Sind Moslems wahre Christen ?

 

 

Wer im historischen Jesus nur einen Menschen sieht, von dem eine Volksbewegung ausging und der mit Christologischen Hoheitstiteln verherrlicht wurde - so heute die christliche Theologie - der kann den Sinn dieser Frage nicht verstehen. Doch durch die Wahrnehmung des allem natürlichen Werdens zugrunde liegenden Wortes/Logos als Wesen des historischen christlichen Glaubensgrundes, lässt sich das Gottesverständnis der Moslems aus einer völlig neuen Perspektive betrachten. Weit mehr als das angeblich aufgeklärte christliche Denken, das nur noch in für die Gesellschaft bedeutungslos gewordenen Büchern blättert oder auf  inneren Stimmen eigener Beliebigkeit hört, versucht der Moslem das Wort Gottes in aller Schöpfung wahrzunehmen.

 

"Christen und Muslime sprechen über ihren Glaube"

so eine Diskussionsreihe, die den interreligiösen Dialog in Bewegung bringen soll und bei der diese Gedanken gesammelt wurden.

 

Doch Ziel meiner hieran anknüpfenden Überlegungen, die keinesfalls eine umfassende Betrachtung des Islam sein können,  ist nicht nur ein besseres Verständnis einer anderen Religion. Durch den Vergleich zwischen dem aktuellen christlichen und moslemischen Gottesverständnis lassen sich die Probleme des heute für christlich gehaltenen Glaubens auf den Punkt bringen.

 

Das Gottesverständnis aus christlicher und muslimischer Sicht

 

So wie die Christen in unserem gesellschaftlichen Alltag nicht nach ihrem Gottesverständnis beurteilt werden, sondern eine Vielzahl von kulturellen Erscheinungen im Vordergrund stehen, die allenfalls die Symptome eines fehlentwickelten Glaubensgrundes sind, wird auch bei der Betrachtung der Moslems oft kaum nach dem Gottesverständnis gefragt. Um so erfreulicher, dass beim Gesprächsabend im Heinrich Pesch Haus der Vergleich zwischen christlichem und muslimischem Gottesverständnis auf dem Programm stand:

 

Das christliche Gottesverständnis:

 

Notizen und Gedanken beim Gespräch die, auch wenn sie nur die von den Referenten zum Ausdruck gebrachten und somit nur subjektive gesehene winzige Teilaspekte des jeweiligen Gottesverständnisses berücksichtigen, beispielhaft für aktuelle Situation des Glaubens sind.

 

Der Katechismus wird gleich zu Beginn gemeinsam mit der Bibel als Glaubensgrund genannt. Das christliche Glaubensbekenntnis, wie es die Frühkirche dort festlegte, wo heute eine Hochburg des Islam ist.

 

Doch von was die Frühchristen wirklich ausgingen, ob sie nur einen jüdischen Wanderprediger verherrlichten, wie wir, oder ob sie von Jesus Christus als dem präexistenten Gottessohn ausgingen, der menschlichen Verkörperung des alles bestimmenden Wortes, das wissen wir nicht. Wir haben den Text, in dem wir den Glauben bekennen, auswendig gelernt. Wir nehmen nicht wirklich wahr, was wir sagen. Was bleibt ist ein Bekenntnis aufgrund eines einst festgelegten Textes. Nicht das, um was es den Verfassern ging, wenn sie sie vom  ewigen und allumfassenden Gotteswort sprachen, sondern der Text selbst ist zum Wort Gottes und damit christlicher Glaubensgrund geworden.

 

Wer gibt uns den Verstand der Kirchenväter zurück, die sich im heutigen Istanbul zu einem Glauben an den einen Vater Himmelns und der Erden aufgrund des aus der Jungfrau Maria geborenen Jesus bekannten?  Ging es im arianischen Streit nicht um weit mehr als wir heute vermuten? Gingen nicht auch die Verfasser, die den lebendigen Logos sinnvollerweise als Mensch darstellten ganz selbstverständlich von einem präexistenten Wort aus? Und lag nicht auch für sie in der  neuen Wahrnehmung des Wortes eine messianische Wirkung für den monotheistischen Glauben?

