„Ein Gott“ dank drei Personen

 

Die Trinität: theologische Weltformel, die allem Monotheismus zugrunde liegt

 

Das Bekenntnis zum Vater, Sohn und dem Heiligen Geist – Grundvoraussetzung christlichen Glaubens - ist zu einer Le(h/e)rformel verkommen. Die folgenden Überlegungen wollen die Trinität vernünftig begründen, ihr einen aktuellen Sinn geben, der an das historische Fundament der antiken Formel anknüpft: Nur durch ein kollektives Verständnis des universellen schöpferischen Wortes (für Christen: Sohn Gottes) kommen wir zum Glauben an den einen wahren Erzeuger und Erhalter, Vater des Alles, den monotheistischen Schöpfer, Gott unserer Väter.

 

Geistige Weltformel statt Glaubensdogma

 

Eine Formel beschreibt einen realen Sachverhalt und führt zu einem ganz bestimmten Ergebnis. So ist es auch mit der Trinität. Die sogenannte Dreifaltigkeit wird zwar als Formel bezeichnet, in der theologischen Wirklichkeit aber nur als Glaubensdogma verstanden: Glaubenssätze, die man einfach akzeptieren, glauben muss.

 

Doch was wir in der Naturwissenschaft als Formel bezeichnen ist keine Forderung, einfach blind an ein Mysterium glauben zu müssen. Mit Formeln beschreiben wir nachvollziehbare, verständliche Vorgänge, die eine ganz reale, natürliche und empirisch nachweisbare Grundlage haben. Die bisherige Aussage, einfach an die Dreifaltigkeit bzw. den Heiligen Geist, den Sohn und den Vater glauben zu müssen, weil dies so geschrieben steht, macht die Trinität nicht zur Formel im heutigen Sinne und führt nicht zu einem Ergebnis. Denn die Funktionen, die den einzelnen Bestandteilen der Formel zugrunde liegen und für die Väter des christlichen Glaubens offensichtlich waren, werden in der derzeitigen Theologie nicht wahrgenommen. Doch bei der Trinität handelt es sich um eine Formel im Sinne der naturwissenschaftlichen Bezeichnung. Es ist eine Gleichung, die zu einem ganz bestimmten Ergebnis führt: einer vernünftigen Wahrnehmung des einen Schöpfergottes.

 

Jesus nur als einen durch den Hoheitstitel Sohn Gottes verherrlichten jungen Juden sehend, fehlt uns das Verständnis für den Sachverhalt, den die christliche Glaubensformel beschreibt. Ohne die Wahrnehmung des in der Schöpfung lebendigen Wortes/Logos als Grundlage unseres Glaubens bleibt die Trinität eine Behauptung bzw. eine Glaubensforderung, die aus alten Büchern abgeleitet wird. Die logische Beschreibung eines Sachverhaltes kann so nicht nachvollzogen werden. Der gemeinsame Nenner, der für die Funktion der Grundformel unseres Glaubens notwendig erscheint, ist ein neues Verständnis Jesus als Wort Gottes das in der Antike als Logos bezeichnet wurde. Dieses Wort ist heute in allen dem evolutionären Werden naturwissenschaftlich nachweisbar zugrunde liegenden vernünftigen Prinzipien neu verständlich. Es ist die im sog. Selbstorganisationsprozess unseres Kopfes, Körpers wie des gesamten Kosmos zugrunde liegende Vernunft. Nur die Wahrnehmung dieses heute neu verständlichen Wortes Gottes führt zu einem zeitgerechten Monotheismus.

 

Moderne Naturwissenschaftler suchen derzeit nach einer Weltformel, einem gemeinsamen Nenner, nach dem alles Werden erklärbar ist. Was sie versuchen empirisch nachzuweisen, wurde in der Antike als Logos bezeichnet. Der Logos, das Grundgesetz allen vernünftigen Werdens, wurde aufgrund der Beobachtung kosmischer und geschichtlicher Realitäten erkannt, ohne ihn im Sinne einer empirischen Darlegung, wie sie heute möglich ist, beweisen zu können. Bereits dieser Logos könnte als eine Art Weltformel bezeichnet werden. Gerade weil er sich nicht aus einzelnen Evolutionsprinzipien oder physikalischen Gesetzen ableitet, sondern letztlich deren Gesamtheit beschreibt. Doch er selbst ist keine Formel im engeren Sinne, sondern das aus allen Formeln und Prinzipien abzuleitende Wort, die schöpferische Vernunft. (Wenn ich den Logos trotzdem weiterhin als eigentliche Weltformel betrachte, dann weil sich darin die schöpferische Formgebung offenbart.)

 

Wenn heute von Weltformel gesprochen wird, nach der Nobelpreisträger wie Weinberge oder Bestsellerautor Hawkins und auch andere Physiker suchen, dann suchen sie nach einer einheitlichen Formeln, die die Entstehung der materiellen Welt beschreiben soll. Doch ist das bereits alles?

 

Haben wir den Geist, der die Welt zusammenhält schon aufgegeben?

Warum muss die Weltformel nur eine physikalische Grundgesetzlichkeit sein?

 

Neben dem von Gott ausgehenden Logos selbst, der der gesamten Genesis zugrunde liegt – allem geistigen und materiellen Werden - lässt sich die Trinität als eine Formel die menschliche Erkenntnis des einen Gottes bezeichnen. Die Glaubensväter, die erstmals diese Formel nannten, haben nur eine geistige Grundgesetzlichkeit formuliert: Um den einen unsichtbaren Schöpfergott wahrnehmen zu können, muss sein – in der Schöpfung wirk-sames - Wort verstanden werden. Das kollektive Bewusstsein einer der Genesis zugrunde liegenden Vernunft ist Voraussetzung, um den Gott der Väter, den Erzeuger des Alles vernünftig glauben zu können.

 

Der im Matthäusevangelium formulierte christliche Taufbefehl: gehet hin in alle Welt, lehret die Menschen glauben, taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, gewinnt so eine ganz neue Bedeutung. Mission ist nicht die Menschen blind zum Glauben an den einen Gott zu bewegen, sondern ihnen durch den Sohn/Logos, die aller Schöpfung zugrunde liegende Vernunft, den einen Gott verständlich zu machen. Taufe ist dann nicht nur ein Ritual, in dem Menschen in eine bestimmte Gemeinschaft aufgenommen werden, sondern ein mündig machen, ein geistiges Überwechseln vom Gesetzesglauben zum eigenständigen Verstandesglauben, in dem die Namen: die unterschiedlichen Funktionsmerkmale von Vater, Sohn und Heiligem Geist verstanden werden.

 

Im Sinne einer neuen, vom lebendigen Wort ausgehenden Theologie, ist der Taufbefehl eine plausible Schlussfolgerung zur vernünftigen Offenbarung des einen in aller Evolution wirk-lichen Gottes, ohne damit in dem Pantheismus zu verfallen.

 

Wie jede Formel, so hat auch die Trinität eine universale Gültigkeit. Es wird an anderer Stelle zu belegen sein, dass sich aller Monotheismus  nicht durch wilde Träume, innere Stimmen oder das zufälliges Zusammenwürfeln verschiedener Stammesgottheiten ergeben hat, sondern durch Erkenntnis über das vernünftig Werden der Weltwirklichkeit, zu der selbstverständlich die menschliche Geschichte und der Weg ihrer Erkenntnis gehört.

 

Die Trinität ist damit sowenig ein christliche Erfindung, wie die physikalischen Gesetze eine Erfindung der Naturwissenschaftler sind, nach denen sie genannt werden. Denn Newton hat seine physikalischen Gesetze nicht selbst erfunden. Er hat aufbauend auf seinen Vordenkern eine Grundgesetzlichkeit formulier, die der Genesis Gottes schon immer zugrund lag und immer und ewig Gültigkeit haben wird. Ähnlich verhält es sich auch mit der christlichen Glaubensformel. Sie ist nur eine Ausformulierung, ein Bewusstmachen dessen, was bereits bisher war, auch zum hebräischen Glauben an den einen Schöpfergott geführt hat und letztlich heute die Voraussetzung für ein vernünftiges Gottesverständnis ist.

  

Nur durch das schöpferische Wort, den vom Vater ausgehenden Verstand ist Offenbarung

 

Die Überlegungen sollen gleichzeitig belegen, dass es den Verfassern des Neuen Testamentes ebenso wie den frühen Kirchenvätern nicht um die Verherrlichung eines Wanderpredigers ging, sondern das schöpferische Wort/Logos in Menschengestalt das eigentliche Wesen des christlichen Glaubens war und ist bzw. wieder sein wird:

 

Der laienhafte Versuch die Trinitätslehre vom Mythos zum Logos zu führen, um zu zeigen, dass ein neues kollektive Verständnis des in Schöpfung und Geschichte lebendigen Gottessohnes/Wortes die Voraussetzung für einen modernen Monotheismus ist.

 

Ohne die neue Wahrnehmung einer hinter allem wissenschaftlich beschriebenen natürlichen Werden stehenden Vernunft/Logos als Sohn des unsichtbaren, transzendenten Vaters kann es keinen zeitgemäßen Glauben an den einen Gott geben.

 

1. Einleitung

 

Die Christologie und damit auch die Trinitätslehre wird von der heutigen Theologie weitgehend als eine hellenistisch-gnostische Einfärbung des Christentums abgetan. Auch wo  das Christusdogma noch hochgehalten wird, hat dieser Christus in Wirklichkeit keine Bedeutung.

 

Um dem angeblich aufgeklärten Verstand den Weg zu ebnen, wird die Trinitätslehre oft verleugnet – als hellenistische Einschleichung abgetan - und das Wesen Jesus zu einem später als Logos/Wort hochstilisierten Wandercharismatiker herabgewürdigt. Statt den Verstand zu gebrauchen, das schöpferische Wort, den Logos, als heilserfüllendes Wesen für das damalige Judentum zu verstehen, wird so mit dem Buchstaben des Gesetzes in der Hand das eigentliche Wort Gottes abgestritten.

 

Wie wollen wir zeitgerecht an einen allmächtigen Vater bzw. Schöpfergott glauben, wenn wir in den naturwissenschaftlich und geschichtlichen Prozessen, die seit einem wahrscheinlichen Urknall als sinnvolles evolutionäres Werden und Wachsen empirisch nachweisbar sind, nicht die Vernunft Gottes, das lebendige Wort wahrnehmen? Was damals in der Antike als Sohn Gottes, Logos, Wort bezeichnet wurde, lässt sich heute neu aufgrund unseres wissenschaftlichen Weltbildes begreifen.

 

Nur im Verständnis des lebendigen Wortes lässt sich der totgesagte Gesetzesglaube mit neuem Leben füllen. Ein vernünftiger Monotheismus, der dem modernen Weltbild gerecht wird, setzt voraus, dass wir das, worauf die Urchristen in Wirklichkeit ihren Glauben gründeten, neu wahrnehmen und nicht weiterhin in Christus nur eine menschliche Ausformung des Allmächtigen sehen. Wenn wir, wie dies die heutige Theologie tut in der Trinitätslehre nur eine Hellenisierung des jüdischen Monotheismus vermuten, versperren wir den Weg für ein neues Verständnis des in aller Schöpfung lebendigen Wortes. Nicht im für wahr halten einer charismatischen Gründergestalt oder hellenistischer bzw. jüdischer Erzählungen liegt das heutige Heilsereignis, sondern in der neuen Wahrnehmung des heute natur- und geisteswissenschaftlich ausformulierte lebendigen Wortes. Einem lebendigen Logos, der auch dem damals verstandenen und den Bibeltexten zugrundeliegende Wort entspricht..

