Neuversuch einer vernünftigen Begründung

 

Sehr geehrter Herr K.,

an alle Leser dieser Seiten, die nur leere Worthülsen sehen,

 

vielen Dank, dass Sie sich mit meinen apologetischen Gedanken zum christlichen Glauben auseinandergesetzt haben. Die Vertreter der christlichen Theologie, die ich versuche damit anzusprechen, tun dies nicht. Sie glauben zu wissen, dass Christologie, Logoslehre  nur Hoheitsbezeichnungen für den historischen Heiland sind. Und schon sind wir mitten im Thema. Denn wie kann ich von Ihnen einen Wechsel der Betrachtung des christlichen Wesens verlangen, wenn die gesamte Welt das Wort Gottes nur in Büchern liest und Jesus für einen jungen Juden hält. Doch genau diesen Wandel der Wahrnehmungen will ich einfordern. Solange wir Jesus nur als den betrachten, den heutige Theologie für den historischen hält, bleiben alle christlichen Aussagen, auf die ich mich auch in meiner Apologetik beziehe, nur leere Worthülsen. Was bleibt ist nicht mehr als ein unbegründbarer Mythos eines persönlichen Glaubens. Doch genau dagegen richtet sich meine Apologetik. Um Sie als Aufklärungsatheisten zum Nachdenke über die Not-wendigkeit des Glaubens als Problemlösung unserer Gesellschaft rufen zu können, brauchen wir ein völlig neues Selbstverständnis der christlichen Religion. Mit dem, was Sie für christlichen Glauben halten und wie sich die Kirchen selbst sieht, kann nichts bewegt werden. Damit ist weder ein vernünftiger Mensch zum Glauben zu gewinnen, noch kann der immer dringendere notwendige gesellschaftliche Wandel vollzogen werden.

 

Doch weil ich im weiter so nicht verharren will, möchte ich hier nochmals versuchen, einige Stichworte Ihrer Erwiderung auf meine Apologetik des christlichen Glaubens aufzugreifen. Denn an ihnen werden die Probleme deutlich, die auch andere Menschen mit dem christlichen Glauben und ebenso meiner Apologetik haben.

 

Solange das Wesen des christlichen Glaubens ein Mensch bleibt, sind Glaubensleeren nur Dogmen antiker Autoren, die bis heute hochgehalten werden, um die Menschen hinters Licht zu führen. Mit all ihren atheistischen Anschuldigungen, die deutlich die Sprache einer Epoche sprechen, die wir Aufklärung nennen, treffen Sie jedoch nicht das eigentliche und ursprüngliche Wesen unseres wahren Glaubens, sondern nur das, was daraus geworden ist. Wir dreschen leeres Stroh, wenn wir weiter den Glauben so betrachten wie bisher.

 

All ihre Anschuldigungen sind nur allzu verständlich. Was aus dem Glauben wurde, ist nur noch der Schatten eines m.E. wahrhaft aufgeklärten antiken Schöpfungsverständnisses. Es war für mich sehr beeindruckend, ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Glauben zu erfahren. Seien es die Kriegserlebnisse oder der leibfeindliche, die Vernunft und das Wissen vereinende Autoritätsglaube, der in die Wiege Ihrer Kindheit gelegt wurde. Und Ihre Anschuldigungen sind nur allzu verständlich. Der heutige Glaube ist lebensverneinende Unvernunft, gründet nur auf persönlichen Erfahrungen, inneren Bildern und unhaltbaren mythologischen Begriffen, die oftmals von menschlichen Autoritäten für eigene Zwecke genutzt werden. Das Licht des Logos, das am Anfang leuchtete, scheint wie erloschen. Doch sie selbst sagen, dass jedes Licht auch einen Schatten wirft. Alles was Sie in ihren persönlichen Erfahrungen mit dem Glauben zum Ausdruck bringen, scheint notwendiger Schatten eines Lichtes zu sein, das mit Sicherheit neu erstrahlen wird. 

