Sind Moslems wahre Christen ?
Wer im historischen
Jesus nur einen Menschen sieht, von dem eine Volksbewegung ausging und der mit
Christologischen Hoheitstiteln verherrlicht wurde - so heute die christliche
Theologie - der kann den Sinn dieser Frage nicht verstehen. Doch durch die
Wahrnehmung des allem natürlichen Werdens zugrunde liegenden Wortes/Logos als
Wesen des historischen christlichen Glaubensgrundes, lässt sich das
Gottesverständnis der Moslems aus einer völlig neuen Perspektive betrachten.
Weit mehr als das angeblich aufgeklärte christliche Denken, das nur noch in für
die Gesellschaft bedeutungslos gewordenen Büchern blättert oder auf inneren Stimmen eigener Beliebigkeit hört,
versucht der Moslem das Wort Gottes in aller Schöpfung wahrzunehmen.
"Christen
und Muslime sprechen über ihren Glaube"
so eine Diskussionsreihe, die den interreligiösen
Dialog in Bewegung bringen soll und bei der diese Gedanken gesammelt wurden.
Doch Ziel meiner hieran anknüpfenden Überlegungen,
die keinesfalls eine umfassende Betrachtung des Islam sein können, ist nicht nur ein besseres Verständnis einer
anderen Religion. Durch den Vergleich zwischen dem aktuellen christlichen und
moslemischen Gottesverständnis lassen sich die Probleme des heute für
christlich gehaltenen Glaubens auf den Punkt bringen.
Das Gottesverständnis
aus christlicher und muslimischer Sicht
So wie die Christen in unserem gesellschaftlichen
Alltag nicht nach ihrem Gottesverständnis beurteilt werden, sondern eine
Vielzahl von kulturellen Erscheinungen im Vordergrund stehen, die allenfalls
die Symptome eines fehlentwickelten Glaubensgrundes sind, wird auch bei der
Betrachtung der Moslems oft kaum nach dem Gottesverständnis gefragt. Um so
erfreulicher, dass beim Gesprächsabend im Heinrich Pesch Haus der Vergleich
zwischen christlichem und muslimischem Gottesverständnis auf dem Programm
stand:
Das
christliche Gottesverständnis:
Notizen und Gedanken beim Gespräch die, auch wenn
sie nur die von den Referenten zum Ausdruck gebrachten und somit nur subjektive
gesehene winzige Teilaspekte des jeweiligen Gottesverständnisses
berücksichtigen, beispielhaft für aktuelle Situation des Glaubens sind.
Der Katechismus
wird gleich zu Beginn gemeinsam mit der Bibel als Glaubensgrund genannt. Das christliche Glaubensbekenntnis, wie es die
Frühkirche dort festlegte, wo heute eine Hochburg des Islam ist.
Doch von was die Frühchristen wirklich ausgingen, ob
sie nur einen jüdischen Wanderprediger verherrlichten, wie wir, oder ob sie von
Jesus Christus als dem präexistenten Gottessohn ausgingen, der menschlichen
Verkörperung des alles bestimmenden Wortes, das wissen wir nicht. Wir haben den
Text, in dem wir den Glauben bekennen, auswendig gelernt. Wir nehmen nicht
wirklich wahr, was wir sagen. Was bleibt ist ein Bekenntnis aufgrund eines
einst festgelegten Textes. Nicht das, um was es den Verfassern ging, wenn sie
sie vom ewigen und allumfassenden
Gotteswort sprachen, sondern der Text selbst ist zum Wort Gottes und damit
christlicher Glaubensgrund geworden.
Wer gibt uns den Verstand der Kirchenväter zurück,
die sich im heutigen Istanbul zu einem Glauben an den einen Vater Himmelns und
der Erden aufgrund des aus der Jungfrau Maria geborenen Jesus bekannten? Ging es im arianischen Streit nicht um weit
mehr als wir heute vermuten? Gingen nicht auch die Verfasser, die den
lebendigen Logos sinnvollerweise als Mensch darstellten ganz selbstverständlich
von einem präexistenten Wort aus? Und lag nicht auch für sie in der neuen Wahrnehmung des Wortes eine
messianische Wirkung für den monotheistischen Glauben?
Weit mehr noch als damals scheinen wir heute auf ein
neues Hören Gottes angewiesen. Denn während Gott oder Götter im damaligen
Bewusstsein vorausgesetzt waren, stehen wir heute vielfach vor dem Nichts.
