Nur ein vernünftiges
Gottesbewusstsein führt zum vernünftigen Miteinander der Menschen: Von der
Notwendigkeit einer neuen Theologie angesichts religiösen Wahnsinnes.
Die Verantwort der Theologie
für Vernunft und Unvernunft der Gesellschaft
Die für die grausamen Taten,
die heute im Namen Gottes/Allahs geschehen verantwortlichen, verstecken sich nicht in den Bergen von
Afghanistan. Auch der unbeantwortete
Antiamerikanismus oder die Armut der sog. dritten Welt und die Ungerechtigkeit,
in der ein unbändiger Hass gegen den Westen
wächst. All dies muss gesehen werden, trägt jedoch nur sekundär die
Verantwortung für das was geschehen und mit Sicherheit durch Kriegsgewalt auf
Dauer nicht zu verhindern ist. Alles
was wir aufzählen sind Symptome. Die Ursache sitzt tiefer. Ich sehe sie in
einer Theologie, die krampfhaft an gewohnten Vorstellungen festhält, gleichwohl
sie ihren Glauben selbst verleugnet und so eine universale Gotteswahrnehmung
bzw. ein Verständnis des präexistenten Logos (einer der gesamten Schöpfung
innewohnenden höheren Vernunft)
verhindert.
Die Frage nach der
Verantwortung für den Terror, der aus dem Glauben heraus begründet wird, ebenso
wie die in Wirklichkeit unvernünftige Lebensweise in einer entsäkularisierten
westlichen Gesellschaft, muss
wesentlich weiter gehen, als in heutigen Fernsehdiskussionen, die allenfalls
den geschichtliche Hintergrund der Entwicklung versuchen zu beleuchten. Der
Geist ist zu hinterfragen, der das Denken der Menschen vom Grund her bestimmt.
Ist unser christliches Betriebssystem noch geeignet für die Anwendungsprogramme
einer angeblich aufgeklärten und freien Welt, die zum Dorf geworden ist? Welche
Antwort hat die christliche Theologie auf die Aufklärung außer einem Abbau der
eigenen Glaubensgrundsätze? Wie lässt sich die Freiheit zum geistigen
Fortschritt des Glaubens nutzen: Vertiefung statt Verleugnung? Was ist die
theologische Antwort unserer Zeit auf eine global denkend und handelnde Welt,
in deren Schulen Schöpfung in einheitlichen wissenschaftlichen Begriffen
beschrieben wird?
Auch der Missbrauch von
Religionen für politische Zwecke zeigt die Notwendigkeit für eine Erneuerung
des Glaubens. Denn je unvernünftiger eine Religion ist, je weniger Rückgrad in
realen Begründungen sie selbst hat, desto mehr läuft sie Gefahr, der Unvernunft
– egal welcher Form - eine Plattform zu bieten. Sie wird zum wirkungsvollen Mittel geistiger Manipulation. Während die Manipulation der
religiösen Moslems von einem krankhaften und politisch verdrehten Glauben
ausgeht, manipuliert sich die gott- und sinnlos gewordene westliche Welt
gegenseitig im Namen einer nur dem Selbstzweck dienenden Wirtschaft, die vom
Sinn des Begriffes her, längst unwirtschaftlich geworden ist. Ein vernünftiges Gottesverständnis auf
realer universeller Grundlage, das für unsere Väter noch eine hoffnungsvolle
Vision war und von heutiger Theologie als Utopie belächelt wird, ist zur dringenden Not-wendigkeit geworden.
(Gerade im Hinblick auf die
Täter des aktuellen Terror: meist
hochintelligenten jungen Mohammedaner, die laut ihren deutschen
Mitstudenten engagiert denkende tiefreligiöse Ideologen waren, lässt sich das
Problem nicht in politischem Aktionismus und
Stammtischparolen vom Tisch wischen. Die Theologie ist gefordert.)
Die folgenden Überlegungen
gehen davon aus, dass die Gotteswahrnehmung
für das Funktionieren der Gesellschaft notwendig ist, ein vernünftiger
Glaube die Voraussetzung für ein vernünftiges Leben ist. Im Umkehrschluss kann
allerdings eine Geistlichkeit, die sich nicht für den Geist der Gesellschaft
verantwortlich sieht – so Theologie der Gegenwart - auch keine Verbesserung für
die gesellschaftliche Situation bieten. Was aber soll eine solche
Religion? Sie wird nicht gebraucht.
Ohne eine Funktion für das gesellschaftliche Funktionieren (was die Verantwortung für die Fehlfunktion
einschließt) ist sie ist purer Selbstzweck,
bedient allenfalls noch den
inneren Seelenfrieden ihrer blinden Anhänger. Durch Moralpredigten,
Aufruf zum richtigen Verhalten, ethischen Anmahnungen... all das was heute von
den Kanzeln schallt und in Kirchenblättern nachzulesen ist, wird die
Geistlichkeit ihrer Verantwortung noch
lange nicht gerecht. Dafür allein über viele Jahre Kirchensteuer zu kassieren
ist Betrug an der Gesellschaft. Die Theologie ist die Softwareschmiede für das
geistige Betriebssystem auf dem die verschiedenen gesellschaftlichen Programme
aufbauen. Theologie hat für ein vernünftiges Gottesverständnis zu sorgen.
Gesellschaftliche
Fehlentwicklungen sind die Folge von geistiger Missbildung, nicht umgekehrt.
„Gott ist groß“ bzw. „Allah ist allmächtig“ riefen die arabischen Antiamerikaner, als sie vom Tod der vielen Tausende hörten. Auch Präsident Bush rief zum Gebet auf, erbat Beistand für seine blutige Vergeltung. Nach wie vor scheint der Glaube die Ursache für Krieg und Terror zu sein, verantwortlich für die menschliche Unvernunft. Wer in diesen Tagen logisch begründen will, warum der Glaube Voraussetzung für ein vernünftiges Miteinander der Menschen ist, der muss sich warm anziehen.