 

Weit mehr noch als damals scheinen wir heute auf ein neues Hören Gottes angewiesen. Denn während Gott oder Götter im damaligen Bewusstsein vorausgesetzt waren, stehen wir heute vielfach vor dem Nichts. Allein das Lesen und Aufsagen alter Texten, ob wir sie Dogmen oder Bibel nennen, bringt uns  weiter. Was im Islam, der in aller Schöpfung Gottes Sinn zu verstehen sucht, noch lebendig scheint, ist uns verloren gegangen. Textstellen zu zitieren kann nicht Ziel und Grund unseres Glaubens sein. Von den Moslems können wir lernen das Wort Gottes in allem neu zu hören.

 

 Nicht, dass es Gott gibt ist Thema der Bibeltexte, sondern auf welche Weise wir ihn wahrnehmen können, wer Gott ist, was von ihm ausgeht, wie wir ihn verstehen können......Die mystischen und polytheistischen Gottesvorstellungen der Vorzeit scheinen durch das neue Verständnis des lebendigen Wortes, auf dem das Neue Testament baut, überwunden zu sein. Im Christentum - bei dem es nicht um einen Gottmenschen geht, sondern um das allumfassende, verständliche Gotteswort in Menschengestalt - wurde der konsequente Monotheismus, wie ihn auch die Moslems kennen, neu begründet. Der Grund dieses neuen jüdischen Glaubens liegt in der Auferstehung Jesus, dem wiederverstandenen  Wort. In ihm wurde der alte Bund erneuert und erfüllt.

 

Wer ist wirklich katholisch?

 

Auch die universalistische Glaubensauffassung des neuen, christlichen Bundes ist alles andere als ein Alleinseligmachungsanspruch, der sich über den anderen Glauben erhebt. Wer Jesus als das lebendige Wort versteht, das aller Schöpfung zugrunde liegt, für den verschinden die Grenzen, die durch Dogmen gezogen werden. Würde unser Glaube nur auf einen bestimmten Text gründen oder einen einzelnen Religionsstifter, der Anspruch der allumfassenden Wahrheit wäre eine Anmaßung. Der universale Geist, der am Beginn der Christenheit geweht hat, das waren nicht einfach die Gedanken eines Einzelnen oder seiner Anhänger. Diesem Geist, der den neuen Bund gegenüber dem bisherigen auszeichnet, liegt ein neues Bewusstsein eines allumfassenden schöpferischen Handelns zugrunde, das im Gottesverständnis der Moslems noch weit lebendiger ist als im Christentum.

 

Auch die Moslems verehren ihren Religionsstifter ebenso wie den Koran. Doch die späteren Ausführungen über den Glaubensgrund des Islam, der in Allem Gottes Werk wahrnimmt, lassen mich im bei den Moslems einen wahrhaft katholischen Glauben vermuten. Was den Christen in Jesus als dem lebendigen Wort offenbar wurde, wird von den Moslems noch weitgehender wahrgenommen, als von den Christen, die sich nur auf Dogmen berufen. Erst wenn wir - wie ich es heute bei den Moslems erlebe - in allem kreativen Schaffen die Kraft Gottes wahrnehmen, sein Wort verstehen, können wir den katholischen Glauben gegrünten.

 

Solange Jesus, der vor 2000 Jahren als Wort in Menschengestalt gelebt hat, nur als ein besonders begabter jüdischer Wanderprediger und nicht als eine Neubegründung des Judentums begriffen wird, trennen sich die Wege der Religionen. Nicht weil ein charismatischer Mensch vor 2000 Jahren die alttestamentliche These der Nächstenliebe neu aufwärmte und wir daher auch die Moslems lieben müssen, lassen sich geistige Grenzen überwinden, die im Laufe der Geschichte zu unermesslichem Leid geführt haben. Nur eine neue, unseren  Glaubensgrund in einem aller Kreativität des Kosmos zugrunde liegenden schöpferischen Verstand/Logos/Wort wahrnehmende christliche Religion kann zu einem neuen Selbstverständnis der Religionen in ihrer kulturellen Verschiedenheit führen.  

