Am Anfang war das WORT

 

 

(Ein vor vielen Jahren verfasster Text, der noch zu korrigieren und überarbeitne wäre. Gleichzeitig bieten die in seinem Buch über das Johnannesevangeliium von Prof. Berger gemachten Feststellungen noch viele Anregngen zur Antwort.)

 

1. Auf welches WORT bezieht Johannes seinen Glauben an Gott?

 

Die Datierung und Theologie des vierten Evangeliums ist umstritten. Bisher galt das Johannesevangelium als das späteste. Der Verfasser sollte 100 Jahre nach Christus geschrieben und im Streit mit Gnosis gelegen haben, evtl. selbst Gnostiker gewesen sein. Entsprechend galt das Evangelium nach Johannes für die historische Betrachtung des Leben Jesus als wertlos.

 

Der Heidelberger Professor Klaus Berger trug nun Belege zusammen, die beweisen, daß das Johannesevangelium schon viel früher verfaßt wurde. Der anerkannte Exegete, der Autor zahlreicher theologischer Bücher ist, zeigt ein neues Profil des Johannes, der so zeitlich neben den Syoptikern zu stehen kommt. Die Ausführungen seines Buches "Im Anfang war Johannes" sind für mich allerdings weit mehr als eine neue Zeitbestimmung zur Verfassung des vierten Evangeliums, das so zum ersten wird. In den Gedanken seines Buches sowie der neuen Bedeutung des Johannes belegt Berger, daß die Präsenz Gottes in Jesus das eigentliche Wesen ist, das dem Neuen Testament zugrunde liegt. Es geht um den LOGOS, das schöpferische WORT und nicht um einen von Theologen später so genannten charismatischen Wanderprediger. Was Johannes, Paulus ebenso wie die Synoptiker auszeichnet, ist die im lebendigen LOGOS neu erfahrende Gottespräsenz.

 

Dieses "Präsent" sein Gottes durch den Sohn, als WORT, wie es im gesamten schöpferischen Werden zu hören ist, gilt es neue bewußt zu machen. Es ist das Wesen, von dem das Neue Testament handelt. Das Westliche ist nicht der Wanderprediger, sondern das lebendige WORT Gottes.

 

Die von Johannes bezeugt hohe Christologie ist Voraussetzung für die Bilder, die von den Synoptikern in der Leidengeschichte des LOGOS lebendig werden und nicht umgekehrt. Die Christologie ist keine frühkirchliche Verherrlichung ihres fiktiven Religionsgründers, sondern sie ist der Grund, auf den die Aussagen der Evangelisten bzw. das neue christliche Gottesverständnis gebaut sind.

 

Wenn bei einem Haus der Boden abgegraben wird, dann bricht es zusammen. Ebenso ist es bei einem geistigen Gebäude, wie der christlichen Lehre, deren Verfall wir heute erleben.
Die Begründung unseres Evangeliums können nicht allein die Texte der Bibel sein, sondern das lebendige WORT, das sich in der Kreativität des gesamten Kosmos ausdrückt. Dieses WORT stand am Anfang und wird immer seine Gültigkeit haben. Auf dieses WORT will ich bauen. An diesem WORT will ich mein Handeln ausrichten und meine Hoffnung auf eine kreative Weiterentwicklung festmachen. 

 

Das WORT Gottes, das am Anfang allen Lebens stand und steht ist nicht der durch frühe mosianische Weisheit (die dieses WORT auf ihre Weise bereits viel früher wahrnahm) verfaßte Genesistext, von dem in der Bibel berichtet wird, sondern die lebendige Genesis. Sie war am Anfang, ist jetzt und wird immer und ewig unser Dasein bestimmen. Dies ist die Stimme Gottes, die mir Be-stimm-ung gibt. Hier drückt sich das WORT Gottes aus. Wenn wir dem christlichen Glauben, bzw. dem was über Jesus geschrieben steht, neuen Grund geben wollen, müssen den chrarismatischen Wanderprediger begründen, indem wir bewußt machen, was damals in den verschiedenen gnostischen Strömungen und philosophischen Schulen als WORT Gottes verstanden wurde und warum es richtig war, diesen ewigen lebendigen LOGOS in der Gestalt des Wanderpredigers der Allgemeinheit verständlich zu machen sowie dieses Verständnis vor Verflüchtigung zu bewahren.

 

Am Anfang steht das WORT, die Genesis. Doch im Gegensatz zur derzeitigen Theologie, die den christlichen Glauben nur noch in alten jüdischen Texten oder undefinierbaren inneren Stimmen bzw. charismatischen Eingebungen  begründet sieht, gehe ich davon aus, daß die syrischen Weisheitslehrer, denen wir das Neue Testament verdanken, das lebendige WORT Gottes erkannt und verstanden haben.

 

Um dieses WORT zu hören war es wichtig, das jüdische Gottesverständnis zu kennen, sich von dessen Traditionstexten begeistern und leiten zu lassen. Nur so war in den neuen Philosophien das WORT Gottes zu vernehmen. Ebenso entspricht es der schöpferischen Logik, daß die Verfasser des Neuen Testamentes die jüdischen Traditionstexte wieder lebendig werden ließen, ihnen neue Bedeutung gaben und sie oft wörtlich übernahmen. Doch die alten Texte sind nicht der LOGOS, der in Jesus lebendig wurde, sie sind nicht das neue WORT Gottes persönlich. Das Fundament des christlichen Glaubens ist das WORT Gottes. Fundamentalismus im wirklichen Sinne wäre nicht die wörtliche bzw. buchstabengetreue Übernahme und Bewahrung alter Texte, sondern würde auf das WORT selbst bauen.

 

Das Verständnis des lebendigen WORTES setzte sich mit dem traditionellen vor-gesetzten Glauben in vielfacher Weise auseinander. Die Lebensgeschichte Jesus ist voll davon. Doch das neue Verständnis nimmt den alten Texten nicht die Begründung, sondern bringt deren Erneuerung. Nicht Abriß oder Zusammenfall des alten Glaubensgebäudes geht vom Verständnis des lebendigen WORTES aus, sondern Erfüllung.

 

"Wer es wagt, mit allen Konsequenzen das Johannes-Evangelium an den Anfang der Evangelien-Entwicklung zu setzen, muß so weit gelangt sein, daß er vor nichts irdischem mehr Angst hat" sagt  Berger in seinem Vorwort. Doch warum sollten wir uns fürchten. Die Folge dieser neuen Erkenntnis ist: der historische Jesus, das Fundament unseres Glaubens, wie es in den alten Geschichten beschrieben wird, lebt wirklich. Das WORT Gottes kann wieder verstanden werden.

 

2. Theologische Wende vom Gesetz zum lebendigen WORT

 

Die Theologische Wende, die das lebendige schöpferische WORT an den Anfang stellt, bedeutet keineswegs die Verleugnung des charismatischen Wanderpredigers. Wenn wir das Johannesevangelium jetzt weitaus ernster nehmen, als dies bisher geschah, dann brauchen wir auch die synoptischen Evangelien nicht zu vernachlässigen. Der lebendige LOGOS wurde von den verschiedenen Weisheitslehrern nur auf verschiedene Weise gesehen und verfaßt. Die neue Deutung gibt der Gestalt des charismatischen Wanderpredigers, die wir weiterhin zum bildhaften Verstehen und zur mitfühlenden Vorstellung brauchen, erst die messianische Bedeutung, die ihm die Vertreter des Gesetzes nach wie vor absprechen. Auch wenn sich die Vertreter des Gesetzes Christen nennen und aufgrund der vor-gesetzten Texte Jesus anbeten, sie verleugnen ihn, solange sie in ihm nicht das lebendige WORT wahrnehmen.

 

Die bisherige Leben Jesus Forschung ging von einem tief eingeprägten Bild des Menschen Jesus von Nazareth aus. Der neue, erhöhte Ausgangspunkt bietet völlig neue Perspektiven, ohne von der Realität abzuheben. Es geht nicht um eine Vergeisterung, wie sie in den unzähligen Auslegungen zu Johannestexten oft festzustellen ist, sondern ein festes Fundament.

Dabei erscheint es wichtig, das derzeitige theologische Denken dort abzuholen wo es steht. Eine visionäre Gnosis von einem kosmischen Christus macht erst einen reifen Sinn, wenn wir darin den geschichtlichen Jesus von Nazareth sehen. Erst so erkennen wir die Dimension, die uns die neue Glaubensgrundlage bietet und die als Heilswirkung unseres Heilandes in der Bibel beschrieben ist. 