 

„Ein Gott in drei Personen“ so der Titel eines Buches des katholischen Theologen Karl-Heinz Ohlig über die sog. Dreifaltigkeit Gottes. Sie war und bleibt Kern der christlichen Offenbarung, auch wenn ihre Bedeutungslosigkeit für unseren Alltag – ja selbst die aktuelle Theologie – kaum mehr übertroffen werden kann. Der Prof. für Religionswissenschaft und Geschichte des Christentums, der sich durch zahlreiche Veröffentlichungen zur Fundamentalchristologie einen Namen gemacht hat, bricht, so der Text auf dem  Buchdeckel, ein theologisches Tabu. Er ziehe sich nicht, wie die meisten Theologen, auf die Rede von einem unergründlichen Mysterium zurück, sondern frage historisch-kritisch nach: wie dieses Dogma eigentlich entstand? Welche äußeren Bedingungen und welche philosophischen und religionsgeschichtlichen Voraussetzungen haben zu seiner Formulierung geführt, soll von ihm beleuchtet werden.

 

Doch bei all seinen Überlegungen geht der Religionswissenschaftler, der bei seinen Betrachtungen die gesamte Kirchengeschichte durchschreitet, von völlig anderen Voraussetzungen aus als ich. Während für mich der Logos, das was als Wort in Menschengestalt geschildert wird, das historische Wesen des Christentums ist, geht der Religionswissenschaftler von einem Wanderprediger aus, der hellenistisch-gnostisch erhöht und dem somit eine Art menschliches Gottesbild, der Christus, zur Seite gestellt wurde. Auch wenn Ohlig die Dreifaltigkeit nicht, wie die meisten Theologen, einfach als mystisches Dogma setzt, sondern sie im historischen Hintergrund erklärt, so bleibt er durch das Festhalten an einem einfachen Menschen als historisches Wesen Jesus in einem Denkgebäude gefangen, das untauglich geworden ist, den kollektiven Glauben nicht mehr tragen kann. Er verkörpert er den Zeitgeist derzeitiger Theologe, an den sich mein Text richten will.

 

Heute werden die gesamten frühchristlichen Dogmen als Konsequenz fremder kulturgeschichtlicher Einflüsse abgetan, ohne deren reale Heilswirklichkeit im geistesgeschichtlichen Geschehen des sich mit griechischen Einflüssen auseinandersetzenden Judentums  wahrzunehmen. Im Namen des Verstandes werden die Dogmen geopfert, statt sie als Ausfluss eines großartigen neuen monotheistischen Gottesverständnis der Antike zu verstehen, das den lebendigen Logos zur Grundlage hatte: Gnosis als vernünftig griechische Erkenntnis zur neuen Füllung der leer gewordenen jüdischen Gesetzlichkeit.

 

Wenn die heutige Theologie davon ausgeht, dass der alte Monotheismus einfach ins christliche Denken übertragen wurde, dann verleugnet sie den eigentlichen Grund ihres Glaubens. Nicht einem verträumten Wandercharismatiker oder was die Frühkirche aus einem solchen machte, sondern der Erkenntnis des lebendigen Wortes in Menschengestalt verdanken wir die weit über die im bekannten Kanon des Neuen Testamentes hinausgehende Explosion antiker Texte, die alle Zeugen eines neuen Geistes sind. Im Namen Christus ist in der Antike eine neuer vernünftiger, geistbegründeter Monotheismus entstanden. Seine Grundlage ist das wiederverstandene Wort in Menschengestalt. Welche messianische Wirkung könnte davon noch heute ausgehen?

 

Und auch die Texte des Alten Testamentes, deren Abfassung nach neuesten Erkenntnissen großteils nur wenige Jahrhunderte vor oder gar zeitgleich mit Jesus erfolgte, entspringen nicht  dumpfer jüdische Tradition. Das ursprünglich von den Hebräern wahrgenommene und in ihren Gesellschaftslehren umgesetzte Gotteswort wurde neu verstanden. Die Neuverfassung oder Zusammenfassung alter theologischer Erzählungen, die sich z.B. in den fünf Büchern Moses findet (Nach neuesten Erkenntnissen fast zeitgleich verfasst wie das Neue Testament), lässt auf ein neues Verständnis des ursprünglich wahrgenommen schöpferischen Wortes schließen. Erst recht die jüngeren Texte des Alten Testamentes bzw. die aus ihnen sprechende theologische Weisheit sind ohne ein neues Verständnis des lebendigen Wortes undenkbar.

 

Die später von den Synoptikern beschriebene Geschichte Jesus ist nicht die Story von einem jungen Juden, sondern die bildhafte Beschreibung der Leidensgeschichte des neuen Verstandes, von dem die geschilderten Wunder und Worte ausgehen. Dieser historische Menschensohn ist wirklich der Messias gewesen. Von diesem neuen Verstand bzw. vom Wort selbst ist im Neuen Testamen die Rede. Hier liegt die historische Realität.

 

Wer jedoch im historischen Jesus nur einen verherrlichten jungen Juden versteht, der tut sich nicht nur mit der Trinitätslehre selbst schwer. Für den Glauben an einen Schöpfervater, von dem alles ausgeht, gibt es dann keinen wirklich vernünftigen Grund. Mit einer theologischen Neubegründung des Monotheismus hat der für historisch gehaltene Jesus der heutigen Theologie nichts zu tun. Abbau ist angesagt: Dieser Jesus sei ganz und gar im ererbten jüdischen Monotheismus gestanden. Nichts Neues also, nur aufgewärmtes Altes Testament. Der neue Gottesverstand, der den Gott der Väter zum Ausdruck brachte und die alttestamentlichen Texte aufgriff, um die Geschichte des neuen Verstandes im Sinne der Väter zu beschreiben, das Vorausgesagte zu erfüllen wird von der derzeitigen Theologie nicht wirklich wahrgenommen. Die heutige Hermeneutik buchstabiert den zweiten Teil der Bibel nur als eine Fiktion zur Verherrlichung eines Menschen, die in alttestamentlichen Geschichten unter Beimischung griechischer Begriffe erzählt wird. Es fehlt das Verständnis für den Fakt, der einen Fortschritt im Glauben bewirkt hat: Das Neuverständnis des Wortes und seine menschliche Gestalt. So muss also davon ausgegangen werden, dass die trinitätstheologische Spekulationen nichts mit dem wahren, auf Erden wirkenden Jesus des Neuen Testamentes zu tun haben.

 

Wer die Botschaft des Neuen Testamentes so versteht, wie die heutige Theologie, für den beginnt die gesamte Christologie und somit auch die Trinitätslehre erst lange nach dem Leben Jesus. Sie ist so nur ein Theoriengebäude, für das es keinen richtigen Grund gibt bzw. dieser nur von den verschiedenen Kirchenlehrern gesetzt wird. Die Trinitätslehre, die, nach diesem Verständnis nur auf den entsprechenden Dogmen der Frühkirche fußt, wird daher heute als eine nachtestamentliche Angelegenheit abgetan. Und ebenso wird die gesamte Christologie verachtet.  Auch wenn Christologie sich in der jüdischen Weisheitsliteratur, bei Philo oder anderen antiken jüdischen Texte nachlesen lässt, hat das dann nichts mit dem Grund unseres Glaubens zu tun, sei allenfalls später genutzt worden, um es dem historischen Jesus überzustülpen. Doch dann hätte unser Glaube wirklich keinen Grund, hätten auch die Kirchenväter und die ersten Konzile umsonst gestritten. Dann ist konsequenter Weise – auch wenn so weit nur die Kritiker kirchlicher Lehren, nicht die Amtstheologen selbst gehen – die gesamte Christologie und Trinitätslehre nur eine historische Notlüge, um den Gottesglaube für die Griechen salonfähig zu machen. Christologie wird dann zu einem Ballon ohne Inhalt, der nur mit heißer hellenistischer Luft aufgeblasen wurde. Auch wenn die Theologie bemüht ist, zu belegen, welche geschichtsträchtige Wirkung von diesem Ballon ausging, nach derzeitiger Theologie beten Christen einen leeren Ballon an. Ohne den Logos der Antike als Grundlage eines neuen Gottesgeistes zu verstehen, ist alle christliche Lehre nur heiße Luft.

 

Während ich im Neuen Testament die bebilderte Lebens- und Leidesgeschichte des in der Trinitätslehre geschilderten Gottessohnes/Wortes/Logos lese, muss die derzeitige Theologie wie Ohlig davon ausgehen, dass das dort beschriebene Wesen nicht wirklich mit dem Wort Gottes identisch ist. Das Wort Gottes ist nicht mehr der Grund unseres Glaubens, sondern wurde verwendet, um einem Charismatiker oder eine aufgebackene Traditionstheologie, die nur alte jüdische Gesetze zur Grundlage hat, zu verherrlichen. Alles, um was die Kirchenväter gestritten haben, was sich lange vor der antiken Zeitenwende laut den zahlreichen biblischen und außerbiblischen Aufzeichnungen abzeichnete und Gegenstand der gesamte  neutestamentlichen Texte ist, wird durch die derzeitige Theologie mehr oder weniger abgestritten. Christ sein hat so nichts mehr mit der Wahrnehmung des Messias in Menschengestalt, sondern nur noch mit einer Lebenshaltung bzw. einem blind-konserativen Kirchenglauben aufgrund traditioneller Lehren zu tun.

 

Doch wird somit nicht das, was das Wesen unseres christlichen Glaubens ausmacht, verleugnet? Wird somit nicht ein zeitgemäßer Monotheismus – vernünftiger Glaube an einen Schöpfer des Alles und der Geschichte, den Gott der Väter - verhindert? War und ist ein neues Verständnis des historischen Jesus die Voraussetzung für ein dringend notwendiges neues Gottesverständnis?

 

 

 

2. Der Sohn Gottes: Voraussetzung für den wahren Monotheismus

 

Die derzeitige Theologie versteht das Christusdogma wie eine Art Verkleinerung Gottes. Der Sohn wird so einfach neben den Vater gesetzt: beide könne man nicht sehen, man muss sie einfach glauben. Wen wundert es da, wenn Juden und Islam in Christus einen Rückfall ins Götzentum vermuten, das Christentum der Vielgötterei anklagen. Auch kirchengeschichtlich erwogene Befürchtungen, der Sohn könne dem Vater den Rang streitig machen, sind so zu verstehen. (Gleichwohl noch nachgewiesen werden muss, dass es auf den frühkirchlichen Konzilen um weit mehr ging, als einen zum Gott erhobenen Wanderprediger. Wenn auf dem Kirchenkonzil in Nizäa die Gleichwesentlichkeit des Sohnes mit dem Vater gesehen und festgelegt wurde, dann hatten unsere Kirchväter mit Sicherheit weit mehr vor Augen, als Theologie heute im historische Jesus wahrnimmt. Die Diskussion um das Verhältnis von Vater und Sohn muss fortgesetzt werden, nur auf neuer Ebene, im Bewusstsein des Logos, den die Väter unseres Glauben verstanden.)

 

Vater, Sohn und Heiliger Geist werden in der heutigen Lehre als verschiedene Gotteswesen nebeneinander gesetzt. Sohn und Heiliger Geist stehen nicht – wie es an vielen Stellen der Bibel beschrieben wird und wie es auch Verständnis der frühen Kirchenväter war – als Voraussetzungen, um den Vater wahrnehmen zu können. Was das Bild auf dem Bucheinband – drei Gesichter von eines Kopfes - ebenso wie der Titel selbst „Ein Gott in drei Personen“ zeigt, zieht sich durch die gesamte derzeitige theologische Lehre: Der Messias wird wie eine Miniaturausgabe des Allmächtigen betrachtet.

