Jesaja als Zeuge Jesus
Jesaja will ich zum Zeugen dafür berufen, dass es beim historischen Jesus von Nazareth nicht um einen verherrlichten Wanderprediger ging, sondern um das lebendige WORT in Person.
Die
Jesajatexte sind gleichzeitige Zeuge dafür, dass das WORT, worauf wir all
unsere Hoffnung, unser Gottvertrauen setzen und worauf unser Glaube gründet,
nicht nur ein Traditionstext sein kann, wie er Sonntags in der Kirche
vorgelesen wird. Das WORT, worauf Jesajas Trost baute war kein Text, der in
Büchern steht, sondern das in allem Werden lebendige WORT Gottes. Ein WORT, das
selbstverständlich auch den Geschichtsverlauf
bestimmt.
Die
Jesajatexte zeigen uns dabei, wie wichtig heute eine theologische Wende wäre.
Es geht um die Notwendigkeit für ein neues Verständnis vom schöpferischen WORT.
Befreiung aus der Gefangenschaft. Befreiung aus Babel, gegenseitiger
Missverständnisse, heilloser Sprachverwirrung
Heutige Theologie hebt sich selbst auf
Auch
die heutige Theologie beruft sich auf Jesaja, begründet darin die
Hoheitsfunktion unseres Heilandes. Während die frühere Theologie eine Prophetie
annahm, die sich in der Gestalt des Menschen Jesus erfüllte, werden die
Jesajatexte heute weitgehend als Steinbruch betrachtet, der zur Verherrlichung
des Menschen Jesus herhalten musste. Doch die Jesajatexte sind weder eine
Hellseherei, bei der die Wunderwerke eines rund 500 Jahre später geborenen
jungen Juden vorausgesehen wurden, noch taugen sie zur theologischen Begründung innerer Christologie, wie sie heute modern
ist.
Wenn
ich die Jesajatexte als Zeugen des historischen Jesus bezeichne, dann habe ich
keinen Wunderheiler vor Augen, der später von seien Anhängern verherrlicht
wurde, indem man die Jesajatexte auf ihn übertrug. Solche Gedanken sind Werk
einer Theologie, die den wirklichen Grund christlichen Glaubens - das
lebendige, die Schöpfung bewirkende WORT/LOGOS Gottes - längst verloren hat.
Buchstaben müssen sich dann gegenseitig begründen. Mit jüdischen
Traditionstexten wird versucht die Aussagen des Neuen Testamentes wieder
tragbar zu machen. Doch wie sollen Glaubenstexte, die durch Jesus erst wieder
mit Wahrheit und Leben erfüllt wurden, dessen Hoheitsfunktion bezeugen?
Theologische Begründungen, die sich so gegenseitig aufheben.
Oder
haben wir die Hoheitsfunktion unseres Heilandes wirklich schon aufgegeben,
betrachten wir, wie die moderne Theologie, nur noch den Menschen Jesus,
der vergöttert wurde? Christologie und
damit der erneuert Gottesglaube, ist dann bis auf einen theoretischen
Restposten "abgeschrieben", hat nur noch einen unscheinbaren
Buchwert.
Ein
erneuerter Glaube an den einen Gott, wie er durch Christus ermöglicht wurde,
kann nicht einfach als Gott bezeichnet werden. Christus ist nicht mit Gott
gleichzusetzen. Auch diese Argumentation hebt sich gegenseitig auf. Denn
Christus kann nicht die Offenbarung Gottes sein, Voraussetzung eines
vernünftigen Glaubens an Gott und gleichzeitig ein in der antiken Predigt
gesetztes Gottwesen, an das man einfach glauben muss. Wen wundert es, wenn der
Atheismus in diesen Begründungen des Glaubens nur menschliche Projektionen
erkennen kann. Für ihn sind Alt- und Neutestamentliche Texte menschliche
Predigten. Projektionen einer Religiosität, der keine Realität zugrunde liegt.
Der Atheismus braucht der modernen Theologie nur nachzusprechen um zu belegen,
dass aller Gottesglaube und alles Gerede von Jesus oder Jesaja völlig grundlos
ist. Er sieht nur religiöse Hochstapelei, bei der alte Heilsaussagen dafür
herhalten müssen, die Hochheiligkeit eigener Heilsfiguren zu begründen.