 

Solange wir in dem geschilderten Wanderprediger ohne "wenn und aber" das WORT Gottes wahrnahmen, das was uns vor-gesetzt wurde nicht weiter hinterfragten, war es weder notwendig noch die Zeit reif für die theologische Wende. Doch seit der Zeit sog. Aufklärung, für die in der Leben Jesus Forschung der Name von David Friedrich Strauß steht, denken wir in Wirklichkeit, daß in Jesus nur ein Wanderprediger, ein Mensch wie "ich und Du" verherrlicht wurde. Messias ist dann für uns ein theologischer Titel. Von der messianischen Tatsache, der Erfüllung der jüdischen Glaubenstexte, einer neuen Begründung der alten Traditionsberichte und einer Befreiung vom Unverstand spricht niemand mehr. Wir hängen sklavisch am Bild des Menschen Jesus, dessen Bedeutung von Tag zu Tag mehr schwindet. Statt zu verstehen, was hinter dem Bild steht, wird alles was nach bisheriger Sicht zur Verherrlichung des Menschen dient, dem Verstand geopfert. Prof. Lüdemann, der jetzt auch noch die Auferstehung Jesus abstreitet, spricht nur aus, was die meisten Teilnehmer des theologischen Studientages längst insgeheim denken. Da hilft es auch nichts, daß Prof. Berger, der zusammen mit dem katholischen Theologen Staudinger zu den weiteren Referenten gehörte, sich auf den Mythos berief, der bewahrt werden müsse. Nach der theologischen Wende zum WORT als eigentlichen Anfang, werden die Tatsache der Auferstehung verstehen.

 

3. Jesus: weder Mythos, noch Idee, sondern lebendiges WORT

 

Vielfach wird das Johannesevangelium als Darstellung einer Idee gelesen, in dem es nicht um die historische Wahrheit ginge. Doch wenn wir vom lebendigen WORT ausgehen, dann begreifen wir die uns in den verschieden Evangelien geschilderten Geschichten neu als geistesgeschichtliche Wahrheit. Das religionsgeschichtliche Milieu, dem die neue Gnosis entsprang war weder nur heidnisch-hellinistischer Mythos noch nur pure Übernahme alter jüdischer Traditionstexte. In der damaligen Geistesgeschichte hat sich wirklich etwas getan. Die jüdisch geprägte Philosophie der Kaiserzeit hat in der Synthese von jüdischem und griechischem Denken eine neue reale Glaubensgrundlage hervorgebracht. Nur durch diese Synthese läßt sich logischerweise der Kreativitätsprozeß erklären, ohne den es keine neue geistige Kreation gegeben hätte. Und doch ist diese Kreation kein rein denkerisch-philosophisches Produkt. Das Licht des LOGOS, das den menschlichen Geist erhellt ist kein menschliches Gebilde, sondern eine schöpferische Tat-sache. Es geht nicht um menschliche Ideen bzw. Ideale, sondern die schöpferische Vernunft, die hinter der Kreativität des gesamten kosmischen Geschehens zu erkennen ist und dem menschlichen Bewußtsein zugänglich gemacht werden kann: Hell, wo es vorher dunkel war, Offenbarungsgeschehen durch das Licht des LOGOS, des lebendigen WORTES.

 

Ob Johannes eine spezielle Form von Gnostizismus ist, evtl. gar dem Mandäismus entspringt, wie z.B. Bultmann annahm, oder ob er aus dem jüdisch geprägten philosophischen Denken entstanden ist,  läßt sich auf einen Nenner bringen: allem liegt das lebendige WORT zugrunde. Nicht religiös-mythologische Strömungen oder philosophische Ideen liefern die Grundlage, sondern das reale schöpferische Geschehen, das lebendige WORT. Es geht nicht um die Wahrnehmung innere Stimmen, die evt. in besonderen Geisteszuständen gehört werden, sondern um die Wahrnehmnung einer schöpferische Tat-sache die unserem Verstand in neuer Weise zugänglich gemacht werden kann. 

 

4. Das lebendige WORT befähigte zu schreiben und zu lesen

 

Prof. Berger macht darauf aufmerksam, daß es einen Biblizismus im alten Judentum nicht gegeben hätte. Erst in den Texten von Qumran und im Neuen Testament wird mit der Auslegung alter Texte begonnen. Auch  Philo von Alexandrien, wenige Jahre vor der Zeitenwende, begann die alten Texte zu zitieren und als großartige Allegorie zu interpredieren. Berger will so belegen, daß das Johannesevangelium nicht eine reine Sammlung von  Anspielungen auf das Alte Testament, die synoptischen Evangelien oder gar geheimen universellen Verschlüsselungen ist.

 

Es sei problematisch, wenn die Bezugnahme auf Geschriebenes die einzige Dimension geistiger Beziehungen sei. Alles andere gar nicht erst diskutiert werde. Doch was war es, daß die Menschen damals befähigt hat neu zu schreiben, auch wenn dabei alte Texte eingebaut und somit belegt wurden? Der Beleg kann nicht die alte Literatur selbst sein, sondern nur der lebendige LOGOS. Das schöpferische WORT war auch die Voraussetzung, um die alten Texte neu zu verstehen. Philo von Alexandrien hat die jüdischen Traditionstexte nicht blind übernommen. Erst sein philosophisches Verständnis vom sinnvollen Werden aller Welt, vom Verstand Gottes  (LOGOS, WORT ) hat ihn zum Biblizismus befähigt und veranlaßt zu schreiben. Ich bin gewiß, daß auch die Weisheitslehrer in Antiochien nicht nur Wanderlogien, Traditionen, Sprichwörter und Floskeln zusammengefaßt und zur Leben Jesus Geschichte verarbeitet haben. Ihre Grundlage war keine von  Menschen verfaßte Wanderpredigt, sondern das lebendige WORT.

 

"Im Anfang war das WORT", dies sei eine allseits bekannte Anspielung des Evangelisten, auf die jüdischen Genesistexte, durch diese Aussage denkt Prof. Berger die Diskussion positiv vorantreiben zu können. Das Recht Gottes auf den Kosmos sei der theologische Angelpunkt des Johannesprologes. Damit trifft Berger m.E. den Kern. Doch bei der Deutung des Prologes, dem Bekenntnis zum Schöpfer, das auch allen gnosischen Texten vorangestellt wird, trennen sich unsere Wege gewaltig.

 

Der eigentliche Pro-log, was der Vorrede vorausgeht, ist nicht der Traditionstext, sondern das Bekenntnis zum lebendigen WORT Gottes. Die Bekenntnis zu den jüdischen Texten setzt voraus, daß der Verfaßter Kenntnis vom lebendigen WORTE  hat. Ohne das Vorausgehen, einer Kenntnis vom schöpferischen (neu: vernünftigen) Handeln des einen Gottes, dem wir das gesamte Universum verdanken, dessen WORT alles Wachsen und Werden be-stimmt, verlieren die neuen Texte ihre Be-deutung.

 

Wenn Johannes bekennt, daß am Anfang das WORT war, dann kann er damit nicht die jüdischen Texte im Auge haben. Das kosmische Handeln ist das Präsent sein Gottes im Sohn, das neu gesehen wurde. Nur in der Tat liegt die Tatsache Gottes, nur in seinem Wirken die Wirklichkeit. Ohne einen Schöpferischen Autor verlieren alle Traditonstexte ihre Autorität.

 

Das "christliche" Bekenntnis zum Bibelwort setzt die Kenntnis des schöpferischen WORTES voraus. Alle gnostischen Strömungen, philosophischen Erkenntnisse und jüdische Weisheiten setzen zu Recht das vernünftige universelle kosmische Wirken des einen Gottes Voraus.  Doch in Jesus ist dieses schöpferische Wirken nicht nur aus alter Literatur übernommen, sondern in einer neuen Dimension erfahren bzw. als universeller LOGOS  geworden. Christlicher Glaube war und ist die Wahrnehmung des lebendigen schöpferischen WORTES. Solange wir uns nur auf Buchtexte berufen, bleiben wir Juden, mit all den Problemen, die bereits in der mit Paulus (der ohne das lebendige WORT wieder zum Saulus wird) umschriebenen neuen Theologie im reinen Gesetzesglaube gesehen wurden.

 

5. Suchen wo wir verloren haben!

 

Wer seine Autoschlüssel im Garten verloren hat, der kann noch so viel im Haus suchen. Das einzige was er dort findet ist die Erkenntnis, daß sie hier nicht sind. Genauso verhält es sich auch mit dem Schlüssel zum christlichen Glauben.

 

Nur sehe besteht derzeit die Gefahr, daß heutige Theologen, Naturwissenschaftler und Philosophen aufgrund ihrer langjährigen vergeblichen Suche behaupten, es hätte gar keinen Schlüssel gegeben: Alles seien nur alte Texte, neu verfaßt. Jesus entweder nur rein religiöse Fiktion oder nicht mehr als ein gutgläubiger charismatischer junger Jude, dessen prophetische Predigt eine neue Bewegung auslöste.

 

Wenn am Anfang aller Schöpfung das WORT Gottes steht, und am Anfang aller menschlichen Erkenntnis das Verständnis dieses WORTES, auf was warten wir denn?

