(Ein vor Jahren verfasster unkorrigierter Text, der
nichts von seiner Aktualität verloren hat, jedoch zu überarbeiten wäre.)
"Allein aus Gnade an die Heilstat Jesus
Christi, nicht aufgrund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen und
empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und befähigt und
aufruft zu guten Werken". Diese sog. Rechtfertigungslehre bewegt derzeit
die Gemüter der evangelischen und katholischen Christen. Eine gemeinsame
Erklärung von Lutherischem Weltbund und päpstlichem Rat für die Einheit der
Christen steht in Diskussion.
Evangelische und katholische Kirche bekennen sich
darin gemeinsam zum Glauben an Jesus Christus als dem eigentlichen Heilmittel:
"Alle Menschen sind von Gott zum Heil in Christus berufen. Allein durch
Christus werden wir gerecht-fertigt, indem wir im Glauben dieses Heil
empfangen. Der Glaube selbst ist wiederum ein Geschenk Gottes durch den
Heiligen Geist.
Es sei gemeinsamer Glaube, daß die Rechtfertigung
das Werk des dreieinigen Gottes sei. Der Vater habe seinen Sohn zum Heil der
Sünder in die Welt gesandt. Die Menschwerdung, der Tod und die Auferstehung
seien Grund und Voraussetzung für die Rechtfertigung. Daher bedeute
Rechtfertigung, daß Christus selbst unsere Gerechtigkeit sei, derer wir nach
dem Willen des Vaters durch den Heiligen Geist teilhaftig würden.
Die Rechtfertigungslehre verweise in besonderer
Weise auf die Mitte des neutestamentlichen Zeugnisses von Gottes Heilshandeln
in Christus....
Wie wahr doch das alles ist.
Doch ohne in Jesus den schöpferischen LOGOS
wahrzunehmen, ist diese Lehre eine hohle Leerformel. Wenn ich versuchen will
nachzuweisen, daß die Rechtfertigungslehre kein schwachsinniges Geschwätz ist,
mit dem die christlichen Kirchen vergeblich versuchen, sich und ihre
Glaubensdogmen zu rechtfertigen, dann kann ich das nur, wenn ich in Jesus
Christus das lebendige WORT wahrnehme. Wenn ich Jesus als die universelle
Vernunft, aus der alles hervorgeht und die im Neuen Testament zu einer völlig
neuen Glaubensgrundlage geführt hat, verstehe.
Eine Theologie, die auf ihren Studientagen
behauptet, die Bezeichnung "Sohn Gottes" sei nur ein Titel, der
ähnlich wie in griechischer Sagenwelt einfach auf den wanderpredigenden
Religionsgründer übertragen worden, die kann doch nicht allen Ernstes von mir
verlangen, das ich ihre Lehre ernst nehme. Eine Theologie die Auferstehung
Jesus nur als eine Besonderheit a la David Copperfield verkündet, dann evtl.
gar abstreitet oder die ins Reich der Mythen bzw. Glaubenswahrheiten verbannt,
die man einfach für wahr halten müsse, die widerspricht sich doch selbst, wenn
sie jetzt von mir verlangt einzusehen, daß die Auferstehung Grund und
Voraussetzung für Glauben und Rechtfertigung sei. Doch halt: Einsehen mußt ich
es ja nicht. Einfach glauben, was mir die Kirche als Dogmengesetz sagt. Längst
ist unsere Theologie hinter den LOGOS zurückgefallen, verleugnet das, was sie
als Rechtfertigung verkaufen will.
Wie kann eine theologische Lehre, die das Neue
Testament in Wirklichkeit nur als ein Aufwärmen alter jüdischer
Weisheitsliteratur sieht verlangen, daß die Inhalte der Rechtfertigungslehre
ernst genommen werden? Wer wundert sich noch, wenn sich die Menschen von der
Kirche und ihren Dogmen abwenden? Wer glaubt noch wirklich an das, was in der
Rechtfertigungslehre als Lebensvoraussetzung verlangt wird? Dabei ist die
Rechtfertigungslehre nur eines von vielen Beispielen, wie religiöse
Glaubensdogmen zur Farce werden, statt kraftvolle Impulse zu geben. Fast jedes
Gebet, in dem wir Jesus Christus, sein Wiederkommen, seine uns von Blindheit
und Dunkel befreiende Heilwirkung beschwören, wird zur Farce, bleibt ein
banales Lippenbekenntnisses, wenn wir in unserer religiösen
Bewußtseinsentwicklung nicht fortschreiten und hinter Jesus wirklich das
schöpferische Heilshandeln, eine universelle Vernunft wahrnehmen.
Doch gerade in der Rechtfertigungslehre drückt sich
die Problematik unseres christlichen Glaubens, der im Paradigma eines
Buchstabenverständnisses gefangen scheint, besonders deutlich aus. Erst im
Licht des LOGOS, wie er bereits von Philo von Alexandrien an der Wiege des
christlichen Glaubens vor 2000 Jahren gesehen wurde, läßt sich verständlich
machen, welche reale Geisteswirklichkeit hinter der Rechtfertigungslehre steht.
Bereits Philo als Anhänger eines vernünftigen
antiken Denkens belegt, daß nicht die menschliche Vernunft zum Leben reicht. Es
ist der LOGOS, die schöpferische Vernunft,. auf die Philo baut. Ihre
Wahrnehmung ist für Philo Grund und Voraussetzung dessen, was wir in der
Rechtfertigungslehre verkünden. Christlicher Glaube ist die Wahrnehmung dieses
lebendigen WORTES/LOGOS.
