Betrachtungen der biblische Apokalypsen als bildhafte
Beschreibungen von der Wirkungsweise des schöpferischen Wortes/Logos im Rahmen
einer in der Entwicklung „not“-wendigen geistigen Erneuerung, bei der jeweils
der Wechsel vom Chaos/Unheil zum Kosmos/Ordnung/Heilszeit erfolgt..
Gleichzeitig Nachweis, dass es den Verfassern der
unzähligen neutestamentlichen Apokalypsen nicht um den blinden Glauben an einen
christologisierten Wanderprediger gegangen sein kann, sondern der Wechsel durch
eine neue Form der Wahrnehmung des Gotteswortes erwartet wurde.
Und genau dieser Wandel des Welt- bzw. Gottesbildes
scheint heute not-wendig. Zahlreiche Entwicklungen lassen darauf schließen,
dass wir mitten in einem grundlegenden Wandel stehen. Doch der eigentliche
Wandel wird nicht durch wissenschaftlichen Fortschritt und weltumspannende
Wirtschaftsweisen erzielt. Vielmehr bedingen diese gewaltigen Veränderungen
unserer globalen Lebensweise ein neues Gottesverständnis. Denn das
Weltuntergangsszenario, das die Intellektuellen derzeit aufgrund einer aus dem
Gleichgewicht gekommenen Welt, ökologischer Gefahren, Globalisierung oder
Möglichkeiten moderner Wissenschaft male, zeigt nichts andere, als die
Not-wendigkeit eines neuen Denkens. Nicht Untergang steht auf dem Programm,
sondern Neubeginn. Der Glaube von Gestern ist bereits untergegangen. Ein
vernünftiges Gottesverständnis ist derzeit nicht mehr. Wir stehen in einer theologiscen
Talsohle, am schmerzhaften Wendepunk zu einer neuen vernünftigen
Gotteswahrnehmung, die Wesen des christlichen Glaubens war und ist.
Ein neuer Geist ist dabei keineswegs gegen das Leben, die
weltlichen Gaben gerichtet, sondern macht sie erst möglich. Erst durch eines
Denken ist eine weltweit vernünftige Nutzung gentechnischer Möglichkeiten, eine
globale Wirtschaftsweise, die wirklich wirtschaftlich und nachhaltig ist,
ebenso wie die Lösung ökologischer und ökonomischer Weltprobleme erst möglich. Die
Zeit für eine neue Wahrnehmung des schöpferischen Wortes ist reif. Wir befinden
uns in apokalyptischen Zeiten. Doch nicht der Untergang steht an, sondern ein
neues Verständnis des schöpferischen Wortes, wie es vor 2000 Jahren in
menschlicher Gestalt lebendig war.
Eine Beschäftigung mit der Apokalypse darf sich nicht auf die berühmte Offenbarung des Johannes, die uns bekannteste und recht spektakulär und märchenhaft wirkende Apokalypse beschränken. Sie bietet viel Raum für alle mögliche, oft unsinnige Spekulationen und wurde –wenn auch aufgrund vieler Missverständnisse - bei nüchternen Betrachtungen des neutestamentlichen Geschehens oft beiseite gelassen. Auch in den alt- und vor allem zwischentestamentlichen Texten, ebenso wie in den Paulusbriefen und bei den Synoptikern sind zahlreiche Apokalypsen zu lesen. Daneben sind viele Apokalypsen im jungen Christentum entstanden, die nicht in den Kanon aufgenommen wurden. All diese Apokalypsen können unmöglich die Hoffnung auf die Verherrlichung eines besonders begabten historischen Menschen zur Grundlage haben. Vielmehr lässt die in den zahlreichen, in der christlichen Literatur verwendete Apokalypsen erkennen, dass ein grundlegender Wechsel im Gottesverständnis, eine neue Erkenntnis/Offenbarung Gottes durch den Sohn erwartet wurde, die weit über bisherige Vorstellung vom historischen Jesus hinausgeht. Nur das neue Verständnis des Gotteswortes und der sich dadurch ergebende grundlegende Wandel kann als theologisches Thema der Apokalypsen verstanden werden.
Für die Apokalypsen nur eine bestimmte Art von Literaten, eine Geistesbewegung oder gar eine einzelne Volksgruppe verantwortlich zu machen, wie dies oft geschieht, wenn von „den Apokalyptikern“ gesprochen wird, wäre eine verkürzende Betrachtungsweise. Nach der vielfältigen Verwendung von Apokalypsen in den verschiedenen Texten im Umfeld des Neuen Testamentes sowie dessen Textes selbst, will ich vielmehr von einer bestimmten theologischen Ausdrucksform ausgehen, die einen grundlegenden Wechsel erwartet oder für vollzogen sieht.
Die Apokalyptik nur auf innere Bilder und Visionen bestimmter Zeitgenossen zu beschränken würde die antike Theologie mit Füßen treten. (Die Dornenkrone lässt grüssen.) Denn eine neue Theologie, ein neues Offen-barungsgeschehen, das gesehen wurde, käme nicht vor. Ein Paradigmenwechsel hätte nicht stattgefunden. Alles wäre nur Phantasterei bestimmter Einzelgänger, fromme Sprüchklopferei aufgrund innerer Bilder. Doch die Apokalyptik kann nicht das Ergebnis dessen sein, was sich allein im Kopf einzelner Menschen abgespielt hat, wie dies oft herauszuhören ist. Es geht nicht um verschwommene Visionen von geisterhaften Ereignissen, sondern die apokalyptische Deutung eines ganz konkreten Geschichtsgeschehens, das mit wachem Verstand gesehen wurde.
