Weihnachten: was war wirklich?

 

Präsent werden des Weltgebärers – Geheimer Mythos von Menschwerdung des Wortes - Geburt eines Unehelichen - Oder nur Verherrlichungslegende

 

Weihnachten ist die Wiege der Christenheit. Doch was lag in der Wiege? Was ist das Wesen, auf das sich Christen berufen? Was offenbart uns Gott und gibt uns Sinn? Was ist uns von Gott geschenkt? Wie hat sich der Schöpfer präsent gemacht? Wie und durch was  wurde und wird die Menschheit erlöst? Was macht uns zu Christen?

 

 

Die folgenden Überlegungen erheben nicht den Anspruch zu wissen, was wirklich war. Doch sie versuchen, das Weihnachtsgeschehen aus eine völlig neuen Perspektive zu hinterfragen. Sie gehen nicht von der Geburt eines jungen Juden aus, der dann als Christus verehrt wurde. Vielmehr soll gefragt werden, worum es den zahlreichen Verfassern von Weihnachtserzählungen und Hinweisen auf Weihnachten wirklich ging? Was die historische Wahrheit ist, wenn nicht von der Geburt eines Wanderpredigers, sondern der des lebendigen Wortes/Logos in Menschengestalt ausgegangen wird? Welche Wende der Geistesgeschichte dann in der Weihnachtsgeschichte beschrieben ist? Was in der Krippe des Stalles wirklich lag?

 

Das vielbeschworene Weihnachtsgeheimnis kann hier nicht entgültig gelüftet werden. Doch vom Logos als dem menschgewordenen Wesen ausgehend, soll mit neuem Licht in das historische Geschehen geleuchtet werden.

 

Wie die Geburtsstätte eines Wandercharismatikers ausgesehen hat, wer seine leibliche Eltern waren oder noch schlimmer: warum man ihn nicht als unehelichen Sohn ausgeben konnte, sondern den Heiligen Geist für seine Geburt verantwortlich manchen musste, oder eine junge Jüdin wirklich jungfräulich? All das, was heute bei der Betrachtung des historischen Jesus versucht wird zu belegen, kann nicht Gegenstand dieser Betrachtung sein. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass sich hinter den Weihnachts-Bilden der Bibel ein wahres historischen Geschehen verbirgt, das weit darüber hinausgeht, was heute diskutiert wird.

 

Aufgabe: Nichts, was in den Weihnachtsgeschichten gesagt wird, einem persönlichen Glauben, einer Innerlichkeit zu überlassen oder als Unwahr bzw. Legende/Mythos abzustreiten. Vielmehr zu versuchen, in einer der damaligen Zeit angemessenen allegorischen Leseweise, die vom menschgewordenen Wort als dem historischen Jesus ausgeht, die Wahrheit der durchaus verschiedenen Weihnachtsdarstellungen zu belegen. Die Begründung der neutestamentlichen Aussagen in alttestamentlichen und sonstigen jüdischen und heidnischen Texten, wie sie heute theologische Tagesordnung ist, soll dabei nur eine untergeordnete Rollte spielen. Es soll dazu ermuntert werden, ein reales zeitgeschichtliches Geschehen zu suchen, durch das sich die alten Aussagen bewahrheiteten und erfüllten.

 

Wie in allen Texten soll auch hier nachgewiesen werden, dass es den weder den Evangelisten, noch sonstigen neutestamentlichen Verfassern um einen historischen Wanderprediger ging, sondern ihre Aussagen vom Verständnis des lebendigen Wortes in Menschengestalt getragen wurden. Der Weg für ein neues Verständnis des in der Schöpfung wirksamen Wortes als einzig lebendige und dem Verstand zugängliche sichtbare Präsenz Gottes in der Welt soll so freigemacht werden. Nicht  Kritik an derzeitiger Theologie, sondern ein neues Jesusverständnis als Voraussetzung zum vernünftigen Glauben und Leben sind die Absicht.