Bereits in Jesaja lebt das Bewusstsein
des schöpferischen LOGOS
Bibelabende
zur "Trostbotschaft des zweiten Jesaja" haben mir vor Augen geführt,
welches großartiges Bewusstsein vom WORT Gottes sich bereits hinter diesen
Texten verbirgt, welch erneuertes Gottesbewusstsein sich hier auftut. Was die
Jesajatexte bezeugen ist das universale SchöpferWORT. Im erneuten Hören dieses
WORTES hat Jesaja die Heilswirkung gesehen.
Jesaja
ist Zeuge des schöpferischen LOGOS, keine Prophezeiung eines späteren
Wanderpredigers, sondern die Voraussage einer Glaubenserneuerung, eines ewig
erwachsen werdenden Gottesbewusstseins. In diesem Reifeprozess der Religion
drückt sich das WORT aus, das nie vergehen wird. Wer angesichts der Texte des
Jesaja bei dem Begriff WORT nur die Texte der jüdischen Thora oder mündliche
Glaubensüberlieferungen und alte Traditionen sieht, der kann die Texte doch
nicht wirklich ernst nehmen. Der liest sie, wie wenn es leere Heilsbotschaften
wären.
Es
war mehr als eine überkommene Tradition, in der die Verfasser der Jesajatexte
das ewige Weltgesetz, den Schöpfungsplan erkannten. In einer umfassenden
Weltsicht haben sie in der scheinbaren Gottverlassenheit ihres Glaubensexils
das WORT Gottes neu wahrgenommen. Weisheit aus fünf Jahrhunderten unter der
Bezeichnung Jesaja ist in den Jahrhunderten vor Jesus zusammengewachsen.
Niemand geht davon aus, dass die Jesajatexte das Werk eines Einzelnen sind, der
aufgrund seiner charismatischen Begabung geistige Höhenflüge hatte. Ganz
selbstverständlich gehen wir von einer Vielzahl verschiedener Weisheitstexte
aus, die zusammengewachsen sind. Ihr gemeinsamer Nenner ist ein neues
Gottesbewusstsein, das sie versuchen dem jüdischen Volke näherzubringen und das
dann Heilswirkung für die gesamte Welt haben soll.
Gemeinsam
sei den verschiedenen Verfassern die Prophetie als geschaute Wirksamkeit
Gottes, so der Bibelkommentar. Wahrgenommenes Schöpfungs- incl.
Geschichtshandeln war es also, verstandenes WORT und nicht das Lesen traditioneller
Texte machte demnach die neue Offenbarung aus. Das Bewusstsein des
schöpferischen WORTES erst befähigte zum Verfassen von Texten, die wir heute
für das Wort selbst halten.
Höret, ihr Himmel, und Erde, nimm zu
Ohren,
denn der Herr redet............
höret des Herren Wort
Hier wie in allen sonstigen Aussagen des
Textes geht es um das WORT, das alles SEIN ins leben rief. Wie weit im Gesetz
gefangen muss unser Denken sein, wenn wir bei all den zahlreichen Berufungen
auf das ewige, nie vergehende WORT immer nur einen Buchtext vor Augen haben?
Ein Ochs kennt seinen Herrn
und ein Esel die Krippe seines Herrn;
aber Israel kennt nicht
Jesaja
klagt das jüdische Volk an Gott nicht zu kennen. Leben auch wir heute im
Glaubensabfall? Liegt dies wie damals
daran, dass wir das WORT des Schöpfers nicht hören, im WORT Gottes nur einen
von unseren Glaubensvätern verfassten Text sehen? Wenn unsere Kirche heute von
Jesus als dem fleischgewordenen WORT spricht, dazu auffordert ihn als Gott
anzubeten, dann fordert sie in Wirklichkeit, dass ich sie anbete, von
Frühkirche verfasste Texte, die zum Teil von Jesaja übernommen wurden.
Doch
ebenso wie am Beginn christlichen Glaubens, bei den Verfassern der Evangelien
oder den Kirchenvätern war auch bei Jesaja ein Bewusstsein des lebendigen
WORTES, das weit über unser Verständnis von WORT Gottes hinausgeht. Während ich
bisher davon ausging, dass der christliche Glaube, die Wahrnehmung des
lebendigen WORTES erst in der allegorischen Weitsicht Philo von Alexandrias,
der Weisheit Jesus Sirach oder weiteren Geistesbewegungen der jüdischen
Diaspora in Synthese mit dem griechisch-philosophischen Gedankengut geboren
wurde, so scheint mir bereits Jesaja Zeuge im Sinne einer Samenlegung für ein
neues Gottesbewusstsein gewesen zu sein, aus dem das Christentum als ein das
wirksame und wahre WORT Gottes wahrnehmende Israel hervorging.