 

Denn die Geschichte geht weiter. Die Aufklärung ist noch lange nicht abgeschlossen. So wie die Naturwissenschaftler heute davon ausgehen, dass Mutter Materie die alleinige Ursache allen Werdens ist, sitzen auf der anderen Seite die Theologen und sehen in antiken Glaubensthesen von Mutter Kirche den Grund der Christologie. Und genau da will ich ansetzen. Denn wenn ich von einem aufgeklärten Verständnis des Vaters spreche, dann setzte ich das Wissen um das Warum und Wie voraus. Und dieses Wissen um ein vernünftiges Werden – nicht leere Worte – standen am Anfang des christlichen Glaubens und werden heute zu einer Erneuerung, einem aufgeklärten Glauben führen, der dem Fortschritt der Welt gewachsen ist. Dass Sie in meinen Ausführungen weiterhin nur leere Worthülsen eines persönlichen Glaubens lesen zeigt mir, wie beschwerlich und weit der Weg ist.

 

Von den Atheisten verlange ich ein Verständnis, das den Theologen selbst kaum möglich ist, weil diese sonst all ihre bisherigen Vorstellungen völlig neu überdenken müssten. Alle nach ihrem Verständnis aufgeklärte Vorstellungen vom historischen Geschehen um einen geschichtlichen Glaubensgründer und seine anschließende Christologie, das gesamte Gedankengut über ein historischen Geschehen, das heute an theologischen Hochschulen gelehrt wird und riesige Buchläden füllt, müsste einem fortgeschrittenen neuen Selbstverständnis geopfert werden. Und auch, wenn ich im Rahmen meiner Apologetik nachweisen will, dass es keiner Selbstaufgabe bedarf, sondern die Aufgabe darin besteht, bisheriges Denken mit neuen Inhalten zu füllen, komme ich kaum weiter. Wie auch, wenn die Wahrnehmung einer allem Werden zugrund liegenden Vernunft, die Gegenstand antiken Geistes war und die ich als das historisches Wesen unseres Glaubens erachte nur von wenigen spekulativen Naturwissenschaftlern oder einiger esoterisch wirkender Privatphilosophen wie Ihnen angesprochen wird. Die Naturwissenschaft ist allein mit der Verfeinerung der Materiebauteile beschäftigt, ohne ihre Verantwortung darin zu sehen, auch zum geistigen Wachstum beizutragen, der für die Anwendung neuer wissenschaftlicher Methoden, wie z.B. im Rahmen der Biotechnik. notwendig wäre. Die Philosophie selbst scheint ihren Geist aufgegeben zu haben, denkt am Ende der Erkenntnis, der Geschichte zu sein. Sie setzt sich allenfalls mit der eigenen Geschichte auseinander, wärmt nur altphilosophisches Denken auf oder beschränkt sich auf moderne ethische Lehren, die nur menschliche Meinungen wiederspiegeln. Den Logos Gottes weiterzuforschen, der ursprünglich der Ethik zugrunde lag, davon ist man weit entfernt.

 

1.      Polarität überwinden ist wachsen

 

Beim Beispiel von Vater und Mutter, an denen sich die von Ihnen vertretene These der Polarität am besten zum Ausdruck bringen lässt, möchte ich bleiben. (Auch hier sehen Sie wieder, wie wir menschliche Bilder brauchen, um grundlegende Muster der gesamten Genesis deutlich zu machen.) Alle Welt unterliegt, wie sie in Ihrer Philosophie immer wieder belegen, einer Polarität. Doch wir beide wissen, wem wir unser Leben verdanken. Es war die Tatsache, dass Vater und Mutter ihrer Polarität aufgaben, eins wurden. Sie erkannten sich gegenseitig, wie das Alte Testament formuliert, und mich dabei für einen Prozess hellhörig macht. Und dieser Prozess muss sich nicht nur zwischen den Menschen und ihren körperlichen Bauteilen, wie im gesamten Kosmos, sondern auch in unserem Kopf abspielen. Wenn kreativer Fortschritt erzielt werden soll, ist gegenseitiges Erkennen notwendig. Die kosmische Kraft, die diesen Prozess hervorbringt bezeichne ich als die Liebe, der Lebenstrieb, der auch unseren Geist nicht ruhen lässt. Wenn ich vom „lieben“ Gott oder in den Texten des Alten oder Neuen Testamentes von der Liebe Gottes spreche, habe ich nichts anderes vor Augen.