 

1.      Ende der Verdunkelung

 

Weihnachten wird als Ende der Verdunkelung gepriesen. Das Lichtermeer der Vorweihnachtszeit ist ein sichtbares Zeichen. Auch wenn die Lichterketten unserer Städte, Läden und Märkte nur eine verkaufsfördernde Wirkung bezwecken, so weist doch selbst der völlig säkulare Firlefanz auf die Forderung hin, die angeblich an Weihnachten erfüllt sein soll: Das Licht ist in die Welt erschienen. Doch worin begründet sich dieses Licht, wenn wir nur von einem vor 2000 Jahren geborenen Wanderprediger ausgehen oder vom christliche Weihnachtsgeheimnis sprechen, das nicht gelüftet werden kann, individuellem Glauben überlassen bleibt?

 

Sagt uns nicht bereits die Bezeichnung des Geburtsfestes unseres Glaubensgrundes, dass es nicht um das heute vielbeschworene Geheimnis gehen kann, sondern Weih-nachten das Gegenteil von Geheimnis, Verdunkelung sein müsste: In was sind wir eingeweiht worden? Worin liegt die Weihe der Welt, durch die die Nacht zum theologischen Tag wird?

 

Ist nun aber unser Evangelium verdeckt so ist`s denen verdeckt, die verloren werden, den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes. Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesus willen. Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in Geist und Verstand (Herz als Ganzheit) gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zu Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesus Christus.

 

2.      Korinther 4, 3-6

 

Auch wenn dieser Text ganz anders klingt als die Weihnachtserzählungen, die noch beleuchtet werden sollen, so kommt hier doch ein wesentlicher Aspekt von Weihnachten zum Ausdruck.

Nicht um Geheimlehren kann es im christlichen Glauben gehen, die nicht zu lüften wäre bzw. nur Eingeweihten vorenthalten bzw. für alle ein verhüllter Mythos bleiben. Oder anders: wo von Geheimnissen des Glaubens gesprochen wird, da ist keine Weihnachten, da ist kein christlicher Glaube im eigentlichen Sinne. Hoffnung kommt aus begründetem Wissen um eine höhere Ordnung Gottes, ist nicht blindes Vertauen auf alte Texte. Weihnachten als Licht der Welt ernst genommen, muss das Ende des Mythos und der Anfang des Logos sein.

 

Wenn ich theologischen Auslegungen folge, verkündet Paulus in diesem Theologieschrieben das Ende des antiken Götterhimmels, aus dem bedrohliche Willkürgottheiten Donnerblitze und Lichtblitze versenden. Durch Jesus seien sie von diesem Aberglauben erlöst. In Jesus seien Menschen, die von der Dunkelheit geblendet waren, erhellt worden. Jetzt seien sie eingeladen, den Gott dieser realen Welt anzubeten...Schicksalsmächte hätten jetzt ausgespielt, göttliche Ordnung sei offenbar...Das alles wie so oft durch den Glaube an Jesus Christus. Wir dürften darauf vertrauen, dass vom Krippenkind bis zum Auferstandenen in Christus die Menschenfreundlichkeit Gottes gezeigt habe, erfahrbar geworden ist. So oder ähnlich lauten fast alle Predigen. Und immer wieder wir die Heilwirkung Jesus beschrieben, der Gott erfahrbar gemacht, ans Licht gebracht habe.

 

Doch wenn an Weihnachten nur der geboren wäre, der im Dokumentationsfilm über Jesus von Nazareth an Weihnachten 2002 gezeigt wurde und der an heutigen Hochschulen als historischer Jesus gelehrt wird, dann wären all diese Predigten, alle aktuellen theologischen Weihnachtsbeschreibungen, die aus den antiken Texten abgeleitet werden, nur leere Worte. Weder ein jüdischer Wanderphilosoph noch ein Glaubenschristus, in der von derzeitiger Theologie gezeichneter Form, hätte die Hellenisten dazu gebracht, von einem Götterglaube Abstand zu nehmen. Wenn statt der Schicksalsmächte und Götterwillkür jetzt eine schöpferische Ordnung erkannt und verehrt wurde, dann geht es beim Krippenkind um den dem Kosmos zugrunde liegenden Logos, nicht um einen besonders charismatischen Besserwisser. Nein: die Bibel hat keineswegs unrecht. Nur geht es dort im von Lukas in der Weihnachtsgeschichte beschriebenen Wesen um das Wort in Menschengestalt, nicht um einen Menschen, der von der Frühkirche als göttliches Wort angesprochen wurde. Maria, das hervorbringende Wesen/die unvoreingenommen/unschuldige Mutterkirche hat etwas hervorgebracht, was nicht durch Menschen gezeugt ist, sondern von diesen nur ausgedrückt werden kann. Die aller Schöpfung zugrunde liegende Vernunft, der Logos war es, der in der Wiege des christlichen Glaubens liegt.