So wie vormals ägyptische Apokalyptiker z.B. mit dem Amtsantritt eines bestimmten Pharao eine neue Zeit als erfüllt sahen, so liegt auch den neutestamentlichen Apokalypsen ein konkretes Geschehen zugrunde, von dem ein notwendiger geistiger Wandel erwartet wurde.
Das Offenbarungsgeschehen, das uns zum Beispiel in der Apokalypse des Johannes geschildert wird, von dem die neue Welt erwartet wird, geht von Jesus aus. Doch wäre es töricht anzunehmen, die Offenbarung sei nur die dunkle Vision eines antiken Sehers. Eine neue Theologie ist das Thema der neutestamentlichen Texte. Erst so kann es zu einer neuen Lebensweise kommen. Es ist angesichts all unseres Wissens auch undenkbar, dass ein Wanderprediger oder dessen Verherrlichung Johannes zu diesem Text, dessen theologische Bedeutung wir uns heute neu bewusst machen, veranlasst hat. Vom Verfasser des Textes der Offenbarung, hinter dem sich mit Sicherheit ein gebildeter Theologe und kein tagträumender Visionär verbirgt, wird eine neue geistige Welt erwartet. Das Alte geht unter und es entsteht das notwendig Neue. Die geistige Welt im notwendigen Wandel, das können wir aus den apokalyptischen Texten lernen.
Auch in den Apokalypsen ist somit der Logos herauszulesen, das schöpferische Wort, das die gesamte Evolution und somit den Fortschritt menschlicher Erkenntnis be-stimmt. Ohne Not gibt es scheinbar keine Neuerungen. Ohne den Abbruch des Alten entsteht nichts Neues. Wäre das alte Gottesverständnis nicht untergegangen, gäbe es keinen neuen Verstand. Was wir aus den Apokalypsen herauslesen gehört zu den Grundprinzipien der Schöpfung, liegt der gesamten Genesis zugrunde. Es ist ewiges Muster einer not-wendigen geistigen Weiterentwicklung, die Bestandteil schöpferischer wie menschlicher Genesis auch unsere künftige Geschichte be-stimmt.
Doch wer von der Not-wendigkeit eines geistigen Fortschrittes ausgeht, der begreift auch die Not, die sich durch die Nichteinlösung des Wandels ergibt. „Wer nicht hören will muss fühlen.“ Aber selbst die kosmischen Katastrophen, die sich z.B. durch die Verletzung der ökologischen Gleichgewichte einstellen und die wir gerne als Apokalypsen betrachten, haben ihre Ursache im Kopf der Menschen. Wer erkannt hat, dass es die grenzenlose menschliche Gier ist, die die Welt ins Wanken bringt, der muss auch einsehen, dass wir einen neuen Geist benötigen, der uns die Welt im schöpferischen Gleichgewicht halten lässt.
1.
Kosmische Bilder eines grundlegenden geistigen Wandels
In der Umgangssprache verstehen wir unter Apokalypsen das Grauen, den Untergang, Unheil. Wer im Internet nach Filmen zum Thema Apokalypse Ausschau hält, dem wird eindrucksvoll die Untergangsstimmung vor Augen geführt, die unser Denken von der Apokalypse bestimmt. Doch genau das Gegenteil wird in den Apokalypsen beschrieben. Nicht der Weltuntergang, sondern der ewige Neuanfang ist, wie wir wissen, das eigentliche Thema der Apokalypsen. Es wird von einem Zeitpunkt des Unheils ausgegangen, der oftmals Standort des Betrachters ist und ein Heilsereignis beschrieben, das zu einer paradiesischen Heilszeit führt.
Wie selbstverständlich verwenden wir den Begriff Apokalypse, bei dem es eigentlich um Offenbarung und somit einen Neubeginn geht, ausschließlich wenn wir einen Untergang beschrieben wollen. Geprägt von zahlreichen apokalyptischen Vorstellungen vom Untergang der Welt fällt uns bei den Bildern vom 11. September sofort der Begriff Apokalypse ein. Doch ergibt sich aus dieser Katastrophe eine Wende? Sind wir bereit zu lernen, tiefgreifende theologische Fehlentwicklungen zu analysieren, die zu Glaubensirrationalitäten wie zu westlichem Wirtschaftsirrsinn führen? Wenn nicht, sollten wir den Begriff der Apokalypse vermeiden. Zwar wird in den Apokalypsen ein Unheilsbild, das Chaos beschrieben. Doch die Wende und die daraus erfolgende Heilszeit steht eindeutig im Mittelpunkt, ist das Wesensmerkmal der Apokalypsen.
Wenn aber die Apokalypse für Wandel, Ende und Anfang steht, dann zeigt uns die synonyme Verwendung des Begriffes Offenbarung, um was es in der Apokalypse geht, was den Neubeginn ermöglicht. Die Geschichte geht weiter, Gott offenbart sich in jeder Zeit wieder neu. Gottes Wort gilt ewig, es wird immer wieder neu wahrgenommen. Hierauf setzten die Apokalyptiker ihre Hoffung.