 

Es waren für mich mehr als die in zufälliger Evolution fließenden Körpersäfte meines Vaters und der reine Selbsterhaltungstrieb mütterlicher Materie, die zu meiner Geburt und der anschließenden Brutpflege geführt haben. Und in diesem Mehr, das nicht nur meine Geburt, sondern die heute als vernünftig zu erkennende gesamte evolutionäre Genesis verursacht, offenbart sich Gott, den ich selbst nicht sehen und mir schon gar nicht als menschliche Person vorstellen kann.

 

Gleichwohl ich denke, dass es vernünftig wäre, ihn persönlich anzusprechen. Doch genau da setzt das ein, was bereits Philo als Sohn Gottes, Wort, Logos bezeichnete, zu dem wir als Menschen – auch nach der Aufklärung – eine persönliche, Beziehung entwickeln müssen. Denn wenn wir, um unsere gesamtes menschliches Potential auszuschöpfen, ein emotionales Verhältnis zu einem durch die Vernunft erkannten Schöpfer herstellen müssen, dann spricht der Christ nicht Gott selbst an, vergöttert nicht dessen Miniaturausgabe in einem angeblichen Messias, sondern wendet sich nur an das, was er von Gott in der Wirk-lichkeit aller Welt wahrnehmen kann: Das in der evolutionären natürlichen Entstehung des Alles zum Ausdruck kommende Wort wurde in menschlicher Person verkündet, weil dies der wahren Vernunft entsprach.

 

Der Christ von Morgen, den ich sehe, glaubt nicht weil’s in alten Büchern steht, nicht weil’s und was ihm menschliche Autoritäten vor-gesetzt haben, wie Sie das seit Ihrer Kindheit erlebt haben und es noch heute leider bittere Glaubensrealität, Kirchenlehre, theologischer Alltag ist. Der Christ von Morgen glaubt auch nicht nur aus seiner eigenen Vernunft an Gott, sondern sieht durch diese eine über allem stehende Vernunft, die vom Gott der Väter ausgeht. Aufgrund der vernünftigen Verherrlichung des auch von Ihnen selbst bestätigten Logos aller Natur – in dem er das Handeln eines unerkannten Höheren sieht - setzt er seine Hoffnung auf ein vernünftiges, schöpfungsgerechtes Leben. Denn auch der Christ der Antike glaubte nicht aufgrund des jüdischen Gesetzes, nicht nach den Worten der Propheten, Pharisäer....sondern des im lebendigen Prozess allen Werdens gesprochenen Wortes, hinter dem er den jüdischen Schöpfergott verstand. Doch wie wollen wir gedanklich weiterkommen, wenn Sie den Begriff des Logos allein für sich festhalten und in Fortführung eines längst als dekadent erkannten Verständnisses die frühchristlichen Lehre abtun, wie ein moderne Propagandapredigt, die sich physikalischer Begrifflichkeiten bediente, um ernst genommen zu werden. Es stimmt, so versteht sich die heutige Theologie selbst, auch wenn es keiner wahrhaben will. Doch genau diese Denken führt nur weiter in den Schatten, lässt das Licht nicht erkennen, dem sich die gesamte Genesis verdankt.

 

Wenn in meinem Denken Naturwissenschaft und Theologie eins sind, dann rufe ich nicht nach einem Zwitterwesen. Naturwissen und Gotteslehre bleiben getrennt. Wozu ich auffordere ist nur, die Polarität zu überwinden, um die gemeinsamen Wurzeln neu wahrzunehmen und zu einem geistigen Fortschritt zu gelangen. Philosophie und Theologie, die ich allerdings entsprechend der Antike gleichsetzte, weil auch heute m.E. eine zeitgemäße Gotteswahrnehmung nur gedanklich und eine vernünftige Begründung auch möglich ist, haben die Auf-gabe, ein am Anfang des christlichen Denkens stehendes Wesen neu zu begründen.