Allein das Lesen und Aufsagen alter Texten, ob wir sie Dogmen oder Bibel
nennen, bringt uns weiter. Was im
Islam, der in aller Schöpfung Gottes Sinn zu verstehen sucht, noch lebendig
scheint, ist uns verloren gegangen. Textstellen zu zitieren kann nicht Ziel und
Grund unseres Glaubens sein. Von den Moslems können wir lernen das Wort Gottes
in allem neu zu hören.
Nicht, dass
es Gott gibt ist Thema der Bibeltexte, sondern auf welche Weise wir ihn
wahrnehmen können, wer Gott ist, was von ihm ausgeht, wie wir ihn verstehen
können......Die mystischen und polytheistischen Gottesvorstellungen der Vorzeit
scheinen durch das neue Verständnis des lebendigen Wortes, auf dem das Neue
Testament baut, überwunden zu sein. Im Christentum - bei dem es nicht um einen
Gottmenschen geht, sondern um das allumfassende, verständliche Gotteswort in
Menschengestalt - wurde der konsequente Monotheismus, wie ihn auch die Moslems
kennen, neu begründet. Der Grund dieses neuen jüdischen Glaubens liegt in der
Auferstehung Jesus, dem wiederverstandenen
Wort. In ihm wurde der alte Bund erneuert und erfüllt.
Wer ist
wirklich katholisch?
Auch die universalistische Glaubensauffassung des
neuen, christlichen Bundes ist alles andere als ein
Alleinseligmachungsanspruch, der sich über den anderen Glauben erhebt. Wer Jesus
als das lebendige Wort versteht, das aller Schöpfung zugrunde liegt, für den
verschinden die Grenzen, die durch Dogmen gezogen werden. Würde unser Glaube
nur auf einen bestimmten Text gründen oder einen einzelnen Religionsstifter,
der Anspruch der allumfassenden Wahrheit wäre eine Anmaßung. Der universale
Geist, der am Beginn der Christenheit geweht hat, das waren nicht einfach die
Gedanken eines Einzelnen oder seiner Anhänger. Diesem Geist, der den neuen Bund
gegenüber dem bisherigen auszeichnet, liegt ein neues Bewusstsein eines
allumfassenden schöpferischen Handelns zugrunde, das im Gottesverständnis der
Moslems noch weit lebendiger ist als im Christentum.
Auch die Moslems verehren ihren Religionsstifter
ebenso wie den Koran. Doch die späteren Ausführungen über den Glaubensgrund des
Islam, der in Allem Gottes Werk wahrnimmt, lassen mich im bei den Moslems einen
wahrhaft katholischen Glauben vermuten. Was den Christen in Jesus als dem
lebendigen Wort offenbar wurde, wird von den Moslems noch weitgehender
wahrgenommen, als von den Christen, die sich nur auf Dogmen berufen. Erst wenn
wir - wie ich es heute bei den Moslems erlebe - in allem kreativen Schaffen die
Kraft Gottes wahrnehmen, sein Wort verstehen, können wir den katholischen
Glauben gegrünten.
Solange Jesus, der vor 2000 Jahren als Wort in
Menschengestalt gelebt hat, nur als ein besonders begabter jüdischer
Wanderprediger und nicht als eine Neubegründung des Judentums begriffen wird,
trennen sich die Wege der Religionen. Nicht weil ein charismatischer Mensch vor
2000 Jahren die alttestamentliche These der Nächstenliebe neu aufwärmte und wir
daher auch die Moslems lieben müssen, lassen sich geistige Grenzen überwinden,
die im Laufe der Geschichte zu unermesslichem Leid geführt haben. Nur eine neue,
unseren Glaubensgrund in einem aller
Kreativität des Kosmos zugrunde liegenden schöpferischen Verstand/Logos/Wort
wahrnehmende christliche Religion kann zu einem neuen Selbstverständnis der
Religionen in ihrer kulturellen Verschiedenheit führen.
Nicht weil ein Wanderprediger dies und das
behauptete und als Lebensregel festlegte, sondern weil sie das Wort Allahs neu
verstehen werden die Menschen des 3. Jahrtausends zum Glauben zurückkehren.