 

Durch ihn wurde nicht nur er hellenistische Mythos, das willkürliche Spiel der Götter zum Logos geführt. Auch das Gesetz, ebenfalls oftmals zum Selbstzweck verkommen und ins Gegenteil von Sinn/Vernunft verkehrt, kann nicht durch einen Wanderprediger bzw. eine ihm angedichtete Christologie erfüllt und gleichzeitig ersetzt worden sein. Nicht, dass das Gesetzt der Väter durch Paulus ungültig, beendet oder überwunden worden wäre. Doch im Bewusstsein des lebendigen Wortes gehört die Glaubensgesetzlichkeit, ein Glaube aufgrund vorgesetzter Personen und Texte, der Vergangenheit an. Die schöpferische Vernunft, ausgedrückt in der Person Jesus, ist jetzt für die Menschen offenbarende Gottespräsenz im schöpferischen Werden und somit sinngebende Wegweisung. (Wie blass ist daneben der heute gelehrte historische Jesus oder eine Christologie der dogmatischen Innerlichkeit?)

 

Die frohe Botschaft ist nicht mehr verdeckt, wie der Korinthertext sagt, sondern offenbar. Doch diese Offen-barung ist weder die Meinung eines wanderpredigenden Menschen, noch was Menschen in diesen an Christologie hineininterpretieren. Das helle Licht des Evangeliums, so Paulus, ist auch nicht das Machwerk von Menschen, nicht die Kopfgeburt von Predigern oder Philosophen, sondern kommt von der Herrlichkeit Christi, welcher das Ebenbild Gottes ist. Nicht dessen Miniaturausgabe, an den man einfach glauben muss und nicht einen historischen Menschen kann Paulus damit vor Augen haben.

 

Doch ebenso wenig ging es dem neuen theologischen Paradigma, das sich in Paulus ausdrückt,  um eine Innerlichkeit, einen blinden Glauben, Auferstehungsgeheimnis oder wie oft gesagt wird, um eine Hellenisierung aus Propagandazwecken zur Verbreitung des jüdischen Glaubens. Wer dies denkt, verleugnet das neue, das christliche Verständnis Gottes als Vater aller Schöpfung.

 

Nicht sich selbst predigt Paulus, sondern den in Menschengestalt sichtbaren Sohn Gottes. Weder in einem Wanderprediger noch einer Christologie heutiger Prägung leuchtet die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes, sondern allein in einem allem Werden zugrunde liegenden Logos. Dieser ist das einzige Gesicht des einen Schöpfergottes. Alles andere sind Vorstellungen aufgrund persönlicher Glaubensbilder oder traditioneller Texte, die persönlich interpretiert werden. Wobei mehr hineingepredigt wird, als herausgelesen. Gottes Sprache, das Wort, von dem das Werden aller Welt ausgeht, wird von Paulus & Co. gehört, das macht sie zu Christen. Hier ist der historische Paradigmenwechsel zu suchen. (Pseudopaulus ist danach nicht ein Texte, er nicht von einem Menschen mit Namen Paulus verfasst ist, sondern der nicht von diesem neuen Paradigma ausgeht.)

 

Stört jemand, der festhält an gewesenen Gesetzen und überkommenen Götzen – die beide willkürlich geworden sind und somit Spielball der Menschen, dunkler Mächte/Mythos/Geheimnis -  den Gang der Schöpfung nicht weit mehr als ein Umweltsünder unserer Tage?  Ist Missachtung der Schöpfung, in deren Ordnung sich ein ewiges Werden und Fortentwickeln zeigt nicht weit mehr als materielle Zerstörung oder ökologische Unordnung? Läuft nicht auch heutige Theologie Gefahr, dem schöpferischen Logos/leb. Wort entgegenzulaufen? (Beinahe Unmögliches wird hier verlangt: Eine Theologie, die dieser Denkweise folgt, müsste sich als Fortschrittsverhinderer, dunkle Macht, letztlich Teufelswerk sehen. Doch auch das wäre falsch: Denn was wir heute haben, was wir als historischen Jesus lehren und damit gleichzeitig das „Nichts“ dokumentieren, ist die Voraussetzung für ein neues Verständnis, gehört mit zum Weg, der gleichzeitig das schöpferische Wort ist. Nur eines dürfen wir nicht: Festhalten im Nichts und sagen es gäbe nichts Neues, das Dunkel, ein Glaube jenseits des wissenden Denkens wäre das Normale. Nur innere Lichter oder alte Gesetze und Mythen hätten damals eine christlichen Glauben begründet.)