Gleichzeitig gilt es zu belegen, wieso ein neues Jesusverständnis bzw. ein neues christliches Selbstverständnis dringender denn je notwendig ist. Nicht nur der von den Selbstmordkommandos der Moslems vertretene Glaube ist eine Fehlentwicklung oder versäumter Fortschritt auf dem Weg einer evolutionären Erkenntnis des Schöpfers, die ins Stocken geraten scheint. Auch das, was in der westlichen Welt und insbesondere bei den Amerikanern an christlichem Glaube zum Ausdruck kommt, ist völlig Abseits jeglicher Vernunft. Was wir dem Glauben des Nahen Ostens an Unsinn vorwerfen, ist letztlich nur ein Spiegelbild der Unvernunft des eigenen Glaubens. Der Logos, die gelebte Vernunft Gottes, die der eigentliche Grund christlichen Glaubens sein sollte, kommt in heutiger Kirchenlehre nicht vor. Es wird höchste Zeit die Vernunft des Glaubens - das geschichtliche nachvollziehbare christliche Gottesverständnis - neu zu begründen.
Wenn Jesus nur der wäre, als den ihn die heutige Theologie sieht, dann könnte der Drahtzieher der unmenschlichen Terrorakte für die Moslems dessen Rolle spielen. Wer nicht an das lebendige Wort und die von diesem ausgehende Lehre, sondern nur an einen von seinen Anhängern verherrlichten Menschen glaubt, der könnte sich ebenso gut auch den islamitischen Terrorgruppen anschließen.
In verschiedenen Überlegungen zur aktuellen Entwicklung und den Fehlentwicklungen des fälschlicherweise als Fundamentalismus bezeichneten Glaubens, will ich Probleme aufzeigen, die es dringend notwendig machen, Jesus als Grund unseres Glaubens aus einer neuen Perspektive heraus, die der wahrhaft historischen entspricht, zu verstehen.
Auf beiden Seiten der Fronten führt ein fehlentwickeltes Gottesverständnis das Wort, ruft zum Glaubenskrieg und der Vergeltung auf. In Amerika und Afghanistan werden Menschen mit Gebeten in Berufung auf Gott zum Unsinn angestiftet. Doch moralisierende Verurteilungen, wie sie unsere Kirchenblätter füllen, helfen nicht weiter. Notwendig ist ein neues vernünftiges monotheistisches Gottesverständnis, wie es vor 2000 Jahren dort gepflanzt wurde, wo heute der Unsinn regiert. Weder Juden, Christen noch Moslems haben ihre wahren geistigen Wurzeln in dem, was einzelne Menschen geschrieben oder gesagt haben, sondern im universalen Wort (hebräisch: Vernunft, griechisch: Logos, christlich: Sohn) Gottes, das sich in aller natürlichen Schöpfung, im gesamten, heute wissenschaftlich zu beschreibenden Werden des Kosmos ausdrückt.
1. Wenn wir die Vernunft/Sinn des Schöpfers nicht wahrnehmen wird Religion
zum Wahnsinn
(Die Probleme der Religion im Spiegel des
derzeitigen Geschehens. Wie Wahnsinn zum Wille Gottes gemacht wird.)
Einen
religiösen Rückfall ins Mittelalter beklagen die Zeitungen angesichts der
schrecklichen Tat, die im Namen Gottes begangen werden. Und wieder scheint es
sich zu bewahrheiten: Stillstand ist Rückschritt, auch in der Religion.
Eine
Religion – und dies gilt nicht nur für den Islam, sondern für den Monotheismus
insgesamt – die sich nicht weiterbebewegt, neues hinzulernt, so dem Logos der
gesamten Schöpfung folgt, fällt zurück, wird zu dem, was wir heute bitter
beklagen.
Fanatische
Priester, die eine großartige geistige Macht missbrauchen, die Menschen
manipulieren, statt zur Weiterentwicklung der vernünftigen Schöpfung, zur
vernunftlosen Vernichtung anleiten. Bei den blutigen Terrorakten im Namen
Allahs wird der Unsinn besonders augenfällig. „Dies ist die Stunde, in der du
Gott treffen wirst....bete zu Gott, er hilft dir dies zu tun...wenn Du im
Flugzeug bist bete.....eine Tat für Gott und die ganze Welt. Bete, Bete,
Bete....“. So lesen sich die Befehle für die Glaubenskrieger, die für uns wie
ein Dokument religiöser Paranoia klingen. Das Schlimme scheint mir, dass der
Schöpfer nicht nur missbraucht wird, sondern dass die fundamentalistischen
Moslems wirklich glauben: Gott will es. Der furchtbarste Terroranschlag der
Geschichte wurde so im Namen Gottes verübt.
Doch sind wir wirklich besser?
Kennen wir wirklich den Willen des einen Schöpfers, nehmen wir ihn noch
wahr, oder buchstabieren wir nur alte Bücher, die im Laufe unserer christlichen
Geschichte schon für viele Gräueltaten herhalten mussten und in die wir heute
mit einer himmelschreienden Beliebigkeit eigene Moralvorstellungen hineinlesen?
In Ost und West haben wir es mit einem Glaube zu tun, der sich den Gesetzen der
Vernunft entzieht.
Geht
die Offenbarung von Gründergestalten aus oder gründet sie auf das lebendige
Wort, das in den verschiedenen monotheistischen Religionen nur auf
unterschiedliche Weise wahrgenommen bzw. umgesetzt wird? Ist monotheistische
Offenbarung wirklich nur niedergelegt in alten heiligen Büchern, die sich heute
willkürlich interpretieren lassen oder geht die offensichtliche Wirklichkeit
Gottes vom lebendigen Wort aus?
Mit
verschiedenen Büchern oder Gründerpersönlichkeiten grenzen sich die Religionen
voneinander ab, erheben gegenseitig Alleinseligmachungsansprüche und verkehren
den Geist der ihrem jeweiligen Gottesverständnis zugrunde liegt ins Gegenteil.