Seit 2000 Jahren ist Gott in Jesus präsent: Nicht weil’s in alten Urkunden
steht, die erst die Kirchenväter zum Bibelkanon zusammengefasst haben, glaubt
der Christ, sondern aufgrund des von Gott in seinem schöpferischen Werk
gesprochenen Wortes, dessen Wahrnehmung im Islam noch weit lebendiger ist, als
in der heutigen Kirche.
Das
Muslimische Gottesverständnis
Ein Orientale erzählt Parabeln, um das
Unbegreifliche begreifbar zumachen. Er erzählt
Geschichten, in der Menschen vorkommen. Es geht um Begegnungen von
Gestalten und ihre Gespräche in lebendigen Bildern. So wird ein
Geistesgeschehen zum Ausdruck gebracht, das sonst den Verstand übersteigen
würde. Natürlich sind diese Geschichten echt, haben einen Grund. Es sind wahre
Geschichten, wirkliche Begebenheiten., auch wenn die vordergründigen Gestalten
nur stellvertretend stehen. Doch nie und nimmer würde der Referent, der durch
mehrere solcher Geschichten das Gottesverständnis der Moslems verdeutlicht,
davon ausgehen, in der gleichen Form nach der geschichtlichen Wahrheit zu
suchen, wie wir diese bei den Gestalten des Neuen Testamentes tun. Obgleich
längst klar ist, dass es den Evangelisten um alles andere als
Geschichtsschreibung ging, lesen wir nach wie vor nur banale Begebenheiten, die
dann im Sonntagsgottesdienst in himmelschreiender Beliebigkeit zur Begründung
eigener Moralmeinungen missbraucht werden.
Die Bibel ebenso wie das Glaubensbekenntnis, auf das
das christliche Gottesverständnis gründen, wurden in einem Bewusstsein
verfasst, das sich von unserem weit unterscheidet und so ein heutiges
Verständnis verhindert. Und ebenso scheint es auch mit dem Literaturstil zu
sein. Selbst die moderne Exegese, die längst erkannt hat, dass es sich bei den
Berichten der Evangelisten um Theologien handelt, die das neue
Gottesverständnis aus verschiedenen Perspektiven beleuchten, bleibt gefangen in
der Legende ohne das Grund-legende, den weit über einen verherrlichten
Wanderprediger hinausgende Logos/Wort als Grund wahrzunehmen.
Schon das erste Beispiel des muslimischen Theologen
zeigt, dass das Gottesverständnis der Moslems nicht auf Texte, sondern den
realen Schöpfer des Alles gründet:
Die Sonne
widerspiegelt sich auf den transparenten und spiegelnden Dingen. Sie erscheint
mit ihrem Licht, Wärme und mit ihren Farben. Genau wie dieses Beispiel sind die
Menschen bzw. die Lebewesen die Reflexionen der Attribute eines Wesens, der
Lebendige, Allwissende, Allwollende, Allhörende, Allmächtige und Sprechende
ist.
Wie die Sonne selbst durch ihre Kräfte bei uns
sichtbar wird, selbst verborgen bleibt, so sei auch Gott durch seine Schöpfungskräfte
bei uns präsent. Er gibt von dem ab, was er selbst besitzt.......
Ich bin gegeistert von diesem Beispiel, das den
Glauben nicht im Koran oder den Aussagen Mohameds begründet, sondern im
Schöpfungswirken Allahs. Wer, wie ich von einem Verstand ausgeht, der hinter
allem naturwissenschaftlich beschriebenen Werden steht, der kann so seinen
Verstand auch als Reflex eines das All umfassenden Verstandes sehen. Der Geist,
Verstand, der uns als Homo sapiens auszeichnet, ist somit eine besondere Gabe
Gottes, die in dieser Form allein den Menschen von ihrem Schöpfer verliehen
scheint. Das Verstehen des Wortes verlangt von uns besondere Verant-wortung.
Bisher wurde mir gesagt, die Moslems gehörten wie
Juden und Christen zu den Buchreligionen. Nun habe ich meine Zweifel. Nicht
durch alte Texte oder Aussagen sei der Transzendente immanent, sondern durch
sein in allem sichtbare All-macht. Mit menschlichen Eigenschaften sie Gott
nicht zu verstehen und doch sei der Verstand zu gebrauchen, um ihn durch sein schöpferisches
Schaffen zu begreifen, seinen Willen wahrzunehmen. Gott sei kein
Außerirdischer, kein Supermann, der sich auf Zuruf einmischt, sondern sein
Wesen wäre All-gegenwärtig in allem, ohne dass er selbst identisch mit dem All
wäre. Im schöpferischen Schaffen, seine Eigen-schafften sichtbar.
