Wendezeiten

 

Vom Nachwort zum Neu-WORT:

 

Das Nachwort auf das Leben des charismatischen Wanderpredigers geht einem neuen Verständnis vom Leben Jesus als dem lebendige WORT des Schöpfers voraus. 

 

Der Kreis kann sich schließen. Das Nachwort zu einem Vortrag des Karlsruher Philosophen und Freidenkers Dr. Arthur Drews, mit dem dieser kurz vor dem 2. Weltkrieg für Aufsehen sorgte, zeigt mir erneut, wie kurz der Weg bis zu einem Paradigmenwechsel der Welt-bzw. Gotteswahrnehmung ist. Die kritischen Zweifel bzw. Verneinungen des Leben Jesus lassen sich umkehren in einen Beweis, daß Jesus lebt, die Wahrnehmung des schöpferischen LOGOS kurz bevorsteht.

 

"Hat Jesus gelebt" ist die Frage, der sich der freireligiöse Drews widmet. Drews versucht in seinem Vortrag zu belegen, daß der Mensch Jesus nie gelebt hat. Er geht davon aus, daß wir im Neuen Testament nur die Geschichten des Alten Testamentes lesen, die mit dem Leben eines Jesus nichts zu tun hätten und beweist dies an zahlreichen Beispielen und geschichtlichen Begebenheiten. Indem er das Leben Jesus bestreitet versucht er Raum zu schaffen für ein freirelgiöses, pantheistisches Denken, das er von seinen philosophischen Mentoren übernimmt und weiterentwickelt. Sein Verdienst wäre es, die Grundgedanken seines Lehrers, Eduard von Hartmann erfaßt zu haben. Dieser drückt sich im Glauben an eine zweckvolle Entwicklung des Weltgeschehens aus einem unbewußten Urgrund aus. In seinem Hauptwerk, der "Philosophie des Unbewußten", zeigt Hartmann auf, daß sich alle bedeutenden Philosophen (z.B. Descartes, Leibnitz, Kant, Fichte, Schelling, Hegel, Schopenhauer) mit diesem Urgrund, der er "das Unbewußte" nennt, beschäftigt haben. Fichte beispielsweise hatte schon betont, daß die das Bewußtsein erzeugende Tätigkeit (z.B. in der Entwicklung des Lebens) vorbewußt und damit unbewußt sein müsse. "Hartmann erkennt als Träger des Weltprozesses eine unbewußte Intelligenz, deren Ziel es ist, die aus einem blinden Willen geboren Welt zu erlösen. Im Mensch kommt der unbewußte Geist zum Bewußtsein." ( Georg Pick).

 

Drews sehe in diesem Grundgedanken den Kern seines freireligiösen Weltbildes, so Lothar Geis in seinem Nachwort zum Vortrag über die Verleugnung des Leben Jesus. Wie soll ich jetzt sagen, daß die Gedanken, die von Hartmann hatte die Grundlage für den christlichen Glauben sind?

 

Hartmann und Drews, so wie ihre vielen philosophischen Väter haben Jesus von Nazareth gesehen. Nur kannten sie noch nicht seinen Namen. Sie haben neu versucht eine Weisheit zu begründen, auf die die Weisheitslehrer von Syrien in der Synthese mit dem jüdischen Glauben ihr Weltbild bauten, aus der damals in Damskus eine neue Gotteswahrnehmung entsprang. Auf das, was Drews und Hartmann, wie viele andere vor und nach ihnen hinweisen, ist der lebendige LOGOS, der dem Neuen Testament bzw. unserem Glauben  zugrunde liegt. In der Person des Jesus von Nazareth hat dieser neue, universale Gottesglaube, der weit über die jüdische Gesetze hinausging, Gestalt gefunden. Ohne es zu wissen, belegt Drews philosophisch daher die Geschichte Jesus, dessen Leben er bestreitet.