 

Wenn sich bei Johannes Jesus selbst als Licht der Welt bezeichnete, dann war dies weder der anmaßende Anspruch eines jungen Juden, noch kann dies als gnostischer Glaubensaussage abgetan werden, die ein vom Auferstandenen ausgehendes Geheimnis bleibt oder dem blinden Glauben entspringt. Wie aus dem Licht alles irdische Leben hervorgeht, so ist der Logos, die Vernunft der Schöpfung zu verstehen. Das physikalische Licht ist die beste Metapher, um einerseits die über allem stehende Vernunft zu definieren, nach der wir seit dem sog. Urknall das Werden der Welt beobachten können. Doch auch die Software, waches Bewussteins, Wissen um die Dinge des Lebens, das manche moderne Denker mit dem Licht gleichsetzen, kann als das Licht identifiziert werden, das uns in der Person Jesus anspricht. Das physikalische Licht, das leuchtet und wärmt, von dem alles Leben ausgeht, ist und bleibt das beste Bild, um die unsichtbar Vernunft auszudrücken, nach der alles abläuft ebenso wie menschliches Wissen bzw. Bewusstsein. Der Gottessohn der Menschensohn geworden ist, dahinter verbergen sich Verstand und Vernunft, der des Schöpfers, wie der sein Wort wahrnehmenden Menschen. Weder ein antiker Besserwisser, noch ein Glaubensgeheimnis, ein unerklärlicher Mythos oder ein blindes Glauben an alte Lehren kann Licht der Welt sein, das uns an Weihnachten strahlt. Ohne den Logos ist das Licht aus.

 

Der Sinn unseres Seins, für den das kollektive Bewusstsein der Vergangenheit seine Autorität verloren hat, bleibt ohne eine neue Konkretisierung des Logos, einer von Gott ausgehenden allem Werde zugrunde liegende Vernunft verborgen, kann auch durch einen von Menschen aufgesetzten Weltethos nicht ersetzt werden. Auch hier bewahrheitet sich die Weisheit des Korinterbriefes, der vor einer Verdeckung des Evangeliums warnt. Doch wer Evangelium mit dem blinden Glauben an Texte, Gesetze gleichsetzt, der hat das Licht ausgeschaltet.

 

Weihnachten ist der Wechsel vom unbekannten zum bekannten Gott. Vom Gott der straft, von dem Menschen Angst habe, der willkürlich handelt, zum sinnvoll waltenden Schöpfergott, in den dessen Schöpfungshandeln wir begründete Hoffnung setzen können, weil nach jeder Nacht wieder Tag, nach jedem Winter wieder Sommer wird.  Doch kein Wanderprediger oder eine diesen verherrlichende Kirchenpredigt hat Gott bekannt gemacht, sondern allein das lebendige Schöpfungswort in Person.

 

 

2.      Was sagt die Bibel zum Weihnachtswunder

 

Auf den ersten Blick scheint klar was die Bibel zum Weihnachtswunder sagt. Haben wir nicht alle die Krippe, den Stall, die Jungfrau Maria mit ihrem Josef....vor Augen. Der Dokumentarfilm über Jesus von Nazareth, ausgestrahlt zur besten Fernsehzeit, hat allen Zuschauern gezeigt, um was es ging: ein junger Rebell wurde in einer Futterhöhle geboren, von orientalischen Sterndeutern gesucht.... Kein Kirchenblatt hat widersprochen. Warum auch, ist es nicht das, was vom historischen Wanderphilosophen an den Hochschulen gelehrt wird? Das Bild von der Krippe, die auch unter unserem Weihnachtsbaum steht, hat sich so in den Kopf eingefressen, dass es keine Frage gibt: Das steht in der Bibel! Doch ist das die ganze Wahrheit? Haben wir vor lauter zur Bewahrung des kollektiven Wissens notwendiger Bildern nun auch schon das Lesen verlernt?