 

Warum suchen wir bei den Toden, wenn Jesus lebt? Warum suchen wir nicht neu den LOGOS, der der damaliger Theologie zugrunde lag, der Philo von Alexandrien ebenso wie die syrischen Weisheitslehrer beflügelte? Warum versuchen wir nicht das lebendige WORT Gottes im Kontext unseres heutigen Wissens zu lesen?

 

Warten wir wirklich auf das Lebendigwerden eines Wanderpredigers, der dann die Reinkarnation Jesus sein soll, wie fast jeder ordentliche Sektenchef das von sich behauptet. Wollen wir weiter auf politische Erlöser hoffen, wie wir sie nicht erst in Hitler oder z.B. kommunistischen Ideologien bitter erlebt haben? Hoffen wir auf einen charismatischen Rethoriker, der uns wieder in den Bannn der Bibel zieht, blind glauben läßt, wie wir das bei amerikanischen Missionsbewegungen derzeit beobachten können? Meinen wir wirklich, uns durch massenhafte Meditation in einen Geisteszustand versetzen zu können, der uns die Botschaft der Bibel wieder bewußt macht?

 

Auch wenn in der Bibel Jesus als das WORT in lebendiger Gestalt begreifbar abgebildet wurde, wenn die gesamte Rhetorik der Predigt im Grunde von diesem schöpferischen WORT handelt und die meditative Innenansicht nichts anderes Zutage fördert als eine individuelle Erhellung des unbewußten schöpferischen WORTES, weder im Bibellesen, Predigthören noch Meditieren werden wir den Schlüssel, der uns im Neuen Testament gegeben wurde finden.

 

Das Feld, auf dem wir den Schlüssel verloren haben, ist das Verständnis von der Schöpfung Gottes. Hier gilt es neu zu suchen. Was damals in Damaskus, Antiochenien und Alexandrien wahrgenommen wurde, war das lebendige WORT Gottes, keine alten Texte, Predigten oder individuelle Meditationen. Daher hilft es nichts, wenn wir nur die Bibel drehen und wenden. Was sich wandeln muß ist unser Verständnis vom vernünftigen, logischen, natürlichen Werden. Hierin gilt es neu das WORT Gottes zu hören als  ausgedrückter schöpferischer Verstand.   

 

Wer in Jesus das lebendige WORT sieht, für den ist die Abwesenheit Jesus nicht der Tod eines Wanderpredigers, sondern das Nichtwahrnehmen, das Unverständnis dieses schöpferischen WORTES. Die Hoffnung auf die Wiederkehr Jesus baut nicht auf einen neuen Wanderprediger oder eine paranormale Eingebung und überirdischische, unnatürliche Erscheinungen, sondern ein neues Begreifen der Norm Gottes, des schöpferischen LOGOS, der allem Leben zugrunde liegt.

 

6. Brücke von altem zum neuen Gottes-Bewußtsein

 

Solange uns das lebendige WORT nicht bewußt ist, bleibt uns nur die Berufung auf das Gesetz, die Buchstaben der Bibel. Der Weg zu einem neuen Bewußtsein vom lebendigen WORT führt daher erst einmal über die alten Texte, die das damalige Verständnis wiedergeben. Meine Gewißheit, daß es im Evangelium um das lebendige WORT und nicht um einen Wanderprediger ging, wächst mit jedem gnostischen, philosophischen oder biblischen Text, in dem Jesus beschrieben ist. Diese Texte sind so der eigentliche Beweis für das damalige Bewußtsein von dem es die Brücke zum neuen Verständnis vom schöpferischen WORT zu bauen gilt. Doch wer eine Brücke bauen will, der braucht nicht nur auf der einen Seite einen festen Grund. Ebenso wichtig ist es, am neuen Ufer festen Grund zu besitzen. Wer würde schon versuchen eine Brücke über den Ozean zu bauen? Sie wäre nur ein Sprungbrett, das sich im Nichts verliert. Um das Präsent sein Gottes von vor 2000 Jahren zu begreifen,  bedarf  es daher einer festen Vorstellung vom schöpferischen LOGOS, wie er sich uns heute präsentiert.

 

Es geht deshalb bei dieser Beweisführung nicht um eine Literaturkritik, die die Texte willkürlich hin und her schiebt. Nicht der bisher übliche Abriß der Evangelientexte ist angesagt. Aus einer neuen Perspektive heraus, die von einem konkreten  schöpferischen LOGOS in aller Kreation ausgeht, ergeben sich völlig neue Aspekte und Erkenntnisse in den alten Texte.

 

In den Evangelien wird dann nicht die Wanderschaft eines jungen Juden beschrieben. Alle Aussagen haben eine Bedeutung, die sich auf das lebendige WORT bezieht. Die Ortswechsel des sich auf Wanderschaft befindlichen Jesus läßt z.B. auf  geistige Ortsangaben des sich wandelnden neuen Verständnisses vom schöpferischen WORT als Sohn des jüdischen Gottes schließen. Es geht um einen geistigen Dialog, eine theologische Auseinandersetzung, die der Lebens- und Leidensgeschichte zugrunde liegt. Kein charismatischer Wunderheiler war unterwegs. Blinde und Gelähmte sind keine Menschen mit körperlichen Gebrechen. Und trotzdem handelt es sich um keine Fiktionen, sondern reales Geistesgeschehen, das sich in den Geschichten ausdrückt, Menschen von Blindheit befreit und einem gelähmtem Geist wieder auf die Sprünge hilft. Die wunder-baren Wirkungen sind auf das Sicht-bar-werden der Herrlichkeit Jesus zurückzuführen, seine Wahrnehmung, christlicher Glaube.  Auch Geburt und Auferstehung Jesus sind so neu als reale Begebenheiten zu verstehen. Der Unterschied zwischen den Synoptikern und Johannes bzw. Paulus sowie viele weitere Unstimmigkeiten, die bisher zu einer immer weitgehenderen Verneinung führten, lassen sich auflösen, wenn wir vom lebendigen WORT als eigentlichen Wesen des Neuen Testamentes ausgehen.

 

Auch die Auseinandersetzung zwischen jüdischem und christlichen Glauben, die in der Vergangenheit zu vielen Mißverständnissen bis zum Massenmord führte, müßte sich überwinden lassen durch die Wahrnehmung des lebendigen WORTES. Es geht nicht um die anschließende Vergötterung eines Wanderpredigers, der zum Messias ernannt wird, sondern ein neues vernünftiges Welt- und Gottesverständnis, das aus dem jüdischen Gottesglauben erwachsen ist. Jesus ist die Präsenz Gottes im WORT, das in aller Welt wahrzunehmen ist,  mehr die Vergötterung eines Menschen.

 

7. LOGOS: weit mehr als menschliche Weisheit und Vernunft

 

Zu denken, daß es sich bei dem Begriff LOGOS um so etwas wie die aufklärerische Vernunft des Menschen handeln würde, wäre sicher weit gefehlt.

 

Ich zitiere aus einem Wörterbuch: "sinnvolle" Rede, "Sinn" der Rede, logische Aussage, logischer Begriff, der vernünftige, zur Führung bestimmte Seelenteil im Menschen, das männlich-aktive Bewußtseins-prinzip,

 

das ewige Weltgesetz, durch das alles geschieht, das WORT als zwischen Gott und Mensch vermittelnde Macht.

 

Wesentliche Aspekte des LOGOS/WORTES werden hier angesprochen. Wenn aber Johannes vom WORT redet, dann denke ich, daß zu diesem griechisch geprägten Verständnis von WORT/LOGOS noch eine weiterer wesentlicher Aspekt hinzukommt. Für Johannes drückt sich hier das Handeln des jüdischen Jahwe aus. Es geht nicht um die rein menschliche Vernunft. Losgelöst vom schöpferische LOGOS als Sohn des einen Gottes, bleibt sie leer,

 

WORT/LOGOS also mit menschlicher Weisheit gleichzusetzen oder nur das zu sehen, was Menschen in Worten ausdrücken, wäre viel zu wenig.  Wenn wir die Gottesgabe der menschlichen Weisheit als Teil einer universellen Vernunft wahrnehmen, die allem Werden zugrunde liegt, und die es gilt, mit all den uns gegebenen Möglichkeiten auf schöpferisch-menschliche Art umzusetzen, kommen wir der Sache schon etwas näher.