 

 

 

Allgegenwart Jesus

 

Das Thema Jesus geht weit über die Grenzen der Kirche hinaus, nicht ohne Grund. Wenn Jesus in Kunst, Musik, Literatur und Wissenschaft Beachtung findet, dann ist dies jedoch derzeit nur Bruchteil dessen, was er dort wirklich bedeutet. Als Wanderprediger, dessen Leben Drews und Co. in ihren Ausführungen abstreiten, findet er in diesen außerbiblischen  Bereichen nur als ein besonders bedeutender Mensch statt, der einmal gewesen war. Als LOGOS ist er in allen Wissenschaften lebendig, wird in Literatur auf vielfältige Weise verherrlicht und nicht nur in Kirchenliedern lautstark besungen.

 

Unser derzeitiges Denken geht davon aus, daß der aufgeklärte Verstand einem Verständnis von Gottessohnschaft und Auferstehung Jesus  im Wege steht. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir Jesus nicht nur als Mensch betrachten der war, sondern als LOGOS der lebt, dann brauchen wir die Bibel nicht weiter zu beschneiden und ihre Geschichten zu banalisieren, sondern können verstehen, sie neu zu verstehen. Wenn wir hinter der Allegorie vom  charismatischen Wanderprediger die Personifizierung des schöpferischen LOGOS/WORTES sehen, der vor fast 2000 Jahren von jüdisch-philosophischen Weisheitslehrern im nordsyrischen Raum Gestalt gegeben wurde, und die nur so zur bis heute gültigen Grundlage unseres Gottesglaubens werden konnte, wird daraus eine all unsere Lebensbereiche umfassende neue Wahrnehmung erwachsen. Um die Allgegenwart Jesus zu erkennen, brauchen wir uns vom begreifbaren Bild des Wanderpredigers nicht zu lösen, sondern müssen dahinter das erkennen, was die Weisheitslehrer damals in Damaskus gesehen haben: den schöpferischen LOGOS als den SOHN, Er-zeugnis des jüdischen Gottes.

 

Seit 200 Jahren erst wird die Frage "Wer war Jesus?" erst gestellt. Vorher war es den Menschen selbstverständlich: Jesus ist der Sohn Gottes. Seine Allgegenwart wurde nicht hinterfragt, sie war im wanderpredigenden Gottmenschen gegeben. Erst der Hegelschüler D.F. Strauß steht für ein Denken, das begann das Mythische der Christusfigur hervorzuheben und Jesus als literarische Idee vom Gottmenschen zu verstehen. Auch wenn sich unsere amtlilche Theologie derzeit auf den Wanderpredigenden Menschen beruft, hat sie in Wirklichkeit die Vorstellung von der literarischen Fiktion schon längst eingeholt. Was sie als wesentlich bezeichnet ist die sog. "Christologie".

 

Nur Schade, daß dieser Christlogogie in den Augen der derzeitigen Theologie nicht der lebendige LOGOS - das in allem Werden sichtbare WORT des schöpferischen Autors - sondern eine altjüdische Lehre zugrunde liegt, die inzwischen ihre Autorität verloren hat.

 

Denn dieser LOGOS, den wir im Neuen Testament lesen, ist kein durch theologische Titel vergötterter Mensch, der mythologisch verkleidet wird, sondern die schöpferische Vernunft, der LOGOS, dem auf sehr sinnvolle Weise literarische Gestalt gegeben wurde. Um aber das Leben des allgegenwärtigen und präexistenten Jesus als die eigentliche Grundlage christlichen Glaubens zu begreifen, müssen wir erst bereit sein, die Vorstellung der männlichen Mutter Teresa aufzugeben. Erst wenn diese Bereitschaft besteht, kann die allgegenwärtige Gestalt Jesus als Allegorie für ein neues Gottesverständnis gesehen werden, das uns Dank Jesus von Nazareth von Gott gegeben ist. D.h. der Wanderprediger bleibt erhalten. Jesus bleibt der, der er war und sein wird. Nur seine Wahrnehmung - der christliche Glaube - wird eine neue Dimension erhalten. Erst nach dem Nachwort auf den menschlichen Wanderprediger beginnt daher das neue Verständnis vom lebendigen WORT Gottes.

 

Es geht daher nicht darum, dem christlichen Glauben, der das Leben Jesus als Grundvoraussetzung hat, seine Grundlage zu nehmen, sondern ihm einen Grund zu geben, der weit über das traditionelle jüdische Gesetz oder eine moderne, in den Menschen Jesus hineininterpredierte, menschliche Moralpredigt hinausgeht.