 

Vater, Sohn und Heiliger Geist bauen im heutigen Verständnis nicht funktional aufeinander auf. Es sind austauschbare Begriffe geworden: ein Einerlei, statt eine Dreiheit. Keine Rede ist bei den Kirchenlehrern von heute davon, dass die Realität des wahrhaft das gesamte All machende, nur durch den Sohn gesehen werden kann. (Auch wenn dies unter Berufung auf alte Texte behauptet wird, es bleibt ohne Beleg.) Mit der kollektive Gottesgabe, dies vernünftig zu verstehen, so die Trennung zwischen Gott und seinen angeblich verstandbegabten Geschöpfen zu überwinden, die von den Glaubensvätern als „Heiliger Geist“ bezeichnet wurde, haben wir eh unsere Probleme. Wenn vom Heiligen Geist gesprochen wird, geht es heute nicht um einen heilen Geist, einen von der geheilten Verstand, sondern viel mehr um mystisches, unerklärliches, innerliches: Gespenster. Was an Pfingsten war: Das einheitliche Verstehen der verschiedenen Sprachen – z.B. in Wissenschaft und Glaube ein Wort-  wird als willkürlicher Synkretismus abgetan. Um den alten Dogmen zu entsprechen, die Glaubensbekenntnisse nicht völlig leer laufen zu lassen, setzen wir den Heiligen Geist einfach als dritte Gottheit daneben: Auch daran muss man dann einfach glauben. Augen zu und alles sei dunkel, jetzt darf jeder seine eigenen Vorstellungen ausmalen. Wer den Sohn zum Minigott macht, der kann in ihm nicht gleichzeitig den notwendigen Weg zur Wahrnehmung des einen Schöpfergottes sehen. Wo Jesus Christus nicht das schöpferische, den Vater offenbarende Wort ist, sondern nur eine frühchristliche Gottesbezeichnung, da darf sich jeder sein eigenes Gottesbild basteln. Statt zum Monotheismus, führt die christliche Lehre so zu moderner Vielgötterei unter christlichem Mantel oder zur atheistische Ablehnung aus des Unverstandes.

 

Ohne den Geist, Verstand zu gebrauchen, um zu einem neuen vernünftigen allgemeingültigen monotheistischen Gottesbewusstsein zu kommen, bleibt alle christliche Lehre reines Lippenbekenntnis, fern vom Logos. (Aber der ist ja, wie heutige Professoren wissen, eh nur eine griechisch-philosophische Theorie, mit der Gott umschrieben und die aus propagandistischen Zwecken von Paulus & Co. auf den historischen Jesus übertragen wurde. Selbst die Verwandlung des Judenpharisäers Saulus in Paulus, soll nur ein Propagandatrick gewesen sein. Die gesamte christliche Theologie wird so nach und nach über Bord geworfen:  Wie Werkzeug, von dessen Verwendung wir nichts wissen und das wir daher für Fehlentwicklungen halten. Während wir mit der Trinität ein hochmodernes Werkzeug in Händen haben, vom dem gerade heute Heilswirkung ausgehen könne, beschreibt es die derzeitige Theologie allenfalls als leeren Tisch.)

 

Die Glaubenssätze werden nicht mit dem lebendigen Prozess einer geistesgeschichtlichen Entwicklung in Verbindung gebracht, die in der Antike einen neuen vernunftbegründeten Monotheismus  hervorbrachte, sondern nur noch als philosophisch-populistische Produkte der Frühkirche gesehen. Das Gotteswort, von dem die Verfasser und ihre Dogmen ausgingen, bleibt unverstanden. Christliche Offenbarung wir so zu einer imaginären Angelegenheit, weit außerhalb des Verstandes. Mit dem Hinweis, dass die Welttranszendenz des monistischen Gottes nicht mit der Geschichtstranszendenz  des jüdischen Jahwes auf einen Nenner gebracht werden könnte, wir Gott aus der welt- und geschichtlichen Wirklichkeit gedrängt. Statt darüber nachzudenken, wie in der christlichen Theologie durch den Logos in Menschengestalt die Brücke vom unpersönlichen pantheistischen Weltprinzip der Griechen zum persönlich ansprechbaren Gott begründet und somit ein Glaubensfortschritt  erzielt wurde, werden alle Aussagen der Kirchenväter über den Logos als hellenistische Fremdeinflüsse abgetan. Die christliche Lehre nimmt sich selbst nicht mehr ernst, sie wird somit nur noch zur Leerformelei. Solange das dem Neuen Testament zugrunde liegende Wesen nur ein junger Jude war, das Verständnis für das wiederverstandene Wort fehlt, hilft es auch nicht, die angeblich geschichtliche Gestalt als Lebensvorbild hochzuheben.

 

Jedes Denkgebäude baut auf bestimmten Voraussetzungen. Während die derzeitige Theologie einen einfachen Menschen voraussetzt, der verherrlicht wurde, setze ich auf das wiederverstandene Wort in Menschengestalt, eine Neubegründung des Monotheismus durch den antiken Monismus. (Alle Vielfalt des Kosmos wurde hierbei auf eine letzte Innere Ursache, eine schöpferische Intelligenz zurückgeführt, aus der alles hervorgegangen ist und das in allem wirkt. Je mehr dieses Urprinzip reflektiert wurde, um so klarer wurde es als eines, einfach und unveränderlich angesehen.)  Beides mag plausibel nachzuvollziehen sein, wobei das eingefleischte Verständnis vom einfachen Menschen Jesus seine Vorteile hat.

 

Entscheidend wird sein, wie sich die christlichen Dogmen und Lehren besser bewahrheiten lassen, wie sie verständlich werden, ohne sie verniedlichen oder gar verleugnen zu müssen  und was heute den monotheistischen Glauben weiterbringt. Von welchem Verständnis eine Heilswirkung ausgehen könnte, ein neuer, moderner Monotheismus.

 

 

3. Durch die personale Dreiheit zur Einheit

 

Immer wieder wird davon gesprochen, dass die Trinität ein zentraler Glaubensartikel des christlichen Glaubens sei. Doch solange wir hierin nur beliebige Behauptungen von hellenistisch angehauchten frühchristlichen Bischöfen und nicht die Tat-sache sehen, die theologisch umschrieben werden sollte, bleibt die Kirchenlehre ein Lippenbekenntnis.

 

Die Gefahr, dass der eigentliche Monotheismus durch die Christologie und erst recht durch die Trinität aufgehoben wird, lässt sich ebenfalls auf das Missverständnis dessen zurückführen, was die eigenständige Wirklichkeit der verschiedenen Wesenspersönlichkeiten ausmacht. Wer in Christus eine vermenschlicht-verkleinerte Gottesdarstellung vermutet, muss sich jüdische sowie islamische Kritik gefallen lassen. Doch die Rücknahme der Christologie bzw. der Trinitätslehre – oftmals eine Reaktion auf die jüdische Kritik bzw. zur Gewissensbereinigung im Hinblick auf die einst theologisch mitverursachte Judenverfolgung - führt zur Rücknahme unserer Religionsgrundlage, die eigentlich nur den jüdischen Monotheismus neu begründen sollte.

 

Statt durch die Trinität zum Verständnis des einen Gottes zu gelangen, besteht die Gefahr, den Monotheismus aufzuheben. Auch der Rückzug: „dies sei dem menschlichen Verstand unzugänglich, bleibe ein Mysterium Gottes“ löst dieses Problem nicht und bringt uns auch in der Begründung der Trinität und einem vernünftigen EIN-sehen des einen Gottes nicht weiter. Doch das soll, so die Texte des Neuen Testamentes, jetzt in Jesus möglich sein. Aber wer nimmt das, was von diesem gesagt wird, noch wirklich ernst? Statt dessen wird weiter das Bild hochgehalten, das uns wenige Evangelisten vom lebendigen Wort gemalt haben und als die eigentliche historische Wirklichkeit gesehen, auch wenn gleichzeitig nachgewiesen wird, dass die Evangelien Predigten seien und nicht historisch zu verstehen. Doch wer dabei ist, den Christus abzuschaffen, der hat nur noch hier einen Halt: in einem historischen Menschen, dessen Bedeutungslosigkeit längst theologisch bewiesen ist.

 

Wenn von Jesus als dem Gesicht Gottes gesprochen wird, dann ist dies kein zweites Gesicht, was es wäre, wenn es um einen vergötterten Menschen ginge. Nur durch den Sohn zeigt sich uns Gott, nur in der sich in allem evolutionären Geschehen zeigenden Tat-sache des allem Werden zugrunde liegenden Wortes, Logos, lässt sich Gott erkennen. Der Heilige Geist kann als das von Pfingsten ausgehende kollektive Verständnis der Frühkirche gesehen werden, durch den dieses neue Gottesverständnis möglich war: EIN-sehen, ein Wort, eine Sprache, ein Verstand.

 

Ohne dem Monotheismus Konkurrenz zu machen, behalten die drei Personen des einen Gottes ihre eigenständige Wirklichkeit. Im eigentlichen Sinn des Begriffes Wirk-lichkeit, erhalten sie diese so erst:

 

-Gottes Wirk-lichkeit in der Welt, seine gütige (alles ist sinnvoll gut) All-macht, lässt sich nur durch den Sohn sehen. (So klar und einheitlich, wie es die gesamte Natur- und Geisteswissenschaft heute im Wirk-geschehen der materiellen und geistigen Welt beschreibt, wurde das schöpferische Wort bisher noch nie beschrieben. Denn  was heute empirisch nachweisbar ist, waren in der antike vielfältige Spekulationsmodelle.)

 

-Gott selbst bleibt transzendent, verborgen. Was wir von ihm wahrnehmen können und als verstandbegabte Wesen auch müssen, ist der Logos, Sohn: das durch Gott gezeugte und diesen bezeugende vernünftige Wirken in der Welt. Was seit Heraklith bei den alten Griechen als Logos bezeichnet wurde, war den Hebräern das Wort/Verstand Gottes. Durch eben diesen von Gott an uns geschenkten Verstand ist uns ein wissenschaftliches Weltbild erwachsen, in dessen Begrifflichkeiten wir das vernünftige Wirken Gottes neu beschreiben können. Wir sind erwachsen geworden und bleiben ewige Kinder Gottes. Nur dass wir dies jetzt Dank des uns gegeben Verstandes verstehen können.

 

Der Logos ist dabei sowenig nur eine philosophische Theorie wie das Wort eine theologische Lehre. (Die Trennung zwischen Philosophie und Theologie erscheint ohnehin als Folge eines Missverstandes.) Weder ist unser Kosmos nur ein Produkt von Mutter Materie, noch unser Gottesverständnis nur ein Kind von Mutter Kirche. Durch die Aufklärung ist es uns heute neu möglich, den Vater  zu verstehen.

 

Auch dem Heiligen Geist gehört eine eigenständige ökonomische Wirk-lichkeit: Er ist der kollektive Verstand, der uns die Sohnschaft des lebendigen Logos sehen lässt. Und indem wir den Sohn wahrnehmen, wird der Vater zur schöpferischen Wirklichkeit, die nicht unserem Denken, entspringt, sondern uns durch den Logos vermittelt wird. Er ist das theologische Verständnis, durch das wir die Trennung zwischen dem schöpferischen Logos und dem eigenen Verstand überwinden und auf unterschiedliche Weise von einem allumfassenden Wort sprechen können.

 

Doch solange wir die Begriffe nicht klären, sie nur als andere Ausdrucksformen für Gott sehen, statt ihre Wirkkraft in Bezug auf das in der Antike geborene und heute neue zu verstehende vernünftige Gottesverständnis zu beschreiben, können wir noch so oft von eigenen Persönlichkeiten sprechen: ihnen kommt keine eigenständige Wirklichkeit zu, die eine Person ausmacht.

 

3. Verstehen statt verleugnen

 

Alles, was die heutige Theologie als außerchristliche kulturelle Einflüsse abtut, lässt sich als Grundlage eines aus der Antik erwachsene vernünftigen Monotheismus belegen. Im  folgenden Text  werden die Argumente aufgegriffen, mit denen die Trinität bzw. die Christologie abgetan wird. Sie alle sind Belege für ein einstiges Bewusstsein, das vom schöpferischen Logos, dem allem Werden zugrunde liegenden Wort ausgeht und weit über eine reine Bibellehre hinausging.

 

3.1. Eins, zwei, drei ist kein Hexerei

 

Zahlenspiele waren zur Belegung einer vernünftigen Kosmologie in der Antike in vielen Kulturen beliebt. Ob bei Hebräern oder Griechen wurden Zahlen für die Erklärung sinnvoller Schöpfungsvorgänge herangezogen. Und auch in östlichen Kulturen wurde das Werden der Welt oft in auf die Dreiheit aufbauenden Modellen erklären.