 

Diesem WORT/LOGOS gilt es zu neuem Leben zu verhelfen. Das Bild vom Wanderprediger wird so nur noch an Bedeutung gewinnen. Wir brauchen Bilder um zu begreifen. Bilder sprechen erst unsere Gefühle an. Sie sind neben dem Intellekt wesentliche Werkzeuge der Menschlichkeit. Erst das Gefühl, eine innere Begeisterung wird den Intellekt bewegen......... Aber selbst das alles sagt uns heute die schöpferische Vernunft und nicht ein innere Stimme oder eine alte Tradition. Es sind empirische Erfahrungswerte einer natürlichen, logischen Schöpfung. Kreativität verbindet in einer sinnvollen Synthese das Bisherige mit völlig neuen Aspekten. Ein wesentlicher Teil der bisherigen Erfahrung wird sein, den Kult der frühen Völker in Augenschein zu nehmen, der zu schöpferischen Hochleistungen führte, vor denen wir als Kulturtouristen staunend stehen. Was schauten die sog. "Hochkulturen"? Was schauten die Mystiker? Was schaute z.B. Hildegard von Bingen, die daraus ihren Glauben und ihre Lehren zog? War dies nicht nur eine alte Perspektive dessen, was wir heute schöpferisches WORT nennen können? Eine vernünftige Ordnung und Kraft, die den gesamten Kosmos bewegt? 

 

Es geht weder um einen Rückfall in die Pharaonenzeit, noch in das antike Weltbild des Johannes oder mittelalterliche Mythen: Das schöpferische WORT im Rahmen unseres Wissens um die natürlichen Zusammenhänge neu hören. Daraus das große Geschenk (Präsent sein) Gottes begreifen, das uns in Jesus von Nazareth gegeben wurde.

 

8. Sinnloser Kampf der Gene oder vernünftige Kreation:

    Die neue Frage nach dem Leben Jesus.

 

Wenn Jesus kein toter Wanderprediger ist, sondern lebendiges WORT dann ist das Unvermögen, die Vernunft Gottes zu sehen,  unser eigentliches Problem. Im Anfang ist das WORT! Doch genau dieses nehmen wir nicht wahr.

 

Die eigentliche Verleugnung Jesus ist nicht das Hinterfragen eines Wanderpredigers, sondern der Zweifel bzw. das Abstreiten eines sinnvollen, vernünftigen Handeln Gottes.

 

Ein Spiegelbeitrag als ein kleines Spiegelbild unseres aktuellen Weltbildes gibt mir ein Beispiel, wo und wie derzeit die Verleugnung Jesus stattfindet. In zahlreichen theologischen Berichten hat sich der Spiegel bereits mit der Person Jesus auseinandergesetzt. Insbesondere der Spiegelherausgeber Augstein wird als Ketzer gesehen, hat er doch vor einigen Jahren ein Jesusbuch verfaßt, indem er versuchte, den wanderpredigenden Gründer der christlichen Religion als Mythos zu entlarven. Auch zahlreiche aktuelle Beiträge des Spiegel - meist als moderne Weihnachtsgeschichten oder in der Osterausgabe - setzen sich mit dem historischen Jesus auseinander. Jedesmal lösen sie eine Flut von Leserbriefen empörter Christen aus. Auf den Spiegelbeitrag, in dem der amerikanische Paläontologe Stephen Jay Gould den Fortschritt der Evolution verneint und versucht, alles als blinden Zufall zu belegen, meldet sich kaum jemand zu WORT.

 

Wenn es stimmt, daß der LOGOS sich nicht im menschlichen Verstand erschöpft, sondern dieser nur ein schwacher Abglanz eines weit größeren schöpferischen Verstandes ist. Wenn es stimmt, daß das WORT Gottes sich nicht nur in Buchstaben der Bibel ausdrückt, sondern diese ein Bekenntnisse sind, die von schöpferischen Geschehen als dem eigentlichen WORT Gottes berichten, dann ist die wesentliche Voraussetzung unseres Glaubens, hinter dem evolutionären Zufall ein Ziel und göttlich-schöpferische Sinngebung zu sehen.

 

Die heutigen Theologen, die seit Karl Barth denken, daß sie Naturwissenschaft endgültig vom Glauben an Gott  trennen könnten, werden sich nach der Lektüre des Spiegelbeitrages bestärkt fühlen. Sie haben in ihrem Studium gelernt, daß christlicher Glaube nichts mit Naturwissenschaft zu tun hat. Gottes Tat-sache lesen sie nur noch in Büchern. Das lebendige WORT, den schöpferischen LOGOS brauchen sie daher nicht wahrzunehmen. Ob hinter dem evolutionären Geschehen ein Sinn steht oder nicht, braucht sie nicht mehr zu stören. Doch wer denkt, daß er sich so davonstehlen kann, der hat sich gewaltig geirrt. Wer sich auf Johannes, Paulus und Co. beruft, der muß diesen Sinn voraussetzen, das WORT Gottes im heutigen Wissen wahrnehmen. Das christliche Evangelium ist ohne den schöpferischen LOGOS un-"denkbar" geworden. Es darf nicht das Denken, Wissen und die uns von Gott gegebene Vernunft verleugnen und in eine Irrationalität oder reine Moralpredigt  flüchten. Ohne das WORT Gottes in der Entstehungsgeschichte des Weltalls wahrzunehmen, wo wir die Vernunft Gottes seit dem Urknall beobachten können, sind unsere Osterpredigten Schwachsinn geworden.

 

Das WORT, auf das sich Johannes beruft, ist heute in den naturwissenschaftlichen Darstellungen, die mir die Entstehungsgeschichte vom Sternenstaub bis zum menschlichen Bewußtsein beschreiben, auf vielfältige Weise nachzulesen.

 

Die moderne Physik macht mir weit mehr als alle bisherigen Naturbeschreibungen die Größe und Güte Gottes bewußt. In der unendlichen, für den menschlichen Geist undenkbaren Weite des Universums ist Gottes WORT zu hören, seine Kreativität sichtbar. Nicht jenseits der kausalen Beschreibung und der natürlichen Logik, sondern in den wissenschaftlichen Darstellungen wohnt das WORT Gottes. Die Güte Gottes wird sichtbar, wenn ich anerkenne, daß das was ist gut ist. Wenn allerdings der von Gott verlassene Mensch an sich selbst zweifelt, seinem Verstand, den er als die Krönung der Schöpfung bezeichnet, für schuldig an der menschlichen Missere hält, wie soll der in seiner Reflektion auf die natürliche Schöpfung das Handeln Gottes für gut halten? Der Verstand mag das Problem der Menschen sein, führt zu Mißverständnissen und Fehlentwicklungen menschlich-aufklärerischer Selbstherrlichkeit, vergleichbar mit dem Sozialisationsprozeß eines jungen Menschen. Doch der Verstand gibt mir gleichzeitig auch die Fähigkeit, Gottes WORT zu verstehen. Erst der Verstand befähigt mich zum Bewußt-SEIN Gottes. Hierin sehe ich das evolutionäre Er-wachsen werden, den eigentlichen Fortschritt.

 

Die Selbstverleugnung unseres Verstandes führt daher im Umkehrschluß zu dem was Prof. Gould im Spiegelbeitrag über den göttlichen Funken bekennt: alles sei sinnlos, es gäbe keinen wirklichen evolutionären Fortschritt, keinen Sinn im gesamten Geschehen, keinen Gott. Wo keine Genesis stattfindet hat, was soll das die Bezeichnung Gott?

 

Statt in an einen schöpferischen LOGOS zu glauben oder gar ein göttliches WORT in allem Werden zu hören, gehen die Wissenschaftler von einem Lotteriespiel im Garten Eden aus. Der Mensch mit seinem Bewußtsein ist dann nicht mehr das ER-gebnis der göttlichen Genesis, sondern Produkt eines sinnlosen Zufalles. Doch Charles Darwin hat vor 150 Jahren nicht den Schöpfergott entthront, sondern mir dessen Genesis nur auf vernünftige Weise zugänglich gemacht. Was die Wissenschaft als glücklicher Zufall bezeichnet ist Teil des schöpferischen WORTES. Warum soll ich an Gott zweifeln, wenn mir die Wissenschaftler auf jeder Seite der vielzähligen Naturbeschreibungen neu belegen, daß alles SEINEN Sinn hat, so sein mußte. Nur weil es so war konnte alles werden, wie es heute ist. Wenn ich daher in der Genesis, im schöpferischen Geschehen von Gestern einen Sinn sehen bzw. Gottes WORT hören will, dann muß ich das was daraus geworden ist für gut halten. Um mich für Gott zu begeistern, muß ich also mit der Schöpfung und den daraus hervorgegangenen menschlichen mit Verstand begabten Wesen ein-verstanden sein, sie für gut halten. Ich muß mich für das Leben begeistern, über die Blume am Wegrand ebenso freuen, wie über das uns am Endet des 2. Jahrtausend gegebenen Wissens, das es uns ermöglichen könnte bei wirklich vernünftigem Einsatz die gesamte Masse von Menschen gut zu ernähren und unseren  Kindern eine bessere Zukunft zu hinterlassen. Nur wenn ich mich für die Schöpfung begeistere und ein Ziel zur weiteren Verbesserung der Lebensbedingungen vor Augen habe, kann ich von einem LOGOS ausgehen, Gottes WORT in allem Werden verstehen. (Wer in alle Werden keinen Sinn sieht, der sollte unwiederbringlich zu Sternenstaub zerfallen aus dem er einst entstanden ist oder für immer im schwarzen Loch verschwinden, mit dem uns die Wissenschaftler den Zustand vor dem Urknall beschreiben.)

