Dominus Jesus:
die katholische
Dogmatik als Zeuge des Logos
Einleitung:
Große Wellen der Empörung lösten die aktuelle
Kongregation der katholischen Kirche aus: Welch eine Anmaßung.... in heutiger
Zeit ein Alleinseligmachungsanspruch....wo wir doch so schön am ökumenischen
feiern waren....Die Kirchenblätter, selbst katholische, sind voll davon. Das
Internet scheint überzuquellen von Foren, in denen sich Gläubige und ihre
Kritiker Luft verschaffen.
Doch was in der päpstlichen Erklärung geschrieben
steht, ist in Wirklichkeit keine Alleinseligmachungsrechtfertigung für die
päpstliche Kirche, sondern ein Beleg für das wahre Wesen, das der christlichen
Lehre zugrunde liegt: den präexistenten Logos.
Die wahre Kirche Jesus ist jedoch kein Verein zur
blinden Dogmenanbetung, sondern dort und dann, wenn dieses lebendige Wort
verstanden und so Gott neu wahrgenommen wird.
Dominus "Jesus" ohne Jesus
"Der Vorrang der katholischen Kirche vor allen
anderen Glaubensgemeinschaften..." so die
Nachrichtensprecherin im Hinblick auf eine Rechtfertigung des
päpstlichen Schreibens anlässlich einer Bischofskonferenz: Nur dieses Thema
scheint zur Debatte zu stehen. Auch die Kritiker des Kirchenpapiers sehen kaum
einen Anlass, sich mit dem Thema Jesus auseinander zusetzen. Der ist nur noch
ein Einzelobjekt unserer Religionslehre. Für den angeblich christlichen Glauben
heutiger Prägung im Grunde unbedeutend. Was über Jesus gesagt wird, wie er
gesehen wird, das sind Glaubensaussagen, die jeder mit sich selbst ausmachen
muss!
Als Problemlösung für die heutige Zeit hat dieser
Jesus kaum noch etwas zu sagen. Selbst mit dem Glauben an den monotheistischen
Schöpfergott, der nach dem christlichen Bekenntnis nur durch ihn möglich ist,
hat er in der heutigen Glaubens- bzw. Aberglaubensrealität des theologischen
Alltages nichts zu tun. Verständlich, dass mich meine Freunde, auch wenn sie im
Kirchengemeinderat oder erzkatholische Zeitgenossen sind, für verrückt halten,
wenn ich mich mit Jesus beschäftige, statt meine Energie für aktuelle Probleme
einzusetzen.
Auch wenn die Regale mit neuen Büchern, die Jesus
als Essener sehen wollen, als neuen Mann,
Befreiungskämpfer..........überquellen,
wirkliche Bedeutung für unseren Gottesglaube hat dieser Jesus nicht
mehr. Jesus ist so beliebig, dass er selbst in der Debatte über "Dominus
Jesus" keine Rolle mehr spielt.
Genau dies ist jedoch der Grund, warum die
katholische Kirche ihre Kongregation herausbrachte. Nicht die Einzigartigkeit
der Kirche, sondern die Herrlichkeit, Heilsuniversalität und Einzigartigkeit
Jesus wird in dem Papier beschrieben. Erst daraus kann die Bedeutung der
katholischen Kirche abgeleitet werden.
In der von Kardinal Ratzinger verfassten Schrift
werden viele der Bibelstellen aufgelistet, die ich bisher als Belege dafür zusammengetragen
habe, dass es beim wahren Wesen des historischen Jesus nicht um einen
verherrlichten Wandercharismatiker, sondern das lebendige Wort in der uns
bekannten Personifizierung ging.