 

Der heutige Schluss, in der Trinitätslehre werde diese alten Tradition einfach fortgeführt mag stimmen, ist wie oft, aber zu kurz angesetzt. (Bei einem Kurzschluss geht das Licht immer aus, statt an. Schlimm wird’s, wenn dann die Dunkelheit als der notwendige Zustand verkündet wird.)  Es ging mit Sicherheit nicht nur um das dumpfe Tradieren alter Texte. Wenn vorangegangene Texte, Bilder oder Modelle aufgegriffen wurden, dann war dabei immer auch ein neues, das alte einschliessende Verständnis,  das im Grunde das Wesentliche ist. Wenn die christliche Lehre im Erklärungsmodell einer Dreiheit das verständlich gemacht hat, was wir heute u.A. Evolutionslehre nennen, (Alles hat SEINEN Sinn), dann musste sie auf bekannte Modelle, deren Sinn sie verstanden hatte, zurückgreifen.

 

Dass die Dreiheit in die christliche Lehre Einzug gehalten hat, ist keine Verfremdung. Wesentlich war und bleibt ein vernünftiges Verständnis allen Werdens, das von einem Gott ausgeht: Schöpfung Gottes – auch was das Wachsen der Erkenntnis betrifft - nicht als Hexerei, sondern all-umfassendes sinnvolles Gotteshandeln.

 

Was wäre uns erspart worden, wenn wir das Schöpfungshandeln Gottes nicht als metaphysischen Hokus-Pokus – Gott sprach und es wurde – sondern sein Wort als vernünftiges Evolutions- bzw. Geschichtsgeschehen begriffen hätten, wie dies offensichtlich am Beginn christlichen Denkens der Fall war? Wir hätten die Bibel, wo dieses Wort beschrieben wird, nicht über Bord werfen brauchen oder sie theologisch zu verflachen. Gott wäre nicht tot, sondern durch seinen Sohn als Tat-sächlicher Schöpfer zu sehen.

 

3.2. Wiege des neuen Wort Gottes-verstandes hat vorchristliche Wurzeln

 

Selbstverständlich ragen die Vorstellungen von einer schöpferischen Dreiheit weit in die jüdische Religion hinein. Von kosmischen Triaden wird bei Sumerern wie Ägyptern gesprochen. Auch die hellenistische Philosophie, u.A. die das Denken um die Zeitenwende bestimmende Stoa, führen die Vielfalt des Kosmos auf letzte innere Ursachen oder immanente Prinzipien, zurück, die im Sinne von Dreiheiten ablaufen. Doch diese Prinzipien mögen zwar für uns spekulativ erscheinen, entspringen aber einem Denken, das sich in unserer heutigen Naturwissenschaft nur ein wenig weiterentwickelt hat, empirisch nachzuweisen ist. Es ging weder um Ideologien, noch antike dogmatisch-theologische Leerformelei. Was im Rahmen der antiken Theologie philosophisch begründet wurde, ist die vernünftige schöpferische Tat-sache.

 

Persönlicher Einschub:

 

Während ich dies schreibe, liege ich mitten in der Realität dieses Gotteswortes: Sonntag, 22. Juli 2001, den Sonnenaufgang begeistert genossen, sitze ich im Liegstuhl und genieße unseren Garten, das Zwitschern der Vögel, das satte Grün, die farbige Blütenbracht und eine biologische Lehre, die mir beibringt, dass alles EINEN schöpferischen Sinn hat. Denn überall dort, wo derzeit noch die Mehrzahl der Naturwissenschaftler von Selbsterhaltungs- und Selbstorganisatsinskräften der Materie schreiben, lese ich von einem schöpferischen Logos, in dem ich den Sohn Gottes sehe. In dem mir die Naturwissenschaftler ein blindes zielloses Spiel des Zufalles beschreiben, das sie wie Richard Dawkins allenfalls auf einen Genegoismus zurückführen, beschreiben sie für mich, wie großartig die Genesis Gottes ist. In der Software, die allem Werden zugrunde liegt, versuche ich das Wort Gottes zu hören. Und durch die intensive Auseinandersetzung mit dem antiken Denken bzw. der heutigen Leben Jesus Forschung bin ich sicher, dass dessen menschliche Ausdrucksform der historische Jesus ist. Die in der Realität der natürlichen Schöpfung bereits in der Antike erkannte Sinnhaftigkeit und Schönheit und ihre Wahrnehmung als Gotteswort war Voraussetzung für das, was wir als christliche Offenbarung bezeichnen. Nicht nur mein innigstes Gefühl, sondern auch mein wacher Verstand müssen mir sagen: ALLES IST HERR-LICH. Auch der Geist, der meinem Laptop beigebracht hat, mir das aktuelle Datum anzuzeigen, wenn ich den heutigen Tag eintippe oder die Lebenskraft meiner besser Hälfte, der ich es verdanke, den Garten in dieser Bracht genießen zu dürfen und die mir aufgetragen hat zu gießen, statt nur unsinnige Studien zu betreiben, für die sich doch keiner interessiert, gehören zu dieser Realität des schöpferischen Logos.

 

Warum diese persönliche Abschweifung?

 

Es geht um die Erfahrung der Realität des lebendigen Gotteswortes, das unser aller Gefühl und Geist wie den des gesamten kosmischen Lebens umfasst. Hier überall drückt sich die Tat-sache des göttlichen Logos aus. Es geht nicht um philosophische Prinzipien, die nur unserem Denken entspringen oder eine un-bestimmbare Lebenskraft die pantheistisch in allem enthalten ist.  Wenn wir die Betrachtung wissenschaftlicher Prinzipien brauchen, dann weil der Logos nur in der Beschreibung des biologisch bzw. evolutionären Werdens deutlich wird. Doch er umfasst ebenso das Gefühl, das mich gerade eben beim läuten der Kirchenglocken überkommt sowie die innere Freude, wenn ich an meine Frau denke, die heute den Allgäuer Klettersteig geht oder meine Kinder, die derzeit noch bei ihren Freund(inn)en beim Frühstück sitzen oder liegen......Das alles gehört zum schöpferischen Logos, ist Teil eines Sinnes, der all unserem Sein zugrunde liegt. Ohne die Wirk-kraft der Liebe zum Leben und meiner Familie, würde ich nicht schreiben. Und ohne die Erkenntnis dessen was wir Liebe nennen als Kraft, von der alle körperliche, kosmische und geistige Kreativität, die gesamte Schöpfung ausgeht, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, ein schöpferisches Wort als Wesen sehen zu wollen, das nicht meinem Denken entspringt, sondern Welt-wirk-lichkeit ist. Was gibt es Wirk-licheres als die Schönheit und Sinnhaftigkeit der Schöpfung, in der sich ein allumfassender Sinn/Logos realisiert. Hier zeigt sich eine Realität, die - wie ich denke – allen monotheistischen Religionen zugrunde liegt und in der antike neu vernünftig wahrgenomme wurde.

 

Und auch Zorn und anstachelnde Verzweifelung die mich überkamen, als ich den Laptop zur Seite legte und zwischendurch beim Zappen durchs Fernsehprogramm die amerikanischen Rhetoriker bzw. Fernsehprediger sah, die mit wohlgewählten eigenen Worten in ihrer Sonntagsshow die Massen für einen menschlichen Messias begeisterten, der – so wichtig die menschliche Darstellung für unseren Verstand zu sein scheint – den meisten Menschen der westlichen Welt noch nicht mal ein müdes Lächeln abringt, gehört für mich zur sinnvollen schöpferischen Schubkraft und damit zum Wort Gottes. Die Prediger reden von Jesus Christus, wie wenn sie damals dabei gewesen und mit ihm durch die Lande gezogen wären. Für die Menschen, die sie damit begeistern, ist dieser Jesus viel greifbarer, wie wenn ich vom Wort, Logos oder schöpferischen Verstand rede. Die Freude ist aus den Gesichtern zu lesen. Und ich lerne erneut, wie wichtig es damals im Orient gewesen sein muss, dem lebendigen Wort eine menschliche Gestalt zu verleihen, die der alttestamentlichen Tradition und der Hoffnung auf einen prophethischen Messias entsprach. Die gesamte Diskussion der Frühkirche um die Rolle des Gottessohnes und seine Gestaltgebung lässt sich von heute aus neu führen.  Ohne die menschliche Gestalt des Gottessohnes hätte sich die antike Gnosis längst in 1000en von Theorien verloren, wäre das Abendland nie zur christlichen Offenbarung gekommen, gäbe es nicht das, was wir heute so stolz eine wissenschaftliche Aufklärung nennen. Christus, der Logos musste Mensch werden, das war der Weg, der Wille Gottes. Es hat seinem schöpferischen Wort  ent-sprochen, dass wir sein Wort/ Sohn/Vernunft als Menschen wahrnehmen. Diese Gestaltgebung war höchst vernünftig. Doch genau dieses Wort verlangt heute von uns ein neues, fortgeschrittenes Verständnis: Eine geistig-religiöse Software, die den Programmen unserer Zeit entspricht.

 

Die Fernsehpfarrer, die von einem schöpferischen Logos, den ich für den historischen Wesenskern halte und in wissenschaftlichen Beschreibungen des Werdens neu wahrnehmen will, weit, weit entfernt sind, scheinen jedoch genau zu wissen was der historische Jesus wollte.  Sie halten das von Menschen, gesetzte Buch in der Hand und interpretieren die Bibeltexte mit einer Autorität, die bei keinem ihrer begeisterten Kirchenbesucher auch nur im entferntesten Zweifel aufkommen lässt, dass die Bibel selbst das Wort Gottes sei und die Interpreten des Gesetzes den Willen Gottes ganz genau kennen würden.  Auch ohne den Autor eines schöpfungswirksamen Wortes zu kennen, wird so den Menschen ein Maßstab fürs Leben gegeben. Welche absurden Vorstellungen hätten die westliche Welt von einer vernünftigen Entwicklung abgehalten, wenn nicht die im Kanon der Frühkirche zusammengefassten antiken Zeugnisse vom Wort Gottes, das Gesetz der Bibel, selbst als das Wort Gottes gelesen worden wären? Da können Paulus & Co. noch so oft das Gesetz verdonnern und ihre Hoffnungen auf den Geist setzen. Noch scheint es notwendig.  Auch wenn das buchstäbliche Verständnis heute einem neuen Verstand des Schöpfungswortes im Wege zu stehen scheint, hat die Wahrnehmung des biblischen Weltbildes als Gesetzeswort Gottes über Jahrhunderte den Geist der westlichen Welt getragen, war notwendig für unser geistiges Werden. Doch um den Geist dieser antiken Zeugen zu verstehen und zu erkennen, warum die biblischen Texte wirklich Zeugnisse des Gotteswortes sind, scheinen wir im Prozess der realen Schöpfung das Wort Gottes neu verstehen zu müssen. Für eine Apologetik, die nicht nur alte Dogmen hochhält, sondern deren historische Wahrheit beweist, ist es notwendig, das Wort Gottes neu zu verstehen

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Doch von diesem Wort Gottes gehen die amerikanischen Sonntagspredigten ebensowenig wie die heutige Hochschultheologen aus, gleichwohl sie es andauernd im Munde führen. Für beide steht das Wort Gottes im Buch und der historische Jesus bleibt nur ein junger Jude.

