Dokument des Nichts

oder des Neuen

 

Das Nichts: not-wendige Voraussetzung für ein neues Verständnis

 

Ein Dokumentarfilm von BBC und NDR über „Jesus von Nazareth“ soll hier als Beispiel dafür dienen, dass das heute an theologischen Hochschulen gelehrte Verständnis des historischen Jesus untauglich geworden ist, den Glaube mehr verhindert als begründen kann. Gleichzeitig wird auch der Christus des Glaubens hinterfragt, der getrennt vom historischen Jesus heute kaum mehr als eine persönliche innere Glaubenskraft oder ein aufgesetztes unwirkliches Kirchen- bzw. Bibeldogma bleibt, und deswegen ebenso wenig zum vernünftigen Glauben an einen Schöpfer der realen Weltwirklichkeit beitragen kann.

 

Doch das vernünftige Verständnis eines einzigen Schöpfers scheint heute eh nicht gefragt zu sein. Glaube ist zum blinden fürwahrhalten alter Texte und innerer Stimmen, zu persönlicher Beliebigkeit geworden.

 

Die z.B. derzeit mit bezahlten Promis deutschlandweit werbenden amerikanischen Fundamentalprotestanten sind nur die Spitzte eines Eisberges, der von mangelnder christlicher Erkenntnis der eigenen Glaubensgrundlage insgesamt getragen wird. Die von deutschen Sektenbeauftragten beklagte verkürzte Perspektive individueller Rettung und Vergewisserung, die „Kraft zum Leben“ – so das kostenlos angepriesene Buch - geben soll, gilt nicht nur für die reaktionären Amerikaner, die mit dem Gratisbuch die Menschen christlich missionieren wollen. Doch diese Verkürzung hat m.E. ihre Ursache in einem nicht mehr zeit/schöpfungswortgemäßen Verständnis des historischen Jesus als Grundlage unseres Glaubens.

 

Glaube bleibt jedem selbst vorbehalten. Ein kollektives Verständnis, das aus naturwissenschaftlicher Erkenntnis auf den einen Schöpfer schließt, scheint nicht erkennbar und ist nicht gefragt. Der historische Jesus hat in Wirklichkeit mit unserem heutigen Glauben nichts zu tun. Glaube ist individuelle Privatangelegenheit geworden, bei der jeder glaubt, was er denkt, auch wenn dabei die Bibel in der Hand gehalten und sich auf den Heiland berufen wird. Und ganz in diesem Sinne wird im Weihnachtsbeitrag des Ersten Deutschen Fernsehens auch das Bild des Mannes aus Nazareth dokumentiert. Ein religiöser Rebell, der sich gegen die jüdische Obrigkeit und die westliche Fremdbestimmung durch die Römer wendet. Die Bewegung eines Wanderpredigers, der durch sein charismatisches Auftreten einige Anhänger aus dem einfachen Volk um sich scharte...

 

Zu einem vernünftigen Gottes-Glauben kann dieser ach so gute antike Mensch in Wirklichkeit nichts beitragen. Er ist völlige Nebensache. Allenfalls ein Lippenbekenntnis oder Balsam für einen immer kleiner werdenden Rest Gestriggläubiger bzw. Traditionalisten, die meist nur einer unbestimmten Innerlichkeit nachlaufen. Mit den eigentlichen Aussagen der Evangelien über die hoheitliche Funktion Jesus, die Gegenstand fast aller theologischer Aussagen ist, hat der in der Weihnachtsdokumentation gezeigte Wanderrebell in Wirklichkeit nichts zu tun. Der Christus des Glaubens wird weitgehend unabhängig vom sog. historischen als eine Art Miniaturausgabe Gottes gesehen. Ein Messias, der die Menschen nicht zum Glauben bringt, sondern an den man einfach glauben muss. Für die meisten heute nur noch als ein Produkt christlicher Predigt verstanden, frühkirchliche Verherrlichungsrede. Die Theologen sind bemüht, die hellenistische Einfärbung oder Übernahme alttestamentlicher Glaubenssätze  nachzuweisen. So bleibt neben einem Mythos oder einer persönlichen Christusgläubigkeit kaum mehr, als im Fernsehen vom historischen Jesus von Nazareth zu sehen ist. Vom universalen Logos keine Spur.

 

Was heute, Weihnachten 2001, im Dokumentarfilm als historischer Jesu dargestellt wird, ist weniger als Nichts. Für das Gottesbewusstsein der heutigen Welt völlig nutzlos geworden. Es ist so nebensächlich, dass die an Heilig Abend beginnende dreiteilige Dokumentarserie über Jesus kaum jemand mehr schaut. Wenn es wenigstens ein Spielfilm vom Leben eines Märtyrers wäre, mit all seinen menschlichen Schwächen, in denen wir uns dann wiedererkennen könnten. Dann würden wir uns etwas vom Weihnachtsstress ablenken lassen, die schönen Bilder betrachten und wären vom fließenden Blut beeindruckt. Doch der Dokumentarfilm, der ein himmelschreiendes Banalbild unseres angeblichen Religionsgrundes zeichnet, wird von nur wenigen geschaut, sorgt nicht für Beachtung. Gott sei Dank. Denn mehr noch als in einem Spielfilm wird hier der Eindruck erweckt, dass es sich um wissenschaftlich erwiesene historische Tatsachen handeln würde. Und genau das ist falsch. Es sind Bilddokumente, die davon ausgehen, bei dem historischen Jesus von Nazareth hätte es sich um einen antiken Rebellen gehandelt. Das lebendige Wort, das an Weihnachten in Menschengestalt das Licht der Welt erblickt hat, wird im heutigen Dokumentarfilm ausgeblendet. Die Evangelien, die heute längst als vom Auferstandenen ausgehende Theologiebeschreibungen gelesen werden, sind plötzlich wieder Tagebebuchberichte aus dem Leben eines Wanderpredigers. Mit dem wiederverstandenen und in menschlicher Gestalt ausgedrückten Schöpfungslogos/Gotteswort hat das alles nichts zu tun.

 

Während alle ernsthaften theologischen Betrachtungen des Neuen Testamentes, ob Wunder oder Weihnachtsgeschichte, davon ausgehen, dass vom Auferstandenen aus die Texte verfasst wurden, wird hier nur ein simpler Mensch mit rein zufälligem Namen Jesus angenommen. Der historische Jesus ist somit weit weniger als z.B. Mutter Teresa oder Bin Laden. (An anderer Stelle wird darzustellen sein, dass ein unvernünftiger christlicher Glaube, der einen Menschen verherrlicht und gleichzeitig nichts zum Glaube beitragen kann, sondern nur zu einer säkularisierten Gesellschaft, einem gottlosen Leben führt, eine der Ursachen für den Irrsinn der Moslems ist.) Es ist keine Polemik, sondern soll nur unser Problem auf den Punkt bringen: Wer den in der Dokumentation gezeigten Rebell gegen die Römer (aus Sichtweise damaliger Juden: gottlosen westlichen Imperialismus) objektiv mit der Person des Bin Laden vergleicht, Parallelen zu dessen Zielen zieht, der muss als Anhänger des heute vermittelten historischen Wanderrebellen eigentlich übertreten. Der in den Videos zu sehende, sich auf Gott selbst berufende und sich für den alten Glaubens mit seinem ganzen Leben einsetzende, sieht nicht nur aus, wie der im Film zu sehende Jesus. Selbst Äußerlichkeiten wie Bart und Sandalen stimmen überein. Wäre der historische Jesus der heute als historisch gedachte, wir könnten ihn glatt mit Bin Laden gleichsetzen. Der im Dokumentarfilm gezeigte und in der Theologie gelehrte historische Jesus ist nur die friedfertige Ausgabe eines Menschen, wie sie die Moslems in den jungen Märtyrern oder deren schon zu Lebzeiten zum Mythos gewordenen grausam mordenden Anführer sehen. Da in Namen Jesus selbst Kreuzzüge, Inquisition und Massenmorde verübt wurden, würden Glaubensgegner selbst die Frage der Friedfertigkeit diskutieren. Auch wenn es absurd erscheint, insbesondere wenn man den ach so pazifistischen jungen Mann durch die Brille heutigen Humanismus betrachtet, muss man durchdenken, wo es hinführen kann, wenn man die Menschen zum Glauben an die Aussage eines Antiken Rebellen aufruft. Auf welche Stufe man sch begibt.

 

Während sich lt. Zeitungsmeldung die Kirchenwelt darüber aufregt, dass in der toskanischen Stadt Grosseto ein Pfarrer das Bild Bin Ladens samt einem päpstlichen Friedensappell als Hintergrund für eine Krippenlandschaft verwendet, weil Jesus ja für alle gestorben sei, sehe ich im Dokumentarfilm allen Ernsten nur eine antiken Bin Laden in der Krippe liegen.

 

Gleichwohl nachweisbar ist, dass die gesamte Frühkirche, die gnostisch-christlichen Texte, die Brief-theologien, die Apokryphen, ebenso wie die Evangelien selbst, nicht von einem historischen Menschen handeln, sondern vom in menschlicher Gestalt lebendigen Wort/Logos –von dem nicht nur alle antiken Texte handeln, sondern die gesamte theologischen Texte, die gerade heute an Weihnachten überall nachzulesen sind - wird hier ein Rebell als geschichtliches Wesen gezeichnet. Doch wieso nicht? Dies ist, solange an einem historischen Menschen festgehalten wird, theologischer Alltag. Es wird getan, wie wenn der christliche Glaube nur von einem friedfertigen, Nächstenliebe predigenden Bin Laden ausging.

 

 

1.      Weder der heute als historisch gesehene Jesus noch Christus sind Glaubensgrund

 

Der von den Theologen verkündete Christus des Glaubens bzw. der Auferstandene (das wiedererwachte Wort), von dem die Evangelienschreiber ausgingen, kommt nicht nur im Dokumentarfilm nicht vor. Für die Menschen, die vor dem Fernsehgerät sitzen, bleibt der Glaubenschristus ein Geheimnis. Nachdem dieser lt. heutiger Lehre nicht der historische, sondern nur dessen anschließende Verherrlichung durch die Frühkirche bzw. vom Auferstandenen träumender Anhänger ist, bleibt er dem persönlichen Glaube überlassen. Für die Masse der Menschen bzw. für den Glauben ist dieses Geheimnis von Auferstehung und Glaubenschristus völlig nebensächlich. Er ist heute für unsere Gesellschaft, deren kollektives Welt- und Gottesverständnis so unwesentlich wie der im Film gezeigte Wanderprediger. Solange der historische Jesus als das gezeichnet wird, was heute an Weihnachten aller Welt gezeigt wird, bleibt der Glaubenschristus ohne Realität. Da kann Kardinal Ratzinger noch so viele „Dominus Jesus“ Dokumente verfassen, Jesus bleibt nebensächlich. Ja er spielt selbst in der lebhaften Diskussion um das päpstliche Papier, bei der es nur noch um Ökumene geht, keine Rolle mehr.