All die Aussagen, die hier aufgelistet sind, um die
Herrlichkeit Jesus zu beweisen, können sich nicht auf einen Menschen beziehen,
sondern nur auf das lebendige Wort in
Person eines solchen:
Der, durch den alles geschaffen ist, das Licht der
Welt, der Logos, durch den sich Gott allen Menschen zu erkennen gib, offenbart,
wodurch die Vergebung menschlicher Sünden gegeben ist............all das kann
nur als das inkarnierte schöpferische Wort wahrgenommen werden. Ein
Wanderprediger, der von seinen Anhängern verherrlicht wurde, wäre weit weniger
als Dreck dagegen. Es ist völlig absurd, den griechisch gebildeten
Weisheitslehrern, die als die Verfasser der Evangelientexte zu erkennen sind,
ebenso wie den Kirchenvätern und frühchristlichen Apologeten die Verherrlichung
einer männlichen Mutter Teresa unterschieben zu wollen, wie es die heutige
Schultheologie weitgehend tut und wogegen die päpstliche Autorität ihre Stimme
erhebt. Jesus ist wirklich das und der, den die Evangelisten beschreiben. Die
universale Heilsbedeutung hängt nur von ihm ab: dem lebendigen Wort und seiner
Wahrnehmung.
Doch wie kann die Stimme einer Institution, die kaum
einer mehr ernst nimmt, etwas bewegen und beweisen? Wie können Dogmen, die ihre
Kritiker für frühkirchliche Propaganda halten zur wirklichen Verherrlichung
Jesus beitragen? Die Autorität, von der das Wort ausgeht, liegt nicht bei
Menschen oder einer menschlichen Institution. Not-wendig ist es heute mehr den
je, das schöpferische Wort selbst zu Wort kommen zu lassen. Nicht Menschenwort,
sondern das vom Autor allen vernünftigen Werdens ausgehende.
Jesus im
Spiegel unserer Zeit
Wenigstens von Augstein hätte ich aufgrund des
päpstlichen Papiers einen Spiegelartikel erwartet. (Nicht weil ich ihn für
einen polemischen Erzfeind der katholischen Kirche, sondern einen engagierten
Wahrheitssucher halte.) Doch der kommt wahrscheinlich erst passend zur
Auflagensteigerung der Weihnachtsausgabe
.
(Einschub:
Erst in der Ausgabe vom 25.12.2000 wurde kurz auf
die römische Glaubenskongregation Bezug genommen: "Papiernes Pfaffengeflüster"
zitierte der Spiegel ein protestantischer Theologieprofessor. Es gäbe kein
Recht, eigene Glaubensinhalte zur allein seligmachende Lehre zu erklären.
Von Jesus war in dem Sammelsurium verschiedener
Spiegelartikel über die Rückkehr des Glaubens im nächsten Jahrhundert nichts zu
lesen. Oder doch: Aber damit setzt sich ein Brief an den Astronom des Papstes
auseinander. Der Wissenschaftler glaubt - im Gegensatz zum Alltagsglaube, wie
er sich in verschiedenen Titelbeiträgen der Nachweihnachtsausgabe wieder-spiegelt
- aufgrund seines Wissens um die natürliche Ordnung. George V. Coyne hält das
Wort Gottes, das wir am Weihnachtsabend als Kind in der Krippe besingen in den
Armen, ohne es zu wissen.)
Ist "Dominus Jesus" für Augstein so
Abseits der Welt, dass eine tiefgreifende theologische Auseinandersetzung im
Spiegel nicht angebracht erscheint? Dafür würde auch die Tatsache
sprechen, dass Jesus selbst in der
Nachweihnachtsausgabe, bei der über die "Rückkehr des Glaubens"
berichtet wird, keine Rolle spielt. Im Spiegel unserer Zeit besehen, spielt
Jesus keine Rolle. Der eigentliche Inhalt unseres Glaubens scheint leer, ist
nur noch ein Produkt des Papiers.
Denken Augstein und seine kirchenkritischen
Anhänger, dass in dem neu aufgelegten Bestseller "Jesus Menschensohn"
zur theologischen Auseinandersetzung
mit Jesus bereits alles gesagt ist?