Aufbruch zu einem neuen Verständnis
Beim
Bibelabend wird immer wieder die geschichtliche Situation des jüdischen Volkes
betont. Die Gefangenschaft in Babylon, die Tränen der Trauer und die Befreiung.
Alle Auslegungen finden im Kontext dieser Situation statt. Ich zweifle nicht
daran, dass sich der Geschichtsverlauf so zugetragen hat. Doch geht es bei den
Texten nicht um weit mehr? Soll hier nicht die Geistesgeschichte beschrieben
werden? Geht es Jesaja nicht vielmehr um die Situation des Glaubens, als nur um
eine politische Befreiung? Ist Jesaja wirklich nur ein Geschichtsschreiber, der
die Zeit einer Antiken "Wiedervereinigung" beschreibt, wie wir sie
vor wenigen Jahren erlebt haben? Ist es nur die politische Not, aus der Jesaja
ruft oder die der Religion? Geht es nur um die Heimkehr eines Volkes oder
musste hier nicht die Heimkehr in ein Verständnis Gottes gesehen werden?
Auch
im Vorwort zum Begleittext der Bibelabende wird davon ausgegangen, dass sich
das Volk Israel in einer Glaubenskrise befand. Doch mit Jerusalem war mehr nur
als eine Stadt zusammengebrochen. Nicht nur ein Tempel aus Steinen war
zerstört. Ein theologisches Problem, kein politisches, galt es zu lösen. Genau
wie heute. Wenn, wie beschrieben, die Stätte der Gegenwart Gottes unter seinem
Volk und die Mitte des menschlichen Kultes in Trümmern lag, dann geht es um
eine Glaubenskrise. Der Auszug aus Babylon bedeutet mehr, als eine politische
Befreiung. Die Gefangenschaft, Erstarrung und Resignation aus der heraus etwas
neues geschaffen werden soll, ist eine geistige. Gott hat jedoch nur scheinbar
seinen ewigen Bund verlassen. Der heute seit Nietzsche beklagt Gottestod ist
nur der Verfall eines babylonisch selbstgesetzten Gottesverständnisses. Als
Babylon ist weder das Bahnhofs- noch das Bankenviertel von Frankfurt zu sehen,
auch wenn im wirtschaftlichen wie im sittlichen Bereich viel Unvernunft und
fehlende Werte zu beklagen sind. "Babylon" liegt dort, wo sich
Wissenschaft und Theologie nicht mehr verständigen können, wo jeder
selbstherrliche Bauten errichtet und das WORT des Schöpfers nicht mehr
verstanden wird. Die Gefangenschaft im rein physikalisch-materalistisch verstandenen
Gesetz auf der einen Seite und nur als theologische Überlieferung betrachteten
Gesetzestexten andererseits gilt es zu verlassen und zu einem neuen Verständnis
des beiden gemeinsam zugrunde liegenden WORTES aufzubrechen.
Wenn
im Begleittext vom "Licht der Klarheit" gesprochen wird, mit dem Gott
leuchten soll, dann kann dieses Licht keine mystische Vergeisterung bedeuten,
kein glaube trotzdem als billiger Trost. Was leuchtet und zu einer neuen
Erkenntnis, einer Befreiung aus dem Exil führt ist ein neues Verständnis des
schöpferischen LOGOS.
Seine
Hoffnung kann Jesaja unmöglich auf alte Texte gesetzt haben. Aus seinem Trost
spricht ein neues Verständnis des WORTES Gottes, wie wir es heute beim Aufbruch
in ein neues Jahrtausend bitter nötig hätten. "Krise als Chance
verstehen" so wird im Blick auf Jesaja verlangt. Doch diese Chance kann
nicht sein, "Christus" weiterhin nur als Hoheitstitel für einen
Wanderprediger wahrzunehmen. Die Israeliten haben im Exil nicht nur gelitten.
Ich bin sicher, sie haben in der Fremde gelernt. Was kann unser Glaub, der im
Exil eines wissenschaftlichen Weltbildes ein Schattendasein führt, lernen? Wie
lässt sich unser Gottesverständnis erneuern? Wie können wir die in den Bildern
von damals lebendige Neugeburt des Glaubens heute hervorbringen?
Wenn
die Menschen damals aus ihrer Resignation herausgeführt wurden, dann war dies
keine mystisch-individualistische Religiosität. Auch nicht die pure Predigt,
leere Rhetorik, die verlangt an vergangene Werte oder eigene Worte zu glauben.
