Psalmen als Lieder vom schöpferischen Logos

 

 

Ein noch in Bearbeitung befindlicher Text

 

Wer kennt nicht die Schönheit der Psalmen des Alten Testamentes, die Erhabenheit ihrer Texte, die als Gebete gebraucht und als Lieder gesungen wurden und werden. Für Juden und Christen in gleichem Maße gültig, betrachten wir die Psalmen als eine fromme Literatur, von deren erbaulicher Schönheit in theologischen Seminaren geschwärmt wird. Doch geht es nicht auch bei den Psalmen um weit mehr, als eine Erbauungsliteratur? Drückt sich nicht gerade in den Psalmen das aus, was später die griechischen Philosophen den Logos Gottes nannten? Ist somit in den Psalmen als einer besonderen Literaturform das schöpferische Wort lebendig, das laut Johannes menschliche Gestalt angenommen hat?

 

Hellhörig wurde ich, als ich hörte, dass die Psalmen das am häufigsten zitierte Buch des Neuen Testamentes waren. Denn schon längst gehe ich davon aus, dass die Verfasser der Evangelien und Briefe alte Texte nicht nur blind abgeschrieben oder zu einer Art Propaganda verwendet haben, um so ihren Gründer zu verherrlichen, sondern den alten Glaubensgrund neu verstanden. Wenn, wie ich vermute das Wort, der Logos das eigentliche Wesen ist, von dem die antiken Neutestamentler ausgingen, dann muss es seinen Grund gehabt haben, warum sie das Geschehen oftmals in Psalmtexten ausdrückten oder in ihren Geschichtsaussagen die Prophezeiungen der Psalmen bewahrheiten. Und dieser Grund scheint gegeben. Denn mehr als viele andere Texte des alten Testamentes sind die Psalmen ein Ausdruck von erkannter Schöpfungsherrlichkeit, handeln von Schönheit der Schöpfung und die Gerechtigkeit des Geschichtsgeschehens, sind so ein Lobpreis auf das, was die Griechen philosophisch als Logos erkannten.

 

Gerade in Grenzsituationen des Neuen Testamentes werden Psalmen zitiert. Während konservative Kirchenvertreter vermuten, dass z.B. Jesu am Kreuz einen als Kind gelernten Psalm gebetet hat, sind moderne Theologen über dieses Denken längst hinaus. Für sie gelten die Psalmen als eine Art Steinbruch, in dem sich die Verfasser des Neuen Testamentes zur Bestätigung, Christologisierung oder Mythologisierung eines jungen Juden oder eigener theologischer Thesen bedienten. Doch damit ist es nicht getan. Dieses Denken greift zu kurz.

 

Die Psalmen waren, so ist zu erkennen, keine literarische Märchen und Mythen, sondern brachten zum Ausdruck, wie sich die Menschen des Alten Testamentes die Gerechtigkeit Gottes vorstellten. Was später in Jesus als dem lebendigen Wort/Logos neu verstanden wurde, war bereits in den Psalmen beschrieben. Wen wundert, wenn sich in Inhalt und Ablauf der Geschichtshandlung des Neuen Testamentes neben den Propheten, vorwiegend Jesaja, vor allem viele Psalmen wiederfinden.

 

Was Jesaja in der Diaspora neu erkannte, den Ausgang und Eingang aller Schöpfung von einem Gott, war auch in der Volksliteratur der Psalmen lebendig. Es war das Verständnis des Gotteswortes, von dem die Propheten wie die Psalmdichter ausgingen.

 

Weisheitssprüche, hebräische Loblieder wurden mit Sicherheit nicht nur den Mosestexten nachgesungen, sondern waren wie diese Ausdruck des hier auf volkstümlichere Weise verstandenen Gotteswortes. Es war eine Wort Gottes Theologie des Alltages, die aus ganzem Herzen gesungen und gebetet wurde.

 

Auch wenn die Sammlung der Psalmen kein System erkennen lässt, viele Doppelungen und Zusammensetzungen aufweist, so müssen die Verfasser des Neuen Testamentes um die Bedeutung gewusst, den hinter den Liedern stehenden Sinn verstanden haben. Und was war naheliegender, wie diese Volksliteratur, die den Menschen nicht nur kognitiv, sondern in seiner Ganzheit bewegte, aufzugreifen und hierin neu das Wort Gottes für Juden und Griechen gleichermaßen verständlich zu machen? Heute wissen wir um die begeisternde Kraft des Gesanges und die ganzheitliche geistige Wirkung lauter Gebete. Doch ein