 

Warum die Theologie diese Auf-gabe kaum leisten kann, vermag ich nachzuvollziehen. Diese müsste, wie bereits dargestellt, ihre bisherige Vorstellungen vom historischen Geschehen auf-geben. Doch von Ihnen als freiem Denker, Hobbyphilosoph und reifen Sucher erwarte ich, dass sie mich ein Stück auf meinem Denkweg begleiten, meinen Weg einer neuen Wahrnehmung des Gotteswortes ein Stück mitgehen. Ihre sicher berechtigte Kritik am Christentum und der Unvernunft heutigen Glaubens müssen sie dabei hinten anstellen. Denn genau um deren Überwindung geht es. Auch das ihnen in die Wiege gelegte Bild eines vermenschlichten Gottes, gegen das Sie sich in Ihren Ausführungen wenden, ebenso wie das eines wanderpredigenden Reformjuden, der anschließend verherrlicht wurde, müssen Sie versuchen beiseite zu lassen. Denn gleichwohl der Glaube oft keine Rolle spielt, als überholt gesehen wird, die gesamten Dogmen von den Atheisten als Realitätsfern abgelehnt werden, wird an Vorstellungen festgehalten, die einen Fortschritt verhindern. Auch wenn sie nicht „die Gnade der späten Geburt haben“ sondern die alten Bilder einen langen Lebens- und Leidensweg geprägt haben, so gehe ich davon aus, dass Sie bereit sind, über diese ihnen vorgesetzten und sicher auch notwendige Bilder hinauszuschauen. Denn nochmals: von der Theologie kann das kaum erwarten werden, auch wenn von mir immer wieder verlangt.

 

Sie sind gefordert. Denn was ich als Logos bezeichne, als Wort und somit eigentliche christliche Gottesoffenbarung, wird von Ihnen gelehrt. Dabei will ich keineswegs das in aller Natur wahrnehmbare Schöpfungswort nur an der von Ihnen vertretenen Polaritätstheorie festmachen. Das wäre zu wenig. Mit jeder neuen naturwissenschaftlichen oder philosophischen Theorie müsste eine neue Theologie kommen. Was ich in vielen Auseinandersetzungen mit dem frühchristlichen Denken, den Dogmen der Urkirche nachweisen will, ist dass das Wesen des christlichen Glaubens kein verherrlichter Mensch oder eine aufgewärmte semitische Lehre, sondernder Logos, der auch heute allen vernünftigen Schöpfungslehren zugrunde liegt.

 

Doch mehr als in modernen Naturwissenschaften, wie sie an der Schule in ihren unendlichen Wissensverästelungen gelehrt werden, wird in der einfachen Theorie der Polarität das Gotteswort verständlich. Ohne mir die Welt in Ihren Gegensätzlichkeiten, Plus und Minus, hell und dunkel, Sie und ich.....vorzustellen, wäre ich kein Christ, würde nur – wie sie mich leider bisher verstehen -  aufgrund einer persönlichen Prägung alte Glaubensdogmen nachplappern. Wenn wir weiterkommen wollen geht es nicht ohne ein Neuverständnis des Alten, denn nur so werden wir das Wort im Prozess des realen Werdens heute neu wahrnehmen können. Denn nur darum geht es mir. Die Grundlage meines Glaubens, auch wenn dieser ohne die Tradition und meine persönliche Prägung nicht wäre, was auch wieder selbstverständlich ist, bildet nicht wie sie nach wie vor denken, der alte Glaube, sondern eine neue Wahrnehmung des Wortes im Alltag des Wissens. Und ich lasse mir nach all meinem Wissen um die Gedankengänge der Antike und der Entstehung des christlichen Glaubens auch von keinem meiner theologischen Lehrer mehr ausreden, dass darauf auch die Verfasser des Neuen Testamentes ebenso wie deren prophetische Vorgänger ihre Hoffnung setzten. Es ist angesichts all unseres Wissens einfach völlig absurd anzunehmen, die Verfasser der zahlreichen und sehr unterschiedlichen Texte hätten nur ein menschliches Wesen verherrlicht und anschließend einen alten Mythos zum Messias erhoben. Die theologische Auseinandersetzung der Antike lese ich längst nicht mehr als Streit um ein menschliches Wesen. Die Frage der damaligen Denker galt der vernünftigen, zeitgemäßen denkgerechten Darstellung dessen, was wir beide angesichts unseres Wissens um das vernünftige Werden in aller Welt als Logos bezeichnen.