 

Weil ich entscheiden muss, was für die morgen beginnende Radtour über die Alpen in den Satteltaschen kommt, liegt vor mir eine Auswahl verschiedener theologische Lehrbücher. In allen wird  Christus allenfalls als wirkkräftiger Schein beschrieben, der entsprechend z.B.  Martin Kählers Denken erfahrungswissenschaftlich nachweisbar sei. Doch bei dieser Erfahrung geht es nicht um die in der Evolution des gesamten materiellen und geistigen Kosmos wahrzunehmende Wirk-lichkeit, sondern nur um die von der christlichen Lehre ausgehende Wirkung. Auch so wird der Logos als reine Lehre abgetan. Die Predigt von Jesus Christus wie ein Placebo, von dem eine Wirkung ausgeht. Doch mit dieser Scheinrealität kann und will ich mich nicht zufrieden geben.  Was unser Denken, unser Gefühl, wie das Werden der Welt bestimmt ist kein „schöner Schein“. Es ist die schöpferische Realität, die ebenso wirk-sam ist wie die Sonne, vor deren Schein-kraft ich mich jetzt in den Schatten flüchte. Auch die Sonne selbst kann ich nicht sehen, sondern nur den von ihr ausgehenden  Schein, von dessen Licht und Wirkkraft das physikalische Werden ausgeht, der in den biologischen Prozess allen Lebens wirksam wird. Den Schein der Sonne können wir nicht angreifen und doch ist er eine Realität, die wir aufgrund des von ihm ausgehenden Lichtes und seiner Wirkkraft wie selbstverständlich wahrnehmen. Die Christologie beschreibt eine schöpferische Tat-sache, die von Gott ausgeht. Sie ist kein Schein, der nur dem menschlichen Geist entspringt. In der Diskussion der Frühkirche, die heute als hellenisierende Christologie abgetan wird, lässt sich ein Denken herauslesen, das diese eigenständige Wirklichkeit des Gotteswortes, das Verhältnis zwischen Vater und Sohn, zum Ausdruck bringen will.

 

In die Satteltaschen habe ich ein Buch eingepackt, in dem sich Naturwissenschaftler und Theologen der verschiedenen Denkschulen mit „Evolution als Schöpfung“ auseinandersetzen. Denn vor aller theologischen Rede von einem Logos muss diese Frage gelöst werden. Alle Aussagen über ein lebendiges Wort Gottes sind sinnlos, wenn ich nicht in allem natürlichen Wirken, selbst der Kraft meiner Beine, die mich begeistert von einer herr-lichen Landschaft über die Berge treibt, das Wort Gottes wahrnehme. Doch wie sollen die Naturwissenschaftler im Gegenstand ihrer Diskussion den Gottessohn sehen, wenn dieser ihnen von den Theologen nur als hochstilisierter junger Jude beschrieben wird? Wie sollen sie in der Sinnhaftigkeit des natürlichen Werdens eine messianisch wirkende Mittlergestalt wahrnehmen können, wenn ihnen die Wunder Jesus nicht als Wirkkraft einer neuen Gotteswahrnehmung, sondern als Naturbrechungen eines Wanderpredigers verkauft werden? Wie sollen Naturwissenschaftler das Wort Gottes im natürlichen Werden wieder neu verstehen können, wenn Kirchenlehrer in der Auferstehung Jesus nur ein Außerkraftsetzen der Natur oder einen entsprechenden Mythos verkünden?  

 

Alle heutigen Betrachtungen der Christologie gehen von unserem heutigen Weltverständnis aus, in dem wissenschaftliche Welterklärung und Wort Gottes getrennt leben. Von einem einheitliche Logos, der für die frühchristlichen Denker selbstverständlich war, scheinen wir weit entfernt. Die Erkenntnisse, die Grundlage des Evangeliums sind, bleiben aus dieser Perspektive verborgen. Wo, wie in heutiger Theologie, im historischen Wesen unseres Glaubens nur ein später als Wort Gottes oder Logos verherrlichter junger Jude gesehen wird, braucht all dieses Denken über die kosmischen Prinzipien, die eine Dreiheit ausdrücken, nicht weiter beachtet zu werden. Doch ich lese in all diesen vorchristlichen Lehren die Vorboten des neu verstandenen Logos als Gotteswortes/Sohnes.  Von ewigen, unveränderlichen und universalen Prinzipien des Weltenschöpfers wird an vielen Stellen der Texte gesprochen. Wie besser lässt sich der Monotheismus begründen und als universal gültige Welt- und Gotteserklärung verkünden. Doch genau dies ist im Christentum geschehen. Nicht ohne eine neue Grundlage. Denn die Verwendung der griechisch-philosophischen Begriffe entspringt keinem jüdischen Propagandatrick, sondern folgt einer neuen theologischen Ein-sicht. 

 

Ein Problem, das sich bei diesen philosophischen Modellen allerdings oft zeigt, ist die Vielfalt und die Unverständlichkeit für die Allgemeinheit. Hier scheint für die einheitliche monotheistische Erklärung eine Gefahr gesehen worden zu sein, der versucht wurde zu begegnen.

 

3.3. Jüdische Weisheit und griechischer Verstand als Vorhut des historischen Jesus

 

Wer die jüdische Weisheitsliteratur als Vorgängerin der Christologie bezeichnet, wird weitgehende Zustimmung finden. Es steht fest, dass weisheitliche Texte und Begriffe in das Christentum eingeflossen sind. Doch wird darin meist kein Fortschritt des nach wie vor im Werden befindlichen jüdischen Monotheismus gesehen, sondern nur hellenistische Fremdeinflüsse. Die ganze vom Wort Gottes (griechisch Logos) ausgehende Erkenntnis, die in den letzten Jahrhunderten vor Jesus bzw. der menschlichen Präsenz dieses Logos erwachsen ist, wird auf dem Tisch der heutigen Theologie ausgebreitet – um sie allerdings dann anschließend wieder als vorchristlich jüdisch-hellenistisch abzutun. Die Bedeutung, die die Synthese des jüdischen mit dem griechischen Denken damals für den jungen Monotheismus gehabt haben muss, spielt für die Kirchenlehrer von heute kaum noch eine Rolle. Eine Bewusstsein davon, wie im Rahmen jüdischer Weisheit die Vorstellung des personalen Gottes mit den abstrakten philosophischen Prinzipien,  die bei Platon und Aristoteles nachzulesen sind, auf einen Nenner gebracht wurde, kann so nicht aufkommen.

 

Eigentlich ist es unfassbar. Heerscharen von Theologen blättern die großartige Theologie der gesamten Texte – vorrangig der des Alten und Neuen Testamentes - vor uns aus, die wenige Jahrhunderte vor und nach der Zeitenwende entstanden sind. Und in all diesen biblischen oder außerkanonischen Texten lässt sich immer deutlicher das neue Verständnis des Gotteswortes/Logos herauslesen. Während in der griechischen Philosophie (die in Wirklichkeit reinste Theologie war) z.B. bei Aristoteles, der Monotheismus aus dem realen kosmischen Geschehen, dem damaligen wissenschaftlichen Weltbild vernünftig begründet wurde, wollen wir unseren Glauben an den einen Gott auf die Worte von der Legende über eine männliche Mutter Teresa festmachen.  Wie können wir angesichts all dieses uns heute vorliegenden Wissens um das damalige Denken einen charismatischen Zweibeiner, der später christianisiert wurde,  für das Wesen des christlichen Glaubens halten?

 

In der gesamten griechischen und jüdischen Weisheitsliteratur, die die Theologie als Wurzel der Christologie betrachtet, werden ausführlich kosmologische Prinzipien bzw. das vernünftige Schöpfungs- bzw. Geschichtshandeln Gottes geschildert. Doch es geht nicht, wie oft behauptet wird, um unpersönliche Prinzipien.  Die in den philosophische Modellen sichtbar werdende Schöpfungsweisheit, das Wort, der Logos wird oft wie eine Person angesprochen. Und handlungsunfähig und weltfremd wie behauptet wird, ist dieses schöpferische Wort schon gar nicht. Vielmehr wird doch gerade so das Handeln Gottes in der Weltgeschichte deutlich.

 

Die hellenistischen Juden haben – bis auf wenige Ausnahmen - den Gott der hebräischen Väter nicht abgelehnt, sondern ihn neu verstanden.  Und selbst bei den gnostischen Ablehnern des Alten gehe ich nicht davon aus, dass sie den hebräischen Gott verneint haben. Vielmehr haben sie den Anspruch erhoben, genau diesen Gott neu zu verstehen und zu beschreiben, auch wenn sie das scheinbar verbrauchte, nur auf Traditionen bauende Gottesverständnis verworfen haben. (An anderer Stelle wird zu erörtern sein, dass dem Logos folgen nicht bedeuten kann, das Alte zu verwerfen, sondern wachsend weiterzubauen.)

 

Wer vom lebendigen Wort ausgeht, kann die Unterscheidung zwischen einem hellenistischen und einem jüdischen Gott aufheben, ohne die den beiden Vorstellen behafteten Probleme zu übersehen. Vielmehr war es die Chance der Synthese, diese Probleme zu lösen. Und genau das ist geschehen. Der Gott Jahwe bzw. Elohim wurde als einziger universeller Schöpfer vernünftig begründet. Von seinem Wort geht alle Welt aus. Der Mittler war der Logos  in Menschengestalt. Nur von ihm ging die messianisch erhoffte Wirkung aus.

 

Bereits in der Babylonische Gefangenschaft, wo Bekanntschaft mit neuen philosophischen Denkmodellen gemacht wurde, scheint sich aus älteren Wurzeln ein neuer theoretischer Monotheismus entwickelt zu haben. Der Vermittler dieses modernen Monotheismus war kein Mensch, sondern ein neuer sich herausbildender Menschen- und somit Gottesverstand. Hierauf gründete die Hoffnung. Was Deuterojesaja in seinem Gottesknechtlied besingt, ist nicht die Hoffung auf einen charismatischen Jungprediger, sondern das wieder lebendig werdende (neu verstandene und gelebte) Wort, das damals ganz selbstverständlich als Person angesprochen wurde.

 

Der vorchristliche Monotheismus war noch lange nicht eindeutig und allgemeinverständlich. Polytheistisches Gedankengut hat noch viele Spuren hinterlassen. Auch in Daniel ist das theologische Ringen der jüdischen Religion herauszuhören. Die geistige Auseinandersetzung hat historische Realität. Doch die theologische Trennung zwischen Gott und dem von ihm ausgehenden Wort, der in der Schöpfungstatsache sichtbaren Weisheit/Verstand (später Logos) bewahrte nicht nur die Einheit Jahwes, sondern begründete sie. Es lässt sich historisch nachvollziehen, wie das in kosmischer Realität wirksame Wort neu vernünftig verstanden und als Sohn Gottes gesehen wurde. So wurde der im Neuen Testament genannte Menschensohn geboren. Die Einheit bzw. Allmacht eines Schöpfers wurde durch Jesus Christus nicht aufgehoben, sondern neu belegt.

 

Im Reifeprozess dieses auf die Schöpfungsrealität bezogenen Monotheismus muss der griechische Einfluss wahre Wunder bewirkt haben. Wer alle Vielfalt des Kosmos auf eine letzte innere Ursache, immanente, ewige und unumstößliche Prinzipien der Welt zurückführt, hierin das vernünftige und gütige Handeln des einen Gottes erkennt, der macht den Monotheismus perfekt. Und genau das war die Aufgabe der Philosophie, auch wenn oftmals noch von verschiedenen Prinzipien gesprochen wurde. Letztlich offenbarte der Logos den einen Gott.

 

Die heutige Theologie spricht zwar bei ihrer Betrachtung der vorchristliche Texte von Christologien, hält aber weiter an einem Wanderprediger fest, an dessen Gestalt dann die altjüdischen Texte nur aufgewärmt wurden. Das völlig neu Gottesverständnis kann so nicht gesehen werden: jüdische Traditionstexte wurden übertragen und mit griechischem Gedankengut vermischt. Das wars: der neue Verstand wird verleugnet.

 

Dass z.B. bei Jesus Sirach eine Weisheit Gottes gerühmt wird, die aus dem Mund Gottes kommt, aus der alle Geschöpfe hervorgehen und dieses Wort/Logos die Rolle der Engel als Gottesbote einnimmt und so die Transzendenz des einen Gottes offenbart, das alles braucht nicht weiter zu interessieren, wenn später nur ein charismatischer Wanderprediger war.

 

Auch wenn die Stoa von einem rein philosophischen Gottesbegriff ausgeht, den Verfassern der uns vorliegenden Texte ging es nicht um eine rein kosmische Gottheit, sondern den Gott der jüdischen Religion. Durch das von Gott gesprochene Schöpfungswort, die in allem Werden immanente Weisheit, wird der jüdische Gott offenbart. Das Wort ist es nicht selbst Gott. Man muss die Analogie zu einem von uns gesprochenen Wort ziehen, um den Unterschied zwischen dem Gesprochenen und dem Sprechenden zu verstehen. Das Wort wird nicht selbst zum Weltschöpfer, wie es heutige Theologen der Weisheitslehre vorwerfen, sondern dient nur der Vermittlung des göttliche Geistes. Das Wort ist der in der Schöpfung sichtbare Verstand Gottes. Wer sich vor Augen hält, dass die alten Hebräer für Verstand und Sprache nur einen Begriff hatten: „Wort“, der kann erahnen, das durch dieses neue Denken nicht ein hellenistischer Gott gebildet, sondern der Althebräische konkretisier wurde.

