos waren. Von oben aus kann man Zusammenhänge sehen, wo unten nur gegenseitige Verneinung und Unverstand waren, der Weg scheinbar zu Ende. Natürlich hat es sich bei den Verfassern der berühmten im Name Paulus verfassten Briefe um Menschen aus Fleisch und Blut gehandelt. Auch was in der Apostelgeschichte von seiner Bekehrung und einer Missionstätigkeit beschrieben ist stimmt. Aber jetzt, wo Du die Sache von oben betrachten kannst, wirst du sehen, dass hinter diesem Namen kein kurz vor Damaskus vom Pferd gefallener Verfolger einer neuen Sekte steht, der sich durch irgendwelche Halluzinationen oder fromme Hoffnungen statt Saulus jetzt Paulus nennt. Versuche vielmehr in ihm das neue theologische Weltbild zu sehen, das nicht vom durch irdische Autoritäten (Vor-gesetzten/m), sondern von einem in aller Schöpfung lebendigen Gotteswort/griechisch Logos ausgeht. Und von diesem – wirklich in Tarsus, d.h. zwischen Orient und Okzident, griechischem und jüdischen Weltverständnis geborenen - Paradigma ausgehend, wirst Du mit Sicherheit auch verstehen, um was es mir und den anderen Evangelisten in Wirklichkeit ging.

 

Augstein:

Willst Du mir jetzt weismachen, dass es die menschliche Gestalt eines Missionspredigers mit Namen Paulus nicht gegeben habe? Was ist mit all den vielen hochtheologischen Texten von Eurer irdischen Hochschulgeistlichkeit, die berichtet, wie wenn sie auf den Missionsreisen mit dabei gewesen wäre und selbst die Kleidergröße von Paulus nachweisen will? Haben sich alle bisherigen Theologen, die ständig auf ihren Bildungsreisen den Spuren nachgehen geirrt? Ist alles, was im Namen Paulus geschrieben ist, nur Pseudoliteratur? Was sind seine wahren Briefe?

 

Johannes:

Die Archäologen mit der Schaufel herabzuwürdigen liegt mir fern. Und auf den Bildungsreisen lässt sich durchaus der Geist der damaligen Zeit nachvollziehen. Erst durch die kritisch-analytische Offenlegung des wahren Denkens, der theologischen Auseinandersetzung der verschiedenen geistigen Bewegungen und Strömungen unserer Zeit, können die wahren Knochenkörper von mir und Paulus rekonstruiert werden. Nachdem Paulus hier bei uns ist, kannst du jetzt ja selbst erkennen, um was es geht. Natürlich hat er gelebt, ist er zeitlebens Jude geblieben. Durch die wache Wahrnehmung bzw. ein Wiederverständnis des bereits zu Hebräern wie Hellenisten gesprochenen lebendigen Gotteswortes hat er sich vom Pharisäer Saulus zum Paulus verwandelt. Als Himmelsbewohner ist Dir doch klar, dass Paulus eine wahrhaft geschichtliche Person ist, d.h. die in seinem Namen vorliegenden Texte wirklich von eine neuen Paradigma verfasst sind und von diesem auch die durch seinen Schüler Lukas in der Apostelgeschichte beschriebene Mission ausging. Alles was wir geschrieben haben ist geschichtliche Wahrheit. Nachdem er hier unter uns ist und Du von oben eine himmlische Sicht hast, kannst Du das Wesen des neuen theologischen Paradigmas, das nicht vom Gesetzeswort, sondern vom auferstandenen lebendigen Wort/Logos ausging förmlich begreifen.

 

Wie Du jetzt auch erkennen kannst, ist Pseudopaulus nicht, was aufgrund einer nach bisheriger Hypothese angenommenen Chronologie oder aufgrund unterschiedlicher Literaturstile nicht in die gedachte Reihe passt. Pseudopaulus ist dann, wenn vom alten Paradigma des vorgesetzten Glaubens aus gedacht wird und Behauptungen bzw. Lebenslehre aufgestellt werden. Wenn aufgrund von Traditionstexten, inneren Stimmen und alten Mythen statt vom wiederverstanden unter uns lebenden Wort aus Theologie betrieben wird, sollten wir nicht von Paulus sprechen. Wenn von Menschen gesetzte Worte als Grundlage des Glaubens gelten müssen, Christus nur ein Papierdogma von Vorgesetzten oder persönliche Ansichtssache ist, dann ist Paulus wieder zum Saulus geworden. Ein Pseudopaulus nimmt dann das „Wort“ für sich selbst in Anspruch. Christus ist nur Menschensohn. Und genau das habt Ihr in Eurem Aufklärungsdenken bisher belegt.

 

Augstein:

Mir war immer schon  klar, dass Dein Freund Paulus kaum etwas mit Eurem historischen Jesus zu tun hat. Davon habe ich in meinem Buch oft geschrieben. Doch ist das nicht auch die Theorie der kirchlichen Theologie, die bei Paulus  von einem „Christus des Glaubens“  bzw. „dem Auferstandenen“ spricht?

 

Johannes:

Hier im Himmel sind die irdischen Unterscheidungen zwischen einem historischen Jesus und einem Glaubenschristus aufgehoben. Dessen präexistente Realität und historische Ausdrucksgestalt ist unser Thema. Die Theologie des Paulus ist wie auch ich und die weiteren Verfasser der neutestamentlichen Texte vom historischen Jesus Christus ausgegangen. Das himmlische Wort/überirdische Vernunft ist herabgekommen und Mensch geworden, nicht umgekehrt, wie leider auch Du immer gedacht hast, wenn von „Hoheitstiteln“ für den historischen Jesus gesprochen wurde.  Das schöpferische Wort selbst hat gesprochen und uns die Feder geführt. Der Logos, die Vernunft war es, die damals glitten hat und noch heute leidet. Letztlich hast Du das zu Lebzeiten am eigenen Körper gespürt.

 

In den unter meinem Namen verfassten neutestamentlichen Texten wird doch besonders deutlich, dass es nicht um die Legende von einem jungen Juden ging, sondern das schöpferische Wort in Person gesprochen hat. Im dem nach mir benannten Evangelium kannst Du schwarz auf weiß nachlesen, auf wen wir gesetzt haben, von wessen Existenz und Wirkung wir ausgingen. Deutlicher als in den „Ich bin...-Worten“ kann man doch kaum sagen, um was es uns damals ging. Doch auch das alles ist bereits bestens in Deinem Buch belegt. Du selbst hast höchst sachkundig nachgewiesen, dass unsere Texte nicht von einem historischen Menschen handeln. Wenn Eure Theologie mich als philosophischen Gnostiker abtut, dann mag mich das ehren: so wird die denkerische Erkenntnis bestätigt. Doch wenn mir deswegen nachgesagt wird, ich hätte es mit der historischen Wahrheit nicht so genau genommen, nur eine Verherrlichungspredigt geschrieben, dann ist dies schon ein starkes Stück. Sollen ich und Paulus als platonische Gnostiker etwa nur eine Lobrede auf einen charismatischen Jungen Juden gehalten haben? Für was hält man uns denn heute? Es ist für mich immer wieder ein Phänomen, wie gerade Buchstabengläubige, aber ebenso aufklärungsdenkende Bildungsbürger über unsere biblischen Aussagen einfach hinweggehen können und in Banalitäten nach der historischen Wahrheit suchen. Auf das unter den Menschen lebendige Gotteswort als Licht/Erkenntnis/Vernunft der Welt haben wir alle gehofft. Nur hat es bei mir und den Synoptikern eine konkretere Gestalt erhalten, als Du sie von Paulus kennst. Die Synoptiker haben die vom schöpferischen Wort ausgehenden Logien in eine gleichartige Lebensgeschichte gelegt und dabei – ähnlich wie ich -  die Leidensgeschichte des schöpferischen Logos erzählt. Auch von der Heilswirkung einer neuen Wahrnehmung des lebendigen Gotteswortes haben wir berichtet. Du kennst die Wunder, die von der wachen Wahrnehmung dieses Wortes ausgegangen sind. Du weißt, wie Blinde wieder sehend und Lahme zum Fortschritt bewegt wurden. Wir erzählten dabei keineswegs nur altjüdische Traditionstexte in neuer Form nach, wie die heutige Hochschultheologie oft beschreibt, sondern sind von der wahrhaften Erfüllung alter Hoffnungen ausgegangen. Wie Du jetzt erkennen kannst, hatten wir alle den gleichen Glaubensgrund. Der in aller natürlichen Schöpfung wirk-same Gottessohn war für uns eine erkannte Realität. Ohne dieses neue theologische Paradigma hätte es kein Neues Testament gegeben. Und ohne diese konkrete Gestalt des Gottessohnes, in der wir Euch das Gotteswort vermittelten, wäre die Welt nicht zu dem geworden, auf was Ihr alle so stolz seid. Freiheit, Wachstum und Wissen, die nicht nur die westliche Welt bestimmen, verdanken wir der schöpferischen Vernunft/dem Logos/ Sohn Gottes selbst und ebenso deren antiker Wahrnehmung in der Euch bekannten Gestalt. Die Form, in der wir Euch seit 2000 Jahren das lebendige Wort vermittelten war letztlich die Voraussetzung, damit Ihr jetzt am Anfang des dritten Jahrtausend die eigentliche und präexistente Realität ebenso wie den historischen Jesus christlicher Religion als aufgeklärte Erdenbürger neu verstehen könnt. Doch auch was Du als „Menschensohn“ gesehen hast – sei es die Dekadenz des christlichen Denkens oder Dein Aufdecken - war notwendig für die Entwicklung. Jedes Stadium hat SEINEN Sinn, d.h. gehört mit zum schöpferischen Logos. So ist Fortschritt erst möglich. Und dieser Logos kann heute hinter den Gestalten, als deren Wortführer neu verstanden werden. Du gehörst, ohne es bisher zu wissen, zu den Geburtshelfern dieses neuen Verstandes.

 

Augstein:

Vielen Dank für Die Ehre. Doch willst Du damit etwas sagen, dass alle Gestalten des Neuen Testamentes nur Geistgebilde sind, es sich um Bilder handelt? Zum Glück sind wir hier im Himmel. Auf der Erde hätte man Dich dafür für verrückt gehalten, ausgelacht oder aus der Kirche ausgestoßen. Tausende von Theologen, die auf ihren Bildungsreisen Reste einer realen Gestalt, eines Wandermissionars gesucht haben, können sich doch nicht geirrt haben. Und am angeblich historischen Jesus wurde doch nicht gezweifelt. Selbst seine Sandalengröße war hochtheologisches Thema. Mit Ausnahme einiger philosophischer Absonderlichkeiten am Anfang der Aufklärung und mir hat doch zu meiner Zeit keiner mehr an einem einfachen Menschen mit Namen Jesus gezweifelt.

 

Johannes:

War nicht gerade das ein Fehler bzw. wie wir gesehen haben eine Marke auf dem langen Weg zu einem fortgeschrittenen Verständnis des schöpferischen Logos. Ist der sog. historische Jesus so nicht zu völligen Belanglosigkeit zusammengestutzt worden? Und bist Du nicht bester Beleg, dass der von der Amtshypothese eines einfachen historischen Menschen ausgehende Glaubenschristus nur eine menschliche Fiktion wäre?

 

Doch wäre es auch falsch von bisherigen Fehlern zu sprechen. Hinter all dem liegt eine Logik, durch die sich die alten Lehren aufs Neue bewahrheiten. Nur auf diesem Weg ist – wie Du hier vom Himmel aus siehst - eine wache Erkenntnis in freier selbständiger Einsicht möglich. Ich denke, dass Dir inzwischen bewusst ist, wer der historische Jesus wirklich war. Auch dass hinter den Jüngern Jesus konkretes Denken steckt, geistige Bewegungen im antiken Umfeld, die von einer schöpferischen Vernunft, einem lebendigen Gotteswort/Logos ausgegangen sind, dürfte Dir inzwischen klar sein. Und wer besser als Du weiß, wie wichtig für das menschliche Verständnis Bilder sind. Ist Euer Wochenblatt nicht mehr oder weniger auch ein Bilderbuch, ohne deswegen unwahr zu sein? Bilder machen die Inhalte doch erst verständlich, bewegen die Menschen weit mehr als nur Texte, die im Kopf dann in Bilder verwandelt werden, um verstanden zu werden. Gerade Euer Magazin ist ein SPIEGELbild dieser Medien-logik! Zeigt nicht gerade Euer exzellenter Einsatz von Titelbildern und Bildberichten, wie sinnvoll und notwendig es ist, zur Informationsvermittlung Bilder zu gebrauchen? Wie wichtig muss es dann für uns damals erst gewesen sein, den Menschen eine höher Vernunft/ den Logos bzw. den Gottessohn in bekannten und den damaligen  Erwartungen gerecht werdende Vorstellung zu vermitteln? Wenn wir in Bildern gesprochen haben, dann war es also keine esoterische Geheimniskrämerei, sondern das genaue Gegenteil. Nur in der Euch bekannten Form, den gängigen Gestalten, war das schöpferische Wort ver-ständlich, dem Verstand der Menschen zugänglich. Wenn wir keine gnostisch abgehobenen Modelle, keine Geheimlehren betrieben und keine philosophisch-abstrakten Geistesgebilde in Welt gesetzt haben, sondern das Wort in begreifbarer Menschengestalt, dann entsprachen wir damit einer schöpferischen Vernunft. Nur so war Weihachten: Das präsent sein des Gotteswortes/Logos als Mensch musste sein. Nur so entfaltete es die messianische Wirkung.

 

Daher sollten wir auch nicht von Irrtum sprechen, wenn ich und Paulus bisher von der gesamten Theologie als einfache Missionsprediger gesehen wurden, die persönliche Innenansichten und Verherrlichungsreden auf eine antike Mutter Teresa mit Bart zu Papyrus gebracht hätten. Denn haben wir nicht gerade geklärt, wie wichtig diese Bilder waren und bleiben? Doch gerade Dir bzw. Deinen denkenden Nachfolgern hat unser Schöpfer den Verstand gegeben, das wahre Wesen der von uns in die Welt gesetzten Bilder einer höheren Wahrheit zu verstehen. Weit mehr als die in Ihren Buchstaben und festgefahrenen Vorstellungen gefangenen Kirchenlehrer könnten doch gerade kritisch intellektuelle Bildungsbürger zu einer Aufklärung beitragen, die über das Abstreiten der alten Bilder hinausgeht.

 

Augstein:

Sollte dann der ganze Streit um die jungfräuliche Zeugung, das Geburtsgeschehen, wie es unten auf der Erde in wenigen Tagen  gefeiert wird, die neutestamentlichen Heilungswunder vergebens gewesen sein? Alles rein theologischer Lug und Trug?  Und was ist mit all den anderen biblischen Aussagen und amtlichen Lebensbeweisen, bis hin zum Grabtuch, über das wir in unserem Blatt oftmals berichtet haben?

