Gerhard Mentzel Schänzelstraße 9
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3. Juni 1996
DER SPIEGEL
Redaktion
Brandstwiete 19
2o457 Hamburg
Leserbrief: "Gesucht: Ein Mensch namens
Jesus."
Sehr geehrte Damen und
Herren,
der Spiegel ist Zeuge, daß
die Zeit für ein völlig neues Verständnis (einen allgemeingültigen Verstand)
von Jesus reif ist. Nicht der Abschied von Jesus, sondern der Neuanfang steht
auf der Tagesordnung der Theologie.
Schriftgelehrte suchen den
Lebendigen bei den Toden. Sie suchen nach einem Menschen bzw. dessen Lehre,
ohne daß der lebendige LOGOS gesehen wird.
Statt in der schöpferische Vernunft, im natürlichen Prozeß allen Werdens
das WORT Gottes, logisch, sinngebende Schöpfung zu erkennen, (schöpferisches
ER-zeugnis, Gottes-sohn, Logos) wird vermutet, daß man einem Menschen Worte der
alten Lehre in den Mund gelegt oder ihm bestimmte Titel verliehen hat.
Wie sollen wir die von
Menschen geschriebene Bibel für wahr halten, hierin gar Gotteswort sehen, wenn
wir die neue Erkenntnis (in der Gestalt Jesus begreifbar gewordene Gnosis,
schöpferisches GottesWORT) als Grundlage des neuen Bewußtseins nicht
wahrnehmen? Wie können wir über die Wahrheit der Geschichte Jesus urteilen,
wenn wir hierin nicht die Historie des neuen Geistes erkennen? Es wird von
einer Legende gesprochen, ohne in dem bereits von Platon gelehrten LOGOS das
Grund-legende zu sehen, das über die alte Lehre weit hinausgeht, nicht
vor-gesetzt wird, sondern die Menschen zur Erkenntnis im Verstand befähigt.
Die Leere, in der die Schriftgelehrten
sich bewegen, wird in dem Streit um den Papyrusfetzen auf den Punkt
gebracht. Ohne die Erkenntnis des ewig
lebendigen Logos als die wesen-tliche historische Gestalt, die von den
Evangelisten beschrieben ist, sich hinter der notwendigen Maske des Menschen
verbirgt, wird die ganze Bibel-lese zur banalen Beliebigkeit individueller
Lehren und Auslegungen. Sie wird allenfalls als von Menschen verfaßte
Moralpredigt verstanden, nicht mehr zeitgemäß, oder irgendeine unbegreifliche
innere Eingebung.
Ist es nicht höchste Zeit,
neu nach der geistigen Grundlage zu fragen, der Q-uelle des "Neuen" Testamtentes, die sich
hinter der Spruchsammlung verbirgt? Einer neuen Synthese von WORT und WISSEN?
Keinen unfaßbaren kosmischen Christus, losgelöst von der historischen Gestalt
gilt es wahrzunehmen, keine individuelle Eingebung und kein Aber-Glaube
(trotzdem) aufgrund von Vor-Gesetz-tem.
Müssen wir nicht vielmehr dem
menschlich begreifbaren LOGOS, der schöpferischen Vernunft und Ordnung, die uns
so zu einem kollektiven Gottesbewußtsein und zur globalen Vernuft bringen kann,
neue Gestalt verleihen? Den historischen Jesus hierzu neu verstehen?
.
Zeitgenossen, die hierzu
reale Erkenntnisse beisteuern oder falsche Vorstellungen ausräumen können, sind
gesucht.
Gerhard Mentzel