Doch auch den Untergang, den die Apokalypse zum Thema hat, gilt es ernst zu nehmen. Denn der Neubeginn setzt den Untergang des Bisherigen voraus. Wie aber kommen wir zu einem Neuverständnis, wenn wir uns ans alten, liebegewonnenen Bildern festhalten, wie wenn es keine neue Erkenntnis gäbe? Wer bei der Betrachtung des Untergangs nur beim Bedauern bleibt, bei der Beschuldigung der Anderen, Andersdenkenden, wie dies z.B. bei den Bildern des 11. September geschieht, wo nur die fundamentalistischen Moslems angeschuldigt werden, der verpasst eine nüchterne Analyse eigener Fehlentwicklungen, die notwendig wäre.
Der Standpunkt der Apokalyptiker wechselt. Während manche Verfasser von einem bereits stattgefundenen Geschehen ausgehen und eine in ihren Augen stattgefundene geistige Erneuerung in kosmischen Bildern beschreiben (z.B. Apokalypsen der Ägypter, die im kommen eines Pharao den Wendepunkt sahen) und eine vorhandene Heilszeit ausmalen, gehen die meisten Apokalypsen von einer kommenden Veränderung aus. Sie schreiben in einer Zeit, die sie für falsch halten und erhoffen sich eine Wende, deren Zeitpunkt entweder kurz bevor steht, in der Ferne beschrieben wird oder sich, wie z.B. die Johannesapokalypsen heute gelesen wird, in mehreren Stufen vollzieht.
Dass etwas vorhandenes untergeht, darüber sind sich alle Apokalypsen einig. Dies muss sein. Doch eindeutig im Vordergrund steht die neue Welt, die sich durch einen notwendigen gewaltigen Wandel ergibt.
Neben der Angst vor dem Untergang versperrt ein weiteres Missverständnisse, oft den Zugang zur eigentlichen Aussage der Apokalypse. Es ist das Bild eines kosmischen Geschehens, das unser Denken prägt. Gleichwohl wir wissen, dass es den ägyptischen Apokalyptikern nicht um die Austrocknung des Niles ging, die durch den Pharao überwunden wurde und Johannes nicht um die beschriebene Heuschreckenplake, halten wir weiter an den Bildern von Naturkatastrophen fest, wie wenn das Inhalt der Aussagen wäre. Wenn wir an einen apokalyptischen Weltuntergang denken, dann spüren wir den Boden unter den Füßen beben. Wir erwarten ein Unwetter, eine kosmische Katastrophe, die alles vernichtet. Doch ist es den Verfassern der in allen Kulturkreisen bekannten apokalyptischen Bilder wirklich darum gegangen? Oder hat die Katastrophe im Kopf stattgefunden, war hier Chaos statt Kosmos?
Keine Frage, die Apokalyptiker schildern das Geschehen in anschaulichen kosmischen Bildern. Doch was hatten die unzähligen Apokalyptiker wirklich vor Augen? Der Aussage, sie hätten nur Visionen, Träume zu Papier gebracht, folge ich schon lange nicht mehr. Dies gebietet mir mein Respekt vor einem damaligen Denken, das unsere beschränkte Weltsicht bei Weitem übersteigt. Je mehr mir heutige Exegese den Zugang zu den alten Texten eröffnet, desto mehr erkenne ich die Weitsicht, von der die damalige Weisheit getragen wurde. Wenn die Verfasser der apokalyptischen Beschreibungen der Geistesgeschichte - denn nur darum geht es - nicht Traumbilder beschrieben, sondern eine Art antike Theologie betrieben, von was ich ausgehe, dann muss es sich um ein reales Geschehen gehandelt haben, geistigen Neubeginn. Auch der jeweils beschriebene Wandel, das Ereignis, ob ein neuer Pharao oder kommen des Christus, durch den nach dem Zusammenbruch der alten Welt eine neue Heilszeit erhofft wurde, lässt auf den theologischen Gehalt schließen.
Es geht weder um herabfallende Sterne, noch handeln die neutestamentlichen Apokalypsen von Naturkatastrophen. Das natürliche Geschehen, dessen Wachstum gestört ist, das sich im Chaos befindet, ist ein geistiges. Die apokalyptischen Bilder fordern uns zu einem geistigen Fortschritt auf, einem notwendigen Wandel, durch den das Chaos im Kopf beseitigt wird. Es geht nicht um Erdbeben und Unwetter, sondern ein Gottesverständnis wird beschrieben, dem der Boden fehlt, das grundlos geworden ist. Durch eine neue Begründung, Offenbarung, Enthüllung wird eine Heilszeit erwartet. Ob Ägypter, Syrer, Hellenisten, Asiaten oder Christen, die Verfasser der unzähligen Apokalypsen waren keine Träumer von Naturereignissen oder kosmischen Katastrophen, sondern theologische Denker. Es waren Menschen, die meist den unheilvollen Zustand des vorherrschenden Gottesverständnisses analysierten und einen gewaltigen notwendigen Wandel prognostizierten.