 

Nicht weil ein Wanderprediger dies und das behauptete und als Lebensregel festlegte, sondern weil sie das Wort Allahs neu verstehen werden die Menschen des 3. Jahrtausends zum Glauben zurückkehren. Seit 2000 Jahren ist Gott in Jesus präsent: Nicht weil’s in alten Urkunden steht, die erst die Kirchenväter zum Bibelkanon zusammengefasst haben, glaubt der Christ, sondern aufgrund des von Gott in seinem schöpferischen Werk gesprochenen Wortes, dessen Wahrnehmung im Islam noch weit lebendiger ist, als in der heutigen Kirche.

 

Das Muslimische Gottesverständnis

 

Ein Orientale erzählt Parabeln, um das Unbegreifliche begreifbar zumachen. Er erzählt  Geschichten, in der Menschen vorkommen. Es geht um Begegnungen von Gestalten und ihre Gespräche in lebendigen Bildern. So wird ein Geistesgeschehen zum Ausdruck gebracht, das sonst den Verstand übersteigen würde. Natürlich sind diese Geschichten echt, haben einen Grund. Es sind wahre Geschichten, wirkliche Begebenheiten., auch wenn die vordergründigen Gestalten nur stellvertretend stehen. Doch nie und nimmer würde der Referent, der durch mehrere solcher Geschichten das Gottesverständnis der Moslems verdeutlicht, davon ausgehen, in der gleichen Form nach der geschichtlichen Wahrheit zu suchen, wie wir diese bei den Gestalten des Neuen Testamentes tun. Obgleich längst klar ist, dass es den Evangelisten um alles andere als Geschichtsschreibung ging, lesen wir nach wie vor nur banale Begebenheiten, die dann im Sonntagsgottesdienst in himmelschreiender Beliebigkeit zur Begründung eigener Moralmeinungen missbraucht werden.

 

Die Bibel ebenso wie das Glaubensbekenntnis, auf das das christliche Gottesverständnis gründen, wurden in einem Bewusstsein verfasst, das sich von unserem weit unterscheidet und so ein heutiges Verständnis verhindert. Und ebenso scheint es auch mit dem Literaturstil zu sein. Selbst die moderne Exegese, die längst erkannt hat, dass es sich bei den Berichten der Evangelisten um Theologien handelt, die das neue Gottesverständnis aus verschiedenen Perspektiven beleuchten, bleibt gefangen in der Legende ohne das Grund-legende, den weit über einen verherrlichten Wanderprediger hinausgende Logos/Wort als Grund wahrzunehmen.

 

Schon das erste Beispiel des muslimischen Theologen zeigt, dass das Gottesverständnis der Moslems nicht auf Texte, sondern den realen Schöpfer des Alles gründet:

 

Die Sonne widerspiegelt sich auf den transparenten und spiegelnden Dingen. Sie erscheint mit ihrem Licht, Wärme und mit ihren Farben. Genau wie dieses Beispiel sind die Menschen bzw. die Lebewesen die Reflexionen der Attribute eines Wesens, der Lebendige, Allwissende, Allwollende, Allhörende, Allmächtige und Sprechende ist.

 

Wie die Sonne selbst durch ihre Kräfte bei uns sichtbar wird, selbst verborgen bleibt, so sei auch Gott durch seine Schöpfungskräfte bei uns präsent. Er gibt von dem ab, was er selbst besitzt.......

 

Ich bin gegeistert von diesem Beispiel, das den Glauben nicht im Koran oder den Aussagen Mohameds begründet, sondern im Schöpfungswirken Allahs. Wer, wie ich von einem Verstand ausgeht, der hinter allem naturwissenschaftlich beschriebenen Werden steht, der kann so seinen Verstand auch als Reflex eines das All umfassenden Verstandes sehen. Der Geist, Verstand, der uns als Homo sapiens auszeichnet, ist somit eine besondere Gabe Gottes, die in dieser Form allein den Menschen von ihrem Schöpfer verliehen scheint. Das Verstehen des Wortes verlangt von uns besondere Verant-wortung.

 

Bisher wurde mir gesagt, die Moslems gehörten wie Juden und Christen zu den Buchreligionen. Nun habe ich meine Zweifel. Nicht durch alte Texte oder Aussagen sei der Transzendente immanent, sondern durch sein in allem sichtbare All-macht. Mit menschlichen Eigenschaften sie Gott nicht zu verstehen und doch sei der Verstand zu gebrauchen, um ihn durch sein schöpferisches Schaffen zu begreifen, seinen Willen wahrzunehmen. Gott sei kein Außerirdischer, kein Supermann, der sich auf Zuruf einmischt, sondern sein Wesen wäre All-gegenwärtig in allem, ohne dass er selbst identisch mit dem All wäre. Im schöpferischen Schaffen, seine Eigen-schafften sichtbar.