Eine weitere Parabel macht nicht nur die Immanenz
Gottes in allen Dingen deutlich, sondern streift auch das Theodizeeproblem, das
derzeit unser Schöpfungsverständnis verhindert:
Die Geschichte
erzählt von einem kleinen Inder, der von seinem Meister belehrt wird, Gott sei
in allem gegenwärtig. Als einige Tage später ein wild gewordener Elefant auf
den kleinen Inder losstürmt macht dieser keine Anstände wegzulaufen. Er denkt,
der liebe Gott sei auch im Elefanten. Und daher bräuchte er sich nicht zu
fürchten. Nur der reaktionsschnellen und mutigen Tat eines Passanten, der den
Jungen im letzten Moment bei Seite riss, war es zu verdanken, dass der kleine
Inder gerettet wurde. Anschließend beschwerte sich der Kleine bitter bei seinem
Guru: "Du hast mir gesagt, Gott sei in allem gegenwärtig, aber der böse
Elefant......" Da lachte der Meister und machte den Jungen darauf
aufmerksam, dass gerade diese Geschichte ein Beweis für die Immanenz Gottes in
allem sei. Denn Gott sei auch in dem mutigen und aufmerksamen Passant anwesend,
der den Jungen vor dem Elefant bewahrte.
Auch diese Geschichte unterscheidet die beiden
Theologien. Die Allmacht und Güte Gottes gründet für den Moslem nicht auf von inspirierten
Menschen gesetzten Buchstaben, sondern wird im realen Leben begründet. Gott der
Schöpfer - für den Urchristen nicht Gott Vater selbst, sondern sein
Sohn/Verstand/Wort/Logos - ist in allem gegenwärtig. Auch in den Menschen und
allem Geschehen steckt dieser Verstand, der von Gott ausgeht.
Gott selbst können wir nicht schauen, wir würden
geblendet werden, wie von der Sonne, wenn wir, wie teilweise bei der Sonnenfinsternis geschehen, direkt
hineinschauen würden. Um sich zu erkennen zu geben, erschuf Gott die Welt, so
der Moslem. In der Schöpfung selbst also gibt sich uns Gott zu erkennen.
Urchristen sprachen von der Offenbarung im Sohn. Und ich bin sicher, sie haben
dabei keinen Wanderprediger gesehen, sondern das wahrgenommen, was auch die Moslems
in ihren Geschichten verstehen und zum Ausdruck bringen wollen.
Durch ihr Gebet, in dem sich die Moslems fünf mal am
Tag an Gott wenden, wollten sie das gesamte Tageswerk unter das schöpferische
Werke Gottes stellen. Die Gegenwart Gottes im realen All-tag soll durch das
Gebet bewahrt werden, werde ich belehrt. Mit Mantras wir das Gottesbewusstsein
eingeübt, seine Gegenwart bewahrt.
Abraham, Moses, Jesus und Mohamed lassen sich so
nicht in ein Reihe stellen, wie wir dies heute tun. Es geht zumindest bei den
ersten drei Gestalten um weit mehr als zufällige Menschen mit besonderer
Begabung. Doch auch das können wir aus der orientalisch-mohammedanischen Lehre
lernen: Wir brauchen konkrete Gestalten, um das unbegreifliche begreifen zu
können. Solange wir noch nicht verstehen brauchen Geschichten, um auf einfache
Art aus ganzem Herzen glauben zu können.