 

Hier sehe ich das eigentliche historische Wesen des christlichen Glaubens, das es heute neu wahrzunehmen und von dem genau das ursprünglich beschriebene Heil ausgehen könnte. Doch diesem Heilsbringer setzen Sie zusammen mit den von Ihnen vielgescholtenen Predigern weiter nur eine Dornenkrone auf. (Dornen, als Sinnbilder für Unkraut, kein kreativer Fortschritt, kein Nutzen für die Menschen, allenfalls schön anzuschauender Mythos.) Denn ohne an die Wurzeln anzuknüpfen kommen wir nicht weiter, ist kein Wachsen.

 

2.      Sie halten das Wort Gottes in Händen und geben es nicht her

 

Entschuldigen Sie diese Anschuldigung. Doch sie ist nicht nur an Sie, sondern die gesamte Philosophie der Aufklärung, ebenso wie besonders das neue naturwissenschaftliche Weltbild gerichtet, aus dem auch Sie versuchen ihre Polaritätslehren abzuleiten und gleichzeitig im antiken Denken begründen.

 

Wenn ich sage Jesus lebt, dann habe ich keinen persönlichen Glaube vor Augen, bei dem jeder seine private Meinung denkt, keinen jungen Juden, der als Wanderprediger durch die Lande zog, alles etwas besser wusste und keine Kirchenchristologie, die vom „Auferstandenen“ schwärmt, von dem man einfach ausgehen müsse. Ich  gehe allen Ernstes von einer Auferstehung, einem Neuverständnis des Schöpfungswortes aus, dessen Verstand mit seiner notwendigen menschlichen Ausformung sterben musste. Das Kreuz der Christen. Doch dieses Wort wird heute von der gesamten Naturwissenschaft nur geprießen, jedoch noch nicht als solches erkannt. Während die Theologen den Begriffe in Händen halten, vom Gotteswort nur im Hinblick auf Traditionstexte reden, verwaltet und belegt die moderne Naturwissenschaft eine schöpferische Vernunft, ohne deren Bedeutung für das Gottesverständnis und den gesamten menschlichen Geist zu begreifen. Was ich hier tute ist nur Ungeduld. Denn ich bin völlig gewiss, dass im Lauf der weitern Geschichte Gottes mit den Menschen – sollte wir besser von evolutionärer Erkenntnis reden - ein kollektives Neuverständnis des universalen Schöpfungswortes sein wird. Weil aber die Not groß ist, noch weniger Vernunft – ob in Glaubensvermittlung oder Lebenspraxis - kaum geht, bin ich fest davon überzeugt, dass diese Zeit kurz bevorsteht. Wie gesagt: wir halten das Wort Gottes in Händen, ohne es zu wissen. Nur darauf will ich hinweisen. Auch Sie dazu aufrufen, das Wort Gottes als aufgeklärt denkender Mensch selbst neu wahrzunehmen. Denn die Zeit, die Menschen zum Glauben zu überreden ist vorbei. (Zumindest für die nächsten Jahrhunderte.) Jetzt ist Zeit, in Anknüpfung an das alte Verständnis, aufgeklärt den einen Schöpfergott bzw. sein Wort wahrzunehmen. Nicht eine losgelöste naturphilosophische Spekulation bringt uns weiter, sondern nur ein Neuverständnis des bereits in der Antike verstandenen Gotteswortes und seine Vermittlung in einer heute verständlichen Form und Sprache.