 

Wer allerdings – wie Theologie heute – mit dem realen, im natürlichen bzw. wissenschaftliche beschriebnen Geschehen handelnden Schöpfergott weitgehend abgeschlossen hat, Gott als Schöpfer nicht natürlich-logisch begründet, sondern ihn nur aus alten Büchern (Gesetz-tem) ableitet, der hat mit dem jüdisch-hellinistischen Denken seine Probleme, kann dies kaum mit der christlichen Religion auf eine Reihe bringen. Das Gedankengut der griechischen Philosophie braucht dann nicht weiter zu interessieren. Sie war eh nur ein Fremdeinfluss, diente allenfalls als Steinbruch für in das neue Testament und vor allem die Trinitätslehre eingeflossene Begriffe, die man jetzt wieder zurücknehmen will. Das Wort steht im Buch und basta. Der Logos ist eine Kirchenlehre. Der Leichnam dieses Gottesbewusstseins wird nur noch von dumpfer Tradition, inneren Stimmen und Blindheit getragen.

 

Gleichwohl in aktuellen theologischen Zeitschriften für das Neue Testament von einer Christologie des Philo von Alexandrien gesprochen wird, geht man zwei Seiten weiter auf die Suche nach den Spuren eines historischen Wanderpredigers.....der dann später nur christianisiert wurde, nicht wirklich Christus war. (Allenfalls wegen der Wirkungsweise, die von einem allerdings blinden Glauben ausgeht, kann die Begründung als Christus erflogen.)

 

Das neue allegorische Verständnis der jüdischen Traditionstexte, das sich mit dem Namen Philo verbindet, die Lehre vom Logos bzw. dem Sohn Gottes, der ebenso wie in der christlichen Gnosis als Mittler zwischen den Menschen und Gott im kosmischen Geschehe gesehen wird, das alles wird als Platonismus abgetan: Apologetisch Verfärbung des Judentums, um sich gegenüber den Griechen besser verkaufen zu können. Von neuem Verstand keine Spur. Und so werden selbst die Evangelisten, in deren Texten die hellenistische Theologie unübersehbar ist, abgetan: von Fremdeinflüssen wird gesprochen, der  geistige Fortschritt wird verneint.

 

Dabei wird gerade bei Philo von Alexandrien deutlich, dass der philosophische Gottesbegriff nicht allein stehen darf. Die herausragende Leistung der alexandrinischen Denker war nach meiner Einschätzung das allegorische Verständnis der alten jüdischen Glaubenstexte, wie es zur Zeit Jesus auch in Jerusalem beheimatet war. Auch die Funde von Qumran geben Zeugnis von einer intensiven Suche nach dem Wesen, dem zugrunde liegenden Logos der alten Texte.

 

Wenn ich zwar in der jüdische Weisheit oder der Apologetik des Philo die Wurzeln des christlichen Glaubens sehe, jedoch zögere, sie als „Christiologien“ zu bezeichnen, dann nicht, weil ich sie für fremdes Geistesgut halte: Für eine messianische Wirkung, die der Bezeichnung Christus gerecht wird, bedarf es einer menschlichen Gestalt. Das Wort musste eine solche Gestalt annehmen, um verstanden und im Kontext des kulturellen Umfeldes bzw. des vorgegebenen jüdischen Glaubens eine Wirkungsweise zu entfalten. Und dies ist erst durch die Evangelisten geschehen. Der Begriff „Christologie“ ist möglicherweise für Philo noch zu früh, obwohl dieser nicht nur altjüdische Tradition neu verstanden und ebenso im griechisch-philosohischen Sinne vom Gottessohn und Logos gesprochen, es beschrieben hat. Doch erst in der Menschengestalt kommt diesem eine messianische Wirkung zu, wird das Wort Gottes zum Christus.  

 

3.4. Trinität als Voraussetzung des Neuen Testamentes

 

Aus dem bisher gesagten wird deutlich, dass bei dem geforderten neuen Verständnis die Trinität eine Grundvoraussetzung für den christlichen Glauben ist. Ganz anders stellt sich dies bei der derzeitigen Theologie dar. Hier wird immer wieder gefragt, ob sich Jesus selbst als Sohn Gottes gesehen bzw. für einen Christus gehalten habe? Wo es stehen würde, dass er der Sohn Gottes gewesen sei?..

 

Wer den historischen Jesus für einen jungen Juden hält, der muss so fragen. Zwischen den Zeilen solcher Betrachtungen, die oftmals nur die Textformeln des Neuen Testamentes absuchen, wird meist versucht die Christologie zu verniedlichen: ganz Israel sei vormals als Gottessohn bezeichnet worden...griechische Gottessohnvorstellungen auf den historischen Wanderprediger übertragen...so oder ähnlich wird die Christologie bzw. die Gottessohnschaft entschuldigt. Die Schriften des Neuen Testamentes seien halt von Diasporajuden verfasst worden, die hätten den historische Jesus erhöht...er selbst hätte so nie gesprochen...die gesamte Lehre wird so zu einer propagandistischen Spekulation. Statt sie zu bewahrheiten, werden die Aussagen des Neuen Testamentes abgestritten.

 

Es mag sein, dass nur wenige Stellen der in den Kanon des Neuen Testamentes aufgenommenen Texte Jesus ausdrücklich als Wort, Logos, Gottessohn oder Christus bezeichnen. Nur, daraus zu schließen, das seien fremde Einflüsse, pure Verherrlichungspropaganda oder spätere Sichtweisen, ist ein Kurzschluss. Jesus als die Problemlösung: Messias, lebendiger, sichtbarer Sohn Gottes wird ganz selbstverständlich vorausgesetzt. Von ihm erzählt nicht nur Johannes, der oft als griechisch-gnostisch abgetan wird, oder Paulus, den man als theologischen Propagandisten der Heiden verdächtigt das historische Geschehen griechisch ausgeformt zu haben, sondern ebenso die uns vertrauten Synoptiker.

 

Doch auch darüber wird der moderne Theologe nur lächeln, ihm ist längst klar, dass die Redaktion der neutestamentlichen Texte auf hellenisierte Judenchristen zurückgeht: Den Logos hat er längst verleugnet. Für ihn liegt die historische Tatsache nicht in einer neuen Erkenntnis, sondern in einfachen Juden, die ihren Guru verherrlicht haben. Statt ein neues Gottesbewusstsein wahrzunehmen, das im Grunde nur das Judentum mit neuem Leben erfüllt, wird das Christentum und mit ihm der gesamte Monotheismus zur Banalität. Denn wer soll Gott offenbaren, wenn die historische Realität nur ein als Wort verherrlichter Wanderphilosoph gewesen wäre?

 

Da kann die päpstliche Dogmatik noch so viele „Dominus Jesus-Papiere“ in die Welt setzen. Das nimmt keiner wirklich ernst. Hier die zahlreichen Textstellen, ob bei den gesamte Paulusbriefen, den Evangelien oder erst recht in den außerkanonischen Texten aufzuzählen, die zum Teil erst durch jüngste Funde erschlossen wurden und eindeutig vom Wort in Person reden, macht wenig Sinn. Einen Logos in der kosmischen Wirklichkeit des Werdens der Welt nicht wahrnehmend, wird die einzige historische Wahrheit weiterhin nur in einem Wandercharismatiker gesehen. Die gesamten theologischen Texte der Antike werden so wie ein religiöse bzw. propagandistische Phrase betrachtet, die allenfalls inneren Eingebungen von Einzelpersonen entspringen, was manchmal zu allem Übel auch noch als Heiliger Geist bezeichnet wird. Alles bleibt mystische Spekulation. Von einem neuen vernünftigen kollektiven Gottesbewusstsein, das die Trennung zwischen dem Schöpfer und seinen zweibeinigen Geschöpfen überwindet, keine Spur.

 

Es ist unglaublich. Jede theologische Arbeit, jedes neue Buch liefert tausendfache Beweise für das in der Antike lebendige Wort Gottes. Die gesamten Texte werden theologisch ausgedeutet, ohne das Wort als das grundlegende Wesen wahrzunehmen. Im Namen Jesus wird er in Wirklichkeit verleugnet. Die Christianisierung wird weit in die nachchristlichen Jahrhunderte gelegt, als wäre Jesus nicht wirklich der Christus gewesen. (Haben wir zu früh begonnen zu zählen „nach Christus“ denn der soll gar nicht gewesen sein.) Die theologische Bedeutung eines neuen, auf das Wort selbst bauende Gottesbewusstsein kommt nicht vor. Vielmehr wird begründet, warum die frühe Kirchenväter ihrem Religionsgründer Titel verliehen hätten.

 

 

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, die gesamten jüdischen Bewegungen zur Zeit Jesus zu untersuchen. Ohnehin fällt es schwer, die verschiedenen Geistesströme historisch real zu katalogisieren. Doch egal welche Einteilung wir treffen, in allen Bewegungen – das habe ich bei Moritz Friedländer gelernt – ist ein geistiger Fortschritt, ein Streben nach vernünftiger Grundlage des monotheistischen Gottesglaubens zu vernehmen. Der historische Jesus scheint wirklich 12 Jünger gehabt zu haben: Im gesamten Judentum der Zeitenwende war das Wort auf unterschiedlichste Weise präsent, wurde in sehr unterschiedlichen Perspektiven gesehen und artikuliert. Auch Josephus Flavius, den wir als Geschichtsschreiber bezeichnen, hat auf seine Weise versucht, den Verstand des jüdischen Geistes zu begründen. Und selbst die Makkabäer, die sich doch gegen die Hellenisierung aufgelehnt haben, sind in ihrem Bestreben nach einem vernünftigen Gottesverständnis als Zeugen Jesus zu benennen. Auch die Pharisäer, die laut den Evangelienberichten Gegner Jesus bzw. für den Tot des in Menschengestalt lebendigen Logos verantwortlich waren, sind ohne Zweifel als eine Erneuerungsbewegung zu verstehen, die den jüdischen Glaube reformierend weiterentwickeln wollten. Auch unter ihnen, wie den vielen philosophischen oder apokalyptischen Strömungen (sie waren ebenso von einem großen die Weltentwicklung verstehenden Intellekt getragen und nicht wie oft vermutet, nur absonderlicher Innerlichkeit) war das schöpferische Wort präsent.

 

3.5. Trinität ist keine Frage des guten Geschmackes

 

Bei aller Beurteilung der Frühchristlichen Diskussionen um die Göttlichkeit des Sohnes wird leicht übersehen, dass ein neuer Gottesverstand vorausgegangen sein muss. Selbst wer sie als griechische Lehre abtut muss anerkennen, dass diesen Gedanken, ein Gegenstand zugrunde liegt, der weit über das hinausgeht, was wir in einem Wandercharismatiker für die historische Wahrheit halten. Die gesamten theologischen Auseinandersetzungen der ersten Jahrhunderte, zeigen, dass der historische Jesus als wesentlich mehr als ein verherrlichter Mensch wahrgenommen wurde.

 

Ob Sohn und Geist gezeugt oder geschaffen sind vom Vater....ob der Sohn eine eigene Persönlichkeit ist....warum er wesensgleich mit Gott und doch ein eigenes Wesen ist....das alles wären reine Spekulationen um Begriffsbestimmungen, wenn es nicht das schöpferische Wort dahinter gesehen wird. Eine Vernünftige Begründung der verschiedenen Argumente, wie sie auf der Tagesordnung der christlichen Theologie stand, lässt sich nur nachvollziehen, wenn wir vom Jesus als dem lebendigen Wort/Logos in Menschengestalt ausgehen. Ansonsten wird alles zur abstrakten Begriffsglauberei, beliebigen Geschmacksfragen, Meinugen.