 

Da man also über den Christus des Glaubens (heute oft als Geheimnis, persönlich-inneren Glauben oder eine Art Miniaturgott gelehrt, an den man einfach blind glauben soll, gleichwohl er lt. Evangelientext eigentlich die Offenbarung Gottes sein müsste) nichts genaues sagen kann, halten die Theologen verzweifelt an einer historischen Gestalt fest. Auch wenn seit Albert Schweitzer klar sein sollte, dass über den historischen Menschen keine Aussagen möglich sind, hoffen die theologischen Archäologen, wenigstens in einem von ihnen gezeichneten einfachen Glaubensrebellen den Grund unserer Religion nachwiesen zu können.

 

Doch was dabei herauskommt, ist nicht nur unhistorisch, sondern steht dem heutigen Glauben mehr im Wege als es ihn fördert. Auch wenn dies so kaum einer artikuliert:  Warum sollten wir einem Menschen nachlaufen, der nicht mehr ist, als ein antiker Bin Laden? Ein Religionsrebell gegen Juden und westliche - damals römische - Einflüsse, der zur Legende wird? Wer von uns angeblich Aufgeklärten will schon einem Märtyrer nachlaufen, nur einen Menschen verehren, der wegen seines Glaubens gestorben ist. Doch das ist das Bild, das uns die derzeitige Theologie als historischen Jesus schildert. Für einen normal denkenden Menschen von heute muss es doch völlig absurd sein, wegen eines solchen Märtyrers, der angeblich auferstanden sein soll, an Gott zu glauben. Was hat dieser antike Wunderheiler mit einem Glauben an einen einzigen Schöpfer des Himmels und der Erde zu tun?

 

Was wir heute unter Berufung auf den historischen Jesus von den Menschen der westlichen Welt verlangen übersteigt das, was Moslems von ihren Gläubigen erwarten. Ein Glaube aufgrund eines Religionsrebellen käme selbst den fundamentalistischen, im mittelalterlichen Dogma festgefahrenen Moslems nicht in den Sinn. Ihr Glaube gilt Allah. Bin Laden mag zwar für manche (Auch hier fälschlicherweise „fundamentalistisch“ genannte, weil der Glaube der Moslems letztlich wie unserer in einem aller Schöpfung wirksamen Wort Gottes sein Fundament hat, nicht in Menschen und Gesetzen.) ein großer Mensch, ein lebendiger Mythos sein. Doch kein noch so mittelalterlicher Moslem käme auf die Idee, wegen diesem menschlichen Mythos an Allah zu glauben. Nichts anderes aber wird heute von Christen verlangt, wenn der historische Jesus so gezeichnet wird, wie in der Weihnachtsdokumentation oder an theologischen Hochschulen.

 

Wenn es wenigstens noch ein Hitler wäre, ein charismatischer Prediger, an den unsere Väter ihre Herzen hängten, sich eine heils-bringende Zukunft erhoffte. Doch auch davon sind wir „Gott sei Dank“ geheilt: Durch sein Wort/Vernunft hat sich die Welt weiterentwickelt, ist sie vernünftiger geworden. Auch wenn die Amerikaner Schauspieler zum Präsidenten wählen und in Europa Personenkult statt Programminhalte politischer Alltag ist: Ein Mensch kann für die Mehrheit weder Glaubensgrund noch ideologisch-ethischer Wegweiser für das Leben oder dessen Sinngebung sein. Kein Wunder, dass die Kirche leer bleibt. Der bereits von Nietzsche zurecht analysierte Gottestod ist theologisch zu verantworten.  Wer Glaube und Verhaltensweisen aufgrund eines historischen Menschen verlangt, sich allenfalls noch auf dessen Wundertaten und Auferstehung beruft, wie soll der ernst genommen werden?

 

Da lassen sich die Menschen an Weihnachten lieber von einem Spielfilm unterhalten, als die Leben-Jesus Dokumentation anzuschauen. Doch es hilft nicht, dass die Filmreihe unbeachtet bleibt. Dafür ist es zu spät. Das Bild, das dort gezeichnet wird, ist längst unser aller und alltägliches Verständnis von Jesus geworden. Und das ist das Problem. Der Glaube ist verkommen zu dem, was im Dokumentarfilm vom historischen Jesus gezeigt wird. Doch dieser Jesus kann in Wirklichkeit nicht mehr ernst genommen werden. Er kann den Glauben nicht begründen, hat keine Offenbarungsfunktion mehr.

 

Über einen solchen Glauben fühlen wir uns längst erhaben. Gleichwohl wir bei der nächsten Wahl nicht Parteiinhalte, sondern meist nur  Personen wählen, weisen wir es weit von uns, einem Menschen nachlaufen zu wollen. Gar einem Religionsfanatiker zu verherrlichen, der sich für besonders berufen hält, darüber sind wir weit hinaus. Der im Dokumentarfilm gezeigte historische Jesus kann also kein Glaubensgrund sein. Er ist vielmehr Grund für den heutigen Unglaube. (Wenn ich mit dem Beispiel der politischen Führer bewusst mache, wie notwendig menschliche Personen für uns sind, so sagt dieses Argument nicht, dass nur ein antiker Mensch war. Vielmehr wird deutlich, wie notwendig es war und ist, dass das Wort welches eine menschliche Gestalt angenommen hat und weiterhin als vertraute Person angesprochen wird, nicht theologisch-philosophische  Logos-Spekulation bleiben kann.)

 

Nur ein kleiner Rest glaubt noch aufgrund des von der Theologie gezeichneten antiken Menschen. Erschreckt schaue ich auf die verzückten Gesichter der Gläubigen, die im Fernsehfilm bei christlichen Ritualen und Großkundgebungen gezeigt werden. Wie leicht wäre es, selbst angeblich moderne Menschen zu manipulieren? Ich danke unserem Schöpfer, dass er der Welt vor einem solchen Glauben bewahrt. Was wäre, wenn mit den Mitteln moderner Medien die Massen von einem einzelnen Menschen manipuliert werden könnten, wie er uns heute im Dokumentarfilm als historischer Jesus gezeigt wird? Es ist kaum auszumalen. Die Geschichte kennt dafür verschiedene Beispiele. Doch ein antiker Wanderprediger hat uns heute hoffentlich ebenso wenig zu sagen, wie wir hoffentlich einem wiedererwachten Hitler nachlaufen würden. Selbst wenn vor wenigen Jahren in Amerika der alternder Westernschauspieler Ronald Reagan dafür herhalten musste, den republikanische Geist zu verkörpern und zu vertreten, scheinen wir uns zu wehren, menschliche Personen als wegweisend zu akzeptieren.  Der als historischer Jesu gezeigte und an den Hochschulen gelehrte Wanderprediger hat Dank des durch seine Vernunft, die Vernunft des Menschen weiterbewegenden Schöpfers längst ausgespielt. Unsere Vernunft ist gewachsen. Wir beten keine Könige und Kaiser (außer Fußballfranz) mehr an und wir weigern uns, aufgrund eines Menschen zu glauben oder diesen Nachzufolgen. Doch was ist es, was uns zum Glauben bringt? Was war es damals? Wer war der den einen Schöpfervater offenbarende historische Jesus wirklich?

 

2.      Neue Aufgaben für die Archäologie

 

Wenn es stimmt, was heutige Theologen sagen, dass alle Aussagen des Neuen Testamentes vom Aufer(- bzw. wiederver)standenen Jesus ausgehen, dann haben die Archäologen nichts zu suchen. Zumindest nicht, solange sie nach den Knochen eines Wanderpredigers graben und aufgrund von Theologietexten versuchen, dessen Tagebuch nachzuvollziehen.

 

Jesus ist wirklich auferstanden. Er ist nicht weiter bei den Toten zu suchen, wie dies heute in der Theologie nach wie vor geschieht und im Dokumentarfilm nur besonders deutlich wird. Auf ähnliche Weise wie die Mutter des Kaisers Konstantin, die heilige Hellena, das Kreuz Christi und andere biblische Gegenstände wiederfand, versuchen heutige Archäologen das heilige Land zu erkunden. Was allerdings zur Zeit der enthusiastischen Kaisermutter, nur 250 Jahre nach Christus, m.E. Reliquiensammlung der frühchristlichen Theologie war, die so erst für die Menschen anschaulich wurde, wird heute als historische Tatsache betrachtet. Mit den theologischen Texten unterm Arm, die sie wie das Tagebuch eines Wanderpredigers lesen, bereisen die Archäologen Palästina und werden fündig. Während die Funde von Hellena, für die das lebendige Wort noch eine Realität war, die Menschen zum Glauben führten, halten die heutigen davon ab.

 

Was Hellena sah und sammelte waren nicht die Überreste eines historischen Jesus im heutigen Sinne, auf den später eine Christologie aufgesetzt wurde. Die damaligen Christen trennten nicht wie wir, zwischen einem historischen Jesus und einem Glaubenschristus. Der Logos in Menschengestalt war für die frühen Christen eine Tatsache, die in allen Texten der Zeit nachzulesen ist. Auch die Gegner der Doketisten, die Menschlichkeit Jesus verneinende Philosophen und Gnostiker, gingen nicht von einem Wanderrebellen, sondern vom Wort Gottes/Logos in Menschengestalt aus. Ihre Argumente lese ich schon lange nicht mehr als Belege dafür, dass Jesus nur  ein einfachen Menschen gewesen sei, wie man versucht mir das beizubringen.  Origenes z.B. begründet gegenüber der in der Person des Celsos angesprochenen Philosophie sehr präzise, warum es wahrhaft vernünftig ist, das Wort  als menschliche Person anzusprechen, den Logos nicht als philosophische Theorie zu verkünden, sondern ihm klare Gestalt zu geben: Einen Menschen aus Fleisch und Blut anzusprechen. Auch Stephanus der Märtyrer, der für den Menschen Jesus steht oder Irenäus, der ausgesprochener Gegner der sich verflüchtigenden vielfältigen Gnosis war: Sie alle gingen nicht von dem aus, was wir heute als historischen Jesus zeichnen. Ihr Glaube gründete, wie sich in all ihren Texten nachlesen lässt, auf den Logos in Menschengestalt, den wahren Christus.