 

Während Drews behauptete, die christliche Theologie würde auf schwachen Füßen stehen, wäre eine Psydowissenschaft, weil die Lehre vom Wanderprediger nur eine Frühkirchliche Erfindung sei, geht es hier um ein neues Fundament.

 

Über den Menschen Jesus hinauszusehen bedeutet nicht ihn zu mythologisieren, wie dies D.F. Strauß tut. Ein Ruf nach dem Mythos, wie er von vielen heutigen Theologen zu hören ist, die so z.B. die Auferstehung bewahrheiten wollen, wäre ein Rückfall in die vorchristliche Religion. Jesus ist kein theologischer Mythos, sondern Realität, schöpferische Tat-sache

 

Auch die modernen "Jesus lebt" Theorien, wo heute jeder seinen persönlichen Jesus Christus im Herzen trägt, taugen nicht für eine kollektive Theologie, die sich auf eine historische Gestalt beruft. Wenn hinter dem Wanderprediger der lebendige LOGOS gesehen wird, dann geht damit keineswegs die historische Gestalt verloren. Die geistesgeschichtlichen Begebenheiten, die uns im Leben Jesus geschildert sind, werden so erst als reales Geschehen bewußt. Während die heutige Theologie in Wirklichkeit davon ausgeht, die Leben Jesus Geschichten seien nur eine Fortschreibung alter Literatur, kann durch die Wahrnehmung des LOGOS die Geschichte Jesus belegt werden, in der sich die alten Texte bewahrheiten.

 

Die neue Theologie ist nicht Gestaltgeworder alter Text, sondern wirkliches Leben Jesus, gestaltgewordenes schöpferisches WORTE. Nicht von Menschen geht dieses WORT aus, sondern von Gott selbst.

 

Wer die Geistesgeschichte vom Verständnis Jesus verfolgt, der wird auch nachvollziehen, warum sich bisherige Vorstellungen nicht durchsetzen konnten. Ob es um Straußsche Mythologisierung Jesus geht, einen modernen individuellen Glauben oder die Begründung Jesus allein durch das jüdische Gesetz, wie sie in der heutigen Theologie weit verbreitet ist, sie allen nehmen unserem christlichen Gottesverständnis die Grundlage, statt sie zu stärken.

Sie alle sind Rückfall der Religion ins vorchristliche Paradigma.

 

In diesem neuen Paradigma geht von der bisherigen Predigt nichts verloren. Alles was ich bei Paulus und den Evangelisten über die Bedeutung Jesus lese, wird erst im lebendigen LOGOS für mich begreifbar. Die Auslegungen der Texte, die ich Sonntags in der Kirche höre und die ich bei der "Bibellese" des evangelischen Kirchenboten, auf Kalenderblättern oder theologischen Büchern nachvollziehe, stimmt wirklich. Doch erst, seit ich in Jesus den lebendigen LOGOS sehe, kann ich nachvollziehen, warum der Glaube bzw. die Wahrnehmung Jesus eine so weltbewegende Bedeutung hat, wie Gott den Menschen in Christus ihre Sünden vergibt, wie den Heiden durch Jesus der jüdische Glaube bewußt werden kann ebenso wie eine Glaubenserneuerung derer möglich ist, die nur glauben, was nicht vom alten abweicht, wie die Menschen die alles durchdringende Kraft Gottes in der Mitte der Schöpfung neu erkennen können, wie die beschriebenen Vivionen eines christlichen Lebens wahr werden können, warum Christus wirklich das Maß aller Dinge ist und wir durch ihn in das ganze Geschehen der Schöpfung eingebunden sind, warum nach Jesus alle irdischen Güter zu Gaben Gottes werden, weshalb sich durch Jesu eine totale Wende unserer Weltsicht und ein Wandel unseres Verhaltens ergibt, warum........

 

Doch dies alles ist von dem neuen Paradigma des lebenden LOGOS aus gesehen keine Predigt mehr, in der alte Texte geglaubt werden, sondern werden zu einer vernünftig nachvollziehbaren Logig.