Nicht die Welt ist es, die untergeht, sondern die falschen Welt- bzw. Gottesbilder, die der jeweiligen Gesellschaft keinen Halt mehr geben können und somit auch zum weltlichen Verfall führen oder gar kosmische Katastrophen hervorrufen. Denn wenn sich unseren Kindern durch CO 2 die Sonne verdunkelt, wenn die durch Menschen hervorgerufenen oder nicht genügend berücksichtigten Klimaveränderungen zu kosmischen Katastrophen mit unermesslichen sozialen Auswirkungen für das Zusammenleben auf der Welt führt, dann wissen wir die Ursache. Unter viel Beifall analysiert z.B. der Diplommeteorologe Dieter Walch die Wetter- und Weltsituation und macht die menschliche Unvernunft für die bevorstehende Katastrophe verantwortlich. Es geht also um den Geist der Menschen, an dem sich etwas ändern muss. Denn dieser Geist ist, wie uns immer bewusster wird, oft auch für drohenden kosmischen Katastrophen verantwortlich, könnte sie verhindern oder durch eine andere Form des Lebens besser den Erdbeben, Überschwemmungen oder anderen unvermeidbaren und im Sinne der Natur sinnvollen Ereignissen begegnen. Das Unwetter im Kopf der Menschen ist die Katastrophe, die von den antiken Theologen beschrieben und für die ein Heilsereignis vorausgesehen bzw. beschrieben wird. Die Natur selbst verhält sich natürlich, vernünftig. Für die Verfasser der antiken Texte, die einen empirischen Zusammenhang von Naturphänomenen und menschlichen Verhaltensweisen nicht in der heutigen erkennen konnten, waren die apokalyptischen Bilder von kosmischem Geschehen eine Forderungen an den menschlichen Geist. Was ihre Bedeutung in keiner Weise herabwürdigt, sondern viel mehr erkennen lässt.
Doch mit Moralpredigten im heutigen Sinne, Aufruf zu einem richtigen Verhalten ist es nicht getan. Gerade die Apokalyptiker bringen zum Ausdruck, dass dem ein grundlegender geistiger Wandel vorausgehen muss.
2.
Apokalyptik als Aufforderung an die Amtstheologie?
Wir müssen uns die gesamten Texte der Apokalyptik vor Augen halten, den gewaltigen Wandel vergegenwärtigen, der dort beschrieben ist. Was hätten uns die Apokalyptiker zu sagen? An wen richteten sich die Themen der antiken Apokalyptiker? Und wer wäre heute die Adresse?
Aufruf zur Umkehr und blinde Hoffnung für Einzelne in aussichtslosen Situationen, das wird kaum der Grund gewesen sein, apokalyptische Texte zu verfassen, wie wir sie in der Bibel nachlesen. Wir haben es hier nicht mit hoffnungsfroher Beschwichtigungsliteratur zu tun, die Menschen in persönlicher Not, vorgelesen wurden, wie es leider heute oft geschieht. Auch abschreckende Ermahnung oder Erbauung kann nicht das Thema dieser theologischen Texte gewesen sein. Wenn von einer Auseinandersetzung zwischen hell und dunkel, gut und böse ausgegangen wird, dann denkt eine entsäkularisierte Welt nur an die Politik, den allgemeinen Zeitgeist oder die Wirtschaftsmacht und Mächtigen. Gewohnt Bibeltexte zur Moralisation seiner Mitmenschen zu verwenden, wird der Prediger warnend den Zeigefinger erheben und dabei auf das Fehlverhalten irgendwelcher Mitmenschen zeigen, Hoffnung machen wollen und von einer neuen Welt im Jenseits reden.
Doch war dies das Thema der antiken Theologie, die mit Sicherheit nicht nur Traumbilder gedeutet, sondern gedacht hat? Nicht Tagräumer haben die Apokalypsen geschrieben, die wir im Neuen Testament lesen, sondern antike Theologen, griechisch-jüdische Bildungsbürger, die über alle untauglich gewordene Gottesvorstellungen und philosophische Spekulationen der damaligen Zeit hinaus einen religiösen Neubeginn sahen. Ihre Aussagen waren keine Moralpredigten an die Welt, sondern Auseinandersetzungen mit dem jeweiligen Glauben, Aufruf zum Wandel.
Wenn von einem Wechsel vom Chos- in Ordnung ausgegangen wird, dann ist es bei heutiger Auslegung selbstverständlich, dass damals nicht der Einzelne, sondern eine Gesamtheit gesehen wurde. Die böse Macht, die durch ein Heilsereignis besiegt wurde, ist also im allgemeinen Welt- und Gottesverständnis zu suchen. Der Satan ist nicht der außerhalb Stehende, der Atheist oder ein Einzelner, der sich falsch verhält. Das Problem sitzt im Kopf des vorherrschenden Denkens. Das Welt- bzw. Gottesbild ist nicht mehr schöpfungsgemäß und muss sich wandeln. Und wissen wir nicht schon längst, dass es sich beim in der Apokalyptik gern gemalten Bild des Teufel um einen einstigen Engel, einen Boten oder Botschafter Gottes handelt, der jetzt allerdings von Gott abgefallen ist? Sollte dieser von Gott abgefallene Botschafter gar die gegenwärtige Theologie sein? Nicht Anschuldigung ist dabei das Thema, sondern Aufruf zum notwendigen Neuverständnis. Nur Bin Laden zu verteufeln, der im Namen des Glaubens zum Massenmord aufruft und Märtyrer anstiftet, bringt uns nicht weiter. Nicht der fremde Teufel war das Thema der im Neuen Testament zu lesenden Apokalypsen. Im eigenen Gottes- bzw. Weltbild wurde ein Wandel erwartet oder als erfüllt gesehen.