Dort hat der Spiegelherausgeber sehr fundiert belegt: Der Christus des
Glaubens hat mit einer rein menschlichen (angeblich der historischen) Gestalt
nichts zu tun. Nicht was ein Mensch mit Namen Jesus getan, gewollt oder gedacht
hat, ist im Neuen Testament nachzulesen, sondern es geht um den Christus des
Glaubens. Aber das ist seit Albert Schweizer auch Thema der christlichen
Theologen. Doch im Gegensatz zur Amtskirche und ihren Kritikern sehe ich im
präexistenten Logos kein Kirchendogma zur Verherrlichung ihres Gründers,
sondern den zeitgeschichtlich nachweisbar neu verstanden Grund des
monotheistischen Gottesglaubens.
Nicht was ein Mensch mit dem zufälligen Namen Jesus
gesagt hat, sondern was das damals neu verstandene, in aller Schöpfung
lebendige Wort von uns verlangt, wie es zur Wahrnehmung des Himmel und Erde
bestimmenden Schöpfers beitragen und wie es die menschliche Genesis
weiterbringen kann, bestimmte die neue, vom griechischen Geist geprägte jüdisch
Theologie der Antike. Wenn damals das Programm des präexistenten Logos im Leben
eines Wanderprediger ausgedrückt wurde, dann war dies ein sehr vernünftiger
Weg, der die jüdische Gotteswahrnehmung sinnvoll weiterentwickelte. Denn davon
ist eine Wirkung ausgegangen, der wir letztlich unser Wissen und unseren
Wohlstand verdanken. Auch die geistige Freiheit und der Fortschritt unseres
Denkens, die jetzt vor der Tür eines neuen theologischen Paradigmas stehen, sind Produkte des
lebendigen Logos in der uns bekannten Gestalt. Nur in der Form des uns so
vertrauten Wanderpredigers konnte die neue Erkenntnis ihre Wirkung entfalten.
Nur so wurde das neue Verständnis des Gotteswortes vor einer Verflüchtigung
bewahrt, hat sich der Glaube verbreitet und erhalten und über viele
Jahrhunderte zum geistigen Fortschritt beigetragen. Was heute immer wieder
lautstark kritisiert wird, ist nur noch die taube Dekadenz eines von Juden und
Griechen ausgehenden philosophisch-theologischen Denkens der Antike, das die
Grundlage zum Verstand der westlichen Welt legte.
Doch Augstein, wie viele andere, sind der Kirche,
die sie kritisieren, längst auf den
Leim gegangen. Statt den lebendigen Logos als wahres historisch
nachvollziehbares Wesen in Menschengestalt wahrzunehmen, haben sie ein
Banalbild von Jesus als einem humanistischen jungen Juden übernommen. Ob bei
Moses oder Christus gehen sie von Kunstfiguren aus, die sie für reine
Kirchengeschöpfe halten. Sie lesen nur Legenden zur Verherrlichung des eigenen
Glaubens bzw. frühkirchliche Projektionen zur Moralisation der Menschen.
Die Kritiker haben das Missverständnis vom
Menschensohn übernommen. Sie sehen im historischen Jesus das, was ihnen die
Amtstheologie bisher vorgesetzt hat. Wo der angebliche Abdruck eines Grabtuches
als Beweis für den Gottessohn gilt; wo sich mehr Professoren wissenschaftlich
(es ist himmelschreiend) mit einem angeblichen Grabtuch als Begründung unseres
Glaubens auseinandersetzen, als mit einem historisch nachweisbaren damals neuen
Wort Gottes Verständnis, da können die Kirchenkritiker nicht anders, als die
Christologie für absurde Propaganda zu halten.
Während ich auf der Weltausstellung in Hannover in
jedem der unzähligen Flachbildschirme ebenso wie den Dokumentationen und
beeindruckenden Filmprojektionen den schöpferischen Logos durchleuchten sah,
wurde im päpstlichen Pavillon das Turiner Grabtuch als Beleg des Logos
ausgestellt. Man mag über das deutsche Disneyland für Bildungsbürger geteilter
Meinung sein. Doch das Thema
"Mensch, Natur, Technik" war für viele der Aussteller Anlass, sich
mit der Grundordnung unserer Genesis auseinander zusetzen. Auch wenn oft in Form einer oberflächlichen
Selbstbeweihräucherung: Geistesgeschichte bzw. das sinnvolles Zusammenspiel zwischen
menschlichem Geist und der schöpferischen Ordnung wurde beschrieben. (Menschen-
und Gottessohn waren zu sehen.)
