Es könnte ebenso gut heißen
„Vernunft aus Glaube.“
Denn ein sinnvolles, vernünftiges Handeln setzt nach dieser Betrachtung den Glaube voraus. Auch ein objektives Urteil, was wirklich vernünftig ist, ist nur durch die Wahrnehmung eines universalen schöpferischen Wortes, einer über allem waltende Vernunft möglich: christlicher Glaube. Doch ein solcher Glaube, ein Führwahrhalten des schöpferischen Wortes, das von einem unsichtbar bleibenden, transzendenten Gott ausgeht, dessen Existenz und Willen offenbart und ein vernünftiges Handeln hervorbringen soll, muss auf dessen Vernunft im realen, wissentlichen Geschichtswerden der Welt gründen, sich so methodisch begründen lassen.
Blinder Glaube erfüllt nicht den Zweck des Glaubens, taugt allenfalls zum Sammeln von Kirchensteuer und moralischer Ermahnungen, christliche Religion heute: Gefühlsduselei ohne vernünftigen Glauben, weihevolle Umrahmung von Familienfesten und zur Ausschmückung der Weihnachtsfeier. Glaubensspiritualität verkommt so zum geistlos-geheimnisvoll-okkulten Spiritualismus. Der Geist des Glaubens wird zum Gespenst. Beim kopflosen Glauben fehlt der Spiritus rector. Dass die Vernunft Gottes damals in menschlicher Gestalt das Licht der Welt erblickt hat, vor 2000 Jahren bewusst war, davon fehlt jede Spur. Religion als reiner Selbstzweck. Glaube in heutiger Form kann seine Kulturfunktion, die für eine Weiterentwicklung oder ein zur Vernunft bringen der menschlichen Gesellschaft dringend notwendig wäre, nicht erfüllen.
Wichtig erscheint daher mehr
denn je, Glaube und Vernunft nicht nebeneinander stehen zu lassen oder gar, wie
es heute im Missverstand christlichen Glaubens oft gängige Leseweise ist,
gegeneinander zu stellen, sondern auf einen Nenner zu bringen.
Für ein christliches
Selbstverständnis, das im Gegensatz zur derzeitigen Lehrmeinung, nicht von
einem als Weltvernunft theologisch verherrlichten Wanderprediger, sondern vom
einem/r wirk-lichen schöpferischen Wort/Vernunft in Menschengestalt ausgeht,
ist:
christlicher Glaube die
wissentliche Wahrnehmung und Umsetzung dieser Vernunft.
Wer die Vernunft
verleugnet, verhindert den wahren christlichen Glauben!
Und dessen notwendige
Wirkung in der Welt!!
Im heutigen Glaube wird das Denken oft versucht auszuschließen. Religion und Vernunft, Glaube und Denken/Wissen, erscheinen weithin als Gegensätze. Religiöser Irrationalismus und Aber-glaube trotzdem sind die logischen Folgen eines Glaubens, der sich dem kritischen Denken verweigert. Bei einem irrationalen Glaube werden naturwissenschaftliche Betrachtungen und Glaubens-sätze wie Gegensätze gesehen, statt sie beide als verschiedene Ausdrucksformen eines Gottes-wortes zu verstehen. Rationalität findet außerhalb der Religion statt. Die Religion des Logos, als deren Hüter sich die christlichen Glaubensväter verstanden, verleugnet sich heute selbst. Atheistischer Materialismus bzw. das dort stattfindende wissenschaftlich Denken, mit dem allenfalls technische Errungenschaften verbessert werden können, das jedoch nicht zu einer Weiterentwicklung von Verstand und Vernunft der Menschen und somit einer Verhaltensänderung führt, erscheint dann als rational. Für den Großteil der vernünftig denkenden, die geistig längst außerhalb der Religion stehen, selbst wenn noch ein traditioneller Restglaube ist, erscheint es heute völlig absurd, dass der Mensch durch Glaube zur Vernunft gebracht werden sollen. Glaube ist für sie gleichbedeutend mit Unvernunft, was sich an zahlreichen Beispielen der Geschichte und Gegenart leicht belegen lässt. Glaube ist für sie allenfalls eine Sache des Gefühles, hat den Geist längst abgegeben.
Doch ist eine Gesellschaft, die zwar die Technik zur Sättigung der Welt und Verbesserung der Lebensverhältnisse beherrscht, der jedoch dazu das auf Glaube gründende Ge-wissen fehlt, wirklich rational, vernünftig? Der aufklärerische Versuch, durch eine rein humanistische Ratio ohne realistischen höheren Bezug, ohne religiöse Begründung und Einübung in entsprechenden Riten die Gesellschaft zur Vernunft zu bringen, ist bisher in östlich-kommunistischen wie westlich-kapitalistisch freien Kulturen kläglich gescheitert.