Wer nüchtern nachdenkt, jenseits von Naturkatastrophen und Weltuntergansstimmung mit heutigem Wissen die apokalyptischen Text analysiert, um daraus für die Zukunft zu lernen, der kann die Augen nicht vor der Tatsache verschließen, dass eine theologische Änderung, ein sich bereits vollzogener oder erwarteter gewaltiger geistiger Umbruch das Anliegen der unzähligen Texte ist. Doch auf was warten wir dann noch? Warum tun wir nichts? Warum halten wir an Gottesvorstellungen fest, die dem Glauben der Welt keine Grund mehr geben? Ist die Apokalyptik nur trostvolle Hoffung auf geheimnisvolle Heilsereignisse oder fordert sie zum Handeln auf? Ja selbst wenn die Hoffnung im Vordergrund stünde, dann ist der Sinn der Hoffnung nicht das Sitzenbleiben, sondern ruft zum Handeln. Das Heilsereignis wird in den Apokalypsen von Gott gegeben. Doch ernten müssen wir. Ohne einen theologischen Wandel, ein Handeln im Sinn des Suchens einer neuen Gotteswahrnehmung, eines neuen Verständnisses seines Wortes, wären die Texte umsonst geschrieben und uns das heutige Verständnis nutzlos gegeben.
(Aber ich vergesse immer wieder: Jesus Christus, auf den die neutestamentlichen Apokalypsen ihre Hoffnungen setzten, war ja laut heutiger Lehrmeinung nur ein verherrlichter Wanderprediger, die Apokalyptiker hätten nur fromm geträumt, mit geheimnisvollen Visionen Opium gestreut. Doch dann frage ich mich, warum die Kirchen- oder gar die staatliche Steuer vergeudet wird, damit Geisteswissenschaftler apokalyptische Texte lesen und auslegen lernen? Was nützt es, wenn wir wissen, dass der Teufel im Tempel selbst sitzt, sich im Kirchengebäude getarnt hat und nichts tun, um ihn zu verjagen? Was hilft eine Auslegung von z.B. 2. Tessalonicher 2, die erkennt, dass der Aufhalter entfernt werden muss, gleichzeitig eine fortgeschrittene Gotteswahrnehmung durch Verweis auf biblische Texte aufgehalten wird? Was bringt es zu wissen, dass wir den Gottes-verstand verloren haben, wenn wir nicht bereit sind, neu zu hören? Was nützt es zu wissen, dass das untauglich gewordene Welt- und Gottesbild durch den Hauch, das Wort, das aus dem Munde des Schöpfers kommt, überwunden wird, wenn wir nicht bereit sind neu zu verstehen, sondern weiterlesen wie zuvor, allenfalls Abbau biblischer Wahrheiten betreiben? Was soll das Engagement, die freigesetzte Emotionen, die bei manchen Theologen herauszuhören bzw. an den feuchten Augen beim Zitieren der Texte abzulesen ist, wenn dadurch nicht der geistige Wandel bewirkt oder gefördert wird, wie ihn nicht nur die Apokalyptiker einfordern, sondern die gesamten biblischen Verfasser?)
3. Wende durch neue Wahrnehmung des Gotteswortes
In der Johannesapokalypse werden mehre Stufen gezeichnet. Ausgehend von einem Chaos rein weltlicher Mächte geht die Reise über ein 1000 Jähriges Reich, in dem der Teufel durch den Christus nur gefesselt ist, weiter in die neuen Zeit. Erst hier ist der Gegner des Schöpfergottes entgültig vernichtet. In anderen neutestamentlichen Apokalypsen steht das Heilsereignis kurz bevor, wird sein Vollzug in Kürze erwartet. Dahinter steht jeweils eine bestimmte theologische Weisheit, die die Gotteswelt aus verschiedenen Perspetkiven betrachtet. Wenn die Vorstellen von einer Heilsentwicklung unterschiedlich waren, um den Zeitpunkt gestritten bzw. dieser meist offengelassen wurde, dann ist dies verständlich, nachvollziehbar, gehört zur geistigen Auseinandersetzung. Einheitlich in allen apokalyptischen Texten ist der gewaltige Wandel, der beschrieben wird. Und dieser Wandel wird nicht durch irgendwelchen politischen Veränderungen hervorgerufen. Auch eine Art Bioethik, wie sie mache Intellektuelle heute verlangen oder die Formulierung einer mit Sicherheit notwendigen Weltethik, kann dieser damals erwartete Wandel nicht gewesen sein. Noch weniger ging der gedachte Wandel etwa von einer bio-wissenschaftlichen Entwicklung aus, wie sie z.B. der heute hochgeschätzte Philosoph und vielgelesene Bestsellerautor Francis Fykuyama in seinem neuesten Buch „Das Ende der Menschen“ als eine moderne Apokalypse im eigentlichen Sinne beschreibt. Denn auch Fykuyama beschreibt keineswegs das Ende des Menschen, sondern dessen Veränderung. Er geht von einer eingreifenden biomechanischen Veränderung des Menschen aus, die sich bereits durch den Einfluss heutiger Medikamente abzeichnen würde. Ob z.B. ein als Anti-Depressivum den Frauen mehr Selbstachtung verschaffende und in Amerika von Feministinnen gefeierten Arzneimittel oder ein eigentlich nur für hyperaktive Kinder gedachte, aber in einigen amerikanischen Schulen schon 50% der Schüler verabreichte Mittel, um diese leichter zu steuern und in die Gemeinschaft zu integrieren. Hierdurch oder noch zu entwickelnde Stoffe erwartet der Geisteswissenschaftler allen Ernstes eine Erneuerung. Sie werden nach Fykuyamas Meinung einen neuen Menschen hervorbringen. Zwar warnt der Geisteswissenschaftler vor all diesen Medikamenten und den fatalen Folgen, doch geht er von einem Wandel durch die uns noch bevorstehenden biotechnischen Möglichkeiten aus. Damit hat der Geisteswissenschaftler die Verantwortung für den geistigen Wandel an die Biowissenschaftler abgegeben.