 

Ich hoffe, einigermaßen klar machen zu können, dass ich zwar mit „christlichem Wesen“ den uns bekannten Wanderprediger vor Augen habe, weil ich die menschliche Ausdrucksform in der damaligen Zeit für vernünftig erachte, es mir jedoch ebenso wenig um ein menschliches Wesen geht, wir eine abgehobene Vergeistigung. Auch was ich unter „Wort“ bzw. „Wort Gottes“ verstehe kann ich hier nicht alles wiederholen. In zahlreichen Texten der www.theologie-der-vernunft.de“ habe ich versucht, dies zu formulieren. Natürlich ist die Welt nicht in sieben Tagen durch das Hokus Pokus sprechen eines Wesens hervorgegangen, sondern das seit dem Urkanall naturwissenschaftlich nachvollziehbare, d.h. neu verständliche Gotteswort. Nichts anderes hat uns die alte monotheistische Weisheit (Moses) mit auf den Weg gegeben. Ein vernünftiges, aufeinander aufbauendes evolutionäres Werden, wie aus kaum einer frühen Kosmologie bekannt, wird als Gotteswort vorgestellt. Was wir daraus gemacht haben und nach wie vor in schwachsinniger Auslegung daraus machen, ist eine andere Sache. 

 

Das Wesen-tliche ist die zeitgemäße Wahrnehmung des in der natürlichen Schöpfung gesprochenen Wortes. Wobei die Bezeichnung Wort nur wenig mit der menschlichen Sprache zu tun hat, sondern mehr im Sinne der alten Hebräer verstanden wird. Wort war für die Hebräer Ausdruck sinnvollen Geistes. Die Welt war für sie ein Produkt, Ausdruck eines vernünftigen Gottes, dessen Name sie weder kannten noch aussprechen wollten, der sich im Gegensatz zu den Ägyptern nicht in menschlichen Personen wie Pharaonen ausdrückte, sondern unhabbildbar blieb. Dieser eine Schöpfer, dessen Verständnis sich über viele Jahrhunderte entwickelte, was im Alten Testament heute neu nachvollziehbar ist, stand über allem, von ihm ging alles Wort aus. Die Geschichten, die uns erzählt werden, befassen sich mit der unterschiedlichen Wahrnehmung dieses Wortes. Es ging diesen alten Denkern beim Wort weder um Buchtexte, wie wir sie als Gotteswort bezeichnen, noch autoritäre Thesen. Von Jonas, Jesaja bis Johannes wurde das Wort im natürlichen Werden wahrgenommen. Die sinnvollen Zusammenhänge natürlichen Geschehens waren die Voraussetzung um das Wort zu verstehen. (Sie würden jetzt von der Atomlehre des Demokrit sprechen und nachweisen wollen, dass griechisches Denke etwas ganz anderes war, mit diesem Wort des Alten Testamentes oder gar mit Jesus nichts zu tun hat. Noch leben wir leider in Babylon. Ich will auch nicht die Hebräer über die Hellenen erhöhen. Nur neu ihre Vernunft verstehen muss erlaubt sein.) Bereits die Hebräer sahen den vernünftigen, geistvollen Aufbau der Welt, den Heraklit als Logos im Werden nachwies und auch bei Ihrer Polaritätstheorie alles be-stimmt. (Sehen Sie, schon wieder kommt das Wort zum Vor-schein. Ob wir von Be-stimmung, Be-rufung oder Verant-wortung reden, ohne das Wort des Autors – der von dem allen die Autorität ausgeht - zu verstehen, ist das alles nur leeres, pharisäerhaftes Gerede: bleibt philosophische oder priesterliche Phrase, gut gemeint, schön anzuschauen aber nutzlos.)

 

Ich will dabei nicht abstreiten, dass die Stimme Gottes auch zu Menschen sprechen kann, die aus der autoritären Tradition heraus glauben, nicht eine in der Tat-sache des natürlichen Werdens verständliche Stimme verstehen. Doch das scheint mir nicht der eigentliche christliche Glaube, der dem Wesen der Christenheit gerecht wird. Denn hier hat es sich nachweislich um das lebendige Wort gehandelt. Den Schöpfer für das verant-wortlich machen zu wollen, was wir aus seinem Wort gemacht haben, bei der Missbildung im Verständnis und unsere Denk- und Lebensweise, wie dies auch an vielen Stellen Ihres Textes geschieht, wäre fehl am Platz. Alles was ich in der natürlichen Schöpfung sehe hat Sinn, auch wenn ich oft zweimal hinschauen muss. Doch es ist genau die heutige moderne Betrachtungsweise der Biologie, die in vielem, was wir bisher als Fehlentwicklung betrachteten, als Falschverhalten bezeichneten oder wie es leider immer noch geschieht, als Bösartigkeit, nichts anderes erkennt als artgerechter Evolutionsfortschritt.