 

Johannes:

Wenn Du mit Deinen neuen Augen betrachtest, wirst Du nach und nach die geschichtliche Wahrheit erkennen. Alles ist geistes-geschichtlich belegbar. Frage Deine theologisch geflügelten Engelsfreunde, mit denen Du Dich ein Leben lang gestritten hast. Sie wissen doch längst um die theo-logische Bedeutung der Aussagen. Einige Deiner einstigen Gegner wirst Du allerdings eine Etage tiefer finden, wo die gefallenen Engel, die Gegner des Schöpfers bzw. Verhinderer des schöpferisch-geistigen Wachsens versammelt sind. Doch auch die hier im Himmel anzutreffenden tun sich schwer. Voreingenommen von Hypothesen, die ihnen in die Wiege gelegt wurden und denen sie ein Leben lang gedient haben, verkennen sie trotz ihres Wissens das in den biblischen Texten lebendige Schöpfungswort. Gar im Prozess des natürlichen Werdens das Gotteswort wahrnehmen zu wollen, das passt nicht ins voreingenommene Weltbild. Wie Du siehst bewahrheitet sich selbst unsere gerade vom angeblich aufgeklärte Denken für völlig absurd angesehene Aussage zur Jungfräulichkeit der antiken Christusgebärerin. Wie sonst also als unvoreingenommen (jungfräulich) von irdischen Autoritäten kann das Gotteswort im Lauf der Weltgeschichte immer wieder um Ausdruck gebracht werden, neue Gestalt annehmen? Genau das ist auch heute und hier unser Thema. Doch mir scheint, auch das angeblich aufgeklärte Denken kann die Aufgabe der Jungfrau Maria kaum erfüllen. Es zeigt sich ebenso voreingenommen wie die Traditionalisten. Das moderne Weltbild, das den Glaube für gestrig hält, abgelöst durch das Wissen um das Werden der Welt, hat sich festgefahren an der Vorstellung dessen, was vom christlichen Glaube heute wiedergeSPIEGELT wird. Wie selbstverständlich wird Gotteswort und Wissen, Glaube und Denken gegeneinandergestellt. Schlimm für mich und andere Frühchristen, wenn dies dann einfach auf unser antikes Werk übertragen, davon ausgegangen wird, dass auch wir nur blindfromme Nachbeter gewesen wären, die inneren Stimmen und alten Traditionen gefolgt seien. Was als der eigentliche christliche Glaube wahrgenommen wird, ist nur die heutige Dekadenz. Und zu allem Überfluss wird im Grunde auch von den angeblichen Denkern gedankenlos an genau dessen Vorstellungen festgehalten. Haben nicht die angeblich Aufgeklärten die Hypothesen ihrer Kritiker vom historischen Menschen voll und ganz übernommen? Allenfalls eine Reduzierung hat stattgefunden. Doch eine echte Entmythologisierung wäre weit mehr als eine Ablehnung oder Verkürzung, wie dies seit Bultmann nicht nur theologische Tagesordnung ist. Die Realität des Gotteswortes (ob das gesetzte oder das in aller Natur lebendige) kann nach der von Dir und Deinesgleichen begonnenen Aufklärung auf neue Weise verstanden werden. So wie wir damals in der Antike die Logik der alten hebräischen und hellenistischen Überlieferungen wiederverstanden, so sind doch auch heute unsere Texte, ihre Logik und der Logos allen natürlichen Lebens neu zu verstehen.

 

3. Wie Weihnachten wieder wahr werden kann und was autonomes Denken mit der Jungfrau Maria zu tun hat

 

Augstein:

Du sprichst in Rätseln. Kein Theologe nimmt das Wort Gottes außerhalb der Traditionstexte wahr. Wieso sollten jetzt aufgeklärte Denker wieder das Gotteswort verstehen können bzw. zum allgemeinen Verständnis beitragen? Wie anders als von vorgegebenen Bildern bzw. Vorstellungen aus kann ein Denken funktionieren? Wie kann aufklärerisches Denken zur eigentlichen Wahrheit finden, zum Fortschritt beitragen?

 

Johannes:

Fortschritt ist nicht allein die Ablehnung des Alten, sondern die Erneuerung. Das Wissen um die wahre Geschichte des christlichen Glaubens, ob neue Textfunde und erkannte Zusammenhänge der verschiedenen Geistesrichtungen und die Bedeutung der biblischen Gestalten kann helfen, die vorgegebenen Hypothesen kritisch zu überprüfen. Kreativität ist gefragt. Nicht um zu verleugnen, sondern um neu zu verstehen. Wie du siehst, hat man vom Himmel aus ganz andere Perspektiven als von unten, wo oft alles zusammenhanglos wirkt. Halte mich bitte nicht für völlig verrückt, wenn ich hoffen, dass Du als Sinnbild autonomer kritischer Aufklärung durch Deine himmlische Sichtweise helfen kannst, zur Jungfräulichkeit bzw. Unvoreingenommenheit des aufgeklärten Denkens beizutragen. Nicht abgehoben von irdischen Realitäten, sondern neu die Tatsachen der Theologie sehend.

 

Wie Du am Beispiel der Unvoreingenommenheit von irdischen Autoritäten bzw. der Jungfräulichkeit von Mutter Maria siehst, haben selbst unsere Aussagen, die bereits Theologen nur als fromme Legenden lesen und Ihr Aufklärer längst ins Absurditätenkabinett abgestellt habt, durchaus eine geschichtliche Realität. Über die gilt es neu aufgeklärt und autonom nachzudenken. Denn ich will keineswegs vorschreiben, wie und was zu verstehen sei. Ganz im Gegenteil. Das wäre ein reiner Rückfall in vorchristliche Religion. Christliche Hoffnung setzt darauf, dass die Menschen selbst mündig das Gotteswort verstehen.

 

Doch nicht allein die innerhalb bisheriger Hypothese als Vorbild für menschliche Keuschheit völlig verkitschte Mutter Maria, ohne deren Unvoreingenommenheit von irdischen Autoritäten wir damals nichts wirklich Neues hervorgebracht hätten, das Gotteswort nur Gesetz geblieben wäre, lässt sich heute bewahrheiten. Ebenso wird im heutigen Denken deutlich, was bei uns damals die Situation war. Auch heute ist kein Platz in der offiziellen Herberge. Weder in der Kirche, noch in der Welt des Wissens scheint Raum, um dem schöpferischen Wort/dem ewigen Logos Gottes in heutiger Gestalt zum Ausdruck zu verhelfen. Ob im angeblich aufgeklärten Denken oder bei den Traditionalisten:  Der Grund christlichen Glaubens ist kaum mehr als ein zum Messias hochstilisierter Wanderprediger oder ein göttlicher Mensch, der dann von blindgläubiger Religiösität von ganzem Herzen verherrlicht wird. In anderer Weise als in Buchform vom Wort Gottes zu reden erscheint absurd.  Auch heute müssen Provisorien herhalten, um dem Wort Gottes neu zum Ausdruck zu verhelfen.

 

Zwar hat die offizielle Theologie längst erkannt, dass es bei Lukas und Matthäus nicht um die Legende von der Geburt eines Religionsrebellen geht, sondern einen theologischen Text, der eine Botschaft vermitteln soll, die beide auf unterschiedliche Weise erzählen. Doch haben sich meine Freunde kein Geschichtsgeschehen aus den Fingern gesaugt bzw. nach und nach etwas zugedichtet, wie heute die Legende vom heiligen Nikolaus nacherzählt wird. Vielmehr geht es um die Verdichtung eines im antiken Menschenverstand neugeborenen Gotteswortes. Die Weihnachtsgeschichte, die ich im kurzen Prolog vom menschgewordenen Wort zum Ausdruck gebracht habe, wurde von den Synopitikern in weit ausführlicherer Weise erzählt. Doch bei uns allen ging es um ein reales Geschehen am Anfang christlicher Religion. Was damals wirklich geboren wurde ist die Menschwerdung des Gotteswortes und kein Verherrlichungstext, der die Gottheit eines sonderbegabten jungen Juden verdeutlichen soll.  Auch das Weihnachtsdatum, in früher Auseinandersetzung mit Mysterienkulten des Ostens festgelegt, ist kein Zufall. Es geht um weit mehr als blinde Übernahme alter Sonnenriten, die zur Verherrlichung eines Volkshelden herangezogen wurden. Ist doch gerade die Sonnenwende das beste Sinnbild für das, was wir als schöpferisches Wort sahen. Nicht römische Sonnen- oder Naturvergötterung, die während zur Zeit Konstantins viele in ihren Bann zog, war der Grund, weswegen die frühen Kirchenvätern das Datum wählten. Ihr Thema war das in der Natur wie Menschheitsgeschichte wirksame Gotteswort im Menschenverstand. Wenn Lukas die Geburtsstätte einen Statt beschriebt und von der Krippe spricht, dann sprechen erklären dies heutige Exegesen zurecht als ein Provisorium außerhalb der offiziellen Stätten, in dem dieser Gottessohn geboren wurde. Und auch die Aussage, dass alle Welt sich schätzen ließ, hat einen ganz konkreten Grund, der nicht in einer zufälligen Volkszählung, sondern vielmehr im aufblühenden Kaiserkult, der Messianisierung eines Menschen zu suchen sein wird.

 

Augstein:

Willst Du  jetzt mit mir so etwas wie ein modernes Krippenspiel betreiben? Welche Rolle soll ich in diesem himmlischen Stück spielen? Gehöre ich zu den Hirten oder hast Du für mich die Rolle des Josef vorgesehen? Willst Du mich gar zur Jungfrau Maria machen?

 

Johannes:

Denke auch an die Engel, die den Hirten (ob einfache Menschen oder Glaubenshirten damit beschrieben sind) die himmlische Kunde erst überbrachten. Als „Aufklärungs-Engel“ Augstein, wie wäre es damit? Auch die Rolle des Josef, der dieser unseren Glaubensgrundes neu ausdrückenden Mutter Maria beisteht, scheint eine interessante Aufgaben. Der jüdische bzw. vom Gesetzesglaube kommende „Josef“ ein Zimmermann bzw. Archi-tekt, der nicht nur neue Pläne entwirft und einen gesellschaftlichen bzw. geistigen Neubau fordert, sondern selbst Ur-teile zu einem neun Haus zusammenfügt, hat uns mit Sicherheit weit mehr zu sagen, als ein gutmütiger Mensch, dem ein uneheliches Kind untergeschoben wurde. Dass der präexistente Logos nicht von Josef selbst gezeugt ist, sondern vom menschlichen Denken nur bewahrheitet werden kann, liegt auf der Hand. Warum der schöpferische Logos auch für uns damals kein Produkt menschlicher Philosophie war – auch nicht der Bewegung unsere Schläfenlappen entsprungen ist - sondern von mir und den übrigen Verfassern der neutestamentlichen Texte einer höheren Vernunft folgend nur als Mensch ausgedrückt wurde, hatten wir bereits erörtert. Doch mir liegt es fern, Dir hier endfertige Erklärungen für unsere alten Texte abliefern zu wollen. Gefordert wird jedoch ein weitergehendes, zusammenfügendes Denken. Auch was unsere  Wundergeschichten betrifft, in der selbst Buchstabentreue längst keine gottesbeweisenden Naturbrechungen mehr sehen. Sie sind geistesgeschichtliche Wirklichkeit, deren Logik sich heute neu beweisen lässt. Heute sollte nicht nur klar sein, warum der Logos als Mensch zum Licht der Welt wurde. Es lässt sich auch erkennen, warum damals durch eine neue Wahrnehmung des in aller Schöpfung sichtbaren Gotteswortes Blinde wieder sehend, Lahme zum Forschritt bewegt und Tode wieder aufgeweckt wurden.

 

Wäre es nicht gerade in Eurer global handelnden Weltwirklichkeit höchste Zeit, allen Ernstes darüber nachzudenken, wie eine blindgewordene, den Fortschritt verweigernde, totgesagte monotheistische Theologie wieder aufleben, neuverstanden werden könnte? Nicht abgrenzend, anmaßend oder gegenseitig vereinnahmend, sondern wie wir: eine universelle, letztlich allem Glauben zugrunde liegende Gültigkeit erkennend. Wie besser kann man die Inhalte unserer biblischen Aussagen als geschichtliche Begebenheiten am Anfang des christlichen Glaubens beweisen, als sie ihre Schlüssigkeit im heutigen Geist begründen? Doch die Voraussetzung dazu ist eine ernsthafte Auseinandersetzung, die über ein reduzierendes Ablehnen hinausgeht. Erst so ergeben sich Hoffnungen auf wache Einsicht und geistigen Fortschritt, lassen sich alte Aussagen im Heute bewahrheiten und erfüllen.

 

4. Wie wir zu neuen Hörern und Lesern werden und wie ein Verständnis des Schöpfungswortes vor der Beliebigkeit beim Bibellese bewahrt

 

Augstein:

Langsam glaube ich  zu erkennen, um was es Euch damals wirklich ging, was sich historisch zugetragen hat und heute neue Weihnachten (Präsent-werden des Logos Gottes)  oder Auferstehung (Wiederverstehen des Gotteswortes in Menschengestalt und somit Messias) wäre. Wie kann ich aber vom Himmel aus ich mithelfen, den Gottessohn den Erdenbürgern wieder präsent zu machen? Wie können wir den Menschen das ewige Wort/den Logos, aus dem alles Werden hervorgeht und das den lebendigen Erzeuger erst dem Denken offenbart, wieder verständlich machen? Und wie kann ich verhindern, dass  meine ehemaligen Mitarbeiter für die Weihnachtsausgabe wieder die Geschichte vom Grabtuch Jesus als Beweisführung biblischer Wahrheit herauskramen oder gar die steinerne Knochenkiste des Herrenbruders Jakobus,  die  derzeit als Sensationsfund – erster und einziger Beleg der historischen Wahrheit Jesus - durch die Gazetten geistert, als Weihnachtsgeschichte aufgreifen?

 

Doch  wenn die gesamte Bibel nur allegorisch zu verstehen ist, wie lässt sich da ein Beweis für die Wirk-lichkeit erbringen? Wird dann nicht alles völlig beliebig? Muss nicht vielmehr trotz allen allegorischen Verständnisses ein historischer Kern nachgewiesen werden? In unserem Wochenblatt hatten wir z.B. vor einigen Monaten einen Titelbericht über geologische Funde, durch die die Arche Noah nachgewiesen werden sollte. Sollte das alles Unsinn sein?