Nicht nur dem säkularen Gemeinwesen der westlichen Welt, auch den christlichen
und islamitischen Fundamentalisten fehlt ohne die Wahrnehmung des universalen
Logos als schöpferisches Wort die Legitimationsgrundlage, das eigentliche
Fundament.
Während
der Westen Abbau betreibt, christliche Glaubensgrundsätze nur noch Gegenstand
kirchlicher Lippenbekenntnisse und einzelner theologischer Diskussionen sind,
als für das gesellschaftliche Leben völlig belanglos gesehen werden, rufen die
Moslems nach einem Gottesstaat. Seit der sog. Aufklärung hat Religion für
unsere westliche Welt keine gesellschaftsbildende Funktion mehr, scheint das
Verständnis eines vernünftigen Schöpfers für deren Funktionieren nicht mehr
bedeutend zu sein. Doch ist die Idee einer vom Glauben an Gott unabhängigen Ethik
nicht bereits eine überholte Ideologie? Zeigt sich heute nicht bereits am
Scheitern des gottlosen Humanismus, ob in kommunistischer oder kapitalistischer
Umsetzung, dass gesellschaftliches Gelingen eine gemeinsame vernünftige
Gotteswahrnehmung voraussetzt? Wir wissen zwar, dass eine freiheitliche
Gesellschaft, wie sie im Westen praktiziert wird, die besseren
Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Doch zeigt sich nicht gerade am freien, mit
ungeahnten technischen Möglichkeiten ausgestatteten Menschen, dass ein wahrhaft
vernünftiges und auf Zukunft ausgerichtetes Leben sich nicht allein am Ego des
eigenen Logos ausrichten kann? Wäre
nicht z.B. die Wahrnehmung des schöpferischen Wortes Voraussetzung für ein
nachhaltiges ökologisches Verhalten und ein gesamtheitliches Weltwirtschaften?
Doch solange der Westen nicht fähig ist, seine eigenen geistigen
Fehlentwicklungen wahrzunehmen, sich
weiter nur selbst verherrlicht, wird er nicht erkennen, um was es den in
veraltete Fundamente zurückgefallenen Moslems geht. Sie sehen, dass an der
Denk- und Lebensweise der westlichen Welt etwas nicht stimmt, wollen sich und
ihre Völker vor den Gottlosen schützen und hoffen auf ein messianisches Wunder.
Es
sind nicht nur die dumpfen Massen von mittelalterlich denkenden Menschen, wie
sie in den Medien zu sehen sind, die sich mit Osama Bin Laden Plakaten
gegenseitig anstacheln, sondern junge intelligente Moslems, die im Westen
studiert und sich intellektuell mit unserem Glauben und unserer Welt
auseinandergesetzt haben. Sie hoffen auf einen Messias der sie vor den
Ungläubigen schützt, die den in ihren Augen völlig falschen Lebensstil
imperialistisch per moderner Medien und Wirtschaftsmacht in die gesamte Welt
bringen. War es nicht vor 2000 Jahren, als die Römer als Weltimperatoren auftraten
und die jüdische Religion an den Rand drängten, ähnlich? Wird in der kirchlich
anerkannten Befreiungstheologie Jesus nicht auch als eine antiker Befreier
gefeiert, ein Mensch der dafür sein Leben ließ. Und nicht nur in einem auf
diese Weise missverstandenen Neuen Testament, auch in alttestamentlichen Mythen
finden sich viele Beispiele für menschliche Märtyrer. Solange wir im
christlichen Messias nur einen Menschen sehen, der wegen seines Glaubens sein
Leben hingab und auch die Mythen des Alte Testamentes nur als ausgeschmückte
Erzählungen von menschlichen Muskelprotzen lesen, statt sie als Allegorien
einer realen Geistesgeschichte zu verstehen, die jeweils zu einem Fortschritt
führte, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn ins Mittelalter geflüchtete Moslems
Bin Laden für einen Messias halten. Auf der Gegenseite wird dann im Glauben die
Ursache für die Gewalt gesehen und vor Menschen gewarnt, die im Glauben mehr
sehen, als ein individuelles Placebo. Menschen mit Hoffnungen auf den Messias,
der gar gesellschaftsändernde, heilsbringende Funktionen haben sollte, die
werden als fundamentalistische Fehlentwicklungen abgetan. Angesichts der von
ihnen ausgehenden Gefahr werden sie richtigerweise künftig als religiös
getarnte politische Vereinigungen verboten.
Selbst
die bereits von den Römern praktizierte Glaubensfreiheit, die wir nach vielen
Jahren Pause wieder mühsam eingeführt haben, läuft so allerdings Gefahr,
unterwandert zu werden. Im Abbau der Freiheit sehen heute die, die sie in
jungen Jahren auf der Straße gefordert haben, die einzige Chance sich gegen die
Gewalt der Unvernunft zur Wehr zu setzten. In logischer Konsequenz, und
angesichts der religiös bedingten Gewalt, die gerade angesichts des derzeitigen
Terrors aufaddiert wird, von Kreuzzügen über Hexenverbrennung bis zu den
Kriegen der Gegenwart, müsste man Glaube gleich ganz verbieten. Ein Glück, dass
sich der christliche Glaube aus gesellschaftlichen Fragen weitgehend
zurückgezogen hat, nur noch kulturelles Beiwerk ist, das allenfalls in einzelnen
ethischen Fragen – Empfängnisverhütung & Co. - versucht den Gesetzgebern in die Suppe zu spucken. Damit kann man
leben, das lässt sich noch im Griff halten. Bei passenden Gelegenheiten ist
dieser Glaube sogar noch als kultureller Mantel tauglich, um z.B. gemeinsame
politische Gedenkveranstaltungen feierlich auszuschmücken. Doch mehr nicht, das
wäre gefährlich. Von Messiaserwartungen ganz zu schweigen. Gott bewahre uns vor
einem Rückfall in die Religion, die im realen Leben etwas bewegen will. Und so
polemisch oder absurd das alles auch klingen mag, ich denke es ist gut so. Denn
was wir derzeit als Religion bezeichnen, ist nur das nicht mehr zeitgemäße
Gottesbewusst sein von Gestern. Ein Glaube, der nur auf gestrige
Gotteserfahrungen baut, kann heute keine gesellschaftlichen Funktionen mehr
erfüllen, schon gar nicht einen geistigen Fortschritt bewirken. Gott will
nicht, dass wir weiter nur unsere politischen Meinungen und ethischen
Moralvorstellungen in alte Texte hineininterpretieren. Er will auch nicht, dass
wir weiterhin nur bestimmte Menschen verherrlichen, an sie unsere Hoffungen
hängen, wie dies nach dem Vorbild des bisher so gesehenen christlichen Messias
geschieht.