 

Und genau hier sind wir an einem Punkt, an dem sie als reifer Hobbyphilosoph, der die Ergebnisse moderner Naturwissenschaft weiterdenkt gefordert sind. Die heutige Theologie belegt zwar, dass es in der Bibel nicht um einen Wanderprediger ging, sondern das schöpferische Wort. Sie macht die Vernunft deutlich, die aus dem Alten wie dem Neuen Testament zu uns spricht und hat mir ein völlig neues allegorisches Verständnis der Traditionstexte ermöglicht, ohne die ich hier nur im luftleeren Raum einer abstrakt-philosophischen  Privatreligiösität fischen würde. Doch den notwendigen Schritt, statt eines Reformjuden oder eines Glaubensmythos das Schöpfungswort als das christliche Wesen wahrzunehmen, kann sie nicht gehen. Den Schlüssel dazu halten Sie in Händen.

 

Was ich von der heutigen Theologie erwarte, ist uneinlösbar, solange der Logos nur ein leerer Begriff bleibt. Sie haben recht: ein menschliches Wesen ist weder das Wort noch der Logos. Doch wenn ich gegenüber der Theologie nachwiesen will, warum das Wesen-tliche der urchristlichen und heutigen Lehre auf dem Logos, seiner Wahrnehmung gründet und nicht auf einem jungen Juden, den seine Anhänger zum Messias machten, muss der Logos im Werden der Welt erfahrbar werden. Solange uns dies nicht gelingt, bleibt der Theologie nichts anderes, als am alten Bild eines zu verherrlichenden Religionsrebellen und den durch ihn erneuerten religiösen Dogmen und Gesetzen festzuhalten. Solange das Werden der Welt noch so interpretiert wird, wie sie es vor dem Krieg als im Rahmen des falsch verstandenen Darwinismus gelehrt wurden, war es höchste Vernunft an einem Denken festzuhalten, das die Aufklärung allzuschnell als überholt abtat. Alles scheint seine Zeit zu haben. Noch vor wenigen Jahren wäre ein Neuverständnis, wie ich es heute verlange, nicht möglich gewesen.

 

Wir beide wissen, wie der Darwinismus im Nationalsozialismus interpretiert und gepredigt wurde. Nicht nur die von Ihnen zurecht angeprangerte Religiösität hat zu Fehlentwicklungen geführt, ohne die es aber scheinbar keinen Fortschritt gäbe. Auch die nur die Natur betrachtende Aufklärung und die Ableitung von Lebenslehren aus den Evolutionsprinzipien führt in die Irre. Doch um die von Ihnen leidvoll erfahrenen Fehler nicht umsonst verstreichen zu lassen, gilt es daraus zu lernen. Nicht nur was wir als Glaubenslehre bezeichnen gilt es neu zu verstehen. Auch ein neues Naturverständnis scheint mir not-wendig. Wer nur einen geistlosen, zusammenhanglosen Zufall in der Natur erkennt, den Sieg des Bösen über das Gute.....und was alles an Kurzschlüssen gelesen wurde, der kann nicht das Wort Gottes hören. Solange wir nicht nachvollziehen, dass es nur eine artgerechte Tauglichkeit ist, solange allenfalls von einer höheren Vernunft, nicht – wie in der Antike - vom sichtbaren Gotteszeugnis, Sohn, Wort gesprochen wird, bleibt der Theologie nichts anderes, als an ihrer Lehre von einer mythologisierten Mutter Teresa mit Bart festzuhalten und sich auf Textzeugnisse von schöpferischem Sprechen zu berufen. Weder im Heute, noch im Damals wird dann die Bedeutung der Wahrnehmung des lebendigen Wortes durch mündige Menschen verständlich. Solange die Naturwissenschaft den Logos den Händen hält, ohne darin das Schöpfungshandeln Gottes zu sehen, sie im Logosbegriff nur altphilosophische Ausformungen von modernen Welterklärungstheorien vermutet, bleibt der Theologie nur das von Ihnen zurecht vielgescholtene untauglich gewordene Verständnis.