 

Nie und nimmer hat z.B. Origenes in der Menschengestalt Jesus nur das gesehen, was heute im Dokumentarfilm der Welt als historische Wahrheit gezeigt wird. Es erscheint mir einfach Absurd anzunehmen, ein gebildeter Denker, wie er sich uns in dem aus der Gnosis/Philosophie erwachsener Apologeten Origenes zeigt, wäre einem einfachen Wanderprediger nachgelaufen, den er als wahres Wort Gottes verherrlichen wollte. Einen Menschen im Sinne des historischen Jesus hätte Origenes ebenso wie die anderen christlichen Denker der ersten Jahrhunderte nie und nimmer verherrlicht. Was sie wussten war, warum sie den in aller Schöpfung wirksamen Logos in menschlicher Gestalt ansprechen mussten. Und in diesem Sinne gehe ich davon aus, dass auch der von Kaiser Konstantin, seiner Mutter und seinen Nachfolgern in Palästina gefundene Erinnerungslandschaft eine theologische Notwendigkeit zugrunde liegt. Wenn damals in der römischen Provinz in Palästina verehrungswürdige Orte wie Pilze aus dem Boden schossen, so hat das seinen Grund: Die Menschen brauchen etwas Begreifbares. Nur durch das klare Bild konnte der christliche Glaube die Welt bewegen, sie zu dem bringen, auf was wir heute so stolz sind. Ohne die menschliche Gestalt hätte sich der christliche Glaube längst verflüchtigt. Doch dieses Bild gilt es heute auf dem Boden historischer Tatsachen neu zu begründen. Und diese Tatsachen sind nicht die Tagebuchberichte eines Wanderphilosophen, sondern die diesen zugrunde liegende Theologie.

 

Letztlich bleibt offen, ob die antiken kaiserlichen Archäologen in Jesus einen einfachen Menschen aus Fleisch und Blut sahen oder ob auch sie vom Auferstandenen ausgingen, dem wiedererwachten Logos in Menschengestalt, der Thema der gesamten frühchristlichen Theologie ist. Evtl. ist es auch egal, ob Kaiser & Co in der von ihnen verherrlichten Gestalt des Wanderpredigers das Gotteswort in der Form der Hebräer wahrgenommen haben, die die kosmische Vernunft als Wort Gottes verstanden oder aus der philosophische Perspektive der Griechen, für die der Logos eine wissenschaftliche Tatsache war. Fest steht, die Väter unseres Glaubens haben in Jesus von Nazareth weit mehr gesehen, als einen Freiheitskämpfer und Friedenprediger, wie er heute im Fernsehen dargestellt wird. Für sie war Jesus auf der Stufe ihres unterschiedlichen Verstandes das lebendige Wort Gottes.

 

Ob es nur naiver Enthusiasmus war, der Hellena damals Palästina zum heiligen Land machte und greifbare Belege für das Kreuz Christi sowie biblische Gestalten finden ließ oder ob dieses Denken über eine naive Kaiserfamilie nur unserer eigenen Naivität entspricht, bleibt offen. Doch genau das, was über die alten Legenden leicht lächelnd  junge Theologen der Kaisermutter unterstellen, wird im Dokumentarfilm über Jesus von Nazareth wissenschaftliche Praxis: Der Welt wird ein Bild gezeichnet, das Hellena nicht besser hätte entwerfen können. Wie wenn die Evangelien pure Tagebuchaufzeichnungen und nicht Theologieberichte wären, wird hier das heilige Land bereist, werden  Bilder gezeigt, die das Leben eines jungen Religionsrebellen belegen sollen. Doch während zur Zeit Kaiser Konstantins der Grund christlichen Glaubens so verständlich gemacht werden konnte, wird ihm heute bei dem im Film dokumentierten historischen Jesus der Glaubensgrund genommen. Wer glaubt noch wegen eines besonders begnadeten antiken Wandercharismatikers an Gott?

 

Wäre es nicht an der Zeit, Archäologie ernst zu nehmen? Muss nicht in einer Zeit, in der durch Archäologie alttestamentlichen Geschichten und Gestalten als nicht im bisherigen Sinne geschichtlich erkannt werden, auf neue Weise Archäologie betrieben werden? Wenn fest steht, dass kein Mensch mit Namen Moses der Verfasser der fünf nach im benannten Bücher war, der Auszug aus Ägypten nicht in der bisher gedachten Form stattgefunden hat und auch keine sonstigen Belege ob für die Wüstenwanderung der Hebräer oder die  Versklavung eines Volksstammes im Sand gefunden werden, muss dann nicht neu nach der Wahrheit gesucht werden? Eine wesentliche Aufgabe der Archäologie ist erfüllt, wenn sie zeigt, dass es so nicht war, wie bisher verstanden. Denn in der Wiederlegung der biblischen Aussagen als simple Legenden, Nacherzählungen von einem historischen Geschehen, liegt ein Fortschritt. Doch das Nichts, das Abstreiten einer bisher gesehenen Historie, kann auch hier nicht das Ziel sein. Müssen wir jetzt nicht neu nach Belegen einer historischen Wahrheit suchen, statt weiter nur Bilder aufzuwärmen, die ihre ehemalige Bedeutung längst verloren haben?

 

Wieso suchen wir weiter nach einem Holzschiff als Arche? (eine Spiegelausgabe des letzten Jahres hatte dies zum Titelthema: „Hat die Bibel doch recht?“  Welch ein Schwachsinn, so die Wahrheit der Bibel beweisen zu wollen. Doch das wird noch heute Menschen vermittelt! Nicht in der Bildzeitung, sondern im Spiegel zu lesen, somit Spiegelbild unseres Zeitgeistes.) Statt den schöpferischen Urgrund zu erkennen, die schöpferischen Grundprinzipien, der alle Genesis entspringt, nach denen das gesamte heute neu als unendlich erkannte Universum abläuft, die kreative Kraft des Kosmos in aller Ewigkeit funktioniert, suchen wir nach Banalitäten? Was wäre wahre Arch-äologie? Während vom Verständnis der Antike ausgehend, die heute als historische Wahrheit betrachteten Bilder mit Sicherheit als Selbstverständlichkeiten für einen viel größeren Gehalt gesehen wurden, die Symbole erst das Wesen vermittelten, verbauen die heutigen im Dokumentarfilm zum Neuen Testament gezeigte Banalbilder den Blick. Sie nehmen den Verstand für das Wesen, das von den Menschen der Antike vorausgesetzt war und durch die Bilder nur verdeutlicht wurde. Ist nicht in Jesus das bereits von Moses gemalte Bild von Noah und der Arche Wahrheit geworden? (Selbst die Weihnachtspredigten sagen das aus.)Wie können wir erkennen, dass sich hinter dem Wesen Jesus genau der Logos, das präexistente Urprinzip allen Seins, die menschgewordene schöpferische Weisheit bzw. das von den Hebräern verstandene Wort/Vernunft verbirgt? Eine reale Gestalt, die bei Moses die Menschen vor der Sintflut rettete und die Griechen seit Heraklith mit Logos ansprachen, bleibt verborgen. Solange der historische Jesus nur als der im Dokumentarfilm gezeigte Wandercharismatiker wahrgenommen wird, ist uns für ein vernünftiges Denken der Weg verbaut. Ein allem wissenschaftlich nachweisbaren Leben zugrunde liegender göttlicher Logos braucht nicht wahrgenommen zu werden. Wir brauchen uns nur auf einen antiken Che Guevarra oder innere Stimmen und alte Texte zu verlassen.   (Rechtsfertigungslehre lässt sich so z.B. nur in antiken Texten begründen, nicht in geschichtlichen Tatsachen. Alle theologische Dogmen bleiben pure Behauptungen. Doch das ist ein eigenes Thema.)

 

Gilt es nicht vielmehr, den Geist der damals geweht hat zu hinterfragen? Muss die Archäologie in Töpfen, Texten und Theorien, die heute neu ausgegraben werden, nicht das damalige Denken und die Glaubenswelt, deren Probleme und die möglichen theologischen Lösungen nachzeichnen, statt weiter nur Bilder aus dem Leben eines besserwissenden jungen Juden nachzuzeichnen. Wer vom als Mensch wiederverstandenen Logos/Wort als eigentliches Wesen des christlichen Glaubens ausgeht, für den geht dieser nicht einfach in der Antiken Welt, deren Denken auf. Vielmehr ist aufgrund der Funde (ob z.B. gnostische Texte, zwischentestamentliche Literatur oder Belege für vielfältigen Götterkult im jüdischen Raum und ein Ringen des Monotheismus mit sich selbst) zu erkennen, wie das antike Denken zur neuen Blüte führt:  Ein neues vernünftiges Bewusstsein das einen universalen und ewigen Schöpfers hervorbringt. Doch das alles ist im Dokumentarfilm nicht zu sehen. Hier geht es nicht um das tatsächliche – in der Genesis sichtbare -  Gotteswort, dessen historisch nachweisbares Bewusstseins und Fleischwerdung, sondern nur um einen angeblich historischen Besserwisser.

 

Man muss sich in die Denkweise der in der Jesusdokumentation zu Wort kommenden Wissenschaftler hineinversetzen. Wer mit festgefahrenen Bildern vor Augen mit der Schaufel im Sand von Palästina nach Beweisen für einen jungen Juden gesucht hat, der wird meine Argumentation als völlig absurd ansehen. Der wird bei aller Suche zwar Beweise für den damals unter den Menschen lebendigen Logos offen legen, jedoch immer nur Spuren für einen als Messias verherrlichten Jungprediger finden, der sich in die Wüste zurückzog um sich über seine Zukunft klar zu werden. Es würde mich nicht wundern, wenn selbst der Schwanz des Teufels gefunden würde, der Jesus dort in Versuchung führte. Was uns diese Geschichte sagt, wie das lebendige Wort bzw. dessen Bewusstsein sich entwickelte, wie der Schöpfungsfeind wirklich aussah, der im grundlosen Chaos-Sand das Wort, die Vernunft des Schöpfers in Versuchung führte, das alles braucht nicht weiter hinterfragt zu werden, wenn es nur um einen zweibeinigen Wanderprediger und religiöse Legenden ging.

 

Moderne Theologen mögen über manche fälschlicherweise fundamentalistisch genannte Buchstabenauslegung in ihren Seminaren milde lächeln. Doch was hier geschieht ist bitterer Ernst. Zur besten Fernsehzeit wird der Welt ein wissenschaftliches Bild des Nichts gegeben. Über die Jesusfilme im Ben Hur Stil mag man hinwegsehen. Filme sind bekanntlich bunte Bilder, die aneinandergereiht werden. Doch hier wird wissenschaftlich argumentiert. Das Nichts wird wissenschaftlich bewiesen. Warum sagt Niemand etwas? Sind wir wirklich so bewusstlos?