 

Nicht, dass ich die von Lukas erzählte Geschichte und auch aus Matthäus abgeleitete Geschehen ablehnen würde, ganz im Gegenteil. Doch sich allein auf die banale Betrachtung und der Bilder zu beschränken, wäre zu wenig. Es würde auch dem wahren Inhalt dieser erzählenden Literaturform von Geburt und Leben Jesus nicht gerecht, wenn wir uns nur auf die Betrachtung dieser aus einer fiktiv angenommenen Spruchsammlung Q abgeleiteten  (So allgemeine theologische Leseweise. An anderer Stelle soll nachgewiesen werden, dass alle Spruchweisheiten nicht wie Tonbandaufzeichnungen von den Worten eines Wanderpredigers zu verstehen sind, sondern vom Wort Gottes ausgehende theologische Weisheiten.) Evangelien beschränken würden. Die Bibel sagt weit mehr darüber aus, was an Weihnachten geschah. Von den apokryphen Kindheitserzählungen ganz zu schweigen.

 

Ich will die Aussagen von Johannes an den Anfang stellen. Denn vom Wort, das Fleisch wurde, lassen sich nach der hier angewandten Perspektive, die erzählenden Evangelien und sonstigen Aussagen zum Anfang christlichen Glaubens deuten.

 

DAS WORT WARD FLEISCH (und nicht umgekehrt!!!) 

 

Im Anfang war das Wort/Logos und das Wort/Logos war bei Gott, und das Wort/Logos war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtete in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst...

Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf.  Allen aber, die ihn aufnahen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen die an seinen Namen glaubten, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

 

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. 

 

(Joh. 1,1-14)

 

Eigentlich drückt sich in diesem Text der theologische Kern des gesamten Evangeliums aus. Doch mit einem angeblich historischen Jesus vor Augen, der geistesgeschichtlich gesehen – und von Johannes hier beschrieben - nur das Abbild des an allem Anfang stehenden Wortes ist, in der menschlichen Gestalt Jesus Fleisch wurde, sehen wir nicht, was Johannes sagt. Wie wenn Johannes nur einen antiken Che Guevarra verherrlichen wollte oder von der Gnosis geblendet war und daher einen charismatischen Wanderphilosophen Namens Jesus bzw. die von diesem ausgehende christologische Wirkung theologisch umschreiben wollte, gehen wir über die philosophisch-theologische Wahrheit dieses Text hinweg. Doch ist hier nicht ganz genau die historische Wahrheit beschrieben? Mit einem historischen Wanderprediger in der Hand behaupten wir, die Bibel bewahrheiten zu wollen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Wir nehmen nicht ernst, was wirklich geschrieben steht.

 

Im Anfang war wirklich das Wort. Und es wird immer sein. Denn das Wort, der Logos ist das, nach dem das gesamte Universum abläuft. So weit unsere Wissenschaft in die Weiten des Universum oder in unsere Vergangenheit schauen kann regiert eine Vernunft, die damals von Johannes und seinen Zeitgenossen als Wort Gottes gesehen wurde. Die Fleischwerdung dieses präexistenten Gotteswortes wird uns in den Weihnachtsgeschichten beschrieben.

 

Auch wenn die menschliche Gestalt als notwendig gesehen wird, so können wir doch keineswegs mehr aus diesem Text schließen, dass Johannes nur einen Wanderprediger aus Fleisch und Blut, gesehen hat. Die Lebensgeschichte, die er uns beschreibt, bezieht sich auf das Fleisch und somit auch Gesetz/Text/Bild-gewordene Wort, dessen Leiden können wir nachlesen, von ihm gibt uns Johannes Zeugnis.

 

Wer nicht von einem verherrlichten Wanderprediger, sondern vom schöpferischen Wort ausgeht, für den ist der Johannestext beinahe selbstauslegend: der Logos war das von den Seinen nicht erkannte Licht. Nicht die Griechen und Römer haben über den Logos hinweggesehen, sondern Israel, das seit altersher auf das Hören/Verstehen des Schöpfungswortes seinen Glauben gründete. Zu diesen Juden, die nur am Gesetz hängen spricht Johannes. Er ist nicht das Licht und will es auch nicht sein, sondern nur davon Zeugnis ablegen. Nicht Glauben aufgrund der Aussage von ihm, Johannes wird verlangt, sondern Gotteswahrnehmung auf Grund des an Weihnachten sichtbar gewordenen Wortes

 

Denn nur die im Namen des Schöpfungswortes  wahrnehmen sind Kinder Gottes, können vom einen Schöpfervater des Himmels und der Erde sprechen. Nicht aus dem Wille des Fleisches, eines Mannes, nicht aufgrund von Gesetzen oder Vorgesetzten gilt es jetzt zu glauben, sondern allein aufgrund Jesus, der für ihn das lebendige Wort ist und bleibt.