 

Johannes:

In Deiner Frage hast Du die Antwort bereits gegeben. Nur allegorisch lässt sich die Bibel verstehen. Selbst was es mit dem Grabtuch Jesus auf sich hat, was die Legende von Odessa sagen will oder welche geschichliche Wahrheit dem Herrenbruder Jesus zugrunde liegt, lässt sich neu verstehen, wenn wir vom historischen Verstand des Logos ausgehen. Ohne diese allegorische Auslegung bleibt blinder Glaube oder Abbau wie bisher bei Dir. Solange die geschichtliche Wirklichkeit in irgendwelchen banalen Begebenheiten gesucht wird, die anschließend theologisch aufgemotzt wurden, kann das Gotteswort/schöpferische Vernunft als verstandene, natürliche, logisch-begründbare Gottes-wirk-lichkeit nicht erkannt werden. Die von uns erzählten Geschichten mögen vielschichtig sein. Doch haben sie einen ganz konkreten Grund. Wer allerdings nur nach den Knochen eines Wanderpredigers gräbt, kann das Denken nicht erkennen, das seiner Geschichte als Menschensohn zugrunde liegt. Und noch schlimmer: Er versäumt bei seinem Schwärmen über „Jesus lebt“ den wirklich lebendigen Jesus, das schöpferische Wort zu verstehen. Die den alten neu- und alttestamentlichen Texten zugrunde liegende Wahrheit wird so abgestritten, fällt auslegerischer Willkür zum Opfer. Und genau hier sind Aufklärungsmitarbeiter gefordert, die nicht blind glauben oder ihrem religiösen Gefühl so ergeben sind, dass sie das Denken ausschalten bzw. ihrer bisherigen Lebenshypothese vom logosierten jungen Juden zu unterstellen versuchen.

 

Erst das allegorische Verständnis geistesgeschichtlicher Begebenheiten, von deren Tatsache die Bibel berichtet, befreit doch die Exegese von einer Beliebigkeit, die heute theologische Tagesordnung ist. An welche Wahrheit wollt Ihr Euch sonst halten? Dass die Texte der Bibel nicht als Legenden zu verstehen sind, von irgendwelchen Begebenheiten im üblichen zeitgeschichtliche Sinne, ist doch inzwischen nicht nur uns Himmelsbewohnern hinlänglich bekannt. Wie kann daher die Wahrheit auf banale Weise gesucht werden? Der den Legenden zugrunde liegende Logos wird bei bisheriger Leseweise verleugnet. Die biblischen Geschichten sind doch keine zeitkritische Berichterstattung im Stile zeitkritischen Journalismus, sondern Urkunden vom ewigen und universellen schöpferischen Wort, das in Geist und Geschichte gewirkt hat. Von dessen neuem Verständnis erwarteten wir die versprochene Heilswirkung. Die von uns damals verfassten Geschichten handeln weder von einem wundersamen Wanderprediger, noch einer Wirkungsgeschichte, die hoffnungsfrohe Anhänger aufgrund eines blinden Glaubens an einen menschlichen Guru oder blinden Glauben verfasst haben, sondern vom Wort Gottes in Menschengestalt. Ohne jedoch auf neue Weise dieses schöpferische Wort in allem wissenschaftlich nachvollziehbaren natürlichen Werden zu verstehen, wird es Deinen Nachfolgern schwer fallen, trotz all des vielen Wissens um die geistesgeschichtlichen Zusammenhänge und die Bedeutung der Begriffe, den Kern der biblischen Wahrheit zu erkennen. Die allegorische Leseweise führt daher nicht zur Beliebigkeit, sondern befreit von heutiger Buchstabenstehlerei nach persönlichem Belieben, die oft nur zu dem von Dir angemahnten „schwadronierenden Unsinn“ führt.

 

Augstein:

Kann die Wahrheit der Bibel nicht auch in geschichtlichen Tatsachen gesehen werden. Lässt sich nicht selbst das Sintflutgeschehen, das nicht nur geologisch angezweifelt wird und schon gar nicht in eine moderne Evolutionslehre passt, von vielen nur als Völkersage gelesen wird, möglicherweise als Bewahrheitung der Bibel nachweisen? Wir haben unlängst in unserem Blatt darüber berichtet.

 

Johannes

Dass sich das allegorische  die geistesgeschichtliche Historizität und somit die geschichtliche Tatsache nachweisen lässt, haben wir bereits besprochen. Gerade Euer Titel „Hat die Bibel doch recht?“ bei dem durch Funde von Holzresten über die geschichtliche Tatsache der Arche Noah berichtet wurde, das war wirklich der Gipfel. Mit ihm habt Ihr den heutigen Mitverstand des Gotteswortes auf treffende Weise geSPIEGELT. Fast hätte sich der ganze Himmel vor Lachen gekringelt. Doch die Sache ist todernst. Wie können angeblich frei von vorgesetzten Autoritäten denkende Menschen des 3. Jahrtausend in solch banaler Form die Bibel verstehen? Wie Aufklärungsdenker so weit hinter das allegorische Verständnis der Antike zurückfallen? Nicht nur der Tod des christlichen Glaubens ist genau durch diese Art der Lesweise hervorgerufen. Auch der tausendfache und heute leider tägliche Tod, den Ihr im SPIEGEL zurecht als Glaubenskrieg beklagt, geht auf das Konto dieses Missverstandes. Der Glaube ist im Buchstaben steckengeblieben bzw. erstickt. Er wird unserem modernen Weltbild nicht mehr gerecht, kann die Menschen weder zur wirtschaftlichen Vernunft, noch zum weltweiten vernünftigen Miteinander bewegen. Ein Glaube, der nicht auf die schöpferische Vernunft Gottes baut kann die Menschen nicht zur schöpferischen Vernunft bringen, sondern führt genau zu dem, was heute auf Erden beklagen. Wenn wir damals die Einzigartigkeit Jesus Christus beschrieben, dann haben wir uns genau auf die heute nachzuvollziehende Problematik bezogen. Ob in New York oder im nahen Osten Menschen im Glaubenskrieg sterben, so trägt nicht der von uns damals erhoffte vernunfterfüllte Christenglaube die Verantwortung, sondern was sich daraus (auch in anderen Religionen) an Unvernunft entwickelt hat. Und hierzu gehört auch das Banalverständnis der Bibel, bei dem Euer Blatt nicht abseits steht, sondern in vielen Betrachtungen das heutige Denken wiederSPIEGELT.

 

Nach wie vor wird das Schöpfungshandeln Gottes gegen das Naturwissen ausgespielt, Buchstaben über den Geist gestellte. Doch mit Wundererzählungen im alten Verständnis oder gar Auferstehung als dem Wiedererwachen eines Wanderpredigers im Stile David Copperfield, bis heute noch oftmals als eine Art Naturbrechung und somit Gottesbeweis gegen die Natur gelesen, haben selbst die Theologen ihre Not. Einem aufgeklärt denkenden Menschen spricht Prof. Gerd Lüdemann, bis heute prominenteste Abstreiter der Auferstehung Jesus doch geradezu aus dem Herzen. Auch hier habt Ihr das Problem heutigen Aufklärungsdenkens schon oft perfekt geSPIEGELT. Ein Denken im Sinne des von vielen Theologen arg gescholtenen Auferstehungsleugners führt nur ins Abseits. Auch der in Eurem Blatt vielzitierte Lüdemann trägt durch sein banales Auferstehungsbild bisher nur zum Abbau der eigentlicher Wahrheiten bei. Der Neuverstand muss noch warten. Von der Hypothese des angeblich historischen christlichen Glaubensgrundes aus, die auch Deine war, ist Lüdemanns Leugnung der Auferstehung nur zu verständlichen. Er ist somit einer der letzten Sargnägel des aufklärerischen Abriß-Denkens, das offensichtliche nicht zum Fortschritt, sondern nur zur Verneinung führt. Wenn jetzt gar die Auferstehung, das Wesenselement des christlichen Glaubens abgestritten wird, dann macht dies nur deutlich, wie Not-wendig ein neues Verständnis der biblischen Wahrheit ist. Auch die Auferstehung als rein geistige Angelegenheit abzutun, Hoffnungen der Anhänger auf die Wiederkunft ihres Herrn, Wirkungsgeschichte der Frühkirche... hilft nicht weiter, baut nur ab. Was denken man sich eigentlich dabei, wenn man uns unterstellt, wir hätten nur eine fromme Hoffnung, persönliche Hirngespinste als Auferstehungsgeschehen beschrieben? Was aber war Gegenstand unseres damaligen Denkens? Wird es nicht höchste Zeit, die Hypothese von einem historischen Menschen zu hinterfragen, das Gesetzeswort wie das schöpferische Wort Gottes neu zu verstehen?

 

 

Augstein:

Wie soll ein solcher Neuverstand des Neuen Testamentes  dann aber aussehen? Wie kann die Geschichte des Alten Testamentes gelesen werden?  Was hat uns zum Beispiel die Geschichte der Sintflut und der Arche Noah zu sagen? Was ist mit dem Auszug aus Ägypten, der Suche nach dem gelobten Land und dem neuen Jerusalem, wenn es nicht um ein geografische Angaben und Geschichtsgeschehen im üblichen Sinne geht?

 

Johannes:

Das Verständnis des Neuen Testamentes setzt auch ein Neuverständnis des Alten voraus, ebenso wie umgekehrt. Und die allegorische Erkenntnis war – wie wir bereits erörtert haben - bei uns in der Antike theologische Tagesordnung. Gerade die in vielen Kulturen bekannte Geschichte von der Sintflut fordert doch auf, Hoffnung auf das vom Wort Gottes versprochene Heilsgeschehen zu haben. Doch bitte nicht blind. Wer Arche nicht als Holzkahn, sondern als das Urprinzip versteht, wie dies im Lexikon nachzulesen ist, der beginnt neu über das nachzudenken, was wir damals Logos nannten. In diesen Urprinzipien, universellen Wahrheiten, die inzwischen naturwissenschaftlich offenliegen, ist heute neu vernünftiges Gotteshandeln zu verstehen. Die Arche steht bereit,  die Menschen müssen nur einzusteigen. Wer allerdings weiter nach einem Holzkahn sucht, wird ebenso vergeblich warten, wie auf das Wiedererwachen eines wundertätigen Wandercharismatikers.

 

Es liegt mir fern, hier das Sintflutgeschehen bzw. die Rettung endgültig ausdeuten zu wollen.

Doch verbirgt sich hinter der Sintflut nicht so etwas wie eine frühe Auferstehungsgeschichte? Auch der Auszug aus Ägypten kann doch weit mehr als hebräische Auseinandersetzung mit ägyptischem Denken (wo der Pharao, ein Mensch selbst vergöttert wurde) wie als Volksflucht gesehen werden. Ist das gelobte Land nicht dort zu suchen, wo das Wort Gottes verstanden wird und der Logos/die schöpferische Vernunft regiert? Warum muss die Menschheit weiter in Unvernunft leben, statt den Logos Gottes wahrzunehmen und die schöpferische Vernunft im irdischen Leben Wirk-lichkeit werden zu lassen? Warum fällt es Deinen irdischen Freuden so schwer, den Sinn und die geschichtliche Wahrheit von Sintflut, Auszug aus altem Götzendienst ebenso wie Auferstehung des Wortes Gottes neu zu sehen? Gerade Deine Nachfolgern als angeblichen Aufgeklärte wären doch zum Denken, neuem Verstehen aufgefordert. Sie wissen Doch längst, dass ein allegorisches Verständnis alter Texte bei uns in der Antike Tagesordnung war. Statt die Auferstehung abzustreiten oder sie als ein Geschehen zu interpretieren, bei dem Jünger eines Wanderpredigers ihren Guru im Geist gesehen hätten, wie dies die moderne Theologie tut, sollten gerade die Außenstehenden neu über die Gestalt dessen nachdenken, der wiedererweckt wurde. Denn der, den alte Gesetzlichkeit noch immer ans Kreuz nagelt und den seine Jünger verleugnen, lebt wirklich.

 

Augstein:

Machst Du es Dir nicht zu einfach, wenn Du einfach einen Logos an Stelle Gottes setzt und sagst, daran müssten jetzt alle glauben? Wo ist der Unterschied zwischen einem blind geglaubten Gott und einem gesetzten Gotteswort?

 

Johannes:

Ich befürchte fast, Du verstehst mich noch immer nicht, um was es uns damals ging. Denn der Logos, kann keineswegs gesetzt werden. Es geht darum,  mit offenen Augen in allem natürlichen Werden eine schöpferische Vernunft wahrzunehmen. An Stelle Gottes bzw. des Schöpfers lässt sich dieser Logos schon gleich gar nicht setzten. Vielmehr ist durch dieses Himmel und Erde hervorbringenden Wort/eine hinter aller Natur stehende Vernunft doch erst der Schöpfervater zu verstehen.  „Niemand kommt zum Vater denn durch mich“ damit habe ich als Antiker Denker doch nicht den Alleinseligmachungsanspruch eines frühen Che Guevarra beschrieben, sondern eine schöpferische Logik, die heute – vom schöpferischen Wort Gottes ausgehend -  neu verständlich werden kann. Wenn aber das Verständnis dieses Wortes bei uns die Voraussetzung war, dann sollten Deine Anhänger zu neuen Hörern werden. Gerade sie haben die Gabe neu zu verstehen. Ihnen ist die Freiheit gegeben, das Gotteswort nicht nur in Büchern nachzulesen, sondern im natürlichen Werden wahrzunehmen. Gerade sie sollten frei von vorgesetzten Autoritäten neu den einen Autor des Alles hören können und gleichzeitig zu neuen Lesern des Buches werden.

 

Vieles was in der Bibel beschrieben ist, wird sich dann weitgehend von selbst erklären. Doch dabei sollten sich Deine Nachfolger genau an das geschichtliche Geschehen halten. Den geistigen Kontext gilt es zu beachten, aus dem heraus diese Gedanken formuliert wurden. Wer dann noch die damalige Bedeutung der Begriffe kennt, kann Licht ins Dunkel bringen. Dazu sind gerade die kritisch denkenden Zeitgenossen aufgerufen. Ich bin sicher, dass sie so auch das wahre Wesen von mir und Paulus sehen werden.

 

Dass Du selbst in mir und Paulus nur einfache Gesellen gesehen hast, die einen menschlichen Guru verherrlicht hätten, ist schon ein starkes Stück. Wenn fromme Schwärmer uns andächtig und  hoffnungsvoll so gesehen haben, dann ist das noch verständlich. Doch Du als angeblich aufgeklärter Denker an der Schwelle zum 3. Jahrtausend hättest es eigentlich besser wissen müssen. Und gerade aufgrund all des Wissens, das Euch gegeben wurde, war es für mich schon ganz schön ärgerlich, wie Ihr uns als Mythenmacher abqualifiziert habt. Doch Schwamm darüber. Es ist und bleibt für mich ein Phänomen, wie Ihr Bildungsbürger mit all Eurem Wissen einfach weiter davon ausgehen könnt, die historische Wahrheit würde in verborgenen oder nachweislichen Legenden liegen. Doch gleichzeitig beweist es, wie wichtig Bilder sind und bleiben, selbst für Bild-ungsbürger. Dabei bergen Bilder gleichzeitig immer die Gefahr, den Geist in Gefangenschaft zu nehmen. Denn selbst Ihr angeblich aufgeklärte Kritiker der alten geistigen Autorität wart doch in den Bilder gefangen, die Euch vorgesetzt wurden. Und doch sind diese notwendig, um zu verstehen.

 

5. Wie sich der Gottessohn ratio-nalisieren lässt

 

Augstein:

Warum wirfst Du mir vor, ich wäre einer Bilderwelt aufgesessen. Habe ich nicht in meinem Buch über den Menschensohn durch die aufgeklärte Ration nachgewiesen, dass es die von Euch dargestellte Gestalt des Gottessohnes gar nicht gab, er nur ein menschliches Gebilde ist? Auch war ich doch einer der wenigen, die an einer historischen Gestalt gezweifelt hat.