Doch so leicht haben sich die antiken Denker, die in den Apokalypsen den Wandel beschreiben, nicht aus der Verantwortung herausgestohlen. Wenn sie uns einen notwendigen Wandel zeichnen, dann hat Gott gesprochen und wollte neu Verstanden werden. Nicht durch Medikamente wurde der Mensch verändert, sondern ein anderes Denken. Das Alte war vergangen und ein neues fruchtbares Verständnis war geworden oder wurde erwartet. Die Geisteswissenschaft war gefragt, keine Veränderung im biomechanischen Bauplan der menschlichen Wesen, die uns bei der beschriebenen Anwendung in Wirklichkeit nur aus dem natürlichen Gleichgewicht bringen.
Ein Glück, dass das weder das griechische, ebenso wenig das jüdische Denken der Antike noch nicht die Möglichkeiten moderner Bio-Medizin kannte, was wäre aus uns geworden? Wenn damals die Menschen gemeinschaftsfähig zu machen waren, ihnen Depressionen genommen und einen eindeutigen Platz in der Gesellschaft gegeben wurde, dann musste der Kopf herhalten, das Denken der Menschen war zu erneuern. Ein neuer Gottesverstand war gefragt und angesagt, das macht die Apokalypsen aus. Doch wer Gott nur als eine Halluzination hinter dem Schläfenlappen vermutet, wie dies in der gleichen Spiegelausgabe als Titel zu lesen war, die auch über den erwarteten biologischen Wandel des Menschen durch den vielgerühmten amerikanisch-japanischen Philosophen berichtet, dann bleibt für die Geisteswissenschaft nichts zu tun. Angesichts des heutigen theologischen Selbstverständnis und erst recht dessen, was Wissenschaftler heute von der Theologie halten, wo Gott nur etwas für Gestrige ist, Glaube mit Unvernunft gleichgesetzt wird, Kirchengeist durch jahrhundertelange Übung mit konservativer Fortschrittsverhinderung gleichgesetzt wird, scheint es völlig absurd, gerade die Theologie für den geistigen Fortschritt verantwortlich machen zu wollen, von ihr einen völligen Umbruch, den Aufbruch zu einem neuen Menschen zu erwarten. Da müssen dann Medikamente her. Denn auch das ist das Ergebnis von Fukuyama, der sich vor rund 10 Jahren mit dem „Ende der Geschichte“ einen Namen machte. Die entsäkularisierte Philosophie hat uns nichts mehr zu sagen. Ideologien haben ausgedient. Marx und Mao sind nur noch Produkte von Gestern, menschliche Freiheit ist festgeschrieben, das Ende der Geschichte erreicht. Erst durch die Biomedizin ist daher in den Augen des amerikanischen Denkers wieder ein Fortschritt vorstellbar, geht die Geschichte doch weiter, wird ein sich gewandelter Mensch erwartet.
Nachdem wir keinen Pharao mehr haben, Kaiser Augustus schon lange gestorben ist, wir Aufklärung scheinbar ohne wahre Erneuerung verstreichen ließen, die Freiheit nicht von selbst zum geistigen Fortschritt geführt hat und Theologen in Christus oder Logos nur einen hellenistischen Hoheitstitel für einen jungen Juden als einzige historische Realität vermuten, helfen scheinbar nur noch Psychopharmaka. Von philosophischem Denken eine geistige Weiterentwicklung der Welt zu erhoffen liegt inzwischen selbst für die Philosophen außerhalb jeglicher Realität. Auch von der Religion wird kein Fortschritt, sondern allenfalls Festhalten an veralteten Denkmustern erwartet. Ein grundlegender Wandel unseres Weltbildes ist unvorstellbar, der liegt völlig außerhalb jeglichen Denkvermögens. Diejenigen, die ihn vollziehen sollten, halten verzweifelt an alten, bis zur völligen Banalität verkürzten Bildern fest. Ein Fortschritt im Denken über Gott ist nicht festzustellen.