 

Im Gegensatz zu unserer derzeitigen Christologie ist das neue Verständnis von Jesus keine theologisches Geistesgebilde. Es geht um eine reale Gestalt und eine reale Geschichte, die sich zugetragen hat, auch wenn durch das allegorische Verständnis der Begriffsrahmen erweitert wird. Noch vor ca. 200 Jahren war der historische Jesus ganz selbstverständlich auch der Christus. Die Trennung, die die moderne Theologie vornimmt, nimmt dem historischen Jesus völlig die Bedeutung. Um was es in der sog. Christologie dann geht, hat mit dem charismatischen Wanderprediger, den man unabhängig davon sieht, in Wirklichkeit wenig am Hut. Während also die derzeitige Christologie eine reine Lehrgestalt, ein Geistesgebilde zur Grundlage hat, geht das neue Verständnis von der Realität der schöpferischen Vernunft aus.

 

Doch hier liegt auch das Problem:

Solange wir nicht von einer höheren Vernunft ausgehen, die das ganze schöpferische Geschehen bestimmt die hinter allem Werden wahrzunehmen ist, bleibt uns nur der humane Wanderprediger oder eine Kirchenlehre.

 

Für wen zwar völlig selbstverständlich ist, daß dieser PC eine Sofware braucht, ohne den die Hardware keine Funktion hätte, gleichzeitig aber davon ausgeht, daß das gesamte Weltgeschehen, die gesamte Schöpfung des Universums ohne eine schöpferische Software auskommt, für wen eine Software keine Realität darstellt, sondern der nur an die sichtbaren Plastikteile des PC glaubt, für den hat auch die Rede vom schöpferischen LOGOS keine Realität.

 

Die Wende bedeutet das genaue Gegenteil  eines Abschiedes vom charismatischen Wanderprediger oder einer Verneinung der bisherigen Predigt und der ihr zugrunde liegenden Texte. Die Wende ist ein neuer Anfang, der  eine Wiederwahrnehmung der alten Glaubenswahrheiten möglich macht. Was von Prof. Drews & Co. noch verneint wird, wie z.B, das Leben Jesus, wird neu belegt im lebendigen WORT.

 

Millionenfach beschäftigen sich die Theologen mit alten Texten, suchen darin die Glaubenswahrheiten. Die Wende wäre, wenn einer anfangen würde im lebendigen WORT GOTTES zu lesen.  

 

Diesen Aufruf will ich nicht als Anklage verstanden wissen. Auch ist mir bewußt, daß es viele Theologen oder auch Naturwissenschaftler gegeben hat und noch gibt, die im natürlichen Geschehen vernünftiges schöpferisches Handeln sehen. Doch ich denke, die Wende geht weiter.

 

Noch der katholische Theologe Teilhard de Chardin, der in seinen mystischen Visionen, die er auf sein Naturwissen als Geologe gründete, das Bild eines kosmischen Christus entwarf, ging von einem Wanderprediger aus, der Grundlage seines Glaubens war. Noch ist unser Welverständnis ent-zweit. Auch der Nobelpreisträger Henry Bergsohn oder der amerikanische Theologe Alfred Whitehead (zwei Namen, die immer dann genannt werden, wenn Gott in der Natur am Werk gesehen wird), die in ihren Philosophien über einen großen schöpferischen Prozeß allen Werdens nachdachten, wie Whitehead eine "Prozeßtheologie" entwarf, hätte es  voraussichtlich für verrückt gehalten, wenn man ihnen erklärt hätte, daß sie nur ein sehr komplexes, wissenschaftliches Modell des christlichen Messias malen.

 

Doch genau das ist der Wendepunkt. Die unbewußte Intelligenz, die den gesamten Weltprozeß, die Entwicklung und Weiterentwicklung bewegt, die hinter allem Wachstum und Wohlstand steht, kann als schöpferischer Verstand begriffen werden, nimmt neue Gestalt an als die Grundlage unseres christlichen Glaubens: Jesus von Nazareth, den die Evangelisten beschrieben. Kein von uns entwickelter kosmischer Christus, der reiner Naturwissenschaft entspringt oder einfach in unser wissenschaftliches Weltbild hineinprojeziert wird.