 

Johannes:

Ich merke, Du musst Dich erst langsam an das Licht hier gewöhnen. Ich dachte doch, dass Dir inzwischen klar ist, dass Du den falschen weg-ratio-nalisiert hast. Denn der Gottessohn, der Dich jetzt dich jetzt für Deine aufklärende Leistung auszeichnen wird und dem Du den Weg gebahnt hast, war für uns ein wahres Wesen, der christliche Glaubensgrund. Er war nicht als himmlisches Wesen gesetzt, sondern war im Weltbild unseres Wissens gegenwärtig, hatte somit nachweislich eine historische Gestalt. Wie Du als Bildungsbürger weißt und Ihr in Eurem Blatt oft berichtet habt, war dieser Logos im antiken Denken der gesamten Welt präsent. Er trug nur andere Namen, drückte sich im fernen Osten z.B. als Tao aus und führte dort in Anknüpfung an das vorhandene Denken nicht zur monotheistischer Offenbarung in unserem Sinne.

 

Doch dass Du dieses Gotteswort in Menschengestalt nicht in gleicher Weise wie wir wahrnehmen konntest, hat einen ganz konkreten Grund. Denn die Frage, ob es eine historische Person mit Namen Jesus von Nazareth gab, hast Du in Deinem Buch keineswegs ausgespart. Du warst zwar nicht von der realer Existenz eines Menschen mit Namen Jesus überzeugt. Doch Dein gesamtes Denkwerk ging von nichts anderem aus, als einem einfachen Menschen, der zu einem Gottessohn hochstilisiert wurde. Nicht der von uns damals beschriebene präexistente Jesus Christus, das wiederverstandene Gotteswort, sondern dessen menschliches Abbild war Ausgangspunkt Deines gesamten Denkens. Und damit bist Du leider den Kirchenlehrern, die Du zeitlebens heftig kritisiert hast, voll auf den Leim gegangen. Gleichwohl Du die Dogmenlehrer immer angefeindet hast und Dich Deine Kritiker aus der Kirche gewarnt haben, dass Du es Dir in Deiner Analyse über die Leben Jesus Forschung zu einfach machen würdest, hast Du letztlich nichts anderes, als deren banales Bild übernommen. Und solange Jesus nur als ein einfacher Mensch gesehen wird, der zum Messias gemacht wurde, müssen alle christlichen Glaubenslehren Leerformeln bleiben. Genau das hast Du bestätigt. Statt wie wir ein präexistentes Gotteswort/den Logos allen Lebens im ganz natürlichen Werden als Gottessohn zu verstehen, habt Ihr den Grund des christlichen Glaubens verkannt. Während einerseits die Autorität des gesetzten Wortes schwindet, wird nach wie vor versäumt, das schöpferische Wort in allem natürlichen Werden zu verstehen. Abfall war und ist die Folge.

 

Augstein:

Macht Ihr es Euch hier im Himmel nicht zu einfach. Ihr schwärmt einfach von einem Gotteswort, setzt dies voraus. Du behauptest einfach, dieser Logos wäre in allen lebendigen Prozessen des natürlichen Werdens laut. Wie sollen die Erdenbürger dieses Wort verstehen? Oder geht es nicht um Verstehen, wird nur der Begriff Gott gegen das Wort ausgetauscht? Müssen die Menschen dann einfach statt wie bisher an Christus oder Gott glauben?

 

Johannes:

Es scheint wirklich nicht so einfach zu sein, ein festgefahrenes Weltbild einem Wandel zu unterziehen. Ich hoffe, dass hier himmlische Einsichten weiterhelfen. Denn genau darin liegt doch der sich hinter mir und meinem Freund Paulus verbergende christliche Paradigmenwechsel. Gott wird nicht einfach vorausgesetzt und blind geglaubt. Gotteswort und Christus sind alles andere als Ersatzbegriffe für den unverstandenen Gott, an den Mensch einfach blind glauben muss. In der Wirk-lichkeit des weltlichen Geschichts- und naturwissenschaftlich nachweisbaren vernünftigen Geschehens wird Gott verstanden. Die Weltweisheit, über die die Freunde der Wahrheit nicht nur in Griechenland grübelten, war für uns reale Gestalt. Nichts anderes als die Realität einer Vernunft, die seit Heraklit als Logos bezeichnet wurde und die Ihr in allem naturwissenschaftlich nachweisbaren Geschehen erkennen könnt, wurde von uns als der Sohn Gottes gesehen. Wie Du siehst, ist die Aufgabe der Philosophie noch lange nicht zu Ende. Die Geschichte fängt erst richt an.

Nicht ein genmanipulierter Umbau wird zu einem neuen, für das Leben von Morgen notwendigen Menschen führen, sondern ein neuer Geist, der das Wort Gottes in einheitlicher Weise wahrnimmt. Die Aufklärung geht weiter. Sie ist aufgerufen, den von uns beschriebenen Neuen Menschen hervorzubringen.

 

Augstein:

Willst Du mir jetzt weismachen, Jesus wäre nur das, was wir in unseren naturwissenschaftlichen Beschreibungen, die oft auch im Spiegel zu lesen sind, als Selbstorganisation des Kopfes, Körpers oder des gesamten Kosmos bezeichnen? Und was hat das mit dem Menschen Jesus zu tun? Wieso die ganze Geheimniskrämerei? Und warum soll gar das Schöpfungswort in Menschengestalt der Messias gewesen sein?

 

Johannes:

Wie wahr, wenn Ihr im SPIEGEL heutigen Denkens neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse betrachtet, Euren Lesern so die unvorstellbare Intelligenz bewusst macht, durch die auf ganz natürliche Weise alles wurde, was auf der Welt wie im gesamten Universum zu betrachten ist, dann habt ihr dabei unseren Herrn in höchsten Tönen beschrieben. Euer Problem ist nur, dass dieses nicht als Gotteswort gehört wird, selbst angeblich aufgeklärte Ablehner ins Buch vertieft sind. Und das in der Natur Evolution gesprochene Gotteswort mit dem historischen Jesus von Nazareth auf einen Nenner zu bringen, scheint mir noch ein steiniger Weg zu sein. Denn dort, wo heute von „Selbstorganisation“ geredet wird, haben wir damals den Sohn Gottes gesehen. Du hast inzwischen hier vom Himmel aus sicher erkannt, dass es keine abgehobene himmlische Angelegenheit war, sondern die reale weltliche Wirk-lichkeit, deren schöpferische Tat-sache, wenn wir vom Gotteswort geredet haben. Doch nicht mehr im Unerklärlichen, sondern im Wunderwerk des ganz natürlichen Werdens das Wort Gottes zu erkennen, das ist der große Wechsel, der auf der Erde wieder einzulösen ist.

Wenn wir dieser für uns selbstverständlichen Wirklichkeit des ewigen Wortes eine menschliche Gestalt gaben, dann war das alles andere als Geheimniskrämerei. Nur so hat es dem damaligen Weltbild entsprochen, war er zu vermitteln ohne sich rein gnostisch zu verflüchtigen. Nur von der Menschengestalt des Gotteswortes/Logos ging die erwartete messianische Wirkung aus. Und ich bin sicher, die neue Wahrnehmung des ewigen Logos als Gottessohn in aller natürlichen Formgebung und deren menschlicher Gestalt, das würde auch heute messianische Wirkung entfalten. Die Logik lässt sich nachvollziehen.

 

Während Deiner Inhaftierung bei der Spiegelaffäre hattest Du Zeit, die Studien Albert Schweizers über die Geschichtlichkeit Jesus zu lesen. Ich hoffe, dass dir es dir jetzt im himmlischen Ruhestand vergönnt ist, auch die Texte der frühchristlichen Denker nachzulesen, das Wesen der christlichen Religion neu zu verstehe. Denn auch die Kirchenväter, die christlichen Apologeten und alle Verfasser der immer neu zutage tretenden urchristlichen Texte haben von nichts anderem gesprochen als von diesem Wort. Auch wenn Du in Deinem Buch bereits mehr als deutlich gemacht hast, dass es den Verfassern des Neuen Testamentes um den präexistenten Christus ging, so solltest Du die alten Texte aus heutiger Perspektive neu lesen. Denn keine Verherrlichungspredigt auf einen Religionsguru war Gegenstand einer wahren Explosion von Texten, sondern die richtige Darstellung des Gotteswortes zur menschlichen Vermittlung. Welches Medium das sinnvollste ist, um den Menschen den Logos Gottes zu vermitteln und in welcher Weise dieses Wort zu verstehen ist, ob es gottgleich sei oder ein als eigenes Wesen gesehen werden müsse, wurde auf den Kirchenkonzilen diskutiert. Im Schlag wäre doch keiner von uns und den frühkirchlichen Denkern auf die Idee gekommen, sich um die theologische Ausdeutung eines historischen Menschen zu streiten.

 

Augstein:

Hängt das nicht alles etwas hoch? Seid Ihr hier im Himmel abgehoben von aller Realität? Ist eine christliche Religion ohne ihren menschlichen Gründer vorstellbar?

 

Johannes:

Ohne einen menschlichen Gründer schon. Nicht jedoch ohne einen realen Grund in geschichtlicher bzw. schöpferischer Wirk-lichkeit. Genau ist das heutige Problem. Dass dieser Grund nicht in einem alten Mythos liegt, nicht von einem als Gott verherrlichen kaiserlichen Herrscher ausgehen kann (auch wenn er noch so hochgeistig wäre), den Menschen die Moral nicht durch menschliche Autoritäten aufdiktiert werden können - und schon gar nicht in einem rebellischen Glaubens-Guru bzw. auf diesen übertragenen menschlichen Meinungen, die per Gesetz verordnet werden: darin liegt doch genau die Bedeutung des christlichen Glaubens.  Wie Du siehst, lassen sich hier viele Übereinstimmungen mit den Hoffnungen Eurer Aufklärung erkennen. Doch dies hast Du vom Himmel aus inzwischen sicher erkannt. Irdische Meinungen und menschliche Verordnungen überwunden zu haben, genau hier lag nach unserer Vorstellung die Heilswirkung des himmlischen Herren/einer erkannten Weltvernunft. Wir waren die autonomen Aufklärungsdenker der Antike. Nur, dass wir nicht nur Abriss betrieben, sondern weitergedacht haben. Nicht auf menschlichen Autoritäten, sonder auf den eigentlichen Autor des Alles baute unser christlicher Glaube. Es Wort wurde nicht blind geglaubt, sondern hellwach verstanden.

 

Nicht himmlisch abgehoben von der Realität, sondern angesichts der ganz natürlichen Realität werden auch die irdischen Nachfolger Deines autonomen Denkens das Wesen des christlichen Glaubens erkennen. In der astronomischen Ordnung des gesamten Himmels könnt Ihr dieses Wort natürlich weit besser lesen als in der Biologie, in der Ihr mit Eurer menschlich eingefärbten Brille immer nur das „Böse“ betrachtet. Dem Bauplan allen Lebens, zu dem Zufall und Auswahl des sinnvollen, schöpfungstauglichen gehören, liegt das zugrunde, was wir Logos nannten.

 

 

6. Vom heutigen Un-verständnis des Wortes in aller Natur und vom himmlischen Lautsprecher des Logos Gottes.

 

Augstein:

Wie sollen Erdenbewohner eine himmlische Harmonie sehen, wenn sich Lebewesen gegenseitig fressen und vernichten? Wo ist Vernunft, wenn ganze Arten aussterben? Kann denn die schöpferische Natur wirklich ein Vorbild für die menschliche Vernunft sein? Lug und Trug bestimmen doch die gesamte Biologie. Wie können naturwissende Denker dort Gottes Wort hören? Wie kann im tierische Verhalten Vernunft gesehen werden? Und wie sollte diese Vernunft wegweisend für die Menschen sein? Sollen jetzt die Menschen das Sexualverhalten der Affen oder anderer Arten nachahmen?

 

Johannes:

Wie wahr, um das Wort Gottes im natürlichen Werden zu erkennen bedarf es einer grundlegenden Wende in der Naturbetrachtung. Solange diese Wende nicht vollzogen ist, bleibt der von uns als Gotteser-zeugnis gesehene Logos/die Weltvernunft ein leerer Begriff. Und mit dem Logos wird so gleichzeitig auch der Begriff Gottessohnes zur inhaltslosen Worthülse. Ohne den lebendigen Logos wären alle christliche Glaubensdogmen nur Le(h)erformeln, lassen sich allenfalls als Geistesgebilde im Rahmen einer Wirkungsgeschichte erklären, die von einem jungen Juden ausging, der allerdings heute keinen wirklich mehr interessiert. Wen wundert es aber, wenn eine noch so hochgebildete Hochschultheologie, die es eigentlich längst besser wissen müsste, verzweifelt an einem historischen Menschen festhält, Glaubensfortschritt verhindert? Wenn atheistisches Aufklärungsdenken die Erkenntnis einer universalen Intelligenz, einer vernünftigen Sinngebung allen Seins verweigert, dann haben die Glaubenslehrer keine andere Wahl: Der einzige Nenner Gottes bleibt dann das Buch und eigene innere Stimmen blinder Tradition, die sich irgendwie geheimnisvoll in einem historischen Wandercharismatiker bereits offenbart hätten.

 

Doch der Wandel, der sich derzeit durch eine ganzheitliche Betrachtung im bisher rein materialistischen naturwissenschaftlichen Weltbild anbahnt lässt mich hoffen, dass auch heute der von uns damals als selbstverständlich gesehene Logos allen Lebens wieder erkannt wird. Erst heute ist eigentlich der richtige Zeitpunkt, um einen historischen Menschen als Glaubensgrund loszulassen und das Wesen des Christenglaubens im Logos allen sichtbaren Lebens zu suchen. Wie Du also siehst, hat auch auf dem Weg der Erkenntnis alles SEINE Ordnung, folgt einer unsichtbaren Vernunft. Erst durch die Befreiung von Buchstaben, die Leugnung des blind geglaubten  Gotteswortes durch das naturwissenschaftliche Weltbildes kann der wahre Logos neu belegt werden. Doch erst in der heranreifenden Naturbetrachtung, die über den bisherigen darwinistischen Kurzschluss hinausgeht, ist das Neuverständnis des Gotteswortes heute möglich.

 

Augstein:

Wie kann ein Normalsterblicher die Gottesnorm, den Logos, von dem Du andauernd sprichst in der Natur wahrnehmen? Jedes kleine Christenkind kennt doch die Bibel als Gotteswort. Und was wirklich eine natürliche Norm betrifft: Haben wir den Sozialdarwinismus des nationalsozialistischen Gedankengutes nicht gerade bitter erlebt?