Doch ich bin sicher, die christlichen Apokalyptiker haben ihre Hoffnung weder auf Psychomedikamente, noch ein religiöses Placebo oder eine gottverlassene Philosophie gesetzt. Sie haben nicht halluziniert oder nur hoffnungsvoll geträumt. Sie haben auch nicht verzweifelt festgehalten an allgemeinüblichen Denkmustern, die amtlicherseits dogmatisch gesetzt waren. Ihre Hoffnung galt nicht dem Gestrigen, sondern einem neuen Geist, der durch Christus gegeben war. Ob die Hoffnung dem Auferstandenen galt oder erst später einem vom Himmel neu herabkommenden Christus ist eine Frage des theologischen Standortes. In einem Hoheitstitel für einen historischen Wanderphilosophen mit Namen Jesus haben die Verfasser der Apokalyptik mit Sicherheit nicht den erhofften Bruch mit dem bisherigen Welt- bzw. Gottesbild und den Neuanfang gesehen. Wenn sie vom „Spross aus Davids Stamm“ sprechen, vom „Menschensohn“ schwärmen und auf den wiederkommenden Christus setzen, dann muss das Wort Gottes mitgelesen werde, um das es in der menschlichen Gestalt geht und nach dessen Entfernung scheinbar erst die endgültige Erlösung gesehen wurde. Welch eine Weisheit spricht aus den Apokalyptischen Texten. Noch waren Bilder notwendig um zu verstehen, das zeigen allein die literarischen Ausformungen der Apokalyptiker. Wo wir heute von evolutionärer Erkenntnis sprechen, einen geistigen Fortschritt und Neubeginn beschreiben würden, selbst in der Exegese einfache abstakte Modelle der Entwicklung gezeichnet werden, haben sie uns herrliche Bilder gemalt, sich so der Allgemeinheit verständlich gemacht und die Erkenntnis vor dem Verfall intellektueller Theorien bewahrt. Wer die Apokalyptiker ernst nimmt, in ihren Ausführungen einen radikalen Wandel im religiösen Weltbild wahrnimmt, der kann in der historischen Realität Jesus Christus nicht weiter nur einen besonders begabten Wanderprediger wahrnehmen, wie dies die derzeitige Theologie tut, die dann einen Christus des Glaubens als Miniaturausgabe Gottes daneben setzt. In der historischen Realität Jesus liegt das Offenbarungs- und Erneuerungsgeschehen, von dem die Apokalyptiker berichten, sich Heilswirkung erhoffen.
„Offenbarung“, das Sichtbar werden des bisher verborgenen, die „Enthüllung“ all dies zeigt doch um was es geht. Nicht die apokalyptischen Texte selbst sind die Enthüllungen. Vielmehr wird hier die Offenbarung, die Enthüllung beschrieben. Offenbarer der christlichen Apokalyptik ist kein Mensch, sondern der Messias, das Wort in Menschengestalt, das erst nach seinem späteren Wiederverständnis zur wahren Erlösung wird. Nur in einer neuen Wahrnehmung des Gotteswortes werden Tode wieder auferstehen, wird das alte Denken wieder lebendig. Auf dem Friedhof werden wir vergebens nach den Auferstandenen suchen. Gleichwohl es letztlich die Alten sind, die wieder lebendig werden. Ob die Hoffnungen der westlichen Aufklärer, der antiken Philosophen oder der jüdisch-gesetzlich Gläubigen. In einer neuen Wahrnehmung des Schöpferwortes lag und liegt die Erfüllung, kann ein Neuverständnis der alten Vorstellungen unserer Väter Realität werden. Den Logos, die Vernunft Gottes können wir im Weltgeschehen neu verstehen. Nur so wird das verhüllte sichtbar, das dunkle offenbar. Eine neue Schöpfung, ein neue Mensch fällt nicht vom Himmel. Ein neues Denken ermöglich die Schöpfung neu zu verstehen und so einen neuen Menschen entstehen zu lassen.
4. Apokalypsen als Ausformungen des lebendigen Wortes
Wer das Wort Gottes in allem Werden wahrnimmt, einem ständigen Wandel der sich in der gesamten Genesis vollzieht und der die heute als Biologie bezeichnete, wie auch die geistige Realität umfasst, der versteht die schöpferische Vernunft auch der Apokalypsen. So lässt sich nachvollziehen, warum die Texte keine Träume sind, sondern eine theologische Tatsache in einer der damaligen Zeit entsprechende Ausformung zum Ausdruck bringen. Der das antike Denken bestimmende Logos, indem sich die Grundprinzipien aller Genesis auf einen Nenner brachten, ist auch aus den apokalyptischen Texten der verschiedenen Kulturen herauszuhören. Je modellhafter heutige Auslegung den Wandel von Chaos zum Kosmos beschreibt, desto mehr ist das alle Schöpfung bestimmende Wort in der Apokalyptik zu verstehen. Dieses Wort hat mehr als wir heute verstehen, das gesamte theologische Denken geprägt und wurde in verschiedener Weise zum Ausdruck gebracht. Was in den verschiedenen Apokalypsen zu lesen ist, sind nach diesem Verständnis keine frommen Hoffnungen, sondern Vertrauen in ein bewusst wahrgenommenes vernünftiges Gotteshandeln, das immer wieder zum Heil, zum Fortschritt führt. Das Schöpfungsmuster ist vorgegeben, nur das Offenbarungs-Medium, das die Heilserfüllung auslöst und der Zeitpunk weichen voneinander ab. Für die christliche Apokalyptik ist es weder ein menschlicher Herrscher, noch ein vormals den Vätern gegebenes Gesetz, das den Neubeginn auslöst, sondern das Neuverständnis des ewigen Gotteswortes.