 

Wer Jesus ist, was an Weihnachten geboren und geschichtliche Wahrheit ist, steht ganz genau in der Bibel. Das Neue Testament, dessen Verfasser darin die Erfüllung alttestamentlicher Aussagen gesehen und diese folgerichtig aufgegriffen haben, beschreibt die Geschichte des lebendigen Wortes in Menschengestalt. Doch die gesamte heute in Hülle und Fülle nachzulesende theologischen Kommentare und Auslegungen, die auf die Texte der Evangelisten aufbauen, haben nur einen Sinn, wenn der historische Jesus nicht nur als Wanderrebell oder blind zu glaubenden Christus, sondern als lebendiges Wort gesehen wird.

 

Alle theologische Auslegung, die davon ausgeht, dass der historische Jesus ein einfacher Mensch war, nimmt den Text nicht wirklich ernst. Denn nirgends steht, dass ein Wanderprediger aus Fleisch und Blut anschließend als Wort Gottes gesehen wurde, wie dies die heutige Theologie in ihrer Christologie weitgehend tut. Doch ebenso wenig können wir einfach sagen, es sei kein Mensch gewesen, sondern nur ein Christus, ein Mensch, der Gott verkörpert hätte.

 

Oft wir verkürzt gesagt: Gott wurde Mensch. Doch ist diese keine Verkürzung, die in falsche Richtung führt? Denn bleibt dann nicht alles Mutmaßung, pure Predigt vom unsichtbaren Gott? Doch nicht Gott, sondern sein Wort wurde Mensch, steht geschrieben. Nicht der unsichtbare Gott selbst, das Geheimnis, die Transzendenz ist das Wesen, das in der Weihnachtskrippe liegt, sondern der sichtbare Sohn, das fleischgewordene Wort. Die Hellhörigkeit für lebendige Wort, die verlangt wird, ist mehr als das Lesen bzw. blinde für wahr halte alter Texte oder wahrnehmen innerer Stimmen. Im Schöpfungs- bzw. Geschichtshandeln spricht Gott zu uns, davon berichtet die Bibel.

 

Bekenntnisse und Hymnen von der Geburt Jesus

 

Wenn nicht gerade von der Weihnachtskanzel gepredigt wird, sagt die Theologie ganz klar, dass wir von den Texten nicht historische Informationen erwarten dürfen, sondern die Verkündung des Heils im Vordergrund stehen würde. Immer wieder werden die Texte wie eine Verherrlichungsrede auf einen Menschen ausgelegt, der so als Gottessohn, Auferstandener und Davidsohn zum Messias hochstilisiert worden wäre. Doch damit will ich mich nicht zufrieden geben. In den formelhaften Aussagen außerhalb der erzählenden Evangelien drücken die verschiedenen Verfasser durchaus ein geschichtliches Ereignis aus.

das es nachzuvollziehen gilt. Es geht nicht nur um Bekenntnisformeln von einem Gottmenschen bzw. dem Geheimnis der Menschwerdung Gottes, wie immer wieder in den theologischen Erklärungen zu den Weihnachtstexten gesagt wird.

 

Wenn Paulus im Römerbrief 1,3 sagt ...

 

...das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt...

 

dann spricht er damit keine Katechismusformel nach, sondern hatte Klarheit über den Sohn, (Wort/Logos) der wie bei Johannes Fleisch wurde. Wer, wie viele Theologen, Paulus, Johannes und andere formelhafte Aussagen einfach als Christologie abtut, die nichts mit dem historischen Jesus zu tun hätte, der macht es sich zu einfach. Weder handelt es sich um eine Verherrlichungsrede auf einen Wanderprediger, noch eine fiktive Formel von einem unsichtbaren Gotteswesen jenseits der Geschichte, das dann nur persönlichem Glauben entspringt.