 

Mir macht es nichts aus, von den Biologen auf eine Stufe mit Käfern, Würmern oder Bakterien gestellt zu werden. Die Biologen belegen mir so, daß ich Teil eines schöpferischen Gesamtwerkes bin, eines von Gottes vielen Werk-zeugen, die alle auf sein WORT hören, aus dem sie hervorgegangen sind. Mir als Mensch hat Gott dazu die Gabe des Bewußtseins gegeben und das ist gut so, ich bin glücklich, daß ich ein vernunftbegabtes Wesen bin (auch wenn mich manche in meiner Familie für sehr unvernünftig halten). Nur so kann ich von einem Fortschritt in der Evolution ausgehen, schöpferisches Handeln auf einem  Jahrmillionen währenden Weg der Verbesserung  wahrnehmen.  Nur so hat die Aussage Jesus, er sei der Weg und die Wahrheit einen Sinn. Wenn ich mich als menschliches Wesen an die Spitze der Schöpfung stellen will, dann nicht als Anmaßung, sondern weil mir sonst keine Spezies bekannt ist, die gegenüber dem schöpferischen WORT  in bewußter Verant-wortung steht. Ich froh bin, daß ich durch das WORT Gottes im evolutionären Fortschritt so geworden bin, es unsere Fähigkeit und Auf-gabe ist, uns im ewigen Kreativitätsprozeß weiterentwickeln.

 

Durch Auslese ihrer tauglichsten Geschöpfe hat Gottes WORT aus den einfachsten Wesen immer bessere hervorgebracht. Ich bin aus einem Gesamtorganismus mit unvorstellbarer Kreativität, der das gesamte Universum umfaßt geboren. Doch weniger als mein Mund allein für die daraus hervorgehenden Worte verantwortlich ist, bin ich nur ein Kind des Universums. So wie hinter jedem WORT das ich hervorbringe, auch wenn es noch so belanglos ist, ein Verstand stehen muß, weil sonst mein Mund nichts Form-ulieren, sondern  allenfalls sinnlose Tonfetzen herauskämen, so wäre auch im kosmischen Geschehen ohne einen Verstand keine sinnstiftende Formgebung. Wäre nicht der schöpferische Verstand, der alle Formgebung der Materie und allen Fortschritt verantwortet, wir wären weiter Sternenstaub und keine verstandbegabte Wesen.

 

Wenn vom Darwinschen Prinzip die Rede ist, wird viel von Vernichtungskampf, Wettrüsten und großem Gemetzel im natürlichen Geschehen gesprochen. Wer könnte da von einem liebevollen Vater ausgehen? Wie läßt sich hinter dem natürlichen Handeln ein vernünftiger Geist oder gar der Heilige Geist Gottes wahrnehmen. Doch ist nicht alles was z.B. Prof. Dawkins über den Egoismus der Gene schreibt, sinnvolle Schöpfung? Wo wir von Lug und Trug, von Fressen und gefressen werden sprechen, geschieht alles im Sinne eines schöpferischen Fortschrittes. Jedes Wesen wirkt auf seine Weise an diesem kosmischen Kreislauf mit. Was liegt da näher, als daß der Mensch als Homo Sapiens auf menschlich- vernünftige Weise am schöpferischen Geschehen teilnimmt. Weder wie ein Wolf noch affenartig wird er dem WORT Gottes gerecht, sondern als menschliches Wesen muß er das WORT umsetzen. Doch dieser Verantwortung wird der Mensch nicht aufgrund einer grün-ökologischen oder humanistisch-sozialen Gesinnung gerecht, sondern  nur, wenn er das WORT Gottes wahrnimmt.

 

9. Sinnloser Knall oder Beginn der kosmischen Kreativität?

 

Ich bin gewiß, daß es auch eine kosmische Kreativität vor dem gab, was wir Urknall nennen. Doch seit diesem Zeitpunkt kann ich sie sehen. Was mir die Wissenschaftler in ihren vielfältigen Ausführungen beibringen ist nichts anderes, als was bereits in der Bibel steht: Am Anfang war das WORT, alles verdanken wir einem schöpferischen Verstand, der Genesis Gottes. Alles Werden offenbart sein WORT.

 

Der Begriff "Knall" erweckt bei uns bereits den Eindruck einer sinnlosen Zerstörung, einer Katastrophe, zielloser Zersplitterung ohne Ziel, Zerstörung. Wenn es einen Urknall gab, wovon unsere Wissenschaftler aufgrund ihrer Beobachtungen ausgehen, was ist seit diesem Knall geschehen? Fliegt immer noch der Sternenstaub sinnlos und im gegenseitigen Konkurrenzkampf selbstzerstörerisch bzw. auf  pure Selbstverwirklichung bedacht, arbeitslos durch den Kosmos oder können wir eine kreative Konstruktion nachvollziehen, die auf Zuwachs an Leben ausgerichtet ist? Warum sagen wir blinder Zufall, wenn wir wissenschaftlich belegen, daß alles SEINE Zeit hat? Läßt sich nicht auch in dieser sinnvollen zeitlichen Folge der schöpferische LOGOS ablesen? Wenn der gesamte Kosmos nicht nur immer weiter auseinandertriftet, sondern immer komplexer wird, zeigt sich dann nicht gleichzeitig ein Zuwachs an Kreativität, die den gesamten Kosmos zusammenhält und als organisches Ganzes wirken läßt?

 

Nicht ein lauter Schuß, sondern ein LOGOS von Anfang an, schöpferisches WORT ist zu hören im Urknall. Keine kosmische Vernichtungskatastophe, sondern eine kreative Genesis, die uns zu weiterer Kreativität auffordert, hat den ewigen Fortschritt bewirkt. Am Anfang war das WORT. Johannes hat es im Rahmen seiner religös-metaphysischen Philosophie aufgrund antiker griechischer oder gnostischer Weltmodelle so gesehen. Heute können wir aufgrund wissenschaftlicher Beschreibungen weit besser das WORT Gottes hören. Was einst im Gewand des Mythos beschrieben wurde, drückt sich in der modernen Wissenschaft aus. Gott ist nicht mehr jenseits, außerhalb unserem Verständnises, sondern in Jesus als Weltenrichter in allem evolutionären Werden präsent. Auch wenn der Vater selbst nicht zu sehen und nie zu verstehen sein wird, sein SOHN/WORT/LOGOS ist sichtbar, verstehbar. Das WORT kann neu wahrgenommen werden, ist begreifbar. Mit Hilfe unserer geistigen Fähigkeiten kann es neu Fleisch werden. 

 

Noch nie war Gottes WORT so deutlich zu hören wie heute. Tag für Tag werden uns die Zusammenhänge im schöpferischen Geschehen besser belegt. Ob in der astro-logischen Ordnung, in der Metereo-logie, dem bio-logischen Bauplan oder neuen physikalischen Erkenntnissen von der Weltentstehung. Immer besser verstehen wir das WORT Gottes, immer mehr können wir erkennen, daß dies alles kein kolossaler sinnleerer Zufall ist, sondern schöpferischer LOGOS:  Gott handelt vernünftig, so offenbart er uns seinen Sohn, können wir sein ER-zeugnis sehen, der historische Jesus lebt heute.

 

10. Babylon: die Unfähigkeit sich zu verständigen -

      zwei Sprachen, ein WORT

 

Wissenschaft und Theologie bewegen sich in verschiedenen Begriffswelten. Seit der Dispute um die Theorien von Kopernikus, Galilei und Darwin herrscht eine tote Toleranz. Die gegensätzlichen Schöpfungsvorstellungen von Kirche, die ihr Schöpfungsverständnis nach wie vor auf Gesetzestexte baut und Wissenschaft, die das lebendige WORT weiterentwickelt ohne es als solches wahrzunehmen, scheinen unvereinbar.