Die
westliche Welt, die ihre messianischen Hoffnungen längst aufgegeben hat, deren
Visionen nur noch in Nebensächlichkeiten hängen bleiben, kann die Moslems nicht
verstehen. Auch blindgläubige christliche Traditionalisten (ebenfalls
fälschlicherweise als Fundamentalisten bezeichnet), die nach einer
Re-christianisierung rufen, werden als
ewig Gestrige gesehen, was sie großteils auch sind. Doch damit gleich die
messianischen Hoffnungen, die Verfasser der christlichen Texte hatten zu
verwerfen oder als Aufwärmen alttestamentlicher Texte zu werten, wie dies
theologisch heute geschieht, macht uns hoffungslos. Ohne eine messianische
Hoffung wie wir sie heute den von menschlichen Führern verblendeten Moslems
vorwerfen, wird der christlicher Glaube zur leeren Worthülse. Denn der
„Christus“ nach dem wir uns benennen, ist kein zufälliger Name, sondern eine
Funktionsbezeichnung. Doch die Funktion auf die wir warten, war nicht vor 2000
Jahren und wird heute noch wenige durch charismatische Zweibeiner zu erfüllen
sein.
Ein
vernünftiger, auf die Vernunft des einen Schöpfers gründender Glaube als Bringer geistigen Fortschrittes,
Lösung weltgesellschaftlicher Probleme, ist für uns noch unvorstellbar.
Messianische Hoffnungen und Erfüllungen, die eigentlich Hauptbestandteil des
christliche Glaubens sind, werden verleugnet.
Längst ist die Bezeichnung Messias als hellenistischer Hoheitstitel für einen
jungen Juden von der Theologie abgetan. Hoffnungen auf ein Heilsgeschehen, das
von einer neuen vernünftigen Wahrnehmung des schöpferischen Wortes/Vernunft
ausgeht, können so nicht verstanden werden. Wo nur Gestrig-gläubige mit „Jesus
lebt“ Schildern durch die Gegend laufen; wo die unvernünftige Wirtschafts- und
Lebensweise des Westen als Ideal
dargestellt wird; wo die
Oberflächlichkeit des derzeitigen Weltbildes nicht gesehen werden will; wo die
Hoffnung auf Heilswirkung, vernünftiges Leben durch die Wahrnehmung
schöpferischer Vernunft und eine vernünftige Offenbarung, also einen
vernunftbedingten Glauben, nur müde belächelt wird; wo die Theologie die
Bezeichnung Messias nur als Hoheitstitel für einen charismatischen Menschen
versteht, wird der Logos mit Füssen getreten. Das Bild vom Messias mit der
Dornenkrone wird zeitgeschichtliche Realität.
Gleichwohl
am Anfang des gemeinsamen Monotheismus die Wahrnehmung eines Gotteswortes im
schöpferischen Geschehens, also einer universalen Vernunft stand, versuchen
sich heute die drei monotheistischen Religionen der Vernunft zu entziehen,
erklären sich jeweils zur Religion eines bestimmten Buches oder eines Gründers.
Nachdem uns der Verstand für das ewige Wort Gottes verlorengegangen ist, suchen
wir die Begründung in Büchern und Gründern. Während die christliche Welt ihren
Grund, den Messias verleugnet, einen Glauben predigt, der sich nur auf einen
Menschen bezieht, der verherrlicht worden sei, warten Juden und Moslems weiter,
auch wenn dies auf gegeneinander gerichteten Fronten geschieht.
2. Ein Mensch kann kein Messias sein
Nach seinem Aussehen könnte der Kopf der unmenschlichen Grausamkeiten in Oberammergau glatt die Hauptrolle spielen. Ein Orientale mit Bart und Sandalen....Auch wenn dieser Gedanken verrückt klingt, ganz so stellen wir uns im kindlichen Gemüt den Jesus vor, den die heutige Theologie für den historischen hält.
Doch das Aussehen ist es nicht allein. Aus fundamentalistisch-moslemischer Sicht betrachtet, vom Blickwinkel seiner glaubensüberzeugten Anhänger aus, könnte er glatt ein islamistischer Messias sein:
- Von seinen Jüngern wird er verherrlicht und für etwas ganz besonderes gehalten.
- Er sowie seine Anhänger sind bereit, für ihren Glauben zu sterben.
- Sein Vermögen, seine Familie...hat er aufgegeben, um der göttliche Sache zu dienen.
- Ein Bewahrer des traditionellen Glaubens, einer gegen alle, David gegen Goliath, ein Rebell, der sich vor nichts fürchtet und nicht unterzukriegen ist.
- Ein Mensch mit besonders charismatischer Ausstrahlungskraft, der andere in seinen Bann zieht....ganz so, wie die Kirche den angeblichen historischen Grund ihres Glaubens verkündet.