 

Wenn wir die Diskussion über das Hervorgehen des Sohnes und des Geistes aus Gott heute führen, dann werden of nur alte Texte zu Rat zu Rat gezogen. Doch damals scheinen Schriftzeugnisse nicht der Gegenstand der theologischen Diskussionen gewesen zu sein. Auch ging es mit Sicherheit nicht um innere Stimmen, persönliche Gefühle und was wir, die wir das lebendige Wort Gottes nicht mehr wahrnehmen, noch alles befragen wollen. Die Auseinandersetzung, so hart und trickreich sie oft auch war, wurde mit vernünftige theologischen Argumenten geführt. Und die gibt uns nur das Verständnis des vernünftigen Gotteshandelns/Wort/Logos in die Hand. „Mich dünkt, die Christologie (sowie die Trinitätslehre) sollte endlich radikal aus der Herrschaft einer Ontologie des objektiven Denkens befreit und in eine neuen ontologischen Begrifflichkeit vorgetragen werden.“ So spricht Bultmann einem Großteil heutiger Theologie aus dem Herzen. Dabei sind seine Entmythologisierungsversuche selbst schon zum Mythos geworden. Doch eine neue Begrifflichkeit, wie sie Bultmann fordert braucht nicht länger ein verniedlichendes Abstreiten der Inhalte zu sein. Mehr denn je gilt es, sich in den Verstand der Kirchenväter hineinzuversetzen.

 

Nur weil wir selbst nicht verstehen, sprechen wir den Glaubensvätern den Verstand ab, mit dem sie auf rationaler Ebene die Gottwesenheit von Vater und Sohn aus verschiedenen Perspektiven begründet haben. Und für jede der Sichtweisen gibt es gute Gründe, und jeweils lässt sich auch die Problematik, die Gefahr erkennen, die von den verschiedenen Vorstellungen für den vernünftigen Glauben an den eine Gott ausgeht. Statt heute neu zu diskutieren, ob die Gotteswahrnehmung ohne eine menschliche Mittlergestalt möglich ist, ob in der seit dem Sternenstab sichtbaren Vernunft allen Werdens pantheistisch Gott selbst oder nur sein Wort/Sohn gesehen werden kann, warum Gott selbst transzendent bleiben und wie er durch den Sohn trotzdem als Vater persönlich anzusprechen ist, wischen wir Trinität einfach als hellenistische Verherrlichungsdogmatik weg. Nur weil wir nicht verstehen können, halten wir die damaligen Denker für so naiv, mit einer grundlosen griechischen Theorie ihren Guru verherrlicht zu haben.

 

Während die heutige Theologie im Traum nicht daran denken würde, einen charismatischen Menschen mythologisierend zu verherrlichen, sollen die damaligen Denker so naiv gewesen sein. Wir haben nicht nur den Verstand verloren. Wir sind noch anmaßend dazu.

 

Während in vielen primitiven Naturreligionen der schöpferische Logos noch weit lebendiger ist, im realen Naturgeschehen wahrgenommen und in anderer Form ausgedrückt wird, halten wir uns für besonders schlau. Wir halten alles für eine überkommene hellenistische Lehre. Eine Erfahrungsbasis, die von einem realen schöpferischen Logos ausgeht, wird nicht gesehen. So verkommt die christliche Gottesoffenbarung zur blutleeren Leerformel. Wer den aller Evolution zugrunde liegenden Logos nicht als die allumfassende Gotteserfahrung wahrnimmt, wie dies dem griechischen Denken entsprechen würde, der kann nur von persönlichen Erfahrungen, Meinungen, inneren Stimmen...ausgehen. Er gründet nicht wirklich auf das Wort Gottes, wie es damals verstanden wurde.

 

Denn das Verständnis dieses Wortes war – so lehrt uns die damalige christologische Diskussion – Voraussetzung um in Gott bzw. griechischen Göttern nicht nur ein dem menschlichen Geist entsprungenes Gebilde zu sehen, sondern den wahren einen Schöpfer des Alles. In diesem Sinne war und ist auch der Logos kein menschliches Geistgebilde, sondern geht von Gott aus, ist mit ihm wesenseins ohne in ihm aufzugehen. Nein er geht nicht in einem mystischen Gottesbegriff auf: er geht von Gott aus, ist dessen Präsenz in der Geschichte von Kosmos und Menschheit. Ohne den Logos macht Gott begreifbar. Dieser geistige Grund, an der sich alle Metaphysik der Antike festmachte, hat Mittlerfunktion, seine menschliche Umsetzung hat messianische Heilwirkung. Der durch die Tradition vor-gesetzte Gott kann gedacht werden, ohne ein Denkgebilde zu sein.

 

Nur im Rahmen dieses Denkens lässt sich erahnen, was innerhalb der christlichen Religion als Heilige Geist bezeichnet wurde. Nicht Geist bzw. Verstandesvergessenheit, sondern ein einheitliches Verständnis vom Wort Gottes. Christliche Taufe nicht als blinder Dazughörigkeitsritus, sondern als vorausgehendes theologische Wahrnehmung des Wortes. Ein Geist der die Not wendet. Heute notwendiger ist, denn je. Der historische Jesus lebt nicht im Jenseits, sondern in allem Werden der Welt. Wir müssen ihn nur wieder neu wahrnehmen. In Jesus ist Gott gegenwärtige Wirk-lichkeit. Was wir in der Bibel lesen oder naturwissenschaftlich umschreiben ist ein Wort. Nur hierdurch hat der Mensch seine Be-stimmung, die ihm weder eine Gesetzlichkeit, noch eine reine Naturlehre vermitteln kann. Der Logos ist der einzige Maßstab der Sinngebung und Moral bzw. wahrer Menschlichkeit.

 

Der Heilige Geist ist somit nicht eine dritte Gottesbezeichnung, sondern geht von Gott aus und wird uns durch den Sohn, das Verständnis des Wortes zuteil. Nur so wird der eine Schöpfer des Himmels und der Erde gegenwärtig. Er wird im Geist erfasst, ohne ein Geistgebilde zu sein, wie das die angeblichen Aufklärer dachten.

 

Wenn die heutige Theologie bereit wäre darüber nachzudenken, welches Wesen sich hinter dem historischen Wanderprediger versteckt, als den Verstand an einer rein menschlichen Gestalt festzumachen, könnte ein Geist befreit werden, der wirklich lebendig macht, statt an toten Buchstabe zu kleben. Doch eine christliche Kirche, die sich auf solche Aussagen beruft, dabei aber nur die toten Buchstabe als Beweisführung in der Hand hält, trägt ihre Bezeichnung zu unrecht.

 

3.6. Christliche Apologeten und Kirchenväter als Lehrer des Logos

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           

Aufgabe, die hier nur gestreift, nicht erfüllt wird: Nachzuweisen, dass es in der gesamten Kirchenlehre der ersten Jahrhunderte nicht um die Vergötterung einer Gründergestalt oder griechische Gottesumschreibungen ging, wie dies derzeit in den theologischen Lehrbüchern steht, sondern das Wort Gottes neu wahrgenommen und in der Menschengestalt als Messias gesehen wurde. Alle Argumente, mit denen christologische Aussagen der frühchristlichen Literatur abgetan werden lassen sich entkräften, wenn wir sie aus einer neuen Perspektive lesen.

Neben der als Häresie verdammten Gnosis sind gerade deren Gegenspieler, wie Irenäus von Lion als Zeugen zu berufen. Ebenso auch Origenes: nicht Verherrlicher eines Menschen oder Ablehner des Verstandes, sondern Begründer des“wahren Wortes“, der wirklichen Vernunft: einer Ausdrucksform des Logos in Menschengestalt......Eine Fleißarbeit: Die gesamten Texte der Frühkirche dienen als Zeugen des lebendigen Logos. Selbst auf den ersten Kirchenkonzilen lässt sich ein Bewusstsein des lebendigen Wortes nachweisen. Die frühkirchlichen Auseinandersetzungen lassen sich neu bewerten. Nicht ob Jesus nur ein Mensch war, sondern ob der Lgos als Mensch angesprochen werden soll. Nicht ob Jesus gleichzeitig Gott war, sondern ob der Logos als Gott selbst bezeichnet werden kannl. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn, die in der frühen Kirche zu heftigen Auseinandersetzungen führte, macht nur einen Sinn und kann weitergeführt werden, wenn wir im historischen Jesus nicht nur einen einfachen Menschen sehen. In allen frühchristlichen Texten lässt sich ein Bewusstsein nachverfolgen, das in Jesus den Logos Gottes in Menschengestalt sieht.

 Erst mit dem frühen Mittelalter scheint dieses Verständnis von Jesus verlorengegangen zu sein bzw. ist nur noch bei einzelnen Denkern erkennbar........Alles noch aufzuarbeiten.

 

Ich denke, dass vor 2000 Jahren die evolutionäre Synthese des jüdischen Glaubens mit dem griechischen Weltverstand zu einer großartigen neuen Gottesoffenbarung durch das lebendige Wort führte. Heute läge in einer Addition von Judentum und Christentum mit dem modernen vernünftigen wissenschaftlichen Weltbild ein geistiger Fortschritt, dessen Folgen wahrhafte Wunder bewegen würden. Doch erst, wenn wir hinter dem Bild des ach so gutherzigen Wanderpredigers das lebendige Wort/Logos wahrnehmen, können diese Wunder  wahr werden.

 

4. Textzeugen des lebendigen Logos

 

4.1. Trinität im Neuen Testament

 

Wie ausgeführt, sieht die heutige Theologie in der Trinität nur eine frühkirchliche Lehrformel, die ab dem 2. Jahrhundert nach Jesus erfunden wurde. Von einer Wahrnehmung der sachlich realen Wirkungsweise scheint man weit entfernt. Weder Christologie noch Trinität werden als realhistorische Tat-sachen gesehen, sondern als Kirchendogmen verstanden. Also sucht man die Wurzeln auch nur in Texten, die dieser scheinbaren Dogmatik vorausgegangen sind. Hierzu gehört selbstverständlich auch das Neue Testament.

 

Einen Zusammenhang des für historisch gehaltenen jungen Juden mit Namen Jesus und der Trinität lässt sich von heutiger Theologie nicht wirklich herstellen. Einige wenige Formalien müssen herhalten. Taufbefehl oder Erzählung von der Taufe Jesus (Mt 28,19, Mk 1,9-11) werden z.B. von Ohlig als Begründung der Trinitätsdogmen aufgeführt: „Man darf wohl davon ausgehen, dass sich niemals eine christliche Trinitätslehre gebildet hätte, wenn es Taufbefehl oder Tauferzählung nicht gegeben hätte.“ Weniger geht nicht! Jetzt weiss ich endlich, warum ich „Christ“ bin: Weil zwei jüdisch-hellenistischer Prediger bei der Verherrlichung des historischen Jesus diese Formalien aufgeschrieben haben. In Wirklichkeit hätte der historische Jesus mit einem Christus nichts am Hut gehabt, hätte sich nie als solchen gesehen, werde ich immer wieder belehrt. Ohne den Logos, ein Verstehen dessen, was damals die Evangelisten in Jesus als lebendigen Verstand Gottes gesehen haben, bewegt sich  christlicher Glaube im luftleeren Raum, bleibt allenfalls theologische Spekulation.

 

Es wird zwar davon gesprochen, dass alle Texte von einem sog. Nachösterlichen Jesus ausgehen, vom Auferstandenen her geschrieben seien, doch ein jüdisch-hellenistisch wiederbelebte vernünftige Monotheismus, ein Wiedererstehen des Gotteswortes, das vorausgehender Denkgrund der neutestamentlichen Verfasser war, wird nicht wahrgenommen. Der jüdische Monotheismus, der das Neue Testament prägt, ist mit Sicherheit mehr als nur eine dumpfe Tradition. Tausendfach lässt sich der Zweifel am allmächtigen und allgütigen Gott in vorchristlicher Zeit nachweisen. Hiob ist nur ein kleines Beispiel. Vom Geschichtsverlauf, der das jüdische Volk in immer wieder neue Abhängigkeiten bzw. Fremdherrschaften führte und folglich Zweifel am allmächtigen Gott hervorrufen musste, ganz zu schweigen. Der im Grunde noch junge jüdische Monotheismus war vielen Fragen ausgesetzt, insbesondere in der Diaspora. Und genau dort sind die Spuren eines durch den Logos neuerwachten Monotheismus besonders gut nachzuvervolgen.