 

Die Wissenschaft, deren vielgerühmter Vertreter Albert Einstein noch vor wenigen Jahren feststellte, daß es ihre wichtigste Funktion sei, das Gefühl der kosmischen Religiösität zu erwecken und lebendig zu erhalten, und der daher sein Lebensziel nicht in einer Relativitätstheorie zur besseren wissenschaftlich-wirtschaftlichen Nutzung sah, sondern dem Nachvollziehen des schöpferischen Regelwerk eines nicht ziellos würfelnden Gottes, hat sich verselbständigt. Naturwissenschaft bewegt sich heute auf einer völlig anderen Ebene als Geisteswissenschaft bzw. Theologie. Naturwissenschaft  beschäftigt sich nur noch mit dem "Brotbacken". Allein der materielle Zuwachs, die Verbesserung des materiellen Wohlstandes und die Ernährung ist derzeit Ziel der wissenschaftlichen Überlegungen und des Forschens. Auch hierin ist ein schöpferischer Sinn und Zweck sehen. Der wissenschaftlichen Weiterentwicklung auf der beschriebenen Ebene verdanken wir die Fähigkeit, daß sich die Menschen nicht mehr im biologischen Kampf ums Überleben gegenseitig bekämpfen müßten. Bei sinnvoller Verteilung hätten alle genug zu essen, wäre Nahrung im Überfluß. Auch dafür danke ich Gott. Auch hierin sehe ich eine evolutionäre Fortentwicklung, d.h. auch hier wird das WORT Gottes sichtbar. Satt zu essen, materielles Wohlergehen, unser tägliches Brot ist eine wesentliche Voraussetzung für die Weiterentwicklung unseres Bewußt-SEINS.

 

11. Die Jakobsleiter, Stufen des Fortschrittes

 

Die Wissenschaftler erklären mir die Phasen der Evolution als eine sinnvolle Weiterentwicklung, die auf jeder Stufe die gegebenen Probleme durch neue Ideen, einen kreativen Schritt verlangt. Da ich dummer Mensch die Fortentwicklung nur für eine andere Form der Leben Jesus Story halte, sinnvolles Handeln Gottes erkennen will, einen kreativen Kosmos, in dem alles SEINE Zeit hat, kann ich die Hoffnung nicht aufgeben, daß jetzt die Zeit Reif ist für eine neue Stufe unseres Verstandes. Jetzt oder nie, noch länger kann ein Wandel rein rechnerisch nicht warten. Ein weiter so in unserer unvernünftigen Verhaltensweise würde unweigerlich das Aus bedeuten.

 

Eine Talkrunde im NDR, die ich mir beim Butterbrot zwischendurch angesehen habe, hat mir das beispielhaft vor Augen geführt. Politiker aller Parteien, Professoren und Vertreter von Interessenverbänden liefern sich eine Diskussion über die Ökosteuer, bei der einem nur noch das Kotzen kommen kann. Der Mensch, der genau weiß, daß er mit sinnlosem Ressoursenverbrauch die Nahrung seiner Kinder frißt und ihnen gleichzeitig die Luft zum Atmen nimmt, ist unfähig zur Verhaltensänderung. Von vernünftigen Lösungen, die sicher nicht einfach sind, weit entfernt. Statt zu arbeiten, zu forschen, neue Technologien weiterzuentwickeln, ökologische Gleichgewichte wieder herzustellen und uns somit wirklich ökonomisch zu verhalten, betreiben wir in einem individuellen und kollektiven kurzsichtigen Egoismus puren Kannibalismus. Im Gegensatz zu den sog. Kannibalen sehen wir darin allerdings keine Kulthandlung, sondern tun dies aus purem Selbstzweck einer sinnlos gewordenen Welt. Wir fressen die Lebensgrundlage unserer Kinder. Gleichwohl jeder die Probleme kennt, geht es in der Auseinandersetzung nicht um Verhaltensänderungen, sondern nur noch um die persönlichen Finanzen. Jeder sieht alles ein und ist dafür, solange es ihn nichts kostet und er nichts an seinem Verhalten ändern muß. Von der oberflächlichen Polemik und der vordergründigen Politik, die sich nur an der Unvernunft der Masse ausrichten kann, ganz zu schweigen. Auch die Problematik, daß in einer immer globaler agierenden Weltgemeinschaft, die ökologisch gänzlich voneinander abhängt, nicht ein Einzelstaat zu wirklich dauerhaften Lösungen kommen kann, wird deutlich. Aber wo bleibt die kollektive Vernunft? Ein Utopist wer denkt, daß der Mensch heute noch allein durch Gesetzte und Steuern zur Vernunft  bringen ist. Trotz eines unendlichen Fortschrittes in allen Bereichen des Wissens scheint jedoch das menschliche Bewußtsein auf einer Frühstufe stehengeblieben zu sein.

 

Wer vom Urknall bis heute ein sinnvolles Werden beobachtet, der darf sicher auch bei der Lösung der heutigen Probleme auf Gottes WORT hoffen, das die menschliche Entwicklung weiterbewegen wird. Auf jeder Stufe der unablässigen Evolution hat sich das Leben weiter entfaltet. Seit unserer Kindheit als Sternenstaub hat jedes Problem  zu einer Lösung auf einer weiterentwickelten Stufe des Lebens beigetragen. Ob die Erfindung der Photosynthese aus einer Sackgasse geführt hat oder die anschließende Sauerstoffkrise zur großartigsten und nach den Worten der Wissenschaft zur erfolgreichsten Neuerung in der Geschichte der Evolution des Lebens beitrug, indem die Lebewesen zu Atmen begannen und so das kosmische Gleichgewicht wieder herstellen, immer war es die Genesis Gottes. Der Triumphzug der Genialität und der Kreativität im gesamten natürlichen Geschehen offenbart uns die schöpferische Genesis, die im ewigen Fortschritt immer neu zu Gleichgewichten führt.

Doch den lieben Gott ein guten Mann sein zu lassen, uns zurückzulehnen und nach dem Schlager  von Peter Alexander "der Papa wirds schon richten......" zu warten, kann nicht Sinn und Zweck der geistigen Gaben sein, mit denen er uns ausgestattet hat. An der Schwelle zum neuen Jahrtausend gilt uns geistig weiterzubewegen, Jesus der Stufe des heutigen wissenschaftlichen Weltbildes als schöpferische Vernunft, lebendiges WORT neu wahrzunehmen.

 

Dieses WORT Gottes zu hören und ihm zu folgen bedeutet keine Weltflucht, sondern das genaue Gegenteil. Es geht weder um eine intellektuelle, wissenschaftliche Spielerei noch eine religìöse Sonderform. Die uns in Jesus versprochene Wiedergeburt, die wir an Ostern feiern ist ein Fortschritt des Gottesbewußtseins. Die Schöpfung mit neuen Augen schauen und in ihrem SEIN einen Sinn sehen, uns als vom Schöpferischen WORT abstammende Wesen zu erkennen und unser Verhalten danach ausrichten. Ein menschlich-vernünftiges Verhalten, das vom Sozialdarwinismus blinder Prägung weit entfernt ist, sondern zu einem neuen ökologischen und ökonomischen Miteinander führt, wie es bereits vor 2000 Jahren der schöpferische Verstand/LOGOS von uns verlangte.

 

12. Geist und Gefühl machen den ganzen Menschen

 

Gesagtes ist nicht gehört, Gehörtes nicht verstanden, Verstandenes nicht angewandt und Angewandtes nicht beibehalten. Was für die Lern- oder Werbelehre gilt, läßt sich auch auf das WORT Gottes anwenden. Mehr noch, wenn wir dieses WORT nur philosophisch-intellektuell wahrnehmen, ohne es zu verinnerlichen, ohne uns ganz tief in unserem Empfindungen, unserer Emotion darauf einzugehen, werden wir uns nicht wirklich ansprechen lassen. Wir werden es weder umsetzen noch verinnerlichen, um so zu einer dauerhaften Anwendung zu kommen. Das was wir als Verstand, Geist bezeichnen scheint nur ein Teil der Schöpfungslogik zu sein. Denn zu den schöpferischen Gaben gehört ebenso das Gefühl. Moderne Marketingstrategien berücksichtigen diese Schöpfungslogik schon längst, sprechen vorwiegend das Gefühl und weniger den Verstand an. 

 

Damit der Mensch sich an die Ordnung der Schöpfung hält, wird es nicht genügen, die sinnvollen Zusammenhänge zu kennen und alles Werden rein intellektuell-philosophisch auf einen unpersönlichen Schöpfer zu begründen. Es reicht nicht, die personale Größe des Vaters und des Sohnes verstandesmäßig zu erfassen, auch wenn dies eine wesentliche Voraussetzung ist. Obwohl es daher sehr sinnvoll erscheint, den schöpferischen Verstand weiterhin in der Bildgestalt des charismatischen Wanderpredigers anzubeten,  sehe ich darin keine Fiktion als Mittel zum Zweck. Es ent-spricht dem dem lebendigen WORT/LOGOS, wenn ich nicht einfach von sinnvollen Weltprinzipien oder einer unpersönlichen schöpferischen Vernunft ausgehe, sondern das Bewußtsein von dem mir gegebenen Bild des charismatischen Wanderpredigers weiterentwickle. Ein weitergehendes Bewußtsein bewahrt daher das Bild, dessen  Bedeutung bekannt ist, ohne es zu zerstören.

 

Doch um die Be-deutung des Bildes neu zu begreifen ist es Voraussetzung, das schöpferische WORT im Kontext unseres Wissens wahrzunehmen. Gottes Wort vom Urknall bis zum menschlichen Bewußtsein zu hören.