Ob in der von Gentechnikmonopolisten gesponserten
Geisterbahn, die über die beeindruckende Funktionsweise kleinster Bausteine -
vom körperlichen Gelingen bis zum menschlichen Geist - Auskunft gab, ob in
sonstigen naturwissenschaftlichen Beschreibungen oder in Kulturgeschichtlichen
Belegen bzw. der Darstellungen der Geistesgeschichte. Ich habe immer nur die
Geschichte des schöpferischen Wortes verstanden. Bis ich zum Heiligen Stuhl
kam. Hier wurde ich belehrt, dass sich mein Glaube nicht auf das lebendige Wort
gründen solle, sondern auf einen jungen Wanderprediger, dessen Existenz durch
den angeblichen Abdruck auf einem Grabtuch sichtbar sei.
Doch eine Kirche, die ihre Dogmen nicht auf das
lebendige Wort gründet und dessen ewiges Verständnis, die hat den Verstand
verloren. Die ist alles andere als christlich.
Ende mit der
religiösen Relativität
In einer Zeit, in der Religionslehrer die Auferstehung
Jesus abstreiten, dem ach so guten und charismatischen jungen Juden von Theologen der Titel Messias
aberkannt wird, um dem jüdischen Glaube nicht zu nahe zu treten und alles und
jedes als gültig anerkannt wird, da muss sich die katholische Kirche zu Wort
melden. Der Herrlichkeit und Heilsbedeutung Jesus gilt es neu zum Ausdruck zu
verhelfen. Wie wahr.
Doch genügt es, die alten Dogmen zu wiederholen?
Würde ein zu "Wort" melden nicht bedeuten, die Herrlichkeit Jesus im
heutigen Weltverständnis verständlich zu machen, zu erklären, statt nur
biblische Dogmen als Belege vorzulegen. Was sollen diese leeren Worthülsen,
wenn die Kirche in Wirklichkeit selbst nicht die Heilswirkung Jesus wahrnimmt?
Wie kann sich eine Kirche auf ihren eigenen Kanon berufen, um die Bedeutung Jesus zu beweisen? Wo die
Relativisten in den eigenen Reihen denken, die Christologie sei nur eine
Propagandapredigt auf einen charismatischen Juden, was hilft es da, sich auf
diese Christologie zu berufen?
Die Kritiker der Kirche lächeln nur über diese
Beweise, fühlen sich bestätigt. Für sie ist dies alles nicht ernst zu nehmen,
dumpfer Konserativismus, der in eigenen alten Dogmen erstickt. Leere Worte,
ohne Wirkung. Welch Anmaßung, wenn die Kirche in eigenen frühkirchlichen Texten
ihre Wahrheit beweisen will. Als bloße Bestätigung der eigenen Wahrheit taugen
diese Texte nicht. Was sich in den alten Texten jedoch bestens belegen lässt,
ist der Logos, der damals gelebt hat. Jesus ist Grund, d.h. das lebendige Wort
Gottes ist der wahre Inhalt des christlichen Glaubens. Die sog. Glaubensdogmen,
die von der katholischen Kirche wiedergekaut werden, ohne sie zu begründen,
sind keine päpstliche Erfindung zur eigenen Erhebung. Die heute vielgeschmähte
Christologie und die Heilsaussagen sowie Hoheitsbezeichungen Jesus sind kein
Propagandaprodukte unserer Tage. Sie sind Zeugen eines
philosophisch-theologischen Bewusstseins der Antike, einem Verstehen Gottes,
das uns verlorengegangen ist und ohne das alle Glaubensaussagen leer sind.
Nicht von einem Wanderprediger und dessen Worten sind die Verfasser der
Evangelien ausgegangen, sondern vom lebendigen Wort in Menschengestalt.