 

Erst wenn wir im historischen Wesen unseres christlichen Glaubens mehr sehen, als an heutigen Hochschulen gelehrt wird, kommen die gesamten Kenntnisse der modernen Archäologie einen Sinn. Denn was sollen alle Ausgrabungen alter Glaubenswelten, wenn da nur ein besonders begabter Wanderprediger war? Ob Ruinen die aus dem Meer gefischt oder aus dem Sand gegraben werden die Berührung verschiedener Kulturen freilegen, z.B. eine alte Hafenstadt wie Herakleion, in der auf ägyptischem Boden hellenistische Bewusstsein neben ägyptischen Kult noch vor Alexander dem Grossen blühte, bleibt ohne Belange. Die Entwicklung eines kollektiven Gottesbewusstein, von dessen Geschichte die gesamten steinernen Zeugen den Orient berichten, muss unbeachtet bleiben, wenn da nur ein historischer Besserwisser war.

 

Wer seinen Glauben auf den Hokus Pokus eines historischen Menschen gründet, statt auf das in der gesamten Genesis  und somit auch der Menschheitsgeschichte lebendige Wort, das in der Gestalt eines Menschen personifiziert, verständlich zum Ausdruck gebracht wird, für den haben alle Archäologen umsonst gegraben. Das gesamte griechisch-hellenistische Denken, das im Austausch mit den Hochkulturen des Orients eine geistige Hoch-zeit hervorbrachte, ein von Gott ausgehender Menschen-Logos, von dem die Explosion der anitken Literatur berichtet, kann so beiseite gelegt werden. Der gesamte antike Verstand, der sich in unzähligen, heute neu lesbaren Worten ausdrückt, wurde dann nur zur christlichen Propaganda gebraucht, um einen jungen Juden zu verherrlichen bzw. diesen als jüdischen Messias zu bewahrheiten und für die Griechen annehmbar zu machen.

 

Auch unser Wissen um die symbolische Bedeutung biblischer Begriffe, das wesentlich erweiterte theologische Verständnis des Gesetzes, die Zusammenhänge um die Techniken bzw. notwendigen Literaturformen zur Bewahrung des kollektiven Gedächtnissen bliebe weitgehend nutzlos. Das allen bräuchte nicht weiter beachtet zu werden. Es war ja nur ein wundertätiger Wanderrebell mit Namen Jesus.

 

 

3.      Budenzauber statt Bewusstsein höherer schöpferischer Ordnung

 

 

Mit einem Astrologischen Ereignis am 17. April, sechs Jahre vor unserer Zeitrechnung beginnt der Dokumentarfilm. Die Geburt Jesus wird einige Jahre vorverlegt, um die Lukaserzählung von den Weisen aus dem Morgenland zu belegen. Bestimmte astronomisch nachweisbare Sternenbilder und Himmelsereignisse hätten drei im Film zu sehende Kamelreiter veranlasst zu denken, der Messias sei geboren. Der hellenistische Denker Lukas wird so zum Legendenschreiber, der die Banalstory von einem aufgrund Sterndeutung als Messias gesehenen jungen Juden verfasste. Endlich wissen wir, was wir von den Evangelien zu halten haben: alles Humbug, Sterndeuterei. Schlimmer als heutige Astrologie, die – auf Suche nach der im Alltag verlorenen höheren Ordnung - oft wenigstens noch einen psychologischen Hintergrund hat.

 

Saturn und Sonne seien im Widderbild vom Mond verdeckt worden, der Jupiter sei als Morgenstern auferstanden.... Das alles lässt sich von heute aufgrund astrologischer Kenntnisse ganz exakt nachrechnen. Während ich allein schon aufgrund dieser Tatsache auf den präexistenten Logos schließe, der aller Schöpfung zugrunde liegt, mir die Zuverlässigkeit des Gotteswortes in alle Ewigkeit erneute bewusst wird, das in Bethlehem das Licht der Welt erblickt hat, bringt mir die angebliche Jesusdokumentation bei, dass damalige Kamelreiter aus dem Orient aufgrund ihrer Sterndeuterei eine Königsgeburt erwartet hätten. Die Himmelszeichen hätten die Orientalen als Symbole für die Geburt eines Superherrschers gedeutet und sich daher auf die Suche gemacht. So wird das in Bethlehem geborene Wort archäologisch verschüttet, der Verstand höherer Ordnung, der damals geweht hat, wird verleugnet. Mit der Geburt des jungen Juden und mysteriöser Sterndeuterei kann keine Gottessohnschaft nachgewiesen werden.

 

Nichts ist von der Gotteserfahrung der alten Hebräer, die die schöpferische Ordnung des Himmels wahrgenommen haben, das Wort Gottes hörten, zu sehen. Ägypter, Babylonier und vergessene Hochkulturen wie die Hetiter, die alle aufgrund eines kaum nachvollziehbaren kosmischen Bewusstseins Kult-Bauwerke erstellten, über die wir heute bei Bildungsreisen staunen, oder wie die Hellenisten philosophische Theologien bzw. Lebenslehren entwarfen, die wir heute mehr denn je im Munde führen, kommen nicht vor. Die Weisheit des Morgenlandes, die bereits früh auf unterschiedliche Weise den Logos erkannte und verarbeitete, der jetzt als Menschenkind und Gotteskind zugleich in der Wiege liegt, bleibt unbeachtet. Das in der Gestalt des Jesus zur neuen Blüte gebrachte Gotteswort, kann nicht wahrgenommen werden. Das kollektive Bewusstsein des Orients wird in dieser Darstellungsform des historischen Jesus verleugnet, abgeschnitten. Wenn angeblich im Kontext der damaligen Zeit betrachtet wird, dann reduziert sich dies auf Banalitäten. Das Denken der antiken Zeit, die verschiedenen Weltbilder, Theologien und Kultformen werden nicht wirklich ernst genommen, wenn wir nur die Geburt eines Wanderpredigers zeichnen, der zufällig zum großen Guru wurde. Wie im Dokumentarfilms zu sehen, waren es dann nur drei orientalische Kamelreiter, die aufgrund einer angeblichen Sterndeuterei einen jungen Juden, der sich später als Religionsrebell entpuppte, für einen Superkönig hielten. Darauf  kann kein Glaube gründen. Wenn Jesus nur ein von Weisen aus dem Morgenland zufälligerweise verherrlichter junger Jude war, wird die Tradition des hebräischen Denkens, das in den Hochkulturen des Orients gelernt hat, sich mit Jesaja zum Monotheismus weiterentwickelte, mit Füßen getreten. Auch die in Qumran gefunden Schriftrollen, die von eine denkerische Auseinandersetzung mit den traditionellen Texten bezeugen, deren allegorische Auslegung, könne dann zur Seite gelegt werden. Wenn sich der historische Gehalt nur auf einen Menschen mit Sonderstatus beschränkt, brauchen alle Bewegungen zur Zeit Jesus, alle Denkrichtungen des jüdischen Glaubens, in denen sich ein neuer Verstand, eine vernünftige Erkenntnis nachweisen lässt, nicht weiter beachtet zu werden.

 

Bei ihrer Reise im Dokumentarfilm machen die Kamelreiter halt in Hetra. Hier in dieser alten Handelsstadt aus dem Königreich der Nabatäer hätten die drei Weisen Weihrauch kaufen können, um es dann in den Stall zu bringen, wird allen ernstes spekuliert. Eine Stadt, deren Bauwerke von einer kulturellen Blütezeit in der Antike berichten, ist zu sehen. Damit sind die Bilder Zeugen einer antiken Hochkultur des hellenistischen Denkens, das hier nachweislich zu Zeit Jesus geweht hat, in der heutigen Historienbetrachtung des historischen Jesus jedoch nicht vorkommt.

 

Es ist einfach unfassbar, wie das gesamte inzwischen von den Archäologen und Geschichtsforschern freigelegte Wissen ausgeblendet wird, um an unserem Bild von einem pazifistischen, sich lediglich gegen die Religionspartei der Pharisäer wendenden etwas einfältigen Wanderphilosophen festhalten zu können. Welche Bedeutung sollte ein solches Wesen, wie es im Fernsehfilm gezeigt und an den Hochschulen als historischer Jesus gelehrt wird, angesichts der hellenistischen Hochkultur gehabt haben? Die im Dokumentarfilm auch vom Herodestempel und anderen Bauwerken gezeigten Bildern muss man sich vor Augen führen. So entsteht langsam ein völlig neues Bewusstsein vom hohen Kult, der dort lebte, wo die Wiege Jesus steht.

 

Wo ärmliche Palästinenzerinnen gezeigt werden, wenn von der Geburt Jesus gesprochen wird,  wird der Blick für das wahre historische Ereignis verbaut. Ja selbst eine Expertin für Frauenfragen kommt zu Wort. Sie schildert, welch eine unheilvolle Schande die unverheiratete Geburt gewesen wäre. Der Brunnen wird gezeigt, in den solche Frauen hineingeworfen wurden, oder gesteinigt. Daher hätte der gute Josef die Maria halt geheiratet..... und das ganze wurde dem Heiligen Geist in die Schuhe geschoben. Oder: Später von den Evangelisten so gesagt, um die Göttlichkeit des Wanderphilosophen zu unterstreichen. Doch werden nicht mit dieser auf der theologischen Tagesordnung stehenden Argumentation nicht sowohl die jungfräuliche Geburt  (die in der heutigen Denkweise eh keiner mehr ernst nimmt) wie auch die Göttlichkeit des historischen Jesus geleugnet? Wenn, wie dargestellt, nur „das zarte Pflänzchen der neun Religion“, die auf die Lehre eines besonders begabten jungen Juden baute, wären dann nicht alles Lügen? Was mit Sicherheit historische Wahrheit ist, wenn wir die Bilder vernünftig deuten, wird bei der Banalbetrachtung des historischen Jesus nur als unwahr abgestritten, auf alte Texte oder religiöse Verherrlichungsrede zurückgeführt. In jeder dieser heute gebrauchten Begründungsformen wird die historische Realität verleugnet.