Die höchst makaberere Reihe lässt sich beliebig fortsetzen. Fromme Christen und Theologen würden jetzt heftig wiedersprechen und zahlreiche Gründe aufzählen, warum Jesus der bessere und überhaupt ganz anders war. Doch so lange wir im historischen Jesus nur einen Menschen sehen, der von seinen Anhängern als Sohn Gottes bezeichnet wurde, einen charismatischen Wanderrebellen, von dem eine besondere Kraft ausging, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn unsere moslemischen Brüder dem blanken Irrsinn aufsitzen. Die Folgen eines fehlgeleiteten oder für politische Zwecke missbrauchten Glaubens sind bitter.
Auf was wartet die heutige Theologie in Wirklichkeit, wenn sie vom Wiederkommen Jesus spricht? Sind alle Hoffnungen nur leerer Sing-Sang oder glauben wir Wirklich an ein Wiederkommen des Erlösers? Wer und was kommt wieder? Von den Professoren und Studenten heutiger Theologie geht doch keiner im Ernst davon aus, dass von einer menschliche Einzelgestalt die Erlösung, die Problemlösung unserer gesellschaftlichen Unvernunft, die Rückkehr zum Glauben ausgehen könnte. Doch solange die christliche Theologie weiterhin so tut, als wenn ein Mensch der Messias wäre, braucht sie sich nicht zu wundern, wenn die Moslems Osama bin Laden für ihren Messias halten.
Die grausamen Folgen sind bekannt!
3. Seit
2000 Jahren haben Menschen als Glaubensgrund und Maßstab für das Verhalten
ausgedient
Während die christliche Kirche nach wie vor den historischen Menschen Jesus, einen im Geist oder gar leiblich wiedererweckten Märtyrer, für den Grund ihres Glaubens hält (statt im präexistenten Logos in Menschengestalt die historische Grundlage wahrzunehmen), würden dies die verblendeten Moslemrebellen weit von sich weisen. Auch wenn sie den terroristischen Guru verehren, ihr Glaube gründet allein auf Allah, den rein monotheistischen Schöpfer, von dem alles ausgeht. (An anderer Stelle habe ich ausgeführt, warum ich denke, dass Moslems mit ihrer Gotteswahrnehmung dem urchristlichen Glaubensgrund weit näher stehen, als wir.)
Im Gegensatz zu unserem heutigen christlichen Selbstverständnis sind weder der Prophet Mohamed noch sich auf ihn berufende menschliche Personen der Glaubensgrund des Islam. Und doch geht die Verblendung der Moslems von Menschen aus. Es sind menschliche Autoritäten, die mit einer vom monotheistischen Schöpfer ausgehenden Vernunft nichts zu tun haben. Im völligen Gegensatz zu dem, was den ursprünglichen Geist ausmacht, dem mit Sicherheit auch der Lehre Mohameds zugrunde liegenden Logos, werden alte Traditionstexte durch menschliche Lehrer völlig fehlinterpretiert bzw. müssen zur Begründung eigener Meinungen und Moralvorstellungen herhalten.
Weder römische Gottkaiser noch jüdische Gesetzesgelehrte oder griechische Philosophen waren Grundlage des christlichen Glaubens. Durch das vor 2000 Jahren in Jesus begründete neue Paradigma des Monotheismus wurde die Gottesverehrung in Form menschlicher Personen oder aufgrund nur von Menschen ausgehenden Lehren überwunden. Der Logos (ein in der gesamten Schöpfung sichtbarer Verstand, der von einem unsichtbaren Schöpfergott ausging) in Menschengestalt war Vermittler des neuen monotheistischen Gottesverständnisses und Lehrer des Verhaltens. Wer allerdings im historischen Jesus nur einen Menschen lehrt oder auch z.B. hinter dem essenischen Lehrer der Gerechtigkeit nur einen Menschen vermutet, wie dies heute an den theologischen Hochschulen geschieht, der läuft Gefahr, dass seine Schüler weiter menschlichen Messiasen nachlaufen, ob sie Hitler oder bin Laden heißen.
4. Das
fehlende Fundament der Fundamentalisten
Man muss sich die strengen Glaubensschulen, in denen der Hass über die scheinbar gottlosen Amerikaner geschürt wird und aus denen die modernen Märtyrer hervorgehen ernsthaft vor Augen halten. Wir sehen hochintelligente Menschen, die denken, durch ihre höchst unheilvollen Handlungen zur Heilsentwicklung beizutragen, dem göttlichen Willen gerecht zu werden. Allein oberflächlich ihre Ansichten als falsch oder veraltet abzulehnen, wie dies in der westlichen Welt Tag für Tag geschieht, führt nicht weiter: so lassen sich die eigentlichen Probleme nicht erkennen. Es gilt, sich mit der Grundlage der gemeinsamen monotheistischen Theologie zu befassen, die viel tief liegt als oberflächlich betrachtete Verhaltenslehren, die hüben wie drüben den ursprünglichen Geist ins Gegenteil verkehren.
Eine Gemeinsamkeit, die moslemische und christliche Fehlentwicklung eint: allein in einer konserativen Haltung wird das Heil gesehen. Ob Amerikaner oder Araber: Glaube wird als Bewahren des Gestern betrachtet. Auch wenn die Ansichten der verschiedenen Parteien völlig gegensätzlich sind, Traditionen, Texte und Rituale stehen jeweils im Vordergrund. Die Grundlage des Gottesverständnis ist nebensächlich, wird als persönliche Sache gesehen oder auf alte Schriften, Gesetze zurückgeführt. Wichtig ist nur die Einhaltung von gesellschaftsmoralischen Vorschriften und Verhaltensweisen.