Der einzige Weg, dem Wort Gottes neues Gehör zu
verschaffen ist es, den in der Antike verstandenen Logos verständlich zu
machen. Die Einzigartigkeit und Heilsuniversalität Jesus lässt sich nicht durch
kirchliche, nur aus alten Texten entnommene Gesetzesdogmen begründen, sondern
nur im lebendigen Logos. Ohne das urchristliche Gottesverständnis, das in den
als Gnosis abgetanen Texten oft deutlicher wird, als im altbekannten und aus
Unverstand verniedlichten Kanon, schwimmt die gesamte Kirchenleere in einem
Vakuum ohne Boden. Diese relativistische Theologie, die in nichts und nirgends
eine Grundlage hat (außer in eigenen Papieren), und in seichtseliger Umarmung
alles blind toleriert, kann jedoch nicht durch abgehobene moderne
philosophische Christologien mit neuem Leben erfüllt werden. Den neuen
Verstand/Logos als zeitgeschichtliche Tatsache eines wahrhaft jüdischen
Gottesbewusstseins - christlicher Theologie - und dessen Auseinandersetzung mit
dem blinden Gesetzesglaubens gilt es neu deutlich zu machen. Wiederbelebung des
damals verstandenen Wortes: Dies wäre die Aufgabe moderner Theologie. Hier gilt
es das Wissen um die ursprüngliche Bedeutung der Begriffe und die
geschichtlichen und geistigen Zusammenhänge einzubringen. Durch das Wiederkauen
von Papierdogmen kommen wir nicht weiter.
Wer den
Relativismus der christlichen Religion überwinden will, der darf sich
aber auch nicht auf ein Mysterium berufen, wie dies an heutigen Hochschulen
geschieht.. Damit wird dem Relativismus Tür und Tor geöffnet. Im mystischen
Nebel sind alle Katzen grau. Der Supermarkt modernerer esoterischer Spielereien
lässt grüßen. Auf ein Mysterium, innere Stimmen und individuelle Eingebungen
kann sich jeder Guru berufen. Wenn die päpstliche Erklärung dazu aufruft, das
"Mysterium" der Menschwerdung und Offenbarung als Heilsereignis für
die gesamte Menschheit zu sehen, dann ruft sie in Gewisserweise nach
Relativismus, von dem sie abbringen will. Jesus ist nicht als Mysterium zu
verstehen. Ein Mysterium ist in sich unverständlich, sonst ist es kein
Mysterium mehr. Etwas Unverständliches kann aber nicht das Wort, der Logos
sein, von dem die katholische Lehre spricht.
Ein Wort ist nur etwas, das verstanden wird, Sinn
macht. Doch Jesus ist Gott sei Dank kein Mythos mehr. Er ist der Logos, das
Wort in Menschengestalt. Die historische Gestalt des Jesus verkörpert den
Schritt vom Mysterium, einer nur auf Traditionstexten und heidnischen Mythen
beruhenden Gotteswahrnehmung jenseits allen Wissens zum Verstand.
Gotteswahrnehmung durch den Verstand innerhalb dem aktuellen philosophischen
Weltbild. Es hilft nichts. Den verlorenen Gottesverstand müssen wir suchen.
Ab-pausen (Pause als Nichtstun, Un-schöpfung) von alten Papierbegründungen
reicht nicht zur Neubegründung unseres Glaubens.
Glaube bedeutet für viele "nichts wissen",
blind etwas für wahr halten, z.B. Gott, den könne man nur glauben, weil’s
seeelig macht........Glaube allenfalls als Placebo. Und im gleichen Atemzug
verlangt dann die Kirche von uns in ihrem neuen Papier, so solle man auch an
den Sohn Gottes glauben, ihn für wahr halten. Vom Licht des Logos wird zwar
gesprochen: Lippenbekenntnis. Doch verlangt wird ein Glaube in finsterer Nacht.