Wie kann eine Gesellschaft, die wissentlich Ihren Kindern die Lebensgrundlage raubt, in dem sie das Weltklima verändert und Energie- und Rohstoffressourcen wegfrisst aber gleichzeitig außer ewig strahlenden Uranbrennstäben nur weltgesellschaftliche Ungleichgewichte bzw. Ungerechtigkeiten hinterlässt, die zwangsläufig in Kürze zum Kollaps führen, als vernünftig bezeichnet werden? Vieles weitere wäre hier noch aufzuaddieren, was nicht zum Verhalten eines wahrhaft aufgeklärten Vernunftwesen gehört. Gleichwohl sich der angeblich aufgeklärte Mensch für vernünftig hält, heute über ein ungeahntes Wissenspotential verfügt, verhält er sich höchst unvernünftig, wird den Anforderungen an ein vernunftbegabtes Wesen am Anfang dritten Jahrtausend nicht gerecht. Denn nicht das Überleben müssen im Kampf gegen Naturkatastrophen oder Feinde von außen führen zur irrationalen Lebensweise. Die Geist der Weltgesellschaft ist im Rahmen evolutionären Entwicklung dank des in der Menschheitsgeschichte wirk-samen schöpferischen Wortes so weit gewachsen, dass wir im Grunde nur noch einen Feind haben: den eigenen Ungeist, unsere Unvernunft. Rational wäre es daher, das derzeit weitgehend brachliegende geistige Potential eines vernünftigen Glaubens zu nutzen. Nicht um Moralpredigten abzuhalten, sondern die Menschen zu begeistern für eine schöpferische Vernunft, sie so im höheren Sinne vernünftig zu machen. Doch wie soll ein Glaube, der im Gegensatz zur Vernunft lebt, nur von einem antiken Che Guevarra schwärmt und mit einer realistischen schöpfungswirksamen Vernunft nichts am Hut hat, die Gesellschaft vernünftig machen?
Solange die christliche Religion sich nicht auf den in der Antike in menschlicher Gestalt lebendigen und heute im evolutionären Werden des Mikro- und Makrokosmos neu begreifbaren Logos, die allem natürlichen Werden offenbare schöpferische Vernunft beruft, sondern nur auf theologische Mythen, die unverständlich sind, bleibt Bewusstseinsspaltung. Eine Begegnung von Vernunft und Religion ist so kaum möglich. Religion wird so zur Randexistenz, statt zur unsere Kultur gestaltende Kraft.
Die Vernunft als das wissentliche Durchdringen der Glaubensinhalten hat im Christentum eine lange Geschichte. Letztlich ließen sich alle theologischen und philosophischen Denker, von den Hebräern bis zu neuen naturwissenschaftlichen Denkern heute – an ihrer Spitze die Verfasser der alt- und neutestamentlichen Bibeltexte - aufaddieren und ihre Aussagen untersuchen. Denn es war die Vernunft der damaligen Zeit, die in den Texten der Bibel zu Wort kommt, nicht eine Glaubensirrationalität. Doch eine solche Untersuchung der Vernunfts- bzw. Glaubensgeschichte aus neuer Perspektive heraus muss an anderer Stelle ausführlich geschehen. (Neben dem notwendigen Nachweis über das im antiken theologischen Denken lebendige philosophische Wort können auch Philosophen der Neuzeit Belege für ein latentes Bewusstsein des in der Schöpfung wirksamen Logos liefern. Es ist z.B. begeisternd, wie viele unserer Philosophen das Jesuskind bereits in Händen hielten.) Hier können nur einige grundsätzliche Gedanken gemacht werde.
Als ein wesentliches Problem erscheint die heutige Trennung zwischen Theologie und Philosophie, die automatisch den Glauben außerhalb des Wissens stellt. Doch noch schlimmer ist es, dass wir gleichzeitig gegen besseres Wissen wie automatisch davon ausgehen, das wäre schon immer so gewesen. Selbstverständlich ist es der heutigen Theologie bewusst, das die Unterscheidung nur eine neuzeitliche Erscheinung ist. Doch wie wird die Erkenntnis der Vergangenheit betrachtet? Wird die philosophische Vernunft der theologischen Aussagen wirklich mitgelesen, wenn wir die Evangelien ebenso wie die Briefliteratur betrachten? Die Vernunft erst bei den Glaubensvätern oder gar noch später, z.B. bei Boethius beginnen zu lassen, der vom Papst die Verkündung eines Glaubens mit Vernunft verlangt oder bei Thomas von Aquin, greift zu kurz. Es wird eine Fleißaufgabe sein nachzuweisen, welch großartige Vernunft zur Abfassung der Evangelienliteratur geführt hat. Denn wirklich vernünftig war es in den antiken Bildungszentren nicht, nur sich verflüchtigende und vom bisherigen Glauben losgelöste philosophische Theologien oder Lehren in die Welt zu setzen, sondern ihnen eine konkrete begreifbare Gestalt zu geben. Auch sinnvolle Gesellschaftsmodelle oder Verhaltensweisen nur zu verlangen ist unvernünftig. Es war vernünftig, ein höher Begründung bewusst zu machen, die von einer schöpferischen Realität ausging. Philosophische Modelle der Griechen allein reichten dabei nicht aus, gleichwohl auch die hellenistischen Denker von einer übergeordneten Vernunft, einem göttlichen Logos ausgingen. Vernünftig war es, diesem Logos eine menschliche Gestalt zu geben. Er wäre sonst nicht zum Messias geworden, wäre in der Kulturgeschichte unwirksam geblieben. Philosophische Konstrukte, auch wenn sie auf kosmischen Realitäten basieren die auf den Geber der einen Genesis zurückgeführt werden, Theo-rien eines realen Theos sind, reichen in der Geschichte nachweisbar nicht aus.