Auch der Zustand des Unheils gehört mit zum Muster der Schöpfung, geht notwendigerweise einem Neubeginn voraus.Wenn babylonische Apokalyptiker im Wechsel zwischen Glück und Unglück, Trockenheit und Regen die Genesis vermuteten, dann setzten sie auf den gleichen Logos, der der christlichen Religion zugrunde liegt. Sie befreien quasi heutiges Festhalten und Verstockung vom Vorwurf der Falschheit. Denn all dies hat seinen Sinn. Nur so kann Neues entstehen. Diesen Logos, der zur Zeit der Apokalyptiker als Gottessohn gesehen und somit auch Menschensohn war, können wir neu wahrnehmen. Er war es, der damals den Wandel bewirkte. Und von ihm wird auch heute eine apokalyptische Wirkung ausgehen.
(Um überzeugend zu argumentieren, müssten die
verschiedenen apokalyptischen Texte beleuchtet werden. Dabei wären die
apokryphischen Aussagen mit denen der in den Kanon aufgenommenen oder bei
Paulus und den Synoptikern enthaltenen zu vergleichen und die unterschiedliche
Standpunkte herauszuarbeiten. Auch die außerchristlichen Apokalyptiken wären
sicher hilfreich und würden auf ein außerchristliches Verständnis des
Gotteswortes/wirkens schließen lassen. All dies kann an dieser Stelle nicht
geleistet werden. Doch ich bin sicher, wenn wir mit neuem Verständnis an die
apokalyptischen Texte gehen, werden wir ohne die Aussagen auf Einzelpersonen
oder Ereignisse zu beziehen, wie dies bisher vorwiegende Bibellese war, zu
völlig neuen Erkenntnissen kommen. Und zu dieser neuen Erkenntnis fordern die
Apokalyptiker auf. Denn die Zeit für einen grundlegenden Wandel, ein neues
Verständnis des schöpferischen Wortes scheint reif.)
4.
Apokalyptische Zeiten (Noch auszuformulieren)
Hier wären die heutigen Verhältnisse, z.B. im Hinblick auf den Verfall der bisherigen Werte, einer von den Intellektuellen längst als haltlos gesehen Welt, die sich gleichzeitig einem gewaltigen und immer schnelleren Wandel vollzieht als Vorzeichen für eine notwendige geistige Erneuerung nachzuweisen. Nicht als Kulturpessimismus im oft geübten Sinne, sondern als aktuelle Problemanalyse, um Lösungen zu nennen, u.A. für:
-Globalisierung unseres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens, für die einen neuen gemeinsamen Geist, ein globales, universales Denken, notwendig ist, wie es bereits von den Apokalyptikern der Antike erwartet wurde, die im schöpferischen Wort einen weltumspannenden Glaubensgrund erkannten.
-Technischer Wandel und wissenschaftliche Möglichkeiten z.B. in Biomedizin, wo ein verant-wortlicher Umgang nicht durch Gesetze allein vorgegeben werden kann, sondern eine geistige Erneuerung, ein gesamt- bzw. zukunftsorientierter Denken notwendig wäre, das m.E. nur durch die neue Wahrnehmung eines alles be-stimmenden, sinngebenden Wortes möglich ist.
Fortzusetzen.....
Zum Schluss nochmals Frage der Verantwortung für den Wandel stellen:
-Geistliche haben Geist abgegeben.......greise Papst keine neuen Perspektiven, ebenso wenig von evangelische Kirche, deren Hausmedien schon von „neuen Perspektiven“ schwärmen, wenn auf Synoden über die Abschaffung der Domizilpflicht der Pfarrer nachgedacht wird.
Die zwar Seminare anbieten, wo über Weltprobleme wie Gentechnik, Globalisierung... nachgedacht wird, jedoch den Glauben längst nicht mehr ernst nehmen, wenn es um deren Lösung geht. (Wo
-Politik, die nur den Ungeist der Gesellschaft, dem sie selbst unterliegt, nur verwalten kann...z.B. El Gore, der die Ungleichgewichte der Welt zwar auflistet, jedoch selbst als Präsident eines Landes ohne Fressfeind keine Lösung hätte...Feind im Kopf der Gesellschaft, als deren Teil die Politik zu betrachten ist und deren Ungeist sie nur versucht kläglich in den Griff zu bekommen.
-Intellektuelle, Philosophen wie Fukyama der, nachdem er vor Jahren das „Ende der Geschichte“ proklamierte, jetzt einen Fortgang erwartet, dabei jedoch nur auf biotechnische Erneuerung des Menschen setzt, den Geist somit in Wirklichkeit auf- bzw. abgegeben hat.
-Insbesondere die Fehlentwicklungen, die sich durch eine globale Lebens- und Wirtschaftsweise auflisten lassen, machen die Not-wendigkeit einer neuen Gotteswahrnehmung, einer globalen Sinngebung deutlich.
Universale Werte lassen sich nicht durch Mehrheitsmeinungen und Weltmoralpredigten begründen, sondern das universale Wort, das vom Autor des Alles ausgeht. Dieses Wort gilt nicht philosophisch abgehoben, sondern als das uns als Mensch bekannte Wesen des christlichen Glaubens wahrzunehmen.