 

Selbst in Ochs und Esel will ich historische Wahrheit sehen, auch wenn die beiden Tiere nur durch spätere apokryphische Schriften eines sog. Pseudo-Matthäus zum festen Bestandteil unserer Krippendarstellungen wurden. Wenn mir bewusst ist, dass es sich nur um eines von sehr unterschiedlichen Kindheitsevangelien handelt, das junge Theologen längst ins Reich der Mythen und Legenden verbannen oder wie hier: „als selbstverständlich von Jesaja übernommen sehen“, (also kein wirkliches Geschehen) will ich anknüpfend an Jesaja nach historischer Realität der Neugeburt des Gotteswortes in Menschengestalt suchen, bei dem die genannten Tiere dabei sind. „Ein Ochse kennt seinen Herren und ein Esel die Krippe seines Herren, doch Israel kennt`s nicht, versteht nicht“, klagt Jesaja. Wie recht er doch hat. Und daher bin ich sicher, Jesaja hat nicht nur als Steinbruch für die Ausschmückung der Geburtsstory eines besonders begabten Jungpredigers gedient. Wenn Jesaja in dieser Umformung zitiert wird, wurde im Stall von Bethlehem das Wort neu zum Ausdruck gebracht, das Jesaja verstanden hat. Bei der prophetischen Auseinandersetzung mit dem falsch verstandenen, nur auf Gesetzlichkeiten bauenden Gotteswort der Juden und dem in Babylon neu begründeten Monotheismus ist weiterzusuchen.

 

Wir wollen allerdings zum Dokumentarfilm (Dokument des Nichts) zurückkehren, wo heute m.E. das Wort nicht ausgegraben, sondern archäologisch verschüttet wird. Futterplätze, Höhlen unter Häusern werden gezeigt. Hier wird der historische Beleg für die Bewahrheitung der Bibelbeschreibung gesucht. In armen bäuerlichen Verhältnissen hätten hier auch Tiere mit Menschen eine Lebensgemeinschaft gebildet, so sei die Geburtsgeschichte zu verstehen. Ein historischer Nachweis wird erbracht, dass Menschen in solchen Stallungen lebten. So wird die Wahrheit der Weihnachtsgeschichte belegt, die von der Geburt des Weltengebärers berichtet, seiner Menschwerdung. (Wie gleichzeitig in Kirchenblättern zur Weihnachtszeit zu lesen ist.) Bei der ganzen Banalbetrachtung schnappe ich einen Begriff auf, der mich nachdenklich macht: Herberge (Katalima) sei im Griechischen gleichzusetzen mit oberem Raum. Daher sei nur in der Futterhöhle, die wegen ihrer Tiere gleichzeitig Wärmelieferant für die oberen Räume war, Platz gewesen. Wer so argumentiert, der hat wirklich keinen Platz in der Herberge. Das Denken und Verstehen muss er Ochs und Esel überlassen, der Verstand wird ausgesperrt.

 

Doch der Rückzug der modernen Theologie, die sich über die in der Jesusdokumentation getroffenen historischen Begründungen weit erhaben fühlt, ist nicht besser. Auch sie ist heute nur ein Dokument des Nichts. Denn wenn wir alles als Legenden und Theologiebeschreibungen die vom Auferstanden ausgehen abtun, was bleibt, was ist der Grund unseres Glaubens? Was ist geschichtliche Wahrheit, an der wir bei einem notwendigen Neuverständnis des Wortes wieder anknüpfen können?

 

 An anderer Stelle habe ich darüber spekuliert, warum die jungfräuliche Geburt geschichtliche Wahrheit ist, wie z.B. die als Essener geschilderten bzw. die in Qumran arbeitenden Theologen un-voreingenommen gedacht haben, so neu das wahrhafte Wort des einen Gottes zum Ausdruck bringen konnten. Hier im Dokumentarfilm wie im heutigen Hochschulverständnis, kann nicht unvoreingenommen gedacht werden, wird die historische Wahrheit nur abgestritten. Was noch bleibt ist belanglos: War es doch ein römischer Soldat, der eine junge Jüdin schwängerte, wie manche aufgrund alter Texte spekulieren. Doch selbst in der Aussage, dass Jesus nicht von dem Juden/Josef  abstamme, sondern die den Logos in Menschengestalt zum Ausdruck bringende Mutter unseres Glaubens, von fremdem Geist geschwängert wurde, hat der ursprüngliche Verfasser mit Sicherheit eine historische Tatsache gesehen, der weit über die heute als historisch betrachtete Banalität hinausgeht. Für ein Nachdenken über Josef – der Jesus aufgezogen hat, ohne selbst dessen Erzeuger zu sein - ist kein Platz, wenn der historische Jesus nur aus der bisherigen Perspektive betrachtet wird: Wer will beim Zimmern mitwirken bzw. Archi-teckt sein? Schon über die Berufsbezeichnung könnte Seitenweise nachgedacht werden. Wer will neu sinnvoll die Teile zu einem Haus zusammenfügen, in dem der Logos Gottes eine Bleibe hat.........?

 

Bei meiner allegorischen Betrachtung gehe ich nicht davon aus, dass der Evangelist eine ganz bestimmte Denkschule vor Augen hatte, die er als jungfräuliche Maria mit ihrem Josef bezeichnete. Vielmehr ist doch der lebendige Logos in fast allen jüdischen Bewegungen zur Zeit Jesus nachzuweisen, wurde dem schöpferischen Wort in verschiedener Weise zum neuen Ausdruck verholfen. Eine eindeutige Auslegung, die behauptet, die allein richtige zu sein, kann und braucht es auch nicht zu geben. Sie würde letztlich dem Weiterdenken im Wege stehen. Ganz genau wie der im Dokumentarfilm gezeigte Wanderprediger als historischer Grund des Glaubens, durch dessen angeblich jungfräuliche Geburt nur der Fehltritt einer Palästinenserin verdeckt werden sollte.

 

Fest steht allerdings: wer an heutigen Hochschulen Theologie studiert hat, der hat seine Unschuld verloren, der kann das Wort Gottes nur noch aus Büchern lesen und muss den historischen Jesus für einen einfachen Menschen halten. So hat er es gelernt. Wenn er dann noch im heiligen Land war, sich wie im Film vor Augen geführt hat, wo Jesus wohnte und umhergezogen ist, dann verbauen ihm diese Bilder den Blick für ein neuen Bewusstein des historischen Jesus.

 

Und eine andere Aussage des Evangeliums, die nicht aufgrund des im Film gezeigt Jesus, sondern nur vom lebendigen Wort in Menschengestalt aus bewahrheitet werden kann, ist noch wichtiger: Jesus ist wirklich von Gott gezeugt. Der Logos/das in der Schöpfung wirksame Wort Gottes ist weder aufgewärmte jüdische Tradition, noch  die Kopfgeburt antiker Philosophen die ihrer Denkfigur nur eine menschliche Gestalt verpassten. Das  ausgedrückte Wesen hat seinen Ursprung in Gott, wurde vom Schöpfervater gezeugt und legt somit Zeugnis über den einen Schöpfer des Himmels und der Erde ab.  Die Urväter der christlichen Kirche haben nur die Realität einer schöpferischen Vernunft/Gottessohnes/Wortes/Logos die/das/der aller Evolution zugrunde liegt.

 

Der Logos, das Wort als Sohn Gottes bestimmte das damalige Denken und nicht die Geburt eines besonders begabten Predigers, der in ärmlichen Verhältnissen zur Welt kam.

 

Wenn wir Nazareth wieder aufbauen wollen zu einem lebendigen Museum, dann dürfen wir nicht nur ein kleinbäuerliches Leben einer heutigen Palästinenserfamilie mit sechs Kindern zeigen, kleine Jungen die mit Murmeln oder Ball spielen. Und dann den Anschein erwecken, Jesus wäre einer von ihnen. Doch selbst hier bringt der Dokumentarfilm eine m.E. wichtig Erkenntnis zum Ausdruck: Wichtige wäre es beim jüdischen Spielen gewesen, den Ball nicht festzuhalten, sondern ihn gleich weiterzugeben. Wenn das doch nur so einfach wäre. Ich befürchte, dass heute gegen die elementaren Spielregeln allen geistigen Lebens verstoßen wird.  Die Theologie hält einen historischen Jesus in den Händen und gibt ihn nicht mehr her. Der Logos/der Verstand, in deren Namen alles abgestritten wird, was sich nicht vernünftig erklären lässt, geht in Wirklichkeit leer aus.

 

Ein kleiner  zwölfjähriger Junge mit Namen Jesus wird gezeigt, den seine Eltern beim Besuch des Tempels verloren haben. Allen Ernstes wird behauptet, dieses verlorene Kind hätte mit den Tempelpriestern diskutiert und das sei der Anfang unserer Theologie gewesen. Der Evangelist hätte das so beschrieben, wie es jetzt auf der Tempeltreppe zu sehen ist.  Wie naiv sind wir eigentlich? Wie können wir angesichts all unserer Kenntnis über die Tausende von theologischen Texte dieser Zeit, die Zeugen eines neuen Bewusstseins von dem in kosmischer Realität wirksamen Logos/Gotteswort sind, weiter von einem kleinen Besserwisser ausgehen, der sich gegen die Autorität auflehnte und nur eine etwas liberalere Lehre vertrat, in die wir heute Humanismus hineinlesen?

 

Sephoris ist zu sehen, eine großartiges und damit mit Sicherheit auch großgeistiges Zentrum hellenistischer Kultur, die Hauptstadt von Galiläa. Hier sei Jesus aufgewachsen, hier hätte er gelernt, heißt es im Dokumentarfilm. Das kann ich nachvollziehen. Auch wenn ich nicht nur einen Handwerkslehrling vor Augen haben, der sich später in Höhlen wohnenden Rebellen angeschlossen hat und von diesen für den erhofften Messias gehalten wurde, wie mir der Dokumentarfilm beizubringen versucht. (Die Bilder erinnern an die Höhlensysteme in Afghanistan. Auch hier wird ein Mensch verherrlicht, der kein Messias ist, von den Moslems auch nicht als solcher gesehen wird.)

 

Wie können wir annehmen, die ganzen Evangelienschreiber, deren großartige theologische Kenntnis, deren griechisch-hellenistische Hochkultur, in deren Kontext ein neuer Kult entstand, wie wir sie uns heute erst richtig vor Augen führen können, hätten wegen einer Figur, wie wir sie im Film als historischer Jesus gezeigt wird, auch nur einen Finger gekrümmt?