Nicht verstehen, nur glauben, was Kirche mir vorsagt. Selbst Kirchenkritiker
wie Hans Küng kommen darüber nicht hinaus. An Jesus als Christus, Sohn
Gottes.....müsse man halt glauben. Derjenige, durch den wir erst an Gott
glauben, den einen Schöpfer Himmels und der Erde wahrnehmen können, wird so zum
puren Gesetzesglaube. Das Licht des Logos wird abgeschaltet. Das vernünftig
wahrnehmbare Schöpfungsgeschehen als Offenbarungsgegenstand, kommt nicht vor.
Die
Inkarnation des Wortes war Heilsereignis
Warum die Inkarnation des schöpferischen Logos in
der Person des bekannten Wanderpredigers erst zum neuen Paradigma führte, die
notwendige Wirkung erzielte, lässt sich vielfältig nachweisen. (Wie z.B.
sollten unsere germanischen Vorfahren verstehen, was die Griechische
Philosophie in ihrer Logoslehre ausdrückt, wenn uns der schöpferische Verstand
bis heute verborgen bleibt.) Der z.B. durch den Kirchenvater Origenes gegenüber
Celsos geführte Begründung über das wahre Wort, hat sich bewahrheitet. Der über
allem stehende weltfremde philosophische Logosbegriff war als Mittler zwischen
Gott und den Menschen nicht machbar. Erst in der Menschengestalt war das
schöpferische Wort jüdischer Messias. Erst so konnte Jesus seine Wirkung
erzielen. Die Gestalt des Gottessohnes in der uns bekannten Form entspricht
höchster Vernunft, konnte nur so zum Heilereignis werden. Eine rein platonische
Idee wäre Schall und Rauch gewesen. Eine sich verflüchtigende Gnosis, die der
Welt nicht verständlich gemacht werden konnte. Keine Grundlage für die
Weiterentwicklung und Verwirklichung der jüdischen Religion. Doch in der
Evangeliengeschichte geht es nicht um die Verherrlichung eines menschlichen
Geistesgebildes. Es geht um das aller Genesis zugrunde liegende Wort, das
erkannt, verstanden wurde. Genau wie es die altjüdische Lehre vorausgesagt bzw.
erwartet hatte.
Der Logos, ausgedrückt von einem unvoreingenommenen
Geist der Frühkirche (Mutter Maria) war unter den Menschen verständlich. Auch
in seinem Tod blieb er sich treu. Er musste sterben, um neu verstanden zu
werden............Alles was über Jesus ausgesagt ist, lässt sich nachweisen.
Auf was sich die katholische Kirche in ihrem Papier beruft, lässt sich logisch
begründen. Der historische Jesus ist mit dem Christus der Kirche identisch. Es
gibt keine zwei Gestalten. Nicht nur die Theologie des Paulus, als Verkünder
eines neuen jüdischen Paradigmas hat ihren Grund. Auch die Erzählungen der
Synoptiker über das Leben Jesus und seine Auseinandersetzung mit dem
Traditionsglaube lassen sich im Logos begründen, sind in sinnvolle Bilder
verdichtete Zeitgeschichte. Die verlangte personale Einheit zwischen dem ewigen
Wort und Jesus von Nazareth lässt sich belegen. Doch dieser Person Jesus liegt
ein neues theologisches Paradigma zugrunde, eine wirkliche Wende. Auch wenn die
Texte in sinnvoller Fortsetzung der jüdischen Tora entnommen sind, es geht in
Jesus nicht nur um ein Aufwärmen jüdischer Tradition. Vielmehr wurden die alten
Texte in der Antike neu, allegorisch verstanden. Durch Jesus als den lebendigen
Logos wurde der jüdische Glaube mit neuem Leben erfüllt.
Nicht religiöse Mysterien, relativistische
Innenansichten oder von inspirierten Menschen vormals verfasste Schriften,
sondern die neue vernunftgeprägte Wahrnehmung des schöpferischen Wort Gottes
selbst war es, was zum neuen Heilsereignis führte.