In der Geschichte von Moses und dem Hirtenjungen bringt der Moslem dies
zum Ausdruck:
Der alte Moses
begegnet einem Hirtenjungen, der aus vollem Herzen zu Gott betet. Er bittet
diesen, er möge seine Flöte wieder zum Spielen bringen......Dafür verspricht er
Gott frische Ziegenmilch..... Als Moses dies hört, wurde er zornig: "Wie
kannst du so mit Gott reden, wie mit einem Freund, den du mit Ziegenmilch und
Butter bestechen willst?" Doch durch die Belehrung sei der Hirtenjungen
vom Glaube an Gott abgekommen. Für den Hirtenjunge sei der von ihm angebetete
Gott Realität gewesen, die er aus vollem Herzen ansprechen konnte. So hätte
auch jede Religion einen anderen Zugang zu Gott
Sowenig wie der Hirtenjungen einen
philosophisch-intellektuellen Gott ansprechen kann, einen Gott, den er nicht
kennt, kann eine Religion den ihr bekannten Gott verleugnen. Jeder Fortschritt
der Erkenntnis muss an die vorhandenen Gestalten und Bilder anknüpfen. Auch
hier drückt sich eine Erkenntnis aus, die für die evolutionäre
Weiterentwicklung des menschlichen Geistes von Entscheidung ist. Der
griechisch-philosophische Gottesbegriff oder eine abgehobene gnostische
Logoslehre wäre kein wirklicher Fortschritt gewesen. Die messianische Wirkung
konnte nur von einem Logos in der Gestalt des jüdischen Wanderpredigers
ausgehen.
Und auch heute hilft uns allein eine moderne
Kosmologie, die von der Schönheit der Schöpfung und einem all-umfassenden Verstand
schwärmt, nicht weiter. Vielmehr gilt es die Realität des in allem kosmischen
Werden sichtbaren Wortes, wie es auch die Moslems verstehen, mit der
historischen Person des Gottessohnes in Menschengestalt auf einen Nenner zu
bringen. Hierin messianische Wirkung begreifen.
Auch die Diskussion über das Festhalten am
arabischen Urtext des Koran lässt Probleme erkennen, die sich auch auf die
christlichen Ur-kunden übertragen lassen. Nicht die Überhebung der arabischen
Sprache, sei der Grund, so der Theologe, vielmehr bestehe die Gefahr, dass die
dem Arabischen zugrunde liegende
Vieldeutigkeit durch die Übersetzung verloren gehe und somit das
Verständnis leide. Liegt nicht auch hier ein Grund für die Entleerung der
Bibel. Erst wenn wir die Welt und alles Werden wieder als reales schöpferisches
Werk, wie es bei der Gottesbegründung der Moslems heute durchschimmert, können
wir auch die Texte als Wort Gottes verstehen, sind sie mehr als reine
Lippenbekenntnisse. Moslems und Christen gründen auf ein Wort/Logos, der allem
Werden zugrunde liegt.
(Der Weg den die antike Wahrnehmung eines
schöpferischen Wortes in unterschiedlichen Weise genommen hat, wie es zum neuen
jüdisch-hellenistische theologischen Paradigma in Paulus kam und später zur
arabischen Ausprägung in Mohamed, lässt sich geistesgeschichtlich
nachvollziehen. Dies wäre eine Fleißaufgabe für Historiker.)
Nachtrag:
Gott, der
Mensch und das Universum
Der Mensch in
der Schöpfung
Auch die Aussagen, in dem von dem moslemischen
Theologen ausgelegten Textauszug sind nur zufällig, können nicht den Islam in
seinem umfassenden Gottesverständnis beleuchten. Und doch sind sie Beispiele
dafür, dass der Moslem den Sinn seines Seins im Gegensatz zum sog. Christen
nicht auf Koran bzw. Katechismus bezieht, sondern auf die reale Genesis Gottes,
die nicht zwischen zwei Buchdeckeln zu finden ist.
Sinn und Zweck des Lebens werden dabei im
philosophischen Stil auf unsere Bestimmung im Kosmos zurückgeführt. Nicht
weil’s im Koran steht......
Mit Pascal
glauben wir, dass man in einem Wassertropfen das Universum wiederfinden kann.
Folglich reflexiert sich das Ganze in jedem Teilchen. Und im Maximum, dem
Kosmos, in dem Abermilliarden von Galaxien, reflektiert sich wie in einem
Spiegel der winzigste Teil der Materie. Im unendlich Kleinen findet sich das
unendlich Große.
(Für uns ist das allenfalls gnostisch-esoterisch,
hat mit unserem Religionsstifter nichts zu tun. Weder im Kleinen, noch im
Großen nehmen wir das Wort Gottes wahr. Wenn ich meinem Freund versuche zu erklären,
dass es in seinem Astronomieunterricht um das Wort des Schöpfers geht, wird er
mich für verrückt halten.)
Das Leben
selbst liefert im Vergleich zum Universum siebenmal mehr logische Beweise für
die Existenz Gottes.