 

Die Worte und Taten eines durch die Lande reisenden und gegen die religiöse und politische Obrigkeit rebellierenden menschlichen Messias hätten damals die Massen bewegt ist zu hören. Wer davon ausgeht, der kann sich nicht auf einen kulturellen Kontext berufen. Nicht nur die fehlenden historischen Zeitdokumente beweisen, dass dies nicht war. Wegen eines dahergelaufenen Wanderpredigers, dem sich wie im Film zu sehen, Nachbarsbuben angeschlossen haben, mit ihm durch die Lande gezogen sind,  hätte es kein großes Aufsehen gegeben. Während sich bei uns nicht nur die Bildzeitung freut, wenn es über Uriella & Co. was zu melden gibt,  wäre der als historische Tatsache geschilderte Rebell nicht zu erwähnen gewesen.  Wäre der historische Jesus nur der heute dokumentierte, in einer Zeit in der Tausende hingerichtet wurden wäre nicht nur kurzer, sondern mit aller wahrscheinlich kein Prozess gemacht worden. Von anschließender Berichterstattung ganz zu schweigen. Und so schwiegt sich die Geschichte auch über das heute für historisch dargestellte Wesen aus. Noch nicht mal vom kurzen Prozess über einen Aufrührer wird in den Geschichtsbüchern geschrieben. Wie können dann aber heute Neutestamentler (z.B. in einer wissenschaftlichen Zeitschrift für das Neue Testament) nach wie vor die theologischen Texte, als eine Art Tagebuch eines Wanderpredigers interpretieren? Ganz so wie im Dokumentarfilm gezeigt? Die geheimnisvolle Quelle, eine fiktive Spruchsammlung Q, die heute als Vorlage verschiedener Evangelientexte gesehen wird, mag es gegeben haben. Doch wie können wir annehmen, die Spruchsammlung, vergleichbar mit dem Thomasevangelium, das als gnostisch eingestuft wird, wäre nur eine Legendensammlung aus dem Leben eines jungen Juden? Wäre eine solche Art von Geschichtsschreibung für die schreibenden Judenchristen überhaupt vorstellbar? Gibt es in der theologischen Literatur der Antike weitere Texte, die nur Taten und Worte eines Einzelgängers beschreiben oder wird nicht heute vielmehr bei aller Exegese der biblischen und außerkanonischen Gestalten der theologische Gehalt in den Vordergrund gestellt? Warum können wir die Worte und Taten Jesus nicht als vom lebendigen Wort/Logos in Menschengestalt, seinem Leben, Leiden und Heilswirken ausgehend verstehen, sehen hier die ewig sprudelnde Q-uelle?

 

Die Taufstätte wird rekonstruiert, an der Johannes den jungen Jesus als Gottessohn sah. Wie wenn heute ein Sektenprediger einen anderen Guru als Gottessohn bezeichnen würde. Von der theologischen Bedeutung, die hinter dem Taufbegriff steht, ist nichts zu sehen. Mit Sicherheit ist es nicht einfach die Bilder zu deuten. Das gesamte Wissen der Theologen ist gefragt. Dafür studieren sie doch. Welches Denken drückt sich im Namen Johannes aus? Wo ist der Jordan heute, den wir überschreiten müssen, um an neue Ufer zu gelangen? Wie wichtig wäre heute ein theologischer Wendepunkt, wie er im Dokumentarfilm so einfach beschrieben wird? Wie können wir heute die Gottessohnschaft verstehen, auch erwachsen, eingeweiht werden? Viele Fragen wären von einer neuen Perspektive des historischen Jesus von Nazareth völlig neu zu beantworten?

 

Mit etwas Wasser aus der Hand eines Wüstenpredigers, der einen anderen für Gottessohn hält, wie in der angeblichen Historiendokumentation gezeigt, ist es nicht getan. Auch die Taufe nur aufgrund alter alte Texte zu rekonstruieren, zu fragen,  ob diese Aussage der Evangelisten  aufgrund alter jüdischer oder sonstiger kultureller Riten  der Antike in den Text des Neuen Testamentes aufgenommen wurde, reicht nicht, führt auf andere Weise wie die Jesusdokumentation nur ins Nichts. Denn damit wird letztlich das Neue Testament nur als ein ohne neues Bewusstsein aufgewärmtes altes Denken bestätigt. Der neu zum Ausdruck gebrachte Logos, von dem nicht nur die Kirchväter reden, der von Johannes erkannte Gottessohn, der Grundlage der Evangelientexte ist, kommt nicht vor, bleibt allenfalls Lippenbekenntnis. Daher muss es die Aufgabe des theologischen Wissens heute m.E. sein, das Wort neu zu verstehen. Nicht alte Texte als Mysterium zu betrachten oder nur im bisherigen Stil als historische Wirklichkeit abzustreiten, sondern den Menschen in heutiger Sprache – die nicht mehr die orientalische Bildwelt ist - verständlich zu machen. So wie damals die Bildsprache, die Darstellung des Gottessohnes als Mensch kein theologischer Trick, sondern eine ganz selbstverständliche Sache war, können wir heute das schöpferische Wort in unserer naturwissenschaftlichen Begrifflichkeit verstehen. Das im Dokumentarfilm beschriebene Jesusbild brauchen wir nicht zu verleugnen. Im Gegenteil, wir müssen es versuchen zu verstehen und mit neuem Leben zu füllen. Von dem in unseren Alten Kirchenlieder beschriebenen Jesus Christus können wir dann noch viel lauter singen. Wegkreuze und Krippendarstellungen gilt es zu bauen und mit wachem Bewusstsein zu beachten, nicht abzureisen.

 

Wer allerdings nur einen gegen korrupte Religionsführer aufbegehrenden jungen Juden, der sich um Außenseiter kümmert und dem einige Fischer oder ein Steuereintreiber mit Namen Matthäus nachlaufen,  für den historischen Jesus hält, der schneidet den Verstand ab. Hier in der historischen Dokumentation – und gleichzeitig auch in derzeitiger Theologie - wird nur eine Mixtur aus antikem Bin Laden und Mutter Teresa gemalt. Der Glaube der jüdischen Gründerväter mag zur Zeit Jesus verwildert gewesen sein, eine Neubegründung notwendig, jedoch so nicht. Nicht auf einen Menschen hat sich die gesamte Gnosis gegründet, die zur Explosion von heute neu sich vor uns ausbreitenden Texten geführt hat. Es muss eine geistige Weiterentwicklung, ein Neuverständnis des Gotteswortes gewesen sein, das die Aussagen eines einzelnen Menschen weit übersteigt. In Jesus ist der Vorhang gefallen. Das von den Priestern im Tempel hinter dem Vorhang versteckt bzw. geheimgehaltene Gotteswort ist Präsent geworden. Ist so nicht das Weihnachtsgeschenk Gottes zu begreifen, das wir in den Liedern besingen und von dem in die Predigten sprechen? Wird nicht heute von der christlichen Lehre der Logos mehr verschleiert, als verständlich gemacht? Wie können wir heute die damals präsente Gegenwart Gottes in allem Werden in unserer Begriffswelt gegenständlich werden lassen, wenn wir weiter nur von einem jungen Juden als historische Tatsache ausgehen?

 

Geht es auch heute um den im Dokumentarfilm beschriebenen Kollisionskurs mit der Amtsautorität, die hinter dem Vorhang von Mythen und dem krampfhaftem Beharren auf einen historischen Menschen den schöpferischen Verstand versteckt hält?

 

Wie lässt sich Blindheit heilen, wie kann eine zum Erlahmen gekommene Theologie wieder auf die Beine kommen? Auch hierzu geben die Evangelisten eine Anweisung und beschreiben somit ein historisches Geschehen, das heute lehrreich sein kann. Geht nicht fast jeder Heilung ein Wechsel der Seite voraus? Muss auch heute ein Denken, an dem wir bisher verzweifelt festhalten, erst über den Jordan gehen, zum Nichts werden, damit Neues entstehen kann?

 

Mit Sicherheit geht es weder um einen antiken Wunderheiler, noch einen Asklepioskult, der in Bethesta beheimatet war und einfach auf den heute gezeigten historischen Jesus übertragen wurde. Gleichwohl die konkrete Schöpfungsfunktion der griechischen Göttersöhne in Menschengestalt, durchaus bei der Beurteilung des historischen Wesens, von dem eine wirkliche Heilswirkung ausging, betrachtet werden müssen. (Hierzu:  Text über Schöpfungsfunktion der personifizierten Göttersöhne als Beleg für den Gottessohn in Menschengestalt.) Doch kein blindes Placebo und kein hellenistischer Götterkult, sondern die Wahrnehmung des lebendigen Wortes hat Wunder bewirkt. Der vorangegangene Wechsel auf die andere Seite des Denkens wird von den Evangelisten konkret beschrieben. Auch in vielen Gleichnissen wird eine Lebenslogik zum Ausdruck gebracht, die vom schöpferischen Wort selbst ausgeht und nicht nur aus alten Texten abgeschrieben wurde oder Worte eines Wandercharismatiker waren. Was uns heute als historischer Jesus vorgesetzt wird, wäre damals den hellenistischen Juden am Hintern vorbeigegangen. Ein Rebell gegen die Staatssteuer wird in den Fernsehbildern gezeigt. Wie können wir dem, durch den die Welt geworden ist und der als Menschenwesen in der Welt war, das antun?

 

Auch die im weiteren Verlauf der dreiteiligen Serie gezeigten Fernsehbilder schreien vor Banalitäten. Es mag sein, dass mancher moderne Theologe voll Zorn über diese Darstellung den Kasten ausschalten wird. Doch wo wir am historischen Jesus als einfachen Menschen festhalten, bleibt nicht mehr als ein junger Jude, der sich an Tempelpriestern gerieben, mit Pharisäern auseinandergesetzt hat. Die neue, vom lebendigen Wort ausgehende Theologie kann nicht wahrgenommen werden. Wenn Arafat mit einem Esel zum Osttor nach Jerusalem hereinreiten würde, so wie von Jeremias beschrieben, man müsste ihn glatt zum Messias machen. Denn mehr hat es mit dem historischen Jesus nicht auf sich, ist von heutigen  Theologen zu hören. Die Fernsehbilder, die Palästinenserkinder in Sandalen zeigen und mit den Aussagen der Evangelisten vermengen, bringen das Problem des historischen Jesus nur auf den Punkt. Was hier geschieht können wir der Königsmutter Helena nicht in die Schuhe schieben. Das hat sie mit Sicherheit nicht gewollt. Ihr Werk war es, die Gnosis vom Gottessohn verständlich zu machen, nicht ihren Verstand, für den heute die Zeit reif scheint, zu verhindern.