Doch die theologische Vernunft – ebenso ihre Umsetzung in menschlichen Gestalten - steht nicht nur am Anfang der als christlich anerkannten Theologien. Sie fängt mit dem Monotheismus der Hebräer an, wie an anderer Stelle zu untersuchen sein wird und setzt sich im griechischen Philosophieren, das primär eine Theologie war, fort. Die Synthese zwischen Judentum und Hellenismus lässt, wie in den unterschiedlichen Glaubensbewegungen der Antike nachvollziehbar ist, den Ruf nach dem theologischen Logos neu laut werden. Durch die antike Vernunft wurde der alte Monotheismus neu begründet. Auch wenn die kosmologischen Modelle, die damaliger Gnosis zugrunde liegen für uns recht metaphysisch klingen, es war das unserem heutigen Wissen zugrunde liegende vernünftige wissenschaftliche Weltbild, das zu eine Erneuerung des Monotheismus führte. Dies war ein Fortschritt der Erkenntnis bzw. eine vernünftige Offenbarung, auf die sich die Glaubensväter beriefen. Eine Trennung zwischen kosmologischen Weltbildern als Wissenschaft, daneben Philosophie und gegenüber Theologie, lässt sich im antiken Denken nicht ziehen. Monotheismus ließ sich durch die griechische Lehre vernünftig begründen. Der durch die Griechen definierte Logos/Vernunft des Kosmos konnte so als Sohn Gottes gesehen werden, war offenbarendes Schöpfungswort Gottes. Die christlichen Glaubensväter haben Platon nicht aufgewärmt, um einen Wanderprediger als besonders anbetungswürdigen Religionsgründer zu verherrlichen, wie es heute in der Theologie gelehrt wird. (Auch das kann und muss noch an den konkreten Texten im Kontext des damaligen Denkens im Detail nachgewiesen werden.) Ihr Glaube hatte einen vernünftigen Grund in menschlicher Gestalt.
Wie heutige Religions-Realität, wäre damals ein Monotheismus ohne eine wissenschaftliche Begründung nur ein lebloses Leergebäude gewesen. Doch der neue christliche Glaube bzw. die Erneuerung des bisherigen Monotheismus baute nicht nur auf alte Gesetze, Lehren und Mythen, die nur in neu Formen gegossen wurden, rund um einen Wanderprediger. Das in der realen Schöpfungswissenschaft wirk-same Wort, von dem aus auch die hebräischen Traditionstexte neu verstanden wurden, war in Jesus Christus lebendig.
Vieles wäre über das damals z.B. in Philo neue Traditionsverständnis oder den Weg, den das schöpferische Wort in der Religions- bzw. der sich abspaltenden Philosophiegeschichte genommen hat noch zu sagen. Oder warum es damals vernünftig bzw. notwendig war, das Wort im Kirchenkanon Fleisch/Gesetz werden zu lassen. Gleichwohl wir heute vor lauter Buchstaben den Logos, die Vernunft Gottes nicht mehr in der Schöpfungs-wirk-lichkeit lesen können. Doch das würde hier zu weit führen. Das gesamte Geschehen der Geistesgeschichte scheint nachvollziehbar einer höheren schöpferischen Vernunft zu folgen.
Wesentlich erscheint zu erkennen, dass im Geschichtsverlauf aus einem Glaube, einem begründeten Vertrauen auf das Schöpfungswort Gottes ein blindes Vertrauen in vorgesetzte Texte und Institutionen wurde. Was z.B. bei Luther dringend notwendig war, um die Menschen mündig zu machen, sie vor Kirchenwillkür zu schützen, in dem sie die Bibeltexte selbst lesen lernten, führte später zu einem Festhalten an Buchstaben: z.B. was die Schöpfungsgeschichte betrifft. Die Trennung, zwischen Gotteswahrnehmung und wissenschaftlichem Weltverständnis erscheint als notwendige Folge einer Entwicklungsgeschichte, die wir im Sinne des Schöpfers weitergehen müssen um das Wort im Kontext unseres derzeitigen Weltbildes zu verstehen. Wie selbstverständlich wird heute der Text selbst als Wort Gottes bezeichnet. Ein Unsinniger, der anders denkt und in der naturwissenschaftlichen Weltbeschreibung das Wort Gottes hören will. Doch was wäre mündig im auf heute übertragenen Sinne Martin Luthers?