Jesaja wollte nicht, dass die Menschen seinen Worten vertrauten. Nicht auf
Menschen galt es zu hören, sondern auf Gott selbst, das geht klar aus vielen
Texten hervor. Und genau dies ist in der Antike später erneut wahr geworden.
Dieses WORT Gottes, auf das Jesaja seine Hoffnung setzte, wurde der Person des
Wanderpredigers lebendig.
Eine
wichtige Voraussetzung dafür war für Jesaja und ist auch heute die Bejahung der
Schöpfung. Es geht nicht darum Gott als Schöpfer zu setzen, sondern ihn als
solchen zu "verstehen". Solange allerdings unsere
Naturwissenschaftler in biologischer Kurzsicht nur einen Genegoismus
betrachten, nur eine pures gegenseitiges Vernichten ums Überleben in der Natur
sehen und nicht die Gesamtheit der Genesis, in der alles SEINEN Sinn hat, jedes
Wesen auf andere Art den Schöpfungsplan erfüllt, werden wir unfähig sein, das
lebendige WORT zu hören. Der Sonnenaufgang ist dann nur ein physikalisches
Geschehen, die Evolution ein blinder Zufall und seit Auschwitz könne man eh
nicht mehr an Gott glauben. Die Theodizee, Folge eines Gottesverständnisses,
das Gott als Schöpfer nur aufgrund von Gesetzen wahrnimmt, hat uns im Griff.
Die Scherben beschweren sich beim Schöpfer. Der menschliche Ton maßt sich an,
über dem Töpfer zu stehen, ganz wie bei Jesaja beklagt.
Die
Jesajatexte sind alles andere nur eine Moralpredigt oder ein blindes
Beschwichtigen um den Menschen eine unbegründete Hoffnung zu geben. Was
verlangt wird, ist ein neues Verständnis. Es geht um einen Exodus, der Mut
macht zu neuen Ufern aufzubrechen. Zeiten der Krisen fordern auf, neue Wege zu
gehen. Wenn das gesetzte Wort Gottes nicht mehr für wahr gehalten wird, müssen
wir neue Wege seiner Bestätigung suchen. Wer Jesaja ernst nimmt, kann
theologisch nicht einfach weitermachen wie bisher.
In Jesaja ist die Weisheit des WORTES
lebendig
Längst
wissen wir, dass die Jesajatexte nicht das Werk eines einzelnen Schreibers
sind, sondern eine Weisheit zugrunde liegt, die sich über viele Jahrhunderte
entwickelt hat und die wenige Jahrzehnte vor Jesus aufgezeichnet wurden. Es
liegt auf der Hand, dass die Texte nicht dem Traum eines Charismatikers
entspringen. Es geht nicht um unerklärliche Gotteserfahrung, prophetische
Einsichten eines einzelner Menschen, die nächtlichen Visionen entspringen. Hier
spricht ein neues hellwaches Gottesbewusstsein, das nicht Werk mystischer
Erkenntnis eines Einzelnen ist, sondern im Schoße der Weisheit das Licht der
Welt erblickt.
Wie
können wir angesichts dieses Bewusstseins weiter behaupten, dass die
charismatische Inspiration eines Wanderpredigers die unumstößliche Wahrheit und
Gottesoffenbarung gebracht haben soll. Weder in den Büchern Moses noch den
sonstigen Schriften des Alten Testamentes geht es um das Gottesbewusstsein
eines Einzelnen, das absolut gesetzt wird. Wie soll eine Einzelperson jetzt
plötzlich zum Grund des Glaubens werden, nur wegen einer besonders
prophetischen Begabung bzw. Gottesbeziehung.
Oder
ist es so, dass - auch wenn er noch so oft im Munde geführt wird - der
historische Wanderprediger im Denken der Theologen in Wirklichkeit längst
völlig unbedeutend geworden ist? Viele Theologen denken zu wissen, dass nichts
war als ein Wanderprediger und dieser später verherrlicht wurde: für diese ist
Christologie nur eine innere Inspiration bzw. Projektion der Kirche aufgrund
alter Texte, z.B. von Jesaja. Auch wenn wir noch so viel vom Auferstanden
reden, verleugnen wir so das "Neue" Testament. Wir halten es für ein
Aufwärmen des Alten, das wir ebenfalls verkennen. Was uns fehlt ist eine
Wahrnehmung, die dem Alten wie dem Neuen Testament zugrunde liegt: Das WORT
Gottes muss neu bewusst bzw. verstanden werden: Das WORT Gottes, nicht was
einzelne Heilspropheten gesprochen haben oder in sie hineingelegt wird, sondern
was von Jesaja als Heil verkündet und in der Person Jesus verkörpert war.