Fülle und
Endgültigkeit der Offenbarung in Jesus
Wenn, wie die Katholische Kirche behauptet, die
einzige Offenbarung von Jesus ausgeht,
dann hat sie damit völlig recht. Doch lässt sich das nur begründen, wenn wir in
ihm die Inkarnation des schöpferischen Wortes wahrnehmen und nicht nur den
Gründer einer antiken Sekte sehen, wie es an den heutigen Hochschulen gelehrt
wird. Hinter Jesus verbirgt sich das die gesamte Evolution bestimmende Wort. Es
wird in japanischen Schulen ebenso gelehrt wie in der Naturwissenschaft der
westlichen Welt. Die Gegnerschaft zwischen Vernunft und Glaube ist aufzuheben
durch die Wahrnehmung des lebendigen Wortes. Der entleerte Jesus lässt sich
durch den Verstand dieses Wortes mit
neuem Leben füllen.
Durch ein Verständnis des christlichen Wesens vom
schöpferischen Wort her, lässt sich auch der logische Zusammenhang zwischen dem
philosophischen Denken der verschiedenen Zeitepochen und verschieden religiösen
Strömungen aufzeigen. Ohne in relativistisches Einerlei zu verfallen, ist ein
allem Denken zugrunde liegender schöpferischer Logos zu verstehen, der aus
verschiedenen Perspektiven gesehen wurde. Die Heilsbedeutung der verschiedenen
Perspektiven, die für die einzelnen Kulturen aufgrund ihrer geschichtlichen
Prägung unterschiedlich ist, lässt sich vom schöpferischen Verstand her
beurteilen. Einen Christen zeichnet die Treue aus zu diesem Wort aus, das er
durch den Verstand wahrnehmen kann,
nicht der Gehorsam gegenüber menschlichen Texten. Das Hören dieses alles
materielle und geistige Werden bestimmenden Wortes war es, was damals in der
Antike die Theologen begeisterte. Doch ging dieses Denken weit über pure
Naturanbetung hinaus, hat mit modernem Pantheismus nichts zu tun.
Einzigartigkeit
und Universalität Jesus
Universale Bedeutung hatte für die Väter unseres
Glaubens nicht ein bestimmter Traditionstext, sondern die Wahrnehmung des
Wortes, wie es damals nur in der Person Jesus möglich war. Wenn andere
Religionen das alles Werden bestimmende Wort auf ihre Weise wahrnehmen, z.B.
als Tao (Wechselwirkung von Ying und Yang), dann können wir darin die
Bestätigung eines lebendigen Wortes erkennen. Was Basis des christlichen Glaubens
ist, wird in anderen Religionen im Kontext ihrer Kultur wahrgenommen. Nicht die
gegenseitige Bekehrung, sondern das Bewusstsein einer gemeinsamen Grundlage in
der vernünftigen Genesis Gottes steht auf dem Programm heutiger Philosophie.
Die katholische Kirche ruft dazu auf, Lösungen zu
entwickeln, die den Bedürfnissen unserer Zeit entsprechen. Die
Auseinandersetzung mit dem schöpferischen Universum, das Darstellen eines
unbegreifbar intelligenten Selbstorganisationsprozesses im Wunderwerkes des
kosmischen Werdens, wie es heute bei zahlreichen modernen Denkern nachzulesen
ist, führt allein nicht zum Ziel. Ebenso wenig bietet "Das Tao der
Physik", wie es z.B. der New Age Papst Capra vor Jahren aufzeigte, um eine
Brücke zwischen Wissen und Glaube zu schlagen, brauchbare Lösungen. (Auch wenn
in verschiedenen Texten über das Tao eine verdichtete Beschreibung des
schöpferischen Logos/Wortes nachzulesen ist.)
Für die modernen Denker, die gerne in fremden
Religionen nach Wahrheit suchen, bleibt
das alles weit ab vom christlichen Glauben. Solange vom präexistenten
schöpferischen Wort zwar gesprochen, aber dahinter nur ein verherrlichter
Wanderprediger gesehen wird, hat "Dominus Jesus" weder etwas mit
naturwissenschaftlichen, noch fernöstlichen Weltbildern zu tun. Immer wieder
ist es der blinde, dem vor 2000 Jahren
herrschende Bewusstsein nicht gerecht werdende Verstand des wahren Wesens
Jesus, der zur Trennung führt, neue Ein-sichtenen verhindern..