So verhasst das jüdische Volk für die Araber auch ist, der von den jüdischen Fundamentalisten geübten Denkweise, scheinen die radikalen Moslems zu folgen. Doch was taugt ein Fundamentalismus, dem das geistige Fundament fehlt? Weder im Westen noch im Orient wird das von den Vätern des gemeinsamen Monotheismus verstandene schöpferische Wort als Grundlage des Glaubens gesehen. Die christliche Theologie versteht sich als reine Buchreligion und sieht so auch allein im Koran das Fundament des Glaubens der Moslems. Doch wie sollen die Moslems den schöpferischen Verstand erkennen, der hinter den Geschichten der Bibel steht und auf den mit Sicherheit auch Mohamed baute. Statt ein in aller realen Schöpfung wirksames Wort wahrzunehmen, bleibt Glaube nach wie vor eine Art Stammesangelegenheit. Weiter hat jeder nur seinen Text, seine Tradition, seinen menschlichen Religionsgründer vor Augen und nicht den eigentlichen Grund allen Monotheismus. Dem sogenannten Fundamentalismus fehlt das gemeinsame Fundament des Monotheismus: Denn der wahre Schöpfer der Welt hat nur ein Wort. Doch weiterhin hält jeder seinen Text, in den vieles hineininterpretiert, für den Richtigen. Jede Religion meint den gottgewollten Gründer zu haben und übersieht dabei den schöpferischen Grund. Jeder hört ein anderes Wort, das er für das wahre hält.
5.
Viele Bücher, ein Wort
(Problem der Buchstaben als Glaubensgrund. Der Koran und die Bibel: Wo das lebendige Wort nicht verstanden wird, verkehren Menschen die Buchstaben der Gesetzte in Gegenteil. Menschen und ihre Worte werden zum Maßstab, wenn das Wort Gottes nicht verstanden wird.)
In Folge der Terroranschläge wird nach neuen Gesetzen gerufen. Doch alles, was so lautstark gefordert wird, ist eine Einschränkung der Freiheit, auf die wir noch vor wenigen Jahren so stolz waren und die eine Errungenschaft geistigen Fortschrittes war und ist. Es scheint auch hier ein Rückschritt notwendig, um sich zu retten. Ein Fernsehmoderator forderte ein Gesetz mit Verfalldatum, damit nur in Notfällen, wie derzeit, die mühsam gewonnene menschliche Freiheit beschnitten werde. Eigentlich eine gute Idee.
Doch ich denke, dass Gott diese Idee schon lange vorher hatte. Denn den menschlichen Gesetzen hat er das Verfalldatum bereits bei ihrer Entstehung mit auf den Weg gegeben.
6. Das
Gottesvolk ist kein bestimmter Stamm, sondern wo das Volk sein Wort versteht
und lebtd.
Mit dem Verständnis eines die gesamte Schöpfung be-stimmenden Wortes bzw. einer all-umfassenden Vernunft als Sohn des einen allmächtigen Gottes ist eigentlich bereits vor 2000 Jahren ein vernünftiges universelles Gottesverständnis geboren. Doch eine Theologie, die im historischen Jesus nur einen antiken Che Guevara (für radikale Moslems Osama bin Laden) verkündet, der als Christus verherrlicht wurde, trennt weiterhin. Da nützt es auch nichts, wenn sie sich dogmatisch auf einen universellen christlichen Glauben beruft. (Im alten Verständnis bleibt dies nur ein Anspruch auf Alleinseligmachung, der anderen bisher aufgedrückt wurde. Weit radikaler und überheblicher als dies die Moslems derzeit praktizieren.)
Wer seinen Glauben auf Gesetze baut, die von der eigenen Tradition vorgegeben sind oder auf historische Persönlichkeiten des eigenen Volkes, der neigt dazu, andere nicht mit Verstand, sondern Gewalt zum Glauben zu bewegen. Das Christentum ist das beste Beispiel. Wäre die christliche Kirche noch das, was sie bis vor wenigen Jahrzehnten war, Innenminister Schily müsste sie als radikale Glaubensvereinigung glatt verbieten.
Solange der Grund des Glaubens in Gesetzen liegt, die einem bestimmten Volk gegeben wurden oder in Einzelgestalten, die von einem Volk verherrlicht werden, gibt es in Wirklichkeit kein universelles Gottesverständnis, sondern nur eine gegenseitige Überheblichkeit. Doch die kann sich eine global gewordene Weltgemeinschaft nicht mehr leisten. Kein vom Westen aufgesetzter Weltethos, sondern ein universales Gottesverständnis mit unterschiedlicher kultureller Ausprägung, das nicht von Gewalt, sondern gemeinsamem Verstand getragen wird, ist unumgänglich. Ein Utopist, der denkt, dass eine Weltgesellschaft wie unsere, mit einer freien und grenzenlosen Lebensform, einem globalen Wirtschaften und Kommunizieren ohne einen gemeinsamen Glaubensgrund mit unterschiedlichen Gesichtern auskommt.
Neben den angesprochenen theologischen Gründen wären viele gesellschaftspolitische Fehlentwicklungen aufzuzählen, die mitverantwortlich für das grausame Geschehen sind, das sich in aller Welt abspielt. Doch auch die gesellschaftlichen Entwicklungen werden geprägt durch die fehlende Erkenntnis einer universellen Vernunft. Denn unser kollektives Denken und Verhalten wird von einem Geist gesteuert, der tiefer sitzt.
- Wenn nicht nur im Nahen Osten, ebenso wie in Amerika Auge um Auge gepredigt wird,
- wenn wirtschaftliche Ungerechtigkeiten, ein verhungerndes Land wie Afghanistan und ungerechte Weltverhältnisse den Nährboden bieten,
- wenn die westliche Welt, an ihrer Spitze Amerika, obwohl hier fleißig gebetet wird, das Bild einer gottlosen Gesellschaft abgibt und somit zum Feinbild wird,
- wenn unter dem Deckmantel der angeblich wirtschaftlichen Notwendigkeit globale Un-wirtschaft betrieben wird, die nicht nur der gesamten nächsten Generation sondern bereits heute ganzen Erdteilen die Lebensgrundlage nimmt, dann zeigen auch alle gesellschaftspolitischen Entwicklungen die Notwendigkeit einer universellen vernünftigen Erkenntnis.