 

Erst wenn wir begreifen, daß die Weisheitslehrer von Damaskus damals im Rahmen ihrer jüdisch-griechischen Philosophie eine neue Theologie entwickelt haben, die in Jesus Christus Gestalt annahm, stehen wir nicht mehr im Nichts, wenn wir über das allegorische Bild des charismatischen Menschen Jesus hinausschauen.

 

Den Weg zu diesem neuen Denken, der Wieder-Wahrnehmung des schöpferischen LOGOS wird erst eine Naturbetrachtung freigeschaufeln, die über den Panthesimus hinausgeht. Es geht nicht darum, das ganze kosmische Geschehen mit Gott gleichzusetzen, ihn selbst im Prozeß des Werden wahrnehmen zu wollen. Was wir sehen ist nur sein SOHN, sein ER-zeugnis.

 

Sowenig wie die christliche Theologie damals entstand, weil die Weisheitslehrer vom jüdischen Gott als dem Schöpfer in alten Texten lasen und diesen Glauben blind übernahmen, sowenig wird es heute Sinn machen, einfach aufgrund der biblischen Schöpfungszeugnisse davon auszugehen, daß wir dieses Geschehen einem Gott zu verdanken haben.

 

Der christliche Glaube geht von Jesus aus, nicht von vorgesetzten Texten. Er baut auf das lebendige WORT/LOGOS: Die begreifbare schöpferische Vernunft ist Ausgangspunkt des christlichen Denkens. Damit will ich den Geburtsort Jesus nicht von Betlehem nach Athen verlegen. Ohne den jüdischen Gottesglaube wäre die neue Wahrnehmung des schöpferischen Willens, SEINES Sinnes, der hinter allem Werden steht, nicht möglich gewesen. Der Messias ist  wirklich die Erfüllung des "jüdischen" Gottesverständnisses, dessen Weiterentwicklung..

 

Doch so wie damals die Wahrnehmung des schöpferischen WORTES im kosmischen Werden die Voraussetzung für ein neues Hören war, ist auch heute wieder ein Naturverständnis not-wendigig, das vom einer schöpferischen Vernunft ausgeht, die allem natürlichen Geschehen zugrunde liegt. Erst wenn ich in der Evolution des gesamten Kosmos, ebenso wie der Geschichte der Menschen und der Entwicklung ihrer Erkenntnis einen schöpferischen Sinn sehe, kann ich sagen "Jesus lebt". Die Wende betrifft also keineswegs nur die Art und Weise, wie wir den Wanderprediger der Bibel lesen. Vor einer neuem neuen christlichen Gottesverständnis in Jesus steht eine neue Sichtweise der Natur.

 

Dabei geht es keineswegs um einen Rückfall in alte Naturanbetung oder religöse Verehrung des kosmischen Geschehens selbst, sondern den dahinter stehenden Verstand. In allem was ich als natürlich, logisch sehe, muß ich einen schöpferischen Sinn erkennen. In allem was so selbst-verständlich für mich ist, will ich den dahinterstehenden Verstand des schöpfers suchen.  

Die Entwicklung der Naturwissenschaft hat für eine solche Sichtweise den Weg geebnet. Ohne ein Verständnis der ökologischen Zusammenhänge, ohne die Ordnungsmuster, die mir in vielerlei Modellrechnungen auf sehr unterschiedliche Weise von Naturwissenschaftlern präsentiert werden, wäre der Paradigmenwechsel nicht möglich. Erst wenn ich diese Theorien für Alles, von verborgenen Ordnungen, zeitlosen universalen Prinzipien, scheinbar chaotischer aber trotzdem sehr schöpferischer Muster und Modellbeschreibungen als WORT Gottes, seine Vernunft sehe, kann ich zu einer neuen Perspektive kommen. Die Grundlage meines christlichen Glaubens bzw. die Voraussetzung für ein neues  Verständnis von Jesus ist also, daß ich in aller Form-gebung die IN-formation, das WORT Gottes wahrnehme

 

