Wenn wir die Propheten von einer neuen Perspektive aus lesen, die im historischen christlichen Wesen die lebendige Schöpfungs- und Geschichtsvernunft Gottes sieht, erkennen wir, warum sie das Wort Gottes neu bezeugt haben.
Im heutigen Theologieunterricht werden die jüdischen Propheten als ganz selbstverständliche Voraussetzungen für das Neue Testament gelesen. Viele Aussagen der Evangelisten über Jesus werden als Erfüllungen der prophetischen Weissagungen gedeutet. Was früher prophetische Voraussage war, wird heute als von den Evangelienverfassern zur Erhöhung eines historischen Jesus von der Prophetentradition übernommener Text gelesen. Der erhöhte Jesus bzw. der Christus wird so zu einer Erfindung der Propheten bzw. ihrer unbegründeter Hoffnungen.
Doch gründen die Hoffnungen der Propheten nicht vielmehr auf den Logos, auch wenn er als solcher nicht bezeichnet wird? Ist es nicht das Wort Gottes, dem die Propheten vertrauen? War es ein Buchtext, oder die neu erkannte Vernunft im Schöpfungs- und Geschichtsverlauf?
Haben die Propheten nur alte Traditionen weitergesponnen oder ist bereits bei ihnen eine neue Theologie zu erkennen? Wenn wir doch wissen, dass sich die Propheten gegen den damals vorhandenen Kult wandten, dann müssen sie doch ein anderes Wort verstanden haben, als das ihnen von der Amtsautorität vorgesetzte. Muss bei allen Prophezeiungen nicht das neue Verständnis des einen Schöpfergottes mitgelesen werden? Gründete die Hoffnung der Propheten auf ein vernünftiges Schöpfungshandeln, das sich auch in der menschlichen Erkenntnisgeschichte seinen Weg bahnt? Waren also bereits die Propheten Lehrer des Logos, auch wenn bei ihnen das Wort noch keine menschliche Gestalt angenommen hatte. Ist die Übernahme von zahlreichen Prophetischen Bildern und Beschreibungen durch die Evangelisten nicht darauf zurückzuführen, dass sich die Verfasser des Neuen Testamentes nur als Vollstrecker dessen verstanden, das bereits bei den Propheten lebendig war?
Die folgenden Überlegungen wollen
belegen, dass die Propheten wirklich die Er-Finder Jesus waren. Doch sie haben
keine fiktive Gestalt in die Literaturwelt gesetzt, die später wieder
aufgewärmt wurde, wie man es lesen müsste, wenn man im historischen Jesus nur
einen Menschen vermutet und wie es heute verstanden wird. Die Propheten haben
im Geschichtsverlauf neu das Wirken Gottes definiert. Sie haben somit das Wort
Gottes neu verstanden. Der Logos, die Vernunft Gottes wurde selbst in der
Leiderfahrung Israels wahrgenommen. Auch wenn die Propheten dafür die in der
griechisch geprägten Frühkirche gebrauchten Begriffe nicht gebrauchten, sie
haben in ihrer Geschichtsdefinition den Sohn Gottes, den Logos des Allmächtigen
bezeugt.
Aufgabe:
Anhand Prophetischer Aussagen
insbesondere von Jesaja die gestellte Fragen beurteilen. Versuchen die Vernunft
der prophetischen Texte zu belegen, den zugrunde liegenden Logos sichtbar zu
machen. (Hierzu u.A. auf Aussagen von Dr. Sasse und Seger über die
Geschichtssituation und theologische Einordnung der Prophetne zurückgreifen.)
Das großartige Denken, meist
in der geistigen Diaspora aufgreifen um zu belegen, wie damals die
Theodizeeprobleme überwunden wurden und warum die Verdichtung der neu erkannten
Geschichts- und Schöpfungsvernunft, in die eigene Fehlentwicklungen und
feindliche Völker einbezogen waren, in der Menschengestalt Jesus eine
Weiterentwicklung ihres Denkens war, messianische Wirkung hervorbrachte.