(Während bisher nur Bodenschätze gestohlen wurden, wird jetzt sogar in Indien die Intelligenz geplündert und per Greencard importiert, statt wirkliche Wirtschaftshilfe zu leisten, gemeinsam als Werk-zeuge Gottes sein Werk zu be-wirtschaften, in seinem Sinne. Und das Schlimme: keiner denkt sich Schlechtes dabei. Die Welt erscheint als lebendiger Un-logos. Dies alles kann auf Dauer nicht funktionieren.)
8. Dämonisierung
ist kein Mittel gegen den Terror
Sehr geehrter Herr Koch,
in Ihrem Kommentar im evangelischen Kirchenboten haben Sie sich sehr treffend mit dem Problem des Glaubensterrors auseinandergesetzt. Es tut gut Menschen zu treffen, die sich tiefgründiger mit den Problemen beschäftigen, als dies selbst die ach so intellektuellen Teilnehmer der unzähligen Diskussionsrunden tun, die Tag für Tag die Fernsehprogramme füllen. Von den vielen oberflächlichen kriegspolitischen Kommentatoren ganz zu schweigen.
Was in Amerika geschehen ist, war kein willkürlicher Zufall. Es war die grausame Antwort auf die westliche Welt, deren Symbole Ziel der Zerstörung waren. Viele Tausend Menschen sind sinnlos getötet worden. (Und im sinnlosen Gegenschlag werden in den nächsten Tage noch weitere Tausende ihr Leben lassen.) Doch dieser Tod wird noch sinnloser, wenn wir weitermachen wie bisher.
Nicht allein die derzeitige Dämonisierung der fundamentalistischen Moslems ist ein Fehler. Gefragt ist ein neues Denken, das tiefer sitzt. Doch das muss meines Erachtens von der westlichen Welt ausgehen. Das Böse auf der Welt ist weder allein der irrgeleitete Glaubensfundamentalismus der Moslems, noch der von den islamistischen Fanatikern als das Böse gesehene und angegriffene Irrsinn des Westens, durch dessen Wirtschaftsweise, wie sie schreiben, täglich nicht nur Zehntausende, sondern Hunderttausende sterben.
Doch was hilft es, wenn wir nach der Politik rufen, die das Primat der Wirtschaft zurückerlangen soll? Es wäre eine Utopie zu denken, durch staatliche Reglementierungen und Gesetze den Menschen zum vernünftigen Handeln zu bewegen. Sicher, wo kein Geist ist, helfen nur Gesetze. Doch damit ist die Welt nicht mehr zu regieren. Eine soziale Weltmarktordnung, wie Sie richtigerweise fordern, funktioniert ebenso wenig wie Küngs dingend notwendiger Weltethos, wenn dieser allein auf menschliche Moralmeinungen, politische Mehrheiten.....gründet.
Für viele unserer Mitmenschen ist es gerade angesichts dessen, was im Namen des Glaubens geschah völlig absurd, wenn ich nach dem Glauben rufe, sein Fehlen verantwortlich mache für das in Wahrheit unwirtschaftliche Verhalten der Menschen, ebenso wie den Unsinn, der angeblich im Auftrag Allahs passiert. Doch so wie die Programme dieses Laptop auf ein Betriebssystem aufbauen und gesteuert werden, so braucht auch das menschliche Denken, brauchen politische Programme und ethische Forderungen einen tieferliegenden gemeinsamen Geist. (Sonderbarerweise funktionieren die PCs weltweit nach einem gemeinsamen Betriebssystem, während bei den Menschen nicht nur jeder sein persönliches hat, sondern die Meisten meinen, völlig darauf verzichten zu können.)
Seit ich im Urchristentum keinen Verein zur Verherrlichung eines Menschen oder zum Aufwärmen der alten Mosesgesetze sehe, sondern damals im positiven Sinne moderne Denker, die die schöpferische Vernunft, den damals wissenschaftlich erkannten Logos als Wort Gottes in Menschengestalt zur geistigen Grundlage hatten (Nicht nur eine präexistente, sondern in menschlicher Ausprägung auch historische Gestalt.) bin ich gewiss:
Ein
vernünftiger Glaube ist heute neu möglich. Nur er kann die Menschen zur
Vernunft bringen. Die Theologie
ist gefragt. Nicht nur den Zeigefinger
gegen die wirtschaftliche Unvernunft des Westens oder den Glaubensterror des
Islam gilt es zu erheben. Geistiger Fortschritt auf dem Weg zur Wahrnehmung einer
universellen schöpferischen Vernunft, das muss das Thema der christlichen
Theologie werden. Wer wie ich davon ausgeht, dass nicht ein charismatischer Wanderprediger oder eine hellenistische
Christianisierung der traditionellen Religionstexte am Anfang der christlicher
Religion stand, sondern eine Vernunft, die nicht von Menschen ausging, der muss
nach einem neuen Verständnis dieses Logos/Gotteswortes rufen.
Auch wenn ich damit im völligen Gegensatz zur heutigen Theologie stehe und man mich als Laien für verrückt halten wird, ich muss meine Gedanken zum Ausdruck bringen. Die Theologie ist derzeit in einem Denken erstarrt, das nur einen Menschen als historischen Jesus und daneben einen sog. Christus des Glaubens wahrnimmt. Wer davon abweicht und im historischen Jesus das antike Verständnis des Logos als Wort Gottes in Menschengestalt sieht, der wird nicht ernst genommen. Denn das passt nicht ins Bild heutiger Hochschullehre, die das Christentum in den puren Gesetzesglauben zurückgeholt hat, die im Geschehen der Zeitenwende nicht den Fortschritt eines neuen Paradigmas, sondern nur eine neue Predigt aufgrund der alten jüdischen Texte wahrnimmt. Die Vernunft des eigenen Glaubens, der Logos der christlichen Religion wird so verleugnet. (In zahlreichen Texten, in denen ich mich mit dem heutigen theologischen Verständnis und historischen Realitäten auseinandersetze, versuche ich derzeit dieses Denken zu begründen.)