 

 

 

 

12. Evolution:

      das Buch, in dem Gott sein WORT aufschlägt, uns lesen läßt

 

Wenn wir von Evolution sprechen, dann hat dieser Begriff bereits für viele Menschen eine ganz bestimmt Bedeutung. Wir verbinden mit Evolution sofort den Darwinismus, der uns das Bild einer grausamen Natur des gegenseitigen Fressens und gefressen Werdens vor Augen führt. Auch wenn wissenschaftliche Abhandlungen über den Begriff weit tiefer gehen und eine völlig andere Bedeutung ermöglichen, im Alltag begründen wir so den in der Marktwirtschaft praktizierten Darwinismus: Überleben des Stärkeren, Vernichten der Schwachen

 

Auch entspricht es dem allgemeinen Verständnis, daß Evolution ein natürliches Geschehen bezeichnet, das sich außerhalb der Einflußphäre des Schöpfers abspielt, Gott der ihm in der Bibel beschriebenen Aufgabe enthebt, ihn entmachtet. Selektion und Mutation, Auswahl des schöpferisch Sinnvollen und notwendige Veränderung, Anpassung im Rahmen eines schöpferischen Fortschrittes, scheinen außerhalb des in der Bibel beschriebenen Geschehens zu liegen.  Doch bereits in diesen Aussagen zeigt sich das Problem. Indem ich von schöpferisch Sinnvollem spreche und damit Schöpfung und Evolution gleichsetze, geht die Theologie üblicherweise von Schöpfung als dem in der Bibel beschriebenen Sieben-Tagewerk aus, während Evolution dem entgegengesetzt wird. Die Beschreibung von "schöpferisch" sinnvoll für eine evolutionäre Selektion und Mutation kann daher der Theologe nicht akzeptieren. Wir sprechen aneinander vorbei.

 

Entweder stehen am Anfang die kosmischen Gesetze, nach denen sich Energie und Materie verhalten oder ein Schöpfer, so das allgemeine Verständnis. Der kausale Prozeß, bei dem seit einem vor ca. 15 Mrd. Jahren stattgefundenen Urknall eine Expansion und evolutionäre Entwicklung im gesamten kosmischen Geschehen vollzieht, wird nur von sehr wenigen als Werk Gottes gesehen. Teilhard de Chardin steht als einsamer Name für eine Theologie, die allerdings weitgehend mystisch begründet ist. Gleichwohl Teilhard ein Naturwissenschaftler und gleichzeitig Theologe war und uns so einen völlig neuen Zuganz zum christlichen Glauben erschloß, wirken seine Ausführungen über einen kosmischen Christus, den Punkt Omega oder  Liebe als evolutionäre Schöpfungskraft sehr mythologisch und blieben bisher weitgehend unbeachtet. Allenfalls von Anhängern des New Age wird sie derzeit aufgegriffen. In der christlichen Amtstheologie bleibt dieses Denken weiterhin außen vor. Für die Einheit von evolutionärer Entwicklung und göttlichem Schöpfungshandeln, d.h. der Erkenntnis des lebendigen WORTES, war die Zeit noch nicht reif. Die sog. Darwinistischen Schlußfolgerungen aus dem evolutionären Ablauf ließen sich mit dem Schöpfungshandeln Gottes noch nicht auf einen Nenner bringen: Noch konnte niemand ernsthaft auf die Idee kommen, der historische Jesus von Nazareth sei die großartige Allegorie des schöpferischen LOGOS, wie es aufgrund des wissenschaftlichen Weltbildes neu als WORT Gottes bewußt gemacht werden kann. Seinen kosmischen Christus mußte Teilhard daher neben die christliche Theologie setzen. Der Brückenschlag vom damaligen neuen Gottesbewußtsein des Johannes, Paulus &  Co., das den lebendigen LOGOS bzw. Gottessohn als Messias des jüdischen Gesetzesverständnisses erkannte, zu einem neuen Paradigma von heute, in dem die Aussagen des Wanderpredigers als Ausdruck der neu zu erkennenden schöpferischen Vernunft, des lebendigen WORTes wahrgenommen werden können, war noch nicht möglich.  

 

Noch heute wirkt diese neue Vorstellung vom ach so lieben und gutherzigen Jesus, den man inzwischen in humane Menschlichkeitsbilder eingewickelt hat, völlig befremdend. Wer sich nicht mit der Thematik beschäftigt hat, aber ebenso eingefleischte Theologen, die in ihren Vorstellungen festgefahren sind, werden mich für völlig verrückt halten. Doch auch dieses Festhalten ist Teil der schöpferischen LOGIK. Solange das Neue nicht klar artikuliert werden kann, bleibt dem christlichen Denken keine andere Chance als allein auf die vorgesetzten Bilder zu bauen. Es wird nicht einfach sein klar zu machen, daß die neuen Vorstellungen von Jesus als die Allegorie der schöpferischen Vernunft nur eine neue Dimension des eigentlichen christlichen Glaubens ist, daß es das Wesen des christlichen Glaubens ist, nicht aufgrund vorgesetzter Texte/Gesetze an Gott zu glauben, sondern aufgrund des lebendigen WORTES.

 

Christen sind Kreationisten

 

Vorsicht! Als Kreationisten bezeichnet man derzeit ein amerikanisches christliches Sektenwesen, das an die Artenentstehung genau so glaubt wie es wörtlich in der Bibel steht. Den Glauben baut man daher ganz streng auf die Buchstaben des Gesetzestextes. Während dies m.E. im Grunde mehr oder weniger noch heute der Glaube der gesamten christlichen Kirche ist, haben die Kreationisten den Kampf gegen die naturwissenschaftlichen Axiome der Evolutionslehre noch nicht aufgegeben. Wenn auch in abgemilderter Form, ist das Abstreiten des natürlichen Evolutionsgeschehens - in dem ich Gottes WORT wahrnehme - auch bei der christlichen Vereinigung  "Wort und Wissen" herauszuhören. Ein Zusammenschluß von Christen setzt sich ersthaft mit dem Spannungsfeld von Evolutionslehre bzw. naturwissenschaftlichem Weltbild als "Wissen" und dem Bibeltext als "Wort" auseinander.

Wissenschaftlich gebildete Menschen ringen hier auf intellektueller Ebene mit dem naturalistischen Weltbild, indem sie versuchen die Sintflut geologisch zu beweisen oder die Artenentstehung als von Anfang an gegeben biologisch zu belegen.

 

Ich kann ihnen nachfühlen und ihre Infobriefe regen mich zum Weiterdenken an, geben mir Impulse, auch wenn ich von völlig anderen Voraussetzungen ausgehe, das WORT Gottes längst genau dort, in dem Geschehen wahrnehme, das die Vereinigung versucht zu verleugnen. Die Trennung zwischen unserem Wissen um die natürlichen Vorgänge und unserem Gottesverständnis kann nicht sein. Gott muß wieder als wirkender Schöpfer wahrgenommen werden. Als Projektion einer religiösen Predigt ist er bedeutungslos.

Entweder wir streiten die Evolution und damit alle natürliche Kreation ab, oder wir nehmen hier das wirkende WORT Gottes wahr. Die höfliche Distanz, die ich als tote Toleranz bezeichne, die Gott zu einer rein persönlichen Angelegen macht und damit der individuellen Beliebigkeit überläßt, kann nicht länger gehalten werden.

 

Wenn ich in die Stifter der christlichen Kirche für ersten kreationistischen Theologen halte, dann hat dies einen ganz anderen Grund, als daß ich in der Philo-sophie von Alexandrien,  in früchchristlicher Gnosis, syrisch-griechischen Weisheitslehren bzw. der unter dem Namen Paulus verfaßten neuen Theologie ein blindes Festhalten am Gesetz sehe. Auf der Stufe ihrer Weltbilder, aus denen letztlich nichts anderes erwachsen ist, als das, was wir Wissenschaft bezeichnen, haben diese von der jüdischen Religion begeisterten Männer das sinnvolle und geordnete Handeln eines Gottes wahrgenommen, von dem alles ausgeht. Statt aufgrund alter Schriften, mythologisch-heidnischer Überlieferungen oder der vielzähligen individuellen Eingebungen unzähliger Wanderprediger und sonstiger religiöser Strömungen haben sie in der lebendigen Kreation des gesamten Kosmos den Sohn Gottes gesehen. Die christliche Theologie ist die Umsetzung dieser neuen Erkenntnis, die somit zu einem universellen Glauben, einer neuen Gottesgrundlage wird, von der das im Neuen Testament beschriebene Heilsgeschehen ausgeht. Der schöpferische LOGOS ist wirklich zu WORT gekommen. Jesus ist historische Wahrheit.