Erst wenn ich z.B. in den Ausführungen von Hans Peter Dürr über ein neues dynaisches Weltbild der Physik das WORT Gottes höre, hat Jesus für mich Realität. Erst wenn ich jetzt über die grauen, kahlen Felder gehe und mir bewußt ist, daß Gottes WORT es ist, durch das mit Gewißheit in wenigen Wochen alles grünt und blüht, nimmt Jesus Fleisch an, ist nicht nur reine Religions-Theorie. Selbst El Nino ist dann wirklich das Christkind. Nicht weil diese derzeit grausame Unwetter verursachende warme Meeresströmung wegen ihrer regelmäßigen Wiederkehr zu einer bestimmen Jahreszeit einst so genannt wurde, sondern weil sie Teil einer umfassenden Ordnung ist. Selbst wenn sie schrecklich für die Menschen ist, die durch diese Unwetter leiden, wer will behaupten daß sie un-logisch, unschöpferisch wären? Heute wissen wir, daß sie zu einer metereologischen Ordung gehören, die wir möglicherweise negativ beeinflußt bzw. an der wir unseren Lebensraum nicht im möglichen Maße ausgerichtet haben.

 

Für Gott gibt es weder Un-wetter noch Un-kraut. Um den Stein der Theodizee vor einem neuen Verständnis zu rollen, müssen wir die gesamte Schöpfung versuchen aus den Augen einer schöpferischen Vernunft zu betrachten. Aus der alltäglichen Sichtweise herauzugehen und zu versuchen, die Dinge von Oben zu berachten, bedeutet keineswegs abzuheben. 

Es geht darum, sich für eine universelle Ordnung, wie sie in vielfacher Weise wissenschaftlich beschrieben wird zu begeistern, in ihr das Handeln Gottes, einer schöpferische Vernunft wahrzunehmen und daraus den Sinn unseres Seins abzuleiten. Unseren Platz im Plan des Schöfers erkennen, unsere Aufgabe als schöpferisch und mit Vernunft begabter "menschlicher" Wesen, die sein Werke mit den von ihm gegebenen Mitteln nach seinem Willen umsetzen, dieses WORT verwirklichen. Darum ergibt sich ein ganz konkretes Verhalten im Werktag unseres menschlichen Zusammenwirkens.

 

Doch auch wenn sich die Ethik unseres Alltagsverhalten aus unseren universellen schöpferischen Aufgaben ableitet, einem WORT, das wir im natürlichen Werden wahrnehmen, wird daraus weder Naturreligion noch blinder Sozialdarwinismus. Auch hier zeigt sich die Zeit der Wende. Noch vor wenigen Jahren wäre dieses hier verlangte Denken, das den Sinn unseres Seins aus dem natürlichen Geschehen ableitet in einen blinden Sozialdarwinismus gemündet. Die Anfänge davon sind nicht nur in ideologischen Grundlagen des Nationalsozialismus nachzulesen.(Unsere gesamte Wirtschaft handelt noch heute nach diesem leicht humanisierten darwinistischen Strickmuster.)

 

Heute können wir hinter dem vordergründigen Fressen und gefressen werden einen Sinn sehen, der nicht in der bösartigen Grausamkeit der Tiere liegt, sondern dort seine berechtigte Logig hat. Ich bin begeistert, wenn mir die Biologen beschreiben, wie der Bauplan der Natur so wunderbar funktioniert und zu Fitnissvermehrung führt. Als menschliches Wesen ist mir aber eine andere Art gegeben, zur Fitnissmaximierung beizutragen. Art-ig sein, bedeutet mich auf der mir gegebenen Vernunft, als "menschliches" Wesen in den schöpferischen Plan aller Weiterentwicklung einzubringen. Die theologische Wende bedingt als auch ein neues Naturverständnis, dem wir uns immer weiter nähern.

 

Wenn wir die Wende vollziehen und vom natürlichen Geschehen, von allem vernünftigen Werden aus auf den Vater schließen, dessen Fitneß wir maximieren müssen, müßte eigentlich der Fehlschluß, den der sog. Sozialdarwinismus aufgrund der Evolutionslehre zog, ausgeräumt sein. Wenn wir im gesamten natürlichen Geschehen die Genesis Gottes sehen, dann hat Genmaximierung eine völlig neue Bedeutung. Für die Genesis ist die Fintneß meines Nachbarn so wichtig wie meine. Im neuen Testamtent steht "daher" (und nicht nur, weil diese alte jüdische traditionelle Ethik war) : Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.