Lösungen, die unserer Zeit entsprechen, lassen sich
nicht losgelöst von der bisherigen christlichen Lehre, weder in fremden
Religionen, noch einer puren
Wissenschaftsgläubigkeit oder einem dogmatischen Aber-trotzdemdem-glaube
finden. Aber gerade der Verfall dieses Aberglaube gibt die Chance für ein neues
christlichen Bewusstsein. Die heutigen Religionsrelativisten ebenso wie die
Kritiker der Kirche, die die Dekadenz der leeren Dogmen aufzeigen, machen den
Weg frei für ein völlig neues
Verständnis der Herrlichkeit und Einzigartigkeit Jesus. Erst in der
Wahrnehmung des sich hinter unserem Glaubensgrund verbergenden Logos als dem
lebendigen Wort Gottes kommen wir zu einem Jesusverständnis, wie es die
katholische Kirche verlangt.
Doch noch wichtiger: Erst so kommen wir zu einer
wahren christlichen Kirche. Einer
Gemeinschaft des vernünftigen Glaubens und einer dem schöpferischen Wort/Logos
entsprechenden Lebensweise.
Einzigartigkeit
und Einheit der Kirche
Wenn wir von einem alles bestimmenden Wort Gottes
ausgehen, so ist es nur zu verständlich, dass wir auch von einer einzigen
Kirche sprechen. Der Schöpfer hat nur eine Sprache, auch wenn er auf
verschiedene Weise verstanden wird. Die Christliche Kirche ist dort, wo dieses
Wort Gottes verstanden wird. Doch wo
nur einem alten Mythos das Wort geredet wird, wo eine innere Einsicht oder der
blinde Glaube an traditionelle Texte verlangt wird, da kann nicht die
christliche Kirche sein. Das würde den historisch nachweisbaren theologischen
Bedingungen des christlichen Glaubens nicht entsprechen. Weder auf vorgesetzte
Persönlichkeiten, noch auf vorgesetzte Texte und noch viel weniger auf
institutionelle Amtsautoritäten gründet der christliche Glaube. Autorität hat
allein der Autor des Himmels und der Erde, sein Wort. Menschenworte können allenfalls dazu beitragen, dieses Wort
Gottes verständlich zu machen.
Bei der Suche nach "Dominus Jesus" bin ich
auf der der Homepage des Vatikan auf eine andere Dogmatik gestoßen, die zum
Thema "Sonntag" Stellung nimmt. Der Sonntag wird darin als der Tag
bezeichnet, an dem das Schöpfungswerk Gottes gefeiert wird. "Alles ist
durch das Wort geworden". Die Herrlichkeit Gottes würde in seinem Sohn
erleuchten, der Schöpfungsplan Gottes würde sichtbar werden. Die aktive
Gegenwart des Gottessohnes im Schöpfungswerk wäre im Osterglaube offenbar
geworden. Grund für uns, den Sonntag zu feiern, so die päpstliche
Verlautbarung.. Wie wahr. Doch was feiern wir?
Wann wird es endlich wieder Sonntag, ein Sonntag wie
er am Anfang des christlichen Denkens war? Wann gelingt es uns, das Wort Gottes
im Kontext unseres Wissens wahrzunehmen?
Solange die Prediger am Sonntag nur einen jungen
Juden vor Augen haben und nicht das im Schöpfungswerk wirksame Wort, ist weder
Sonntag noch eine christliche Kirche. Doch diese Kirche braucht nicht neu
gebaut zu werden. Sie ist vorhanden. Wir brauchen das Alte nicht verneinen,
sondern nur neu zu verstehen. Es gilt das zu verstehen, was bisher nur
dogmatisch belegt wird.
Die kirchliche Dogmatik, die eigentlich nur das
urchristliche Christusverständnis wiedergibt, macht deutlich, dass das Wesen
Jesus nicht ein beliebiger Wanderprediger, sondern das lebendige Wort Gottes
ist. Dieses gilt es neu wahrzunehmen.