 

An vielen Stellen des gesamten Neuen Testamentes, nicht nur bei Johannes oder der gesamten Briefliteratur, lesen wir immer wieder von einer Erneuerung in Jesus. Dies alles ist nicht zurückzunehmen, sondern in neuer EIN-sicht durch den schöpferischen Logos zu begründen, die sich geschichtlich belegen lässt.  Die Himmelsstimme, die Jesus als Sohn Gottes inthronisiert hat, war das historisch nachvollziehbar verstandene Wort Gottes.

 

Wenn die heutige Theologie so tut, als sei das Neue Testament nichts anderes als jüdischer Monotheismus, der vom historischen Jesus neu begründet wurde, dann hat sie damit recht. Nur war dieser Jesus nicht einfach ein aufmüpfiger Jungprediger, der alles ein wenig besser wusste, sondern das neu verstandene Gotteswort in Person. Nur hier liegt die heilsgeschichtliche Bedeutung unseres Heilandes. So lässt sie sich historisch logisch nachweisen. Blinde und Lahme wurden hierdurch geheilt: Wobei die von der durch die Wahrnehmung Jesus (des lebendigen Wortes) ausgehende Kraft mit Sicherheit keine Placebowirkung auf Einzelpersonen war, sondern auch hier die historische Tat-sache in einer theologisch zeitgeschichtliche Begründung zu suchen ist. Nicht das Zurücknehmen der fälschlicherweise als Erhöhung eines historischen Charismatikers bezeichnete Christologie, wie immer wieder behauptet wird, sondern deren Verstehen als historische Tat-sache lässt uns die gesamten Bibeltexte mit neuen Augen lesen.

 

Der uns von den Evangelisten geschilderte Wanderprediger, dessen Predigt laut Meinung der heutigen Theologie nichts mit der Trinitätslehre zu tun habe, ist wirklich eine nachösterliche Betrachtung. Das neue Verständnis des Gotteswortes ist vorausgegangen. Die Lehren Jesus gehen vom lebendigen Logos aus, sie sind Aussagen, die sich vom lebendigen Wort ableiten lassen. Die Lebensgeschichten Jesus sind keine frommen Legenden, sondern bildhaft verständliche Beschreibungen der Lebensgeschichte des lebendigen Logos, sie beschreiben Heilswirkung und Leidensgeschichte des Gotteswortes.

 

Alle Aussagen unsere Glaubensgrundsätze betreffenden Aussagen, die sich aus dem Neuen Testament ableiten machen nur einen Sinn, wenn wir im zugrunde liegenden Wesen das Wort in Person sehen. Nur so ist z.B. die Auferstehung als Voraussetzung für den christlichen Glauben zu verstehen. Nur so sind die Worte der Evangelisten zu deuten, wenn sie davon sprechen, dass der Mensch nur in Jesus Zugang zu Gott hat. Die entsprechenden Aussagen, die sich an vielen Stelle der Texte belegen lassen und Hauptbestandteile unserer Glaubensgrundsätze, sind keine Hochstabelei oder spätere Verherrlichung eines jungen Juden, sondern gehen von einem neuen Gottesverständnis aus: Nur durch den Sohn, das schöpferische Wort, den Verstand allen Werdens offenbart sich der Vater.

 

4.2. Der lebendige Logos in der nachchristlichen Lehre

 

Auch wenn die griechischen Kosmologien von heute betrachtet oft mythologisch wirken, sie fußen auf ein damals als Wissenschaft verstandenes Weltbild. Doch im Gegensatz zu unserem wissenschaftlichen Weltbild, war damals nicht nur „auch noch“ Platz für einen Gott, sondern Wurde das Wort Gottes aufgrund des als vernünftig erkannten Wirkens wahrgenommen.

Am Anfang war das Wort:

in Schöpfung (alles geht vom Wort aus),

in jüdisch-hebräischer Weisheit,

in neuer jüdisch-hellenistischer Gotteswahrnehmung (auch alle menschliche Erkenntnis muss vom Wort Gottes ausgehen, sonst ist sie keine).

Wenn Jesus als Prinzip aller Schöpfung, als ewiger Logos geschildert wird, durch den der Vater gesprochen hat, und nur durch den der Vater zu verstehen ist, dann ist dies nicht .länger verniedlichend zu verleugnen, sondern wird aus einer neuen Perspektive heraus als historisch wahrgenommene ewige Realität verständlich. Keine schöne Geschichte der Frühkirche, die ihren Guru vergöttert, sondern kosmische Realität. Das Heilshandeln Gottes wurde im Wort neu erfasst.

 

Es ist unglaublich, wie die heutige Theologie über alle Aussagen am Anfang des chrisliche Denkens hinweggeht. Allenfalls wird vom Synkretismus zweier Kulturen gesprochen. Die kreative Leistung, die durch die Erkenntnis einer gemeinsamen Grundlage zwischen griechischem und jüdischem Gottesverständnis hervorgegangen ist, wird nicht wahrgenommen. Doch ebenso wie damals der jüdische Monotheismus nur durch ein reale Grundlage im griechischen Denken neu zu begründen war, lässt sich heute der Glaube an den einen Schöpfergott nur in einer Neudefinition der naturwissenschaftlichen Lehren begründen. Allen heute als Gnosis abgetanen Erkenntnislehren ging eine Beschreibung kosmologischer Modelle voraus. Dabei erscheint es weitgehend unerheblich, dass sich diese Modelle meist voneinander unterscheiden. Viel wichtiger ist, dass in allen kosmologischen Beschreibungen der damaligen Denkwelt das Wort Gottes verstanden wurde. Die gesamten Textzeugnisse der frühen Christenheit lassen auf diesen theologischen Fortschritt schließen.

 

Die neueren Schriftfunde, ob in Qumran oder vor allem Nag Hamadi, scheinen wie ein Geschenk des himmlischen Schöpfers, der von uns Weiterentwicklung verlangt. Während viele der außerkanonischen Schriften bisher als gnostische Häresien abgetan wurden, werden sie heute im Gleichklang mit den Texten des Kanons aufgezählt. Doch die Theologie, die z.B. hinter der Spruchsammlung eines Thomosevangeliums steht, ist mit Sicherheit mehr als allein die auf Traditionen bauende Weisheit. Hier, wie in der Spruchquelle Q, die derzeit als Urevangelium aus den synoptischen Texten abgeleitet wird, handelt es sich nicht um die Tonbandaufzeichnungen der Reden eines Wanderpredigers. Dies hochtheologische Texte gehen vom Wort Gottes aus, das neu verstanden wurde.

 

Wer, wie die heutige Theologie, nicht von einer neuem vernünftigen Verständnis des schöpferischen Wortes ausgeht, für den ist der frühchristliche Logosbegriff nur eine andere Bezeichnung für Gott. Das gleiche Missverständnis führt dazu, dass ei.......

(Fortzusetzen, ab Seite 44)

 

 

 

 

 

 

 

5. Jesus als Mittler zwischen hellenistischem und jüdischen Gottesverständnis

 

(Hier muss noch nachgewiesen werden, warum die philosophisch hellenistische Gottesvorstellung nicht eine Abkehr vom persönlichen Gegenüber des jüdischen Gottesglaubens, sondern dessen Wiederbelebung war. Argumente gegen die griechische Gotteslehre, u.A. in Glaube ohne Mythos aufgreifen und umdrehen: die im griechischen Gottesverständnis gesehenen Gefahren entkräften und ebenso versuchen logisch zu argumentieren, warum die neue Gotteswahrnehmung heilsbringend für das jüdische Verständnis des Gotteswortes war.)

 

 

6. Jesus als Mittler zwischen moderner Wissenschaft und traditionellem Monotheismus

 

(Hier sind die Probleme zu beschreiben, die die moderne Naturwissenschaft mit dem Monotheismus hat. Warum es derzeit nicht möglich ist, aus dem empirisch nachweisbaren Geschehen auf einen Gott zu schließen: warum ein Mittlerwesen notwendig ist, um Gott nicht in der Natur aufgehen zu lassen oder im Gegensatz dazu Gott nur als Lückenfüller oder Randerscheinung im natürlichen Ablauf anzuerkennen.)  

 

6.1. Der menschliche Logos: missing Link zwischen Monismus und Monotheismus

 

Durch eine naturphilosophische Betrachtung, die allenthalben als Monismus abgetan wird, lässt sich der Monotheismus vernünftig begründen. Der Begriff des Monismus wird dabei sehr weit gefasst, nicht nur auf die Lehre einzelner Naturphilosophen wie Ernst Haeckel angewandt. Letztlich lassen sich alle historischen und heutigen Theorien, die versuchen, das vernünftige Naturgeschehen als Gotteshandeln zu sehen, als Monismus betrachten. Doch dieser Monismus führt erst zum Monotheismus, wenn wir in ihm das lebendige Wort/Logos lesen und dabei gleichzeitig den Menschen Jesus sehen. Der schöpferische Verstand in Menschlicher Ausdrucksform ist verlorene Glied zwischen naturwissenschaftlichen Theorien und neuer Erkenntnis, zwischen Wissen und dem was wir Glauben nennen.

 

Monismus:

 

Im Gegensatz zum Dualismus oder Pluralismus schließt der Monismus auf ein einziges Prinzip, aus dem die Vielheit der Welt hervorgeht. Materie und Geist gehen aus diesem Prinzip hervor.

 

Moderne Naturwissenschaftler reden dabei von Weltformel, Prinzipien des Alles, suchen allerdings nur verzweifelt nach physikalischen Gleichungen als Grundlage der Genesis. In der Antike wurde hierin ein schöpferischer Verstand gesehen, den Heraklith erstmals Logos nannte. In ihm sah er die Gegensätze zur Einheit zusammengefasst. Auch die ihm nachfolgende gesamte griechischen Philosophen setzten sich damit auseinander. Für sie war es der Grund, aus dem alle Vielheit hervorging. Der gesamte Platonismus, alle in Sokrates zum Ausdruck kommenden Gedanken, bauen auf den Logos auf, führen ihn zur Theologie und Lebenslehre weiter, die im Urchristentum identisch mit dem Wort Gottes war.

 

Die Philosophie der Aufklärung führt den Monismus weiter, wobei er allerdings nur in eine mechanische oder pantheistische Weltanschauung mündet. Spinoza sieht die Einheit von Geist, Natur und Gott darin begründet. Ähnlich spricht Schelling von der Einheit zwischen Natur und Geist. Auch Hegel, der den Weltprozess dialektisch begründet, kann als Monist bezeichnet werden. Sie alle, ebenso wie die modernen Naturwissenschaftler mit ihren universalen Theorien halten das Jesuskind in den Händen, ohne es zu wissen. (Weiter Überlegungen in gesondertem Texte: Vom Monismus zum Monothesismus.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

            

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Vergebung der Sünden geschieht nur durch einen neuen Verstand

 

Weder ein Wanderprediger, noch dessen Verherrlichung als Sohn Gottes oder Wort wären fähig, die geistige Trennung zwischen Gott und seinen angeblich verstandbegabten (Verstand ist gegeben zum Verstehen des Wortes und um nach diesem Logos zu leben) zu überwinden. Die Realität der Rechtfertigungslehre lässt sich nicht durch biblische Behauptungen begründen. Ohne eine neue vernünftige Theologie, die von einer neuen Vermittlung zwischen Gott und den Menschen ausgeht, ohne eine reale neue kollektive Offenbarung, wäre die von Martin Luther aufgegriffene und inzwischen von der katholischen Kirche anerkannte Rechtfertigungslehre eine Leerformel.

(Fortzusetzen, zu konkretisieren)