Auch im theologischen Denken der Neuzeit, ließ sich die Vernunft nicht ausschließen. Die Aufklärung führte zu einem Abbau alter Dogmen und vielfach einem neuen Verständnis der traditionellen Texte. Die durch dieses in der evolutionären Erkenntnis wirksame Wort Gottes gegebene Weiterentwicklung gilt es zu nutzen. Nicht um weiteren Abbau von Glaubensgrundsätzen zu betreiben, nur die Fortschreibung alter Mythen aufzuzählen, sondern die Vernunft des Glaubens neu zu verstehen. Die Denkfreiheit und das heutige Wissen um das geschriebene Wort kann genutzt werden, um die universelle Vernunft Gottes neu mit den Gaben der Vernunft zu verstehen: christlich glauben.
Für die Urchristen war der Glaube Ant-wort auf das ihm stets vorgängige Wort Gottes in Schöpfung und Erlösung, das seinen Höhepunkt in der Person Jesus hatte. Glaube kam vom Hören, verstehen dieses Wortes und zielt auf die Gemeinschaft der Menschen mit Gott. Dieser Glaube ist Folge der Selbstoffenbarung Gottes, geht also immer von Gott selbst aus. Das Wort ist Geschenk, das vom Menschen ein Verstehen, eine vernünftige Annahme erfordert. Ohne Verstand und Vernunft – die wissentliche Begründung - wäre es nie zum christlichen Glauben gekommen. (Ich denke, dass diese Aussage noch im Einklang mit der theologischen Lehrmeinung steht.)
Erst in der Neuzeit spielt sich also Glaube außerhalb der Vernunft ab, wird als Fürwahrhalten ohne methodische Begründung definiert. Noch nicht einmal als Vorstufe zu einem philosophischen begründenden Wissens wie bei Platon, wird Glaube aufgefasst. Er ist kein bloßes Meinen, das sich später, auf einer höheren Stufe bewahrheiten lässt, also Vorstufe des Verstandes. Vielmehr wird im Glaube ein Gegner der Vernunft gesehen, ein hinter dieser Zurückbleiben, den Verstand verhindernd. Glaube wird so zur unbegründeten Überzeugung. Nicht tiefere Einsichten in natürliche Zusammenhänge, übergeordnete Prinzipien der realen Schöpfung, sondern Übernatürliches im Sinn von Un-Natürlichkeit sollen zum Glauben führen, werden als Gegensatz zum Wissen geglaubt.
Was in der Antike intellektuell begann, hat so den Verstand verloren. Glaube ist unabhängig vom Wissen, nur noch Führwahrhalten aufgrund eigener Ansichten, alter Traditionsgesetze, Gefühle... Nicht mehr das Wort Gottes spricht, sondern wir. Der Glaube, der heute gepredigt wird, geht nicht von Gott aus, sondern vom Menschen, den von ihnen verfassten Texten oder eigenen Gefühlen. Nicht Gott spricht, sondern kirchliche Vorgesetzte oder innere Stimmen, Gefühle und eigene Mein-ungen, die sich willkürlich über alte Mythen und sog. Glaubensgeheimnisse hermachen und ihr eigenes Denken zum Willen Gottes erheben.
Selbst das umgangssprachliche Verständnis von Glaube zeigt, dass Glaube ein Verstehen voraussetzt: „Ich glaube“ bedeutet, ich denke, es ist wahrscheinlich. Glaube ist nicht nur einfach ein Geheimnis für Wahr halten. Eine wissentliche begründete Vermutung muss rechtfertigen, was wir glauben. Zwar kann es noch Zweifel geben, doch wenn wir sagen „wir glauben“ dann handelt es sich um eine gemeinsame „Wahr-scheinlichkeit“.
Glauben ohne Denken ist wie Schauen ohne zu sehen. „I think“ sagen wir im Englischen, wenn wir denken etwas zu glauben. Ich denke, also bin ich, so Descartes. Doch der Mensch ist nicht nur auf das Denken, sondern das Glauben angewiesen. „I think“ , denkender Glaube, Verstehen des Wortes, macht den Menschen erst zum sehenden Wesen.
Letztlich ist fast alles, was wir wie selbstverständlich als Wissen bezeichnen nichts anderes als Glaube in diesem Sinne. Fast all unser Wissen baut auf bestimmte Hypothesen, die wir voraussetzen. Wir wissen die Einwohnerzahl unserer Gemeinde. Doch wer hat selbst gezählt? Wir setzen voraus, dass stimmt, was das Einwohnermeldeamt aussagt. Selbst unser Geburtsdatum glauben wir nur. Denn wer war voll wissentlich dabei, kann nachweisen, an welchem Tag genau er auf die Welt kam? Wir glauben, den Angaben unserer Eltern und der Ämter. Wir glauben, dass sie vernünftig sind und so auch ihre Angaben. Warum sollten sie uns belügen? So ist auch die gesamte Wissenschaft auf Glauben angewiesen. Welcher Naturwissenschaftler kann die Versuche seiner vielen Vorgänger wiederholen. Er setzt deren Erfahrungen voraus, verlässt sich vernünftigerweise auf das, was sie an Erfahrungen einbringen. Ohne zu glauben, was nicht selbst nachweisbar gäbe es keine Weiterentwicklung, jeder Wissenschaftler müsste neu beginnen.