 

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren aus einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen.  Gal. 4,4f.

 

Auch hier wird der präexistente Sohn geboren und kein Besserwisser. Der Logos wird in die Zeitlichkeit gestellt, wie es auch in der jüdisch-hellenistischen Weisheitstheologie nachzulesen ist. Der Sohn, den Gott zum Heil der Menschen sendet, ist kein Wanderprediger, sondern das Wort, das an Weihnachten in Menschengestalt zum Ausdruck kommt. Diese von Frau Weisheit/Frühkirche/dem ausdrückenden Wesen hervorgebrachte Wort musste als Mensch geboren und unter das Gesetz gestellt werden. Die Vernunft/der Logos Gottes musste die menschliche Reihe von Adam, Abraham, Moses, David, selbst Sokrates fortsetzen. Dieser Mensch musste unter das Gesetz gestellt werden, selbst zum Gesetz werden, damit das Präsent sein Gottes der Nachwelt erhalten blieb, vermittelt werden konnte. Wie wichtig diese Menschwerdung und Gesetzlichkeit war, zeigt sich allein daran, dass bis heute der Theologie scheinbar nichts besseres einfällt, als an einem historischen Menschen festzuhalten. Sie würde ohne das gesetzte Bild mit leeren Händen dastehen. Die neue Zeit, um die Hände mit dem Wort/vernünftigen Gotteshandeln zu füllten, war bisher noch nicht reif.

 

Wenn die derzeitige Auslegung davon ausgeht, dass sich diese Texte gegen die Verleugner der Menschwerdung, die Gnostiker und Doketisten richtet, dann folge ich dieser Argumentation. Doch das eigentliche Wesen ist das Wort. Seine Menschwerdung war notwendig. Er musste in der Reihe begreifbarer Personen stehen. Hinter diese Personen steht jeweils nicht nur eine präexistente, sondern eine historische Wirklichkeit. Wie auch Phil 2,6-8

 

Er war Gott gleich.....und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen, er erniedrigte sich.

 

Konkreter kann man es kaum sagen. Es geht nicht um einen Menschen, sondern er musste zum Mensch werden, gleich gemacht werden, damit er gesehen werden konnte. Das war not-wendig, wahrhaft vernünftig: somit ge-horsam gegenüber der ge-hörten höheren Vernunft, die menschliche Gestalt erhielt. Das Thema alle theologischer Aussagen ist weder ein Mensch, der als Wort verherrlicht wurde, noch ein geheimnisvoller Christus. Durch die Menschwerdung wurde aus gnostischer Vielfalt, Verflüchtigung, Unverständlichkeit, Geheimnis das für das Volk notwendige Offenbarungswesen. Erst in Menschengestalt wurde das Wort zum Messias/Christus. Erst so lässt sich der in der Antike offenbare Gotteslogos in die Geschichte einordnen.

 

Die heutige Theologie geht bei den umgekehrten Weg: der historische Mensch wurde nach ihrer Lehre als Wort verherrlicht, der präexistente Christus bleibt ein Geheimnis. (Ist für viele Theologen eh nur noch eine hellenistische Einfärbung oder eine Überbleibsel aus jüdischen Mythen und Traditionstexten, keine Weltwirklichkeit.)  Die Erhöhung eines Menschen, von der so viel gesprochen wird, hat nie stattgefunden. Anders als wir, wäre keiner der gesamten neutestamentlichen Verfasser von einem antiken Che Guevarra ausgegangen. Das lebendige Wort ist und bleibt das eigentliche Wesen, das an Weihnachten eine menschliche Gestalt annimmt. Es gibt keine zwei verschiedene Wesen: hier ein historischer Jesus, dort ein Glaubenschristus, wie heute gelehrt wird. Der Präexistente Logos, von dem später auch die gesamte Frühkirche spricht, der Thema auch aller Gegner der Gnostiker und die Menschlichkeit Jesus verneinenden Theologen ist, musste Mensch werden. 

 

Es liegt auf der Hand, ist logisch: Erst durch die Menschwerdung konnten die Menschen die Herrlichkeit sehen. Wer allerdings weiterhin behauptet, die gesamte Logoslehre sei aus der hellenistischen Philosophie aufgegriffen um einen historischen Menschen zu erhöhen, entspringe der Weisheitstheologie, dem in Schöpfungserzählung gebrauchten präexistenten Gotteswort... der hat nicht nur dieses nicht begriffen, sondern macht das gesamte Evangelium zum religiösen Schwindel.