 

Helena sowie die Kirchenväter wollten die Welt durch das Wort in Menschengestalt weiterbewegen, es begreifbar machen. Ihnen verdanken wir den religiösen Fortschritt. Was heute mit dem historischen Jesus geschieht, ist ein Rückwärtsgang. Ein Wanderprediger, der die Priester provozierte...da lob ich mir Bin Laden. Der wird in die Geschichtsbücher eingehen. Doch ein Messias ist er mit Sicherheit nicht.  Ein Mensch kann kein Messias sein. Wer allerdings im historischen Jesus nur einen religiösen Märtyrer sieht, der leistet dem Vorschub, was wir bei den Moslems beklagen, ist für die Unvernunft des Glaubens mit all seinen grausamen Folgen mitverantwortlich. (Siehe gesonderter Text)

 

Bilder werden gezeigt, von Menschen, die sich selbst auspeitschen und ans Kreuz nageln lassen. Medizinische Tests sollen belegen, dass Jesus an den Händen festgenagelt wurde. Hochwissenschaftliche Untersuchen fragen, ob es möglich war, den menschlichen Körper zu tragen, wenn nur Nägel in die Hände geschlagen wurden? Schnell werden auch die Füße gebunden und schon hält es, ist das Rätsel gelöst. Die Bibel hat recht. Was alles muss der Logos hier und heute durchleiten?

 

Das Schlimme, dass hier im Namen der Vernunft, der man so allerdings nur eine Dornenkrone aufsetzt, argumentiert wird. Wo 500, wie gesagt wird, an einem Tag hingerichtet wurden, da hätte kein Hahn nach dem Tod eines Wanderrebellen gekräht. Und erst recht nicht bei dessen anschließender Verleugnung. Die Bilddokumentation, die von Prof. James Charlesworth und Dr. Tom Wright von der Westminster Abbey kommentiert wird, ist das Dokument eines Nichts. Doch die Theologen befinden sich in guter Gesellschaft. Die gesamten heutigen Geisteswissenschaftler betrachten den geschichtlichen Jesus mit den gleichen Augen.

 

Wenn der medizinische Nachweis erbracht wird, dass Blut schwitzende Menschen möglich sind, um die Wahrheit der biblischen Aussagen zu beweisen, wird mancher Theologe abschalten wollen. Und doch: solange er an einem historischen Menschen festhält,

 muss er es sich antun. Wie wenn sie dabei gewesen wären berichten die Wissenschaftler und sagen den Deutschen, wer Jesus wirklich ist: ein Nichts. Alles andere sind dann auf dieses Nichts aufgesetzte theologische Ideologien.

 

Es folgen die üblichen Spekulationen: Jesus sei evtl. nicht ins Grab gelegt worden und versehentlich auf der Müllhalde gelandet? Wurde der Leichnam gestohlen oder blieb Jesus versehentlich am Leben? Pflanzenschutzmittel werden untersucht, die Scheintod hervorrufen und unempfindlich gegen Schmerzen machen. Im Schwamm seien möglicherweise solche Alraunlösungen mit Essig verdünnt dem am Kreuz hängenden verabreicht worden. Das erscheint mir der Gipfel. Hier in der Dokumentation wird die Vernunft erneut ans Kreuz genagelt. Glaube kommt, wie zu hören, nur aus dem Herzen. Der hier als historischer Jesus aufgehängte, ist umsonst gestorben, hat mit heutigem Herzensglaubens nichts zu tun.

 

In den Auferstehungsvisionen des Fernsehfilmes kommt nochmals der ganze Irrsinn zum Ausdruck. Visionen von leidtragenden Menschen, psychische Erscheinungen werden untersucht. Ist das die Antwort auf die Auferstehung? Einbildungen?

 

In der rationalen Welt wäre kein Platz. Auferstehung bleibt so Privatangelegenheit. Also muss ich mich doch den amerikanischen Fundamentalistenpredigern anschließen, die derzeit Plakate von Prominenten kleben. Doch die sind nicht das Problem, bringen nur auf den Punkt, was eine nur auf Innerlichkeiten und persönlichen Glauben abzielende Theologie abseits jeglichen kollektiven Verstandes und jeder damals verstandener schöpferischer Vernunft zu verantworten hat. Wie können wir angesichts all unseres Wissens weiter einen Menschen als historischen Jesus verkünden? Ja haben wir völlig den Verstand verloren?

 

Ist das, was als Vernunft/Verstand in Menschengestalt angebetet wurde, nur noch eine Ikone der Unvernunft/des Unverstandes?

 

Zum Schluss der Dokumentation wird das wahre Gesicht Jesus untersucht:

 

Schon merkwürdig, dass wir meinen zu wissen, wie Jesus ausgesehen hat. Denn am Anfang gab es keine Bilder. Es wäre keiner der Theologen auch nur im Entferntesten auf die Idee gekommen, ein Abbild zu entwerfen. Und doch  bin ich sicher, dass auch das Abbild notwendig war, dass ohne die Bilder das christliche Bewusstsein verloren gegangen wäre.

(Eine gesonderter Texte, soll die Bewussteinsentwicklung in der Geschichte der Gottesbilder hinterfragen.)

 

Im Fernsehbericht werden Jesusbilder gezeigt, die Abbildungen von Ikonen zeigen, die heute auf dem Basar zu kaufen sind. Aus solchen Ikonen speisten sich unsere bisherigen Abbildungen. Doch geben die Ikonen die Gesichtszüge eines historischen Menschen wieder oder ging es selbst den frühmittelalterlichen Malern noch um die Abbildung des lebendigen Wortes in Menschengestalt? Um was geht es in der Ikonenmalerei wirklich? Was wird in heutigen Seminaren zu diesem Thema gesagt? Was ist das theologische Motiv der Ikonen, nur ein historischer Mensch oder mehr?

 

Doch all dies spielt bei der Dokumentation über den historischen Jesus keine Rolle. Vielmehr wird lediglich gesagt, dass Jesus anders als auf den Ikonen ausgesehen haben muss, weil die Ikonenmaler keinen Juden abbilden wollten, der Jesus nach wissenschaftlicher Meinung war. Vielmehr wäre die Ikonenmalerei griechisch beeinflusst gewesen. Die längliche Gesichtsform sei griechisch, daher falsch. Oder haben die Ikonenmaler, auch wenn es ihnen m.E. nicht um einen Menschen ging, doch recht? Was ist an der Menschwerdung des Wortes jüdisch, was griechisch? Doch diese Frage kann nicht gestellt werden, wenn es nur um einen historischen Menschen geht.

 

So wird versucht, naturwissenschaftlich einen Schädel zu formen, der einem Juden der Antike entsprochen haben könnte. Kaum fassbar, wie viele Wissenschaftler daran beteiligt waren, die Gesichtsknochen nachzuformen um einen Juden zu rekonstruieren, der arm lebte und hart arbeiten musste. Plastik drauf und fertig ist das neue Gesicht Jesus.

 

Bevor ich wieder zu jammern anfange, dass so nur das wahre Gesicht des lebendigen Wortes verleugnet wird, will ich diesem am Computer entworfenen angeblich wissenschaftlich nachweisbaren Jesusbild etwas positives abgewinnen:

 

Denn seltsamerweise sehe ich an dem noch unbehaarten Modell eines jüdischen Menschenkopfes immer nur Sokrates. Doch dabei kann das neue Gesicht Jesus mit Sicherheit nicht stehen bleiben. Auch wenn der gleiche Logos zugrunde liegt, wie er in platonischen Dialogen zum Ausdruck gebracht wird. Die menschliche Ausformung des schöpferischen Wortes war erst der eigentliche Paradigmenwechsel, der griechische Hoffnungen auf ein vernünftiges Gottesverständnis und somit Grundlage des gesellschaftlichen Lebens ebenso erfüllte wie jüdische Messiaserwartungen.

 

Der heute für historisch gehaltene Mensch Jesus ist für das Neue Testament so unwesentlich wie ein Mensch mit Namen Moses für die Wahrheit des Alten Testamentes. Heute wissen wir, dass dessen Verfasser in der menschlichen Moses-Gestalt nicht die Geschichtsstory vom Leben eines Mannes mit Namen Moses schildern wollten, sondern sich darin die Geistesgeschichte des hebräisch-jüdischen Gottesverständnis auf dem Weg zum vernünftigen Monotheismus ausdrückt. Auch für die griechischen Philosophen-Theologen geht es nicht um die persönlichen Ansichten eines Lehrers mit dem Namen So-krates, sondern drückt sich in diesem Namen ein Durchdenken der auf eine höhere Vernunft (griechisch Logos) bezogene vernünftige Schöpfungsordnung aus, von der dann auch die gesellschaftlichen Verhaltensweisen abgeleitet werden.

 

Doch während in Moses das durch das schöpferische Wort hervorgebrachte monotheistische Verständnis der jüdischen Glaubensväter zum Gottesgesetz und in Sokrates nur die vom Logos ausgehenden Lehren für das Leben bzw. das gesamte menschliche Sein ausdiskutiert werden und beide somit nur reale Gestalten des in der Zeitgeschichte nachweisbaren Denkens sind, hat Jesus keinen menschlichen Erzeuger. In ihm ist das lebendig geworden, wovon Sokrates und Moses ausgehen. Er ist das in menschlicher Gestalt lebendig gewordene Wort bzw. der Logos Gottes ganz persönlich. Er ist das Wort, das die jüdischen Propheten nur gehört haben und der Logos auf den die Griechen ihre Lehren gründeten. Dieser Logos ist keine fiktive Figur, kein Scheinleib, sondern so real wie die Welt, in der er heute wissenschaftlich nachzuweisen ist. Die Fleischwerdung des Logos ist das Weihnachtsgeschehen. Das Leben und Leiden, die Heilswirkung, die von der menschlichen Gestalt des Gotteswortes ausgeht, wird in einfachen Worten von den Evangelisten beschrieben. Hier sollte m.E. der Kern des historischen Jesus von Nazareth gesucht werden, denn hier steht nachweislich die Wiege des christlichen Glaubens. 

 

Jesus ist wirklich das Gesicht Gottes. Geschenk von Gott, der sich so in seinem Sohn offenbart. Das alles ist real geschehen. Doch dabei handelt es sich weder um einen jüdischen Jungcharismatiker noch einen Glaubenschristus heutiger Lehre.

 

Es bleibt dabei. Jesus ist in Bethlehem geboren. Das Gesicht des Kindes in der Krippe, des menschgewordenen Logos, der aller Schöpfung zugrunde liegenden Vernunft, gilt es neu zu erkennen. Nicht eine von Menschen ausgehende Gottesabbildung, die wir als Glaubenschristus bezeichnen und in eine selbstgebastelte theologische Krippe legen, sondern dem aller Natur, allem Leben zugrunde liegenden Logos neu als Sohn Gottes verstehen. Nur so lässt sich Gott vernünftig offenbaren, Glaube vernünftig begründen und nach dieser Vernunft leben.