Alle Wissenschaft kann nicht anders als etwas für wahr ansehen, sich auf etwas verlassen, was sie nicht selbst geprüft hat, was sie nicht selbst sehe kann. Sie ist auf verlässliche Quellen angewiesen, um ihr Glauben/Wissen begründen zu können. Der Naturwissenschaftler steht so fest, auch in dem, was er nicht selbst prüfen nachprüfen kann. Kein Physiker wird alle Versuche seiner Vorgänger wiederholen. Wir kommen nicht aus ohne zu glauben. Denn wer von uns kann selbst nachprüfen, ob Vitamine wirklich gesund sind....? Wenn wir auf diese Weise glauben, gehen wir davon aus, dass vernünftige Menschen uns etwas beibringen, uns über etwas belehren, dass kausal nachvollziehbar, vernünftig ist. Liegt hier ein Grund, warum der christlichen Kirche nicht mehr geglaubt wird? Wer geht davon aus, dass die Kirche bzw. die christlichen Glaubensgrundsätze vernünftig sind? Die heutigen Aussagen der christlichen Religion sind weder kausal noch verständlich und schon gar nicht vernünftig nachvollziehbar. Wieso sollte das jemand glauben?
98 % von dem was wir als Wissen bezeichnen, ist in Wirklichkeit nur Glauben, sagen Geisteswissenschaftler, denen ich glaube, weil ich die Aussage für nachvollziehbar und nicht interessengesteuert halte. Es wird in der Informationsflut unserer Tage, in der die Halbwertzeit des sog. Wissen immer kürzer ist, immer schwerer zwischen Wissen und Glauben zu unterscheiden. Im 17. und 18. Jahrhundert verdoppelt sich das Wissen während hundert Jahre. Heute verdoppelt sich das Wissen nach Aussagen von Wissenschaftlern (denen wir glauben, ohne wirklich zu wissen) im weltumspannenden Kommunikationsnetz alle drei Monate. Es ist ein Wahnsinn, was wir alles glauben und als Wissen bezeichnen. Und noch verwunderlicher ist, dass wir selbst die nur von Wirtschaftsinteressen getragene Werbung und die politische Propaganda glauben, die uns massenweise vorgesetzt wird. Wir wissen zwar, dass es nur um Interessenvertretung geht und glauben letztlich trotzdem was uns medienträchtig eingepaukt wird. Wir wollen schlauer sein, als alle Werbemacher, aber wir folgen in Wirklichkeit ihren rein eigeninteressegesteuerten Botschaften. Was wir zum Anziehen für angebracht halten, welches Essen das richtige ist, welche Automarke wir als solide sehen...letztlich die gesamte Lebensweise der westlichen Welt, selbst der Sinn, den wir meinen unserem Leben selbst geben zu müssen, weil heute eine übergeordnete Erkenntnis fehlt, ist weder wirklich von uns, noch von Vernunft gesteuert.
Wir glauben, halten für vernünftig, was uns weltliche Interessenvertreter vormachen. Im gegenseitigen Verdummen aus jeweils kurzsichtigen Eigeninteressen wird so durch die Globalisierung eine Verhaltensweise, die im Gesamten betrachtet alles andere als vernünftig ist.
Und selbst dort, wo nicht fälschlicherweise „wirtschaftlich“ genannten Eigeninteressen steuern, fehlt und die objektive Erkenntnis des wahrhaft vernünftigen. Das Verständnis des aus schöpferischen Prinzipien bzw. Ideen abgeleiteten Worten fehlt uns. Und damit sind wir weitgehend auf die Willkür rein menschlicher Ansichten angewiesen. Wer sagt z.B., ob eine gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft wirklich sinnvoll ist? Selbst die Bibel hilft da kaum weiter. Sie hätte sich schon oft geirrt, behaupten angeblich moderne Theologen, die mit den Gegnern der Homo-Ehe im Streit liegen. Jeder glaubt selbst zu wissen, was vernünftig oder gar gottgewollt ist. Fast alles was wir denken zu wissen, ist so gesehen nur ein sehr zweifelhafter Glaube, der allenfalls von zufälligen Mein-ungen getragen wird. Das Wort Gottes, dem der schöpferische Bezug fehlt, ist zum Spielball einer flachen Menschlichkeit verkommen.