 

Eine weitere Parabel macht nicht nur die Immanenz Gottes in allen Dingen deutlich, sondern streift auch das Theodizeeproblem, das derzeit unser Schöpfungsverständnis verhindert:

 

Die Geschichte erzählt von einem kleinen Inder, der von seinem Meister belehrt wird, Gott sei in allem gegenwärtig. Als einige Tage später ein wild gewordener Elefant auf den kleinen Inder losstürmt macht dieser keine Anstände wegzulaufen. Er denkt, der liebe Gott sei auch im Elefanten. Und daher bräuchte er sich nicht zu fürchten. Nur der reaktionsschnellen und mutigen Tat eines Passanten, der den Jungen im letzten Moment bei Seite riss, war es zu verdanken, dass der kleine Inder gerettet wurde. Anschließend beschwerte sich der Kleine bitter bei seinem Guru: "Du hast mir gesagt, Gott sei in allem gegenwärtig, aber der böse Elefant......" Da lachte der Meister und machte den Jungen darauf aufmerksam, dass gerade diese Geschichte ein Beweis für die Immanenz Gottes in allem sei. Denn Gott sei auch in dem mutigen und aufmerksamen Passant anwesend, der den Jungen vor dem Elefant bewahrte.

 

Auch diese Geschichte unterscheidet die beiden Theologien. Die Allmacht und Güte Gottes gründet für den Moslem nicht auf von inspirierten Menschen gesetzten Buchstaben, sondern wird im realen Leben begründet. Gott der Schöpfer - für den Urchristen nicht Gott Vater selbst, sondern sein Sohn/Verstand/Wort/Logos - ist in allem gegenwärtig. Auch in den Menschen und allem Geschehen steckt dieser Verstand, der von Gott ausgeht.

 

Gott selbst können wir nicht schauen, wir würden geblendet werden, wie von der Sonne, wenn wir, wie  teilweise bei der Sonnenfinsternis geschehen, direkt hineinschauen würden. Um sich zu erkennen zu geben, erschuf Gott die Welt, so der Moslem. In der Schöpfung selbst also gibt sich uns Gott zu erkennen. Urchristen sprachen von der Offenbarung im Sohn. Und ich bin sicher, sie haben dabei keinen Wanderprediger gesehen, sondern das wahrgenommen, was auch die Moslems in ihren Geschichten verstehen und zum Ausdruck bringen wollen.

 

Durch ihr Gebet, in dem sich die Moslems fünf mal am Tag an Gott wenden, wollten sie das gesamte Tageswerk unter das schöpferische Werke Gottes stellen. Die Gegenwart Gottes im realen All-tag soll durch das Gebet bewahrt werden, werde ich belehrt. Mit Mantras wir das Gottesbewusstsein eingeübt, seine Gegenwart bewahrt.

 

Abraham, Moses, Jesus und Mohamed lassen sich so nicht in ein Reihe stellen, wie wir dies heute tun. Es geht zumindest bei den ersten drei Gestalten um weit mehr als zufällige Menschen mit besonderer Begabung. Doch auch das können wir aus der orientalisch-mohammedanischen Lehre lernen: Wir brauchen konkrete Gestalten, um das unbegreifliche begreifen zu können. Solange wir noch nicht verstehen brauchen Geschichten, um auf einfache Art aus ganzem Herzen glauben zu können.  In der Geschichte von Moses und dem Hirtenjungen bringt der Moslem dies zum Ausdruck:

 

Der alte Moses begegnet einem Hirtenjungen, der aus vollem Herzen zu Gott betet. Er bittet diesen, er möge seine Flöte wieder zum Spielen bringen......Dafür verspricht er Gott frische Ziegenmilch..... Als Moses dies hört, wurde er zornig: "Wie kannst du so mit Gott reden, wie mit einem Freund, den du mit Ziegenmilch und Butter bestechen willst?" Doch durch die Belehrung sei der Hirtenjungen vom Glaube an Gott abgekommen. Für den Hirtenjunge sei der von ihm angebetete Gott Realität gewesen, die er aus vollem Herzen ansprechen konnte. So hätte auch jede Religion einen anderen Zugang zu Gott

