Gerhard  Mentzel                                                                           Schänzelstraße 9

 Tel. 06327 5449                                                             67377  Gommersheim

 

                        3. Juni 1996

 

DER SPIEGEL

Redaktion

Brandstwiete 19

 

2o457 Hamburg       

 

 

 

 

Leserbrief:  "Gesucht: Ein Mensch namens Jesus."

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

der Spiegel ist Zeuge, daß die Zeit für ein völlig neues Verständnis (einen allgemeingültigen Verstand) von Jesus reif ist. Nicht der Abschied von Jesus, sondern der Neuanfang steht auf der Tagesordnung der Theologie.

 

Schriftgelehrte suchen den Lebendigen bei den Toden. Sie suchen nach einem Menschen bzw. dessen Lehre, ohne daß der lebendige LOGOS gesehen wird.  Statt in der schöpferische Vernunft, im natürlichen Prozeß allen Werdens das WORT Gottes, logisch, sinngebende Schöpfung zu erkennen, (schöpferisches ER-zeugnis, Gottes-sohn, Logos) wird vermutet, daß man einem Menschen Worte der alten Lehre in den Mund gelegt oder ihm bestimmte Titel verliehen  hat.

 

Wie sollen wir die von Menschen geschriebene Bibel für wahr halten, hierin gar Gotteswort sehen, wenn wir die neue Erkenntnis (in der Gestalt Jesus begreifbar gewordene Gnosis, schöpferisches GottesWORT) als Grundlage des neuen Bewußtseins nicht wahrnehmen? Wie können wir über die Wahrheit der Geschichte Jesus urteilen, wenn wir hierin nicht die Historie des neuen Geistes erkennen? Es wird von einer Legende gesprochen, ohne in dem bereits von Platon gelehrten LOGOS das Grund-legende zu sehen, das über die alte Lehre weit hinausgeht, nicht vor-gesetzt wird, sondern die Menschen zur Erkenntnis im Verstand befähigt.

 

Die Leere, in der die Schriftgelehrten sich bewegen, wird in dem Streit um den Papyrusfetzen auf den Punkt gebracht.  Ohne die Erkenntnis des ewig lebendigen Logos als die wesen-tliche historische Gestalt, die von den Evangelisten beschrieben ist, sich hinter der notwendigen Maske des Menschen verbirgt, wird die ganze Bibel-lese zur banalen Beliebigkeit individueller Lehren und Auslegungen. Sie wird allenfalls als von Menschen verfaßte Moralpredigt verstanden, nicht mehr zeitgemäß, oder irgendeine unbegreifliche innere Eingebung.

 

Ist es nicht höchste Zeit, neu nach der geistigen Grundlage zu fragen, der Q-uelle  des "Neuen" Testamtentes, die sich hinter der Spruchsammlung verbirgt? Einer neuen Synthese von WORT und WISSEN? Keinen unfaßbaren kosmischen Christus, losgelöst von der historischen Gestalt gilt es wahrzunehmen, keine individuelle Eingebung und kein Aber-Glaube (trotzdem) aufgrund von Vor-Gesetz-tem.

 

Müssen wir nicht vielmehr dem menschlich begreifbaren LOGOS, der schöpferischen Vernunft und Ordnung, die uns so zu einem kollektiven Gottesbewußtsein und zur globalen Vernuft bringen kann, neue Gestalt verleihen? Den historischen Jesus hierzu neu verstehen?

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Zeitgenossen, die hierzu reale Erkenntnisse beisteuern oder falsche Vorstellungen ausräumen können, sind gesucht.

 

 

 

 

Gerhard Mentzel