 

Johannes:

Gott ist kein Bücherschreiber, sondern Autor des Alles. Alles andere ergibt sich einzig aus der Schöpfungstätigkeit, die im Rahmen heutiger Evolutionslehre neu nachvollziehbar ist. Auch die Hebräer, die für Geist und Sprache nur den Begriff „Wort“ gebrauchten und ebenso die Griechen, die vom „Logos“ sprachen, haben so vernünftiges Gotteshandeln verstanden. Doch das Problem, den Logos nicht wahrzunehmen, das lebendige Gotteswort nicht zu verstehen, war bereits Heraklit bekannt, von dem wir erstmals den Begriff des Logos für eine schöpferische Vernunft, ein Urprinzip allen Lebens kennen. Und welche Probleme auch die Juden mit der Wahrnehmung des Gotteswortes hatten, kannst Du in der Bibel nachlesen.

 

Und heute scheint es nicht besser. Wie willst Du einem Biologen beibringen, dass er am Wort Gottes baut? Und wenn Du einem Mathematiker, Astronomen oder Physiker sagst, er würde in seiner Wissenschaft nichts anderes als das Wort Gottes verkünden, wird er Dich auslachen. Wir sind es gewohnt, das Wort Gottes nur in einem Buch zu lesen. Auch wenn heute die Bedeutung der Bibel so weit gesunken ist, dass Dieter Bohlens „Reine Wahrheit“ nicht nur in den Medien als „Bibel“ und „Offenbarung“ bezeichnet wird, sondern auch in der Realität des gesellschaftlichen Alltages mehr Beachtung findet, als unsere antiken Zeugnissen, Ur-kunden, vom lebendigen Gotteswort, so ist es doch für einen Normalbürger einfach unvorstellbar,  bei dem Begriff „Wort Gottes“ über den antiken Glaubenstext hinauszudenken. ‚

 

Dabei tritt die Vernunft des Schöpfers, das von uns als Wesen verstandenen Gotteswort, gerade im Naturwissen heutiger Zeit immer deutlicher Zutage. Doch Eure irdischen Naturwissenschaftler sind so damit beschäftigt, in immer tieferen Verästelungen vorzudringen, dort die Zusammenhänge zu verstehen, dass sie das Wesen all ihres Wissens nicht wahrnehmen. Wie sollten sie auch im Naturwissen ein Gotteswort wahrnehmen, wenn man ihnen von Kind auf dafür ein Gesetzbuch in die Hand gedrückt hat? Die Vernunft allen Werdens ist inzwischen so selbstverständlich, dass wir sie einfach übersehen. Naturphilosophie im antiken Sinne findet heute kaum mehr statt. Doch der Sozialdarwinismus nationalsozialistischer oder die Naturlehre humanistisch-kommunistischer Prägung hat so tiefe Spuren hinterlassen, dass ein normal denkender Theologe den Teufel tut, von der Natur noch etwas lernen zu wollen, gar hier das Gotteswort zu verstehen. Ein tagtägliches Offenbarungsgeschehen hier zu vermuten, muss angesichts heute allgemein anerkannten Naturverständnisses völlig verrückt klingen. Auch Philosophie beschränkt sich daher weitgehend auf das Nachvollziehen alter Lehren, versäumt so neu das schöpferische Wort im Prozess allen Werdens zu verstehen. Wie wir gleichzeitig am Beispiel des Sozialdarwinismus sehen, ist die Zeit, das Wesen unseres Glaubens in der Natur zu verstehen, erst jetzt gegeben. Stelle Dir vor, was geworden wäre, wenn man das Naturverständnis des Sozialdarwinismus zum Gotteswort/schöpferischer Wille erklärt hätte. (Was jedoch letztlich teilweise nationalsozialistische Realität war.) Es scheint zum Prozess vernünftigen Werdens – und somit zum Gotteswort/logos zu gehören - dass erst heute neu gedacht, auch die Natur neu verstanden werden kann. Was das aufklärende Naturverständnis in den letzten beiden Jahrhunderten an Lehren hervorbrachte, kann heute zu einem Neuverständnis des Gotteswortes führen, braucht nicht weiter als Gegen-satz zum Gesetz des Glaubens gelesen zu werden.

 

Augstein:

Das mutet mir alles recht spekulativ an, klingt wie moderner Spohismus. Was bringt eine neue Naturphilosophie, was taugt die Lehre von einem Logos  zum Leben?

 

Johannes:

Bei einer rein spekulativen philosophischen Betrachtung darf es nicht bleiben. Gerade dieser Fortschritt von platonischer Philosophie (ob stoisch, epikuräisch oder anderen Denkrichtungen unserer Zeit)  in konkrete Gestalt war unser Verdienst. Eine sich verflüchtigende, unverständliche philosophische Gnosis, die Du in zahlreichen frühchristlichen Texten nachlesen kannst, wäre unvernünftig gewesen, hätte nicht dem Logos/Wort entsprochen. Wie Du an der Entwicklung sehen kannst, hat es sich bewährt, dass wir dem Logos die lebendige Menschengestalt gegeben haben. Und erst heute scheint die Zeit, den schöpferischen Logos, das himmlische Wort neu zu hören. Doch hier liegt der Knackpunkt: Solange wir nur von Naturlehre sprechen, bleiben wir in einem Denken stecken, das einzelne Naturnormen im Sinne des nach wie vor den  - nicht nur im Wirtschaftsgeschehen gelebten - Sozialdarwinismus auf menschliche Natur überträgt. Einzelne Naturnormen verkörpern zwar das, was wir schöpferischen Logos nannten. Doch diese auf menschliche Lebensbeziehungen zu übertragen ist eine heute gängige und auch von Euch oft geSPIEGETE Kurzsicht, die ebenso ihren Grund im Unverständnis eines universellen Logos als die überge-ordnete Gottesnorm hat.

 

Augstein:

Jetzt hör aber auf. Langsam hab ich es satt, wenn Du andauernd von einem Gotteswort/Logos faselst und uns alle als unverständig darstellst. Wo und wie ist dieses Gotteswort im natürlichen Werden nun wirklich zu verstehen?

 

Johannes:

Um diese Vernunft/den Logos Gottes zu verstehen, der allem evolutionären Werden, allem biologischen oder astronomischen Geschehen zugrunde liegt, sollten die Scheuklappen eingeschränkt menschlicher Betrachtung abgelegt und versuchen werden, die ganze Sache von der Perspektive einer Gesamtordnung  aus zu beleuchten. Nichts anderes tut doch heute die Ökologische Lehre. Es wäre jedoch ein Kurzschluss, einfach von Naturverhalten auf menschliche Natur zu schließen.

 

Auch hier hat sich Eurer Wochenblatt schon oft als SPIEGEL  soziobiologischer Kurzsichtigkeit  bewiesen, die von menschlicher Moral aus die Natur oder das kosmische Geschehen im Universum beurteilt. Ich erinnere mich z.B. an einen Beitrag – es war gar eine Osterausgabe - über das Sexualverhalten. Solche Berichte kommen bei den Herren der Schöpfung scheinbar besonders gut an. Möglicherweise war auch der Osterhase Anlass zur Betrachtung des Sexualverhaltens. Der tierische Trieb wurde dabei wie selbstverständlich als für den Menschen natürlich angenommen. Was für Hasen und Affen durchaus vernünftig ist, wurde versucht einfach auf den Menschen zu übertragen. Etwas überspitzt gesagt, wurde allen Ernstes wurden in Eurem Blatt überlegt, dass die eigentliche Natur des Menschen ein tierisches gegenseitiges Bespringen sei: Ganz so wie bei den dadurch ihren Arterhalt sichernden Hasen. Doch was mich bei Hasen begeistert und für diese sinnvoll ist, muss für den Mensch noch lange nicht vernünftig sein. Wie ernst diese Sache ist, zeigt sich allein darin, dass Naturwissenschaftlern wie Manfred Eigen, die nachweisen wollen, dass die Lüge ein Mittel der Genmaximierung ist, in der Natur nur blanker Eigennutz regiere, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet werden. Doch dass es für ein männliche Wesen der Gattung Homo Sapiens nicht „natürlich“ (logisch/sinnvoll) sein kann, wenn es wie läufige Hasen ihrer Nachbarin z.B. beim Leeren des Mülleimers auflauert, dürften auf der Hand liegen. Eure Logik aufgrund von Erfahrungswerten sagt Euch doch, dass die eheliche Treue zur gesunden Familie gehört und somit das eigentlich natürlich/vernünftige/logische ist. Tierische Natur lässt sich nicht einfach auf den Menschen übertragen. Weder Bananenklau noch Lüge entsprechen dem menschlichen Logos bzw. einem vernünftigen Leben. Sie tragen nicht zur Verbesserung menschlicher Genesis bei, sondern bewirken in menschlicher Gemeinschaft das Gegenteil. Egoismus führt nicht zur menschlichen Schöpfung, sondern zur Arbeitslosigkeit, Un-wirtschaftlichkeit und an den ökologischen Abgrund bzw. selbst zum Abbau von Sozialleistungen, auf den die Väter einstiger Aufklärung so stolz waren. Doch mir geht es hier im Moment nicht um eine neue Moral, sondern erst die Voraussetzung dafür. Den Begriff des Genegoismus gilt es neu zu definieren, um den Logos allen Lebens zu verstehen. Mit Egoismus im menschlichen Sinne könnte keine Genesis zustande kommen. Der gesamte Kosmos, ebenso wie die Zellen unseres Körpers und die Funktionsteilchen unseres Kopfes funktionieren nach einem Prinzip, das nicht mit dem Egoismus eines sinnentleerten menschlichen Wesens gleichzusetzen ist. Von diesem schöpferischen Prinzip aus haben wir in der Antike nachweislich auf den Sohn Gottes geschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Augstein:

Wo ist die Stimme/Wort Gottes, wenn gar im Himmel nur Monster herrschen, die sich in kosmischem Kannibalismus  gegenseitig auffressen. Gerade heute habe ich im über himmlisches Geschehen berichtenden  SPIEGEL Nr. 48 Beiträge  über neue astronomische Erkenntnisse gelesen. Von „Vernichtungswerk“, „Rülpser die heller strahlen als Milliarden Sonnen“, „gefräßigen Raubtieren“, „kosmischen Vampiren“, „düsteren Kadaver, die sich gegenseitig fangen“, „Fressorgien“ oder „kollidieren Galaxien“ wurde dort berichtet und in diesem Schreckenszenario die Geburt der Galaxien durch das verschmelzen von schwarzen Löchern begründet. Soll also der himmlische Herrscher ein solcher Tyrann sein? Wie kannst Du verlangen nach oben zu schauen und das  astronomische Geschehen als Lautsprecher Gottes zu hören, wenn dort doch Kannibalismus herrscht?

 

Johannes:

Vorweg: In jedem biologischen Vorgang kann das Gotteswort verstanden werden. Es ist zwar in der Bracht der Blüten, im täglichen Sonnenaufgang, der jährlichen Sonnenwende bzw. dem Grünen des Frühlings besonders gut zu beobachten, be-stimmt aber alles natürliche Sein. Nur dort, wo die Unvernunft regiert, etwas Unnatürliches geschieht, kann nach unserem urchristlichen Verständnis Gotteshandeln in Frage gestellt werden. Da jedoch die Naturwissenschaft den Nachweis erbracht hat, dass alles seit einem angenommenen Urknall eine sinn-volle Ordnung hat, kann heute das von uns noch weitgehend metaphysisch verstandene Gotteswort/Weltsinn quasi empirisch nachgewiesen werden.

 

Im astronomischen Geschehen ist die Dimension des Gotteswortes jedoch nicht nur weit größer, sondern sollte auch unvoreingenommener zu betrachten sein, als in der angeblich „bösen“ Biologie, wo wir höchst sinnvolle Pflanzen als Un-kraut bezeichnen und – gegen besseres meteorologisches Wissen - von Un-wetter sprechen, wenn wir in unserer Lebensweise der natürlichen schöpferischen Ordnung nicht gerecht werden.

 

Doch solange auch der astronomische Ablauf einer übergeordneten Genesis mit Begriffen der Kurzsicht belegt wird, bleibt auch im Himmlischen die Stimme Gottes unverständlich. Wer die kosmische Kreativität, aus der letztlich unsere Welt hervorgegangen ist, mit Begriffen belegt, die gleichzeitig für einen Irrsinnigen Hessen gebraucht werden, der seinem homosexuellen Freund bei lebendigem Leibe das Glied abgeschnitten und wider ewige menschliche Norm kannibalistisch gefressen hat, der darf sich nicht wundern, wenn die Stimme himmlischer Vernunft nicht gehört wird. Wie immer habt Ihr auf beste Weise das heutige Weltbild geSPIEGELT. Auf zwei Seiten ein solches astronomisches Inferno mit fast allen Begriffen irdischer Kampfes- und Zerstörungswut und menschlichen Irrsinnes auszumalen, das ist schon eine Wucht. Wer in diesen Begriffen den Himmel beschreibt, der kann wahrhaft kein Gotteswort hören. Da können die „himmlischen Hochzeiten“, die im Laufe der Genesis aus Sternestaub geistbegabte Wesen werden ließen noch so eindeutig die schöpferische Vernunft belegen. Was bleibt sind Begriffe aus einem real herrschenden Wirtschaftskannibalismus. Begrifflichkeiten einer Welt, wo sich Unternehmen gegenseitig vernichten, werden einfach auf astronomische Geschehen übertragen. Wenn es wenigstens noch der nachweislich kultbedingte Urkannibalismus wäre, wenn von Sternenfressern gesprochen wird. Ein sinnloser Vernichtugskampf – wie er im heutigen Wirtschaftsleben nachweislich zur Vernichtung führt - dient hier als Vor-bild. Doch lässt sich in einem solchen Bewusstsein die natürliche Genesis beschreiben? Oder muss nicht die Geburt der Galaxien auf neue Weise beschrieben werden. Es geht dabei keineswegs darum, die naturwissenschaftliche Beschreibung des astronomischen Geschehens anzuzweifeln. Vielmehr habt ihr doch erstmals die Chance, die Geheimnisse des himmlische Geschehens zu lüften, darin einen universalen Logos in ungeahnter Dimension empirisch zu erkennen. Doch wer die Begrifflichkeit einer irrationalen Welt einfach auf schöpferisches Geschehen überträgt, der muss den Verstand verlieren.

 

Augstein.

Selbst wenn wir das natürliche Geschen mit einer neuen, neutralen Begrifflichkeit belegen, was hat das aber alles mit dem „lieben Gott“, dem Gott der Liebe zu tun, den Du beschrieben hast und den Ihr in Euren Liedern besingt.

 

Johannes:

Angeblich aufgeklärten Menschen müsste doch klar sein, dass in der Hochzeitsnacht unseres Universums kein Vernichtungskampf stattfinden konnte. Auch Du bist nicht auf die Welt gekommen, weil Dein Vater Deine Mutter gefressen hat, sondern verdankst Dich einer Kraft die wir Liebe nennen. Kleine Kinder, jeder Nachwuchs und somit das gesamte ewiges Leben entstehen doch nicht durch Vernichtung, sondern werden durch sinnvolle Verschmelzungen hervor-gerufen, bei denen zwei Wesen Eins werden. Genau dieses „Eins werden“ habe ich es im Evangelium verlangt.