Während wir in der Realität, oft gegen besseres Wissen, un-wirtschaftlichen und politischen Eigen-Interessenvertretern glauben, wird seit der Aufklärung der Kirchenpredigt nicht mehr geglaubt. Gott sei Dank. Denn man stelle sich vor, wie sich die Welt entwickelt hätte, wenn das ehemals von der Kirche vertretene Weltbild gegen das aufkommende Wissen vom vernünftigen natürlichen Werden verhindert worden wäre? Nicht nur die Aufklärung, das Verstehen der vernünftigen Vorgänge im gesamten Werden des Kosmos oder unseres Körpers, wäre so verhindert worden. Wir wüssten nichts vom in der Wirk-lickkeit des evolutionären Werdens wirkenden Wort Gottes, könnten Gott weiter nur wie einen alten Mann sehen, der willkürlich unvernünftige Gesetze gibt. Oder als das Placebo-Produkt überkommener Mythen zur Moralisierung der Welt, das sich geistig zurückgeblieben, gestrig überkommen, gegen die zeitgemäße Vernunft richtet.
Erst das Wissen, das sich gegen den alten Glauben durchgesetzt hat, ermöglicht es uns neu an Gott zu glauben, ihn vernunftbegründet wahrzunehmen. Er selbst bleibt dabei verborgen. Von ihm wissen wir nichts als sein schöpferisches Wort, das er uns im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder neu mitgeteilt hat. Dieses vor rund 2000 Jahren verstandene Wort, auf dem die christliche Religion gründet, gilt es jetzt neu zu verstehen. Wie damals beweist sich gerade im Verfall des alten Gesetzesglaubens und der dadurch gegebenen Freiheit zu einem weiterentwickelten, zeitgemäßen Verstehen die Vernunft des Schöpfers. In der geistigen Auseinandersetzung mit dem vernunftgetragenen griechischen Denken ist dem Judentum damals ein neues vernünftiges monotheistisches Verständnis erwachsen. Das lebendige Wort in Menschengestalt hat nachweisbar als Messias gewirkt. Welch messianische Wirkung könnte heute von einer neuen, zeitgemäßen Wahrnehmung des Gotteswortes ausgehen?
Der ewigen Vernunft/Wort Gottes gilt es zu vertrauen. Der Logos Gottes, der in der Antike noch im spekulativen Verborgenen lag, sich in der Ideenlehre nur für wenige denken ließ, lässt sich Dank des heutigen Wissens um das Werden der Welt in allen Sparten der Natur- und Geisteswissenschaft vernünftig nachweisen, ist universal offenbar geworden. Die vernünftigen Biologiebücher beschreiben nichts anderes als die Vernunft des Schöpfers, das Wort Gottes. Das Wort in Person, auf das die Christen ihren Glauben an den einen Schöpfer gründeten, lässt sich heute neu vernünftig verstehen. Jesus lebt: Gott hilft heute neu, wir können sein Wort verstehen.
Der moderne Mensch braucht nicht mehr alten Autoren zu glauben, sich auf vorgesetzte Autoritäten zu verlassen. Der Autor der Schöpfung selbst spricht. Es geht um eine völlig neue Qualität des Glaubens, die im Grunde die christliche ist. Gott wird so nicht in der Dämmerung wahrgenommen, sondern im Licht des Wissens. Jesus ist dieses Licht der Welt gewesen und ist es noch heute. Wir müssen ihn, das lebendige Wort Gottes nur im Werden der Welt empirisch nachweisbar wahrnehmen, begründet glauben. Er war nicht nur ein charismatischer Wanderprediger, der von seinen Anhängern wie von der heutigen Theologie gedacht, mit sogenannten Hoheitstiteln verherrlicht wurde. Er war und ist die Vernunft Gottes in menschlicher Gestalt. An diese Person glaubten die Evangelisten. Das war vernünftig. Von der Wahrnehmung des lebendigen Wortes in Menschengestalt ging die Wirkung aus, die in den Heilungswundern geschildert wird. Die angeblichen Hoheitstitel sind heute als theologische Umschreibung des eigentlichen Wesens zu begreifen, auf das der christliche Glaube gründet.
Die Heilswirkung, die durch den Glauben an Jesus ausgelöst wurde, lässt sich so als vernünftiger Vorgang nachvollziehen. Christlich glauben war und ist nicht blindes für wahr halten von Geheimnissen. Christlicher Glaube war der Übergang vom Mythos zum Logos. Ein Glaube im Dunklen, wäre dunkler Okkultismus. Eine Theologie, die sich nur auf Gottes-Geheimnisse beruft, den Mythos bemüht, ist nur eine amtsinstitutionelle Form von Esoterik. Geheimnisse sind die Gegensätze zur Offenbarung. Was nicht vernünftig gesehen wird, geheim bleibt, kann nicht weitererzählt und verbreitet werden. So wir die Bibel als Bilderbuchgeschichte gelesen, die mangels Verständnis weniger geglaubt wird, als Rotkäppchen und der Wolf. Noch weniger kann ein Geheimnis eine universelle Gültigkeit haben. Doch genau das war durch den christlichen Glauben möglich geworden. Das göttliche Geheimnis war im universellen schöpfungs-wirk-samen Wort, d.h. vernünftig offenbar geworden. Von diesem Wort, das nach wie vor sein Geheimnis bewahrt, so wie alles Wissen um das natürliche Werden gleichzeitig auch ein Geheimnis bleibt, obwohl es als vernünftig erkannt wird, ging damals die Faszination des Glaubens aus.
