Gerhard Mentzel
Schänzelstraße 9
67377 Gommersheim 16. Dezember 1999
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Leserbrief zum
Spiegel-Gespräch “Ist Jesus dem Glauben im Weg?”
Sehr geehrte Damen und
Herren,
Augstein und seine Jesus
verneinende Anhänger sehe ich einst auf Ehrenplätzen im Himmel sitzen. Sie sind
die Einzigen, die das Problem unseres Glaubens zum Ausdruck bringen. Sie machen
den Weg frei für ein dringend not-wendiges neues Verständnis von Jesus.
Die Kirche heute, ebenso wie
ihre Kritiker halten den historischen Jesus für einen Menschen und stellen
daneben eine von Menschen gemachte Kunstfigur, den sog. Christus des Glaubens.
Doch was war das Wesen wirklich, in dem Philosophen und Theologen vor 2000
Jahren die Offenbarung des monotheistischen Gottes, Grundlage eines neuen
universalen Gottesbewußtseins sahen?
Was hatten die Verfasser der
Evangelien und theologischen Briefe ebenso wie die jüdischen und christlichen
Apologeten bzw. Kirchenväter vor Augen, wenn sie vom präexistenten Sohn Gottes,
einem in allem Werden sichtbaren Wort oder einen lebendigen Logos sprachen?
Aus unserem beschränkten
Blickfeld heraus gehen wir davon aus, die damaligen Denker hätten nur einen
jungen Wanderprediger verherrlicht. Doch beschreiben uns nicht gerade die
Kirchenväter das Gegenteil? In Ihren Apologien machen sie deutlich, warum es damals
der vernünftige und not-wendige Weg war, das von den griechischen Denkern Logos
und den jüdischen Weisheitslehrern Wort Gottes genannte Wesen den Menschen als
Wanderprediger verständlich zu machen.
Welche Wende unserer Glaubensnot würde es bringen, wenn wir heute statt
eines vergötterten Wanderpredigers den von den antiken Theologen beschriebene
Logos/Wort als das geschichtliche Wesen des damals neuen christlichen Glaubens
wahrnehmen würden?
Den menschliche
Wanderprediger als historisches Wesen bräuchten wir nicht zu verneinen. Er wäre
neu zu verstehen. Die Aussagen der Bibel könnten wir auf neue Weise wieder
wörtlich zu nehmen. Jesus hätte die Bedeutung, die in der Bibel beschrieben
wird.
Ihr Gespräch mit dem
Neutestamentler Lindemann bringt die Situation unseres Glaubens auf den Punkt:
Unser christliches Gottesbewußtsein hat nichts mehr zu verlieren. Wir können
nur gewinnen.