(Es bedarf einer Fleißarbeit die Dokumente aufzuarbeiten, die dies belegen. Das gesamte Schriftgut der frühchristlichen Zeit ist voll davon. Wir brauchen es nur mit neuen Augen zu lesen. Die Weisheitsliteratur, gnostische Texte, philosophische Schriften ebenso wie die Evangelien selbst. Auch die diesen Gedanken vorhergehenden griechischen oder jüdischen und ägyptischen Glaubensvorstellungen und Weltbilder lassen keinen anderen Schluß zu, als daß es bei Jesus nicht um einen beliebigen Wanderprediger ging, sondern den lebendigen LOGOS. Beste Beweise finden sich ebenso bei den Theologen der Frühkirche, die sich zwar um die richtige Darstellung des schöpferischen LOGOS stritten oder verschiedene Schlußfolgerungen, die ihr Welt- bzw. Glaubensbild allerdings nie und nimmer nur auf einen Wanderprediger bauten, sondern das lebendige WORT. Ohne Gottes WORT/LOGOS in der lebendigen schöpferischen Kreation wahrzunehmen und in der Lebenspraxis umzusetzen, sind wir kein "christliche" Kirche, sondern nur noch ein Verein zur Nächstenliebe aufgrund des jüdischen Gesetzes, der nicht mehr funktioniert.)

 

Die christliche Kirche ist die kollektive Wahrnehmung der schöpferischen Kreation in der Person Jesus.

 

Es ist daher alles andere, als eine religiöse Randerscheinung, ob wir sinnvolles schöpferisches Handeln in der natürlichen Kreation des Kosmos wahrnehmen. Es ist die grundlegende Voraussetzung unserer christlichen Religion. Beim Glauben an Jesus von Nazareth ging und geht es nicht um einen Wanderprediger, theologische Projektionen von Schriftgelehrten oder individuelle Erscheinungen, sondern die kollektive Wahrnehmung des lebendigen WORTES.

 

Wer davon ausgeht wird die Gesetze des Moses, ebenso wie die Verhaltenslehren des Neuen Testamentes nicht verneinen oder vernachlässigen. Vielmehr wird er darin einen natürlichen schöpferischen Sinn suchen und sehen, der den evolutionären Fortschritt der menschlichen Kultur erst ermöglicht. Die Aussage Jesus entsprechen höchstem schöpferischem Verstand. Noch nie war aufgrund ökonomischer und ökologischer Erfahrungen besser zu beweisen als heute, daß es ohne die Beherzigung dieser höchst logischen Lehren zu gesellschaftlichem und wirtschaftlichen Verfall sowie zur ökologischen Selbstzerstörung statt zu Fortschritt kommt.

(Doch ist  ein eigener Themenbereich)

 

Beim Glauben an Jesus, den lebendigen LOGOS, geht es jedoch um alles andere als gegenseitige Morallehren und Vorschriften zur richtigen Verhaltensweise, auch wenn der christliche Glaube diese verlangt. Es geht weder darum, den Menschen einen bestimmten Glauben, noch eine neue Verhaltenslehre per Gesetz vorzuschreiben oder vorzusetzen.

Der notwendige Geist wird nicht durch neue Gesetzte, sondern durch die Wahrnehmung des lebendigen WORTES gegeben. Aus dieser Wahrnehmung Jesus, des lebendigen WORTES in der natürlichen Kreation der gesamten Schöpfung Gottes, kann eine neue Sinngebung sowie eine völlig neue ökologische und ökonomische Verhaltenweise resultieren.

 

Was Not tut, sind daher nicht neue Gesetze und Moralbelehrungen, sondern eine Weiterentwicklung unseres Gottesbewußtseins. .

 

Wer in der Evolution die heilige Schrift des Schöpfers ließt, den LOGOS, der langsam und kontinuierlich die Kreativität des unerklärlichen großen Kreators entblättert, diesen präsent macht, der wird dadurch für sein Dasein völlig neue Konsequenzen ziehen.

 

Die Grundgesetze des evolutionären Voranschreitens, werden so zu einer Forderung an unseren Glauben. Wer in der Fortentwicklung vom Sternenstaub bis zum menschlichen Bewußtsein das WORT Gottes wahrnimmt, wie kann der noch an erstarrten Glaubensbildern festhalten? Wenn ich aus dem Fenster schaue, über die fruchtbaren Felder bis zum Haardtgebirge, dann sehe ich  kreatives Kunstwerk Gottes, das auch uns zur Kreativität auffordert. Gottes WORT fordert uns auf zum Fortschritt. Im Wandel  aller Organismen, der bereits in der Antike Anlaß zu neuen Weltbildern und Gottesvorstellung war, ruft Gott uns zu auch unsere Religion weiterzuentwickeln.

 

Nicht blinder Zufall ist es, der uns jetzt treibt, uns zwingt neuen Lösungen, nach einer Synthese zwischen verschiedenen Vorstellungen zu suchen. Nicht mechanischer Geschichtsablauf sondern Gottes WORT, das aller Genesis zugrunde liegt ermöglicht uns die Weiterentwicklung und ruft sie hervor. Das schöpferisch sinnvollste wird sich auf Dauer durchsetzen. Was zur Evolution, h.d. was zu seinem lebendigen WORT beiträgt, wird gewinnen. Die Frage nach der Tauglichkeit unserer Theologie muß den allgemeinen Bewußtsteinsstandart berücksichtigen. Wir verdanken es Gottes WORT, wenn heute jedes Kind in der Schule bereits über die kausalen kosmologischen bzw. bilologischen und physikalischen Zusammenhänge aufgeklärt wird. Eine Theologie, die Gott versucht außerhalb dieses Wissens bewußt zu machen, ist untauglich geworden. Gott braucht nicht weiter mythologisch verdunkelt zu werden. Es ist nicht länger jenseits des Wissens wahrzunehmen, sondern durch seinen Sohn Jesus, den lebendigen LOGOS.  Auch wenn damals die Evangelisten dafür noch andere Begriffe verwendeten, auf diesem Bewußtsein beruht die frohe Botschaft. Eine vernünftige, durch das WORT des jüdischen Gottes hervorgerufene offenbare Ordnung war die Grundlage der christlichen Gnosis.

 

Das universelle Begreifen, ein Allgemeinverständnis vom schöpferischen LOGOS und dessen Umsetzung im alltäglichen Menschenleben, darauf hofften die Evangelisten. Ihre Naherwartung war die Hoffnung auf ein Verständnis vom lebenigen WORT. Doch wer die Geschichte verfolgt kann verstehen, warum die Zeit dafür noch lange nicht reif war. 

 

Heute, Ostern 1998, weniger als zwei Jahre vor der Jahrtausendwende scheint die Zeit reif, das WORT Gottes in natürlichen Geschehen der Schöpfung als dem lebendigen LOGOS neu wahrzunehmen. Jesus lebt. Er läßt sich nicht länger von der Gesetzeslehre als Märtyrer ans Kreuz nageln und als reine, Ikone verherrlichen, die je nach Bedarf nach eigenen Moralvorstellungen zurechtgebastelt wird. Heute, wo die Juden die Befreiung aus Ägypten, von der fremden Unterdrückung und dem heidnischen Unglauben feiern, feiern auch die Christen die Befreiung und Unterdrückung durch den blinden Gesetzesglauben. Sie feiern das Wiederverstehen des lebendigen WORTES.

 

Wie besser als jetzt, wo im Frühjahr die Natur zu neuem leben erwacht, Gottes WORT in allen neu aufblühenden Blumen und der Fruchbarkeit der Felder bewußt wird, wo der dunkle Winter endlich zu Ende geht, läßt sich Hoffnung auf eine Weiterentwicklung gründen. In einer Zeit in der bereits in vielen alten Kulturen auf verschiedene Weise die Fruchbarkeit der Schöpfung in der Form des Eros, Eies, Brunnens usw. usw. zum Ausdruck brachten, ist ein evolutionärer Fortschritt im Gottesbewußtsein kein Zufall, sondern vollzug des schöpferischen Zieles.

 

Weitere Themen

 

nur im Nachhinein WORT zu hören, wie jede Stimme, so im kosmischen Geschehen, nur Nachvollzug, zur Vorausberechnung. Was wir heute am Himmel beobachten ist ein Geschehen, das sich vor vielen tausenden Jahren zugetragen hat. Astrologische Betrachtungen auf geistige Gegebenheiten übertragen.(Sternenstaub)

 

alles stimmt, seine Stimme, von der unendlichen Symmetrie, jede Synthese, Kreativit.prozeß

 

Raum und Zeit richten sind nach seinem WORT ausgerichtet, versch. Dimensionen des LOGOS

 

Evolution als Entwicklungsgeschichte Gottes begreifen, den Begriff von Ballast befreien, Beigeschmack des Darwinismus nehmen

 

der LOGOS und der "liebe" Gott, kosmische Bedeutung des Begriffes Liebe, der schöpferische Prozesse nicht nur in menschlichen Körpern und Körperschaften bewirkt.

 

 

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