 

Und auch dieses rufen geschieht durch das, was wir Wort nannte. Die Menschen nennen es „Liebe“. Doch dieser durchaus natürliche Lebenstrieb ist ein Teil des schöpferischen Logos. Wenn in dem nach mir benannten Evangelium sich Jesus als Liebe bezeichnet, dann ist dies das der Stoff, aus dem alles Leben entsteht. Denn nur, wenn zwischen Menschen Liebe besteht, kann dauerhaft etwas sinnvolles entstehen: ob in familiären, betrieblichen oder sonstigen Beziehungen. Dass Ihr den Verstand auch für die „Liebe“ als Gotteswort verloren habt, liegt auf der Hand. Der Eros natürlicher Lust, die Liebe ist nicht mehr das universale Lebenselixier. Während der Eros den einen scheinbar nur noch zum Selbstzweck ihrer persönlichen Sexualität dient (von himmlischer Ordnung aus gesehen zur Selbst-befriedigung geworden ist) wurde er von den Kirchenvertretern der Vergangenheit gleich von vornherein verteufelt. Kein Wunder, dass Gottes Wort so nicht zu hören ist.

 

So führen auch die zahlreichen, eure Männerherzen erfreuende kurvenreichen Beziehungen, die der Buch- bzw. moderne „Bibel“autor Dieter Bohlen in seiner Eure Bestsellerliste anführenden „Offenbarung“ beschreibt, nur zur gegenseitig Be-lustigung, nicht wirklich zu lustvollem neuem Leben. „Nichts als die Wahrheit“, so das Werk, wird hier beschrieben. Es ist die Wahrheit über eine Generation, die den Verstand verloren hat.

 

„Wahre Liebe“ nennt Ihr z.B. Fernsehsendungen, die eigentlich nichts anderes als menschliche Verirrungen wiederspiegeln. Wie soll da der Mensch noch klar denken können, wenn „Liebe“ nicht mehr als die in allen Lebensbeziehungen schöpferische Kraft bezeichnet, sondern nur noch für sinnentleerten Selbstzweck steht? Wenn ich hierin ein Leben in Babylon anmahne, dann ist es weniger der Tatbestand, dass „Liebe“ zur sinnlosen Sexualität geworden ist, statt der Genesis zu dienen, sondern die totale Begriffsverwirrung, die zum Unverstand für das natürliche schöpferische Wort führt. Wie wollt Ihr den schöpferische Logos erkennen, wenn ich in den „Ich bin...Worten“ meines Evangeliums Jesus als Liebe bezeichne, aus der alles geworden ist und die gelebt werden muss? Der Verstand für den Vater des Alles, den Gott der Liebe ist so verloren, eine himmlische Stimme nicht mehr zu hören.

 

Während die frühen Hochkulturen sich an den Himmelskörpern orientierten, scheint heute in jeder Hinsicht den Verstand verloren. Wie kann die heutige Kultur begreifen, was es bedeutet, dass das Wort Gottes seit ewiger Zeit vom Himmel gekommen ist, wenn sich Euer Kult nur noch auf fragwürdige Stars bzw. höchst irdische Sterchen bezieht? Sollen das die Kinder der Aufklärung sein? Kann nicht Weihnachten als so etwas die ewige Aufklärung durch ein neues irdisches Verständnis der himmlischen Stimme stehen?

 

Augstein:

Willst Du mir damit etwas sagen, dass die mittelalterlichen Weihnachtslieder, wie vom „Himmel hoch, da komm ich her..“ eine Realität beschreiben, die sich in allen Hochkulturen immer wieder neu ereignet und auch bei Euch in der antike eine historische Tatsache zum Ausdruck bringt?

 

Johannes:

Ich sehe, wir kommen der Wahrheit schon näher. Die mittelalterlichen Liedermacher haben noch frei von aufklärerischer Theologie das für wahr gehalten, was wir aufgeschrieben hatten. Und wir haben, wie inzwischen klar sein dürfte, vom himmlischen Herrn gesprochen, der zur Erde kam - und nicht umgekehrt, wie heute gelehrt wird. Nicht irdische Vernunft hat nach oben gesehen, sondern die schöpferische Vernunft wurde mit der den Menschen von Gott gegebenen Vernunft als dessen Wort verstanden, der Logos wurde Mensch. Das Wort Gottes herrscht über das gesamte Geschehen, über alle menschliche Geschichte, bestimmt jedes Schicksal, ist in irdischer Geschichte und Natur zuhause. Doch vom Himmel herab lässt sich das Wort Gottes besonders gut verstehen, wird die überirdische Realität, die unendliche Tat-sache des schöpferischen Logos zum Lautsprecher.

 

Denn wenn trotz allem scheinbaren Chaos im Universum Kosmos herrscht, dann kann genau das erkannt werden, was wir den Gottessohn nannten. Ohne den Sinn/Logos wäre im Grunde alle Astronomie unmöglich. Erst die moderne Astrophysik, die mit ihren Teleskopen und Satelliten bis an den Rand des Weltraumes schauen kann, vermag es das Wort Gottes wieder vernünftig zu verstehen. Wenn ihr eine Naturgesetzlichkeit über Milliarden von Lichtjahren, im Grunde unvorstellbare Weiten bei Eurer physikalisch-mathematischen Betrachtung voraussetzt, dann macht Ihr doch die Rechnung genau mit dem, was wir Wort Gottes nannten. Doch es sind keine unbekannten Kräfte, die den Kosmos des Universum wie den Eures Körpers und Kopfes be-stimmen. Bereits die alten Hebräer haben in ihrer Himmelsschau das Wort Gottes verstanden und verkündet. Hier haben wir sinnvoller weise weitergebaut. Und anknüpfend an das hebräische Denken ist das Wort Gottes in Bethlehem neu Mensch geworden. Das Wissen der alten Kulturen gilt es weiterzuentwickeln, im heutigen Weltbild das Gotteswort neu zu verstehen, ohne das alte abzulehnen. Statt vom Unsinn des Universums zu reden, kann hier sinnvolles Handeln Gottes verstanden werden. Denn was wir weitgehend in weitgehend metaphysischen Mustern ausdrückten, kann in heutiger astronomischer Mathematik empirisch erkannt werden. Und je mehr Ihr doch über das höchst wunderbare Zusammenspiel der himmlischen Ordnung wisst, desto deutlicher wird doch, dass hier kein sinnloser Zufall regiert, sondern aus Gottes Wort alles hervorgeht. Wenn selbst z.B. die Funktion das Jupiter als himmlischer Staubsauger beschrieben wird, der dafür sorgt, dass Euch auf Erden keine Meteoriten um die Ohren fliegen, immer neue Geheimnisse gelüftet werden, die alle nichts anders aussagen, wie ein sinnvolles Zusammenspiel ohne das wir nicht wären, dann schreit doch der Logos/die himmlische Vernunft nach Verständnis. Wenn die kosmische Kreativität der Schwarzen Löcher nachgewiesen werden kann, dann sind keine vernichtenden Bomben in unserem Sinne zu sehen, sondern himmlische Vernunft. Im ewigen Kreislauf von Sterben und Werden spricht das Wort Gottes, auf das wir damals das neue Testament gesetzt haben.

Über unvorstellbare Zeiten hinweg gilt das Wort Gottes, ist es heute zu hören. In astronomischen Welten, die das menschliche Denken kaum in Modellen erfassen kann, herrscht kosmische Kreativität, ist die vernünftige Kraft bekannt. Wie lauter soll der Logos eigentlich noch schreien? Das eigentliche Geheimnis liegt nicht in dem, was noch nicht bekannt, noch unerklärlich ist. In dem letztlich Wenigen, was wir von der unvorstellbaren schöpferischen Ordnung himmlischer Kreativität wissen ist das Wort verständlich. Hier liegt das Geheimnis, das unserer Weihnachtsgeschichte zugrunde liegt, als Gottessohn präsent wurde. Wenn Joachim Bublath in seiner Fernsehreihe über „Rätsel unseres Universum“, von denen er einige auf wunderbar einfache Weise beschreibt und dabei das Wunder des kreativen Kosmos verdeutlicht, dann spricht der vom Sohn Gottes. Fromme Christen werden Zuflucht finden, in dem was, der Fernsehwissenschaftler in seinem Abspann als ungelöste Geheimnisse bezeichnet. Sie haben die Hoffnung, hinter allem............................................

 

 

Augstein:

Es mag sein, dass versunkene Hochkulturen im himmlischen Geschen eine höher Stimme erkannten, in kosmischer Ordnungen schöpferisches Handeln wahrnahmen. Haben meine auf der ehemaligen Mitarbeiter nicht den Sternenkult der Ur-germanen oder besser der bronzezeitlichen Frühbewohnern des heute deutschen Landes  berichtet?

 

Johannes:

Nur ein Seitenschlag trennen die Sichtweisen. Und doch sind es Welten. Während der Titel über das frühastronomische Verständnis und der davon ausgehende Kult von Hörern des himmlischen Wortes berichtet, werden auf den Folgeseiten hierin Kannibalismus und angeblicher Sternenkrieg geschildert. Doch ein „Krieg der Sterne“, gegenseitige Vernichtung von Wesen, die es besser wissen, den gemeinsamen Vater kennen, kommt – wie Du heute sehen kannst - bei uns im Himmel nicht vor. Nicht nur mathematisch nachweisbare geometrische Harmonie der Himmelskörper, die seit Pythagoras Thema der Theologie war, lässt auf einen universalen Logos, eine himmlische Vernunft schließen. Die sich den Archetypen der Natur des Alles ausdrückende plan-etare kosmische Ordnung, sichtbar seit dem angenommenen Urknall, ist der Beweis für eine höchst kreative Kraft: das genaue Gegenteil von Kannibalismus und Krieg. Doch solange ihr für himmlisches Geschehen bei der Geburt der Sterne von Kannibalismus sprecht, sinnlosem Kampf, könnt ihr das was wir in der Antike als Wort Gottes bezeichneten nicht verstehen. Wenn Ihr daher bei mir den Begriff Logos lest, der vor allen Dingen bei Gott war und durch den alles geworden ist, kann dies nur eine Worthülse, eine Leerformel bleiben. Die Wahrnehmung einer Weltvernunft, durch die alles geworden ist – zu der übrigen auch Dein Aufklärungswerk gehört – ist Voraussetzung um unser christlichen Lehren zu verstehen. Denn der schöpferische Logos war für unser Denken selbstverständlich.

 

 

6. Wie das Wort neu verstanden werden kann

 

Augstein:

„Am Anfang war das Wort“ war das nicht auch ein Titelthema meiner irdischen Mitarbeiter, die vor wenigen Wochen darüber berichtet haben, wann und wie die Urmenschen zur Sprache kamen?

 

Johannes:

Ihr habt mir mit Eurem Titel „das Wort“ zwar etwas aus dem Mund genommen. Doch auch damit nicht nur den Zeitgeist wiedergespiegelt, sondern in der Faszination des geistigen Fortschrittes menschlicher Sprachevolution gleichzeitig einen wesentlichen Aspekt dessen beleuchtet, was wir in der Antike als Wort/Logos bezeichneten, jedoch keineswegs nur auf menschlichem Mist gewachsen ist. Wird nicht gerade in der Sprachentwicklung ein universelles Evolutionsmuster deutlich? Wie Vernunft zum Ausdruck kommt, warum das gesprochene Wort nicht mit dem Sprecher gleichzusetzen ist und welche Sonderstellung der Mensch im Sprach- bzw. Wortverständnis gegenüber dem eigentlichen Autor des Alles hat, das alles zeigt sich im Nachvollzug der „Stimmen aus der Steinzeit“ bis zur heutigen Sprache. Warum erst das Wort-verständnis den eigentlichen Menschen ausmacht, wie In-form-ation den Prozess allen Werdens in Gang hält, gem-ein-same grammatische Spielregeln und über-ein-stimmendes Verständnis notwendig sind für die gesellschaftliche Entwicklung, lässt sich am Muster der menschlichen Sprache nachvollziehen. Auch warum Bilder am Anfang des Wortverständnis bzw. der menschlichen Kommunikation und des Kultes stehen, selbst Buchstaben nur Bilder einer tieferen Wirklichkeit sind, den Geist erst sichtbar zum Ausdruck bringen, lässt sich an der Entwicklung der Sprache nachvollziehen. An der empirischen Erkenntnis dessen, was ihr Sprachentstehung nennt, wie sich die Kommunikation menschlicher Kultur und Kreativität erst ermöglicht lässt sich vieles von dem deutlich machen, was wir damals Logos nannten. (Mein irdischer Mitarbeiter, der nur bei besonderen Anlässen Eurer Magazin kauft, hat an zwei Nachmittagen mehr als 10 Bad Dürkheimer Kaffees durchkämmt, um in den Spiegel zu schauen. Denn erst durch Leserbriefe in einer Folgnummer wurde er auf den Titelbericht über das am Anfang stehende Wort aufmerksam.)

 

Doch wenn wir das „Wort“ an den Anfang des Alles stellten, dann hatten wir damit weit mehr vor Augen als die menschliche Sprache. Genau das sollte Euch doch beim Studium aller christlicher Texte deutlich werden. Wer mit „Wort“ nur die menschliche Kommunikation bezeichnet, wird weder verstehen, was für uns das Wort Gottes war, noch was hinter der menschlichen Gestalt Eures christlichen Glaubensgrundes steht und von was das schriftliche Buchzeugnis berichtet. Durch menschliche Sprache, dem Wort, von dem bei allen christlichen Denkern die Rede ist, geht keine kosmische Kreation aus. In der Bezugnahme auf meinen biblischen Text habt Ihr ohne es wirklich zu wissen die Wahrheit wiedergespiegelt. Denn am Anfang stand wirklich das Wort Gottes. Doch erst dessen menschliche Gestalt hatte eine messianische Wirkung, ohne die auch Eure Aufklärungsarbeit, Mitarbeit am schöpferischen Wort undenkbar gewesen wäre.

 

Augstein:

Willst Du jetzt gar behaupten, ich bzw. unser Aufklärungswerk sei der leibhaftige Jesus?

Ich befürchte, dass Du allerhand Arger mit Deiner Gilde bekommen wirst, wenn Du jetzt auch noch den Spiegel zum Wort Gottes machen willst.

 

Johannes:

Jetzt bilde Dir bitte nicht zu viel ein. Sicher ist Deine aufklärerische Arbeit Teil eines kreativen Fortschrittes gewesen, gehört zum Werkzeug eines schöpferischen Logos, dem wir damals eine menschliche Gestalt verliehen haben. Der leibhaftige Jesus ist kein Menschenwerk. Jedoch auch wir Ihr in den verschiedenen Beiträgen beschrieben habt, gehörte zum schöpferischen Werk, selbst wenn es oft nur den Un-sinn des heutigen Weltbildes SPIEGELT. Ihr Menschen seid nur die Jünger bzw. Mitarbeiter, die so einer neuen hellwachen aufgeklärten Wahrnehmung des himmlischen Wortes den Weg bereiten. Und genau dieses Wort, von dem Ihr heute nur noch eine Ahnung habt, wurde, wie ihr geschrieben habt, bereits nicht nur von den Hebräern und Griechen, sondern auch von Euren vorgermanischen Urahnen gehört.