 

Sowenig wie der Hirtenjungen einen philosophisch-intellektuellen Gott ansprechen kann, einen Gott, den er nicht kennt, kann eine Religion den ihr bekannten Gott verleugnen. Jeder Fortschritt der Erkenntnis muss an die vorhandenen Gestalten und Bilder anknüpfen. Auch hier drückt sich eine Erkenntnis aus, die für die evolutionäre Weiterentwicklung des menschlichen Geistes von Entscheidung ist. Der griechisch-philosophische Gottesbegriff oder eine abgehobene gnostische Logoslehre wäre kein wirklicher Fortschritt gewesen. Die messianische Wirkung konnte nur von einem Logos in der Gestalt des jüdischen Wanderpredigers ausgehen.

 

Und auch heute hilft uns allein eine moderne Kosmologie, die von der Schönheit der Schöpfung und einem all-umfassenden Verstand schwärmt, nicht weiter. Vielmehr gilt es die Realität des in allem kosmischen Werden sichtbaren Wortes, wie es auch die Moslems verstehen, mit der historischen Person des Gottessohnes in Menschengestalt auf einen Nenner zu bringen. Hierin messianische Wirkung begreifen.

 

Auch die Diskussion über das Festhalten am arabischen Urtext des Koran lässt Probleme erkennen, die sich auch auf die christlichen Ur-kunden übertragen lassen. Nicht die Überhebung der arabischen Sprache, sei der Grund, so der Theologe, vielmehr bestehe die Gefahr, dass die dem Arabischen zugrunde liegende  Vieldeutigkeit durch die Übersetzung verloren gehe und somit das Verständnis leide. Liegt nicht auch hier ein Grund für die Entleerung der Bibel. Erst wenn wir die Welt und alles Werden wieder als reales schöpferisches Werk, wie es bei der Gottesbegründung der Moslems heute durchschimmert, können wir auch die Texte als Wort Gottes verstehen, sind sie mehr als reine Lippenbekenntnisse. Moslems und Christen gründen auf ein Wort/Logos, der allem Werden zugrunde liegt.

 

(Der Weg den die antike Wahrnehmung eines schöpferischen Wortes in unterschiedlichen Weise genommen hat, wie es zum neuen jüdisch-hellenistische theologischen Paradigma in Paulus kam und später zur arabischen Ausprägung in Mohamed, lässt sich geistesgeschichtlich nachvollziehen. Dies wäre eine Fleißaufgabe für Historiker.)

 

Nachtrag:

 

Gott, der Mensch und das Universum

Der Mensch in der Schöpfung

 

Auch die Aussagen, in dem von dem moslemischen Theologen ausgelegten Textauszug sind nur zufällig, können nicht den Islam in seinem umfassenden Gottesverständnis beleuchten. Und doch sind sie Beispiele dafür, dass der Moslem den Sinn seines Seins im Gegensatz zum sog. Christen nicht auf Koran bzw. Katechismus bezieht, sondern auf die reale Genesis Gottes, die nicht zwischen zwei Buchdeckeln zu finden ist.

 

Sinn und Zweck des Lebens werden dabei im philosophischen Stil auf unsere Bestimmung im Kosmos zurückgeführt. Nicht weil’s im Koran steht......

 

Mit Pascal glauben wir, dass man in einem Wassertropfen das Universum wiederfinden kann. Folglich reflexiert sich das Ganze in jedem Teilchen. Und im Maximum, dem Kosmos, in dem Abermilliarden von Galaxien, reflektiert sich wie in einem Spiegel der winzigste Teil der Materie. Im unendlich Kleinen findet sich das unendlich Große.  

 

(Für uns ist das allenfalls gnostisch-esoterisch, hat mit unserem Religionsstifter nichts zu tun. Weder im Kleinen, noch im Großen nehmen wir das Wort Gottes wahr. Wenn ich meinem Freund versuche zu erklären, dass es in seinem Astronomieunterricht um das Wort des Schöpfers geht, wird er mich für verrückt halten.)

 

Das Leben selbst liefert im Vergleich zum Universum siebenmal mehr logische Beweise für die Existenz Gottes.   