Die Recht-fertigung aus Glaube allein, ohne des
Gesetzes Werk, war Auslöser der Reformation. Hier lag ein Hauptstreitpunkt
zwischen den Konfessionen. Auch 1.500 Jahre vorher ging es um eine
Auseinandersetzung zwischen Glaube und Gesetz. Der Knackpunkt der paulinischen
Theologie liegt darin, daß nicht das Gesetz zum Glauben führt, sondern der
lebendige Geist, der dem Gesetz zugrunde liegt. Diesen Geist, Verstand gilt es
neu wahrzunehmen, so wie vor 2000 Jahren bei Philo.
In der Rechtfertigungslehre geht es um den Glaube,
allei um den Glaube an das WORT. Doch dieses WORT ist nicht das alte Gesetz,
das durch einen Wanderrabbi wieder etwas erneuert wurde, sondern es ist das
lebendige WORT Gottes, das sich hinter der menschlichen Gestalt des
Wanderpredigers verbirgt.
In der Geistesgeschichte der antiken Theologie, die
wir bei Philo nachlesen können entwickelt sich ein Bewußtsein, das zum neuen
Bund führte, indem es den alten Buchstabenglauben durch eine auf den
schöpferischen LOGOS aufbauende Allegorie mit neuemLeben erfüllte. Jesus
Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift als das eine WORT Gottes bezeugt
wird, ist die Quelle aller Weisheit.
Weder durch den Buchstabenglaube an einen
Wanderprediger, der nur noch eine Banalität ist, noch eine neue Mystifizierung
des Gesetzestextes ist uns heute geholfen. Die Rechtfertigung aus Glaube
geschieht durch die Wahrnehmung des lebendigen WORTES, in dem wir die Person
des geschichtlichen Wanderpredigers erkennen: Gott als Vater der gesamten
Schöpfung gilt es durch den von ihm ausgehenden und allem Werden zugrunde
liegenden LOGOS zu verstehen. Mein Verstand geht nicht nur von diesem LOGOS
aus, sondern muß sich ihm unterordnen. Mein Verstand muß dem schöpferischen
WORT ent-sprechen, darin liegt meine Be-stimm-ung. Im Klartext heißt dies z.B.
öko-logisch leben, schöpferisch, kreativ Zukunft gestalten. Mich als Teil der
gesamten Schöpfung in das kosmische Geschehen einordnen zu können und mir so
meine Mitmenschen als Brüder bewußt zu machen, darin liegt die Kraft zur
Konsequenz.
Nicht durch die Aufgabe des Verstandes, sondern
durch ein neues Verständnis Jesus werden die Menschen des 3. Jahrtausend
Rechtfertigung erfahren. Weder Buchglaube wird die Menschen zur Vernunft
bringen, noch menschliche Gesetze. Das was unsere beiden Kirchen als Annäherung
der beiden Konfessionen zu Papier gebracht haben, stimmt wirklich. Es geht um
die Wahrnehmung des lebendigen WORTES, christlichen Glaube.
Rechtfertigungslehre
ohne Rechtfertigung
Für die Rechtfertigunglehre gibt es keine
Rechtfertigung, so lange christlicher Glaube, nur als das für wahr halten bzw.
die Begeisterung für einen bestimmten Religionsgründer gesehen wird. Sie bleibt
reine Behauptung einer beliebigen Religion, die auf den Gesetzestext
(Buchstaben) gründet. Es gibt keine vernünftig nachvollziehbare Begründung,
warum sonst die Rechtfertigung sein soll.
Das für wahr halten bestimmter Glaubensdogmen, auf
die sich die Kirchengremien geeinigt haben, wird an den Lebensverhältnissen nur
wenig ändern. Kein ökologisches Verhalten wird zum Alltag, kein nachhaltiges,
vernünftiges auf Zukunft angelegte Wirtschaften wird zur Wirklichkeit und
keinen Arbeitslosen gibt es weniger, wenn die Menschen weiterhin nur an einen -
inzwischen unbedeutenden - Wanderprediger glauben?
Wenn wir jedoch das Bewußtsein von einer
schöpferische Vernunft wiederbeleben, Gottes vernünftige Handeln in allem
Werden wahrnehmen, wie damals vor 2000 Jahren den LOGOS, das lebendige WORT
verstehen, können viele dieser Wünsche wahr weden. Wenn uns dieser LOGOS, die
schöpferische Vernunft, dann nicht nur bewußt, sondern durch die uns
altbekannten religösen Riten und Gebete bzw. den gesamten Kult in Fleisch und Blut
übergegangen ist, dann kann das, was wir in der Rechtfertigungslehre behaupten
wahr werden.
Ncht weils geschrieben steht, ist die Wahrnehmung
des lebendigen WORTES Lebensvoraussetzung. Die geistige Wende, die durch die
Wahrnehmung des vernünftigen Schöpfers geschieht, wie er sich in seinem LOGOS
offenbart, läßt sich kausal nachvollziehen. Ebenso kausal läßt sich in der
Kulturgeschichte der Menschen und den konkreten Entwicklungen heute
nachvollziehen, warum der Mensch der Wahrnehmung des lebendigen WORTES bedarf.
Wäre Jesus nur ein Wanderprediger gewesen oder eine antike theologische Fiktion
für Gott, würde mir diese Begründung wesentlich schwerer fallen.
Was ist wichtiger, einen Religionsgründer
wahrzunehmen - der inzwischen auch im Hinblick auf seine theologische Bedeutung
tod ist - oder einen vernünftigen Grund für unsere Religion.