 

Doch das ist das Problem, dem sich die damaligen Verfasser bewusst waren. Wenn sie dem präexistenten Gottessohn/Logos/Wort eine menschliche Existenz geben, ihn zum Gesetz machen, liefern sie ihn gleichzeitig der menschlichen Verfallenheit aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Wann ist Weihnachten?

 

Vor einigen Jahren diskutierte ich mit meinen Kindern über das Weihnachtsdatum. So wie aller heutiger Theologie klar ist, dass Jesus nur ein Wanderprediger war, der als Wort Gottes verherrlicht wurde, wussten sie auch, wie es sich mit dem 24. Dezember verhält. Im Religionsunterricht hatten sie gelernt, dass dieses Datum von päpstlicher Seite der Jahrhunderte Später als Geburtsdatum Jesus festgelegt worden wäre. Ach mit  Sonnenwend- und sonstigen Feierlichkeiten, ob Jahreswechsel oder alte heidnische Feste, hätte der Geburtstag Jesus nichts zu tun. Jetzt kam ein immer alles besserwissneder Vater daher, der vom schöpferischen Logos und lebendigen Wort phaselte – Begriffe, die für den Religionsunterricht völlig unerheblich waren – und behauptete, Jesus sei wirklich an Weihnachten geboren.

Alte heidnische Bräuche oder gar den das immergrünen verkörpernden Weihnachtsbaum, der ja nach bisherigem Denken nachweislich nichts mit der Geburt Jesus zu tun hat, wollte ich meinen Kindern als Beweis dafür bieten, dass Jesus wirklich an Weihnachten zur Welt kam. Doch wer, wie meine Kinder, nur eine Kirchenlehre als Logs anerkennt, der wird mich nicht verstehen können.

 

Es gibt kein besseres Datum im Jahresverlauf als die Sonnenwende, um den schöpferischen Logos das Licht der Welt erblicken zu lassen. Denn so wie in jedem täglichen Sonnenaufgang (Nicht als zufällige Sonnenanbeter hat Philo die Essener beschrieben) zeigt sich auch im Jahresverlauf der Logos des Schöpfers gerade im Wechsel von Winter zum Sommer in seiner vollsten Pracht. Wer nicht mehr an Gott glaubt, weil’s geschrieben steht, sondern im lebendigen Logos des Schöpfers das Offenbarungswort wahrnimmt, für den hat das Weihnachtsdatum eine doppelte Bedeutung. Hier im natürlichen Ablauf allen , das wir unermesslicherweise exakt nachweisen können und ganz selbstverständlich auf für die Zukunft voraussetzen, offenbart sich das Wort Gottes auf besondere Weise. Weit sichtbarer als in allen Zahlenspielen mit Unendlichkeiten der modernen Physiker und Kosmologen, die in vielfältigen oft spekulativen und abstrakten Modellen das Universum beschreiben, zeigt sich im einfachen Ablauf die Zuverlässigkeit schöpferischer Vernunft.  Und hier wird gleichzeitig auch das deutlich, was sich auch im Gottesbewusstsein getan hat, welcher Wechsel stattfand.

 

Wie im natürlichen Ablauf der Schöpfer des Alles jeden Tag und jedes Jahr mit einer unermesslichen Zuverlässigkeit das Licht wieder anmacht, so auch an Weihnachten. Der Wechsel der Gezeiten, Winter und Sommer, Nacht und Tag, beide sind für Wachsen und Gedeihen notwendig. Das gehört zur die Theo-logik allen Lebens, ist lebendiger Logos, Grund-prinz-ip aller Schöpfung. Und so wie im kosmischen Ablauf, so auch in der Software der Köpfe. Im kollektiven Bewusstein hat vor 2000 Jahren eine Wende stattgefunden, die weit über die Geburt eines Wanderpredigers hinausgeht,  jedoch im Leben Jesus anschaulich wird.   

Der Wort Gottes hat das Licht der Welt erblickt, der Logos hat menschliche Gestalt angenommen und wurde so zum Messias der Juden und Griechen.