Jesus
war weder ein besonders befähigter Prophet, noch wurde Menschenwort oder alter
Texte aufgrund alter Prophezeiungen in ihn hineinprojiziert. Er war und ist das
lebendige WORT in Person. In Jesaja sehe ich eine prophetische Weisheit, die
Gottesoffenbarung durch das allgemeingültige und verständliche WORT
vorhersagte. Dieses WORT gilt es wahrzunehmen, neu zu verstehen.
Das Buch als ganzes lesen, als
Bewusstsein von JHWH als allumfassenden Schöpfer
So
wenig wie sich Jesus auf ein religiöse Gestalt reduzieren lässt, einen
Prediger, der den Pharisäern die Meinung sagte und von Paulus & Co. im
Rahmen einer Christologie als Verkörperung
ihrer Theologie benutzt wurde, lässt sich Jesaja auf einen besonders
begabten Einzelmenschen verkleinern. Jerusalem, der alte jüdische Glaube lag in
Trümmern, lebte heimatlos in der Fremde, im babylonischen Missverständnis. Hier
half die neue Theologie vom einen universalen Schöpfergott, wie sie an vielen
Stellen des Textes nachzulesen ist. Der Wandel von einem polythesistischen
Gottesverständnis zu einem monotheistischen kann nicht hoch genug eingeschätzt
werden. Es geht um ein neues Verständnis vom einen allumfassenden Schöpfer der gesamten
Genesis. Die Einzigkeit und Geschichtsmächtigkeit JHWHs, die sich in
vorexilsicher Zeit nur bei einzelnen Gruppen nachlesen lässt, wird bei Jesaja
erstmals als Resultat eines konsequenten Weiterdenkens dieser theologischen
Linie:
JHWH
der einzige, ist nicht nur der für Israel wirkmächtige Gott, sondern der
Allmächtige der gesamten Menschheitsgeschichte. Sein WORT bestimmt die
allumfassende Genesis. Der Gott Israels würde in dieser Denklinie des Einzigen
überhaupt zum Schöpfer, erkennen die Theologen heute. Nicht aufgrund alter
Texte und Mythen, sondern aus dem in allem Werden seine All-macht zum Ausdruck
bringenden Mund offenbart sich Gott in Jesaja. Hier wird uns Gott als Schöpfer
des Himmels und der Erde, also des gesamten Kosmos bekannt gemacht. Es ist
nicht mehr der Gott einer einzelnen Religion, eines bestimmten Volkes. Es ist
der Schöpfer, dessen WORT alles geschaffen hat. Dieses von Jesaja verstandene
WORT wird später in Jesus Grund eines wahrhaft universalen Glaubens.
Israel
ist nicht mehr ein bestimmtes Volk, sondern dort wo das WORT Gottes verstanden,
gehört wird. Der theologische Streit, ob mit dem von Jesaja gelobten
Gottesknecht das jüdische Volk oder der Wanderheilige aus Nazaret mit Namen
Jesus gemeint sei, kann beigelegt werden. Weder noch und beide. Es geht bei
Jesaja um das neue Verständnis des einen Gottes. Gottesvolk ist, wer das WORT
hört und den LOGOS Gottes lebt. Jesus ist kein weiterer Prophet. In der Person
Jesus ist das bereits von den Propheten verstandene WORT personifiziert und so
einer großen Menschheit verständlich geworden.
Lebendige Bilder eines sprechenden
Gottes, Bilder des WORTES
Das
"Hören" Gottes in seinem schöpferischen Handeln war die Leistung der
jüdischen Propheten, hierdurch ist es zu einer historischen Offenbarungsurkunde
von unschätzbarem Wert geworden. Anders als viele andere Religionen hat das
Judentum Gott nicht in eine bestimmte Gestalt gegossen, sondern versucht, sich
an das Bilderverbot zu halten.
Nichts
scheint schlimmer, als überkommene Gottes-Bilder, an denen sich ihre Besitzer
festhalten und die so Fortschritt im Gottesbewusstsein, geistige Schöpfung verhindern. Unter
Berufung auf Gott wird so genau das Gegenteil von dem, was Gott will. Krisen
des Glaubens sind die Folge des Nichtverstehens am Übergang zu einem neuen,
fortgeschrittenen Gottesverständnis.