Was geglaubt werden soll, muss vernünftig verstanden werden, kann nicht nur ein Geheimnis sein. Ein Satz, der als wahr anerkannt werden will, kann nicht aus zusammenhanglosen Lauten bestehen, sondern vernünftig verständlichen Worten, die einen Sinn ergeben. Wer wollte z.B. einen Satz in einer Sprache als wahr ansehen, die er nicht versteht? Es wäre völliger Unsinn zu sagen ich glaube daran, wenn sich zwar die Laute dieses Satzes wiederholen lassen, ihr Sinnzusammenhang nicht verstanden wird. So ist es auch mit dem Schöpfungswort Gottes. Weder das für wahr halten von unverständlichen Glaubensdogmen war Gegenstand des neutestamentlichen Glaubens, noch wurde ein Weltenschöpfer aufgrund unverstandener, nur geheimnisvoller kosmischer Vorgänge angenommen. In vernünftigen Traditionstexten bzw. Überlieferungen und einem vernünftigen kosmischem Werden wurde das Wort/die Vernunft des einen Schöpfers verstanden.
Nicht auf einen geheimnisvollerweise wiedererweckten Märtyrer oder alten Mythen haben die Weisheitslehrer der Antike vertraut, sondern das vernünftig wieder-verstandene Wort Gottes. Die im Neuen Testament beschriebene Glaubenshingabe – was den Jesus-Glauben des Neuen Testamentes ausmacht - galt weder einem alten Text noch einer nur geheimnisvollen Weltentstehung oder gar einem Menschen. Auf das schöpferische Wort in Menschengestalt, das auch den traditionellen Glaubenstexten entsprach, haben die antiken christlichen Theologen vernünftigerweise - sinnvoll bzw. vielfach begründbar – den neuen Glauben gegründet.
Das von Gott mit Vernunft begabte menschliche Wesen ist nicht zufällig das Ebenbild des Schöpfers. Gott ist der Ausgangspunkt aller Vernunft, die wir seit unserer Entstehung aus dem Sternenstaub bzw. dem Urknall nachverfolgen können. Ohne ihn gäbe es nur Staub, sinnlosen Selbstzweck der einzelnen Teilchen, die im blinden Zufall im Universum umhertoben. Der Mensch ist darauf angewiesen, seinen Verstand zu gebrauchen, um im Glauben an die Vernunft Gottes vernünftig zu leben. Nur das macht ihn zum Ebenbild.
Der Begriff der Vernunft leitet sich ab von firneman (vernehmen, wahrnehmen, ursprünglich erfassen, begreifen.) In der Neuzeit wird darunter die Fähigkeit verstanden, sich gemeinsam über alle diskursiven Verständigungen hinweg, durch vorausgesetzte einheitliche Prinzipien Rechenschaft zu geben. Vernunft ist das unverzichtbare, auf das der denkende, redende und handelnde Mensch zurückgreifen kann und muss. Was aber sind die einheitlichen Prinzipien, was die gemeinsame Grundlage, an der sich die Vernunft ausrichten kann?
Bereits Platon bzw. Sokrates suchten eine objektive Basis der menschlichen Vernunft. Platons Ideenlehre gründete auf einen Logos, der im Werden der Welt gesehen wurde. Nicht philosophisch, rein gedankliche Theorien, sonder auf schöpferischen Realitäten gründende Theologie war sein Thema. Gegenüber dem mythischen Weltbild und den unkritisch übernommenen Normen sollte eine Grundlage für die wahre Vernunft geschaffen werden. Nur darin konnte die sittliche Gesellschaft eine Grundlage haben, die Kultur aufbauen.
Wenn sich im Vernunftbegriff das Wahrnehmen, Erfassen wiederfindet, dann können wir dahinter das Begreifen, Verstehen einer übergeordneten Norm erkennen. Die alten Griechen nannten diese Norm Logos, für die Hebräer war es das Wort Gottes. Um zu einem einheitlichen Verständnis von Vernunft zu kommen, das jenseits der zeitbedingten, höchst subjektiven Sichtweise liegt, erscheint es daher notwendig, diesen Logos, das Wort Gottes in der nachvollziehbaren Wirk-lichkeit des Werdens wahrzunehmen.
„Heute steht wieder nichts vernünftiges auf dem Tisch“, oder „nichts vernünftiges anzuziehen“ sagen wir und drücken dabei nur aus, wie subjektiv doch der Vernunftbegriff sein kann. Denn was der eine als vernünftige Mahlzeit betrachtet mag der Vegetarier ganz anders sehen. Was einer als vernünftige Kleidung sieht, zieht der andere nur an Fasching an. Was also ist wirklich vernünftig auf der Welt?