 

Was Ihr bisher als primitive Analphabeten gesehen habt, waren in Wirklichkeit Denker bzw. Hörer, die viel weiter waren, als Ihr es Euch im heutigen Weltbild ausmalt. Doch genau das war Thema des Titelberichtes in Eurem Blatt. Eine von unseren Ahnen erkannte himmlische Vernunft, die heute auf alten Gefäßen nachzulesen ist, wurde einfach und verständlich belegt. Auf diese Weise wird auch hier eine Denken wiedergespiegelt, das zu einem neuen empirisch Verständnis des von uns angenommenen schöpferischen Wortes führen könnte. Auch wenn kein bronzezeitlicher Bauplan für ein Atomkraftwerk zu finden ist: Den Affen ist eine Kultur, die das Verständnis des astronomischen Wortes verloren hat weit ähnlicher als unsere Vorfahren. Auf was Ihr heute hört sind nur noch Menschenworte, gegenseitige politische und un-wirtschaftliche Manipulationen und Meinungsmache. Der Kult Eurer Zeit gilt nicht einem himmlischen Autor, sondern dem selbstgesetzter Autoritäten. Nicht himmelkundiges Wissen führt zum Kult, sondern nur irdisch Belehrungen von Besserwissern. Wenn Ihr im Gegensatz zu den Vorgermanen in den Himmel schaut, dann sehen Eurer Astronomen trotz alle ihres Wissens um harmonisch-kreative Ordnung nur Belanglosigkeiten. Der Blick auf schöpferische Ordnung, einen über Zeit und Raum hinweg existenten Logos ist verbaut durch dogmatische Bilder. Hier hilft nur ein neues Verständnis, das die verschiedenen Bereich, Naturwissen wie alte Text umfasst.

 

Denn wenn was macht die alten Hochkulturen aus, über deren großartigen Leistung wir oft voll staunender Hochachtung sprechen? Hat die hohe handwerkliche Fähigkeit, die auf Kreta bei den Minäern bewundern und ebenso bei den Pyramiden bauenden Ägyptern und anderen Frühkulturen bestaunen den hohen Kult erst hervorgebracht. Oder verdanken sich die handwerklichen Leistungen erst dem hohen Kult, dem Hören einer höheren Stimme und deren kultureller Umsetzung?

 

Was machen wir aus unserem in jeder Hinsicht astronomischen Wissen? Welcher himmlische Kult hat sich aus unseren Naturerkenntnissen ergeben? Haben die Bauwerke, über bei Bildungsreisen gestaunt wird und die wie wir wissen an frühastronomische Daten ausgerichtet sind, quasi in Stein gebauter Logos darstellen, das Verständnis des himmlischen Wortes der Nachwelt erhalten? Konnten die himmelskundisch ausgerichtet Steine der Vorgermanen die Kultur erhalten oder bedarf es dazu eines lebenden Wesens?

 

Augstein:

Willst Du damit sagen, die vorgermanischen Astronomen und Sternenmagier wären Frühchristen gewesen oder frühe Anhänger des bei Euch menschwerdenden himmlischen Logos? Können wir dann nicht gleich zu Goethes und Spinozas Naturvergottung zurückkommen? Du kannst mir doch nicht weis machen, Ihr Christen wärt nur Philosophen gewesen, die ihrem Pantheismus eine menschliche Gestalt gegeben haben und diesen als Gottessohn bezeichneten?

 

Johannes:

Wir kommen dem historischen und gleichzeitig kosmischen Christus zwar näher. Wie ich sehe, erkennst Du aber trotz himmlischer Weitsicht und Abstand von irdischen Weltbildern noch nicht die Bedeutung unseres christlichen Denkens. Was wir in Jesus sahen, geht weit über eine Naturvergottung hinaus. Statt eine un-bestimmte Vergottung wurde in der Antike eine alles be-stimmende Vernunft, eine aller Formgebung innewohnende In-form-ation als Wort des einen unsichtbaren Gottes verstanden.  Denn genau die Überwindung der puren Naturverehrung war es, was sich im Verständnis des Gotteswortes ausdrückt. Die sichtbare Schöpfung ist kein unbestimmter Gott, wie das bei alten Götterkulten und moderner Aufklärung oft angenommen wurde. In der Natur drückt sich nur die Stimme des einen unsichtbaren Gottes aus. Und genau dieses himmlische Wort haben alle Hochkulturen gehört, ob die Hebräer, Ägypter; Kelten ebenso wie die Weisheitslehrer des Ostens. Die Astronomie, ist dabei nicht Unnatürliches, gleich wohl hier ein über aller Natur (nicht übernatürlich im heutigen Sinne) herrschender Logos weit besser gehört werden kann, als in menschlicher Geschichte oder physikalische und biologischer Betrachtung. Weit besser als in der Funktionsweise des Kosmos unsers Kopfes, des wunderbaren - und oft ganz passablen -Zusammenspieles der Milliarden Neuronen unseres Gehirnkastens, wo die gleiche himmlische Vernunft alles hervorbringt, ist im kosmischen Geschen das Wort zu verstehen. Ohne ein Hören des himmlischen Wortes ist ein wirklicher Monotheismus unvorstellbar. Er bliebe pure Gesetzlichkeit. Gerade das war doch Thema der Theologie unseres Freundes Paulus.

 

 

 

 

 

7. Warum wahre Erkenntnis Bilder braucht, der Gottessohn nur in Menschengestalt messianische Wirkung hat, warum nur durch Gebete der Mensch wirklich vernünftig wird und wie wichtig es ist, die alten Lieder im Bewusstsein des Logos noch lauter zu singen.

 

Augstein:

Wenn es stimmt, das die himmlische Stimme, das schöpferische Wort das wahre Wesen des christlichen Glaubens ist, warum dann aber die ganzen Bildgeschichten. Ist das nicht Schnee von Gestern? Reicht es nicht, wenn die Menschen vernünftig erkennen, der Kopf Klarheit hat......

 

Johannes:

Doch in rein philosophischer Betrachtung taugt diese Erkenntnis nichts. .............Augstein zum Gottesdienst einladen, Beten, nicht nur betrachten........Ganzheitlich erfassen, mit Gefühl und Verstand. Dem Logos ent-sprechen.......nicht nur denken. Bilder notwendig, Gefühl entwickeln.....ganze Kraft nutzen........anknüpfen der Vorkulturen, der Vor-gaben, hier logisch weiterbauen.....

 

 

Überarbeiten, fortsetzen

 

Augstein dreht sich um,

ohne groß den Standpunkt wechseln zu müssen erhält er so plötzlich ganz neue Perspektiven und erkennt die Gestalt des Gottessohnes, die er bisher für einen Menschen gehalten hatte.

 

Jesus:

Todgesagte leben länger. Da staunst Du, wie frisch ich noch bin, gleichwohl Du mich als menschliches Kunstprodukt der Kirchenpredigt nachgewiesen hast. Und es trifft zu, wäre ich nur das Produkt frommen menschlichen Denkens oder hochgeistigen Philosophierens so wäre ich reine Phantasterei. Aber wie Du siehst, bin ich noch gesund und munter. Auch wenn man kein Mensch ist, sondern sich notwendiger Weise nur dessen Gestalt bedient, um gesehen und verstanden zu werden, so lebt es sich ganz gut. Was du als „Schwadronierenden Unsinn“ bezeichnet hast, ist in mir als schöpferische Weisheit, ewige Vernunft verständlich, die alle Natur hervorgebracht hat. Seit dem angenommenen Urknall ist mein Werk für Euch in aller Evolution sichtbar. Ich bin die Intelligenz, die dem Gefüge des Kosmos wie der Wirkungsweise auch Deines Kopfes zugrunde liegt.

 

 

 

Augstein:

Wie ich jetzt sehe, habe ich Dir wirklich unrecht getan. Du bist nicht nur das Wort, aus dem alle Welt hervorgegangen ist und das die Griechen als Logos verstanden, sondern hast als Menschensohn auch die Universalgeschichte geprägt. Gottessohn und Menschensohn sind reale Wesen, auch wenn es sich nicht nur um Menschen handelt. Ich bin ja schon froh, dass ich wegen meiner Ketzerei gegen Dich in die Hölle muss, sondern man hier oben vom Himmel aus die Zusammenhänge zeigt. Warum aber soll ich auch noch einen Orden als Chefaufklärer bekommen.

 

Jesus:

Wie ich hörte, hat mein Jünger Johannes Dir einiges darüber bereits erklärt. Doch ich war nicht nur bei dem Gespräch hier im Himmel direkt hinter Dir gestanden. Auch auf Erden habe ich Dir unbemerkt die Feder geführt. Bin ich nicht die Vernunft, die alles Werden lenkt? Wenn ich aber das Prinzip aller evolutionärer Entwicklung bin, so darfst Du mich doch auch als das Wort verstehen, das alles Wachsen der Erkenntnis, menschliche Klarheit be-stimmt. Und dabei hast auch Du kräftig mitgewirkt. Ohne aufklärerische Arbeit, zu der Dein Name gehört, eine denkerische Auseinandersetzung mit dem christlichen Glaubensgrund hätte es kein Weiterdenken gegeben. Auch wenn Du versucht hast nachzuweisen, dass es den Gottessohn nie gegeben hätte, er nur ein Phantasieprodukt frommer Frühchristen war, so warst Du letztlich ein Werkzeug des ewigen Gotteswortes/Logos, der Thema das eigentliche Thema der gesamten christlichen Theologie ist.

 

Doch um das nachzuweisen, um neu darüber nachzudenken warst Du not-wendig.

 

Augstein:

Aber wie geht jetzt die ganze Geschichte weiter, wer sagt meinen Freunden auf der Erde, dass Du wirklich der Gottessohn und in aller natürlichen Evolution als lebendige Offenbarung des einen unsichtbaren Schöpfers zu sehen bist, von dem bereits unsere Väter ausgingen? Wie könne wir verhindern, dass jeder weiter sein eigenes Buch als Gotteswort liest und dabei seine Meinungen/Moral hineininterpretiert? Wie können wir vermeiden, dass im Name des unvernünftigen Glaubens täglich Unmengen von Blut fließen? Und wie können wir die menschlichen Geist und die Gesellschaft wieder in die Bahnen einer himmlischen Ordnung, einer schöpferischen Vernunft lenken? Wie können wir erreichen, dass sie in der Wirk-lichkeit eines präexistenten Logos aller Schöpfung wieder das lebendige Gotteswort, den Gottessohn sehen?

 

Heute Morgen beim Engels-Ausflug bin ich über Hamburg geflogen. Die Redeakteure des Spiegel waren gerade dabei, die Weihnachtsausgabe zu planen. Durch den neuen Sensationsfund der Knochenkisten (Osuar), bei denen sich auch eine mit der Aufschrift des Herrenbruder Jakobus befindet, soll die historische Wahrheit des Neuen Testamentes nun doch endlich nachweisbar sein. Wie kann ich meine ehemaligen Mitarbeiter davor abhalten, auf solch einfältige Weise die antike Erkenntnis zu banalisieren?

 

Johannnes:

Ich befürchte, dazu ist es zu spät. Doch die Aufklärung geht weiter. Ich bin sicher, selbst die steinerne Kisten mit der Aufschrift des Herrenbruders Jakobus kann hierzu einen Beitrag leisten, gehören zu einem Logos, der sich letztlich den Weg seiner menschlichen Erkenntnis bahnt.

 

Hier vom Himmel aus hast Du selbst zwar den Kontakt zu den Mitarbeitern des Unternehmen Aufklärung verloren. Doch Dein aufklärerischer Geist wird weiterwirken und es wir Himmelboten geben in Deinem Namen bzw. unter Anerkennung Deines aufklärerischen Wirkens Deine himmlischen EIN-sichten weitergeben.

 

(Wie Du aus unserem Dialog gesehen hast, haben auch wir es damals mit den Persönlichkeiten nicht so eng genommen und uns trotzdem nicht als Pseudographen verstanden.)

 

 

 

Engel Augstein

Ehrenplatz im Himmel                                                                               Weihnachten 2002

 

 

An meine MitarbeiterInnen

irdisch autonomer Aufklärung

 

„Unternehmen Aufklärung“

 

Hamburg

 

 

 

 

Aufruf von einem immer noch im „Unternehmen Aufklärung“ mitarbeitenden ewigen Augstein, das Lebenswerk autonomer, analytisch-kritischer Aufklärungsarbeit fortzusetzen, neu nach den Wurzeln zu fragen, so zwischen den Weltbildern zu vermitteln, um zur wahrhaften Bewältigung irdischer Probleme beizutragen

 

 

 

Hallo Ihr Lieben,

 

himmlische Grüße von oben. Wie Ihr inzwischen wisst, bin ich trotz aller Unkenrufe im Himmel gelandet. Soeben wurde mir hier eine Auszeichnung als „Chefaufklärer“ des christlichen Glaubens verliehen. Kein geringer als der Gottesssohn selbst, den ich während meiner irdischen Zeit als Menschenwerk und gestrigen Glaubensmythos nachweisen wollte, hat diese Ehrung vorgenommen.

 

Denkt aber nur nicht, dass ich es mir hier im Himmel nun endlich bequem machen kann. Wir sitzen nicht froh-lockend auf Wolke 7 und spielen Harfe. Vieles was sich in die irdische Bildwelt eingeschlichen hat, sieht von oben betrachtet ganz anders aus. Wie Euch bekannt, hat im hier alles eine schöpferische Ordnung, jeder seine Aufgabe. Mit Eurer Lobrede auf meine kritisch-analytische Aufklärungsarbei, für die ich mich trotzdem himmlisch bedanken möchte, habt Ihr mir eine Menge Arbeit eingebrockt. Als man im Himmel den SPIEGEL der irdischen Nachrufe in die Hände bekam, hat man mir eine ganz besondere Aufgabe übertragene. Als Star (Stern) irdischer Aufklärung, soll ich stellvertretend für die gesamten hier versammelten aufklärerischen Denker zu Eurer weihnachtlichen Erhellung beitragen.