Auch der Kirchenbote bietet mir Ausgabe für Ausgabe Anlass zum Weiterdenken. So drückt zum Bespiel Werner Schramm in seiner Andacht - aus aktuellem Anlass über die Kraft des Glaubens – aus, was den christlichen Glauben ausmacht: Der Glaube sei Antwort. Vorher habe Gott gesprochen. Der Glaube komme nach Paulus aus dem Hören (d.h. Verstehen) des Wortes. Doch wenn der ehemaliger Präsident der Evangelischen Kirche der Pfalz denkt, allein die Buchstaben des Evangeliums als die von der Frühkirche sicher sinnvoll ausgewählten theologischen Glaubenszeugnisse seien dieses Wort selbst, dann trennen sich unsere Wege gewaltig. Denn die Antwort, was Wort Gottes in Wirklichkeit ist, gibt der Altpräsident selbst:
Und Gott sprach. Die Schöpfung
geschieht durch das Wort Gottes. Jesus ist dieses Wort in menschlicher Gestalt.
Warum nur fällt es der Theologie so schwer
wahrzunehmen, was sie selbst permanent sagt?
Nicht Menschen hörig sein bzw. auf deren Predigten hören und an deren Texte glauben, wie dies im Buchstabenglauben des Osten wie Westens geschieht, sondern das schöpferische Wort selbst hören und verstehen. Dies müsste meines Erachtens Thema der modernen Theologie sein, die das Evangelium verlangt. Glaube, Gotteswahrnehmung und Erkenntnis seines Willens als vernünftige Offenbarung. Keine Rücknahme der christlichen Religion ins reine Judentum, sondern ein neues christliches Selbstverständnis, das genau dem anfänglichen entspricht.
Die Leserbriefdiskussionen im Kirchenboten sind beste Beispiele für den derzeitigen Unverstand bei der Beurteilung der Bibel. Mir fehlt die Zeit, um alles aufzuzählen, was an geistloser Auslegung einerseits die Bibel zerpflückt und andererseits durch buchstäbliche Betrachtung ins Gegenteil verkehrt. Die Buchstaben sind von Menschen gegeben, der Geist geht von Gott selbst aus. Im Verständnis der schöpferischen Vernunft, wie sie uns die gesamte Naturwissenschaft belegt und von der uns die Bibel berichtet, kann ein universelles Betriebssystem liegen, auf dem die verschiedenen Religionen aufbauen. Auch wenn derzeit durch den traditionellen Glauben, die Hörigkeit gegenüber Traditionstexten und Menschenworten, noch Menschen zu Märtyrern und Massenmördern werden, bin ich sicher: Der Glaube von Morgen wird Gott sei Dank von einem Verständnis der schöpferischen Vernunft selbst ausgehen.
An einem neuen Verständnis dessen, was das Wort Gottes ebenso wie den wanderpredigenden Jesus ausmacht, führt kein Weg vorbei, auch wenn sich die heutige Theologie derzeit noch so sehr bemüht zu behaupten, diesen Weg gäbe es nicht: Der historische Jesus lebt wirklich. Wir müssen ihn bzw. das Wort Gottes nur im heutigen naturwissenschaftlichen Weltverständnis, der heutigen Sprache, neu wahrnehmen.
Nicht nur einzelne Texte müssen zeitbedingt gelesen werden, wie dies Pfarrer Jung in der Rechtfertigung gegenüber konservativen Kirchenbotenlesern betont, was mit Sicherheit weitere Leserbriefe hagelt. Auch das Wort Gottes selbst kann dank unseres Wissens um das vernünftige Werden des gesamten Kosmos neu verstanden werden. An der schöpferischen Vernunft können wir uns ausrichten, nicht am angeblich aufgeklärten eigenen Verstand oder traditionellen Texten. Die ethischen Urteile, wie z.B. zur Ehe von Gleichgeschlechtlichen, über die Ihre Leser heftig streiten, lassen sich nicht dem Text der Bibel begründen, wie dies derzeit auf beiden Seiten geschieht. Gott ist kein Bücherschreiber. Die Schöpfung ist sein Wort. Diesem Wort muss der Mensch ent-sprechen.
Der Bibel als Wort Gottes wird dies keinen Abbruch tun. Vielmehr ist für uns, aus der christlichen Kultur kommend, das neue Verständnis der Bibel erst die Voraussetzung, um das Wort Gottes in der von der Wissenschaft aller Welt in einheitlicher Weise wahrnehmen zu können. Gleichzeitig wird durch das Verständnis eines universellen schöpferischen Wortes der Weg frei für ein tieferes allegorisches Bibelverständnis, das aufhört nach eigenem Gutdünken auszulegen, eigene Meinungen über die Texte stellt oder durch Weglassen und Mythologisierung ständig Abbau zu betreiben. Wenn wir in der Bibel – im Alten wie im neuen Testament - die Beschreibung der Lebens- und Leidensgeschichte des lebendigen schöpferischen Wortes verstehen, das der gesamten Genesis, der Menschheitsgeschichte sowie der Evolution der Erkenntnis zurunde liegt, werden wir sie verstehen, statt sie weiter zu verleugnen und zu entleeren.
Es geht keineswegs um eine Einheitsreligion, die den Menschen übergestülpt wird, sondern ein gemeinsames vernünftige Verständnis des in aller Schöpfung offenbaren Gotteswortes, das sich in verschiedenen Kulturen auf unterschiedliche Weise ausdrückt.
Auch wenn
alles, was ich über ein neues – dem Ursprünglichen entsprechendes -
christliches Selbstverständnis denke, nicht stimmen sollte, wenn mich mein
mangelndes Wissen und Denkfehler zu falschen Schlüssen führt: Wichtig ist nicht
es, nicht nur vor einem neuen Feindbild des Islam zu warnen oder auf die
Fehlentwicklungen der Welt, die zu blutigem Terror führen hinzuweisen. Eine
Weiterentwicklung unseres Geistes tut Not. Hier ist die Theologie gefragt!