 

(Für uns liegt der Beweis in Büchern.)

 

Gott hat, so ein islamischer Gelehrter, den Menschen dazu erschaffen, dass er sich ihm bekannt machen kann. Durch vernünftiges Forschen muss der Mensch zur Existenz Gottes gelangen..........Gott will erkannt werden.........Glaube resultiert aus dieser sicheren Erkenntnis.

 

(Für uns sind Wissenschaft und Verstand verantwortlich für den Abfall vom Glaube. Erkenntnis kommt nicht vor, wird allenfalls mit blindem glauben von Texten gleichgesetzt)

 

Denn Sinn des Lebens zu verstehen, ist erst dann möglich, wenn wir ein Wesen erkennen, welches die Lebewesen ist Dasein ruft.

 

(Wann endlich verstehen wir, dass es sich bei diesem Wesen um das Wort Gottes handelt. Das schöpferische Wort, das nicht Gott ist, sondern von diesem ausgeht, in dem sich Gott offenbart? Dieses Wort ist das Weihnachts-präsent, die Präsenz Gottes in der Welt, das Kind in der Wiege.)

 

Ein Buch in Schönschrift zeigt auf die Schreibkunst seines Schreibers hin. Ein prächtiger Palast zeigt wiederum auf die hervorragende Kunstfertigkeit des Erbauers. Diese Künste und Eigenschaften erfordern ein Wesen, von dem diese meisterhaften Zierden und Künste stammen.

 

(Welche Erkenntnis würde uns erwachsen, wenn wir, wie dies im Text der Moslems zum Ausdruck kommt, die Schöpfung als Wort Gottes wahrnehmen würden.  Neu den bereits von Schelling, Heidegger und vielen anderen Philosophen erkannten Verstand, der hinter allem Geschehen der Genesis incl. der menschlichen Geschichte steht als Sohn Gottes, Grund unseres Glaubens verstehen.)

 

Es gibt eine Aktionsweisheit, die den ganzen Kosmos umfasst, die wiederum permanent, geordnet und erhaben ist.....So wird durch diese permanente, weise herrschende Aktivität, jenseits des Schleiers ein absolut mächtig-tätiges und allwissendes Wesen erkennbar.

 

(Erst wenn wir in diesem Wesen das Wesen-tliche erkennen, das sich hinter der Person unseres Religionsgrundes verbirgt, können wir verstehen, um was es in den um- und heute oft abgestrittenen Glaubensdogmen geht. Dominus Jesus gilt auch für die Moslems.)

 

Die Quelle dieser Attribute ist ein Wesen, auf dessen Existenz die Tätigkeit und Aktivitäten im Kosmos zeigen. Denn in der Schönheit, Vollkommenheit und Werte in der Schöpfung zeigt sich die göttliche Herrschaft....Sprechen ist ein Akt es Wissensbesitzenden...wobei unser Wissen als ein Abklatsch des schöpferischen Wissens verstanden wird....Hören ist eine Aufgabe dessen der Wissen hat...

 

Wenn in der modernen christlichen Exegese zumindest die synoptischen Evangelien auf eine Spruchquelle zurückgeführt werden, dann speist sich diese Quelle nicht aus Legenden, die damals von einem besonders begabten jungen Juden erzählt wurden. Auch geht es nicht um ein pures Aufwärmen der heute als Altes Testament bezeichneten Weisheitstexte, wie dies die heutige Theologie bemüht ist nachzuweisen. Das Wesen, von dem im Neuen Testament gesprochen wird lebt. Es ist das Wesen, dessen Wahrnehmung im Weltbild der Moslems wesentlich lebendiger ist, als bei sog. Christen.

 

 

(Mancher mag die Aussagen, die eine kosmische Gotteswahrnehmung zum Ausdruck bringen für überholt halten. Darin nur eine Nachstufe der Naturreligiosität sehen: abgelöst durch die Aufklärung, längst überholt. Doch gerade in den obigen Auszügen zum moslemischen Verständnis Allahs zeigt sich, dass das Verständnis des Schöpfers gerade im naturwissenschaftlichen Weltbild nicht nur möglich, sondern höchst glaubensNOT-wendig ist. Von den Muslims können wir lernen den Verstand zu gebrauchen, um Gottes Wort neu zu verstehen.)