(Für uns liegt der Beweis in Büchern.)
Gott hat, so
ein islamischer Gelehrter, den Menschen dazu erschaffen, dass er sich ihm
bekannt machen kann. Durch vernünftiges Forschen muss der Mensch zur Existenz
Gottes gelangen..........Gott will erkannt werden.........Glaube resultiert aus
dieser sicheren Erkenntnis.
(Für uns sind Wissenschaft und Verstand
verantwortlich für den Abfall vom Glaube. Erkenntnis kommt nicht vor, wird
allenfalls mit blindem glauben von Texten gleichgesetzt)
Denn Sinn des
Lebens zu verstehen, ist erst dann möglich, wenn wir ein Wesen erkennen,
welches die Lebewesen ist Dasein ruft.
(Wann endlich verstehen wir, dass es sich bei diesem
Wesen um das Wort Gottes handelt. Das schöpferische Wort, das nicht Gott ist,
sondern von diesem ausgeht, in dem sich Gott offenbart? Dieses Wort ist das
Weihnachts-präsent, die Präsenz Gottes in der Welt, das Kind in der Wiege.)
Ein Buch in
Schönschrift zeigt auf die Schreibkunst seines Schreibers hin. Ein prächtiger
Palast zeigt wiederum auf die hervorragende Kunstfertigkeit des Erbauers. Diese
Künste und Eigenschaften erfordern ein Wesen, von dem diese meisterhaften
Zierden und Künste stammen.
(Welche Erkenntnis würde uns erwachsen, wenn wir,
wie dies im Text der Moslems zum Ausdruck kommt, die Schöpfung als Wort Gottes
wahrnehmen würden. Neu den bereits von
Schelling, Heidegger und vielen anderen Philosophen erkannten Verstand, der
hinter allem Geschehen der Genesis incl. der menschlichen Geschichte steht als
Sohn Gottes, Grund unseres Glaubens verstehen.)
Es gibt eine
Aktionsweisheit, die den ganzen Kosmos umfasst, die wiederum permanent,
geordnet und erhaben ist.....So wird durch diese permanente, weise herrschende
Aktivität, jenseits des Schleiers ein absolut mächtig-tätiges und allwissendes
Wesen erkennbar.
(Erst wenn wir in diesem Wesen das Wesen-tliche
erkennen, das sich hinter der Person unseres Religionsgrundes verbirgt, können
wir verstehen, um was es in den um- und heute oft abgestrittenen Glaubensdogmen
geht. Dominus Jesus gilt auch für die Moslems.)
Die Quelle dieser
Attribute ist ein Wesen, auf dessen Existenz die Tätigkeit und Aktivitäten im
Kosmos zeigen. Denn in der Schönheit, Vollkommenheit und Werte in der Schöpfung
zeigt sich die göttliche Herrschaft....Sprechen ist ein Akt es
Wissensbesitzenden...wobei unser Wissen als ein Abklatsch des schöpferischen
Wissens verstanden wird....Hören ist eine Aufgabe dessen der Wissen hat...
Wenn in der modernen christlichen Exegese zumindest
die synoptischen Evangelien auf eine Spruchquelle zurückgeführt werden, dann speist
sich diese Quelle nicht aus Legenden, die damals von einem besonders begabten
jungen Juden erzählt wurden. Auch geht es nicht um ein pures Aufwärmen der
heute als Altes Testament bezeichneten Weisheitstexte, wie dies die heutige
Theologie bemüht ist nachzuweisen. Das Wesen, von dem im Neuen Testament
gesprochen wird lebt. Es ist das Wesen, dessen Wahrnehmung im Weltbild der Moslems
wesentlich lebendiger ist, als bei sog. Christen.
(Mancher mag die Aussagen, die eine kosmische
Gotteswahrnehmung zum Ausdruck bringen für überholt halten. Darin nur eine
Nachstufe der Naturreligiosität sehen: abgelöst durch die Aufklärung, längst
überholt. Doch gerade in den obigen Auszügen zum moslemischen Verständnis
Allahs zeigt sich, dass das Verständnis des Schöpfers gerade im
naturwissenschaftlichen Weltbild nicht nur möglich, sondern höchst
glaubensNOT-wendig ist. Von den Muslims können wir lernen den Verstand zu
gebrauchen, um Gottes Wort neu zu verstehen.)