Das gesetzte Wort Gott hilft bei dieser Beurteilung heute nicht mehr weiter. Gott oder zumindest die Verfasser der Glaubenstexte hätten sich geirrt, behauptete unlängst in einem Beitrag einer Kirchenzeitung ein Theologe, der sich gegen die Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe zur Wehr setzen wollte. Seine konserativen Kontrahenten hatten den kirchlichen Segen für eine Lebensbeziehung gleichgeschlechtlichen Partnern unter Berufung auf die Bibel streng verworfen. Ohne sich auf die wirk-liche bzw. schöpfungs-wirksame, biologisch und gesellschaftliche Vernunft der zweigeschlechtlichen Sexualbeziehung zu beziehen, hatten die Konserativen in Bezug auf die in den Buchstaben der Bibel konservierte Vernunft eine gleichgeschlechtliche Ehe abgelehnt. Aus humanitären Gründen wollen andere die Homosexualität heiligen und bezweifeln die Aussagen der Bibel. Wenn sich also das sog. Wort Gottes bei solch wesentlichen Fragen schon irrt, was ist dann noch Wahrheit, was wäre vernünftig im Sinne des überlieferten Glaubensgesetzes?
Unabhängig davon, dass die moderne Gesellschaft die traditionellen Glaubensgesetze eh nicht mehr ernst nimmt, scheint auch der kleine Rest mit den alten Religionsgesetzen nicht mehr klar zu kommen. Selbst in Fragen, wo die natürlichen Grundprinzipien eine ganz eindeutige Antwort geben, das schöpferische Wort fast unüberhörbar ist, hat der allein auf den Humanismus gründende menschliche Verstand keine Lösung. Es bleibt bei beliebigen Meinungen, für die dann theologische Begründungen herhalten müssen. Glaubenssätze werden so nach eigenem Geschmack verschoben. Die modernen, eine Homosexuellenehe verteidigenden Theologen, die sich beim Beispiel der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gegen die angeblichen Fundamentalisten wehren, denken der Vernunft genüge zu tun. Sie wollen den christlichen Glaube modern, vernünftig machen. Doch welcher Vernunft werden sie dabei wirklich gerecht? Ist es nicht nur das eigene, derzeitige Denken, das losgelöst von einer schöpferischen Instanz, für Platon Ideen des gesamten Seins, für Christen des präexistenten Wortes, sich selbst gerecht wird?
Die Berufung auf Bibeltexte und religiöse Vorschriften und Erlasse kirchlicher Autoritäten reicht mit Sicherheit nicht aus, um die wahre Vernunft zu begründen. Zu oft ist unter Berufung darauf die eindeutige Vernunft ins Gegenteil verkehrt worden. Doch selbst diese Denkweise ist zu hinterfragen. Denn was heute als Unvernunft gesehen wird, hat oft zum vernünftigen Werden beigetragen, war ein für die Entwicklung der notwendige Weg. War es im Nachhinein gesehen nicht oftmals vernünftig, dass damals ein angeblich falscher Weg eingeschlagen wurde? Dann war es in Wirklichkeit kein falsche Weg.
Auch auf der Suche nach universellen Werten, die angesichts einer globalen Wirtschafts- und Lebenswelt immer notwendiger werden, kommen wir am universalen Wort des einen Schöpfergottes nicht vorbei. Weltordnung- und ethos können nicht auf Mehrheits-meinungen gründen, die meist aus dem westlichen Denken abgeleitet werden. Der Grund kann nur in einer globalen Vernunft gesehen werden, die in den unterschiedlichen Kulturen durchaus verschiedene Formen der Umsetzung hervorbringen muß.
Um die wahre Vernunft zu erkennen, den Wille des Schöpfers wahrzunehmen und zu leben, gilt es neu zu glauben. Nicht im Gegensatz oder losgelöst vom bisherigen Glauben, sondern vernünftig die bisherigen Begriffe und Bilder weiterentwickelnd. Glaube und Vernunft können nur auf den gründen, dem die Väter unseres Glaubens vernünftigerweise (sinnvoll begründbar) eine menschliche Gestalt gegeben haben. Dieses Wort Gottes können wir heute in der Begriffswelt unseres wissenschaftlichen Weltbildes neu verstehen. Gott sei Dank!
Doch solange...
...wir den historischen Jesus nur für einen mythologisierten Wanderphilosophen halten und Christologie bzw. die Lehre vom Logos als eine Hellenisierung seiner Anhängerschaft,
...das Wort Gottes nur in alten Überlieferungen buchstabiert wird, von denen wir in Wirklichkeit längst annehmen, dass es Menschengesetze sind,
...in naturwissenschaftlichen Beschreibungen des vernünftigen Werdens und Zusammenspieles der Teile seit Anbeginn der Welt nicht der göttliche Logos wahrgenommen wird,
kann es keinen vernünftigen Glauben geben.