 

 

Nachtrag:

 

Ein Vater, der sich böse darüber empört, dass der Lehrer in der Schule das Kruzifix von der Wand nahm, bringt in einem Leserbrief den Zeitgeist zum Ausdruck. Hier wird ein Denken deutlich, das durch die banale Betrachtungsweise des historischen Jesus an heutigen Hochschulen verursacht ist:

 

Das Kreuz sei zwar eine unangenehme Erscheinung, weil es zeige, wie grausam die Römer und die Juden zu Jesus waren, aber wie sollte man Geschichte lehren, wenn man diese Grausamkeiten verschweigen würde, die an dem großen Idealisten verübt worden wären?  Im Islam würden Leute, die den Propheten nicht genug ehren mit dem Tode bestraft, bei uns dürften Lehrer Jesus verachten......Auch alles weitere was noch folgt und was über Jesus noch gesagt wird, der nicht geflohen sei, weil er das Reich Gottes errichten wollte...ist dort gewachsen, wo der historische Jesus in heutiger Form gelehrt wird. Ich kann den Lehrer verstehen, der angesichts der Massenmorde der religiösen Märtyrer dieses Kreuz von der Wand nimmt. (Auch wenn es im konkreten Fall möglicherweise nur purer Populismus ist.) Wäre der historische Jesus nur ein religiöser Weltverbesserer, der den Märtyrertod in Kauf nahm, wir müssten wirklich das Kreuz von der Wand nehmen. Wenn es sich beim historischen Jesus nur um das handelt, was an heutigen Hochschulen gelehrt wird, dann ist das Kreuz nicht das Logo des lebendigen Logos, sondern nur ein Symbolzeichen für Menschen die aus Glaubensgründen in den Tod gehen um so das ewige Leben zu erlangen. Ganz genau wie die verblendeten jungen Moslems.

 

Und auch dem empörten Vater kann ich nachfühlen: Alle Hochkulturen hätten sich nach dem Aufblühen ihrer Religion (Gottesbeachtung, Anbetung, das macht m.E. eine Kultur erst aus) entwickelt und seien nach deren Versinken kraftlos geworden, angefangen bei den Azteken bis hin zu den gottlosen Kommunisten. Hier hat der, über den das Kreuz abhängenden Lehrer schimpfende, Leserbriefschreiber weitgehend recht. Doch wie kommen wir heute zu einem vernünftigen, unserem heutigen Wissensstand angemessenen Glauben? Kann sich der Kult allein auf das beziehen, was heute als historischer Jesus gezeigt und gelehrt wird? Und: waren es damals nur einfache Wanderrebellen, auf die die alten Hochkulturen ihren Glauben gründeten? Oder wurde das Wort Gottes in den verschiedenen Hochkulturen nur aus unterschiedlicher Perspektive wahrgenommen. Was wäre die Perspektive unserer Zeit?

 

Zum 60. Geburtstag des britischen Physikers Stephan Hawking sind derzeit in verschiedenen Zeitungen Aussagen über die Theorien eines Wissenschaftlers zu lesen, der zwar körperlich gelähmt, dessen Geist jedoch die Weiten des Universums durchstreift. Stoff aus dem moderne Träume sind. Er ist der Star unter all den derzeitigen Kosmologen, in deren Beschreibungen des Werdens ich bisher immer wieder neu das gelesen habe, was von meiner Perspektive aus gesehen damals am Anfang der Christenheit stand: der Logos, durch den die Welt geworden ist und der in Jesus von Nazaret Fleisch wurde. Auch wenn die jeweiligen Theorien vom Anfang der Welt unterschiedlich ausfallen und darüber spekuliert wird, dass der Kosmos keinen „Anfang“ und kein „Ende“ hat, sondern nur ewige Veränderung...die gesamten wissenschaftlichen Betrachtungen sind Belege für die über unsere Vorstellungskraft von Raum und Zeit überschreitende Vernunft, die das gesamte Universum in aller Ewigkeit regiert. Auch die Naturwissenschaftler, Astronomen, Mathematiker und Philosophen der Antike haben eine höhere Ordnung und Vernunft wahrgenommen.

 

Die naturwissenschaftliche Erkenntnis einer übergeordneten Vernunft ist Voraussetzung, um nicht einem unbe-stimmten Materialismus oder Pantheismus zu verfallen (der allenfalls die Vorstufe ist), sondern wie in der Antike auf das Wort Gottes zu schließen. Nicht im Gesetz, sondern wie dort beschrieben, offenbart sich Gott den Menschen. Das Gesetz kann diese Offenbarung nur bewahren und dazu bewegen, den gleichen Weg in jeder Zeit erneut zu gehen. Es ist die Bindekraft des geistigen Kosmos der Erkenntnis.

 

Wie unsere wissenschaftlichen Beschreibungen von der Ewigkeit des materiellen Kosmos und den Ausdehnungen des Universums, die Theorien unserer Naturwissenschaftler über Quantentechniken, Relativität morphogenetische Felder oder schwarze Löcher, Strings und Urknall nur Metaphern sind, die eine höhere Ordnung umschreiben, ohne eine übergeordnete Vernunft nicht denkbar wären, wurde auch in der Antike nicht aufgrund alter Texte, sondern nachweislicher Tatsachen über die Naturabläufe ein aller Schöpfung wie Geschichte zugrunde liegender Logos wahrgenommen. (So baute auch jede antike Gnosis/Erkenntnis auf  kosmologischen Modellen auf, die durchaus voneinander abweichen konnten.)

 

Die Christen haben in diesem schöpferischen Logos den Sohn Gottes gesehen und ihm eine menschliche Gestalt gegeben. Ihn so zu Wort kommen lassen. Der Leib Jesus ist der Logos, der aller Geschichte/Evolution/Schöpfung  zugrunde liegt: das genaue Gegenteil von Scheinleib. Es gibt nichts realeres und schöneres. Und doch war es damals logisch und  notwendig, diesen Logos in menschlicher Gestalt auszudrücken. Ohne den Verdienst der Evangelisten und Kirchenväter gäbe es unser heutiges Denken nicht.

 

Als Husarenstück Hawkins wird heute die konsequente Zusammenführung von zwei Theorien genannt, die bis heute unvereinbar nebeneinander stehen: die Relativitätstheorie und die Quantentheorie. Und dies zeigt den Schlüssel für allen schöpferischen Fortschritt: zwei angeblich unvereinbare Theorien auf einen Nenner bringen. Genau das ist damals in der Geburtsstunde des christlichen Glaubens gelungen. Griechische Philosophie und jüdisches Gesetz, hellenistischer Götterglaube und hebräischer Monotheismus vereinten sich in einer Person: Jesus von Nazareth. Ihn gilt es heute neu wahrzunehmen. Jesus lebt wirklich.

 

 

 

„Die Dornenkrone“

 

In der Bibel steht das Wort „Dornen“ an vielen Stellen stellvertretend für unfruchtbare Gewächse, die nicht zur menschlichten Nahrung dienen. Wenn der Boden nicht bearbeitet wird, nehmen die Dornen überhand, so Jesaja, und gibt dabei mit Sicherheit keine Gebrauchsanweisung für Jungbauern. Auch Jeremia deutet Biologik in theologischer Weise: Der Ungehorsam gegenüber Gott führt zum geistigen Ruin des Volkes Israel, was sich im vergeblichen Abmühen widerspiegelt: Man säte Weizen, erntete aber nur Dornen. (Jeremia 12.7,13)

Dornen beieinträchtigen das Wachstum, wie auch im Gleichnis von Sämann zum Ausdruck kommt. Laut dem Hebräerbrief (6.8) müssen Dornen abgebrannt werden, um den nutzvollen Pflanzen ein fruchtbares Feld zu bieten. An vielen weiteren Stellen es Neuen Testamentes stehen Dornen als Symbole für Unfruchtbarkeit, die den nutzvollen Früchten im Wege stehen.

 

Die bildliche Bedeutung für unnütze, ungenießbare Früchte ist unübersehbar. Dornen verursachen Schäden, das kennt jeder der mit ihnen in Berührung kam. Und ganz selbstverständlich muss so auch die „Dornenkrone“ gedeutet werden, die lt. Johannes und Markus von Römern geflochten und Jesus aufgesetzt wurde. Doch bei der heutigen Betrachtung des historischen Jesus bleibt die Dornenkrone lediglich ein Spottwerkzeug, um den zu kreuzigenden Religionsrebellen als „König der Juden“ zu verhöhnen.

 

Wer mit dieser Banalität das von den Evangelisten geschilderte Kreuzigungsgeschehen betrachtet, der setzt Jesus eine Dornenkrone auf: Die Früchte, die auf dem Feld der derzeitigen Theologie wachsen, bringen keine Nahrung. Weder ein historischer Wanderrebell noch ein geheimnisvoller kirchengesetzlicher Glaubenschristus bringen den heutigen Menschen den Glauben an Gott näher. Statt den Verstand, die Vernunft wirklich zu gebrauchen um das schöpferische Wort zu verstehe, wird die schöpferische Vernunft verleugnet. Was wir heute als persönlichen Glaubenschristus oder historischen Jesus bezeichnen ist in Spott. Es ist höchste Zeit für eine neues Verständnis von Jesus.

 

Die Vision eines neuen Verständnisses:

 

Eine neue Sichtweise des historischen Jesus hat nicht nur ein neues christliches Selbstverständnis zur Folge. Die wahre Frucht ist ein neues Weltbild, das über den derzeitigen Materialismus hinausgeht und eine Vernunft wahrnimmt, ein Wort, dem alle Atome folgen, dass das gesamte Universum in seiner unfassbaren Ausdehnung in aller Ewigkeit be-stimmt und somit auch unserem Sein einen schöpferischen Sinn verleiht, der bisher nicht gesehen wird. Das neue auf empirischen Wissen gründende Paradigma wird, in Anknüpfung an das antike Denken, in allem natürlichen Werden das Wort Gottes verstehen. Die gesamte Naturwissenschaft, alles Wissen, erscheint so in einem völlig neuen Licht, wird zur kollektiven Offenbarung des göttlichen Wortes.

 

Hier liegt eine Aufgabe, die noch nicht gelöst ist: Den damals erkannten Logos neu verstehen. Nicht weil, sondern wie es in der Bibel steht an Gott glauben: Im Angesicht des leuchtenden Logos, dessen historische Gestalt verstanden wird und bewahrt bleibt, das Wort Gottes wahrnehmen, Lebenssinn und Wegweisung sehen....ganz so wie es bereits in der Antike vom historischen Jesus von Nazareth gesagt wurde.