 

Keine Angst – bzw. fürchtet Euch nicht – denn ich soll Euch von einer himmlischen Vernunft berichten, die bereits vor 2000 Jahren als Mensch lebendig war und bereits den alten Griechen wie vor Ihnen den Hebräern bekannt war. So soll ich Euch neu nach Bethlehem führen. Man nennt mich hier “Aufklärungsengel“ weit der durch meine Generation ins Leben gerufene Geist ewig weiterwehen wird. Und die geflügelte Freiheit, losgelöst von irdischen Zwängen und Vorgaben, verschafft mir hier als Engel völlig neue EIN-sichten. Die Unterscheidung zwischen Wissen und Glauben ist hier im Himmel längst aufgehoben. In allem Wissen nehmen wir hier das schöpferische Wort Gottes wahr. Viele Freunde aus den Zeiten längst vor mir stattgefundener Aufklärung, Naturwissenschaftler und Philosophen haben sich hier EIN-gefunden, um mich gemeinsam mit den konserativen Amtstheologen, aus deren Kirche ich ausgetreten war, bei meinem Vermittlungs-Auftrag zu bestärken. Die Zeiten, in denen die naturwissenschaftliche Wahrheit gegen das Wort Gottes standen, sind hier endgültig vorbei. Zahlreiche Denker der Vergangenheit, die keiner von Euch hier im Himmel erwartet hätte, habe ich bereits getroffen. Da Ihr deren Anliegen kennt, könnt Ihr es mir ersparen, weiter auszuformulieren, welche Botschaft mir die Vertreter der verschiedenen Geistesrichtungen, die sich zeitlebens um die Suche nach der Wahrheit verdient gemacht hatten, mit auf den Weg gegeben haben.

 

Denkt aber bitte nicht, dass wir hier alle nur scheinheilig fromm geworden sind. Vielmehr hat man mich gerade wegen meines autonomen Denkens ausgewählt, Euch die Frohe Botschaft zu bringen. So etwas wie ein Weihnachtsstern des 3. Jahrtausend darf ich sein. Von den vielen angeblichen Weihnachtslichtern im grell leuchtenden, abergläubigen Stil, die Abseits jeder vernünftiger Aufklärung leuchten, braucht Ihr Euch nicht länger ablenken lassen.

 

Wenn Ihr an klaren Abenden der Adventszeit nach oben schaut, könnt Ihr mich von meinem himmlischen Ehrenplatz aus leuchten sehen. Und wenn Ihr bei der Christmette - zu der viele von Euch nur noch zur Ausschmückung des Weihnachtsabends gehen - vom Licht singt, das scheinen wird, dann dürft Ihr dabei auch an mich denken bzw. an die Vernunft, die mich beauftragt hat, euch wiederzuer-scheinen. Als Medienmann, der irdische Autorität bei den intellektuellen Aufklärern und vor allem den Atheisten genießt, hat man gerade mich ausgewählt, um zwischen himmlischer Vernunft und Euch irdischen Aufklärern in meinem Namen zu vermitteln.

 

Ich soll Euch zu einem neuen Verständnis der ewigen Wahrheit aufzurufen. Dabei darf ich Euch nach Weisung Jesus bzw. himmlischer Vernunft jedoch keineswegs vorschreiben, was und wie ihr die himmlische Stimme, verstehen sollt. Nur dazu aufzufordern, den ganzen Geist der Geschichte zusammenzunehmen um neu zu hören, ist mein himmlischer Auftrag.

 

Gerade das Weihnachtsfest sollte Anlass sein, Euch zur Be-sinnung zu rufen, neu nach dem Sinn allen Seins/dem Logos allen Lebens suchen zu lassen. Denn wie Euch inzwischen bekannt, feiern wir nicht den Geburtstag eines vor 2000 Jahren geborenen Che Guevara der Antike, gemixt mit Bin Laden, Martin Luther und Mutter Teresa, sondern der Vernunft Gottes in menschlicher Person. Und dieses Weihnachts-Geschenk, das Präsent werden der schöpferischen Person soll ich Euch bringen.

 

Warum es „höchste“ Zeit ist, dass die himmlische Stimme wieder verstanden wird, hat bereits Johannes versucht zu begründen. Die theologische Nacht kann kaum dunkler werden. Bereits zu Lebzeiten habe ich das doch längst zum Thema gemacht. Doch hier im Himmel hat man mir jetzt die Logik der christlichen Lehre nachgewiesen. Es wurde mir verständlich gemacht, dass die Menschen nur durch die Vernunft Gottes zur Vernunft zu bringen sind. Doch keine christliche Religion, die selbst die Vernunft verloren hat, kann diese Aufgabe erfüllen. Und weil es angesichts aller Entwicklung auf Erden höchste Zeit, ist dass sich die Menschen wieder auf das Wort/eine höhere Vernunft be-sinnen, ist es mir bei allen geflügelten Worten himmlisch Ernst.

 

Hier im Himmel ist mir klar geworden, dass sich meine Hoffnung auf Freiheit und Nutzung des wissenschaftlichen Fortschritts nur erfüllen lässt, wenn den Menschen dazu auch gemeinsam die geistige Fähigkeit gegeben ist. Alle andere wäre unerfüllbare Utopie. Es macht mich traurig, wenn ich sehe, wie die einst Autonomen meinen, heute die Menschen mit Gesetzen und menschlichen Autoritäten die Menschen zur Vernunft bringen zu können. Soziale Hoffnungen und weltweite Gleichgewichte lassen sich – wie von oben aus deutlich zu sehen ist – nicht ohne einen geistigen Fortschritt herbeiführen, der nur als göttliche Fügung und Erfüllung alter Hoffnungen verwirklicht werden kann. Ist doch der denkende Zweibeiner ist seit seiner Menschwerdung darauf angewiesen, in Anknüpfung an das Denken seiner Ahnen eine höhere Ordnung/Vernunft zu erkennen, der er sich unterordnen und der seine menschliche Vernunft verpflichtet ist.

 

Hier im Himmel herrscht ein vernünftige Ordnung. Die Abkömmlinge der verschiedenen Kulturen haben längst ihren gemeinsamen Kern erkannt. Auch wenn die verschiedenartigen Kulturformen selbst im Himmel noch weitergeführt werden, so wird doch der gemeinsame, ewig sprechende Autor des gesamten Alles anerkannt. Ihr werdet verstehen, dass daraus ein wahrhaft himmlisches Verständnis entstanden ist. Glaube hat hier nichts mehr mit Aber-glaube trotzdem, aufgrund der Wirkungsgeschichte, wegen des Placebo, weil’s immer so schön war, vorgesetzt wurde...zu tun. Glaube und Wissen sind eins und geben den Himmelsbewohnern die Wegweisung fürs tägliche Leben.

 

Als gestern z.B. die sicher nicht einfache Frage nach der himmlischen Handhabung der Gentechnik aufkam, wurden die besten Wissenschaftler ausgewählt. Erst nach einwöchigen Exerzitien und dreistündigem lautem Morgengebet durften sie völlig frei von Egoismen im Sinne himmlischer Vernunft entscheiden. Alle Vor- und Nachteile haben sie losgelöst von Vorurteilen abgewogen, bevor sie dann im Namen des Gotteswortes zu einer Entscheidung gekommen sind, daraus ein Gesetz gemacht haben. Und auch dieses durfte nur in einer sich selbst auflösenden himmlischen Tinte geschrieben werden, damit in Kürze neu nachgedacht wird, keine Gesetzlichkeit zum Selbstzweck wird.

 

Den Himmelsbewohner ist ihre schöpferische Verant-wort-ung bewusst. Mit all ihrem Vermögen tragen sie in gemeinsamer Konkurrenz zur wahren Ökonomie bei. Sie arbeiten um einer schöpferischen Vernunft zu dienen, d.h. Zukunft zu gestalten, höchst wirtschaftlich nach dem Euch bekannten ökonomischen Prinzip. (Ohne sich dabei un-wirschaftlich im Wege zu stehen, gegenseitig zu vernichten oder auch nur die Butter vom Brot zu nehmen und sich vor der Verantwortung bzw. Arbeit drücken zu wollen.) Und den Verdienst bringen sie begeistert und voller Lust in Sinne eines himmlischen Logos ein. Die Lust wird hier bei uns keineswegs verleugnet, sondern ist längst an der übergeordneten Vernunft ausgerichtet. Ich denke, dass Eure Phantasie reicht, Euch das Leben im wachen Bewusstsein eines übergeordneten Logos auszumalen. Doch denkt bitte nicht, dass das nur Himmelsträume wären. Auch wenn ich in meiner himmlische Darstellung ein Idealbild gemalt habe, so geht es um eine ganz irdische Angelegenheit. Wenn Ihr in den SPIEGEL Eurer irdischen Entwicklung seht, könnt Ihr doch am besten erkennen, wie dringend not-wendig die neue Wahrnehmung einer übergeordneten Sinngebung ist. Und wenn Ihr alles kulturelle Wissen, von dem wir Woche für Woche schreiben, zusammennehmt, kann Euch doch klar werden, dass eine Verhaltendänderung ohne himmlische Erkenntnis eine uneinlösbare Utopie bleibt. Wovon die Väter der Aufklärung träumten und was sich zu deren Zeit noch nicht einlösen ließ, kann heute nicht nur im Himmel durch die freie Wahrnehmung eines gemeinsamen Logos/übergeordneter schöpferischer Vernunft wahr werden. Man sagt hier: Zur Vermittlung irdischer dieser Vernunft bzw. zum Aufruf zu einem neuen kritisch-analytischen Verständnis alter Wahrheiten sei gerade unser Wochenblatt das beste Medium. Und: wir sollten nicht länger warten.

 

Wie wichtig das Verständnis einer gemeinsamen Vernunft wäre, ist aus himmlischer Sicht besonders gut zu erkenne: Wenn Arbeitslosigkeit beklagt wird, dann haben die Menschen den SINN/Logos schöpferischer Tätigkeit verloren. Der Abbau von Sozialnormen, die unsere Väter voller Stolz eingeführt haben, geht doch nur auf das Konto eines zum Selbst-zweck verkommenen un-menschlichen Geistes. Wenn Ihr die Zukunftsprobleme nicht löst und Euch statt dessen arbeitslos macht, dann fehlt es nicht am Geld, sondern am Geist. Wenn Ihr im Namen der Wirtschaft in Wirklichkeit nur Un-wirtschaftlichkeit betreibt, dann haben die Menschen den Verstand für ein Wort verloren, das zur wahren Öko-nomie führen würde. Und auch das Öko-logische Leben lässt sich nicht durch gegenseitige Anmahnungen herbeiführen. Es bedarf der Wahrnehmung eines schöpferischen Logos, wie er doch gerade in der ökologischen Lehre besonders deutlich Zutage tritt.

 

-Wenn nur noch einige im mittelalterlichen Glauben gefangene jungen Mohammedaner meinen, mit Massenmorden die Welt vor westlicher Dekadenz retten zu können;

 

-wenn die westlichen Intellektuellen, die sonst alles Wissen – selbst den Verfall vorausberechnen und die Auswirkungen unseres unvernünftigen Verhaltens konkret kennen - den Geist aufgegeben, sich dem Irrsinn ergeben haben;

 

-wenn die Kirche nur noch banale inhaltslose Plakate klebt, um auf sich aufmerksam zu machen, sich auf Altenpflege und karitative Aufgaben zurückzieht, nur hier ihre Legitimation sieht;

 

-wenn die Theologe längst nicht mehr als Wissenschaft ernst genommen wird, Jesus selbst bei Gläubigen nur noch eine unbedeutende Worthülse für eine Innerlichkeit ist, sich darüber nicht nachdenken lässt;

 

.wenn der Glaube zur Gefahr für die Menschen geworden ist, als Inbegriff gestriger Unvernunft den Frieden bedroht, statt die Menschen zur Vernunft zu bringen;

 

-wenn sich die Welt arbeitslos meldet, statt die zahlreichen Aufgaben der Zukunft zu lösen;

 

-wenn den Kindern auf kannibalistische Weise die Rohstoffe weggefressen werden, nur ewig strahlender Atomabfall hinterlassen wird;

 

-wenn sich der Geist der Welt nicht weiter, sonder zurückentwickelt;

 

-wenn eine objektive Entscheidung über die Problemlösungen kaum mehr möglich ist, z.B. das voreingenommene Denken nicht mehr be-stimmen lässt, ob menschliche Einwirkungen oder rein ökologische Auswirkungen zur Klimaveränderungen beitragen;

 

-wenn die säklare Geistlichkeit, die eigentlich für die Software der Gesellschaft verantwortlich ist, der Gesellschaft den Verfall der Werte in die Schuhe schiebt;

 

-wenn aus allen theologischen Betrachtungen das Bewusstsein eines real handelnden Schöpfers verschwunden ist...

 

-wenn in einer global denkenden und handelnden Welt notwendigerweise nach einem gemeinsamen Ethos gerufen wird, der jedoch nur auf kulturellen Mehrheitsmeinungen, nicht auf das gem-ein-same schöpferische Wort gründet;

 

-wenn die westliche Welt in der Art von Fassbinders Klein Oskar das Wachstum verweigert, die Deflationsspirale nur zum Abbau von Fortschritt führt;

 

 

....dann reicht es nicht, nur in der Art moderner Pharisäer die Probleme anzumahnen, sondern muss gehandelt, der Geist der Aufklärung weiterentwickelt werden. 

 

Die heutige Theologie zur Verant-wortung rufen zu wollen, reicht nicht. Sie wird nicht nur nicht mehr ernst genommen, sondern nimmt sich selbst nicht mehr ernst. Sie erkennt ihre Aufgabe im Gesamtgeschehen längst nicht mehr, hat sich aus dem Geist der Gesellschaft ausgeklinkt.

 

Und wie soll ein junger Theologe, der mit einem festgefahrenen Weltbild aufgewachsen ist zur einer Autonomität finden, die Euch gegeben ist. Wer mit der Schaufel in Palästina nach den Knochen eines Wanderpredigers gegraben hat, wem nur das Buch als einzige Autorist in die Hand gegeben wurde, der wird kaum dazu fähig sein, in der Kreativität des Kosmos das lebendige Gotteswort verstehen zu können. Wenn sich eine Dissertation erlauben würde, in anderer Weise als im vorgesetzten Denkrahmen heutiger Hypothese den Gottessohn sehen zu wollen, man würde den Verfasser für völlig verrückt erklären. Die Verantwortung, den Logos Gottes auf neue Weise wahrzunehmen liegt bei Euch. Denn nur Euch ist dazu die Denkfreiheit gegeben.

 

Auch den Naturwissenschaftler, die von Kind auf gelernt haben, in Ihrem Denken nichts von Gott und seinem Handeln sehen zu können oder zu wollen, fehlt die Freiheit, die Euch Außenstehenden gegeben ist. Wer Mathematik ewig nur als Rechenwerk betrachtet, die Biologie nur als Naturlehre, der kann nicht plötzlich auf die Idee kommen, im kosmischen Geschehen eine universale Vernunft zu verstehen, wie das in der Antike ganz selbstverständlich vorausgesetzt wurde, theologische Tagesordnung war.

 

 

Wer sonst als Ihr autonomen Aufklärungsdenker kann diese Aufgabe erfüllen, die himmlische Vernunft zur Erde zu holen?

Wer sonst als Ihr besitzt die Fähigkeit, das schöpferische Wort auf neue Weise wahrzunehmen?

 

Mein himmlischer Weihnachtswunsch: befreit Euch von alten Vorstellungen, werdet zu wirklich autonomen Denkern. Setzt das „Unternehmen Aufklärung“ in meinem Sinne fort, fragt neu auf kritisch analytische Weise nach den Wurzeln des westlichen Denkens.

 

 

 

Frohe Weihnachten wünscht

 

 

Eurer Aufklärugsengel